24. Dezember: Endlich verheiratet

Ron stand beim Haus und trat unruhig von einem Bein aufs andere. Der Kragen seines Festumhangs fühlte sich an, als würde er ihn erwürgen. Mittlerweile waren nur noch Hermine, Rose, Lily, Victoire und Dora im Haus, der Rest hatte seine Plätze eingenommen. Seine Mutter hatte ihm im Vorbeigehen einen strengen Blick zugeworfen, der wohl andeuten sollte, dass sie ihm die Hölle heiß machen würde, wenn er die Hochzeit irgendwie sabotierte.

Ron schaute seufzend auf die große Menschenmenge, die sich versammelt hatte. Rose und Scorpius hatten viele Freunde aus Hogwarts eingeladen, Hagrid saß in der letzten Reihe und schluchzte jetzt schon lautstark und Lucy zauberte kleine grün-goldene Feuerwerke in die Luft. Seine Mutter hatte wie bei jeder Hochzeit ganze Arbeit geleistet. Der Fuchsbau war vielleicht nicht der spektakulärste Ort für eine Hochzeit, aber er hatte trotzdem eine wunderbare Atmosphäre. Unter anderen Umständen hätte er sich wahrscheinlich sehr gefreut, dass seine Rosie an dem Ort heiratete, an dem er es auch getan hatte, aber so konnte er nur auf diesen blonden Kopf in der ersten Reihe starren und alles in seiner Macht tun, um ihn nicht zu verfluchen. Der Fuchsbau war immer ein Zufluchtsort gewesen, ein Hafen der Sicherheit, selbst damals, als Todesser nach Bills Hochzeit hier eingefallen waren. Der Gedanke, dass sie Malfoy einfach so hier reingelassen hatten, nach allem, was sich diese Familie geleistet hatte, und dass Rosie bis zu ihrem Lebensende mit diesem Pack zu tun haben würde, sollte sie sich nicht irgendwann scheiden lassen, wie er hoffte, der war einfach unerträglich.

Und jetzt verlangte alle Welt von ihm, dass er seine Rosie, seine kleine Prinzessin, sein ein und alles, zum Altar führte und in ihr Unglück rennen ließ, ohne irgendwas zu sagen. Wie sollte er das nur fertig bringen? Am liebsten wäre er gar nicht erst gekommen, wenn er diese Farce schon nicht verhindern konnte, aber Rosie hätte ihm das nie verziehen und Hermine auch nicht, und er wollte sie auf keinen Fall verlieren.

Auch wenn alle das Gegenteil behaupteten, Ron wollte wirklich nur, dass Rosie glücklich war. Dass sie nie diesen Schmerz und dieses Leid erfahren musste, dass Ron und Hermine und Harry und seine ganze Familie während seiner Schulzeit und im Krieg erlebt hatten. Und an diesem Leid waren die Malfoys sehr aktiv beteiligt gewesen. Und jetzt wollte Rosie ungezwungen in diese Sippschaft einheiraten? Ihm wurde schlecht, wenn er nur daran dachte.

Die Küchentür ging auf und Hermine schlüpfte aus dem Haus. Wie zu jedem feierlichen Anlass hatte sie ihre buschigen Haare geglättet und sie trug ein wunderschönes fliederfarbenes Kleid, das leicht in der Sommerbriese flatterte. Sie war wunderschön und Ron konnte sein Glück immer noch kaum fassen, dass er tatsächlich mit ihr verheiratet war.

„Rose kommt gleich raus, wir mussten nur den Schleier aus ihren Haaren zerren", sagte sie lächelnd. Ron runzelte verwirrt die Stirn. „Ich hab ihr meinen alten Schleier gegeben, aber am Ende hat er doch nicht wirklich gepasst, deshalb haben wir ihn wieder rausholen müssen." Rose war vor einer Stunde fertig geschminkt und frisiert im Fuchsbau erschienen und hatte sich mit Lily zusammen in Ginnys altem Zimmer umgezogen. Ein paar Tränen stiegen ihr in die Augen und Hermine wischte sie unwirsch wieder weg. „Sie ist so wunderschön, Ron, das glaubst du gar nicht." Da würde Ron vehement widersprechen, für ihn war Rose immer wunderschön.

Hermine legte ihre Hände auf seine Schultern, und balancierte vorsichtig auf ihren hohen Schuhen. Wie Frauen sich nicht andauernd die Knöchel brachen war Ron ein Rätsel. Und da waren Hermines Schuhe nichts gegen die Dinger, auf denen Fleur hier durch den Garten schwebte.

Hermine küsste ihn zärtlich und viel zu kurz auf den Mund und wischte ihm dann ihren Lippenstift wieder von den Lippen. „Ich danke dir, dass du hier bist und das machst. Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie viel ihr das bedeutet." Sie strahlte ihn an, wischte sich noch einmal über die Augen und strich ihm sanft über die Wange. „Wir sehen uns dann gleich vor dem Altar."

Ron schaute ihr seufzend hinterher, wie sie durch den Garten eilte, so schnell es ihre Schuhe zuließen. Sie umarmte Hagrid, der zum Entsetzen der Gäste in seiner Nähe Anstalten machte, aufzustehen, küsste Neville auf die Wange und umarmte dann ihre Eltern, die neben seinen Eltern saßen und den Tränen nahe schienen. Hermine war bisher so auf Rose konzentriert gewesen, dass sie gar keine Zeit gehabt hatte, die anderen Gäste zu begrüßen.

Ron zuckte zusammen, als die Tür erneut aufging und Lily im Garten erschien. Sie trug ein wunderschönes goldenes Kleid mit ein paar grünen Akzenten, das ihr hervorragend stand. Sie sah aus wie ihre Mutter damals bei Bills Hochzeit. Sogar die Kleider sahen sich ähnlich. Beide waren goldfarben. Victoire folgte ihr. Sie hatte eine aufwendige Hochsteckfrisur und ein Kleid mit riesigen Blumen darauf an. Im Arm hatte sie eine quietschvergnügte Dora mit leuchtend grünen Haaren, die ein herzallerliebstes goldenes Kleid mit einem Rock aus ganz viel Tüll trug. Ihre Schuhe waren schwarz und ihre Windel war grün, passend zu ihren Haaren.

„Die Kleine sieht ja fantastisch aus", sagte Ron begeistert und küsste das Baby auf die Wange.

