Das Feuer der Leidenschaft bannte sich hartnäckig durch ihre Herzen und breitete seine Flammen im ganzen Körper aus. Andre ließ Oscars Hand an seinem Brustkorb los, suchte die Enden ihres Hemdes und schlüpfte darunter. Oscar erschauerte, als seine Finger federleicht an ihrer Haut streiften. Wieder unterbrach er den Kuss, aber diesmal um ihr das Hemd auszuziehen. Ihr langes Haar fiel ihr über die Schultern und verdeckte ihre Oberweite. Ihre Hände machten sich mit dem Aufknöpfen seines Hemdes zu schaffen. Sie half ihm heraus und gleich darauf sank sie mit ihm auf die weiche Matratze ihres Bettes.
Das schwache Kerzenlicht aus dem Salon reichte kaum bis zu ihnen. Dennoch war alles erkenntlich wie in der Dämmerung. Vom Bett erklang ein unterdrücktes Keuchen und das leise Rascheln der Laken. Zwei sich liebende Körper bewegten sich elegant und ineinander verschlungen darin. Genüsslich und nicht allzu wild liebkoste sich das Paar gegenseitig mit dem Feingefühl ihrer Finger und der Zärtlichkeit ihrer Lippen. Oscars biegsamer Oberkörper wölbte sich unter dem seinen. Sie ließ ihren Mann erwartungsvoll in sich eindringen und kostete die Freuden aus, die er mit seinen fließenden und rhythmischen Bewegungen in ihr auslöste. Nicht lange und ihre langen Beine schlangen sich sehnsüchtig um seine Hüften. Ihr Becken schob sich im Takt seiner Stöße auf und ab. Sie wurden schneller. So, wie ihre hämmernden und dahin schmelzenden Herzen. So, wie das heiße Rauschen des Blutes in ihren Adern und wie all ihre Sinne, die mit jedem Atemzug in die Höhe stiegen und dann in alle Richtungen verflogen...
Unter einer Decke aneinander geschmiegt, beruhigten sich ihre rasenden Herzen, fanden in einen gleichmäßigen Schlag zurück und die Hitze der Leidenschaft ließ langsam nach. Andre lag auf dem Rücken, Oscar mit halbem Körper auf ihm. Einen Arm schob er sich unter den Kopf, den anderen legte er um sie und seine Finger spielten mit ihren Haarspitzen. Ihre Hand ruhte auf seinem Brustkorb, ihr Kopf gleich daneben und ihren anderen Arm vergrub sie unter sich. Ihre Finger streiften dabei leicht an der Haut seiner Hüfte. Sie schwiegen alle beide, trauten sich nicht die angenehme Stille zu unterbrechen, aber das begonnene Gespräch musste noch zu Ende geführt werden, sonst würden sie damit nie abschließen können.
„Andre?", unterbrach Oscar als erste das Schweigen: „Würdest du mir sagen, was du mir an jenem Abend unseren früheren Lebens offenbart hast..."
Andre rief sich ungewollt die Erinnerungen hoch. Er atmete tief durch, starrte in den Betthimmel empor und flüsterte bedrückt: „Ich wollte dir wirklich nichts antun, Oscar... Ich weiß nicht, was über mich gekommen war, aber wenn sich etwas über Jahre aufgestaut, wird es sich auch irgendwann entladen... Als du mich fragtest, ob ich zufrieden bin und ob ich erreicht habe was ich wollte, wünschte ich zu sterben. Ich habe dich zugedeckt und obwohl meine Sehkraft bereits schwand, habe ich deine Tränen gesehen. Ich habe geschworen, das nie wieder zu tun und weil für mich sowieso alles verloren war, habe ich dir meine Liebe gestanden..."
„Andre...", setzte Oscar leise an als er verstummte: „...ich war dir wirklich nicht böse, ich konnte das nur nicht vergessen. In der Normandie habe ich oft darüber nachgedacht und konnte deinen Schmerz nachempfinden, aber ich war immer noch blind für meine Gefühle. Ich beschloss, dass es besser für uns sein würde, wenn wir uns nie mehr sehen. Umso mehr war ich überrascht, dir als Soldat in der Kaserne zu begegnen..."
