**ahem, räusper** Herzlich Willkommen zum Zweiten Kapitel! Was erwartet euch? Nun, ihr werdet Hugo ein bisschen besser kennenlernen und natürlich wird er auch wieder Draco begegnen. Zur „Sache" wird es erst im nächsten Kapitel gehen ;) Ich hoffe trotzdem, dass ihr Spaß beim Lesen habt. Achja, noch ein kleiner Hinweis: die Geschichte basiert, wenn überhaupt, dann nur auf den Büchern 1 – 7. HP und das verwunschene Kind hat für diese Geschichte keine Relevanz und wird ignoriert.

Kapitel Zwei - Die Gala

Die Spätschicht hatte aufgrund überdurchschnittlich vieler Quidditchverletzungen fast geschlagene zwei Stunden länger gedauert. Und obwohl mit jedem weiteren Knochenbruch, den Hugo im Laufe des Abends hatte heilen müssen, immer mehr Wut und Verständnislosigkeit gegenüber der blanken Sinnlosigkeit des Sportes aufgekocht waren, so war er letztendlich zufrieden mit der geleisteten Arbeit und der erfolgreichen Versorgung der Verletzten gewesen. Wenn da nur nicht die ständigen Gedanken an diesen einen Patienten gewesen wären. Seine Begegnung mit Malfoy hatte ihn nicht losgelassen. Zum einen, weil ihm die Attraktivität des Mannes nicht mehr aus dem Kopf gegangen war, zum anderen aber auch, weil er sich eingestehen musste, dass sein Abgang hätte nicht peinlicher sein können. Wieso, in Merlins Namen, hatte ihn dieser Mann so durcheinander gemacht?

Hugo war gerade nach Hause gekommen und die kleine Kuckucksuhr, die sich in seiner Küche oberhalb des Türrahmens befand, kreischte in schmerzhaftem Ton, dass er viel zu spät nach Hause gekommen sei. „Soll dich ein Erkling holen!" Hugo schüttelte leicht den Kopf. Er war den unfreundlichen Ton des Kuckucks gewöhnt, immerhin handelte sich dabei um einen Kuckunfreundlichen-Kuk. Nur waren die eigentlich hauptsächlich für unhöfliche Zeitansagen gedacht, doch dieses Exemplar neigte des Öfteren dazu, seinen Besitzer auch anderweitig zu kritisieren und zu beleidigen. Aber der Kuckuck hatte recht. Es war bereits nach drei Uhr in der Früh und Hugo überlegte, ob er sich noch etwas zu essen machen sollte. Derweil dachte er immer noch über Malfoy nach und musste leicht schmunzeln. Er musste zugeben, dass der Mann für sein Alter wirklich noch ausgesprochen gut aussah. Das hellblonde Haar wies nur vereinzelt feine, silberne Strähnen auf, das schmale Gesicht mit den kalten Augen und der spitzen Nase hatte noch immer einen jugendlichen Teint. Und dann war da natürlich auch noch der Körper. Gut gebaut, durchtrainiert und gesund. Aber Hugo wusste, dass er sich den Gedanken aus dem Kopf schlagen musste. Nicht nur, dass Malfoy zu dem Schlag Mensch gehörte, von denen man sich grundsätzlich fernzuhalten hatte, so war er auch immer noch wortwörtlich von seiner Vergangenheit gezeichnet. Natürlich hatte Hugo das ignoriert – er hatte schon oft das Dunkle Mal an Patienten gesehen und letztendlich hatte es ihn auch nie weiter beeindruckt. Das Ding mit diesen Menschen war einfach, dass man nie wusste, wie sie wirklich tickten. Dabei gehörten die Gezeichneten zumeist zu den höflichsten und nettesten Patienten, und dennoch konnte man ihnen nicht trauen. Die Gedanken waren zwar frei, aber keiner wusste so recht, was passiete, würde man diesen Menschen eines Tages erneut die Gelegenheit geben, die Magische Welt neu zu ordnen.

Hugo seufzte und beschloss, das Essen um einige Stunden zu verschieben. Stattdessen gewährte er dem Bett den Vortritt.

