Hallo meine Lieben,

entschuldigt bitte, dass es diesen Mal so lange gedauert hat, aber mit diesem Kapitel habe ich wirklich gekämpft. Es wollte so überhaupt nicht geschrieben werden und ich musste mehrfach neu ansetzen.

Aber nun ist es endlich vollbracht und ich hoffe, dass es beim nächsten wieder besser läuft!

Nun wünsche ich euch viel Spaß beim Lesen!


Weihnachtsbaum

Stiles rauchte der Kopf. Er hatte in den letzten Tagen sehr viel erledigen können und das Rudel war ihm eine große Hilfe dabei gewesen. Selbst sein eher unwilliger Gefährte hatte sich ergeben in sein Schicksal gefügt. Doch es gab noch so viel, was vorbereitet werden musste. So war er noch nicht dazu gekommen einen Weihnachtsbaum zu kaufen. Zwar hätte er diese Aufgabe abgeben können, aber dafür war sie ihm zu wichtig. Außerdem musste er noch planen, wie er es schaffte, dass sie alle Eggnog trinken durften. Denn immerhin waren Melissa, Chris, Natalie und auch sein Vater eingeladen und er war sich nicht sicher, ob sie begeistert von seiner Idee wären, da das Rudel bis auf Derek und Peter noch keine einundzwanzig war. Aber er baute darauf, dass Weihnachten war und niemand etwas gegen eine Ausnahme hätte.

Gerade war er dabei sich durchs Internet zu wühlen und nach Weihnachtsmenüs zu suchen. Es hatten sich zwar alle bereiterklärt einen Teil beizusteuern, so dass Stiles nicht tagelang in der Küche stehen musste, aber dennoch wollte er es sich nicht nehmen lassen, zumindest festzulegen, was es geben sollte. Sich selbst hatte er bisher für einen traditionellen polnischen Mohnstrudel und den Truthahn eingeteilt. Für letzteres hatte er für die Füllung ein tolles Rezept seiner Großmutter. Allerdings musste auch der Rest noch geplant werden.

So saß Stiles auf Dereks Couch im Loft, einen Stift zwischen die Zähne geklemmt und arbeitete sich wie besessen seit Stunden durchs Internet, um das perfekte Weihnachtsessen zusammen zustellen. Zur Erleichterung seines Gefährten hatte er sich Kopfhörer in die Ohren gesteckt und hörte so seine Weihnachtslieder in Dauerschleife. Über die neugewonnene Verbindung fiel es Stiles inzwischen sehr leicht frühzeitig zu bemerken, wenn Derek an seine Belastungsgrenze kam. Ob es nun um Weihnachtslieder, Deko, Erledigungen oder den dauerhaften Aufenthalt des Rudels in seinem Loft ging. Stiles konnte nun rechtzeitig einschreiten, bevor Derek explodierte, was das Zusammensein für alle sehr viel angenehmer machte.

Aber auch ihre Beziehung hatte durch den Bund eine ganz neue Ebene erreicht. Immer zu wissen, was der andere fühlte, ließ sie ein ganz neues Verständnis zueinander entwickeln und besser aufeinander eingehen. Zwar half das nicht dabei alle Missverständnisse zu umgehen, aber sie waren wenigstens schneller geklärt und so überraschte es Stiles auch nicht, das vor seiner Nase gerade eine dampfende Tasse Tee abgestellt wurde und Derek sich hinter ihm auf die Couch drängte. Seit sie den Bund geschlossen hatten, war der Werwolf viel anhänglicher geworden und berührte Stiles immer zu.

Mal waren es kleine Berührungen an der Hand, Hüfte oder Rücken oder so wie jetzt kleine Küsse in den Nacken. Der Werwolf schien das zu brauchen und Stiles konnte genau spüren, wie es ihm Ruhe und Sicherheit gab. Mit etwas Geruckel und Geschiebe hatte sich Derek wenige Momente später hinter ihm eingerichtet und schlang seine Arme um Stiles, der jetzt zwischen den Beinen seines Gefährten saß. Stiles wurde energisch an Dereks Brust gezogen und ein Ohrstöpsel wurde ihm geklaut.

