Kapitel 1: Wo Tränen sind, da ist auch Hoffnung

Tage vergingen, Monate vergingen und irgendwann wusste der Doktor nicht mehr wie lange er schon in seiner Tardis war und versuchte einen Weg zu finden um Missy zu erreichen. Jedes erdenkliche Szenario schlug fehl und er war am Rande der Verzweiflung. Er konnte die Tardis nicht an den Ort bringen, an dem er Missy verloren hatte. Er hatte es mehrfach durchgespielt, doch das Schwarze Loch machte es einfach unmöglich, selbst für ihn. Er würde mit der Tardis nicht punktgenau an dem Ort landen können, wo er hinwollte…von der genauen Zeit ganz zu schweigen. Wenn er nun auf sein eigenes Ich treffen würde? Wenn dadurch die Situation noch schlimmer werden würde? Konnte es überhaupt noch schlimmer werden? Egal was er tun würde, er würde die Zukunft verändern.

Wenn er es wirklich schaffen sollte, die Tardis zurück zu diesem Ort zu steuern an dem er so viel verloren hatte, um Missy zu retten, dann würde sich die Zukunft ändern. Wenn er verhindern würde, dass sie überhaupt diese Reise zu dem mondasischen Schiff antreten würden, würde sich die Zukunft ebenfalls ändern. Eines stand fest, Missys Rettung würde eine drastische Veränderung der Zeitlinie bewirken und das war falsch. Er wusste, er sollte die Dinge nicht ändern und sie geschehen lassen, wie sie gesehen waren. Doch er konnte es einfach nicht. Missy hatte eine Chance verdient und er würde sie ihr geben. Er würde sich selbst auch die Change geben, um ihr zu helfen. So konnte ihre Freundschaft einfach nicht enden. Er zwang sich, sich wieder zu konzentrieren und begann mit der Arbeit. Er wusste es würde ein Risiko sein, aber er würde mit seiner Tardis zurückkehren. Er würde versuchen, zu dem spätesten Zeitpunkt anzukommen. Einen Zeitpunkt nachdem Missy ihn mit dem Master verlassen hatte. Er wusste, dass sie mit ihm zu den Aufzügen im Wald wollte und dort würde er versuchen zu landen.

Er ging das Wagnis ein, stellte die Koordinaten und hoffte, dass alles funktionieren würde.

Der Doktor registrierte schnell die Auswirkungen des Schwarzen Loches und steuerte dagegen. Er musste es einfach schaffen, er war doch der Doktor und nach einiger Zeit, war er fast bei den Koordinaten, die er erreichen wollte.

Das war falsch und dennoch richtig. Wie konnte etwas so falsch sein und dennoch so richtig?

Er atmete tief durch und verließ seine Tardis. Die Gegend kam ihn nur allzu bekannte vor, es war unglaublich, dass bereits so viele Jahre vergangen waren, als er zuletzt hier war. Er vernahm eine laute Explosion und wusste, dass sein anderes Ich gerade mit dem Kampf gegen die Cybermen beschäftigt war. Doch darum konnte er sich jetzt nicht kümmern, denn er wusste ja, dass er es schaffen würde. Er ging durch den Wald und vernahm ein seltsames Geräusch, es klang wie ein Lachen. Es war kein fröhliches Lachen, eher ein hysterisches und trauriges Lachen….aber er erkannte die Stimme sofort. Der Doktor folgte der Stimme und von weiten erkannte er einen der Lifts. Er konnte noch erkennen, wie sich die Tür schloss und dann wurde es plötzlich still. Das Lachen verstummte und er wusste nicht, ob er zu spät war. War Missy in dem Lift, war sie doch entkommen? Aber wieso konnte er ihre Lebenszeichen nie irgendwo registrieren?

Der Doktor ging schneller und kurz bevor er bei dem Lift ankam, blieb er abrupt stehen. Seine Augen blickten zu Boden, wo Missy lag. Ihre großen blauen Augen starrten leblos in die Leere. Eine Leere, die sich nun auch in ihn ausbreitete. Langsam und wie in Trance sank er zu Boden und blickte Missy einen Moment ungläubig an. Er erwartete eine Reaktion von ihr… irgendeine, doch es passierte nichts. Sie starrte einfach weiter mit offenen Augen in das nichts.

„Nein." Hauchte der Doktor so leise, dass er es selbst kaum hörte. Vorsichtig legte er eine Hand auf ihre Wange und hoffte auf eine Reaktion, doch sie blieb regungslos am Boden liegen.

Er war zu spät. Der Doktor kannte das Gefühl von Verlust, doch dieses Mal überwältigte es ihn und er fühlte sich nie zuvor so verloren und verzweifelt. Er kam hierher um Missy zu retten und nun musste er sehen, wie sie gestorben war. Endgültig tot und ohne Hoffnung auf Wiederkehr. Seine beiden Herzen fühlen sich so leblos an, wie die ihren.

„Es tut mir Leid Missy….so Leid."

Er senkte langsam den Kopf und berührte mit seiner Stirn ihre. Er wusste nicht warum er das tat, denn sollte es noch eine kleine Möglichkeit der Verbindung geben, würde dieses ihn wahrscheinlich noch mehr zerstören. Und tatsächlich begann sein Geist das zu sehen und zu hören, was sie sah und hörte. Nur Bruchstücke, denn ihr Gehirn war bereits tot…..es war nur noch wie ein schwacher Nachruf.

‚Weil er Recht hat….wir sollten zum Doktor stehen…..'

Er konnte noch den Schmerz spüren, den sie gespürt hatte, als der Schallschraubenzieher des Masters sie traf. Er hörte seine Worte.

‚Versuch gar nicht erst zu regenerieren, das war die volle Ladung'

Dann würde alles dunkel und der Doktor verspürte eine unbändige Wut auf den Master, er hätte ihn am liebsten sofort eigenhändig getötet. Doch dieses Gefühl der Wut wurde von einem viel stärkeren und zerstörenden Gefühl überschattet. Das Gefühl der Trauer um seine Freundin und das Gefühl der Verzweiflung. Sie war gestorben wegen ihm…für ihn. Sie wollte das sein, was er sie lehren wollte. Sie wollte das Richtige tun und an seiner Seite sein…dafür war sie gestorben. Er nahm seine Stirn von ihrer und hob Missy zu sich hoch. Ihr lebloser Körper ruhte in seinen Armen und er wusste, er konnte das so nicht gesehen lassen.

„Ich hole dich zurück Missy, egal wie…ich hole dich zurück."

Er küsste sanft ihre Stirn und gab ihr das Versprechen, welches er einhalten würde. Egal was kommen würde. Eine einzelne Träne fiel auf Missys Wange und der Doktor dachte an das, was er Bill einmal gesagt hatte. Wo Tränen sind, da ist auch Hoffnung.