Die Pferde kamen näher. General de Jarjayes hörte die ihm altbekannten Stimmen, aber verstand kein einziges Wort. Andre sagte etwas und Oscar lachte herzhaft, rein und ausgelassen. Reynier hatte schon vergessen, wie ihr unbeschwertes Lachen klang. Das letzte Mal, als er sie lachen gehört hatte, war sie noch ein Kind. Sein Kind, auf das er schon immer stolz war!
Das helle Lachen hörte abrupt auf und die Pferde blieben stehen. Eine unfassbare Stille lag in der Luft.
Hasste sie ihn? Oder hoffte sie auf eine Versöhnung? Oder war ihr gar alles gleichgültig? Reynier spürte ihren Blick auf seinem Rücken und in seinem Nacken entstand ein unangenehmes Kribbeln, aber er drehte sich nicht um. Sein Augenmerk wanderte nur von ihrem Ältesten auf ihren Jüngsten und zurück. Er hörte, wie sowohl Oscar als auch Andre von ihren Pferden abstiegen. Wie Girodel und diese Rosalie mit ihrem Bernard sie beide begrüßten und dann sah er sie vor sich! Direkt an der Seite ihrer Söhne!
„Vater...", formten ihre Lippen, aber kein Ton kam von ihnen, als hätte ihr die Stimme den Dienst versagt. Oscar und Andre sahen überrascht aus, mehr nicht.
Seine Tochter konnte schon immer gut ihre Gefühle verbergen. Das hatte er ihr beigebracht; er hatte sie so erzogen und Andre hatte es sich von ihr angeeignet. Obwohl sie beide nun etwa Mitte Vierzig zählten, schienen ihre Gesichtszüge unverändert zu sein. Nur etwas waren sie gealtert. Das zeigten gewisse Linien an der Stirn, Augenfalten und Grübchen um die Mundwinkel. Reynier wandte seinen Blick wieder von den beiden ab und widmete sich ihren Söhnen. „Ihr könnt mit der Fechtübung anfangen!"
„Jawohl, Großvater!" Der Älteste nickte und sah kurz zu seinen Eltern. „Keine Sorge, das ist nichts Schlimmes. Großvater will nur wissen, wie gut wir schon im Fechten geübt sind." Dann ging er mit seinem Bruder auf eine gewisse Entfernung.
Der General begleitete die zwei mit etwas Abstand, ohne Oscar und Andre weiter zu beachten. Die beide blieben wie vom Donner gerührt da stehen. Oscars Vater hatte sich verändert: Sein faltiges und kantiges Gesicht, die markanten Gesichtszüge, die tief eingegrabenen Wangen und die hervortretenden Wangenknochen erzählten Geschichten über lange Kämpfe. Der General war mit den Jahren von erbitterten Schlachten gezeichnet.
Oscar schluckte mehrmals, um ihre Fassung wieder zu finden und auch Andre versuchte sich nicht anmerken zu lassen, was in ihm bei diesem unverhofften Besuch vorging. Erstaunen und Sprachlosigkeit waren nur einige ihrer Empfindungen. Sie beide wussten nicht, weshalb der General hier war und das bescherte ihnen noch zusätzlich ein gewisses Unbehagen.
Bernard kam mit den anderen zu ihnen und erklärte etwas ausführlicher die Begegnung mit dem General und Graf de Girodel: „Euer Vater, Lady Oscar, hat Rosalie in Paris ausfindig gemacht und verlangt, dass wir ihn zu Euch bringen. Er sagte, er habe Euch etwas Wichtiges mitzuteilen."
„Ihr sprecht so, als hätten wir euch gezwungen, Bernard Chatelet", unterbrach ihn Girodel unverhohlen und stellte sich auf der freien Seite neben Oscar. „Lady Oscar. Nach dem Tod der Königin musste Euer Vater seinen Titel ablegen und ins Ausland gehen. Dass Ihr seine Tochter seid, hat ihn vor dem Tod bewahrt und gerettet. Viele andere Seinesgleichen hatten dabei weniger Glück. Ich habe ihn ins Ausland zu meiner Verwandtschaft begleitet und letzten Monat konnten wir endlich zurückkehren. Da aber Euer Vater seine Besitztümer hier verloren hat, ist er mit mir nach Schweden zu seiner Frau aufgebrochen. Wir waren überrascht, als Graf von Fersen uns mitteilte, sie wohne bei Euch in der Normandie. Von Fersen hat sich sehr verändert. Er ist sehr verbittert geworden und hasst Menschen. Deswegen waren wir nur kurzzeitig bei ihm. Eure Mutter hat uns herzlicher empfangen, aber Euer Vater konnte auch dort nicht länger bleiben. Er ist rastlos geworden, Lady Oscar. Er meinte, er finde erst dann seine Ruhe, wenn er mit Euch einige Dinge klargestellt hat. Ich habe ihn deshalb zu Eurem einstigen Schützling geführt und nun sind wir hier."
„Warum erzählt Ihr mir das, Girodel?", fragte Oscar kühl und beobachtete dabei, wie ihre Söhne miteinander fochten. Ihre Sehnen spannten sich an, als ihr Blick hin und wieder auf ihren Vater fiel.
„Ich dachte, das würde Euch interessieren?" Girodel sah sie von der Seite verwundert an. „Ich weiß, er hat Euch verstoßen, aber..."