Victoire strahlte ihn an, während Lily nur die Augen verdrehte. „Vielen Dank auch, Onkel Ron. Und was ist mit uns? Wir haben uns um einiges mehr Arbeit gemacht als Dora, die haben wir nur in das Kleid gezwängt."

Ron lachte und küsste seine Nichten auch überschwänglich auf die Wangen. „Ich entschuldige mich tausend Mal, Lil. Ihr seht natürlich auch fantastisch aus." Das taten sie auch, aber das war bei jeder Familienfeier der Fall. Und Babys sahen in allem niedlich aus, was man ihnen anzog.

„Du sagst das hoffentlich überzeugender, wenn du Rose siehst", lachte Victore und drückte ihrer Tochter auch einen Kuss auf die Wange. „Ich geh schon mal vor. Die Blütenblätter stehen gleich am Anfang, richtig?" Lily nickte. „Super, dann gebt mir einfach ein Zeichen und dann können wir loslegen. Mum macht dann die Musik an." Victoire schwebte davon, so elegant wie ihre Mutter, während Dora ihnen quietschvergnügt über Victoires Schulter hinweg zuwinkte.

„Kaum zu glauben, dass sie schon Mutter ist", seufzte Ron. Es kam ihm vor, als wäre es erst gestern gewesen, als Bill ihm eine neugeborene Victoire in den Arm gelegt hatte.

Lily verdrehte die Augen. „Dass ihr Erwachsenen immer so ein Theater machen müsst. Tante Hermine war vorhin auch schon so. Ganz zu schweigen von Mum."

Ron legte ihr einen Arm um die Schulter und konnte sich nur mit Mühe davon abhalten, ihr durch die Haare zu wuscheln. Lily hätte ihn umgebracht, wenn er ihre Frisur ruiniert hätte.

„Wenn du mal auf der Hochzeit deiner Kinder bist, dann wirst du uns verstehen", erwiderte Ron und erschauderte. Merlin, wie alt würde er auf der Hochzeit von Lilys Kindern sein?

Lily schaute ihn verständnislos an. „Reiß dich zusammen, Onkel Ron!", sagte sie streng. Ron richtete sich auf und nickte folgsam. Wenn sie in diesem Tonfall sprach, war sie genau wie seine kleine Schwester und seine Mutter. Dieser Tonfall hatte noch nie etwas Gutes bedeutet.

Die Tür ging ein letztes Mal auf und Rose trat in den Garten. Ron starrte sie sprachlos an. Sie war so wunderschön. Ein einfaches weißes Kleid, ein Zopf an der Seite ihrer Haare und ein paar Sonnenblumen als Hochzeitsstrauß. Und sie war die schönste Braut, die er je gesehen hatte.

„Dad?", fragte Rose unsicher.

Ron schluckte und nahm ihre Hand. Er küsste sie auf den Handrücken und hielt die Hand dann ganz fest. „Du siehst umwerfend aus, Rosie." Er räusperte sich. „Malfoy hat dich gar nicht verdient." Lily warf ihm einen finsteren Blick zu und Rose verdrehte die Augen. Aber Ron war trotzdem überzeugt, dass er Recht hatte. Es gab niemanden auf der Welt, der seine Rosie wirklich verdient hatte. Und Malfoy schon gar nicht. Aber sie wollte Malfoy und er musste wohl oder übel anerkennen, dass er hier wohl auf verlorenem Posten kämpfte.

„Dad", seufzte Rose.

„Ich weiß, ich weiß", erwiderte Ron und hakte sich bei seiner Tochter unter. „Dann lasst uns die Sache hinter uns bringen."

„Dad", seufzte Rose erneut, hielt sich aber dankbar an ihm fest. Sie trug selten hohe Schuhe, da war es kein Wunder, dass sie ein wenig unsicher war.

Lily gab Victoire ein Zeichen, die gab ihrer Mutter ein Zeichen und ein paar Sekunden später erklang wunderschöne Harfenmusik, die durch die Bäume zu rauschen schien. Die Gäste standen von ihren Plätzen auf und Victoire beeilte sich, Hagrid zu sagen, dass er sitzen bleiben konnte. Dann setzte sie Dora vorsichtig auf dem Teppich ab und nahm ihre kleine Hand. Sie drückte ihr ein paar Blumenblätter hin, die die Kleine begeistert auf den Boden warf. Bevor Victoire sie aufhalten konnte, bückte sich Dora wieder und hob die Blätter wieder auf, um sie noch mal über ihren Kopf zu werfen. Das wiederholte sie noch zwei Mal, bevor es Victoire zu blöd wurde und sie ihre Tochter in den Arm nahm und selbst die Blätter auf den Boden warf.

Lily ließ den beiden ein paar Minuten, bevor sie selbst den Gang entlang schritt und strahlend in die Runde lächelte. Ron konnte spüren, wie sehr Rose zitterte und tätschelte ihr beruhigend die Hand. „Keine Sorge, Rosie." Es kostete ihn einige Überwindung, aber schließlich brachte er die Worte über die Lippen. „Es wird alles gut gehen."

„Ja?", fragte Rose erleichtert.

„Ja. Malfoy wäre ein Idiot, wenn er das jetzt vermasseln würde." Ron hätte nichts dagegen, aber Rosie wäre am Boden zerstört. Und er hatte das ganze letzte Jahr dabei zusehen müssen, wie sie deprimiert war. Nur, weil Malfoy unbedingt das Land hatte verlassen wollen. Und dann hatte er nicht mal den Anstand gehabt und war dort geblieben.

Rose zog an seinem Arm und Ron setzte sich schweren Herzens in Bewegung. Er zuckte zusammen, als Hagrid sich lautstark die Nase putzte, nickte einem schniefenden Neville zu und verzog das Gesicht, als er Harry sah, der angesichts seiner Miene nur die Augen verdrehte. Am Ende des Ganges stand Malfoy schon bereit, der Rose sprachlos anstarrte. Hinter ihm stand Al, der ihm grinsend auf die Schulter klopfte. Rose schniefte leise neben ihm und Ron schluckte schwer.

Der Weg zum Altar war viel zu kurz und ehe er sich's versah, war er mit Rose schon ganz vorne angekommen. Am liebsten hätte er sie nie losgelassen. „Wenn du es dir noch anders überlegen willst, Rosie, jetzt wäre deine Chance", raunte er ihr leise zu, aber sie schüttelte nur den Kopf.

