25
Weiter geht's. Viel Spaß beim Lesen des neuen Kapitels!
Hermine nahm nur am Rande wahr, dass Harry beim Frühstück ein Zettel zugesteckt wurde. Sie war in ihrem wunderschönen Tagtraum untergetaucht, eine Erinnerung an letzte Nacht.
"Morgen Abend", flüsterte Harry verschwörerisch, als er den Zettel überflog.
"Was ist morgen Abend?", fragte Hermine planlos.
"Das Ordenstreffen", sagte Harry und maß sie kritisch durch die Brille. "Hast du nicht geschlafen? Du siehst müde aus."
Hermine grinste breit. "Ich war in ein Buch vertieft. Du müsstest mich doch kennen." Er wusste nicht, wie richtig er lag, deshalb erfand sie einfach eine Notlüge. Hermine hatte wirklich nur sehr kurz geschlafen. Sie war erst in den Morgenstunden ins Bett gekommen und da hatte ihr Herz noch lauter Purzelbäume geschlagen und sie am Einschlafen gehindert. Aber weil der Anlass ihrer Schlaflosigkeit so schön war, hatte sie keinen Grund sich aufzuregen und es brauchte auch niemand zu wissen. Miss Superkorrekt war verliebt in Severus Snape. Das übertraf jede mögliche Erklärung und setzte ihr ein neues Grinsen auf, das sich einfach nicht wegwischen ließ. Mit Severus auf dem Sofa zu liegen und händchenhaltend zu reden, war irgendwie romantisch. Es war natürlich nicht bei einem Kuss geblieben, auch zum Abschied hatten sie sich geküsst, und wenn sie so weitermachten, würden sie bald gar nicht mehr die Finger voneinander lassen können.
Um lästigen Fragen zu ihrem Dauergrinsen aus dem Weg zu gehen, verbrachte Hermine die unterrichtsfreie Zeit in der Bibliothek, wo ihre Freunde fast nie zu sehen waren. Die Quidditch-Saison war eröffnet und alle Spieler und Fans waren nur noch damit beschäftigt. Daher überraschte es sie, Draco nicht bei den Spielern zu sehen. Es war am Tag nach dem Ordenstreffen, als sie ihm wieder mit der Nase über einem Buch begegnete. Die Bibliothek war also nicht nur ihr liebster Rückzugsort, sondern auch Dracos. Ein Teil von ihr wollte ihn in Ruhe lassen, aber der andere nicht. Sie hatte ja gesehen, wie allein Severus gewesen war. Hätte sich vielleicht jemand um ihn gekümmert oder mit ihm angefreundet, dann wäre er nicht so anfällig für die dunkle Seite gewesen. Fröhlich gelaunt setzte sie sich an den Tisch neben den blonden Slytherin und schlug ihr Buch auf.
Sie hörte ihn leise murren. "Du musst ja ziemliche Langeweile haben, wenn du neben mir sitzen willst."
Als Hermine ihn ansah, war er nicht verärgert, er schien nur neugierig. Sie gab sich einen Ruck. "Meine Freunde lieben Quidditch, aber ich finde es nicht so toll. Ich hasse das Fliegen und wie andere auf Besen ihre Runden drehen, um mit Bällen Punkte zu machen, ist für mich ehrlich gesagt einfach Schwachsinn. Ich will schon, dass meine Hausmannschaft gewinnt, aber wieso soll ich draußen in der Kälte hocken, wenn ich es hier warm hab und mir die Zeit mit einem coolen Buch vertreiben kann."
"Na, ich werde deinem Pokal nicht mehr in die Quere kommen", antwortete Draco leicht bissig. "Ich soll ja nicht auffallen."
War das als Rache für ihre Lauscherei mit Ron gedacht? Hermine ließ sich nicht darauf ein. "Du warst ein guter Spieler. Mit deinem Talent kannst du jederzeit wieder anfangen", sagte sie ehrlich.
Draco nickte kurz angebunden. "Klar." Geknickt sah er in sein Buch.