„Er hat mich für tot erklärt!", schnitt ihm Oscar vor Wut erstickt das Wort ab: „Ich bin für ihn gestorben! Das habt Ihr mir vor vielen Jahren selbst offenbart!"
„Aber das ist schon lange her, Lady Oscar. Zeiten und Menschen ändern sich..."
„Mein Vater aber nicht!" Das Blut raste ihr durch die Adern, wie eine entfesselte Flutwelle.
„Lass es gut sein, Oscar", beschwichtigte Andre sie von der anderen Seite und legte ihr seinen Arm um die Schultern.
Girodel richtete dabei sein Augenmerk sofort auf den General zurück. Es tat ihm immer noch weh, sie in den Armen eines anderen Mannes zu sehen.
Oscar fühlte sich von ihrem Mann leicht getröstet, aber ihre verletzten Gefühle als seine Tochter wollten sich nicht beruhigen lassen. Weshalb ihr Vater auch gekommen war: Sie würde ihn niemals so behandeln können, wie er sie.
Ihr Ältester ging gerade vor den fließenden Hieben seines Bruders in Deckung und ihr Jüngster schlug ihm im nächsten Moment das Übungsschwert aus der Hand. „Ich habe gewonnen!", triumphierte er begeistert und hob das Schwert seines Bruders vom grasbewachsenen Erdboden.
„Du hast gewonnen, weil ich dich gewinnen lassen habe", meinte der Ältere unbeeindruckt und schnitt eine komische Grimasse.
„Was höre ich da?!" General de Jarjayes baute sich erbost zwischen den beiden auf und fixierte den Älteren. „Wenn du deinen Gegner gewinnen lässt, dann macht er kurzen Prozess mit dir!"
„Das ist mir durchaus bewusst. Aber Reynier ist mein Bruder und ich kenne seine Fechtkünste auswendig", konterte der junge Mann aufrecht. Er ließ sich nicht aus der Ruhe bringen - zumindest sah man ihm das nicht an. Was in ihm selbst vorging, wusste niemand zu sagen.
General de Jarjayes beäugte ihn abschätzend. Bis auf die Augenfarbe und die männlichen Gesichtszüge ähnelte er durch und durch seiner gleichnamigen Mutter. Auch die Art und Weise wie er das Schwert führte, erinnerte ihn an sie. Von Andre war mehr in dem Jüngeren. „Gebt mir eure Schwerter! Alle beide!", befahl der General seinem Namensvetter und streckte schon seine Hand nach den Waffen aus.
Reynier der Jüngere dachte sich nichts dabei und reichte die Übungswaffen dem General.
„Das war kein schlechter Kampf", sagte dieser den Brüdern ausdruckslos: „Es könnte besser sein. Jetzt geht auf eure Plätze und sagt eurer Mutter, sie soll auf der Stelle zu mir kommen!"
Das brauchten die Brüder gar nicht tun, denn Oscar hatte ihn auch so gehört. Kaum dass ihre Söhne bei ihr ankamen, ging sie auf alles gefasst zu ihrem Vater.
„War er schon immer so?", wollte Oscar der Jüngere bei seiner Ankunft von seinem Vater wissen.
„Was seine Strenge und Disziplin angeht, ja", äußerte sich Andre knapp und sah seiner Frau achtsam nach.
Diese stand schon in gestrafter Haltung vor dem General. „Was soll das werden?", fragte sie beherrscht, als der General ihr eines der Schwerter reichte.
„Frage nicht, sondern tue das, was ich dir sage!", fuhr Reynier sie schroff an und drückte ihr die Waffe gewaltsam entgegen. „Ich will sehen, ob in dir wenigstens noch ein Funken davon übrig geblieben ist, was ich dir beigebracht habe! Oder hat dich dein weiblicher Eigensinn vollends verdorben?!"
Das traf Oscar hart. Ihre feinen Gesichtszüge verhärmten sich, ihre Sehnen spannten sich am ganzen Körper noch mehr an und sie schloss ihre Finger fest um den Griff des Schwertes. „Nun gut", murrte sie finster: „Ich werde Euch diesen Wunsch erfüllen."
Reynier zog seine Mundwinkel zufrieden nach oben. Er machte ein paar Schritte rückwärts, brachte sich in die richtige Position und verübte als erster den Angriff.
Oscar parierte gekonnt seine darauf folgenden, heftigen Hiebe, wich ihm flink aus und schlug zurück. An Wendigkeit und Agilität hatte sie noch nichts eingebüßt. Dennoch drängte sie der General schon bald mit schnellen und ununterbrochenen Schlägen immer wieder zurück. Sie war daher gezwungen, nur in Deckung zu gehen und konnte ihn schließlich kaum noch abwehren.
„Ist das alles, was du behalten hast, Oscar?!", funkelte Reynier sie schnaufend an, während seine Klinge mit Wucht gegen die ihre prallte und er sie damit in die Knie zwang. „Du sollst mich nicht gewinnen lassen, Oscar!"
„Das tue ich keineswegs!", zischte Oscar gedämpft und brachte ihre ganze Kraft auf, um ihrem Vater standzuhalten. Seine Klinge drückte gegen die ihre - schon beinahe vor ihrem Gesicht.
„Du törichtes Weibsbild!", knurrte Reynier grimmig und ließ den Druck etwas locker. So, als würde er eine kurze Verschnaufpause einlegen wollen.
Oscar nutzte das jedoch nicht aus. Sein Griff ließ weiter nach und sie konnte sich wieder auf die Beine rappeln. Doch anstatt auf ihn einen Gegenangriff zu verüben, rührte sie sich nicht von der Stelle. Sie war außer Puste und ihr Herz hämmerte wild.
