Talking about love.
part two.
Irritiert blinzelte sie, als sich auf einmal ein kalter Handrücken auf ihre Stirn legte. Wo war sie? Wer war hier bei ihr?
Ein seltsames Gefühl durchströmte ihren Körper, sie wollte sich aufsetzen, die Kontrolle über die Situation zurückerlangen, doch sie wurde nur wieder auf die Bank unter ihr gedrückt. Eine rauchige, ruhige Stimme bestätigte ihren Verdacht. Akai.
„Shhh… Bleib' wenigstens liegen bis du wieder klar siehst…" Er hatte Recht, als sie darüber nachdachte bemerkte sie erst, dass sie nicht scharf sah. Eher verschwommen, wie durch eine vollkommen dreckige Brille mit der falschen Stärke.
„Was… ist das hier für ein Raum?" Ihre Stimme klang matt, ausgelaugt, ihre Kehle fühlte sich staubtrocken an. „Ein Nebenraum der Diskothek. Glaubst du, du kannst dich hinsetzen?" Ein zögerliches Nicken folgte. Ein Nebenraum also, dann bildete sie sich die Musik nicht nur ein, ein Glück. Während sie sich mit zitternden Fingern hochstemmte, half er ihr einfach schweigend, sorgte dafür, dass sie an seinen Oberkörper gelehnt dasaß, ehe er ihr ein Glas Wasser in die Hand drückte. Schweigend trank sie, trank es letzten Endes vollkommen aus, bis sie begriff weshalb sie umgekippt war. Sie hatte schlichtweg nichts getrunken.
Wunderbar, und so etwas nannte sich Wissenschaftlerin.
Sie müsste doch noch am ehesten wissen, wie sich akuter Wassermangel unter diesen Umständen auswirkte. Sie hätte sich selbst ohrfeigen können.
Dennoch spürte sie, wie langsam das Leben in sie zurückkehrte, wie sich ihre Sicht schärfte, wie ihre Sinne insgesamt wieder klarer wurden, sie fühlte sich ein Stück weit besser.
„Danke…", murmelte sie, noch immer etwas mitgenommen.
„Wie fühlst du dich?" Wollte er nur wissen, doch... Was war das denn bitte? Machte er sich etwa allen Ernstes Sorgen um sie? Wegen solch einer Lappalie?
„Mir ist übel… Ansonsten alles bestens.", gab sie knapp und dennoch gegen ihren Willen lächelnd zurück, lehnte ihren Kopf seufzend gegen seine Brust und schloss die Augen für einen Moment.
„Ist… Ran jetzt bei ihm?"
Er zuckte die Schultern, woher bitte sollte er das denn wissen?
„Ich nehme an ja.", gab er nicht ganz sicher zurück.
„Ich hoffe er hat seinen Verstand wiedererlangt…", seufzte sie dann, die Augen wieder öffnend, auf die Decke richtend.
„Hättest du dir das denn nicht denken können? Dass ihr euch irgendwann in dieser Situation wiederfinden würdet? Dass er irgendwann begreift, dass auch du eine begehrenswerte Frau bist? Warst du wirklich derart naiv nicht daran zu denken?"
„Was hätte ich denn tun sollen? Das hier ist eine Art Abschluss, ich weiß nicht ob ich ihn danach überhaupt wiedersehe und er… wollte tanzen… mit mir, da werde ich nicht den Fehler machen, Nein zu sagen." Beinahe überlegen blickte sie ihn an, er schüttelte nur leicht grinsend den Kopf.
„Es waren wenige Millimeter, Shiho… Warum hast du nicht ein einziges Mal, nur dieses eine Mal nicht nach dem gehandelt, was dein Verstand dir gesagt hat?"
„Weil ich damit die Chance vertan hätte, ihn jemals wieder zu sehen."
