Prolog:
Ich hätte nie gedacht hier zu landen.
Manchmal wünschte ich, dass wäre niemals passiert.
Mir niemals passiert,
Rainbow niemals passiert.
Ich war nie die Person für solche Dinge.
Ich war alles in meinem Leben. Freundlich, lustig, großzügig, ehrlich, treu und viele Leute sagten ich hätte irgendwas Magisches an mir. Wie kann es anders sein? Ich bin ein Brony, ein Fan der Serie "My Little Pony - Freundschaft ist Magie" . ich hatte bisher alle Episoden gesehen und kann mich sogar einen Experten nennen, wenn es um die Serie geht. Und nicht nur das, durch die Serie entdeckte ich viele Eigenschaften an mir, aber diese Erfahrung hat sie mir alle wieder genommen.
Ich hatte vor kurzem meine Weiterbildung abgeschlossen und suchte einen Job als Manager bei guter Bezahlung. Und ich entdeckte einen Job, den ich nie hätte entdecken dürfen. Der Empfänger war mir unbekannt, doch ich hatte keine Alternative. Also habe ich dieses kleine Detail übersehen und meine Bewerbung abgeschickt. An den nächsten Tagen erhielt ich eine Nachricht. Ich sollte zu einem unbekannten Bahnhof in meiner Gegend so schnell wie möglich gehen, wo eine Dampflokomotive mich abholen sollte. Ich wünschte nur, ich wäre nie in diesen Zug eingestiegen. Dieser Zug sollte mich an mein Ziel bringen. Als ich dort ankam, sollte ich feststellen, dass es Dinge hinter dem Regenbogen gibt, die besser unentdeckt bleiben.
Ihr kennt bereits die Rainbow Factory. Ihr wisst bereits, was die Ponys dort durchmachen müssen. Aber ihr wisst nicht, wie es ist, dort zu arbeiten. Ihr wisst, wie es sich anfühlt, wenn junge, schieben den Hebel; verantwortlich zu sein für das, was dort geschieht. Ich werde euch erzählen, wie es hinter den Kulissen zugeht... bis zum bitteren Ende. Das ist meine Geschichte. Meine Geschichte als Co-Manager der Rainbow Factory.
Kapitel 1 - Jobsuche
Endlich! Ich hatte meine Weiterbildung abgeschlossen. Jetzt war ich bereit, als Manager eines Unternehmens zu arbeiten. Es war nicht einfach, aber ich hatte es geschafft. Ich konnte es nicht glauben. Ich konnte nun der Manager eines großen Unternehmens werden. Ich würde große Verantwortung bekommen...und ein sehr gutes Gehalt. Dies könnte der Höhepunkt meiner Karriere werden.
Okay, genug geträumt. Natürlich wäre es toll gewesen, wenn ein Unternehmen mich als ihren Manager anheuern würde. Aber nur wo...wo sollte ich meine Suche beginnen? Ich überlegte mir meine Suche im örtlichen Jobportal zu starten. Es war eines der einfachsten und schnellsten Möglichkeiten einen Job zu bekommen.
Dummerweise wollte das Unternehmen wo ich schon lange arbeitete mir nicht mehr zahlen, da ich jetzt eine höhere Qualifikation hatte. Ich versuchte in den letzten Wochen noch einen schnellen Umstieg auf eine andere Arbeitsstelle zu finden, was sich aber als schwieriger herausstellte als ich zunächst gedacht hatte. Leider konnte das Unternehmen mich nicht länger durchfüttern, sodass ich bald meinen letzten Arbeitstag hinter mich gebracht hatte. An diesem Tag war ich abends noch in der Stadt unterwegs und genoss ein bisschen den Sonnenuntergang, bevor ich mit dem Zug am Bahnhof nach Hause fuhr. Jetzt hatte ich wirklich alle Zeit der Welt.
Zuhause angekommen holte ich erstmal die Werbung aus dem Briefkasten und die Tageszeitung. Oben in der Wohnung legte ich den Papierkram bestehend aus Zertifikaten und Zeugnissen erstmal ab und erfrischte mich kurz mit kaltem Wasser. Ich wusste nicht sicher, ob ich mich freuen sollte, dass ich jetzt meine Weiterbildung erfolgreich absolviert habe oder ob ich schlecht gelaunt sein sollte, da ich jetzt wieder nach einem neuen Job suchen durfte. Ich ging wieder zur Eingangstür und durchsuchte den Papierhaufen aus meinem Briefkasten nach wichtigen Briefen, die normalerweise unter all der Werbung immer untergingen. Da fiel mir ein loses A4 Blatt in die Hände, was scheinbar maschinell erstellt worden war.
Ein expandierendes Unternehmen ist derzeit auf der Suche nach einem Co-Manager im Bereich der Produktion und Verarbeitung. Psychische Belastbarkeit und Pünktlichkeit wird von Ihnen ‚situationsbedingt' erwartet. Sie erhalten große Verantwortung.
Unsere Mitarbeiter arbeiten bis heute motiviert durch die Mythologie unserer Stadt in der unser Unternehmen seinen Sitz hat. Diese Stadt ist in einer sehr schönen Lage mit verführerischem Dekor. Die Firma selbst ist ein Teil einer großen Wetter-Fabrik. Ihr Job in der Abteilung der Fabrik wird sein die Wetter-Stabilität zu überwachen.
Glauben Sie, sie sind der Aufgabe gewachsen?
Dann liegt die Antwort für Sie in einer einfachen Fabrik.
Das Gehalt ist übertariflich.
Bitte senden Sie uns die Bewerbung schnellstmöglich im beigefügten Umschlag zu.
Seit ich mein Stellengesuch veröffentlicht hatte, bekam ich dauernd solche Flyer. Doch etwas war anders an diesem hier. Er war zwar maschinell erstellt, aber scheinbar hatte sich wirklich jemand ernsthaft Mühe dabei gegeben dieses Stellenangebot zu verfassen. Wer teilte heute Stellenangebote als Flyer in der Zeit der Digitalisierung aus? Aber das Stellenangebot passte nur halb auf mich, ich wollte ja gleich Manager werden. Nicht Co-Manager.
Obwohl, als Manager hatte ich sehr viel Verantwortung. Vielleicht sollte ich es lieber langsam angehen und erstmal stellvertretender Manager werden. Ich sah mir den großen A4 Umschlag an, der noch in der Zeitung klemmte. Auf die Rückseite war ein großes Symbol gedruckt. Es zeigte eine Wolke woraus ein Blitz schoss und über der Wolke waren drei große farbige Balken zu sehen. Eine Adresse war darauf nicht zu erkennen.
Ich wusste nicht worüber ich mich mehr wundern sollte. Über das Stellenangebot oder über die Stellenbeschreibung. Für mich kam es vor wie ein Lottogewinn so einen handgeschriebenen Zettel in meinem Briefkasten zu finden, auch wenn die Stellenbeschreibung seltsam klang. Vor allem hatte ich bis jetzt noch nie von einer ‚Wetterfabrik' gehört, doch dieses Detail interessierte mich nun umso mehr. Auch wenn ich nicht wusste, wie der Brief trotz fehlender Adresse ankommen sollte, so war dies meine beste Möglichkeit schnell einen neuen Job zu finden.
Es war schon spät am Abend, als ich alle Unterlagen zusammen hatte. Als ich aus dem Fenster hinaus schaute war es draußen bereits Nacht geworden und es wehte ein starker Wind. Ich wollte unbedingt dass der Umschlag am nächsten Tag als Erstes zugestellt werden würde, auch wenn ich immer noch rätselte wie die Post den Empfänger rausfinden würde. Aber eine andere Möglichkeit hatte ich nicht, also zog ich mir was über um runter zum Briefkasten zu gehen. Als ich das Treppenhaus hinunter gehen wollte war es stockdunkel, trotz dass es Fenster hatte. Doch von der Straße kam kein Licht hinein, da ich im oberen Stockwerk wohnte. Ich betätigte den Treppenlichtschalter…doch er gab keinen Mucks von sich.
