Die Glocken von Notre Dame läuteten um Mitternacht, als Oscar und Andre das Anwesen erreichten. Alle Bewohner des Hauses schliefen bereits tief und fest. Kein Fenster und kein Zimmer umgab ein Kerzenlicht. Überall war es stockfinster.

Das Paar stieg im Vorhof von ihren Pferden ab und führte sie in den Stall. Andre nahm die Laterne von der Wand am Eingang, die dort gewohnheitsgemäß hing, und zündete sie an, um mehr Licht zu haben. Zusammen mit Oscar sattelte er die Pferde bei den letzten Boxen ab und versorgte sie. Dabei redeten sie beide miteinander nur flüsternd über Alain und Bernard. Die anzüglichen Gespräche am Anfang schienen sie schon vergessen zu haben. Oder vielleicht war das für sie im Moment nicht mehr wichtig.

„Was meinst du, ob Bernard morgen kommen wird?", stellte Andre seine Frage beim Absatteln seines Pferdes.

„Das werden wir sehen. Auf jeden Fall war er überrascht, als ich über Rosalie gesprochen habe", war Oscars Antwort. Sie öffnete dagegen erst noch den Sattelgurt ihres Schimmels.

Andre kam zu ihr, nachdem er den Sattel und die Satteldecke seines Braunen weggeschafft hatte, um bei ihrem Pferd das gleiche zu tun. „Alain hast du aber ganz bestimmt schon auf deine Seite gezogen", sagte er und konnte einen gewissen Stolz nicht aus seiner Stimme unterdrücken.

Oscar richtete sich auf, zog den Sattel von dem Rücken ihren Schimmels und reichte ihn Andre. „Am besten kümmerst du dich um ihn, Andre. Er ist doch mehr dein Freund."

„Das werde ich, Oscar. Und du befasst dich mehr mit Bernard und Rosalie." Andre fasste den Sattel und dabei berührten seine Knöchel Oscars Finger. Beide sahen sich gegenseitig für einen Wimpernschlag in die Augen und ein leises Lächeln huschte über ihre Mundwinkel.

Oscar war die erste, die den Blick sogleich abwandte. „Genauso machen wir das, Andre." Sie überließ ihm den Sattel und während er ihn wegbrachte, widmete sie sich der Satteldecke ihres Pferdes. Der kurze Blickaustausch mit Andre hatte ihr das altbekannte Prickeln unter ihrer Haut verursacht und ein herzerwärmendes Gefühl nach Wonne vermittelt. Ihr war sicherlich die verräterische Röte ins Gesicht gestiegen und um sie zu verbergen, hatte sie Andre den Rücken gekehrt. Sie wollte nicht, dass er sie wie eine errötende Unschuld ansah. Das durfte nicht sein. Nicht, weil sie wie ein Mann erzogen wurde und sich dementsprechend benehmen sollte. Nein. Sie versuchte nur ihren Empfindungen Herr zu werden, ohne diese sensible und weiche Seite zu verdrängen, die sich gerade in ihr entfaltete. Sie wollte nicht so sein, wie sie in ihrem früheren Leben war und die Liebe zu Andre ausblenden. Sie wollte von ganzem Herzen ihre Gefühle mit ihm teilen und ihm gehören. Seit heute früh, durch die Verschmelzung mit ihrem anderen Ich, war sie anders. Und doch blieb sie sie selbst. Alles zu seiner Zeit, die Nacht hatte erst vor kurzem Einzug gehalten und für die Liebesaugenblicke würden ihnen noch genug Momente bleiben.

