Liebe Leute, bleibt mir gesund und möge euch die Decke nicht auf den Kopf fallen, falls ihr auch unter Quarantäne oder Isolation steht!

20. Sahir POV

Seit dem Ritual sind einige Wochen vergangen. Sirius habe ich schon etwa zwei Wochen nicht mehr gesehen, aber heute wollen wir uns bei ihm treffen. Mittlerweile ist er nicht mehr Lehrer. Er arbeitet jetzt im St. Mungos und Moony unterrichtet Verteidigung alleine.

Um zehn Uhr morgens klingle ich an seiner Haustür und er kommt fertig angezogen und mit einem fetten Grinsen im Gesicht raus. "Morgen Sonnenschein", grüsst er mich. "Guten Morgen, warum hast du denn so blendende Laune?", frage ich grinsend und hake mich bei ihm unter. Auch wenn ich die schmerzenden Piercings, die das Händchenhalten unmöglich gemacht hatten, schon lange nicht mehr trage, ist diese Gewohnheit nie verschwunden.

Auf meine Frage hin zuckt Sirius mit den Schultern und grinst: "Ich bin eben ein glücklicher Mensch." - "Aber es ist zehn Uhr morgens und um zehn Uhr morgens bist du nie ein glücklicher Mensch!" - "Heute schon. Wir gehen nämlich zu Moony und machen einen Rumtreibertag." - "Ein Rumtreibertag ohne James und Peter?" - "Ja, alles andere wird schwierig." - "Na gut, und was verstehst du darunter? Nach Hogsmeade gehen und Süsses fressen bis die Bäuche schmerzen?" - "Ganz genau!" - "Bin dabei." - "Wusste ich doch!"

Am Abend nimmt mich Sirius mit in seine Wohnung. "Wollen wir uns Pizza bringen lassen?", fragt er nachdenklich. "Ich kann auch für dich kochen, wenn du willst", biete ich sofort an. "Das wäre doch was. Ach ne, geht gar nicht, ich habe fast nichts hier."

Ich löse mich von ihm und durchsuche seine Küche nach Zutaten. Reis, ein Apfel, zwei Bananen, Teigwaren und eine Büchse Tomatensauce sind die einzigen Lebensmittel, die er hat. "Wir müssen einkaufen", beschliesse ich, fachkundig wie immer.

So kommt es, dass ein Grimm und ein Veela abends um neun in einem Tankstellenshop in der Muggelwelt lautstark darüber diskutieren, ob sie jetzt das Hackfleisch oder das Hühnchen kaufen sollten. Nach dem Kochen und dem Essen landen wir wie üblich im Bett. Sirius setzt sich aber hin und fragt: "Wartest du kurz? Ich muss kurz duschen, sonst erstickst du noch wegen mir." Ich nicke lächelnd, lege mich nackt auf das Bett und warte geduldig. Als ich den Kopf zur Seite drehe, sehe ich auf Sirius' Nachttisch ein Pergament. Wer mich kennt, weiss, dass ich eh nicht widerstehen kann, nachzusehen, was es ist.

Ohne auf Sirius' Privatsphäre zu achten, lese ich das Pergament. Je weiter ich komme, desto mehr zittert meine Hand.

Gefährtentest von Sirius Orion Black (Grimm)
Eltern: Walburga Dorea Black (Grimm) & Orion Arcturus Black (Grimm)
Gefährte: Tim Avery (Veela)
Eltern des Gefährten: Alene Atkinson (Veela) & David Avery (Dämon)

Wie versteinert sehe ich auf den Zettel, dann sehe ich noch einen anderen. Darauf ist eine Adresse und ein Geburtsdatum. Tim ist 10 Jahre alt!

Als das Wasser im Badezimmer ausgeht, lege ich schnell alles so zurecht, wie ich es angetroffen habe. Leicht beruhige ich mich; es kann nicht wahr sein.

Sirius ist nackt und klitschnass, als er sich zu mir legt. Als ich sein Gewicht spüre, denke ich schon gar nicht mehr richtig an diesen Tim.

Um halb zwölf gebe ich Sirius noch einen Abschiedskuss, dann stehe ich auch schon in der Bibliothek. Luzifer lächelt mich an. Ich senke schnell den Kopf und gehe auf die Knie. "Guten Abend, Master Satanus." - "Hallo Sahir. War's schön bei Sirius?" - "Ja, Master Satanus. Uhm... Ich habe eine Frage und ich bin mir nicht sicher, ob ich sie stellen darf…" - "Frag ruhig. Du weisst, dass ich nur ein Problem damit habe, wenn du die Antwort selbst kennen würdest." - "Ja Master Satanus. Ich... Also ich hätte sehr gerne noch ein zweites Kind und ich wollte fragen, ob das in Ordnung ist?", frage ich schnell. Skeptisch fragt er: "Du willst nochmals Daddy werden?" Ich beisse unsicher auf meinem Lippenpiercing rum und nicke.

Er zögert, dann fragt er: "Nun. Ich nehme an, du willst das Kind von Sirius?" - "Ja, Master Satanus." Von wem denn sonst? "Aber du siehst ihn nur einmal pro Woche." - "Ja, schon, ich würde mein Kind alleine aufziehen. Also… Ric leiht mir sicher eine helfende Hand." - "Von mir aus spricht nichts dagegen. Finite Incantatem"

Luzifer entfernt den Unfruchtbarkeitsfluch von mir. Ich spüre ein kurzes Ziehen, dann ist alles wieder normal. Lächelnd sage ich: "Danke Master Satanus." - "Keine Ursache. Gute Nacht." Ich erwidere den Gruss mit einer kurzen Verbeugung, stehe auf und verschwinde in die Quartiere. Da unten schlafen schon alle und ich beschliesse, es ihnen nachzutun.

Nur irgendwie liegt Iskandar in meinem Bett. Schulterzuckend klaue ich dafür seins. Es riecht nach Shampoo und meinem Sohn. Lächelnd kuschle ich mich in die Decke und warte, bis mich der Schlaf übermannt. Ich muss nicht lange ausharren.

Eine Woche ist seither vergangen. Es ist ein Tag vor Weihnachten und ich habe wieder mit Siri abgemacht. Wie es mein Plan war, spüre ich, dass es funktioniert hat. Ich bin zum zweiten Mal schwanger. Siri weiss weder, dass ich weiss, dass er einen Gefährten hat (das kann nicht sein; wenn ich Tim verleugne, existiert er nicht), noch, dass ich von ihm schwanger bin.

"Sahir?", fragt Sirius leise. "Mhmmm?" - "Morgen ist Montag, kommst du wieder zu mir?" - "Nein, an Weihnachten kann ich nicht frei nehmen, sorry." - "Hm. Schade", sagt mein Jetztnochfreund (Nein, Tim existiert nicht!) zögerlich.

"Ich liebe dich", sage ich. Ich will, dass er es erwidert, doch er küsst mich auf die Stirn und sagt nichts.

"Es ist viertel nach elf", sagt Sirius nach einigen Minuten leise. Ich stehe auf und ziehe mich an, sehe ihn nochmals an, wünsche ihm eine gute Nacht und gehe dann.

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Heute ist Weihnachten und wir Sklaven haben alle Hände voll zu tun, für die Gäste der Satanus' zu kochen. Mittlerweile haben wir untereinander beschlossen, Weihnachten nicht mehr zu feiern, weil es eigentlich niemandem was bedeutet.

Etwa um Mitternacht klopft es fast unhörbar. Iskandar öffnet die Tür und fragt: "Hallo Tizian, was ist denn los?" - "Hallo Iskandar, ist dein Dad hier?" - "Jup. DAD!" - "Bin gleich da, aber ich muss mich nochmal kurz umziehen!", rufe ich aus dem Schlafsaal. Ich trete aus dem Zimmer, noch während ich mir ein Shirt und ein dünnes Jäckchen über den Kopf ziehe. Meine elend langen Haare sind noch offen.

"Guten Morgen, Schönheit. Habe ich dich geweckt?", fragt Tizian grinsend. "Nein. Was ist los?" Ich mag es nicht, von Tizian so angesehen zu werden. Er könnte mein Sohn sein. "Kannst du bitte mitkommen?", fragt er. "Natürlich, aber warum habt Ihr mich nicht einfach gerufen?", frage ich irritiert.

