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Nicht mehr lange bis Weihnachten! Wenn ihr wollt, könnt ihr mir gern die Wartezeit mit einem Feedback versüßen! LG

"Niemals."

"Nicht mal ansatzweise geflirtet? In Hogwarts leben viele junge Frauen und ich könnte mir vorstellen, dass die ein oder andere auf einen Mann sehr reizvoll wirkt."

Severus ließ ein herablassendes Grunzen erklingen. "Glaub was du willst. Es war noch nicht die Richtige dabei."

Hermine schlug ihm mit der Hand auf seinen Arm. "Du bist abscheulich." Sie kreischte, als Severus mit seinen Fingern ihre Taille umschlang. "Hör auf, das kitzelt!"

Statt die Hände wegzunehmen, legte er sie auf Hermines Bauch. Leicht provokant und sehr effektiv. Die junge Frau war hilflos gegen seine Anziehungskraft. Sie lag wieder in seinen Armen, neben ihm auf dem Sofa ausgestreckt und schnappte nach Luft. Dass er sie triezte, lockerte die Spannung zwischen ihnen. Es war so schön mit ihm. So sorglos, dass sie sich zwingen musste, ihre Glücksgefühle nicht herauszuträllern. Ihr Blick glitt wie zufällig zu seinem Gesicht, auf dem tiefe Zufriedenheit lag, auch wenn darunter ein Geflecht aus Bedenken war.

Das Steinbassin auf seinem Schreibtisch glitzerte und funkelte mit all den silbernen Gedankenfäden darin. Ein weiteres Mal traf die Spitze seines Zauberstabs auf seine Schläfe und zog eine Erinnerung aus seinem Kopf. Gewissenhaft führte er sie zu den anderen in das Becken. Die Prozedur war ein einfacher Trick mit dem er sichergehen konnte, dass niemand außer ihm seine wertvollsten und geheimsten Erinnerungen zu sehen bekam. Der dunkle Lord würde ihm schnell den Garaus machen, wenn er wüsste, was Severus wusste und dass Manches, von dem er längst geheilt sein sollte, ihm immer noch die Welt bedeutete.

Severus schob das Becken vorsichtig in die Mitte des Tisches, ging zum Kleiderschrank und zog seinen Umhang für besondere Gelegenheiten und die Todessermaske heraus. Beides ließ er schrumpfen und unter seinem Gewand verschwinden. Das Schloss befand sich schon im Dämmerschlaf, als er Dumbledores Büro erreichte. Er hielt sich nicht damit auf, den alten Kauz zu suchen, sondern wechselte die Umhänge und schob seine Maske in die Tasche. Eiligen Fußes bestieg er die schmale Treppe zur Empore wo er am Ende mit atemberaubender Aussieht belohnt wurde. Ein kleines Lächeln huschte über seine Lippen. Seine junge Gryffindor hatte ein Gespür für schöne Augenblicke. Als er mit ihr hier gewesen war, hatte er sie erstmalig genauer unter die Lupe genommen und ihr stille Anerkennung erwiesen. Nicht wie der Lehrer, der seine Schüler in Kategorien einteilte, das verstand sich von selbst. Aber sei es drum. Er hatte ein Leben und das zog mit rasender Geschwindigkeit an ihm vorbei – mit einsamen Nächten und einem kalten Bett, da er niemand hatte, der es mit ihm teilte und mit Wärme füllte ...

Vielleicht ja doch, wagte er zu hoffen. Aber dann pfiff eisiger Wind um seine Ohren und er apparierte in seine persönliche Hölle, wo die Zeit einen Stillstand erlitten hatte und es heute genauso wenig Wärme gab wie zwei Jahrzehnte zuvor. Er wäre lieber an jedem andeten Ort auf Erden gewesen, nur eben nicht bei der Versammlung.

