Ein paar Tage später und Riddle, das sprichwörtliche Rätsel, in Gestalt eines Menschen, verhielt sich beinahe so, wie immer.

Nur sah er mich immer mit einem Ausdruck der Verwunderung an.

Mir ging es psychisch zunehmend schlechter. Meine Stimmen, die kommentierten waren immer noch da. Und schlimmer als je zuvor. Vor allem die eine Stimme, die sagte, wie toll Riddle war und die nie still war...

"Graygrove, hörst du mir zu?", raunte er mir amüsiert zu. Riddle hielt das Buch so, dass ich nichts sehen konnte. Er hatte heute in Zaubertränke gemeint, er würde mir helfen wollen, meine Noten anzuheben.

Das war wie folgt gelaufen:

"Ich werde dir helfen, deine Noten zu verbessern, gegen eine kleine Gegenleistung" Natürlich, bei Tom Riddle war nie etwas umsonst. Ich hatte das Gesicht verzogen und ihn misstrauisch beäugt. Die Stimmen schrien schon wieder Hure und Schlampe.

"Wann ist bei dir etwas ohne Hintergedanken, Riddle", seufzte ich. Er grinste mich an.

"Ich frage nur nach einer Kleinigkeit, Effy" Konnte ich einen Deal mit dem Teufel eingehen? Wenn er wieder mit dem Ring anfangen würde...

"Im Sommer, Graygrove. Ich brauche jemanden, der mir hilft nach etwas zu suchen", flüsterte er mir leise zu. Ich erstarrte aufgrund seiner Nähe zu mir.

"Wenn du Hilfe brauchst, brauchst du das nur sagen, oh Tom", lachte ich. Er sah mich kurz finster an. Slughorn hatte das Ganze breit grinsend angeschaut.

"Ich meine das ernst, Effy. Ich benötige deine... Hilfe", Riddle klang schon beinahe genervt bei diesen Worten. Natürlich hasste es der brilliante Tom Riddle, nach Hilfe zu fragen.

Irgendetwas an der Art, wie er es gesagt hatte, ließ mich inne halten. Er hatte fast etwas verletzlich geklungen.

Meine Arrithmantik Noten könnten aber tatsächlich ein Lifting gebrauchen. So stimmte ich also zu.

Was uns zurück zur Nachhilfe Stunde brachte.

Arrithmantik. Tom merkte man es jetzt bereits an, wie gerne er es liebte, Leute zu foltern. Allerdings fragte ich mich, wenn er Macht liebte, wieso er nicht einfach Lehrer geworden war. Nein, es musste ja die Weltherrschaft sein!

"Graygrove, konzentriere dich!", knirschte Riddle. "Das ist jetzt schon das dritte Mal, dass du so abdriftest" Ich seufzte. "Nochmal zurück zu den Basics. Was ist Arrithmantik?", wollte er von mir wissen.

Ich stöhnte entnervt auf. Er beugte sich zu mir. "Wenn ich dich nur einmal so zum Stöhen bringen kann, kann ich, glaube ich, glücklich sterben", flüsterte er in mein Ohr. Ich hatte wieder am ganzen Körper eine Gänsehaut.

Mir stockte der Atem. Das war jetzt nicht passiert oder? Hatte Riddle gerade impliziert, mit mir schlafen zu wollen?

"R-Riddle, ich glaube, wir machen lieber beim Lernen weiter", sagte ich schnell. Gott, was passierte hier mit mir? Ich wurde tatsächlich rot! Zumindest spürte ich die Wärme in meine Wangen schießen. Vielleicht war ich auch einfach davon ausgegangen, dass der große Voldemort nie ein Interesse an Sex gehabt hatte, ich weiß es nicht.

"Effy, es ist ganz normal bei mir rot zu werden", sagte dieser arrogante, aufgeblasene Idiot auch noch.

Ich verdeckte mein Gesicht mit meinen Händen. "Ich werde nicht wegen dir rot, Riddle", zischte ich und wartete darauf, dass die Röte aus meinen Wangen wich. Ich brachte die Männer dazu, rot zu werden, nicht umgekehrt!

"Wirst du doch, Effy. Keine Sorge, ich bin es gewohnt, dass die Frauen um mich herum rot werden", lachte er. Wieder dieses melodische Geräusch. Ich hob das Kinn an.

"Und ich bringe die Männer in Verlegenheit, Riddle", sagte ich trocken. Seine Mundwinkel zuckten. "Mich nicht" Ich hob eine Augenbraue.

Er beugte sich noch näher zu mir. "Ich wette alles, woran du denken kannst, wenn ich dir so nahe bin, ist, mich zu küssen", wisperte er, als sich unsere Lippen ganz leicht berührten. Und wieder löste Tom Riddle in mir dieselben Reaktionen aus. Wild klopfendes Herz? Check. Atemlos? Check. Kribbelnde Lippen? Check. Schmetterlinge im Bauch? Check.

