And I wanna see you
As you walk through the door
And time will make us
Some ways less and some ways more
And I wanna talk of nothing
As the world passes by
And I wanna think
But not to say

Let me face
The sound and fury
Let me face
Hurricanes

Let me not turn away
From happiness or pain
Just not to run away
In my heart and in my head
Let me face
Hurricanes

- Hurricanes by Dido-

Ein Neuer Morgen


„Mrs.-„

„Helene.", unterbrach sie den jungen Mann amüsiert.

Nach all der Zeit fiel es dem Freund ihrer Tochter immer noch schwer das Formelle zu unterlassen. Besonders wenn er so nervös war wie gerade jetzt. Helene verkniff sich das Lachen, als er wiederholt den Salat umständlich durch mischte und dabei etliche Blätter auf der Küchentheke verteilte.

„Also gut, Helene!", schwer atmete er und stoppte sein tun. „Du weißt -„

„Was ist es, das dich so sehr beschäftigt, Harry?"

Helene Granger war nicht für ihre Geduld bekannt und Harry Potter, der arme Tropf, musste das erneut lernen. Ein Drumherumreden, kam für sie nicht in Frage. Direkt und geradeaus, so war es ihr am liebsten, egal ob sie schroff oder herrisch rüberkam. Eine Eigenschaft, die sie wohl an Hermione weitergegeben hatte.

„Komm schon, du kannst es mir ruhig sagen." Beruhigend hatte sie ihm eine Hand auf die Schulter gelegt.

Abrupt ließ Harry von der Salatzubereitung ab und griff sich nervös in die dichten schwarzen Haare. Das Besteck fiel ohne große Beachtung in die Schüssel. Spätestens jetzt hatte er die ungeteilte Aufmerksamkeit von Helene.

„Woher wusstest du, dass Richard -„ Er unterbrach sich selbst und sah mit seinen grünen Augen durch die Brille fast flehentlich zu ihr. Es war ihm sichtlich unangenehm.

Helene hingegen musste ihre Ungeduld zügeln, ihm Zeit lassen, egal wie schwer es ihr fiel. Mit einer Hand streifte sie Strähnen ihrer blonden Haare aus dem Gesicht, ohne ihn aus den Augen zu verlieren.

„Woher wusstest du, dass es Liebe ist?" Begann Harry erneut.

Sie schluckte, in der Tat hatte sie nicht mit einer solchen tiefgründigen Frage gerechnet gehabt. Aber wie bei vielen Dingen hatte sie diesen jungen Mann unterschätzt. Rein äußerlich war er eigentlich unscheinbar.

In den vergangenen Jahren hatte sie mehr denn je gelernt dem Instinkt ihrer Tochter zu vertrauen. Hermione hatte von je her ein unzweifelhaftes Talent ihr Herz an etwas oder jemanden zu verlieren, was vernachlässigt wurde und niemand wirklich wollte. Harry Potter, der junge Mann, der Helene nun ansah, fiel genau in dieses Muster. Sicher jeder wollte mittlerweile etwas von dem Helden der magischen Welt aber keiner etwas von diesem verlorenen Jungen, Waisen, der seinen Verwandten verhasst war, die zerbrochene Seele, die nach Geborgenheit und Liebe schrie. In Augenblicken wie diesem war das Bedürfnis jene Erwachsene in Harrys Leben heimzusuchen, die ihm so wenig auf den Weg mit gegeben hatten so stark, dass Helene sich zwingen musste dem nicht zu erliegen.

Ihr Verständnis von Verantwortung gegenüber Kinder war der Grund schlecht hin, warum es ihr immer noch schwerfiel Hermiones damalige Entscheidung, sie mit verändertem Gedächtnis fort nach Australien zu schicken, zu akzeptieren. Im Nachhinein saß es sehr tief, dass ihre Tochter davon überzeugt war Richard und sie wären hilflos, gar eine Gefahr. Mehr als nur ein Mal hatte Helene sich gefragt, was genau sie falsch gemacht hatte, dass ihr Kind sich nicht mehr ausreichend geborgen, beschützt gefühlt hatte? Rein rational ahnte sie, dass es wenig mit ihnen als Familie zu tun hatte und viel mehr mit der magischen Welt, dem Krieg, der dort getobt hatte.

„Harry." Sie atmete aus und sah in sein Gesicht, als ob sie dort ihre Antwort ablesen könnte. „Worum geht es hier wirklich?"