„Du sollst kämpfen und nicht scheitern!" Reynier atmete pausenlos ein und aus. Seine Hand senkte ermattet das Schwert und sein Augenmerk schien seine Tochter zu durchbohren. „Wir sind schon genug gescheitert!" Er ballte seine freie Hand zur Faust. „Die Flucht des Königs und seiner Familie war von Anfang an zum Scheitern verurteilt! Und du warst nicht mehr dabei, als alles den Berg hinab ging! Du hast einen Rückzieher gemacht!" Im Grunde wusste Reynier, dass sie nichts dafür konnte. Aber die entsetzlichen und markerschütternden Bilder der Hinrichtung und des vergossenem Bluts in der Vergangenheit musste er doch irgendwie loswerden.
„Ihr macht mir ungerechtfertigt Vorwürfe, Vater!" Oscar senkte auch ihre Waffe. Sie stand vor ihm von Angesicht zu Angesicht. Sie sprach aufrichtig, obwohl es in ihr mehr und mehr brodelte. „Ich wäre bis zum letzten Moment geblieben, glaubt mir! Aber der König hat mich aus seinen Diensten entlassen! Ich konnte nichts tun..." Nein, das konnte sie nicht...
In Schweden hatte sie von der barbarischen Hinrichtung des Königs und später der Königin viel zu spät erfahren, als schon alles vorüber war. Es hieß, es wurde ein Gerät erfunden und errichtet, das einen schnelleren und schmerzfreieren Tod brachte, als eine Axt... Dieses Gerät nannte man Guillotine. Oscar war nach dem Tod der Königin verbittert und wütend, weil sie all das nicht verhindern konnte. Auf Graf von Fersen traf das Gleiche zu und seitdem distanzierte er sich mehr und mehr aus der Gesellschaft der Menschen - auch von Oscar, was sie ihm nicht verübeln konnte. Robespierre gelang zur Macht und wurde als Vater des Terrors bezeichnet. Doch auch seine Terrorherrschaft fand ein jähes Ende: Robespierre wurde gestürzt und landete ebenfalls unter der Guillotine... Nach seinem Tod ebbte die Revolution mit der Zeit ab. Nun herrschte der selbsternannte Kaiser Napoleon über Frankreich und all die, die zu Revolutionszeiten geflohen waren, kehrten nach und nach zurück...
„Du törichtes Weibsbild...", wiederholte der General aufgebracht. Zorn und Verzweiflung standen in seinem gezeichneten Gesicht geschrieben. „Die Majestäten wurden hingerichtet! Die Monarchie ist gestürzt und der Adel hat nichts mehr zu sagen! Du warst nicht dabei, als die Köpfe rollten! Du warst schon bei der ersten Fluchtmöglichkeit fortgeritten!"
Er klang so, als gebe er ihr die Schuld für alles - aber dem war nicht so. Oscar spürte mit einem Mal in sich, dass in ihm etwas vorging, was nicht zu seiner strengen, verbitterten und jähzornigen Erscheinung passte. Eine fremdartige Sanftheit lag in seinem eisigen Blick und ließ sie an jenen Tag der Offenbarung erinnern, an dem er sie aus der Familie verstoßen hatte. Seine raue Stimme stockte oft. Oscar schluckte bangen Herzens. Sie hatte ihren Vater, bis auf dieses einziges Mal damals, noch nie so erlebt und fand keine Worte dafür. Nur ein lautloses „Vater" formten ihre Lippen.
„Du bist nach Schweden fort! Du hast einen anderen Weg gewählt..." Reynier verstummte kurz und rang mit sich. Sein Kinn zitterte und er betrachtete Oscar eindringlicher als zuvor. Er atmete tief durch und lockerte seine geballte Faust. „...du hast den richtigen Weg gewählt und ich war froh, dich in Sicherheit zu wissen..."
In Oscar schlugen die Gedanken Purzelbäume. Ihre Gefühle gerieten durcheinander. Krampfhaft versuchte sie ihr Empfinden niederzuringen und ihre aufrechte Fassung beizubehalten. „Ihr überrascht mich, Vater", sagte sie heiser und offen: „Ihr habt mich verstoßen und vor aller Augen bekundet, dass Ihr mich nicht mehr als Tochter anseht!"
„Was denkst du, weshalb ich das tat?!" Reynier spannte wieder seine Muskel an und runzelte mit der Stirn, aber gleich darauf wurden seine Gesichtszüge plötzlich weicher. „Ich wollte nur dein Bestes, mein Kind... Ich wollte dich schützen..." Seine Augen schimmerten unerwartet glasig und seine Gefühlskälte zerschmolz endgültig zu einer nie gezeigten Warmherzigkeit. „Es stimmt: Ich habe dich als Tochter verloren... Dafür habe ich aber einen Sohn gewonnen... Ich habe dich schon vor langer Zeit in das Leben einer Frau entlassen..."
Oscar fiel das Übungsschwert aus der Hand. Ihre Augen weiteten sich und ihre Wimpern wurden feucht. Sie hätte nie mit diesen Worten, die ihr Erlösung und Frieden bedeuteten, gerechnet.
