Im Jahre 25 nach der Schlacht von Yavin im Orbit des Planeten Rhommamool – am Tag der Invasion der Yuuzhan Vong
Die Jadeschatten, das Schiff von Mara Jade, war aus dem Hyperraum gefallen. Vor ihnen lag die rote Kugel der Bergbauwelt Rhommamool, etwas weiter dahinter die wesentlich kleinere Kugel des Schwesternplaneten Osarian, der jetzt wie ein Mond Rhommamools wirkte.
Jaina Solo saß im Co-Pilotensessel neben ihrer Tante und schaute nach vorn auf die Welt, die sie gleich besuchen würden.
„Die Zwillingsplaneten stehen ja ziemlich dicht beieinander – in Langstreckenraketenschussweite", stellte Leia fest, die hinter den beiden jüngeren Frauen saß, während ihr Noghri-Leibwächter Bolpuhr sich neben ihr postiert hielt.
„In zwei Standardwochen werden sie noch dichter beieinander stehen", klärte C-3PO die Damen auf. „Es handelt sich um die größte Annäherung innerhalb der vergangenen Dekade."
Mara schüttelte den Kopf, dann stellte sie fest, dass der Protokolldroide sie um ihren Gesprächsfaden gebracht hatte. Oder war auch das ein Werk der noch unbekannten Krankheit, die sie jetzt schon seit anderthalb Monaten in Beschlag genommen hatte? Irgendwann würde es ihr schon wieder einfallen. „Deshalb hat sich deine Mutter auch entschieden, jetzt hierher zu kommen, Jaina."
In Jainas dunkelbraunen Augen blitzte etwas auf. „Erwartest du einen Kampf?"
„Die Schlichter wird schon dafür sorgen, dass sie sich ordentlich benehmen", meinte Leia hoffnungsvoll. „Immerhin ist die Schlichter eine viel modernere Version der Mon-Calamari-Sternkreuzer von vor fünfundzwanzig Standardjahren."
„Es wird mehr brauchen als eine Machtdemonstration, um diese Katastrophe aufzuhalten", sagte Mara. „Hoffen wir, dass Commander Ackdool nicht nur sein Schlachtschiff im Griff hat, sondern auch einige Kunstgriffe der Diplomatie beherrscht."
„Tatsächlich ist die Lage allen Berichten zufolge eskaliert", warf C-3PO ein. „Es begann als einfacher Disput über Schürfrechte, aber nun klingt es ganz nach einem Heiligen Krieg."
Es war nicht C-3POs Art, mit derart emotional aufgeladenen Begriffen wie Heiliger Krieg um sich zu werfen, aber Leia wusste, dass die Situation auf Rhommamool den Protokolldroiden so betroffen machte, wie es seine Droidenpersönlichkeit nur zulassen konnte.
„Das liegt an Nom Anor, dem derzeitigen politischen Führer auf Rhommamool", grollte Mara. „Er spricht direkt die Instinkte seiner Anhänger an und hat den Schürfrechtsdisput mit Osarian zu einer Angelegenheit von Tyrannei und Unterdrückung umgedeutet. Du solltest ihn nicht unterschätzen, Schwägerin."
Leia zuckte mit den Schultern. „Ich hatte schon häufig mit Typen wie ihm zu tun."
Maras Stimme wurde leise. „Ich glaube, da irrst du dich."
Leia zuckte zusammen. Diese Stimme Maras erinnerte sie wieder an die Krankheit, die ihre Schwägerin auf Monor II befallen hatte. Mara hatte Nom Anor dort gesehen, aber nichts direkt mit ihm zu tun gehabt. Was musste dieser Mann für einen Eindruck bei ihr hinterlassen haben, wenn sie derart von seiner Boshaftigkeit überzeugt war?
„Schiffe im Anflug", verkündete Jaina.
„Vier Schiffe - von Osarian kommend", bestätigte Mara. „Wissen sie, wer wir sind?"
Leia nickte schwach. „Und sie wissen auch, weshalb ich hier bin."
„Dann sollten sie auch wissen, dass sie uns besser in Ruhe lassen sollten", meinte Jaina verärgert.
Leia nickte erneut. Den Osarianern musste das Wasser bis zum Hals stehen, wenn sie jetzt ein derart aufdringliches Manöver starteten, um sie von ihrem Ziel abzubringen, mit deren politischen Rivalen Nom Anor zu verhandeln.
„Sag ihnen, sie sollen sich zurückhalten", wandte sich Leia an ihre Schwägerin.
„Höflich?", fragte Mara und Leia sah das gefährliche Blitzen in ihren grünen Augen.
„Shuttle der Neuen Republik", erklang eine zögernde Stimme aus dem Komm. „Hier spricht Captain Grappa von den osarianischen Streitkräften."
Jaina gluckste, als sie das Bild des grünen Rodianers auf der Komm-Konsole sah. „Wie Grappa der Hutt."
„Das habe ich gehört!", sagte der Captain des osarianischen Schiffs. „Sie werden mit uns kommen - nach Osa-Prime."
„Captain Grappa", säuselte Mara honigsüß, „wenn Sie ihn schon kennen, dann wissen Sie doch sicherlich noch, was Grappa dem Hutt vor zwölf Jahren widerfuhr, als er zu … übermütig wurde."
„Bilden Sie sich mal nicht zu viel auf Ihre Künste ein, Jedi!", bellte es von dem osarianischen Abfangjäger zurück.
„Prinzessin Leia?", fragte ein ob dieser Worte Maras offensichtlich beunruhigter C-3PO.
„Hängt sie ab!", wies Leia die beiden Pilotinnen an.
Mara und Jaina nickten einander mit leuchtenden Augen zu, dann legten sie die Hebel um.
„Anschnallen!", wies Jaina die Crew an, dann beschleunigte sie auf fünfundneunzig Prozent, wie es Kampfpiloten häufig taten, damit sie eine taktile Wahrnehmung der Bewegungen ihrer Schiffe erreichten. Die Gs lesen, nannte man das, und Jaina war immer am liebsten auf diese Weise geflogen, wenn rasche Wendungen oder hohe Beschleunigungen sie in den Sitz drückten.
„War das höflich genug?", fragte Mara ihre Schwägerin.
Leia lächelte. „Wenn unsere Jedi-Künste auch ausreichen, um die Osarianer abzuhängen, werde ich zufrieden sein."
༺═────────────═༻
Zur selben Zeit auf dem Planeten Belkadan, ExGal4-Forschungsstation
Das Brüllen eines Rotkammpumas erfüllte die vielbesternte Nacht von Belkadan. Jeder andere, der sich zu dieser Zeit außerhalb des Palisadenzaunes um das Gelände von Ex-Gal4 aufgehalten hätte, wäre jetzt zurück hinter den Zaun geeilt, nicht so Yomin Carr, der geradewegs auf den Ruf zulief. Das hundertvierzig Kilo schwere Tier konnte nicht wissen, dass er, der Yuuzhan Vong, ein weit besserer Jäger war als die Menschen und Tiere, die zu reißen es jetzt höchstwahrscheinlich auf dem Weg war.
Aber nicht jetzt, ermahnte er sich, und änderte die Richtung, um auf den hohen Gitterturm zuzuhalten, das einzige Gebäude außerhalb des umzäunten Lagers. Ein dickes Kabel kroch aus dem Lager zum Sockel des Turms und Yomin Carrs Hand wanderte zu seinem Coufee, dann überlegte er sich auch das anders. Der glatte Schnitt wäre viel zu leicht zu reparieren. Er hob den Blick zur Turmspitze – und kletterte behände auf dem engmaschigen Gitter nach oben. Hundert Meter trennten Yomin Carr vom Boden, als er die Spitze erreicht hatte. Er schaute aus seiner Vogelperspektive nach unten, sicherstellend, dass ihn niemand beobachtete. Dann machte er sich daran, hier eine Schraube zu lockern, da eine Niete heraus zu stemmen, weiter hinten an einem Kabel zu ziehen, bis ein Reißgeräusch Erfolg verkündete. Jeder, der im Nachhinein überprüfen wollte, warum der Übertragungsmast nicht funktionierte, würde den Schaden auf das schlechte belkadanische Wetter inklusive starkem Wind zurückführen. Er kletterte genauso schnell hinab, wie er hinaufgeklettert war. Die letzten Meter sprang er und rollte sich in einem Salto ab. Vor ihm lag noch ein langer Weg, und den wollte er sich auf eine ganz besondere Art versüßen.
Yomin Carr ergriff das Kabel, von dem er wusste, dass es lediglich ein Komm-Kabel, keines mit Starkstrom war. Er hielt die dicke, graue Schnur an seinen Mund, biss herzhaft hinein. Was für ein wunderbarer Schmerz! Knisternde Energie flutete durch seine Kiefer, grub sich das Rückenmark hinunter, bis er im Bauch ein dunkles Kribbeln genießen konnte – viel zu schön dafür, dass es von einer schnöden Technikinstallation der Ungläubigen kam. Er ließ es noch eine Weile kribbeln, dann kaute er etwas auf dem Kabel herum, um die Sensation dieses Schmerzes noch zu verstärken. Funken sprühten über sein vernarbtes Gesicht, fuhren durch seinen zerscharteten Mund. Sollten die Noch-Kollegen doch zunächst diese Stelle finden und die Funkstille darauf zurückführen, bevor sie weitersuchten. Sein Mund und seine Hände ließen das Kabel zurück auf den Boden fallen. Dann ging er zurück zum Zaun, um wieder in die Basis hinein zu huschen, als er am Boden eine Bewegung wahrnahm.
Er ging auf die Knie und grinste breit, dann nahm er den rotbraunen Käfer mit hakenbewehrten Fresswerkzeugen und einer einzelnen vorragenden, röhrenförmigen Zunge hoch. Seit seiner Ankunft hatte er keinen dieser Käfer mehr gesehen, nachdem er sie in der Wildnis Belkadans ausgesetzt hatte. Das Erscheinen des Dweebit jetzt zeigte ihm an, dass die Verbreitung dieser Spezies bereits weit genug vorangeschritten war.
„Mein Kleiner", flüsterte er hingebungsvoll.
Danni Quee würde schon bald begreifen, weshalb ihre geliebten Sonnenuntergänge derart verfärbt waren. Ein Dreimetersatz und Yomin Carr landete auf der Innenseite des Zauns. Unbehelligt gelangte er in sein Zimmer, genoss einen weiteren exquisiten Schmerz, als sich die Fühler des Ooglith-Hüllers erneut in seine Haut gruben, und überprüfte im Spiegel, ob seine Verkleidung perfekt war. Fehlte nur noch der Tizowyrm, der in einer kleinen Truhe bereitlag, um in sein Ohr zu kriechen und mit der Übersetzungsarbeit zu beginnen.
Als er den Kontrollraum erneut betrat, sah er, wie sich Tee-ubo zusammen mit einem stark schwankenden Garth Breise über Kapsel Drei beugten, während Danni damit beschäftigt war, Kapsel Vier auf denselben Ausschnitt einzustellen.
„Yomin", rief Danni, als sie ihn bemerkte. „Komm her, schnell. Ich kann nicht glauben, dass du es verpasst hast!"
Seine Gedanken überschlugen sich. Sie hatten es also bemerkt. Er überlegte, ob das nicht vielleicht sogar besser war als, wenn sie weiterhin ahnungslos geblieben wären. Jetzt könnte er handeln, wie mit Nom Anor vereinbart. Er würde es schnell beenden und die Invasion könnte unbehelligt starten. Zunächst jedoch überlegte er, was er Danni Quee erwidern sollte. Dem Ausdruck in ihren grünen Augen zufolge war sie ehrlich betrübt darüber, dass er es verpasst hatte. Eigentlich rührend, doch er brauchte eine angemessene Antwort, die ihm der Tizowyrm in seinem Ohr nicht selbständig geben konnte. Ihm fiel der Trick ein, den ihm sein Mentor einst gesagt hatte. ‚Wenn du nicht gleich eine Antwort parat hast, wiederhole einfach irgendetwas von dem, was man dir eben gesagt hat.'
„Verpasst?", wiederholte Yomin Carr.
„Ein Signal", erklärte Danni Quee atemlos.
„Statik", meinte Yomin Carr und eilte zu ihr.