Andre kam zu seinem Pferd zurück und zäumte ihn ab. Oscar stand mit dem Rücken zu ihm gewandt und tat das Gleiche bei ihrem Schimmel. Er sagte und fragte nichts, weil mit einem Mal nicht wusste, worüber er noch mit ihr sprechen konnte. Es gab sicherlich viele Themen, aber sie waren gerade überflüssig. Außer einem bestimmten: Die Liebe. Darüber hätte er gerne mit Oscar gesprochen. Oder noch besser – sie mit ihr ausgekostet und verlebt. Allerdings wollte er Oscar nicht bedrängen. Nach den heutigen Ereignissen und der unerwarteten Wendung ihrer beiden Schicksale, war er sich ihrer Liebe sicher und daher brauchte er sich keine Sorgen mehr machen. Zu dem war Oscar erschöpft. Er hatte zwar den rötlichen Hauch auf ihren Wangen und einen entflammten Glanz in ihren schönen Augen gesehen, aber das musste nicht gleich bedeuten, dass sie bereit war. Deswegen hatte sie ihm vielleicht den Rücken gekehrt, um sich selbst zu finden und ihre Gefühle in Ordnung zu bringen. Er würde ihr selbstverständlich die Zeit dazu geben. Wozu die Eile, wo ihre Liebe erst heute früh frisch begonnen hatte?! So gesehen, konnten sie ihre Gefühle jederzeit ausleben.

Eine Weile noch verrichteten Andre und Oscar ihre Aufgabe verstummt und jeder für sich. Nachdem sie die Tiere in die Boxen gelassen und sie ausreichend versorgt hatten, löschte Andre die Laterne und hängte sie zurück an die Wand am Eingang des Stalles. Auf leisen Sohlen gingen sie zu zweit ins Haus und zogen noch am Eingang ihre Reitstiefel aus – sorgsam darauf bedacht, niemanden zu wecken. In der Diele des Vorsaals stand ein kleiner Hocker und darauf eine Laterne. Sie warf ein schwaches Licht, aber es genügte um den Weg bis zu den Zimmern zu finden, ohne zu stolpern. Bestimmt hatte Sophie die Laterne dort stehengelassen - mit dem Wissen, dass Lady Oscar spät Nachts kommen würde und andernfalls im Dunklen in ihr Zimmer tappen musste.

Andre geleitete Oscar auf ihr Zimmer - in einer Hand die Laterne und in der andren, seine Reitstiefel. Er wollte ihr nur den Weg bis dahin erhellen. Oscar trug ihre Stiefel selbst, da Andres Hände schon besetzt waren.

In ihrem Zimmer knisterte leise ein Kaminfeuer und warf schwache Schatten von den Gegenständen an den Wänden.

„Das ist gut", flüsterte Andre diesbezüglich: „Dann kann ich die Laterne gleich mitnehmen."

„Willst du etwa gehen?" Oscar stellte ihre Stiefel neben einem Stuhl im Salon ab, nahm ihren Hut vom Kopf und legte ihn auf den Tisch. Auf dem Weg hierher hatte sie beschlossen, ihren weiblichen Gefühlen zu folgen und nun auf ihr Herz zu hören.

„Ich dachte, du bist müde?", sagte Andre leise und leicht verwundert. Mit dieser Frage von ihr hatte er nicht gerechnet. Andererseits erfreute ihn ihr Sinneswandel. Es klang danach, als hätte sie sich für ihre weiche Seite entschieden und machte ihm Hoffnung auf eine kleine Liebelei mit ihr.

Oscar nahm ihren Umhang von den Schultern, faltete ihn zusammen und legte ihn über die Rückenlehne des Stuhls. „Jetzt nicht mehr. Ich möchte, dass du heute bei mir bleibst. Natürlich nur, wenn es dir nichts ausmacht."

Andre machte ihr Wunsch gar nichts aus! Im Gegenteil. Er stellte die Laterne sogleich in der Mitte des Tisches ab und ließ seine Stiefel neben Oscars fallen. Ein verwegenes Lächeln umspielte seine Lippen. „Ich bleibe gerne bei dir."