"Nicht schon wieder!" dachte ich mir und holte mein Handy heraus um mir den Weg nach unten zu leuchten.
Es passierte nicht oft, aber ab und zu funktionierte das Licht im Treppenhaus nicht. Der Vermieter sah keine Notwendigkeit darin, die alten Sicherungen durch neue auszutauschen, solange die alten noch etwas funktionierten. Also hatte ich immer das Handy dabei, falls ich mir meinen Weg leuchten musste.
Einen Aufzug hatte das Wohnhaus nicht, da es nicht genügend Stockwerke besaß. Wieder wurde mir bewusst, dass außen herum um mich überall Geld gespart wurde und ich würde zu gerne in eine andere Wohnung ziehen…vielleicht sogar ein Haus, das wäre mein absoluter Traum. Noch besser wäre es, wenn mein Zuhause direkt am neuen Arbeitsplatz wäre, dann könnte ich länger schlafen und wäre abends schnell wieder zuhause. Aber das waren natürlich nur Tagträume.
Als ich die Wohnung verließ ertönte ein Knall der durch das ganze Treppenhaus zu hören war und mich immer wieder erschaudern ließ. Das Geräusch kam von der stählernen Kellertür unten im Treppenhaus. Scheinbar war jemand von meinen Nachbarn bereits unten um den Strom wieder einzuschalten. Das wurde oft uns Mietern überlassen, da sich der Hausmeister so gut wie nie blicken ließ und bei so einer Lappalie erst recht nicht ausrückte. Hatte ich euch schon gesagt wie sehr ich es liebte dort zu wohnen?
Ich ging vorsichtig die Treppenstufen hinunter und leuchtete mir den Weg im dunklen Treppenhaus. Ein Stockwerk unter mir hörte ich den Wind ins Treppenhaus heulen. Draußen war wirklich eine stürmische Nacht, die mir etwas Gänsehaut machte. Ich ging die Treppen hinunter um zu sehen dass ein Fenster weit geöffnet war. Vermutlich wollte jemand das Treppenhaus lüften und hatte vergessen das Fenster wieder zu schließen. Ich machte es wieder zu und bemerkte auf einmal wie still es im Treppenhaus wurde, es war wirklich unheimlich. Ich sollte den Umschlag schnell runterschaffen und mich dann wieder in meine Wohnung verkriechen, wo ein schöner warmer Tee auf mich warten würde.
Nach den nächsten Treppen war ich froh unten zu sein. Neben mir ging die Treppe hinunter zur Kellertür und ich fragte mich, warum mein Nachbar so lange brauchte. Vielleicht fand er die korrekte Sicherung nicht, das würde mich bei dem riesigen Schaltschrank auch nicht wundern. Glücklicherweise war es meistens immer die Gleiche. Ich sollte ihm kurz helfen den Strom anzumachen, danach würde ich gleich den Umschlag in den Briefkasten werfen.
Ich lief hinunter zur Kellertür um sie zu öffnen. Innen im Kellerabteil war ebenfalls kein Licht an. Wieder drückte ich den Taster, ohne Erfolg. Scheinbar hatte es doch mehr Sicherungen erwischt. Ich ging weiter zum Raum wo der Schaltkasten war, die dunklen Kellerabteile zeichneten unheimliche Schatten in den Gang, als ich mit der Lampe in meinem Handy durchging. Vor dem Sicherungsraum angekommen bemerkte ich, dass die Tür angelehnt war. Normalerweise schlossen ich und meine Nachbarn die Türen immer nachdem wir hier unten fertig waren. Und da aus dem Raum nichts zu hören war, schien niemand drin zu sein. Seltsam, ich hätte schwören können dass ich gehört hatte wenn der Nachbar den Keller wieder verlassen hätte. Er wäre mir ja auf dem Weg nach oben wieder entgegen gekommen. Wo war er also hin?
Ich ging hinein und wandte mich der Wand mit dem Schaltschrank zu. Auch dieser stand weit offen. Als ich die Plastikscheibe vor der Sicherung hochklappte sah ich das Problem. Irgendetwas hatte einen Kurzschluss verursacht und die Sicherung war geflogen, doch sie war noch in Ordnung. Ich drückte den schwarzen Knopf der Sicherung rein und die Lampen im Keller gingen wieder an.
"Na also, wer sagt's denn. Ich glaube der Laden läuft wieder." sagte ich zu mir selbst und klappte den Deckel der Sicherung wieder runter.
Da sah ich plötzlich etwas in der Reflektion auf der Plastikscheibe. Eine kleine dunkle Kreatur stand hinter mir an der Tür, doch ich konnte sie aber nur unscharf erkennen. Ich konnte mich vor Panik nicht bewegen, auch Schreien war keine Option da ich vor Angst erstarrt war. Ich konnte nur erkennen, dass sie leuchtend rosarote Augen hatte und ihr dunkler Anzug schimmerte in diversen Farben, viel davon war aber rot und ich konnte ahnen dass es Blut war. Ich bekam Panik und sprang erschrocken zur Seite, was im Nachhinein keine so gute Idee war. Ich prallte mit meinem Kopf gegen ein Rohr was tief von der Decke hing und mir wurde schwarz vor Augen.
Als ich wieder aufwachte, lag ich auf dem Boden. Das Licht vom Keller brannte immer noch wie auch die Lampe von meinem Handy, was neben mir auf dem Boden lag. Von der Kreatur war nichts mehr zu sehen. Was war das bloß? Hatte ich mir das eingebildet? Ich hatte wohl zu viele Horrorfilme in letzter Zeit gesehen. Ich rieb mir schmerzhaft den Kopf, da der Aufprall auf das Rohr noch weh tat. Zumindest ging das Licht jetzt wieder, also sollte ich nicht mehr so schnell an irgendwas stoßen. Jetzt musste ich aber unbedingt den Umschlag in den Briefkasten werfen. Ich sah mich um, wo sie bei meinem Sturz wohl hingeflogen sein mögen. Doch er war nicht mehr da. Ich weiß noch dass ich ihn fest in der Hand hielt und nun war er weg.
"Vielleicht hatte die Kreatur von vorhin den Umschlag geklaut?" witzelte ich mir selbst meiner Fantasie vor.
Aber ich hatte ihn vorher noch dabei, da war ich mir ganz sicher. Oder…vielleicht doch nicht? War ich vielleicht so hirnlos gewesen und habe den Brief noch oben in der Wohnung gehabt? Das konnte gut möglich sein, immerhin war ich etwas vergesslich…besonders wenn es um wichtige Sachen ging. Ich schloss den Keller wieder ab und ging mit Kopfschmerzen hoch in meine Wohnung. Und wieder bemerkte ich, dass das Fenster im gleichen Stockwerk wie zuvor offen stand. Jetzt machte es mich wirklich skeptisch, denn wieder war niemand im Treppenhaus. Und das jemand zweimal vergisst es zu schließen, war eigentlich nicht möglich. Viele meiner Nachbarn waren zwar alt, aber nicht dement. Ich blickte aus dem Fenster raus und sah, dass es immer noch Nacht war, ich schien also nicht so lange weg gewesen zu sein. Ich dachte mir schnellstmöglich schlafen gehen um morgen nochmal nach dem Umschlag zu sehen. Vielleicht lag er ja noch unten im Keller, doch da wollte ich jetzt auf keinen Fall nochmal runter.
Schon sehr früh weckte mich der Klingelton meines Handys aus dem Schlaf. Entweder hatte ich zu lange geschlafen, oder der Anrufer hatte einen triftigen Grund mich in den frühen Morgenstunden anzurufen. Ich blickte auf das Handy und sah dass es eine unbekannte Nummer war, aber gab nur zwei Möglichkeiten wer mich zu dieser Uhrzeit anrufen würde: Irgendein Callcenter oder die Arbeitsagentur. Ich nahm das Gespräch an und eine junge weibliche Stimme sprach mich mit meinem Namen an.