Reynier hob das gefallene Schwert auf, sah sie noch kurz an und ging dann mit einem leisen, befreiten Lächeln um seine Mundwinkel. Mit gemäßigtem Schritt und stolzierender Haltung erreichte er die versammelte Gruppe. Er reichte die Übungsschwerter an seine beiden Enkel zurück. „Jetzt dürft ihr mich Großvater nennen!"
Die zwei Brüder nickten dankend und nahmen erstaunt ihre Schwerter an sich. Ihre Augen glänzten freudig und spitzbübisch. Sie grinsten über beide Ohren hinweg und der General klopfte jedem auf die Schulter. „Eure Eltern können auf Söhne wie euch stolz sein! So wie ich auf eure Mutter schon immer stolz war! Meine Tochter ist mir das liebste Kind, das ich habe!"
Die Brüder öffneten und schlossen tief ergriffen ihre Münder. Der General schmunzelte zufrieden, ließ von ihnen ab und wandte sich an den Vater. „Andre...", sprach er gefasst, wie es sonst seine Art war: „Ich habe von deiner Großmutter gehört. Das tut mir sehr leid. Sie war eine herzensgute Frau und du hast ihr immer alle Ehre gemacht."
„Ich danke Euch, General." Andre wusste nichts dazu zu sagen. Er war auf der Hut und gleichzeitig verdrängte er sein Misstrauen. Aus dem Augenwinkel bemerkte er, wie seine Frau sich langsam zu ihnen aufmachte.
General de Jarjayes sah sie nicht kommen. Seine Aufmerksamkeit galt Andre und er fasste ihn unerwartet bei den Armen. Andre versteifte sich kurzzeitig. Er war überrascht und verblüfft. Reynier nahm das kaum wahr. Er sprach ernst und doch mit einem gewissen Glanz der Freude in seinen Augen: „Du hast auch mir alle Ehre gemacht, mein Junge. Du warst immer an der Seite meiner Tochter, du hast sie nie im Stich gelassen und warst ihr immer ein treuer Gefährte. Auf Gedeih und Verderb! Du bist zwar nicht von Adel, aber das hat jetzt ohnehin keine Bedeutung mehr. Ich wollte dir schon immer sagen, dass du der rechte Mann für sie bist. Nur du kannst mein Kind glücklich machen und das machst du ja auch bereits. Ihr zwei habt meinen Segen und ich freue mich für euch beide. Du bist ein guter Junge, Andre... mein Sohn." Reynier ließ sogleich von ihm ab und ging zu seinem Pferd. Auf dem Weg winkte er Girodel zu, ihm zu folgen: „Wir brechen auf!"
„Vater, wartet!" Oscar lief ihm nach, kaum dass er seinen Fuß in den Steigbügel schob. „Wo wollt Ihr hin?!"
Reynier drehte sich zu ihr um. „In die Normandie zu meiner Frau natürlich! Ich habe deine Mutter schon lange vernachlässigt. Es wird Zeit, dass ich mich um sie kümmere. Wir sind beide nicht mehr jung. Wir werden dort auf euch alle warten. Deine Hochzeit muss schließlich ordentlich nachgefeiert werden!"
„Ich danke Euch, Vater...", brachte Oscar zutiefst gerührt von sich und fasste sich ans Herz. „...für alles, was Ihr für mich getan und mir heute gesagt habt... Das bedeutet mir viel..."
„Was soll das, Oscar?!", ermahnte sie Reynier streng, aber mit einem weichen Lächeln auf seinen Lippen: „Du wirst mir doch nicht etwa rührselig, oder?! Das passt nicht zu dir! So habe ich dich nicht erzogen!"
„Ihr seid auch nicht besser, Vater." Oscar fuhr sich mit dem Ärmel über die Augen. Vergeblich versuchte sie ihre kühle Art, eine stramme Haltung und Selbstdisziplin vorzutäuschen.
General de Jarjayes tat das Gleiche. Er kämpfte mit seinen Gefühlen und seinen Empfindungen, bis er es nicht mehr aushielt und seine Arme um Oscar legte. Er drückte sie herzhaft an sich. „Mein über alles geliebtes Kind...", murmelte er und ließ sie gleich wieder aus seiner Umarmung frei.
Oscar schaute entgeistert auf ihn, überrumpelt und zugleich überaus glücklich. Reynier nickte ihr kaum merklich zu, verhärmte sein Gesicht wieder und stieg auf sein Pferd.
„Es war wieder einmal schön Euch gesehen zu haben, Lady Oscar", verabschiedete sich Graf de Girodel mit einem matten Lächeln von ihr und folgte dem General.
„Was gedenkt Ihr zu tun, da Eure Pflicht mir gegenüber nun erfüllt ist?!", fragte ihn General de Jarjayes, als sie Oscar und alle anderen weit hinter sich gelassen hatten.
„Wenn Ihr erlaubt, geleite ich Euch noch bis in die Normandie und dann kehre ich zu meiner Verwandtschaft ins Ausland zurück", erwiderte Girodel höflich. Die besagte Pflicht hatte er sich eigentlich selbst vor Jahren auferlegt. In der Zeit, als Lady Oscar nach Schweden verbannt wurde, nahm er sich zur Aufgabe, auf ihren Vater acht zu geben. Er wollte ihr auf diese Weise einen möglicherweise letzten Gefallen tun.
„Ich erlaube es Euch, selbstverständlich", meinte der General heiter und entriss ihn von dem endgültigen gedanklichen Abschied von Oscar. Reynier sprach weiter, ohne davon etwas mitzubekommen: „Ihr habt mich stets treu begleitet und dafür danke ich Euch. Meine Türen stehen Euch immer offen."
