Kapitel 17

Adelig und edel sind zweierlei.

„Er hat nicht lange gebraucht, um zu handeln", meinte Alice mit zitternder Stimme und legte die frische Ausgabe des Tagespropheten beiseite. Auf der Titelseite war ein großer Artikel in dem Lord Voldemort die reinblutigen Familien Großbritanniens dazu aufrief sich offen an seine Seite zu stellen. „In der Einheit liegt die Kraft!", lautete die Überschrift über dem Bild eines zerschellten Flugzeugs. Die dazugehörige Bildunterschrift erklärte, dass dieser Experiment Muggeltechnk mit Magie zu beeinflussen erfolgreich war. Vodemort erklärte, dass, es eins der ersten Versuche war, sich gegen „die Gewaltherrschaft der Muggel" zu wehren. Um weiterhin „Wiederstand zu leisten" braucht er Unterstützung alter Adelsfamilien, um die neue magische Welt aufzubauen. Er betonte, dass „kein Tropfen des wertvollen magischen Blutes" verschwendet werden darf. Deswegen sollte sich die magische Welt sich unter seiner Hand vereinigen. Er sah sich als direkter Erbe Slytherins und aus diesem Grund berechtigt die Führung über die magische Welt zu übernehmen. Der „alte Adel" sollte ihm Treue und Gefolgschaft schwören, denn er allein steht nun über allen.

Zuerst hielt Sirius es für reine Selbstdarstellung, doch dann brachte Voldemort uralte Dokumente ans Licht. Dokumente in denen es um Vasallität, Titel und Landbesitz ging. Um Geld und Verbildungen, um alte Bündnisse und bis heute gültige Schwüre. Es ging um Land um Handels- und Pachtverträge, um Besitzurkunden und Schuldverschreibungen. Diese Papiere hatten die Wirkung einer Atombombe. Auf einmal hielt Voldemort fast die gesamte magische Welt auf eine oder andere Weise in der Hand.

„Kobolde", meinte Sirius knapp. „Nur sie hätte ihm so etwas in die Hände spielen können."

„Sie mögen ihn nicht", wand Alice ein. „Sie werden nie etwas tun, um ihn derart zu helfen. Schließlich hat er „nur" die Muggel als gleichwertig anerkannt, nicht die „kleinen Völker". Mir fiel da noch jemand ein, der gern Wissen sammelte. Doch er konnte es doch unmöglich sein, oder?

Unsere bunt gemischte Familie saß am Tisch bei dem letzten Abendessen vor unserer Abreise zurück nach Hogwarts. Nun ja, fast die ganze Familie. Tante Bella war immer noch so schwach, dass sie die meiste Zeit schlief. Severus Snape ging es wesentlich besser, aber er verließ das Gästezimmer, in den er die letzten Tage wohnte auch nicht sehr oft. Am Tisch saßen also Sirius, Alice, Großmutter Walburga , Neville und ich. Im Großen und Ganzen ging es darum, was als nächstes zu tun war. Und es versprach eine ähnlich aufreibende Diskussion zu werden, wie die Entscheidung darüber, ob wir nach Hogwarts zurückkehren sollten. Alice war dagegen. Sie wollte uns nicht ins Ungewisse entlassen. Sirius meinte, dass wir in Hogwarts sicher waren, nun ja zumindest sicherer als in London. Letztendlich gab Alice nach. Jetzt war sie dafür das Land zu verlassen und abzuwarten. Offensichtlich hatte sie Angst davor, was Wiederstand gegen Voldemort mit sich bringen würde. Kein Wunder, das letzte Mal, als sie sich dazu entschlossen hat, verlor sie fast ihr Leben.

„Er hat nichts gegen die Familie Black in der Hand", beteuerte Walburga. „Vater und Großvater waren in dieser Hinsicht immer vorsichtig. Das Einzige, was er also tun kann uns zur Parias zu erklären. Uns an den Rand der magischen Gesellschaft zu drängen, weil wir nicht offen hinter ihm stehen."

„Er wird nicht offen gegen „altes Blut" vorgehen. Seine Anhänger werden es nicht verstehen.", nickte Sirius. „Aber er wird uns auch nicht hinter seinem Rücken wissen wollen. Er wird alles dran setzen uns so schnell wie möglich zu beseitigen. Unfälle, Vergiftungen, Drachenpocken… Kleine Zufälle, die dazu führen werden, dass wir nicht länger eine Bedrohung für ihn sind."

„Lass uns doch wegfahren", begann Alice. „Lass uns die Jungs nehmen und Wegfahren! Nach Amerika oder in di Schweiz… irgendwohin, wo er uns nicht findet!"

„Das Flugzeug ist in Deutschland abgestürzt", meinte Walburga und deutete auf das Bild des Flugzeuges. „Er wird nicht an den Grenzen des Landes Halt machen, Liebes." Alice sah gequellt zur ihrem Mann und er nahm ihre Hand in seine.