„Vergiss es, Dad", sagte sie fest entschlossen. Sie küsste ihn auf die Wange und schaute ihn auffordernd an. Ron sog scharf den Atem ein und legte schließlich ihre Hand in die von Scorpius.

„Wehe", sagte er drohend mit der Stimme, die er sich sonst für Schwerverbrecher aufhob, „du machst sie nicht glücklich. Ich weiß, wo du wohnst." Zufrieden beobachtete er, wie die Farbe aus seinem Gesicht trat. Mehr würde er nicht tun können.

„Ron", zischte Hermine ihm zu.

Er hob abwehrend die Hände und ging zu dem freien Platz neben seiner Frau. „Ist ja gut, ich komm ja schon." Hermine schaute ihn mit hochgezogenen Augenbrauen an. „Was? Er lebt doch noch."

„Du bist unmöglich", murmelte sie und wandte dann rasch ihre Aufmerksamkeit wieder nach vorne, als ein alter Ministeriumszauberer zu sprechen begann. Ron hatte diese Ansprache schon zigfach gehört und blendete sie aus. Er konnte die Augen nicht von seiner Tochter wenden, die Scorpius mit einem Lächeln anstrahlte, das sie früher nur für neue Bücher unter dem Weihnachtsbaum und ihre Katzen reserviert hatte. Und Malfoy sah aus, wie Ron sich damals bei seiner eigenen Hochzeit gefühlt hatte. Als ob er sein Glück kaum fassen konnte.

Er hörte erst wieder zu, als es zu den Gelübden kam. Lily reichte Rose einen Zettel, den diese mit zitternden Fingern entfaltete.

„Scorpius", sagte sie mit belegter, aber überraschend fester Stimme in Anbetracht der Tatsache, dass ihr mittlerweile Tränen über die Wangen liefen. „Ich hab in meinem Leben nie viele Gedanken an Liebe und einen Ehemann verschwendet. Ich hab mich immer nur auf meine Karriere konzentriert. Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal so früh heiraten würde." Sie räusperte sich. „Und dann habe ich mich in dich verliebt und du hast alles auf den Kopf gestellt. Du hast meine Meinung über die Malfoys geändert, als deine erste Frage an mich war, nachdem du wusstest, wer meine Mum ist, ob ich den neuen Marvel-Film gesehen hab. Du hast meine Meinung über die U-Bahn in London geändert. Wegen dir weiß ich immer, worüber ich mit meinen Großeltern sprechen soll, weil du jede Folge von EastEnders schaust." Scorpius und die muggelstämmigen Gäste lachten, Ron hatte keine Ahnung, wovon die Rede war. „Du hast mit mir gelernt, als ich alle anderen schon in den Wahnsinn getrieben hatte. Und du überredest mich, damit aufzuhören, wenn ich kurz vorm Umkippen bin. Du bist der Grund, warum ich regelmäßig frisch gekochtes Essen habe und nicht ständig über meine Schuhe falle. Du unterstützt mich in allem, was ich tue und machst mir Mut, wenn ich mir etwas nicht zutraue. Du bist der beste Partner, den ich mir nur wünschen kann und ich freue mich, den Rest meines Lebens mit dir verbringen zu dürfen." Sie faltete ihr Pergament zusammen und zog ein Taschentuch aus einer unauffälligen Tasche ihres Kleides, mit dem sie sich über die Augen wischte.

„Rose", sagte Malfoy mit brechender Stimme und atmete tief durch, bevor er fortfuhr. „Dieses letzte Jahr ohne dich war die Hölle. Es war mein größter Wunsch und du hast alles getan, dass ich ihn mir erfüllen kann und es gab Momente, in denen ich dich dafür einfach nur gehasst habe, weil ich dich so vermisst habe. Ich bin trotzdem froh, dass ich es gemacht habe, nicht nur beruflich. Jetzt weiß ich ganz genau, dass ich keinen Tag mehr ohne dein Lächeln leben will. Es war nicht immer einfach, und ich weiß, dass es nicht immer einfach sein wird, aber mit dir an meiner Seite kann ich alles schaffen, das weiß ich ganz genau. Ich liebe dich." Er lächelte sie selig an und Hermine weinte stumm in ihr Taschentuch.

Ron hoffte nur, dass Malfoy auch wirklich vorhatte, zu halten, was er versprach. Versprechen konnte man viel, aber das hieß noch lange nichts. Ron hatte auch gedacht, dass er sich von Hermine nie trennen würde, und dann war er fast am Rande der Verzweiflung gewesen, als Hermine nicht schwanger werden konnte und sich immer mehr von ihm entfremdete. Das hatte sich gelegt, als sie endlich mit Rose schwanger gewesen war, aber die Monate davor hatte ihre Ehe auf Messers Schneide gestanden. So etwas würde er Rosie gerne ersparen.

Die war gerade beim Ringtausch angekommen und lachte, als Scorpius Probleme hatte, ihr den Ring überzustreifen. Dann kam auch schon der Kuss und der Zauberer erklärte Rons kleine Tochter für verheiratet. Die kleinen Feuerwerke, die Lucy vor der Hochzeit platziert hatte, verschmolzen zu einem großen Feuerwerk, fantastisch getimed mit der Musik, die Fleur wieder anschwellen ließ.

Alle Gäste erhoben sich und der Teppich breitete sich zu einer großen Tanzfläche aus, während die Stühle sich um plötzlich auftauchende Tische am Rand der Fläche verteilten.

Hermine zog Ron zu Rose und Scorpius, die immer noch nicht aufgehört hatten, sich zu küssen.

„Herzlichen Glückwunsch", sagte Hermine herzlich und zog beide gleichzeitig in ihre Arme. „Was für eine wunderschöne Trauung."

Ron nickte. Glückwünsche würden ihm nie über die Lippen kommen, aber er umarmte seine Tochter trotzdem lange. „Ich hab dich lieb, Rosie", flüsterte er ihr zu und schüttelte dann Scorpius so fest die Hand, dass seine Fingerknöchel weiß hervortraten. Dann wich er schnell aus, weil Scorpius' Mutter das Brautpaar für sich beanspruchte. Ungewollt begegnete Rons Blick dem von Scorpius' Vater und er wandte sich rasch ab.

Ron zuckte zusammen, als er Hermine neben sich nach Luft schnappen hörte und schaute erschrocken zu seiner Frau. „Was ist?", fragte er alarmiert und tastete rasch nach seinem Zauberstab. Fassungslos beobachtete er, wie Narcissa und Lucius Malfoy sich dem Brautpaar näherten. „Ich dachte, die wollten nicht kommen?"

