23. Dezember: Familie
„Das ist ja ein bezauberndes Haus", sagte Astoria, als sie und Draco im Garten des Fuchsbaus erschienen. Sie hätte nicht gewusst, wo sie hinmusste, aber die Adresse und das Passwort hatten in der Einladung gestanden. Seit dem Krieg war der Fuchsbau mit etlichen Zaubern geschützt, die für die Hochzeit aufgehoben worden waren und erst später wieder aktiviert wurden. Stattdessen gab es einen, der es allen Gästen, die eine Einladung erhalten hatten, problemlos erlaubte hier aufzutauchen.
Draco schnaubte abfällig. „So lange es nicht zusammenfällt."
Astoria warf ihm einen strengen Blick zu. „Du hast versprochen, nett zu sein und niemanden zu beleidigen. Du willst deinen Sohn und mich an seinem Hochzeitstag doch nicht enttäuschen, oder?"
Draco verdrehte die Augen, nickte aber schließlich. „Nein, natürlich nicht."
Astoria küsste ihn auf die Wange. „Dann ist ja gut", sagte sie zufrieden. Sie wusste, dass Draco sich ehrlich freute, dass Scorpius seine große Liebe heiratete, aber sie wusste auch, dass er nicht einfach so aus seiner Haut konnte und die Weasleys waren schon immer ein rotes Tuch für ihn gewesen. Er war immer nur höflich und nett zu Al und Rose gewesen, wenn sie bei ihnen zuhause waren, aber mit all den Weasleys, die er noch aus der Schule kannte, auf einem Haufen, war das etwas ganz anderes. Sie hoffte nur, dass keiner Scorpius und Rose ihren großen Tag versaute. Sie wusste, wie unangenehm es war, wenn diese Spannungen im Hintergrund zu spüren waren. Das war das, was sie am meisten von ihrer Hochzeit in Erinnerung hatte und sie wollte vermeiden, dass es Scorpius und Rose ebenso gehen würde.
„Der Garten ist ja wunderschön hergerichtet", sagte sie anerkennend. Die Bänder und Tücher in den Bäumen waren wunderschön, genau wie die Lichter. Die Stühle für die Trauung standen bereits alle, der Gang war mit einem goldenen Teppich ausgelegt und der Altar am Ende des Ganges sah einfach wunderschön aus, unter einer Pergola die mit Rosen bedeckt war. Ein Traum!
„Ja, ganz nett", murmelte Draco. Er konnte sie nicht täuschen, Astoria wusste, dass es ihm gefiel.
Bevor sie noch mehr sagen konnte, kam eine Gestalt auf sie zugeeilt. Ein kleiner älterer Mann mit schneeweißen Haaren. „Die ersten Gäste sind ja schon da!", sagte er aufgeregt und umarmte Astoria ohne viel Federlesen. Draco streckte ihm rasch die Hand hin, bevor er auch ihn umarmen konnte. „Hallo, hallo, herzlich willkommen! Sie müssen Scorpius' Mutter sein, er hat schon viel von Ihnen erzählt."
Astoria nickte. „Und Sie sind sein Großvater?"
Mr. Weasley nickte. „Genau." Er schaute auf das kleine Päckchen, das sie bei sich trug. „Ist das die Torte? Molly ist schon ganz unruhig, am besten bringen Sie sie gleich in die Küche. Wenn Sie geradeaus gehen, dann können Sie das gar nicht verfehlen." Er deutete in die Richtung und starrte dann in die Ferne. „Entschuldigen Sie bitte, Hermines Eltern müssen gleich kommen und ich hoffe nur, dass sie den Weg finden, sie waren nur einmal hier."
Astoria strahlte ihn an und nahm Draco an der Hand. „Vielen Dank, ich bringe den Kuchen gleich zu Ihrer Frau." Astoria war sehr enttäuscht gewesen, dass Roses Großmutter praktisch alles vorbereiten würde und sie gar nichts zu der Hochzeit beitragen konnte. Sie hatte sich praktisch auf die Gelegenheit gestürzt, die Torte machen zu können. Sie war eine sehr gute Bäckerin, besonders, nachdem Scorpius ihr The Great British Bake Off im Fernsehen gezeigt hatte. Einen Monat lang hatte sie mit den unterschiedlichsten Geschmacksrichtungen experimentiert und zahllose Dekorationen ausprobiert. Draco hatte Kuchen schon gar nicht mehr sehen können. Sie hoffte nur, dass es allen schmecken würde und dass sie genug gemacht hatte. Für so viele Leute hatte sie noch nie gebacken.
Sie fanden ohne Probleme die Küchentür. Astoria klopfte an und öffnete sie dann einfach, als sie einen lauten Krach hörte. In dem Zimmer herrschte das totale Chaos, überall lagen Tabletts und Teller mit Essenstanden Tabletts sie einen lauten Krach hörte. I und mittendrin stand eine rundliche ältere Frau, die Roses Vater rigoros mit einer Bürste durch die Haare fuhr.
„Dass Hermine dich so überhaupt aus dem Haus gelassen hat! Du wirst Rosies großen Tag nicht ruinieren, indem du nicht anständig aussiehst!"
Astoria hörte Draco hinter sich hämisch lachen und rammte ihm einen Ellbogen in die Nieren. „Du hast versprochen, nett zu sein!", zischte sie ihm zu. Das fehlte noch, dass er die Leute beleidigte, die für Scorpius zu einer zweiten Familie geworden waren. Sie würde sich schämen, dass Scorpius lieber zu Weihnachtsfeiern im Fuchsbau als zu seinen eigenen Großeltern ging, wenn sie die Feiern bei ihren Schwiegereltern nicht genauso verabscheuen würde. Sie räusperte sich laut und strahlte in die Runde. „Hallo, ich bin Scorpius' Mum. Wo kann ich die Hochzeitstorte hinstellen?"