"Hallo? Wer ist da?" fragte ich interessiert.
"Sind Sie derjenige, der sich für den Job als Co-Manager interessiert?"
Ich stand im Bett, als die Person diesen Satz sagte. Ich hatte zwar einige Bewerbungen bis jetzt geschrieben, aber bis gestern wusste ich noch gar nicht, dass ich Co-Manager werden wollte.
"Ja…ja, das ist richtig. Mit wem spreche ich?"
"Es spielt keine Rolle wer ich bin. Könntest du sofort bei uns anfangen?"
Ich fand es merkwürdig dass die Anruferin ihren Namen nicht nannte. Normalerweise war das das erste was am Telefon besprochen wurde.
"Das kann ich. Heißt das, ich habe den Job?" fragte ich forsch.
"Vielleicht. Davor habe ich nur eine Frage an dich…du bist doch menschlich, oder?"
Diese Frage verwirrte mich etwas, aber ich antwortete natürlich instinktiv.
"Ja, ich bin menschlich, selbst als Manager." witzelte ich.
"Perfekt..."
Dann legte sie auf.
Was war das? Das war der merkwürdigste Anruf, den ich jemals bekommen hatte. Ich musste kurz schmunzeln. Denn diese Stimme…genau diese Stimme. Ich kannte sie irgendwo her. Es ist als würde ich sie jeden Tag gehört haben ohne zu wissen, wer sie ist. Aber woher haben die gewusst dass ich mich beworben hatte?
Ich traute mich daraufhin nochmal in den Keller. Dieses Mal war alles friedlich, durch die offenen Kellerfenster drang etwas Sonnenlicht in den Keller und ich hörte ein paar Kinder die draußen spielten. Ich suchte genau an der Stelle, wo ich den Umschlag zuletzt hatte. Doch da war nichts mehr. Vielleicht hatte jemand den Brief gefunden und hat vermutet dass ich ihn verloren hatte und warf ihn in den Briefkasten, als die Person ihn heute im Keller fand. Das würde auch den Anruf erklären, aber seit wann stellt die Post über Nacht so schnell Briefe zu?
Ich versuchte meinen Kopf frei zu kriegen und ging an die frische Luft. Als ich nach einem kurzem Spaziergang um den Block herum wieder zu Hause ankam, bemerkte ich erneut etwas Besonderes. Ein großer Umschlag lag plötzlich in meinem Briefkasten. Ich hatte aber vorher kein Postauto gesehen und ich war doch nur für ein paar Minuten weg. Aber um ehrlich zu sein, mir ist es tatsächlich schon mal passiert dass ich meine Lieferungen verpasst habe, nur weil ich kurz einkaufen war. Ich dachte mir nichts weiter dabei und zog den Großbrief aus dem Briefkasten heraus.
Wieder nur das Logo mit der Wolke, den drei verschiedenfarbigen Balken und einem Blitz darunter war auf dem Kuvert erkennbar, aber mir fiel auf dass viele namhaften Firmen heutzutage wirklich oft solche vorgedruckten Umschläge hatten. Bei vielen war eine extra Adresse drauf auch nicht mehr nötig. Oben in meiner Wohnung angekommen öffnete ich den Brief und entnahm den Inhalt. Darin befanden sich seltsam aussehende Fahrkarten...die Muster und Verzierungen darauf sagten mir allerdings nichts. Beigelegt war ein Luftbild, auf dem ein altes großes Versandhaus zu erkennen war, das ich sehr gut kannte. Das alte Zugdepot auf dem Versandgelände war mit einem roten Kreis umrahmt. Außerdem lag dem Umschlag noch ein Brief bei. Darauf war ein Anschreiben mit demselben Logo wie auf dem Umschlag vorher zu erkennen. Der Inhalt des Textes würde mir Aufklärung bringen, also begann ich das Anschreiben zu überfliegen.
Sehr geehrte/r Bewerber/in,
Wir würden Sie gerne persönlich kennen lernen. Leider ist unser Standort aus betrieblichen Gründen für Sie nicht über die üblichen Verkehrsmittel erreichbar. Sie erreichen unseren Dienstort mit einem Zug der Transition Railway, der Sie am gekennzeichneten Standort abholen wird, sobald Sie eintreffen. Achten Sie bitte darauf, ihre Fahrkarten bei sich zu tragen um dem Schaffner zu signalisieren wo Sie aussteigen müssen. Sobald Sie bei uns am Empfang eintreffen, klopfen Sie bitte viermal damit der Eingang sich öffnet. Bitte haben Sie dafür Verständnis, dass wir aus betrieblichen Gründen unseren Standort nicht offen legen können.
Wieder stand kein Name darunter. Es kam mir etwas unhöflich vor, dass ich nach dem persönlichen Flyer nur ein paar Textbausteine bekam. Doch die Firma schien Interesse an mir zu haben, sonst hätten sie mir schon längst abgesagt.
Ich packte also alle meine nötigsten Sachen für die Zugfahrt und für das Bewerbungsgespräch ein und machte mich auf den Weg. Aber bevor ich ging, erledigte ich noch eine letzte Sache: Ich suchte für das Bewerbungsgespräch meinen besten Anzug heraus, um einen guten Eindruck zu hinterlassen. Der schwarze Sakko, ein dunkelblaues Hemd und meine rote Krawatte. Sollte die allerdings dreckig werden, packte ich mir eine orange-weiße Ersatz-Krawatte ein, nur um sicher zu gehen.
Es dauerte nicht lange und ich fand mich an dem alten Versanddepot wieder. Als ich mich umsah, bemerkte ich den alten Güterbahnhof. Nur konnte ich keine Möglichkeit sehen, auf den Bahnsteig zu kommen da der einzige Zugang nur über das Versanddepot erreichbar war. Ich lief auf die andere Seite des Bahnhofs und entdeckte lediglich den alten Lastenaufzug, dessen Türen weit offen standen. Jedoch wirkte es so als ob er keinen Strom hatte. Ich wollte es trotzdem ausprobieren und stellte mich vorsichtig rein. Der Aufzug krächzte und ich ging vorsichtig an das Schaltpult. Als ich die Knöpfe drückte passierte nichts. Vielleicht war es einer dieser alten Aufzüge die erst anliefen wenn ich die Türen schloss. Ich versuchte es und die Innenbeleuchtung des Aufzugs fing an hell zu leuchten. Ein leises Summen war zu hören und ich versuchte erneut das Schaltpult zu betätigen. Dann setzte sich der Aufzug in Bewegung und brachte mich hoch auf den Bahnsteig.
Ich stieg aus dem Aufzug aus, stellte mich an das Bahngleis und begutachtete die Umgebung. Seitdem das große Versandzentrum in meiner Stadt zugemacht hatte, ist hier lange kein Mensch mehr gewesen. Das Bahnhofsgebäude war alt und leicht geschwärzt. Wahrscheinlich hatte es innen mal gebrannt. Der Bahnsteig-Belag bröckelte mit der Zeit ab und hinterließ teilweise große Löcher in der Oberfläche. Mein Blick fiel auf die Schienen und ich staunte nicht schlecht. Die Schienen waren zwar rostig, jedoch konnte man auf der rostfreien Oberseite erkennen, dass hier immer noch Züge verkehrten. Doch das Gleis war hier zu Ende. Welcher Zug würde noch heute hierher fahren? Der Arbeitgeber hatte erwähnt, dass der Zug hier abfahren würde. Aber die Frage war, wann? Das Geräusch einer pfeifenden Dampflokomotive beantwortete meine Frage schnell.
