21. Dezember: Letztes Handanlegen
„Hey Mädels, seid ihr schon wach?", rief Tante Ginny laut in die Wohnung, während sie noch aus dem Kamin kletterte.
Lily, die gerade mit einer Bürste durch Roses Haare gefahren war, zuckte so sehr zusammen, dass sie die Bürste direkt fallen ließ.
„Au!", sagte Rose mit schmerzverzerrtem Gesicht und schaute finster von Lily zu Tante Ginny. Sie war so schon schrecklich nervös, da konnte sie sowas auf keinen Fall gebrauchen. Glücklicherweise hatte sie wenigstens halbwegs gut geschlafen. Fast alle Bräute hatten ihr erzählt, dass das das schlimmste am Tag der Hochzeit gewesen war.
„Mum!", rief Lily vorwurfsvoll. „Du kannst doch hier nicht wie eine Verrückte rumbrüllen, die Wohnung ist winzig!" Sie hatten mit dem Frisieren im Bad angefangen, aber vor dem Spiegel war zu wenig Platz, deshalb saß Rose jetzt am Esstisch. Sie hatte den Spiegel aus dem Bad von der Wand genommen und auf einem herbeigezauberten Ständer auf den Tisch gestellt.
„Reg dich ab, Schatz, ich wollte nur sichergehen, dass ihr nicht verschlaft." Tante Ginny küsste erst Lily und dann Rose auf die Wange und hob die Bürste auf, die immer noch auf dem Boden lag. Interessiert schaute sie sie an. „Ist das eine Spezialbürste?"
„Ja, Mum hat sie mir vor ein paar Jahren geschenkt. Sie ist toll für buschiges Haar." Rose trug ihre Haare nur schulterlang, weil sie nicht den Nerv hatte, dauernd so viel Zeit in ihre Haare zu stecken, aber heute war ihre Hochzeit und da sollten sie wenigstens vernünftig ausschauen. Sie hatte nicht vergessen, wie fasziniert Scorpius ihre Haare schon bei Mollys Hochzeit angesehen hatte, und das war fast ein Jahr bevor sie zusammen gekommen waren und er noch Enid Belby hinterher getrauert hatte.
„Ist Hermine noch nicht da?", fragte Tante Ginny verwundert und schaute sich in der Wohnung um. „Sie ist doch sonst so pünktlich."
„Siehst du sie irgendwo?", fauchte Lily und nahm ihrer Mutter die Bürste wieder weg.
„Woah!", sagte Tante Ginny und musterte ihre Tochter verwundert. „Was ist denn los?"
„Wir hängen schon eine halbe Stunde hinter dem Zeitplan, wir sollten eigentlich schon längst beim Make-Up sein!", erwiderte Lily gestresst. Sie pustete gegen einige ihrer eigenen Haarsträhnen, die ihr in die Stirn fielen und fuhr Rose wieder mit der Bürste durch die Haare. Rose verzog das Gesicht, denn Lily war nicht gerade sanft.
„Ganz ruhig, Lils", sagte sie und nahm ihrer Cousine schließlich die Haarbürste weg, um nicht noch mehr Schmerzen erleiden zu müssen. „Und wenn schon. Ich hab genug Puffer eingeplant. Die Trauung ist doch erst am Nachmittag." Rose war normalerweise sehr viel gestresster als Lily, in so ziemlich jeder Situation, aber heute war ihre verdammte Hochzeit und sie wollte sich den Tag nicht verderben. Sie hatte schon genug Stress bei ihren Prüfungen gehabt, den Tag heute wollte sie einfach nur genießen, komme was wolle.
„Genau. Hör auf deine Cousine." Tante Ginny legte Lily die Hände auf die Schulter und führte sie zum Sofa. „Setz dich erstmal und atme tief durch. Es nützt keinem was, wenn die Trauzeugin durchdreht. Ich weiß noch, wie das bei meiner Hochzeit war, Hermine war unmöglich."
„Wieso denn das?", fragte Rose grinsend und bürstete sich ihre Haare jetzt selbst. Das hatte sie sowieso machen wollen, aber Lily hatte darauf bestanden, das eine Braut das an ihrem Hochzeitstag nicht nötig hatte.
„Oh, sie hat sich mit Ron gestritten, weil der es für nötig gehalten hat, Harry einen Vortrag darüber zu halten, anständig zu sein und mir nicht weh zu tun. Dann hat er ihm wohl noch gesagt, dass er in der Hochzeitsnacht nicht so stürmisch sein soll, weil ich ja noch Jungfrau bin."