Roses Vater und Großmutter drehten sich um und starrten Astoria überrascht an. Dann drückte Mrs. Weasley ihrem Sohn die Bürste in die Hand und eilte zu Astoria, um sie zu umarmen. So herzlich war sie von ihren Schwiegereltern noch nie empfangen worden. „Willkommen, willkommen. Kommen Sie mit, ich zeige Ihnen den Tisch. Scorpius hat mir ja gestern schon ein Bild gezeigt, die Torte sah atemberaubend aus." Sie schaute skeptisch auf das kleine Päckchen. „Ich dachte nur, dass sie etwas größer sein wird?", versuchte sie taktvoll zu bleiben.
Astoria lachte. „Oh, sie hat fünf Stockwerke, sie ist riesig. Meine Schwester hat mir ein spezielles Päckchen zugeschickt, damit ich sie transportieren kann." Daphne war mit einem Konditor befreundet und der hatte sehr gute Möglichkeiten, um Torten unproblematisch zu transportieren. Astoria hätte sie sonst kleinzaubern müssen und sie hatte Schauergeschichten gehört, was das dem Backwerk antun konnte.
Mrs. Weasley führte Astoria zu einem runden Tischchen, das mit einer goldenen Tischdecke belegt war. Sie würde fantastisch aussehen. Astoria stellte ihr Päckchen ab und klopfte dann dreimal mit ihrem Zauberstab darauf, während sie sich konzentrierte, die französische Zauberformel korrekt auszusprechen. Dann machte sie sich daran, die Torte vorsichtig herauszuholen. In ihrer ganzen Schönheit war sie über einen Meter hoch. Die fünf unterschiedlichen Kuchen waren mit grün marmoriertem Fondant eingedeckt und hatten Akzente von Blattgold. Zur Dekoration hatte Astoria ein paar echte Rosen an der Torte befestigt, um den Namen der Braut zu würdigen. Ganz oben standen ein kleiner Scorpius und eine kleine Rose und strahlten sich verliebt an. Wie die Originale. Ohne eingebildet zu sein, konnte Astoria sagen, dass das das beste Backwerk war, das sie je zustanden gebracht hatte.
„Die ist ja wunderschön", sagte Mrs. Weasley beeindruckt. „Scorpius hat ja richtig untertrieben."
„Vielen Dank", sagte Astoria geschmeichelt und lehnte sich gegen Draco, der stolz einen Arm um ihre Hüfte gelegt hatte. „Ich hoffe nur, dass sie auch schmeckt. Ich hab mich bemüht, alle Allergien zu beachten, es sollte keine bösen Überraschungen geben."
„Und selbst wenn, Rosie ist doch schon fast eine fertige Heilerin, die kann jeden retten", erwiderte Mrs. Weasley optimistisch. „Ron, was sagst du, das ist doch eine fantastische Torte, nicht wahr?"
Roses Vater trat einen Schritt näher und betrachtete die Torte kritisch. Mit zusammengebissenen Zähnen nickte er. „Ja, sehr schön." Er lächelte Astoria gequält an und nickte Draco dann nur abfällig zu. „Malfoy", sagte er kurz angebunden, bevor er sich auf dem Absatz umdrehte und aus der Küche stürmte.
Mrs. Weasley sah ihm seufzend hinterher. „Sie müssen ihn entschuldigen. Das mit Rosie nimmt ihn ziemlich mit." Astoria konnte ihn verstehen. Für sie war es auch schwer, dass ihr einziges Kind heute heiraten würde. Natürlich wusste sie, dass er bereits erwachsen war, aber dieser Tag heute hatte doch etwas sehr endgültiges, auch wenn sie sich wirklich für ihn freute, dass er so eine wunderbare Frau wie Rose gefunden hatte. „Scorpius und Al sind schon da und ziehen sich oben um, wenn Sie ihn gerne noch vor der Trauung sehen möchten", sagte Mrs. Weasley lächelnd und deutete zur Treppe. „Erster Stock, zweite Tür links."
Astoria und Draco folgten ihren Anweisungen und stiegen die Treppe hinauf. An der Wand hingen lauter Bilder, mit rothaarigen Menschen eindeutig in der Überzahl. Astoria war überrascht, dass sie auch Scorpius' silberblondes Haar auf ein paar der Aufnahmen entdecken konnte. Ihr Sohn war wohl schon länger Teil der Familie als sie gedacht hatte.
„Das Haus ist größer, als ich dachte. Von außen sieht es ja winzig aus", raunte Scorpius ihr leise zu. Auch wenn sie ihm insgeheim zustimmte, verdrehte sie nur die Augen und warf ihm einen strengen Blick zu. „Was hast du mir versprochen, Schatz?"
Jetzt verdrehte er seinerseits die Augen und sagte gelangweilt auf: „Wenn ich nichts nettes sagen kann, soll ich gar nichts sagen. Zufrieden?"
„Wir werden sehen, ob du dich daran hältst", sagte sie unbeeindruckt. Sie wusste, dass er die Weasleys nicht mochte, aber sie wusste auch, dass er Scorpius unter keinen Umständen den Tag versauen wollte. Sie glaubte aber nicht, dass er aus seiner Haut konnte, egal, wie gut seine Absichten waren, deshalb erschien ihr das als die sicherste Variante.