„Habt herzlichen Dank, General." Girodel ritt ohne Eile weiter neben ihm einher und unterhielt sich mit ihm über ihre gemeinsamen Erlebnisse.
Oscar sah ihrem Vater noch eine Weile nach. Sie war von der letzten Last befreit, die sie all die Jahre noch mit sich getragen hatte. Sie saugte die laue Aprilluft in ihre Lungen, ließ sie in sich wirken und atmete langsam aus. Andre trat hinter sie und legte sachte seine Arme um sie. „Wir haben es geschafft, Liebes..."
„Ja, das haben wir..." Oscar fasste Andre am Arm und verharrte mit ihm eine kurze Weile in diesem unbeschreiblich schönen Moment. Andre und sie waren nun frei. Ihr Vater hatte ihnen vergeben. Er hatte sie als Tochter in den Armen gehalten und in das Leben einer Frau entlassen - an die Seite von Andre, mit dem ihr ganzes Leben bereits verbunden war. Er hatte ihr und Andre seinen Segen gegeben und das war ein wundervolles Gefühl: Es war der innerliche Frieden, auf den sie so lange gewartet und nach dem sie sich so sehr gesehnt hatte. Das zweite Leben war erfüllt.
Hmmm... Ähm... Ja... Meine erste Fanfic ist zu Ende und ich bedauere es fast... Aber gleichzeitig bin froh und stolz darauf. ;-)
Bevor wir zu dem „Ü" übergehen, schreibe ich dir hier eine kleine Geschichte. Weißt du noch, als ich dir offenbart habe, dass ich meine Story an das Ende von deinem „Licht und Schatten" angeknüpft habe? Ich hoffe, du verzeihst mir, dass ich es wieder tue... Und zwar hier und jetzt. XD
Das zweite Leben war erfüllt. Oscar und Andre waren von der letzten Last befreit. Also griff der Schatten erbarmungslos nach ihnen und zerrte sie zurück in die finstere Zwischenwelt. Sie verloren sich aus den Augen und Oscar war wieder dort, als sie beim Sturm auf Bastille verstorben war und in der grenzenlosen Dunkelheit herumirrte – auf der Suche nach ihrem Andre. Und nebenbei trug sie wieder ihre blaue Uniform. „Nein!" schrie sie aufgebracht und verzweifelt: „Warum geschieht das?! Andre! Wo bist du?!" Aber nicht einmal ein Echo antwortete ihr.
Ich seufzte tief. „Es tut mir leid, Oscar, aber ich musste es tun – als Übergang für meine nächste Story...", sagte ich zu ihr in meinen Gedanken.
Oscar war hellhörig. Schlagartig sah sie sich um, aber konnte niemanden entdecken. Wie denn auch? Ich habe sie ja in völlige Finsternis geschickt und stelle mir ihre Verwirrung bildlich vor. „Wer ist das? Antwortet!" schrie sie – anscheinend hatte sie meine Gedanken gehört. Kein Wunder, denn ich wollte es so.
„Beruhige dich, Oscar, ich werde dir schon nichts antun... Obwohl, doch... Immerhin bist du ein Produkt der Phantasie... Aber das erkläre ich dir später..."
„Was soll das heißen?!" Oscar ließ sich nicht beruhigen. Das war wohl von ihr zu erwarten. „Wer seid Ihr? Zeigt Euch!"
„Es tut mir leid es dir sagen zu müssen, aber du wirst mich nicht sehen können...", antwortete ich ihr in meinen Gedanken und Vorstellung. „Aber du kannst mich Saphira nennen. Und ich bitte dich: Lass es mit diesen Förmlichkeiten. In meiner Welt ist es nicht notwendig."
„Was soll das schon wieder heißen?!" Oscar war immer noch aufgebracht und beiläufig auch wütend.
In Anbetracht der Umstände, konnte ich das ihr nicht verübeln. „Also gut, ich versuche es dir zu erklären, aber im Gegenzug wirst du dich beruhigen."
„Das hängt davon ab, was Ihr mir zu erklären habt!", spie Oscar mir entgegen und dann plötzlich verzog sie eine sarkastische Grimasse: „Oh, entschuldige, ich vergaß: Saphira... Was ist das für ein merkwürdiger Name?!"
Ich verzog auch ein Grinsen – immerhin beruhigte sie sich. „Das ist nicht mein wirklicher Name. Es ist ein Pseudonym. Ich bin in so etwa ein Autor und schreibe Geschichten – auch über dich. In Wirklichkeit heiße ich Irina – ein russischer Name, aber ich wohne in Deutschland."
Ich merkte in meiner Vorstellung, wie Oscars Augen sich vor Staunen weiteten. Ich vermute, ihr kam Marie Antoinette in den Sinn, denn diese kam ja aus Österreich. „Deutschland..." faselte Oscar und fasste sich gleich zusammen. „...aber wie kommt es, das wir uns verstehen?! Oder kannst du Französisch?"
Ich musste mir bei dieser Frage ein Lachen verkneifen. „Ich sage mal so, ich könnte Französisch, aber an der Sprache mangelt es mir..." Den Witz hat Oscar selbstverständlich nicht verstanden und zog ihre Braunen streng zusammen. Ich wechselte daher gleich das Thema: „Wie ich es dir bereits sagte, du bist ein Produkt der Phantasie und daher verstehen wir uns, weil ich es mir so erdacht habe."
