Riddle hatte ein schwaches Stupor in den Rücken getroffen und durch den Raum katapultiert.

Elegant und schnell hatte er sich aufgerappelt. Natürlich hatte die Professorin genau diesen Moment genutzt, um etwas holen zu gehen.

An Riddles Stirn befand sich eine Platzwunde, die ihn jedoch kaum beeinträchtigen zu schien.

Riddle starrte Abraxas wutentbrannt an. Ich selbst spürte aber auch Wut auf ihn, denn nicht einmal Lord Voldemort persönlich griff seine Gegner von hinten an.

"Was hast du da eben getan, Abraxas?", wollte Riddle langsam wissen. Er zwirbelte seinen Zauberstab und jetzt erst fiel es mir auf, dass er das tat, um ihn zu bedrohen. Und es hatte tatsächlich etwas bedrohliches. Vor allem für mich, da ich wusste, was aus ihm werden würde.

"Du weißt ganz genau, was ich da versucht habe, Riddle", keifte Abraxas. "Du sollst dich fern von Effy halten!"

Riddle seufzte und fasste sich an die Nasenwurzel. "Abraxas, das haben wir doch schon durch. Ich habe keinerlei Interesse an deiner "Freundin"", seufzte dieser.

Abraxas fuchtelte wild mit dem Zauberstab herum. "Wieso sagt Slughorn dann, solche Sachen, wie dass es schön ist, dass ihr "Turteltauben" euren Streit beigelegt habt?", hakte der Blonde hitzig nach. Das musste ihm Goyle oder Crabbe nachgetragen haben, denn Abraxas hatte Zaubertränke abgewählt.

Riddle verdrehte die Augen.
"Nur weil der Professor uns zusammen sehen will, hat das gar nichts zu sagen", konterte er. Abraxas schüttelte den Kopf.
"Und was war das nach dem Spiel? Ihr beiden auf dem Spielfeld, als ihr euch aufeinander herumgewälzt habt? Ja, Goyle hat euch gesehen!"

Ich spürte, wie mir die Röte ins Gesicht schoss. Riddle schmunzelte. "Nun, vielleicht mag deine sogenannte Freundin mich einfach lieber, als dich", sagte der Slytherin grinsend.

Ich spürte kurz Riddles Blick auf mir ruhen. Seine glühenden, dunklen Augen, die wie Kohle Löcher in mich brannten.

Felicity stieß mich in die Seite. "Ich kann es kaum fassen, dass Riddle darauf einsteigt! Man könnte fast meinen, er ist eifersüchtig", kicherte sie leise. Ich nickte abwesend.

Abraxas schien rot zu sehen. Fluch um Fluch schoss er auf Riddle ein, der kaum noch hinterher kam mit dem Abwehren. Abraxas war aber auch ein sehr passabler Duellant. Natürlich konnte er sich nicht mit Riddle messen, doch er konnte es ja immerhin versuchen.

"Sie mag dich ganz sicher nicht lieber, als mich", rief Abraxas. Ich schüttelte den Kopf. Sie beide führten sich auf, wie kleine Kinder!

Alle anderen hatten längst aufgehört zu üben und schauten dem Spektakel gespannt zu.

Riddle kam endlich dazu auch auszuteilen und schickte mehrere Ganzkörperklammerflüche zu Abraxas. Die Wut schien ihm Kraft zu verleihen, denn er wehrte alle Flüche sauber ab.

"Und ob sie das tut", spottete Riddle. "Sie kann in Zaubertränke ja kaum die Finger von mir lassen" Riddle musste nur in meine Richtung Zwinkern und Abraxas ging an die Decke.

Er ging immer näher auf Riddle zu, bis er vor ihm stand und Riddle schnell einen Kinnhaken verpasste, der Riddle nach hinten taumeln ließ. Er hatte offensichtlich nicht damit gerechnet!

Doch der zukünftige dunkle Lord hatte sich schnell wieder gefangen und holte zum Gegenschlag aus.