Sie klopfte an die hoffentlich richtige Tür und einen Moment später streckte Al den Kopf durch den Türspalt. Ein breites Grinsen tauchte auf seinem Gesicht auf, als er sie sah. „Astoria, Merlin sein Dank bist du da!", sagte er erleichtert und riss die Tür auf. „Kannst du eine Fliege binden? Wir sind schon ganz verzweifelt."
So sahen die beiden auch aus. Scorpius und Al waren ganz schick in ihren Festumhängen. Al hatte zur Feier des Tages versucht, sein Haar zu bändigen, wenn auch nur mit mäßigem Erfolg, und Scorpius war einfach umwerfend. Astoria konnte gar nicht glauben, wie erwachsen ihr kleiner Junge aussah, auch wenn die Fliege, an der er die ganze Zeit herumfummelte, eine Katastrophe war. Bei den Feiern seiner Großeltern hatte er schon häufiger eine Fliege tragen müssen und er hatte es noch nie geschafft, sie selbst zu binden. Sie war irgendwie erleichtert, dass sich wenigstens nicht alles geändert hatte.
„Natürlich kann ich. Draco kann's bis heute nicht." Das war eine Lüge, Draco konnte es sehr gut. Aber er bestand trotzdem darauf, dass sie ihm immer seine Fliegen band, weil sie es seiner Meinung nach besser konnte. Und es war ein schönes Ritual, besonders wenn sie zu seinen verhassten Eltern gehen mussten.
„Hey!", beschwerte Draco sich wie auf Kommando. „Das ist eine Unverschämtheit. Al, komm her, ich beweis euch, dass ich eine Fliege ganz genauso gut binden kann." Er wollte wohl verhindern, vor den Jungs schlecht dazustehen. Al ging bereitwillig zu ihm und Draco wollte sie so unbedingt übertrumpfen, dass er Al fast erwürgte in seinem Eifer.
„Dad! Sei vorsichtig! Ich brauch meinen Trauzeugen doch noch", sagte Scorpius warnend. „Das fehlt gerade noch, dass du Al heute umbringst. Könnt ihr euch dieses Schlachtfeld vorstellen?"
Draco schnaubte. „Jetzt posaun meinen Plan doch nicht so raus, Scorpius, was glaubt ihr denn, warum ich bisher so nett war! Das war alles genauso vorgesehen, seit wir dich das erste Mal zum Zug gebracht haben."
Al lachte und zog ein bisschen an der Fliege, die Draco mittlerweile langsamer und sorgfältiger band. „Ihr habt geplant, dass ich nach Slytherin komme und sein bester Freund werde und Scorpius sich sechs Jahre später in Rose verliebt und sie jetzt heiratet?"
„Natürlich. Trewlawny ist nicht die einzige, die wahrsagen kann", erwiderte Draco und zwinkerte den anderen zu. Astoria verdrehte die Augen und betrachtete prüfend ihren Sohn. Tränen stiegen ihr in die Augen und sie schniefte.
„Mum?", fragte Scorpius besorgt. „Alles in Ordnung?"
Sie strich ihm zärtlich über die Wange. Er hatte sich sorgfältig rasiert, aber ein paar Stoppeln waren noch zu spüren. Merlin, er war wirklich nicht mehr ihr kleiner Junge. In ein paar Stunden würde er ein Ehemann sein. Und dabei kam es ihr so vor, als hätte sie ihn erst gestern zum ersten Mal im Arm gehalten, ihr kleiner zerknautschter Schreihals, der sich stundenlang nicht beruhigen wollte.
„Ich wünsch dir alles Gute", sagte sie mit belegter Stimme. „Lass dir den Tag bloß nicht von irgendjemandem vermiesen. Sowas kommt nicht wieder."
Dankbar griff sie nach dem Taschentuch, das Draco ihr reichte, und putzte sich lautstark die Nase. Hoffentlich würde sie das noch in den Griff bekommen, sie wollte nicht den ganzen Tag ein Wrack bei der Hochzeit sein.
„Und ihr seid soweit? Habt ihr alles? Ringe? Gelübde?", fragte Draco. Al hielt triumphierend eine Schatulle in die Höhe, die er aus seinem Festumhang gezogen hatte und Scorpius zeigte ihnen ein Stück Pergament, das eng beschrieben zu sein schien.
„Alles da", grinste Scorpius. „Vielleicht geht ihr schon raus in den Garten, Grandma und Grandpa müssten doch bald kommen. Und Tante Daphne und Tante Marion auch, oder? Nicht, dass die bei all den Weasleys untergehen." Astoria warf einen Blick auf ihre filigrane goldene Armbanduhr und zuckte erschrocken zusammen.
„Lieber Himmel, du hast Recht. Der Portschlüssel kommt in zwei Minuten." Es lagen einige Sicherheitsvorkehrungen auf dem Fuchsbau, aber sie hatte gehört, dass das nichts war im Vergleich zu früheren Hochzeiten, wo die Gäste auf umliegenden Hügeln ankamen und noch einen Fußweg zurück legen mussten, weil man nicht mal in der Nähe vom Fuchsbau erscheinen konnte. Glücklicherweise waren diese Zeiten vorbei.
Sie ergriff Dracos Hand und zog ihn aus dem Zimmer. „Dann sehen wir uns gleich bei der Hochzeit. Viel Glück, Schatz!"