Lily prustete laut los und schaute Tante Ginny ungläubig an. „Ernsthaft? Hat er das wirklich geglaubt?"
Ginny verdrehte die Augen. „Ich kann's dir nicht sagen. Gehofft vielleicht. Außerdem, wenn einer von uns in der Hochzeitsnacht noch Jungfrau gewesen wäre, dann doch eher Harry. Der hat einmal eine andere geküsst und eine Verabredung mit ihr gehabt, bevor er mit mir zusammen war. Als ob der zwischen all den Katastrophen Zeit gehabt hätte, seine Unschuld zu verlieren."
„Vielen Dank, das wollte ich immer schon über Onkel Harry wissen", erwiderte Rose grinsend. Dadurch, dass sie im Krankenhaus so ziemlich alles zu sehen bekam, hatte sie weniger Hemmungen als die meisten, über Sex zu sprechen, aber die Details ihrer Familienmitglieder musste sie jetzt auch nicht unbedingt erfahren.
„Gerne doch, mein Schatz. Ich kann dir auch erzählen, wie ich deine Eltern einmal bei uns in der Speisekammer erwischt habe. Ich bin immer noch davon überzeugt, dass sie an dem Abend Hugo gezeugt haben, so gerne, wie der immer isst."
Rose verzog jetzt wirklich das Gesicht, so genau musste sie das nun doch nicht wissen.
„Diese Lüge verbreitest du immer noch?" Während Tante Ginny gesprochen hatte, war Roses Mutter im Wohnzimmer erschienen. Ihre Haare waren schon in den eleganten Dutt im Nacken geschlungen, den sie am liebsten zu solchen festlichen Anlässen trug. Ansonsten trug sie aber wie alle Anwesenden eine leichte Bluse und Jeans. Für Ende Mai war es schon sehr warm, deshalb waren wärmere Klamotten gar nicht nötig. In der Hand hielt sie ihre treue perlenbesetzte Handtasche, in der ihr ganzer Hausrat passen würde.
„Was?", fragte Tante Ginny und blickte ihre Mutter unschuldig an. „Du warst doch nach dem Abend schwanger!"
„Das schon, aber nicht in eurer Speisekammer! Du hast uns unterbrochen, bevor es soweit kommen konnte", sagte Roses Mutter und lief rosa an.
„Tante Hermine!", rief Lily schockiert und starrte sie mit offenem Mund an.
Rose zuckte nur mit den Schultern. Ihre Eltern hatten ein sehr lebendiges Sexleben. Glücklicherweise waren Hugo und sie im Laufe der Zeit sehr gut darin geworden, zu erkennen, wann ihre Eltern in Stimmung waren und waren ihnen sicherheitshalber immer aus dem Weg gegangen. Das war für alle das Beste gewesen.
„Wieso kommst du erst jetzt?", fragte sie ihre Mutter besorgt. „Ist alles in Ordnung? Du wolltest doch früher kommen."
„Ich weiß, Liebling, das tut mir auch sehr Leid", sagte sie entschuldigend. Sie küsste Rose auf die Wange und stellte die Handtasche auf den Tisch. Dann nahm sie Rose die Bürste aus der Hand und kümmerte sich selbst um das Haar, so wie Rose es gehofft hatte. Wenn jemand wusste, wie man mit ihren Haaren umgehen musste, dann war es ihre Mutter. „Ich war mit meiner Frisur auch schon vor einer Stunde fertig. Dann musste ich deinen Vater aber noch in seinen Festumhang zwingen und im Fuchsbau abgeben, damit wir sichergehen können, dass er auch da ist. Jetzt wird Molly ihn nicht mehr weglassen", sagte sie zufrieden. Sie legte die Bürste weg und begann damit, Roses Haare lose hochzustecken, so wie Rose es gewollt hatte. Sie wollte keinen Schleier, weil es am Fuchsbau sehr windig sein konnte, und so eine Frisur wie die ihrer Mutter kam ihr zu altmodisch vor, auch wenn sie ihr hervorragend stand, deshalb hatte sie sich dafür entschieden.
„Ron ist immer noch dagegen?", fragte Tante Ginny ungläubig.
Roses Mum seufzte. „Was soll ich dir sagen, du kennst ihn doch. Er ist ein Sturkopf. Er hätte keinen Mann gemocht, den Rose angeschleppt hätte und das Konzept eines Malfoys schon gar nicht. Aber wenn ich ihn lange genug dazu zwinge, gute Miene zum bösen Spiel zu machen, wird er seine Meinung schon noch ändern. Mit Scorpius selbst hat das nichts zu tun", versicherte sie Rose schon zum hundertsten Mal.