Er wandte missmutig seinen Blick ab und griff lustlos nach der Salatschüssel. Entschieden drückte sie seine Schulter und erhielt ein genervtes Schnauben zurück.

„Also gut, es ist -„ erneut schluckte er und schien ein Loch in die Schüssel starren zu wollen. „Hermione, sie - nun, findest du nicht, sie hat wen Besseres verdient?"

Hier sah er intensiv wieder zu ihr als ob er von ihr Zustimmung erwartete, dass ,ja, ihre Tochter mehr verdient hatte. Helene würde ihn enttäuschen müssen.

„Besser?" Sie nahm die Schüssel an sich und machte sich daran sie auf den Esstisch in der offenen Küche zu stellen. „Harry, hörst du dir selbst eigentlich zu?"

Präzise in der Mitte vom Tisch stellte sie den Salat ab und wandte sich wieder Harry zu.

„Ich vertraue darauf, dass Hermione weiß was sie will und ganz ehrlich, es hat noch nie geholfen zu versuchen sie davon abzubringen, das kann ich dir versichern."

Ein zaghaftes schelmisches Grinsen breitete sich über seine Lippen aus. Es erhellte sein ganzes Wesen.

„Klingt ganz nach ihr.", sprach Harry sanft.

Kurz darauf verdüsterte sich sein Gesicht allerdings wieder.

„Harry, ihr seid, wie lange ein Paar? Lass es drei Monate vielleicht sein." Versuchte es Helene zunehmend hilfloser. „Was könnte denn da großartig passiert sein, das dich derart verunsichert?"

Er biss sich auffällig verschämt auf die Lippen, bevor er ihr den Rücken zu drehte und sich mit der Hüfte gegen die Küchenanrichte lehnte. Die Arme verschränkte Harry vor der Brust und sah aus dem Fenster gegenüber. Perfektes Wetter, wie fast jeden Tag, zumindest für ihn. Dabei waren sie inmitten des australischen Winters, der sich hier in Adelaide wie ein paar schöne Herbsttage in England anfühlte.

„Es geht um die magischen drei Worte!" Helene klang triumphal.

Vielleicht war sie nicht ganz so genial wie Hermione, aber wer war das schon, dennoch es war die einzig verbliebene logische Erklärung für sein Verhalten.

Andernfalls wüsste Helene sicherlich bereits, wenn die Zwei ernsthafte Probleme in ihrer Beziehung hätten.

„Drei Worte die so viel sagen und zu gleich zu wenig.", fügte sie nachdenklich hinzu und blieb neben ihm stehen.

„Trotzdem bring ich es nicht fertig sie ihr zu sagen." Kaum hörbar und zugleich tief melancholisch bestätigte Harry sie.

„Hermione hingegen", jetzt sah er sie direkt an, „hat keine Schwierigkeit mir zu sagen, dass sie mich liebt. Jedes Mal fühle ich mich erbärmlich, weil ich es ihr nicht gleich tun kann."

Mit einer enormen unterdrückten Wut stieß er sich von der Anrichte ab und riß die Besteckschublade ruppig auf.

„Nicht weil sie mir egal ist." Ungeschickt nahm er das Besteck raus, so dass einzelne Gabeln bei den Messern landeten.

Helene hatte Mühe nicht dazwischen zu greifen und ihre geliebte Ordnung wieder herzustellen.

„Hermione ist meine beste Freundin, der vielleicht wichtigste Mensch in meinem Leben. Und -„ für einige Sekunden hielt er inne. „Ich will, nein, muss mir sicher sein, verstehst du? Diese Worte sagen und dann nicht wirklich zu meinen - „

„Ach, Harry!" Helene hatte den Kampf gegen ihre Ungeduld verloren und nahm ihm das Besteck aus der Hand. „So etwas braucht nun mal Zeit und ich bin mir sicher Hermione weiß das auch. Du machst dir selbst viel zu viel druck."

An seiner ganzen Körperhaltung konnte sie ablesen, das war nicht, was er hören wollte. Dennoch ging sie zum Tisch und deckte ihn weiter.

„Wer macht sich zu viel druck?" Wollte Hermione plötzlich wissen, als sie die Küche betrat.

„Na, dein Harry.", erwiderte Helene ohne sich umzudrehen. „Ich sehe mal nach was Richard am Grill so lange treibt."