Der verdammte Kuckuck riss ihn keine fünf Stunden später mit den Worten „Eindringling, Achtung, Eindringling" aus dem Schlaf. Hugo stöhnte auf, und zog sich die Decke über den Kopf und versuchte, das Gekrächze zu ignorieren. Der Kuckuck war leider schon immer enorm eifersüchtig auf die Briefeulen gewesen und war stets darauf bedacht, seiner Abneigung bei jeder Möglichkeit genug Ausdruck zu verleihen. Hugo hingegen war die Post zwar herzlich egal, aber zu seinem Unmut meldete sich nun auch sein Magen zu Wort. Immerhin hatte er das letzte Mal vor dem gestrigen Schichtbeginn gegessen.

„Also gut," murmelte er zu sich selbst und zwang sich aus dem Bett. Er schlürfte langsamen Schrittes in die Küche und warf dem Kuckuck einen vorwurfsvollen Blick zu. „Ich hab dir schon oft genug gesagt, dass kein Vogel schöner ist als du." sagte er leicht genervt und schnappte sich Milch und Haferflocken. Nachdem er sich auch einen Kaffee gemacht hatte, setzte er sich an den Küchentisch und begutachtete die neu eingetroffene Post. Ein Schreiben von Gringotts, die Zeitung und ein Brief von seinem Vater. Er beschloss diesen zuerst zu öffnen und überflog ihn kurz. Doch als die Worte richtig bei ihm ankamen, setzte er seinen Kaffee, von dem er gerade einen kleinen Schluck genommen hatte, fester ab als eigentlich geplant.

Hey, mein Sohn, ich hoffe, du hast die Gala heute Abend nicht vergessen. Deine Mutter und ich freuen uns auf dich.

~Ron~

P.S. Du hast es vergessen, nicht wahr?

„Mist!", hisste Hugo und blickte zum Kuckuck, der sich klammheimlich wieder in sein Häuschen zurückgezogen hatte. Die Gala. Er hatte sie tatsächlich vergessen. Dabei hatte er eigentlich nur versucht, sie ein klein wenig zu verdrängen. Er hatte auch ein, zwei Male darüber nachgedacht, abzusagen, aber ihm war keine glaubhafte Ausrede eingefallen. Außerdem war es seine Pflicht hinzugehen. Immerhin handelte es sich um nicht irgendeine Gala. Es war eine Jubiläumsgala für Auroren, die bereits dreißig Jahre im Dienst waren und dazu gehörte nun mal auch seit neustem sein Vater. Aber leider eben nicht nur sein Vater, sondern auch Harry Potter, mit dessen Familie Hugo eher weniger zurechtkam. Dabei hatte damals alles – mehr oder weniger - so gut angefangen. Dazu muss man natürlich wissen, dass Hugo zum damaligen Zeitpunkt gar nicht erst eine Wahl gehabt hatte. Seine Eltern waren nun einmal die besten Freunde von Harry gewesen und hinzu kam, dass dieser relativ schnell nach der Schule auch noch die Schwester seines Vaters – Ginny – geheiratet hatte. Es war deshalb kaum verwunderlich, dass die Familien förmlich miteinander verschmolzen. Schon seit Hugo denken konnte, kannte er also die Potters. Als kleines Kind hinterfragte man Freundschaften nicht, man nahm sie dankend an und früher war es sogar immer lustig mit James und Albus gewesen. Ja sogar mit Lily, die sich aber grundsätzlich lieber mit Rose umgab. Die Weasleys und die Potters waren unzertrennlich und man sah sich fast täglich. Auch als sie älter geworden waren, waren Hugo, Albus und James befreundet, die Welt schien heile. Und als James eingeschult wurde, so verblieben noch immer Hugo und Albus und Hugo war damals fest davon ausgegangen, dass ihre Freundschaft eine für die Ewigkeit war. Doch ihre Wege hatten sich abrupt getrennt. Im wahrsten Sinne des Wortes. Der Tag ihrer Einschulung war Hugo noch so deutlich in Erinnerung, als sei er erst gestern gewesen. Albus war zuerst vom Sprechenden Hut aufgerufen worden und in seinem Gesicht hatte die Gewissheit, er würde nach Gryffindor kommen, gelegen. Er hatte es einfach gewusst, weil es der Weg eines jeden Potters war. So hatte der Sprechende Hut auch nicht lange mit sich hadern müssen und hatte laut und freudig GRYFFINDOR verkündet, noch bevor er Albus' Kopf überhaupt berührt hatte. Hugo war sich zu diesem Zeitpunkt ebenfalls sicher, dass auch er ein mutiger Gryffindor werden würde. Doch als der Sprechende Hut auf seinem Kopf Platz genommen hatte, hatte zuerst eine nachdenkliche Stille geherrscht. Dann hatte er ein leichtes Grummeln vernehmen können, aber keine Worte. Nach einigen Minuten erst meldete sich der Hut dann endlich zu Wort.