Im Garten wimmelte es schon vor Leuten. Die rothaarigen überwiegten, aber es gab auch genug andere Haarfarben. Astoria stellte sich auf Zehenspitzen und suchte nach Gesichtern, die ihr bekannt vorkamen. „Siehst du meine Eltern, Schatz?", fragte sie besorgt. Sie hatte die beiden schon lange nicht gesehen, ganz zu schweigen von ihrer Schwester und ihrer Schwägerin, und sie konnte es kaum erwarten. Außerdem freute sie sich, dass Scorpius' Seite nicht ganz so leer war. Natürlich kam ihre kleine Familie nicht gegen die Nummer an Weasleys an, aber trotzdem. Es ging ums Prinzip.
„Ist das nicht der Hut deiner Mutter?", sagte Draco schließlich und deutete zur anderen Ecke des Gartens, wo ein Hut mit einem riesigen Blumengesteck die Menge überragte.
„Ja!", rief Astoria glücklich und schlängelte sich behände auf ihren hohen Schuhen durch den Garten, Draco dicht auf den Fersen. „Mum!" Sie fiel ihrer Mutter um den Hals und atmete ihr vertrautes Parfum ein. „Wie schön, dass ihr da seid." Ihre Familie würde noch eine ganze Woche bei ihnen bleiben, deshalb konnte sie sie richtig genießen, wenn sie erstmal diesen Tag überstanden hatte.
„Astoria, Engelchen, wie schön!", erwiderte ihre Mutter und küsste sie auf beide Wangen, bevor sie auch einen perplexen Draco herzlich umarmte. „Ich kann's gar nicht glauben, dass unser kleiner Junge schon heiratet. Mir kommt es vor, als wäre es erst gestern gewesen, dass er meinen Picasso mit meinem Lippenstift bemalt und gedacht hat, dass es mir nicht auffällt."
„Wem sagst du das", seufzte Astoria. „Aber was soll man machen, wenn er glücklich ist?"
„Wir waren doch auch nicht älter, Liebes, so ist der Lauf des Lebens", erwiderte Astorias Vater und küsste sie auf die Wange.
„Ich weiß, ich weiß, aber unser einziger Enkel heiratet. Kommst du dir da nicht auch ein bisschen alt vor?", seufzte ihre Mutter. „Ich meine, stell dir mal vor, nächstes Jahr könnten wir schon Urgroßeltern sein!"
„Jetzt macht aber mal halblang, Scorpius hat uns versichert, dass sie sich mit der Familiengründung noch viel Zeit lassen wollen", unterbrach Draco ihre Eltern. „Rose möchte erst ihre Ausbildung beenden und in ihrer Karriere Fuß fassen, und Scorpius möchte im Ministerium einiges auf den Weg bringen."
Astoria konnte es sich gar nicht vorstellen, ihr kleiner Junge und ein Baby. Obwohl sie sich schon freute, Großmutter zu werden und Babysitten zu können. Sie liebte Babys und sie war bis heute enttäuscht, dass Draco und sie nur ein Kind hatten haben können. Wenn es nach ihr gegangen wäre, hätte sie gerne so eine große Bande gehabt wie Molly und Arthur Weasley. Dann wäre ihr großes Haus jetzt nicht so still.
„Sind Daphne und Marion gar nicht mitgekommen?" Sie hatte ihre Schwester und Schwägerin noch länger nicht gesehen als ihre Eltern und freute sich schon unglaublich auf ihre große Schwester.
„Doch, doch, aber du kennst doch deine Schwester. Sie hasst Portschlüssel und hat gerade einen Trank gegen Übelkeit schlucken müssen, den musste sie erst auf der Toilette anrichten." Daphne hatte einen furchtbar empfindlichen Magen, was es ihr bei ihren Auslandsreisen für das französische Ministerium in der Abteilung zur internationalen Zusammenarbeit nicht gerade leichter machte, aber davon hatte sie sich noch nie abhalten lassen.
„Ich bin schon da, keine Sorge. Hi, Tori, schön, dich zu sehen." Daphne war in genau diesem Moment hinter Astoria aufgetaucht und Astoria fiel auch ihrer Schwester ohne zu zögern um den Hals. Sie sah erschöpft, aber zufrieden aus. „Ich verpass doch die Hochzeit von meinem einzigen Neffen nicht. Ganz besonders mit einer Weasley." Sie lachte. „Was für eine Ironie, ihr müsst euch ja vor Lachen kaum einkriegen!", sagte sie grinsend zu Draco.
Draco verzog das Gesicht zu einer Grimasse. „Unglaublich. Woher hast du das gewusst, Phee? Meine Eltern sind so belustigt, dass sie gar nicht erst kommen wollen, um die Zeremonie nicht mit dauernden Lachanfällen zu stören."
„Sie kommen nicht?", fragte Daphne überrascht und verständnislos. „Warum denn das?"
„Was glaubst du denn, Phee?", sagte Daphnes Frau Marion und verdrehte die Augen. „Aus dem gleischen Grund, aus dem mein Vater sisch auch geweigert 'at, su unserer 'ochzeit su kommen. Sie sind alt und verbohrt." Ihre Eltern hatten Marion ohne Probleme in der Familie willkommen geheißen, aber besonders Marions Vater hatte Probleme damit, eine Frau als Schwiegertochter zu akzeptieren. Und noch dazu eine Engländerin. Astoria war sich ehrlich gesagt nicht sicher, womit er mehr Probleme gehabt hatte, Daphnes Geschlecht oder ihre Nationalität. Nach zehn Jahren hatte er die Ehe seiner Tochter murrend akzeptiert, aber glücklich war er trotzdem nicht damit.
