Teil 2
Wütend schritt Harry in seinem Zimmer auf und ab. Von unten hörte er er die lauten Stimmen der Weasleys und seiner Familie. Noch bevor der letzte Weasley einen Platz zum sitzen hatte, hatte Harry sich entschuldigt und war in sein Zimmer geflüchtet.
Harry weigerte sich seine Reaktion als kindisch anzusehen. Aber er hatte nun einmal nicht die nötigen Nerven, um sich mit Ronald oder einen von den anderen zu Unterhalten. Geschweige denn einen ganzen Raum voller Weasleys.
Und warum hatte sein Vater sie nicht wieder nach Hause geschickt? Soweit Harry wusste, wollten sie dieses Jahr unter sich bleiben?! Wieso durfte jeder seine Liebsten sehen nur er durfte nicht für einen Tag nach Moskau flohen.. Einen Tag!
Innerlich kochte Harry. Denn egal was er tat oder woran er dachte, er kam immer wieder zu den Punkt, dass seine Eltern ihn hintergangen hatten und er deshalb nicht Dimitri sehen durfte.
Harry spürte, wie seine Magie in ihm zu pulsieren schien, ohne das er sich darauf konzentrierte. Seine Magie strömte wörtlich durch seine Adern und war genau so aufgewühlt, wie Harry es war. Er spürte, wie sie sich ausdehnte und Harry völlig umgab. Die Luft um ihn herum wurde dicker und Harry hörte leises knistern.
Warum war das Leben nur so unfair zu ihm?
Ruckartig, so wie er es die letzten Tage andauernd geübt hatte, drehte Harry sich zu seinem Bett und streckte seine Hand aus. Seine geballte Faust öffnete sich als sein Arm ausgestreckt war. Harry spürte die Wucht die zu seinem Bett sauste. Fast wie eine riesige Welle an purer, ungezügelter Magie die sofort seine Hand verließ und gegen sein Bett prallte.
Das Bett hob mit zwei Beinen ab und flog dann mit einem lauten krachen gegen seine Zimmerwand wo es zerbarst und in mehreren großen Stücken auf dem Boden liegen blieb. Aber nicht nur sein Bett war getroffen worden, auch der Nachttisch und der Stuhl der davor stand wurden quer durch das Zimmer gestoßen und endeten an der gleichen Wand.
Harry stand immer noch innerlich kochend in seinem Zimmer und lies seine Hand ruhig sinken. Um ihn herum sah es aus, als wäre eine Bombe eingeschlagen. Holzsplitter und zerbrochenes Glas von seinem Nachttisch verteilten sich auf dem Boden. Die Wand ihm gegenüber mit dem zerbrochenen Rahmen seines Betts und der Stuhl lag halb vor seiner Zimmertür. Aber all das war Harry egal. Er stand wie in Trance in seinem Zimmer und schaute mit Stolz sein Werk an. Seine Magie und sein Gemütszustand beruhigten sich langsam, verschwanden aber nicht zur Gänze.
Plötzlich hörte Harry die Türklinke als jemand versuchte die Tür zu öffnen aber mit seiner Schulter gegen die Tür fiel weil Harry vorher geistesgegenwärtig die Tür abgeschlossen hatte.
„Harry? Harry? Ist alles gut bei dir? Warum ist die Tür abgeschlossen? Wir haben ein lautes krachen gehört." hörte er seinen Dad durch die Tür rufen und Harry sah, dass sein Dad öfters die Türklinke drückte, als würde er so in das Zimmer kommen.
Harry riss sich aus seiner Trance und fluchte leise. Er hob seine Hand und bewegte sie von den Trümmern zu der Stelle, wo sein Bett und Nachttischschrank ursprünglich standen. Sofort hoben die Holzsplitter die einmal sein Bett waren vom Boden ab, setzten sich in sekundenschnelle wieder zusammen und Harry dirigierte das Bett wieder an seinen alten Platz. Zeitgleich hatte sich sein Glas wieder repariert und setzte sich geräuschlos wieder auf den Nachttisch der auch wieder an Ort und Stelle stand.
Das ganze hatte keine drei Sekunden gedauert und Harry stand schon vor seiner Zimmertür. Lautlos entriegelte er die Tür mit seiner Magie und öffnete sie.
„Harry! Ein Glück ist dir nichts passiert. Was ist denn los?" fragte sein Dad und drängelte sich an Harry vorbei in sein Zimmer. Sirius, Remus, Nico, Ronald und Lily waren ebenfalls im Flur und kamen zu Harry ins Zimmer. Den Geräuschen auf der Treppe nach, kamen auch die anderen nach oben.
„Ich weiß nicht. Ich habe das krachen auch gehört aber hier war es nicht. Es hat sich mehr nach dem Dachboden angehört Dad." log Harry und hoffte, dass sein Gesicht nichts preis gab. Merkwürdigerweise fühlte Harry sich so, als sei er bei etwas schlimmes erwischt worden, obwohl seine Magie einfach nur etwas übergekocht war. So etwas geschah ja andauernd bei Minderjährigen. Aber eigentlich sollte das bei Harry nicht mehr passieren, weil er auf einer Schule lernte seine Magie zu kontrollieren.
Aber wenn Harry an diese pure Magie in seinen Händen dachte, dann wusste er, dass das nicht normal war. Keine Schule auf dieser Welt konnte ihm sagen wie er damit umzugehen hatte. Das musste er für sich selber erfahren. Aber er war sich sicher, dass wenn er seinen Eltern davon erzählte, dass sie das falsch auslegen würden. Sie würden das alles wieder auf Durmstrang schieben und dann konnte Harry sich eine ellenlange Predigt anhören.
„Vom Dachboden her?" fragte James zweifelnd und Harry konnte die zweifelnden Blicke von allen Seiten spüren. Dafür musste er sich nicht umdrehen um den Rest seiner Familie in die Augen zu schauen.
„Was soll ich den hier gemacht haben, was so ein gepolter auslöst?" fragte Harry rhetorisch und streckte seine Arme von sich damit sich sein Dad sein unbeschädigtes Zimmer anschaute.
James sah sich tatsächlich kurz in Harrys Zimmer um und schaute nach irgendwelchen Hinweisen was hier passiert sein könnte. Aber als er nichts fand, sah er zu Lily und die zwei scheinen eine stille Unterhaltung zu haben.
„Ist wirklich alles gut Harry?" fragte Lily.
Harry spürte den Ärger langsam wiederkehren. Er wollte garantiert keine längere Unterhaltung über seine Gefühle oder was sonst, wenn Ronald Weasley in seiner Zimmertür stand und ihn alle anderen wie ein Sonderfall ansahen.
„Alles gut Mum." sagte Harry mit Nachdruck. „Ich wollte noch den einen oder anderen Brief an meine Freunde schreiben und mich für die Geschenke bedanken, also wenn ihr könntet..." sagte Harry und hoffte bald seine Zimmertür wieder hinter sich schließen zu können.
„Okay, aber danach kommst du bitte wieder runter. Es ist Weihnachten. Da musst du nicht alleine auf deinem Zimmer sitzen." sagte seine Mum und langsam gingen alle wieder aus seinem Zimmer.
Harry schloss hinter dem letzten die Tür und schloss sie danach wieder ab. Er drehte sich um und lehnte sich gegen die Tür. Er atmete mehrmals tief durch um sich wieder zu fangen. Dann stieß er sich von der Tür ab und ging zu seinem Bett rüber wo er sich quer darauf fallen ließ.
Zum Glück war Rafe nicht in seinem Zimmer gewesen als Harry die Kontrolle verloren hatte. Er hätte bestimmt den Schock seines Lebens bekommen. Er musste in Zukunft definitiv besser aufpassen. Mit dieser gewaltigen Menge an purer Magie die er kontrollieren konnte, war ganz sicher nicht zu spaßen. Sie würde Harry in Zukunft sehr nützlich sein. Dessen war er sich sicher, aber wenn er noch einmal dermaßen die Kontrolle verlor..
Harry hörte ein leises Klopfen an seiner Tür und richtete den Kopf etwas auf. „Harry? Ich bin's." hörte er Tiaras leise Stimme durch die Tür.
Nicht sicher was er jetzt davon halten sollte, entriegelte Harry die Tür uns setzte sich auf seinem Bett aufrecht hin. „Es ist offen." rief er aber seine Schwester hatte den Riegel der Tür gehört und trat bereits ein.
Sie kam zu ihm rüber und nahm sich den Stuhl der vor ein paar Minuten noch durch die Luft geflogen war. Sie setzte sich ihm gegenüber darauf.
„Was war wirklich los?" fragte sie direkt und schaute Harry an.
