Kapitel 2 - Das alte Versandzentrum

Das hier konnte kein Traum sein! Als ich mir vor Schrecken vor den Mund fasste, bemerkte ich am Handgelenk etwas feuchtes, was mir den Hals hinunter lief. Ich sah mir das Handgelenk an und sah...Blut. Mein Blut. Ich blieb kurz wie erstarrt stehen um mir mein blutiges Handgelenk anzusehen. Ich tastete langsam meinen Hals ab und bemerkte eine kleine Stichwunde, die sehr weh tat. Was hatte mich da erwischt? Es tat sehr weh, die Wunde zu spüren. Auch wenn sie nicht tief war, ein Moskitostich war das auf jeden Fall nicht.

Ich musste so schnell wie möglich nach Hause um klaren Gedanken zu fassen und die ganzen Ereignisse erstmal zu verarbeiten. Also suchte ich die nächste Hauptstraße um mich zu orientieren. Ich war zwar oft in der Stadt unterwegs, aber diesen Stadtteil kannte ich nicht so gut da er etwas weiter außerhalb war. Als ich an der Straße stand, versuchte ich mein Glück indem ich Richtung Stadtzentrum lief, spätestens von dort aus würde ich wieder nach Hause finden.

Ich fand zu der großen Hauptstraße in meinem Ort, die bis zum Stadtzentrum führte. Als ich auf der anderen Straßenseite meine ehemalige Arbeitsstelle erkannte, hatte ich die Orientierung wieder gefunden und wusste wie ich von hier nach Hause kam. Ich lief an dem großen ehemaligen Versandzentrum vorbei. Es war wirklich etwas unheimlich es so leer stehen zu sehen, nachdem das vorherige Unternehmen da drin pleite gegangen war. Und da das Gebäude schon etwas älter war, fiel es der Stadt schwer einen neuen Nachmieter für das Grundstück zu finden. Die riesige Front voller dunkler Fenster erweckte den Anschein, als ob man beobachtet wird. Besonders jetzt wo es Nacht war hatte ich ein mulmiges Gefühl alleine hier lang zu laufen. Man kam sich wirklich klein vor wenn man daran vorbei lief. Als ich am Haupteingang vorbei lief, fiel mir die große Hausnummer an der Hauswand auf und ich blieb sofort stehen. Ich holte mit zitternden Händen den Zettel und den Schlüssel aus meiner Tasche und ich wurde kreidebleich, als ich die identische Hausnummer auf dem Zettel las.

Ich war bereits an dem Punkt angekommen, an dem ich mich damit abfinden musste dass alles wirklich passiert ist. Ich wollte es nicht wahrhaben, aber die Fakten sprachen für sich. Um diese Nacht also ohne durchzudrehen zu überstehen, entschied ich mich es zu akzeptieren. Die Zugfahrt, Equestria, Glaze, die Stichwunde...es ist alles wirklich passiert. Ich hatte es wirklich erlebt. Und jetzt hielt ich noch einen Schlüssel für ein riesiges leerstehendes Versandzentrum in der Hand, wo ich nicht mal ansatzweise wusste was mich drin erwarten würde.

Ich stand wie gebannt vor dem Gebäude und blickte wortlos drauf. Ich wollte zwar unbedingt nach Hause, doch meine Neugier war in diesem Moment stärker wie mein Bedürfnis zu schlafen...vorerst zumindest. Ich näherte mich dem Eingang und blickte auf die ganzen Schilder und Tafeln auf denen der Name des ehemaligen Unternehmens schwarz abgeklebt wurde. Das kam mir etwas seltsam vor, aber das war in diesem Moment eins meiner wenigsten Probleme.

Als ich an der Eingangstür stand, warf ich einen Blick hinein ob ich was erkennen könnte. Doch der Gang hinter der Tür war ebenfalls dunkel und das einzige was ich an der Tür entdeckte war nur die alte Überwachungskamera, die aber dem Dreck auf der Linse nach zu urteilen nicht in Betrieb war. Ich rüttelte kurz an der Tür um zu überprüfen ob sie offen war, aber diese war fest verschlossen. Ob ich den Schlüssel aus meiner Tasche probieren sollte?

Ich steckte den Schlüssel ins Schloss und drehte ihn um. Die Tür ließ sich schwer öffnen, doch ich versuchte behutsam die Tür aufzudrücken um den Schlüssel nicht abzubrechen. Mit einem krächzenden Geräusch öffnete sie sich und ich konnte den dunklen Gang dahinter betreten. Er führte in die große Etage, die damals ein Großraumbüro gewesen zu sein schien. Das Mondlicht fiel von der Fensterfront des Gebäudes auf die Etage. Man konnte gut erkennen wo sich Säulen im Raum befanden, sodass ich nicht versehentlich gegen eine lief. Ich lief vor zu den Fenstern und blickte hinaus. Von hier aus konnte ich auf alle Gebäude um meine alte Arbeitsstelle herum blicken und unter anderen Umständen hätte ich diesen Ausblick wirklich genießen können, aber ich wollte nur noch nach Hause. Ich würde am nächsten Tag nochmal herkommen um mich umzusehen, was es mit diesem Gebäude auf sich hatte.

Gerade als ich mich umdrehte, hörte ich wie sich eine Tür in dem Gang öffnete durch den ich die Etage betreten hatte. Ich blieb regungslos stehen, wahrscheinlich war ein Sicherheitsdienst im Gebäude anwesend und hat gehört wie ich durch die Tür gekommen bin. Wahrscheinlich würde mich diese Person fragen wie ich an den Schlüssel für das Gebäude kommen konnte und die Erklärung dafür würde ich genauso gerne erfahren. Ich sah einen Lichtschein der aus dem Raum in den Gang strahlte. Doch ich hörte kein Wort, nicht mal Schritte. Also beschloss ich, dass ich mich dem Gang langsam näherte. Ich begutachtete die offenstehende Tür, als mich plötzlich ein flatterndes Geräusch zusammenzucken ließ. Es hallte durch die gesamte leere Etage. Vielleicht war es nur ein Vogel, der irgendwie in das Gebäude reingekommen ist, da es jetzt schon so lange leerstand und sich scheinbar niemand um die Instandhaltung kümmerte. Also fasste ich meinen Mut zusammen und lief weiter auf die Tür zu, diese war angelehnt und ich blickte vorsichtig hinein. Es war scheinbar eine alte Abstellkammer, wo etwas Reinigungsmittel, Papiertaschentücher und eine bezogene Matratze drin lagen. Die kam mir jetzt wie gerufen, denn nach Hause wäre es noch ein weites Stück gewesen. Noch bevor ich mir überlegte, ob ich hier wirklich alleine war, lag ich bereits auf der Matratze und schlief ein.

Am nächsten Tag wachte ich langsam wieder auf. Das war vielleicht eine Nacht. Ich schlief so tief und fest, dass ich gar nicht aufwachen wollte. Schlaftrunken stand ich auf und hoffte irgendwie doch noch, dass das Erlebnis am letzten Tag nur ein Traum war. Aber ich konnte nicht abstreiten, dass ich immer noch in dem alten Versandgebäude war. Was war denn meine Aufgabe? Hier war doch nichts außer leere Gänge, von was für einem Projekt redete dieser Dr. Atmosphere? Ich wusste nicht was ich tun sollte und entschied mich, erstmal nach Hause zu gehen. Draußen war es bereits Tag und die Sonnenstrahlen erhellten den Gang vor zu der Eingangstür durch die ich gestern abend hinein gekommen bin. Als ich an die Tür ging um sie zu öffnen, bemerkte ich dass sie abgeschlossen war.

"Seltsam, habe ich die Tür gestern abend hinter mir abgeschlossen?" fragte ich mich.

