Hallo zusammen, heute kommt ein neues Kapitel.

Da die Bindung stattgefunden hat, erfolgt nun der Austausch der Erinnerungen.

Es wird sicherlich Ereignisse geben, die im späteren Verlauf erwähnenswert werden und hier nicht aufgeführt sind. Zwei komplette Leben 1 zu 1 nieder zu schreiben wäre auch sehr übertrieben :)

Viel Spass mit dem ersten Teil von Toms Vergangenheit

Eure K4mik4tz3

,,..." jemand spricht

/.../ jemand denkt

~...~ Parsel

37. Kapitel Ich zeig Dir mein Leben, wenn Du mir Deins zeigst (Tom 1/2)

Hermine pov

Das Erste, was die Dunkelheit ihrer Ohnmacht durchdrang, war ein Herzschlag. Ruhig und gleichmässig erklang er. Ein erleichtertes Gefühl durchflutete sie, Tom lebte, sie hatte es geschafft. Sie wusste zwar weder woher sie wusste, dass es Toms Herzschlag war, noch wie genau sie es geschafft hatte. Wobei, wenn man ehrlich war, war nicht sie es, die es geschafft hatte, sondern das Wesen in ihr. Nun wo sie sich auf sie konzentrierte, bemerkte sie, dass sie ihre Anwesenheit nicht mehr spüren konnte, wie sonst. Kurz flackerte Angst in ihr auf, doch dann bemerkte sie, dass es sich nur geändert hatte, wie sich das Wesen in ihr an fühlte. Es fühlte sich nicht mehr wie ein separaten Teil ihrer selbst an, sondern wie eine Erweiterung ihres Bewusstseins. Doch bemerkte sie auch, dass ihr Wesen im Moment nicht ansprechbar war, das Bewusstsein schien zu schlummern.

Vor ihr erschien ein Licht, es wirkte wie ein Fernsehbildschirm in einem schwarzen Raum. Es kam näher und mit ihm wurde das Lichtbild auch immer grösser. /Es ist fast wie in einem Denkarium/ Dachte sie kurz, doch im Gegensatz zu Erinnerungen in einem Denkarium, war hinter ihr immer noch der schwarze Raum. Das Bild machte nur einen Teil des Raumes aus. Eher wie eine Leinwand im Kino, nur ohne Popcorn oder den weichen Sesseln. Als das Bild schärfer wurde, erkannte sie, dass es sich um eine Erinnerung zu handeln schien.

Denn das kleine etwa zweijährige Kind, welches dort auf den Fellen lag, war eindeutig Tom.

Vorsichtig trat sie näher und überschritt ohne auf Widerstand zu treffen, die Linie vom schwarzen Raum und hinein in das Bild. Der Kleine sah sie nicht, während sie sich interessiert über ihn beugte. Es war unglaublich, obwohl das Kind nur etwa zwei Jahre sein konnte, war eine Verwechslung ausgeschlossen. Die Rabenschwarzen Haare waren im Gegensatz zu sonst ein heilloses Durcheinander, aber die grauen Augen blickten bereits jetzt interessiert und konzentriert. Sein Blick lag fokussiert auf den Gegenständen vor sich. Er spielte mit ein paar Glasperlen, die bei Berührung miteinander anfingen in ihren jeweiligen Farben auf zu leuchten. Erst auf den zweiten Blick erkannte sie eine vereinfachte Version des Koboldstein Spiels darin. Ein Verzücktes Lachen hallte durch den Raum als er einen Spielzug beendete, sie wendete sich von ihm ab und blickte sich im Raum um.

Die Wände schienen aus hellem Holz zu bestehen, der Raum war rund und in freundlichen Farben gestaltet. Ein Kinderbett, eine riesige Spielecke mit diversen Kissen und Plüschtieren. Sie musste bei dem Anblick schmunzeln. Der Wickelkomode und dem Schrank schenkte sie keine weitere Beachtung, dafür trat sie an eines der Fenster, welche die meisten Wände einnahmen. Auch aus der Nähe sah sie zuerst nur grün, doch nun erkannte sie auch, was es war. Ein einziges Blätterwerk, sie mussten sich in der Krone eines Baumes befinden. Ein kurzes Aufblitzen gegenüber liess sie sich auf das nächste Blätterdach konzentrieren, auch dort waren Fenster zu erkennen und zwischen den Bäumen führten Hängebrücken von einem Gebäude zum nächsten. Es schien ein Baumhaus zu sein, deren einzelne Räume über Brücken miteinander verbunden waren. Einen Moment war sie fasziniert von der Bauweise dieser Gebäude, doch dann wendete sie sich wieder dem Kleinkind zu.

Verschiedene Kindheitserinnerungen liefen vor ihr ab. Sie wurde dabei entweder aus einem Bild ins nächste gezogen, oder manchmal erschienen um die aktuelle Erinnerung Abbildungen von anderen ähnlichen Momenten. Sie beobachtete Tom wie er sich mit tapsigen Schritten durch sein Zimmer hangelte. Wie er langsam sicherer mit seinen Schritten wurde und er gross genug wurde die Fensterbänke zu erreichen und sich festzuhalten um raus zu sehen.

Sie sah wie er manchmal in der Nacht weinte und Ric oder Sal nach ihm sahen um ihn zu trösten. Fasziniert lauschte sie Salazar, wie er auf Parsel ein Schlaflied sang und wünschte sich, sie würde die Sprache noch besser verstehen. Während Sal sein Beschützer in der Nacht zu sein schien, machte Ric Tom mit der Umgebung bekannt. Und so konnte sie nun selbst mehr von Toms Kindheit und dem Ort an dem er aufgewachsen war miterleben.

Wie auch Tom betrachtete sie fasziniert die Welt, welche ihnen gezeigt wurde. Es schien ein einziger riesiger Wald zu sein. Wo man auch hinblickte standen Bäume, Büsche oder Sträucher, nie verliessen sie das Dichte Grün. Und dazwischen immer wieder Blumen und Kräuter. Viele Heilblumen wie sie erkannte, doch auch einige, welche ihr gar nicht bekannt waren.