In Malfoys Palast empfing ihn Wurmschwanz, der im Sommer sein persönlicher Diener geworden war. Überwachung durch einen Untergebenen, aus dem er auch seinen Nutzen ziehen konnte. Eine Taktik, die ihm Dumbledore beigebracht hatte. Wenn es den Dunklen Lord beruhigte, ihn beobachten zu lassen, warum nicht den Harten mimen? Wurmschwanz war schwach, weinerlich und als Kundschafter untauglich, aber davon verstand sein Herr und Meister nichts. Für ihn waren seine längsten Anhänger noch von geringem Wert, wie sich am Beispiel von Lucius Malfoy und dessen Ehefrau Narcissa zeigte. Die stolzen Reinblüter hatten Voldemort nicht nur ihren Sohn opfern müssen, sondern auch das Haus.

"Wie viele?", fragte Severus launisch, während die Ratte, wie sie es mit schmerzhaften Lektionen gelernt hatte, vor ihm katzbuckelte.

Fast alle des inneren Kreises waren da. Bevor Severus den Versammlungssaal betrat, setzte er seine Maske auf und war mit ihr ein ganz anderer Mann. Wenigstens herrschte mit dem falschen Gesicht etwas Anonymität im Gedränge. Von seinem Platz aus waren die Todesser fast nicht zu unterscheiden. Bei manchem musste man zweimal hinsehen, bevor man ihn im schwachen Licht erkannte und solange er schwieg, würde er auch seine Ruhe haben und sich nicht mit lästigem Smalltalk aufhalten müssen.

Das Wispern von Stimmen lag in der Luft, während die Anhänger stehend auf ihren Herrn und Meister warteten. Man unterhielt sich mit seinem Nachbarn, hoffte auf gute Nachrichten, die Zerschlagung der Unwürdigen, der Blutsverräter und Muggelfreunde, bis eine hohe Stimme die Versammlung eröffnete. Der Dunkle Lord schwebte in den Raum und nahm auf einem großen Stuhl am Saalende Platz. Begleitet wurde er von Nagini, einer langen, mannsdicken Schlange, die durch die Reihen glitt und sich irgendwo zusammenrollte. Namen wurden aufgerufen. Die Todesser gingen zu ihrem Rapport und fielen auf die Knie. Severus verhielt sich ruhig und hörte zu. Er erwartete kein Lob für den Verlust des jüngsten Todessers, glaubte aber auch nicht an Ärger. Draco war ein unbedeutender Junge für Voldemort und es gab reichlich Ersatz für ihn. Er wusste auch, dass Narcissa und ihre Schwester den Fall aufgeklärt haben wollten und hatte sich damit abgefunden, dass sie ihm nicht trauen würden. Geduldig wartete er auf das Ende der Versammlung, bis die zwei Frauen ihn fanden und sich mit ihm unterhalten wollten.

"Wo ist mein Sohn? Geht es ihm gut?", hob Narcissa an, als sie sich von der Menge entfernt hatten und draußen durch den Garten schlichen. Sie war außer sich vor Sorge, ihr hübsches Gesicht mager und blass in der mondhellen Nacht.

Bellatrix bevorzugte es, ihm ins Ohr zu bellen. "Du hast uns belogen! Wie hast du es gemacht?" In ihren Augen stand die Rachsucht, was nicht verwunderlich war. Einen Unbrechbaren Schwur zu brechen, war unmöglich, aber glücklicherweise hatte er noch keine Macht gehabt.

"Wie hätte ich dich denn belügen sollen? Du hast den Schwur selbst ausgesprochen", antwortete Severus versöhnlich. Die Sache musste schnellstens aus der Welt geräumt werden, wenn er nicht bis morgen Rede und Antwort stehen wollte.

"Ich wusste, dass du uns nicht belogen hast. Du hast Draco aufwachsen sehen und würdest ihn nicht im Stich lassen." Narcissa zitterte. Er mochte sie von allen am meisten, aber er konnte ihr nicht helfen. Am besten war, wenn er vortäuschte, dass Draco nichts mit ihm zu tun haben wollte.

"Bring ihn zu uns! Ich prügle ihn vernünftig!", verlangte Bellatrix.