Er schwieg erst einmal, dieses Argument saß. Irgendwie konnte er es ja auch nachvollziehen. Doch war er sich sicher, dass er in diesem Moment nicht nachgedacht hätte. Er an ihrer Stelle hätte den Jungen einfach geküsst. Es hätte keinen Unterschied mehr gemacht.
Doch er hatte im Gegensatz zu ihr auch gelernt, seine Gefühle einfach auszuschalten, wenn sie zu stark wurden.
Sie hingegen hing an dem Detektiv, wie an ihrem Leben. Er war alles für sie. Ihm hatte sie ihren Lebenswillen gewidmet gehabt und ihn sollte sie nun dennoch verlieren.
„Liebst du ihn?"
Unschlüssig wiegte sie den Kopf hin und her, blickte dann wieder empor zur Decke.
„Ich würde lügen, wenn ich Nein sage, doch… Es ist wahrscheinlich nicht das, was er denkt. Ich bin nicht in ihn verliebt; ich werde nicht nervös, nur weil er mich ansieht, denn das tut er ständig, nein... Shinichi Kudos Leben war der Sinn des meinen. Nun hat er es wieder, meine Aufgabe ist erfüllt, dennoch… Liebe ich ihn wohl wirklich, ja, was er aber hoffentlich niemals erfahren wird."
„Wegen Ran?"
Ein Nicken folgte.
„Weil ich weiß, wie es ist, immerzu zu hoffen, eine geliebte Person möge endlich wiederkommen. Wenn sie einem dann für immer genommen wird, ist es um einiges grausamer, als von Anfang an zu wissen, dass man sie verloren hat."
Warum erzählte sie ihm das überhaupt? Es machte doch keinerlei Sinn, oder?
Den Kopf schüttelnd musterte sie ihn eine Weile lang.
„Aber weißt du… Auch wenn man weiß, dass die Person nicht zu einem zurückkehren wird, es gibt dennoch… törichte Leute, die diesen Menschen auf ewig nachtrauern…"
Nun war es an ihm, die Augen zu schließen, vorsichtig seine Arme um sie zu legen und sich leicht an sie zu lehnen.
„Das ist nicht töricht. Es ist nur ehrlich. Es wäre eine Schande, die eigenen Gefühle zu leugnen, nur weil man weiß, dass man verloren hat. Selbst nach einem Verlust hat man immerhin eine neue Erfahrung dazu gewonnen. So gesehen ist es weder töricht, noch dumm."
„So… habe ich das wohl noch nie gesehen.", murmelte er leise, lächelnd über die Tatsache, dass sie sich ihm noch nicht entzog. Ganz so schrecklich konnte sie ihn dann ja wohl doch nicht finden.
„Der Abend war von vorn herein zum Scheitern verurteilt.", seufzte Shiho, weiterhin leicht an ihn gelehnt.
„Na, wenigstens Jodie hat ihren Spaß." Ein Grinsen machte sich auf seinen Lippen breit.
„Tja, dumm dass du arbeiten musst, nicht?" Nun war es an ihr zu grinsen.
„Allerdings, ja…", gab er schmunzelnd zurück, wollte sie ihn ärgern?
„Glaubst du sie kommt klar?"
„Jodie? Natürlich, sie weiß ja, dass sie keinen Alkohol verträgt." Er zuckte die Schultern, seine Partnerin würde schon wissen, wo ihre Grenzen liegen. Immerhin war sie mit 28 kein Kind mehr. Naja, vielleicht sollte er sie demnächst dennoch irgendwo aufgabeln und dafür sorgen, dass sie auf den Rest der Truppe aufpasste, wenn es ihm momentan schon nicht möglich war.
„Wie sieht's aus, willst du noch bleiben?" Er musterte sie skeptisch, wenn sie hier bleiben wollte wäre ihm das nur Recht. Jodie war den anderen momentan wohl keine große Hilfe, doch wenn sie lieber nach Hause wollte, würde er sie selbstverständlich nach Hause bringen.