Die Bäume standen zum Teil so dicht, dass das Sonnenlicht die Erde nicht berührte. Sie glaubte, dass das Licht deswegen anders schien, doch es dauerte einige Erinnerungen, bis sie erkannte woran es wirklich lag. Als man in eine Erinnerung den Himmel sehen konnte, erkannte sie dass dieser Grün war. Es war nicht ein kräftiges grün, eher ein Mintgrün, was an der Mittagsstunde liegen konnte. Doch zwischen dem grünen Blätterwerk das sie seit Tagen zu begleiten schien fühlte sich dieser mintgrüne Himmel richtig an. Es wirkte natürlich und als ob der Himmel immer mintgrün gewesen war.

Und dennoch konnte sich trotz all der Schönheit ein Teil von ihr nicht von ihr nicht vor der Frage verschliessen, wo sie hier gelandet war. Denn ihr war keine Gegend auf der Erde bekannt, wo es einen grünen Himmel gab. Die Antwort musste also magischer Natur sein, den alles andere würde einen andernen Planeten bedeuten und das wäre nun wirklich sehr weit hergeholt.

Sie überdachte die Möglichkeit, ob es sich dabei um eine magische Decke handeln könnte wie in der Grossen Halle, doch bei der Fläche die diese abspannen musste, konnte sie nicht daran glauben. Auch wenn den sie wusste, dass man Räume so verwandeln konnte, dass es wirkte als wäre man draussen, so schloss sie dies auch aus. Es gab keine Wände, man wusste es einfach. Es fühlte sich nicht wie eine magisch Veränderte Umgebung an.

Während sie über alles nachdachte zogen die Erinnerungen an ihr vorbei. Tom der lachend Seifenblasen nachjagte, Tom der den Eichhörnchen Nüsse brachte. Tom der mit krackliger Schrift seinen Name übte. Wie er mit Ric durch den Wald strich um Pflanzen und Beeren zu pflücken. Wie Sal am Abend bei ihm am Bett sass und ihm etwas vorlas. Viele schöne ruhige Erinnerungen folgten der nächsten.

Nach und nach entdeckte sie in den Erinnerungen auch andere Gebäude, sie alle waren versteckt unter den Baumwipfeln. Nur selten sah man eine andere Bauart, diese Häuser waren aus Stein, bedeckt mit Moos und Gras, so dass sie obwohl sie auf dem Boden standen zwischen dem dichten Wald nicht auffielen. Ein einziges Gebäude unterschied sich von allen anderen. Doch das hatte Hermine bis jetzt nur aus der Ferne gesehen, ein weisser Bau, welcher sich deutlich vom sanften Grün in seiner Umgebung abhob.

„Aufstehen. Du wolltest doch mit zu den Bowtruckle kommen." Lenkte sie eine Stimme auf eine andere Erinnerung. Sie wurde aus dem Bild in den schwarzen Raum gezogen und blickte einen Moment von Aussen auf die Szene, bevor diese sie in sie hinein sog. Ric stand an einem kleinen Bett, aus dem man nur ein schwarzer Schopf rausragte. Ein schwarzer Wirbelwand sprang aus dem Bett und zum Schrank und kurz darauf stand ein vollangezogener kleiner Tom vor Ric. Dieser Lachte, zerzauste seine wirren Haare noch mehr und führte ihn aus dem Raum. Als die beiden die Schwelle überschritten, waren sie direkt in der nächsten Erinnerung.

Sie waren tief im Wald, von überall her erklang ein Trillern, Pfeifen, Krächzen, Rascheln und andere Tier Rufe. Ric trug Tom auf dem Rücken, da das hohe Gestrüpp im Wald zu hoch für den kleinen Jungen war. Vor einem riesigen Baum blieben sie dann stehen.

Man konnte auch durch die Erinnerung die Macht dieses Baumes spüren, die Luft schien zu knistern. Doch es war nicht wie kurz vor einem Gewitter, die Luft um sie herum fühlte sich auf ihrer Zunge irgendwie träger, zähflüssiger an. Sie fand keinen besseren Ausdruck als Honigartig. Obwohl sie diese Bezeichnung unbefriedigend fand. sie hatte noch nie gehört, das jemand Magie als Honigartig beschrieb. Professor Flitwick wäre bei dieser Behauptung sicherlich von seinem Stapel Bücher gefallen.

Als ein Rascheln durch die Baumkrone fuhr, riss sie sich aus den Überlegungen über die Unwirklichkeit dieser Szene fort und genoss einfach, dass sie die Gelegenheit hatte daran teilzunehmen. Ehrfurchtsvoll blieb Tom dort stehen, wo er abgesetzt worden war und blickte hinauf in die Krone. Das Rascheln schien nicht abzubrechen, es wurde mal leiser mal lauter, doch nie verstummte es vollends. Das Blätterwerk schien einen ständigen Tanz auf zu führen, in einem nicht existierenden Wind. Es hatte etwas hypnotisches an sich. Dann erkannte Hermine die Wesen die sich darin befanden.

Hunderte Bowtruckle auf einem Haufen, die durch das Blätterwerk huschten, tanzten, ihre Unterkünfte her richteten oder in den Kronen einander nachjagten. Sie hatte noch nie so viele dieser magischen Tierwesen auf einem Haufen gesehen. sie hatte auch nicht gewusst, dass ihre Kolonien so gross werden konnten. ,,Dann wollen wir mal sehen, ob es allen gut geht." Sagte Ric und holte ein Glas mit Holzläusen heraus. Er trat mit einer Handvoll an einen der tiefergelegten Äste. Sofort war dieser Ast voll mit Bowtruckles, die um die Gunst von Ric, beziehungsweise die Leckerbissen buhlten. sie hüpften hin und her, wedelten mit ihren Armen, riefen und johlten, nur um von ihm beachtet zu werden.

Nach und nach holte sich Ric einer der Bowtruckle hinunter, untersuchte ihn auf Grösse, Aussehen und Verletzungen. Als Belohnung gab er ihnen dann die Holzläuse. Hermine bemerkte erstaunt, dass er sie auch auseinander halten konnte. Es gab Einen, der immer und immer wieder versuchte sich eine weitere Laus zu ergattern. Am Ende winkte Ric Tom zu sich heran, freudig stürmte er neben seinen Dad. Ihm wurde eine Laus in die Hand gelegt, die er freudig dem immer wiederkehrendem Bowtruckel hin streckte. Dieser stürzte sich auf die Laus, lief über den Arm und wuselte als dank danach auf seinem Kopf herum. Mit Toms Lachen löste sich das Bild auf. Kurz war der schwarze Raum übermächtig, doch dann setzte der mittlerweile vertraute Sog ein.

