Sandra war sich nicht sicher, ob Felix sich neuerdings extra verführerisch benahm, oder ob ihr das alles erst sehr viel bewusster auffiel, seitdem sie sich entschieden hatte auf diese Spielchen einzugehen. Dass Felix mit irgendwelchen sexuellen Anspielungen und Fragen um die Ecke kam war nichts Neues, das war seit Tag Eins Usus. Aber seit ein paar Tagen kam es ihr so vor, als sah er ihr dabei besonders tief in die Augen, und auch die Abstände, in denen sie ihn zumindest teilweise nackt sah, wurden irgendwie kürzer.
Sandra hatte das Gesetzbuch nur noch zum Alibi auf ihrem Schoß liegen und lesen tat sie die Paragraphen schon seit geraumer Zeit nicht mehr. Sie versuchte nur so unbeeindruckt wie möglich zu wirken, während Felix scheinbar tausend Sachen einfielen, die ihn dazu zwangen ständig an ihr vorbeizuspazieren und den umwerfenden Duft seines Aftershaves in ihre Nase zu jagen. Natürlich riskierte sie ab und an einen Blick und natürlich ertappte er sie fast jedes Mal.
Als Sandra erneut verstohlen aufblickte und direkt von seinem selbstbewussten Grinsen getroffen wurde, hatte sie genug.
„Sollen wir noch einen Film gucken? Irgendwie bin ich noch gar nicht müde" Sie legte das BGB auf dem Couchtisch ab und strich ihr Haar zurück.
Felix blieb stehen und stemmte die Hände in die Hüften, bevor er kurz überlegte, um ihr noch länger den Anblick seines halbnackten Körpers zu gewähren. Natürlich blieb dies nicht unbemerkt und Sandra nutzte die Gelegenheit ihn zu mustern.
„Klar. Gerne. Haben Sie einen besonderen Wunsch?"
„Ausnahmsweise nicht. Sie dürfen aussuchen. Aber ich nehm noch eine schnelle Dusche, ja? Ich bin in zehn Minuten wieder da, also überlegen Sie nicht zu lange!"
Der Anwalt schmunzelte und drehte sich zu seinem DVD Regal um, während Sandra die nötige Wäsche zusammensuchte und dann im Badezimmer verschwand. Als Felix das Rauschen des Wassers hörte, wurde ihm kurz wieder ein wenig heiß. Er fand es immer noch seltsam, dass Sandra ihn bei etwas so Intimem gesehen hatte, auch wenn es ihr offensichtlich gefallen hatte. Hätte er sie dabei erwischt, wäre er wahrscheinlich diskret verschwunden. Oder auch nicht. Felix, der immer noch vor seinem Regal kniete, versank in einem Tagtraum, der ihm die Härchen im Nacken angenehm zu Berge stehen ließ. Er überlegte, ob er nicht vielleicht auch einen Blick ins Badezimmer riskieren sollte. Immerhin hatte sie es auch getan, und er hätte nur zu gerne gewusst, was sich unter ihren Kostümen befand. Aber bei seinem Glück hätte sie es vermutlich sofort bemerkt und ihn mit einem gezielten Tritt entmannt. Felix seufzte.
„So", vernahm er hinter sich.
Ziellos griff er nach einer DVD und drehte sich dann um. Sandra stand im Türrahmen nur in schwarzer Unterwäsche und mit feuchten Haaren, die sie noch ein wenig mit den Fingern durchkämmte.
„Jetzt muss ich mir nur mehr was anziehen" Sie setzte an sich in Bewegung zu setzen, doch Felix' abruptes ‚Nein!' ließ sie wieder erstarren. „Warum nicht?"
„Äh, ich meine, äh. Fühlen Sie sich doch wie zu Hause." Er lächelte dünn, drehte sich um und schob die DVD in den Player, während Sandra mit den Schultern zuckte und sich aufs Sofa fallen ließ.
Natürlich hätte er es sich auf dem anderen kleinen Sofa bequem machen können, aber Felix wusste, dass es ihm keine Ruhe gelassen hätte. Er ging auf den freien Platz neben Sandra zu.
„Haben wir noch irgendwas zu naschen?" Sie schmunzelte ihn an.
