Kapitel 23
Ein Schritt in die Tiefe
Wie erwartet, wollte Neville uns nicht ins Schloss begleiten. Ebenso wenig, wie Susan und zu meiner Überraschung Hermine.
„Ich habe nicht vor Auror zu werden", stellte sie fest. „Ich will eher daran arbeiten Beziehungen zwischen der Zauberwelt und den Muggeln aufzubauen! Ich will später in der Neuen Abteilung arbeiten." Neue Abteilung war … nun ja die neue Abteilung des Ministeriums, die erst kürzlich gegründet wurde, um mit den nächsten Verwandten der Muggelgeborenen zu arbeiten. Einerseits war das ein Zugeständnis an alle, die sich vehement gegen die Vernichtung der Muggel wehrten und sich daher weigerten Voldemort als Anführer zu akzeptieren. Nein, er trat nicht von seinen Plänen zurück. Er gab großzügig zu, dass seine Pläne ein wenig mehr Zeit erfordern würden und er außerdem bereit war „Gnade walten zu lassen", indem er den Muggeln die Gelegenheit gab sich zu ändern. Niemand sollte hinterher sagen können, dass er ohne Vorwarnung angegriffen hatte. Also bereitete er die Öffnung der Zauberwelt vor, um den Muggel ein Ultimatum zu stellen. Entweder sorgten sie dafür, dass „die Ordnung der Dinge wiederhergestellt wird" oder sie würden vernichtet werden. Die neue Abteilung sollte dafür sorgen, dass die Zauberwelt nach und nach mehr über die Muggel wusste und zum Zeitpunkt der „Öffnung" bereit war sich dem bisher unbekannten Welt entgegenzustellen.
Anderseits war die Gründung der Neuen Abteilung wohl ein unterschwelliger Versuch zu beweisen, wie verdorben, gefährlich und selbstzerstörerisch die Muggelwelt war. Die Aufgabe der Abteilung war das Sammeln von verlässlichen Informationen über die Muggelwelt. Sämtliche Medien berichteten gern über die Erfolge der Abteilung, wobei die Informationen verdächtig einseitig präsentiert wurden. Meist ging es um Kriege, Hungersnöte, Verbrechen, Waffen und Armeen, gefährliche Krankheiten oder gesellschaftliche Probleme. Nichts von dem war gelogen. Alles wurde mit Augenzeugenberichten und anderen hieb- und stichfesten Beweisen untermauert.
Hermine sah die Neue Abteilung als hervorragende Möglichkeit zwischen den beiden Seiten zu vermitteln und dadurch vielleicht dafür zu sorgen, dass es nicht zum Krieg zwischen den beiden Welten kam. Die Einseitige Berichterstattung ärgerte sie natürlich und weckte in ihr den Ehrgeiz es anders zu machen. Nichts, was Draco, Neville oder ich dazu sagten, hatte Wirkung – sie war felsenfest davon überzeugt, dass alles besser machen zu können, sobald sie alt genug dazu wollte unbedingt über die "guten Dinge" berichten. Wie Reisen, Musik, Kunst, Medizin und Wissenschaft.
Am Ende waren es also nur Draco und ich, die das Praktikum im Aurorat machten. Sirius brachte uns in sein Büro, wo sechs weitere Aurore auf ihn warteten. Mit Erstaunen erkannte ich auch Tonks unter ihnen. Sie trug eine enge Jeans, ein schwarzes T-Shirt mit einem wilden Muster drauf und eine schwere Lederjacke. Ihr Haar war kurz und dunkelbraun. Ich freute mich so sie zu sehen, dass ich mich kaum davon abhalten konnte, sie freundschaftlich zu grüßen. Doch hier in dieser Welt sah ich sie hier zum ersten Mal. Sie gehörte nicht zu denen, die bei den Familientreffen dabei waren. Tante Andromeda distanzierte sich nach wie vor von ihrer Familie. Sie selbst war bei den ganz großen Familienfesten fast immer dabei. Zumindest bei dem „offiziellen" Teil der Veranstaltung. Doch weder ihre Tochter noch ihr Mann haben sie jemals dabei begleitet.
„Also hier sind unsere Praktikanten", stellte Sirius Draco und mich vor. „Sie werden uns heute nach Hogwarts begleiten." Allein die neuen „Regeln zum Umgang mit Altem Blut", verhinderten, dass unsere Gegenwart offen missbilligt wurde. In den Blicken der meisten Anwesenden lag Verachtung für die zwei reiche Schnösel, die sich in den Ferien langweilten und ihre Verbindung zum Ministerium dazu nutzten, sich ein wenig Zerstreuung zu verschaffen. Tonks sah uns neugierig an, sagte aber nichts.