Und dort war es, auf dem Schirm und in der Audiofunktion: das klare Signal von etwas – etwas sehr Großem -, das den galaktischen Rand von außen überquerte. Und Yomin Carr bemühte sich, Verständnislosigkeit an den Tag zu legen, indem er erstaunt seine Augen aufriss und auf den Bildschirm glotzte, ohne etwas zu sagen.
„Extragalaktisch", sagte Danni ernsthaft.
Yomin Carr beugte sich tief über die Instrumente, studierte die Daten, berechnete den Vektor, obwohl er selbstverständlich wusste, dass Dannis Beschreibung korrekt war. Er blickte zu ihr auf und nickte feierlich.
Bensin Tomri kam zusammen mit mehreren anderen Teammitgliedern hereingestürzt und bald waren alle fünfzehn anwesend, passten die Kapselschirme an, verstärkten die Signale mit Hilfe des Computers, verglichen das Signal mit all den Millionen anderen in ihren Datenbanken, versuchten, so viele Perspektiven wie möglich von dem zu erhalten, was gerade in ihre Galaxis eindrang.
„Ein Komet!", rief Garth Breise.
„Oder ein Stück Weltraummüll", sagte Lysire, eine der vier Frauen der Station.
„Ja, das denke ich auch", schloss Yomin Carr sich ihr an.
„Aber das ist sicherlich Wasser", hielt Garth Breise dagegen. „Es hat einen Schweif … wie ein Komet eben."
„Wohin ist es denn unterwegs?", fragte jemand anderes.
„Wir sollten das sofort der Zentrale von ExGal melden!", schlug Lysire vor.
Yomin Carr seufzte innerlich, dann fiel ihm etwas ein, um diese unheilvolle Dynamik zu unterbrechen. „Bevor wir wissen, was es ist?"
Bensin Tomri wandte sich ihm zu. „Guter Einwand, Yomin. Das Ding ist jetzt in unserer Galaxis und wenn nötig, können wir es bis zum anderen Rand verfolgen."
Das war nicht, was Yomin Carr im Sinne gehabt hatte.
„Aber wir sind keine autonome Einheit", hielt Lysire dagegen.
„Ach nein?" Dieser Trotz kam von Jerem.
Yomin Carr nickte und übernahm. „Aber wissen wir denn genau, was wir hier verfolgen?"
Alle wandten sich ihm zu. „Wissen wir es?", wiederholte er.
Unmut und Unglauben wogten durch den Raum.
„Etwas Extragalaktisches, was denn sonst?", sagte Cho Badelek, was alle dachten.
Yomin Carrs Miene wurde abweisend. „Ich habe dieser Aussage nie zugestimmt."
Danni stellte sich an seine Seite. „Wir können noch nichts mit absoluter Sicherheit feststellen", sprang sie ihm auch verbal bei. „Wir stimmen darin überein, dass es sehr wahrscheinlich ein Asteroid ist, der aus unserer eigenen Galaxis entkommen ist, jedenfalls beinahe entkommen wäre … und wieder angezogen wurde."
„Es könnte tatsächlich etwas aus unserer eigenen Galaxis sein", sagte Yomin Carr und genoss die Doppeldeutigkeit seiner Worte. „Tatsächlich glaube ich das auch."
„Was war denn dein Argument?", fragte Bensin Tomri verärgert.
„Mein Argument?", verschaffte er sich erneut etwas Zeit, hauptsächlich, weil der Tizowyrm ein Problem mit diesem Wort hatte. „Mein Argument ist, dass wir noch nicht einmal wissen, ob es sich um etwas Extragalaktisches handelt."
„Du hast den Eintrittsvektor gesehen!", protestierte Bensin Tomri.
„Und wie werden wir wohl vor der Zentrale dastehen, wenn wir jetzt vorschnell Meldung erstatten und dann stellt sich heraus, dass es sich um nichts als Weltraummüll handelt – Weltraummüll aus unserer eigenen Galaxis? Wäre das ein intelligentes Vorgehen?"
„Und jeder Funkspruch von hier wird öffentliche Information sein, bevor er auch nur zum ExGal-Kommando gelangt", warf Danni Quee ein.
„Das hier ist größer als wir", meinte Bensin Tomri mit Emphase.
„Das ist es tatsächlich, doch vielleicht hat Yomin Carr Recht", erwiderte Danni Quee. „Wir sind hier, um unabhängig zu arbeiten und genau deshalb wäre es dumm, wegen falschem Alarm als Trottel dazustehen."
„Dann wäre auch die Finanzierung für diese Station in Gefahr", ergänzte Tee-ubo und ihre Lekkus zitterten nervös.
Unwillen machte sich auf Bensin Tomris Gesicht breit. Yomin Carr sah, dass er bereits den Mund öffnete, um irgendetwas neues Pathetisches herauszulassen, aber der Yuuzhan Vong war schneller. „Bensin, wärst du bereit, diese Meldung selbst dem ExGal-Kommando zu überbringen? Willst du, dass ein ganzes Heer von Wissenschaftlern, sogar einige Jedi, hier auftauchen, um das alles zu untersuchen und auseinander zu nehmen? Willst du die Verantwortung dafür übernehmen, wenn es doch etwas aus unserer eigenen Galaxis ist?"
Bensin Tomri starrte ihn an. Sein Unmut wich Unsicherheit. Yomin Carr lächelte innerlich. Er hatte jetzt einen Plan – einen, den Nom Anor sicherlich gutheißen würde. Jetzt war es an ihm, Emphase zu demonstrieren.
„Dies hier ist unser Moment!", tönte Yomin Carrs Stimme durch den Raum. „Wir haben jahrelang dafür gearbeitet, darauf gewartet, es herbeigesehnt. Also sollten wir es sein, die diese Informationen sammeln, auswerten und als überzeugendes Werk der Öffentlichkeit präsentieren. Wir können das und wir werden es tun!"
Sein Blick streifte kurz über all seine Zuhörer. Danni hatte ihre Augen halb geschlossen und sah ihn in einer Art an, die ihn berührte – nicht unbedingt unangenehm, aber es war trotzdem viel zu nah.
„Falls es tatsächlich etwas Extragalaktisches sein sollte, dann werden wir es sein, die die ersten Erforschungen durchführen", fuhr er fort. „Wir werden festhalten, woher es kam, um uns zu überzeugen, dass es nicht einfach nur ein Abpraller war. Wir werden den derzeitigen Weg des Objekts verfolgen und so viele Informationen darüber wie möglich sammeln. Das wird unser Verdienst sein, den uns später niemand mehr nehmen kann!"
Jerem und Cho Badelek fingen an, laut und langsam in die Hände zu klatschen ob dieser feurigen Ansprache. Danni lächelte ihn an.
„Gute Idee, Neuling", meinte Garth Breise grinsend.
Yomin Carr erwiderte Garth Breises Grinsen. Die Debatte war beendet. Auch Bensin Tomri hatte sich mit seiner Niederlage abgefunden und war still. Aufklärung und Vorbereitung waren abgeschlossen. Jetzt konnte Yomin Carr die nächste Stufe seiner Mission angehen.
༺═────────────═༻
Ein mittelgroßer, braunhaariger Mann mit dunkelbraunen Augen stand am Landeplatz, den die Orbitalkontrolle Rhommamools der Jadeschatten auf dem Raumhafen von Redhaven, der Hauptstadt von Rhommamool, zugewiesen hatte.
„Ich bin Shok Tinoktin, Berater von Nom Anor. Es ist mir eine Ehre, Sie auf Rhommamool begrüßen zu dürfen, Jedi, Prinzessin."
Auf Shok Tinoktins Schultern hockte ein molchartiges Tier mit ocker-brauner Färbung. Seine Knopfaugen musterten die Ankommenden und verweilten einen Augenblick länger auf Mara Jade. Plötzlich stieß der Molch ein heiseres Keckern aus und ließ seine Zunge aus dem kleinen Maul hervorschnellen, als wolle er von der rotblonden Jedi etwas zu essen haben.
„Der Mann war mit Nom Anor auf Monor II", wisperte Mara ihrer Schwägerin zu, bevor sie in den Gleiter stiegen, der sie zum Regierungsgebäude in der Hauptstadt bringen sollte.
Die Fahrt zum Regierungssitz war unspektakulär. Alles wirkte geordnet und aufgeräumt, wenn auch eher einfach und bescheiden. Es gab nur wenige hohe Gebäude in Redhaven und das würfelförmige Senatsgebäude war eines der höchsten. Sie stiegen aus und betraten den nahezu vollständig aus Transparistahl bestehenden Würfel, der inmitten all der aus Lehm oder Backsteinziegeln bestehenden Häuser hypermodern wirkte.
„Ist dieses Gebäude neu?", fragte Leia ihren Führer.
„Es wurde vor etwa fünfzehn Jahren erbaut, als Tamaktis Breetha noch Bürgermeister von Redhaven war", erklärte Shok Tinoktin.
„Und was ist Tamaktis Breetha jetzt?", fragte Leia.
Shok Tinoktins Miene war ausdruckslos, als er Leia antwortete. „Er ist jetzt Mitglied des Senats unseres Planeten."
Sie bestiegen einen Repulsorlift, der sie in die oberste Etage des Würfels brachte. Als sie ausstiegen, war über ihnen nichts als der blaue Himmel Rhommamools, über den sich ein roter Schleier gelegt hatte, der hier oben nicht ganz so dicht war wie weiter unten auf der Straße. Der Transparistahl über und neben ihnen gaben den Jedi und ihren Begleitern das Gefühl zu schweben, auch wenn die Schwerkraft Rhommamools der von Coruscant und Alderaan ähnelte.
Sie gingen einen langen Gang entlang, nahmen einen Abzweig. Der Gang dahinter war genauso lang wie der, den sie eben verlassen hatten, doch an seinem Ende stand eine schwarze Statue. Die schwarze Säule hob sich unangenehm dunkel von der lichten Durchsichtigkeit ihrer Transparistahlumgebung ab. Leia erinnerte diese Statue an eine von denen, die sich früher im Senatsbüro des damaligen Kanzlers und späteren Imperators Palpatine befunden hatten. Mochte auch Nom Anor derart düstere Kunst?
Sie passierten eine Abzweigung nach der anderen, ließen eine nach der anderen Tür rechts oder links liegen – immer weiter geradeaus führte ihr Weg – immer näher zu der Statue, welche, wie Leia bemerkte, an Armen und Kniegelenken dornenartige Fortsätze aufwies. Der ehemaligen Rebellin wurde unwohl. Darth Vader hatte genauso starr und unbeweglich dagestanden, nachdem man sie von Bord der Tantive IV fort- und auf den Todesstern gebracht hatte. Genauso unbeweglich, wie Darth Vader nur wenig später der Vernichtung ihrer Heimat Alderaan beigewohnt hatte. Würde sie es dieses Mal schaffen, den Konflikt zwischen den Zwillingswelten Rhommamool und Osarian zu entschärfen, bevor er zum offenen Krieg eskalieren würde?
Mara Jade wandte sich erneut an Leia: „Das ist er."
Leia reagierte nicht gleich. „Das ist Nom Anor", widerholte Mara.
Die Statue bewegte sich und Leia zuckte zusammen. Nom Anors rechte Hand gab einen gebieterischen Wink und Shok Tinoktin ging rasch zur Seite. Jetzt war nichts mehr zwischen der Prinzessin und dem Mann, den sie am heutigen Tage treffen wollte. Jetzt erst sah sie, dass am Rand des Ganges noch jemand stand – ein schwarzhaariger Mann mit Halbglatze und ebenso schwarzen, sanften Augen – der Kleidung nach ein Einheimischer wie Shok Tinoktin.
Leia starrte das Vader-Abbild vor ihr an – unmöglich, etwas in Nom Anors Gesicht zu lesen, welches hinter einer schwarzen Maske verborgen war. Immerhin konnte sie blaue Augen sehen. Augen, die seltsam ungleich wirkten. Und der Mann war nicht ganz so groß wie Vader, aber immer noch anderthalb Köpfe größer als sie, die nur ein Meter Fünfzig groß war.
„Ich bringe Grüße vom Rat der Neuen Republik", begann Leia förmlich.
„Sie mischen sich ein, wo niemand es wünscht."
Leia hörte, wie der Mann mit Halbglatze, der schräg hinter Nom Anor stand, zu keuchen begann. Offenbar war auch er von der Barschheit in Nom Anors Stimme geschockt.
Leias Stimme blieb gleichmütig. „Wir sind gekommen, wie es abgesprochen war. Ein Abkommen zwischen Ihnen und Borsk Fey'lya, soviel ich weiß."