Ja, mutig bist du, keine Frage. Aber du bist gerissener als mutig, determinierter als loyal. Du willst Gutes tun, aber zu jedem Preis. SLYTHERIN!"

Ab diesem Zeitpunkt hatten sich die Verhältnisse geändert. Seine Freunde hatten sich von ihm abgewandt und er selbst war in einem Haus gelandet, das ihm selbst mehr als nur einmal zu verstehen gab, dass er unerwünscht war.
Hugo rief sich in das Hier und Jetzt zurück. Er schüttelte die Erinnerungen von sich und nahm einen weiteren Schluck von seinem Kaffee, der mittlerweile schon fast kalt war. Sein Porridge hatte er auch noch nicht angerührt und irgendwie hatte er auch keinen Hunger mehr. Und nun war wieder einer jener Abende gekommen, an denen nicht nur er, sondern auch James, Albus und Lily, ein falsches Lächeln aufsetzten und so taten, als sei nichts gewesen.

Das letzte Mal, als er das Ministerium von innen gesehen hatte, lag einige Jahre zurück. Fünf um genau zu sein, denn damals hatte er natürlich für das fünfundzwanzigste Jubiläum erscheinen müssen. Das Ministerium hatte sich seitdem nicht großartig verändert; es war noch immer ein prunkvoller Bau mit hunderten von Räumen, Hallen und Ecken. Es führten wahrscheinlich unzählige Wege und Gänge durch das Ministerium, ähnlich wie bei einem Labyrinth. Obwohl Hugo zwar kein großer Freund des Ministeriums an sich war, so fand er den Anblick des Gebäudes immer wieder aufs Neue beeindruckend. Er war gerade auf dem Weg zur Empfangslounge der Haupthalle, wo er seine Eltern und Rose treffen würde und hoffte inständig, dass die anstehende Gala unterhaltsamer als die vor fünf Jahren ausfallen würde. Aber letztendlich würde es wohl wieder nach dem selben Schema ablaufen. Man saß mit ausgewählten Gruppen an großen runden Tischen und es würde zuerst höflicher Smalltalk gehalten. „Wie geht es Ihnen, lange nicht gesehen. Ach, wirklich? Nein, was Sie sagen. Bla, bla bla." Danach würde eine Vorspeise serviert, dann betrat jemand das Podest und hielt eine quälend lange Einleitung. Dann eine Showeinlage. Dann eine Ehrung. Dann Dankesreden. Spätestens hier würde dann der richtige Hunger einsetzen und so ziemlich jeder im Saal mochte nun etwas essen, konnte aber nicht, weil die Dankesreden von einer weiteren Showeinlage und einer Überraschung gefolgt würden. Erst wenn sich die verhungernde Meute die Sehnsucht nach Essen mit gefühlt drei Litern Elfenwein weggetrunken hatte, würde der Hauptgang serviert, der zudem auch noch erschreckend klein ausfiel. Danach mehr und mehr Alkohol und Livemusik. Das Dessert würde rein niemanden mehr interessieren. Hugo blies bei dem Gedanken die Backen auf. Als er die Empfangslounge betrat, war diese schon gut mit wartenden Gästen gefüllt. Die ersten Gläser Flammensekt waren auch bereits ausgegeben worden und sorgten für eine kleine Auflockerung der Atmosphäre. Das große Eingangstor zur Haupthalle war noch versiegelt und wurde von zwei strammstehenden Auroren jeweils auf beiden Seiten bewacht. Hugo fand seine Eltern etwas abseits der Menge an einem hohen Stehtisch, auf dem zwei Gläser des Sektes standen. Sie sahen beide fantastisch aus. Hermine trug ein weites, weißes Federnkleid. Ihr langes, lockiges Haar, welches von einem rose-glitzernden Kokoshnik gekrönt war, fiel entlang ihrer Schultern fast bis hin zu ihrem Po. Ron hingegen trug die ernste, militärisch wirkendende Aurorenrobe. Dabei handelte es sich um einen hoch geknöpften Anzug, mit edlen, goldenen Verzierungen entlang der Knopfleisten. Zusätzlich war auf den Schultern das Rangmerkmal aufgenäht. Sie schienen sich angeregt über etwas zu unterhalten und warfen sich dabei immer wieder verliebte Blicke zu. Hermine bemerkte Hugo zuerst und ihr entfuhr ein kleiner, heller Aufschrei der Freude. Sie schloss ihren Sohn fest in ihre Arme und gab ihm Küsschen auf die Wange. „Gut siehst du aus! Wie geht es dir, was macht die Arbeit?", fragte sie mit einem Strahlen und reichte Hugo derweil weiter in die Arme seines Vaters. Die Umarmung war weitaus fester, aber dafür gab es wenigstens keine Küsschen. „Schön, dass du da bist.", sagte Ron mit einem sanften Lächeln. „Beim Barte des Merlin, wie lange haben wir uns schon nicht mehr gesehen?" Hugo überlegte kurz und stellte überrascht fest, dass seit ihrem letzten Treffen tatsächlich etwas Zeit verstrichen war.