Mir wurde mulmig, da ein Zug exakt an dem Zeitpunkt kam als ich den Bahnsteig betrat. Der Zug kam von einem Abstellgleis und fuhr vor mir in dem Bahnhof ein. Als er anhielt, öffneten sich alle Türen des Zuges, doch ich bemerkte: Es stieg niemand aus. Das muss wohl mein Zug sein, auch wenn er sehr alt zu sein schien. Mal sehen, wo die Reise hingehen würde. Als ich mein Gepäck schnappte und gerade in den Zug eingestiegen war, schlossen sich bereits die Türen hinter mir wie von Magie. Es kam mir wirklich so vor. Aber heutzutage war ich sowieso eher die leisen Türen gewohnt, die alten Türen hatten mir auch schon immer einen Schrecken eingejagt, als sie zu knallten. Zurück konnte ich jetzt nicht mehr, soviel stand fest, der Zug setzte sich bereits in Bewegung. Es gab aber kein lautes Abfahrsignal, die Lok schlich sich förmlich aus dem Bahnhof. Derweil suchte ich mir im nächsten Abteil einen freien Sitzplatz. Die Auswahl war groß, denn ich war ganz alleine in dem Abteil. Ich stellte mein Gepäck auf einen freien Sitzplatz und schaute mich im Zug bis zu nächsten Abteil um. Wieder war niemand da. Mich beschlich das Gefühl, dass ich der einzige Fahrgast war. Der Zugang zur Lokomotive war versperrt. Aber da musste auf jeden Fall jemand sein, den ich fragen konnte, wohin die Reise geht. Durch die Fenster erkannte ich noch die Umrisse des äußeren Stadtrandes meiner Heimat, bevor sie hinter dem Zug verschwand. Ich ging in den Teil des Zuges, der hinter meinem Abteil lag. Als ich die hinteren Waggons öffnete, zog ein leichter Windhauch durch den Gang. Diese Waggons mussten für Gepäck sein, der Raum war nur spärlich beleuchtet und nicht gedämmt. Wind und Lärm drangen in den leeren Raum und ich fand es leicht gespenstisch wie die Ketten an den Wänden rasselten, die anscheinend zum Befestigen der Koffer gedacht waren. Auf dem hölzernen Boden konnte ich dunkle Flecken erkennen, das Holz schien scheinbar ölig und alt zu sein. Damit wollte ich mir meine polierten Schuhe nicht ruinieren. Ich beschloss in mein Abteil zurückzukehren und mich wieder hinzusetzen, schließlich wollte ich ja sehen wohin die Reise ungefähr ging, auch wenn nicht wissen durfte wo mein Ziel war. Als ich in mein Abteil zurückkehrte fiel mir auf, dass meine Tasche geöffnet war und die Bahntickets gelocht draußen lagen.
"Merkwürdig. Der Schaffner hat sie entwertet, ohne dass ich da war. Aber hier ist doch weit und breit niemand, oder war er vorne mit dem Lokführer in der Lokomotive?" fragte ich mich besorgt selbst.
Ich prüfte ob noch alles andere in der Tasche war. Handy, Geldbeutel, Ausweis. Alles noch da. Diese ganze Geheimniskrämerei kam mir natürlich sehr komisch vor, doch um die Zugfahrt schnell hinter mich zu bringen, verbrachte ich die Zeit ein bisschen damit, Spiele auf meinem Handy zu spielen. Bestimmt würde sich das alles bald aufklären, wenn ich erstmal den Job in der Tasche hatte.
Es war mittlerweile abends geworden. Ich wusste nicht wie lange die Reise noch ging, ich hatte auch niemanden den ich fragen konnte. Als ich mich dazu entschied mich schlafen zu legen, fiel mir auf dass die Sitzplätze außergewöhnlich bequem waren. Das musste wohl ein besonderer Sonderzug sein.
"Ein ganzer Zug, nur um mich zur Arbeit zu bringen? Ich muss denen ja echt wichtig sein." behauptete ich selbst stolz über mich, als ich an die Waggondecke starrte.
Dann schlief ich langsam ein, bis ich plötzlich von einem Rütteln im Zug wieder geweckt wurde. Ich schreckte auf und sah mich um. Die Wagenbeleuchtung war an und draußen prasselte der Regen gegen das Fenster, es war mittlerweile Nacht geworden. Aus irgendeinem Grund war der Zug stehen geblieben. Ich konnte nicht erkennen wo der Zug angehalten hatte, draußen sah ich nichts anderes als Bäume. Waren wir bereits am Ziel oder ist vielleicht ein Tier vor den Zug geraten, weshalb er eine Notbremsung durchführen musste? Ich versuchte ruhig zu bleiben, doch dann ging auch noch die Beleuchtung im Wagen plötzlich aus.
Ich bekam Panik. Ich konnte keinen Bahnsteig erkennen. Hatte ich schon wieder einen Albtraum? Als ich durch das Fenster nach draußen blickte, sah ich auf einmal ein hellen Blitz, der den kompletten Zug kurz erhellte und erzittern ließ. Dann merkte ich im nächsten Moment, wie der Waggon wieder ruhiger wurde. Als sich meine Augen wieder an die Dunkelheit gewöhnt hatten, konnte ich erneut einen Blick durch das Fenster werfen. Draußen in der Dunkelheit waren die Bäume jetzt besser zu erkennen, da der Regen aufgehört hatte. Doch sie sahen anders aus, als die die ich soeben gesehen hatte. Vielleicht war das auch nur eine optische Täuschung, schließlich hatte ich gerade eine halbe Herzattacke. Wahrscheinlich hatte der Blitz den Waggon getroffen und hatte die Elektronik außer Gefecht gesetzt. Bei meinem Blick durchs Fenster bemerkte ich nahe am Gleis eine Gestalt, die ich zunächst für einen kleine Baum gehalten hatte. Ich merkte wie sie mich direkt durch das Fenster anstarrte. Sie war nicht mal 5 Meter entfernt, und doch konnte ich sie nicht genau erkennen. Die Kreatur trug ein schwarzes Gewand, doch etwas konnte ich erkennen: Diese leuchtenden rosaroten Augen, die mich anstarren. Es war dieser besessene und kalte Blick den mir die Kreatur zu warf. Ich erkannte es sofort wieder: Es war das Wesen, was mir vorher in meinem Keller aufgelauert hatte. Doch sie blieb einfach vor dem Fenster stehen und hatte scheinbar nicht vor, den Zug zu betreten.
Ich war wie gelähmt in diesem Moment, das musste wieder ein Albtraum sein. Als die Kreatur draußen plötzlich wie ein Vogel abhob und in den Sternenhimmel verschwand, ging das Licht im Zug wieder an und er setzte sich langsam wieder in Bewegung. Jetzt machte ich mir wirklich Gedanken, ob die ganze Sache wirklich korrekt war. Erst der mysteriöse Anruf, dann die gelochten Bahntickets und diese Kreatur die mich dauernd verfolgte. Am liebsten wollte ich aussteigen und wieder nach Hause gehen, doch es schien, als ob ich so weit wie noch nie von zuhause weg war. Und was wäre wenn ich dieser Kreatur draußen im Wald begegnen würde? Ich hoffte zu diesem Zeitpunkt nur, dass sie nicht im Zug war. Dieser Blick sah keinesfalls freundlich aus. Es lief mir immer wieder kalt den Rücken hinunter, als ich mich daran erinnerte. Ich beschloss mich erstmal wieder schlafen zu legen, oder zumindest so zu tun um aus diesem Albtraum aufzuwachen. Und wenn die Kreatur zu mir in den Zug kommen und mir was antun würde, dann möchte ich sie wenigstens nicht sehen. Zum ersten Mal in meinem Leben verspürte ich das Gefühl der Todesangst. Also versuchte ich sehr schnell einzuschlafen und glaubte fest daran dass das nur ein Albtraum war und ich gleich wieder daraus erwachen würde.