Die nächste Szene, welche auftauchte war, wie Ric zusammen mit Tom auf das grosse Gebäude hin lief, welches ihr bereits vorher aufgefallen war. Als sie es nun vollständig sehen konnte war es atemberaubend. Es war ein beeindruckender Bau, er hatte etwas majestätisches an sich, obwohl es keines der Elemente beherbergte, welches majestätischen Gebäuden sonst ihren Glanz verliehen. Keine Statuen, kein weisser Marmor oder Reliefs an den Seiten. Nur ein rundes weisses Gebäude, es stach scharf aus seinem Hintergrund heraus und doch schien es einfach hier hin zu gehören. Das Beeindruckteste an diesem Monument war wohl der riesige Baum, welcher auf dem Dach zu wachsen schien. Es strahlte irgendetwas aus, was einem einfach innehalten liess um es einen Moment zu betrachten. Ric öffnete die Tür und liess Tom, welcher in den üblichen Leinensachen gekleidet war zuerst eintreten. Genau wie der Junge blieb sie überrascht und überwältigt hinter der Tür stehen, sprachlos und überwältigt. Der Baum wuchs nicht auf dem Dach. Er wuchs mitten durch die Eingangshalle und als sie nun nach oben blickte, sah sie das Blätterwerk über ihnen. Die Baumkrone war tatsächlich das Dach des Gebäudes.

Sie hörte Ric gespannt zu, wie er erklärte, dass der Baum bei Sonne diese ins Haus lies und bei Regen diesen abhielt. Eine Galerie zog sich als zweite Etage direkt unter dem Blätterdach um den Grundriss. Unter dem grossen Baum waren mehrere Kissen auf dem Boden ausgebreitet und verschiedene Elben in jedem Alter hatten sich dort hingesetzt. Es wurde nur geflüstert, wie in einer Bibliothek und tatsächlich konnte sie beim erneuten umsehen mehrere Bücherregale im oberen Stockwerk erkennen. Obwohl sie ein totaler Büchernarr war, hatte sie der Anblick des Baumes so sehr abgelenkt, dass sie sie einfach nicht gesehen hatte. nun konzentrierte sie sich auch auf den Rest des Raumes. Der grosse Runde Raum in dem sie standen, war in vier verschiedene Bereiche unterteilt, der Boden unter dem Baum schien dabei das Herzstück zu sein.

An der linken Seite standen vier grosse eiserne Fässer, in einem wuchs ein kleiner Baum. Eines war voller Wasser und ein Fisch sprang ab und zu daraus hoch und landete danach wieder darin. In einem kreiste doch tatsächlich ein kleiner Tornado, munter drehte er seine Kreise. Im vierten brannte ein stetiges Feuer und das leise Knistern erfüllte den Raum.

An der rechten Seite des Raumes waren verschiedene Töpfe mit unterschiedlichen Pflanzen. Auf einem langen Tisch standen mehrere Töpfe mit verschiedenen Blumen und Kräutern, aber auch einige grössere Töpfe mit verkleinerten Bäumen und Pilzen waren zu sehen. Die Wand dahinter war übersät mit schmalen durchsichtigen Kristallen, darin schienen konservierte Pflanzen aus aller Welt zu sein.

Die Wand gegenüber der Tür, durch den Stamm des Baumes halb verdeckt, wurde von mehreren verschiedenen Kristallen gesäumt. Unter jedem Kristall war der Name in das Mauerwerk gemeisselt. Sie erkannte auch diverse Tabellen für Arithmantik auf den Tischen darunter, sowie einige Sternenkarten.

Es war ein seltsamer Ort und sie lauschte Ric gespannt, als dieser dem jungen Tom alles erklärte während er mit ihm durch die verschiedenen Räume lief. Es war eine Art Schule für Elben, nur ganz anders vom System her, wie sie es kannte. Die vier eisernen Fässer beherbergten alle ein Element. Hier erkannten Elben welchen Element sie zugetan waren bevor die Verwandlung einsetzte. Sie wurden auch verwendet, dass zum Beispiel Feuerelben lernen konnten ihr Element zu erlernen ohne den Wald an zu zünden. Bei Bedarf konnte eine schillernde und doch durchsichtige Wand hochgezogen werden um die anderen im Raum nicht zu beeinträchtigen.

Die Pflanzen auf der anderen Seite wurden für die Pflanzenkunde genutzt, hier konnte man sich mit mehreren tausend Exemplaren befassen. Manche direkt in den verschiedenen Wachstumsfasen, andere konserviert in da nicht jede Pflanze in dieser Umgebung wuchs. Es bestand aber, anders als Hermine geglaubt hatte, nicht aus Kristallen, sondern war verzaubertes Glas. Er erzählte auch, dass es ein Gewächshaus in der Nähe gibt.

Die Kristalle, waren für verschiedene Rituale und Banne sehr wichtig und hier lernten junge Elben alles über sie. Genau wie Runenkunde, Arithmantik und Astrologie. Nun konnte sie auch erkennen, dass die Namen unter den Kristallen sogar in mehreren Sprachen gemeisselt waren. Sie konnte nur Englisch und alte Rune entziffern.

Die Bibliothek, war durch eine einfache weisse Holztreppe zu erreichen. Die Regale schienen bis ins Blätterwerk hinein zu ragen. Es war eine gut ausgestattete Bibliothek. Reih um Reih stand Regal neben Regal. Dazwischen immer mal wieder kleine Tische, mit gemütlichenen Stühlen davor. Sie juckte es selbst in den Fingern sich eines der Bücher zu nehmen. Das Lesen unter diesem Blätterdach musste herrlich sein. Und unvorstellbar, was sie alles in dieser Bibliothek entdecken könnte.

Die Bibliothek und auch jeder andere Bereich, war für jeden zu jederzeit frei zugänglich. Es gab keinen Stundenplan, keine Aufgaben oder Noten. Jeder lernte das, was er lernen wollte und brauchte. Wiederum half man jemandem wenn man etwas besser konnte als dieser. Hermine zweifelte etwas an der Effizient dieser Methode, doch die verschiedenen Bereiche waren gut besucht. Es schien wirklich fleissig gelernt werden.

