Zwei kurze Kapitel. Ich habe im Augenblick Einiges zu tun, also komme ich nicht so zum Schreiben, wie ich es gerne hätte. Tut mir leid, dass es nicht, wie versprochen schon am Freitag kam.

Kapitel 16

Die Ruhe vor dem Sturm

Den Dursleys ging es ohne mich besser. Das war eine harte Wahrheit und es war schwer für mich sie zu akzeptieren. Zwar habe ich Onkel Vernon nicht kennengelernt, aber das, was ich von Dudley und Tante Petunia gesehen habe sagte mir, dass es nicht die gleichen Leute waren, die ich kannte. Dudley war schlanker, sportlicher, und … nett. Er spielte Fußball, las Bücher, traf sich mit Freunden und half seiner Mutter im Haushalt. Tante Petunia mochte zwar immer noch keine Magie, die sie als eine Krankheit bezeichnete, aber sie verleugnete ihre Schwester nicht. Sie vermisste Lilly.

Snape und Sirius erklärten mir, die Dursleys seinen in meinem letzten Leben von dem Horkrux in mir beeinflusst gewesen. Als Muggel waren die nicht gegen dessen Wirkung gewappnet gewesen. Was auch immer das Haus vor Entdeckung geschützt hat, es war machtlos gegen die Gefahr, die sich bereits im Haus befand. Blacks dagegen waren durch das Black-Manor geschützt, das über so viele Schutzzauber verfügte, dass nicht mal die gleichzeitige Anwesenheit von zwei Horkruxen sie beeinflussen konnte.

Es gelang mir die Gedanken darüber erst dann aus dem Kopf zu werfen, als Hermine mit ihren Eltern in Haus kamen. Großmutter war zur Besuch bei ihrem Vater und Tante Bella… nun Tante Bella war ebenfalls für einige Tage nicht im Haus, so dass unsere bunt gemischte Familie allein zu Hause war. Sirius hat Hermine und ihre Eltern mit dem gleichen Auto abgeholt, mit dem er mich vor einigen Wochen zurück nach Hogsmead gefahren hat. Da das besagte Auto auf den ersten blick völlig normal war, war es das aus dem Nichts erscheinende Haus, der für die nervösen Blicke gesorgt hatte. Hermines Eltern traten so langsam und vorsichtig über die Schwelle, als wären sie bereit jeden Augenblick panisch davonzulaufen. Hermine dagegen war weniger vorsichtig, dafür aber viel neugieriger.

„Es ist der Fidelius-Zauber", erklärte sie ihrem Vater, der an der offenen Tür stand und mit beiden Händen den vorbeigehenden Menschen zuwinkte. Natürlich gingen diese vorbei, ohne ihn auch nur zu bemerken. "Das Haus können nur die sehen, die schon wissen, dass es dort ist."

„Richtig", bestätigte Sirius. „Als die Stadt sich immer weiter ausbreitet und das Anwesen erreicht hat, beschloss die Familie das Haus zu verstecken, anstatt es an eine andere Stelle zu bewegen." Es gab eine große Führung durch das Haus. Und die anfängliche Begeisterung schwand immer weiter, je mehr die Grangers von dem Haus sahen.

„Ich dachte ein magischer Haushalt ist … nun ja… magischer", sagte Mrs. Granger zur Alice. „Das alles hier ist so normal!" Alice lachte herzlich.

„Unsere Welten sind gar nicht so verschieden", versicherte sie. „Es sind die Kleinigkeiten, die sich unterscheiden." Das schien die beiden älteren Grangers zu beruhigen. Bis sie Binsy sahen. Er war mitten im Wohnzimmer erschienen, um zu verkünden, dass das Abendessen fertig sei. Mrs. Granger schrie erschrocken auf und Mr. Granger spannte sich wie zu einem Angriff an. Der Hauself versuchte nicht zu zeigen, dass so eine Reaktion ihn irgendwie berührte, doch man sah ihm an, dass er beleidigt war.

„Das ist Binsy", stellte Neville unseren größten Helfer vor. „Er ist ein Hauself und er hilft uns überall."

„Sagt es nicht meiner Mutter, aber ohne Binsy wären wir aufgeschmissen", raunte Sirius leise, sobald der Elf verschwunden war.

„Es… er spricht…", gab Mrs. Granger endlich von sich. „Was ist das für ein Wesen?!"

„Ein Hauself", wiederholte Hermine geduldig. „Sie wohnen als Sklaven im Haushalt der Zauberer und …"

„Binsy ist frei!" Dieses Mal hat der Hauself auch mich erschrocken. Er erschien mit einem lauten Plop und deutete anklagend auf Hermine.

„Die junge Herrin hat unrecht!" Dann verschwand er wieder und ließ uns alle ein wenig ratlos zurück.