„Ein Produkt der Phantasie..." Oscar umfasste ihren Kinn und grübelte nach. Dann war sie wie vom Donner gerührt. „Heißt es etwa, mich hat es nie wirklich gegeben?!"
„Nein..." sagte ich ihr aufgeschlossen: „...so wie auch deinen Andre."
Ich merkte, wie Oscar bei Erwähnung von Andre zusammenzuckte. Bestimmt stach es ihr schmerzlich im Brustkorb. Es bestätigte sich, als sie nach oben aufsah und ihren Tonfall milderte: „Wen so ist... dann... dann könntest du ihn genauso hierher bringen wie mich?"
„Ja, das kann ich."
Ich bemerkte sofort ein Aufleuchten in ihren Augen. „Bitte..." war das einzige, was ihre Lippen formten.
Ich überlegte. „Nun gut..." sagte ich mit einer List: „...aber du wirst dich danach nicht mehr aufregen."
„Ich verspreche es!" gelobte Oscar und schaute mit ihren himmelblauen Augen nach oben, als würde sie mich direkt sehen können.
Ich glaubte ihr, denn Oscar zählte eigentlich zu denjenigen Menschen, die ihren Versprechen einhielten. Bevor ich mir Andre vorstellte, fragte ich sie kurz: „In welcher Form möchtest du ihn wiedersehen?"
Oscar verzog eine fragliche Miene, aber dann schien sie meine Frage verstanden zu haben, denn sie war gleich wieder aufgeschlossen: „Ich möchte, dass er wieder sehen kann!"
Diesen Wunsch hatte ich schon geahnt und stellte mir in meinen Gedanken Andre vor. „Du kannst dich umdrehen, Oscar." Es war schön und rührend zu beobachten, wie Oscar auf ihren Absätzen herumwirbelte und selig losrannte. Andre stand nur wenige Schritte von ihr entfernt und breitete seine Arme aus, als er sie sah. Sie fielen sich in die Arme und versiegelten ihre Lippen mit einem innigen Kuss. Aber für kurz.
Oscar löste sich von dem Kuss als erste. „Andre... mein Geliebter...", flüsterte sie atemlos und strich ihm die Haare von der linken Gesichtshälfte – er hatte kurzes Haar und trug seine blaue Soldatenuniform. Das schien sie aber nicht zu stören. Sie sah ihm direkt in die Augen und er in die ihre, was bedeutete das er sehen konnte und zwar mit beiden Augen. Das entlockte ihr ein süßes Lächeln.
„Oscar, meine liebste Oscar..." Andre lächelte zurück, aber gleich darauf wirkte er ernst und wunderlich: „Es ist wundervoll, dass wir wieder zusammen sind. Aber was passiert wieder mit uns? Sind wir etwa schon wieder geboren? Aber warum? Wir hatten doch so ein schönes Leben! Und wo sind unsere Söhne?"
„Sie gibt es nicht..." entfuhr es Oscar: „..und auch nie gegeben."
„Was sagst du?" Andre weiteten sich die Augen: „Ich verstehe nicht..."
Oscar seufzte schwer. „Ich auch nicht... Aber wir sind Produkt einer Phantasie..."
Um Oscar die Mühe zu ersparen, mischte ich mich ein. „So sieht`s aus, Andre. Euch zwei gab es nicht wirklich, aber manche Leute wünschen, dass es euch gäbe und schreiben Geschichten über euch." (Über Anime erwähnte ich nichts, sonst würde es für die zwei noch komplizierter.)
Andre sah sich ruckartig um, ohne dabei Oscar aus seinen Armen loszulassen. „Was geht hier vor?! Wer seid Ihr?!"
„Eine gewisse Saphira..." brummte Oscar, bevor ich mein Kommentar abgeben konnte. „Und wir können sie nicht sehen, dafür aber sie uns..."
„Was hat es zu bedeuten?!" Andre schaute ungläubig drein.
„...sie schreibt über uns Geschichten", beendete Oscar und verzog ihren Gesicht.
„Ich verstehe immer noch nichts..." Andre umschloss Oscar noch fester in seinen Armen, als befürchte er sie zu verlieren.
Das konnte ich ihm nicht verdenken. Ich versuchte es ihm zu erklären. „Hör zu, Andre, es wird wohl besser, wenn du und Oscar euch mit dieser Tatsache abfindet und keine Fragen mehr diesbezüglich stellt. Das wird sonst zu viel Zeitaufwand kosten, um euch aufzuklären. Und es steht in den Sternen geschrieben, ob ihr das überhaupt verstehen können würdet. Und das stimmt, was Oscar sagt – ihr beide seid ein Phantasieprodukt und man schreibt über euch Geschichten."
„Dann war das, was wir gerade durchlebt hatten, erdacht?" Andre war immer noch verwirrt, aber behielt wenigstens seine Gelassenheit. Diese Eigenschaft musste man ihm lassen.
„So sieht es aus", bekräftigte ich ihm. „Das was ihr durchlebt habt, war eine von mir geschriebenen Geschichten über euch und deswegen hab ich euch zurückgeholt, um in die Nächste einzuführen."
„Wie bitte?!" Oscar war empört: „Es gibt noch mehr Geschichten über uns?"
„Oh, ja..." sagte ich mit ehrlicher Inbrunst: „Und nicht nur von mir. Es gibt viele Autoren, die über euch schreiben..."
