A/N: Jetzt wo uns Corona langsam vollends im Griff hat, komme ich auch wieder zum Schreiben. Ein weiterer Vorteil ist mein beendeter Bachelor, aber das nur nebenbei. Viel Spaß beim Lesen!
BG
/
Der 1. September rückte näher und noch immer verhielt Severus sich seltsam. Arian hatte ihn nur einmal zufällig nach einem Spaziergang getroffen, als er gerade dabei war, schimmernden Kristallstaub von einer Schildkröte mit Edelsteinpanzer abzukratzen. Als sie mit ihm hatte reden wollen, war er noch einsilbiger und wortkarger gewesen als sonst.
Die Professoren standen schon alle bereit, um die Schüler in Empfang zu nehmen, als Dumbledore mit einem Brief in der Hand in die Große Halle trat.
„Ich habe soeben eine Eule von Remus erhalten – Dementoren haben den Hogwarts-Express durchsucht. Harry ist dabei wohl ohnmächtig geworden."
„Mr Potter?", fragte Minerva, ihr Beschützerinstinkt sofort erwacht.
„Natürlich Potter, wer sonst…" Severus verdrehte die Augen.
Minerva warf ihm einen vernichtenden Blick zu. „Ich werde mich darum kümmern, dass er sofort von Poppy durchgecheckt wird und ausreichend Schokolade erhält." Mit wehenden Tartanroben zog sie ab in Richtung Eingangshalle.
Augenscheinlich hatte Minerva ihren Schüler schließlich erfolgreich abgefangen, denn sie blieb eine Weile verschwunden und Filius übernahm statt ihrer die Häusereinteilung. Erst als diese vorbei war, tauchte sie zusammen mit Mr Potter und Miss Granger wieder auf.
„Wirklich wahr", beschwerte sie sich, „das wird nicht das erste Mal gewesen sein, dass einer unserer Schüler ohnmächtig wird wegen dieser Kreaturen!"
Ihre Kollegen nickten zustimmend.
„Und wie üblich verbreiten sich die Gerüchte wie ein Lauffeuer", kommentierte Pomona wenig begeistert und neigte den Kopf in Richtung der tuschelnden Schüler.
Ihr Gespräch wurde jedoch unterbrochen, als der Schulleiter sich zu seiner Begrüßungsrede erhob. Er klärte die Schüler über die Dementoren und die Gefahr auf, die von ihnen ausging. Die meisten wirkten ausreichend eingeschüchtert. Zu guter Letzt kam er zur Vorstellung der neuen Lehrkräfte. Der Applaus für Professor Lupin hielt sich in Grenzen, doch Arian merkte deutlich, dass mit Severus, der neben ihr saß, etwas ganz und gar nicht stimmte. Mit hasserfülltem Blick starrte er Lupin den Tisch hinunter an, seine Umgebung scheinbar völlig ausgeblendet. Erst nachdem Professor Burbage und Hagrid – Letzterer unter eindeutig mehr Beifall – vorgestellt worden waren, schien er sich wieder etwas zusammenzureißen. Dennoch bediente er sich eher wie automatisch am Festmahl und hatte sich aus jeglicher Konversation um ihn herum ausgeklinkt.
„Severus?", sprach Arian ihn leise an. „Alles OK?"
„Lass mich!", fauchte er zurück, ohne sie anzusehen, und stach übertrieben heftig mit der Gabel in einen Steak & Ale-Pie.
Verständnislos schüttelte sie den Kopf und begann ein Gespräch mit Aurora, die auf ihrer anderen Seite saß. Sollte er doch vor sich hin schmollen… Doch ganz wurde sie das Gefühl nicht los, dass diese absolut schlimmste Laune, die sie je bei ihm mitbekommen hatte, einen tiefergehenden Grund hatte, besonders als sie vor dem zu Bett gehen noch aus dem Fenster starrte und die Dementoren an Hogwarts' Außengrenzen beobachtete. Mit diesen unheimlichen Dingern in der Nähe gab es wirklich unzählige Auslöser für schlechte Laune.