„Drei,vier Monate, glaube ich.", antwortete er und schämte sich, dass er so selten die Einladungen seiner Eltern zu einem Kaffee oder gemeinsamen Abendessen annahm. Aber das lag wohl auch darin begründet, dass sich ihre Beziehung erst seit kurzer Zeit wieder gebessert hatte. Hugo wollte das neu erworbene Vertrauen nicht überstrapazieren.

„Wow." bemerkte Ron nachdenklich und musterte Hugo, als wolle er prüfen, dass es seinem Sohn an Nichts mangelte. Dabei schien auch er kurz über die Vergangenheit zu grübeln.

„Na wenn das nicht unser kleiner Hugo ist!" ertönte eine dunkle, brummende Stimme hinter Hugo. Er erkannte sie sofort und schloss für eine Sekunde die Augen. Eine Hand legte sich fest auf seine linke Schulter. „Dass man dich auch mal wieder sieht!" James stand nun neben ihm, die Hand immer noch bestimmend auf Hugos Schulter und auf seinem Gesicht lag ein breites, hässliches Grinsen. Alles, was James tat und sagte, war ein Machtspiel. Hugo versuchte diese Tatsache zu ignorieren und schenkte James ein halbherziges Lächeln. „Schön, dich zu sehen." Natürlich war es ganz und gar nicht schön, was zum einen an ihrer gemeinsamen Vergangenheit lag, zum anderen aber auch daran, dass James – zumindest schien es Hugo so – seit ihrem letzten Treffen optisch eine noch groteskere Gestalt ergeben hatte. Er war bulliger und kräftiger, die Muskeln an seinen Armen waren enorm gewachsen und sein Gesicht war kantiger denn je. In den dunkelbraunen Augen, die schon fast schwarz wirkten, schlummerte eine seltsame Bedrohung. Hinter James tauchten auch seine Geschwister sowie Harry und Ginny auf. Diese fiel direkt ihrem Bruder um den Arm, um sich danach auch Hermine an die Brust zu reißen. Ginny war in den letzten Jahren unglaublich hyperaktiv geworden und Hugo hatte ja die leichte Vermutung, dass die Frau immer mal wieder zu tief ins Glas schaute. Aber nun gut, das sollte nicht sein Problem sein. Er war erleichtert, dass Ginny ihn jedoch ausließ und auch die anderen ihm nur ein grüßendes Nicken zuwarfen. Dabei hatte er insbesondere Albus das knappste Nicken erwidert.

„Wo ist denn Rosie?" fragte Ginny piepsig und ließ ihre nervösen Augen durch die Menge wandern. „Oh, sie kommt etwas später.", sagte Hermine und klang dabei sichtlich enttäuscht. Alle wussten zwar, dass Pünktlichkeit noch nie zur ihren Stärken gehört hatte, aber nichtsdestotrotz hoffte man immer auf ein Wunder. Aber auch dieses Mal würde dieses Wunder nicht eintreten.