„Mutter befreite ihn nach dem … nachdem ihr nach Hogwarts abgereist seid", erklärte Sirius ruhig. „Er nahm die Kleidung zwar an, weigerte sich aber das Haus zu verlassen. Er meinte, er kann unmöglich gehen bevor nicht alles wieder seine Ordnung hat." Die beiden Muggel sahen uns verständnislos an, dann blicken sie zur ihrer Tochter, doch auch sie konnte es nicht erklären.

„Eine lange Geschichte", winkte Alice ab. "Binsy ist kein Sklave, er kann gehen, wenn er es will. Er bleibt und kümmert sich um die Familie. Außerdem kann er sich nicht vorstellen, dass man uns auch nur für einen Tag allein lassen kann", fügte sie hinzu.

Das Abendessen verlief ohne größere Probleme. Nach einer Weile gewöhnten sich unsere Gäste an schwebende Platten, Tassen und Teller, an das Essen, das direkt auf dem Tisch erschien und Getränke, die sich von allein wieder auffüllten. Nach dem Abendessen wurden wir Kinder „entlassen" und konnten uns in unser Spielzimmer zurückziehen, während die Erwachsenen „wichtige Fragen" klärten.

„Zaubern außerhalb der Schule ist verboten", meinte Hermine empört, als Neville und ich unser Spielzimmer ein wenig aufräumten, und ein Sessel für unseren Gast herzauberten. Sie sah sich nervös um, als würde sie erwarten, dass Dumbledore höchstpersönlich auftauchen würde, um uns zu bestrafen.

„Die Regel ist im Grunde dazu da, um Magie geheim zu halten", erklärte Neville. „Muggel sollen nichts davon mitbekommen, also wird jeder der in Hogwarts aufgenommen wird mir der Spur versehen. Damit man sehen kann wer vor den Muggeln gezaubert hat."

„Aber zwischen der ganzen Magie, die hier überall ist, verliert sich die Spur", meinte ich dazu. „Es ist einfach unmöglich zu sagen, wer welchen Zauber gewirkt hat." Eine Weile sah Hermine uns nachdenklich an.

„Also… also können all die Zaubererkinder zu Hause an aller Ruhe üben, während die Muggelgeborenen…." Ich konnte ihr die Empörung darüber deutlich ansehen. „Das ist nicht fair!"

„Nein, ist es nicht", stimmte ich ihr zu. „Aber du kannst ja in den Ferien öfters mal zu uns kommen und mit uns üben." Sie nickte vorsichtig und zog unentschlossen ihren Stab aus der Tasche. Dann sah sie von ihrem Stab auf unsere und wieder zurück.

„Hattet ihr in Hogwarts nicht andere Stäbe gehabt?"

„Ja, in Hogwarts haben wir andere Stäbe", meinte Neville und zog seinen ersten Zauberstab, um ihn Hermine zu demonstrieren. „Den habe ich wie alle anderen bei Olivander gekauft. Der andere hier wurde extra für mich angefertigt."

„Olivander sagte, dass der Zauberstab sich den Zauberer aussucht", erinnerte sich Hermine. „Wie kann es sein, dass ein Zauberstab für dich gemacht wurde?" Sie glaubte uns nicht.

„Olivander ist nicht der einzige Zauberstabmeister", versicherte ich sie. „Es gibt viele andere, die sich damit beschäftigen." Ich sah sie an und lächelte.

„Hermine, die Zauberwelt ist viel größer als die Winkelgasse und Hogwarts!"

Wie groß die Zauberwelt ist, durfte sie am nächsten Tag erfahren. Alice, Sirius, Neville und ich nahmen Hermine und ihre Eltern auf eine „kleine" Erkundungstour durch die Zauberwelt. Als wir gegen Mittag in einem magischen Restaurant zur Mittag aßen, waren die Grangers ganz still.

„Lucius hat uns den Portschlüssel geschickt", las Sirius die Nachricht, die eine Eule eben abgeliefert hatte. „Er erwartet uns und die Kinder in drei Stunden." Er verzog das Gesicht, als die Nachricht weiter las, doch als Alice nachfragte, was los sei, winkte er ab und ließ den Brief verschwinden.

„Wir können die Kinder allein schicken. Lucius garantiert persönlich die Sicherheit der Kinder."", meinte er nur. „Der Empfang für die Familie ist um einiges später."

Also gab es wohl Probleme bei der Gästeliste. Bestimmte Personen sollten sich nicht begegnen. Deswegen wurde der „Familienempfang" auf später verschoben. Wahrscheinlich damit Sirius nicht Versuchung kam einige der Gäste zu verhaften und damit gegen Gastrecht zu verstoßen.

