Frohe Weihnachten meine Lieben!

Ich wünsche euch für heute und die nächsten Tage eine wunderschöne, besinnliche und entspannte Zeit! Habt viel Spaß, esst viel, lacht viel und verbringt die kommenden Tage mit den Menschen, bei denen ihr euch wohl fühlt, vorzugsweise eurer Wahlfamilie (eurem Rudel)! -.^

Mich hat jetzt auch mein persönlicher Weihnachtswahnsinn eingeholt! Gestern wurde das Haus (die Baustelle) auf Vordermann gebracht und heute ist großes Kochen und Backen angesagt. Ich werde euch trotzdem nicht vergessen und natürlich auch das 24. Türchen so schnell wie möglich fertigstellen. -.^

Außerdem habe ich auch noch eine kleine Überraschung für euch, aber die gibt es erst Morgen, denn in Amerika gibt es ja erst am 25. Dezember die Geschenke. ^^

Also wünsche ich euch jetzt viel Spaß beim Lesen!


Erinnerungen

Weihnachtslieder pfeifend schmückte Stiles den Baum. Fast zwei Stunden brauchte er dafür, doch als er fertig war, wusste er, es hatte sich gelohnt. Vor ihm stand ein Baum, wie aus einem klassischen Weihnachtsfilm, groß, strahlend vor hunderten von Lichtern und über und über geschmückt mit Weihnachtskugel, -zapfen und -sternen. Stiles liebte sein Kunstwerk und lächelte glücklich, doch er konnte es nicht richtig genießen. Denn von Derek spürte er durch den Bund immer noch Trauer ausgehend, die sich inzwischen zu einer düsteren Wolke verdichtet hatte.

Ein Blick zu seinem Sourwolf werfend bestätigte ihm das Ganze noch einmal. Derek saß grübelnd, mit düsterer Miene, auf einem Stuhl vor der großen Fensterfront und starrte in das Schneetreiben hinaus. Er hatte immer noch kein Wort mit Stiles gewechselt. Doch Stiles beschloss, dass das jetzt ein Ende haben würde. Also verdrängte er Dereks Gefühle so weit es ging in seinen Hinterkopf und ließ sich von seiner glücklichen Stimmung einnehmen.

Lächelnd ging er auf Derek zu und stellte sich neben ihn. Doch der Werwolf schenkte ihm keine Beachtung. Also legte Stiles ihm seine Hand auf die Schulter und forderte sie ein. "Hey Großer, ich bin fertig. Willst du dir den Weihnachtsbaum mal ansehen?" fragte er fröhlich. Aber ihm antwortete nur Schweigen. In der Reflektion der Scheibe konnte Stiles den leuchtenden Baum sehen und auch Dereks Gesicht. Er sah darin eher verloren als grimmig aus und Stiles ging das Herz auf. Er liebte diesen störrischen Kerl einfach viel zu sehr.

Stiles wollte es gerade noch einmal versuchen, als Derek ihm doch noch antwortete, allerdings hatte er mit diesen Worten nicht gerechnet. "Blass die Feier ab!" befahl Derek im scharf. "Wie bitte? Was?" fragte Stiles überrumpelt. Wie kam er denn jetzt auf den Mist? "Ich habe gesagt, du sollst die Feier abblasen!" blaffte Derek ihn an, als er Stiles nun doch noch ansah mit einem mörderischen Blick. Stiles war gelinde gesagt schockiert. Derek verströmte Zorn und traf Stiles vollkommen unvorbereitet. Es tat ihm weh, dass sein Gefährte ihn so ansah, aber er atmete tief durch. Denn er konnte immer noch die allumfassende Trauer in Derek spüren und ließ sich nicht täuschen.

"Sag mir erstmal was los ist! Du verhältst dich schon seit Stunden so komisch." forderte Stiles ihn auf, doch er erhielt nur Schweigen. "Derek." versuchte er es erneut. "Ich spüre doch die Trauer in dir. Du brauchst mir also nichts vormachen. Was hast du? Liegt es wirklich an der Weihnachtsfeier? Oder ist dir die Deko zu viel? Oder gibt es da noch etwas ganz anderes, von dem du mir nichts sagen willst? Derek, sprich mit mir!" Aber er stieß erneute auf eine Wand und in diesem Moment sprang in Stiles ein Schalter um.