"Das kann ich nicht. Dumbledore war klüger als du", verhöhnte er sie mit großer Freude.

"Was hast du getan? Wie konntest du das zulassen?", giftete die Dunkelhaarige.

"Es hat nichts mit dem Schwur zu tun. Glaubst du nicht, dass Dumbledore Draco schon verdächtigt hat? Wir waren alle im selben Alter, als wir uns dem Dunklen Lord anschlossen. Dumbledore holte deinen Neffen zu sich und befreite ihn von seinen Pflichten. Die Ehre, Dumbledore zu töten, wird nicht den Malfoys gehören – leider war Draco noch nicht zum Ausführen der Tat angewiesen, sonst würden wir hier nicht stehen."

"Aber der Plan hat sich nicht geändert: Dumbledore muss sterben!", erregte sich Bellatrix.

"Wenn du ihn töten willst, bitte den Dunklen Lord um seinen Segen. Bei mir bist du an der falschen Adresse. Dumbledore beobachtet mich. Außerdem musste ich ihm Gehorsam schwören, aber dem Dunklen Lord ist es nicht missfallen. Er ist zufrieden mit meiner Arbeit."

Wutschnaubend ließ Bellatrix sich von ihrer Schwester wegführen. Mehr durfte sie sich nicht erlauben, solange niemand von dem Schwur wissen sollte. Ihr Herr und Meister mochte eigenwillige Handlungen gar nicht und dass sie und Narcissa Severus besucht hatten, um ihn in diese Zwickmühle zu bringen, war ein Geheimnis. Narcissa dagegen schien mit Dracos Entwicklung nicht sehr unglücklich zu sein. Sie hatte verstanden, dass Draco bei Dumbledore war und wenn Severus ihren Gesichtsausdruck richtig einschätzte, war sie zufrieden damit, dass es Draco erspart wurde, den Mann zu töten. Solange ihr Sohn nur weit genug von Voldemort und Bellatrix weg war, konnte sie das auch sein. Wenn Dumbledore sterben sollte, dann wenigstens nicht durch die Hand eines unschuldigen Jungen.

Türen und Schlösser knacken war für ein magisches Naturtalent wie Hermine eine leichte Aufgabe. Schon in ihrem zweiten Hogwartsjahr hatte sie einen der schwierigsten Zaubertränke gebraut, der auf dem Lehrplan fortgeschrittener Schüler stand. Für Snapes Türschloss benötigte sie nur zwei Minuten und es fiel in eine echt komplizierte Kategorie.

"Da wären wir", sagte sie sich strahlend, als sie in seine Räume schlüpfte. Überraschenderweise hatte sie nicht mal ein schlechtes Gewissen. Es lief gut zwischen ihnen und sie hatte nichts Böses im Sinn. Eigentlich wollte sie ihm nur einen Besuch abstatten und als er nicht geöffnet hatte, nahm sie sich vor, bei ihm auf seine Rückkehr zu warten.

Nachdem sie im Wohnzimmer für eine gemütliche Beleuchtung gesorgt hatte, stach ihr das Steinbassin auf seinem Schreibtisch ins Auge. Im Inneren funkelte eine Flüssigkeit mit darin schwimmenden silbernen Fäden. Hermine wusste, dass das Bassin ein Denkarium war und die Fäden Erinnerungen, die Severus dort aufbewahrte. Wahrscheinlich hatte er am Abend das Schloss verlassen und war jetzt bei Voldemort und den Todessern. Sie konnte also nur hoffen, dass er bald zurückkehren würde.

Vorsichtig berührte sie das Bassin. Welche Erinnerungen es wohl waren, die er beschützen wollte?

Sie stand unmittelbar daüber gebeugt und es war eine starke Anziehungskraft, gegen die sie zu kämpfen hatte. Warum nicht schnell einen Blick hineinwerfen? Nur ganz kurz ...