„Tonks, Rainer und Flax kommen mit mir und der Rest meldet sich bei MadEye, sobald wir in Hogsmead ankommen!" Es war nicht einmal ein Befehl, sondern eine Feststellung. Die jüngeren Aurore nickten kurz. Sirius sah sie der Reihe nach an und widmete sich dann uns.
„Draco, du wirst die zweite Gruppe begleiten. Harry, du kommst mit mir!" Auch das war eine Feststellung, die keine Diskussionen duldete. Aber ich sah Draco an, dass es ihm völlig egal war, wenn er begleitete, solange er überhaupt mitmachen durfte.
„In einer Minute in Hogsmead", befahl Sirius und legte Draco und mir jeweils eine Hand auf die Schulter. Ein kurzer Ruck und schon standen wir mitten auf der Straße des magischen Dorfes. Sofort lief uns ein Mann entgegen. Er lief. Er humpelte nicht und hatte ein paar Narben weniger. Dennoch war es unverkennbar MadEye. Die anderen Auroren erscheinen einer nach dem anderen neben uns und die drei, die zur dem alten Auror abkommandiert wurden, meldeten sich sofort bei ihm. Er sah erst die drei und dann den Rest von uns mürrisch an. Sein magisches Auge musterte jeden von uns von oben bis unten.
„Wer von den …", er hustete, weil ihm die Worte wie Grünschnäbel oder Milchburschen bei dem Anblick seines Vorgesetzten offenbar im Hals stecken blieben. „…von den Jungs kommt mit mir?"
„Mister Malfoy", sagte Sirius und machte Draco mit einer Geste klar, dass er zur Moody gehen sollte. Mein Freund schaute zweifelnd zu mir herüber, dann hob er den Kopf und machte ein paar Schritte auf den älteren Mann zu.
„Malfoy, was?", grummelte MadEye. „Du wirst heute alles tun, was ich dir sage, verstanden?!"
„Ja, Sir. Ich habe verstanden", erwiderte Malfoy kühl. „Wir haben bereits eine ausführliche Anweisung bekommen." Sirius verkniff sich das Grinsen.
„Komm schon, MadEye! Die Jungs sind gut erzogen und wurden von mir gründlich unterwiesen. Außerdem gehen wir nicht eine verfluchte Gruft, sondern nach Hogwarts. Der Junge wird dir noch nützlich sein, denn das Schloss hat sich ganz schön verändert, seit du das letzte Mal dort warst." Der Mann murmelte etwas vor sich hin, befahl seiner Gruppe ihm zu folgen und machte sich auf den Weg ins Schloss. Sirius sah die verbliebenen Auroren und mich an und nickte dann.
„Keine Alleingänge! Keine Zauber, die ihr nicht blind und stumm beherrscht. Harry und ich gehen vor. Tonks, du bist dicht hinter mir. Flax – Unterstützung. Rainer – Rücken. Die beiden jungen Zauberer nickten. Offen bar war das Team gut eingespielt, denn die Anweisungen wurden ohne große Erklärungen verstanden und ausgeführt.
Am Portal des Schlosses empfing uns Professor McGonagall. Sie sah nicht so aus, als freue sie sich darüber, Auroren im Schloss zu haben. Ihr Blick war mehr als kühl, besonders als sie mich erblickte.
„Ich denke nach wie vor, dass es ein Fehler ist, die Kinder in diese… Überprüfung einzubeziehen", meinte sie belehrend. Sirius sah sie mit einem jungenhaften Lächeln an, aber in seinen Augen lag Eis.
„Minerva, wir haben nicht vor die Kinder einer Gefahr auszusetzen. Von welcher Gefahr für die Kinder in Hogwarts kann überhaupt die Rede sein?", fragte er mit gespieltem Erstaunen. Die Frau blickte verlegen zur Seite, und schaute dann wieder herausfordernd ihren ehemaligen Schüler an.
„Ganz genau, Mister Black! Von welcher Gefahr kann hier überhaupt die Rede sein?" Sirius kratzte sich mit gespielter Nachdenklichkeit den Kinn.
