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Und wieder mal juckt es mich gewaltig in den Fingern, was Neues rauszulassen. Mein altbekanntes Lieblingspairing geht in die nächste Runde :D
Liebe Grüße an euch alle, die besten Wünsche
houseghost
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All or nothing
Kapitel 1
Er steht wenige Meter entfernt von mir am Fenster, durch das das grünliche Licht des Sees hereindringt. Seine langen schwarzen Haare fallen auf den ebenfalls schwarzen Umhang, der seine Schultern bedeckt. Ich muss mich ernsthaft zusammennehmen, um nicht an dem dicken Kloß zu ersticken, der in meinem Hals feststeckt. Mit ihm alleine in einem Raum zu sein, ist selbst nach all den Jahren surreal – auch dann, wenn ich dabei nur auf seinen Rücken sehe.
„Sie wollten mich sprechen, Sir?", krächze ich unwillkürlich.
Snape stößt hörbar abgeneigt seinen Atem aus und dreht sich mir zu. Einen Moment ruhen seine mysteriösen schwarzen Augen auf mir. Ein maliziöses Glitzern geht von ihnen aus. Das dazu gehörende blasse Gesicht ist mir vertraut, doch es gibt kaum einen Anblick, der so großes Unwohlsein in mir auslöst. Seine Erscheinung gleicht einem Gemälde aus Farben, die heute keine Verwendung mehr finden. Gelbliches, schmutziges Weiß auf dem denkbar dunkelsten Grund. Die Hakennase, die fast zum festen Bezugspunkt eines jeden Betrachters wird – wären da nicht diese Augen –, sitzt markant zwischen hohen Wangenknochen.
„Setzten Sie sich." Eine Stimme wie tiefes Donnergrollen.
Ich gehorche; er selbst setzt sich erst nach kurzem Zögern in Bewegung. Lautlos, einem fließenden Schatten gleich, gleitet er zu seinem Schreibtisch. Nur das Ende seines langen Umhangs schleift leise über den Boden. Nachdem er seinen Stuhl zurechtgerückt hat, hebt er den Stoff behutsam an und setzt sich.
Es gibt keine Vorwarnung; zuerst ein zynisches Grinsen, das Falten seiner Hände auf dem Tisch, dann bricht wie ein gewaltiger Sturm seine kraftvolle Stimme aus ihm heraus – ohne laut zu werden, wie es sich versteht. Eine Kunstfertigkeit, die nur er besitzt.
„Professor Dumbledore befindet sich in London, wo er versucht, das Schlimmste abzuwenden."
Ich habe das Gefühl, die Hölle verschlingt mich, dabei weiß ich noch nicht mal, worum es geht.
„Er schickte mir seinen Patronus, um mich über das Wichtigste zu informieren. Des Weiteren wurde ich von ihm beauftragt, Sie über bevorstehende Veränderungen zu informieren", fährt er monoton fort. Dann räuspert er sich und seine Stimme wird sehr eindringlich: „Miss Granger, das Zaubereiministerium sieht zur Erhaltung des magischen Blutes vor, ein verpflichtendes Gesetz zur Eheschließung einzuführen. Alle Hexen ab einem Alter von siebzehn Jahren müssen fortan mit einem Zauberer verheiratet werden."
Ich mache entsetzt den Mund auf, starre ihn an und begreife nicht, was er sagt. Snape durchbohrt mich unablässig mit seinem scharfen Blick, doch es dauert eine gefühlte Ewigkeit, bis er weiter spricht. „Ihr Geburtstag findet in zwei Wochen statt?"
Tränen schießen mir in die Augen, vernebeln meine Sicht. Ich bin wie paralysiert und nicke schwach. Warum muss ausgerechnet Snape mir diese Hiobsbotschaft übermitteln? Er ist ein sehr schwieriger Mensch – der strengste Lehrer unserer ganzen Schule. Nicht mal seine Kollegen kommen gut mit ihm aus. Trotzdem sieht man ihn ständig an Dumbledores Seite.