Während sich die beiden Familien über die Quidditchspiele vom Vortag unterhielten, ließ Hugo seinen Blick durch die Menge wandern. Mittlerweile waren bestimmt schon an die hundert oder hundertfünfzig Personen versammelt, darunter wohl einige Kollegen seines Vaters, sowie Politiker. Für den Abend waren nochmal mindestens genauso viele Menschen erwartet und Hugo hoffte, dass sich bald das Tor öffnen würde, da es ansonsten ziemlich kuschelig in der Lounge wurde.
Und dann erstarrte er wie vom Blitz getroffen. Dort, auf der anderen Seite des Raumes, offensichtlich in ein Gespräch mit einem Auroren verwickelt, stand Draco Malfoy. Das kurze, hellblonde Haar war nicht zu übersehen gewesen. Neben ihm stand eine kleine, hübsche Frau mit hochgestecktem und aufwendig verziertem, pechschwarzem Haar. Sie trug ein enganliegendes, auberginefarbenes Kleid und darüber einen langen eleganten Umhang. Malfoy war in einen dunklen Anzug gekleidet, darunter ein Hemd ebenfalls in schwarz. Auch er trug noch zusätzlich einen langen, eleganten Mantel, welcher edle Stickereien aufzeigte. Er war eine strenge Erscheinung, die von seiner geraden, fast schon starren, Haltung unterstrichen wurde. Hugo hatte wohl zu lange auf den Mann gestarrt, als dieser ihn plötzlich bemerkte. Ihre Blicke trafen sich direkt. Hugo senkte sofort seine Augen und wandte sich ab, aber bereute es sofort. Nun hatte Malfoy sehen können, dass es ihm peinlich war, auf frischer Tat ertappt zu werden. Was tat dieser Mann überhaupt hier? Er hatte doch gar nichts mit dem Ministerium oder den Auroren zu tun. Wie auch immer. Hugo entschied sich, dem Mann keine Beachtung mehr zu schenken, auch wenn es ihn einiges an Willenskraft kosten würde. Er hätte gerne länger rüber geschaut und ihn beobachtet – wie er sich bewegte, gestikulierte, sprach. Aber stattdessen fixierte Hugo seine Aufmerksamkeit wieder auf die Menschen in seinem unmittelbaren Umfeld, auch wenn diese gerade langweilige Mutmaßungen über das Abendmenü anstellten.

„Ich hoffe ja auf Mondlamm, mmhhh, und Elfenwein!"sinnierte Ginny verträumt, wahrscheinlich weil sie wohl gedanklich bereits ein Bad in genanntem Wein nahm.

„Nun, wir werden -", begann Harry, als eine kurze Melodie ertönte und sich das Tor zur Haupthalle öffnete. „Ah, wunderbar!"

Hugo hatte sich nach der vorerst letzten Showeinlage heraus geschlichen, um etwas frische Luft auf der Terrasse zu schnappen. Die Luft in der Halle war mittlerweile stickig und der Alkoholpegel unter den Gästen enorm gestiegen. Rose war im Laufe des Abends auch noch dazugestoßen und hatte seitdem nicht mehr aufgehört, von ihren Haustieren zu sprechen. Es war also höchste Zeit für eine kleine Pause geworden und Hugo hoffte, dass die Terrasse nicht nur frische Luft, sondern auch die nötige Ruhe brachte. Er hatte dabei darauf geachtet, dass er auf dem Weg aus der Halle seinen Blick nur stur nach unten richtete, um unabsichtlichen Blickkontakt mit Malfoy zu vermeiden. Auch wenn mehrere hundert Leute in der Halle waren und die Wahrscheinlichkeit relativ gering war, so wusste man ja dennoch nie, wem man zufällig in die Augen sah. Zu seiner Freude war niemand im Außenbereich. Das lag vermutlich am kalten, eisigen Wetter. Für die kommenden Tage war sogar Schnee vorhergesagt worden. Die Terrasse verlieh einen fabelhaften Blick auf London; in der ferne leuchtete das London Eye in dunklem Rot. Magie war schon etwas besonderes, überlegte Hugo, da sie zwar jedem Gast auf der Terrasse den Anblick auf die strahlende Stadt erlaubte, aber umgekehrt der Stadt den Blick auf die Terrasse verwehrte. Hugo stützte einen Arm auf das Geländer und legte verträumt den Kopf in seiner Hand ab.