"Einfach so. Es sind zu viele Personen da oben. Kommst du jetzt?" Er hört sich etwas ungeduldig an. Schnell nicke ich und laufe ihm hinterher in ein privates Wohnzimmer, wo ich zwei Leute sehe: Sirius und ein noch nicht 16 jähriger Veela. 10 trifft es schon eher. Ich ahne Böses.

"Hallo Siri...", murmle ich leise. Sirius lässt die Schultern hängen und der brünette Veela auch. "Hallo", antwortet mein Freund.

"Wer ist das?", frage ich direkt. "Das ist mein Gefährte." Also doch. Ich nicke und senke den Kopf. Steif sage ich: "Dann brauchst du mich wohl nicht mehr." - "Natürlich tu ich das! Ich liebe dich immer noch genau gleich, auch wenn jetzt Timmy hier ist. Ich wollte ihn dir nur vorstellen…"

"Timmy, huh? Freut mich", sage ich unterkühlt. Timmy lächelt traurig und antwortet: "Eigentlich nur Tim. Freut mich, Sahir, ich habe schon sehr viel von dir gehört." - "Hast du?", frage ich verwirrt. "Ja. Master Black redet sehr gerne von dir." - "Tut er das?", frage ich Sirius skeptisch. "Ja, tu ich", antwortet dieser. "Na dann. Auf Wiedersehen ist wohl nicht richtig", murmle ich. Ich drehe mich um und verlasse den Raum, damit Sirius wenigstens nicht sieht, dass ich weine. Ich sehe draussen Ric, der wohl gelauscht hat. Einladend öffnet er seine Arme und ich fliehe in seine Umarmung.

Ric sagt einfach nichts. Er umarmt mich, bis ich mich beruhige und das dauert eine Weile.

"Komm, wir gehen Eis essen", meint Ric nach mehreren Minuten. Er legt einen Arm um meine Taille und zerrt mich in die Küche, wo er mir eine Packung Eis und einen Löffel in die Hand drückt. "Wir waren verdammte 38 Jahre lang zusammen", murmle ich niedergeschlagen und stecke mir eine Portion Erdbeereis in den Mund.

"Meinst du, dass ich ihm die Piercings zurückgeben soll?", frage ich Ric. "Warum denn?", fragt dieser. Scheinbar ist meine Frage etwas absurd. Dennoch erkläre ich: "Na ja... Vermutlich hat er sie mir ja nur geschenkt, damit ich für ihn besser aussehe oder so... Vielleicht will er das ja auch von seinem neuen Freund…" - "Nein, das hat er dir nicht deswegen geschenkt. Du siehst nämlich auch ohne die Piercings super aus. Er hat sie dir gegeben, weil du sie magst, meinst du nicht?" Ich zucke mit den Schultern und spiele mit meinem Lippenpiercing. Dieses und den Veelaschmuck würde ich sowieso nicht mehr weggeben.

Noch lange Zeit sitze ich in der Küche. Ric lässt mich alleine, weil ich nicht mit ihm zurück zu den anderen gehen will und das ist gut so. Gegen vier Uhr morgens kommt Master Satanus rein und setzt sich zu mir.

"Wollt Ihr auch ein Eis, Master Satanus?", frage ich ihn höflich. "Wäre noch was", murmelt er, geht zur Kühltruhe und nimmt eine Box Erdbeereis.

"Habt Ihr ein Problem mit Taron, Master Satanus?", will ich von ihm wissen. "Nein. Mit Gabriel. Samael wird in diesem Monat hierher ins Schloss ziehen und das passt ihm gar nicht." - "Warum nicht?" - "Er denkt, ich würde Fronten aufbauen." - "Oh. Familienprobleme sind aber die Aufgabe von Bananen- und Schokoeis. Na ja. Schoko geht immer." - "Oh, habe ich dein System durcheinander gebracht?" - "Lässt sich beheben. Nur ein Moment." Ich stehe auf und hole etwas Himbeersauce. Damit zeichne ich ein Gesicht auf Master Satanus' Eis und erkläre: "Ihr müsst Euch jetzt vorstellen, dass das Gabriel ist, Master Satanus, und das Eis zerstören. Das hilft gegen Wut." Luzifer kichert leise und sticht seinen Löffel genau in 'Gabriels' Auge. "Du hast Recht. Es hilft tatsächlich", grinst Master Satanus und isst belustigt weiter.

Master Satanus mustert mein Eis und fragt: "Du hast also ein Problem mit Sirius? Hat das was mit deinem kürzlich erwähnten Wunsch zu tun?" - "Ihr dürftet wissen, dass Sirius seinen Gefährten gefunden hat, Master Slytherin", sage ich etwas vorwurfsvoll. Luzifer ignoriert meinen Tonfall und nickt langsam. "Als du deinen Wunsch geäussert hast, wusstest du es schon, oder?" - "Ja. Sein Gefährtentest lag auf seinem Nachtschränkchen", murmle ich leise. "Ist wenigstens dein Plan aufgegangen?", will er wissen. Ich grinse breit und antworte: "Er ist perfekt aufgegangen." - "Wünschst du dir einen Jungen oder ein Mädchen?" - "Keine Ahnung. Am liebsten beides." Ich lache leise und Master Satanus sagt schmunzelnd: "Deine Kinder werden sich mal fragen, ob du über Weihnachten/Neujahr nichts besseres zu tun hattest, als Kinder zu machen." Lächelnd lege ich meine Hand auf meinem Bauch, dem man noch nichts ansieht.

"Weiss es Iskandar schon?", will Master Satanus wissen. "Nein", murmle ich leise, "Werdet Ihr Aley und Iskandar auch ein eigenes Zimmer geben, Master Satanus?" - "Ja. Ich dachte, ich mache das am ersten Januar. Dann haben sie noch ungefähr ein Jahr Zeit." - "Danke, Master Satanus. Noch eine Frage: Werden Onyx, Ric, Iskandar, Aley, Skky, Liam und ich hier bleiben, bis wir in zehnmilliarden Jahren mal zufällig sterben oder so?" - "Falls euch hier niemand wegholen will oder ihr hier bleiben wollt... ja." - "Oh..." Master Satanus sieht mich eine Weile kontrollierend an, bevor er sagt: "Ich weiss, dass du mehr Fähigkeiten hast, als das, was ich von dir verlange. Das ist mir völlig bewusst. Zum Beispiel eignest du dich ganz gut als Daddy." Luzifer lächelt mich aufmunternd an.

Nach einer Weile kommt Iskandar in die Küche. "Betreibt ihr hier etwa eine Eis-Orgie ohne mich?!", lacht er und nimmt sich Vanilleeis. Master Satanus antwortet: "Sieht ganz so aus. Pass auf, dein Dad hat ein System." - "Ich weiss. Vanille- und Schokoladeneis darf man immer essen. Hast du ein Problem mit Taron?" Luzifer sieht Iskandar ungläubig an und fragt: "Das mit dem System stimmt also wirklich?!" - "Natürlich. Beereneis ist für Beziehungsprobleme. Das bringt mich zur Frage: Was ist mit Sirius?", fragt Iskandar.

Ich sehe zu Boden, während ich murmle: "Er hat seinen Gefährten gefunden und jetzt braucht er mich nicht mehr…" - "Was?! Wo ist dieser Idiot?!" Schon von Anfang an war Iskandar eher gegen meinen Freund.

"Lass ihn, er kann nichts dafür", sage ich schnell. "Niemand tut dir ungestraft weh! Den mach ich kalt", sagt Iskandar entschlossen, stellt sein Eis in die Truhe zurück und geht. "Mach keinen Unsinn!", rufe ich ihm hinterher, aber ich bin gerührt von seiner Fürsorge.

Luzifer sieht mich für eine Weile nachdenklich an, dann kommt auch schon der nächste rein. Diesmal ist es Tizian.

"Wen suchst du?", fragt Master Satanus überrascht. "Dich. Was tut man, wenn Ric sich weigert, etwas zu tun?" - "Es sein lassen und aufgeben? Ric ist ein legendärer Sturkopf, aber was hast du denn von ihm verlangt?" - "Nun... Dass er die Nacht mit mir verbringen soll." - "Und dagegen weigert er sich?" - "Ja." - "Ich weiss, dass du Gewalt verabscheust, aber..." Master Satanus beendet den Satz nicht und zuckt mit den Schultern. "Mhm", sagt Master Satanus Junior ohne Motivation und geht.