„Eine Weile schon noch, ja.", gab sie gleichgültig zurück. Abgesehen davon, dass sie ihm keine Umstände bereiten wollte, konnte sie Shinichi jetzt wohl kaum mitteilen, dass sie schon gehen wollte. Er würde es ihr übelnehmen, da war sie sich ziemlich sicher.
„Gut… Können wir dann?" So etwas wie ein Lächeln legte sich auf seine Lippen, während er sie langsam losließ und aufstand; ihr dann seine Hand entgegenstreckte, was sie gekonnt ignorierte und sich auch ohne seine Hilfe wieder erhob.
„Aber tu' mir den Gefallen und trink diesmal was.", mahnte er dennoch. Nicht, dass sie wieder umkippte und er dieses Mal eventuell nicht in der Nähe war, um sie aufzufangen, das hätte ihm gerade noch gefehlt.
Ein knappes Nicken folgte, ebenso ein entschuldigender Blick. Wofür bitte hielt sie ihn? Gin? Ihrem zurückhaltenden Verhalten nach zu urteilen schon, nur war das wohl das Letzte was er wollte.
„Hey, da seid ihr ja wieder." Heiji grinste sie breit an, als sie sich die Augen verdrehend neben ihm auf einem der Barhocker niederließ.
„Sieht so aus, ja.", gab sie knapp zurück, grinste ihn dann jedoch amüsiert an. „Was genau denkst du gerade?"
So wie er dreinblickte nichts Gutes. „Naja, was soll ich davon halten, wenn man mir auf die Frage hin, wo du seist, mitteilt in einem der Nebenräume. Mit diesem FBI-Agenten zusammen?" Sie bedachte ihn mit einem überaus abfälligen Blick, doch ehe sie hätte antworten können, traf Heiji ein nicht gerade freundlicher Seitenblick.
„Doch, es war unglaublich amüsant zu warten, bis sie wieder aufwacht…" Akai klang gereizt, er hasste es nun mal, wenn Leute, die nur die Hälfte mitbekommen hatten, ihre Kommentare abgeben mussten. Gut, er kannte den Jungen nicht, aber trotzdem…
„Aufwacht?", verwirrt und Hilfe suchend sah der Osakaer zu Shiho, die das Ganze mit einem „Nicht weiter tragisch, ich bin umgekippt, aber es ist alles in Ordnung." für beendet ansah. Heijis besorgten Blick daraufhin ignorierte sie erst einmal.
„Wo ist Kudo?", wollte sie dann wissen, während Akai befand, dass der Junge auf sie aufpassen würde. So machte er sich erst einmal auf die Suche nach seiner Kollegin.
„Mit Ran irgendwo auf der Tanzfläche, ich frage mich aber eigentlich eher, wo Kazuha abgeblieben ist. Sie wollte mit Sonoko zur Toilette…"
„Dann geh' sie suchen." Sie wusste nicht, was daran nun so schwer war.
„In der Menschenmenge hier finde ich sie niemals.", seufzend nahm er einen Schluck von seinem… ja, was war das eigentlich?
„Dir ist klar, dass das Alkohol ist, ja?" Eine ihrer Augenbrauen hob sich fragend.
„Und dir ist klar, dass ich volljährig bin, oder? Abgesehen davon habe ich das so verstanden, als wollte dieser FBI-Typ, dass du in irgendeiner Form Flüssigkeit zu dir nimmst. Ich zahle." Grinsend schüttelte sie den Kopf, wenig später hatte sie einen interessant aussehenden Cocktail vor sich stehen. Sie musterte das Getränk überaus skeptisch, doch als sie dann probierte, schmeckte es entgegen ihrer Erwartungen eigentlich ganz gut.