Drei Stunden später standen wir für die Abreise bereit in der Eingangshalle. Hermine war sichtlich nervös und strich sich immer wieder das makellose Kleid glatt oder fuhr sich durch das fein frisierte Haar. Dabei hatte sie sich noch nicht im Spiegel gesehen. Alice, die dem Kleid und der Frisur „die letzten Striche" gab, zauberte ein wenig an Hermines Zähnen, so dass sie jetzt einfach perfekt waren. Das war mein Vorschlag gewesen und Alice hatte es erst mit Hermines Elter und dann mit Sirius abgesprochen. Die einzige, die nichts davon ahnte war Hermine selbst. Als die Uhr in der Eingangshalle die richtige Zeit schlug, ließ Sirius einen einfaches Blatt Papier zu uns schweben.

„Wir sehen uns in ein paar Stunden", versprach er. „Ich werde euch abholen. So! Bereit? Auf drei. Eins, zwei, drei!"

Wir fassten gleichzeitig nach dem Papier, ich fühlte den Zug an meinem Bauchnabel und einen Augenblick später standen wir in einer anderen Eingangshalle.

„Willkommen in Malfoy-Manor!", grüßte uns Narzissa und machte eine einladende Geste. „Kommt ich bringe euch in den Salon. Draco ist bereits mit den ersten Gästen dort!"

Hermine hatte wieder einmal einiges zu sahen. Im Gegensatz zu der Residenz der Blacks – das im Grunde wie in normales Haus aussah – war Malfoy-Manor ein richtiges Schloss. Weite Hallen mit Bildern an den Wänden, Buntglasfenster und Rüstungen. Marmorböden und weite Treppen. Schwere Samtvorhänge und dicke Teppiche. Steife Manieren. Das letzte verschwand, sobald Mrs. Malfoy die Tür hinter sich zugemacht und uns Kinder allein gelassen hat. Draco grinste uns freudig an und selbst Hermine vergaß nach einer Weile nervös zu sein.

Nach ein paar Stunden holte uns Sirius wieder ab, er wirkte leicht nervös, doch als ich ihn frage ob alles in Ordnung sei, versicherte er mir alles sein gut und ich solle mir keine Sorgen machen. Er brachte uns nach Hause und kümmerte sich dann darum, dass die Grangers wieder nach Hause kamen. Dann verschwand er wieder und kam mit Alice zurück, die nun ebenfalls nervös und verunsichert wirkte.

„Was ist passiert?", wollte sie wissen. „Lucius hat uns ja förmlich rausgeworfen. Er schien…. Sirius, er hatte Angst! Lucius Malfoy hatte ganz offensichtlich Angst! Was geht da vor?"

„Lass uns die Kinder ins Bett bringen und ich…"

„Nein!", riefen Neville und ich gleichzeitig und auch Alice schüttelte den Kopf.

„Nur wenn man weiß woher die Gefahr kommt, kann man sich effektiv verteidigen!", sagte Alice energisch. „Das sagst du jedem neuen Rekruten. Immer und immer wieder. Gilt es nicht für deine eigene Kinder?" Er seufzte und fuhr sich mit beiden Händen durch das Haar.

„Ich kann weder Bella noch Snape erreichen", grollte er. „Ich weiß dass die beidem am Leben sind, aber das ist auch schon alles!"

„Vielleicht sind sie…", Alice schaute zu Neville und mir, „… beschäftigt?"

„Nein … ich weiß nicht. Ich glaube nicht. Der Patronus kommt zurück, als würde er sie erst gar nicht finden. Also sind sie irgendwo, wo sie vor solcher Magie abgeschirmt werden und Alice, mir fallen nur ganz wenige Ort, auf die es zutrifft und ich will die beiden an keinem dieser Orte finden!"

„Das Ministerium, Askaban und…", sie schlickte schwer. „Was machen wir?"

„Ich gehe die beiden suchen. Du bringst die Kinder ins Bett und aktivierst sämtliche Schutzzauber!"

„Aber!"

„Das ist ein Befehl!" Bei Merlin! Diesen Mann kannte ich nicht. Selbst damals als ich nach dem Angriff in dem Verbotenen Wald zu mir kam und Sirius für einen Augenblick nicht als Vater, sondern als Auror an meinem Bett saß, war er nicht so … autoritär gewesen. Jetzt war er ganz und gar der Auror. Stark, mächtig, gnadenlos.

„Ja, Sir!" Sirius schloss die Augen und atmete durch. als er sie wieder öffnete, war er wieder der Ehemann und Vater, den wir alle kannten. Er zog erst Alice und dann Neville und mich an sich.

„Ich liebe euch", flüsterte er. „Ich verspreche, dass ich alles tun werde, um gesund zu euch zurückzukommen!" Er verschwand, ohne sich aus der Umarmung zu lösen.