"Weisst du, warum Ric Tizian so hasst?", fragt mich Master Satanus ahnungslos. Ich sehe ihn ungläubig an. "Ihr wisst das nicht?! Ric hasst Tizian erstens, weil er Tom verstossen hat und zweitens, weil er ihm verboten hat, sich mit seinem Sohn zutreffen oder ihm wenigstens zu schreiben! Ric hat seit mindestens 15 Jahren nichts mehr von Tom gehört. Wir wissen nicht mal mit Sicherheit, ob Tom überhaupt noch lebt! Ric weint sich deswegen fast jede Nacht in den Schlaf!" - "Was?! Ist das wahr?" - "Natürlich ist das wahr!" - "Bei Merlins Bart…"

Mit diesen Worten verschwindet auch Master Satanus und mein Eis und ich sind allein.

Meine Dates mit dem Eis habe ich regelmässig. Seit zwei Wochen bin ich nun schon schwanger und ich habe es Iskandar noch immer nicht gesagt. Heute sind wir endlich mal allein eingeteilt zum Kochen. "Was ist los, Dad?", fragt Iskandar, als ich schweigend den Nachtisch zubereite.

"Ich... ich muss dir was sagen." - "Was denn?", hakt mein Sohn nach. Ja. Was denn? Und vor allem: Wie denn?

"Ichbinschwanger" Kurz, knapp und unverständlich, aber wenigstens ist es raus, richtig? "Was...? Ich dachte, du hättest gesagt, du seist schwanger", kichert Iskandar. Ich beisse unsicher auf meinem Piercing rum und nicke. Iskandar lässt den Löffel, den er eben noch in der Hand hatte, auf den Boden fallen. "WAS?! Doch etwa nicht von Sirius?!" - "Doch", sage ich schon fast etwas bockig.

Iskandar sieht mich unverstehend an, während er fragt: "Sirius hat dich noch kurz mal eben geschwängert, bevor er dich hat hängen lassen?!" - "Nein. Er weiss nicht, dass er Vater wird. Ich habe Master Satanus gebeten, den Unfruchtbarkeitsfluch von mir zu nehmen, als ich gesehen habe, dass Sirius seinen Gefährten gefunden hat. Ich habe den Gefährtentest gefunden."

Iskandar seufzt, während er auf meinen Bauch starrt, dann umarmt er mich. "Na dann. Was wünscht man da? Viel Glück? Oder herzlichen Glückwunsch?" Erleichtert sehe ich Iskandar an. "Vielleicht beides?" - "Okay, dann viel Glück und herzlichen Glückwunsch." - "Danke…" - "Wer weiss es schon?" - "Nur Master Satanus." Iskandar nickt beruhigt.

Während des ganzen Abends, an dem eine eigenartige Stille herrscht, guckt Iskandar immer wieder auf meinen Bauch. Sobald ich es aber merke, sieht er jeweils schnell weg. Lächelnd sage ich: "Man sieht noch nichts, Kleiner. Es sind erst sechzehn Tage." - "Ach so", meint er kurz angebunden.

In der Nacht desselben Tages kommt Iskandar plötzlich in mein Bett geschlüpft. Eigentlich schläft er seit drei Tagen immer bei Aley in ihrem gemeinsamen Zimmer. "Dad, bist du noch wach?", fragt er flüsternd. "Ja, was ist, Kleiner?"

Iskandar schliesst die Vorhänge um das Bett und krabbelt unter meine Decke. Seine eiskalten Füsse behält er zum Glück bei sich. "Hey, was ist denn?", frage ich besorgt, als er sich unter meine Flügel kuschelt.

"Du liebst doch Sirius..." - "Mhm. Und?" - "Naja... Meinen Vater hasst du..." - "Mhm. Und?" Mein Sohn windet sich unter meinem Blick, als ich ihn besorgt ansehe.

"Kann ich hier schlafen?", fragt er schliesslich. "Klar. Aber was ist mit Aley?" - "Der wird wohl eine Nacht ohne mich überleben müssen."

"Also, was hast du?", frage ich nach einer Weile. Ich liege auf dem Rücken und mein Sohn hat sich an meine Seite gekuschelt. "Wenn du seinen Vater", Iskandar tippt ganz vorsichtig auf meinen Bauch, "Liebst und meinen nicht, dann-..." - "Liebe ich dich weniger als das Baby, meinst du?" Iskandar nickt leicht und ich schliesse ihn in meine Arme. "Das wird niemals passieren. Du hast zwar dein Aussehen grösstenteils von deinem Vater, aber dein Charakter hast nur du ganz alleine und deswegen liebe ich dich. Nicht für deinen Vater." - "Aber IHN wolltest du freiwillig und mich nicht!" - "Ich wurde nicht freiwillig schwanger mit dir, das ist wahr, aber es war mein Wille, dass du auf die Welt gekommen bist. Master Satanus hat mir einige Male angeboten, dass ich die Schwangerschaft abbrechen kann, aber das wollte ich nicht. Also doch, ich habe dich freiwillig auf die Welt gebracht. Mach dir bitte keine Sorgen, ich habe dich sehr, sehr lieb." Ich lege meine ganze väterliche Liebe in einen sanften Kuss auf die Stirn.

Iskandar zögert, dann murmelt er: "Danke Dad. Darf ich mal deinen Bauch anfassen?" - "Sicher, aber du wirst nichts spüren." Vorsichtig legt Iskandar seine Hand auf meinen Bauch.

"Ich spüre aber was!" - "Das war mein Magen." - "Oh."

Als Iskandar seine Hand weg nimmt, streift er aus Versehen eine tiefere Stelle meines Bauches und ich zucke leicht zusammen. Es fühlte sich sehr druckempfindlich an. Kontrollierend drücke ich mit meinen Fingern dagegen. Es fühlt sich an, als wäre ein tennisballgrosser Knollen darunter. Es tut ziemlich weh. Schulterzuckend erinnere ich mich daran, dass ich ja morgen sowieso zu Delmore gehen muss, damit er mich untersuchen kann.

Am Morgen ist Iskandar weg, als ich aufstehe. Sobald ich mich aufgerichtet habe, krümme ich mich zusammen. Das, was sich gestern wie ein Tennisball angefühlt hat, schmerzt nun so sehr, dass ich es schon spüre, wenn sich die Haut darüber spannt.

"Sahir! Was ist los?!", fragt Onyx besorgt, "Ist dir schlecht?" - "Nein... Ich..." Ich verschränke meine Arme vor meinem Bauch und dann geben meine Knie nach. "Sahir! RIC! KOMM SOFORT HER!" Mein Bauch tut unheimlich weh. Es breitet sich aus.

"Was i-... oh Merlin! Aley, lass ihn zu Delmore schweben!" - "Was soll ich tun?", fragt Aley verwirrt, doch mein Sohn stösst ihn zur Seite und hebt mich hoch. Rennend bringt er mich zu Delmore.

"Leg ihn auf den Untersuchungstisch, Cookie." Und für einmal unterlasse ich es, jemanden böse anzustarren wegen dem Spitznamen. Als zusammengekugeltes Päckchen legt Iskandar mich auf den Tisch. Seine Hände zittern so sehr wie mein Körper.

"Oh Schätzchen, warum immer du, hm?", fragt Delmore sanft. Das ist mir egal, ich will, dass es aufhört! "Was hat er?", fragt Iskandar hektisch. Delmore antwortet ruhig: "Ich weiss es noch nicht. Versuch dich ein wenig zu strecken, Sahir. Ich nehme an, dass es der Bauch ist?" Ich nicke unter Tränen.

"Fühlt es sich an wie Wehen?" Diesmal schüttle ich den Kopf. Langsam strecke ich meine Beine. Delmore zieht mein Schlafshirt hoch und zieht scharf die Luft ein. Etwas weniger ruhig befiehlt er: "Aley, hol Master Satanus. Ric, gib ihm diese Tabletten mit Wasser. Ich rufe das St. Mungos an." - "Und ich?", fragt Iskandar hilflos. "Sag deinem Dad, dass alles gut kommt."

Ein paar Sekunden später sind nur noch Iskandar und Ric da. Hilflos legt Iskandar seine Hand auf meine Schulter und Ric flösst mir die Tabletten ein, von denen ich nicht weiss, was sie bewirken.

Eine gefühlte Ewigkeit später kommt Master Satanus. Er lädt mich auf seine Arme, dann sind wir auch schon im Mungos. Es sind viele Leute um mich herum, doch ich kann sie nicht erkennen. Sie verschwimmen alle in einen grossen Nebel. Nur einige Wortfetzen kann ich auffangen.