Bereits der erste Schultag begann ereignisreich.
„Sie hat es schon wieder getan!", schnaubte Minerva, als sie zum Mittagessen erschien. „Diesmal soll es angeblich Potter erwischen."
„Bitte was?", fragte Charity Burbage verwirrt. Alle anderen rollten mit den Augen.
Minerva wandte sich ihr zu und erklärte: „Die Kollegin Sybill Trelawney hat die Angewohnheit, gerne den Tod eines Schülers in jeder ersten Wahrsagestunde zu prophezeien – und das schon seit sie begonnen hat, hier zu unterrichten! Die Kinder sind hinterher immer total durcheinander, weil sie den Schwachsinn noch ernst nehmen…"
Arian wagte einen amüsierten Blick hinüber zu Severus, der heute Mittag ein wenig entspannter gewirkt hatte, doch nun stellte er wieder sein schönstes sauertöpfisches Gesicht zur Schau. Zu gern hätte sie gewusst, was in Merlins Namen mit ihm los war, doch wollte sie sich nicht schon wieder angiften lassen.
„Wenn es nicht so sinnlos wäre, würde ich mal ein ernstes Wörtchen mit Sybill reden", fuhr Minerva genervt fort, „aber die erzählt mir dann ja nur wieder, ich hätte keine Aura…"
So ging es noch eine ganze Weile weiter, bis es Zeit wurde, sich für den Nachmittagsunterricht in Richtung Klassenräume zu begeben.
„Und vergesst nicht", flüsterte Pomona abschließend, „heute Abend wissen wir, wie sich Hagrid in seiner ersten Stunde geschlagen hat! Drückt alle die Daumen!"
Severus hielt sich auch hier einfach raus. Er hatte nichts gegen Hagrid, grundsätzlich, doch ob er unbedingt als Lehrer geeignet war…? Schließlich hatte der Wildhüter manchmal gänzlich andere Vorstellungen von gefährlichen Wesen als der normale Zauberer… Stillschweigend machte er sich also auf in sein Büro, um die Tests für seine nächste Klasse zu holen. Willkommen im neuen Schuljahr…!
Als ob er es geahnt hätte, wurde Severus nach seinem Unterricht von Madam Pomfrey abgefangen – ausgerechnet Draco Malfoy war in Pflege magischer Geschöpfe verletzt worden.
„Was ist passiert? Wie geht es ihm jetzt?", quetschte Severus die Schulkrankenschwester auf dem Weg zum Krankenflügel aus.
„Die Klaue eines Hippogreifs hat eine Wunde an seinem Arm gerissen. Laut Hagrid und einigen Mitschülern hat Mr Malfoy den Hippogreif provoziert. Es geht ihm jetzt soweit gut, es könnte eventuell aber ein paar Tage dauern, bis die Schmerzen bei jeder Bewegung vollständig verschwunden sind. Kein Grund zur Sorge also", beschwichtigte Poppy, während sie sich bemühte, mit Severus Schritt zu halten.
„Keine Sorge?!", schnappte Severus. „Du weißt hoffentlich, wer der Vater des Jungen ist?!"
„Natürlich weiß ich das, du brauchst mich nicht für doof hinzustellen. Um deinen Schüler musst du dir aber keine Sorgen machen."
„Der Schulbeirat wird ebenfalls informiert werden", überging der Tränkemeister ihren Kommentar, „und wer weiß, was der entscheidet." Seine eigenen Erfahrungen mit diesen Damen und Herren waren nicht gerade die besten. Ein ehemaliger Todesser als Professor und Hauslehrer, das war damals nicht gut angekommen…
„Das ist bereits geschehen. Sie meinen, Hagrid hätte mit etwas weniger Gefährlichem anfangen sollen. Flubberwürmer zum Beispiel."
Severus schnaubte. „Flubberwürmer! Die gedeihen am besten, wenn man gar nichts tut – auch keine Lösung."
„Ist das etwa Mitgefühl von dir, Severus?"