Felix deutete in Richtung Küche. „Bedienen Sie sich"
Er setzte sich auf das Sofa und genoss ihre halbnackte Hinteransicht, als sie in der Küche angekommen war und nach etwas Essbarem suchte. Seine Finger fingen an zu kribbeln, als ihm bewusst wurde wie verflixt einfach es doch gewesen wäre jetzt hinter sie zu treten und diesen BH Verschluss zu öffnen und endlich zu sehen, was sich hinter diesem reizvollen schwarzen Stück Spitze befand. Aber erneut riss ihn das Szenario, wie Sandra sich umdrehte und ihm das Knie da hinein rammte, wo es richtig weh tat, aus dem netten kleinen Tagtraum. Er wusste, er konnte sie reizen aber musste den richtigen Zeitpunkt abwarten um einen Schritt weiter zu gehen. Auch wenn er ihr gerade nur zu gerne die Unterwäsche vom Leib gerissen und sie auf der Anrichte vernascht hätte.
Felix blickte auf den kleinen Couchtisch, auf dem Sandra eine Schüssel mit Erdbeeren abgestellt hatte. Verdammt noch eins, sie war gut.
„So. Kann losgehen." Sie setzte sich neben ihn und griff nach der Fernbedienung. „Darf ich?"
„Sandra, ich habe doch schon gesagt Sie sollen sich wie zu Hause fühlen"
Sie schien kurz über seine Worte nachzudenken, dann zuckte sie die Schultern. „Gut. Wie zu Hause. Ich nehme Sie beim Wort."
Sie drückte die Play Taste und lehnte sich dann mit dem Rücken gegen die Armlehne, so dass sie beinahe lag, bevor sie ihre Beine auf Felix' Schoß ablegte. Sie grinste innerlich, als sie seinen erstaunten Blick sah.
Es dauerte ganze zehn Minuten, bis sie das Gefühl hatte, dass er sich ein wenig entspannte und zurücklehnte. Sie hatte ihn immer wieder aus dem Augenwinkel beobachtet und war sich sicher, dass er die Situation genoss, denn wäre es nicht so gewesen, wäre ihm irgendein Grund eingefallen, um zu flüchten.
Sandra lehnte sich zum Tisch hinüber und griff nach einer Erdbeere, die sie dann langsam zwischen ihre Lippen schob. Wieder merkte sie, wie Felix sie ansah, aber sie versuchte ganz konzentriert auf den Fernseher zu blicken und so zu tun, als konzentriere sie sich wirklich auf den Film.
Als sie die Erdbeere verspeist hatte, leckte sie sich langsam die Finger, um sie von den rötlichen Überresten zu befreien. Sie spürte wie er sich zurücklehnte und war etwas verwirrt, dass er nicht ein wenig angespannter war, wie sonst immer, wenn er von irgendetwas gereizt schien.
Sandra verschluckte sich fast, als sie seine Hand auf ihrem Schienbein spürte. Er setzte also zum Gegenangriff an. Sandra war verwundert, dass er ihre Spielchen so mitspielte, aber sie freute sich darüber und ihr wurde innerlich ganz heiß, als sie daran dachte, wie das Ganze enden konnte. Aber sie wusste auch, dass sie nicht zu voreilig sein durfte, denn dann konnte es leicht passieren, dass er einen Rückzieher machte. Oder sogar sie selbst. Es war eine völlig neue Situation, mit der sie keinen von ihnen überfordern wollte, indem sie es zu schnell angingen.
Sandra hatte die Schüssel mit den Erdbeeren zu sich gezogen, was bedeutete, dass Felix sich nun ein wenig nach links beugen musste, um an die rote Köstlichkeit zu gelangen. Während er das tat, ließ er seine Hand beinahe beiläufig weiter hoch gleiten und bemerkte, wie sie ihre Muskeln anspannte und die Luft anhielt.
Entspannt lehnte er sich wieder zurück und biss in die Frucht, während seine Hand locker einige Zentimeter oberhalb ihres Knies verweilte.
Sandra schluckte schwer. Das konnte sie auch.
Sie griff nach einer weiteren Erdbeere, die sie dann geschickt fallen ließ, ohne, dass er Verdacht schöpfen konnte.
„Schussel", murmelte sie gespielt genervt über sich selbst und beugte sich runter, wobei sie ihren BH Träger geschickt von ihrer Schulter rutschen ließ.
Als sie sich wieder aufrichtete und zurücklehnte, merkte sie genau, dass sein Blick an ihrer Schulter hängen geblieben war.
Sie blickte ihm direkt in die Augen und er blickte zurück. Sie konnte Kampfgeist in seinem Blick erkenne, aber auch eine tiefe Lust.
Sandra spürte, wie ihr Unterleib sich langsam bemerkbar machte und in den Rest ihres Körpers ausstrahle, aber vor allem nach unten.
