Der geneigte Fanfiction-Schreiberling gehört ja schon zu einem seltsamen Schlag Menschen. Im Grunde ist es ja so, dass wir beispielsweise ein Buch oder eine Serie so sehr mögen, dass wir uns auch außerhalb des Mediums damit beschäftigen wollen und dann aber feststellen, dass wir das alles doch nicht so gut finden. Deshalb nehmen wir Modifizierungen vor, geben Figuren ganz andere Persönlichkeiten oder Fähigkeiten und schlagen auch immer mal wieder gerne über die Strenge mit ihnen.
Ich stelle mir vor, dass wir alle im Prinzip Besitzer von Häusern sind, in denen jeder einzelne Raum Figuren zu bestimmten Fandoms beherbergt. Dort sitzen sie dann und warten, bis sie aufgerufen werden. Ich habe zum Beispiel ein kleines Häuschen mit einem Star Trek-Raum, einem Harry Potter-Raum und einem X-Men-Raum. Überschaubar. Bei so manch anderem von euch sind es vielleicht sogar ganze Villen, weil ihr so viele Lieblingsfandoms habt. Heute habe ich beschlossen, dass ich euch mal einen kurzen Einblick in meinen Harry Potter-Raum gewähre.
Hi, I'm Klybneeka and welcome to my crib!
Mein HP-Raum ähnelt einem Wartezimmer beim Zahnarzt. An den Wänden hängen Poster, die aufmuntern sollen, auf dem Tisch liegen Broschüren über Selbsthilfegruppen und Magazine zum Thema Psychologie. Ich verstehe, dass die betroffenen Personen nach ihrer Rückkehr aus meinen Geschichten zunächst einmal unterstützende Lektüre brauchen.
Das Wartezimmer ist groß und geräumig und entlang den Wänden stehen Stühle, doch nicht jeder ist besetzt. Ich habe eben nicht so viele Lieblingsfiguren in diesem Fandom.
Im Raum befinden sich:
Draco Malfoy
Lucius Malfoy
Scorpius Malfoy
Ron Weasley
Hugo Weasley
James Potter
Gilderoy Lockhart
Tom Riddle
Ihr seht, die Auswahl ist begrenzt. Ich bin kein großer Fan der Potters und wenn sie mal in meinen Geschichten gebraucht werden, dann nur als unwichtige Nebenfiguren. Für die gibt es noch einen Extraraum, der allerdings bei Weitem nicht so schön und geräumig ist, wie dieser hier. Das hier ist der Premiumraum. Hier haben nur Protagonisten Zutritt.
Nun wird der geneigte Leser schon ahnen können, dass meine Spezialität auf Malfoy/Weasley-Slash liegt. Die Dynamik, finde ich, ist eine stärkere als beispielsweise zwischen einem Potter und einem Malfoy. Die Bücher bieten zwar für Malfoy/Potter genug Potential, aber mich langweilt die Offensichtlichkeit, mit der man das Pairing förmlich unter die Nase gerieben bekommt. Das gilt übrigens auch für Hermine und die jeweiligen Konstellationen mit Draco oder Snape.
Bevor ich aber auf meine Spezialität eingehe, möchte ich zuerst die Anwesenheit von Gilderoy Lockhart und Tom Riddle erklären. Ich habe es mir in den Kopf gesetzt, eines Tages die beiden zusammenzubringen. So ein bisschen wie Pinky und der Brain. Die beiden ergeben einfach so viel Sinn zusammen. Lockhart einerseits als der überhebliche und selbstverliebte Schüler und Tom andererseits als der depressive Emo, der in nichts Freude findet, aber ab und zu über Lockharts pfiffige Bemerkungen lachen kann. Süß, oder?! Naja, wenn ich mir Lockhart und Riddle aber so anschaue, so scheinen sie überhaupt nicht begeistert. Lockhart schmollt gerade in der Ecke, weil ich ihm verboten habe, seine Roben zu wechseln. Und Tom, naja, er ist halt ein bisschen in sich gekehrt, nicht wahr. Rowling hat ihn so dermaßen in seiner Charakterart geknechtet, dass es für mich wirklich schwierig ist, Tom einen Hauch von Lebensfreude einzuhauchen. Oder ihn einfach netter zu gestalten. Er verharrt stur in seiner zugeteilten Rolle. Das wird sicherlich noch ein hartes Stück Arbeit, aber vielleicht kann ich ihm ja doch eine sanftere und freundlichere Art aufzwingen.
Nun und dann ist da noch James Potter, der, wenn man zur Tür reinkommt, direkt linker Hand auf dem ersten Stuhl sitzt. Die nächsten fünf Stühle neben ihm sind frei. Der arme Kerl zittert ein bisschen und leider ist das Augenzucken, das ich ihm im Rahmen eines Rollenspiels vor nicht allzu langer Zeit angedichtet habe, nicht mehr verschwunden. Ich schäme mich ja schon fast ein bisschen, aber andererseits war es eine Meisterleistung. Es ging in dem Rollenspiel eigentlich um Draco und Hugo und letzterer befand sich in einer gewissen Abhängigkeit zu James (so'n Hurt/Comfort-Ding, das immer mal wieder extreme Richtungen eingeschlagen hat). Nun, James war sozusagen der bad guy und ziemlich brutal, aber immerhin ein Auror (!) und das scheint ihn ziemlich mitgenommen zu haben. Wir, das heißt mein Rollenspielpartner und ich, hatten uns einfach zu sehr daran erfreut, dass James dem armen Hugo immer mal wieder wehtat, um es mal sachte auszudrücken. Wir hatten ja keine Ahnung, dass James in seiner Rolle hängen bleiben würde. Naja und nun sitzt er da, zuckt geistesabwesend mit seinen Augen, schaukelt immer mal wieder leicht vor und zurück und keiner will sich neben ihn setzen. Armer James.