Dann kam Ric auf den grosse Baum zu sprechen. Er war nicht nur das Herzstück des Hauses, er war eher schon fast das Heiligtum der Kolonie. Waldelben hörten dort, die Stimme des Baumes. Durch sein Alter und die natürliche Magie des Baumes wurde er hoch geschätzt. Hermine konnte so etwas nicht ganz nachvollziehen, obwohl sie die Schönheit und die Faszination, die vom Baum ausging nicht leugnen konnte. Sie hatte diese ganze Wesensmagie noch nicht vollständig verstanden.

Erinnerung um Erinnerung von Tom an diesem Ort liefen an ihr vorbei. Sie sah Tom langsam wachsen, während er, manchmal mit Ric, manchmal allein, in der Tagesschule sass. Wie bei einem Film, den man vorspulte. Tom hatte viel Zeit in der Tagesschule verbracht. Sie begleitete ihn bei der Entdeckung der verschiedenen Bereiche. Stundenlang huschte er von Regal zu Regal und zog Bücher heraus um sie dann zu lesen. Wie er am Anfang wie jeder andere vor den Baum gesetzt hatte. Doch die steile Falte auf seiner Stirn wurde jedes Mal tiefer, bis er dann irgendwann aufhörte er auf den Baum zu besuchen und sich den anderen Gebieten der Schule widmete.

Die Magie mit den Kristallen lag ihm nicht, er erkannte ihren Wert und auch den Nutzen darin, doch sie waren ihm in der Anwendung und der Beschaffung zu eingeschränkt. Runenkunde war da schon eher etwas für ihn. Runen konnte man fast überall anbringen. Mit den richtigen Mitteln konnte man sie in jedes Material prägen und sie waren auch um einiges unauffälliger. Arithmantik lag ihm sehr und bereitete ihm viel Freude. Die Astrologie lernte er zwar, doch sie schien ihm keine Freude zu bereiten.

Die Pflanzenkunde war etwas, was ihn faszinierte. Sie vermutete dass aus den Tränkebraustunden mit seinem Vater resultierte, dass er so ein Interesse daran zeigte, doch es war schön ihm bei der Tätigkeit zu zusehen.

Die Elben schienen ein wissbegieriges Volk zu sein, die Schule war ständig gut besucht. Auch wenn sich ein grossteil darauf zu beschränken schien vor dem Baum zu meditieren. Celduin war einer der wenigen, der nie mit den anderen Meditierte. Es war nicht so, dass er die Stimme des Waldes nicht hörte, doch laut ihm wiederhole sich das Gesagte nach ein paar Jahrzehnten. Er höre lieber den jungen Bäumen zu, die hätten immerhin was zu erzählen. Er war ein eingebrötlerischer Kauz, der zwar jeden angrumelte wenn man ihm eine Frage stellte, sie dann jedoch meist beantwortete. Er war so alt, dass er bereits alle Bücher mehrmals gelesen hatte und daher immer eine gute Empfehlung für Tom bereit hatte, der jedes Buch fast verschlang.

Sie lächelte wehmütig bei der Erkenntnis, dass sie und Tom in ihrer Kindheit mehr gemeinsam hatten, als sie gedacht hatte. Er war zwar nicht von anderen Kindern verspottet und gemobbt worden, doch das lag daran, dass es gar keine Kinder gab. Die einzigen jungen Elben die sie sah, waren im Teenageralter und hatten besseres zu tun, als sich mit einem Kleinkind, wie sie ihn nannten abzugeben. Allgemein schien es so, dass die Kolonie überwiegend aus Erwachsenen bestand. Was nicht verwunderlich war, wenn man die Lebensdauer dieser Wesen betrachtete. Dennoch war es nicht einfach für ein Kind inmitten von Erwachsenen aufzuwachsen.

Es gab aber noch einen anderen Ort, den Tom gerne zu besuchen schien. Unweit des Schulgebäudes stand das Haus der Heilerelbe, es war ein es schmales Gebäude. Im vorderen Bereich waren Krankenbetten angebracht, dann kam ein Brauraum und nach der nächsten Tür stand man in einem Gewächshaus mit verglaster Decke.

Sie erkannte, dass das Gebäude zwar schmal aussah, man aber von Aussen nicht gesehen hatte wie lang das Gebäude wirklich war. Gewächshäuser bestanden normalerweise nicht aus Magie, da diese die Pflanzen in ihrem Wachstum stören konnten.

Die Heilerelbe war ein altes Weib, Namens Elanor, sie war zwar eher klein und zierlich, doch ihr Bewegungen waren dennoch schnell und präzise. Ihr langes Haar war schneeweiss und sie trug es stets zu einem hohen Knoten gebunden. Dieser wirkte immer so, als müsse er sie zum Umkippen bringen, doch er machte auch ihre fehlende Grösse wieder wett. Der junge Tom liess sich von der alten Elanor die Kräuter und Pflanzen erklären. Auch wenn er für das Umpflanzen nicht viel zu halten schien.

Sie war eine energische und strenge Frau, doch sie schien auch Freude an dem jungen Tom zu haben. Sie schien über die Jahre so etwas wie eine Vertraute zu werden. Interessant war auch die Tatsache, dass Celduin erstaunlich oft bei ihr war um sich über seinen Rücken und die Nutzlosigkeit ihrer Heilmittel beschwerte.

Das zuschlagen einer Tür riss sie aus der Erinnerung und zog sie in die nächste. Sie war wieder in Toms Zimmer, es lag im Dunkeln und nur vereinzelte Leuchtkristalle erhellten den Raum. Tapsige Schritte vom Bett her, liessen sie den Kleinen erkennen, er war immer noch sehr jung, mittlerweile wahrscheinlich sechs Jahre. Es war seltsam ihn nach der vorherigen Erinnerungen wieder ein paar Jahre jünger zu sehen. Sie benötigte einen Moment um sich zu sammeln.