„Nein. Aber Hippogreife sind eine Nummer zu groß."
Malfoy jammerte – wie schon befürchtet – überdurchschnittlich viel und dramatisch. Severus, der Poppys Heilkünste besser kannte, als ihm persönlich lieb war, war klar, dass er nur simulierte, konnte jedoch auch nichts dagegen unternehmen, sonst hätte er Lucius Malfoy als nächstes am Hals… Zudem musste er versprechen, mit Hagrid über den Vorfall zu reden, egal wie sehr er eigentlich auf dessen Seite war. Es war nun wirklich nicht die Schuld des Halbriesen, wenn ein Schüler sich direkten Anweisungen widersetzte.
Wie nicht anders erwartet, war Hagrid schon halb betrunken, als Severus an seine Tür klopfte. Das nachfolgende Gespräch lief auch fast vorhersehbar ab: Severus gab sich redlich Mühe, möglichst streng, ernst und distanziert zu wirken, und Hagrid sagte niedergeschlagen zu allem Ja und Amen. Nach einigen für beide Parteien unangenehmen Minuten verabschiedete sich Severus wieder und ging angenervt zum Schloss zurück. Ein doppelter Whisky wäre jetzt etwas Feines, seinen beginnenden Stresskopfschmerzen allerdings nicht zuträglich. Letztendlich ignorierte er diesen kleinen Störfaktor jedoch und beendete den Tag gemeinsam mit seiner angebrochenen Flasche Alkohol. Auch schon egal. Die Säuferseele hatte er im Blut.
OoOoO
Auf den Großteil der weiblichen Hogwartsbelegschaft wartete am nächsten Tag das erste Frauenkränzchen des neuen Schuljahres, angekündigt von Minerva als „Vorbereitung zur Verwandlung von sämtlichen unbenutzten Sitzgarnituren in Katzenbetten". Am Abend in Minervas Klassenzimmer versammelt, bekam jeder von ihr einen Teller mit Häppchen und ein Getränk in die Hand gedrückt, bevor sie sogleich zur Sache kam: „Charity Burbage. Wie ist euer bisheriger Eindruck? Reicht eine Beobachtungsphase bis nächsten Monat aus? Mona, das wäre dann dein Termin und wir müssten wieder alle vollzählig erscheinen."
Rolanda kicherte. „Überstürzt du es jetzt nicht ein bisschen, Min?"
„Ich denke nicht. Wann kam denn Arian dazu? Weiß das noch jemand? Arian?"
„Vor zwei Jahren?", meinte Arian achselzuckend.
Aurora schnaubte amüsiert in ihr Glas.
„Vielleicht hättest du dich doch nicht an Severus gewöhnen sollen…", maulte Minerva verdrießlich.
„Nöööööt! Keine Namen männlicher Mitbürger in diesem Kreis!", unterbrach Rolanda sie. „Das bedeutet, sagen wir… eine Runde Feuerwhisky zusätzlich auf deine Kosten!"
Die anderen lachten und klatschten einander ab.
Arian grinste. „Ich weiß es echt nicht mehr. Geregnet hat's, das weiß ich noch."
„Wir sind hier in Schottland und nicht in der Karibik…"
„Zumindest war es nicht tiefster Winter."
„Und nicht Hochsommer, denn es war dunkel", gab Septima ihren Senf dazu.
„Ihr seid wenig hilfreich!", beschwerte sich Minerva, während sie den Feuerwhisky entkorkte.
„Schon gut", beruhigte Pomona sie. „Also, nachdem sie zu ihrer Schulzeit eine meiner Hufflepuffs war und wir uns bisher wieder sehr gut verstanden haben, denke ich, dass eine Bedenkzeit bis zu unserem nächsten Treffen ausreichend ist."
„Ich habe sie auch als sehr freundliche, aufgeschlossene Person empfunden", stimmte Aurora zu.
„Wir haben uns beim Festessen unterhalten", berichtete Septima. „Sie hat interessante Unterrichtsansätze und scheint motiviert, sich zu integrieren."