Nach einer Weile hatte sich die ganze Truppe dann zu beinahe aller Erstaunen doch wieder gefunden und beschlossen diesmal zusammen wieder zur Tanzfläche aufzubrechen. Heiji musterte Shiho einigermaßen besorgt, doch diese lächelte ihn nur kurz an, um ihm zu verstehen zu geben, dass alles in bester Ordnung war.
Gut, dann glaubte er ihr eben mal fürs Erste. Immerhin, wenn sie zusammenblieben, dann konnte er auch so auf sie aufpassen.
Selbst Jodie war wieder bei ihnen, ob nun freiwillig oder nicht, war nicht in Erfahrung zu bringen. Sie war einigermaßen betrunken, was sie aber nicht im Geringsten zu stören schien.
Shinichi und Ran waren beide irgendwie verlegen. Vorhin hatten sie es geschafft, miteinander zu tanzen ohne sich dabei vollkommen fehl am Platz vorzukommen. Nun jedoch war Ran wieder stocksteif und stand einfach reglos herum. Es tat ihr ja wirklich leid, doch auch Sonoko war ihr da keine große Hilfe. Diese hingegen schien langsam begriffen zu haben, dass Shiho doch keine so üble Begleitung war.
Shiho lachte zu Shinichis Überraschung sogar, als Sonoko sie ein wenig mit sich schleifte, um ausreichend Platz zu haben. Makoto verzog nur schmollend den Mund, gab sich aber erst einmal resigniert, seine Freundin schon wieder los zu sein.
Sonoko war einigermaßen beeindruckt, sie war wirklich gut, das musste man ihr neidlos zugestehen. Natürlich war sie weiterhin die ungeschlagene Queen, wer auch sonst?
Die Oberschülerin behielt ihre momentane Tanzpartnerin dennoch unbeirrt im Auge. So ganz traute sie ihr noch nicht, immerhin kannten sie sich kaum und es wirkte irgendwie immer für sie, als wolle diese Hairi irgendetwas von Shinichi, was sie natürlich niemals zugeben würde.
Umso überraschter war Sonoko dann eigentlich von der Reaktion der Rotblonden, als dieser absolut gutaussehende FBI-Agent ihr eine Hand auf die Schulter legte und sie sich zu ihm umdrehte. Sie wechselten kurz einige Worte, dann war ein Nicken von Hairi zu vernehmen, während nun direkt sowohl Sonoko, als auch sie selbst mit Shuichi tanzten, wogegen die Oberschülerin keineswegs etwas einzuwenden hatte. Abgesehen davon störte es wohl kaum, Makoto ein wenig eifersüchtig zu machen.
Sonoko grinste stumm in sich hinein, sie hatte hier definitiv ihren Spaß. Sie liebte es, ihre Freundin dabei zu beobachten, wie sie sich nicht traute mit Shinichi über das Wesentliche zu reden.
Als sie ihren Blick wieder auf Hairi richtete, stutzte sie im ersten Moment etwas, hatte sie was verpasst?
„Was ist das?"
Er wusste ja im Grunde, dass sie indirekt nüchtern war. Dennoch hatte der Cocktail, den Heiji ihr verpasst hatte, äußerliche Auswirkungen. Die gute Laune zählte wohl teilweise auch dazu, ebenso das kurze Stocken, als sie zu sprechen begonnen hatte. Sie war offenbar selbst etwas irritiert von dieser Tatsache.
„Gin.", gab er mit einer Mischung aus Erheiterung und Ekel zurück. Einerseits hasste er dieses Getränk, andererseits war es das Einzige, das bei ihm halbwegs Wirkung zeigte.
Skeptisch beobachtete sie ihn, wie er das Glas leerte und dann auf einem nahe gelegenen Tisch abstellte, ehe er die wenigen Meter wieder zurückkam.
Ihr Blick haftete an seinen noch leicht feuchten Lippen, unbewusst leckte sie sich über die ihren. Sie fragte sich gerade, wie Gin wohl schmeckte – Sekunden später dann wusste sie es.