"Schon wieder Weihnachtsmusik." beklagte sich der Werwolf. "Du musst sie dir ja nicht anhören, deshalb benutzte ich extra Kopfhörer." rechtfertigte sich Stiles und versuchte sich den Ohrstöpsel zurückzuklauen, allerdings ohne Erfolg. Das Einzige, was er schaffte, war das Derek am Ende Stiles Arme mit seinen eigenen umschlang und Stiles bewegungsunfähig machte.

"Derek, komm schon, lass mich los! Ich hab noch so viel zu erledigen!" bat Stiles ihn. "Nein, du wirst jetzt mal eine Pause machen!" wies der Ältere ihn an und wenn möglich festigte er seinen Griff um Stiles noch. So unfähig sich zu bewegen und an seinen Laptop zu kommen, gab Stiles sich für den Moment geschlagen und ließ sich gegen Dereks Brust sinken. Einen Moment konnte er sich wohl gestatten und seit ihrer Bindung hatten sie auch fast nur kurze Momente für sich gehabt. Denn nachts war selbst Stiles zu müde gewesen um mit seinem Partner noch gemütliche Stunden zu zweit zu verbringen.

Stiles empfing von Derek pure Zufriedenheit und er ließ sich ganz von diesem Gefühl umschließen. Ihm war inzwischen bewusst, dass wenn sie es wollten, sie sich von den Gefühlen des Anderen beeinflussen lassen konnten und in Momenten wie diesen genoss Stiles das. Er kuschelte sich noch ein Stückchen näher an Derek und schloss seine Augen.

Nur um sie wenige Minuten danach geschockt wieder aufzureißen. "Wir haben noch gar keine Plätzchen gebacken!" rief er aus und versuchte sich erneut aus Dereks Armen zu kämpfen. "Stiles, bleib sitzen!" fuhr dieser ihn scharf an. "Du hast in den letzten Tagen genug getan. Ich habe keine Lust mehr deinen Stress ständig zu spüren, dass macht mir rasend. Du wirst jetzt entspannen!"

Von diesen Worten überrumpelt, stellte Stiles einen Moment lang seine Gegenwehr ein und Derek nutzte seine Chance. Er klappt mit einem Fuß den Laptop zu, wickelte sie in die Decke, die neben ihnen lag, klaute Stiles auch noch den letzten Kopfhörer und zog ihn wieder an sich heran.

Überrascht fand Stiles sich Sekunden später wieder fest an die Brust seines Gefährten gepresst. Er wollte erneut protestieren, doch ein Knurren seitens des Werwolfes hielt in davon ab. Auch Derek konnte nun viel besser einschätzen, was Stiles als nächstes tun würde.

An Stiles nagten die unerledigten Aufgaben, aber er konnte auch nicht leugnen, wie gut sich das hier anfühlte und so gab er nach. Im Stillen gab er Derek recht. Die letzten Tage hatte er sehr viel gearbeitet und kaum entspannt. Vielleicht wäre jetzt der richtige Augenblick um ein wenig davon nachzuholen und wo wäre das besser möglich, als eingekuschelt in den Armen seines Liebsten.

Stiles hatte gar nicht bemerkt, dass er eingeschlafen war. Erst ein leises Klingeln weckte ihn und er nahm direkt die starken Hände seines Gefährten war, die ihn zärtlich am Arm streichelten. "Na, wieder aufgewacht?" fragte Derek sanft. Verschlafen nickte Stiles einfach nur, bis ihm das Klingeln wieder bewusst wurde. Reflexartig wollte er nach seinem Handy greifen, doch Derek hielt ihn auf.