„Scorpius hat das zumindest gesagt". erwiderte sie. Ron wollte sich schon darüber aufregen, dass Scorpius sie absichtlich ins offene Messer hatte laufen lassen, aber Scorpius schien genauso geschockt zu sein wie sie.

„Großmutter", sagte er mit zitternder Stimme. „Großvater. Ich wusste nicht, dass ihr doch…" Hilflos schaute er zu Rose, die nur mit den Schultern zuckte und sich dann ein Lächeln aufs Gesicht zwang, als Narcissas Hand über ihrer Schulter schwebte, ohne sie zu berühren.

„Ich wollte nicht die Hochzeit meines einzigen Enkels verpassen", sagte sie mit verkniffenem Gesichtsausdruck. Lucius nickte nur herablassend und umklammerte seinen Gehstock. „Es war eine wirklich … spezielle Zeremonie."

„Danke", sagte Scorpius unsicher und griff nach Roses Hand. „Werdet ihr noch bleiben?"

Rons Magen krampfte sich zusammen. Die Vorstellung, dass diese Malfoys noch länger in seinem Garten sein würden … Er war nur froh, dass er sie nicht im Publikum gesehen hatte, das hätte ihm die ganze Trauung versaut.

„Oh, wir würden gerne, aber wir haben noch andere Verpflichtungen." Sie beugte sich vor und küsste erst ihren Enkel und dann eine völlig perplexe Rose auf die Wange. Lucius begnügte sich mit einem weiteren herablassenden Nicken und einen Moment später rauschten die beiden zum Ausgang.

„Was war das denn?", fragte Rose eine Minute später.

Scorpius zuckte mit den Schultern. „Woher soll ich das wissen? Ich dachte, ich werde enterbt. Ich hätte nie gedacht, dass sie tatsächlich hier auftauchen."

„Ich sag dir gleich, ich komm nicht mit, wenn sie dich wieder zum Abendessen einladen", erwiderte Rose zu Rons Erleichterung.

„Das stört die nicht", sagte Astoria und klopfte Rose aufmunternd auf die Schulter. „Sie werden keinen Ton sagen, wenn du bloß zu ihrer Silvesterfeier kommst. Dann bist du für den Rest des Jahres frei. Und selbst da werden sie wahrscheinlich nicht mit dir sprechen."

„Dann ist ja gut", seufzte Rose.

„Wenigstens ist das Essen gut, das ist ein Lichtblick", fügte Astoria hinzu und zwinkerte ihr zu.

„Ja, aber leider auch der einzige", erwiderte Rose und lehnte sich gegen ihre neue Schwiegermutter. Ron verzog das Gesicht. Das war doch schrecklich, dass man so ungern seine eigene Familie besuchte. Das konnte er sich gar nicht vorstellen.

„Was bringt man nicht alles für Opfer für die Menschen, die man liebt", sagte Astoria und schaute ihren Mann vielsagend an, der den Anstand hatte und rot wurde. Typisch Malfoy hatte er sonst nichts zu sagen, sondern umarmte einfach seinen Sohn und küsste Rosie dann auf beide Wangen. Ron hatte nun wirklich das Verlangen, nach seinem Zauberstab zu greifen. Hermine ahnte wohl, wonach ihm der Sinn stand, und zog ihn hastig zur Seite, damit die anderen Gratulanten auch alle zu dem Brautpaar konnten. Im Moment drängten sich ein strahlender Hugo nach vorne, dicht gefolgt von Ted, der jetzt seine Tochter auf dem Arm trug.

„Das war doch eine schöne Zeremonie, nicht wahr?", fragte Hermine ihn schwärmerisch und legte ihren Arm um sie. „Hat mich an unsere eigene Trauung erinnert." Merlin, an ihrem Hochzeitstag war so viel schief gelaufen. Es hatte schrecklich geregnet und sie mussten alle zehn Minuten das Zelt wasserfest zaubern. Irgendjemand hatte eine allergische Reaktion auf etwas im Essen gehabt und wäre beinahe erstickt und Ron hatte Hermines Ring nicht finden können und mit einem Aufrufezauber aus Versehen die Ringe aller Gäste zu sich gerufen. Es hatte nach der Trauung eine halbe Stunde gedauert, bis jeder wieder seinen Schmuck zurückbekommen hatte. Aber es war trotzdem ein wunderschöner Tag gewesen. „Du hast mich genauso angesehen wie Scorpius Rose."

Er seufzte. „Hermine, ich hab unsere Tochter zum Altar geführt und nichts gesagt, als sie ihn geheiratet hat. Verlang bitte nicht zu viel von mir." Sie konnte von Glück reden, dass er den alten Malfoys keinen Fluch auf den Hals gehetzt hatte. Nur, weil er gesehen hatte, dass Scorpius ihr Erscheinen auch nicht ganz so recht zu sein schien, hatte er sich überhaupt zurückgehalten. Dafür hätte er nun wirklich einen Orden verdient.

Hermine schaute ihn enttäuscht an, sagte aber nichts weiter. Es war Ron ein Rätsel, wie sie sich so freuen konnte. Hatte sie etwa alles vergessen, was die Malfoys ihnen angetan hatten? Litt seine ganze Familie unter Amnesie?

Und es wurde noch schlimmer. Ehe er sich's versah, wurde der erste Tanz des frisch vermählten Paares angekündigt. Im Gegensatz zu vielen anderen Hochzeiten, hatte das Brautpaar sich hier gegen eine Band entschieden, aber Fleur hatte so gute Kontrolle über ihre Musikzaubersprüche, dass das nichts ausmachte.

Scorpius führte Rose auf die Tanzfläche und begann dann sehr behände, sie herumzuwirbeln. Ron erinnerte sich plötzlich daran, dass er sie schon bei Mollys Hochzeit vor ein paar Jahren zusammen hatte tanzen sehen und überrascht gewesen war, wie gut Malfoy das konnte. Damals waren sie noch nicht zusammen gewesen und Ron hatte gehofft, dass es das einzige Mal in seinem Leben sein würde, dass er sie zusammen sehen musste.

