Die Dornen zu stutzen, sich zu beweisen und im Feuer der Leidenschaft zu verglühen, war eine Sache. Sich aber von dem Kleid, besonders von der Korsage, zu befreien, war eine andere.

Ohne den Kuss zu unterbrechen musste Andre seine Oscar Schicht für Schicht entkleiden und ihren Körper freilegen. Nebenbei half sie ihm, sich seinen eigenen Sachen zu entledigen: Zuerst die Haarschleife, als wäre sie das Wichtigste; dann die Ausgehjacke und die Weste. Er fand derweilen einen Weg ihre Korsage aufzuschnüren und sie von ihr zu erlösen.

Sie unterbrachen den Kuss. Oscar atmete ohne das Hauptkleid befreiter, aber sie trug noch die Unterröcke und das ärmellose Unterhemd. Und nicht zu vergessen die unbequemen Schuhe und Strümpfe. Da war die Uniform definitiv viel besser und praktischer. „Ich ziehe nie mehr ein Kleid an!", schwor sie sich und setzte sie sich auf die Bettkante. Sie befasste sich mit ihrem Haar, bis es wie ein goldenes Vlies über ihren Schultern offen lag, während Andre vor ihr in die Knie ging und ihr die Schuhe abnahm.

Oscar schob ihren Rock bis zu den Kniescheiben, um es ihm leichter zu machen und beobachtete ihn dabei kaum geduldig. Nach den Schuhen kamen die Strümpfe. Oscar erschauerte wohlig, als seine Finger ihr den dünnen Stoff vom Oberschenkel des Beines entlang abstreiften. Dabei berührte er hauchfein ihre Haut und dort wo eben noch seine Finger waren, spürte sie schon seine Lippen.

Oscar warf sich auf den Rücken - sie konnte nicht mehr. Die Welle der Lust stieg in ihr ins Unermessliche an. „Andre...", keuchte sie erregt und er war schon über ihr. Er stützte sich auf seine Arme ab. Sein Haar fiel ihr von beiden Seiten ins Gesicht, aber das störte sie nicht. Sie packte ihn am Kragen und zog ihn zu sich hinab. „Ich verbrenne gleich!"

Andre amüsierte sich darüber und stemmte seine Hände gegen die Matratze. „Habe noch etwas Geduld, Liebste, wir haben es gleich geschafft." Er brannte auch. Ihm war heiß und das nicht nur vom Feuer im Kamin.

Oscar klammerte sich an ihn und er zog sie mit sich in die Höhe. Wieder saß sie auf der Bettkante und versuchte ihr loderndes Begehren im Zaum zu halten. Es würde nichts bringen, wenn sie noch halb angekleidet waren. Andre setzte sich neben sie und zog seine Stiefel aus. Oscar dagegen stand auf, ging bis ans Kopfende des Bettes und entledigte sich dort ihren letzten Unterröcken. Ihr ärmelloses Hemd hing ihr locker um die Hüften und verdeckte geradeso den Schambereich. Auch dieses Kleidungsstück wurde hinter seinem Rücken ausgezogen und achtlos auf den Boden geworfen.

Als sich auch Andre seinen Sachen entledigt hatte, lag sie schon erwartungsvoll unter der Decke. Er schlüpfte unverzüglich zu ihr. „Endlich!", hauchte Oscar begehrlich und streckte ihre Arme nach ihm aus. Die lange Wartezeit war vorüber! Jetzt konnten sie ihr Verlangen nacheinander stillen, ohne Bedenken haben zu müssen, erwischt zu werden!

Andre ließ sie nicht noch länger warten. Sofort verlagerte er sein Gewicht über ihr und küsste sie leidenschaftlich. Ihre Hände erforschten seinen Rücken und seine Schulterblätter. Ihr Körper bäumte sich unter ihm, wollte seine Nähe, seine Wärme spüren. Ihre Schenkel umschlangen seine Hüften - drängten ihn weiter zu gehen und er erfüllte ihr den Wunsch. Bis der Hunger nach einander gestillt war.