Sie beobachtete Tom, wie er auf Zehenspitzen zu der Tür schlich. Hinter ihr kam eine kurze Hängebrücke zum Vorschein, welche etwas nach unten in einen anderen Raum führte. Der Raum war grösser als Toms Zimmer und war der Haupt Wohnraum der Familie. Die Decke bestand vollständig aus Glas, so dass Tom von seiner erhöhten Position aus einen guten Teil des Raumes überblicken konnte. Hermine stellte sich neben ihn und betrachtete wie Tom dessen Eltern.

Sal schien gerade nach Hause gekommen zu sein. Sein Haar war noch um einiges länger als zu der Zeit in der sie ihn kennengelernt hatte und nicht zusammengebunden, es änderte sein ganzes Erscheinungsbild. Sein Gesicht hatte ihn ihrer Zeit nicht offen gewirkt, doch jetzt konnte sie seine Mimik nur als eisern betiteln. Er trug einen Umhang, welcher in Fetzen hing, eine dunkle Lederrüstung kam darunter zum Vorschein. Ein leichter Bart zierte das normalerweise makellose Gesicht. Schwer liess er sich auf einen der Stühle fallen und streckte die Beine aus.

,,Audite" erklang neben ihr die leise Stimme von Tom, sie war erstaunt, dass er bereits in seinem jetzigen Alter einen solchen Zauberspruch beherrschte, noch dazu hatte sie seinen Zauberstab nicht gesehen. Doch dann lauschte sie genau wie er gespannt den Worten im anderen Raum.

,,… Hast du eigentlich eine Ahnung, was für Sorgen wir uns gemacht haben, als du nicht zum Abendessen erschienen bist? Was hat dich aufgehalten?" fragte Ric besorgt, während er Sal aus dem Umhang schälte und ihn nach Verletzungen absuchte. Fasziniert beobachtete Hermine, wie Sals Maske zusammenbrach als Ric ihn berührte und sein Ausdruck sofort weicher wurde. ,,Eine Gruppe Söldner. Die werden immer dreister. Sie haben ein Dorf der Wasserwesen angegriffen, wollten wohl die Trankzutaten verkaufen. So genau weiss ich es nicht, ich habe sie nicht gefragt."

Ric stellte Sal einen Becher hin ,,Wann war das?" fragte Ric, während er Sals Arm etwas drehte um sich eine fast verheilte Wunde besser betrachten zu können. ,,Für mich letzten Monat, die Schamanin wollte mich nicht früher gehen lassen. Angsteinflössende Frau sag ich dir." Ric lachte trocken auf, ,,Der grosse Salazar Slytherin der sich von einer Wasserfrau was sagen lässt, dass erklärt aber, warum du ganze 2 Stunden zu spät bist. Tom wird sich freuen dich zu sehen, er versteht es noch nicht ganz mit der Zeitverschiebung, doch auch ihm wird langsam klar, dass du nicht einfach nur morgens weg gehst und Abends wiederkommst. Deine Veränderungen sind einfach zu stark."

Sal seufzte tief und fuhr sich fahrig über seinen leichten Bart. ,,Kann schon sein. Doch lass uns heute nicht mehr davon sprechen. Ich möchte mich nur noch in dir vergraben, es war ein verdammt langes und einsames Jahr für mich." Hermine war froh, dass sich die Szene auflöste, den beiden beim Liebesakt zu zusehen, war das Letzte was sie wollte.

,,Dann kannst du die gehackten Echsenschwänze in den Kessel tun. Wie oft musst du danach umrühren?" Erklang die Stimme von Sal in der nächsten Erinnerung. ,,Drei Mal." ,,Richtig und in welche Richtung?" ,,Gegen." Sal hob fragend eine Augenbraue. ,,Gegen den Uhrzeigersinn, Sir." Wiederholte Tom grinsend. ,,Frecher Bengel. Na los." Sie sah sich im Raum um, es war ein Tränkelabor und anscheinend lag es unter der Erde, wenn man die Leuchtkugeln an der Wand und die Steinwände betrachtete. Irgendwoher wusste sie, dass es sich um ein kleines Steinhäuschen handelte, welches fast verborgen unter dem Moos neben dem Baum des Hauses stand. Wahrscheinlich war es die Tatsache, dass Tom es wusste und dadurch sie auch.

Während Tom gewissenhaft den Schöpflöffel umrührte trat Sal zu ihm und blickte in den Kessel. Als er zufrieden war mit dem, was er sah bat er Tom auf einen der Stühle Platz zu nehmen. ,,Wie läuft es in der Tagesschule? Ric sagte dass du immer noch keine Freunde gefunden hast." Der kleine Junge zuckte mit den Schultern. ,,Calen kann noch nicht mal lesen und Gladwhen ist noch ein Baby. Marus und seine Clique wollen nicht mit mir spielen weil ich noch ein Baby sei." Murrte der Schwarzhaarige. Sal seufzte, es schien, dass es nicht das Erste Mal war, dass darüber gesprochen wurde. ,,Ausserdem sitzen die immer alle vor diesem blöden Baum. Sie behaupten, dass er mit ihnen spricht, doch ich hör einfach nichts. Warum soll ich stundenlang sinnlos rumsitzen?" fuhr er nun fast trotzig fort. Sal seufzte leise.

„Es ist nicht schlimm, dass du ihn nicht hörst. Nicht jeder kann die Stimme der Erde hören." Sagte Sal, während er ihm liebevoll durch das Haar wuschelte. „Du hörst nun mal eher das Flüstern der Schatten. Und dass ist auch in Ordnung. Ich denke es werden wohl eher meine Gene bei dir durchschlagen." ,,Denkst du, dass Dad dann enttäuscht ist?" fragte er zögerlich. ,,Wir lieben dich, egal ob du ein Vampir oder ein Elb werden wirst. Und dein Dad würde dich sogar lieben, wenn du anfängst wie ein Augurey zu singen." Tom lachte und schlug spielerisch nach seinem Vater, wurde dann aber wieder ernst.

,,Aber wir müssten dann von hier weg. Vampire sind ja nur als Gefährten in der Kolonie erlaubt." ,,Bis es soweit ist, vergeht noch eine Menge Zeit. Oder wie der alte Celduin zu sagen pflegt: Bis dahin.." ,,…fallen noch viele Blätter vom Baum. Ja ich weiss. Können wir morgen wieder zusammen Schwertkampf üben?" Fragte er dann mit neuem Elan, was Salazar zum Lachen brachte. ,,Du kannst es ja noch nicht einmal anständig heben und willst damit schon trainieren? Meinetwegen, aber beklagt dich danach nicht wenn dir wieder alles weh tut." Mit diesen Worten verschwand die Erinnerung.