„Mum?" Aber sie hatte sich bereits abgewandt und ging an ihr vorbei, aus der Küche heraus.

Das Verhältnis zwischen Mutter und Tochter war immer noch kühl. Obgleich sie seit Wochen unter einem Dach lebten, hatte es sich nur wenig verbessert. Stattdessen schienen Helene und Harry sich überraschend gut zu verstehen. Hermione seufzte leicht, langsam ging ihr die angespannte Situation unter die Haut. Umso erleichterter war sie, dass sie bald in ihre eigene kleine Wohnung ziehen würden. Spätestens wenn die Quidditch Session und die Universität anfingen.

Bereits vor zwei Jahren, als Hermione kurz nach Professor Dumbledores Beerdigung entschieden hatte ihre Eltern fortzuschicken, war es kein Zufall gewesen, dass ihre Wahl auf Australien fiel. Anders als Großbritannien war die Grenze hier zwischen der magischen und der nicht magischen Welt fließender. Allein weil der fünfte Kontinent erst Ende des 18. Jahrhunderts vom Westen kolonialisiert wurde und somit hatten die Aborigines, die Ureinwohner Australiens, ungehindert die Möglichkeit ihre Kultur und Lebensweise bis in die Neuzeit zu bewahren. Trotz aller Versuche in den vergangenen 200 Jahren war es dem britischen Empire nicht gelungen diese völlig auszumerzen. Die Entscheidung den Kontinent vornehmlich als Strafkolonie zu benutzen war dem Unterfangen nicht zuträglicher gewesen. Dem zu Folge war die Akzeptanz von andersartigen, gar magischen weit mehr verbreitet in der australischen Bevölkerung. Hermione wusste um den Umstand durch ihre eigenen Recherchen. Spätestens seit ihrem vierten Schuljahr war ihre Kuriosität geweckt und immer wenn sie Zeit gehabt hatte, war sie ihrem Bedürfnis mehr über die magische Welt außerhalb Großbritanniens zu erfahren nach gegangen.

Es gab unzählige Länder auf der Welt in denen die internationale Statut zur Geheimhaltung der Magie wesentlich laxer gehandhabt wurde. Während man in Großbritannien mit Vehemenz versuchte Hexen und Zauberer von Muggles zu trennen, nicht mal davor zurück schreckte ganze Familien zu zerreißen, bot Australien gar duale Studiengänge an. Die Teils kulturelle Nähe zu ihrer Heimat verbunden mit den etwaigen Möglichkeiten, auch wenn sie zu dem Zeitpunkt eigentlich völlig illusorisch waren in Betracht zu nehmen für ein Leben nach dem Krieg, machten ihr die Wahl leicht.

Eine Weitsicht wofür sie jetzt dankbar war auch wenn Harry nie Teil dieser ausschweifenden Überlegungen gewesen war. Es war ein Plan B, vielleicht sogar ein Plan C gewesen, irgendwann England den Rücken zukehren, sobald sie dort nichts mehr halten sollte. Dieser Umstand trat nachdem Krieg viel eher ein, als Hermione befürchtet hatte und wurde völlig anders umgesetzt als sie es je hätte erträumen können.

„Hey." Hermione begann soft.

Ihr war Harrys schlechte Laune nicht entgangen, die fast mechanischen Bewegung alles nur um sie nicht ansehen zu müssen und die Wut, über was auch immer, in seinem inneren im Zaum zu halten. Es war das erste Mal seit sie in Australien waren, dass sie nicht damit beschäftigt waren ihr neues Leben hier zu planen, zu organisieren. Naturgemäß gab es ihnen genug zeit, um nachzudenken, hinterfragen ob alles so war, wie erhofft. Irgendwo in ihr war immer noch die Erwartung, die Befürchtung Harry würde seine Entscheidung revidieren, sie als falsch, gar als voreilig im Nachhinein erachten.

Ihr war allerdings auch nicht verborgen, woher diese Unsicherheit kam. Es war völlig logisch eine so überraschende Wendung selbst Monate später zu hinterfragen. Manchmal wunderte sie, gerade in Momenten wie jetzt, wenn Harry ihr mit seinem Verhalten unbewusst ihre Zweifel nährte, ob es denn je anders sein würde? Sie wie andere auch ganz verständlich davon ausgingen, dass ihre Beziehung Bestand haben würde.