Und damit nicht genug, kamen jetzt auch noch Scorpius' Eltern auf sie zu, um sie traditionell zum ersten Tanz aufzufordern. Das hatte er völlig vergessen, sonst hätte er sich sofort aus dem Staub gemacht. Entsetzt sah er zu, wie seine Hermine Malfoys Hand nahm und wandte schnell den Blick ab. Astoria schaute ihn erwartungsvoll an und er nahm seufzend die richtige Haltung ein. Astoria war wenigstens eine exzellente Tänzerin, da konnte er sich nicht beschweren.

„Scorpius tanzt sehr gut", sagte er schließlich. Das war das größte Kompliment, das er finden konnte.

Astoria strahlte. „Nicht wahr? Wir haben ihn schon früh zu Tanzstunden gezwungen und er ist sehr talentiert. Laut meiner Schwiegereltern sind Tanzstunden unverzichtbar. Aber er hatte nichts dagegen, auf der Tanzfläche muss er nicht so viel mit Leuten reden, die er nicht mag." Sie zwinkerte ihm zu und Ron musste unwillkürlich lächeln. Verdammt! „Sie sind aber auch nicht schlecht."

Ron wurde rot und wäre am liebsten im Boden versunken. „Meine Frau hat mich vor unserer Hochzeit zu Tanzstunden überredet. Anscheinend war ihr mein Können nicht gut genug." Seit dem verpatzten Weihnachtsball hatte er auf jeder Feier mit Hermine getanzt und gedacht, dass er es eigentlich sehr gut machte. Aber Hermine zuliebe hatte er sich darauf eingelassen und es hatte wirklich Spaß gemacht. Und seitdem konnte ihm beim Tanzen eigentlich niemand mehr was vormachen.

„Nun ja, jetzt ist es jedenfalls fantastisch", erwiderte Astoria und ließ sich fröhlich von ihm herumwirbeln. Das würde es Malfoy schon zeigen!

Draco beobachtete die beiden tatsächlich mit zusammengekniffenen Augen. Er war so abgelenkt, dass er kaum mitbekam, dass Granger ihn über die Tanzfläche bugsierte. Von sich aus hätte er sie nie aufgefordert, aber Astoria konnte er nichts abschlagen. Und es war nun mal Tradition.

„Ich dachte, du kannst tanzen", zischte sie ihm zu. Draco verdrehte die Augen und drehte sie in eine Pirouette, die Granger leider perfekt ausführte.

„Ich wusste nicht, was ich dir zumuten kann", sagte er und zuckte zusammen, als er seine Frau laut lachen hörte. So witzig war Weasley nun auch wieder nicht.

Granger ließ sich leider nicht provozieren. Stattdessen sagte sie: „Die Torte von Astoria sieht wunderschön aus. Das muss ja eine schreckliche Arbeit gewesen sein."

„Ja, sie hat sich wochenlang damit beschäftigt", erwiderte er stolz. Selbst dieser sauteure Konditor, zu dem seine Eltern immer gingen, hatte keine so schönen Torten gemacht.

„Backt sie schon lange?"

„Scorpius hat ihr vor ein paar Jahren The Great British Bake Off gezeigt und seitdem kriegt sie gar nicht genug von der Sendung." Astoria hatte immer gerne gekocht, aber beim Backen hatte sie sich nur an leichte Rezepte rangetraut. Seit sie diese Sendung beinahe schon fanatisch verfolgte, konnten sie sich zuhause vor Backwaren kaum noch retten.

„Die Sendung ist doch fantastisch, oder?", erwiderte Granger begeistert. „Meine Mum hat mir immer davon erzählt, aber ich hab sie nie gesehen. Aber als Scorpius letztes Jahr bei uns war, wollte er sie nicht verpassen und jetzt krieg ich Ron gar nicht mehr los davon. Nur beim letzten Finale …" Sie verdrehte die Augen. „Ich weiß nicht, wieso in aller Welt sie Karen Ian vorgezogen haben. Ihre Ganache war doch eine einzige Katastrophe."

„Genau!", stimmte Draco ihr zu. Tagelang hatten Astoria und er nicht fassen können, wie die Jury nur so eine schlechte Entscheidung hatte treffen können. Es war doch offensichtlich gewesen, wer der bessere war. „Und erst ihre Pasteten! Dafür hab ich mich ja richtiggehend geschämt!"

„Ja, und erinnerst du dich noch an Ians imposanten Löwen aus Brot? Sowas beeindruckendes hat doch noch keiner zu Stande gebracht."

Draco nickte und zog Granger rasch zur Seite, damit sie nicht in Rose und Scorpius stießen, die sie nur überglücklich anstrahlten. „Ja, er war um Welten besser. Wenn es nach mir gegangen wäre, wäre sie schon Wochen vorher rausgeflogen. Ihr Shortbread war nun wirklich furchtbar."

„Ja. Ron hat Ians Pavlova sogar nachgebacken, ein exzellentes Rezept, sollte Astoria mal was einfacheres machen wollen. Grade jetzt im Sommer ist es super."

„Ich werd's ihr sagen." Draco schaute sich verwirrt um, als die Musik plötzlich aufhörte und alle Gäste applaudierten. War das Lied etwa schon vorbei? Zögerlich schaute er zu Granger, die genauso ungläubig dreinblickte. Bevor er noch etwas sagen konnte, hatte Weasley seine Frau schon weggezogen und einen neuen Tanz mit ihr angefangen

„Na, das war doch gar nicht so schlimm, oder?", fragte Astoria grinsend und nahm seine Hand.

Draco zuckte unverbindlich mit den Schultern und schlang die Arme um sie. „Na ja." Er drehte sie im Kreis und raunte ihr dann verschwörerisch zu: „Wenn du noch was neues für nächstes Wochenende suchst, Ians Pavlova soll sehr gut nachzubacken sein." Wenn Weasley das schaffte, konnte es ja nicht so schwer sein.

/-/

Die Zeit verging wie im Flug. Das Essen war exzellent. Arthur Weasley hielt eine wunderbare Rede und Hugo eine, bei der sich alle vor Lachen kugelten. George spendierte jedem Gast ein Tischfeuerwerk. Zu Dracos Entsetzen wurde das Brautpaar irgendwann zu einem Spiel überredet, bei dem sie zeigen sollten, wer den anderen besser kannte. Sie wurden auf zwei Stühlen mit dem Rücken zueinander mitten auf die Tanzfläche gesetzt und mussten blaue oder rote Funken sprühen lassen. Und dabei waren die Fragen wirklich nicht schwer, das hätte ja jeder beantworten können.