Ich erwachte wieder, als die Bremsen des Waggons erneut betätigt wurden, dieses Mal aber deutlich sanfter. Scheinbar war das wirklich nur ein weiterer Albtraum gewesen. Gut, denn ich fing schon an, an meinem Verstand zu zweifeln. Der Zug war anscheinend an seinem Ziel angekommen. Die Sonne war kurz davor aufzugehen und die Morgenröte schien in das Zugabteil und leuchteten es aus. Alles wirkte irgendwie…anders. Die Einrichtung, die plötzlich in Pastellfarben leuchteten. Sie warfen keinen Schatten mehr oder hatten ähnliche Verfärbungen. Als wäre das nicht genug, blickte ich aus dem Fenster hinaus. Draußen fand sich das gleiche Schauspiel. Überall war diese eigenartige Farbgebung, jedoch konnte ich es nicht genau erkennen da es noch zu dunkel war. Zu diesem Zeitpunkt fiel mir noch nicht auf, woher ich die Umgebung kannte. Dies sollte sich aber relativ schnell zeigen.
Der Zug fuhr in einen Bahnhof ein. Es gab es allerdings kein Bahnhofsschild, nicht mal einen richtigen Bahnhof. Die Zugtüren öffneten sich wieder, als ich mein Gepäck wieder zusammen raffte. Das die Kreatur aus meinen Träumen hier auf mich lauern würde oder mir bis hierher gefolgt ist, war sehr unwahrscheinlich. Also beschloss ich einfach auszusteigen. Draußen angekommen konnte ich nicht viel erkennen. Dann schlossen sich die Türen vom Zug wieder und schien bergab zu fahren, bis ich ihn nicht mehr sehen konnte. Ich beschloss erstmal dem Weg an den Schienen zu folgen. Wohin der Zug auch immer fahren würde, es war wahrscheinlich auch mein Ziel. Es war zwar immer noch sehr dunkel, aber durch die ersten Sonnenstrahlen erkannte ich zumindest die Umrisse eines Weges. Irgendwas war sehr komisch an dieser Umgebung. Der Untergrund war irgendwie weiß und weich, als ich ihn genauer begutachtete. Als würde man auf Zuckerwatte laufen. Sich zu verirren war praktisch ausgeschlossen, es gab nur einen Weg. Dieser führte mich an ein sehr großes Gebilde, was in dieser "Zuckerwatte" eingeschlossen sein schien. Rundherum erkannte ich keine anderen Gebäude, nur dieses große wolkenartige Objekt. Aber alles wirkte irgendwie künstlich. Die eigentlich so voluminösen Wolken am Himmel sahen aus wie flache Flächen. Ohne irgendeine räumliche Tiefe. Doch ich nahm die Umgebung an diesem frühen Morgen nicht so wahr, ich fokussierte mich eher auf das große Objekt vor mir.
Der Weg führte direkt zu dem großen Wolkengebilde, wo auf der anderen Seite der Wolken scheinbar ein Gewitter herrschte. Blitze schlugen aus den Wolken und es donnerte, aber es gab keinen Regen. Ich betrachtete dieses Schauspiel und ging erstaunt weiter, bis ich langsam an das Ende des Weges kam und auf eine große Wolkenwand blickte. Als ich davor stand, direkt unter dem riesigen Wolkengebilde, war ich erstmal ratlos. Diese Wolkenwand hatte die Form eines Eingangstores, aber hier war keine Klingel und keine Türklinke. Also pochte ich dreimal stark mit der Faust gegen die Wand, was trotz der Wolkendecke einen ziemlichen Lärm von sich gab. Scheinbar befand sich direkt hinter der Wolkendecke ein massives Stahltor. Jedoch kam erstmal keine Reaktion. Als ich es nochmal versuchen wollte, zischte es plötzlich hinter dem Tor. Ich schreckte kurz zurück, denn bisher war ich von einer unnatürlichen Ruhe umgeben und dieses Tor machte einen Lärm den man noch weit hören könnte. Das Zischen wurde lauter und unter dem Tor kam Wasserdampf durch. Als sich das Tor leicht öffnete sah ich woher der Dampf kam. Das Tor wurde von großen dampfbetriebenen Kolben aufgezogen.
Diese Konstruktion beeindruckte mich. Anscheinend war dieses Gebäude auch sehr gut gegen unbefugten Zutritt gesichert. Möglicherweise schlummerten in dieser Wetterfabrik Geheimnisse die nicht so leicht an die Öffentlichkeit gelangen sollten. Vielleicht war es ja auch eine geheimes Wetter-Forschungslabor, das unter Quarantäne arbeitete? Kaum vorzustellen, welche Stoffe da drin gelagert sein müssen, dass man es so gut abschotten musste. Diese Art der Sicherheit gefiel mir und verlieh' mir in diesem Moment das Gefühl etwas Besonderes zu sein. Nicht viele haben bestimmt bisher diese Einrichtung von innen sehen dürfen. Seit dem Albtraum auf der Zugfahrt fand ich jetzt wieder mehr Vorfreude und Gefallen an dieser Stelle.
Als ich in die Vorhalle eintrat, war diese ziemlich leer. Nur die großen Fenster erhellten den Raum mit Sonnenlicht. Hier befanden sich nur ein Tisch, zwei Stühle und eine massive Holztür, die verschlossen zu sein schien, als ich die Türklinke betätigte. An der kahlen steinernen Wand über dem Tisch hing lediglich eine Auszeichnung, die allerdings leicht angerußt war. Die Schrift war zwar nicht leserlich für mich, mir fiel aber auf dass der ganze Text handschriftlich geschrieben wurde. Jemand hatte sich da scheinbar sehr viel Mühe gegeben, traurig dass es jetzt in so einem schlechten Zustand ist. Mir blieb in diesem Moment nichts anderes übrig als auf einen der Stühle Platz zu nehmen und zu warten. Als ich gerade einen Blick auf mein Handy warf, fiel mir auf dass ich kein Netz hatte. Ich versuchte mit dem Kartenprogramm herauszufinden wo ich war. Doch ich hatte ebenfalls kein GPS-Signal. Vermutlich lag das an den starken Betonwänden. Ich wollte gerade nochmal rausgehen um ein Signal zu bekommen, da bemerkte ich wie sich eine der Holztüren öffnete.
Es kam niemand heraus. Ich wollte die Tür zu machen weil ich dachte, dass sie vielleicht versehentlich aufgegangen war. Dabei war ich allerdings auch neugierig, was sich hinter dieser Tür befand, da drin nichts zu erkennen war. Als ich einen Blick durch warf, ging die Deckenbeleuchtung an. Sie leuchteten einen Gang aus, der parallel zu mir verlief. Sobald ich den Gang betrat, bot sich mir ein anderes Bild der Einrichtung. Der Gang bestand innen fast nur aus Eisen und Rohren. Die Deckenlampen strahlten in einem schwachen Licht, aber es reichte trotzdem, um etwas in der Entfernung zu erkennen. Da näherte sich eine Gestalt aus der Dunkelheit. Ich versuchte die Fassung zu bewahren, denn sollte das hier wirklich zu meiner Arbeit gehören, würde ich mich wahrscheinlich vor meinem zukünftigen Arbeitgeber blamieren. Um ehrlich zu sein, ich war noch niemals in einer Fabrik. Ich wollte allerdings immer schon mal so eine Fabrik besichtigen, da ich es einfach interessant fand. Es hat irgendwas Geheimes und Mystisches an sich, wenn man nicht weiß, was in den großen Industriehallen passiert. Wahrscheinlich ist das hier einfach normal und ich überreagierte aufgrund der Albträume einfach, die ich in den letzten Tagen hatte.