„Die ganze Nacht?" Oscar sah ihn schelmisch an. Unwillkürlich musste sie doch noch daran denken, was die ungehobelten Kerle in der Gaststube über sie geredet hatten und wohin das geführt hatte. Diesen Gedanken verjagte sie sogleich aus ihrem Kopf. Das gehörte nicht hierher. Oscar wechselte ihre Denkweise in eine andere Richtung: Sie dachte an die eine Nacht aus ihrem früheren Leben, die sie unter freiem Himmel im Wald mit Andre verbracht hatte. Diese Vorstellung trieb ihr eine leichte Röte ins Gesicht und in ihrer Magengrube kribbelte es wohlig.

Andre kam näher auf sie zu und verringerte die Distanz soweit zwischen ihnen, bis ihre Körper sich leicht berührten. „Ja, meine Liebste, die ganze Nacht."

Oscar kreiste die Erinnerung an das erste Mal mit ihm noch mehr durch den Kopf. Nein, sie hatte keine Angst vor dem, was jetzt kommen würde - wie auch in ihrem früheren Leben nicht. Damals war sie unerfahren und hatte sich seiner Führung überlassen. So würde sie es auch jetzt machen. Er würde ihr nicht weh tun, dafür war er einfach zu sanftmütig. „Dann halte mich ganz fest und lasse mich die ganze Nacht nicht los, mein Geliebter", sagte sie. Sachte legte sie ihm ihre Hände an den Brustkorb, stellte sich etwas auf die Zehenspitzen und zog sich zu ihm hoch.

„Liebend gerne...", murmelte noch Andre, bevor er ihren sinnlichen Mund zärtlich mit seinen Lippen verschloss und seine Arme sich wie von alleine um sie legten. Er liebkoste ihre Unterlippe knabbernd und überdachte dabei insgeheim seine nächsten Schritte. Auch er erinnerte sich an das erste und einzige Mal mit ihr aus seinem früheren Leben. In solchen Dingen war er genauso unerfahren wie sie. Aber im Gegensatz zu ihr, überließ er sich einfach seinem Instinkt und seinen Gefühlen. Er folgte dem Instinkt eines Mannes.

Ihre kleine, spitze Zunge schob sich in seine Mundhölle vor und seine etwas breitere umschlang sie verheißungsvoll. Ein spielerisches Gefecht, ohne Gewinner oder Verlierer, begann zwischen ihnen. Andre spürte die Hitze der Lust seinen Körper emporsteigen und unterhalb der Gürtellinie regte sich bereits stramm sein bestes Stück. Am liebsten hätte er ihr sofort die Kleider vom Leibe gerissen und seinem Begehren freien Lauf gelassen, aber das konnte er nicht. Nicht solange Oscar nicht selbst darauf bestand.

Zeitgleich keimte in ihm noch etwas anderes auf: Er wollte Oscar mit jeder Sehne seines Körpers zur Frau machen, aber nicht, ohne vorher ein Band der Ehe geknüpft zu haben. Das, und da war er sich vollkommen sicher, würde allerdings niemals geschehen, so bedauerlich es auch sein mochte. Schon alleine der Standesunterschied stand ihnen dabei im Weg. Von der Ablehnung ihres Vaters, des Königs oder der Königin ganz zu schweigen.

In seinem früheren Leben hatte er sie auch ohne ein Eheversprechen zur Frau gemacht, aber das waren andere Umstände gewesen und nicht mit jetzigen Situation zu vergleichen. Andre unterbrach ungewollt den Kuss und schob seine bessere Hälfte etwas von sich. Sogleich kam ihm ein Einfall. „Oscar..."

„Was ist, mein Andre?" Oscar sah ihn verwundert an, aber er lächelte nur verschmitzt. Etwas verlegen war er auch noch. „Weist du, Oscar, bevor wir weiter machen, möchte ich eine Heiratsformel aussprechen. Natürlich nur, wenn du damit einverstanden bist. Es fühlt sich dann irgendwie besser an, so, als würden wir uns wirklich vermählen..."