Seine Stimme wurde eine Nuance weniger barsch. „Ich habe der Entsendung eines Botschafters zugestimmt. Zu welchem Zweck, weiß ich allerdings nicht. Was können Sie, Leia Organa Solo, zu dem Disput zwischen Rhommamool und Osarian beitragen? Welche Flamme der Hoffnung können Sie in den Rhommamoolianern entzünden, dass Ihr verzweifelter Schrei nach Unabhängigkeit nicht von der Neuen Republik ignoriert wird, die angeblich die Freiheit als größte ihrer Tugenden betrachtet?"
Leia schluckte. Was spielte der Kerl für ein Spiel? Tatsache war, dass Borsk Fey'lya, der alte Intrigant, Gespräche mit Vertretern von sowohl Rhommamool als auch Osarian geführt hatte. Seit sich Rhommamool vor zwei Jahren offiziell von Osarian losgesagt hatten, gab es auf dem reicheren der Zwillingsplaneten Befürchtungen, dass Nom Anor seinen Einfluss ausweiten würde. Trotzdem war es Nom Anor gewesen, der als erster zugesagt hatte, Gespräche mit einem Abgesandten des Senats zu führen – wohl um die Osarianer auszumanövrieren, wie Leia angenommen hatte. Aber dafür verhielt er sich jetzt äußerst unflexibel. Vielleicht aber wollte er seine Karten auch nur nicht vor so vielen Zuhörern präsentieren.
„Vielleicht sollten wir uns in privatere Räumlichkeiten zurückziehen", schlug Leia vor.
Der Mann mit Halbglatze machte eine Bewegung, als hätte er bereits einen geeigneten Raum im Auge, aber ein Blick Nom Anors ließ ihn in jener Bewegung erstarren.
„Was haben Sie zu verbergen?", wandte sich Nom Anor wieder an Leia.
„Dann eine bequemere Umgebung."
Seine Stimme wurde frostig. „Wäre ein Stuhl bequemer für Sie? Vielleicht körperlich – aber würde es Ihnen die Wahrheit angenehmer machen?"
Leias Augen weiteten sich angesichts der fortgesetzten Härte. Sie konnte das einfach nicht glauben.
„Denn das ist alles, was ich Ihnen bieten kann", dröhnte Nom Anor. „Die Wahrheit ist, dass Osarian keinen Anspruch auf das Volk von Rhommamool hat. Die Wahrheit besteht in den Unsicherheiten und dem Versagen Ihrer Neuen Republik. Es ist die Wahrheit falscher Helden, der Jedi-Ritter."
„Ihre Wahrheit", warf Mara ein und Leia warf ihr einen warnenden Blick zu.
In Nom Anor brodelte es. Diese Frau war immer noch nicht tot und jetzt wagte sie es, ihm genau die Worte entgegenzuschleudern, die er für gewöhnlich seinen Widersachern an den Kopf warf, wenn sie nicht parierten. Sein linkes Augenlid zuckte. Mara stand geradeso in Reichweite seines Plaeryn Bols, aber er wusste, dass er nicht riskieren durfte, seine Waffen vorzeitig zu enthüllen. Er war hier, um Zwietracht und Unfrieden zu stiften, nicht, um offenen Widerstand zu provozieren, der die Invasion gefährden würde. Außerdem würde er dann niemals mehr wissen, ob es seine Coombe-Sporen auch so schaffen würden – bei einer Jedi. Maras Krankheit wuchs sich mehr und mehr zu einem interessanten Langzeitexperiment aus und dessen Erfolg durfte nicht durch vorschnelles Zuschlagen unterminiert werden. Schließlich musste auch er Rechenschaft darüber ablegen, wie wirksam seine Methoden waren …
Leia sah, dass sich Nom Anors Gesichtsmaske leicht verzog. Der Mann lächelte sie an und es war ein grimmiges Lächeln. „Es gibt nur eine Wahrheit", hörte sie Nom Anors plötzlich wieder ruhige, sonore Stimme. „Nur, wenn man die nicht hören will, braut man sich andere, verdaulichere Versionen zusammen."
„Wenn Sie erlauben, Prinzessin Leia …" C-3POs Stimme klang blechern und förmlich, als er sich auf Nom Anor zubewegte. „Es gibt genügend historische Beispiele über die Jedi-Ritter, um Ihnen zu zeigen, dass …"
„Still!", knurrte Nom Anor.
Leia sah, dass der große Mann vor ihr vor Zorn zu zittern begann. C-3PO begann ebenfalls, zu zittern, wenngleich überhaupt nicht bedrohlich. Sie nickte ihrer Tochter zu schob C-3PO sanft in Richtung Jaina.
„Werden wir über die Situation zwischen Osarian und Rhommamool diskutieren?", fragte Leia in beruhigendem, diplomatischem Tonfall.
„Ich dachte, das tun wir gerade", sagte Nom Anor, wieder vollkommen beherrscht.
„Das hier ist keine Besprechung", entgegnete Leia, „es ist eine Vorlesung auf einem Flur."
„Und selbst das ist mehr, als Borsk Fey'lya verdient hat", antwortete Nom Anor rasch. „Würden Sie mir da nicht zustimmen, ehemalige Ratsherrin Solo?"
Er versucht, mich gegen Borsk auszuspielen. „Es geht hier nicht um Borsk Fey'lya." Leia kämpfte mit wachsender Unruhe und Beklemmung, die in ihr nach oben stiegen. „Es geht um das Schicksal zweier Welten."
„Die keine Einmischung von der heuchlerischen Neuen Republik brauchen", fügte Nom Anor hinzu. „Dieser Neuen Republik, die von Frieden und Wohlstand spricht, wenn Frieden für sie nur bedeutet, dass die unteren Klassen keine Macht haben, Wohlstand oder Macht zu gewinnen, und der Reichtum nur für die Freunde der Neuen Republik bestimmt ist."
Leia schüttelte den Kopf, murmelte ein paar unverständliche Worte. Sie wusste nicht mehr, was sie hier eigentlich tun sollte. Was wollte Nom Anor? Sie musste Zeit gewinnen, irgendeinen Punkt in ihrem schwarzen Gegenüber finden, an den sie anknüpfen konnte … sie brauchte mehr Zeit – und das mit einem Mann, mit dem sie nicht mehr Zeit als nötig verbringen wollte … mehr unverständliche Worte entschlüpften ihrem sorgfältig geschminkten Mund.
„Befehlen Sie Ihrem Schlachtkreuzer, die Anlagen, mittels derer Osarian Rhommamool angreifen kann, zu zerstören!", verlangte Nom Anor. „Schießen Sie ihre Sternjäger ab, zerstören Sie ihre Raketenabschussanlagen und verbieten Sie ihnen, solch offensive Waffen wieder aufzubauen!"
Leia starrte ihn forschend an. Nom Anor ähnelte immer mehr früheren Feinden, aber Mara hatte Recht gehabt – der Mann war noch viel schlimmer – nun ja, vielleicht nicht so schlimm wie …
„Und wenn sie uns in Ruhe lassen, wird auch der Konflikt ein Ende finden", fuhr Nom Anor fort. „Dann wird wieder Friede herrschen. Und Wohlstand einkehren." Er hielt inne, hob die Hand an sein schwarz maskiertes Gesicht und nahm eine nachdenkliche Pose ein. „Oh ja, dann wird Wohlstand einkehren, aber es wird Wohlstand für Rhommamool und nicht für Osarian sein. Nicht für die bevorzugte Elite der Neuen Republik."
Leias Stimme wurde noch trockener als ihr Hals. „Das glauben Sie doch selbst nicht."
„Ach ja?" Nom Anors Stimme troff vor Sarkasmus. „Eine plausible Interpretation. Gehen Sie doch selbst hinaus auf die Straßen von Redhaven und fragen Sie."
„Wenn Ihnen die Menschen von Rhommamool etwas bedeuteten, würden Sie sich hinsetzen und über Möglichkeiten diskutieren, diesen aufkeimenden Krieg aufzuhalten", sagte Leia barsch.
Nom Anor verschränkte die Arme vor der schwarz geharnischten Brust. „Ich dachte, das haben wir gerade getan."
Leia starrte ihn an – diesmal in offenem Unglauben.
„Ich habe Ihnen mitgeteilt, wie ein Krieg aufzuhalten ist", fuhr Nom Anor fort. „Ein einfacher Funkspruch zum Kommandanten ihrer vorgeschobenen Terrorwaffe …"
Leia sah Mara und Jaina an und schüttelte den Kopf.
„Was hatten Sie erwartet?", höhnte Nom Anor. „Aber das ist mehr, als Sie oder die Neue Republik verdienen. Ich denke, unsere Positionen sind klar. Also sage ich Ihnen: Kehren Sie um! Setzen Sie sich in Ihre alberne, kleine Funkkiste und verschwinden Sie von Rhommamool! Ich fürchte, ich verliere die Geduld mit Ihrer Dummheit."
Leias Züge entgleisten. Die Zeit schien stillzustehen. Ihr Mund klappte auf und zu. All ihre diplomatische Selbstbeherrschtheit war dahin. Sie starrte Nom Anor eine gefühlte Ewigkeit fassungslos an, dann machte sie kehrt und stürmte den Gang zurück, gefolgt von Jaina und Mara.
C-3PO hingegen blieb stehen. „Verzeihung, Sir, aber dürfte ich fragen, ob Sie etwas gegen mich haben?"
Nom Anor ging einen drohenden Schritt auf den Protokolldroiden zu. „Nichts, was ich nicht leicht korrigieren könnte", sagte er unheilverkündend und erhob die Hand.
„Habe ich Sie irgendwie beleidigt?", fragte der Droide höflich, obwohl er vor Angst zitterte.
„Deine Existenz beleidigt mich bereits!", fauchte Nom Anor.
C-3PO hatte genug gehört. Er drehte sich um und rannte davon. „Mistress Leia!", schepperten seine mechanisch klingenden Worte über den Flur.
Kalt und hasserfüllt starrte Nom Anor der goldenen Gestalt hinterher.
„Eine solche Begegnung hatte ich nicht erwartet", sagte der Mann mit Halbglatze zu Nom Anor in einem Tonfall, der keinen Aufschluss gab, was er darüber dachte.
„Ich auch nicht. Ich dachte, diese Begegnung würde langweilig werden und nicht so viel Spaß machen." Nom Anor schaute Tamaktis Breetha an und bemerkte seine zweifelnde Miene. „Sprechen Sie es ruhig aus", wies Nom Anor den ehemaligen Bürgermeister von Redhaven an. „Ihre Fragen werden mich nur stärken."
Breetha schwieg eine Weile, bevor er sich zu antworten traute. „Rhommamool wird tatsächlich die Hilfe der Neuen Republik brauchen."
Nom Anor lachte leise. Der Mann hatte ja Recht, nur kümmerte ihn das nicht im Geringsten. Aber noch durfte Tamaktis Breetha das nicht erfahren. Und wenn er es erfuhr, dann würde es längst zu spät sein.
„Unsere Sache ist wichtiger als ein Bürgerkrieg zwischen zwei Planeten", sagte er zu Tamaktis. „Es geht um die grundlegenden Freiheiten der Bürger der Neuen Republik und um die grundlegende Gerechtigkeit für die ausgebeuteten Massen überall. Wenn diese Wahrheit ans Licht kommt, wird Rhommamool alle Verbündeten finden, die es braucht, um die diebischen Herrscher von Osarian zu zermalmen."
Der ehemalige Bürgermeister richtete sich auf – stolz auf seine Sache. „Ich werde dafür sorgen, dass unsere Gäste uns sofort verlassen", verkündete er und deutete eine Verbeugung an. Aber erst, nachdem Nom Anor es ihm durch eine Geste gestattet hatte, ging er davon.
Nom Anor wandte sich Shok Tinoktin zu und tätschelte sanft den Kopf des immer noch aufgeregten Shlecho-Wassermolchs auf dessen Schulter. „Ihr Atem roch stark nach Coombe-Sporen", bemerkte Shok Tinoktin.
„Und sie war nicht sonderlich kräftig", fügte Nom Anor hinzu. „Das sah man an der Art, wie sie sich bewegte."
Ungeheuer zufrieden mit sich selbst, machte sich der Exekutor auf zu seinen privaten Gemächern im Gebäude. Shok Tinoktin schickte sich an, ihm zu folgen.