„Gar nichts Tiara." sagte Harry. Er wollte mit niemanden aus seiner Familie darüber sprechen. Warum wählte seine Schwester genau diesen Moment um aufzuhören ihn zu ignorieren? Harry konnte sehen, dass Tiara unschlüssig war, wie sie dieses Gespräch führen sollte. Die letzten Monate ohne großen Kontakt zwischen ihnen forderte seinen Tribut. Sie saßen sich lange Zeit gegenüber ohne das einer das Wort ergriff. Seine Schwester konnte genau so stur sein wie Harry selber.
„Mum und Dad sorgen sich um dich. Sie denken, dass jemand dein Gehirn gewaschen hat." sagte sie schließlich unverblümt. Harry fragte sich kurz, wann seine Schwester so hart geworden war. So hatte er sie nicht in Erinnerung.
„Lass mich raten. Professor Quirrel." sagte Harry ernst und suchte nach einer Regung in ihrem Gesicht.
„Ganz genau. Mum und Dad denken, dass er irgendwas mit dir gemacht hat, sodass du freiwillig nach Durmstrang gegangen bist. Hat Jamie geredet?" fragte Tiara.
Harry speicherte die wichtigen Infos für später ab und schaute zu Tiara.
„Von dir weiß ich es jedenfalls nicht." sagte Harry. Den verletzten Ton musste er nicht mal vortäuschen. Er fühlte sich schrecklich von seiner Schwester verraten. Wenn Jamie ihm nichts gesagt hätte, dann hätte Harry immer noch im Dunkeln getappt.
Tiaras Gesichtszüge entglitten ihr kurz und Harry sah, dass seine Schwester tatsächlich ein schlechtes Gewissen hatte. „Mum und Dad wollten nicht, dass wir dir das erzählen." sagte sie zu ihrer Verteidigung.
„Wir?" harkte Harry sofort nach.
Tiaras Augen wurden kurz etwas größer. Sie schaute kurz zum Boden und murmelte dann. „Nico weiß auch Bescheid."
Diese Worten waren wirklich wie ein Stich in Harrys Herz. Eigentlich wusste er ja, dass er nicht mehr so fest in seiner Familie integriert war, aber das alle etwas wussten und es vor Harry geheim hielten? Nach außen hin verzog Harry keine Miene. Er nickte lediglich als hätte er Tiaras Worte verstanden und akzeptiert.
„Und was willst du jetzt von mir Tiara? Warum bist du in mein Zimmer gekommen?" fragte Harry sie. Er hatte Mühe seine Stimme normal klingen zu lassen und er spürte Wasser in seinen Augen. Aber er weigerte sich zu blinzeln damit die Träne nicht aus seinen Auge kam.
„Ich weiß nicht, du tust mir Leid." sagte Tiara und Harry schaute sie überrascht an.
„Dass die Weasleys jetzt da sind. Dass du deinen Freund nicht besuchen konntest. Und dann diese komische Sachen jetzt gerade.. Ich weiß nicht, ich wollte nach dir sehen." sagte Tiara und Harry sah, dass sich sich ernsthaft um ihn sorgte. Harry seufzte schwer auf. Das letzte was er wollte, war dass seine Schwester sich um ihn sorgte. Es war seine Aufgabe sich um Tiara zu kümmern und nicht anders herum.
„Danke." sagte Harry. „Warum schreibst du mir nicht mehr so oft und viel?" fragte Harry ehe er sich stoppen konnte.
„Ich weiß nicht, es hat sich viel geändert." sagte Tiara und schaute zur Seite zu Harrys Fenster.
„Was hat sich geändert? Anfangs war das nicht so." fragte Harry weiter.
Tiara sah Harry an und atmete tief ein. „Mum und Dad haben sich getrennt." sagte sie und schaute vorsichtig zu Harry.
Das war das zweite Messer aus Worten, dass tief in sein Herz stieß. Harry biss sich auf die Zunge um nicht sofort was zu sagen. In seinen Augen spürte Harry das sich mehr Tränen aus Wut und Verletztheit bildeten. Aber noch immer weigerte er sich zu blinzeln.
„Wann?" fragte Harry und musste sich beherrschen einen ruhigen Ton zu behalten. Die Magie in seinen Adern begann wieder zu pulsieren und Harry hatte Angst, dass er sie wieder nach außen projizieren würde und seine Schwester etwas bemerkte.
„Ich weiß nicht. Kurz nachdem du und Nico zur Schule seid." sagte Tiara schulterzuckend und schaute Harry mit traurigen Augen an.
„Und wieso dann das alles hier?" fragte Harry verwirrt und meinte die ganze Scharade um das Weihnachtsfest.
Seine Schwester verstand ihn auch ohne dass er es ihr erklären musste. „Sie hatten es dir noch nicht erzählt und wollten dir das Fest nicht verderben." sagte Tiara.
„Mir?" fragte Harry nach. In seiner Magengegend machte sich ein ungutes Gefühl breit.
Tiara seufzte wieder auf und es stiegen ihr Tränen in das Gesicht. „Harry" bettelte sie und die Magie rauschte wie wild in seinen Adern als sich ein böser Verdacht in Harry breit machte. Er konnte spüren, wie er langsam die Kontrolle verlor und sich die Magie in aufgewühlten Wellen nach außen ausbreitete.
Tiara runzelte kurz mit der Stirn und schaute sich in Harrys Zimmer um als sie die Magie spürte. Glücklicherweise hatte Tiara keine Ahnung, was genau sie da spürte und tat es als Harrys Reaktion ab, die die Stimmung im Raum abkühlen lies.
„Nein Tiara, sag mir die Wahrheit. Weißt du warum ich mich von euch entferne. Weil ihr mich nicht mehr als Teil dieser Familie seht. Ihr seht mich doch alle als den nächsten Dunklen Lord an." sagte Harry wütend.
„Du bist auch nicht mal eben so zu erreichen wie Nico." verteidigte Tiara sich und bestätigte Harrys Verdacht.
„Die Eulen fliegen genau so gut nach Durmstrang wie sie nach Hogwarts fliegen können." sagte Harry. „Eine Eule hätte ausgereicht."
„Aber Mum und Dad wollten das nicht über die Eule machen. Sie dürfen dich auf Durmstrang ja nicht besuchen." sagte Tiara und versuchte so Harry zu beruhigen.
„Und warum spielen sie dann hier noch so lange Theater?" fragte Harry sauer.
„Weil sie dir Weihnachten nicht verderben wollten." sagte Tiara noch mal.
Harry schüttelte verärgert den Kopf. Das durfte alles nicht wahr sein..
„Deshalb bist du so oft bei Sirius und Sarah." stellte Harry fest.
„Ja. Mum ist ausgezogen und hat sich eine Wohnung in London gemietet. Aber Dad ist den halben Tag nicht zu Hause. Deshalb bin ich am Grimmauld Platz." sagte Tiara und schaute Harry an.
„Und das soll jetzt ein Dauerzustand werden?" fragte Harry sarkastisch ohne das Tiara es merkte. Die ganze Geschichte war eine Katastrophe.
„Mum meint, dass das erst einmal auf Zeit ist. Sie und Dad sind sich noch nicht sicher wie es weiter gehen soll. Aber Mum meint, dass sie erst mal Abstand braucht. Ich hoffe und glaube, dass das wieder was wird mit ihnen." sagte Tiara leise und die Tränen rannten über ihr Gesicht..
„Genial." sagte Harry kopfschüttelnd. Mehr fiel ihm nicht dazu ein. Seine Magie zog immer noch wilde Bahnen durch seinen Körper und Harry hatte Mühe ruhig zubleiben. „Lässt du mich jetzt bitte alleine Tiara?"
„Harry" sagte Tiara doch Harry fiel ihr sofort ins Wort.
„Nein Tiara. Ich brauche jetzt meine Ruhe. Du kannst Mum und Dad sagen, dass ich heute nicht mehr runter kommen werde." sagte Harry gereizt. Er wusste, dass er gerade seine schlechte Laune unfairerweise an seiner Schwester ausließ, konnte aber nicht wirklich etwas dagegen tun.
Tiara zögerte kurz ehe sie sich langsam umdrehte und aus seinem Zimmer ging. Als die Tür ins Schloss fiel, hob Harry sofort seine Hand und verriegelte so die Tür.
Wütend fing Harry an im Zimmer auf und ab zu kaufen. Seine Mum wollte also nicht, dass Harry ihr Sachen verschwieg. Sie selber log ihn aber über Wochen hinweg an..
Harry lachte bei diesem Gedanken bitter auf und schüttelte den Kopf.
Warum spielten seine Eltern so ein Theater, wenn sie sich getrennt hatten? Und was lief überhaupt schief bei ihnen? War es seine Schuld? Weil er nach Durmstrang wollte?