Sie richtete sich auf und rutschte näher an ihn heran, ohne ihre Beine von seinem Schoß zu nehmen. „Finden Sie nicht auch, dass es hier drin unheimlich heiß ist?"
Er wandte ihr seinen Oberkörper zu, so gut es ging, und nickte, als er seinen Blick auf ihre Lippen senkte. „Sie haben Recht. Irgendwer hier drin ist unheimlich heiß."
Sandra hatte keine Lust mehr noch auf irgendwas zu warten. Sie näherte sich ihm und lehnte ihre Stirn an seine. „Vielleicht sollte man dann versuchen das Ganze irgendwie zu… entschärfen"
Ihre Lippen waren nur noch wenige Zentimeter voneinander entfernt, doch auch dies machten sie zu einem Spielchen.
„Die Frage ist nur wie" Er stupste seine Nase leicht gegen ihre und hauchte ihr dann einen so zarten Kuss auf den Mund, dass sie ihn kaum spüren konnte.
Sie wollte ihn erwidern, doch er hielt sie auf Abstand, auch, wenn es sich nur um wenige Millimeter handelte. Sie wusste genau, dass er sie betteln hören wollte, aber das würde sie ihm nicht gönnen.
„Sie waren doch gerade kühl duschen" Seine Stimme war unglaublich tief und rau. „Sind Sie sicher, dass Ihnen nicht kalt ist?"
Er legte seine Hand auf ihr Schlüsselbein und ließ sie dann tiefer rutschen, bis sie auf ihrem BH lag und er nur ein einziges Mal leicht zudrückte. Sandra schluckte ihr Stöhnen gerade noch hinunter. Sie wollte nicht, dass er dachte er konnte sie damit willenlos machen. Obwohl er verdammt nah dran war.
„Ich bin mir sicher", flüsterte sie zurück, und legte ihren Kopf ein wenig zur Seite, um mit ihren Lippen vorsichtig und sanft seine Halsbeuge zu berühren. Nun war Felix an der Reihe das Stöhnen zu unterdrücken.
Als Sandra ihren Kopf wieder hob und die beiden sich tief in die Augen sahen, waren sie beide bereit aufzugeben. Sie senkten ihren Blick auf die Lippen des jeweils anderen und waren sich bereits köstlich nah, als es an der Wohnungstür klingelte.
„Scheiße" Felix schluckte, zog seinen Kopf zurück und hob Sandras Beine in Windeseile von seinem Schoß.
Dann sprang er auf und eilte in sein Vorzimmer. Sandra merkte erst jetzt, wie schnell und schwer ihr Atem ging. Wieso zur Hölle waren sie unterbrochen worden? Und von wem?
Sie lauschte, als Felix die Tür aufgerissen hatte und sie ein forsches „Was willst du denn jetzt hier?" vernommen hatte.
Dann hörte sie Ottos Stimme, die deutlich „Felix, ich hab Scheiße gebaut" murmelte, und stöhnte genervt auf. Musste das jetzt sein? Ausgerechnet jetzt.
Felix schloss die Wohnungstür und Sandra sprang auf und hechtete nach oben ins Schlafzimmer, bevor sie sich im Bett verkroch.
Sie hörte noch, wie die beiden das Wohnzimmer betraten und Otto nach ihr fragte. Und nach kurzem Zögern, murmelte Felix nur ein bedrücktes „Sie schläft schon".

Der Sonntag war zäh wie Leim. Sandra und Felix hatten gefrühstückt aber kein weiteres Wort mehr über den gestrigen Abend verloren, außer, dass sie sich darüber unterhalten hatten, dass Otto noch tiefer in der Tinte steckte, nachdem er versucht hatte sich „gütlich zu einigen", wie er es so schön ausgedrückt hatte.
Felix frustrierte dieses ewige Hin und Her, er hatte keinen blassen Schimmer, woran er nun wirklich bei ihr war und auch langsam aber sicher keine Lust mehr irgendwelche Schritte auf sie zuzumachen, wenn sie am Ende doch wieder nur so tat, als wäre nie was gewesen. Jeder normale Mensch hätte sofort am nächsten Morgen das Gespräch gesucht, aber als er aufgewacht war, hatte sie schon gar nicht mehr im Bett gelegen. Zuerst hatte er gedacht sie war vielleicht sauer, weil Otto in den Moment geplatzt war, aber wenn das so gewesen war, dann hatte sie sich nichts anmerken lassen. Sie hatte sich normal verhalten, wie immer. Und zu allem Überfluss hatte sie ihm dann auch noch recht fröhlich erzählt, dass sie und Patrizia heute in ihre Wohnung fuhren, um sich den Fortschritt anzusehen, und dann einen Frauen-und-Beauty-Tag einlegten. Er wusste, dass er kein Anrecht darauf hatte auch noch das Wochenende mit ihr zu verbringen, aber irgendetwas in ihm hatte gedacht, dass sie vielleicht auch gerne was mit ihm unternommen hätte. Felix war durch und durch verwirrt. Selbst wenn er noch Lust darauf gehabt hätte ihr entgegenzukommen, er hätte nicht mehr gewusst, was sie nun eigentlich wollte. Wollte sie Romantik oder Erotik? Beziehung oder nur Sex?