Möglichst unauffällig rutschte Hermine mit ihrem Stuhl zu ihm ran. "Ich kann nicht darüber reden, aber es läuft gut", flüsterte sie ihm zu. Ihre kleine Revolution hatte dafür gesorgt, dass sich die Mitglieder des Ordens zusammen Gedanken machten und austauschten, was ein großer Vorteil war, wenn man versteckte Gegenstände suchen musste, wie etwa Horkruxe.
"Der Orden. Die Retter", sagte Draco verstehend und ohne allzu große Begeisterung zu verströmen. "Gut, wenn es gut läuft. Ich hoffe, ihr beeilt euch."
"Du machst es mir echt nicht leicht, dich zu mögen. Glaubst du mir denn nicht?", beschwerte sich Hermine.
"Was soll ich glauben?", fragte er mit düsterer Stimme. "Es läuft gut für euch, das ist toll, nehme ich an. Soll ich mich jetzt für dich freuen? Ich hab nur diese Schule, egal wie es läuft. Keine Familie, kein Zuhause. Ich bin ganz allein."
Nun platzte auch Hermine fast der Kragen. "Du wirst bald noch viel alleiner sein, wenn du nicht endlich aus dir rauskommst und die helfenden Hände ergreifst, die sich nach dir strecken. Ich bin vielleicht kein Slytherin, aber ich bin hier, oder? Du kannst mit mir reden", betonte Hermine. "Du kannst mich auch anmotzen, ganz wie du willst. Da du mich nicht als Freund magst, such dir andere. Der Orden wird dir helfen, wenn du es zulässt. Frag einfach jemanden. McGonagall, Tonks, Snape, Dumbledore oder mich. Ich empfehle dir die ersten drei. Aber geh endlich aus dir raus, wenn du Hilfe brauchst. Schreib deine Familie ab. Es sei denn, du willst wirklich zu denen zurück und dich wieder rumschubsen lassen."
Draco wirkte leicht schockiert. "Wieso willst du denn mit mir befreundet sein?", fragte er.
Weil du mich hasst und ich dir zeigen will, dass es auch anders geht. Aber ich bin nur ein Schlammblut und du ein Reinblut.
"Was? Uhm, wieso denn nicht?", erwiderte sie stotternd und war froh, dass ihre Wangen schon die ganze Zeit über warm waren und nicht verräterisch rot zu leuchten begannen. Sie hatte gar nicht auf das geachtet, was sie gesagt hatte. Freundschaft war weit hergeholt, aber da Draco es aufgegriffen hatte, konnte sie es nicht einfach so wieder zurücknehmen. Die Sache war sehr verfahren, denn verletzen wollte sie ihn nicht.
Zweifelnd hob Draco die Schultern. Seine grauen Augen waren ratlos und Hermine überspielte ihre Verlegenheit mit einem Lächeln und sah in ihr Buch.
Zwei Stunden später schaute Draco auf die Uhr und stöhnte.
"Was ist denn?", erkundigte sich Hermine sorgend.
"Bald gibt es Abendessen."
"Schon so spät?" Hermine schlug ihr Buch zu. Vorfreude erfasste sie: Abendessen hieß, dass sich alle in der Großen Halle trafen, wo auch Severus sein würde. Nur Draco sah nicht sehr erfreut aus. Er tat ihr leid. Wahrscheinlich hatte er keine Lust auf seine Slytherin Kumpels Crabbe und Goyle, deren Eltern treue Todesser waren, und hing deswegen ständig in der Bibliothek ab.
"Draco, hör mal", fasste sich Hermine ein Herz. "Ich wollte dir nicht zu nahe treten. Aber wenn du reden willst, wär ich gern da, um dir zuzuhören. Ehrensache, weißt du, wegen dem Orden."
"Schon klar", sagte er und lächelte müde.
Nachdem sie den Nachmittag zusammen verbracht hatten, gingen beide in verschiedene Richtungen davon. Sie hatten zwar nicht viel geredet, aber Hermine wusste, dass ihre Ansprache ihre Wirkung nicht verfehlt hatte. Draco war nicht blöd. Er brauchte nur einen Schubser in die richtige Richtung und irgendwie fühlte es sich so an, als würde er langsam weicher werden.