Ich griff in meine Tasche, um den Schlüssel zu suchen. Er war nicht mehr da, ich wurde nervös. Ich konnte mich nicht daran erinnern, die Tür gestern abend abgeschlossen zu haben, sehr wahrscheinlich hatte ich den Schlüssel in der Tür stecken gelassen. Möglicherweise hat jemand von außen die Tür zugesperrt und den Schlüssel mitgenommen. Wenn das der Sicherheitsdienst des Geländes war, wieso haben die dann nicht nachgesehen warum die Tür offen stand? Sie hätten mich in meinem Zustand sicherlich leicht finden können.

Eins stand zumindest fest: Ich musste nach Hause, aus dem Gebäude raus. Ich durfte gar nicht hier sein, das hier war Privatgelände der Stadt, ich könnte eine Anzeige wegen Hausfriedensbruch bekommen. Ich rüttelte an der Tür, doch die ließ sich nicht öffnen. Draußen sah ich die Menschen an der Straße entlanggehen. Ich sah die Autos, wie sie am Gebäude vorbei fuhren. Ich klopfte laut gegen das Glas, um die Menschen auf mich aufmerksam zu machen, doch sie waren zu weit weg. Zwischen der Hauptstraße und dem Eingang lag der große leere Parkplatz, von hier aus würde mich niemand hören, selbst rufen brachte da nichts.

"Ok…Beruhige dich wieder…", sagte ich zu mir selbst. "…du bist nur in einem öffentlichen Gebäude eingesperrt. Du musst nur warten, bis dich jemand sieht und jemanden anruft, der dich hier raus holt. Keine Panik, du kriegst das schon hin."

Dummerweise besaß ich ein Handy, dass zwar sehr nachhaltig produziert war, bereits aber nach 1 Tag ohne Ladung schlapp gemacht machte. Ich blickte zur Seite, als ich ein altes Haustelefon erkannte. Als ich den Hörer abnahm, kam allerdings kein Freizeichen. Das Kabel schien in Ordnung, doch die Leitung war tot. Auf dem Telefon lag schon ein bisschen Staub. Wahrscheinlich wurde der Anschluss vor langer Zeit schon abgeschaltet. Ich hatte also keine Möglichkeit, schnell rauszukommen. Also musste ich mir einen anderen Weg suchen, denn ich wollte ja nicht in einem verstaubten Versandgebäude enden.

Ich begann, nach Notausgängen zu suchen. Normalerweise sollten die Notausgänge nie verschlossen sein, selbst wenn das Gebäude leer stand. Als ich in den hinteren Teil des Gebäudes ging wurde ich fündig. Der Notausgang ließ sich öffnen. Endlich konnte ich das Gebäude verlassen. Doch ich konnte mich nicht lange freuen, denn ein großer Zaun stand mir im Weg. Dieser war allerdings viel zu hoch und war mit Stacheldraht bestückt. Offenbar wollte jemand nicht, dass jemand anderes dieses Grundstück betritt. Die Freiheit war zum Greifen nah, ich konnte durch den Zaun auf den alten umliegenden Gewerbepark des Unternehmens blicken. Es war eine ziemlich einsame Gegend. Ich hatte zwar keine Möglichkeit, hier einen Menschen anzutreffen, aber der Zaun war das einzige Hindernis zu meiner Freiheit. Draußen konnte ich einen großen Turm erkennen, der immer noch das Logo des ehemaligen Unternehmens zierte. Aber das war jetzt unwichtig, etwas anderes schien in diesem Moment wichtiger zu werden: Ich habe seit dem letzten Tag nichts mehr gegessen und es war bereits Mittag. Also hatte ich nun zwei Probleme: Ich musste so schnell wie möglich raus hier und brauchte etwas zu Essen.

Mir fiel noch eine letzte Möglichkeit ein, auf mich aufmerksam zu machen. Ich könnte auf das Dach des Gebäudes gehen und von dort hinunte winken, da würde mich sicherlich jemand sehen. Also ging ich wieder zurück durch den Notausgang hinein und machte mich auf den Weg in die oberste Etage. Da der Strom in dem Gebäude scheinbar noch da war, beschloss ich nach einem Aufzug zu suchen. Doch ich brauchte nicht lange zu suchen, da die Etagen alle leer waren und man bis ans andere Ende der Halle sehen konnte. Außerdem leuchtete das Sonnenlicht von draußen die Etage hell aus. Ich stieg in den Aufzug und drückte die oberste Nummer die ich finden konnte. Der Aufzug schloss die Türen und fuhr nach oben. Dieser war in deutlich besserem Zustand wie der Lastenaufzug in dem Versanddepot.

Als ich oben ankam, blickte ich in einen spärlich beleuchteten Korridor mit vielen Abzweigungen, Räumen und Türen. Nur die Fenster in den quer verlaufenden Gängen füllte etwas Licht in die Dunkelheit. Mir wurde wieder unwohl bei dem Gedanken, ganz alleine in diesem Gebäude zu sein. Es würde etwas dauern bis ich den Aufstieg zum Dach finden würde, aber es war meine einzige Chance jemanden auf mich aufmerksam machen zu können. Ich stieg aus dem Aufzug und die Türen schlossen sich. Wieder stand ich in fast kompletter Dunkelheit, da wahrscheinlich nur die nötigsten Sicherungen des Gebäudes eingeschaltet waren.

Ich lief den Gang weiter um etwas zu finden, was wie ein Aufgang oder eine Leiter aussah. Einige von den Türen standen etwas offen und man konnte die leeren Räume dahinter erkennen. Der Teppichboden war das Einzige was von der Büroaustattung noch vorhanden war. Manche Räume waren abgesperrt, doch die Türen sahen nicht besonders auffällig aus. Wahrscheinlich waren dahinter auch noch alte Büroräume. Doch dann fiel mir etwas Unnatürliches auf. Genauso wie am letzten Abend blickte ich im Gang auf eine angelehnte Tür, wo ein schwaches Kunstlicht durchleuchtete. Je näher ich dem Raum kam, desto stärker bemerkte ich einen Geruch in der Luft. Es war der Geruch von...gebratenen Eiern.

Ich näherte mich dem Raum und als ich ihn betrat, bemerkte ich dass es mit allem Nötigen eingerichtet war, was ein Büro benötigte. Dort stand ein alter Schreibtisch und die Lampe darauf war eingeschaltet, da es im Raum durch die zugezogenen Gardinen dunkel war. Neben dem Schreibtisch stand ein kleiner Essenswagen worauf sich zahlreiche Obstsorten, Brot und die gebratenen Eier befanden. Ich hatte mich in diesem Moment zu sehr auf das Essen konzentriert ohne zu bemerken, dass ich offensichtlich nicht alleine in diesem Gebäude war.

Ich ging an den Schreibtisch und überlegte, wem das Essen hier gehörte. Doch dieses Gefühl wurde bald von meinem Hunger übertrumpft und ich aß die gebratenen Eier und das Brot auf was dabei lag. Es war wirklich schmackhaft und sollte mir erstmal wieder etwas Kraft geben. Als ich gerade nach dem Obst griff, hörte ich etwas aus dem Gang. Es war der Aufzug, irgendjemand war mit dem Aufzug hochgefahren gekommen. Ich ging an die Tür und guckte in den Gang draußen Richtung Aufzug.

"Hallo? Ist da jemand?" rief ich, doch es kam keine Antwort.

Ich lief langsam vor zu dem Gang in dem der Aufzug war. Doch ich stoppte sofort, als ich einen Schatten aus dem Aufzug kommen sah. Dies war kein normaler menschlicher Schatten, der Schatten hatte die Form einer unnatürlichen Kreatur. Irgendetwas war aus diesem Aufzug herausgekommen es war kein Mensch. Ich hatte das Gefühl es suchte nach mir, die Schritte kamen näher. Als sich die Türen des Aufzugs schlossen, verschwand der Schatten. Aber ich konnte immer noch die Schritte auf dem Bodenteppich hören, die immer näher und näher kamen.