„Ich hab versucht, sie zu überreden, aber ich glaube ehrlich gesagt, dass Scorpius glücklicher ist, wenn sie gar nicht erst kommen", seufzte Draco enttäuscht. Er versuchte es zu verstecken, aber es nahm ihn ganz schön mit, dass seine Eltern so stur waren. Astoria war nicht im geringsten überrascht, aber man hoffte trotzdem auf das Beste.
„Der arme Junge", sagte Astorias Mutter mitfühlend. „Dann müssen wir uns eben doppelt so sehr anstrengen, als seine einzigen Großeltern hier. Hoffentlich ist unser Geschenk groß genug", sagte sie besorgt.
Astorias Dad lachte. „Ich bitte dich, du hast ihnen eine neue Küchenausstattung im Wert von tausend Galleonen gekauft, das wird ja wohl reichen."
„Ich weiß, ich weiß, aber dieser neue Rennbesen, meinst du nicht, dass er Scorpie gefallen hätte?"
„Und was soll Rose damit anfangen? Sie hasst doch fliegen", widersprach Daphne. „Ein Hochzeitsgeschenk sollte wirklich für beide sein und nicht nur für einen."
Astoria lachte. „Dann war die Küchenausstattung aber auch nicht das Richtige, Rose kocht so gut wie gar nicht."
Ihre Mutter wurde blas. „Nicht?", fragte sie enttäuscht. „Meinst du, sie würde sich über ein Cabrio freuen?"
Daphne verdrehte die Augen und legte ihr einen Arm um die Schulter. „Mum, jetzt sei doch einmal realistisch."
Das war nun wirklich zu viel verlangt von ihrer Mutter. Sie war ein herzensguter Mensch, aber sie zeigte ihre Zuneigung einfach viel zu gerne mit völlig übertriebenen Geschenken. Astoria hatte zu ihrer eigenen Hochzeit eine Tiara bekommen und Draco und sie ein goldenes Himmelbett. Es war ein fantastisches Bett, aber trotzdem. Daphne und Marion hatten sie gleich ein ganzes Haus gekauft, weil ihre großzügige Altbauwohnung in Paris ihrer Mutter viel zu klein vorgekommen war.
Sie lehnte sich zu Draco, der ihre Familie wie immer leicht sprachlos anstarrte. „Vielleicht kannst du uns schon mal ein paar Plätze reservieren, Schatz." Er hatte ihre Familie sehr gerne, aber es fiel ihm auch immer schwer, seine Kommentare zu verkneifen, deshalb war es besser, wenn er sie nur in kleinen Dosen ertrug. Die nächste Woche würde für ihn lang genug werden, auch wenn es er gerne für sie tat.
„Unsere Seite ist doch sowieso leer", murmelte er, machte sich aber, nachdem er sie auf die Wange geküsst hatte, folgsam auf den Weg zu der riesengroßen Menge an Stühlen, die auf dem Rasen aufgestellt waren. Über allem flatterten glitzernde goldene Tücher. Um die Stühle rankten sich rote Rosen und alles sah sehr elegant, aber überhaupt nicht steif aus. Wenn diese Bruchbude, die die Weasleys Haus nannten, nicht im Hintergrund gestanden hätte, hätte es wirklich schön aussehen können.
Es war Draco immer noch ein Rätsel, warum sein Sohn unbedingt im Garten der Weasleys hatte heiraten wollen, wenn doch auch Astorias und sein Garten zur Verfügung gestanden hätte – und weitaus spektakulärer gewesen wäre, ohne Frage – aber er musste zugeben, dass das ganze einen gewissen Charme hatte. Und es wäre ihm ehrlich gesagt zuwider gewesen, so einen Haufen Menschen bei sich zu beherbergen. Große Menschenmengen verabscheute er mittlerweile. Man wusste nie, worauf man sich gefasst machen musste.
Ehrlich gesagt hatte er erwartet, dass Scorpius und Rose die Feier ziemlich klein halten würden, um sich nicht mit der Planung befassen zu müssen, aber scheinbar hatten sie alles auf Roses Großmutter abgeladen und die schien keinen ganz so schlechten Job gemacht zu haben. Und die Weasleys vermehrten sich wie Ratten, da war es wahrscheinlich kein Wunder, dass es hier im Garten vor Rotschöpfen nur so wimmelte.
Bei den Stühlen angekommen war es nicht schwer, zu erkennen, welche Seite der Braut gehörte und welche dem Bräutigam. Es saßen schon eine ganze Menge Rotschöpfe auf der rechten Seite. Jemand, der vermutlich Roses kleiner Bruder war, führte gerade Longbottom und seine Frau zu ihren Plätzen.
„Oh, Mr Malfoy, Sie und Ihre Frau können sich ganz vorne in die erste Reihe setzen. Scorpius' Großeltern haben wir am Gang in der zweiten Reihe, da können sie alles super sehen", sagte er strahlend zu Draco, als er seinen suchenden Blick bemerkte und zeigte ganz nach vorne. Zu Dracos Überraschung saß schon jemand in der ersten Reihe, genau neben seinem Platz. Vorsichtig näherte er sich der älteren Frau und zuckte erschrocken zusammen, als er sie schließlich vor sich sah.
„Tante Bellatrix?", sagte er geschockt und unterdrückte krampfhaft den Instinkt, seinen Zauberstab zu ziehen. Das war doch gar nicht möglich, Tante Bellatrix war tot, Molly Weasley hatte sie vor seinen Augen getötet, Tante Bellatrix würde doch nicht wieder auferstanden sein und zu der Hochzeit seines Sohnes kommen. Dann wäre schon längst eine Panik ausgebrochen.