„Sorgen Sie dafür, dass unsere Gäste auf ihrem Rückweg am Platz der Hoffnungsvollen Erlösung vorbeikommen", fiel Nom Anor plötzlich ein. „Ich möchte, dass sie Zeugen der Ergebenheit meiner Anhänger werden."
Shok Tinoktin verbeugte sich und ging.
In seinem Zimmer angekommen, ging Nom Anor zunächst zu den beiden im Schrank verborgenen Villips, dann hielt er inne und schaute zum Himmel, wo nach und nach die Sterne aufgingen. Waren seine Leute bereits da? Er dachte an Leia, wie sie gegen die Art, wie er mit ihr umgesprungen war, protestiert hatte – leidenschaftlich protestiert. Was für ein Kampfgeist! Die Menschenfrau nutzte die noch geringste Chance, um ihr Ziel, Frieden zu schaffen, zu erreichen. Aber was war das nur für ein Frieden, den Leia anstrebte? Ein fauler Kompromiss zwischen verrottenden Welten, die nicht wussten, was es hieß, wahrer Ordnung zu gehorchen. Ordnung, die aus Prinzipien und Gesetzen bestand, die unbedingt eingehalten werden mussten, damit alles an seinem gebührenden Platz war. Aber was konnte man schon von einer Frau erwarten, die sich, urplötzlich heimatlos geworden, einem zwielichtigen Schmuggler an den Hals geworfen hatte, der Gesetze umging, brach oder beugte, wie es ihm gerade passte? Han Solo war einst General der Neuen Republik gewesen, bevor er diese militärischen Ehren an den Nagel gehängt hatte und … was war Han Solo jetzt eigentlich? Nom Anor musste zugeben, dass er das nicht wusste. Was er jedoch wusste, war, dass es Leute wie Han Solo waren, die durch ihren Irrglauben, über jeglichem Gesetz zu stehen, diese Galaxis in Chaos und Willkür gestürzt hatten. Es gab keinerlei Plan, der das Leben dieser Leute erhellte und ihm einen Sinn gab. Es war die Aufgabe der Yuuzhan Vong, dieser Galaxis die Segnungen von Zucht und Ordnung zuteilwerden zu lassen. Irgendwann würden die Leute schon erkennen, was richtig und was falsch war – wenn sie bis dahin überlebten.
Durch genau diese eiserne Disziplin und Planung hatte er, Nom Anor, nun Leias Widerstand gebrochen. Ihre ganze diplomatische Fassade war in sich zusammengefallen und hatte ihm das Gesicht einer Frau enthüllt, der die Hände gebunden waren, um mit aller Entschiedenheit vorzugehen, wenn sie auf Widerstand traf wie gerade eben. Leia Organa-Solo war vor ihm geflohen – und ihr langer, dicker, brauner Zopf hatte dabei hin und her gewogt. Damals vor zwölf Jahren im Senat war er ihr in Begleitung von Borsk Fey'lya inkognito über den Weg gelaufen. Damals hatte sie alle Haare hochgesteckt gehabt, so dass er nicht sehen konnte, wie lang ihr Haar war und wie viel sie davon hatte. Nom Anor konnte sich nicht erinnern, jemals bei seinem Volk jemanden mit solch einer Haarpracht gesehen zu haben. Wie denn auch, wenn bei den meisten seines Volkes der Haaransatz erst am Hinterkopf begann, so dass die fliehende Stirn extra betont wurde, von seiner eigenen, quasi nicht existenten Haarmenge gar nicht zu reden. Er überlegte, wie schwer Leias Zopf sein mochte. Und wie würde es sich wohl anfühlen, in diese langen, schweren Haare hineinzugreifen? Ihm fiel selbst auf, dass er viel zu lange bei diesen profanen Gedanken verweilte. Was viel wichtiger war: Hatte der Yammosk endlich die Kontrollbasis errichtet?
༺═────────────═༻
Yomin Carr, Garth Breise, Tee-ubo Doole und Danni Quee waren allein im Kontrollraum, um in ihrer Schicht zu beobachten, wohin das unbekannte Objekt flog.
„Das Helska-System, der vierte Planet", meinte Garth Breise.
„Was wissen wir von den Planeten dieses Systems?", fragte Danni.
„Sie haben noch nicht einmal Namen." Garth Breise zuckte mit den Schultern. „Nur Helska I bis VII – sehr schwer zu besiedeln."
„Dann richten wir das Teleskop doch auf Helska IV aus, um zu sehen, aus was er besteht."
„Eis", gab Yomin Carr die Antwort. „Und ich habe mir erlaubt, das Teleskop bereits dorthin auszurichten."
„Es ist also eine überfrorene Felskugel?", fragte Garth Breise.
„Oder eine Kugel aus gefrorenem Wasser. Keinerlei Anzeichen für Mineralien oder andere feste Stoffe", sagte Yomin Carr.
Tatsache war, dass Yomin Carr Helska IV sehr gut kannte. Er selbst war dorthin gereist, hatte den Planeten erkundet und eine Spur von Villips zurückgelassen, um die Praetorite Vong sicher dorthin zu leiten.
„Und du bist sicher, dass es mit dem Planeten kollidieren wird?", fragte Tee-ubo.
„So sieht es aus", erwiderte Danni.
„Wie groß ist der Planet?", wollte die Twi'lek wissen.
„Nicht groß", antwortete Yomin Carr. „Einige tausend Kilometer Durchmesser."
„Wenn er nur aus Eis besteht, dann wird ihn dieser Asteroid vollkommen zerstören", sorgte sich Bensin Tomri.
Yomin Carr sah ihn an. Keiner der Anwesenden war bislang Zeuge einer Kollision eines Asteroiden mit einem Eisplaneten gewesen und in Bensin Tomris blauen Augen stand ein faszinierendes Gruseln angesichts eines unverhofften Himmelsspektakels der Zerstörung. Wenn du wüsstest.
„Verschaffen wir uns doch einen besseren Überblick über diesen Planeten", schlug Danni vor. „Und ich denke, es ist an der Zeit, Bescheid zu sagen, dass ExGal und die Neue Republik Wissenschaftler hinschicken können."
„Und zwar schnell", fügte Bensin Tomri hinzu. „Denn uns bleiben nur noch ein paar Tage bis zum …", er grinste breit und klatschte dabei laut in die Hände, „… großen Knall."
Tee-ubo setzte sich in Bewegung und öffnete den Transmitter im erhöhten Bereich des Kontrollraums. Sie wartete, um jemanden an die Leitung zu bekommen, aber alles, was die grüne Twi'lek und die anderen hörten, war Schweigen.
„Es funktioniert nicht", sagte Te-uubo irritiert. „Kein Empfang."
༺═────────────═༻
Präfekt Da'Gara wandte sich an seinen Navigator. „Sorgen Sie dafür, dass sich die Dovin Basale stärker auf den Planeten ausrichten."
„Sie wollen höhere Geschwindigkeit?", fragte Tu Shoolb zurück.
Da'Gara war es nicht gewohnt, hinterfragt zu werden, schon gar nicht in der Begleitung, die jetzt neben ihm stand. Also sah er den Untergebenen einfach nur unwillig an.
„Belek tiu", erwiderte der Navigator und schlug sich mit den Fäusten an die gegenüberliegenden Schultern. „Ich befürchte, dass eine Geschwindigkeitsveränderung jene alarmieren könnte, die uns beobachten. Natürliche Körper würden nicht so offensichtlich beschleunigen."
„Jene, die uns beobachten?", fragte der Präfekt misstrauisch. „Bezweifeln Sie etwa, dass Yomin Carr seinen Auftrag ausgeführt hat?"
Tu Shoolb war eigentlich ein guter Mann, der schon viele Jahre Navigationserfahrung hinter sich hatte. Deshalb ließ Da'Gara ihm die Unbotmäßigkeit durchgehen. Aber was, wenn Yomin Carr noch keine Gelegenheit gefunden hatte, sich um die Leute auf der Station zu kümmern? Aber er hatte doch sicherlich deren Kommunikation unterbrochen; der Rest würde folgen. Trotzdem bereitete ihm der Einspruch von Tu Shoolb Unbehagen. Er hätte seinen Befehl beinahe widerrufen, da fiel sein Blick auf seine Begleitung. Vilju Anor würde sein Schwanken sicherlich als Schwäche interpretieren und das wollte er nicht. Also machte er mit der Hand einen Wink, der den Navigator in Richtung Dovin Basale scheuchte.
„Belek tiu", wiederholte Tu Shoolb, dann verbeugte er sich und ging zu den Dovin Basalen, um die drei Meter breiten Geschöpfe dazu zu bringen, ihre Gravitationsleistung zu erhöhen, auf dass die Reise früher als geplant enden möge.
Da'Gara wandte sich seiner Begleitung zu. „Und jetzt schauen wir nach unserem Yammosk", kündigte er an und machte eine einladende Geste.
Vilyu Anor neigte den Kopf und ihre blauen Augen himmelten den anderthalb Kopf größeren Mann an. „Gerne."
Ohne Wachen gingen die beiden in den unteren Teil des Weltschiffes. Ein scharfer, knoblauchartiger Geruch schlug ihnen entgegen. Da'Gara legte eine Hand auf die Lamellentür und sie glitt zu beiden Seiten hin auf wie ein hungriges Fischmaul. Sie traten ein und vor ihnen lag das runde Becken, gefüllt mit schwarzer Nährflüssigkeit. Und in diesem Becken thronte rosarot, zwei Meter groß und mit erwartungsvoll zitternden Tentakel der Yammosk – der Kriegskoordinator. Das krakenartige Wesen mit den zwei schwarzen Augen im überdimensionalen Kopf, der auf hunderten langer, dicker und dünner, kürzerer Tentakel lagerte, schien auf den Präfekten und seine Begleitung gewartet zu haben. Zwei Tentakel streckten sich ihnen entgegen und Da'Gara und Vilju Anor nahmen sie und strichen sich damit übers Gesicht, ließen zu, dass der Yammosk sie auf seine Art willkommen hieß.
„Als wäre er unser Baby", sagte Vilju Anor und kicherte.
Da'Gara strich ihr über die Linie aus tätowierten Punkten, die sich brauengleich über ihr linkes Auge wölbte. „Dieser Yammosk ist unser Baby", sagte er.
Sie neigte den Kopf ein Stück zurück, so dass ihre schwarze Haarpracht auf dem rosafarbenen Tentakel zu liegen kam, der sie gerade umarmt hatte.
„Und unser eigentliches Kind wird in dieser Galaxis zur Welt kommen", schnurrte sie und lehnte sich an seine Brust.
Da'Gara lächelte auf sie herab. „Hoffentlich nicht auf dieser trostlosen Eiskugel, die wir gerade ansteuern."
Ihre linke Hand wanderte an seiner schlanken Taille entlang, so dass seine Vonduun-Krabbenrüstung reagierte. „Ich werde schon dafür sorgen, dass uns der Kriegsmeister für unsere Bemühungen angemessen entlohnen wird – mit dem schönsten Planeten, auf dem unser Kind nur aufwachsen kann."
༺═────────────═༻
„Ich wünschte, diese Begegnung wäre besser verlaufen", sagte Tamaktis Breetha bedauernd zu Leia, nachdem Jaina, Mara und C-3PO bereits an Bord der Jadeschatten gegangen waren, um mit den Vorbereitungen für den Abflug zu beginnen.
„Das sollten Sie vielleicht Nom Anor sagen", erwiderte Leia melancholisch.
Der alte Mann mit den sanften Augen verbeugte sich. „Sie müssen verstehen, dass Osarian uns seit Jahrzehnten wie eine Art Sklavenkolonie beherrscht hat."
Leia nickte. „Ich kenne die Geschichte und die derzeitige Situation, aber Ihr widerspenstiger Anführer macht alles nur noch schlimmer."
Der ehemalige Bürgermeister von Redhaven antwortete nicht, was Leia als Unentschlossenheit interpretierte – oder war es gar Fremdschämen? Sie schüttelte den Kopf und stieg die Rampe hinauf – Bolpuhr im Schlepptau, der den alten Mann und dessen beide Wachen argwöhnisch im Blickfeld seiner scharfen Noghriaugen behielt.
Jaina setzte sich neben Mara in den Pilotensessel und studierte die Koordinaten, die ihr die Orbitalüberwachung des Raumhafens von Redhaven für den Abflug durchgegeben hatte.