'Kind tot'
'Patienten nicht einschlafen lassen'

Unsanft schlägt Master Satanus mir ein paar Mal auf die Wange und ich erwache. Die Schmerzen sind erträglich geworden. Langsam öffne ich die Augen.

Sofort zucke ich zurück. Ich sehe zwei Männer vor mir: Dave Avery und Sirius Black. Die Väter meiner Kinder. "Geh... weg...", bringe ich zustande. Ich weiss nicht, wen ich genau meine; Sirius, Dave oder eher beide. "Sie sind die einzigen, die zusammen in der Lage sind, dein Kind UND dich retten können. Keine Angst, Iskandar und ich werden bei dir bleiben, wenn du das zulässt." Ich nicke leicht. Ich meine damit eigentlich, dass wenn sie mich alleine lassen, ich sie alle langsam ermorden werde.

"Legen Sie ihn bitte auf dieses Bett.", sagt Sirius. Luzifer tut das und ich kugele mich gleich wieder zusammen.

Automatisch zucke ich vor Dave zurück, denn dieser kommt mit einer riesigen Spritze auf mich zu, doch Sirius hält mich sanft fest.

Ich erwache erst in einem weissen Raum wieder, in dem mein Sohn meine Hand in seiner hält."Dad! Oh Merlin, Dad, ist alles in Ordnung?", fragt Iskandar gleich, doch ich verstehe ihn nicht. Ich höre, was er sagt, aber nicht, was das bedeuten soll.

"Lassen Sie ihm seine Zeit, er hat noch sehr viel Morphium in sich", höre ich jemanden sagen. Es ist Dave. "Geh... Dave", murmle ich. "WAS?! Das ist Dave?! Er...?!", ruft Iskandar aufgebracht. Ich bin doch viel zu müde dafür!

Dave sagt mit ruhiger Stimme: "Das können Sie mit Ihrem Vater besprechen, wenn er wieder fit ist, Iskandar. Ich gehe sofort, Mr al Mecca, ich brauche nur noch Ihre Erlaubnis, Lord Satanus über Ihren Gesundheitszustand aufzuklären zu dürfen." Ich nicke leicht.

"Also, wie Sie vielleicht mitbekommen haben, hatten Sie eine Eileiterschwangerschaft. Eine Ursache kann sein, wenn Sie einen dauerhaften Verhütungszauber aufgehoben haben und nicht lange genug gewartet haben. Bei der Eileiterschwangerschaft hatte die Eizelle nicht genügend Zeit, um bis in die Gebärmutter vorzudringen, also hat sie sich, als sie befruchtet war, in einem der Eileiter eingenistet. Da diese nicht so dehnbar sind, haben Sie nun diese Schmerzen gespürt; Der Eileiter ist gerissen und Sie hatten starke innere Blutungen. Sirius und ich haben es aber geschafft, die Zellen in die Gebärmutter umzusieden, damit sie nicht absterben. Sie können also ohne Sorgen sein, nur sollten Sie sich in den nächsten Wochen bis zur Geburt stark schonen. Strikte Bettruhe, eine gesunde Ernährung... Ich habe Ihrem Sohn die Aufgabe erteilt, Sie etwas zu verwöhnen. Bei der Geburt wenden müssen Sie sich unbedingt an Heiler Delmore wenden; Sie dürfen es auf keinen Fall selber versuchen."

"Wo ist Sirius?", frage ich, ohne auf Daves Erklärungen einzugehen. Dieser schmunzelt kurz und sagt: "Er wartet draussen. Er meinte, ich solle Ihnen die Infos geben." - "Und seit wann... Siezt du mich?" - "Das ist Arbeit, das andere ist privat. À propos privat: Wem haben Sie diesen hübschen Jungen hier zu verdanken?" - "Nicht deine Sache." - "Ich glaube schon, Dad", sagt Iskandar leise. Ich sehe ihn kurz an und zucke mit den Schultern. "Mir egal, ich will schlafen", sage ich kurz angebunden, lege mich richtig hin und schliesse meine Augen.

"Was meint er?", fragt Dave verwirrt. "Naja... ich... uhm..." - "Er ist von dir, Dave", sage ich, weil ich merke, dass Iskandar eh nichts rausbringt. Eine Weile ist es still und ich höre praktisch, wie die Rädchen in Daves Kopf drehen, als er rechnet. "Aber...", beginnt Dave, doch er beendet den Satz nicht.

"Iskandar?", frage ich leise. "Was ist?" - "Sind die Tabletten da gegen Übelkeit?" - "Weiss nicht." - "Das sind die, die die Blutung gestoppt haben. Neben dir liegt eine Brechschale. Warum hast du nie was gesagt?", fragt Dave wütend. "Vielleicht weil ich nicht wollte, dass du was davon weisst?", schlage ich vor und verdrehe die Augen, obwohl ich sie geschlossen habe.

"Wenn das dein Wunsch ist, kaufe ich dich frei, Iskandar, oder ich versuche es zumindest. Du bist ein Dämon, du gehörst nicht dahin", bietet Dave unsicher an.

Es ist lange still.

Ich will nicht, dass Iskandar geht.

Ich will aber, dass er glücklich ist.

"Ich will bei Dad bleiben. Ich meine... dich kenne ich seit 20 Stunden und ich liebe Dad und ich kann ihn nicht einfach alleine lassen." - "Okay. War nur ein Vorschlag. Nun gut, ich gehe jetzt. Wenn er aufwacht klingle bitte, okay?" Iskandar muss genickt haben. Dave ergänzt: "Gut. Wenn du müde bist, kannst du gern das andere Bett nehmen."

Als die Tür zu knallt, öffne ich meine Augen wieder. "Schläfst du bei mir?", frage ich erschöpft. Ich will zeigen, dass Iskandar zu mir und nicht zu Dave gehört. Iskandar krabbelt zu mir unter die Decke. Ein paar Sekunden später schlafe ich auch schon wieder.

Als ich aufwache, steht Luzifer bei mir und Iskandar sitzt gelangweilt am Fussende des Bettes. Der Erstgenannte streichelt sanft über meine Schulter. Leise fragt er: "Morgen Sahir. Möchtest du was essen?" - "Er darf nur Brot essen, hat Dave gesagt", interveniert Iskandar schnell. Master Satanus streckt mir eine Scheibe Brot entgegen.

"Danke, Master Satanus, aber mir ist zu schlecht, um etwas zu essen." - "Oh, immer noch?" - "Ja... Es tut mir leid, Master Satanus..." - "Was denn? Dass du nichts essen kannst? Das macht gar nichts, dann bleibt für Iskandar und mich mehr." Er schmunzelt, doch ich bleibe ernst. "Das meinte ich nicht. Ich meine... es tut mir leid, dass es solche Schwierigkeiten gibt..." - "Das ist überhaupt nicht deine Schuld", widerspricht mir Master Satanus schnell, "Mach du dir doch bitte keine Sorgen und entspanne dich ein wenig." - "Aber meine Arbeit..." - "Das kann ich gut unter den anderen aufteilen." - "Aber..." - "Du bist der genau gleiche Sturkopf wie Ric. Nun gut, ich gebe dir eine Aufgabe für die nächsten sieben Wochen: Achte darauf, dass dein Bett nicht kalt wird." - "Ja Master Satanus", gebe ich klein bei, "Wisst Ihr, wann ich hier raus kann?" - "Sobald du das Gespräch hinter dir hast. Sirius wird es führen, nur dass du das weisst." - "Okay, danke, Master Satanus. Was machst du eigentlich noch hier?", frage ich meinen Sohn. "Warten, bis du wach wirst. Luzifer hat mir frei gegeben. Hast du noch Schmerzen?" - "Die verschwinden schon wieder", murmle ich.

Sirius taucht schon nach wenigen Minuten auf. Er hat, ganz Heiler-like, ein Klemmbrett dabei. "Guten Morgen, wie fühlst du dich?", fragt er sachlich, doch ich starre ihn einfach nur an. Erstens, weil er ein leicht blaues Auge hat, zweitens: "Wir sehen uns nach zwei Wochen das erste Mal wieder und dir fällt nichts Besseres ein als 'guten Morgen'?!"

Sirius senkt sein Schreibbrett und sieht mich eine Weile schweigend an. Dann brummt er: "Sieht ganz so aus. Also?" - "Wie ich mich fühle?! Lass mich überlegen... Einsam, allein, verraten, traurig, eiskalt, schwindelig, als könnte ich nicht atmen..." Sirius seufzt leise und sagt: "Sahir, ich weiss, dass ich dir weh getan habe und es tut mir unendlich leid, aber ich kann Tim doch auch nicht einfach sterben lassen..."