„Um Sie in dieser schweren Situation zu unterstützen, hat Professor Dumbledore bereits einen Plan ausgearbeitet, der vorsieht, Sie mit mir zu verheiraten. Sie sind nicht an mir interessiert und ich nicht an Ihnen. Insofern bleibt mir das Gerede über etwaige Avancen erspart."
Sprachlos vor Entsetzen verfolge ich das kaum merkliche Spiel seiner dünnen Lippen, während diese grausamen Worte seinen Mund verlassen; in meinem Hals verdoppelt sich der Kloß.
Ich soll also heiraten.
Ihn.
Um dem Zaubereiministerium einen Gefallen zu tun.
Dass wir uns nicht ausstehen können, ist keine Frage. Aber er hätte die Möglichkeit gehabt, es etwas taktvoller zu umschreiben. Leider ist Snape der unberechenbarste Mensch, den ich kenne. Und das will was heißen.
Mit der magischen Gesellschaft verhält es sich so, dass sie nirgendwo richtig einzuordnen ist. Man könnte sie vielleicht als kompliziert und vielfältig bezeichnen, würde ihr jedoch nur bedingt damit gerecht werden. Die einen sind extrem halsstarrig, die anderen außerordentlich leidenschaftlich, verbittert, verbohrt oder verträumt. Im Gegensatz zu den Nichtmagiern fällt es uns besonders schwer, unsere Emotionen im Griff zu halten. Magie ist ein reines Pulverfass. Oft genügt schon ein kleiner Funke und alles im größeren Umkreis sollte vorsorglich besser in Deckung gehen.
Ein angewiderter Ausdruck huscht über sein Gesicht. „Im Grunde genommen wäre es nur eine vorgetäuschte Ehe, womit Ihnen geholfen wäre. Aber ..." Er hält den Atem an.
Nein, bitte kein Aber, flehe ich in Gedanken; ich ahne bereits, dass er meine Hoffnungen sogleich zunichte machen wird.
„Wir werden zusammen leben müssen."
Meine Augen weiten sich vor Schock. „Sie und ich?", hauche ich leise.
„Als Mann und Frau." Nicht ein Funken Gefühl hängt seiner Stimme an, aber das habe ich auch nicht von jemandem wie ihm erwartet.
Trotzdem werde ich stutzig. „Und für Sie ist das in Ordnung so?", wage ich zu äußern.
„Ich sehe keinen Ausweg. Wenn das Ministerium etwas -"
„Nicht das Ministerium. Es geht um Dumbledore. Warum widersetzen Sie sich ihm nicht?"
Seine Augen blitzen kalt auf. „Das ist nicht Ihre Angelegenheit", sagt er drohend.
„Wenn ich Ihren … Vorschlag ablehne, wird es vielleicht Ihre Angelegenheit."
Dumbledore hat einen Narren an mir gefressen, was Snape nur zu gut weiß. Mein Schulleiter war verzückt, als er von meiner magischen Begabung erfuhr, und kam persönlich in mein Elternhaus, um uns darüber zu unterrichten. Ich erinnere mich noch an das Strahlen in seinen blauen Augen.
Ihre Tochter ist etwas ganz Besonderes, Mr und Mrs Granger.
Anscheinend war ich das wirklich. Alle paar Jahre, manchmal auch Jahrzehnte, wird ein Kind geboren, das nicht aus einer Familie stammt, in der magisches Blut vorkommt. Und eines dieser seltenen Kinder bin ich. Seit sich das herausgestellt hat, ist Dumbledore so etwas wie mein Pate geworden. Er wacht über mich, kümmert sich rührend um meine Ausbildung und sorgt dafür, dass ich in der Bibliothek Zugang zu Bereichen habe, die anderen Schülern untersagt sind. Aufgrund dessen habe ich mir den Ruf der besten Schülerin in ganz Hogwarts erarbeitet. Manche finden, dass er seine Fürsorge hemmungslos übertreibt. Sie haben recht. Doch bei seiner Vorgeschichte kann ich es verstehen. Er hat in jungen Jahren seine Schwester verloren und sieht in mir ein Abbild von ihr.