Das war ein kurzer und heftiger Akt. Ihre Herzen hämmerten rasend gegen die Rippen, ihr beider Atem entwich ihnen stoßweise, aber das war noch nicht das Ende ihrer Leidenschaft. Sie ließen nicht voneinander ab. Die Nacht war lang und nur für sie bestimmt! Wozu sie dann mit Schlafen vergeuden? Das konnten sie auch zuhause tun - getrennt und jeder auf seinem Zimmer!

Andre rollte sich von Oscar und zog sie mit sich. Jetzt lag sie auf ihm, mit halben Körper. Sie lauschte seinem aufgebrachten Herzschlag, spürte seine warme Haut unter sich und ihre Fingerspitzen streiften federleicht an seinem Brustkorb. Im nächsten Moment wurden sie von seiner Hand umschlossen und zu seinen Lippen geführt. Er küsste ihre Hand, Finger nach Finger und murmelte dabei, wie sehr er sie liebte. Oscar hob ihren Kopf, stützte sich auf ihren Ellbogen ab und sah ihm direkt ins Gesicht. Ihre Haare fielen nach vorne, streiften seinen Brustkorb und blieben dort ausgebreitet liegen. Ihre Blicke trafen sich, zart und überwältigt. „Andre...", flüsterte sie leise.

Andre entfernte ihre Finger von seinen Lippen und hielt sie fest an sich. Seine zweite Hand strich ihr das Haar hinters Ohr und über die Schulter. „Ich bin dein Mann, Oscar, und du glaubst gar nicht, wie sehr ich dich liebe."

Oscar biss sich auf die Unterlippe. Es hörte sich so schön und traurig zugleich an. Ungewollt musste sie wieder an ihr früheres Leben denken. Besser gesagt an seine letzten Momente: Als sie an seinem Totenbett saß und ihm unter Tränen versichert hatte, sie würden heiraten und dann könnte er ihr sagen, wie sehr er sie liebte und dass er ihr Mann sei.

Andre schien das Gleiche gedacht zu haben. Ohne ihre Hand loszulassen stützte er sich auf die Ellbogen und saß auf, um mit ihr auf gleicher Augenhöhe zu sein. „Hör zu, Oscar. Denke bitte nicht mehr daran, was in unserem ersten Leben gewesen war. Du quälst dich nur selbst damit. Und es schmerzt mir, dich so zu sehen."

„Ich denke nicht mehr daran, ich verspreche es." Oscar lächelte matt. Sie wollte nicht, dass er sich ihretwegen Sorgen machte.

„Das sieht schon besser aus." Andre erwiderte ihr das Lächeln.

Der schwache Feuerschein vom Kamin warf einen gelb rötlichen Lichtschatten auf ihre Haut, auf die weißen Laken des Bettes und auf die grauen Wände des Zimmers. Neues Begehren entfachte in ihren Körpern, ließ ihre Herzen schmelzen, ihren Puls schneller werden und ihren Atem stückweise entweichen. Zaghaft berührte Oscar seine Wange mit ihren Lippen, streifte bis zu seiner Schläfe und raunte dabei kaum hörbar: „Ich liebe dich, Andre. Und nur mit dir bin ich glücklich." Sie sah ihm erneut ins Gesicht, sanft und wieder mit dem gewissen Hunger nach etwas, das nur er ihr geben konnte.