Zögerlich setzt sich Siri auf die Bettkante und steckt seine Hand nach meiner aus. "Berühre ihn einmal ohne seine Einwilligung und ich breche dir das Genick", droht Iskandar knurrend und Siri lässt seine Hand sinken. "Lass gut sein, Kleiner", sage ich schon wieder völlig erschöpft.

Sirius sagt ungeduldig: "Komm schon, Cookie, du weisst, dass ich ihn niemals verletzen würde..." - "ACH JA?! DAD IST, SEIT DU IHN VERLASSEN HAST, FAST STÄNDIG AM WEINEN, DU UNSENSIBLER, HERZLOSER BASTARD!", brüllt mein Sohn Sirius an. Alles, was ich zustande bringe, ist ein Lächeln. "DU WIRST SCHON NOCH SEHEN, WAS DU AN IHM VERLOREN HAST! UND WAGE ES JA NIE WIEDER, MICH COOKIE ZU NENNEN, DAS DÜRFEN NÄMLICH NUR MEINE FREUNDE UND FAMILIE!" - "Aber ich bin dein Pate...", murmelt Sirius leise. "Na und? Das heisst nicht, dass du zur Familie gehörst! Jetzt sag, was du zu sagen hast, und dann geh!"

Sirius sieht mich bettelnd an, doch ich bin zu müde, um etwas zu erwidern. "Nun gut... Die Operation ist zu 100 % gelungen. Die Eizellen sind intakt und der Eileiter wiederhergestellt. Es wird eine Narbe zurückbleiben. Geschlechtsverkehr empfehle ich mindestens bis zur Geburt zu unterlassen genauso wie das Bett zu verlassen. Bei der Geburt sollte es zu keinen Komplikationen kommen. Danach können Sie ihn langsam wieder anfangen lassen, Lord Satanus. Gibt es noch Fragen?" - "Ja. Warum hast du ein blaues Auge?" - "Cookie hat einen ziemlich festen Schlag, wenn es darum geht, dich zu beschützen. Sonst noch was?" Ich schüttle den Kopf obwohl ich sauer bin, sage ich leise: "Danke, dass du meinem Kind und mir das Leben gerettet hast." Sirius lächelt schmal und erwidert: "Man tut, was man kann. Dave wird dir am Empfang noch einen Rollstuhl mitgeben, weil du eh nicht liegen bleibst." - "Das ist nicht nöt-..."

In dem Moment kommt Dave rein. Mit einer Hand lenkt er den Rollstuhl, die andere liegt auf TIMMYS Schulter. "Hier bringe ich euch noch den Rollstuhl. Viel Spass mit Sahir, sobald er die Stimmungsschwankungen hat, Iskandar, und lasst ihn doch ein wenig schlafen, er bekam eine riesige Dosis Betäubungsmittel." Für einmal muss ich Dave Recht geben.

"Warum ist Timmy hier?", frage ich müde. Dave erklärt sofort: "Ich dachte, ich stelle ihn mal Iskandar vor." Doch Timmy murmelt: "Ich kenne ihn schon. Er hat Master Black geschlagen. Aber ich gehe sofort wieder, wenn Sie das wollen, Mr al Mecca…" Iskandar grinst stolz, Master Satanus schmunzelt überraschenderweise und Sirius steht hastig von meinem Bett auf.

"Man, bist du sozial", stöhne ich missmutig zu Timmys Freundlichkeit. Timmy zuckt mit den Schultern und meint: "Wenn es umgekehrt wäre, wollte ich auch nicht, dass du hier wärest." - "Du kannst schon bleiben. Ich bin auf Sirius sauer, nicht auf dich", erwidere ich wahrheitsgemäss. Timmy lächelt schüchtern.

Schliesslich sagt Sirius: "Nun gut, du kannst die Klinik verlassen. Darf ich noch wissen, von wem dein Kind ist?" - "Geht dich nichts an", sage ich leise. Ich fahre meine Flügel aus und lege sie um meinen Unterleib. "Natürlich nicht", brummt Sirius sarkastisch.

Anklagend frage ich meinen Exfreund: "Warum hast du mir nicht gesagt, dass du mit Dave zusammenarbeitest?" - "Wir arbeiten nur bei so komplizierten Sachen zusammen", sagt Sirius ausweichend.

Plötzlich fragt Iskandar naserümpfend: "Moment, habe ich das richtig verstanden? Mein Halbbruder hat meinem Dad den Freund ausgespannt?" - "Es klingt eklig, wenn du es so sagst", sage ich leise, "Aber ja. Können wir bitte nach Hause? Ich schlafe jetzt dann bald wieder ein."

Luzifer lächelt mich an und fragt: "Erlaubst du, dass ich dich trage?" Überrascht sehe ich ihm in die Augen. "Uhm... Gerne…" Ich werde knallrot, als Luzifer mich auf seinen Arme lädt.

Master Satanus bedeutet Iskandar, dass er seinen Arm nehmen soll, dann appariert er mit uns nach Charon. Iskandar wird von Master Satanus weggeschickt. Etwas unsicher frage ich diesen: "Master Satanus, warum kümmert Ihr euch so sehr um uns Sklaven? Das habt Ihr in der Vergangenheit doch auch nicht getan?" - "Ich werde in den nächsten paar Jahren Tizian den Thron überlassen und dann brauche ich eh nicht mehr so streng mit euch zu sein." - "Warum überlasst Ihr den Thron Eurem Sohn?" - "Ich mache das jetzt schon seit mehr als 3000 Jahren und ich möchte gerne einmal ein normales Leben führen. Ich werde mich in ein elfjähriges Kind verwandeln, Hogwarts absolvieren, einem richtigen Beruf nachgehen..." - "Und was ist mit Taron? Ich will nicht Eure Entscheidung in Frage stellen, aber..." - "Ich werde mich für eine Weile von ihm trennen müssen..." - "Das wird ihm das Herz brechen!" - "Ich weiss…" - "Er ist seit Jahren nicht mehr in den Sklavenquartieren unten gewesen, was tut er nur den ganzen Tag lang?" - "Er liest sehr viel." - "Und damit ist er zufrieden?" - "Ich weiss es nicht... Er sagt immer, dass es ihm wohl ist, und dass er nichts anderes will, aber es gibt ohnehin nicht viele Veelas, die sich beschweren würden. Du bist vermutlich eine rühmliche Ausnahme." - "Soll ich ihn mal ein wenig aushorchen?" Master Satanus grinst mich breit an. Mittlerweile befinden wir uns in den Sklavenquartieren. Es sind alle ausgeflogen. Der Höllenfürst sagt lächelnd: "Sehr gerne. Möchtest du dich auf dem Sofa ein wenig hinlegen? Ich kann dir gerne noch deine Decke bringen." - "Ihr macht mir Angst, Master Satanus." Irritiert hebt er eine Augenbraue und will wissen: "Inwiefern?" - "Weil Ihr so bemutternd seid."

Master Satanus lächelt nur und verschwindet im Schlafsaal. Er trägt meine Decke bei sich. Fürsorglich fragt er: "Willst du lesen?" - "Ich gehe es schon selber holen…" - "Vergiss es. Du bewegst dich nicht von der Stelle. Was willst du lesen?" - "Keine Ahnung, ich lese gerne Sachen über magische Wesen oder so..." Master Satanus grinst triumphierend und zaubert ein paar Bücher aus seinem Arbeitszimmer zu uns.

"Bei Merlin, das sind ja die Originalen!", rufe ich aus und setze mich ruckartig auf. Das hätte ich aber nicht tun sollen, denn nun peitscht ein stechender Schmerz von meinem Bauch durch den ganzen Körper. Vor Schmerzen stöhnend lasse ich mich auf das Kissen fallen, das Master Satanus mit der Decke noch mitgenommen hat.

"Geht es?", fragt Master Satanus besorgt. Ich nicke leicht, obwohl es eigentlich nicht so ist, also antwortet er: "Ja, das sind die Originalen, die ich geschrieben habe. Wenn du willst, kannst du sie lesen." Dankbar sehe ich Master Satanus an. "Ich danke Euch von Herzen, aber ist es jetzt sehr undankbar, wenn ich sie erstmal zur Seite lege und eine Runde schlafe?" Master Satanus lacht leise: "Nein, natürlich nicht. Schlaf gut, Schönheit." Ich sehe ihm irritiert hinterher, doch gleichzeitig wie die Tür fallen meine Augen zu.