Plötzlich wollte Harry nur noch raus. Aber er wusste nicht so recht wo er hin sollte. Dimitri war in Russland. Und da Weihnachten war, war das Ministerium nur notdürftig Besetzt. Harry würde niemals an die internationalen Kamine kommen um zu seinen Freund zu kommen. Für solche Termine musste man vor buchen. Calypso und ihr Vater waren verständlicherweise auch nicht in England. Schließlich hielt man sie hier für verstorben beziehungsweise für nicht existent. Und Viktor war irgendwo in Bulgarien und trainierte mit seiner Mannschaft. Wobei Harry stark hoffte, dass er sich heute Zeit für seine Familie genommen hatte.
Wütend drehte Harry sich um und stürmte aus seinem Zimmer.
„Hast du mit Harry gesprochen?" fragte Marlene als Tiara wieder unten im Wohnzimmer angekommen war. Der Großteil der Weasleys Kids hatte um den einst kleinen und jetzt magisch vergrößerten Wohnzimmertisch Platz genommen und hatten ein Brettspiel mit Nico und Jamie angefangen.
„Schh" sagte Tiara und zog Marlene am Arm hinter sich her. Gemeinsam verließen sie das Wohnzimmer und Tiara steuerte auf die Küche zu. Als sie die Stimmen ihrer Eltern durch die Küchentür hören konnte, blieb sie stehen und drehte sich zu Marlene um. „Komm, wir gehen kurz in mein Zimmer."
Oben angekommen schloss Tiara die Tür hinter Marlene und drehte sich zu ihr um. „Ich habe ihm alles gesagt." sagte Tiara leise. Sie hätte nicht gedacht, dass ihr Bruder so krass reagieren würde.
Marlenes Augen wurden groß und sie öffnete leicht ihren Mund. „Wie hat er es aufgenommen?" fragte sie.
„Nicht gut. Harry ist stinksauer. Seine Hände haben angefangen zu zittern und er hat mehr gezischt am Ende als gesprochen." sagte Tiara traurig. Aber im Nachhinein konnte Tiara ihm verstehen. Wie hätte sie wohl reagiert wenn man ihr die Trennung ihrer Eltern verheimlicht hätte?
„Irgendwo verständlich. Vielleicht hättest du es wirklich Lily und James überlassen sollen mit ihm zu reden." überlegte Marlene.
„Mum und Dad hätten einfach direkt nach Harrys Rückkehr mit ihm sprechen sollen anstatt diese Show abzuziehen. Ich konnte Harry überhaupt nicht in die Augen schauen die letzten Tage über." gestand Tiara.
Plötzlich klopfte es an Tiaras Tür und sie hörte die Stimme ihrer Mum durch die Tür. „Tiara, Marlene? Kommt ihr bitte runter. An Weihnachten müsst ihr euch nicht auf deinem Zimmer verstecken. Außerdem haben wir Besuch."
„Wir kommen." rief Tiara zurück. Dann, leiser zu ihrer Freundin. „Kein Wort, bitte. Mum und Dad töten mich."
„Versprochen." versicherte Marlene.
Schnell verließen die zwei Tiaras Zimmer und machten sich auf den Weg zur Treppe nach unten. Dabei liefen sie an Harrys Zimmer vorbei vor dem ihre Mm stand und Harry die gleiche Predigt hielt.
„... Besuch da. Es ist unhöflich sich dann nicht Blicken zu lassen." sagte Lily ernst.
Als keine Antwort aus Harrys Zimmer kam, machte Lily langsam die Tür auf und stellte erfreut fest, dass Harry diesmal nicht de Tür verriegelt hatte. Lily streckte ihren Kopf in das Zimmer, konnte ihren Sohn aber nicht finden. Schließlich öffnete sie Tür ganz und trat ein. „Harry?" rief sie.
„Alles okay Mum?" fragte Tiara vorsichtig und ging ebenfalls dicht gefolgt von Marlene in Harrys Zimmer.
„Ich hatte gar nicht gesehen, dass Harry unten ist." sagte Lily verwundert. Langsam ging sie zu dem Badezimmer, dass Harrys und Nicos Zimmer verband und warf einen Blick hinein. „Hier ist er auch nicht. Dann muss er unten sein." sagte Lily und leitete Tiara und Marlene aus dem Zimmer. Gemeinsam gingen sie nach unten und in Tiaras Bauch machte sich ein ungutes Gefühl breit. Vorsichtig schaute sie zu Marlene hinüber die ihr nur ein halbherziges lächeln zurück gab und leicht mit dem Kopf schüttelte.
Lily kam mit ihnen ins Wohnzimmer wo die Jungs immer noch alle ihr Brettspiel spielten. Ginny hatte sich neben Ron gesetzt und bildete mit ihm ein Team. Fred und George schienen schon ausgeschieden zu sein und versuchten nun Percy Tipps zu geben, die ihm aber mehr schadeten als halfen.
„Habt ihr Harry gesehen?" fragte Lily in die Runde. Nico schaute kurz auf und zuckte mit den Achseln. Ron hatte ebenfalls aufgeblickt und schüttelte mit dem Kopf ehe er etwas in Nicos Ohr flüsterte und beide anfingen zu lachen.
„Also hier war er nicht Lady Potter." sagte Percy formell und schaute Lily freundlich an.
„Okay, danke Percy. Wahrscheinlich ist er bei den anderen in der Küche." sagte Lily und drehte sich um. „Und unter uns kannst du wirklich diese lästigen Titel sein lassen." fügte sie noch augenzwinkernd hinzu ehe sie den Raum verließ.
Tiara und Marlene sahen sich kurz an und einigten sich stumm darauf im Wohnzimmer zu bleiben. Sie gingen rüber zu den anderen und schauten bei dem Spiel zu.
„Wenn ihr wollt könnt ihr mitspielen. Ich und Charlie haben noch keine Partner." sagte Jamie.
„Ne danke, ich schaue heute lieber zu." sagte Tiara und Marlene nickte zustimmend.
„Nachher heult ihr noch, wenn wir euch abziehen." sagte Marlene herausfordernd.
„Ha, als ob." sagte Bill schief grinsend.
Die Minuten vergingen quälend langsam. Tiara hoffte inständig, dass Harry irgendwo im Haus war. Aber wirklich sicher war sie sich nicht. Er war so sauer gewesen nach ihrem Gespräch. Aber wo sollte ihr Bruder denn hin gelaufen sein? Sie waren alle hier und er konnte auch nicht mal eben so das Land verlassen. Oder ging das doch?
„Weißt du, ob man kurzfristig das Land verlassen kann?" fragte Tiara leise sodass nur Marlene sie hören konnte.
„Ich glaube nicht. Dad meinte mal, dass man auf solche Reisen Steuern zahlen muss." sagte Marlene leise. „Denkst du wirklich, dass er weg ist?"
„Ich weiß es nicht. Aber Harry war so sauer.. Aber ich wüsste auch nicht, wo er hin sein könnte." gab Tiara zu. In diesem Moment kam ihre Mum wieder in das Wohnzimmer. Dicht gefolgt von ihrem Dad und den anderen Erwachsenen.
Tiaras Herz rutschte sofort in die Hose als sie das Gesicht ihrer Mum sah. Ihre Augen waren weit und sie sah sich panisch im Zimmer um. James schob sich vor sie nachdem sein Blick ebenfalls durch das Wohnzimmer ging.
„Ihr habt Harry wirklich nicht gesehen?" fragte er nochmal ernst in die Runde.
Auf die ernste Stimme ihres Dads reagierten die Jungs am Tisch aufmerksamer.
„Ist alles gut Dad?" fragte Nico neugierig.
„Harry ist weg. Er ist nicht in seinem Zimmer und im restlichen Haus können wir ihn auch nicht finden." sagte James.
„Oh Merlin. Er wird doch wohl nicht weg gelaufen sein oder?" rief Lily entsetzt und schlug eine Hand vor den Mund.
„Warum sollte er denn an Weihnachten weg laufen Lily?" fragte Molly und versuchte ihre Freundin zu beruhigen.
„Kommt, wir durchsuchen zusammen das Haus. Weit kann er nicht gekommen sein." versuchte Sirius es.
„Sirius, du und ich durchsuchen den Garten. Lily, Dora, ihr durchsucht die untere Etage. Sarah, Molly, ihr durchsucht die erste Etage. Remus, Arthur ihr schaut auf dem Dachboden nach." verteile James die Etagen. Er hatte in den vollen Auror Modus gewechselt.
Schnell gingen sie alle aus dem Wohnzimmer und hinterließen einen Haufen verwirrter Kinder. Nico sah aus, als würde er helfen wollen seinen Bruder zu suchen. Als wären alle Streitigkeiten vergessen. Jamie war schon auf halben Weg zur Wohnzimmertür als er von Bill aufgehalten wurde.