"Oh nein, damit fängst du nicht noch einmal an, nicht mit mir! Du wirst nicht wieder alles mit dir alleine ausmachen und mich vor vollendete Tatsachen stellen." blaffte Stiles zurück. Er hoffte inständig, dass er Derek mit dieser Erinnerung aus der Reserve locken konnte, doch Derek stand nur auf und lief an Stiles vorbei.

Stiles wusste nicht was es war. Ob es ein Anflug von Flucht war, den er von Derek spürte oder ob es eine Bewegung war, aber in diesem Moment war ihm vollkommen klar, was Derek jetzt vorhatte. "Halt!" rief er ihm hinterher. "Wage es ja nicht dich zu verwandeln! Dieses Mal kommst du mir um eine Diskussion nicht drumrum!" Blitzschnell drehte sich Derek um. Mit zornigem Blick fixierte er Stiles, doch bevor er etwas sagen konnte, brach jemand ganz anderes in die angespannte Situation.

Schwungvoll wurde die Tür des Lofts aufgerissen und ein strahlender Peter, mit einem verschreckten Isaac, stand in der Tür. Sie hatten die Arme voller Tüten und ihre Kleidung war feucht vom Schnee.

"Wir kommen scheinbar gerade richtig. Hier riecht´s nach dicker Luft." sagte er an Isaac gerichtet, aber natürlich so laut, damit es alle hören konnten. "Äh, Peter." kam es von Isaac, der instinktiv den Kopf einzog, als Derek seinen zornsprühenden Blick auf die beiden Neuankömmlinge richtete. "Ich glaube wie sollten wieder gehen."

"Quatsch!" entgegnete dieser und betrat wie selbstverständlich das Loft. "Wir waren einkaufen und haben die letzten Punkte auf deiner Liste besorgt, Stiles. Ich habe mir unseren kleinen Beta als Unterstützung dabei holen müssen, deine Liste fand ja fast kein Ende. Aber wir hatten einen netten Nachmittag." teilte Peter ihm zwinkernd mit, als er zum Küchentisch ging und die Tüten abstellte. Als Isaac erkannte, dass er vielleicht doch nicht in naher Zukunft sterben würde, weil Derek sich nicht bewegte, betrat auch er vorsichtig das Loft und folgte Peter. Allerdings immer dazu bereit sofort zu rennen, falls sich die Stimmung ändern sollte.

Derek beobachtete das Geschehen weiterhin mit zornigem Blick. Doch es war Peter der die Aufmerksamkeit auf sich zog. "Nicht schlecht, Stiles!" rief er aus. "Der Weihnachtsbaum sieht ja aus wie unsere Bäume früher!" Aber bevor Stiles etwas erwidern konnte donnerte es schon "Verschwinde!" durch das Loft. Derek sprühte geradezu vor Zorn und richtete ihn auf Peter, doch ihn ließ das kalt.

Und dieses Mal, war es Stiles, der Derek unterbrach, bevor er überhaupt etwas Weiteres sagen konnte. "Ist es das? Denkst du an deine Familie und die Weihnachten mit ihnen, willst du deshalb alles absagen?" fragte Stiles ihn mit Nachdruck. "Derek, rede mit mir!"

Aber auch dieses Mal antwortet ihm nur Schweigen und ein zorniger Blick, auch wenn Stiles das Gefühl hatte, als würde Derek inzwischen wirklich eher leidend aussehen und so fasste er einen Entschluss. "Ok, du kannst mit mir reden oder ich rede mit dir in Peters und Isaacs Beisein! Entscheide dich!" setzte er Derek ein Ultimatum.