„Was wird über uns noch geschrieben!" Oscar stieg eine Zornesröte ins Gesicht, aber sie versuchte sich krampfhaft zu beherrschen. „Und wer wagt solches zu tun?!"
„Viele nette und liebe Leute, die euch mögen und wünschen, dass ihr schon frühzeitig zusammenkommt und bis ans Ende euren Tage glücklich miteinander lebt", erklärte ich ihr knapp und fügte noch ehrlich hinzu: „Aber nicht jeder Autor lässt euch sofort zusammenkommen. In manchen Geschichten, bist du, meine liebe Oscar, vorerst mit Girodel oder von Fersen verheiratet, bevor du zu Andre zurückkehrst."
„Wie bitte?!" Andre und Oscar waren gleichermaßen fassungslos. Aber dann schien es ihnen zu dämmern, dass die Beispielgeschichten nicht von mir waren und Oscar lachte trocken auf: „Ha! Gut, dass Andre und ich nicht in diesen Geschichten mitwirkten! Das ist doch absurd! Ich werde nie im Leben Girodel heiraten wollen! Lieber sterbe ich..."
„...und von Fersen?", unterbrach Andre sie vorsichtig und senkte unsicher seinen Blick. „..würdest du ihn jemals heiraten wollen?"
„Andre..." Oscar begriff schnell, dass sie etwas falsch gesagt hatte. Sie schob ihm ihren Finger unter dem Kinn und hob sein Gesicht. „Sieh mich bitte an...", bat sie ihn und das tat er. Oscar tat es im Herzen weh, ihn verzweifelnd und beinahe verloren zu sehen. Sie versuchte sich so sanftmütig wie möglich zu korrigieren: „Niemals... Niemals werde ich einen anderen Mann so lieben können wie dich... nicht einmal von Fersen... Das musst du wissen, Andre, mein Geliebter..."
„Ach, Oscar..." Andres Gesicht erhellte sich und er schloss seine Oscar stürmisch in die Arme: „...wie ich dich liebe!"
Oscar lachte reines Herzens und steckte damit auch Andre an. Mir rührte schon wieder das Herz und ich hätte ihnen länger zugesehen, aber es war Zeit mit einer neuen Story zu beginnen. „Entschuldigt, ihr beiden, aber die Zeit drängt und meine nächste Geschichte beginnt bald..."
Das Pärchen wurde mit einem mal ernst, aber lösten sich nicht aus der Umarmung. „Die nächste Geschichte...", wiederholte Oscar ausdruckslos und stellte schon gleich eine Frage: „Wird sie genauso ablaufen, wie deine Letzte?"
„Nein." offenbarte ich ihr aufrichtig: „Du und Andre werdet in dieser Geschichte nicht zusammen aufwachsen. Andre wird bei seinen Eltern in Paris wohnen und dich nur vom hören kennen, wenn seine Großmutter zu Besuch kommt. Aber keine Sorgen, ihr werdet euch genug begegnen und dann werdet ihr irgendwann ein Paar."
„Ich werde bei meinen Eltern aufwachsen?" Andre war sichtlich baff. „Wenn ich mir überlege, dann kann ich mich an meine Eltern nicht einmal erinnern..."
„Dann hast du die beste Gelegenheit, sie kennenzulernen." Das war Oscar, die das sagte. Und sie lächelte matt.
„Das stimmt..." Andre erwiderte ihr das Lächeln.
„Dann lass uns gemeinsam auch diese Geschichte bestreiten...", beschloss mutig Oscar und fasste seine Hand.
Andre umschloss kräftig ihre Hand in der seinen. „Ja, Liebes, gemeinsam werden wir schon alles durchstehen." Dann sah er nach oben und richtete an mich seine nächsten Worte: „Wir sind bereit."
Ich glaubte ihm. Anscheinend begriffen sie beide, dass ihnen nichts anderes übrig blieb und dass sie meiner autorischen Willkür ausgeliefert waren. Denn ich würde sie so oder so in meiner nächsten Geschichte einwerfen und einsetzen, auch ohne deren Zustimmung oder Gegenwehr. Es war einigermaßen für mich erheiternd, dass sie zustimmten und von sich aus bereit waren, denn mir wäre unbehaglich sie zwingen zu müssen. Ich stellte mir eine Tür vor. Sie öffnete sich und ein grelles Licht durchbrach wie ein Strahl die finstere Dunkelheit. Andre sah wieder Oscar an und diese nickte ihm einvernehmlich und entschlossen zu, was ihn zum schmunzeln bewog. Hand in Hand machten sie einen Schritt auf den hellen Ausgang zu, als ich sie mit Bedauern zum Stehen bewog. „Es tut mir leid...", entschuldigte ich mich: „...aber ihr könnt nicht zu zweit dadurch hingehen." Ich merkte sofort, wie die Missmut in allen beiden Gesichtern hochstieg und versuchte sie gleich zu beschwichtigen: „Versteht mich jetzt nicht falsch, aber die Geschichte beginnt mit Andre und er soll daher als erster durch diese Tür gehen. Du bist dann etwas später dran, Oscar... Und noch etwas: Wenn ihr dadurch geht, werdet ihr alles vergessen, was ihr bisher erlebt habt und was hier und jetzt passiert ist... Ihr werdet wieder jung sein und euer Leben sozusagen von neu an beginnen..."