„Es macht jetzt keinen Sinn mit zu suchen. Du läufst ihnen nur zwischen den Beinen rum." sagte Bill und zog Jamie wieder zurück zum Tisch.
„Aber wir können doch nicht einfach so hier sitzen bleiben wenn Harry weg ist. Wir müssen ihn suchen!" regte sich Jamie auf.
„Vielleicht spielt uns dein Bruder nur ein Streich Nico." warf Ron unüberlegterweise in den Raum.
„Ich hoffe nicht. Mum und Dad töten ihn für so einen Stunt." sagte Nico leise.
Sie blieben alle schweigend im Wohnzimmer sitzen, das Spiel vergessen. Nach einer Viertelstunde gaben ihre Eltern es auf nach Harry zu suchen. Sie hatten das ganze Haus und den Garten abgesucht aber von Harry war keine Spur.
Über Lilys Gesicht liefen Tränen und sie hatte Mühe sich zusammen zu reißen.
„Komm Krone, wir flohen zum Ministerium und geben eine offizielle Suche frei. Oder hast du eine Ahnung wo Harry hin sein könnte?" fragte Sirius.
„Ich weiß es nicht. Der einzige Freund von Harry den ich kenne wohnt in Moskau." sagte James taub. Er hatte ein schreckliches Gefühl in der Magengegend. Warum war Harry weg gelaufen? Nur weil die Weasleys da waren? Was war vorher in seinem Zimmer passiert? Und viel wichtiger, wo war er hin gelaufen?
„Komm Krone." hörte er Sirius ein zweites mal. Er spürte Sirius Hand an seinem Arm als er von Sirius zu dem Kamin gezogen wurde.
„Ich komme mit." sagte Lily sofort und kam hinterher.
„Nein Lils, es ist besser wenn du hier bleibst falls Harry zurück kommt." sagte Sirius autoritär und schaute zu seiner Frau.
„Komm Lily, wir machen uns ein Tee. Dora, du solltest dich auch etwas ausruhen. Denk an das Baby." sagte Sarah und huschte ihre Freundinnen in die Küche.
„Können wir irgendwie helfen?" fragte Arthur an Sirius gewandt als dieser schon fast mit James am Kamin angekommen war.
Sirius deutete auf die aufgescheuchten Kinder im Wohnzimmer ehe er mit James zum Ministerium flohte.
Remus blieb mit Molly und Arthur im Wohnzimmer zurück. Ratlos blickten die drei sich an bis Molly schließlich ihre Kinder aufforderte sich fertig zu machen um nach Hause zu flohen.
„Ihr müsst nicht gehen Molly." sagte Remus.
„Sucht ihr in Ruhe nach Harry. Lasst uns bitte wissen wenn ihr ihn gefunden habt." sagte Molly abwinkend. „Wir würden euch jetzt nur im Weg stehen."
„Okay" gab sich Remus geschlagen. Nach und nach verließen die Weasleys über den Kamin Godrics Hollow bis Remus nur noch mit Nico, Jamie, Marlene und Tiara im Zimmer stand.
„Habt ihr Lust auf eine Runde?" fragte Remus und deutete auf das Spiel um die Kids zu beschäftigen.
Stundenlang suchten James und Sirius mit den anderen Auroren die öffentlichen Plätze wie die Winkelgasse, Hogsmeade oder das kleine Dorf von Godrics Hollow ab. Aber von Harry fehlte jede Spur. Die Sonne war bereits vor Stunden unter gegangen und in weiten Teilen Englands hatte ein eisiger Schneesturm begonnen.
James blieb verzweifelt stehen und schüttelte den Kopf. Er musste Harry finden. Alle Streitigkeiten mal beiseite. Sein zwölfjähriger Sohn war wer weiß wo. Wenn er nicht durch Todesser oder ähnliches gefährdet war, dann durch die eisige Kälte.
Sirius kam zu ihm und gemeinsam beobachteten sie ihre Kollegen dabei, wie sie durch Hogsmeade liefen und immer wieder Harrys Namen riefen, in der Hoffnung sein Sohn würde antworten.
„Hast du noch eine Idee wo er sein könnte?" fragte Sirius und war fast durch den tosenden Schneesturm nicht zu hören.
„Ich weiß nicht." sagte James verzweifelt. Er wusste, dass er schon vor Stunden die Kontrolle über sich und so über die ganze Situation verloren hatte. Sirius hatte dies ebenfalls bemerkt und hatte seither das Kommando über den Suchtrupp übernommen.
„Denk nach James. Kinder laufen nicht einfach irgendwo hin. Harry ist irgendwo da, wo er schon mal gewesen ist." versuchte Sirius es weiter. Aber James schüttelte verzweifelt den Kopf.
In dem Moment kam Sturgis Podmore zu ihnen. „Hogsmeade ist sauber. Keine Spur von deinem Jungen James." rief ihr Ordens Kollege über den Sturm hinweg. Verzweifelt fuhr James sich mit der Hand durchs Haar. Wenn er doch bloß wüsste, wo er weiter suchen könnte..
„Ich will nicht unhöflich sein, aber ich denke, dass wir die Suche morgen fortsetzten sollten. Es ist stockdunkel und bei dem Sturm können wir ohne Magie keine zwei Meter weit sehen. Morgen früh haben wir bessere Chancen Harry zu finden." sagte Sturgis und hoffte, James und Sirius nicht auf die Füße zu treten.
Sirius sah die Verzweiflung in James' Augen. Aber Sturgis hatte ein gutes Argument vorgebracht. So gerne Sirius auch selber weiter suchen wollte, es war wirklich klüger die Suche auf morgen zu verschieben und über Nacht die Reserven aufzuladen.
„Pfeife das Team zusammen und geht nach Hause. Danke für eure Hilfe." sagte Sirius schließlich niedergeschlagen.
„Alastor und ich kommen morgen früh vorbei und helfen euch weiter suchen." versicherte Sturgis bevor er sich umdrehte und zu seinen Kollegen ging um sie zu ihren eigenen Familien zu schicken.
„Komm James. Es wird Zeit, dass wir ins warme kommen." sagte Sirius und schob seinen besten Freund vor sich her, ehe er ihn am Arm packte und zusammen mit ihm nach Godrics Hollow flohte. Als sie im Flur ankamen hörte Sirius sofort wilde Schritte auf ihn zurasen und Lily erschien hinter ihnen in der Küchentür. „Harry?" fragte sie und blickte ihn Hoffnungsvoll an.
Sirius konnte sich nicht dazu bringen es auszusprechen. Stattdessen schüttelte er nur traurig mit dem Kopf. Sofort brach Lily weinend zusammen und Sarah erschien hinter ihr um sie aufzufangen.
„Setzt euch erst einmal in die Küche" sagte Dora als Sarah mit Lily aus der Tür verschwunden war und Dora in den Flur kam. „Dann können wir besprechen wie es weiter geht."
Sirius schubste James leicht an damit sein Freund sich überhaupt mal bewegte. Wenn Sirius es nicht besser wüsste, würde er sagen, dass James in einen Schock geraten war.
Sarah hatte Lily auf den nächsten Stuhl gesetzt und hatte sich vor ihr hin gehockt um sie zu trösten. Remus war vom Küchentisch aufgestanden und fing an dampfende Tassen zu zubereiten. Sirius selber begleitete James zu dem Stuhl neben Dora und ließ sich dann gegenüber von den anderen am Tisch auf einen Stuhl fallen.
„Hier James, das ist heiße Schokolade. Das wird dir helfen." sagte Remus ruhig und drückte James eine Tasse in die Hand. Ihr Freund schien immer noch wie in Trance zu sein. Dann reichte Remus auch Sirius eine Tasse die er dankend annahm.
„Wo kann er nur sein?" fragte Lily schluchzend.
„Zu seinem Freund nach Moskau ist er nicht. Ich habe bei der zuständigen Behörde im Ministerium nachgefragt bevor wir mit dem Suchtrupp los sind. Im Ministerium war Harry nicht." sagte Sirius.
„Was ist denn mit der Spur? Könnte man Harry nicht damit finden?" fragte Dora in die Runde.
Am liebsten hätte Sirius sich für seine eigene Dummheit geohrfeigt. Die Spur! Harry hätte nie in der Winkelgasse oder Hogsmeade sein können. Die Spur um Harry hätte sich aktiviert wenn andere in seiner Gegenwart gezaubert hätten und das Ministerium hätte James über den Aufenthaltsort von Harry aufgeklärt. Die ganzen letzten Stunden in der eisigen Kälte waren umsonst gewesen.