Mein Steckenpferd war lange Zeit ja eigentlich Ron/Draco. Das liegt vor allem auch daran, dass die Grundgegebenheiten einfach ganz gut passten. Weder an dem einen, noch an dem anderen muss man groß rumdoktern, weil die Figuren von ihrer Art schon viel mitbringen. Da kann man super drauf aufbauen und seien wir mal ehrlich, die Neckereien zwischen einem Malfoy und einem Weasley machen einfach am meisten Spaß, oder? Ron und Draco haben bei mir schon einiges mitgemacht, aber meine größte Errungenschaft war bisher eine Geschichte, in der Ron zu einem Überläufer wird und im sechsten Jahr sich dazu entscheidet, Draco dabei zu helfen, Dumbledore umzubringen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass diese Idee bestimmt schon jemand vor mir hatte, aber das ist ja auch irgendwie das Schöne an Fanfictions. Im Prinzip sind sie sich alle gleich, die Variablen sind zwar veränderbar, aber jedes Fandom bietet automatisch eben auch eine gewisse Vorhersehbarkeit. Aller Originalität zum Trotze sind wir alle in unseren Entscheidungen, wie wir unsere Lieblingsgeschichten verändern wollen, durchschaubar. Naja, jedenfalls habe ich das Gefühl, dass durch meine wiederholte Entscheidung, Ron und Draco zusammenzubringen, sich die beiden tatsächlich etwas näher gekommen sind. Zumindest sitzen sie regelmäßig nebeneinander und diskutieren die aktuelle Ausgabe des Psychologie-Magazins. In letzter Zeit hat mich aber immer mehr das Pairing Hugo/Draco gereizt und derzeit arbeite ich an einer relativ großen Geschichte zu den beiden, die ihr auch hier auf diesem Profil finden könnt. Dazu muss ich etwas ausholen und euch Scorpius Malfoy zeigen, der in der Spielecke des Zimmers sitzt und gerade angestrengt versucht, ein zehnteiliges Puzzle zu lösen. Ihr kennt das ja: man hat eine Idee, fängt an und irgendwann artet das voll aus? So ungefähr ergeht es mir gerade mit der Hugo/Draco-Geschichte, da mir dann plötzlich der Geistesblitz kam, dass man ja als Voraussetzung für die Geschichte eine Vorgeschichte aufbauen könnte, die kurz gesagt ein Abstecher in die Scorpius/Hugo-Gefilde bedeutete. Doof nur, dass ich Scorpius dafür habe ein Selbstmord begehen lassen, um somit wiederum an das Folgepairing Draco/Hugo anzuschließen. Verwirrend, oder? Grob gesagt: der junge Weasley hat zuerst was mit Scorpius, der nimmt sich das Leben und dann findet Hugo Trost bei dessen Vater *yikes* Ihr könnt euch ja denken, dass das Scorpius nicht so prickelnd fand und froh war, wieder in die Kinderecke zurückkehren zu dürfen.
Nun und neuerdings arbeite ich an einer deutschsprachigen Fic, ebenfalls ein Hugo/Draco-Pairing. Die könnt ihr auf meinem Profil finden und heißt „Das grünste Gift" ;)
Ach ja.
Da wir ja gerade alle irgendwie in unseren eigenen vier Wänden gefangen sind, ist mir letztens auch noch ein Teil meiner etwas dunkleren Vergangenheit als FF-Autorin eingefallen.
Mein Blick wandert durch den Raum. Unschuldig wie Lämmer sitzen sie da und ihre Augen sind nervös auf mich gerichtet.
„Draco, steh auf.", sage ich ruhig, aber bestimmt. Draco schaut zur Seite, blickt Ron einmal kurz tief in die Augen und nickt halbtraurig zum Abschied.
Ich schaue kurz zu Hugo, dem aber für heute eine Pause vergönnt ist.
„Lucius, du auch!", sage ich dann und spüre, wie sich auf meinem Gesicht ein Grinsen ausbreitet. Der stets so selbstbewusste und dominante Mann zuckt zusammen, als er seinen Namen im Zusammenhang mit seinem Sohn hört.
Er hat eine Ahnung.
Die beiden stellen sich vor mich und schauen mich mit dem letzten Stück Würde an. Sie wissen, was kommt.
Denn ich hatte schon immer eine Leidenschaft für Malfoycest.
Mein Blick wandert in die Kinderecke, in der der verwirrte Scorpius sitzt. Keine Sorge, er ist alt genug.