Oscar verstand sofort und machte von ihm einen kleinen Schritt rückwärts. „Nur zu, Andre." Sie stellte sich vor ihm in ihrer vollen Größe auf, ihr Augenmerk tief und eindringlich auf ihn gerichtet. Sein Wunsch hatte sich zuerst komisch angehört, aber er war andererseits auch berechtigt. Da sie gesetzlich gesehen nie heiraten dürften, weil sie unterschiedlichen Standes waren, müsste es auch so gehen. Sie empfand das als eine Art Verlobung.

Andre nahm ihre Hände an sich und sprach als erster die Formel: „Willst du, Oscar Francois de Jarjayes, mich zum Manne nehmen, mich ehren und lieben in guten wie in schlechten Tagen? Als meine Frau an meiner Seite dein Leben verbringen, bis das der Tod uns scheidet?"

Bei dem Satz „Bis das der Tod uns scheidet" stockte Andres Stimme und auch Oscar zuckte unmerklich zusammen. Der Tod hatte sie schon einmal geschieden und sie beide wussten bereits, wie grauenvoll sich das anfühlte.

„Ja, ich will, von ganzem Herzen", sagte Oscar mit fester Stimme und verdrängte die schlimme Erfahrung. Vor ihnen lag eine Zukunft und es war an ihnen, sie gemeinsam zu gestalten und zu durchschreiten. „Und willst du, Andre Grandier, mich zur Frau nehmen, mich ehren und lieben in guten wie in schlechten Tagen? Als mein Mann an meiner Seite dein Leben verbringen, bis das der Tod uns scheidet?" Wieder zuckte sie innerlich zusammen, aber ignorierte das gewisslich.

Auch Andre erging es nicht anders, aber er konzentrierte sich mehr auf seine Liebste. „Ja, ich will, von ganzem Herzen", sprach er und wurde von einem strahlenden Glücksgefühl erfasst. Es war zwar nicht echt, ohne Zeugen und nur ein Lippenbekenntnis, aber in dem Moment fühlte er sich mit Oscar wirklich vermählt.

„Andre!", entriss ihn Oscar sanft aus seiner Benommenheit: „Du darfst nun deine Braut weiter küssen!"

„Entschuldige, Liebes, ich war kurz abgelenkt."

„Das habe ich gemerkt. Aber das macht nichts." Oscar legte ihm ihre Hände um den Nacken, stellte sich wieder auf ihre Zehenspitzen und empfing seinen Kuss hingebungsvoll.

Seine Arme umschlossen währenddessen ihren zierlichen Körper und seine Hände wanderten ihr das Rückgrat entlang auf eine Erkundungsreise. Der Kuss wurde leidenschaftlicher, der Atem keuchender und die Hände fuhren schneller auf dem Stoff der dichten Kleider. Die Herzen verschmolzen und das Verlangen nach mehr stieg mit jedem Pulsschlag. Beide verloren die Kontrolle über sich und ließen einfach ihren Gefühlen freien Lauf. Ohne den innigen Kuss zu unterbrechen, bewegten sie sich in Richtung des Schlafgemachs und zogen sich dort gegenseitig aus.

Das Kerzenlicht der Laterne auf dem Tisch im Salon verbrannte seine letzten Reserven. Die rötlichen Flammen vom knisterten Feuer im Kamin erzeugten noch schwache Schatten an den Wänden im Schlafgemach als noch wenige Minuten zuvor. Am Boden lagen nebeneinander ihre und seine Kleider. In Hast ausgezogen und einfach hingeworfen, aber an einer und denselben Stelle.

Ein großer, dunkler Schatten an einer Wand bewegte sich agil, fließend und in eine undefinierbaren Form verschmolzen zwei Körper. Vom Bett erklang ein unterdrücktes Keuchen und Stöhnen zweier Liebenden. Ein dünner Schweißfilm und ein leicht rötlicher Hauch glänzten auf der nackten und erhitzten Haut der beiden. Die Decke rutschte immer tiefer an ihnen herab, bis zu den Hüften und blieb anschließend dort liegen. Doch die zwei merkten das in ihrem Rausch der Wonne, Begehren und Wollust nicht.

