Zaubertränke war mal wieder extrem anstrengend. Wir mussten zur Zeit einen Verwirrtrank brauen.
"Es ist nicht illegal, aber die Benutzung wird streng durch das Ministerium kontrolliert, wegen seiner unvorhersehbaren Effekte. Das Brauen dieses Tranks wird vor allem genutzt, um ein Gegenmittel herzustellen", sagte Tom leise.
Ich hatte den Kopf auf die Hände gestützt, als ich aufgerufen wurde. "Miss Graygrove und die Warnungen?"
"Dieses Rezept ist nur eine abgeschwächte Version, aber es kann dennoch für mehrere Stunden anhalten, ohne Gegenmittel. Es kann schwer sein herauszufinden, ob jemand etwas bekommen hat, wie stark der Trank gebraut wurde.
Eine Person könnte alle möglichen Nebenwirkungen zeigen, wenn der Trank langsam an Wirkung verliert, so zum Beispiel eine Tendenz alles mögliche zu vergessen. Sie können auch teilweise Ammesie noch Monate später haben. Der Geruch und Geschmack sind nicht vorhanden, was es ein leichtes macht, es in irgendein Getränk zu schütten.
Außerdem macht der Trank sehr durstig, was es erleichtert, wenn man den Trank in größeren Dosen verabreichen will. Leute unter diesem Trank können sehr unvorhersehbar sein" Slughorn sah mich begeistert an.
Riddle sah heute müde aus. Was er wohl die ganze Nacht gemacht hatte? Böse Pläne für die Weltherrschaft geschmiedet?
"Graygrove, ein Foto hält länger", bemerkte er mit einem müden Lächeln. Ertappt erstarrte ich und spürte die Röte in meine Wangen schießen. Das durfte doch jetzt nicht wahr sein. Riddle brachte mich zum Erröten und zur Weißglut.
"Ich habe nicht gestarrt", sagte ich langsam. Riddld schnaubte. "Es ist völlig normal, mich attraktiv zu finden. Du hast es ja schon selbst gesagt, dass ich gutaussehend bin", fuhr er fort. Ich zog die Augenbrauen zusammen.
"Auf dem Astronomieturm?", erklärte er. Jetzt machte es klick.
"Das war aber nur, um etwas klarzustellen. Ich habe nicht gesagt, Tom Riddle, ich bin unsterblich in dich verliebt", schnaubte ich. Riddle war bei meinen Worten erstarrt.
"Nein, das hast du wohl nicht", murmelte er leise. Er klang beinahe etwas verletzt.
"Hast du etwa ein Problem damit, dass ich dir nicht, wie alle anderen, verfallen bin?", raunte ich ihm zu. Bei meinen Worten versteifte sich der zukünftige dunkle Lord sichtlich.
"Graygrove, du könntest mir nicht egaler sein", seufzte Riddle. Das hatte gesessen. Mist! Ich musste doch irgendwie in sein Herz kommen!
Nur, um ihn dann hinterrücks zu erstechen? Das war sogar für mich, selbst wenn es um Lord Voldemort ging, zu viel des Guten.
"Hey Riddle?" Riddle sah mich erwartungsvoll an. Ich nahm zwei Finger suggestiv in den Mund, nur um ihm den Mittelfinger zu zeigen, als ich sie wieder herauszog.
Riddle schien kurz davor zu sein, zu implodieren. Er sah mich finster an. Ich musste lachen, als ich die erste Hälfte des Blutegelsaftes zum Gebräu dazu gab, was das Gebräu braun werden ließ.
Riddle rührte um. "Noch einmal und du bist tot, Graygrove", raunte er in mein Ohr. Ich blickte ihn unschuldig an. "Was meinst du denn, Riddle?" Er verdrehte die Augen, etwas, das nur an ihm gut aussehen konnte.
"Graygrove, wie wäre es, wenn du dich gleichzeitig so stark auf den Verwirrtrank konzentrierst, wie auf mich?" Ich lachte spöttisch.