Anfangs war sie einigermaßen erschrocken gewesen, als er auf einmal seine Lippen auf die ihren gelegt hatte. Doch offenbar hatte er ihren nachdenklichen Blick richtig gedeutet, es hatte doch so seine Vorteile, wenn man den Alkohol nicht zu probieren brauchte, um zu wissen, wie er schmeckte.
Leicht grinsend öffnete sie ihre Lippen etwas, strich mit ihrer Zunge über die seine, er kam ihr bereitwillig entgegen, ebenfalls leicht grinsend.
Sonoko starrte kurzzeitig auf die beiden, dann sah sie auf einmal Makoto's Augen dicht vor sich, schloss die ihren langsam, während sie schon seine weichen Lippen auf den ihren spürte. Es war ihr erster Kuss und dennoch war er, wie sie fand, wunderbar.
„Sh-Shinichi?" Ran zupfte zögerlich an seinem Ärmel, er unterhielt sich gerade angeregt mit Heiji. Genau genommen schrien sie sich dank der lauten Musik eher an, aber das störte offenbar keinen von beiden.
Etwas irritiert wandte sich der junge Detektiv zu seiner Begleitung um, musterte sie fragend.
„Was ist denn, Ran?" Diese wurde etwas rot, blickte dann verlegen zu Boden und malte mit ihrem Fuß unsichtbare Kreise auf diesen.
„Würdest… würdest du mich eventuell… küssen?", stotterte das Mädchen unglaublich verlegen und tiefrot im Gesicht. Er starrte sie im ersten Moment fassungslos, dann ebenso verlegen an.
„Wie… kommst du auf einmal darauf?", fragte er, noch immer vollkommen perplex. Sie wich seinem Blick aus und warf ihn stattdessen zögerlich in eine bestimmte Richtung. Er folgte diesem, erstarrte, ehe er nervös zu lachen begann.
„Shinichi?" Was bitte war das denn nun für eine Reaktion? „Alles in Ordnung?"
Er schüttelte im ersten Moment den Kopf, besann sich dann eines Besseren und nickte.
„Ja… nur… Wieso…?", stammelte er, weiterhin zu den vieren starrend. Dass Sonoko und ihr Freund es jemals schaffen würden, sich zu küssen, hatte er ja schon nie für möglich gehalten. Doch dass seine Ai hier ganz unverfroren auf Akai einging, hätte er niemals, wirklich niemals für möglich gehalten.
Und eben diese fragliche Menschenkenntnis schockte ihn.
„Warte mal einen Moment, ja?", wandte er sich dann knapp an Ran; eilte daraufhin zu Shiho und dem FBI-Agenten.
Dieser nahm gerade seine Lippen langsam wieder von den ihren, nach wie vor amüsiert.
„Und?" Schienen seine Augen stumm zu fragen, die Antwort irritierte Shinichi dann ein weiteres Mal.
„Absolut widerlich.", gab sie grinsend zurück, ehe sie auch schon gegen ihren Willen mitgeschleift wurde.
Was bitte hatte Kudo denn auf einmal?
„Hey, was soll das werden?" Ihre Augen verengten sich, als sie ihn nicht gerade begeistert ansah, doch er schleifte sie mit sich bis zu den Toiletten, wo um einiges weniger Leute herumstanden.
„Was bitte sollte das eben?", fuhr er sie ungeachtet der Blicke der anderen Leute an. Was für eine Laus war ihm denn nun über die Leber gelaufen?
„Ich denke, ich bin alt genug um selbst über mein Leben zu bestimmen, findest du nicht?", gab sie nüchtern zurück.
„Aber—" Er sah sie aufgebracht an, schüttelte ungläubig den Kopf.
„Und was sollte der Spruch am Ende bitte? Wenn du es schon so widerlich findest, was sollte der Speichelaustausch dann?"
Sie musste sich wirklich zusammenreißen um nicht loszulachen.