Ich wache davon auf, dass mein Oberkörper umher geschoben wird. Langsam öffne ich ein Auge und sehe zu Ric, auf dessen Schoss mein Kopf nun liegt. Alle anderen Plätze sind besetzt. Sie diskutieren leise darüber, was ich nun genau hatte. Mir ist sehr wohl, als Ric abwesend seine eine Hand auf meinen Kopf legt und mit dem Daumen kleine Kreise auf meine Schläfe zeichnet.

"Ric, du solltest vielleicht ein wenig aufpassen, wen du verhätschelst", sagt Skkylar leise, "Vielleicht mag Sahir das nicht." - "Doch", brummle ich undeutlich. Ric grinst triumphierend, fragt dann aber besorgt: "Ist alles wieder okay?" - "Hm. Ich habe sieben Wochen Zwangsferien bekommen." - "Wie hast du denn das geschafft?", fragt Belle belustigt. "Eileiterschwangerschaft", brumme ich leise. Währenddem Ric Belle aufklärt, schlafe ich wieder ein.

Immer wieder wache ich kurz auf. Manchmal ist jemand da, manchmal nicht.

Erst nach vier Tagen bringe ich es fertig, einen ganzen Tag lang wach zu bleiben. Ich beginne mit Master Satanus' Bücher. Sie sind weder grammatikalisch noch orthographisch eine Meisterleistung, aber die Liste von Eigenschaften der Wesen ist sehr interessant.

Bei einem mir unbekannten Thema halte ich inne.

Unterteilung der Veelas in verschiedene Rassen, steht da gross geschrieben. Ich wusste nicht, dass es das gibt.

Amare: Unglaubliches Aussehen, macht alles mit im Bett, braucht immer einen Partner, sehr devot aber anhänglich, Schmuseeinheiten sind wichtig, gut als Lustsklave.
Erogene Zone: Schambereich, Schlüsselbein, Nacken, Brust, Ohren, Handgelenke
Gefährten: Dämonen, geborene Vampire, Werwölfe, Zentauren

Servus: Sehr devot zu strengen Master, suchen viel Nähe zu ihren Master, Schmuseeinheiten und Veelaschmuck sind wichtig, leichtgläubig, eifersüchtig
Erogene Zone: Hals, Schlüsselbein
Gefährten: geborene Vampire, Zentauren, Grimme

Ingenium: gutes Gedächtnis, Neugierde, kühler Umhang mit anderen, devot bei strengen Master, anhänglich, Schmuseeinheiten und Veelaschmuck sind wichtig, Romantiker, sterben meist mit Master.
Erogene Zone: Nacken/Rücken
Gefährten: Dämonen, Grimme, Menschen, Zentauren

Familia: Gute(r) Mutter/Vater, bevormundendes Verhalten, schlechte Sklaven, einfühlsam.
Erogene Zone: Brust
Gefährten: Dämonen, Grimme, Werwölfe

Amicita: Ausgeglichen, viele andere Freunde sind wichtig, weltoffen, schlechte Sklaven.
Erogene Zone: Ohren
Gefährten: Grimme, Menschen

Officium: Gute Haushälter, kein Interesse am Sex, zurückhaltend, kniet nicht gern, schlechte Sklaven.
Erogene Zone: -
Gefährten: Grimme, Menschen

Veelas einer bestimmten Rasse können aber auch andere Eigenschaften haben, so ist es keineswegs der Fall, dass nur Familiaveelas gute Eltern sein können.

Das muss ich den anderen erzählen. Vielleicht finden wir ja raus, wer zu welcher Rasse gehört. Suchend blicke ich mich um und entdecke dann einen Zettel, den ich ins Buch lege, um die Stelle zu markieren.

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"Ric, wusstest du, dass es verschiedene Rassen von Veelas gibt?", frage ich ihn, als er als letzter in die Quartiere zurückkehrt. "Verschiedene Rassen? Woher hast du das denn?", will er überrascht wissen. "Aus diesem Buch hier. Sieh mal!" Ich strecke Ric das Buch hin und er entziffert die Schrift mit grosser Mühe. Aley sieht mir über die Schulter und projiziert den Ausschnitt an die Wand.

"Hey, du hast die erogenen Zonen vergessen", sage ich nach einem Blick ins Buch zu Aley. "Ja, ich weiss, ich könnte auch einfach eure Informationen dahin projizieren, aber das ist ja nicht mehr lustig zum herausfinden."

"Ist es also ein Rätsel, wer wohin gehört?", fragt Skkylar, an den Liam angelehnt sitzt, "Liam ist vermutlich... hm... sehr devot bist du nicht, was die ersten beiden Punkte ausschliesst, von uns beiden bin ich der Romantiker, bevormundend bist du auch nicht, und dass du desinteressiert an... körperlichen Aktivitäten bist, kann ich auch nicht behaupten..." - "Vermutlich gehöre ich der Rasse 'Servus' an. Du hast vergessen weiterzulesen. Sie sind nur bei strengen Mastern devot und du bist nicht streng. Deine Nähe brauche ich immer und Veelaschmuck ist mir auch sehr wichtig. Ob ich leichtgläubig bin, weiss ich nicht, aber ich weiss, dass ich verdammt eifersüchtig bin." Skkylar lächelt und nickt. Dann küsst er Liam in den Nacken.

"Darf ich fragen, wo dein erogener Punkt ist?", frage ich interessiert nach. "Hier", meint Skkylar. Mit seinen Zeigefingern streift er dem Schlüsselbein entlang und Liam zuckt zusammen. "DOCH NICHT HIER!", ruft der junge Veela empört und reisst sich von Skkylar los. Wir anderen lachen ihn aus. "Vielleicht sollte man der Liste noch 'prüde' hinzufügen", kichert Ric.

"Kommst du wieder hierher?", fragt Skkylar bettelnd. Liam sieht ihn misstrauisch an, setzt sich dann aber wieder auf Skkylars Schoss. Hinterlistig grinsend legt Skkylar seinen Arm um Liams Bauch und senkt seine Lippen auf Liams Schlüsselbein. "NEIN! Hinterhältige Schlange!", ruft Liam und reisst sich erneut los. Dann quetscht er sich zwischen Onyx und die Armlehne.

"Warum setzt du dich nicht zu Ric? Da ist noch Platz", fragt Onyx, der nun ziemlich verdrückt wird. "Weil du der Einzige bist, der es nicht wagt, meinem Master zu helfen", sagt Liam, als ob Onyx selbst darauf hätte kommen können. Onyx sieht ihn zweifelnd an, doch dann stimmt er zu.

"Also finden wir raus, was du bist, Aley. Den ersten Punkt kann ich nicht gerade ausschliessen, obwohl du nicht sonderlich hübsch bist. Den zweiten schliesse ich aus, weil du überhaupt nicht leichtgläubig bist, sondern immer alles besser weisst. Den dritten Punkt würde ich auch ausschliessen, weil du weder anhänglich noch romantisch noch devot bist..." Aley sieht Iskandar mit gehobener Augenbraue an, doch das bemerkt mein Sohn nicht, weil er auf die Projektion schaut.

"Familia schliesse ich auch aus, weil du ja keine Kinder willst und du kein Gramm einfühlsam bist, Amicita auch, weil du keine Freunde hast und den fünften Punkt schliesse ich nicht aus. Ich weiss zwar nicht, wie gerne du kniest, aber... Verrate mir die Lösung." Warum zum Teufel muss Iskandar Aley praktisch bei jedem Punkt niedermachen?! "Ingenium", sagt Aley leise und gekränkt. Das erste Mal seit ich ihn kenne, habe ich Mitleid mit Aley.

"War das nötig, Iskandar?", frage ich mit aller elterlicher Autorität, die ich aufbringen kann. Iskandar sieht mich verwirrt an und fragt: "Was denn?" - "Du hast Aley gerade ziemlich gekränkt, hast du das nicht gemerkt?" - "Warum, ich habe ja nur die Wahrheit gesagt!"