"Du, Riddle bist das letzte, woran ich nachts denke, bevor ich einschlafe", sagte ich ironisch. Riddles Mundwinkel zuckten.
"Gut zu hören, dass ich dich so zu beschäftigen scheine", schmunzelte er.
Ja, wenn du tot bist, Riddle.
Oder wollte ich überhaupt, dass er starb? Wir hatten diese ungewöhnliche Beziehung zueinander aufgebaut, die sich schon fast wie eine sehr seltsame Freundschaft anfühlte.
Nein, allmählich wuchs er mir ans Herz. Das würde es wirklich erschweren, wenn ich ihn umbringen müssen würde.
"Immer, Riddle. Du bist den ganzen Tag in meinem Kopf", entgegnete ich sarkastisch.
Riddle lachte. Es war das erste echte Lachen seit, glaube ich, immer. Es war ein glockenklarer Klang. Wunderschön!
In meiner Brust regte sich etwas bei diesem Geräusch.
Nach fünfzehn Minuten gab ich die zweite Hälfte Blutegelsaft hinzu. Jetzt musste das Ganze nur noch eine Stunde köcheln und fertig war es.
"Siehst du? Wir haben das Gebräu hinbekommen", lächelte ich. Riddle seufzte. Er schien zurzeit oft in meiner Gegenwart zu seufzen.
"Graygrove, du hast letztens etwas gesagt, bevor du versucht hast, dir das Leben zu nehmen", begann er zu wispern. Ich zuckte mit den Schultern. "Du musst schon spezifischer sein, Riddle. Ich sage viel, wenn der Tag lang ist", meinte ich nur beiläufig.
Was konnte ich zu Riddle gesagt haben? Ich zermaterte mir das Gehirn. Doch ich konnte mich nicht mehr an die letzten Stunden vor dem Suizidversuch erinnern.
"Du hast speziell etwas über mich gesagt", begann er langsam. Ich hob eine Augenbraue. "Und?" Riddles Wangen färbten sich das kleinste bisschen rot.
"Du sagtest, du hättest Gefühle für mich"
Ich erstarrte zu einer Salzsäule und lachte nervös. "Riddle, sei nicht lächerlich. Ich könnte niemals Gefühle für dich haben. Ich habe wahrscheinlich wieder eine von Abraxas Pillen genommen, das war alles"
Bildete ich es mir nur ein oder huschte ein Ausdruck von Verletztheit über Riddles Gesicht?
Eine Sekunde später war es weg.
"Du musst recht haben. Ich fand es nur fair, dir zu sagen, was du in deinem Stupor von dir gibst", bemerkte er schließlich an, nach einer Weile, in der niemand von uns etwas gesagt hatte. Ich nickte beiläufig.
Und biss mir auf die Lippe.
Just in diesem Moment kam mir Slughorn zur Rettung.
"Ah, meine beiden besten Schüler! Ich denke, Ihr Gebräu wird eins A wirken. Eine Schande, dass wir das Ganze letztendlich vernichten müssen!", seufzte der Zaubertranklehrer.
"Ja, Professor. Wäre es nicht möglich, die brauchbaren abzufüllen?", warf Riddle ein. Slughorn strich sich über seinen abnorm großen Schnauzer. "Hm, Tom. Das ist eine ausgezeichnete Idee! Man kann nie wissen, wann man das gebrauchen könnte!", rief Slughorn wie in einem Heureka Moment. Riddle rollte die Augen, als wäre es das Offensichtliche gewesen. Was es ja auch irgendwie war.
"Und meine beiden Turbeltäubchen. Ich hoffe sehr, Sie konnten Ihre Differenzen beilegen!", flüsterte Slughorn zu uns herunter gebeugt. Riddle und ich warfen uns einen peinlich berührten Blick zu.
Mein Sitznachbar räusperte sich. "Natürlich, Professor", sagte er auf seine kühle und charmante Art. Der Professor klatschte erfreut in die Hände.