„Ich konnte dich nicht alleine lassen, Oscar. Trotz allem, was ich getan hatte, war ich dir weiterhin verpflichtet. Ich konnte keinen einzigen Tag ohne dich leben. Nicht zu wissen, wie es dir geht, war noch schlimmer zu ertragen als die Liebesqual in deiner Nähe..." Andres Brustkorb zog sich zusammen. „...und als ich erfuhr, dass du heiraten würdest, da wollte ich nicht mehr leben..."
„Du hast dich wegen mir mit einem Haufen Söldner geschlagen..." Oscar seufzte schwer. Sie sah vor ihrem inneren Auge deutlich, wie er da im Waffenlager zusammengeschlagen am Boden lag und gefleht hatte, dass sie nicht heiraten würde. Das schmerzte ihr. Sie versuchte diese Erinnerung abzuschütteln und flüsterte kaum hörbar weiter: „...aber ich hätte mich so oder so nicht verheiraten lassen."
Unwillkürlich stahl sich ein mattes Lächeln auf Andres Lippen. „Als du mir sagtest, dass du nicht heiraten würdest, habe ich mich leichter gefühlt."
„Und ich war trotzdem noch zu naiv um zu verstehen, wie wichtig du für mich warst. Erst als das Volk unsere Kutsche überfiel und man dich von mir trennte, da spielten meine Gefühle verrückt. Ich habe deswegen sogar von Fersen angeschrien, dass mein Andre in Gefahr sei und dann brach alles um mich herum zusammen..."
Andre hielt inne. Er hatte es geahnt, dass damals mit ihr in ihrem früheren Leben Veränderungen vorgingen. Dass sie mit ihren Gefühlen kämpfte und dass sie sich um ihn sorgte. Aber dass sie deswegen ihre alte Liebe zu von Fersen abstieß, hatte er nicht gewusst. „Oscar, ich habe nie an dir gezweifelt. Du brauchtest Zeit, um deine Gefühle zu begreifen."
„Du warst sehr geduldig mit mir, aber ich hätte das nicht in die Länge ziehen sollen... Ich habe gemerkt, wie deine Sehkraft nachließ und habe dich zur Rede gestellt. Aber du hast alles abgestritten... Und ich habe von mir ein Porträt anfertigen lassen..." An dieser Stelle verstummte Oscar. Sie biss sich auf die Lippe und haderte mit sich selbst. Sollte sie ihm den Grund dafür sagen oder nicht? Sollte sie ihm ihre Krankheit offenbaren? Die Tuberkulose war das einzig Ungewisse, was ihr noch bevorstand.
„Und ich war mir zu dem Zeitpunkt bereits sicher, dass du mich liebst", hörte Oscar ihn im sanften Ton flüstern: „...ich habe dein Porträt beschrieben und in der gleichen Nacht gestandest du mir deine Liebe..."
„Es gibt noch etwas, dass ich dir verheimlicht habe, Andre..." Oscar rappelte sich auf ihren Ellbogen hoch und saß vollends auf. Beiläufig zog sie die Decke über ihre Blöße und hielt sie an der Oberweite fest. „Weißt du noch, als du mich fragtest, was mit mir los sei und ich dir sagte, dass es nur eine Erkältung sei? Das war nicht die Wahrheit..."
„Wie meinst du das?" Andre saß schlagartig auf und er nahm kaum wahr, wie die Decke an seinem Oberkörper bis zum Bauch abrutschte. „Sage schon, Oscar, was hast du mir verheimlicht?!"
Oscar sammelte ihren Mut zusammen, schluckte bangen Herzens den Kloß in ihrem Hals herunter und beichtete ihm verstockt: „Ich hatte keine Erkältung... Meine Lunge war nicht in Ordnung... Auf dem Tuch, in das ich gehustet habe, war Blut... Ich hatte Tuberkulose..."
„Oscar..." Andre schluckte bitter. Er hatte ja geahnt, dass sie ihm etwas verheimlicht hatte, aber auf Tuberkulose wäre er im früheren Leben nie gekommen! Und noch schlimmer traf ihn die Erkenntnis, dass diese ungeheuerliche Krankheit in ihrem jetzigen Leben noch kommen könnte! Angst überfiel ihn und plötzlich wünschte er zu erblinden, um nicht mit ansehen zu müssen, wie die Liebe seines Lebens an dieser Krankheit sterben würde. „Oscar...", wiederholte er kreidebleich und rückte näher an sie heran. „Du wirst es nicht bekommen... Ich lasse das nicht zu..." Seine Hände umfassten zittrig ihr Gesicht, seine Augen suchten verzweifelt nach einem Ausweg in ihren glasigen Blicken.