"Sie konnte sich kaum zurückhalten, mich zu küssen, weißt du?", machte er süffisant grinsend weiter. Ich verdrehte die Augen.

Abraxas drosch weiter auf ihn ein. Riddles Nase blutete schon und seine Lippe war aufgeplatzt, doch das schien den Erben Slytherins nicht zu stören. Im Gegenteil, er schien Abraxas so richtig aufmischen zu wollen.

Er verteidigte sich auch kaum. Mich wunderte es, dass er immer noch stand.

"Eine Schlägerei? In meinem Unterricht?!", Professor Merrythought knallte die Bücher, die sie geholt hatte, auf das Lehrerpult. Abraxas fuhr von Riddle weg. Beide keuchten schwer.

Riddle wischte sich das Blut von der Lippe. Selbst so etwas sah bei ihm aus, wie aus einer Filmszene.

"Professor, es tut mir Leid, ich wurde von Abraxas angegriffen", wand sich Riddle, wie immer charmant aus der Affaire.

Die Professorin nickte. "Wenn das so ist, Mister Riddle, bitte ich Sie zum Krankenflügel zu gehen. Das schaffen Sie hoffentlich noch selbst?" Riddle nickte. Das Blut lief immer noch aus seiner Nase.

"Und Sie, Mister Malfoy! Ich erwarte mehr von einem Jungen aus Ihrem Haus! Nur weil Sie ein Slytherin sind, heißt das nicht, dass sie sich aufführen können, wie ein Schwein im Tanzsaal!", rief Professor Merrythought erzürnt.

Abraxas Blick war suchend zu mir gewandert. Es zerbrach mir fast das Herz, wie er mich ansah. Flehend und bittend. Bitte sage doch etwas, Effy, formten seine Lippen. Verteidige mich, sagten seine Augen.

Doch kein Wort kam über meine Lippen und das war der schlimmste Part.

Normalerweise machte es mir nichts aus, die Herzen von Jungen zu brechen, doch Abraxas löste irgendetwas in mir aus. Nicht so stark, wie Riddle, aber doch stark genug, dass ich Gewissensbisse bekam.

Felicity beugte sich zu mir und flüsterte mir etwas ins Ohr.

"Riddle hat ganz schön etwas abgekriegt. Ich glaube nicht, dass er das nur gemacht hat, um Abraxas aufzumischen"

Ich zuckte mit den Schultern.

Abraxas lief auf mich zu. Seine Lippe blutete ebenfalls. Also hatte Riddle es geschafft, mehrere gut platzierte Hiebe zu landen.

"Effy", begann er leise. "Du musst dich endlich entscheiden"

Ich biss mir auf die Lippe.
"Ich weiß", sagte ich nur.

...

Der Kampf zwischen Abraxas und Riddle war DAS Gesprächsthema.
Und überall wurde ich angesehen, wie eine Aberration.

Alphard passte mich vor der großen Halle ab.
"Effy, ist es wahr, dass Riddle und Abraxas um dich gekämpft haben?", wollte er ernst wissen. Ich warf die Hände hoch und stöhnte entnervt auf.

"Ja, sie haben gekämpft und nein, es ging nur indirekt um mich. Riddle wollte Abraxas einfach nur aufmischen", seufzte ich. Just in diesem Moment lief der Teufel vorbei. Beim Gehen drehte er sich zu mir und bedachte meinen Freund mit einem dunklen Blick, ehe er mich ansah und grinste.

Mir wurde bei seinem frechen Grinsen wohlig warm ums Herz, obwohl ich wusste, was für eine Kreatur aus ihm werden würde.

Alphard seufzte. "Effy, du bist ihm ganz und gar verfallen, oder?"