Also versuchte ich gelassen zu bleiben. Ich zuckte allerdings immer wieder zusammen, als ich die Schritte auf dem kalten Bodenrost hörte. Die Schritte hörten sich an wie…Hufe. Ein Pferd? Da kam tatsächlich ein Pferd auf mich zu. Jedoch war der Kopf gesenkt und es ging sehr langsam. Als es sich näherte, erkannte ich die Kreatur genauer. Vom Aussehen her sah es aus wie...ein Pony aus der Serie "My Little Pony – Freundschaft ist Magie". Ich konnte es nicht glauben und musste genauer hinsehen um es zu verstehen. Da lief tatsächlich ein Pony aus meiner Lieblingsserie auf mich zu.
Doch irgendwas war anders an diesem Pony, ich kannte es auch nicht. Es starrte mich mit seinen grünen Augen an, fixierte mich auf seinen langen Weg zu mir. Als es unter den Deckenleuchten lang ging, erkannte ich seine Farben: Es hatte eine zweifarbiger Mähne. Gelb und grün. Das Fell hatte einen beigen Farbton. Das Pony trug eine rötliche schmutzige Weste. Es sah aus, als wäre die Weste mit altem Öl getränkt, ähnlich wie die Flecken in dem Gepäckwaggon im Zug. Als es näher kam, bemerkte ich einen ziemlich unangenehmen Geruch. Das Pony musste wahrscheinlich gerade von einer Müllanlage kommen, es roch nach fauligem Zeug. Als es direkt vor mir stand, musterte es mich kurz. Dann schweiften seine Augen ab und das Pony drehte vor mir um. Irgendwas verriet mir, dass ich ihm folgen sollte. Ich brachte vor Erstaunen zunächst kein Wort heraus, aber als ich mich ihm auf seinem Weg anschloss, begann es plötzlich mit mir zu reden.
"So, du bist also der neue Co-Manager hier?" Das Pony schaute mich skeptisch an.
Ich war etwas erstaunt, dass es sprechen konnte. Ich wusste dass die Charaktere aus der Serie "My Little Pony" das konnten, aber wir waren hier in der Realität. Wie konnte es überhaupt hier existieren? Bei genauerem Überlegen erklärte sich damit auch das seltsame Aussehen der Umgebung. War ich etwa in Equestria? Meine Vermutung schien richtig. Ich war in der Welt von "My Little Pony". Ich zwickte mir kurz in den Arm, um zu prüfen ob ich nicht immer noch träumte. Aber ich war hellwach und neben mir lief tatsächlich ein sprechendes Pony. Ich versuchte angestrengt ganz cool zu bleiben.
"Ja…ähm. Kannst du mir sagen was hier los ist? Wo bin ich hier? Wieso kannst du sprechen?"
"Das könnte ich dich auch fragen. Ich weiß nicht mal was du bist, aber deiner Reaktion nach habe ich das Gefühl, dass du weißt wo du bist. Dann müsstest du auch wissen wer wir sind."
"Ja, ich habe so eine Ahnung wo ich bin aber ich kann es nicht glauben. Ihr seht aus wie Ponys. Aber wie kann das sein?"
"Du kannst es jetzt glauben oder nicht, aber du bist hier in Equestria. Und wir sind wirklich Ponys. Das mag für dich jetzt alles wie ein Traum wirken, doch glaube mir...nichts ist weiter entfernt davon." sagte das Pony.
Das Pony schien sich darüber aber weniger zu freuen wie ich, aber ich konnte mein Glück kaum fassen. Ich hatte ja schon manche Geschichten davon gehört, dass sich viele Bronies vorstellen könnten in Equestria zu leben, aber natürlich konnte es nicht existieren. Doch dieses Pony war kein verkleideter Mensch, der mich irgendwie veralbern wollte. Es war ein echtes Cartoon-Pony, was gerade neben mir lief. Ich entschied mich einfach mal mitzuspielen, denn sollte das am Ende wirklich ein Traum sein, so kann er gerne noch länger gehen. Also ließ ich mich auf ein Gespräch ein, bis ich wusste, was hier abging.
"Schön dich kennen zu lernen. Wie heißt du?" fragte ich interessiert.
"Mein Rufname hier ist WoodenToaster, aber nenn' mich einfach Glaze. Ich bin die Produktionsleiterin hier. Du weißt schon... für die Drecksarbeit." sagte sie zu mir mit einem Grinsen.
"Entschuldigung, du sagtest Produktionsleiterin? Du siehst zwar aus wie eine Stute, aber...nichts für ungut...du klingst wie ein Hengst" sagte ich vorsichtig.
"Ja, das höre ich öfter." lachte sie, "Tut mir leid, als Produktionsleiterin muss man immer mal wieder laut werden. Ich glaube ich habe mir ein bisschen meine Stimme bei der Drecksarbeit ruiniert."
"Drecksarbeit?"
Das Pony schaute mich mit einem verlegenen Blick an, scheinbar wollte es nicht darüber reden.
"Die Arbeit, die DU nicht machen musst."
Genauer wollte ich ihre Arbeit nicht wissen. So wie sie roch konnte ich mir bereits denken, dass sie entweder für die Abfallentsorgung arbeitete oder Maschinistin dort war.
"Oh, das tut mir leid." entschuldigte ich mich für meine Neugier.
Wahrscheinlich war ihr Job wirklich nicht leicht. Sie wirkte mitgenommen und hatte tiefe Tränensäcke. Sie machte wahrscheinlich viele Überstunden. Auf ihrem Körper befanden sich Narben und Kratzer, wahrscheinlich arbeitete sie hier wirklich hart. Sie sah meine Besorgnis über ihren körperlichen Zustand in meinen Augen und zwinkerte mir zu.
"Naja, mach' dir keinen Kopf. Hier geht es nicht um mich, sondern um dich. Ich denke, du bist genau die Person die wir brauchen. Wir brauchen jemanden, der anders denkt als alle anderen Ponys."
"Wenn du es sagst, ich gebe mein Bestes...auch wenn ich kein Pony bin." sagte ich zuversichtlich zu ihr.
Ich wusste natürlich nicht wovon Glaze redete. Alleine der Gedanke dass ich mit einem Pony redete, verwirrte mich schon zu sehr.
"Ich bin mir sicher dass du es schaffen wirst." sagte sie und stupste mich sanft mit ihrem Huf an.
Den Rest des Weges fiel erstmal kein Wort mehr. Ich wollte Glaze auch nicht gleich mit all meinen Fragen überhäufen. Obwohl es mich ziemlich interessiert hätte, wie ich hierhergekommen war. Ich traf sie erst vor ein paar Minuten. Es war nett von ihr, dass sie mir eine sanfte Einleitung gegeben hatte, so konnte ich das alles etwas besser verarbeiten.
Wir liefen den Gang des Gebäudes weiter entlang. Er mündete in eine größere Halle, allerdings mit genauso wenig Dekor wie die Empfangshalle, in der Stellenbeschreibung hatte ich es mir irgendwie anders vorgestellt. Die Fabrik wirkte ein bisschen heruntergekommen und auch ansonsten war alles ziemlich kahl und steril gehalten. Glaze bemerkte, dass ich mich leicht unwohl fühlte.
"Wundere dich nicht. Als diese Fabrik vor längerer Zeit gebaut wurde war hier alles "lebendiger". Doch der Manager hatte gleich bei der Grundsteinlegung entschieden, die anderen Abteilungen des Gebäudes später in die oberen Etagen zu verlegen. Dort ist heute immer noch alles ziemlich hektisch und voll. Hier nach unten kamen seit der Eröffnung keine Leute mehr, es sei denn sie arbeiten jetzt hier, so wie du hoffentlich bald. Aber ich finde das gut. Wir sind lieber unter uns. Außerdem ist der Komplex noch nicht fertig gestellt. Es gibt vieles, was noch erledigt werden muss."