Snape scheine ich eher ein Dorn im Auge zu sein. Seine Brauen ziehen sich in der Mitte zusammen, sodass eine dunkle Furche hervortritt. „Haben Sie nicht zugehört?", spuckt er, ein unverkennbarer Anflug von Ungeduld im Ton.
„Oh, das habe ich", gebe ich mit schmerzverzerrtem Gesicht zu. Glaubt er, mir fällt es leicht, das hinzunehmen? „Ich lasse mich nur nicht so leicht für dumm verkaufen. Sie sagten, Sie sehen keinen Ausweg. Aber ich bin sicher, Dumbledore hat einen Ersatzplan auf Lager. Es gibt immer Alternativen."
„Natürlich", trieft es wie flüssiges Öl aus ihm heraus. „Sie haben die Möglichkeit, Ihre Fesseln an die magische Welt zu kappen und unterzutauchen. Keine Magie mehr, keinen Zauberstab, keinen Kontakt mehr zu Ihren Freunden. Nie wieder."
Ich schlucke hart. Unter diesen Umständen sieht alles noch düsterer aus. Was soll ich machen? Ich bin als Hexe geboren und fühle mich diesem irren Haufen zugetan. Wenn ich meine Magie aufgebe und davonlaufe, findet mich das Ministerium früher oder später vielleicht sowieso. „Das hat Dumbledore gesagt?" Meine Stimme ist so schwach, dass ich Zweifel habe, ob er mich hören kann.
Ein verschlagenes Grinsen ziert sein Gesicht. „Dachte ich mir. Sie sind viel zu leicht zu durchschauen. Herzlichen Glückwunsch zur Verlobung."
So ein selbstgefälliges Aas. Ich antworte mit einem finsteren Blick.
„Nun, um Ihre Frage zu beantworten, genau das hat Dumbledore gesagt", bestätigt er erhaben. Wie ein heranpirschendes Raubtier beugt er sich zu mir vor und offenbart seine unschönen etwas gelblich wirkenden Zähne. „Und jetzt lassen Sie mich Ihnen etwas sagen", flüstert er sanft. „Ich gebe einen feuchten Dreck auf Ihre Anwesenheit an dieser Schule. Noch weniger darauf, Sie irgendwie in meinem Leben zu haben. Wenn wir dieses Arrangement also treffen, werden wir der Welt, in der wir leben, etwas vorspielen müssen. Da das Teil meines Berufes war, habe ich Erfahrung darin. Sie jedoch werden sich zusammennehmen, verstanden?"
„Ihre Arbeit? Doch nicht etwa die, die Sie für den Orden geleistet haben", versuche ich herauszufinden.
Vor nicht allzu langer Zeit gab es einen schrecklich bösen Zauberer, der sich Lord Voldemort nannte. Gierig nach Macht und Einfluss, sammelte er Anhänger um sich und stürzte die Zaubererschaft ins Chaos. Am Höhepunkt seiner Macht wurde er aufgehalten und getötet. Eine legendäre Widerstandsgruppe namens Phönixorden, deren Gründer unser jetziger Schulleiter Albus Dumbledore war, stellte sich ihm entgegen. Auch Snape gehörte ihr an, und wenn ich nicht völlig falsch liege, hat der Krieg in ihm tiefe Spuren hinterlassen.
Sein Ausdruck wird unleserlich. „Das ist nicht von Bedeutung", sagt er seidig. „Und Sie werden nicht weiter danach fragen. Ich habe zu viel gesehen, Granger, um mir von Ihnen alles durcheinanderbringen zu lassen."
Mit dem Rest hüllt er sich in Schweigen, und auch mir wird langsam bewusst, dass wir uns nichts mehr zu sagen haben. Meine Welt ist wie eine Kugel aus Glas über mir zusammengebrochen.
Ich spüre einen Splitter in meine Eingeweide vordringen. Ich werde heiraten. Dabei fühle ich mich, als müsste ich mich jeden Augenblick übergeben.