Ich saß panisch an der Ecke und wusste nicht was ich tun sollte. Sollte ich wieder zurück zum Büro rennen und die Tür versperren? Was sollte ich dann machen? Was wollte die Kreatur überhaupt von mir? Warum suchte sie nach mir? Vielleicht war es ein Pony das nach mir suchte, ein equestrianischer Pegasus, aber dafür waren die Flügel und die Statur viel zu groß. Es hatte den Aufzug verwendet, also konnte es kein Vogel sein. Ich konnte nirgends hin, also beschloss ich langsam um die Ecke zu gucken. Ich blickte auf den dunklen Gang und als die Gestalt durch einen Lichtschein eines Fensters sichtbar wurde, erkannte ich was es war. Es war wirklich ein Pony.

"Hey, du! Wie kommst du hierher?" fragte ich zitternd.

Das Pony erschrak und versteckte sich in einem dunklen Nebengang. Dabei hörte ich das heftige Flattern seiner Flügel, genauso wie ich es am vorherigen Abend in der unteren Etage gehört hatte.

"Hat dich Dr. Atmosphere geschickt? Bist du deshalb hier?" fragte ich, doch ich bekam wieder keine Antwort.

Ich lief langsam vor und bemerkte, wie das Pony mich aus dem Nebengang heraus beobachtete, doch es kam mir nicht entgegen.

"Was...bist du?" fragte es zögerlich.

"Hör' zu, ich bin ein Mensch. ich werde dir nichts tun wenn du mir nichts tust. Einverstanden?"

Das Pony kam aus dem Schatten heraus und ich konnte sein Aussehen erkennen. Doch mir fiel sofort auf, dass die Mähne eine andere Farbe wie der Schweif hatte. Das war sehr ungewöhlich für ein Pony. Ich kannte mich mit der Serie gut aus und normalerweise hatte jedes Pony die gleiche Mähnen- und Schweiffarbe. Durch das Licht im Aufzug wirkte der Schatten deutlich größer, als das Pony wirklich war. Als ich näher kam, hob das Pony einen Brief mit seinem Mund auf was es wahrscheinlich aufgrund des Schrecks fallen gelassen hat.

"Ein Mensch also? So seht ihr also aus...und du scheinst mich zu verstehen." musterte mich das Pony kurz. "Tut mir leid, ich war noch nie so nah an einem Menschen dran. Du musst derjenige sein, den der Doktor für das Projekt geschickt hat, oder?"

Ich nickte. Daraufhin wurde das Pony etwas gelassener und kam näher.

"Schön dich kennen zu lernen, mein Name ist Codi. Ich soll dir das hier von Dr. Hide Atmosphere übergeben. Er sagte, da steht alles Nötige drin was wir wissen müssen, wenn du ankommst." sagte das Pony und übergab mir den Großbrief der in seinem Flügel klemmte.

Auf dem Brief war wieder das Logo der Wetterfabrik aus Cloudsdale zu erkennen. Als ich den Brief öffnete, lagen neben dem Schreiben von Dr. Atmosphere zahlreiche weitere Dokumente bei. Es schienen irgendwelche Skizzen oder Baupläne zu sein. Aber ich konnte sie nicht lesen, da sie mit merkwürdigen Zeichen und Symbolen beschriftet waren die ich nicht kannte. Der Brief war aber scheinbar maschinell geschrieben, so wie der Flyer in meinem Briefkasten zuhause.

"Sehr geehrte Führungskraft,

mit Freuden dürfen wir Ihnen mitteilen, dass Sie nun als Leiter unserer neu gegründeten EQUESTRIA GbRmbH Tochtergesellschaft eingestellt sind. Wir möchten Sie gerne auf ihre ersten Schritte begleiten.

In ihrem neuen Unternehmen haben wir bereits Vorkehrungen getroffen, dass Sie und ihre Arbeiter die besten Voraussetzungen haben um unseren Anforderungen gerecht zu werden.

Beiliegend erhalten Sie ihr erstes Projekt, das sie mit ihrem Team fertig stellen sollten. Sollten Sie den Auftrag möglichst schnell und zu unserer Zufriedenheit erfüllen, erwarten Sie im weiteren Verlauf anspruchsvollere Aufgaben, um ihr Unternehmen weiter auszubauen.

Auf eine gute Zusammenarbeit!

Dieser Text wurde mithilfe einer Vorlage erstellt."

Natürlich war dieses Schreiben mithilfe einer Vorlage erstellt worden, das hatte ich auch ohne den Vermerk erkannt. Atmosphere hätte wahrscheinlich niemals so freundlich sein können. Aber wir wussten nichts von dem Projekt, deshalb blickte ich gemeinsam mit den anderen in die Unterlagen. Das Projekt trug den Titel "Pegasus Device". Der Name klang verlockend. Wahrscheinlich war es der Bauplan einer Maschine, die den Pegasi in Cloudsdale ihre Arbeit in der Wetterfabrik erleichtern würde. Ich stand persönlich voll auf Automatisierung, damit hätte jeder in der Fabrik mehr Freizeit. Ich glaubte, dass dieses Projekt mir sehr viel Freude bereiten würde, aber ich ahnte ja nicht wie falsch ich liegen würde.

Auf der Rückseite des Briefes war zu lesen, dass ich die benötigten Materialien zum Bau des Geräts selbst beschaffen musste, da diese in Equestria nicht existierten. Für die Bezahlung sei hingegen gesorgt, für die Waren und auch für mich. Die Währung sagte mir allerdings nichts, laut des Briefes bekam ich 1 Bit pro Tag bezahlt, wovon auch die Waren bezahlt werden sollen. Dann überlegte ich, in Equestria war ein Bit dasselbe wie eine Goldmünze. Wenn ich mir den aktuellen Wert pro Goldunze überlegte, war das mehr Geld als ich in jedem anderen Job verdient hätte. Selbst wenn durch das Projekt noch Kosten entstehen, könnte es mich in kurzer Zeit reich machen. Codi schien davon aber weniger beeindruckt zu sein und riet mir, nach diesem Projekt unbedingt mein Gehalt neu zu verhandeln. Offenbar war 1 Bit in Equestria relativ wenig Geld.

Es gab kein Enddatum für das Projekt, wir sollten es nur so schnell wie möglich fertig stellen. Jetzt wollte ich die Firma um alles in der Welt beeindrucken. Und das ändert nichts an der Tatsache, dass ich wahrscheinlich total verrückt war, mit einem Pony zusammenarbeiten um eine Maschine zu entwickelt, die in einer fiktiven Welt zum Einsatz kommen soll.

Nachdem ich den Zettel gelesen hatte, wollte mir Codi etwas zeigen. Er stieg mit mir in den Aufzug und drückte mit seinem Huf auf die Taste für das Kellergeschoss. Während der Aufzugsfahrt nach unten begutachtete mich Codi von oben bis unten. Aber ich konnte ihm keinen Vorwurf machen. Es war das erste Mal, dass er einen Menschen so nah gesehen hat. Doch seitdem ich Glaze das erste Mal traf, hatte ich mich etwas daran gewöhnt. Ich fragte mich nur, was er mir so dringend zeigen wollte.

Der Aufzug kam langsam zum Stehen und öffnete die Türen. Bis auf den hellen Schein vom Aufzug sah man nichts als Dunkelheit. Nicht mal Fenster gab es auf dieser Etage.

"Codi, was wollen wir hier?" fragte ich ihn.

"Ich stelle dich den anderen vor." sagte er.