„Wir sollen den Kurs wechseln", informierte Mara Leia, sobald sich diese auf den Platz hinter ihrer Tochter gesetzt hatte.
„Eine Falle?", fragte die misstrauische Jaina.
„Das wäre sinnlos", konterte Mara. „Sie hätten die Fähre stürmen können, während wir bei Nom Anor waren. Es wäre leicht gewesen, uns innerhalb des Gebäudes gefangen zu nehmen."
Jainas Blick wurde giftig. „Es sei denn, sie wollen es wie einen Unfall aussehen lassen."
Leia hinter ihr nickte und versank in Gedanken.
"Sie verfügen über nichts, womit sie uns abschießen könnten" erklärte Mara mit fester Stimme. „Sobald wir in der Luft sind und die Triebwerke vollen Schub haben, sind wir außerhalb der Reichweite ihrer primitiven Waffen."
„Nichts, worüber wir Bescheid wissen", fügte Leia dunkel hinzu. „Folgt einfach dem angegebenen Kurs. Aber haltet euch bereit auszubrechen, sobald es das geringste Anzeichen von Ärger gibt."
Die Jadeschatten erhob sich und glitt in geringer Höhe über die Stadt hinweg – dicht über den Dächern, wie man sie angewiesen hatte. Ein paar Augenblicke später verstand Leia den Grund für diesen Kurswechsel, denn nun kam der große Zentralplatz von Redhaven in Sicht, wo ein großes Feuer brannte.
„Was ist das?", fragte Jaina und zeigte auf die Grube unter ihnen.
„Sieht aus wie eine Feier", meinte Mara und zog die Jadeschatten tiefer, damit alle einen besseren Ausblick auf die Szenerie bekamen.
C-3PO jammerte, wie Leia ihn nur einmal hatte jammern hören – auf Bespin, als Vaders Schergen ihn auseinandergenommen hatten. Als sie hinabschauten, sahen sie auch den Grund für des Droiden schlechte Befindlichkeit. In der Grube befanden sich zerschlagene, verbeulte oder noch einwandfrei funktionierende Droiden, von denen sich einige noch bewegten, Funken sprühten, als könne das den Steinhagel abwehren, der überall vom Rand der Grube her auf sie herabprasselte.
Jede Bewegung eines gefangenen Droiden – zwei Steinschläge – so erschien es Leia. Sie schnüffelte, als könne sie den Geruch verbrannter Drähte und verkokelter Servogelenke riechen, den es den deutlichen Bildern zufolge unten in der Grube geben musste.
„Barbarisch!", rief C-3PO. „Unmenschlich!"
„Wenn man bedenkt, dass es hauptsächlich Menschen sind, die das hier tun, hast du völlig Recht, Goldjunge", bemerkte Jaina trocken.
„Bring uns hier weg!", bat Leia und bemühte sich nicht, ihre Aufgewühltheit zu verbergen.
Noch während sie diese Worte sprach, hatte ihre Schwägerin ihr Schiff bereits gewendet und zog es hoch. Das plötzliche Aufheulen der Doppeltriebwerke infolge rasanter Beschleunigung ließ die Fanatiker auf dem Platz unten in Deckung gehen. Jaina und Mara grinsten unisono.
Das Komm knackte und Jaina seufzte entnervt. Sie wusste, dass ihre Tante gerade einer Anweisung der Raumhafenbehörde zuwidergehandelt hatte und jetzt kam die Quittung. „Das ist zu früh. Sie müssen erst …", hörten sie den Protest des Fluglotsens vom Raumhafen.
Mara drückte einen Knopf und die Komm-Anlage wurde stumm. Nom Anor hatte bekommen, was er wollte und es war genug. Die Jadeschatten bekam weiter Auftrieb und schon bald war Rhommamool nur noch die rote Kugel, die es bei Austritt aus dem Hyperraum gewesen war.
„Nun, ich habe dich vor Nom Anor gewarnt", wandte sich Mara an ihre Schwägerin. „Glaubst du immer noch, dass ich übertrieben habe?"
„Er ist unerträglich", stimmte Leia zu.
„Und wieder hat die Macht mir kein bisschen geholfen", fügte Mara hinzu. „Ich habe sogar versucht, lautlos mit ihm zu sprechen, nur um zu sehen, ob er reagiert, aber das hat er nicht – ich weiß nicht einmal, ob er es gehört hat", sie holte tief Luft, „und er hat mich so vollkommen ignoriert."
„Das kann man so nicht sagen", brachte sich Jaina ein. „Im Gegenteil hatte ich das Gefühl, dass er dich immer wieder verstohlen beobachtet hat, während er mit Mutter sprach."
„Das stimmt", sagte Leia, dann wandte sie sich wieder an Mara. „Aber das liegt vielleicht daran, dass du ihm schon einmal begegnet bist und er sich daran erinnerte. Trotzdem hast du nicht versucht, der zweiten Begegnung auszuweichen. Du bist mutiger als ich."
„Bin ich nicht", wiegelte Mara ab. „Ich bin mir sicher, dass auch du ihm wiederbegegnen würdest, wenn du musst." Die rotblonde Frau lächelte. „Ich kenne dich. Und im Gegensatz zu mir bist du noch nicht einmal krank. Mit dem werden wir schon noch fertig."
„Hoffentlich bald", stimmte Jaina zu, dann legte die junge Solo den Hebel um und die Sterne verschwommen zu den dünnen, silbernen Linien des Hyperraums.
༺═────────────═༻
Einen Tag später auf Belkadan
Danni Quee lag auf dem grünen Rasen und blinzelte nach oben. Über sich sah sie Yomin Carrs Gesicht. Eine schwarze Haarsträhne hing von seiner hohen Stirn und streichelte ihre Wange. Vorsichtig schoben seine Finger die vorwitzige Strähne aus ihrem Gesicht.
„Du hast verloren, Danni Quee."
Seine Stimme tadelte sie weder, noch triumphierte sie. Es war lediglich eine Feststellung, in welcher eine feierliche Wehmut mitschwang, die ihr ein Prickeln im Nacken verursachte. Redet er wirklich von dem Spiel? Sie entschied sich, ihrer Sicherheit halber beim Thema bleiben.
„Ich weiß. Aber deine Züge waren fair. Ich gratuliere."
Yomin Carr schaute sie von oben an, als würde er noch auf irgendetwas von ihrer Seite warten. So von unten gegen das Licht sah seine Haut noch blasser, sein Haar noch schwärzer aus. Sie blinzelte nach der Seite. Das grüne Gras des Dejarik-Feldes, auf dem sie ihre Partie versemmelt hatte, war weich und angenehm unter ihrem Rücken. Sie fragte sich, woher Grabbus das orangefarbene Gras für jene Felder beschafft hatte, die sich mit den grünen Feldern des inneren und des äußeren Kreises des zehn Standardmeter großen Spielfeldes abwechselten. Aber Hutts wie Grabbus hatten nun mal eine Vorliebe für sehr Buntes. Und nur eine dieser Riesenschnecken konnte auf die Idee kommen, einen lebensgroßen Dejarik-Parcour zu errichten, auf dem lebende Wesen spielten, nicht nur Hologramme. Danni war zunächst skeptisch gewesen, als ihr Tee-ubo von dieser neuesten Attraktion am Hofe des Herrschers über Belkadan erzählt hatte, aber ihre beiden Kollegen Bensin Tomri und Cho Badelek waren sofort Feuer und Flamme gewesen. Zumal ja niemand wirklich sterben würde.
Ja, sie hatte diese Partie verloren. Sie schaute an Yomin Carrs Gestalt vorbei nach oben, wo sich eine milchig-glasige Kuppel aus Transparistahl über das Spielfeld wölbte - oder war es doch eher Eis? Auf jeden Fall war es gemütlich warm hier.
„Du hättest den Kintan-Schreiter aus dem Spiel nehmen sollen, als du noch die Chance dazu hattest", hörte sie Yomin Carr von oben sagen.
Sie kicherte leise. „Vielleicht wollte ich diese Chance gar nicht."
„Wieso nicht?"
Sie schloss kurz die Augen. „Weil ich dann nie gewusst hätte, wie es sich anfühlt, auf diesem Rasen zu liegen."
Jetzt lächelte Yomin Carr. „Du bist schon verrückt. Willst du denn noch etwas anderes wissen?"
„Ja, ich würde gerne wissen, wie lange du in dieser Liegestützposition über mir noch ausharren kannst, bevor du auf mir zu liegen kommst."
Er schüttelte den Kopf. „Letzteres wird nie passieren."
Sie schaute an seiner schlanken, über ihr schwebenden Gestalt entlang, die vielleicht zehn Zentimeter über ihrem Körper hing, ohne diesen irgendwo zu berühren. Der Liegestütz schien Yomin Carr wirklich keine Probleme zu bereiten. Seine Stirn war glatt und entspannt – kein Schweiß nirgendwo. Aber für wie lange? Irgendwann musste jeder Liegestütz enden. „Sicher?"
„Sicher!"
Sie seufzte. „Wahrscheinlich hast du Recht. Wir verbringen hier auf Belkadan doch sowieso viel zu viel Zeit mit sinnlosem Geplänkel. Dabei bin ich wegen was ganz anderem hierhergekommen."
Seine Augen über ihren legten sich in Fältchen. „Ich weiß."
Sie lachte leise. „Weißt du, Yomin, deine Augen sind so schwarz und so unergründlich wie der leere Raum außerhalb der Galaxis."
„Dann solltest du diesen Raum vielleicht besser erkunden."
Sie hörte sich heftiger atmen. „Genau das habe ich vor."
„Gut", hörte sie Yomin Carr über sich schnurren. „Sehr gut. Dann lass mich dir etwas zeigen."
Danni spürte, wie sich in ihrem Unterleib etwas zusammenzog. Es war nicht unangenehm … nein … ganz und gar nicht. Der Winkel zwischen Yomin Carrs durchtrainierten Ober- und Unterarmen zu beiden Seiten ihres Kopfes wurde noch spitzer, so dass sein Gesicht näher an ihres herankam. Danni versuchte, in seinen Augen zu lesen. Da war verhaltene Neugier, die sich rasch erwärmte … zur Begierde heranwuchs.
Genau das, was sie jetzt wollte … und brauchte.
Eigentlich hatte sie vorgehabt, endlich zu ergründen, wo seine Iriden endeten und die Pupillen anfingen … allein ihre Sinne waren viel zu benebelt, um sich jetzt auf solche Einzelheiten zu konzentrieren. Zusätzlich zu ihrer Niederlage im Spiel war Danni benommen von dem Geruch, der ihr entgegenschlug – eine frische Meeresbrise gemischt mit dem Duft eines Waldes, wo es gerade geregnet hatte. Und niemand, der diese Idylle stören würde.
Sein Mund senkte sich auf ihren herab und sie fühlte, wie sich ihrer für ihn öffnete. Sie hatte das nicht bewusst getan, es geschah einfach. Sie hatte die Dejarik-Partie verloren, aber hieß es nicht: Pech im Spiel, Glück in der Liebe?
Dannis Stimme wurde ein heiseres Keuchen. „Ja, Yomin, zeig's mir!"
Aus dem Augenwinkel nahm sie einen grünen Lichtschein wahr. Ein Licht – na und? Sicher wieder irgendeine Show, die Grabbus der Hutt draußen abzog, um seine Besucher zu beeindrucken.
Yomin Carrs Mund traf auf den ihren und Danni sog begierig an seinen Lippen.
Jaaa! Endlich!
Und dann war da dieses Rufen – dumpf, wie von weiter Ferne. „Warte, ich hol dich da raus!"
Aber Danni Quee wollte nicht rausgeholt werden. Sie wollte für immer mit Yomin Carr unter dieser Kuppel auf dem grünen Rasen bleiben.
Transparistahl splitterte – oder war es doch Eis? Der Krach tat Danni weh in den Ohren. Der grüne Schein konzentrierte sich und wurde zu einer langen, schmalen Klinge – und dahinter stand eine Person, von der Danni nur die Konturen sehen konnte. Was hatten sie oder Yomin Carr denn Schlimmes getan, was ein Eingreifen der Jedi auf den Plan rufen würde?