„Also ist es beschlossen? Beim Treffen im Oktober entscheiden wir. Gut. Schaut genau hin!"
Gläser klinkten und die Professorinnen exten ihren Whisky. Poppy hielt sich an Kürbissaft und checkte den Alarmzauber des Krankenflügels.
„Sagt mal, auf die Gefahr hin, dass ich auch Whisky ausgeben muss, aber was ist eigentlich in unseren Kerkerbewohner gefahren?", fragte Rolanda in die Runde.
Die anderen wechselten vielsagende Blicke, obwohl sie gar keinen Namen genannt hatte – wer wollte schon keinen Alkohol spendiert bekommen?
„Okay, okay, der Whisky geht auf mich, auch wenn das streng genommen gegen die Regeln ist… Aber mal im Ernst, das ist doch nicht mehr normal?"
Seufzend ließen sie ihre Regeln ausnahmsweise Regeln sein.
„Ich weiß auch nicht", meinte Minerva nachdenklich und legte die Stirn in Falten. „So furchtbar schlecht drauf wie im Moment ist er sonst in der Tat nicht, und das heißt was!"
„Ich habe ihn kaum zu Gesicht bekommen, er hat sich seine Kräuter meist woanders beschafft. Wahrscheinlich im Wald", meinte Pomona und klang dabei sogar etwas enttäuscht.
„Zuletzt habe ich ihn wegen Mr Malfoy gesprochen, da hat er sich – verständlicherweise – auch sehr aufgeregt", steuerte Poppy schulterzuckend bei.
Alle Blicke wandten sich Arian zu. Die hob abwehrend die Hände. „Ich weiß auch nicht mehr als beim letzten Mal. Wenn dann hätte ich erwartet, dass ihr da mehr wisst, weil ihr ihn schon länger kennt…"
„Kennen ist übertrieben", meinte Minerva. „Wer kennt Severus schon wirklich…" Wie automatisch reichte sie die Whiskyflasche erneut herum.
„Sollte man da mal… nachfragen?", schlug Pomona vorsichtig vor, wie immer auf Harmonie besonnen.
„Lieber nicht", rutschte es Rolanda raus. „Das überlebt man eventuell nicht, so wie das momentan ausschaut…"
„Das heißt also, wir müssen das noch länger ertragen?", fragte Aurora gequält.
„Sieht ganz danach aus."
„Aber es muss doch einen Grund geben", überlegte Pomona laut, eindeutig nicht überzeugt.
Das gleiche dachte sich Arian auch, doch sie dachte lieber im Stillen darüber nach. Sie musste herausfinden, was da vor sich ging, und wenn sie dabei wieder mit Severus aneinandergeraten sollte. Freunden musste man doch beistehen, auch wenn sie unheimlich anstrengend sein konnten, oder?
„Warum hat eigentlich noch keiner diesen Irrwicht aus dem Lehrerzimmer entfernt?", wechselte Aurora irgendwann das Thema.
„Remus wollte damit eine Klasse unterrichten", klärte Minerva sie auf und goss, scheinbar für den Abend resigniert, Whisky nach. „Ich hoffe allerdings, es ist bald soweit, dieses Rumpeln macht mich ganz verrückt."
„Er macht bisher einen guten Eindruck, oder nicht?", meinte Pomona. „Die letzten Jahre hatten wir ja nicht gerade viel Glück…"
„Man soll ja den Zaubertrank nicht vor dem letzten Umrühren loben, aber bisher sieht es wirklich ganz vielversprechend aus", bestätigte auch Minerva.
„Lassen wir uns mal überraschen, aus welchem Grund er dann Ende des Jahres geht…" Rolanda warf einen vielsagenden Blick in die Runde und leerte ihr Whiskyglas in einem Zug.