"Welchen anderen?" fragte ich ihn erneut, aber darauf gab er mir keine Antwort.

Er verließ den Aufzug und ich lief neben ihm her. Dann blieb er stehen, bis die Aufzugstüren sich hinter uns schlossen und wir komplett im Dunkeln standen.

"Ich bin es, er ist hier!" rief Codi in die Halle.

Da bemerkte ich, wie sich aus verschiedenen Richtungen Schritte näherten. Ich versuchte ruhig zu bleiben und stand wie erstarrt da. Dann hörten die Schritte kurz vor uns auf und der mechanische Knall einer großen elektrischen Sicherung ließ die Halle in einem hell weißen Licht erstrahlen. Ich blickte auf ein Dutzend Ponys, die mich mit großen Augen anstarrten. Jedes von ihnen hatte eine besondere Farbgebung, und sie waren auch unterschiedliche Ponys. Die einen waren Pegasus-Ponys, die anderen Einhörner und es gab sogar ein paar Erdponys darunter. Keines der Ponys traute sich, näher an mich zu kommen.

"Keine Bange, er ist in Ordnung. Ich habe ihn oben in der Chefetage gefunden, als er sich gerade gestärkt hat."

Die Ponys hatten mir also Frühstück gemacht, und ich dachte, ich wäre ganz allein in diesem Gebäude. Es war eine kurze Vorstellrunde, damit ich jeden der Ponys kennen lernen durfte. Die Tatsache dass Atmosphere mich nicht leiden konnte hatte sich bereits herumgesprochen, wodurch ich allerdings bei den Ponys sympathisch wirkte. Soweit ich die Ponys richtig verstand, wie auch immer das möglich war, arbeiteten sie noch nicht lange für die Wetterfabrik, aber keiner konnte Atmosphere wirklich leiden. Wir waren eine lustige Truppe und in Bezug auf das Projekt hatte ich ein großartiges Gefühl.

Wir beschlossen, dass das Projekt am nächsten Tag gestartet wird, da wir den restlichen Tag damit verbracht haben uns näher kennen zu lernen. Codi half mir bei Delegationsaufgaben und nahm seine Rolle als mein Co-Manager sehr ernst, ich versuchte seinen Führungsstil zu beobachten, um später damit in der Wetterfabrik punkten zu können. Sie wollten nicht mal für ihre Arbeit entlohnt werden, da es ihrer Moral in Equestria widerspräche. Sie sagten, Ponys in Equestria arbeiteten grundsätzlich unentgeltlich und nur für das Allgemeinwohl. Geld bräuchte man in Equestria nur, wenn man etwas besitzen möchte, was nicht mit Tauschobjekten erreicht werden kann. Und das Geld kann man von jedem Pony bekommen, zur Not halfen sich alle gegenseitig aus. Was für eine schöne Lebenseinstellung, nur leider würde sie nie bei Menschen funktionieren. Doch das war jetzt nicht die Zeit für Tagträume. Wir hatten ein Projekt vor uns und ich wollte es so schnell wie möglich fertigstellen.

Codi zeigte mir, wie man unbemerkt vom Versandzentrum zum alten Versandepot kam, wo die ersten Lieferungen eintreffen sollten. Jetzt erklärte sich auch, wie die Ponys unbemerkt hierher kommen konnten. Die Lieferungen sollte mit Güterzügen erfolgen, also suchte ich mir zunächst passende Lieferanten heraus und beschloss die Waren selbst anzunehmen. Ich wollte natürlich nicht dass jemand bemerkt dass hier fiktive Ponys existierten! Auch wenn sich bestimmt einige Leute wunderten, für was ich das ganze Material benötigte. Aber die Fragen hielten sich in Grenzen, schließlich hatten die ja im Gegensatz zu mir einen strikten Zeitplan den sie einhalten mussten. Mit der Hilfe der Arbeiterponys schafften wir es, dass wir bereits nach wenigen Tagen die Baugerüste in der Lagerhalle aufgebaut hatten und begannen, die ersten Metallteile vom Boden zusammen zu bauen. Jetzt verstand ich auch, wieso dieses Gebäude für die Montage ausgesucht wurde. Es bot viel Platz und wurde nicht mehr von Menschen besucht, da ja die letzte Firma pleite ging, die hier ihren Sitz hatte. Ich hoffte nur, dass es mir nicht genauso ergehen würde.

Immer wenn ich auf dem Bahnsteig stand und die Lieferungen entgegen nahm, war es herrlich den Wind zu spüren, die Wärme der Sonne und das Vogelgezwitscher. Dieser Ort war nachts zwar immernoch etwas unheimlich, aber tagsüber war die Ruhe sehr entspannend. Aber auch auf der Arbeit herrschte eine angenehme Atmosphäre. Tatsächlich musste ich als Manager nicht viel tun, die Ponys brachten genug Harmonie in die Arbeit und arbeiteten eifrig vor sich hin. Sie sangen oft Lieder und Codi kümmerte sich immer als Erster darum, wenn es Probleme zwischen ihnen gab. Ich verstand mich gut mit ihm und wir unterhielten uns teilweise sehr lange, was wir für Freizeitaktivitäten und Hobbys hatten. Mir fiel auf, dass ich viel mit Codi gemeinsam hatte, als würden wir uns schon länger kennen. Ihn als meinen Co-Manager einzustellen, war bisher die einzige Sache für was ich Atmosphere dankbar war.

In kurzer Zeit wuchsen wir wie eine Familie zusammen. Wir unterhielten uns während der Arbeit immer mehr über private Dinge. Ich hatte manchmal das Gefühl, dass sie mich mittlerweile besser kannten als ich mich selbst. Und wenn die Arbeiter besonders motiviert waren, legte ich sogar selbst mit Hand an. Es dauerte nicht lange, und wir hatten das Außengerüst der Maschine fertig. Es sah aus wie ein riesiger Trichter. Jetzt fehlte nur noch die Technik innen. Diese war aber nicht mit normalen elektrischen Symbolen bezeichnet, doch Codi konnte die Symbole auf dem Bauplan entziffern, also übernahm er auch dafür die Planung und Durchführung. Ein bisschen mulmig machte es mich schon, diese lieben unschuldigen Ponys mit so einer Arbeit zu belasten. An der Maschine fand ich immer wieder spitze und scharfe Teile mit denen wir sehr vorsichtig umgehen mussten. Ich achtete akribisch darauf, dass meinen Ponys nichts passieren würde.

Dann kamen die letzten Teile mit dem Zug. Die größeren Bauteile bestanden aus einer kleinen Brennkammer und mechanischen Kolben, die vermutlich mit Wasserdampf betrieben werden würden. So konnten wir die Maschine vor Inbetriebnahme in der Fabrik testen. Sicherheit wurde hier anscheinend groß geschrieben. Aber ich wurde misstrauisch, als ich die anderen Bauteile sah: Unter anderem waren rasiermesserscharfe kreisförmige Sägeblätter dabei. Als ich einen genaueren Blick auf die Anleitung warf, sah ich dass die Maschine am Ende wie ein großer Schredder aussehen sollte. Innen war ein großes Gebläse angebracht, dessen Sinn mir aber nicht genau erschloss. Womöglich konnte der Trichter damit effektiver gereinigt werden.

An den Seiten waren sechs große Rohre mit Sichtfenstern aufgezeichnet, die mit den Farben ROT, ORANGE, GELB, GRÜN, BLAU, VIOLETT versehen waren. Die Farbenkombination erinnerte mich an einen Regenbogen, was ich einen schönen Nebeneffekt fand. Ich war mir allerdings nicht sicher, für was die Maschine gut sein sollte. Wenn Codi den Plan genau gelesen hatte, war die Maschine dafür bestimmt, aus "Rohmaterial" Farben herzustellen. Das würde auch die Sägen erklären. Wahrscheinlich ist der Rohstoff oder das Mineral sehr widerstandsfähig und musste erst zerkleinert werden, damit daraus die Regenbogenfarben produziert werden könnten. Wahrscheinlich irgendwelche Kristalle, aber ich sollte sehr bald herausfinden wieso die Maschine "Pegasus Device" genannt wurde.