„Ich weiß, ich sehe ihr ähnlich, aber wenn du wirklich glaubst, dass ich Bella bin, dann brauchst du dringend eine Brille, Junge. Und du solltest deinen Kopf im Mungos durchchecken lassen", sagte nicht-Tante Bellatrix und riss Draco aus der Panikattacke, in die er sich beinahe hineingesteigert hatte. Ihre Stimme klang völlig anders, warm und verständnisvoll, nicht schrill und herrisch und verrückt.
„Und wer sind Sie?", fragte er schließlich und versuchte, seine Atmung wieder unter Kontrolle zu bringen. Langsam ließ er sich in den Stuhl neben sie sinken, aber den Blick wandte er keine Sekunde von ihr ab.
„Ich bin deine Tante Andromeda. Ich weiß, dass man mich nach meiner Hochzeit aus der Familie verbannt hat, aber du müsstest doch zumindest wissen, wer ich bin."
Draco biss sich auf die Lippe. Seine Mutter sprach so gut wie gar nicht von ihrer Familie. Bevor Bellatrix aus Askaban ausgebrochen und bei ihnen zuhause aufgetaucht war, hatte er kaum gewusst, dass sie die Schwester seiner Mutter war. Ganz zu schweigen von der anderen Schwester, die durch ihre Heirat mit einem Muggelstämmigen zur Persona non grata geworden war, über die man kein Sterbenswort verlor. Nach seiner ersten Weihnachtsfeier am Fuchsbau war Scorpius begeistert nach Hause gekommen und hatte von Tante Andromeda und ihrem Enkel Ted erzählt, der mit einer Weasley-Tochter zusammen war und dass das bedeutete, dass er auch mit den Weasleys verwandt war. Nachdem er einen Blick auf Dracos Miene geworfen hatte, hatte er das nie wieder erwähnt und Draco hatte ehrlich gesagt wieder vergessen, dass seine Großmutter noch eine Schwester hatte, die nicht komplett bescheuert gewesen war.
„Ich seh schon, Sissy hat sich mal wieder überhaupt nicht in die Karten schauen lassen, das sieht ihr ähnlich", murmelte Andromeda kopfschüttelnd.
„Wie bitte?" Draco versuchte immer noch, die automatische Reaktion seines Körpers auf Bellatrix in den Griff zu kriegen. Er verstand nur Bahnhof.
„Ich treffe mich einmal im Monat mit meiner Schwester zum Tee. Hätte ich mir denken können, dass sie ihrer Familie nichts sagt. Bloß keinen Wirbel machen, um den guten Ehemann nicht zu verstimmen. Als ob Lucius jemals den Mut gehabt hätte, irgendetwas durchzuziehen." Sie schüttelte den Kopf.
„Wirklich?", fragte Draco schockiert. Seine Mutter hatte nie einen Ton gesagt. „Aber…"
„Dieses ganze Geschwafel von Reinblütigkeit hat uns alle mehr gekostet, als wir je bereit waren, dafür zu opfern. Wir waren nie beste Freundinnen und werden es nie sein, aber wir sind Familie und der letzte, der das Recht hat, seinen Senf dazu abzugeben ist mein geschätzter Schwager." Sie tätschelte seine Hand und Draco starrte völlig verwirrt auf die Stelle, an der sie ihn berührt hatte. Er konnte sich nicht daran erinnern, dass ihn in seiner Familie auch nur einer einfach so berührt hätte (hätte Bellatrix es versucht, hätte er schnellstens das Weite gesucht). Würde diese Frau seiner Tante nicht so ähnlich sehen, hätte er jegliche Verwandtschaft geleugnet. So jemand konnte gar nicht zur Familie gehören.
„Jedenfalls bin ich froh, dass wir uns mal kennenlernen, Draco", fuhr Andromeda unbeirrt fort. „Ich wollte dir schon lange sagen, was für eine beeindruckende Arbeit du geleistet hast bei der Erziehung von Scorpius. Er ist so ein wunderbarer lieber Junge. Da kannst du wirklich stolz sein."
Draco wurde zu seinem Entsetzen rot. „Oh, nun ja, das meiste hat meine Frau gemacht." Er war ehrlich gesagt nie davon überzeugt gewesen, dass er ein guter Vater sein würde und wenn Astoria sich nicht so sehr Kinder gewünscht hätte, hätte er es sich ernsthaft überlegt, überhaupt keine zu bekommen. Deshalb hatte er seiner Frau freie Hand gelassen. Und um ehrlich zu sein, gegen sie hätte er sowieso keine Chance gehabt. Und auch wenn er nicht immer hundert Prozent mit allem einverstanden war, sein Sohn schien so viel glücklicher und zufriedener zu sein, als Draco es in seinem Alter je gewesen war, und das war das wichtigste. Ob er jetzt eine Reinblüterin heiratete oder nicht.
„Das mag sein. Aber schon allein, dass du hier bist, ist dir schon hoch anzurechnen. Ich nehme an, meine Schwester werde ich heute nicht sehen."
„Habt ihr das nicht bei eurem letzten Teetreffen besprochen?", fragte er ein bisschen gehässig. Es war sein Standardtonfall, was sollte er machen?