OoOoO
Severus war dazu übergegangen, jeden Morgen nach dem Aufstehen und jeden Abend vor dem zu Bett gehen seinen Patronus zu üben. Er war beileibe nicht begeistert, die silberne Hirschkuh so oft in seinen Räumen auf und ab laufen zu sehen, doch es half nichts. Auf gar keinen Fall wollte er von den Dementoren erwischt werden, außerdem musste er imstande sein, notfalls die Schüler vor ihnen zu schützen. Im äußersten Notfall. Niemand durfte wissen, welche Gestalt sein Patronus annahm…
Unwillkürlich wanderten seine Gedanken zu der Frage, welche Formen die Patroni seiner Kollegen hatten. Albus' war ein Phönix und Minervas ihre eigene Animagusgestalt, eine Katze mit Brillenmuster um die Augen. Aber was war mit den anderen? Konnten sie überhaupt alle einen gestaltlichen Patronus heraufbeschwören? Vor allem so junge Kollegen wie Arian und die Neue, Burbage? Vielleicht sollte er das in Erfahrung bringen. Im Zweifelsfall musste er ja wissen, auf wen er sich in dieser Hinsicht verlassen konnte…
Aus diesem Grund gab er sich auch große Mühe, Lupin weitestgehend auszublenden und sich beim Essen wieder zu unterhalten, zumindest mit Arian. Zum Glück versuchte die nicht schon wieder herauszufinden, warum er ständig so mies gelaunt war. Im Gegenteil, sie schien sich sogar zu freuen, dass er wieder mit ihr sprach, obgleich er sich dieses Phänomen nicht erklären konnte.
Doch schon bald musste er sich wieder auf etwas gänzlich anderes konzentrieren: Draco Malfoy kehrte in den Unterricht zurück und tat, als hätte der Hippogreif ihn zur Hälfte gefressen. Des Weiteren setzte er sich direkt neben Potter und Weasley, ohne Zweifel nur, um noch mehr Unruhe zu stiften, als die Gryffindors schon allein fertigbrachten. Es dauerte nicht lange und der freche Slytherin forderte Hilfe beim Schneiden seiner Trankzutaten ein, was Severus großzügig an Weasley weiterdelegierte. Natürlich bemühte der Rotschopf sich kein bisschen, sodass Severus sich gezwungen sah, die beiden Schüler Zutaten tauschen zu „lassen". Die nächste Vorbereitung bekam Potter aufgetragen; und so weiter und so fort. Die drei würden erst einmal beschäftigt sein und vermutlich sogar klarkommen…
Dies war bei Longbottom allerdings nicht der Fall. Die Schrumpflösung, die eigentlich giftgrün hätte sein sollen, war bei ihm orangefarben geraten. Ganz eindeutig war die Hälfte der Anweisungen wieder an dem Idioten vorbeigezogen wie der Nebel in seinem Gehirn. Hier würde wirklich nur noch Grangers Eingreifen irgendetwas retten können, doch das war nicht sehr lehrreich, insofern verbot er ihr das sofort.
„Am Ende der Stunde werden wir diesen Trank an deiner Kröte testen, Longbottom. Vielleicht erhöht das ja die Motivation, das nächste Mal richtig zu brauen."
Als alle übrigen Schüler ihre Sachen aufgeräumt hatten, versammelte Severus sie um Longbottoms Kessel.
„Testen wir also diesen Trank an Longbottoms Kröte…", verkündete er ominös. „Ist er korrekt gebraut, wird die Kröte zu einer Kaulquappe schrumpfen. Hat er es falsch gemacht, was ich nicht bezweifle, wird seine Kröte wahrscheinlich vergiftet…"
Der Trank war grün. Severus wusste ganz genau, was abgelaufen war. Und tatsächlich: Die Kröte verwandelte sich mit einem leisen Plopp in eine Kaulquappe. Die Gryffindors applaudierten begeistert und Severus kehrte die Wirkung der Schrumpflösung mithilfe eines Tranks aus seiner Robentasche wieder um.