"Das ist nur Scott." teilte er Stiles mit. "Er will mitteilen, dass er alles erledigt hat." Neugierig geworden sah Stiles ihn an. "Was hat er erledigt?" "Ich habe alle verbliebenen Aufgaben von deiner Liste an Scott weitergegeben, damit das Rudel sie erledigen kann." "Aber das war meine..." wollte Stiles protestieren, doch Derek verschloss seinen Mund mit einem Kuss. "Alle Aufgaben, bis auf das Aussuchen eines Weihnachtsbaumes." setzte Derek nach. "Ich weiß, wie viel dir das bedeutet. Deshalb werden wir zwei das zusammen erledigen." Ein Strahlen bahnte sich auf Stiles Gesicht.

Derek hatte für ihn die leidige Organisation in die Hand genommen und das getan, was Stiles nicht konnte, die Verantwortung dafür abgegeben. Auch wenn Stiles es nicht gerne zugab, hatte Derek ihm damit eine große Last von den Schultern genommen und Stiles war auch fähig das zuzugeben. Also drehte er sich in Dereks Armen, bis er rittlings auf ihm saß. Er sah ihm ins Gesicht und hauchte ein "Danke!" bevor er Derek zärtlich küsste.

Schnell vertiefte sich der Kuss und dieses Mal war es Stiles der bereits nach wenigen Minuten versuchte unter Derek Shirt zu kommen. Immerhin hatten sie schon seit Tagen nicht mehr miteinander geschlafen und jetzt hatten sie ja scheinbar Zeit. Allerdings wurde er entschieden von Dereks Händen gestoppt.

"Hey!" protestierte Stiles. "Warum hältst du mich auf? Ich bin mir sicher, dass dir das auch gefallen wird." schnurrte er mit einem verführerischen Grinsen. "Davon bin ich überzeugt." gab Derek zurück und stahl sich noch einen kleinen Kuss. "Aber unten steht bereits Chris´ Geländewagen und wartet darauf, dass wir einen Weihnachtsbaum besorgen."

"Wie?" fragte Stiles sehr wenig eloquent. "Ich habe Chris gebeten mir seinen Wagen zu leihen oder glaubst du wirklich, ich würde einen Nadelbaum voll Harz, der Jahre lang im Wald gestanden hat, in meinen Camaro lassen?" fragte Derek mit hochgezogener Augenbraue zurück.

Stiles dachte kurz darüber nach und bemerkte selbst, wie abwegig diese Idee war. Aber er nahm auch war, was Derek da getan hatte. Er hatte freiwillig jemanden um Hilfe gebeten, für ein Anliegen, dass ihm vollkommen gleichgültig war. Glück breitete sich in Stiles aus. Sollte sein Sourwolf wirklich nochmal sozialkompetenter werden? Ein stolzes Grinsen machte sich auf seinem Gesicht breit. Diese Veränderung konnte er dann wohl ganz für sich verbuchen.

"Dann lass uns los und einen wunderschönen monströsen Baum finden!" rief Stiles aus, sprang dabei von Derek runter und riss die Decke, in die sie eingekuschelt waren gleich mit. Dadurch wäre er fast ins Straucheln geraten, aber diese Mal konnte er sich selbst abfangen. Strahlend sah er daraufhin Derek an, der nur die Augen verdrehte und selbst aufstand.

Keine halbe Stunde später waren sie ein ganzes Stück außerhalb von Beacon Hills und stapften durch den Schnee. Es hatte bereits wieder angefangen leicht zu schneien und Stiles rote Mütze war voll mit Schneeflocken. Sie waren in ein Forstgebiet gefahren, in dem man sich seinen Baum selber schlagen durfte und so hatte Derek eine Axt in der Hand.

Stiles strahlte fast vor Freude, als er wie ein kleiner Junge von einem Tannenbaum zum nächsten lief und sie auf Größe, Umfang und Dichtigkeit überprüfte. Es dauerte auch gar nicht lange da blieb er vor einem stehen. "Der ist perfekt, den nehmen wir!" teilte er Derek glücklich mit.