Andre verstand sie ohne Worte. Er war selbst schon Feuer und Flamme. Oder besser gesagt: Der Feuer der Leidenschaft loderte noch immer in ihm. Bei ihr würde er davon nie Müde werden. Andre ließ ihre Hand los, vergrub seine Finger in ihrem Haar und verweilte dort, den Moment in die Länge ziehend. Oscar schob ihm sein Haar hinter die Schultern. Sie hielt sich an ihm fest und zog ihn mit sich in die weichen Kissen zurück, ohne den tiefen Augenkontakt zu unterbrechen. Andre umschloss sogleich ihre Lippen mit einem innigen Kuss. Seine Hand arbeitete sich von ihrem Nacken, an dem schlanken Hals vorbei und suchte sich den Weg zu ihrer Oberweite. Ihr kleines, weiches Körbchen fühlte sich warm und betörend an. Aus ihrer Kehle entrann ein wollüstiges Gurgeln, als seine Finger mit federleichten Bewegungen ihre Brust sanft umspielten. Ihre Finger kramten sich in sein Haar, in ihr stieg die Hitze des Verlangens empor und sie verlor die Kontrolle über ihren Körper.

Andre ließ ihre Lippen frei. Oscar schnappte nach Luft, atmete schneller und wölbte sich zu ihm, als seine heißen Küsse ihren Körper zu erforschen begannen. Ihre Haut schmeckte leicht salzig; ihr Bäumen und Stöhnen steigerte ihm die Lust und Erregung noch mehr. Aber diesmal ließ Andre sie zappeln. Er wollte seine Oscar vollends auskosten, alles von ihr berühren, bevor das Liebesspiel seinen Höhepunkt erreichen würde. Ihr Verlangen nach noch mehr war unerträglich. Er spielte mit ihr, ließ sie warten. Und als sie beinahe am Verzweifeln war, verlagerte er sein Gewicht und gab ihr, wonach sie dürstete. Sofort schlangen sich ihre schlanken Beine um seine Hüften, klemmten ihn ein und wollten nicht loslassen, bis der Heißhunger gestillt war.

Zum zweiten Mal in dieser Nacht verglühten sie in ihrer Leidenschaft. Erschöpft und glücklich schmiegten sie sich danach aneinander - ließen ihre rasenden Herzen sich beruhigen. Dabei redeten sie über belanglose Sachen. Nach dem kurzen Wortwechsel begann erneut ein Liebesspiel zwischen ihnen. Diesmal wollte Oscar seinen Körper erkunden, so, wie er es bei ihr schon zuvor getan hatte.

„Oscar...", stöhnte Andre genussvoll und schloss seine Augen, während Oscar mit ihren Lippen hauchfein seinen Oberkörper küsste - von seinem Brustkorb bis zum Bauchnabel und wieder zurück. Ihre rechte Hand lag in seiner linken und ihre Finger waren ineinander verflochten. Mit der freien Hand strich er ihr weiches Haar und ließ lustvolle Geräusche von sich.

Nicht lange und Oscar stieg über ihn. Mit einem leisen, gefälligen Aufstöhnen nahm sie ihn in sich begehrlich auf. Ihre Finger lösten sich aus denen Andres und nun war sie die Reiterin. Sie gab dabei eine äußerst elegante Erscheinung ab. So, als würde sie wirklich mit vollem Anmut und Stolz im Sattel sitzen. Andres Hände wanderten über ihre Schenkel hinauf zu ihrer Oberweite und die von Oscar, streiften an seiner muskulösen Brust. Sie betrachtete kurz sein Tun, schloss dann die Augen und setzte ihre Hüfte in Bewegung. Langsam und dann immer schneller...

Der Morgen graute bereits, als das Paar ihre Hochzeitsnacht zu Ende führte. Oscar saß rittlings auf Andres Schoß. Ihr Gesäß bewegte sich im langsamen Rhythmus auf und ab. Ihr Körper war leicht nach hinten gebeugt, seiner über sie. Mit einem Arm hielt er sie um den Rücken fest. Seine freie Hand streifte zärtlich von ihrer Kniescheibe den Oberschenkel entlang, bis zu ihrer beweglichen Hüfte. Von dort nahmen seine Finger den Weg an ihrem flachen Bauch entlang, über die schmale Taille und zurück zu ihrem Gesäß.