„Fünf Punkte Abzug von Gryffindor!", zischte er. „Miss Granger, ich hatte dir verboten, ihm zu helfen." Damit entließ er die Klasse und versetzte den Raum mit einem Wink seines Zauberstabs wieder in einen sauberen Urzustand. Die kleine Besserwisserin würde ihm eines Tages den letzten Nerv rauben…
Auf dem Weg zum Mittagessen empfing ihn vor der Großen Halle eine wütende Arian. Noch bevor er fragen konnte, was denn los war, stürzte sie sich fauchend auf ihn: „Hast du eigentlich noch alle Kessel im Keller?! Du benimmst dich seit vor Beginn des Schuljahres echt scheiße, bist die ganze Zeit nur grantig und absolut ungenießbar, und was hör' ich jetzt? Du wolltest das Haustier eines Schülers vergiften?! Bist du noch ganz bei Trost?!"
So schnell hatte sich das herumgesprochen…?
„Der Trank wäre überhaupt nicht giftig gewesen, selbst wenn Granger ihn nicht wieder zurechtgebogen hätte!", verteidigte sich Severus patzig.
„Das hat damit gar nichts zu tun! Du hast gedroht, die Kröte umzubringen!"
„Ich wollte lediglich, dass dem Hohlkopf klar wird, was passieren kann, wenn man beim Tränkebrauen nachlässig ist!", protestierte er. „Longbottoms Gepansche hätte seiner Kröte höchstens Durchfall und verfärbte Haut beschert, aber glaubst du ernsthaft, ich hätte gegen solche Standardfehler keine Gegenmittel bereitliegen?"
„Das ist mir ehrlich gesagt total egal, Severus. Du kannst keinem Schüler drohen, sein Haustier zu vergiften, das ist einfach allerunterste Schublade." Arian machte auf dem Absatz kehrt und rauschte mit erhobenem Kopf die breite Marmortreppe hinauf davon.
Zurück blieb Severus und fühlte sich ungerecht behandelt, jedoch auch dezent unwohl. Wie sollte er die Kindsköpfe denn sonst vom Pfuschen abhalten? Verstand sie das denn nicht? Warum war sie da sauer auf ihn? Genervt entschloss er sich, das Mittagessen ausfallen zu lassen, und setzte sich stattdessen mit einem Buch und einer Tasse Tee ins Lehrerzimmer.
Er war so sehr ins Lesen vertieft, dass ihn das Geräusch vieler Füße auf dem steinernen Boden erst ziemlich spät auffiel. Er sah auf und erblickte die Gryffindor-Drittklässler, gefolgt von Lupin. Er seufzte innerlich. Na, der würde seinen Spaß haben…
„Lassen Sie offen, Lupin, ich möchte hier nur ungern zusehen." Severus machte sich daran, das Zimmer zu verlassen. Im letzten Moment setzte er noch gehässig hinzu: „Möglicherweise hat Sie keiner gewarnt, aber in dieser Klasse ist Neville Longbottom. Ich würde Ihnen raten, ihm nichts allzu Schwieriges aufzutragen, zumindest nicht solange ihm Miss Granger keine Anweisungen zuflüstert."
„Ich hatte gehofft, Neville würde mich bei unserem ersten Schritt heute unterstützen, und ich bin mir sicher, das wird er auch hervorragend schaffen", entgegnete Lupin nur mit hochgezogenen Augenbrauen.
Severus verzog das Gesicht und verließ ohne weitere Erwiderung den Raum. War ja nicht seine Sache, wie Lupin Longbottom und einen Irrwicht in Kombination miteinander bezwingen wollte.
Leider lag er damit ziemlich falsch. Schon zum Abendessen hatte sich die Geschichte in ganz Hogwarts verbreitet und die gesamte Schule lachte bei der Vorstellung des verhassten Tränkemeisters in grünem Spitzenkleid, Hut mit ausgestopftem Geier und mit einer roten Handtasche über dem Arm. Selbst Severus' Kollegen bekamen vor Lachen keine Luft mehr und hingen japsend über dem Tisch im Lehrerzimmer. Das würde er Lupin und Longbottom nie verzeihen…