Angetrieben von ihrer guten Laune rannte Hermine in den Schlafsaal, um sich noch schnell frisch zu machen. Sie wollte gut aussehen, denn Severus sollte sie ja auch weiterhin attraktiv finden.
Als sie später beim Abendessen war und seinen Blick auffing, brannte es unerwartet in ihr. Eine Veränderung ihres Körpers, die nur eine einzige Erklärung zuließ: Verlangen. Sie hatte so ein heftiges Verlangen, dass sie wieder in seinen Armen liegen und ihn küssen wollte. Mit einem Lehrer so intim zu sein, wäre ihr früher nie und nimmer in den Sinn gekommen. Sie durften sich nur heimlich sehen, aber nach dem Abend mit dem ersten Kuss war es endgültig um sie geschehen. Keiner rechnete damit, so viel Glück zu haben oder sich plötzlich so zu verlieben. Severus war ihr sehr ans Herz gewachsen und wer würde da nicht wissen wollen, wie es weiter ging? Nun musste sie aber erst mal wieder mit ihm zusammen kommen, wieder in seinen Armen liegen und wieder in ihnen dahin schmelzen, wie ihr Verlangen es wollte.
Die Halle war ein brodelndes Pulverfass, wo sich ein großer Teil des gesellschaftlichen Lebens in Hogwarts abspielte. Sie machte Hermine nervös, obwohl es keinen Grund dafür gab. Er erwiderte ihre Gefühle, die ihre Haut kribbeln ließen und Schmetterlinge durch ihren Bauch jagten. Sie hatte sich kopfüber in ihr Glück gestürzt und sich gezwungen, nicht daran zu denken, dass sie mit Severus gar nicht so intim werden sollte. Eins hatte eben zum anderen geführt. Was wollte sie mehr?
Severus bedachte sie mit einem weiteren Blick. War es Gier, was sie darin erkannte? Eine Aufforderung?
Hermine entschuldigte sich mit Unterleibsschmerzen bei ihren Freunden und stakste aus der Halle. Sie rannte in den tiefer gelegenen Bereich des Schlosses, wo Severus seine Räume hatte. Alle waren noch beim Essen, also rechnete sie nicht damit, jemanden zu sehen. Schneller als zuletzt knackte sie die Verriegelung der Tür und schlüpfte hindurch. Die Beleuchtung befehligte sie mit einem Schlenker ihres Zauberstabs.
"Sehr romantisch", sagte Severus neckend. Er trat hinter sie und legte seine Arme um sie. Einen quer über ihre Brust.
Hermine wurde von ihren Gefühlen überwältigt, schloss die Augen und wimmerte vor Lust. Ihr Kopf fiel schwer zurück, landete weich in seinem schwarzen Haar.
Severus drückte ihr einen Kuss auf die Wange. "Es tut mir leid, wenn ich es dir so schwer mache", flüsterte er triezend.
"Du bist unmöglich. Aber ich vergebe dir."
Ihre Stimme löste sich in heiße Luft auf. Severus zerrte an ihrer Kleidung und schob seine Hand unter ihre Bluse. Langsam bewegte er sie hinauf zu ihren Brüsten und streichelte über die hart gewordenen Knospen. Hermine hatte keine Chance gegen ihn. Sie war ihm hemmungslos verfallen und griff tief in sein langes Haar, um seinen Kopf noch näher zu ihr zu ziehen. Sinnlich küsste er ihren Hals. Seine andere Hand kam helfend hinzu, glitt ihren Bauch entlang nach unten und verschwand hinter ihrem Rock. Ihre Knie waren so weich, dass sie schon längst weggeknickt wären, wenn nicht sein Körper sie gestützt hätte. Eng gegen ihn gepresst, spürte sie zum ersten Mal seine voll ausgeprägte Erektion. Sie keuchte und stellte die Beine auseinander, als er seine Finger weiter nach unten schob und hungrig in ihre Mitte tauchte. Geschickt verschaffte er ihr das größtmögliche Vergnügen, verwandelte das Ziehen in ihrem Bauch in Lust, während sein Herz, das hinter ihr so schnell mit ihrem um die Wette schlug, ihr zeigte, wie sehr er sie begehrte.