„Dass Harry nicht auffindbar ist.. heißt dass, dass er in der Muggelwelt ist?" fragte Sarah vorsichtig.
„Vielleicht ist er ja bei Petunia." rief Lily plötzlich und sprang auf. Sarah drückte sie wieder auf denn Stuhl, damit Lily nicht Hals über Kopf zu ihrer Schwester apparierte. „Selbst ich weiß, dass Harry niemals freiwillig zu seiner Muggel Tante fliehen würde Lily. Aber vielleicht läuft er in Muggel London herum?" fragte sie noch mal.
„Das könnte gut Möglich sein. Harry könnte aber auch bei einem Freund zu Hause sein. Dann würde sich die Spur auch nicht aktivieren, weil Harry in einem Zaubererhaushalt ist. Entweder aus den selben Gründen wie hier, weil angenommen wird, dass es Erwachsene waren die gezaubert haben, oder weil die Schutzzauber um das Haus so stark sind, dass sie überhaupt keine Signale nach außen geben." erklärte Remus.
„Soweit ich weiß, hat Harry keine Freunde hier in England. Also kann ja nur Muggel London bleiben. Oder er ist wirklich hier in Godrics Hollow. Also draußen in dem Dorf." überlegte Lily leise und schaute sehnsüchtig zum Küchenfenster als würde Harry jeden Moment davor auftauchen.
„Das Dorf war sauber. Wir haben noch nicht mal Spuren im Schnee gefunden die von unserem Haus weg führten." sagte James und schaute Lily an.
„Harry weiß sicherlich wie er seine Spuren im Schnee mit Magie verschwinden lassen kann." sagte Lily.
„Aber dann wäre seine Spur aktiviert worden." gab James zurück.
„Und wenn er den Zauber auf unserem Grundstück gesprochen hat? Harry ist nicht dumm James!" sagte Lily deutlich verärgert. James warf Lily einen scharfen Blick zu aber noch bevor er was sagen konnte ging Sirius schnell dazwischen.
„Wo sind eigentlich die Kinder?" fragte er.
Lily und James schauten sich immer noch verärgert an sodass seine Frau ihm schließlich antwortete. „Marlene und Jamie schlafen bei Tiara und Nico. Sie wollten zwar wach bleiben und auf euch warten aber wir sind schließlich schon in den Morgenstunden."
„Wir sollten auch bald ins Bett gehen. Dann sind wir morgen früh fit und können direkt weiter nach Harry suchen." sagte Remus und stand auf um schon mal den Tisch abzuräumen. James wandte sich schließlich von Lily ab und schaute zu seinen Freunden. „Wollt ihr hier schlafen?"
Sirius blickte fragend zu Sarah rüber die leicht mit dem Kopf schüttelte. „Ich braue zur Zeit einen Zaubertrank. Ich muss morgen früh ein paar Zutaten hinzufügen ansonsten waren die letzten zwei Wochen umsonst." sagte sie entschuldigend.
„Remus und ich können bleiben für den Fall das was passiert." sagte Dora und schaute einen nickenden Remus an.
„Dann ist ja alles geregelt. Ich bin noch vor dem Frühstück wieder da und Sarah kommt wenn sie ihre Zutaten in den Trank geschmissen hat." sagte Sirius und stand auf.
„Bis morgen." sagten die anderen bevor er und Sarah aus der Küche verschwanden und zu einem der Kamine gingen, die direkt mit ihrem Zuhause verbunden waren. Sirius ließ seiner Frau den Vortritt und warf kurz nach ihr das Flohpulver in den Kamin und rief „Grimmauld Platz"
Elegant trat er aus dem Kamin und fand sich in seiner Küche wieder. Sarah wartete bei dem Tisch auf ihn. „Am besten legen wir uns direkt hin." sagte sie und Sirius nickte mit dem Kopf.
Als sie gemeinsam die Treppen zu ihrem Schlafzimmer rauf gingen, fiel Sirius plötzlich ein leichtes Licht auf, dass aus einem der Flügel kam. Er griff Sarahs Handgelenk und drängelte sich vor sie.
„Was ist?" fragte sie und Sirius deutete auf das leichte schimmern auf dem Fußboden.
„Vielleicht hat Jamie vergessen hier das Licht aus zu machen. Oder die Hauselfen räumen auf." flüsterte Sarah.
„Ich schaue nach, du bleibst hier." sagte Sirius und zückte seinen Zauberstab. Langsam ging er die letzten Stufen hoch zur Zweiten Etage. Dann schlich er sich leise an der Wand vorbei immer dem Licht nach. Sirius fragte sich kurz, ob er James oder Remus holen sollte, falls es Todessern gelungen war hier einzudringen. Obwohl um den Grimmauld Platz mitunter die besten Schutzzauber lagen, die es gab. Dank seiner überaus paranoiden und verrückten Vorfahren.
Als Sirius den Flur entlang schlich bemerkte er, dass das Licht aus der Bibliothek kam. Hatte Jamie oder vielleicht Marlene wirklich vergessen das Licht aus zu machen? Aber warum hatten die Hauselfen dann nicht das Licht aus gemacht?
Er blieb neben der geschlossenen Tür zur Bibliothek in dem stockdunklen Flur stehen. Das einzige Licht kam unter der Tür her und Sirius horchte angestrengt auf irgendwelche Geräusche die ihm verrieten was los war. Er konnte nicht wirklich was hören, was aber nicht bedeutete, dass nicht eine ganze Gruppe von Menschen in der Bibliothek sein konnte. Schließlich gab es genügend Zauber die Geräusche verstummen ließen. Eine der ersten Lektionen in der Auroren Schule.
Sirius entschied sich für die direkte Variante. Er öffnete leise den Türknauf und schob die Tür zwei Millimeter weit auf, sodass der Riegel aus dem Schloss raus war. Dann positionierte er sich vor der Tür, den Zauberstab im Anschlag und trat gegen die Tür.
Die Tür flog weit auf und Sirius nahm drei große Schritte in den Raum und richtete sein Zauberstab auf die Stelle, von der er aus den Augenwinkeln Bewegungen wahr genommen hatte.
Harry war so sehr in sein Buch versunken, dass er bei dem lauten Geräusch aufsprang. Instinktiv drehte er sich um und streckte seine Hand aus. Entsetzt sah Harry, wie sein Onkel in die Luft flog und nach hinten gegen die Wand geschleudert wurde. Schnell ließ Harry seine Hand sinken und rannte zu Sirius.
„Oh nein, das tut mir Leid Sirius. Das wollte ich nicht." rief Harry und reichte Sirius die Hand um ihn aufzuhelfen.
Sirius der etwas geschockt war, dass er so überrumpelt wurde und mit einem lauten krachen gegen eine Wand geschleudert wurde ließ sich von Harry aufhelfen. Von Harry!
„Harry! Bei Merlin, wir haben dich überall gesucht!" sagte Sirius und drückte Harry fest an sich als er wieder sicher auf beiden Beinen stand. Harry ließ sich überrascht von Sirius drücken und wartete ab.
„Warst du die ganze Zeit hier? Warum bist du weg?" fragte Sirius erst erleichtert und dann leicht verärgert.
Harry trat einen Schritt von seinem Onkel weg und kratze sich verlegen am Kopf. „Ich wollte meine Ruhe haben. Ich wusste sonst nicht, wo ich hin sollte."
„Du wolltest deine Ruhe haben? Weißt du eigentlich, was wir uns für Sorgen gemacht haben? Deine Mum und dein Dad drehen fast durch! James und ich haben ganz - " aber viel weiter kam Sirius nicht, weil in diesem Moment vier weitere Personen mit erhobenem Zauberstab in die Bibliothek rannten.
Abrupt blieb James stehen als er die Situation vor sich in der Bibliothek wahrnahm. Sein bester Freund war gerade dabei gewesen seinem ältesten Sohn ins Gewissen zu reden. Harry stand leicht verlegen vor ihm und hörte sich alles stumm an, als wäre nichts gewesen. Beide stoppten sie als James und die anderen in die Bibliothek rannten und schauten überrascht zu ihnen. Leichte Wut über Harrys Verhalten stieg in ihn auf aber hauptsächlich spürte James Erleichterung.
„Harry!" hörte James neben sich und Lily drängte sich an ihm vorbei und nahm Harry in die Arme. James konnte von hier aus sehen, wie Harry sich anspannte und die Umarmung nicht erwiderte. Langsam ging James zu den beiden und als Lily ihren Sohn los ließ, nahm James Harry ebenfalls in den Arm.
„Bei Merlin. Ich habe laute Geräusche und poltern gehört. Ich dachte wer weiß wer sei hier eingebrochen. Ich bin sofort zurück zu Lily und James die zum Glück noch wach waren." erklärte Sarah und nahm Sirius erleichtert in den Arm.