"Es ist schon gut", sagt Aley leise zu mir, "Macht lieber weiter…"

"Nein, ich will noch wissen, wo dein magischer Punkt ist", interveniert Ric. Iskandar dreht sich auf dem Sofa um und greift Aley, der mir noch immer über die Schulter blickt, ziemlich hart in den Nacken. Aleys Blick ist alles andere als begeistert, aber ungleich wie Liam hält er demütig hin, indem er auch noch den Kopf senkt. Das Bild, das er an die Wand kopiert, flimmert ein wenig

"Riccilein, du bist dran", sagt Skkylar, um uns von Aley abzulenken. "Warum machst das nicht du, Al, du kennst mich hier am längsten", grinst Ric. "Okay... Dass hier alle unglaublich aussehen, brauche ich ja nicht zu sagen. Was du im Bett machst, weiss ich natürlich nicht, aber so wie ich dich kenne, hast du alles für Salazar gemacht. Oder für Luzifer, weil er dich sogar Taron vorgezogen und ihm damit das Herz gebrochen hat. Du brauchst aber nicht immer einen Partner, sondern nur jemanden, der mit dir und deiner labilen Seele kuschelt, also schliessen wir das aus. Devot bist du und du suchst auch Nähe zu allen. Findest du Veelaschmuck wichtig?" - "Keine Ahnung; hab keinen." - "Also wäre das eine Möglichkeit. Dann weiter. Ein gutes Gedächtnis hast du nicht, das wissen wir alle. Ein guter Vater bist du ganz sicher, aber du bist nicht bevormundend. Ein schlechter Sklave bist du auch nicht. Vermutlich gehörst du zu Liam. Ist das richtig, Aley?" Mein Schwiegersohn in spe. nickt ein wenig, er wird immer noch von Iskandar berührt.

Motiviert sagt Ric: "Onyx, jetzt du. Einen Partner brauchst du nicht, eifersüchtig bist du auch nicht. Einen kühlen Umgang hast du eindeutig nicht, bevormundend bist du auch nicht. Weltoffen aber auch eher nicht, eher introvertiert. Hast du dich gefreut, wenn du mit Ysante geschlafen hast?" Onyx wird knallrot und murmelt: "Ich weiss nicht…" - "Okay, kniest du gern?" - "Ich habe es einfach getan. Ich habe mir nie überlegt, ob ich es mag oder nicht." - "Du bist voll der Verantwortungstyp, also Officita. Stimmts, Aley?", fragt Ric. Iskandar lässt Aley los, damit der sich wieder besser konzentrieren kann.

Aley atmet kurz durch, dann sagt er: "Nein. Onyx gehört der ersten Rasse an." - "Bist du dir sicher?", fragt Ric zweifelnd. "Ja, ganz sicher."

"Aber ich habe ja gar keinen Partner und es geht mir gut", sagt Onyx zögerlich. "Offensichtlich haben die 3000 Jahre Gefangenschaft deine Persönlichkeit verändert. Du hattest nie einen Partner, den du lieben konntest, also weisst du auch nicht, was du vermisst", sagt Skkylar. Onyx sieht traurig aus. Warum tut er mir nur ständig leid?

"Ich hätte aber gern einen...", murmelt Onyx. Mitleidig legt Liam einen Arm um seine Schultern und verspricht: "Wenn du willst, können wir morgen zusammen in eine Bar oder so gehen, am besten noch mit den Weasleyzwillingen, dann können wir dich verkuppeln." - "Ich war noch nie draussen und ich trau mich auch nicht…" Liam seufzt leise: "Na gut, aber hier im Schloss wirst du keinen Partner finden." - "Ich weiss. Warum machen wir nicht einfach weiter?" - "Klar. Zum Beispiel Sahir", grinst Ric. Vermutlich ist schon allen klar, zu welcher Rasse ich gehöre.

"Das übernehme ich", meldet sich Alaric gleich. "Dacht ich mir", brumme ich. Alaric stellt gleich fest: "Du gehörst zu Onyx, weil es dich fast umbringt, dass du niemanden mehr hast."

"Das stimmt", meldet Aley. Ich beisse mal wieder mein Piercing zu Tode und nicke. "Dad braucht einen Neuen. Wie wär's mit Tizian? Das würde Ric entlasten", grinst Iskandar. "So funktioniert das nicht", sage ich augenverdrehend. Mittlerweile hat Iskandar Aley befohlen, sich neben ihm zu setzen, weshalb Aley halb auf meinen Füssen, die auf dem Sitzpolster sind, Platz nimmt. Wieder krault Iskandar Aley im Nacken. Dieser hat die Augen geschlossen und er versucht offensichtlich gegen seine Erregung zu atmen.

"Hör auf, Iskandar, du demütigst ihn", sage ich so leise, dass es die anderen wenigstens nicht mitbekommen. Iskandar sieht zu mir und grinst: "Er steht drauf, nicht wahr, Aley?" - "Ja, Master al Mecca", sagt der kleine Russe leise und angespannt wie eine Sprungfeder. "Ich weiss selbst gut genug, wann ein Veela was sagen muss, um den Master nicht zu verärgern, glaub mir, ich weiss, dass du nicht die Wahrheit sprichst und jetzt lass ihn in Ruhe, Iskandar!" Iskandar grinst hinterlistig und kneift Aley noch einmal in den Hals, dann nimmt er die Finger von ihm.

Aley zittert vor Anspannung und presst seine Beine und Lippen zusammen, um zu verhindern, dass jemand merkt, was in ihm vorgeht. Sobald es vorbei ist, verschwindet Aley und macht die Tür hinter sich zu. "Was hat er?", fragt Ric besorgt. "Iskandar hat etwas sehr Schlechtes getan. Darüber reden wir noch, junger Mann."

Ich stehe langsam auf und gehe zur Tür. Vorsichtig klopfe ich an. Aley tut mir nicht auf, also drücke ich langsam die Klinke runter. Es ist abgeschlossen. Schulterzuckend setze ich mich wieder aufs Sofa. Mein Bauch tut sowieso weh, wenn ich stehe.

"Ist die Tür abgeschlossen?", fragt Iskandar irritiert. "Ja, er will wohl seine Ruhe haben", antworte ich.

"Wir haben Al noch nicht bestimmt", bemerkt Ric, "Ich mache das gleich. Also als Lustsklave bist du denkbar ungeeignet, das weiss ich aus Erfahrung." Ausnahmslos alle starren Ric ungläubig an. "Also... nicht so... ich meine... Er hatte immer Angst, wenn Master Satanus ihn zu sich rief und wenn er dann wieder zurückkam, musste ich ihn trösten." Al nickt leicht, also macht Ric weiter: "Da dein Master gestorben ist, und du hier fit und munter rumsitzt, kannst du auch kein Servusveela sein. Einen kühlen Umgang hast du auch nicht. Bevormundend bist du auch nicht. Von uns allen hast du immer am längsten, um mit jemandem warm zu werden, also musst du wohl ein Officitaveela sein. Jetzt, wo man Aley mal braucht, ist er weg!" - "Nein, du hast schon Recht. Ich kenne meine Rasse", meint Al.

Ich frage neugierig: "In diesem Buch steht, dass du keinen magischen Punkt hast, stimmt das?" - "Ja, das stimmt, aber es ist ein wenig eigenartig, mit dir darüber zu sprechen", antwortet Al. Ich zucke mit den Schultern und klappe das Buch zu.

"Ich gehe schlafen", teile ich mit, dann verschwinde ich im Schlafsaal. Kaum berühre ich die Laken, bin ich auch schon eingeschlafen.

Ich erwache in der Nacht, als ich ein leises Schluchzen vernehme. Verwirrt lausche ich. "Halt's Maul oder heul woanders, Aley, wir wollen schlafen", fährt Al den Weinenden an. Aley (dessen Bett übrigens zwischen der Wand und meinem steht) unterdrückt sein Schluchzen mit Mühe.

"Was ist los, Aley?", frage ich leise. "Nichts!", sagt er schnell. Er springt auf und eilt aus dem Raum. Ich folge ihm. Er hat sich im Wohnzimmer auf das Sofa gekauert. "Aley? Bitte rede mit mir. Ist es, weil Iskandar so gemein ist?"

Mir fällt auf, dass Aley seine Flügel immer nach hinten hält. Das ist sehr anstrengend, das weiss ich.

Aley schüttelt leicht den Kopf zu meiner Frage und murmelt: "Lass mich bitte in Ruhe" Also ob ich das könnte. "Du kennst mich verdammt schlecht, wenn du denkst, dass das funktioniert", erwidere ich bestimmt. "Aber mein Master hat gesagt, dass ich niemandem sagen darf, was in seinem Zimmer geschieht..." - "Ich bin sein Dad, ich darf das wissen", behaupte ich und hoffe, dass mir Aley glaubt.