Sie folgte Tom den Weg hin zum Baumhaus, der junge Schwarzhaarige trug wieder die bekannten Leinengewänder und ein Jutesack hing über seine Schulter. Ein Duft von Kräutern ging von diesem aus. Vor der Tür in den Wohnbereich verharrte er, die Tür nur einen Spalt geöffnet. ,,..und letzte Woche hat er sich mit der alten Elanor über den Tod unterhalten. Er ist acht. Er sollte sich keine Gedanken um sein Ableben machen! Er ist der Einzige in seinem Alter und hat noch keine Freunde gefunden." Drang Rics Stimme zu ihnen hinüber, sie sah wie sich Toms Hand um den Türgriff versteifte. ,,Was willst du dagegen tun?" ,,Ich weiss es nicht, aber er klingt nicht wie ein Kind. Er ist jetzt schon viel zu Erwachsen. Vielleicht wäre es besser, wenn wir von hier fortgehen. Dich zerreisst es ja auch jedes Mal, wenn du von uns weg musst. Für uns vergeht jeweils nur ein Tag, aber für dich ist es fast ein Jahr." ,,Ich überstehe das schon, ich habe es auch bis jetzt überstanden."

,,Mehr schlecht als Recht. Wenn ich das mal behaupten darf. Die Alpträume und die Wunden sprechen für sich." Sal seufzte tief. ,,Ich nehme das gerne auf mich, wenn ich ihn dadurch vor dem hohen Rat schützen kann. Die einzige Begründung, die ich bis jetzt dagegen vorbringen konnte, war dass wir hier in der Elbenwelt sind. Sie sind alle ganz wild ihn kennen zu lernen, weil er einmal meinen Platz einnehmen wird." Ric klares Lachen lockerte die Stimmung wieder auf. ,,Du tust gerade so, als ob sie ihn fressen wollten. So schlimm sind sie nicht, na gut. Naira kann zwar etwas mürrisch und biestig sein, doch was erwartest du von der Abgespannten der Drachen anders? Und gegen Andruin und Bruinen kannst du doch nichts sagen, so oft wie sie dich schon aus der Patze gezogen haben." ,,Und es mich nie vergessen lassen!" murrte Sal, doch Ric überging seinen Kommentar einfach.

,,Jedenfalls wollen sie ihm nichts schlechtes. Sie sind einfach schrecklich neugierig." Sal brummelte irgendetwas was eindeutig nach einer Verwünschung klang. Ric wagte noch einen Versuch. ,,Aber überleg einmal, Tom hätte die Möglichkeit in Hogwarts zur Schule zu gehen. Wir müssen ja nicht nach Sibirien zu den Vampiren ziehen. Wir könnten uns irgendwo in der Menschenwelt niederlassen und er könnte von dort aus zur Schule apparieren oder wir erstellen Portschlüssel." Ein langes Schweigen folgte darauf, so lange das Tom unruhig sein Gewicht verlagerte. ,,Lass mich darüber nachdenken." War das Letzte, was man von Sal hörte, bevor die Erinnerung verschwand.

Die nächste Erinnerung fand mitten im Wald statt, erst auf den zweiten Blick erkannte sie, dass Tom, welcher über und über mit Erde bekleckert war, in einem Feld stand, welches sich in die Umgebung einbettete. Neben ihm war eine etwas rundliche Frau zusehen, welche einen leuchtend gelben Sonnenhut trug. Dieser Hut war so surreal, dass Hermine im ersten Moment dachte, es sei nur ein Traum von Tom. Doch die Insekten und Tiere des Waldes, welche man hörte, wie auch der Wind in den Blättern zeugten von etwas anderes. ,,Erzählst du mir etwas über Hogwarts Tante Helga?" Fragte er, während er mehr schlecht als Recht in der Erde rumstocherte. ,,Soso, etwas von Hogwarts? Weisst du nicht schon alles? Was möchtest du den hören?" Der Junge zuckte mit den Schultern und blickte trotzig auf. ,,Da Dad und Vater gerade mit Row darüber diskutieren und du mich nur ablenken sollst, kannst du mir genauso gut etwas erzählen." Die Frau lachte herzhaft, trat die paar Schritte zu ihm hin und zog ihn in eine Knochenbrechende Umarmung.

,,Nun gut, welche Geschichte möchtest du den hören? Die, wie wir dem alten Griessgramm das Grundstück abgekauft haben? Die wie wir den ersten Winter nur ein fertiges Zimmer hatten, dass wir uns teilen mussten? Oder doch eher, wie sich Ric einmal in den Kerkern fast verirrt hat?" ,,Kannst du mir die erzählen, als Dad krank war und Vater fast den Kerker gesprengt hätte?" Sie lachte kurz auf und erwiderte verschwörerisch. ,,Aber nur, wenn du mir versprichst, es deinem Vater nicht zu erzählen. Salazar würde mich bis Hogwarts jagen, wenn er es erfährt. Nun gut, setze die Bitterknollen hier ein und lass mich kurz überlegen." Helga Hufflepuff reichte ihm die Knollen und holte selbst ein kleines Messer heraus, bevor sie an einem nahen Busch anfing ein paar Blätter abzuschneiden.

,,Es war glaube ich unser vierter Frühling. Das Schloss war noch lange nicht fertig und wegen den heftigen Unwettern in den Tagen davor, hatten wir auch nicht grossartig weiterbauen können. Ric kam auf die glorreiche Idee, mit einer Gruppe Fahrender Händler ein Wettschwimmen im noch viel zu kalten See zu machen. Wie nicht anders zu erwarten, wurde er daraufhin krank. Er hatte heftiges Fieber und nicht einmal ich mit meinen Kräutersuden konnte dieses lindern. Dein Vater war aggressiv wie eine Feuerkrabbe und Rowena und ich wetteten darum, wann er explodieren würde. Er bestritt damals immer noch vehement, das Ric sein Bindungspartner sei. Als das Fieber immer mehr stieg, beschloss er selbst ein Heilmittel zu finden um sich den kränklichen Anblick nicht mehr antun zu müssen. Seine Worte, nicht meine. Er arbeitete also Tag und Nacht durch, liess niemanden in den Kerker und sogar die drei Hauselfen, welche wir damals hatten, wagten sich nicht hinunter."