Sie war derart alarmiert, dass es ihr in diesem Augenblick nicht mal auffiel, dass Yomin Carr seine Lippen von ihren gelöst hatte. Nein, sie hatten auf ExGal4 nichts Verbotenes getan. Bestimmt ging es um die finsteren Machenschaften von Grabbus dem Hutt und sie waren nur zufällig da hineingeraten. Wieso hatte sie sich eigentlich von Tee-ubo breitschlagen lassen, an den Hof der grünen Schnecke mitzukommen? Vielleicht, weil Yomin Carr dieses Mal auch mitging?
Yomin Carr. Ihre Lippen fühlten sich leer und betrogen an. Sie wandte ihren Blick von dem grünen Lichtschein ab, um nach oben zu schauen, aber ihr Kollege war verschwunden, als hätte es ihn nie gegeben.
Schweißgebadet setzte sich Danni Quee in ihrem Bett auf. Wie konnte es sein, dass sie am gestrigen Tag eine bahnbrechende Entdeckung gemacht hatten und sie, Danni Quee, des Nachts nicht besseres zu tun hatte, als von Yomin Carr zu träumen?
Sie machte sich fertig, verließ ihr Zimmer und begab sich in den Kontrollraum. Jerem Cadmir und Bensin Tomri waren bereits anwesend und richteten die Teleskope auf das in die Galaxis eingetretene Objekt aus. Yomin Carr war auch da, allerdings nicht an seiner Kapsel Drei, sondern er saß entspannt auf dem erhöhten Bereich, wo die kleine Küche war und die Spiel- und Esstische standen. Danni fand das ungewöhnlich. Normalerweise war der zwei Jahre ältere Kollege immer am Arbeiten, wenn sie hereinkam und machte erst später eine kurze Pause. Aber seit sie dieses in die Galaxis eingedrungene Objekt entdeckt hatten, war vieles in der Routine des Teams aus den Fugen geraten. Yomin Carr erhob einen Becher, nippte daran und nickte ihr freundlich zu, bevor er den Blick wieder zu Kapsel Sieben richtete, um seine arbeitenden Kollegen zu beobachten.
„Ein Schweif", sagte Jerem und seine dunkelbraunen Augen glühten. „Ich wusste es."
Bensin Tomri nickte nachdenklich. „Wenn auch kein sonderlich großer. Also ein Komet."
Tee-ubo Doole betrat den Raum. Sie beugte sich über den Bildschirm von Kapsel Sieben und betrachtete das eingedrungene Objekt. „Wie kann ein Komet von außen eindringen, wenn das Fehlen jeglicher Hitze am galaktischen Rand ihn längst auslöschen hätte sollen?"
„Dann ist dieser Komet eben heißer als die Kometen in dieser Galaxis und kann das überstehen", konterte Tomri.
„Oder er hat einen der Eintrittsvektoren erwischt, die es laut Berechnung von Raumzeitkrümmung im Rand unserer Galaxis geben soll", mutmaßte Danni.
„Du glaubst also auch, dass unsere Galaxis Fransen in diesem Rand hat?", fragte Tee-ubo die junge Chefin.
Danni beschloss, nicht zu antworten. Die Theorie der Einlass- und Auslasslöcher im Rand der Galaxis war nicht vollständig bewiesen oder widerlegt worden. Und angesichts ihrer Entdeckung hatte sie keine Lust, jetzt mit der Twi'lek darüber zu streiten. Stattdessen schaute sie auf den Monitor von Kapsel Sieben. „Er beschleunigt", stellte sie fest.
„Stimmt", sagte Bensin Tomri. „Wie geht das denn?"
„Wir hatten gedacht, er würde vielleicht vier Tage brauchen, um Helska IV zu erreichen", murmelte Danni. „Jetzt denke ich, es könnten nur zwei sein."
Sie blickte vom Bildschirm auf. „Hat Garth das Kommsystem schon repariert?
„Er arbeitet noch dran", erwiderte Bensin Tomri. „Etwas hat sich direkt durch die Kabel gefressen, und er muss eine Möglichkeit finden, alle wieder miteinander zu verbinden."
Yomin Carr grinste. Sollte sich Garth Breise doch draußen abrackern. Er wusste bereits, dass der „Kometenschweif" nichts anderes war als die langen Tentakel, an denen die Trauben von Korallenskippern hingen, die auf ihren Einsatz warteten. Aber niemand im Team würde das in Erfahrung bringen und er würde es ihnen ganz gewiss nicht erzählen.
Garth Breise kam herein. Er schleppte einen großen Metallkasten hinter sich her. „Zwei Tage wird es dauern", japste er.
„Lieber morgen", drängte Danni. „Die Leute sollen doch genügend Zeit haben, vor Ort zu sein, wenn die Kollision stattfindet."
Garth seufzte und schleppte den Metallkasten wieder hinaus. Yomin Carr schaute ihm hinterher und nahm einen großen Zug aus seiner Tasse. Der Stimkaf schmeckte bitter, aber mit genügend Zucker konnte man ihn hinunterbekommen. Er freute sich schon darauf, wie Breise draußen an dem Kasten herumflicken würde, nur um festzustellen, dass das System immer noch nicht funktionierte. Er fragte sich, wie lange die Noch-Kollegen wohl brauchen würden, die Ursache der Funkstille zu erkennen. Ein weiterer Schluck des warmen, braunen Getränks rann seine Kehle hinunter. Er musste für den Moment nicht viel tun, aber sich bereithalten. Der Stimkaf würde ihm dabei helfen, denn er hielt wach … verdammt wach. Und er musste wach sein!
༺═────────────═༻
Einen Tag später auf dem Planeten Ylesia – zwei Tage nach Invasionsbeginn
Nom Anor hatte sich nicht die Mühe gemacht, unauffällige Zivilkleidung anzulegen. In seinem schwarzen Harnisch, mit schwarzem Umhang, stieg er aus dem silberfarbenen Chryya-Flieger, den er Süßes Gift getauft hatte. Ein gelber Twi'lek stand unten in der Landebucht, um ihn zu empfangen.
„Ich bin Majordomus Ent'less", stellte sich der Mann vor. „Grabbus der Hutt lässt Sie grüßen."
Sie stiegen in den wartenden Gleiter und fuhren zum Palast, der früher Tolja Besadii Diori gehört hatte. Der grüne Hutt fläzte sich auf einem Podest – flankiert von drei Gamorreanern.
„Sie haben Glück, dass einer meiner Termine kurzfristig abgesagt hat, Nom Anor", tönte Grabbus zur Begrüßung.
„Das ist kein Glück, sondern effektive Planung", erwiderte der Schwarzgewandete. „Gefällt Ihnen Ihr neues Heim?"
„Kommen Sie zur Sache!", forderte Grabbus.
„Schicken Sie die Wachen raus", forderte Nom Anor.
Grabbus blinzelte, dann nahm er eine Kröte aus einem bereitstehenden Wasserbottich und schlang sie hinunter. „Sie mögen zwar auf Rhommamool Macht haben, aber hier bestimme immer noch ich."
„Und wem haben Sie das wohl zu verdanken?", fragte Nom Anor lauernd.
„Dem Termin, der kurzfristig abgesagt hat", dröhnte Grabbus. „Warum interessiert Sie das?"
Nom Anor lachte ein tiefes Lachen. „Schöne Grüße von Udelen Carr soll ich Ihnen ausrichten."
Grabbus riss die gelben Augen auf, sein Maul schnappte ein paar Mal nach Luft.
„Schicken Sie Ihre Leute jetzt endlich weg?", insistierte Nom Anor in unverhohlenem Triumph.
Grabbus machte eine scheuchende Bewegung und die Gamorreaner trollten sich nach draußen. Nom Anor nahm er seine Maske ab. Blasse Haut, umrahmt von braunen Haaren – darin zwei blaue Augen.
„Sie sind Udelen Carr?"
Nom Anor nickte kaum merklich. „Ein weiteres kleines Geheimnis, aber das ist unwichtig geworden."
„Ich schätze, ich sollte Ihnen zu Dank verpflichtet sein", sagte Grabbus vorsichtig.
„Ja, das sollten Sie. Wie hat sich Borga Besadii Diori angesichts des Todes ihres Cousins verhalten?"
Grabbus lachte tief, so dass Nom Anors Zwerchfell erbebte. „Sie gibt mir die Schuld am Tod Toljas, was sonst? Aber sie hat nicht genügend Deckung im Hutt-Rat, dass sie gegen mich vorgehen könnte."
„Sorgen Sie dafür, dass das so bleibt, aber wenn es darum geht, die Interessen des Hutt-Rats gegenüber der Außenwelt zu vertreten, dann tun Sie gut daran, Borga vorzuschicken, um die Drecksarbeit zu erledigen, während Sie weiterhin für mich arbeiten."
„Ich dachte, das sei ein Deal zum gegenseitigen Vorteil, aber ein Hutt arbeitet nicht für einen Menschen, nur umgekehrt!", begehrte der Hutt auf.
Nom Anor neigte den Kopf um eine Winzigkeit zur Seite. „Es wird zu Ihrem Vorteil sein, Großer Grabbus. Irgendwann wird Borga entbehrlich werden und dann werden Sie es sein, der Nal Hutta beherrscht."
„Große Worte, aber ich verstehe immer noch nicht, wieso ich Belkadan verlassen sollte."
Nom Anor holte ein Abspielgerät aus der Tasche seines Umhangs. Grabbus' gelbe Augen wurden größer, glotzten auf die farbig in die Luft projizierte rechteckige Fläche. Er konnte die Silhouette seines Palastes in der Hauptstadt von Belkadan sehen. Es war bereits Dämmerung, wie man an der Schwärze des Palastumrisses sehen konnte, aber der Himmel …
„Sehen Sie den Sonnenuntergang?", fragte Nom Anor beinahe heiter.
„Er ist grün!", sagte Grabbus überrascht. „Er sollte orange sein!"
Nom Anor lächelte dünn. „Schon bald werden die Sonnenuntergänge auch wieder orange werden. Aber bis dahin wird es auf dem Planeten etwas Sturm geben, dem Sie sich gerade noch rechtzeitig entzogen haben."
„Wie meinen Sie das, etwas Sturm?" Grabbus' Stimme wurde ungehalten. „Ein echter Sturm oder einer im übertragenen Sinne?"
Nom Anors Stimme wurde seidenweich. „Ein Sturm in jeder Beziehung."
Grabbus wurde nachdenklich. Er starrte auf das Bild, welches ihm Nom Anor immer noch hinhielt. Die Farben der Bäume und vorbeihuschenden Tiere waren alle genauso, wie er sie von seiner Heimat kannte. Nur der Himmel, der stimmte nicht. Aber wenn alle anderen Farben stimmten, dann war dieser grüne Himmel auch keine Farbmanipulation am Holovid. Wie machte Nom Anor das?
„Sie hatten damals etwas davon gesagt, dass ich auf Ylesia Ihre Leute kennenlernen werde", knüpfte Grabbus an einen weiteren Punkt ihrer Unterhaltung von vor neun Wochen auf Belkadan an. „Wo sind denn diese Leute?"
Nom Anor schaltete das Übertragungsgerät aus. „Sie können sich doch noch an meinen … Neffen … Yomin Carr erinnern."
Grabbus nickte.
„Dieser grüne Himmel über Belkadan ist sein Werk."
Grabbus fuchtelte mit beiden kleinen Händen in der Luft herum. „Warum tut er sowas?"
Nom Anors Stimme wurde tödlich ruhig. „Weil ich es ihm befohlen habe."
Grabbus öffnete den Mund, aber Nom Anor ließ dem Hutt keine Chance, ihn zu unterbrechen. „Und auf Ylesia wünsche ich, dass Sie mir ein großes, repräsentatives Gebäude zur Verfügung stellen, wo ich jene Leute ein Hauptquartier einrichten lassen möchte, die zukünftig als Verbindungsglied zwischen meinen Leuten und … der Neuen Republik fungieren werden."
„Was denn für Verbindungsleute? Sie betrachten sich nicht als Teil der Neuen Republik?"
Nom Anor lächelte überlegen. „Genauso wenig wie Sie. Noch weniger, um genau zu sein, aber das spielt jetzt keine Rolle. Ich hätte das Gebäude dann gerne in vier Wochen bezugsbereit."
„Nur das Gebäude oder was planen Sie sonst für Ylesia?", fragte Grabbus misstrauisch.
„Der Planet bleibt so, wie er ist", sagte Nom Anor mit einer beschwichtigenden Geste beider Hände, „auch wenn ich nicht ausschließen kann, dass meine Leute mit der Zeit neue Pläne für Ylesia entwickeln. Aber solange meine Verbindungsleute hier residieren, sind alle hier sicher."
