Sicherlich jeder von euch kennt die wundervollen Zeichnungen von (entweder von Instagram, Pinterst oder oder oder). Beim Durchblättern bin ich auf dieses Bild hier gestoßen p/Br8VxEPl74H/ und auch wenn es nicht vom Harry Potter Fandom stammt, hat es mich zu folgendem Inspiriert:

_

Letters

Es war gegen vier oder fünf Uhr. Die aufgehende Sonne stand schräg. Der Wind wehte heftig. Entfernt trudelte eine Flagge der Föderation Arabischer Republiken gegen ihre Stange. In letzter Zeit wurde sie außerordentlich häufig gehisst, wohl wegen der Camp-David-Verhandlungen, von denen ständig im Radio berichtet wurde.

Mit den vorherrschenden 60° Fahrenheit war es heute früh ausgesprochen kühl. Wenn er aufsah, konnte er immer noch den sternenklaren Nachthimmel erblicken, der mit dem aufkommenden Rotschimmer immer mehr an Intensität verlor.
Der Wind trug aus dem unweit entfernten Lager arabische Musik, die aus Lautsprechern tönte, an sie heran, gefolgt von den frühmorgendlichen Sportnachrichten. Bald würde der erste Ansturm der Touristen folgen.
Bibbernd zog Severus die Wolldecke enger um seinen dünnen Leib. Den Sockel der Kolossalstatue zu seiner Linken, schützend verborgen von dem herabgestürzte Arm des südlichen Memnonkoloss, sah der Zauberer hinab auf das Pergament, dass er auf seinem Schoß gebettet hatte. Seit einer gefühlten Ewigkeit starrte er die einzigen zwei Worte an, die sich auf dem Pergament befanden: „Liebste Lily"

Mit dem Gefieder der Feder fuhr er sich nachdenklich über seinen kurzgeschorenen Haarschopf, hatte er sich doch immer noch nicht an diesen eigenwilligen Haarschnitt gewöhnen können. Seinen Schläfe seitlich an dem Sockel des Memnonkoloss ruhend, kroch die Kälte an seinem Rücken hinauf.

Neben ihm schien sich sein Begleiter zu regen. Beklommen öffnete Avery die Augen, sah mit trüben Blick zunächst hinauf in den Himmel, dann erst zu Severus. Der weiße Kaftan, faltig und staubig, war an seinen Armen hinauf gerutscht und entblößte das eingebrannte Mal am Unterarm.

„Wie spät?"

Die Stimme war trocken und belegt.

„Dreh dich noch einmal rum", gab Severus knapp zurück, die Feder in das Tintenfass tauchend. Seitlich an Daumen und Zeigefinger hatten sich mittlerweile mehrere blaue Flecken gebildet. Der andere Slytherin tat wie ihm gehießen, zog die Ärmel des Kaftan hinab zu seinen Handgelenken und warf sich auf die andere Seite.

Für einen Moment schnellte der Blick des Schwarzhaarigen selbst hinab, dort hin wo sein linker Unterarm gebettet auf der Decke lag, ehe er seine Aufmerksamkeit wieder dem Pergament widmete. Auf Dauer wäre es unmöglich geworden, ihr Dunkles Mal zu verheimlichen, wenn sie weiter im Ausbildungslager geblieben wären.
So waren sie für die anderen Auszubildenden diese merkwürdigen, zurückgezogenen Engländer, die kürzlich ihre schulische Laufbahn in Hogwarts gemeistert hatten.

Wieder tunkte er die Feder in das vor ihm befindliche Tintenfass, setze an, um einen Satz zu formulieren und hielt dann inne. Wenn er so weiter machen würde, würde auch dieses Tintenfass in kürze zu neige gehen.

Erst kürzlich waren sie durch die muffig riechenden Basare des kleinen Städtchen Qus, unweit von der oberägyptische Provinzhauptstadt Qena, nördlich von Luxor spaziert, Severus verzweifelt auf der Suche nach neuer Tinte, Avery aus reinem Zeitvertreib. Sie hatten über Filme, die sie in England gesehen hatten, gesprochen und schlenderten dabei durch das geschäftige Treiben. Gemeinsam schlängelten sie sich zwischen den Lastenträgern, Bettlern und Handkarren hindurch, wanderten schmale Gassen entlang, die vollgestopft waren mit langen Reihen winziger, dicht bepackter Stände.
Jeder von ihnen beiden hatte einen vollen Wochenlohn für eine warme Flasche Coca-Cola und mit gehackten Pistazien bestreutes Rosenwassereis ausgegeben. In einem kleinen Antiquariat war Severus dann fündig geworden.

Dennoch, auch dieses Fläschchen ging mittlerweile zur Neige. Seine Ausbilderin, dieser peruanische Vipernzahn Rakepick, mit ihrem unsagbar nervigen Niffler Sickleworth, brauchte er nicht mehr fragen. Auf die Sticheleien dieser Gryffindor, mit ihrem falschen Ehrgeiz und ihren Haaren auf den Zähnen, konnte Severus geflissentlich verzichten.

Wieder gab Avery ein entnervtes Stöhnen von sich, während er sich auf die andere Seite warf.