Die Schultern zuckend antwortete sie ihm dann. „Wenn du es genau wissen willst, das eben war in keinster Weise ernst gemeint. Ich wollte wissen wie Gin schmeckt, er hatte eben gerade welchen getrunken. Du weißt was ich von Alkohol halte, wo liegt nun das Problem?"
„Ich… dachte nur, dass man…" Er schüttelte irritiert den Kopf. „Hättest du das… bei jedem gemacht?", wollte er dann einigermaßen verlegen wissen.
Sie schüttelte augenblicklich den Kopf.
„Nein, abgesehen davon hat es doch ganz gut geklappt, oder? Schon mal was von Herdentrieb gehört?" Sie schnipste ihm gegen die Stirn, die er sich daraufhin schmollend rieb.
„Du meinst… Das war unter anderem nur…"
„Um Sonoko und Makoto, ebenso eigentlich Ran und dich, dazu zu bringen, euch endlich zu küssen, ja."
Seufzend musterte sie ihn.
„Es tut mir leid, Kudo." Damit drehte sie sich um und verschwand in der Menschemenge.
Sonoko hatte nach ihrer kleinen Knutscheinlage offenbar erst einmal genug von Makoto. Und Kazuha, die trotz ihrer 17 Jahre durch Heiji irgendwie an Alkohol gekommen war, den sie kein bisschen vertrug, hatte angefangen über die Männer zu schimpfen.
Der junge Osakaer hat daraufhin kurzerhand Shiho mit zur Tanzfläche geschleift.
Wunderbar, ihre Füße taten jetzt schon weh…
Seit diesem kleinen Zwischenfall war eine gute Stunde vergangen. Doch mittlerweile fragte sie sich wirklich, was in dem Drink gewesen war, den er für sie ausgesucht gehabt hatte. Was auch immer es war, es wirkte, jedenfalls äußerlich. Gegen ihren Willen kichernd, schlang sie ihre Arme um seinen Hals, legte ihr Kinn auf seine Schulter. Langsam aber sicher brauchte sie eine Pause. Theoretisch. Praktisch konnte sie das wohl vergessen.
Es war seltsam, aber je später es wurde, desto gleichgültiger war es ihr, mit wem sie tanzte. Und wie, zu welcher Musik. Heiji war genervt von Kazuha, diese auch von ihm; also sprach nichts dagegen. Sie würde ohnehin niemals in Erwägung ziehen, dem jungen Detektiven irgendwie zu nahe zu kommen.
„Hey!" Irritiert blickte sie auf, ihr schwirrte der Kopf.
„Da sind Kudo und Ran, komm!" Und schon wurde sie wieder mitgeschleift, als ob sie nicht selbst bestimmen könnte, wohin sie lief.
„Trifft man euch auch mal wieder?!", neckte Heiji die beiden. Sichtlich mitgenommen, aber auch ebenso aneinanderhängend, grinsten sie ihre Freunde leicht verlegen an.
„Cool Kid!"
Shinichi wandte sich perplex um. Miss Jodie gab sich also auch mal wieder nach, wie es schien, Stunden, die Ehre. Gefolgt von Akai, der mittlerweile nicht mehr ganz so mürrisch wirkte wie zu Beginn.
„Alles okay?", wollte die ehemalige Englischlehrerin wissen, breit grinsend, während sie ihre Arme um Shinichi und Ran legte, sich mehr an die beiden lehnte, als selbst zu stehen.
„Alles bestens, ich finde wir sollten mal zusammenbleiben, was meint ihr?" Shinichi hatte langsam genug davon, die anderen immer wieder suchen zu müssen. Dass die anderen beiden Frauen sich abgeseilt hatten, war nicht sein Problem, aber zumindest Shiho wollte er eigentlich schon im Blick haben.