„Selber hey!" Harry sah endlich zu ihr und stockte. „Wow, du siehst großartig aus."

Scheu lächelte Hermione. Seine Reaktion trieb ihr die Röte in die Wangen. Der neue pixie Haarschnitt setzte den Fokus viel mehr auf ihr Gesichtszüge. Das eng anliegende Top und der kurze Bleistiftrock, beides in Schwarz, taten dass ihrige, um all ihre weiblichen Vorzüge zu zeigen. Die Frisur hatte sie schon seit einigen Tagen, spätestens da war ihr die lange scheinbar unbezähmbare Mähne auf den Geist gegangen. Hier in Australien noch viel mehr, als in England.

»Danke.«

»Ist nur die Wahrheit.« Harry ging auf sie zu. »Gibt es eigentlich eine Art Dresscode für Konzerte?«

»Nein,« Sie schüttelte leicht den Kopf und war vielmehr damit beschäftigt ihn zu beobachten.

Seine Laune schien sich von jetzt auf gleich geändert zu haben. Was auch immer ihn beschäftigt hatte vor noch wenigen Sekunden, war wohl unwichtig geworden.

»Ich bin immer noch völlig baff, dass du auf diese Art von Musik stehst.« Kommentierte er, während er den Abstand zu ihr weiter verringerte.

»Hast du etwa geglaubt ich höre mit Vorliebe Klassik?« Neckte sie, als er einen Arm um ihre Hüften legte.

Harry verzog daraufhin leicht das Gesicht und schüttelte den Kopf.

»Nein, aber bestimmt auch nicht so harte Musik.« Er senkte die Stimme. »Wobei, wenn ich länger darüber nachdenke - »

An diesem Punkt unterbrach er und zog es vor sie zu küssen.

»Ehem, wann gehts eigentlich noch gleich zu Punk Anansies?« Kam für Hermione viel zu früh die Stimme ihres Vaters.

»Es heißt S-kunk Anansies. Einlass ist um 19 Uhr, das Konzert startet um 20:30.« Entgegnete sie entsprechend genervt, während Harry abrupt von ihr ließ.

Ein überaus breites Grinsen erstreckte sich über Richard Grangers braun gebranntes Gesicht Angesicht des Unbehagen des jungen Mannes.

»Also noch genug Zeit um zu Essen!« Meldete sich Helene zu Wort und nahm ihrem Mann die Platte mit dem fertigen Grillgut aus der Hand.


Autornotiz:

Hallo zusammen,

ursprünglich war es einmal angedacht diese Geschichte in drei Teilen zu erzählen. Dem entsprechend auch in drei seperaten Geschichten zu veröffentlichen. Offensichtlich habe ich mich anders entschieden und werde es als Gesamtwerk nun nach und nach veröffentlichen. Vieles, was noch da kommen mag, habe ich in den vorrangegangen Kapitel angedeutet, ausgestreut. Selbiges gilt natürlich auch für dieses Kapitel, auch hier werdet ihr im Kern die Thematik finden, die uns in nächster Zeit beschäftigen wird.

Hermione wird eventuell, ich hoffe zumindest es gelingt mir, wesentlich komplexer erscheinen und wir werden auch nach und nach diese Tiefe erörtern als es in den Büchern oder in den Filmen der Fall war. Dies gilt auch für Harry, wobei ich da wesentlich weniger mit Unbekannten arbeiten kann, da die HP-Bücher aus seiner Perspektive sind. In meinen Überlegungen welche 90er Jahre Band, welche Musikrichtung zu Hermione passen könnte, fiel die Wahl auf Skunk Anansies. Ein kleiner Exkurs: Es gab Ende der 90er etliche interessante, populäre britische Bands mit entsprechender Frontfrau bzw Frontfrauen. Allerdings brauchte ich etwas aggressiveres, weniger glänzend gecastet als die Spice Girls und All Saints...nur um zwei sehr erfolgreiche zu der Zeit zu bennennen. Zu dem passen die damaligen Veröffentlichungen von Skunk Anansies überaus gut, wenn nicht sogar treff sicher, zu der emotionalen Problematik in der Hermione sich befand.

Vielleicht lenkt euch diese kleine, oder nun doch größer werdende, Geschichte etwas von der jetzigen Realität ab.

Bleibt Gesund

Phoenixwriter