Andromeda lachte. „Ich bitte dich, als ob wir über unsere Familien sprechen würden. Da würden wir uns nie wieder treffen." Das hätte er auch gedacht, deshalb wunderte ihn das ganze ja so. Worüber sprachen sie denn sonst? Bevor er das allerdings zur Sprache bringen konnte, wurde er von einem jungen Mann mit grünen Haaren unterbrochen, der Andromeda auf die Wange küsste und sich dann neben sie auf den Stuhl fallen ließ.
„Hey, Gran, schön dich zu sehen."
„Das kann ich nur zurückgeben. Ich hab dich ja schon seit mindestens einen Monat nicht mehr zu Gesicht bekommen", sagte sie anklagend.
Der Mann zuckte nur mit den Schultern und gähnte. „Entschuldigung, dass ich rund um die Uhr arbeiten muss und den Rest der Zeit mit meinem Baby verbringen will."
„Ich finde es nicht zu viel verlangt, wenn du auch ein bisschen Zeit mit deinem Baby bei mir verbringst. Ich sehe deine Frau viel mehr als dich."
„Gran, ich bitte dich, du weißt doch, wie das ist", sagte er flehentlich. „Ich kann doch auch nichts dafür, ich mach meinen Arbeitsplan doch nicht selbst."
Andromeda tätschelte ihm die Wange und lächelte mitleidig, aber auch ein wenig hämisch. „Du armer Junge." Sie drehte sich um und ließ ihren Blick über die Menge schweifen. „Wo sind denn Vicky und Dora überhaupt? Sie sitzen doch hoffentlich bei uns."
„Natürlich. Aber Dora ist doch das Blumenmädchen, die muss sich vorbereiten.
„Ach wirklich? Kann sie denn schon geradeaus gehen?"
„Ja, schon, wenn du geradeaus sehr weitläufig definierst", lachte er. „Vic kommt mit und hilft ihr. Warte nur, bis du sie siehst, in ihrem goldenen Kleidchen. Sie sieht so niedlich aus. Und sie hat die Haare genau wie ich, damit es auch zu Roses Farben passt."
„Grüne Haare bei einem Baby?!", fragte Draco entsetzt. Was taten diese Menschen einem armen Baby an, ihm einfach so die Haare zu färben!? Das sah ja schon bei diesem erwachsenen Mann eher fragwürdig aus. Seine Mutter wäre in Ohnmacht gefallen.
Der Mann schaute ihn verständnislos an. „Ja? Sie ist ein Metamorphmagus, so wie ich, vor einer halben Stunde waren ihre Haare noch knallpink."
„Ein Metamorphmagus?", fragte Draco überrascht. Er hatte noch nie ein Metamorphmagus gesehen.
Andromeda verdrehte die Augen. „Himmel, Sissy, wenigstens das hättest du deinem Sohn erzählen können!", sagte sie gen Himmel. „Meine Tochter war ein Metamorphmagus und ihr Sohn und Enkel sind es auch. Ted, darf ich vorstellen, das ist mein Neffe Draco. Draco, das ist mein Enkel Ted, der Sohn deiner Cousine, meine Schwester hat ihn offensichtlich nie erwähnt."
„Nicht, dass ich wüsste." Er streckte Ted die Hand hin, der sie überrascht schüttelte. „Freut mich."
Ted nickte. „Ich freu mich ja, dass wir ausnahmsweise auf meiner Seite der Familie sitzen. Sonst sind wir ja immer auf Vickys Seite."
Draco nickte und versuchte den Eindruck zu erwecken, dass er wusste, wovon die Rede war. Er hatte die Nase voll, absolut nichts zu wissen. Vielleicht hätte er sich doch einmal mit der etwas entfernteren Familie beschäftigen sollen. Aber Bellatrix hatte ihn so abgeschreckt, dass ihm die Lust nach allen anderen völlig vergangen war.
„Victoire ist die Tochter von Bill, Roses ältestem Onkel. Und Dora ist ihre Tochter", erklärte Andromeda, die ihn offensichtlich durchschaut hatte. Selbst Schuld, er hätte von Anfang an souveräner sein sollen. Aber wer rechnete denn auch schon mit einer Kopie seiner verhassten Tante? Gerade bei den Weasleys? Als ob! „Sie haben sie nach meiner verstorbenen Tochter benannt." Sie lächelte ein wenig wehmütig. „Viel Glück für später, Dora hat ihren Namen gehasst."
Ted zuckte mit den Schultern. „Vicky fand es ein schönes Tribut. Und es passt doch in die Tradition bekloppter Namen. Nicht wahr?" Er zwinkerte Draco verschwörerisch zu, der ihn nur weiterhin verständnislos anschauen konnte. „Scorp hat sich schließlich oft genug über seinen beschwert."
„Ach so ja, da ist was dran", seufzte Draco. Scorpius Hyperion war jetzt nicht gerade seine erste Wahl gewesen, aber was sollte er sagen? Seine Eltern hatten ihn überredet. Und Astoria war zu sehr von Schmerzmitteln voll gewesen, um sich zu wehren.
„Und er klingt auch französisch genug, dass die Seite von der Familie zufrieden ist, deshalb bin ich immer noch überzeugt, dass das ein sehr passender Name ist", fuhr Ted fort.
Draco grunzte zustimmend, um gar nichts mehr sagen zu müssen. Funktionierte auch nicht.
„Himmel, Junge, du hast wohl unter einem Felsen gelebt!", seufzte Andromeda. „Victoires Mutter ist Fleur. Der ist ihre Herkunft sehr wichtig, völlig verständlich."