„Das hilft mir aber auch nicht weiter", seufzte Rose. Seit vier Jahren redete sie sich ein, dass ihr Vater zur Vernunft kommen würde und seit vier Jahren war es nicht passiert. Er hatte zwar nichts zu ihrer Verlobung gesagt, aber sie kannte ihn gut genug um zu wissen, dass er nichts davon hielt.
„Das wird schon, Rose. Mum konnte Fleur am Anfang auch überhaupt nicht leiden und mittlerweile sind sie ein Herz und eine Seele. Das dauert manchmal ein bisschen, aber am Ende wird noch alles gut", sagte Tante Ginny zuversichtlich und betrachtete mit Argusaugen, wie Roses Mutter mit der Frisur zurechtkam. Sie nahm ein paar Haarnadeln und ging ihr zur Hand, während Lily nur misstrauisch zusah und Rose vorsichtshalber die Augen komplett schloss.
„Wieso konnte Grandma Tante Fleur nicht leiden?", fragte Lily verwundert. Das würde Rose auch gerne wissen. Grandma und Tante Fleur kamen doch super miteinander aus.
„Ach, das hatte viele Gründe", antwortete Tante Ginny unbekümmert. „Sie fand die Verlobung zu überstürzt, Fleur war ihr zu jung, sie kam aus Frankreich, ständig hatte sie was zu meckern und erzählte uns, dass in Frankreich alles besser war… das letzte hat mich auch schrecklich genervt, aber nachdem ich bei Vickys Hochzeit gesehen hab, wo sie aufgewachsen ist …" Sie pfiff anerkennend. „Ich kann verstehen, dass der Fuchsbau für sie ein Kulturschock gewesen sein muss. Naja, wie dem auch sei, Mum hat sich nach einer Weile eingekriegt und bei der Hochzeit war alles in Butter gewesen. Bis die Todesser gekommen sind, natürlich, das hat den Abend am Ende irgendwie ruiniert." Sie schüttelte bedauernd den Kopf und half Roses Mum dabei, mit Haarspray ein paar der Strähnen zu fixieren. „Deshalb mach dir keine Sorgen, Rose. Ron hat Mums Sturkopf geerbt. Aber solange Scorpius dich anständig behandelt, wird das schon noch werden. Du wirst sehen, irgendwann gehen die beiden zusammen zu Quidditchspielen der Canons. Die haben so wenig Fans, da können sie das gebrauchen."
„Na wenn ihr meint", sagte Rose zweifelnd und drehte schließlich prüfend den Kopf, als ihre Mum ihr signalisierte, dass die Frisur fertig war. Sah gut aus, so hatte sie sich das vorgestellt.
„Fertig?", fragte Lily und sprang auf. „Dann bin ich jetzt dran." Lily hatte schon früh mit Make-Up experimentiert und war sehr gut darin. Rose überließ das ganze gerne ihr, da sie außer Lidschatten und etwas Lippenstift noch nie Make-Up benutzt hatte. Lily breitete eine Menge Utensilien auf dem Tisch aus und machte sich ans Werk.
„Und bist du schon aufgeregt, Liebling?", fragte ihre Mum und setzte sich auf den Platz, den Lily gerade frei gemacht hatte. „Ich weiß noch, ich war damals schrecklich aus dem Häuschen."
„Hält sich eigentlich noch in Grenzen. Ich hab nur Angst, dass sich seine Familie mit unserer nicht verstehen wird. Bisher ist es ja nicht sehr gut gelaufen", sagte Rose und machte schnell den Mund zu, weil Lily sich beschwerte, dass ihr Gesicht nicht ruhig war.
„Das wird schon", sagte Tante Ginny zuversichtlich. „Die sind schließlich alle Gäste bei uns und Mum besteht darauf, zu Gästen immer höflich zu sein. Solange die Malfoys nichts anrichten, wird das schon gut gehen."
„Ja, du solltest dir lieber Sorgen machen, dass Al und James sich streiten", warf Lily ein.
„Wieso?", fragte Tante Ginny alarmiert. „Ist etwas nicht in Ordnung?"
Lily zuckte mit den Schultern. „Scorpius hat gestern Abend verzweifelt angerufen, weil die beiden angefangen haben, sich zu streiten und er ernsthaft überlegt hat, doch hier zu übernachten."