Oscar legte ihren Kopf in Nacken, schloss vor Wonne die Augen und ließ wollüstige Atemzüge von sich. Seine Lippen erforschten mit sanften Küssen ihren schlanken Hals. Ihre Hüfte bewegte sich schneller und seine Hand fasste fester ihr Hinterteil. Ihre Haarpracht hing wild in der Luft. Ihre Hände lagen um seine Schultern, befühlten die straffen Muskeln an seinen Oberarmen; spürten die Hitze seiner Haut und ihr Körper erschauderte immer wieder wohlig. Sein dichtes, dunkelbraunes Haar lag ihm offen auf dem Rücken und bedeckte ihre Hände. Es kitzelte leicht an ihrer Haut, aber das nahm sie kaum wahr. Ihre Sinne waren mehr auf ihr Begehren konzentriert. Sie spürte seine Küsse, den festen Druck seiner Finger und ihn selbst in sich.

Seine Lippen verließen ihre Halsbeuge. Er küsste ihr zärtlich die Schulter und die weiße Narbe darauf. Gleichzeitig lockerte er seinen Arm um ihren Rücken. Oscar fiel etwas nach hinten, aber Andre ließ sie nicht ganz fallen. Er hielt sie weiterhin in seinem Arm. Ihr Oberkörper bäumte sich zu ihm, seine Lippen streiften nach unten, zu ihrem Körbchen. Vom Körperbau war sie nicht nur zartgliedrig und schlank, sondern auch biegsam wie eine Gerte. Ihre Hüfte wurde schneller, als sich seine Lippen an ihrer Brust festsaugten und seine Zunge ihre Brustwarze umspielte. Sie keuchte. Ihre Finger krallten sich tiefer in sein Fleisch; ihre Schenkel pressten sich zusammen und sie hielt kurz inne. Die Flutwelle in ihrem Körper hatte ihren Höhepunkt erreicht und ebbte langsam ab.

Andre spürte wie sich ihr Körper entspannte. Er beugte sich mit ihr in seinen Armen vor und legte sie sachte auf den Rücken, in die Laken des Bettes. Mit einem Arm stützte er sein Gewicht über ihr, den anderen hielt er weiterhin um ihre schmale Hüfte. Sie lag unter ihm in all ihrer Schönheit, lächelte ihn glückselig an und ließ ihren Atem ruhiger entweichen, obwohl ihr Herz noch immer raste. Er küsste sie auf den Mund, setzte zeitgleich seine Hüfte in Bewegung und wurde immer schneller, bis auch er zum wiederholten Male in ihr erlag...

Der Morgen hatte sich im Zimmer vollkommen ausgebreitet. Trotz des dichten Vorhangs an dem kleinen Fenster bemerkte man deutlich die Ankunft des neuen Tages. Alle Gegenstände konnte man klarer erkennen und auch das dumpfe Gezwitscher der ersten Vögeln drangen von Draußen schleichend ins Gehör. Mit Bedauern musste das Ehepaar auch noch feststellen, dass mit dem ersten Morgenlicht ihr Beisamensein sich dem Ende neigte. Nur eine viertel Stunde blieben sie noch aneinander geschmiegt liegen, um ihre hämmernden Herzen zu beruhigen und die lodernde Hitze der Nacht abzukühlen. Ob sie wollten oder nicht, aber sie mussten schon bald aufstehen, sich in Ordnung bringen, anziehen und zu ihren alltäglichen Verpflichtungen zurückkehren. Und das taten sie. Schweren Herzens, aber ihnen blieb nichts anderes übrig.

Tagein, tagaus so zu tun, als wären sie seit Kindertagen nur gute Freunde und dabei allen Menschen offen ins Gesicht sehen zu müssen, war allen beiden zuwider. Nur im Kreise ihrer Freunde, der Trauzeugen, brauchten sie sich nicht verstellen. Das war der Preis für ihre unangemessene Liebe und die verborgene Heirat. Wie dem auch sei, ihr zweites Leben ging dennoch weiter.