Sie machte eine kurze Pause in der sie die Blätter in ihrer Schürze verstaute und Tom ungeduldig auf den Fussballen hin und her wippte. "Irgendwann erschütterte eine Explosion das Schloss und der Kerker brach Stellenweise ein. Rowena und ich taten natürlich alles, um Sal schnellstmöglich zu retten. Aber was fanden wir, als wir die Tränkelabore endlich freigeschaufelt hatten?" ,,Einen missgelaunten Tränkemeister?" Fragte Tom mit einem Grinsen, dass von Helga erwidert wurde. ,,Genau, einen missgelaunten Tränkemeister, der es nicht mochte in seiner Arbeit gestört zu werden. Ich werde sein Gesicht nie vergessen, als er realisiert hatte, dass die Explosion ausserhalb des Labors den grösseren Schaden angerichtet hatte." Das Lachen der beiden hallte nach, während die Erinnerung langsam verblasste.

,,Wann kommen sie zurück, Celduin?" Fragte Tom den alten Mann, welcher tief auf seinen Stock gebückt vor ihm ging. Der alte Elb, sah aus, als ob der nächste Windhauch in umwehen konnte, die Hand die den Stock hielt war knorrig und dürr. Als er sich zu dem Schwarzhaarigen umdrehte, war sie durch sein weisses Haar und dem langen Bart, welcher ihm bis zu den Knien ging, kurz an Dumbledore erinnert. Nun, da sie seine Augen sah, erkannte sie darin eine Kraft, welche sein gebrechliches Aussehen Lügen strafte. ,,Ich weiss es nicht, mein Junge, aber sie sind auch erst zwei Tage weg. Nun komm, der Weg zum Berg der Weisheit ist noch weit."

Die Umgebung raste nun schnell an den Beiden vorbei, während sich die Erinnerung in rascher Geschwindigkeit vorwärts bewegte. Bis sie am Fusse eines hohen Berges angekommen waren. ,,Junge, bitte bereite das Lager vor. Wir werden hier Rast machen und den Berg morgen besteigen. Ich muss mich kurz ausruhen, dieser verdammte Rücken." Grummelte der Alte, während er sich auf einen umgefallen Baumstamm setzte. ,,Sagst du mir nun, warum wir zu diesem Berg gekommen sind?" Fragte Tom, während er mit einem Ast kleine Steine und Zweige vom Boden fegte. ,,Ich dachte du seist mittlerweile selbst darauf gekommen, Junge. Warst nicht du es, der sich beklagt hat, dass er niemanden hat um mit ihm hochtrabende Diskussionen zu führen? Jeder Elb geht diesen Weg zum Berg der Weisheit, wenn sein Wesen erwacht ist."

,,Das weiss ich, mein Wesen ist aber noch nicht erwacht." ,,Ich mag alt sein, Junge, aber nicht senil! Natürlich ist dein Wesen noch nicht erwacht und bis es soweit ist, fallen noch viele Blätter vom Baum. Aber du hast Fragen und der Berg beantwortet manchmal Fragen, die sich in unseren Herzen befinden. Manchmal sind es Fragen, von denen wir noch gar nicht wussten, dass sie in uns schlummern. Ausserdem…" wollte der Alte fortfahren, hielt allerdings dann inne. ,,Ausserdem sind wir wahrscheinlich nicht mehr da." Murmelte Tom stattdessen etwas betrübt. ,,Sei nicht so trübsinnig, ihr könnt uns ja jederzeit besuchen kommen, was ich euch auch anrate. So wie ich die alte Elanor kenne, kommt sie euch sonst suchen um euch die Ohren lang zu ziehen. Nun such doch etwas Feuerholz, während ich unseren Proviant auspacke."

Als Tom aus dem Wald zurückkam, stapelte er das Feuerholz und wirkte dabei sehr nachdenklich. ,,Was ist, wenn ich den Berg nicht höre?" fragte er dann zögerlich, doch der Alte wischte dies mit einer Handbewegung fort. ,,Mach dir keine Gedanken, der Berg spricht zu jedem, dem er etwas zu sagen hast. Falls er schweigt, ist deine Frage einfach noch nicht laut genug. Mach dir keine Sorge, man muss nicht die Stimme der Erde dazu hören." ,,Du glaubst also auch, dass ich die Stimmer der Erde nie hören werde?"

,,Wahrscheinlich. Aber das ist ja auch gut so. Ich werde nie das Säuseln des Windes, das Gluckern des Wassers oder das Knistern des Feuers verstehen. Und so ist es auch nur Recht so. Jede Magieart benötigt jemanden den ihn hört, auch wenn wir die Magie mittlerweile in schwarz und weiss und nicht mehr nach ihrem Element aufteilen, hat das nichts an der Magie selbst geändert. Der Berg aber, spricht auf anderen Wegen, doch das wirst du dann verstehen." Hörte sie den Alten noch sagen, während die Erinnerung verblasste.

In der nächsten Erinnerung stand Tom an einem Bergsee, als sie sich das Panorama betrachtete, erkannte sie, dass er sich auf dem Berg der Weisheit befinden musste. Ein fast kreisrunder Teich war auf der Spitze des Berges, an dessen Ufer eine einzelne Trauerweide stand. Dieser Baum, war der Einzige seiner Art, denn sie bis jetzt in diesem Gebiet gesehen hatte. Tom wirkte etwas unsicher, als er sich vor dem See hin kniete und in das Wasser blickte.