„Ich schicke Dora schnell einen Patronus damit sie nicht vor Sorge umkommt." sagte Remus und verschwand aus dem Raum.
James ließ Harry wieder los und schaute ihn fragend an. „Warum bist du weg Harry? Wir haben uns sorgen gemacht." fragte er und biss sich danach auf die Zähne um nicht mehr zu sagen. Aber der Vorwurf klang deutlich mit in seinen Worten.
Harry spannte sich an und blickte zwischen ihm und Lily hin und her. „Ich brauchte meine Ruhe." sagte er und streckte das Kinn leicht vor. Eine Geste der Verteidigung.
„Deine Ruhe Harry? Die hättest du auch in deinem Zimmer haben können. Warum bist du einfach so verschwunden ohne jemanden von uns Bescheid zu geben! Du weißt, dass du das Haus nicht einfach so verlassen darfst. Weißt du eigentlich, was die letzten Stunden alles los war. Dein Vater und Sirius sind mit den anderen Auroren draußen gewesen und haben dich gesucht! Wir anderen haben das ganze Haus abgesucht. Ich bin fast krank vor Sorge gewesen. Und du sitzt hier seelenruhig uns ließt irgendwelche Bücher?! Warum Harry? Warum?" redete sich Lily in Rage und wurde dabei immer lauter. James versuchte sie zu beruhigen und legte ihr eine Hand auf die Schulter. Aber Lily schien das nicht zu wollen und zuckte leicht weg, damit James Hand von ihrer Schulter runter fiel.
Harry bemerkte den Versuch seines Dads und die Ablehnung seiner Mum und spürte wie seine Welt um ihn herum ins Wanken geriet. Es von seiner Schwester zu hören und es selber zu sehen waren zwei völlig unterschiedliche Dinge. Wie konnten sie noch eine Familie sein, wenn sich ihre Eltern so benahmen?
„Harry? Ich habe mit dir geredet! Ich will eine Antwort haben." sagte Lily und schaute Harry erwartungsvoll an.
„Ich will auch so viele Antworten haben. Zum Beispiel warum ihr mir nichts gesagt habt?" fragte Harry bitter anstatt ihr zu antworten.
„Was? Was haben wir dir nicht gesagt?" fragte Lily verwundert wohingegen in James ein schlechtes Gefühl aufkam. Wie hatte Harry davon erfahren? Er war doch alleine gewesen auf seinem Zimmer und er und Lily hatten sich so viel Mühe gegeben die Tage davor.
Harry lachte bitter auf und schüttelte den Kopf ehe er ihn in den Nacken legte und zur Decke sah. Dann blickte er erst seinem Dad in die Augen bevor er wieder zu seiner Mum schaute. „Wann wolltet ihr es mir sagen? Wenn ich mein 7. Jahr in Durmstrang beendet habe? Bei meiner Hochzeit? Wann?"
Lily war immer noch ratlos und schaute verwirrt zu Harry. James hingegen wusste jetzt ganz genau, dass sie aufgeflogen waren und das dass ganze eine verdammt blöde Idee war. „Es tut mir leid Harry. Wir haben einen Fehler gemacht, dass weiß ich jetzt. Wir hätten sofort mit dir reden sollen als du von Durmstrang zurück warst." entschuldigte sich James.
Lilys Kopf wandte sich abrupt von Harry ab und stattdessen Blickte sie mit großen Augen zu James. Plötzlich wusste sie genau was passiert war. Schnell wandte sie sich wieder zu Harry. „Es tut mir so leid Harry. Wir wollten mit dir sprechen. Aber wir wollten dir Weihnachten nicht verderben." sagte sie.
„Ach so. Aber Nico und Tiara Weihnachten zu verderben war okay?" fragte Harry sarkastisch. „Immerhin wussten die zwei ja Bescheid."
„Nein, so war das nicht Harry, das musst du uns glauben. Nico und Tiara wussten das schon früher" versuchte Lily die Wogen zu glätten ohne zu merken, dass ihre Worte das ganze noch schlimmer gemacht hatten.
„Und warum wusste ich das nicht eher? Gehöre ich nicht zu dieser Familie das ich so etwas nicht erfahren muss?" fragte Harry wütend.
„Harry, Tiara hat alles sofort mitbekommen. Sie war ja hier bei uns. Und mit Nico konnten wir sprechen, weil Albus es uns erlaubt hat ihn in Hogsmeade zu treffen. Aber wir haben keine Möglichkeit nach Sibirien zu reisen und dich auf Durmstrang zu besuchen. Sonst wären wir auch zu dir gekommen." sagte James und hoffte, dass Harry sie verstehen würde.
„Eine Eule Dad. Eine! Wenn nicht zu mir, dann zu Schulleiter Karkaroff. Ihr hättet zwar nicht kommen können, aber ich hätte ins britische Ministerium flohen können für den Tag." sagte Harry kalt. Wenn seine Eltern es gewollt hätten, dann wäre alles möglich gewesen. Oder Harry hätte in die Winkelgasse flohen können.
„Es tut mir leid Harry. Wir hätten das wirklich anders machen müssen und dich mit einbeziehen." sagte James noch mal. Er fühlte sich, als wäre er in den letzten Minuten um Jahre gealtert. Er war Müde und am liebsten würde er sich mit seinem Sohn vertragen und dann ins Bett gehen. Aber Harry sah nichts so aus, als würde er in den nächsten Minuten klein beigeben.
Das hatte auch Lily bemerkt. „Harry, wir wollten wirklich mit dir sprechen. Auf Durmstrang konnten wir dich nicht erreichen. Da war es natürlich einfach das ganze aufzuschieben. Als du dann zurück warst, war Weihnachten schon so nah und wir hatten bereits den Streit wegen Dimitri gehabt. Wir wollten dir nicht noch mehr nehmen. Deshalb haben wir die anderen gebeten dir nichts zu sagen." sagte Lily.
„Und dann habt ihr angefangen das ganze Theater zu spielen." sagte Harry grimmig. „Weißt du was Mum? Dimitri hätte mich niemals so hintergangen wie ihr es getan habt. Ich soll immer zu dir kommen und mit dir sprechen Mum? Warum fängst du nicht erst einmal an mit mir zu sprechen und mir wichtiges zu erzählen bevor du das von mir verlangst."
„Harry" sagte Lily verzweifelt und schaute hilfesuchend zu James. Aber James wusste auch nicht wirklich was er dazu sagen konnte. Irgendwo hatte Harry jedes Recht dazu sich aufzuregen. Aber einfach so wegzulaufen war auch keine Lösung. „Harry, ich weiß, deine Mum und ich haben Fehler gemacht. Aber das heißt nicht, dass du einfach so verschwinden kannst, ohne uns Bescheid zu geben. Wenn du nicht mit uns reden wolltest, dann hättest du uns wenigstens eine Notiz zurücklassen können." versuchte James es vorsichtig.
„Es tut mir leid." sagte Harry in dem gleichen Ton wie er und Lily sich vor kurzem noch entschuldigt hatten. Einfache Worte die keine Bedeutung zu haben scheinen.
„Warum flohen wir nicht zurück nach Godrics Hollow? Es war ein langer Tag für uns alle. Wir schlafen eine Nacht über alles und reden morgen noch mal da drüber." schlug James vor.
„Nein" sagte Harry und sah James herausfordernd an.
„Harry, wir können nicht ungeschehen machen was wir getan haben. Aber deine Mum und ich müssen dir noch viel erklären. Willst du das wirklich jetzt noch alles ausdiskutieren?" fragte James.
„Nein. Ich will gar nichts von euch hören. Ich will bei Sirius und Sarah bleiben. Ich will nicht mit euch zurück nach Godrics Hollow wo ihr nur so tut, als ob wir eine Familie sind. Denn das sind wir schon lange nicht mehr." sagte Harry mit Nachdruck.
„So kannst du das auch nicht sagen Harry. Deine Mum und ich haben immer alles für euch getan. Zur Zeit haben wir eben ein paar kleine Probleme. Aber das wird sich auch wieder legen." versuchte James seinen Sohn zu überzeugen.
„Das interessiert mich heute herzlich wenig. Ich möchte nicht mit nach Hause." sagte Harry stur.
„James. Wie wäre es wenn Harry erst mal hier bleibt?" mischte sich Sirius vorsichtig in das Gespräch ein.
„Das geht nicht. Albus kommt morgen zu Besuch." sagte Lily zweifelnd.
„Dann schickt ihn einfach hier her." sagte Sirius.