"Schließe nicht von dir auf andere, Riddle", ich versuchte zu ignorieren, wie sich unsere Lippen beim Sprechen berührten.
Er lachte kurz auf. "Graygrove, ich kann nicht lieben, daher ist das für mich belanglos", er klang bitter. Wie wenn er gerne etwas empfinden würde.

Aber das konnte doch nicht sein, oder? Lord Voldemort ein missverstandener Bösewicht, der einfach nur jemanden lieben können wollte?

"Ich weiß, du denkst, du kannst niemanden lieben, aber wie wäre es mit gerne haben? Das ist das nächst Bessere", fragte ich nach. Sein pfefferminziger Atem traf noch immer auf mein Gesicht. Er zuckte mit den Schultern. "Ich ertrage die meisten Menschen, Graygrove. Es gibt niemanden, den ich auch nur im Entferntesten nicht als eine Zeitverschwendung empfinde" Er leckte sich über seine perfekten Lippen.

Das hatte gesessen. Aber wieso saß er dann in seiner Freizeit hier und half mir, einem hoffnungslosen Fall bei Arrithmantik?

"Wieso sitzt du dann hier und gibst mir Nachhilfe?", wollte ich süffisant grinsend wissen.

"Weil ich meine Versprechen immer einhalte, Graygrove. Wir haben eine Abmachung", erklärte er leise. "Eine Abmachung, der du auch deiner unglaublich nervigen Slytherin Freundin nicht erzählst, haben wir uns verstanden?" Ich hob den Blick und sah in zwei unglaublich dunkelblaue Augen, die mich offen anblickten.

Klar, Riddle wusste, dass ich über den Ring in irgendeiner Art und Weise Bescheid wusste. Er ging davon aus, dass ich keinerlei offener Einschüchterung bedurfte.

Was ja auch der Fall gewesen wäre, wären nicht meine Suizidgedanken, die mich davon abhielten, rational zu bleiben und Angst vor ihm zu haben.

Ich hatte mehr und mehr Probleme Riddle mit Voldemort gleichzusetzen. Trotz des Eindringens in meinen Kopf und damit auch in meine Privatsphäre, begann ich manchmal sogar Sympathie für ihn zu entwickeln.

Das machte mich auch richtig fertig. Ich meine, ich stand vor dem Mann, der den Tod und die Folter von vielen meiner Mitschüler befohlen hatte und empfand manchmal sogar Mitleid und Mitgefühl.

"Haben wir uns verstanden, Effy?" Sein Atem kitzelte meinen Hals. Ich nickte betäubt. "Mehr als klar, Riddle" Er lehnte sich wieder zurück und grinste mich an, als er mit dem Stuhl zu kibbeln begann.

"Also Effy, die Grundlagen der Arrithmantik sind?" Ich stöhnte entnervt auf. "Ich wusste es vorhin nicht und ich weiß es jetzt immer noch nicht, Riddle", sagte ich ehrlich.

Riddle seufzte auf, zwickte seinen Nasenrücken mit einem Finger und griff schließlich zu meiner Erleichterung nach einem anderen Buch. Doch dann hielt er inne. "Graygrove, was willst du denn mit den Märchen von Beedle dem Barden?" Ich erstarrte. "Ich mag die Geschichten darin", sagte ich und es war ja nicht einmal gelogen.

Seine Finger tanzten kurz um den Einband, doch zu meiner Erleichterung griff er nach einem Zaubertränkebuch von Libatous Borage, Zaubertränke für Fortgeschrittene, welches gerade neu erschienen war. Ich atmete erleichtert aus.

"Du hast Erbarmen mit mir, Riddle?", fragte ich um dieses unangenehme Schweigen zu durchbrechen.

Er blickte vom Buch auf. "Ich habe niemals Erbrarmen, Effy. Ich fand es Zeitverschwendung, ein totes Schwein zu töten"

Ich schlug die Hände über dem Kopf zusammen."Zahlen sind einfach nicht mein Ding!" Auf seinen Lippen lag ein leichtes Grinsen.

Er schlug das Buch auf. "Auflösen, Graygrove. Ich will alles darüber wissen.", sagte er grimmig. Jetzt war er wieder ganz in seiner Folterrolle.

"Ein chemischer Prozess"

"Weiter", seufzte er.

Ich zuckte mit den Schultern.
"Das Arcanum Experiment? Klingelt da etwas?"

Ich nickte. "Auflösen ist darin dargestellt mit Eisenoxid oder Rost. Es zeigte, wie stark Wasser selbst auf die härtesten Metalle einwirkt?"

Riddle nickte.
"Weiter" Ich blickte ihn entsetzt an. Wie weiter?

"Graygrove, ich habe dann noch ein Vertrauensschülertreffen"

"Äh...Wenn es arbeitet, wird Vitriol in Sulphursäure und Eisenoxid runtergebrochen, das sind die zwei ersten Geheimnisse oder geheimen Zutaten?"