Oscar lag auf dem Rücken und Andre halb über ihr. Sein Gewicht verlagerte er seitlich auf einem Ellbogen und ergötzte sich immer wieder an dem Anblick ihres zarten Körpers, ihrer sahneweißer Haut und an ihrer Vollkommenheit. Das war ein unbeschreiblich herrliches Gefühl. Insbesondere, weil er sie sehen, jede Kleinigkeit an ihr erkennen konnte - und das mit beiden Augen.

Oscar schob ihm derweilen das Haar hinter die Schultern, befühlte seine straffe Haut, seine festen Muskeln an Oberarmen und schmiegte sich an ihn näher heran. Viel zu lange hatte sie sich danach gesehnt, sich nach ihm verzehrt und nun würde es endlich geschehen. Ihr Herz hämmerte immer wilder, die Hitze der Leidenschaft stieg in das Unermessliche und in ihrer Leistengegend loderte das Verlangen nach dem gewissen Etwas, was nur er ihr erfüllen konnte.

Andre küsste sie auf den Mund, seine Finger erkundeten ihre Oberweite und kneteten sie sanft wie weichen Teig. Ihre rötliche Knospe richtete sich hart und stramm auf. So ähnlich, wie es seine Männlichkeit schon längst getan hatte. Oscar entrann dabei ein wollüstiges Gurgeln aus der Kehle und Andre gab sie von seinen Lippen frei, um gleich darauf ihren schlanken Hals zu küssen, den sie ihm empor reckte. Oscar nahm ihre Unterlippe zwischen die Zähnen, schloss ihre Augen und entließ kleine, lustvolle Atemzüge von sich. Ihre Finger wühlten sich in sein dichtes Haar und fuhren mit kreisenden Bewegungen ununterbrochen an seinem Kopf entlang.

Seine Lippen streiften weiter, an Schlüsselbein hinab zu der weißen Narbe darunter. An dieser Stelle holte ihn die Erinnerung aus der Zwischenwelt ein, als er ihr genau diese Verletzung verarzten musste. Und auch jetzt fragte er sich, wie man so einen zarten und schönen Körper verunstalten konnte?! Die Wunde war schon längst verheilt und nur die dünne Narbe erinnerte noch daran, wie sie zustande gekommen war. Daran dachte Andre in dem berauschenden Liebesspiel nicht weiter nach und setzte seine Verführung fort. Von der Narbe aus nahmen seine Lippen den Weg tiefer hinab bis zu ihren kleinen, aber wohlgeformten Körbchen.

Oscar erschauerte es prickelnd und ihr Oberkörper bäumte sich auf, als sein Mund an ihrer Brust zart saugte und seine Zunge ihre Knospe umspielte. Seine Hand wanderte weiter: An ihren hervortretenden Rippen, über den flachen Bauch bis zu ihrem flaumigen Venushügel. Welch eine Wonne! Andre konnte sich kaum noch zügeln! Sein Blut rauschte dabei noch heißer als zuvor durch seinen Körper. Seine Finger tauchten tiefer, in die warme und feuchte Welt ihrer verführerischen Höhle des Begehrens ein. Ihr Becken rutschte ihm systematisch entgegen, ihre Finger ließen seinen Kopf los und bohrten sich Halt suchend in seine Armmuskeln. All ihre Sinne spitzten sich und gingen sogleich mit ihr durch.

Andre verwöhnte Oscar mit weiteren Küssen und brachte sie mit dem federleichten Streicheln seiner Finger auf ihrer zarten Haut immer wieder zum Erschauern. Oscar wölbte sich zu ihm und wollte mehr von ihm haben, wollte ganz ihm gehören. Andre verstand sie ohne Worte. Er wollte sie auch. Jedes Teil seines Körpers verlangte danach, sie zu besitzen, sich mit ihr zu vereinen und die Gewissheit zu bekommen, dass sie ihm wirklich gehörte, dass sie von nun an seine Frau war.