Einen Moment lang sah man nur sein Spiegelbild, bis es von selbst verschwamm und sich Nebel im Teich bildeten. Die Nebelschwaden wirbelten immer schneller unter Wasser und dann bildeten sich langsam daraus Formen. Hermine zögerte etwas näher heran zugehen, es kam ihr vor, wie wenn sie kein Recht hatte dies zu sehen. Doch ihre Neugierde siegte, sie beugte sich etwas vor und beobachtete die Nebelschwaden. Nach und nach formte sich ein Schloss daraus, aus dem Schloss wurden sieben Gestalten, diese verbannten sich zu einer Gestalt, welche hell leuchtete und sich in einen Otter verwandelte. Als das Leuchten verschwand wurde aus dem Otter eine weisse Schlange und aus der Schlange, welche sich im Kreis drehte, erschienen Flammen und Schwerter. Dann lösten sich die Nebel auf, Hermine dachte es sei nun zu Ende, doch nach und nach erschienen einzelne Lichter im See. Dreizehn Nebelgestalten erhoben sich aus dem Steinigen Untergrund und schwebten mit den Lichtern an die Oberfläche des Sees, während die Nebelschwaden unter der Wasseroberfläche trieben, stiegen die Lichter als Glühwürmchen aus dem Wasser und flogen in den Himmel.

Dann war die Szene vorbei und der See lag wieder vor ihm, wie wenn nie etwas gewesen wäre. Sie konnte Toms Stirnrunzeln beinahe hören, obwohl sie nur seinen Hinterkopf sah. Sie hatte nie an Wahrsagen geglaubt, doch der Otter war eindeutig zu erkennen gewesen. Sie versuchte sich einen Reim daraus zu machen, während die Erinnerung verblasste. Doch sie wurde einfach nicht schlau aus dem, was sie gesehen hatte.

Die nächste Szene spielte sich wieder im ihr bekannten Wohnbereich ab. Tom sass auf einem Stuhl am Wohn und Esstisch und eine schlanke hochgewachsene Frau mit schwarzem langem Haar stand vor ihm. Sie las in einem Buch, während sie stetig auf und ab ging. ,,Ich bin fertig Tante Row." Sagte da Tom und schob ein Pergament über den Tisch. Rowena nahm es auf und las es durch. ,,Sehr gut, du hast dich nur bei der dritten Aufgabe verrechnet. Erkennst du deinen Fehler?" fragte sie und reichte ihm das Pergament zurück.

Während er sich über das Pergament beugte und dabei etwas enttäuscht wirkte erklang Rowenas Stimme erneut. ,,Dass du so viele beim ersten Mal geschafft hast, ist beachtlich. Vielleicht kommst du nach Ravenclaw." Während Tom nun sehr zufrieden aussah, wurde der Blick der Gründerin traurig und abwesend. Tom bemerkte es erst, als er ihr das Pergament zurückgeben wollte. ,,Tante Row, ist alles in Ordnung?" ,,Es ist nichts mein Kind, ich war nur in Gedanken." Sie seufzte tief und fuhr sich fahrig über den langen schwarzen Zopf.

,,Kann ich dir vielleicht helfen? Schliesslich sagest du selbst, ich sei schlau." Sie sah ihn lange an. ,,Das bist du. Hmm… würdest du mir einen Gefallen tun, wenn du in Hogwarts bist?" Sofort nickte Tom eifrig, was Rowena leicht zum Lächeln brachte. ,,In Hogwarts lebt ein bestimmter Geist, es ist eine hübsche junge Frau. Sie wird sich wahrscheinlich in der Nähe des Gemeinschaftsraum von Ravenclaw oder auf der kleinen Dachterrasse zwischen dem Süd und dem Westturm aufhalten. Würdest du sie bitte ab und zu besuchen und mit ihr reden? Sie ist etwas schüchtern und misstrauisch gegenüber Fremden. Es kann sein, dass du geduldig mit ihr sein musst. Aber es ist nicht ihre Schuld, dass sie so geworden ist. Sie hat es nicht verdient dass sie so leidet."

,,Das kann ich machen Tante Row, wie heisst sie denn?" ,,Helga, ihr Name ist Helga. Sie interessiert sich sehr für Arithmantik, vielleicht kannst du dich darüber mit ihr unterhalten. Nur sage ihr bitte nicht, dass ich dich geschickt habe." Mit diesen Worten verschwand die Erinnerung.

,,Mein Flinc*, versprich mir, dass du uns besuchen kommst! Und dass du deine alte Elanor nicht vergisst." Hörte sie die alte Frau mit krächzender Stimme sagen. Tom war nun etwa neun Jahre alt und stand mit seinen Eltern auf einer kleinen Lichtung. Die Lichtung war Kreisrund, das Gras war so akkurat getrimmt, dass sie nicht natürlichem Ursprung sein konnte. Auch wuchsen keine Blumen oder Sträucher auf ihr. Das einzige was sich neben den Personen auf der Lichtung befand, waren zwei kleine Bäumchen ohne Blätter, deren Rinde Elfenbein mässig schimmerten. Die Bäumchen waren vom Stamm an jeweils um sich selbst gedreht, wie wenn viele Bäumchen umeinander gewickelt worden wären. Oben bei der Krone bildeten die Beiden einen Bogen, so dass das Ganze wie ein Tor wirkte.

Der Wald um die Lichtung stand so dicht, dass er wie eine Mauer wirkte. Hermine drehte sich einmal um sich selbst, doch sie sah nirgends einen Durchgang, wodurch man diese Lichtung hätte betreten können.

,,Nun lass sie doch gehen. Jede Minute die hier verstreicht, kommen sie später in der Menschenwelt an." unterbrach der alte Celduin sie. ,,Ich verabschiede mich von meinem Flinc, so lange wie ich will. Du hast mir nichts zu sagen, du altes Klappergestell." ,,Hast du was gesagt du alter Drache?" ,,Wenn nennst du hier alt?! Ich bin nicht die, die jedem immer auf den Ohren liegt, weil mein Rücken schmerzt." ,,Nein bei dir ist es die Hüfte." Sal und Ric verdrehten synchron ihre Augen, es war deutlich, dass diese Streitereien normal unter den beiden Alten war. Tom lachte herzhaft auf, seine Anspannung fiel merklich von ihm ab. Von ihm unbemerkt zwinkerten sich die alten Elben gegenseitig zu.

Nachdem sich jeder verabschiedet hatte, traten Tom und seine Eltern durch das Tor. Ein Knistern begann in den Baumwipfeln des Bogens, es wurde lauter und mit ihm trat ein Funkeln ein, hüllte die drei ein und wurde so intensiv, dass man die Augen schliessen musste.

*(Internet Elbisch kleiner Vogel: flinc )