„Sie wollen hier eine Organisation gründen? Wie soll die denn heißen?"
„Ich suche noch nach einem geeigneten Namen. Irgendetwas mit Frieden und Wohlstand und so."
„Wenn ich mir die Lage auf Rhommamool so anschaue, dann sind das nicht unbedingt Werte, für die Sie stehen, Nom Anor."
„Genauso wenig wie Sie als Hutt für Nächstenliebe oder Barmherzigkeit."
Grabbus lachte. „Sie gefallen mir, Nom Anor. Wollen wir nicht eine Partie Dejarik spielen?"
Unter anderen Umständen wäre Nom Anor jetzt unter einem Vorwand gegangen. Andererseits war es gut, dieses Spiel zu trainieren. Shok Tinoktin verlor zu häufig gegen ihn, als dass der Mensch als einziger Trainingspartner ausreichen würde, um seine Sinne in diesem Strategiespiel zu schärfen. Auch wenn er lieber Sabacc spielte, beschloss Nom Anor, diesem Ansinnen Grabbus' zu entsprechen, um den Hutt bei Laune zu halten.
Die Dejarik-Partie endete damit, dass Nom Anor knapp verlor. „Nun, wo ich gewonnen habe", wagte sich Grabbus noch etwas weiter vor, „würde ich gerne wissen, welches Gesicht denn Ihr wahres ist. Dieses hier, oder das Phantombild mit den roten Haaren, welches ein Zeichner auf Rhommamool von Ihnen erstellt hat?"
„Eine gute Frage – für ein anderes Mal", beschied er den Gastgeber und erhob sich. „Ich werde meinen Vertrauten namens Shok Tinoktin vorbeischicken, der sich das Gebäude ansehen wird. Bis dahin, leben Sie wohl."
Grabbus machte einen Wink und die Gamorreaner kamen wieder herein, den Majordomus Ent'less im Schlepptau, der den vermeintlichen Menschen wieder zurück zu seinem silberglänzenden Raumschiff bringen würde.
༺═────────────═༻
Bensin Tomris Stimme überschlug sich. „Die Schwerkraft des Planeten hat den Kometen eingefangen!"
Um Kapsel Fünf herum standen alle fünfzehn Wissenschaftler, um der antizipierten Kollision des extragalaktischen Objekts mit Helska IV beizuwohnen. Das unbekannte Objekt hatte am gestrigen Tag erheblich beschleunigt und der Aufprall würde nicht nur das Eis Helska IVs schmelzen lassen, sondern …
Das Objekt bremste ab.
„Es drosselt die Geschwindigkeit? Aber Helska IV hat überhaupt keine starke Atmosphäre!", ereiferte sich Tee'ubo.
Danni war verwirrt. Einerseits hatte sie eine Kollision befürchtet, da dann das Objekt ihres Interesses unwiederbringlich verloren wäre. Andererseits hatte sie es auch erhofft, denn dann würde das Objekt zumindest da bleiben und seine Überreste könnten untersucht werden. Möglich wäre auch, dass der Komet einfach haarscharf vorbeiflog …
Das Objekt wurde noch langsamer, änderte etwas die Richtung, um noch näher an die Planetenoberfläche heranzukommen …
… und dann verschmolz der kleine Punkt mit der Oberfläche von Helska IV.
Die Wissenschaftler hielten den Atem an und es geschah
… nichts …
Keine Explosion, kein farbenfrohes Spektakel, kein Eisdampf von Helska IVs Oberfläche.
„Was zum Bantha …?", fluchte Cho Badelek.
Danni sah die Enttäuschung in Chos blauen Augen und sie hatte keine Antwort. „Hast du den Kommunikationsturm repariert?", fragte sie Garth Breise und die Umstehenden zuckten ob der Schärfe in ihrer Stimme zusammen, so dass Danni ihren Tonfall sogleich bereute.
Garth zuckte mit den Schultern. „Das einzige, was ich noch nicht versucht habe, ist, auf das Dach hinaufzuklettern und die Verbindung an diesem Ende zu überprüfen."
„Hat irgendjemand eine Idee, was wir da gerade gesehen haben?", fragte Danni frustriert und wandte ihre Aufmerksamkeit wieder dem Sichtschirm der Kapsel Fünf zu.
Sie erhielt keine Antwort.
„Wir müssen uns mit ExGal in Verbindung setzen", meinte Bensin Tomri. „Entweder über den Turm oder vom Raum aus."
„Du willst mit der alten Spacecaster starten?", fragte Lysire fassungslos.
„Genau das werden wir tun", sagte Danni. „Wir starten und machen uns auf den Weg zu diesem Planeten, und von unterwegs setzen wir uns mit dem galaktischen Netz in Verbindung."
Niemand widersprach, aber die Begeisterung für Dannis Vorschlag hielt sich in Grenzen. Das letzte Mal, als sie das klapprige Schiff gestartet hatten, konnte es kaum Belkadans Atmosphäre verlassen. Die Vorstellung, mit der alten Kiste bis nach Helska IV zu fliegen, war für viele der Anwesenden eine recht furchterregende. Nur nicht für Yomin Carr, der diese unordentlichen, jetzt auch noch ziemlich verwirrten Wissenschaftler recht erheiternd fand.
༺═────────────═༻
Nom Anor hörte das Schmatzgeräusch. Eine prüfende Hand, dass die Tür auch wirklich zu war – und er eilte zu dem Regal, wohinter die beiden Villips standen. Es war der von Yomin Carr.
„Yomin Carr", sagte Nom Anor freundlich. „Wie läuft es?"
„Exekutor, es ist so weit. Da'Gara hat Helska IV erreicht. Es besteht immer noch keine Kommunikation von Belkadan aus. Jetzt will die Leiterin der Station mit einem Raumschiff nach Helska VI fliegen, um nachzuschauen."
„Haben die Leute die Vermutung, dass es sich um ein Schiff handeln könnte?"
„Nein, Exekutor. Sie haben keine Ahnung und sind ratlos."
„Sie sehen und sehen doch nicht – wunderbar. Und wie ich Ihren Übertragungen entnehmen konnte, sind auch die Dweebits auf einem guten Weg, den Planeten zu säubern."
„Ja, Exekutor."
„Wie viele Leute passen in das Raumschiff, welches nach Helska IV fliegen wird?"
Yomin Carr überlegte. Er hatte die Spacecaster noch nie zum Fliegen betreten, sondern wusste lediglich, wo sich die wichtigen technischen Komponenten des alten Schiffes befanden. „So vier Leute?"
„Dann werden sie sich also aufteilen – gut für Sie, Yomin Carr. Informieren Sie Da'Gara darüber, dass er bald Besuch bekommen wird. Er wird sich jener Leute annehmen und Sie werden sich um den Rest von ihnen kümmern."
„So wird es geschehen, Nom Anor."
„Agent Yomin Carr, ich bin sehr stolz auf Sie und freue mich schon, Ihnen eine neue Aufgabe übertragen zu können, sobald die Transformation des Planeten abgeschlossen ist."
„Ich fühle mich durch Ihre Worte geehrt, Exekutor."
Nom Anor fühlte, dass das nicht nur leere Worte waren. Yomin Carr war so eifrig, so intelligent und in gewisser Weise loyal ihm gegenüber, wie es nicht häufig vorkam. Sicher, sie hatten genügend Zeit miteinander verbracht, in welcher er ihm diese Galaxis gezeigt hatte. Wenn er einen Sohn hätte, dann könnte jener ruhig wie Yomin Carr sein. „Bleiben Sie wachsam, und möge Yun-Harla weiterhin mit Ihnen sein."
„Und mit Ihnen, Exekutor."
Nom Anor verstand nur die ersten beiden Worte dieses Abschiedssatzes von Yomin Carr, da er den Villip mit der Streichelbewegung bereits wieder umgestülpt hatte. Es hatte an der Tür geklopft – klopfte immer noch … und also musste er das Villip-Gespräch beenden. Er stellte den braunen Lederball zurück ins Regal und schaute durch die Holocam, die ihm die Situation vor der Tür zeigte.
Vor der Tür stand Shok Tinoktin und neben ihm eine Menschenfrau, die ziemlich ungepflegt aussah.
„Nom Anor, diese Frau behauptet, Nachricht von Ihrer Mutter zu überbringen", hörte er Shoks verwunderte Stimme.
Das wiederum verwunderte ihn überhaupt nicht, hatte er doch weder Shok Tinoktin noch irgendeinem anderen Menschen etwas von einer Familie erzählt. Niemand hier kannte seine Eltern, schon gar nicht so eine Menschenfrau, es sei denn …
„Sie wollen mir also eine Nachricht von meiner Mutter überbringen", begann Nom Anor über die Gegensprechanlage, die Frau auszufragen. „Sie erinnern mich an eine Freundin."
„Eine Freundin", wiederholte die Frau mit brüchiger Stimme.
„An eine Freundin, die in Ungnade fiel, so dass sie ihre Hand verlor."
Shok Tinoktins Miene signalisierte Bestürzung, aber natürlich mischte er sich nicht ein. Die Frau neben ihm überlegte oder tat so.
„Ich denke, ich weiß, wen Sie meinen", sagte sie schließlich. „Sie heißt Niina, nicht wahr? Ich habe Sie schon einmal nach ihr gefragt."
Er legte die Hand ans Kinn. „Allerdings. Shok, du kannst gehen."
Nom Anor wartete noch, bis sein Vertrauter sich angemessen entfernt hatte, dann öffnete er die Tür. Die Frau trat ein und Nom Anor sah ihr braunes, von vielen grauen Strähnen durchzogenes Haar, welches in unordentlichen Zotteln über ihre Schulter hing. Das Gesicht war von aufgeplatzten Adern gerötet, die auf ausgiebigen Konsum von alkoholischen Getränken schließen ließen. Bekleidet war die Frau mit einem weiten, dunkelgrauen Rock, der arg zipfelte, und einer dicken Strickjacke in einem etwas helleren Grauton, an welcher einige Knöpfe fehlten.
Nom Anor drückte den Punkt neben ihrer Hakennase und der Ooglith-Hüller schälte sich von Nagmes grauer Haut. „Sag mal, kannst du dir nicht einen ansprechenderen Ooglith-Hüller zulegen, wenn du mich besuchst?", meinte Nom Anor. „Man muss sich ja schämen, wenn man daran denkt, was die Leute jetzt über mich reden."
„Aber auf den da kannst du dich verlassen, oder?"
„Allerdings. Sollten keine Klatschgerüchte über ein Verhältnis Nom Anors mit einer Freundin seiner Mutter die Runde machen, wird er eine neue Aufgabe übertragen bekommen, die seinen Fähigkeiten entspricht."
Sie schaute zu den Fenstern, deren rosarote Färbung ihr anzeigte, dass sie von außen verspiegelt worden waren. Dann wandte sie sich wieder ihm zu und tippte ihm auf die Brust, die nur mit einem Leinenhemd bedeckt war. „Wie sieht es mit deinen Fähigkeiten aus?"
Er nahm sie bei der Hand und führte sie von der Wohnungstür fort. „Du hast vielleicht auch etwas von Redhaven gesehen, bevor man dich hierhergeschickt hat."
„Ja, es gibt überhaupt keine Droiden mehr in der Stadt. Dafür auffällig viele Last- und Reittiere. Du hast deine Leute wahrlich gut im Griff, Nommie."
„Und du, Nagme? Was hast du noch so getrieben."
Ihre gelben Maa'its leuchteten und Nom Anor entschied, dass er sich daran doch gewöhnen würde. „Ich habe endlich wieder eine neue Außenmission zugewiesen bekommen – auf Dibrook. Ich werde dort ein Forschungszentrum errichten, sobald der Planet eingenommen wurde."
„Wieder im Schlepptau der Krieger?"
„Nein, das ist wirklich meine Mission und die Krieger werden sie lediglich absichern."
Ihm kam der Gedanke, Nagme zu fragen, ob es wieder der mürrische Tsalok Shai sein würde, der die Mission absichern würde, aber einen solchen Zufall hielt er für unwahrscheinlich. Außerdem wollte er die Hochstimmung des Wiedersehens nicht trüben.
„Dann gratuliere ich dir. Möchtest du vielleicht mein Labor sehen?"
Sie legte die Hand um seine Taille. „Gerne. Ich hoffe, es ist so gut wie der Raum in der Villa von früher."