Liebste Lily,
gestern stand ich tatsächlich das erste Mal vor einer wahrhaftigen Sphinx. Ich bin mir sicher, dass sie dir gefallen hätte. Wir hatten den Auftrag, das Grab zu räumen. Die Zuständigen vermuteten dort ein paar sehr mächtige Artefakte. Sicherlich kannst du dir vorstellen, dass die Sphinx nicht begeistert war, dass wir die Ruhe ihres ehemaligen Meisters stören wollten.

Argwöhnisch beäugte er die Hand voll Zeilen. Seine Schrift - unregelmäßig, stark geneigt und mit wenig Abständen zwischen den Buchstaben - konnte früher immer meisterlich von ihr entziffert werden. Dennoch riss er den beschriebenen Teil des Pergaments fein säuberlich ab und warf ihn ins Feuer.

Meine Liebste,
Lily ich bin mir sicher, dass du lieber hier wärst als im Auge des Krieges. Die Ausbildung ist hart, dennoch bin ich eigentlich recht zufrieden. Einige Schüler aus Uagadou haben Avery und mir zauberstablose Magie beigebracht. Ebenso ist eine echte Veela unter den Lehrlingen. Sie verdreht fast allen Männern den Kopf hier. Avery hat sie es auch ziemlich angetan.

Vielleicht war es nicht so klug Avery in diesem Brief zu erwähnen, dachte Severus bitter, löste das beschriebene Stück Pergament von der restlichen Rolle, zerknüllte es und warf es dem nur noch kokelnden Rest des letzten Entwurfs hinterher. Ächzend setzte er sich auf, lehnte sich mit dem Rücken gegen den Fuß der Statue und betrachtete seinen Begleiter, der vom heruntergebrannten Lager nur noch schwach beleuchtet wurde. Er hatte keine Lust mehr das Feuer mit seiner Magie zu füttern, sollte es doch Avery tun, wenn er – hoffentlich recht bald – erwachen würde. Severus streckte sich, gähnte und rutschte noch ein bisschen an dem Sockel herab.

Lily,
ich bitte dich - nein ich flehe dich an - lies diese Zeilen. Eigentlich habe ich es nicht verdient, aber ich habe nie die Hoffnung aufgegeben, dass du mir verzeihen könntest, dass ich dich mit diesem schrecklichen Wort gerufen habe. Du kannst es dir vielleicht nicht vorstellen, oder es ist dir vermutlich auch ziemlich egal, aber ich rette mich gerade so von einem Tag in den Nächsten. Wenn ich zurück bin, dann kann ich bei Gringotts anfangen. Als Fluchbrecher in England hätte ich dir endlich etwas zu bieten. Wir könnten aber auch diesen Krieg hinter uns lassen und einfach abhauen. Du wolltest doch immer die Welt sehen...

Sein Blick glitt hinüber zu den fernen Bergkämmen der thebanischen Berge, dessen kriechende Schatten, die das Tal in Dunkelheit hüllten, allmählich von der Sonne vertrieben wurden.
Wenn jemand von seinen Leuten diesen Brief in die Finger bekommen würde, würden sie nicht zögern, ihn wegen Verrät zu töten. Er tat das gleiche, was er schon die letzten hunderten Male getan hatte. Er warf ihn ins Feuer.

„Benutz' doch Feuerholz", raunte Avery schwach. Sein Kinn war auf seine Brust gesunken, sein Mundwinkel glänzte im diffusen Licht noch vom Speichel. Severus, tief in seinen Gedanken versunken, versuchte dem Chaos in seinem Kopf Herr zu werden. Zu seinen Füßen vegetierte graues Unkraut zwischen kargen Gestein, traurige Baumruinen standen unweit von ihnen entfernt.

„An wen ist der?"

„Mulciber", schnarrte er zurück. Ruhig sah Severus von seiner restlichen Rolle Pergament auf. Averys Stimme klang schneidend, wie eine abgefeuerte Armbrust: „ Lüg mich nicht an!"
Severus stöhnte gereizt. Sehr viel sanfter, was bei seinem Kumpanen nie ein gutes Zeichen war, hakte Avery nach:„ Hast du einen von denen schon abgeschickt?"

„Nein."

„Du widerst mich an", sagte Avery beiläufig und drehte sich nochmals um. Severus ignorierte die Beleidigung. Für diesen Moment begegnete er ihm mit der Ignoranz, die ihm angemessen schien. Es fruchtete. Avery zog sich sein Kissen über den Kopf und schnaufte.

Severus sah nach oben. Die mächtigen Steinquader, vor langer Zeit behauen und aufgetürmt, teilweise wieder eingestürzt. Lediglich grobe Reste der Konturen waren geblieben. Im Zwielicht wirkten die Kolosse wie unbarmherzige Richter, Scharen von Schatten hockten darauf und reflektierten mit ihren großen Pupillen das dämmrige Licht. Der Schwarzhaarige schmunzelte. In seinem neuen Platz im Universum empfand er etwas, das er schon seit langer Zeit nicht mehr genossen hatte: Ruhe.