Skeptisch hob Derek eine Augenbraue, als er an dem Baum hinaufsah. "Stiles." sprach er gedehnt. "Der Baum ist wenigstens drei Meter hoch. Wie sollen wir den in den Wagen bekommen?" "Das klappt schon." winkte Stiles ab. "Und wenn er hinten ein wenig rausschaut, dann ist das doch auch nicht schlimm." "Der wird nicht nur ein wenig rausschauen." gab Derek genervt zurück. "Der wird mehr als einen Meter raushängen!"

Stiles wusste ganz genau worauf das hier hinauslaufen sollte. Derek hatte keine Lust, einen riesigen Weihnachtsbaum wie diesen in seinem Loft zu haben. Er ertrug diesen ganzen Weihnachtsquatsch nur Stiles zu liebe und scheinbar hatten sie gerade seine Grenze erreicht. Aber Stiles wäre nicht Stiles, wenn er so schnell klein beigeben würde. Außerdem hatte er momentan eine Geheimwaffe, auch wenn sie mies war.

"Aber er würde super ins Loft mit seinen hohen Decken passen und es viel gemütlicher machen. Dadurch würde ich mich dort auch viel wohler fühlen." erklärte Stiles und machte seinen ersten Zug. Sofort stockte Derek in seinen Bewegungen, als er Stiles Worte hörte und Stiles empfing eine Welle der Schuld von ihm.

Er hatte sehr schnell bemerkt, dass Derek zum Großteil das Weihnachtsspektakel nur duldete, weil er sich immer noch Stiles gegenüber schuldig fühlte. Bisher hatte Stiles es nur registriert, aber davon noch keine Gebrauch gemacht, doch jetzt würde sich das ändern. Er wollte Derek nicht weh tun, aber ein schöner Weihnachtsbaum war ihm sehr wichtig und das war nun wirklich nichts, was dem Sourwolf schaden würde, weshalb Stiles seine Weigerung nicht nachvollziehen konnte.

Stiles konnte genau sehen, wie es in Derek arbeitete. Er wollte diesen Baum partout nicht haben, aber er wollte Stiles auch nicht enttäuschen. Immerhin hatte er bereits angemerkt, dass er wusste, wie wichtig Stiles dieser Baum war. Schuld, Egoismus und Trauer kämpften in ihm. Allerdings war Stiles absolut nicht klar, warum Derek beim Anblick eines riesigen Weihnachtsbaumes traurig sein könnte. Doch bevor er sich noch weitere Gedanken dazu machen konnte, ging Derek bereits auf den Baum zu und fing an den Stamm mit gezielten Hieben zu durchtrennen.

In so einem Moment war Stiles froh einen starken Werwolf als Partner zu haben. Mit nur wenigen Hieben, fiel der Baum und obwohl er einige Kilos wiegen musste, schleifte Derek in problemlos in Chris´ Wagen und auch die Treppen ins Loft hoch. Während der ganzen Zeit kämpften in Stiles Glück und Schuld miteinander. Er war überglücklich, so einen tollen Weihnachtsbaum gefunden zu haben, aber seit dem Derek angefangen hatte ihn zu fällen, hatte der Werwolf kein Wort mehr gesagt und Stiles konnte eine kontinuierliche Trauer von ihm ausgehend spüren. Ihm war nicht klar, woher diese Trauer kam, aber sie saß tief und war schmerzhaft und belastete auch zunehmend Stiles.


Heute gab es mal wieder ein Kapitel mit vielen Weihnachtsmomenten. Ich liebe ja die Szene in der sie auf der Couch, dick eingemummelt, kuscheln! ^^

War euch das Ende zu traurig? Was vermutet ihr, warum Derek den Anblick eines solchen Baumes nicht erträgt? War es vielleicht Stiles Schuld? War es doch zu viel Derek an seinen Fehler zu erinnern?

Ich wünsche euch einen stressfreien letzten Vorweihnachtstag!

Liebe Grüße

Zira