Dass Glaze ansprach, dass sie auf Teamplayer stand, fand ich total sympathisch. Ich konnte mir denken dass, wenn das hier nicht nur ein Traum ist, wir wirklich gute Freunde werden könnten. Was würde es in diesem Moment Schöneres geben als mit einem Wesen befreundet zu sein, was eigentlich nur in der Fantasie und im Fernsehen existierte?
Durch die Fenster der Halle konnte ich ein paar Blicke auf den hinteren Bereich des Gebäudes erhaschen. Ich sah wieder ein paar dieser Flach-Wolken und Regenbogenfälle, die anscheinend als Kunstdeko an der Gebäudeseite herabliefen. Wahrscheinlich war der Regenbogen-Wasserfall einfach nur eingefärbtes Wasser um einen künstlerischen Effekt zu erzielen, da es sich ja hier um eine Wetterfabrik handelte. Wo sollten denn auch flüssige Regenbögen herkommen? Am nächsten Flügel des Gebäudes sah ich einen Komplex, der wie eine Fabrik aussah: Es wirkte funktionell, aber wahrscheinlich nicht besonders auf Komfort ausgelegt. Ich hatte schon immer eine Schwäche für solche Anlagen.
"Ach ja. Hast du überhaupt gut hergefunden?" fragte Glaze, um das Schweigen zu brechen.
Ich versuchte erstmal nicht, den nächtlichen Zwischenfall im Wald anzusprechen. Schließlich wollte ich nicht gleich paranoid wirken.
"Oh ja, Glaze. Danke der Nachfrage. Die Zugfahrt war zwar etwas lang und anstrengend, aber ich bin heil angekommen."
"Das freut mich. Verzeihe bitte, falls es dir etwas schmutzig vorkam, wir nutzen den Zug eigentlich nur um bestimmte Sachen zu transportieren."
Ich wollte nicht nicht zu neugierig wirken, deshalb unterließ ich es nach den Waren zu fragen. Ich hätte es wahrscheinlich sowieso jetzt noch nicht erfahren.
"Was machst du eigentlich in deiner Freizeit?" fragte sie mich.
"Nunja, wenn ich nicht gerade nach dem nächsten Job suche, verbringe ich viel Zeit mit meiner Familie."
Da stoppte Glaze kurz und blickte auf den Boden.
"Familie...ja, das ist schön..." sagte sie langsam vor sich hin.
"Was ist mit deiner Familie?" fragte ich interessiert.
Dann sah sie mich mit ihren grünen Augen an, die leicht besorgt wirkten.
"Ich glaube dafür arbeite schon zu lange hier. An meine Eltern kann ich mich so gut wie nicht mehr erinnern, bis auf meinen Vater...ich habe oft von ihm geträumt. Aber in letzter Zeit schlafe ich auch nicht mehr so gut." sagte sie und lief weiter.
Glaze's Zustand besorgte mich etwas, sie sah wirklich ziemlich mitgenommen aus. Scheinbar litt sie unter einem schweren Burnout, aber ihre Position erlaubte ihr anscheinend nicht von der Arbeit fernzubleiben. Das klang wirklich nach Drecksarbeit. Ich hoffte, dass sich das in naher Zukunft ändert und ich vielleicht als Co-Manager dafür sorgen kann, dass sie Ihre Familie wiedersehen könnte. Das heißt, FALLS ich diesen Job kriegen würde...
Wir liefen die Gänge weiter, es wirkte wie ein großes Labyrinth aus Rohren und Stahl. Dann kamen wir an einer großen Treppe an.
"Diese Treppe führt in die Chefetage. Von hier aus kommen wir direkt zum Büro von Dr. Hide Atmosphere."
Glaze bemerkte, dass der Name mir nichts sagte.
"Oh, hat er wieder seine Textbausteine verwendet, ohne seinen Namen drunter zu schreiben? Das sieht ihm ähnlich…" witzelte Glaze.
"Er ist der aktuelle Co-Manager hier. Normalerweise bewegt er sich nicht aus seinem Büro heraus, und er kommt noch seltener hier runter. Deshalb habe ich dich abgeholt. Es mag für dich jetzt klingen, als wäre er der absolute Stubenhocker, aber sobald irgendwas in der Fabrik schief läuft ist er zur Stelle. Er ist einer der Ponys die diese Fabrik gegründet haben...und...er lässt es ziemlich heraushängen. Zu deinem Glück ist er derjenige der entscheidet ob du den Job kriegst." sagte sie sarkastisch.
"Interessant, Glaze. Dann versuche ich mal, einen guten Eindruck zu hinterlassen." sagte ich selbstbewusst.
Sie verzog ihre Miene.
"Ich gebe dir einen Tipp. Verhalte dich unauffällig und stell nicht zu viele Fragen. Er ist wahrscheinlich ein bisschen…ungehalten. Vor allem, da unser Boss dich engagiert hat und nicht er."
"Aber wenn ihr schon einen Co-Manager habt, wofür braucht euer Boss dann mich?"
"Ich weiß es nicht, aber unser Boss wird schon Gründe dafür haben. Aber du solltest dich jetzt erstmal auf dein Vorstellungsgespräch konzentrieren." antwortete Glaze mir.
Dann verhielt ich mich erstmal ruhig, wahrscheinlich hatte ich schon genug Fragen gestellt. Wir gingen die Treppe hoch und folgten dem großen Gang links. Wieder mündete der Gang in eine Halle, die zum Ende hin enger wird. Die Sonne schien hell durch die Fenster und warf die Lichtstreifen bis in die Halle. Mir fiel auf, dass es sehr viele Türen hier gab. Ich wollte gerne einen Blick hinter die Türen werfen, aber ich wollte nicht neugierig erscheinen. Die Wände schienen hier auch noch wirklich kahl, also mussten hier anscheinend auch noch Bauarbeiten erledigt werden. Dann kamen wir an einer großen Tür vorbei. Vor dieser Tür standen diverse Kunstgemälde die noch nicht aufgehängt waren, zumindest konnte ich das an der Form erkennen. Sie waren alle mit einer weißen Plane überzogen, um sie wahrscheinlich vor Staub zu schützen.
Als wir daran vorbeigingen, bemerkte Glaze meinen neugierigen Blick und zog mich leicht mit dem Huf zu sich.
"Jetzt komm', Dr. Atmosphere mag' es nicht, wenn man ihn warten lässt. Du wirst das noch alles früh genug sehen, wenn das alles hier fertig ist." versprach sie mir.
Wir kamen am Ende des Ganges an einer weiteren großen Tür an. Sie war leicht angelehnt und man konnte ein bisschen hineingucken. Auf der einen Seite des Zimmers standen hohe Bücherregale. Allerdings standen noch nicht viele Bücher drin. Der Rest befand sich auf dem Boden und war ebenfalls mit einer weißen Plane überzogen.
"So, hier endet die Führung.", sagte Glaze bevor sie wieder etwas ernster wurde, "rein kommen darf ich nicht, der Doktor will persönlich mit dir sprechen."
Mir wurde mulmig. "Denkst du, ich schaffe das?"
Sie stieß mich kurz mit dem Huf an. "Das kommt ganz auf dich an. Aber ich glaube du schaffst das. Du machst einen sehr guten Eindruck. Wird schon schiefgehen." Zwinkerte sie mir zu.
"Danke für deine Hilfe, Glaze."
"Gern geschehen." sagte sie und machte sich wieder auf den Weg in die zahllosen Gänge.
Ich betrat also das Büro von Dr. Atmosphere und spürte sofort die beklemmende Umgebung. An sich war der Raum riesig. Es standen meterhohe Bücherregale an den Wänden. Doch genau das machte mir Angst, ich fühlte mich winzig. Ich ging dennoch aufrecht auf den großen Schreibtisch zu. Der Stuhl war von mir weg in Richtung der großen Fenster gedreht, durch die die Sonnenstrahlen von draußen herein schienen. Als ich fast am Schreibtisch stand, drehte sich die Gestalt auf dem Stuhl um und blickte mir in die Augen.