„Wer von euch ist der bessere Koch?", fragte Al grinsend und die Menge lachte. Ohne zu zögern sprühten blaue Funken in die Luft.

„Wer ist der ordentlichere von euch?", fragte Lily und schon wieder erschienen blaue Funken.

„Könnt ihr nicht was fragen, wo ich besser dastehe?", beschwerte sich Rose, während Scorpius nur lachte, sich umdrehte und sie auf die Wange küsste.

„Wie wäre es damit?", antwortete Lily und schlug „Wer hat den ersten Schritt gemacht?" vor.

Scorpius verdrehte die Augen und beide sprühten rote Funken in die Luft. „Wenn man das den ersten Schritt machen nennen kann", murmelte er.

„Willst du etwa behaupten, dass du es besser gemacht hättest?", konterte Rose.

„Du hast mir ja gar nicht die Gelegenheit dazu gegeben." Anscheinend war Rose schon seit Monaten in ihn verliebt gewesen, als sie ihn nach einer Schulstunde um Hilfe bei einem Zauberspruch gebeten hatte, während Scorpius erst an diesem Tag erkannt hatte, dass seine Gefühle für Rose alles andere als platonisch gewesen waren. Dann hatte er die Gelegenheit, Zeit mit ihr zu verbringen, jedoch sofort genutzt. Aber wenn man es ganz genau nahm, hatte wohl letzten Endes Rose den ersten Schritt gemacht. Wer wen geküsst hatte, konnte mittlerweile keiner von ihnen mehr sagen.

„Beruhigt euch mal wieder", grinste Al. „Machen wir mal was schwierigeres: Wer von euch sieht besser aus?"

„Was schwieriges, Al", mahnte Scorpius und zum ersten Mal waren sie nicht einer Meinung, als Rose blaue Funken sprühen ließ und Scorpius rote. Die Menge seufzte gerührt und das Brautpaar lachte.

„Wer macht die besseren Geschenke?" Rote Funken sprühten in die Luft. „Wer macht häufiger das Bett?" Blaue Funken. „Wer schreibt Nachrichten an den Spiegel?" Rote Funken. „Wessen Katze ist nerviger?" Wieder rote Funken.

„Wer von euch hat den fantastischen Trauzeugen Al am liebsten?", fragte Al grinsend. Lily boxte ihn in den Arm und Rose und Scorpius verschränkten beide die Arme vor der Brust und weigerten sich, eine Aussage zu machen.

Dann war das Spiel glücklicherweise zu Ende. Mittlerweile war es dunkel geworden und Fleur ließ die Musik anschwellen, während George ein großes Feuerwerk losließ. Mitten im Funkenregen schwebte Astorias Torte hinein, die Rose und Scorpius unter viel Applaus anschnitten und die von allen Seiten gelobt wurde. Danach war die Tanzfläche die ganze Zeit gerappelt voll.

Draco tanzte mit seiner Frau, Rose und schließlich sogar Andromeda. Irgendwann konnte er nicht mehr und trank langsam einen Feuerwhiskey auf einem freien Platz an einem der vielen Tische. So in der Dunkelheit war das Haus gar nicht so schlecht. Die Lichter funkelten in den Bäumen und auf den Tischen brannten Kerzen mit Flammen in allen erdenklichen Farben.

„Wunderschönes Fest, nicht wahr?", fragte ein älterer Mann, der sich mit einem Stück Torte neben ihn setzte.

Draco nickte. „Ja, fantastisch." Er war schon auf vielen Festen gewesen, und auch wenn er auf dreiviertel der Gäste hätte verzichten können, war es eine der schönsten Feiern, die er je besucht hatte. Es war nicht formell und steif, keiner versuchte, irgendjemanden zu beeindrucken, alle hatten Spaß und freuten sich, sogar Weasley. Und der hatte Rose mit einem Gesichtsausdruck zum Altar geführt, als ob er in eine Zitrone gebissen hätte.

„Sie sind der Vater von Scorpius, nicht wahr? Wunderbarer Junge."

„Danke", erwiderte Draco geschmeichelt. Es war ein wirklich schönes Gefühl, dass alle nur Gutes über seinen Sohn zu sagen hatten. So eine Abwechslung zu seinem Vater, der nur an ihm herummäkelte. „Und wer sind Sie?"

„Ich bin Rosies Großvater", erwiderte der Mann stolz. „Rosies unspektakulärer Großvater, aber trotzdem." Er grinste Draco an und streckte seine Hand aus. „Frank Granger, freut mich sehr."

„Oh", sagte Draco überrascht und schüttelte ihm zögerlich die Hand. Er konnte sich nicht erinnern, schon einmal mit einem Muggel gesprochen zu haben. Astoria und er hatten Draco zwar auf eine Muggelgrundschule geschickt, anstatt einen Hauslehrer zu engagieren, aber zu den Elternsprechtagen war immer nur Astoria gegangen. Und die Muggelkinder, mit denen Scorpius gespielt hatte, hatten sie nie ins Haus gelassen, weil bei ihnen einfach alles viel zu magisch war. Er wusste gar nicht, was er sagen sollte.

„Wissen Sie, seit Hermine damals diesen Brief bekommen hat, ist das für meine Frau und mich so, als ob sie in ein fremdes Land gezogen ist, wo wir weder die Sprache noch die Kultur verstehen", erzählte Mr Granger ihm unbefangen zwischen Bissen von Astorias Kuchen. „Und egal, wie sehr sich die Leute bemühen, wir werden nie Teil von all dem sein." Er deutete mit seiner Gabel auf die schwebenden Lichter und die funkelnden Kerzen und Dracos Zauberstab, der neben ihm auf dem Tisch lag, weil er vorhin etwas Kaffee verschüttet und rasch den Fleck hatte verschwinden lassen. „Und Hermine ist in diese Welt verschwunden und ein Teil von ihr geworden und Ron ist ein wunderbarer Schwiegersohn, natürlich, aber es ist trotzdem so, als ob er eine andere Sprache spricht. Und unsere Enkel sind fantastisch und wir haben sie gerne bei uns, aber sie erwarten dauernd, dass wir Dinge verstehen, von denen wir keine Ahnung haben." Er trank einen Schluck Champagner.