Vielleicht war es ja doch keine gute Idee gewesen auf ihre Spielchen einzusteigen, denn es verwirrte den Anwalt nur noch mehr und wenn er eines mehr als genug hatte im Bezug auf Sandra, dann war das Unklarheit.
Felix wusste nichts mit sich anzufangen, seine Gedanken rotierten. Er hatte keine Lust jetzt zu arbeiten, aber die Freizeit schien ihm auch nicht gut zu tun, denn er fühlte sich von allem gelangweilt. Sandra war ja nun verplant, mit Otto wollte er nichts machen, weil es dann bestimmt wieder nur um den Fall ging und Felix wollte momentan nichts von der Arbeit hören oder sich irgendeine Strategie überlegen, nur um Otto wieder den Arsch aus der Schlinge zu ziehen. Felix seufzte. Dann entschloss er sich dazu erstmal in die Sauna zu fahren und zu entspannen.

„Und? Irgendwas Neues im Bezug auf Felix?", grinste Patrizia, die neben ihrer besten Freundin die Treppe hochstieg.
Sandra seufzte nur und schüttelte den Kopf. Sie wollte eigentlich gar nicht darüber reden, denn es machte ihr nur Kopfschmerzen. Bei ihrem ganzen grandiosen Plan hatte sie nämlich etwas übersehen; sie wäre gerne weiter gegangen. Aber was war mit ihm? Wollte er das auch alles? Seit heute Morgen kam ihr das nicht mehr so vor. Sie war früh aufgewacht und hatte ihn schlafen lassen, hatte Frühstück zubereitet und ihn dann lächelnd empfangen, als er in die Küche gekommen war. Als sie vorsichtig mit Smalltalk angefangen hatte, um nicht direkt mit der Tür ins Haus zu fallen, hatte sich seine Miene allerdings um einiges verfinstert, und er hatte total abgeblockt.
„Na komm, irgendwas war doch bestimmt. Du warst doch so siegessicher!", versuchte Patrizia ihrer besten Freundin etwas zu entlocken.
Diese blieb kurz stehen und seufzte. „Wir hätte uns fast geküsst"
„Warum nur fast?" Sie gingen weiter.
„Weil Otto dann geklingelt hat und mit Felix seinen Fall besprechen wollte, ich habe mich schnell ins Bett verkrümelt, und heute Morgen war Felix so komisch und hat auch irgendwie gar keine Anstalten gemacht es auch nur zur erwähnen. Ich dachte ich starte mit ein wenig Smalltalk und hatte gehofft, dass wir dann auf das Thema zu sprechen kommen, aber er war irgendwie so muffelig und schlecht gelaunt..."
„Naja" Patrizia zuckte ungerührt die Schultern. „Mich würde es auch frustrieren, wenn eine sichere Nummer platzt, nur weil mein bester Freund wieder in der Scheiße sitzt und unbedingt drüber reden will"
„Pat bitte!" Sandra sah sie mahnend an.
„Ja, aber Männer denken so!", rechtfertigte sich die Richterin und schob den Wohnungsschlüssel ins Schloss, drehte ihn herum, und stieß die Tür auf.
Es roch reichlich muffig, nach feuchten Wänden und dem Elektrosmog des Trockengerätes, das einen ohrenbetäubenden Lärm machte.
Sandra hielt sich die Nase zu. „Ich weiß nicht, ob ich da rein gehen will. Haben die nicht gesagt sie sind in ein paar Tagen fertig?"
„Theoretisch schon. Ich ruf da morgen gleich nochmal an." Patrizia zog die Tür wieder zu und verschloss sie.
„Gehen wir was trinken?" Sandra schob ihre Unterlippe nach vor und sah ihre beste Freundin mit Dackelblick an.