"So, du bist also die Kreatur für den Posten des stellvertretenden Managers?"
Eins wurde mir sofort klar: Das war nicht die Person mit der ich am Telefon geredet habe. Ich hielt mich also mit dieser Frage zurück, bis ich die Person treffen würde. Aber Glaze hatte Recht, erstmal musste ich allerdings ein Vorstellungsgespräch mit diesem Dr. Atmosphere führen bevor ich vielleicht den Boss kennen lernen dürfte.
"Ja. Das bin ich.", antwortete ich selbstbewusst, "Wie kann ich zu Diensten sein?"
"Jetzt warten Sie mal ab, noch haben Sie den Job nicht. Erstmal müssen sie sich beweisen."
Das war eine reine Routine für mich. Neue Chefs wollen immer, dass man sich behauptet.
"Haben Sie Kenntnisse im Maschinenbau?", fragte mich das Pony.
"Ich…nun, mein Vater ist Elektriker. Ich denke das könnte nützlich sein.", sagte ich schüchtern.
"Naja, wenigstens etwas. Aber in ihrer Position ist das auch nicht ganz so wichtig."
Ich begann langsam zu schwitzen. Das ist ja nochmal gut gegangen. Ich war so nervös, dass ich etwas sagen würde, dass mich die Stelle kosten könnte.
"Und da wir sowieso Probleme beim Finden von neuem Personal haben, sind wir…," dann seufzte das Pony leicht, "…froh über jede Unterstützung die wir kriegen können."
Ich merkte, wie das Pony angestrengt versuchte freundlich zu bleiben. Irgendwas war komisch an ihm. Hatte er diesen Satz etwa auswendig gelernt? Und warum war diese Stelle angeblich so unbeliebt? Aber ich wollte diese Stelle unbedingt, deshalb fragte ich einfach nicht nach.
"Bringen wir es auf den Punkt. Sie werden von uns beauftragt, eine kleine Produktionsanlage zu leiten, die mit einem Projekt betraut ist. Doch zunächst müssen sie sie erst organisieren, wie, ist mir egal."
Dank meiner Weiterbildung würde ich mit der Gründung einer Firma für das Projekt keine Probleme haben.
"Wow, meine eigene Firma? Ich weiß gar nicht wie ich…"
Das Pony unterbrach meine Euphorie sofort.
"Hey, nicht so voreilig. Ihre Firma wird von uns geführt, kapiert? Sie werden nichts unternehmen, bis ich nicht die Erlaubnis dazu gebe. Denken sie immer dran, selbst als Führungskraft bleiben sie ein kleines winziges Rädchen. Sie unterstehen dem Manager…und sie unterstehen mir. Sie können von Glück reden, dass wir überhaupt Verwendung für Personen wie sie haben.", fuhr mir das Pony über den Mund.
Nun wusste ich, wo mein Platz war. Glaze hatte nicht übertrieben, als sie ihn als 'ungehalten' bezeichnete.
"Ich habe verstanden. Wie soll ich beginnen?" sagte ich kleinlaut.
"Warum fragen Sie mich das? Lassen sie sich was einfallen. Ach ja, ich muss wahrscheinlich erwähnen, dass diese Firma natürlich nicht "hier" eröffnet werden soll, damit ihre Unfähigkeit aber nicht sofort auffällt und den Arbeitsablauf stört. Aber da wir Sie nicht gleiche überfordern wollen, haben wir bereits einen Platz für die Firma gefunden. Hier ist die Adresse…"
Das Pony übergab mir ein Blatt Papier, worin scheinbar etwas eingewickelt war.
"Ich kann Ihnen leider nicht sagen, wo diese Adresse sein soll, ist mir aber auch egal. Der Manager sagte, Sie wissen Bescheid. Also machen sie, dass sie wegkommen." sagte Atmosphere und drehte sich wieder weg von mir.
"Er kann verschwinden." sagte Atmosphere und winkte mit dem Huf.
Plötzlich merkte ich wie ich von hinten etwas spitzes in den Hals gepiekst bekam. Daraufhin wurde mir schwindelig und ich sackte langsam zu Boden. Ich sah plötzlich einen Regenbogen aus bunten Farben, bevor mir langsam schwarz vor Augen wurde. Aus dem Augenwinkel heraus konnte ich ein blaues Pony mit einer gelben Mähne erkennen, was irgendein Instrument im Huf hielt.
Als ich wieder aufwachte, war ich nicht mehr in der Fabrik. Es war kalt und dunkel. Ich schaute mich um. Als sich meine Augen langsam an die Dunkelheit gewöhnten, merkte ich wie ich auf Schienen lag. Vor mir bemerkte ich, wie sich die Rücklichter eines Zuges von mir entfernten. Mein erster Gedanke war, dass ich entführt wurde. Doch ich war nicht gefesselt. Ich lag nur so auf dem Boden. Als ich mich aufrappelte, fiel mir die Umgebung auf. Ich war wieder an dem Güterbahnhof, wo ich vorher in den Zug eingestiegen bin. Ich erschrak, als ich hinter mir ein Geräusch hörte. Hinter mir hörte ich das Geräusch von vorbeifahrenden Autos, das auf der Hauptstraße neben dem verlassenen Versandgelände vorbeifuhr. Die Straßenlaternen leuchteten hell. Ich sah mich weiter um und bemerkte dass ich so gut wie alleine war. Laut meiner Uhr war es sehr früh am Morgen. Da waren natürlich keine Menschen auf der Straße. Aber was zum Teufel war denn gerade passiert?
Ich musste mich erstmal sammeln. War das jetzt doch alles nur ein verrückter Traum? Bin ich vielleicht am Bahnsteig ausgerutscht und ins Gleisbett gefallen? Aber wenn das alles ein Traum war, wie bin ich überhaupt hierher gekommen? Ich war total verwirrt. Ich merkte dass ich noch meinen Anzug an hatte, der durch den Fall ins Gleisbett dreckig geworden ist. Mein Gepäck hatte ich zum Glück noch bei mir.
"Na toll, die Reinigung wird wieder was kosten. Also, großes leeres Bahnhofsgelände…check. Eine Straße dort drüben...check. Ich friere total…check."
Ich versuchte die wichtigsten Fakten zusammen zu kratzen, aber die Kälte spürte ich sofort. Ich musste schnellstmöglich nach Hause, doch zuerst musste ich wissen wie ich von hier nach Hause kommen würde. Es war fast Winter und die Tage wurden immer kürzer. Als ich vor Kälte die Hände in meine Taschen stecken wollte, fiel mir auf, dass darin ein Zettel war. Ich holte ihn heraus und faltete ihn auf. Was darauf stand ließ mich vor Schreck erstarren. Es war der Zettel, den ich von dem Pony aus meinem Traum bekommen habe. Ohne zu überlegen wie der Zettel in meiner Tasche gelandet war, faltete ich ihn auf. Dabei fiel mir ein Schlüssel in die Hand, der auf den ersten Blick normal aussah. Ich hielt ihn in einer Hand und las mir die Adresse auf dem Zettel durch.
Das war kein Standort in Equestria, sondern eine Adresse von hier, in meiner Heimatstadt. Ich wusste wo die Straße war, ich fuhr sie immer mit dem Fahrrad entlang wenn ich zu meiner alten Arbeitsstelle unterwegs. Es war eine der längsten Hauptstraßen in meiner Stadt, die von einem Nebenort aus bis ins Stadtzentrum führte. Gegenüber meiner alten Arbeitsstätte stand ein großes Versandzentrum, dessen Unternehmen aber schon seit einiger Zeit pleite gegangen ist. Ich wusste zu diesem Zeitpunkt nur noch nicht, dass mich der Zettel genau zu diesem Gebäude führen würde.