„Wie wäre es mit einem riesigen dreiköpfigen Hund, der das ganze letzte Jahr hier im Schloss war? Oder von dem verdammten Ungeheuer in dem Schwarzen See? Wie ist es mit den Treppen, die willkürlich die Richtung ändern? Hat Albus die Möglichkeit gefunden es irgendwie zu regulieren?" Mit jedem Wort wurde der Blick der Frau düsterer. Sirius seufzte und schlug versöhnliche Töne an.
„Minerva, ich habe nicht vor, Schwierigkeiten zu machen, aber Sie wissen genauso gut wie ich, dass das Schloss voller Dinge ist, die den Schülern gefährlich werden können und nur weil Albus sie ab und zu für den Unterricht benutzt, werden diese Dinge nicht weniger gefährlich." Ich fragte mich, ob sie MadEye mit gleichen Fragen aufgehalten hatte. Wahrscheinlich nicht. So wie ich den Mann kannte, war er einfach an ihr vorbeimarschiert und hat dabei Befehle an sein Team gebellt.
„Nun gut"; seufzte die Direktorin. „Ich erwarte euch zum Mittagessen in der Großen Halle", meinte sie schließlich und schritt davon. MadEye erwartete und an der Tür der Großen Halle.
„Ihr übernimmt die oberen Stockwerke", stellte Sirius fest. „Gemeinschaftsräume und Schlafsäle können wir auslassen. Achtet auf leere Räume, Nischen, Schränke, Truhen und ganz besonders auf die Treppen! Wirft einen Blick auf die Wände. Vielleicht sieht ihr ungewöhnliche Muster oder Verzierungen! Die Archivare werden sich freuen, wenn wir ihnen aktuelle Bilder bringen." Moody grummelte etwas, was nach „alles verstanden Boss" klang und marschierte nach oben. Draco winkte mir begeistert zu und folgte seiner Gruppe. Sirius sah uns vieldeutig an und meinte dann:
„Wir fangen im dritten Stock an und arbeiten uns dann nach unten!"
Es machte Spaß. Die leere Schule wirkte ganz anders, als ich sie bisher kannte. Selbst längst vertrauten Flure und Räume waren auf einmal viel größer und geheimnisvoller. Sirius zeigte mir einen simplen Reinigungszauber, der Staub und Dreck entfernte, ohne die Oberfläche zu beschädigen. Außerdem lehrte er mich Riddikulus, denn wir trafen ziemlich oft auf Irrwichte, die sich in den Schränken du Truhen verlassener Räume bequem gemacht haben. Zum Glück musste ich mich nie mit den Wesen auseinandersetzen. Dafür konnte ich sehen, was Sirius' größte Angst war – die Version seiner Selbst aus meinem letzten Leben. Abgemagert, in schmutziger zerrissener Kleidung stand er sich selbst gegenüber. Für einen Augenblick sahen sich die beiden Männer an, dann hob mein Vater seinen Zauberstab.
„Riddikulus", sagte er ruhig und der Irrwicht löste sich in einer weißen Wolke auf. Sirius blickte sich um. Wir waren allein. Tonks und die beiden Männer waren bereits im nächsten Raum. Also zog Sirius mich an ich heran und drückte mich mit aller Kraft.
„Wenn die anderen fragen – es war ein Haufen nicht zusammenpassender Socken", murmelte er und versuchte zu lächeln. „Du weißt ja, ich kann es nicht leiden, wenn die Socken nicht zusammenpassen!" Wir schlossen uns wieder unseren Gruppe an und arbeiteten weiter. Da es in dem dritten Stock nur leere Räume gab, waren wir schnell fertig. Den Raum, in dem in letzten Jahr Fluffy saß, verschloss Sirius mit einem besonderen Zauber, den man nur mit Erlaubnis des Ministeriums wieder lösen konnte.
In dem zweiten Sock bleib Sirius kurz stehen.
„Ist die Myrte noch da?", fragte er mich. Ich nickte.
„Ja, sie haust auf dem Mädchenklo", erklärte ich. „Sie ist harmlos." Sirius nickte.
„Flax? Regeln im Umgang mit Geistern."
„Umstände des Todes ermitteln, nach dem Grund des Verbleibs unter den Lebenden fragen. Sollte eine feste Bindung an einen bestimmten Ort vorliegen – nach dem Grund fragen. Sollte es keine Vertragliche, schwarzmagische oder ritualbedingte Bindung vorliegen – Möglichkeit zur Erlösung anbieten." De Antwort wurde knapp, präzise und ohne Zögern vorgetragen. Der junge Mann lächelte.