„Dies ist eine Wohnung, die vom Erdgeschoss bis in zwei Kelleretagen hinabreicht", erklärte er. „Genug Platz für ein mehrräumiges Labor, das selbst eines Gestalters würdig ist."
Sie stiegen die Treppen hinunter. Nom Anor öffnete mit einem altertümlichen Schlüssel eine schwere Holztür und sie traten ein.
Auf einer großen Tischplatte lagen einige Bälle, die verschiedene Farben aufwiesen, darunter grün und blau.
„Du experimentierst mit Ooglith-Masken?", fragte Nagme.
„Ich werde sie Gablith nennen, wenn sie fertig sind. Mir fehlt noch ein entscheidender Hinweis, aber wenn sie funktionieren, kann ich jede beliebige humanoide Spezies in dieser Galaxis imitieren."
Sie stieß einen anerkennenden Pfiff aus. „So etwas habe ich mir schon lange gewünscht, aber nie die Zeit dafür gehabt. Der Leiter meiner Domäne hatte immer andere Aufgaben für mich, aber du hast hier ja viel mehr Zeit."
„Noch", meinte Nom Anor. „Sobald die Invasion wirklich beginnt, werden sich die Ereignisse überschlagen."
Sie kamen in einen anderen Raum, wo verschiedene Gläser auf dem Tisch standen, sorgfältig mit Stopfen verschlossen.
„Meine Sporensammlung!", erklärte Nom Anor stolz. „Darf ich vorstellen – Coombe! Diese Spore verzehrt die Körperzellen von innen und bricht ihre Struktur auf, ohne, dass die hiesigen Mediziner etwas dagegen unternehmen können. Selbst die Jedi sind machtlos."
„Du hast einen Jedi infiziert?"
„Mara Jade-Skywalker."
„Wie lange ist sie schon infiziert?", fragte Nagme.
„Seit sechs Wochen. Die übrigen Opfer starben binnen Tagen. Aber Mara Jade wird immer schwächer, wie ich erst gestern beobachten durfte."
Sie nahm ein neues Glas in die graue Hand. „Was ist das?"
„Tegnest", sagte er nicht minder stolz. „Tegnest befällt menschliche Nieren, ist also für Yuuzhan Vong völlig ungefährlich. Dann ist hier …", er zeigte ein weiteres Glas, „Brollup, der vor allem die Atemwege angreift."
Er genoss ihr Interesse an seinen Schöpfungen. Dies waren alles hochgiftige Sporen, geschaffen von ihm selbst, um den Yuuzhan Vong, vor allem aber ihm, Nom Anor, den Weg zu bahnen.
„Wie verbreitest du die denn?", unterbrach Nagme sein stilles Selbstlob.
„Durch Tröpfcheninfektion, wenn die Spore direkt mit den Atemwegen der Betroffenen in Kontakt kommt."
„Es wird von Mensch zu Mensch übertragen?"
Er schaute kurz nach unten. „Bislang konnte ich das nicht feststellen. Die Coombe-Sporen habe ich auf Atemmasken aufgetragen, die später an Festgäste verteilt wurden."
Sie zog einen Schmollmund. „Also keine Epidemie oder gar Pandemie."
Er zog die Brauen zusammen. „Noch nicht."
Nagme hatte einen wunden Punkt getroffen. Ach würde er doch nur einen Weg finden, die Sporen derart zu modifizieren, dass sie sich nicht nur in einem Körper breitmachten und sich dort vermehrten. Nein, seine Schöpfungen sollten imstande sein, von Wirt zu Wirt zu hüpfen – Seuchen ungeahnten Ausmaßes hervorzurufen – und dabei möglichst viele Jedi dahinzuraffen.
Sie stellte das Glas mit dem Brollup vorsichtig wieder auf dem Tisch ab. „Was noch nicht ist, kann bald werden." Sie sah ihm bei diesen Worten tief in die blauen Augen. „Ich weiß, dass ich mich in letzter Zeit viel zu selten bei dir habe sehen lassen, Nommie."
Schuldbewusstsein? Oder wollte sie etwas von ihm – außer dem üblichen?
„Ach?" Es war mehr ein Versuch Zeit zu gewinnen – und etwas Abstand. Und doch wusste er, dass der Abstand nicht lange vorhalten würde. Das hatte er noch nie.
„Wenn du die Zeit hast, werde ich dich von jetzt ab häufiger besuchen kommen", versprach sie und ihre Hände wanderten an seinen Hüften entlang nach unten. „Bevor meine Mission auf Dibrook losgeht."
Er senkte die Stimme. „Nun, dann schätze ich, dass es jetzt an der Zeit ist, dir meine anderen Fähigkeiten zu zeigen."
Sie schloss halb die Augen und grinste. „Aber ohne den Ooglith-Hüller", gurrte sie und drückte den Punkt neben seiner falschen Nase.
Noch während sie in das sehr großzügig bemessene Schlafzimmer gingen, schälte sich der blasse Ooglith-Hüller von Nom Anors Gesicht, von seinem Körper. Er schämte sich, nicht gleich daran gedacht zu haben. Ihm kam der Gedanke, dass, wenn Nagme auch lange Jahre als Agentin im Außeneinsatz verbracht hätte, sie ebenfalls vergessen haben könnte, den Ooglith auszuziehen, selbst wenn sie unter ihresgleichen war. Andererseits hätte er eh kein Verlangen verspürt, sie in jener hässlichen Ooglith-Maske zu besteigen, in der sie gekommen war. Würde er überhaupt … Gab es denn …? Er schob diese Gedanken beiseite, hob Nagme hoch und warf sie auf das breite, grün bezogene Bett. Dieses Grün des Bettbezuges war die Farbe des Gewandes des Hochpräfekten ihres Volkes. Irgendwann würde er nicht nur in derart grünem Bettzeug schlafen, sondern auch so ein Gewand tragen …
༺═────────────═༻
Es klopfte an Yomin Carrs Tür und er öffnete. Blonde Locken wetteiferten in ihrem Glanz mit dem Sonnenlicht Belkadans und umrahmten grüne, tatendurstsprühende Augen. Danni Quee stand vor ihm, in einen Arbeitsoverall gekleidet, der nahelegte, dass sie eine derjenigen war, die mit der Spacecaster nach Helska IV fliegen würde.
„Du willst mich fragen, ob ich mich freiwillig melde?", mutmaßte der Yuuzhan Vong.
„Ich denke, du hast eine Belohnung für deinen Schweiß und deine schwere Arbeit verdient, Yomin", erwiderte Danni. „Eigentlich hättest du es sein sollen, der diesen Kometen entdeckt."
Seine Stimme wurde sehr ernst. „Also bietest du mir die wissenschaftliche Chance meines Lebens?"
Danni senkte irritiert die Augenbrauen. Yomin Carr konnte ihr ansehen, dass sie erwartet hatte, dass er sich freuen würde. Ein unsicheres Lächeln folgte.
„Ich fürchte, ich muss ablehnen." Der Tizowyrm in seinem Ohr vibrierte und Yomin Carr lauschte ihm, dann erkannte er, dass es Zeit für einen Scherz war. „Du fragst mich nur, weil sonst niemand verrückt genug ist, in diesen Müllhaufen zu steigen, den du als Shuttle bezeichnest", sagte er mit einem Lächeln.
Danni lachte, aber er wurde wieder ernst. „Nein, das wäre unangemessen", sagte er.
Unangemessen war noch untertrieben. Präfekt Da'Gara hatte ihm strengstens verboten, auch nur in die Nähe der Basis zu kommen. Ihm drohte die Todesstrafe, verbunden mit einer sehr unehrenhaften Todesart, sollte er sich dem Befehl widersetzen.
„Ich bin noch nicht lange Mitglied von ExGal", wand er sich. „Die anderen sind schon viel länger hier. Ich sollte ihnen diese Gelegenheit nicht vor der Nase wegschnappen."
„Du hast es bereits ausgesprochen", sagte Danni. „Die meisten anderen wollen nicht einmal mitfliegen."
„Oh doch, das wollen sie", versicherte ihr Yomin Carr. „Sie haben nur Angst vor dem Schiff – genau wie ich. Und auch du solltest dich fürchten. In Wahrheit jedoch wird sich jeder Wissenschaftler begeistert auf diese Gelegenheit stürzen."
Danni runzelte die Stirn angesichts der hochgestochenen Wortwahl Yomins. Andererseits fand sie das süß an ihm. Aber da war noch etwas. Irgendetwas wollte er ihr nicht sagen – das spürte sie. „Jeder Wissenschaftler außer Yomin Carr."
„Ich glaube an Angemessenheit und Bescheidenheit", sagte er wieder in dieser demütigen Emphase, der sie nichts entgegenzusetzen hatte.
Yomin Carr war immer rechtzeitig zu seiner Schicht erschienen. Yomin Carr blieb auf dem Posten, Stunde um Stunde, Tag um Tag, Woche um Woche, während alle anderen – Danni zu einem gewissen Maß eingeschlossen – nachgelassen hatten.
„Ich rieche einen baldavischen Taschenhasen", versuchte es Danni keck lächelnd mit einer Provokation unter Anspielung auf das ängstliche Tier, das der Tizowyrm in Yomin Carrs Ohr nicht kannte. Also ging er nicht darauf ein.
„Such dir eine Mannschaft unter jenen zusammen, die das verdient haben", sagte Yomin Carr stoisch.
Enttäuschung huschte über ihr Gesicht. „Dann schau dir wenigstens noch den Trägheitskompensator und andere Systeme der Spacecaster an, damit wir nicht sofort wieder auf den Boden knallen, noch bevor wir die Atmosphäre Belkadans verlassen haben."
Sein Lächeln war echt. „Sehr gern."
Yomin Carr wartete noch solange, bis Dannis Schritte vor der Tür verklungen waren, dann holte er den Villip von Präfekt Da'Gara aus dem Schrank.
Als sich der Villip umstülpte, sah Yomin, dass der Präfekt eine sternförmige Maske vor dem Mund trug – einen Gnullith, um unter Wasser oder für kurze Zeit auch im Vakuum atmen zu können. Die Basis war also bereits erreicht und eingerichtet.
„Sollen sie ruhig kommen", erwiderte Da'Gara, nachdem ihm Yomin Carr von Dannis Plänen berichtet hatte. „Und es war gut, dass Sie sie mundtot gemacht haben."
„Achten Sie auf die Frau namens Danni Quee", erklärte Yomin Carr. „Sie ist recht beeindruckend."
Ein Lächeln zeigte sich auf dem Präfekten-Villip, und es war so breit, dass die Ränder der Lippen des Präfekten über den Gnullith hinausragten. „Könnte man sie umdrehen?"
Yomin Carr dachte lange darüber nach. Er hatte getreulich Bilder ans Weltschiff gesendet – Bilder von der Basis von ExGal4 und auch Porträts der Gesichter seiner Kollegen. Konnte es sein, dass Da'Gara …? Nein, das war unmöglich! Nicht so eine Person ohne jegliche Tätowierungen, Narben oder andere Auszeichnungen. Trotzdem würde Danni Quee tatsächlich eine gute Yuuzhan-Vong-Kriegerin abgeben, aber ihr starker Wille würde vermutlich verhindern, dass man sie gegen ihr eigenes Volk einsetzen konnte. Seine Miene, die von dem Villip wiedergegeben wurde, musste seine Zweifel dem Ranghöheren deutlich anzeigen.
„Also ein würdiges Opfer", meinte Da'Gara und Yomin Carr vermeinte, Enttäuschung im vernarbten Gesicht seines Vorgesetzten zu sehen. „Sie wird ehrenhaft und zur angemessenen Zeit getötet werden."
„Sie ehren mich, indem Sie meine Worte ernst nehmen, Präfekt", erwiderte Yomin Carr, und das hatte Da'Gara tatsächlich getan, vor allem, wenn man bedachte, dass es sich dabei um ein Opfer handelte, eines der wichtigsten Rituale der Yuuzhan Vong. Keinen anderen seiner Noch-Kollegen hielt er für derart würdig und Yomin Carr hoffte inbrünstig, dass Danni Quee wenigstens zum Zeitpunkt ihres Todes begreifen würde, welche Ehre ihr gerade widerfuhr.
Note der Autorin: Viele Zitate und Passagen entstammen dem Roman „Die Abtrünnigen" von R.A. Salvatore (2000), dem ersten Band der Buchreihe „Das Erbe der Jediritter".