Ich riss die Augen auf. "Was? Nein, natürlich nicht", belog ich mich und ihn. Alphard schnaubte. "Belüge dich nur weiter. Früher oder später wirst du der Wahrheit ins Auge blicken müssen und sie wird dir nicht gefallen"

Ich verdrehte die Augen. "Zwischen Gefühle für jemanden haben und jemanden einfach nur attraktiv finden liegen Welten, Alphie"

Der Slytherin verzog das Gesicht. "Ich will einfach nur nicht, dass du verletzt wirst. Das ist alles. Denn er wird dich verletzen, Effy"
Ich schluckte. "Ich weiß"

"Danke, Alphard", fügte ich noch hinzu.

Ich fand Riddle nur attraktiv, nicht mehr, oder?

Aber wieso zuckte mein Herz dann immer so, wann immer sein Blick meinen streifte? Warum zog sich mein Magen immer so zusammen, wann immer unsere Finger sich streiften. Warum schien mein ganzer Körper sich so sehr nach seinen Berührungen zu sehen. Warum stand meine Haut in Flammen, wo immer seine Finger meine Haut berührten?

Warum löste er all diese Dinge in mir aus?

Tom Riddle schien mein ganz persönlicher Alptraum zu sein.

...

Diese Nacht musste ich dringend nachdenken. Ich hatte wieder meinen Alkohol und meine Decke dabei, in die ich mich gewickelt hatte.

Ich war ganz durcheinander.
Jeder sagte mir nach, Gefühle für Riddle zu haben. Doch hatte ich auch welche oder war das eher auf der Annahme, dass zwischen uns einfach eine sexuelle Spannung herrschte?

Ich konnte gut mit so etwas umgehen. Sexueller Spannung, meine ich. Mit Gefühlen? Nicht so sehr.

Ich wusste immer, was ich tun musste, um zu kriegen, was ich wollte. Doch bei Riddle war das Ganze nicht so einfach. Er ließ sich einfach nicht in die Karten blicken. Professor Dumbledore hatte bei unserem letzten Treffen gesagt, dass ich weiter daran festhalten sollte, eine Freundschaft zu ihm aufzubauen, doch ich wusste nicht einmal, ob ich das konnte.

Die, wie sie alle immer sagten, sexuelle Spannung zwischen Riddle und mir machte es für meinen Part einfach nur unmöglich, mir eine Freundschaft vorzustellen.

Ich meine, wie hast du eine Freundschaft mit jemandem, den du am liebsten vögeln würdest?

"Ich dachte mir, dass du hier oben sein würdest", kam eine leise Stimme von der Treppe her. Ich schreckte zusammen.

"Riddle!", rief ich und versuchte die Flasche Alkohol zu verstecken.

"Ich habe es gesehen, Graygrove", meinte er tadlend. Ich schmollte.

"Wirst du ihn mir wieder wegnehmen?", fragte ich leise.
Riddle trat ins Mondlicht.

"Oder du könntest dich dazu setzen. Mal ein wenig lockerer werden", scherzte ich, was mir einen finsteren Blick einbrachte.

Doch dann ließ er sich neben mir nieder.

Unsere Arme berührten sich.

Ich fragte mich, wie erst der Sex wäre, wenn ich mich so angezogen schon fühlte.

"Einen Knut für deine Gedanken, Graygrove", murmelte er.

Ich zuckte mit den Schultern. "Wieso mischst du Abraxas immer so auf?",wollte ich wissen.

Abraxas' flehender Blick und sein "Du musst dich endlich entscheiden, Effy" hatte sich in meine Seele gebrannt.

Riddle lachte leise. "Weil ich es kann, Graygrove" Ich rollte mit den Augen. "Wieso behauptest du dann solche Sachen, wie dass ich meine Finger nicht von dir lassen könne?"

Riddle war still.

"Ist es vielleicht, weil du dasselbe nicht kannst?", hakte ich nach.

AN:
Heute ein etwas kürzeres Kapitel :)
Vl kommt heute noch eines nach, mal schauen wie inspiriert ich bin :b
Ich hoffe, ihr habt alle einen guten Start in die Woche :)
LG, H.