Patrizia zog eine Augenbraue hoch, blickte auf ihre Armbanduhr, überlegte kurz, und zuckte dann mit den Schultern. „Irgendwo auf der Welt ist es bestimmt schon sechs Uhr abends. Na los, komm. Ich lad dich ein."
Sandra schlag ihr einen Arm um die Taille, während sie nebeneinander wieder die Treppe hinabstiegen. „Du bist die Beste"

Felix saß mit einem Glas Rotwein am Küchentisch, als Sandra das Wohnzimmer betrat. Er drehte den Kopf nur halbherzig zur Seite und murmelte ein „Guten Abend, Sandra" über seine Schulter. Er hatte sich zwar abgeregt in der Sauna, aber seine anfängliche Wut war der Resignation gewichen.
Sandra indes hatte das Gespräch mit Patrizia gut getan. Sie hatte eingesehen, dass nicht immer alles sofort passieren konnte und gerade Beziehungsthemen seine Zeit brauchten. Der Kuss gestern wäre überstürzt gewesen, sie wären im Bett gelandet und hätten es vermutlich bereut. Insofern war es ganz gut gewesen, dass sie sich zwar näher gekommen waren, aber es dann wieder einen Schnitt gegeben hatte. So redete sie sich die Situation zumindest positiv, damit sie nicht daran verzweifeln musste, dass es scheinbar immer irgendwas oder jemanden gab, der sie störte.
„Wie war Ihr Tag?" Sandra berührte leichte seine Schulter, als sie an ihm vorbeiging, und sich dann auf den Stuhl ihm gegenüber setzte.
Er schien ein wenig überrascht über ihre lockere Art. Sie merkte das, aber beschloss sich nicht weiter darüber Gedanken zu machen.
„Ich war in der Sauna. Das reinigt.", gab er bedächtig von sich und drehte sein Weinglas zwischen den Fingern. „Und wie gehts Ihrer Wohnung?"
„Ach, gar nicht gut", winkte sie ab und bemerkte nicht, wie sich ihm ein kurzes Grinsen aufs Gesicht stahl. „Das Trockengerät klingt wie ein Airbus 800 und es riecht wie in einem verlassenen Keller. Ich frage mich wie die das innerhalb der nächsten Tage auf die Reihe bekommen wollen."
„Das klingt jedenfalls nach einem längeren Ausfall. Aber wenn Sie wollen können wir sie verklagen." Er prostete ihr zu und nahm einen großen Schluck Wein. Irgendwie war er erleichtert, dass sie so normal mit ihm agierte. Und er war froh, dass sie wieder da war und er jetzt ihre ungeteilte Aufmerksamkeit genießen konnte.
Vielleicht war es gar nicht so schlecht gewesen, dass sie gestern unterbrochen worden waren. Sexuelle Anspielungen und Spielchen waren immer reizvoll und machten Spaß, aber zwischen ihnen wäre es gestern vermutlich sehr schnell sehr ernst geworden, und er wusste nicht recht, ob das so gesund für ihre Beziehung gewesen wäre. Noch ein wenig länger mit seinen Reizen zu spielen machte das Ganze doch nur spannend. Und gegen ein bisschen Romantik zwischendurch hatte er auch nichts einzuwenden.
„Felix, wegen gestern..."
Er verschluckte sich beinah, so überrascht war er über diesen plötzlichen Themenwechsel und darüber, dass sie es offenbar ansprechen wollte.
„Es tut mir leid, ich hab die Kontrolle vollkommen verloren, ich weiß auch nicht was da mit mir los war" Sie schüttelte entschuldigend den Kopf.
Oh nein. Bloß nicht. Bloß kein vollkommener Rückzieher. Felix kaute auf seiner Unterlippe herum, während er darauf wartete, dass sie fortfuhr. Mental stellte er sich bereits darauf ein den Arschtritt seines Lebens zu bekommen.
„Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, ich… mochte es, aber… vielleicht war das Ganze doch ein wenig zu schnell. Zu forsch. Ich meine, wäre Otto nicht gekommen, hätten wir vielleicht..." Sandra biss sich schnell auf die Zunge und blickte ihn vorsichtig an.
Er nickte nur leicht, was ihr bestätigte, dass er offenbar genauso fühlte wie sie.
„Ich verstehe schon, Sandra.", antwortete er ruhig. „Wir haben ja Zeit"
Er hatte keine Vorstellung davon, wie sehr Sandra diese Worte beruhigten. Sie strahlte ihn an, stand dann auf, und holte sich auch ein Weinglas.
Felix atmete tief durch. Vielleicht konnte das Ganze ja doch noch was werden.