„Ach du meine Güte", seufzte Tante Ginny gequält. „Da sehen sich die Jungs so selten und machen so ein Theater. Gut, dass die sich nie ein Zimmer geteilt haben, sonst wäre das wie bei Fred und George ausgegangen."
„Wieso haben Al und James sich denn gestritten?", fragte Roses Mum besorgt.
„Was weiß ich", sagte Lily abfällig. „Irgendwelchen Scheiß halt, so wie immer. Al kann unausstehlich sein mit seinem Jetlag und James hat Frauen die ganze Zeit mit Essen verglichen und dann haben sie sich mit Kissen beworfen und während Scorpius mit uns gesprochen hat ist wohl noch eine Lampe kaputt gegangen … das übliche eben."
Scorpius hatte es zwar als nicht sonderlich dramatisch dargestellt, aber das Gebrüll im Hintergrund war schon sehr laut gewesen. Rose hätte nichts dagegen gehabt, wenn er die Nacht mit ihr verbracht hätte, aber wenigstens eine Tradition hatte er bewahren wollen. Hoffentlich hatten die beiden sich wieder eingekriegt, Al und James konnten sich manchmal sehr gut in irgendwelche Nichtigkeiten hineinsteigern.
„Man möchte meinen, dass ich meine Söhne besser erzogen hätte", sagte Tante Ginny bedauernd. „Na wenigstens hab ich noch dich, Lily."
„Jaja, schieb die ganze Verantwortung wieder mir zu, nur weil meine Brüder Idioten sind", sagte Lily und verdrehte die Augen.
„Und was soll ich dann sagen? Ich hatte sechs Brüder, einer war immer ein Idiot, damit muss man leben", erwiderte Tante Ginny schulterzuckend.
Rose war froh, dass sie nur Hugo hatte. Sicher, ihr kleiner Bruder konnte auch ein Idiot sein, wie jeder Mensch, aber sie verstanden sich eigentlich sehr gut und stritten kaum. Sie freute sich, dass er jetzt mit der Schule fertig war und für Onkel George arbeiten würde, so würde sie ihn vielleicht etwas häufiger sehen können.
„Ich hätte ja gerne Geschwister gehabt"hnition hatte er bewahren wollen. schon sehr laut gewesen. , seufzte ihre Mutter. „So als Einzelkind kann das ganz schön langweilig sein, auch wenn ich mich immer gut selbst beschäftigen konnte. Deshalb wollte ich immer mehr als nur ein Kind. Aber ihr zwei reicht mir völlig. Eins Mädchen und ein Junge, genau wie ich es wollte."
„Mir hätten zwei ja auch gereicht", seufzte Tante Ginny. „Aber ich wollte ein Mädchen und Al war dummerweise ein Junge. Aber nach dreien wäre so oder so Schluss gewesen, egal, ob Mädchen oder Junge."
„Da hast du ja Glück gehabt", murmelte Lily noch genervter.
„Und wie viele Kinder wollt ihr, Rose?", fragte Tante Ginny neugierig.
„Eine ganze Weile überhaupt keine", sagte Rose entschlossen. Sie wollte in Ruhe ihre Ausbildung abschließen und sich im Krankenhaus etablieren, bevor sie eine Familie gründete. „In zehn Jahren vielleicht. Zwei wären glaube ich ganz nett, so wie Hugo und ich. Scorpius will auf gar keinen Fall nur eins, er hat das mehr gehasst als du, Mum."
„Ja, bei den Malfoys ist das auch scheiße", sagte Lily verständnisvoll. „Diese ganzen Erwartungen, die er erfüllen soll und die ständige Aufmerksamkeit. Wenn ich was angestellt hab, war das nie lange schlimm, weil James spätestens am nächsten Tag noch was viel schlimmeres gemacht hat." Rose lachte. Ja, auf James war in dieser Hinsicht immer Verlass.
„Naja, wenn das bei den Malfoys so läuft wie bei Sirius und seinem Bruder Regulus, dann wären zwei Kinder auch nicht so viel besser. Sirius hat sich ja völlig von der Familie losgesagt und dann wurde Regulus von allen Erwartungen erschlagen und die ganze Familie ist den Bach runtergegangen", wandte Roses Mutter ein.
„Selbst Schuld, wenn die Leute so verbohrt sind, dass sie nicht über den Tellerrand hinausschauen können", erwiderte Tante Ginny.
„So wie Dad?", fragte Rose. Im Grunde machte er auch nichts anderes als die Malfoys, die Rose genauso verabscheuten wie ihr Vater Scorpius, aus genau den gleichen Gründen. Und sie mussten es ausbaden, obwohl sie doch gar nichts gemacht hatten. Aber darüber wollte sie jetzt nicht nachdenken, dazu würde sie später noch genug Gelegenheit haben.