Wir hatten also die Maschine nach ein paar Monaten bereits fertig und waren bereit, die Maschine auszuliefern. Die Frage war nur, wie wir die Wetterfabrik in Cloudsdale kontaktieren sollten, aber das schien nicht notwendig zu sein. Offenbar wurde unsere Arbeit beobachtet. In einem Brief den ich im Geschäftsbriefkasten fand, bat mich Dr. Atmosphere, dass ich das Gerät vor Ort testen sollte. Ich müsste die Maschine lediglich auf ihre Funktion prüfen, damit er sicher gehen kann, dass wir keine Fehler gemacht haben und die Maschine nur bei Funktionstüchtigkeit nach Equestria transportiert wird. Dafür nutzten wir die mitgelieferte Dampfmaschine um das "Pegasus Device" in Betrieb zu nehmen.

Die Installation lief ohne Probleme ab. Ich beguachtete das riesige Gebilde aus Eisen und Rohren. Ich hatte ein etwas ungutes Gefühl für den Fall dass etwas schief geht, aber das war wahrscheinlich nur meine Nervosität. Ich hatte in meinem bisherigen Leben noch nie so viel Verantwortung übertragen bekommen. Codi koordinierte die Anschalt-Sequenz. Er flog um das Gebilde herum und achtete darauf, dass jeder an seinem Platz war.

"Okay, sind alle bereit? Technik-Abteilung? Wie ist der Dampfdruck?" rief er nach hinten zu ein paar Ponys, die die Anzeigen auf dem Kontrollpult beobachteten.

"Der Dampfdruck ist konstant, keine Abweichungen zu erkennen."

"Wie sieht es mit der Stabilität aus?"

"Keine äußeren Schwachstellen oder Beschädigungen entdeckt. Die Maschine ist geölt und einsatzbereit."

Ich war erleichtert. Es gab grün von allen Abteilungen. Jetzt war der Moment da. In wenigen Sekunden wird sich zeigen, ob wir Projekt mit Erfolg durchgeführt haben und ob die Erfindung funktioniert.

Die Augen der Arbeiter waren auf mich gerichtet. Ich wusste nicht, was passieren würde wenn der Hebel zum Einschalten betätigt wird. Ich nervös, dass die Maschine nicht funktionieren würde und meine Zukunft hier vorbei wäre. Und ich würde niemals mehr die Möglichkeit bekommen nach Equestria zu reisen.

"Chef, soll ich den Hebel betätigen?" fragte mich Codi.

Ich überlegte kurz.

"Nein…nein, das mache ich."

Ich schaute mich im Raum um. Das erste Mal im Leben hatte ich die Kontrolle über etwas Großes. Es war ein stolzes, aber auch irgendwie unangenehmes Gefühl. Ich beschloss, die Sache schnell hinter mich zu bringen.

Dann drückte ich den Hebel hinunter.

Das Pegasus Device begann zu zischen und der Dampf brachte die Kolben langsam in Bewegung. Die Maschine besaß ein kleines Kontrollpanel mit vielen leuchtenden Punkten drauf. Die Ponys wussten welche Symbole sie drücken mussten und ich verfolgte die Initialisierung. Die Maschine wurde lauter, als sich die Mechanik aus Kolben und Sägeblättern in der Maschine anfingen sich zu bewegen.

"Beten wir, dass es funktioniert.", sagte ich besorgt zu den Arbeitern.

Plötzlich stoppte die Maschine. Es leuchteten mehrere rote Lampen im oberen Bereich der Maschine an. Ich bekam Panik, irgendwas war schiefgelaufen. Das Kontrollpult zeigte scheinbar einen Fehler, den Codi entschlüsseln konnte. Offenbar benötigte die Maschine etwas zum Verarbeiten. Nur hatte ich keine Ahnung, was mir nehmen sollten. Ich blickte umher und sah die Holzpaletten und Kisten in denen die Maschinenteile angeliefert wurden. Nun, die Maschine sah ziemlich stabil aus, also probierten wir es mit einem großen Stück Holz. Ich wusste natürlich, dass sich aus Holz keine Regenbogenfarben herstellen lassen würden, aber um das Mahlwerk zu testen dürfte dies genügen.

Als sich zwei meiner Pegasi-Arbeiter in die Luft erhoben und das große Stück Holz über die Öffnung des Mahlwerks hielten, bekam ich ein ungutes Gefühl. Ich wollte nicht, dass jemand verletzt wird. Sie warfen das Holzstück in die Maschine und es landete hart auf den Sägeblättern im Trichter, jedoch gab es keine Reaktion. Ich wusste nicht mal, wo dieser Sensor für das Rohmaterial eingebaut war, schließlich hatte Codi den ganzen Aufbau betreut. Als Bauteil war er aufgelistet und müsste sich an der oberen Mündung des Mahlwerks befinden. Wieso ist er auf das Objekt nicht angesprungen? Erste Zweifel machten sich bei uns breit. Hatten wir vergessen, den Sensor mit der Elektronik zu verbinden? War das Holz wirklich für den Sensor sichtbar? Hatten wir bei dem ganzen Privatgesprächen auf der Arbeit irgendwas übersehen?

Ich konnte mir bei meinem ersten Projekt keinen Fehler erlauben. Also ordnete ich an, dass die zwei Pegasi sich vorsichtig dem Schacht nähern müssten, um das Holz zu Recht zu rücken. Allerdings war das sehr gefährlich, da die Maschine immer noch in Betrieb war. Doch um sie abzuschalten, müssten wir die ganze Anlage herunterfahren und erneut starten. Diesen zeitlichen Rückschlag konnte ich kurz vor dem Erfolg nicht gebrauchen. Als sich die Pegasi in den Trichter begaben, konnte ich sie von unten nicht mehr sehen. Ich wurde etwas nervös.

"Hey, alles klar bei euch oben? Wie sieht's aus? Habt ihr den Fehler?" rief ich laut.

"Nein, hier scheint alles normal zu sein. Vielleicht hat das Holz die Sägeblätter verklemmt. Wir versuchen es zu verrücken."

"Seid bitte sehr vorsichtig, das Mahlwerk ist extrem stark. Wenn ihr da drin landet, war es das für euch. Ich möchte nicht, dass ihr euch weh tut."

"Ja, Mama. Wir passen schon auf uns auf." lachten die zwei Pegasi.

Als sie gerade so über den Sägeblättern flogen, bemerkte ich etwas auf dem Kontrollterminal. Eine rote Lampe fing langsam an zu blinken. Scheinbar versuchte der Scanner einen Neustart.

"Hey, ich glaube es scheint zu funktionieren! Probiert es weiter!" rief ich nach oben.

"Ähm…Chef? Hier drin leuchtet auf einmal so ein roter Kristall auf. Er leuchtet uns direkt ins Gesicht. Was hat es damit auf sich?"

"Ich denke das ist der Sensor. Macht weiter, wir haben es gleich geschafft."

"Der Kristall leuchtet jetzt sehr hell. Sollen wir wieder herauskommen?"

"Vergewissert euch, dass nichts verkantet ist und dann sofort raus dort." rief ich.

Plötzlich setzte sich die Maschine in Bewegung, die Sägeblätter fingen scheinbar an zu rotieren und das Holz wie Butter zerschnitten. Im Auffangbehälter unter der Maschine kamen nur noch Sägespäne heraus.