Hernine legte beide Hände auf das Bassin und hielt den Kopf hinein. Im nächsten Augenblick stürzte sie in das Becken und wirbelte in eine Erinnerung, die nicht ihre eigene war. Alsbald kam die nächste und noch eine und noch eine. Hermine hatte aber schon längst genug. Mehr schlecht als recht befreite sie sich daraus und fiel keuchend auf den Stuhl. Sie war fix und fertig wegen dem, was sie gesehen hatte. Manches war grausam und sehr traurig und Severus wäre bestimmt wütend auf sie, wenn er wüsste, was sie getan hatte. Oje. Wie sollte sie ihm das beichten?

Resigniert nahm sie Abstand zum Denkarium und setzte sich auf das Sofa. Egal wie schlimm es werden würde, sie musste es ihm sagen. Wie sollte sie ihm sonst jemals wieder reinen Gewissens in die Augen sehen können?

Während sie brav auf ihn wartete, was sie von vornherein hätte tun sollen, las sie in einem Buch aus einem wahllosen Regal über die Gewinnung von Rosenblütenöl, aber ihre Konzentration war gleich null. Sie hatte so viel über Severus erfahren, dass ihr ganz schwindelig war und sie erst alles in die richtige Reihenfolge bringen und verdauen musste. Das war unglaublich viel und weil Severus alles sicher im Denkarium aufbewahrte, war es bestimmt wichtig für ihn. Voldemort glaubte an seine Zuverlässigkeit, aber er wusste nichts von den vielen kleinen Momenten, die Severus prägten. Hermine kam auch darin vor und das war echt rührend. Den größten Teil seiner Erinnerungen machten aber die weit zurückliegenden aus. Nicht nur gute. Von Geburt an war er nicht begünstigt gewesen und hatte unvorstellbare Gräuel hinter sich. Er war von seinen Eltern nicht geliebt worden, sondern missachtet. In Hogwarts erging es ihm nicht anders. Harrys Vater, der mit ihm im gleichen Jahrgang war, behandelte ihn ungerecht. Damals war Severus mit Lily befreundet, der Lily, die Harrys Mutter war, aber die Freundschaft zerbrach nach einem Streit. Severus hatte sich einen Fehltritt erlaubt, den er nicht wieder gutmachen konnte. Während Severus nicht nur freundschaftliche Gefühle für Lily hatte, verliebte sie sich in James, seinen Erzfeind, und ihre Wege gingen endgültig auseinander. Als Voldemort immer stärker wurde, war Severus schon ein Todesser geworden, der seine Befehle ausführte. In all diesem Durcheinander sah Hermine einen jungen Mann, der nicht wusste, wo er hingehörte. Severus war kein Reinblut und erkämpfte sich seinen Platz durch die Preisgabe von Informationen, die Voldemort zuspielten, während der Phönixorden, zu dem auch Lily und James gehörten, Widerstand leistete. In diesen Zaubererkrieg hinein wurde Harry geboren.

"Du bist hier", sagte Severus. Seine Worte waren ein Knurren und Hermine schreckte aus ihren Gedanken hoch. Er hatte ja irgendwann kommen müssen, aber jetzt stand er wirklich da und sah mit verkniffenen Augen auf sie hinunter. "Wenn du hier bist und das Denkarium auf dem Tisch, dann hast du ihm nicht widerstehen können", folgerte er richtig.

"Es tut mir so leid", stammelte sie hastig. "Ich wollte nicht deine Privatsphäre kaputt machen."

Severus ließ seine Brauen nach oben wandern, die einzige Regung auf seinem Gesicht, und verpasste ihr so einen Dolchstoß zwischen die Rippen. "Ach nein?", fragte er spöttisch. Er kochte innerlich und das war sein gutes Recht, auch wenn es sich bei seinem Ton wie eine unverdiente Ohrfeige anfühlte.

"Wenn ich gewollt hätte, dass du das siehst, hätte ich es dir gezeigt", schnarrte er.