„Ich hatte gehofft, dich heute hier zu sehen."

Hugos Herz blieb kurz stehen. Er drehte sich langsam um und lehnte sich nun mit seinem Hintern gegen das Geländer. Cool bleiben, lautete nun die Devise. Vor ihm stand Malfoy, der zwei Gläser in der Hand hielt und nun, da er Hugo näher kam, ihm eines davon anbot. „Feuerwhiskey." sagte er und reichte Hugo ein Glas.

„Ähm, danke." erwiderte Hugo knapp. „Sind Sie mir gefolgt?"

Draco lachte sanft und antwortete: „Ich habe natürlich rein vorsorglich zwei Gläser mitgebracht, sollte jemand zufällig hier sein." Hugo spürte, wie sein Kopf rot anlief. „Ja, blöde Frage, ich weiß." Er starrte peinlich berührt in das Glas. Draco hatte sich nun neben ihn gestellt und lehnte sich ebenfalls gegen das Geländer.

„Gefällt dir der Abend?" fragte Draco und nahm daraufhin einen Schluck des Feuerwhiskeys. Sein Blick war dabei auf Hugo gerichtet und ihm gefiel, was er sah. Der Junge war simpel gekleidet; er trug noch nicht einmal einen Anzug oder ähnlich festliche Robe, was dem Anlass entsprechend gewesen wäre. Stattdessen trug er eine schlichte, dunkle Hose und einen feinen, schwarzen Rollkragenpullover, der seine schmale Figur betonte. Es lag eine gewisse Eleganz in der Schlichtheit, die Draco durchaus gefiel. Doch noch mehr gefiel ihm, dass das Gesicht des Jungen feuerrot vor Nervosität angelaufen war. Die Sommersprossen tanzten wie kleine Feuerteufel auf seinen Wangen. Dann zuckte der Junge zaghaft mit den Schultern. „Ist ganz nett, ja." Er nahm daraufhin einen Schluck des Whiskeys und vermied es, Draco anzusehen.

Wieso machte ihn dieser Mann so nervös? „Ähm, wieso sind Sie eigentlich hier? Sie haben doch mit dem Ministerium gar nichts zu tun." Malfoy grinste und lehnte sich etwas in Hugos Richtung, als würde er ihm etwas zuflüstern wollen.

„Weil ich wichtig bin."

Das entlockte Hugo ein kleines Kichern. Er schaute Malfoy kurz an und bemerkte dabei, dass die Lippen des Mannes zwar ein Grinsen formten, seine Augen allerdings ernst und starr geblieben waren. Verwirrt entschied er sich, abzulenken. „Wie geht es Ihrem Oberkörper?", fragte er und wollte sich am liebsten sofort selbst eine saftige Ohrfeige verpassen. Wie geht es Ihrem Oberkörper – ernsthaft? Malfoy hob die Augenbrauen und das Grinsen schien auf einmal ehrlicher. War ja klar. Sobald sich ein Weasley blamierte, war die Freude ernstgemeint.

„Hervorragend. Aber vielleicht bedarf er einer Nachuntersuchung." erwiderte Malfoy keck, just in dem Moment als Hugo gerade dabei war einen weiteren Schluck des Feuerwhiskeys zu nehmen. Überrumpelt von der Antwort, verschluckte er sich beinahe daran. Malfoy lachte hämisch auf und wartete einen Moment, bis sich Hugo wieder gefasst hatte.

„Kein Grund, so scheu zu sein.", sagte Malfoy dann und tippte mit seinem Finger kurz auf Hugos Nasenspitze. Es war eine fast väterliche Geste, die Hugo nicht erwartet hatte und ihn irritierte. Er öffnete seinen Mund, um etwas zu sagen, doch schon war Malfoys Finger sanft auf dieselben geglitten. Die Anspannung in Hugos Körper war kaum auszuhalten, doch er wollte nun keine Schwäche zeigen. Er schaute nun direkt in Malfoys Augen und es kam ihm wie eine unerträgliche Ewigkeit vor.

„Du wirst von mir hören." sagte der Mann leise und sein Finger löste sich von Hugos Lippen. Er wandte sich mit einem Nicken ab und verließ dann die Terrasse. Hugo überlegte kurz, ob er noch etwas sagen sollte, doch Schweigen schien ihm am angemessensten.