Ihre Mum seufzte schwer. „Ach, Rosie, ich wünschte, ich hätte mehr tun können. Ich fühl mich, als hätte ich dich im Stich gelassen."
„Nein, überhaupt nicht!", widersprach sie sofort. Ihre Mutter war fantastisch. „Du hast bestimmt alles versucht, um Dad zu überzeugen. Und du warst offen für Scorpius und bist immer nett zu ihm und du hast ihm eine Chance gegeben. Das ist mehr, als Dad je gemacht hat."
„Ich weiß. Trotzdem."
„Er ist immerhin dabei", versuchte Tante Ginny das Positive zu finden. „Und er wird dich zum Altar führen, wenn du willst. Mum würde sonst ausflippen, und keiner legt sich mit Mum an. Besonders, weil sie Scorpius doch sehr gern hat."
„Sie war ihm immer dankbar, dass er sich sofort mit Al angefreundet hat." Sie waren alle geschockt gewesen, dass Al nach Slytherin gekommen war und nicht zu ihnen nach Gryffindor. Sie hatten mit dem schlimmsten gerechnet, aber Al hatte sich in seinem Haus sofort wohl gefühlt, weil Scorpius sofort sein bester Freund geworden war.
„Das war ich auch", sagte Tante Ginny sofort. „Sicher, sein Vater war während unserer Schulzeit unmöglich und seine Großeltern kann man völlig vergessen, aber Scorpius ist es zu verdanken, dass die erste Zeit für Al nicht so ein Desaster war wie für mich damals." Sie erschauderte, als sie sich wohl daran erinnerte, was das Tagebuch damals mit ihr gemacht hatte. Rose wurde ganz schlecht, wenn sie daran dachte, dass Al so etwas hätte passieren können. Merlin sei Dank war Scorpius dagewesen.
„Sowas hätte auch kein zweites Mal passieren können", widersprach Lily. „Horkruxe hat ja nicht jeder einfach so herumliegen." Sie trat einen Schritt zurück und nickte zufrieden. „So, ich bin fertig. Was sagt ihr?" Rose schaute in den Spiegel und musste ein zweites Mal hinsehen, weil sie so überrascht von sich war. Sicher, Lily hatte nicht viel gemacht, Rose wollte sich schließlich noch wiedererkennen, aber es war doch erstaunlich, wie so ein bisschen einen Menschen so verändern konnte. Lily hatte besonders ihre Augen betont und goldenen Lidschatten benutzt, um ihre Farben aufzugreifen und ihre Augenringe weggeschminkt. Ihre Augen sahen riesig aus. Ihre Lippen hatten nur ein dezentes rot, das war perfekt.
„Fantastisch. Danke Lily", sagte Rose zufrieden. Sie stand auf und streckte sich nach dem langen Sitzen. Dann umarmte sie ihre Cousine, anschließend ihre Tante und zum Schluss ihre Mutter. „Vielen Dank euch allen. Ich wüsste gar nicht, was ich ohne euch gemacht hätte."
„Scorpius würde dich auch so nehmen", sagte ihre Mum mit belegter Stimme. „Egal wie, er würde dich immer nehmen." Sie wischte sich eine Träne aus dem Augenwinkel. „Ich bin so froh, dass du so einen Menschen gefunden hast. Einen wirklichen Partner. Auch wenn ich mich gerne über deinen Vater aufrege, er ist der beste Mann, den ich mir wünschen konnte und ich freue mich so, dass du auch so jemanden hast." Sie schluckte. Rose versuchte krampfhaft, ihre eigenen Tränen zurück zu halten. Ihr Make-Up war zwar wasserfest, aber sie hatte gehofft, erst bei der Trauung zu weinen. „Ich wünsche euch so sehr, dass es gut gehen wird. Dass ihr zusammen auf der Hochzeit eurer Kinder und eurer Enkelkinder noch so glücklich sein werdet. Es ist nicht einfach, aber es lohnt sich."
Rose schniefte und umarmte ihre Mutter wortlos. Solange sie auf ihrer Seite war, hatte ihr Dad keine Chance. Sie atmete tief durch. „Okay, ich muss jetzt mein Kleid anziehen.
Ihre Mutter biss sich auf die Lippe und nickte. Die Stille wurde schließlich von Tante Ginny unterbrochen, die sich lautstark die Nase putzte.
TBC…