Andre gab sie von seinen Lippen und Fingern frei und verlagerte sein Gewicht ganz über sie. Auf einem Arm stützte er ab, um sie nicht zu erdrücken und senkte seinen Mund wieder über ihre weichen Lippen. Fordernd und gierig erwiderte Oscar den Kuss. Sie klammerte sich an seinem Nacken und presste sich zu ihm. Ihre Schenkel schoben sich auseinander und empfingen seine Hüften bereitwillig. Oscar selbst hielt sich an seinen Schultern fest, grub ihre Finger unbewusst tiefer in sein Fleisch und schob ihr Gesäß ihm entgegen.

Mit der freien Hand liebkoste Andre ihren beweglichen Körper und von der Hitze der Leidenschaft übermannt drang er ungestüm und unvorsichtig in sie ein. Oscar entrann ein gedämpfter Schmerzenslaut und ihr Körper verkrampfte sich augenblicklich. Andre verharrte erschrocken, er wollte ihr keine Schmerzen zufügen. „Vergib mir meine Unachtsamkeit, Liebste...", keuchte er schnell atmend und zog sich langsam zurück. „Ich habe nicht mehr daran gedacht, dass dein Körper noch unberührt ist..."

Oscar ahnte, was er vorhatte und schlang sofort ihre langen Beine um seine Hüften. Sie verwehrte ihm damit den Rückzug und zwang ihn, in ihr zu bleiben. Der Schmerz war schon gleich nach seinem Eindringen verflogen und ihr Körper entspannte sich. „Es ist alles in Ordnung... Mir geht es gut", hauchte sie atemlos und schenkte ihm ein hinreißendes Lächeln. „Mach bitte weiter..." Ihr Herz schlug rasend gegen ihren Brustkorb, ihr Verlangen raubte ihr den Verstand und eine unbezähmbare Flutwelle der Gefühle herrschte in ihr. Da konnte er doch nicht mittendrin aufhören!

Ihm erging es genauso. „Ach, Oscar... meine geliebte Oscar..." Andre erwiderte ihr das Lächeln und setzte seine Hüften wieder in Bewegung. Diesmal viel einfühlsamer und sanfter. Oscar passte sich unter ihm seinem Rhythmus an und mit jedem Stoß stiegen all ihre Empfindungen ins Unermessliche. Ihr kam es so vor, als schwebte sie irgendwo zwischen Himmel und Erde. Die Empfindungen stiegen weiter, noch höher, bis sie sich zu einem Knäuel sammelten und sich wie eine heftige Explosion in verschiedene Richtungen entluden. In dem Moment hielt selbst Andre mitten in seinen Bewegung inne und ergoss sich in ihr.

Schnaufend und glücklich sahen sie sich gleich danach eine Weile an. Die Zeit blieb für alle beide still stehen. Was könnte es schöneres geben, als dieses Gefühl und die Gewissheit, dass sie aneinander gehörten und ihre bedingungslose Liebe miteinander teilten?! Es bedurfte keiner Worte mehr, um das beschreiben zu können. Oscar und Andre verstanden sich auch ohne. Der liebreizende Glanz in ihren Augen und das hinreißende Lächeln auf ihren Lippen, sagte schon alles. Die reine Glückseligkeit stand ihnen förmlich in den Gesichtern geschrieben. Diesen ausgesprochen ergreifenden Moment kannten sie schon aus ihrem früheren Leben. Es war daher nichts Neues für sie. Nur herrschte diesmal kein Drängen, kein Druck, dass sie bald aufbrechen müssten, um sich vor acht Uhr des früheren Morgens in der Kaserne einzufinden und die Aufständischen niederzuschlagen. Nein, heute würde der Tod nicht auf sie lauern. Sie hatten in ihrem neuen Leben das Schicksal verändert, noch frühzeitig zueinander gefunden und verlebten nun ihr Liebesglück ohne daran zu denken, was morgen oder gar in elf Jahren geschehen würde.