„Weglaufen wird uns nur ein wenig Zeit verschaffen, früher oder später werden wir kämpfen müssen." Sie nickte mit Tränen in den Augen.

„Es bleibt also bei den Plan? Offene Neutralität?", fragte sie nach. Vater nickte.

„Er hat mit diesem Spiel angefangen, also spielen wir", bestätigte Walburga. „Familie Black war nie unter fremder Hand. Wir schulden niemanden Vasallität. Ganz in Gegenteil wir sind in der Lage Familien und ganze Klans unter unsere Hand zu nehmen – wenn man die alten Begriffe nutzen will. Wir sind alt, mächtig und stark genug, um schwächeren Blutlinien Schutz zu bieten." Sie alte Frau seufzte schwer.

„Großvater wäre begeistert gewesen die alten Gesetzte wieder ins Leben zu rufen", meinte sie. „Er war der letzte, der sich selbst von seinen Kindern noch Lord Black nennen ließ. Vater ist da nachsichtiger gewesen."

In dem Archiv der Schule sah ich Bücher über die Gesetzte des magischen Adels. Wohl eine Art Protokolllehrbuch für junge Zauberer. Ich wusste noch ganz genau wo sie standen. Es sah so aus, als würden wir alle sie in der nächsten Zeit brauchen.

„Und wenn wir schon bei den Titeln sind", Sirius legte mir die Hand auf die Schulter. „Unser junge Lord Potter hier wird sich ebenfalls entscheiden müssen." Für einen Augenblick vergaß ich beinah zu atmen. Das hatte ich ja ganz vergessen! Mein Großvater hat mir das Schloss der Familie und somit auch das Land, den Titel und die Götter allein wissen sonst noch was hinterlassen.

„Dad…", begann ich.

„Du hast noch Zeit, Harry", beruhigte mich mein Vater. „Ich schlage vor wir reisen in den Sommerferien zur Potter-Manor und schauen und an, was dein Großvater die hinterlassen hat. Aber dir soll jetzt schon klar sein, dass dieser Titel vermutlich kein leeres Wort bleiben wird."

Ja, vermutlich nicht. Vermutlich wird Voldemort tatsächlich die alten Gesetze der Magie, die ihn zu dem machten, was er war, für sich nutzen. Vermutlich wird es ihm sogar gelingen die meisten Hexen und Zauberer für sich zu gewinnen. Vermutlich… Doch woher hatte er all dieses Wissen? Woher hatte er Zugang zu all den Dokumenten und Briefen? Woher kam auf einmal diese erschreckende geistige Klarheit. Natürlich war er immer noch größenwahnsinnig, aber jetzt machten seine Handlungen nicht mehr den Eindruck, dass Voldemort einfach nur verrückt und besessen war. Er hatte einen klaren Plan, Möglichkeiten ihn umzusetzen und zeigte sogar Sorge um die anderen. In all seinen Reden war kein einziges Wort von Hogwarts, Dumbledore oder mir. Alles, was der Dunkle Lord jetzt wollte – die Zauberer unter sich vereinigen, um die „Unterdrückung durch Muggel" loszuwerden und eine neue und bessere Welt für alle Hexen und Zauberer aufzubauen.

Am nächsten Morgen brachte uns Sirius zum Hogwartsespress, wo wir auf Draco und seine Familie trafen. Lucius war blas und auch Tante Narzissa wirkte müde und abgespannt. Offensichtlich war es Lucius bisher irgendwie gelungen der persönlichen Begegnung mit Lord Voldemort auszuweichen. Doch wie lange würde es noch so gehen? Würde er sich der Macht seines alten Herren beugen? Oder würde er an seiner Freiheit festhalten?

„Potter!", wieder ein Schlag. „Du hörst ja gar nicht zu!"

„Malfoy!", fauche ich zurück. „Ich höre dich ganz deutlich! Kein Grund Handgreiflich zu werden! Wir alle haben schon verstanden, dass wir von Glück reden können dich hier unter uns zu haben."

„Unsere Eltern haben auch überlegt, ob wir wieder nach Hogwarts gehen sollen", meinte Neville, und öffnete die nächste Abteiltür. „Hierher! Es ist leer!" Er winkte uns zu sich und wir schlüpften in das Abteil. Ich ließ Ruhr sofort aus seinem Käfig und der Kater streckte sich genüsslich bevor er langsam davon stolzierte, um sich in den Zug umzusehen.

„Susan musste auch darum kämpfen", meinte mein Bruder. „Sie kommt, aber ich denke einige werden zu Hause bleiben." Wir öffneten das Fenster und winkten unseren Eltern zu, die etwas abseits standen. Mit den beiden älteren Grangers. Wir sahen wie Hermine zu dem Zug eilte und im letzten Augenblick hineinsprang. Ein paar Minuten später kam sie hierein und ich war mir sicher, dass Draco erleichtert aufatmete. Leicht außer Atem setzte sich das Mädchen neben Neville.