"Puh, das war knapp. Chef, die Maschine läuft wieder.", sagte Codi und die Arbeiterponys jubelten sichtlich erleichtert.

Die anderen bestaunten ehrfürchtig die Maschine, doch ich sah Codi fragend an, der panisch auf das Kontrollpult sah.

"Der Ventilator...er läuft falsch herum! Er bläst nicht, er saugt an!" rief Codi panisch.

Ich bemerkte dass die Pegasi nicht mehr aus der Maschine kamen. Die Ponys würden von der Ansaugvorrichtung direkt in die Sägeblätter gezogen werden, wir mussten das verhindern. Wahrscheinlich würde die Maschine beim Notstopp beschädigt werden, aber das war mir egal. Ich musste ihnen helfen! Die Maschine wurde immer lauter und die Dampfmaschine lief immer schneller. Ich konnte die Pegasi aufgrund des Lärms nicht mehr hören. Die Mitarbeiter bemerkten auch, dass etwas nicht stimmte und versuchten zu helfen. Die Ponys am Kontrollpult versuchten mit Codi zusammen die Maschine über den Hebel abzuschalten, doch die Dampfmaschine drehte sich zu schnell, sodass sich der Hebel nicht betätigen ließ. Im Augenwinkel fiele mir die Überdruckventile auf, die ich verwenden konnte um der Maschine den Dampf zu entziehen.

Ich zog meinen Sakko aus und wickelte ihn um meine Hand, um die Ventile zu öffnen und den Dampfdruck abzulassen. Der heiße Dampf strömte auf meine Arme und ich schrie vor Schmerz auf, doch ich musste sie einfach retten. Doch ich konnte den Schmerz keine Sekunde länger ertragen, mein Sakko war kochend heiß und ich hatte mir bei dem Versuch wahrscheinlich die kompletten Arme verbrüht. Als ich rüber zum Terminal schaute, sah ich dass die Ponys bereits dabei waren sämtliche Leitungen vom Kontrollpult zur Maschine abzuziehen. Doch auch ohne das Kontrollpult drehte sich die Maschine durch die Dampfkraft weiter, sie konnte nicht abgeschaltet werden.

Ich schaute nach oben und sah plötzlich die zwei Pegasi, wie sie sich mühsam dem Rand des Trichters näherten und sich versuchten daran festzuhalten.

"Kommt schon, noch ein kleines Stück! Ihr habt es gleich geschafft!" rief ich.

Dann blickte eines der Pegasi mit einem erschöpften Blick zu mir. Der Blick sagte mir, dass sie am Ende ihrer Kräfte waren. Sie würden es nicht schaffen, der Sog war zu stark. Mir gefror das Blut in den Adern, als ich sah wie sie vor Todesangst und Erschöpfung die Augen schlossen und aufhörten mit den Flügeln zu schlagen. Mein Blut erstarrte zu Eis, als sie wieder im Trichter der Maschine verschwanden. Kurz darauf hörte man, wie sie hart auf dem Boden der Maschine aufschlugen. Die Sägeblätter schrien auf und durchsägten den Körper der Pegasi ohne große Mühe. Durch das Mahlwerk konnte man das Knacksen des Skelettes und seiner Knochen hören und spüren. Es war ein widerliches Geräusch. Der Dampf, der aus der Maschine austrat roch nach gekochtem Fleisch.

Wir konnten nur tatenlos dem Geschehen zusehen. Das Letzte, was die Maschine von sich gab, war ein übelriechender Haufen aus Fleisch und Knochenresten, die in den Auffangbehälter zu den Holzspänen fiel. Ein paar Ponys schütteten die restlichen Eimer Wasser in die Brennkammer, die wir vorher für den Wassertank heolt hatten. Sie schafften es das Feuer in der Brennkammer der Dampfmaschine zu löschen, sodass das Pegasus Device immer langsamer wurde und mit einem metallischen Gröhlen wieder zum Stillstand kam.

Wir verharrten einige Momente in Starre, um zu begreifen was soeben passiert war.

Als wir langsam an die Maschine heran traten, sahen wir das ganze Ausmaß im Auffangbehälter. Die Skelette der Ponys waren fast nicht mehr zu erkennen.

Sie waren tot. Zwei Ponys waren...tot. Getötet von…von dieser Maschine...von wussten nicht wie wir mit dieser Situation umgehen sollten. Alle zusammen starrten wir auf das, was von den zwei Pegasi übrig war. Keiner traute sich ein Wort zu sagen, geschweige denn sich der Maschine zu nähern. Ich kämpfte zwischen Schreien und Tränen, doch als ich Codi in die Augen sah, konnte ich genau erkennen was er gerade dachte: "Wie konnte das passieren, wer war dafür verantwortlich?". Und ich wusste die Antwort darauf, denn ich war es der die Maschine gestartet hatte, ich war derjenige der den Hebel betätigt hatte.

Ich hatte versagt, als Manager wie auch als Mensch. Wie konnte ich nur zulassen dass zwei unschuldigen Ponys aus einer fiktiven Traumwelt solch ein horrendes Ende widerfahren konnte? Wieso hatte ich es nicht kommen gesehen? Ich hatte doch Verantwortung übernommen, ich habe jedes Pony wohl behütet damit ihnen niemals etwas Schlimmes passieren sollte. Und nun war es passiert, meine Verantwortung hatte nichts gebracht. Ich war verantwortungslos, und so würde ich auch mit der Situation umgehen.

Ich wollte nicht die Verantwortung für das Geschehene übernehmen, ich wollte mich nicht vor Codi und der Besatzung rechtfertigen müssen. Also beschloss ich das einzig Richtige zu tun, was mir in diesem Falle richtig erschien. Weglaufen. Soweit es nur ging, weglaufen.

Ich rannte durch den Korridor, der bis zum Versanddepot raus zum Bahnsteig führte. Als ich aus dem Gebäude kam, wollte ich nur noch so schnell wie möglich weg von hier. Draußen regnete es wie in Strömen, doch das bemerkte ich zunächst gar nicht. Ich rannte am Bahnhof vorbei, in den alten Gewerbepark.

Ich konnte weder schreien, noch weinen. Ich rannte nur noch, doch das Ziel kannte ich nicht. Am Ende des Gewerbeparks war dann Schluss, Ich lief wie benommen gegen den Zaun, der das Gelände weiträumig umschloss. Ich blieb im Zaun hängen und schnaufte nur noch vor mich hin. Mein Blick war starr und kalt, keine Emotion konnte ich in diesem Moment herausbringen. Es dauerte einen Moment bis ich merkte, dass ich nicht weiter weglaufen konnte, nicht nur wegen dem Zaun. Es war passiert, und egal wie weit ich rennen würde, nichts würde sich daran ändern. Ich suchte verzweifelt einen Ausweg aus der Situation und hämmerte aus Frust schreiend gegen den Zaun.

Mein Schreien ging über in ein klägliches Heulen, bis ich schließlich realisierte was passiert war und in Tränen ausbrach, die mit den Regentropfen in die Pfützen unter mir fielen. Warum konnte ich es nicht verhindern, was hatte ich denn falsch gemacht? Ich hatte noch nie vorher jemanden weh getan geschweige denn jemanden getötet, wie sollte ich bloß mit dieser Schuld weiterleben? Jedes Pony was es mit ansehen musste, wird bis an sein Lebensende diese Bilder nicht mehr aus dem Kopf kriegen. Was hatte ich bloß getan?