Lily und James sahen sich beide unzufrieden in die Augen, gaben aber schließlich doch noch nach. Gemeinsam flohten sie zurück nach Godrics Hollow. Dort angekommen ließ Lily sich erschöpft auf einen Küchenstuhl fallen während James sich ein Glas Feuerwhiskey eingoss.
„Ich hasse es, dass unsere Kinder nach Sirius flüchten." stöhnte Lily gequält auf.
„Sie fühlen sich hier eben nicht mehr wohl." sagte James und nahm einen großen Schluck aus seinem Glas. Langsam brannte sich der Schluck in seiner Speiseröhre nach unten.
„Das darf doch alles nicht wahr sein." sagte Lily als zur gleichen Zeit in London, im Grimmauld Platz das letzte Licht ausgegangen ist und Harry sich auf die Seite drehte um Schlaf zu finden.
„Harry? Albus ist da." sagte Sarah als sie den Kopf in Harrys Zimmer steckte das er immer bewohnte wenn er bei Sirius und Sarah zu Besuch war.
Trotz des Streits mit seinen Eltern hatte Harry in der letzten Nacht einigermaßen gut geschlafen. Er war zwar nicht den ganzen Abend wie aufgescheucht herum gerannt wie sein Dad und Sirius, hatte aber in der Black Familienbibliothek ein spannendes Buch über dunkle Flüche aus dem 13. Jahrhundert gefunden. Zum Glück hatte gestern niemand so genau darauf geachtet, was Harry gelesen hatte als Sirius in die Bibliothek gestürmt war. Sonst wäre der Abend wahrscheinlich noch ganz anders verlaufen. So konnte Harry sich das Buch mit ins Zimmer nehmen und das Cover mit einen Tarnzauber belegen. Jetzt sah es so aus, als würde Harry ein Buch über fortgeschrittene Verwandlung lesen anstatt ein Buch, dessen nettester Fluch einem die Eingeweide aus dem Magen holte. Professor Rosier zumindest würde begeistert sein, wenn Harry eine größere Auswahl an dunklen Flüchen beherrschte.
„Ich komme." sagte Harry und Sarah nickte kurz mit dem Kopf bevor sie den Raum verließ um wieder runter zu Albus zu gehen. Das Frühstück mit Sirius und Sarah heute morgen war eine ruhige Angelegenheit gewesen. Erst wussten die zwei nicht, über was sie mit Harry reden sollten bis Sarah ihn noch mal auf die Schule angesprochen hatte. Aber da Durmstrang auch nicht gerade ein beliebtes Gesprächsthema bei seinen Paten war, verfielen sie schon bald zu einem unangenehmen Schweigen.
Harry war froh, als er wieder auf sein Zimmer konnte und das Buch weiter lesen konnte. Er hatte sich beim lesen viele Notizen gemacht und war sich sicher, einige der Flüche jetzt schon meistern zu können. Am liebsten würde er die letzten einhundert Seiten jetzt noch lesen, aber so lange würde Albus nicht auf ihn warten. Harry musste heute so oder so vorsichtig sein mit seinem 'Großvater'.
Gestern hatte Rafe ihn hier im Grimmauld Platz gefunden, noch bevor Sirius und Sarah nach Hause gekommen waren. Er hatte einen Brief von Calypso dabei, den Harry noch einmal schnell las, bevor er runter in die Küche ging.
Hallo Harry,
vielen, vielen Dank für dein Geschenk. Ich habe mich sehr darüber gefreut. Und ich freue mich auch für dich, dass es dieses Jahr keine rote Invasion gibt. Vielleicht besteht ja doch noch Hoffnung für deine Familie und sie erkennen den 'Wert' der Weasley Familie.
Dass Dumbledore mit dir Sprechen will, ist eher unheilvoll. Zumindest wenn man dem Grund glauben schenkt. Hattest du denn wirklich so ein gutes Verhältnis zu deinem ehemaligen Professor? Ich habe mit meinem Vater darüber gesprochen und der schien auch nicht gerade Begeistert gewesen zu sein. Das einzige das ich/wir dir mit auf den Weg geben können ist, dass wenn du nicht möchtest das Dumbledore etwas erfährt, du ihm nicht in die Augen sehen darfst! Mein Vater weiß, dass Dumbledore ein begabter Legilimentiker ist. Das heißt, er kann dir wenn er will in den Kopf schauen. Aber das geht nur bei Augenkontakt, also pass auf dich auf! Und ich möchte wissen, was bei dem Gespräch raus gekommen ist. Beziehungsweise was genau passiert ist.
Ansonsten ist alles gut bei mir. Ich sitze den Großteil meiner Ferien in meinem Zimmer und lerne für die Schule. Hast du noch irgendetwas interessantes unternommen oder lassen deine Eltern dich immer noch nicht aus dem Haus?
Über Weihnachten bekommen wir Besuch von meiner Patin, Narzissa Malfoy und ihrer Familie. Ist das nicht wunderbar?
Calypso
Als Harry den Brief zu Ende gelesen hatte, musste er lachen. Er konnte schon fast Calypsos sarkastische Stimme im Kopf hören als sie über die Malfoys schrieb. Lange hielt seine Freude aber nicht. Er musste unbedingt herausfinden was Legilimentik war. Aber wenn sein Großvater wirklich in seinen Kopf schauen konnte, dann war Harry am Ende. Professor Quirrel hatte mit ihm duelliert. Das verstieß auf jeden Fall gegen die Regeln. Aber andererseits, wen wollte Albus jetzt noch dafür bestrafen? Weder Harry noch Professor Quirrel waren noch da.
Also was genau konnte passieren? Würden seine Eltern ihn von Durmstrang abziehen? Aber seine Mum und sein Dad hatten andere Probleme. Harry würde ihnen einfach ein schlechtes Gewissen einreden wegen der Trennung und darauf hoffen, dass er auf Durmstrang bleiben konnte. Darüber hinaus macht es auch kein Sinn mehr nach Hogwarts zurück zu kehren. Durmstrang war viel weiter was den Unterricht anging. Harry würde seinen Klassenkameraden weit voraus sein und sich noch mehr langweilen als er es beim ersten mal getan hatte.
Nicht gerade erfreut über seinen Besuch machte Harry sich auf den Weg zurück in die Küche. Dort angekommen sah er Sirius und Sarah zusammen mit Albus am Tisch sitzen. Alle drei hatten sie eine dampfende Tasse vor sich stehen und schienen sich locker über das verbrachte Weihnachtsfest zu unterhalten. Als Harry die Küche betrat blickten sie alle auf und Sarah winkte ihn mit an den Tisch. „Möchtest du auch eine Tasse Früchtetee?" fragte sie.
„Ja, danke." sagte Harry und setzte sich neben Albus, damit es nachher nicht so auffallen würde, wenn er ihm nicht in die Augen sah. „Frohe Weihnachten" sagte Harry nickend zu ihm.
„Das wünsche ich dir auch Harry." sagte Albus lächelnd. „Obwohl ich gehört habe, dass euer Fest relativ angespannt war."
„Es ging. Ich habe immerhin Zeit gefunden um in Ruhe ein Buch zu lesen." sagte Harry und zuckte leicht mit den Schultern. Sirius machte gegenüber von Harry ein unglückliches Gesicht bei Harrys Worten.
„Hier Harry. Aber pass auf, das Wasser hat gerade erst gekocht." sagte Sarah und stellte die Tasse vor Harry ab. Dann schaute sie Sirius auffordernd an und sein Pate stand schnell auf. „Komm Sarah, Schnuffel muss bestimmt mal vor die Tür." sagte er.
„Das ist eine gute Idee. Wir lassen euch mal alleine." sagte Sarah und zusammen verließen sie die Küche.
Harry fing an seinen Tee zu süßen und umzurühren. Wenn Albus gerne mit ihm sprechen wollte, dann konnte er auch das erste Wort haben. Lange musste Harry auch nicht darauf warten.
„Wie läuft es auf Durmstrang?" fragte Albus.
„Wirklich gut. Meine Noten sind einwandfrei, ich habe Freunde gefunden.. Es ist wirklich alles gut." versicherte Harry ihm mit einem lächeln wobei er Albus noch in die Augen schaute.
„Das freut mich Harry." lächelte Albus mit einem funkeln im Auge. „Vor kurzem haben sich einige Schulleiter von europäischen Instituten getroffen. Da habe ich deinen Schulleiter auch seit langen mal wieder gesehen. Ich muss sagen, Ivan Karkaroff ist ein eindrucksvoller Mann."
Harry zuckte darauf lediglich mit den Schultern. Was sollte er auch dazu sagen?
Aber Albus zog das Schweigen dermaßen in die Länge, dass es Harry unangenehm wurde. Und noch waren sie bei keinem gefährlichem Thema angekommen.