Für Stiles war es leicht zu erkennen, dass Derek Verstand auf Hochtouren lief. Er wusste ganz genau, was gerade in seinem Kopf vor sich ging, auch ohne den Bund. Derek war hin und hergerissen, zwischen seinem Verlangen zu Schweigen und damit dem Problem zu entfliehen und der beängstigenden Aussicht darüber sprechen zu müssen. Aber noch schlimmer war für ihn die Vorstellung, sein Seelenleben vor einem Teil des Rudels ausgebreitet zu bekommen und besonders vor Peter! Wiederwillig nickt er Stiles zu und gab ihm damit die Zusage, mit ihm zu reden.

Das Gefühl eines kleinen Triumpfes machte sich in Stiles breit. Er hatte es geschafft, Derek eine Zustimmung abzuringen über seine Gefühle zu sprechen. Er war sich zwar nicht sicher, ob er es ohne Peter geschafft hätte, aber das war egal. Geschafft war geschafft und jetzt musste er Peter und Isaac zügig aus dem Loft bekommen.

"Ok, Peter das war´s für heute." richtete er sich an den Älteren. "Danke, dass ihr die Besorgungen erledigt habt. Ich bringe euch noch zur Tür." Beleidigt zog Peter einen Schmollmund. "So bedankst du dich für meine Hilfe?" fragte er Stiles. "Ich werde mich ein anderes Mal erkenntlich zeigen." gestand er Peter zu, auch wenn er offen ließ für welche Hilfe. Das lockte ein breites Grinsen auf Peters Gesicht und er ließ sich anstandslos zur Tür bringen, gefolgt von einem Isaac, der mehr als froh war das Loft endlich verlassen zu dürfen.

"Sei nicht so böse mit ihm!" raunte Peter Stiles an der Tür ins Ohr. "Er muss erst noch lernen, seine Probleme mit dir zu teilen. Reden war halt immer eher mein Part. Aber falls du mal etwas von früher wissen willst, frag mich ruhig." bat er Stiles mit einem Lächeln an. Kurz drückte er noch Stiles Schulter mit seiner Hand und folgte dann Isaac hinaus.

Verwirrt schüttelte Stiles den Kopf. Was war nur in letzter Zeit mit Peter los? Man könnte ja fast sagen, dass er nett war! Ob das wohl an Weihnachten lag? Ließ selbst Peter da mal sein Ränke schmieden sein und genoss die besinnliche Stimmung und die Geborgenheit des Rudels? Nicht, das Peter am Ende wirklich noch freundlich und hilfsbereit wurde!

Aber darüber konnte er sich auch später noch Gedanken machen. Jetzt musste er erstmal eine andere Sache klären! Er ging rüber zu Derek, der in der Nähe des Sofas stand. "Setz dich!" forderte er ihn auf und Stiles wartete auch erst, bis Derek widerwillig seiner Aufforderung nachgekommen war, bevor er sich ebenfalls neben ihn auf die Couch setzte. "Und nun rede!" wies er ihn in nicht minder scharfem Ton an.

Stiles hatte zwar nichts anderes erwartet, aber es enttäuschte ihn trotzdem, dass Derek weiterhin schwieg. Aber dieses Mal, würde Stiles nicht klein bei geben. "Derek!" sprach er gereizt seinen Namen aus.

Ein Schnauben kam von dem Älteren, der mit verschränkten Armen stoisch in die andere Richtung sah, nur nicht zu Stiles. "Verdammt ja, es ist wegen meinen Erinnerungen!" motzte er los. Stiles wusste genau, dass ab jetzt Feingefühl gefragt war. "Erzähl mir davon." bat er ihn deshalb ruhig.

Wieder dauerte es etwas bis Derek antwortete, aber dann sackten seine Schultern plötzlich in sich zusammen, seine Arme fielen herab und er sah nur noch verloren aus. "Alles hier erinnert mich an unsere Feiern früher. Das ganze Haus war voll mit kitschiger Weihnachtsdeko geschmückt, alle haben mit angepackt und ständig lief Weihnachtsmusik. Lara und Cora haben wie Generäle alles organisiert und das Rudel angeleitet und Peter ist jedem auf die Nerven gegangen, während meine Mutter alles mit einem glücklichen Lächeln beobachtet hat. Es war trotz des ganzen Kitsches wunderschön und ich fühlte mich geborgen in Mitten des Rudels. Diese Erinnerungen quälen mich, weil ich weiß, dass es niemals wieder so sein wird und deshalb ertrage ich das alles hier einfach nicht."