Oscar schmiegte ihre Wangen in seine warmen, trockenen Hände. Das gab ihr Trost, aber nicht die Auflösung ihrer Sorge. Ihre Wimpern wurden feuchter. Erste Tränen lösten sich und versanken zwischen ihrer Haut und seinen Fingern. „Wenn ich nur wüsste, wie man sie bekämpft, dann wäre es halb so schlimm, Andre... Doktor Lasonne hatte gemeint, ich sollte aus der Armee scheiden, aufs Land ziehen und mir Ruhe gönnen, sonst blieben mir nur noch sechs Monate zum Leben..." Ihre Augenlider schlossen sich dabei, sie schluchzte in sich und erzitterte. Dann spürte sie seine Bewegung, seinen Atem auf ihrem Gesicht und wie er sanft ihre Tränen weg küsste. Seine Hände entfernten sich von ihren Wangen, um sie gleich um ihre Schultern zu legen und ihren etwas abgekühlten Körper an seine Brust zu ziehen. Seine Lippen streiften an ihrem Ohrläppchen und seine Stimme war nicht mehr als der Hauch des Windes: „Lass uns Frankreich verlassen, Oscar... Meinetwegen auch nach Schweden ziehen, in die Nähe des Grafen von Fersen... Hauptsache du wirst leben! Wenn es dir der Doktor so empfohlen hat, dann darfst du nicht länger deinem Dienst nachgehen und kämpfen... Bitte, Oscar, tue uns das nicht an..."
„Uns...", wisperte Oscar mit kaum bewegten Lippen.
„Ja, uns." Andres Stimme kippte beinahe: „Unserem Sohn, mir und dir selbst..."
„Und was wird aus dem Volk?", murmelte sie schwach in seine Haut: „Ich kann doch die Menschen nicht im Stich lassen..."
„Unser Sohn braucht dich mehr... nimm ihm nicht seine Mutter und mir nicht meine über alles geliebte Frau..."
Oscar verstand seine Angst und Verzweiflung nur zu gut. Jedoch balancierte sie selbst auf einem schmalen Pfad und versuchte alle Zweifel zu beseitigen. „Und das sagst ausgerechnet du, der bereit war für das Volk zu kämpfen, für die gerechte Sache und die neue Zeit? Du hättest dafür dein Leben gelassen!"
„Und du warst bereit, mit mir die Seiten zu wechseln, ich weiß..." Andre fasste seine Frau bei den Schultern und schob sie etwas von sich. Er sah ihr tief in die Augen und ihm rannen beinahe selbst Tränen über das Gesicht. „Aber du bist mir wichtiger, Oscar... Für dich bin ich bereit alles aufzugeben, um mit dir und unserem Sohn irgendwo anders ein neues Leben zu beginnen... Das Volk wird auch ohne uns als Sieger hervorgehen, das spüre ich... Und vielleicht wird nach dem Sturm auf Bastille ohnehin alles zu Ende sein..."
„Ich habe geschworen, dir überall hin zu folgen - als deine Frau...", meinte Oscar daraufhin mit einem erdrückenden Kloß im Hals: „Das werde ich auch tun, mein Andre... aber nicht jetzt..."
„Oscar..." Andres Hände rutschten von ihren Schultern mutlos ab, seine Haltung sank hilflos zusammen und sein Herz blutete. Nicht einmal jetzt gab sie nach! Das hatte er geahnt, aber trotzdem traf es ihn hart.
Oscar konnte ihm seine verbitterten Gefühle vom Gesicht ablesen. Das schnitt ihr das Herz in kleinste Stücke und sie wusste genau, wie recht er hatte. Doch sie konnte nicht alles von heute auf morgen aufgeben. Es war ihr Schicksal, zu kämpfen und zu sterben. Aber vielleicht gab es noch Hoffnung. Wenn sie nur ihren Starrsinn ablegen, erneut über ihren eigenen Schatten springen und auf die Stimme ihres Herzens hören könnte! Wie damals, als sie Andre vor knapp zehn Jahren ihre Liebe gestanden hatte und mit ihrem anderen Ich eins wurde.