„Sir, glauben Sie Myrte lässt jemals zu, dass jemand sie erlöst?"
„Finden Sie es doch heraus!", ermunterte Sirius ihn. „Wir werden Sie begleiten und helfend zur Seite stehen, sollten Sie Unterstützung brauchen." Also betraten wir alle zusammen das Klo und der Geist ließ nicht lange auf sich warten.
„Oh…. Besucher", rief sie begeistert und schwebte um uns herum. „Ich kenne euch! Ihr wart alle hier in Hogwarts!" Sie machte eine Runde um Sirius.
„An dich kann ich mich ganz besonders erinnern", säuselte sie in einem Ton, der Tonks veranlasste rot anzulaufen.
„Name und Art des Todes?", fragte Flax ernst und Myrte drehte sich zu ihm um.
„Ihr seid so langweilig! Jedes Mal die gleichen Fragen. Sie verzog das geisterhafte Gesicht zur einer weinerlichen Miene.
„Olive Hornby ist schuld", jammerte der Geist. „Sie hat mich ständig gepiesackt und geärgert und beleidigt. Deswegen habe ich mich hier versteckt. Und dann war ich tot!" Sie heulte herzzerreißend und drehte sich im Kreis.
„Was hat dich getötet?" fragte Flax ruhig und fast sogar mitfühlend. Der Geist hörte auf sich zu beklagen und sah wieder zu uns herüber.
„Ich weiß es nicht. Etwas Großes kam aus der Wand. Es zischte und dann war alles vorbei", flüsterte sie, schniefte und flog durch die Decke nach oben. Flax sah ihr verzweifelt hinter her.
„Sir, soll ich den Geist verfolgen?" Sirius schüttelte lachend den Kopf.
„Nein, lass nur. Wir wollen doch den künftigen Generationen diese herzzerreißende Geschichte vorenthalten! Aber wir sehen und hier um. Irgendetwas hat sie hier getötet, sonst hätte die Geisterbehörde sie nicht ausgerechnet an diesen Ort gebunden." Es sah sich um, als würde er nach verdächtigen Dingen Ausschau halten. Auch der Zauberstab in seinen Händen beschrieb einen Zauber zum Auffinden von verborgenen Dingen. Als er auch beim dritten Versuch nichts fand. Schloss er die Augen und als er sie öffnete lag dort feste Entschlossenheit.
„Alles läuft wie geplant. Reiner?"
„Die Ablenkung und die Tür", antwortete der junge Auror. Er warf seinen Umhang von den Schultern und stand nun in einer dunklen Lederhose und weißem Hemd da. An seinem Gürtel hingen einige Fläschchen, sowie ein Stoffbeutel. Er flüsterte Zaubersprüche und sein Zauberstab beschrieb komplizierte Muster über dem Umhang, der sich in die Luft erhob und dann zum Ausgang schwebte. Ich starrte das Ding völlig fassungslos an, während Sirius hinter meinem Rücken weitere Befehle an Flax und Tonks gab. Ich verstand es kaum denn ich beobachtete, wie der Umhang sich veränderte und zur Rainer selbst wurde, der zur Tür marschierte, sie öffnete und hinausging. Völlig überwältigt, machte ich ein paar Schritte hinterher und sah nun, wie Rainer, begleitet von Sirius, Tonks, Flax und mir in den nächsten Korridor einbog.
„Ganz schön cool, was?", fragte mich der Auror, der neben mir stand und ebenfalls in den Flur hinausblickte.
„Und wie", hauchte ich fasziniert. „Wie geht das?"
„Ein Illusionszauber", erklärte mir der Mann. "Wird etwa eine Stunde halten. Hoffentlich reicht das."
„Harry?" Ich blickte zur Sirius. Er stand neben dem Waschbecken. Flax betastete mit langsamen Bewegungen die Muster über dem Waschbecken und Tonks betrachtete sich selbst kritisch im Spiegel.
„Komm her, ich lege ein paar Zauber auf", bat mein Vater. „Spezielle Zauber für die Auroren", erklärte er, während er mich nach und nach mit drei Zaubern umgab. „Sind die Familienartefakte an Ort und Stelle?" Ich nickte immer noch total verwirrt. Sirius lachte.
„Was, dachtest du, ich komme wirklich unvorbereitet hier her", flüsterte er mir ins Ohr, als er mich kurz umarmte.