Der Blonde streckt seine Arme zu mir aus. Um seine Handgelenke ist je ein silberner, hübscher Reif. "Ist doch schön?", frage ich verwirrt. Was ist das Problem an diesem Veelaschmuck? "Ich kann deswegen meine Magie nicht mehr benutzen!", schluchzt Aley, "Und um meine Flügel habe ich auch so ein Ding..." - "Um die Flügel...? Darf ich das sehen?" Aley nickt unsicher und dreht sich um, um sein Shirt etwas hochzuziehen.

Um den Ansatz seiner Flügel führt ein enges, silbernes Band. Mit einem Finger gehe ich darunter. Entsetzt ziehe ich ihn zurück. Er ist voller Blut. Es ist mein eigenes. Entsetzt rufe ich: "Nadeln?!" Aley nickt und senkt den Kopf. Niedergeschlagen fragt er: "Meinst du, dass er sie je wieder abnimmt? Es geht nur mit Blut aus seiner Familie. Er will, dass ich meine Flügel präsentiere und dass ich mich umentscheide und trotzdem Kinder mit ihm habe, damit sie es lösen können." - "Ich nehme es dir ab. Ich bin auch seine Familie", beschliesse ich.

Als ich die Schnalle mit einem Tropfen Blut öffne, lässt Aley sofort seine Flügel sinken. "Danke...", sagt er erleichtert, "Ich hatte schon beinah einen Krampf." - "Kein Problem, aber warum hat Iskandar das überhaupt gemacht?" - "Naja... Er sagt mir viel, dass ich meine Flügel etwas mehr ausbreiten sollte, weil sie das einzige sind, das er an mir nicht hässlich findet und meistens vergesse ich es. Eigentlich wollte er mir erst ein breites, bequemes Band darum binden, aber weil ich gestern die Tür magisch verschlossen habe, war er sehr wütend und... naja... das erklärt schon mal die Manschetten und ich wollte mich mit meinen Flügeln schützen... Eigentlich will ich ja, dass er zufrieden ist mit mir und dass er mich mag, aber ich kann es einfach nicht. Ich entschuldige mich jeden Abend dafür, dass ich so reagiert habe, als er mir vor zehn Jahren gesagt hatte, dass ich ihm gehöre, aber er nimmt es einfach nicht an. Ich hätte so gerne eine Beziehung mit ihm wie Liam mit Skkylar. Mir würde es nicht mal was ausmachen, wenn er mich weniger gleichberechtigt behandeln würde und ich neben ihm knien sollte oder so..."

"Was habe ich bei seiner Erziehung nur falsch gemacht? Ich meine... Er ist ja mit uns allen aufgewachsen und eigentlich hat er nie etwas davon gelernt, dass man Veelas so behandeln sollte...", murmle ich leise.

"Du hast nichts falsch gemacht, Dad", sagt plötzlich Iskandar. Seine riesige, breitschultrige Gestalt verdeckt beinah die Tür. "Du hingegen schon, Aley!" Aley zuckt aufgrund des scharfen Tones zusammen und senkt den Kopf. Kleinlaut bettelt er: "Bitte nicht meine Flügel, Master al Mecca, bitte verzeiht mir und verletzt meine Flügel nicht…" Mir wird schlecht.

"Geh ins Bett, Aley, ich komme nachher zu dir", sagt Iskandar so kalt, wie Master Avery sonst zu mir war.

Mit hängenden Flügeln, Kopf und Schultern geht Aley davon. Bevor er aber ganz hinter Iskandar verschwindet, wendet er sich nochmals um. "Meintet Ihr, dass ich ins Bett gehen darf?", fragt er leise. "Ja." - "Danke, Master al Mecca und danke, Sahir." Dann ist er weg.

"Offensichtlich hast du doch mehr als dein Aussehen von deinem Vater", sage ich wütend, "Verdammt nochmal, Iskandar! Du kannst nicht so mit ihm umspringen, das zerstört ihn, siehst du das denn nicht?!", rufe ich aus, "Aley hat richtig Angst vor dir, weil du die Macht, die du als Dämon nunmal hast, dazu verwendest, ihm weh zu tun, anstatt ihn zu schützen. Ich habe von ihm gehört, dass er keine Kinder will und du schon. Hast du ihn schonmal gefragt, warum er das nicht will? Vielleicht hat er in seiner Kindheit schlechte Erfahrungen gemacht. Oder vielleicht hast du einfach falsch danach gefragt. Oder er hat Angst, dass du mit seinen Kindern so umgehst wie mit ihm. Genau deswegen habe ich mich nämlich auch geweigert, von meinem Master schwanger zu werden. Wenn du willst, dass Aley sich dir unterwirft, dann ist das okay, aber das kannst du genauso gut auch schmerzlos erreichen. Wenn du ihm - ich gehe von deinem Verhalten davon aus, dass du ihn schlägst - mal einen Klaps auf die Finger oder auf den Hintern gibst, anstatt ihn zu peinigen, wird er es genauso gut verstehen. Wahrscheinlich sogar noch besser, weil er dann weiss, dass du ihn trotz seines offensichtlichen Fehlers nicht hasst. Wir Veelas unterwerfen uns unseren Master gern freiwillig. Auch wenn ich Master Avery gehasst habe: Ich habe mich ihm gerne unterworfen und das täte auch Aley gerne. Ich weiss nicht, wie lange du schon da in der Tür gestanden hast, aber Aley hat mir gesagt, dass er sich eine Beziehung wie Liams und Skkylars wünschen würde. Ihm wäre es sogar egal, wenn er knien müsste. Er wünscht sich doch nur deine Zuneigung!" - "Wirklich? Ich dachte... man müsse Veelas irgendwie trainieren…" - "Das tust du doch automatisch, Iskandar!"

Mein Sohn schweigt für eine Weile, dann murmelt er: "Es ist komisch, mit dir darüber zu reden, Dad…" Ich lächle verständnisvoll und sage: "Natürlich ist es das. Aber andere müssen mit ihren Eltern sogar über Aufklärung reden und das könntest du ja mit Skky." - "Was auch nicht besser war. Jetzt eine ganz dumme Frage: Wenn Skkylar von dir verlangen würde, vor ihm zu knien, würdest du es tun?" - "Vor Skky?!", lache ich heiter, "Nein. Ich meine... das ist Skky!" - "Also kommt es schon auf den Charakter drauf an?" - "Ja, aber wenn Skky mein Master wäre, würde ich es wiederum tun." Iskandar nickt leicht.

"Was soll ich jetzt mit Aley tun? Er hasst mich glaub..." - "Nein, das tut er nicht. Er hat Angst vor dir und das kannst du beheben. Gehe zu ihm und sage ihm, dass ich mit dir geredet habe, sonst denkt er, dass du nur mit seinen Gefühlen spielen willst. Und frage ihn unbedingt, warum er keine Kinder haben will. Ach, und nimm ihm diese hübschen, aber dummen Reifen ab." - "Okay. Und ehm... Ist es schlimm für ihn, dass ich will, dass er mich Master nennt? Irgendwie..." - "Es beruhigt deinen inneren Dämonen, schon klar. Nein, das ist nicht schlimm für Aley. Wenn du ihm sogar noch sagst, dass du es magst, wird er sich geehrt fühlen." - "Meinst du?" - "Ja, ganz sicher."

"Soll ich es ihm jetzt sagen und ihn extra dafür wecken?", fragt Iskandar unschlüssig. Ich sehe ihn ungläubig an und hake nach: "Denkst du wirklich, dass Aley da drin auch nur ein Auge zu tut, wenn er eine Strafe erwartet? Hast du eigentlich noch andere Dinge mit seinen Flügeln gemacht, ausser das mit dem Band?" - "Aus Versehen drauf gelegen, aber sonst nein. Ist das schlimm?" - "Nein, nein, das ist nicht angenehm, aber definitiv nicht schlimm." - "Naja... In Veelasprache könnte das vielleicht bedeuten, dass ich ihn nicht genug beachte oder so", grinst Iskandar. Ich sehe ihn schief an. "Stimmt. So habe ich das noch nie betrachtet, aber nein, das hat ihm nichts getan." - "Gut. Und... es tut mir leid, dass ich dich in Verlegenheit gebracht habe." - "Hast du nicht und nun geh' schon!" - "Gute Nacht, Dad." - "Gleichfalls." Iskandar verschwindet im Zimmer und schliesst die Tür hinter sich.