Gut, so bewegten sie sich also wieder in Richtung Tanzfläche. Shiho wollte gerade protestieren, als sie dann am Handgelenk festgehalten, dazu veranlasst wurde sich umzudrehen.
Ein Paar grüner Augen traf auf die ihren, er musterte sie abschätzend.
„Du bleibst bei mir.", beschloss er dann schlicht.
Und schon wieder wurde sie ihrer Entscheidungsfreiheit beraubt.
Sekunden später war ihr diese Tatsache aber dann doch so gut wie egal. Sie musterte ihn, er wirkte vollkommen nüchtern. Ob er es auch war, war eine Frage die ihr keiner beantworten würde. Nach einem Blick in ihre Augen begriff auch er, dass sie vollkommen klar im Kopf war. Der Alkohol mochte ihre Muskeln beeinflusst haben, ihren Verstand jedoch griff so leicht nichts an. Sie wusste genau was sie tat.
Erstaunlicherweise waren sie sich auf einmal nach einem kurz ausgetauschten Blick einig. Ein schmales Lächeln legte sich auf ihre Lippen, er grinste schon beinahe, während er sie etwas näher zu sich zog. Die Musik tat ihr Übriges, der Körperkontakt wurde mit jeder Bewegung enger.
Ran zupfte einigermaßen irritiert an Shinichis Ärmel, wies dezent auf Shiho. Sie raunte ihm ein „Ich dachte sie können sich nicht leiden?" zu, das er nur mit einem vollkommen verwirrten Schulterzucken quittierte.
Wenn er ehrlich war, hatte er bis vorhin sogar gedacht, die Rotblonde hätte Angst vor dem FBI-Agenten.
Aber das hier, das machte nun ihm beinahe Angst. So hatte er seine Freundin noch nie gesehen, dass sie sich einer Sache derart sicher war…
„Was glaubst du wird das?", hakte Ran weiter nach, die sich keinen Reim auf die Sache machen konnte. Gut, einige Pärchen um sie herum standen wild knutschend auf der Tanzfläche. Doch danach sah es nun wirklich nicht aus.
Vielmehr hatte Shinichi das dumpfe Gefühl, diesen Schritt hatten sie bewusst übersprungen. Er fragte sich, ob sie nicht doch ein wenig betrunken war. Es war schließlich Shuichi Akai mit dem sie hier tanzte. Wenn man das noch so nennen konnte…
„Nun… äh…", stotterte der Detektiv einigermaßen verlegen. Wenn er es mit Ran jemals so weit bringen würde, würde ihm ein Stein vom Herzen fallen.
Die Brünette besah sich die beiden überaus skeptisch. Sie, als gut erzogene Japanerin war einigermaßen geschockt. Nicht nur, dass sie ihn so nahe an sich heranließ. Nein, das hätte sie bei Shinichi auch nicht gestört. Vielmehr war es das was er tat, oder eben nicht tat.
Aber auch die Musik sagte Ran langsam aber sicher nicht mehr so ganz zu, sie fühlte sich fehl am Platz. Würden Shinichi und sie wohl jemals so weit gehen?
Die Hände des FBI-Agenten glitten über ihren Körper, während eine der ihren in seinem Nacken lag, die andere auf seiner Brust. Ihre Finger zitterten, oder bildete Ran sich das nur ein. Sie bewegten sich zur Musik, vielleicht auch eher zu deren Text, von dem sie, dank mangelnder Englischkenntnisse, nur die Hälfte verstand. Doch als die Hand des Schwarzhaarigen dann langsam über Hairis Hintern, an ihre Oberschenkel, bis zur Spitze ihres Rockes glitt, reichte es Ran endgültig, es war an der Zeit zu gehen.
„Shinichi, können wir langsam nach Hause?"
Dieser nickte nur wie versteinert, was sollte das? Shiho wusste doch, dass sie morgen nur noch frustrierter wäre, als sie es jetzt schon war, wenn sie so weiter machte.