Riddle rollte mit den Augen. "Du sollst nicht raten, sondern es wissen"

Ich biss mir auf die Lippe, was Riddle nicht unbemerkt blieb. Er hatte geschluckt. Ich hatte also doch einen Effekt auf ihn. Das musste ich unbedingt weiter austesten.

"Aber es war doch richtig, oder?", hakte ich nach. Mit einem Seufzen schloss er das Buch und nickte. "Ja, es war richtig. Wir sehen uns später"

...

In Transfiguration bei Professor Dumbledore, drehte sich Riddle immer wieder um und es trafen sich unsere Blicke immer wieder.

Ich schrieb gerade von der Tafel ab, da flog ein kleiner Vogel aus Papier auf meinen Tisch.

Ich entfaltete es.

Graygrove, du und ich heute Abend bei Slughorn?

Meine Augen wurden groß. Ich hatte den Slug Club ganz vergessen. Mit allem was so losgewesen war, war ich froh gewesen, meine Hausaufgaben alle auf die Reihe zu bekommen.

Nein, schrieb ich und knüllte den Zettel zusammen und traf Riddle damit am Kopf.

Ein Drache kam als nächstes auf meinen Tisch geflogen.

Wieso nicht?

Ich überlegte gut. Ich wollte weder mit ihm noch Abraxas gehen, um Drama zu vermeiden. Die beiden suchten ja förmlich nur nach Gründen sich an die Gurgel zu gehen.

Weil, Riddle.

Mit einem Schmunzeln knallte ich es wieder zusammen und warf es auf ihn.

Nach dem Unterricht und in der Pause ließ er mich nicht mehr in Ruhe.

"Wieso willst du denn nicht mit mir gehen, Graygrove?", seufzte Riddle zum fünften Mal. Ich verschränkte die Arme vor der Brust. "Weil ich nicht mit dir gehen möchte, Riddle", sagte ich entnervt.

"Aber wieso? Du gehst mit niemand anderes. Ich habe herumgefragt" Jetzt war es an mir ihn erstaunt anzusehen. Er hatte sich die Mühe gemacht, andere Schüler zu fragen? Es war fast, als wollte er tatsächlich, dass ich mit ihm hinging.

"Ich gehe mit Abraxas"

"Lüge", erklang seine kühle Stimme.

"Ich dachte, du hasst Slughorns Kommentare?", fragte ich ihn grinsend. "Du weißt schon, dass sie noch schlimmer werden und erst das Getuschel von den anderen Schülern! Wusstest du, dass ich bereits mindestens drei Male am Tag irgendwelchen Flüchen aus dem Weg rennen muss?"

"Du musst Flüchen ausweichen?", fragte er entgeistert. Ich verzog das Gesicht. "Die eine Hälfte des Schlosses denkt, ich date Abraxas und die andere denkt, ich date dich!", elaborierte ich.
Riddle zwirbelte schon wieder seinen Zauberstab zwischen den Fingern.

"Wer?" Ich zuckte mit den Schultern. "Das tut jetzt nichts zur Sache. Außerdem glaube ich kaum, dass sie mich ernsthaft verletzen können" Und wenn schon.

"Oh glaube mir, Black hat schon einmal jemanden nach St. Mungos gebracht" Ich zuckte mit den Schultern. "Bist du lebensmüde, Effy?" Ja.

Ich schüttelte den Kopf.
"Also. Sage mir, wer das war. Ich bin Vertrauensschüler, das ist meine Aufgabe" Ich schüttelte den Kopf. Wenn ich etwas nicht war, dann war es eine Petze.

Ich lief los, aber Riddle hielt mich fest. "Ich meine es ernst, Effy. Diese Mädchen sind vielleicht noch schlimmer, als ich" Wenigstens sah er es selbst ein, dass er furchtbar war!

"Wenn ich dich beschütze, gehst du dann mit mir?", hakte er nach. Er sah dabei so unschuldig aus, dass ich es ihm fast abkaufte. Riddle war ein guter Schauspieler. Und ich konnte mir nicht erklären, was er für einen Nutzen daraus ziehen sollte, mit mir zu gehen.

"Nein"

"Wieso denn nicht?" Jetzt klang er schon eher wie ein trotziges Kind.
"Weil ich nicht will, Riddle" Er seufzte. "Wirst du wohl aufhören, mich nach meinem dreckigen Muggelvater zu nennen" Ich schüttelte den Kopf erneut. "Nein, Riddle"

Er packte mich am Handgelenk und drehte mich zu sich um. "Hör zu Graygrove, Effy. Ich kriege immer das, was ich will. Merke dir das", fauchte er schroff und ließ mich im Schulflur mit klopfendem Herzen stehen.

Wollte Riddle mich? Nein, das konnte doch nicht sein, oder?
Aber er hatte tatsächlich schon echt fast verletzt gewirkt, als ich seinen Avancen ausgewichen war.

AN:
Neues Kapitel!
Entschuldigt, ich hatte ein paar private Dinge zu klären!
LG, H.