Das Pärchen atmete tief durch und Oscar sagte das, was auch Andre dachte: „Na gut, damit können wir noch leben..." Sie verabschiedeten sich mit einer innigen Umarmung, einem Kuss und einigen Liebesworten. Dann ging Andre und Oscar blieb wieder alleine. Sie sah ihm eine Weile nach, bis seine stämmige Statur hinter der Türschwelle verschwand und nichts mehr außer diesem grellen Lichtstrahl zu sehen war.
„Jetzt kannst du auch gehen...", flüsterte ich ihr in meinen Gedanken zu und Oscar nickte. Entschlossen richtete sie sich auf und marschierte in ihrer ganzen Würde auf die Tür zu. „Warte einen Moment, Oscar...", hielte ich sie auf, kaum sie die Tür erreichte. „Ich möchte, dass du mir einen kleinen Gefallen tust..."
Oscar blieb stehen und sah zu mir nach oben beinahe argwöhnisch. „Was gibt es?!" Ich machte mir nichts daraus und zauberte ihr eine sattgrüne Schleife, die vor ihren Augen durch die Luft langsam nach unten abgleitete. Oscar fing sie systematisch auf und betrachtete sie verwundert. „Ein Haarband? Aber..."
„Das ist für Andre" klärte ich sie nett auf: „Ich möchte, dass du ihm dieses Haarband schenkst, natürlich wenn du mit deinen Gefühlen zu ihm soweit bist. In der nächsten Geschichte wird er anfangs kurzes Haar tragen, aber dann wächst es und wird ihn bei euren Fechtübungen stören."
Oscar nickte wieder Wortlos, ohne den Blick von der Haarschleife abzuwenden. „In Ordnung, diesen Gefallen werde ich tun können..." Dann fiel ihr urplötzlich etwas ein und sie richtete ihren Augenmerk wieder zu mir nach oben: „...aber wie werde ich es tun können, wenn ich mich nicht mehr an hier und jetzt erinnern werde?!"
„Ich werde es schon so arrangieren, dass du es tun könntest, keine Sorge", beruhigte ich sie.
Oscar verzog daraufhin eine einleuchtende Grimasse und lächelte schief. „Ach ja, natürlich... Beinahe hätte ich es vergessen, dass du über unsere Schicksale bestimmen kannst... Aber gehe mit uns, vor allem mit Andre sorgsam um, hörst du?! Bitte..." Gleich darauf atmete sie auf, schloss ihre Augen und führte das Haarband an ihre Lippen. „Ach, was soll´s... Ich werde dich wiedersehen, mein Andre und dann werden wir zusammen sein..." Sie schloss das grüne Haarband fester in ihrer Hand, öffnete ihre Augen und überwand entschlossen die letzten Schritte zu der Tür.
Ich sah ihr in meiner Vorstellung so lange nach, bis das grelle Licht ihre schlanke Statur umhüllte und ich dann hinter ihr die Tür schloss. Ich hoffe, diese eine kleine Unterhaltung zwischen mir und Oscar hat dir gefallen, meine liebe Broedl. XD
Bevor wir zu dem eigentlichen „Ü" übergehen, möchte ich ein herzliches Dank an dich aussprechen. Dankeschön, dass es dich einfach gibt, dass wir uns so sehr angefreundet haben und dass du so gerne mit meinen Schreibfehlern herumschlägst. Sei lieb von mir gedrückt und geknuddelt. Entschuldige, bin nicht der Mensch von großen und blumigen Worten, das gelingt mir irgendwie nicht sonderlich, aber ich denke, dass du verstehst, was ich meine und dass es vom Herzen kommt. ;-)
Und nun ist hier das versprochene Ü von mir für dich. Das ist ein übersetztes Lied vom russischen her und heißt „Die weißen Rosen":
Etwas wärmer hinter dem Glas, aber der böse Frost Gehe durch diese Türen, wie in Garten der Juliblumen Ich würde sie so gern wärmen, aber die weißen Rosen Vor all den Augen bin bereit zu küssen und streicheln Ich würde sie so gern wärmen, aber die weißen Rosen Vor all den Augen bin bereit zu küssen und streicheln Weiße Rosen, weiße Rosen, schutzlos sind die Dornen Was hat denn mit ihnen Schnee und Frost gemacht, Eis der blauen Vitrinen Menschen schmücken mit euch ihre Feier nur für paar Tage Und lassen euch sterben am weißen, kalten Fenster Aber Menschen bringen euch mit sich und spät abends Soll halt Licht der Feierlichkeiten füllt im Augenblick alle Fenster im Hof Wer hat euch ausgedacht im Winter zu wachsen, oh, weiße Rosen Und in die Welt bringen erbarmungslose Stürme, kalte Winde Wer hat euch ausgedacht im Winter zu wachsen, oh, weiße Rosen Und in die Welt bringen erbarmungslose Stürme, kalte Winde Wer hat euch ausgedacht im Winter zu wachsen, oh, weiße Rosen Und in die Welt bringen erbarmungslose Stürme, kalte Winde Weiße Rosen, weiße Rosen, schutzlos sind die Dornen Was hat denn mit ihnen Schnee und Frost gemacht, Eis der blauen Vitrinen Menschen schmücken mit euch ihre Feier nur für paar Tage Und lassen euch sterben am weißen, kalten Fenster Ich hoffe, meine Übersetzungskunst ist mir wenigstens halbwegs gelungen. ^^ Wenn nicht, dann kannst du es umändern, wie es dir passender scheint. Dieses Lied ist ganz alleine für dich. ;-) Bis später, man schreibt sich und viele liebe Grüße. :-)