Als sie es fast nicht mehr aushielt, zerrte sie an seinem Arm. Sie wusste noch, wo sein Schlafzimmer war. Dort wollte sie mit ihm hin. Ihr Körper forderte ihn ein.
Severus verstand den Wink und gab ihrem Wunsch nach. Bei der Tür stieß er diese grob auf. Stolpernd fielen sie auf sein Bett und brachen in kurzes, heftiges Gelächter aus. Sie lag jetzt mehr oder weniger unter ihm, bemerkte es aber kaum. Sie hatten sich so oft im Arm gehalten, dass sie jede Mulde seines Körpers zu kennen schien. Mit Tränen in den Augen schob Hermine seine Haare fort, die durch sie ganz schön zerzaust waren. Feine Lachfältchen hatten sein Gesicht erobert. Er sah so glücklich aus.
Sanft streichelte er ihre glühend rote Wange. "Ist das ein Traum?"
"Wenn es einer ist, soll er nie mehr enden", flüsterte Hermine.
Unvermittelt tauschte er sein Glück gegen Verlangen aus. Hermine hatte diesen Blick schon beim Essen gesehen und falsch interpretiert. Seine Lippen stürzten auf ihre nieder und er küsste sie mit einer Intensität, die sie wieder an das Ziehen in ihrem Unterleib erinnerte. Lustvoll stöhnte sie in seinen Mund, während ihre Hände vollkommen selbständig über seinen Po krabbelten und sich vorn an seiner Hose trafen.
Severus stieß sein Becken hinab. Die harte Erregung presste sich auf sie. Das war der Moment, der sie endgültig in den Wahnsinn trieb. Sie zerrte an seiner Kleidung, den vielen Knöpfen und öffnete sie schnell. Aber sehr viel weiter kam sie nicht.
"Hörst du das auch?", keuchte sie.
Er riss den Kopf nach oben. "Die Tür. Jemand ist an der Tür."
Fluchend rollte er sich vom Bett und kam auf die Füße. Sein Atem überschlug sich, er strich sich die Haare zurück und ordnete flapsig seine Kleidung.
"Du bleibst hier und machst keinen Mucks", befahl er und bevor Hermine auch nur an einen Widerspruch denken konnte, war er weg.
Stöhnend starrte sie die Tür an. War das Wirklichkeit? Wer sie auch gestört hatte, konnte was erleben!
Sie lachte trocken auf und schüttelte ihre zerzausten Locken. Wer sie auch gestört hatte, durfte natürlich nichts von ihrer Anwesenheit im Schlafzimmer des Tränkemeisters erfahren.
Während sie wartete, machte sie es sich auf dem zerwühlten Bett bequem. Severus würde den Störenfried schon abwimmeln. Er war genauso in Fahrt gewesen wie sie und mit Sicherheit würde er das Versäumte gleich nachholen. Hermine überlegte sogar, ob sie sich schon für ihn ausziehen sollte, schlug sich den Gedanken aber gleich wieder aus dem Kopf. Das Vorspiel musste sein. Sie war heiß auf ihn, doch ihre Erfahrung begrenzt.
Die Warterei zog sich hin. Jetzt waren schon zwanzig Minuten vorbei. Ob sie einfach gehen sollte? Wenn Severus so lange weg war, war es bestimmt wichtig.
Dreißig Minuten. Langsam reichte es wirklich! Sie hatte genug davon, die Decke anzustarren. Sie könnte ja morgen wieder kommen und dann würden sie von vorn anfangen. Die Romantik und die Leidenschaft waren sowie schon kaputt. Aber wenn Severus mit dem Störenfried in der Nähe war und ihre heimliche Flucht blockierte? Wenn man sie entdeckte, wie sie aus seinem Schlafzimmer kam?
Hermine sah sich das Bücherregal zu ihrer Rechten an. Wahllos zog sie irgendein Buch heraus und kuschelte sich damit ins Bettzeug. Hoffentlich hatte Severus eine gute Erklärung dafür, dass er sie so lange warten ließ.