"Ich sehe ein, dass du deine Gründe hast, Harry zu hassen, aber bitte hass mich nicht. James war ein Widerling und dass er mit allem durchgekommen ist, ist unglaublich."

Ein Muskel unter seinem Auge zuckte. "Du hast ja keine Ahnung", stieß er bissig aus. Er raufte sich die Haare und fing an, auf und ab zu gehen, um zu erwägen, was er mit ihr machen sollte.

Hilflos rammte Hermine ihre Zähne in die Lippe. Was, wenn sie noch mehr als seine Privatsphäre kaputt gemacht hatte? Wenn er sie nicht mehr sehen wollte?

"Ich werde nichts zu meinem Vorteil nutzen und keinem was sagen. Du weißt das, oder?", sagte sie stockend. Dass er immer noch auf und ab ging und nichts sagte, machte sie extrem nervös.

"Ich will nicht, dass du mich hasst, weil es viel zu schön ist, in deinen Armen zu liegen", floss es offen aus ihr heraus und Severus blieb mit funkelnden Augen mitten im Zimmer stehen, was sie dazu brachte, schnell noch eins drauf zu setzen. "Habe ich nicht recht? Nun, dann bin ich eben genauso selbstsüchtig wie du, als du meine Hand gepflegt hast, aber das ist mir egal. Du sollst es nur wissen."

Sein Zorn schien etwas verraucht zu sein. Er kam auf sie zu, setzte sich auf das Sofa und legte seinen geschrumpften Umhang und die Maske auf den Tisch. Hermine starrte beides mit großen Augen an, als er die Dinge mit dem Zauberstab zu normaler Größe wachsen ließ. "Ich bin nicht erfreut. Aber ich sollte nichts anderes von einer Gryffindor erwarten", knurrte er auch diesmal.

Hermine nickte. Sie hatte mit bellender Wut gerechnet, mit viel mehr Gezeter und Gebrüll, aber er war unnatürlich ruhig. "Du darfst mich gerne anbrüllen, wenn dir danach wohler ist. Ich habe es so verdient", schlug sie beschämt vor.

"Das hast du", stimmte er sofort zu. "Aber was du noch getan hast, ist viel mehr wert." Er nahm die Maske vom Tisch und hielt sie vor sein Gesicht.

Hermine erschrak bis ins Mark. Als sie im Ministerium gekämpft hatten, waren die Todesser auch maskiert gewesen und alles, woran sie sich erinnerte, war einfach nur schrecklich und grausig.

Severus legte die Maske zurück und sah sie tadelnd an. "Du hast einen Unbrechbaren Schwur entschärft, bevor er greifen konnte und mir und Draco ein neues Leben geschenkt. Gerade war ich bei seiner Familie und die meisten dort wollen ihn zurückhaben, damit er das tut, wofür der Dunkle Lord ihn zu sich geholt hat."

Hermines Wangen wurden rot. Sie stimmte nicht mit seiner Meinung überein, schließlich hatte sie sich wiederholt falsch verhalten. "Das war ich gar nicht!", korrigierte sie ungestüm. "Das warst du, als du mich mit Ron beim Lauschen erwischt hast."

"Du kannst es leugnen, aber ich glaube nicht, dass ich Draco zu Dumbledore geschleppt hätte, wenn ich nicht gezwungen gewesen wäre. Albus wollte alles im Geheimen lassen und du warst dabei nicht vorgesehen."

"Auch für dich nicht?", fragte sie leise.

"Selbstverständlich nicht", sagte er stoisch, sah dann weg und presste den Mund zusammen. "Aber ich habe es akzeptiert. Allerdings weiß ich nicht, wie du jetzt über mich denkst. Du hast viel gesehen."

Der entmutigte Blick aus diesen dunklen Augen war ein Schock für Hermine. Sie wartete kurz, ob er nicht doch wütend war und stellte fest, dass er es todernst meinte. "Machst du dir Sorgen deswegen?"

"Die Informationen, die ich weitergab, führten dazu, dass Lily gejagt wurde. Ich habe das nicht gewollt, aber das ändert nichts."