Mit zittrigen Fingern berührte Oscar seine Wange, wischte zaghaft die Tränen unter seinen Augenlidern fort und gab nach. „Ich habe mich entschieden... Ich werde zusammen mit dir und unserem Sohn Frankreich verlassen, aber lass uns vorerst das Nötigste dazu vorbereiten. So ein Schritt darf nicht überstürzt und unüberlegt vonstatten gehen... Es braucht seine Zeit..."
„Oscar!" Andres Gesicht erhellte sich. Ein kleines Lächeln der Erleichterung huschte über seine Lippen und seine Augen glänzten vor Freude. Ihm fiel ein Stein vom Herzen und er kam nicht umhin, Oscar beinahe stürmisch in seine Arme zu ziehen. „Ja, lass uns das alles so machen! Hauptsache du wirst gerettet sein und wir können zu dritt ein neues Leben in der Ferne beginnen..."
„Genauso werden wir es machen, mein treuer und geliebter Mann..." Seine Glückseligkeit steckte auch Oscar an. Sie lachte verhallend und legte ihm ihre Arme um den Nacken. Ihre Schläfe streifte an seiner Wange und die Decke rutschte ihr von der Oberweite. Eine neue Wärme der Geborgenheit und Zuneigung überströmte sie. Sie hatten sich nun ausgesprochen und diese eine wichtige Tatsache miteinander geklärt. Das tat gut.
Andre suchte ihre weichen Lippen und küsste sie spielerisch. Oscar ließ ihn gewähren und verfiel wieder dieser unbeschreiblichen Wonne. Ihre Zungen kamen zum Einsatz und eine Welle der Leidenschaft überflutete alle beide mit einer wohligen Wärme. Mit einem Arm hielt Andre seine Oscar am Rücken, mit der freien Hand entfernte er die störende Decke zwischen ihnen und seine Finger erkundeten schon ihre kleinen, aber festen und hübsch geformten Rundungen.
Aus Oscars Kehle entrann ein lustvolles Aufstöhnen und ihr Körper bäumte sich ihm wieder entgegen. Ihre Brust verschwand völlig in seiner Handfläche, seine Finger kneteten sie sanft wie Teig und streiften mit dem Daumen über ihre aufgerichtete Knospe.
Andre ließ ihre Lippen frei und liebkoste ihren Hals. Seine Hand arbeitete sich nach unten, entlang der Rippen bis zu ihrem flachen Bauch und dem etwas drahtigen Flaum ihres Dreiecks. Er erzeugte ihr mit den hauchfeinen Berührungen seiner Finger Gänsehaut und ein angenehmes Kribbeln. Ihre Schenkel bewegten sich noch weiter auseinander und seine Finger tauchten noch tiefer in sie hinein, in die feuchte und warme Welt ihrer verführerischen Höhle.
Oscar keuchte erregt und versuchte gleichzeitig nicht laut zu sein. Das war schwer, aber es ging. Sie warf ihren Kopf in den Nacken und ließ sich nach hinten fallen. Aber Andre hielt sie dennoch mit einem Arm weiterhin um den Rücken fest. Seine Lippen verließen ihre Halsbeuge, suchten ihr Körbchen und seine Zunge umspielte ihre Knospe. Ihre Finger krallten sich in das straffe Fleisch seiner Armmuskeln und ihr Becken rutschte fordernd gegen seinen Finger. Sie konnte nicht mehr: Die Begierde überstieg all ihre Grenzen. Ihre Hände suchten nun Halt in seinen Haaren und ihr Körper sank haltlos nach hinten. „Andre... bitte...", hauchte sie schnellen, wollüstigen Atems.
„Schon gut, Liebste..." Andre gab sie von seinen Lippen und seinem Finger wieder frei. Sachte legte er sie rücklings in die Kissen und liebkoste sie weiter.
Oscar zog ihn mit sich und kaum dass er über ihr war, schlang sie ihre Beine wieder um seine Hüften, nahm ihn gierig in sich auf und bewegte sich mit ihm im rhythmischen Takt seiner sanften Stöße...
So mischten sie Liebe und Leid in einer einzigen Nacht. Im Rausch ihrer Leidenschaft war ihnen beiden alles gleich: Sie dachten nicht daran, was war oder sein würde. Sie fühlten sich von ihren Sorgen befreit, ausgesprochen glücklich und unzertrennlich...