„Ich vertraue diesen Leuten, Harry", erklärte Sirius lauter. „Rainer und Flax sind meine Schüler, ich habe sie seit ihrem ersten Tag ausgebildet und Tonks…." Er seufzte. Die junge Frau bedachte uns mit einem schelmischen Blick und zwinkerte mir zu.
„Sagen wir mal so, ich kein Mitspracherecht bei der Auswahl dieser speziellen Schülerin, aber ich vertraue ihr mein Leben an." Sirius war ernst. Dann blickte er zur der Frau, die genau so ernst zurückschaute.
„Außerdem ist Tonks Familie. Sie ist die Tochter deiner Tante Andromeda." Ich konnte es mir einfach nicht verkneifen.
„Nymphadora?" Die junge Frau sah mich tadelnd an. Ihr Haar – bisher würdevoll dunkelbraun – fäbte sich weiß.
„Nenn mich nicht Nymphadora!" Ich versuchte überrascht zu gucken. Sirius grinste.
„Sie mag den Namen nicht", verriet er mir. „Tonks ist Metamorphmagus." Er sah sie vielsagend an. „Und sie muss noch üben, sich zu beherrschen!" Die Haarfarbe wechselte wieder zur dunkelbraun und die Frau schaute zur Seite.
„Ich habe es!", rief Flax plötzlich. „Hier muss der Eingang sein!" Er stand an genau richtige Stelle. Seine Finger flogen noch einmal über die abgebildete Schlange. Er holte Atem und zischte.
„Es ist bemerkenswert, wie viele Zauberer auf einmal diese überaus seltene Gabe haben", meinte Sirius, als er meinen erstaunten Blick sah. Flax trat zurück, und wir alle sahen zu, wie der Eingang in die Kammer des Schreckens sich öffnete.
„Ich musste mich mein halbes Leben dafür schämen mit dieser Gabe geboren zu sein. Erst dein Vater erklärte mir, dass es mich nicht zu einem Monster macht", sagte der junge Auror, der nun neben uns stand. „Und er tat es Jahre bevor es Mode wurde Parsel zu beherrschen."
Der Eingang öffnete sich und wir vier standen nun direkt davor. Rainer bezog die Stellung an Eingang und schaute nicht einmal in unsere Richtung.
„Bereit?"
„Chef? Geht der Junge wirklich mit?"
„Ja, Dora. Harry geht wirklich mit. Und ich möchte euch alle noch einmal daran erinnern, dass alles, was heute hier oder dort unter passiert, gesagt oder getan wird, darf nur mit meiner direkten und freiwillig gegebenen Erlaubnis weitererzählt werden." Er marschierte als erster zu dem Rohr und ließ sich nach unten gleiten. Flax folgte ihm. Tonks ließ mich vor und folgte mir ein paar Augenblicke später.
Es war genau so schleimig und ekelhaft, wie beim ersten Mal. Und genau so feucht. Ich landete wieder auf dem feuchten Boden und rutschte sofort zur Seite, um Tonks Platz zu bieten. Sie landete mit einer eleganten Rolle neben mir.
„Wahnsinn!" rief sie als sie sich aufrichtete. „Wir sind irgendwo unter dem See, nicht wahr?" Sirius stand mit leuchtendem Zauberstab mitten in dem dunklen Tunell. Flax schickte gerade eine winzige grellgelbe Kugel den langen Steinflur entlang. Das Licht flog schnell vor und verlor sich schon bald in der Dunkelheit. Nach wenigen Sekunden, die mir wie eine Ewigkeit vorkamen, kam das Licht zurück und zerfiel vor unseren Augen zur Staub.
„Da ist nichts Lebendiges", seufzte der Mann erleichtert.
„Keine Fallen", meinte Sirius, dem ebenfalls ein winziges Licht entgegen flog. „Wir gehen langsam vor. Harry, du kommt zu mir!" Eine ganze Weile gingen schweigend neben einander her. Dann tauchte vor uns in der Dunkelheit die Umrisse der abgeworfenen Schlangenhaut auftauchten.
„Verdammt", hauchte Tonks. "Ist das Ding groß!"
„Es ist ein männlicher Basilisk", erklärte Flax ruhig. „Ein alter Basilisk. Sie wachsen nicht sonderlich schnell, um so groß zu werden müsste er knapp ein Tausend Jahre alt sein."
„Er hat noch die Gründer gesehen", murmelte Tonks fasziniert. Sie berührte zaghaft die leuchtend grünen Schuppen. Ihr Blick wurde nachdenklich.
„Chef, war Salazar Slytherin ein Animagus?"