Es brauchte einen Moment für mich zu realisieren, dass ich die anderen Ponys gerade im Stich gelassen hatte. Sie brauchten mich in diesem Moment mehr denn je und ich Feigling bin einfach weggelaufen. Sie waren mit Sicherheit noch schockiert und wussten nicht wie es weitergehen sollte. Codi würde dieser Aufgabe sicherlich nicht alleine gewachsen sein, wahrscheinlich war auch er noch in Schockstarre. Aber ich wollte nicht mehr hineingehen...nicht in dieses Gebäude. Ich konnte mich doch nach meinem Auftritt nicht mehr dort blicken lassen.

Aber was hätte ich denn anderes tun sollen? Nach Hause gehen und so tun als ob nichts gewesen wäre? Es würde mich seelisch fertig machen, allein die Ungewissheit was nun mit den Ponys aus Equestria passieren würde. Nein, in diesem Moment musste ich Führungsstärke zeigen. Selbst im Krieg musste man im Angesichts des Todes einen kühlen Kopf behalten und die Situation wieder unter Kontrolle kriegen, vorausgesetzt ich würde mich selbst wieder unter Kontrolle kriegen.

Ich blieb noch einige Zeit draußen und versuchte meine schmerzenden Arme unter dem Regen abzukühlen. Obwohl der Regen meinen ganzen Anzug durchweicht hatte, wollte ich mich kein Stück wegbewegen. Ich hatte mich direkt an den Zaun gesetzt und überlegte genau meine nächsten Schritte. Auch wenn sich jedes Nackenhaar von mir bei diesem Gedanken aufstellte, aber ich musste wieder hinein, es war meine Aufgabe als Manager. Und auch wenn ich das Geschehene nicht mehr ungeschehen machen konnte, so würde ich zumindest die Folgen eindämmen können.

Dann lief ich langsam zurück Richtung Haupteingang. Da ich mich im alten Gewerbegebiet befand, fiel ich keinem Menschen auf. Und das war gut so. Niemand sollte erfahren, was hier passiert war. Ich betrat das Gebäude durch die Notausgangstür auf der Rückseite und schloss sie wieder. Als ich wieder im Aufzug stand und auf die Tastentafel blickte, wurde ich doch etwas nervös. Ich wollte mich überwinden den Knopf zum Kellergeschoss zu drücken, doch sobald ich aus dem Aufzug heraus kommen würde, würde ich auf das riesige blutverschmierte Gebilde blicken, kurz bevor mein Blick auf die toten Überreste meiner Mitarbeiter fallen würde. Das konnte ich nicht, dafür war ich noch nicht bereit. Also wählte ich den Knopf für die Chefetage. Ich wollte nur noch, dass dieser schreckliche Abend vorbei ging.

Oben angekommen lief ich durch den Gang zu meinem Büro. Ich bemerkte, dass viele Türen plötzlich offen standen und Schluchzen und Weinen daraus zu hören waren. Offenbar schliefen hier meine Arbeiterponys, wenn sie nach diesem Ereignis überhaupt schlafen konnten. Es war unverzeihlich was passiert war. Als ich in meinem Büro ankam, regnete es immer noch draußen. Die Blitze vom Gewitter hellten selbst durch die Gardinen das Büro auf, was eine gespenstische Atmosphäre mit sich brachte.

Die Schreibtischlampe war die einzige Lichtquelle im Raum. Ich fand Codi vor wie er mir gerade die Matratze aus dem Raum im Erdgeschoss hoch gebracht hatte. Offenbar wollte er auch, dass ich die Nacht hier verbringe. Ich sah es in seinen Augen an, dass er nicht alleine sein wollte. Er brauchte mich jetzt mehr denn je, genauso wie jedes andere Pony in diesem Haus. Ich sah seine tränenden Augen und wollte ihn in den Arm nehmen, doch er drehte sich weg von mir. Ich hatte sie im Stich gelassen, als sie mich am meisten gebraucht haben.

Er verließ wortlos das Büro und verschwand in den Gang. Ich blickte ihm hinterher und konnte sehen, dass er vor dem Fenster stehen blieb, wo der Regen dagegen prasselte. Er drehte sich zum Fenster um und starrte hinaus in das Unwetter. Womöglich dachte er jetzt auch nach, wie es weitergehen würde.

Doch dabei konnte ich ihm erstmal nicht helfen, zuerst musste ich mich selbst wieder sammeln. Morgen musste ich einen Ausweg finden, für alle von uns. Auch wenn ich in meinem bisherigen Leben noch nie so etwas erlebt hatte. Ich zog meinen nassen Anzug aus, schaltete die Schreibtischlampe ab und legte mich auf die Matratze. Ich kuschelte mich in die Decke und versuchte zitternd einzuschlafen und musste immer wieder die widerlichen Geräusche in meinem Kopf hören, die die Körper der Ponys machten, als sie von der gewaltigen Kraft der Maschine zerhackt wurden. Diese Bilder würden mich wahrscheinlich noch einige Zeit verfolgen.

Ich wurde mitten in der Nacht wach, als ich ein Geräusch aus dem dunklen Gang hörte. Das Gewitter hatte mittlerweile aufgehört und es drang etwas Mondlicht ins Büro hinein. Ich stand von der Matratze auf und blickte leicht verschlafen in den Gang vor meinem Büro. Doch es war niemand zu sehen. Dann hörte ich wie der Aufzug betätigt wurde. Offenbar konnten die Ponys nicht schlafen und bewegten sich im Gebäude um den Kopf etwas freizukriegen. Doch als ich an den Nebenräumen vorbeiging, merkte ich dass ein paar Betten darin benutzt, aber leer waren. Womöglich liefen sie im Gebäude herum, um den Kopf etwas freizukriegen. Vielleicht konnte ich ihnen Gesellschaft leisten. Ich rief den Aufzug und fuhr damit hinunter in das Erdgeschoss, in den Keller wollte ich um diese Uhrzeit auf gar keinen Fall. Ich würde dort unten nur Tod und Trauer vorfinden. Ich stieg im Erdgeschoss aus und begutachtete die Etage. Sie war komplett leer, also sah ich mich etwas um. Irgendwo mussten sie ja sein, vielleicht auf den anderen Etagen? Oder waren sie kurz Luft schnappen? Ich beschloss kurz in den Hinterhof zu gehen um nach ihnen zu sehen. Zum Vordereingang raus wären sie wohl kaum gegangen, da hätte sie irgendjemand entdecken können.

Draußen angekommen schien der Mond hell über dem Hinterhof des Gebäudes. Es hatte aufgehört zu regnen und der Himmel war sternenklar. Ich lief etwas umher und blickte auf etwas Beunruhigendes. Auf dem Boden in Richtung des hinteren Teils des Geländes waren einige blutige Hufabdrücke zu sehen. Ich war in Panik, diesen Hufabdrücken bis zum Ursprung zu folgen, aber ich hatte auch Angst, dass den anderen Ponys etwas zugestoßen sein könnte. Ich lief langsam der Spur nach, die im Mondlicht rötlich schimmerte. Ohne den klaren Himmel wäre es hier wohl stockdunkel gewesen.

Etwas weiter führte sie zu einem Haufen großer schwarzer Müllsäcke, die sich an einer Wand auftürmten. Als ich näher kam, musste ich anfangen zu husten. Ein bestialischer Verwesungsgestank kroch mir in die Nase und dutzende Fliegen hatten sich bereits darum versammelt. Ich musste die Müllsäcke nicht öffnen um zu wissen was da drin war. Allein der Anblick und der Gestank brachten mich zum Übergeben. Ich wusste, dass das die letzten Überreste der Ponys waren, die der Maschine zum Opfer gefallen waren.