„Und Scorpius ist da natürlich auch nicht anders, wie auch? Aber er ist neben Arthur der einzige Zauberer, den ich kennen gelernt habe, der sich wirklich für unsere Welt interessiert und wirklich alles wissen will." Er lachte. „Ich weiß selbst nicht genau, wie unsere Aufzüge und Rolltreppen und Flugzeuge funktionieren, ich bin kein Ingenieur oder Elektriker, nur Zahnarzt, müssen Sie wissen, aber dank ihm weiß ich jetzt über all das Bescheid. Und er ist so gut in technischen Dingen, dank ihm haben wir jetzt Skype und Facebook und all diese Dinge. Und jede Woche ruft er an, um mit meiner Frau über die neue Folge von EastEnders zu sprechen, Sie können gar nicht vorstellen, was ihr das bedeutet. Er hat uns unsere Enkel so viel näher gebracht. Und er hat uns aus jeder neuen Stadt, in die er in Amerika gekommen ist, eine Postkarte geschickt, weil meine Frau die sammelt. Er ist so ein lieber Junge."

Draco starrte den Mann perplex an. Er verstand nur die Hälfte von dem, was er ihm gerade erzählt hatte, aber das war egal. Seine eigenen Eltern hatten noch nie mit so einer Wärme von Scorpius gesprochen. Das war eine völlig neue Erfahrung für ihn. Langsam verstand Draco, warum Scorpius so darauf beharrt hatte, alle Weasleys einzuladen. Sie mochten ihn lieber als seine eigene Familie.

„Und Ihre Eltern?", fragte Mr Granger interessiert, nachdem er den Kuchen verspeist hatte. „Sind die auch hier? Ihre Frau hat uns ihre Eltern schon vorgestellt." Er lachte. „Dieser Hut ist ja schon etwas sehr besonderes. Und Ihre Schwägerin ist Schmuckdesignerin?"

Draco nickte. Daphnes Frau Marion war eine sehr gefragte Schmuckdesignerin in Paris. Sie hatte Rose und Scorpius ihre Eheringe geschenkt und fast der ganze Schmuck von Astoria war von Marion. Sie machte wunderschöne Stücke.

„Sie hat meiner Frau ein paar Fotos gezeigt und jetzt will sie ihr eine Kette machen. Sie hat versprochen, sie nicht ganz so magisch zu machen. Was für ein wunderbares Geburtstagsgeschenk ich jetzt für meine Jane habe, ich hab schon alle Läden abgesucht und nichts passendes gefunden. Sie wissen sicher, wie das ist."

Draco nickte. Ja, das wusste er wirklich. Und in der Zauberwelt war die Auswahl wahrscheinlich sogar kleiner als in der Muggelwelt.

„Aber wo sind denn Ihre Eltern? Ich hatte mich gefreut, sie auch kennen zu lernen."

Draco verzog das Gesicht. Mr Granger konnte froh sein, wenn er seine Eltern nie kennen lernen würde. Er war immer noch nicht sicher, was er davon halten sollte, dass sie zur Hochzeit gekommen waren. Die Zeremonie hatte fast schon angefangen, als seine Eltern plötzlich vor ihm erschienen waren und seine Mutter fragte, ob noch ein Platz frei sei. Ted hatte sich hastig zur Seite gesetzt und seine Mutter hatte neben ihrer Schwester Platz genommen und sein Vater neben ihr. Sie hatte Andromeda nur unverbindlich zugenickt und „Dromeda", gesagt, worauf hin ihre Schwester grinsend „Sissy" geantwortet hatte. Dracos Vater hatte Andromeda so gut es ging ignoriert, wie alle anderen Gäste auch, und stattdessen hatten alle von ihnen stur geradeaus auf Scorpius und Al gestarrt, die schon nervös am Altar gestanden und glücklicherweise die Ankunft seiner Eltern gar nicht bemerkt hatten. Draco hatte Astorias Hand fest umklammert und es vorgezogen, gar nichts zu sagen.

Er hatte Scorpius gebeten, seine Eltern aus Höflichkeit einzuladen. Das gehörte sich schließlich so, wenn man praktisch den ganzen Rest der Zauberwelt einlud. Aber nach seinem letzten Gespräch auf Malfoy Manor hätte er nie geglaubt, dass sie tatsächlich kommen würden, auch wenn seine Mutter Scorpius sehr liebte und es nur, wie es bei ihnen üblich war, nie zeigte. Aber jetzt, wo er wusste, dass seine Mutter sich seit Jahren heimlich mit ihrer Schwester traf, wusste er gar nicht mehr, was er überhaupt von ihr halten sollte. Sie rebellierte wohl auf ihre ganz eigene Art gegen Dinge, die sie nicht mochte, und Scorpius' Hochzeit gehörte wohl dazu. Und sie hatte es sogar geschafft, dass sein Vater mitkam, auch wenn es offensichtlich war, dass er überall sonst lieber wäre als hier, und er seinen Gehstock krampfhaft umklammerte.

Dann hatte plötzlich die Musik angefangen und eine junge Frau, die Fleur wie aus dem Gesicht geschnitten war, kam mit einem kleinen Mädchen, das grüne Haare hatte, den Gang entlang und streute die Blumen. Vorne angekommen küsste sie erst Andromeda auf die Wange und setzte sich dann neben Ted. Wenn sie überrascht war, dazwischen Narcissa und Lucius Malfoy zu sehen, ließ sie es sich nicht anmerken. Und dann kamen Potters Tochter und Rose den Gang entlang und Draco vergaß für eine Weile, dass seine Eltern da waren. Er bemerkte nur, dass Andromeda irgendwann während der Zeremonie die Hand seiner Mutter nahm und nicht mehr losließ.

Merlin, war das merkwürdig gewesen. Besonders, als seine Mutter ihn nach der Trauung nur kurz umarmt, Scorpius gratuliert hatte und dann mit seinem Vater im Schlepptau wieder abgezogen war. So hatten sich seine Eltern noch nie verhalten. Zum Glück waren sie nicht geblieben. Und doch bedeutete es ihm sehr viel, dass sie über ihren Schatten gesprungen waren. Hoffentlich sah Scorpius es genauso.

„Meine Eltern waren nur bei der Trauung", sagte er schließlich, als Mr Granger nicht damit aufhörte, ihn auffordernd anzuschauen. „Sie hatten leider andere Verpflichtungen, die sie nicht absagen konnten."

„Wie schade", sagte Mr Granger bedauernd. „Wir haben Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, um dabei zu sein. Unsere einzige Enkelin heiratet schließlich nur einmal." Er lachte. „Hoffentlich. Ich wünsche es ihnen."