„Wir sind im Stau steckengeblieben", meinte sie. „Ich dachte schon wir kommen zu spät!"

„Ein Stau?", fragte Malfoy und sah uns fragend an.

„So ein Muggelding", winkte ich ab. „Hat was mit den Autos und den Straßen zu tun." Und damit, dass die Grangers kein verzaubertes Auto nutzen dürften, das sich durch jeden Stau schlägern konnte.

„Ach so", Draco verlor zu dem Thema jedes Interesse. „Wisst ihr schon, dass Dumbledore nicht da sein wird? Das Ministerium hat ihn beurlaubt."

„Woher weißt du das schon wieder?"

„Vater ist im Schulrat, schon vergessen?", meinte Draco belehrend. „Dumbledore hat selbst darum gebeten ihn bis zum Ende des Schuljahres zu beurlauben. Angeblich will er die Angelegenheiten der Familie regeln. Vater meinte, dass er mit … ihr-wisst-schon-wem verhandeln will." Wie immer war Draco eine wahre Schatztruhe voller Informationen. Begriff er eigentlich was er da aufschnappte?

Die Tür des Abteils ging auf und ein paar ältere Schüler bleiben an der Schwelle stehen. Sie trugen noch keine Schuluniformen, dafür steif aussehende Kleidung, die wohl edel wirken sollte. Ich kannte die Jungs nicht persönlich. Zwei von ihnen warn aus Ravenclaw, einer aus Hufflepuff und zwei weitere aus Gryffindor. Sie musterten uns aufmerksam, dann trat deiner von ihnen vor. Genauso stand einmal Draco Malfoy – flankiert von Grabe und Goyle – vor mir. Überlegen, arrogant, siegessicher.

„Potter, Malfoy, Longbottom", nannte er nacheinander unsere Namen. „Warum gibt ihr euch mit einem Schlammblut ab?" Sein abschätziger Blick streifte kurz Hermine und bleib dann zwischen Draco und mit stehen.

„Was geht dich das an?", fragte ich und drehte die Hand so, dass ich den Zauberstab aus dem Ärmel schütteln konnte.

„Ihr seid doch auch von Adel", meinte der Gryffindor. „Altes Blut. Warum das Schlammblut?"

„Altes Blut?", fragte Draco eisig. „Ihr wollt sagen, dass ihr „altes Blut" seid?" Draco stand gerade, mit ausgebreiteten Schultern und Zauberstab in der Hand.

„Unsere Familien …"

„Eure Familien sind Staub unter meinen Füßen!" Neville erhob sich von seinem Platz und stellte sich eben Draco. Er hatte viel von Tante Bella gelernt. Ich auch.

„Verschwindet von hier, bevor ihr euch in Schwierigkeiten bringt", riet ich. Die Jungs grinsten überlegen.

„Schwierigkeiten? Von euch Zwergen?!"

„Lord Malfoy? Hat dieser … Herr Sie gerade als Zwerg beleidigt?", erkundigte sich Hermine mit dünner brüchiger Stimme. Bravo! Sie begriff, worum es hier ging und spielte mit.

„Ja, ich glaube das hat er", stimmte Neville ihr zu. „Jungs, außerdem haben diese… Herren auch eine Lady in unserer Gegenwart beleidigt. Mehrmals." Es war den fünf anzumerken, dass sie es bereits bereut haben sich mit uns angelegt zu haben. Mit funkelnden Blicken versprachen sie, dass wir „es noch sehen werden" und waren weg. Sobald die Tür sich schloss, atmeten wir gemeinsam aus und lachten.

„Lord Malfoy?", keuchte Neville. „Hermine! Du bist ein Genie!" Sie wurde rot.

„Ich habe darüber gelesen, wie…"

„Es gibt Bücher darüber, wie man mit Idioten umgeht?", fragte Draco und Hermine schüttelte heftig den Kopf.

„Nein, Bücher über Adel", meinte das Mädchen. „Muggelgeschichte. Ich denke es war in der Zauberwelt nicht viel anders und ich dachte wenn ihr-wisst-schon-wer diese alten Sachen wieder aufleben lässt, sollte ich darüber lesen…."

Es wurde wieder ernst. Wir begriffen alle, dass Hermine Angst hatte und nervös war. Uns schützte – auch wenn lange vergessen – das Blut unserer Vorfahren. Sie war diesem grausamen Spiel schutzlos ausgeliefert. Sollte es ernst werden – und danach sah es jetzt aus – würden Hermine und ihre Familie Schutz brauchen. Schutz vor solchen… Edelmänner, die sie als leichte Beute betrachten werden.

„Wir lassen nicht zu, dass dir etwas passiert", versprach ich. „Nicht wahr, Jungs?" Neville nickte.

„Natürlich nicht!", versichert uns Draco. „Wer soll mir sonst bei den verdammten Aufsätzen helfen?"