"Du hast recht. Wir beide wissen, dass das unverzeihlich war. Vor allem weißt du es und ich bin froh, dass du gegen Voldemort kämpfst. Wir sind alle nicht ohne Fehler, du nicht, ich nicht, Dumbledore nicht. Ich hab deine Privatsphäre missachtet, Severus. Es gibt fast nichts Schlimmeres, was ich hätte tun können. Ich sage nicht, dass mich das Denkarium nicht erschreckt hat, aber die Frage, die wir uns in diesem Moment stellen sollten, ist doch die, ob du mich nach diesem Vertrauensbruch noch hier haben willst und auch wenn ich dafür bestraft werden soll, müssen wir darüber reden."

Severus atmete tief durch. Vor ihr saß ein anderer Mann als der aus dem Denkarium. Dort hatte sie einen Jungen ohne Zugehörigkeit gesehen, einer wie Draco, der beim Erwachsenwerden eines Tages die falsche Abzweigung genommen hatte. Er war auch jetzt sehr angespannt, als würde sein Verstand wild in ihm toben, aber er war auf seinem Weg umgekehrt und hatte dann die andere Abzweigung genommen.

"Du bist nicht aus der Fassung zu bringen, obwohl es dir einen schweren Schlag verpasst haben muss", sagte er nachsichtig. So schwer war es also für ihn, sich einzugestehen, dass sie ihn mochte.

Hermine stieß ihn leicht mit der Schulter an. "Du hast es ja richtig drauf angelegt. Ich soll mich ganz wie Zuhause fühlen hast du gesagt. War das etwa nicht ernst gemeint?"

"Floskeln", knurrte Severus halbherzig. "Du würdest auch nicht wollen, dass ich dein Tagebuch lese, oder?"

"Tja, ich schreibe kein Tagebuch. Das machen nur kleine Mädchen."

Severus grunzte verächtlich und legte dann noch murrend den Arm um sie, sodass sie sich an ihn lehnen konnte.

"Das meine ich", hauchte Hermine im Rausch des Glücks und sie machte es sich gemütlich. Sie wusste die großzügige Geste sehr zu schätzen. Sie hatte ihn nicht verloren und wollte es nicht wieder riskieren.

Als sie nach oben sah, waren da schon seine schwarzen Augen und in ihnen das unausgesprochene Verlangen, sie nicht mehr nur im Arm zu halten: Er wollte sie küssen.

Für einen Augenblick passierte nichts, aber beiden war klar, dass sie dasselbe wollten. Severus schob sanft seine Hand in Hermines Nacken und zog sie zu sich heran. Sein Mund war ihrem schon ganz nah, sein warmer Atem strömte über ihre Haut und ihr ganzer Körper kribbelte aufreizend. Schlagartig schnellte Hermines Puls in die Höhe und beruhigte sich sofort wieder, als er sie mit seinen weichen Lippen berührte und sie tatsächlich küsste. Mit dem Geschmack von Honig auf den Lippen und dem Duft seines würzigen Aftershafes. Das Glück raubte ihr den Verstand, aber darauf war es eigentlich schon die ganze Zeit hinausgelaufen. Nur ein kleiner Schritt hatte noch gefehlt und Hermine merkte, dass sie schon lange dafür bereit gewesen war.

Severus strich liebevoll mit dem Daumen über ihren Hinterkopf. Der Druck, den er dabei ausübte, verstärkte den Kuss und Hermine seufzte in seinen Mund und schloss die Augen. Ihr ganzer Körper prickelte und der Kuss zog sich eine wunderbare Ewigkeit hin. Sprachlos lösten sie ihn auf und als Hermine wieder in seine Arme gesunken war, sah sie auf und erblickte Severus' geschwollene Lippen. Er hatte die Lider gesenkt und lehnte entspannt auf dem Sofa und blickte hypnotisch zurück. Seine Wangen waren getötet. Unterschwellig grinsend schob er seine Hand in ihre.