Das tat Draco auch. Er wollte nicht wissen, wie sehr sein Sohn am Ende sein würde, sollte es aus irgendeinem Grund nicht klappen. Rose war seine große Liebe.

„Ach hier bist du!", rief Dracos angetrunkene Frau und ließ sich schwungvoll auf seinen Schoß sinken. „Hey Frank", lachte sie Mr Granger an und küsste Draco dann überschwänglich auf die Wange. „Nächste Woche gehe ich nach Hogwarts, Hagrid braucht Hilfe bei seinem Babyhippogreif."

„Was?" Draco war aus allen Wolken gefallen, als sein verhasster Lehrer für Pflege für Magische Geschöpfe seine Frau vorhin überschwänglich begrüßt und die nächste Stunde in Beschlag genommen hatte, um mit ihr über wer weiß was zu fachsimpeln.

„Hat Astoria dir nichts gesagt?", fragte Daphne grinsend, als sie sah, wie Draco die beiden mit offenem Mund anstarrte. „Pflege Magischer Geschöpfe war immer ihr Lieblingsfach gewesen. Sie hat Hagrid geliebt. Und sie hat sogar ihren UTZ darin gemacht. Eine Weile haben wir gedacht, dass sie vielleicht nach Rumänien zu den Drachen geht, aber die waren wohl nicht so ihr Fall. Und dann hat sie dich geheiratet und da hat sie letzten Endes eigentlich genug mit Drachen zu tun." Sie zwinkerte ihm zu und Draco konnte nur fassungslos zu seiner Frau schauen, die ein völlig anderer Mensch war, als er gedacht hatte. Und jetzt wollte sie Hagrid mit diesen gefährlichen Viechern helfen, die ihn beinahe seine Schulter gekostet hatten?

„Ich hab schon so lange keine Hippogreifs gesehen und Hagrid freut sich schon so", erklärte Astoria ihm begeistert. Sie legte die Arme um ihn und lehnte ihren Kopf an seine Schulter. Zufrieden schloss sie die Augen. Draco seufzte. Dann würde sie wohl nächste Woche nach Hogwarts gehen. Wunderbar. Das hatte ihm gerade noch gefehlt.

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„Ich glaube, meine Mum ist betrunken", flüsterte Scorpius Rose zu. Sie waren zum gefühlt hundertsten Mal auf der Tanzfläche, auch wenn sie überraschend wenig davon zusammen getanzt hatten. Es war unglaublich, wie viele Leute mit einem tanzen wollten, wenn man die Braut war. Ihr Dad wollte einen Tanz haben, dann Scorpius' Vater, ihre Großväter, alle ihre Onkel, Hugo, Al, James, Louis, Fred, Mollys Mann Justin, Victoire, Lily … Hagrid war eine besondere Herausforderung gewesen. Nur Ted hatte sie in Ruhe gelassen, weil er Tanzen hasste.

Rose schaute in die Richtung, in die Scorpius deutete. Ihr Schwiegervater saß merkwürdigerweise neben ihrem Großvater, mit dem er sich überraschend gut unterhielt und Astoria schien auf seinem Schoß eingeschlafen zu sein. „Ich glaube, du hast Recht", lachte sie und lehnte ihren Kopf an seine Schulter. Merlin sei Dank war die Musik etwas ruhiger geworden und sie konnten sich einfach nur im Takt zur Musik wiegen. Ihre Schuhe hatte sie schon vor zwei Stunden ausgezogen. „Merkwürdig. Ich dachte, wenn sich jemand betrinkt, dann mein Dad."

„Oh, dein Dad hat auch gut ins Glas geschaut", erwiderte er und deutete in eine andere Ecke vom Garten, wo ihr Vater sich mit seinen Brüdern und Onkel Harry eine lautstarke Partie Zaubererschnippschnapp lieferte.

Rose lächelte. „Ich freu mich, dass er heute doch Spaß hatte." Sie drückte sich enger an ihn und fuhr ihm mit den Fingern durch die Haare in seinem Nacken. Er erschauderte. „Und du hast unsere Hochzeit überlebt, das lief doch fantastisch."

Scorpius küsste sie auf die Haare. „Es lief besser als fantastisch, Mrs Malfoy." Er schüttelte den Kopf. „Ich kann immer noch nicht glauben, dass du wirklich freiwillig Mrs Malfoy geworden bist."

„Die einzige Mrs Malfoy, die nicht so toll ist, ist deine Großmutter. Deine Mum ist doch super, und jetzt sind wir guten Mrs Malfoys in der Überzahl." Sie würden es schon noch schaffen, dass der Name Malfoy nur noch mit positivem in Verbindung gebracht werden konnte.

„Ich liebe dich, Rose. Dass du dieses Opfer wirklich bringen willst-"

Sie hob den Kopf und legte ihren Zeigefinger auf seine Lippen, um ihn am Weitersprechen zu hindern. „Ich hab dir doch schon gesagt, das ist kein Opfer. Für dich ist nichts ein Opfer. Wir sind verheiratet und ich liebe dich und mehr ist nicht wichtig." Sie zog ihn zu sich und küsste ihn. Ihren Mann. Mit dem sie den Rest ihres Lebens verbringen würde. Was konnte es schöneres geben?

Frohe Weihnachten!


A/N: So, da sind wir wieder am Ende angekommen. Ich hoffe, euch hat die Geschichte gefallen und die Weihnachtszeit versüßt. Ich bedanke mit bei allen, die mitgelesen haben und ganz besonders bei allen, die einen Kommentar hinterlassen haben, ihr habt mir eine große Freude gemacht. Solltet ihr die Kleider von Rose, Lily und Dora sehen wollen, die findet ihr als Bilder am Ende des heutigen Eintrags in meinem Livejournal .com.

Im Vergleich zu früheren Kalendern hat das Interesse aber stark abgenommen, und das bei dem Pairing, was immer am beliebtesten war von allen meinen FFs, deshalb befürchte ich, dass es nächstes Jahr keinen mehr geben wird. Ich möchte es nicht endgültig ausschließen, genauso wenig wie andere FFs in diesem Universum, das ich sehr lieb gewonnen habe, aber versprechen werde ich nichts. Ich danke euch allen, dass ihr mir und meinen Geschichten die Treue gehalten habt. Und solltet ihr euch berufen fühlen, noch einen Kommentar zu hinterlassen, dann nur zu, damit macht ihr mir auch ein Geschenk.