„Schulleiter Karkaroff unterrichtet nicht. Ich hatte also bis jetzt nicht wirklich viel mit ihm zu tun." sagte Harry und zuckte noch mal mit den Schultern.
„Auch wieder wahr. Eigentlich ein gutes Zeichen, dass du ihn nicht besser kennst. Dann bist du ein unauffälliger Schüler. Auf Hogwarts bist du auch nicht sonderlich aufgefallen. Also negativ." lächelte Albus.
„Ich weiß nicht, ob ich das als Kompliment sehen soll oder nicht." sagte Harry ehrlich. Unauffällig, so würde er sich niemals selber Beschreiben. Geschmeichelt fühlte er sich auch nicht von Albus' Beschreibung.
„Eindeutig ein Kompliment an dich Harry." sagte Albus lächelnd.
Harry lächelte ebenfalls und richtete sich in seinem Stuhl etwas auf. „Ich weiß, dass du wegen Professor Quirrel hier bist." sagte Harry gerade heraus. Er war es leid um den heißen Brei herum zu reden und legte die Karten auf den Tisch.
Albus sah tatsächlich einen kleinen Moment überrascht aus. „Ich bin immer wieder aufs neue überrascht, wie gut ihr Kinder untereinander vernetzt seit." lächelte er.
Harry vermied es weiterhin ihm in die Augen zu sehen und fuhr mit den Fingern an obersten Rand seiner Teetasse her. Er sah es nicht ein, seinem Großvater zu verraten wer genau ihn gewarnt hatte, also schwieg er geduldig.
„Ich dachte dass es dich vielleicht interessiert Harry. Immerhin standest du Professor Quirrel sehr nahe. Wenn ich mich richtig erinnere, war er der einzige Professor mit dem du dich regelmäßig auf Hogwarts getroffen hast Harry." sagte Albus.
Jetzt fühlte Harry sich doch dazu gedrängt etwas zu sagen. „Aber es ist nie etwas passiert was ich nicht wollte." sagte Harry und schaute in Albus Gesicht. Nicht in seine Augen, sondern knapp dadrüber auf dessen Augenbrauen.
„Denkst du, dass ich deswegen hier bin Harry? Denkst du, dass Professor Quirrel was mit dir gemacht haben könnte?" fragte Albus ruhig und nahm einen Schluck aus seiner Tasse.
„Nein, aber ich denke, dass ihr alle der Meinung seit. Euch hat es nie gefallen, dass ich nach Durmstrang wollte." erwiderte Harry stur.
„Recht hast du. Aber mittlerweile denke ich anders Harry. Ich habe gesehen, dass du glücklich bist Harry. Dass du Freunde gefunden hast. Etwas, dass du auf Hogwarts leider nie geschafft hast." sagte Albus traurig. „Selbst wenn wir der Meinung sind, dass dein Freundeskreis fragwürdig ist, so ist dein Freund nicht sein Vater. Also bekommt er die Chance."
„Und was für eine Chance ist das?" regte Harry sich auf. „Meine Familie diskriminiert Dimitri am offenen Tisch." sagte Harry bitter.
„Gib deinen Eltern ein bisschen Zeit Harry, sie machen gerade eine schwere Zeit durch. Ihr müsst jetzt alle als Familie zusammenhalten." sagte Albus ernst.
„Ich will jetzt nicht über meine Familie sprechen." sagte Harry und stand auf. „Sind wir fertig?" fragte er ungeduldig.
„Ich würde dich nie zwingen mit mir am Tisch zu sitzen Harry." sagte Albus traurig und gab Harry ein Zeichen, dass er aufstehen könnte. „Ich wünsche dir Frohe Weihnachten Harry."
„Danke, dir auch." erwiderte Harry ehe er zusah aus der Küche raus zu kommen.
So hatte er das Gespräch nicht geplant. Aber er war einfach alles leid gerade. Am liebsten wäre er zurück auf Durmstrang. Weit weg von allem um sich auf anderes zu konzentrieren. Eigentlich wollte er nur, dass alles wieder so einfach war wie früher. Er wollte seine Familie wieder so sehen wie noch vor einen guten Jahr. Aber mit seinen Freunden im Leben und mit Durmstrang.
„Frohes neues Jahr Potter" sagte Draco Malfoy und prostete Harry mit seiner Flasche Butterbier zu.
„Danke dir auch Malfoy." sagte Harry und erwiderte den Prost.
Der Silvesterball war deutlich langweiliger als Harry ihn sich vorgestellt hatte. In dem großen Ballsaal im Ministerium war ein Haufen Erwachsender die auf der Hut waren. Die andere Hälfte der Gäste machte Smalltalk und versuchte seine sozialen Kontakte aufleben zu lassen. Keiner hatte auf die Kinder geachtet die anfingen sich zu langweilen.
So kam es, dass Harry irgendwann mit Draco Malfoy ins Gespräch kam. Sehr zum Missfallen seines kleinen Bruders und dessen besten Freund.
Harry der keine Lust auf den Kindergarten hatte, flüsterte Draco zu, dass er es sich auf einen der unzähligen Balkonen abseits des Ballsaals gemütlich machen würde und ging. Malfoy folgte ihm 5 Minuten später, in den Händen so viele Flaschen Butterbier wie er tragen konnte.
„Jetzt bin ich ein kleinbisschen Traurig Hogwarts verlassen zu haben. Ich sehe deutlich wie viel Spaß wir an solchen Abenden hätten haben können." lachte Harry und nahm die Flasche, die Draco für ihn geöffnet hatte dankend entgegen.
„Jedes mal wenn Slytherin Gryffindor auf dem Quidditchfeld geschlagen hätte." grinste Draco.
„Ich habe von Nico gehört, dass du Sucher bist. Glückwunsch." sagte Harry und stieß mit Draco an.
„Danke, ich habe von Calypso gehört, dass du in deinem ersten Jahr auch gespielt hast." sagte Draco. „Warum spielst du jetzt nicht mehr?" fragte er.
„Keine Zeit. Ich habe mir so vieles vorgenommen. Meine Zeit ist kaum ausreichend." sagte Harry ehrlich und lehnte sich an die Balustrade.
„Stimmt, ich habe schon gehört, dass Durmstrang anspruchsvoller sein soll. Calypso war da sehr deutlich." grinste Draco.
„Das kann ich nur bestätigen. Wie läuft es auf Hogwarts?" fragte Harry als Draco sich ebenfalls an das Geländer lehnte und in die dunkle Nacht blickte.
„Eigentlich wie immer. Sei nicht böse, aber außer meiner Wenigkeit hat dich kaum jemand vermisst. Naja, wir haben weniger Hauspunkte bekommen nachdem du weg warst." sagte Draco schulterzuckend. „Dein Bruder und seine Freunde sind die Ausgeburt des Teufels aber sonst. Alles gut" fügte er grinsend hinzu.
„Komisch, in den Ferien höre ich stets, dass du der Nachkomme Satans wärst." grinste Harry ebenfalls.
„Dein Bruder ist ein Idiot." sagte Malfoy nur nochmal.
„Kann schon sein." stimmte Harry leiser zu und die zwei verfielen in ein ruhiges Schweigen.
„Darf ich dich was fragen?" fragte Draco schließlich und durchbrach die Stille.
„Sicher." sagte Harry und schaute Draco neugierig an.
„Warum hast du niemanden erzählt, dass die Rosiers noch leben?" fragte Draco und sah Harry an.
„Ich weiß nicht, ich denke im Anfang hatte ich Angst, dass meine Eltern mich wieder zurück nach Hogwarts schicken." sagte Harry ehrlich.
„Und jetzt?" fragte Draco weiter.
„Jetzt will ich einfach nicht noch mehr Probleme bekommen." sagte Harry. „Meine Familie denkt so oder so schon nicht gut von mir. Wenn das raus kommt, dass ich ihnen das verschwiegen habe, dann ist alles vorbei." Ob es schlau war so ehrlich zu dem blonden Jungen zu sein? Wahrscheinlich nicht. Aber Draco war die einzige Verbindung die er noch zu seiner eigenen Zeit auf Hogwarts hatte. Er hatte nie großartige Probleme mit ihm gehabt. Irgendwie fühlte Harry eine Verbundenheit zu Draco und er war sich sicher, dass es Draco ähnlich ging.
„Ich wünschte ich könnte auch nach Durmstrang. Aber meine Mutter würde das nie zulassen." sagte Draco traurig.
Und so kam es, dass Harry allein mit Draco Malfoy im britischen Zaubereiministerium in das neue Jahr feierte. In ein Jahr, in dem seine Eltern getrennt leben würden. Ein Jahr, in dem er hoffentlich seinen Rennbesen fertig bekam.
Ein Jahr, in dem er hoffentlich nicht abrutschen würde.