"Etwas anderes hatte ich mir auch nicht erhofft! Tom, mein Junge, Sie und Miss Graygrove sind einfach dazu prädestiniert, zusammen zu sein!" Riddle sah wieder aus, als würde er überlegen, wogegen er seinen Kopf am liebsten schlagen wollte.
Er rang sich ein gezwungenes Lächeln ab und beugte sich zu mir. "Noch einmal, dass Slughorn versucht uns zu verkuppeln und ich erwürge ihn mit meinen bloßen Händen", zischte er in mein Ohr. Ich hätte Angst haben müssen. Hätte ihm Kontra geben müssen, doch die schiere Nähe von ihm zu mir machte jegliches Handeln unmöglich.
Endlich war sein Kopf nicht mehr so nahe bei meinem. Ich fiel aus meiner Schockstarre heraus. "Riddle, du würdest nicht so reagieren, wenn nicht ein Fünkchen Wahrheit drin stecken würde", lachte ich schließlich, um meine vorherige Reaktion zu überspielen. Mein Gehirn funktionierte wieder.
"Sei nicht lächerlich, Graygrove. Ich habe dir doch erzählt, was mit mir nicht...stimmt. Ich werde niemals zu solchen Gefühlen in der Lage sein", er klang bei diesen Worten, die er mir ins Ohr flüsterte beinahe etwas bitter.
Ich ergriff seine Hand bei seinen Worten. Riddle versteifte sich. "Was tust du da?", fauchte er, machte jedoch keinerlei Anstalten, seine Hand unter meiner hervor zu ziehen.
Ich lächelte unschuldig und zuckte mit den Schultern. "Ich mag es nicht, wenn man mich ungefragt berührt", keifte er weiter. Jetzt erst zog er seine Hand wieder zu sich. Das hatte aber zehn Sekunden gebraucht.
Riddle war so ein angespannter Mensch. Ich fragte mich, ob die Lösung wirklich so einfach war, wie Felicity gesagt hatte. Vielleicht brauchte Riddle doch einfach nur ein wenig Sex und er würde alle Pläne an die Weltherrschaft aufgeben?
...
"Heute wird duelliert!", rief Professor Merrythought. Felicity und ich sahen uns grinsend an.
Abraxas war auch in dieser Klasse. Ich befürchtete das Schlimmste. Gerade, wenn wir heute keinen Unterricht machten, sondern duellieren sollten. Die Tische und Stühle waren alle zur Seite geschoben.
Abraxas schien immer noch wütend auf mich zu sein. Irgendwo konnte ich ihn ja auch verstehen...
"Suchen Sie sich Partner!", ordnete die Professorin an.
Schnell hatten sich kleine Grüppchen gebildet.
Ich seufzte erleichtert, als ich sah, dass Riddle mit Mulciber kämpfen wollte und Abraxas mit Lestrange.
Langsam legten Felicity und ich los. Wir benutzten natürlich nur harmlose Kitzelflüche oder Tarantallegra.
Wir waren beide außer Atem und Professor Merrythought erlaubte uns, uns auf die Tische zu setzen, um die anderen beim Duellieren zu beobachten. Felicity war keine üble Duellantin. Ich fragte mich, was aus ihr geworden war in der Zukunft.
Ihren Enkel Blaise kannte ich jedenfalls sehr gut. Vor allem seine Lippen. Gott, der Junge hatte küssen können! Und gut im Bett war er dazu auch noch!
Abraxas duellierte Alden Lestrange und es sah aus, als wäre er am gewinnen. Riddle hingegen schwang den Zauberstab locker aus dem Handgelenk heraus. Er schien, ohne jeglichen Zweifel, Mulciber überlegen zu sein!
Doch plötzlich schoss Abraxas einen Fluch, der ganz klar so gewollt war, auf Riddle hinterrücks. Er traf Riddle im Rücken, der es natürlich nicht hatte kommen sehen.
AN:
To be continued...
Guten Morgen! Ich hoffe, ihr habt alle einen schönen Sonntag!
LG, H.