„Delacour?", fragte Draco völlig überrascht. Ein Weasley hatte den trimagischen Champion von Beauxbatons abbekommen? Diese elfengleiche Person, hinter der alle in Slytherin damals hergesabbert hatten? Und deren Tochter hatte einen Mann geheiratet, der ohne Probleme mit grünen Haaren in der Öffentlichkeit herumlief? Wussten seine Großeltern überhaupt etwas davon? Dann war Scorpius ja nicht mal der erste, der in die Familie Weasley einheiratete!
„Apropos, diese Eisstatue kommt mir sehr bekannt vor, ist die nicht von euch?", fuhr Andromeda fort und deutete auf den Altar. Draco fiel erst jetzt dieses überdimensionale Gebilde aus Eis auf, das ein bisschen fehl am Platz wirkte.
Ted verzog das Gesicht. „Ja. Wir hoffen, dass irgendjemand genug Unsinn anstellt, dass wir das Ding nicht mehr mit nach Hause nehmen können. Dora ist schon drei Mal dran festgefroren."
„Wieso habt ihr denn eine Eisskulptur zuhause?", fragte Draco völlig verwirrt. Nicht mal seine Eltern hatten sich sowas jemals ins Haus gestellt und zu denen hätte das noch am ehesten gepasst.
Ted zuckte mit den Schultern. „Vickys Großeltern haben ihrem Bruder eine zur Hochzeit geschenkt und wollten nicht, dass seine Schwestern sich ungerecht behandelt fühlen, deshalb haben sie ihnen zwei kleinere geschenkt." Das hieß, dass Victoires Bruder eine noch größere Zuhause hatte. Hoffentlich hatte er viel Platz. „Nicky hat ihre glaube ich schon aus dem Fenster geworfen, aber von ihr erwartet man auch nichts anderes. Ich hatte ja gehofft, dass Dora ihr etwas antut, aber das Ding ist einfach zu stabil", sagte er bedauernd. „Im schlimmsten Fall werfe ich am Ende des Abends einfach eine von Georges singenden Stinkbomben drauf, das dürfte reichen."
Andromeda boxte ihn in den Arm. „Du wirst das Fest von Rose nicht mit einer Stinkbombe ruinieren!"
„Ganz ruhig, Gran, die duftet nach Rosen. Ich hab noch eine von seiner Muttertagsedition übrig. Vicky fand die nicht so toll."
„Welche Überraschung, Teddy. Denk doch nach!"
„Was? Die sind doch toll! Duften nach Rosen und es gibt ein kleines herzförmiges Feuerwerk. Lucy hat monatelang daran gearbeitet."
„Trotzdem", beharrte Andromeda. „Stinkbomben zum Muttertag, was ist denn das für eine Botschaft?"
Ted schaute hilflos zu Draco, der sich jetzt vorsichtshalber ganz heraushielt. „Ich fand das eigentlich ganz süß. Und George hat gesagt, dass die in drei Tagen ausverkauft waren."
Andromeda seufzte. „Nun gut, wenn es dich glücklich macht, dann wirf am Ende deine Bombe. Aber frag vorher bitte nach, ob sie auch einverstanden sind."
„Ich bitte dich, Rose und Scorp sind die letzten, die da was dagegen haben." Ted schaute zu der Statue und schüttelte den Kopf. „Was Vics Großeltern sich dabei gedacht haben, werde ich nie verstehen. Sie kennen doch unser Haus."
„Sie haben es nur gut gemeint. So eine Statue ist schon ein besonderes Geschenk", sagte Andromeda diplomatisch.
„Also mir war Nickys Dauerkarte für alle ihre Spiele lieber. Auch wenn sie die umsonst bekommen hat", murmelte Ted. „Louis und Annie waren auch nicht sonderlich begeistert. Und die haben noch nicht mal ein Haus, die haben das Ding einfach auf den Balkon gestellt. Sie ist immer noch nicht geschmolzen."
„Sind die nicht sehr haltbar gezaubert?", warf Draco ein. Was war denn der Sinn einer Eisstatue, wenn sie einfach so schmolz?
Ted seufzte. „Ja, leider. Und immun gegen jeden Wärmezauber. Glaub mir, wir haben schon alles versucht."
„Schade, dass Sissy nicht kommt, vielleicht hätte die sie ja mitnehmen können. In ihren riesigen Kasten hätte sie wunderbar gepasst", seufzte Andromeda. Sie strahlte aber sofort wieder, als plötzlich Astoria neben Draco auftauchte. „Hallo, du musst Scorpius' Mutter sein. Ich bin Dracos Tante und das ist mein Enkel Ted", stellte sie sich vor.
„Oh, freut mich", sagte Astoria überrascht und schüttelte beiden die Hand. Sie warf Draco einen verwirrten Blick zu, aber er konnte nur mit den Schultern zucken. Einen Moment später tauchten ihre Eltern, Daphne und Marion auf und nahmen in der Reihe hinter ihnen Platz. Es gab ein großes Hallo, da Andromeda anscheinend mit den Greengrasses zur Schule gegangen war und die tatsächlich wussten, wer sie war.
„Was war denn das?", raunte Astoria ihm mit hochgezogenen Augenbrauen zu.
Draco zuckte mit den Schultern. Wenn er das wüsste!
„Familie", sagte er schließlich.
TBC…
A/N: Solltet ihr ein Bild von der Hochzeitstorte sehen wollen, findet ihr das unter: 10-kleine-dinge .livejournal (ohne Leerzeichen) unter dem Eintrag zum heutigen Kapitel. Morgen gibt es dort auch Bilder von Roses, Doras und Lilys Kleid.