Ich drehte mich um und folgte einer großen Blutspur zurück. Sie führte wieder ins Gebäude hinein und verlief in der Etage zu dem alten Lastenaufzug der sich an der Seite des Gebäudes befand. Ich ging bis zu dem Aufzug und öffnete die Tür. Der Aufzug war stockdunkel und mir stieg wieder der Verwesungsgeruch von faulem Fleisch in die Nase. Ich hielt mir das Hemd über den Mund, um ein erneutes Erbrechen zu vermeiden, das Atmen fiel mir wegen des stechenden Gestanks schwer. Ich tastete die Wand ab um das Tastenpult im dunklen Aufzug zu finden. Etwas Schmieriges klebte an der Wand, als ich auf die untere Etagentaste drückte, die den Aufzug in Gang setzte und das Licht einschaltete. Ich konnte meinen Augen nicht trauen, als ich mich umsah.

Ich sah Blut, überall war Blut. Ich versuchte ruhig zu bleiben und langsam zu atmen um noch nicht mehr Fäulnisgase einzuatmen. Der Aufzug fuhr in das Kellergeschoss, eigentlich wollte ich dort als letztes hin. Doch es schien der Ursprung der Blutspur zu sein. Der Aufzug kam zum Stehen und ich öffnete die Tür. Ich stieg hustend aus dem Aufzug aus und schloss die Tür wieder hinter mir. Nun war ich wieder hier, am Ort des Geschehens. Die Lichter in der Halle waren alle ausgeschaltet, außer einem roten Licht, was aus der Öffnung des Pegasus Device strahlte und einem aufgestellten Scheinwerfer was den Rest der Maschine beleuchtete. Ich lief langsam darauf zu um nachzusehen was es damit auf sich hatte. Meine Schuhe klebten an der großen Blutspur die von der Maschine bis zum Aufzug führte.

Etwas war in der Maschine und bewegte sich, ich konnte kleine Klopf- und Wischgeräusche hören.

"H...Hallo? Ist da jemand?"

Plötzlich gab es ein lautes klapperndes Geräusch, das aus dem Inneren der Maschine drang. Ich blieb vor Schreck stehen und sah zitternd hoch zum Trichter.

"Wer...wer ist da? fragte ich mit zitternder Stimme.

Dann erschienen ein paar Ponys blutüberströmt hinter der Maschine hervor. Ihr Anblick entsetzte mich.

"Du solltest nicht hier sein!" sagte eins der Ponys, das aus dem Trichter zu mir hinunter geflogen kam.

An den Flügeln konnte ich erkennen, dass es Codi war. Sein Gesicht war allerdings bleich geworden und seine Mähne war total zerzaust. In ihr hängten einzelne Fleischfetzen, die seine grüne Mähne rot färbte. Er sah mich mit einem ernsten Blick an, fast schon wütend.

"Es ist schon alles so gut wie erledigt. Du brauchst uns nicht helfen." sagte er leise.

"Codi, es tut mir..." sagte ich, bevor ich von Codi unterbrochen wurde.

"WAS? Dass du einfach weggerannt bist als das hier passiert ist!? Was bist du denn für ein Boss wenn du es nicht mal schaffst im Ernstfall der Manager zu sein, den du vorgibst zu sein, hä!?"

Ich wusste nicht was ich darauf sagen sollte.

"Ich...ich wusste nicht...wie konnte ich denn ahnen, dass…"

"Keiner konnte ahnen, dass sowas passiert! Die Maschine dürfte gar nicht so funktionieren! Aber du hast es auch nicht für nötig gefunden die Arbeit zu kontrollieren, die wir für dich gemacht haben!"

"Ich…" stammelte ich.

"So seid ihr Menschen also? Den Kleinen die Drecksarbeit machen lassen damit ihr..." sagte Codi, bis mir der Geduldsfaden riss.

"DAMIT WIR WAS!? Du weißt einen Scheißdreck über Menschen, Codi!" schrie ich ihn an.

Er wich einen Schritt zurück und wollte etwas dagegen sagen, doch ich war noch nicht fertig.

"Nein, jetzt hältst du die Schnauze! Du meinst wohl du bist der Boss hier, mich so runter zu machen nach allem was hier passiert ist!? Ich bin der Manager hier, schon vergessen!? Was gibt dir das Recht so aus deiner Rolle herauszugehen?"

Er sah mich etwas fragend an, während ich anfing im Kreis um ihn zu laufen.

"Ich meine damit nicht deine Rolle als Co-Manager. Ich habe euch Ponys als lieb und freundlich kennen gelernt. Ich wusste nicht, was dieser Zwischenfall mit euch machen würde, deshalb bin ich weggerannt. Ich wusste es nicht besser!"

"Wenn du es nicht besser gewusst hast, wieso hast du mich dann nicht einfach um Hilfe gefragt? Doch anscheinend legst du keinen Wert auf die Meinung anderer Wesen." sagte Codi und ging langsam Richtung Aufzug.

Die anderen Ponys sahen mich fragend an. Mein Mitgefühl für ihn war verflogen, doch ich konnte ihm keinen Vorwurf machen für das was er für mich getan hat. Ich beschloss die Reinigungsarbeit mit den Ponys an der Maschine zu beenden. Die Maschine sah zwar von innen immernoch aus wie ein blutiger Fleischwolf, doch Codi und die anderen Ponys hatten bereits das Meiste von der Arbeit erledigt. Als wir nach Stunden mit der Beseitigung der Unfallspuren fertig waren, fuhren wir mit dem Aufzug hoch und bekamen die ersten Strahlen der Morgensonne zu Gesicht, die durch das Fenster im oberen Geschoss strahlte.

Ich war erschöpft von der Arbeit, aber schlafen konnte ich nicht. Das Sonnenlicht drang ins Büro, als ich die Gardinen aufzog. Als ich mich mit dem Chefsessel an die etwas verstaubten Fenster setzte, konnte ich dennoch die Wärme der Sonnenstrahlen auf meiner Haut spüren. Ich versuchte in diesem Moment wieder Kraft zu tanken um weitermachen zu können. Dabei gingen mir einige Fragen durch den Kopf: Wie würde es jetzt weitergehen, mit Codi und mir? Was würde aus dem Projekt werden, der Chance nach Equestria zu kommen? Hatte ich das überhaupt noch verdient?

Hinter mir hörte ich, wie ein Pony langsam das Büro betrat.

"Du warst die ganze Nacht unten um den anderen zu helfen?" hörte ich Codi's sanfte Stimme hinter mir.

Ich sagte kein Wort, denn ich wollte Codi nicht nochmal verletzen. An seiner Stimme konnte ich erkennen, dass ich ihm gestern Angst gemacht hatte obwohl ich es nicht dazu kommen lassen wollte.

"Wie gesagt, du hättest es nicht müssen aber...danke dass du es getan hast."

Ich drehte mich langsam zu ihm um und sah, dass er mit leicht gesenktem Kopf an den Schreibtisch herantrat.

"Es tut mir leid, ich habe gestern etwas überreagiert. Die Ereignisse hatten mich einfach überrumpelt. Ich war noch nie in so einer Situation und wenn du nicht weg gerannt wärst...dann wäre ich es. Ich hatte solch eine panische Angst." sagte er und fing an zu weinen.

Ich stand vom Chefsessel auf und ging um den Schreibtisch herum um ihn umarmen. Dieses Mal ließ er es zu und drückte sich fest an mich, um sich auf meiner Schulter aus zu weinen. In diesem Moment überkamen mich auch die Tränen und es fielen ein paar auf sein Fell. Ich wusste, dass wir uns in diesem Moment alles verziehen hatten was am letzten Abend vorgefallen war. Und so einen Zorn wollte ich nie wieder spüren.

"Ich verspreche dir: Welches Pony auch immer diese Maschine in Auftrag gegeben hat, muss für die Ereignisse bezahlen." sagte er.

Und wir schienen genau zu wissen dass die Erfindung nur von einem Pony stammen konnte: Dr. Hide Atmosphere.