Am Ende hatte Derek sein Gesicht in seine Hände vergraben. Für Stiles ließ er all seine Schutzmauern fallen und Stiles wusste das zu würdigen. Sanft legte er eine Hand auf Dereks Schulter und lehnte sich zu ihm rüber. "Nein, es wird niemals wieder wie damals sein, aber das heißt auch nicht, dass es nicht wieder schön sein kann!" redete Stiles sanft auf ihn ein. "Niemand kann diese Zeit zurück holen, aber wir können uns eine Neue schaffen. Nichts hält uns davon ab neue Traditionen und Erinnerungen zu schaffen, die nicht genauso schön sind. Meinem Vater und mir ging es nach dem Tod meiner Mutter doch genauso."

"Stiles." fing Derek gequält an, doch Stiles unterbrach ihn. "Nein Derek, hör mir zu! Natürlich war es damals einzigartig. Es war deine Familie, dein Rudel mit dem du aufgewachsen bist, aber du hast auch jetzt ein Rudel. Ein Rudel, das dich ebenso liebt und dir Geborgenheit geben möchte. Ein Rudel, das die letzten Tage damit verbracht hat einen großartige Weihnachtsfeier vorzubereiten, um zusammen zu sein und dieses Gefühl von Wärme und Geborgenheit zu spüren und du bist ein wesentlicher Teil davon! Sie alle machen das auch für dich und wollen es mit dir genießen. Willst du ihnen diese Möglichkeit nicht geben? Du musst ja nicht vor Begeisterung sprühend in den Abend gehen, wobei ich nicht weiß, ob du das überhaupt kannst." schweiften Stiles Gedanken ab und er erntete einen genervten Blick von Derek.

"Aber was ich sagen will ist. Willst du es nicht wenigstens versuchen? Gib ihnen doch die Chance dir zu zeigen wie es sein kann und entscheide danach, ob es für dich ok ist. Vielleicht wirst du ja überrascht!" schlug Stiles ihm vor und Derek dachte für Stiles ernsthaft darüber nach.

Seit Stiles angefangen hatte auf Derek einzureden, bemerkte er, dass die Trauer in ihm Stück für Stück kleiner wurde. Sicherlich würde sie nicht verschwinden, aber Stiles war zuversichtlich, dass sie auf ein für Derek erträgliches Maß schrumpfen könnte.

Um Derek noch einen weiteren Anreiz zu geben, es wenigstens zu versuchen, machte ihm Stiles einen Vorschlag. "Und wenn du der Feier eine Chance gibst, bestehe ich auch nicht darauf, dass du den Weihnachtspulli tragen musst. Deal!"

Mit dem Versuch eines schiefen Grinsen drehte Derek nach einer gefühlten Ewigkeit seinen Kopf zu Stiles und nickte langsam. Der Deal stand und auch Dereks Gefühlsleben wurde wieder etwas heller.

Glücklich seinem Gefährten einen Ausweg aus seiner Trauer gezeigt zu haben lehnte Stiles seine Stirn an Dereks und atmete tief durch. Die Berührung seines Gefährten ließ ihn seine Anspannung verlieren und er konnte fühlen, dass es Derek genauso erging. Sie blieben noch einige Zeit so sitzen und genossen die Nähe des Anderen, bevor sie es sich auf der Couch gemütlich machten und den Abend in glücklicher Zweisamkeit verbrachten, unter dem Leuchten Hunderter von Lichtern.


Hoffentlich habt ihr am Ende keinen Zuckerschock erlitten! Aber wir haben Heiligabend und da fällt es mir gerade sehr schwer nicht kitschig zu sein. ^^'

Ich hoffe, ich konnte euch mit diesem Kapitel noch ein wenig Weihnachtsstimmung vermitteln, für alle, die es noch gebrauchen können und wünsche euch damit einen gemütlichen Heiligenabend!

Liebe Grüße

Zira