CN Krieg, Tod


Stirb nicht mit einem sauberen Schwert

Eldarion hustete die Asche aus, die er eingeatmete hatte und schluckte gleichzeitig beißenden Rauch. Er dachte lieber nicht darüber nach, wessen Asche das alles in der Luft war.

Alles war viel zu schnell gegangen! Wie aus dem Nichts fegte die Bestie über sie hinweg und vernichtete ihre Verteidigung wie ein Kind, das eine Sandburg niedertrampelte. Eldarion wusste nicht, wo oben und wo unten war und hatte völlig die Orientierung verloren. Überall brannten Feuer und Gebäude lagen in Trümmern. Das Drachenfeuer war gewaltig genug, um selbst standhafte Wehrtürme wie Kartenhäuser in sich zusammenfallen zu lassen.

Eldarion konnte nicht verhindern, dass ihm Tränen in die Augen schossen. Er hatte gehofft, ein standhafter Krieger zu sein, aber in seiner ersten Schlacht war er nicht einmal dazu gekommen, sein Schwert zu ziehen, als er schon fliehen musste, und nun war bereits alles verloren, bevor es überhaupt begonnen hatte. Er hatte Männer zu Asche werden sehen, vom Winde verweht und vergessen in nur einem einzigen Augenblick. Sie hatten nicht einmal Zeit zu schreien. Und die, die noch schreien konnten … Allein bei der Erinnerung daran wurde ihm speiübel.

Er musste sich irgendwo im dritten Ring befinden, vermutete er. Blut lief ihm aus einer Platzwunde an der Stirn ins Auge, wo ihn ein herabfallender Stein getroffen hatte. Er hatte Glück gehabt, zu viele andere waren von herabfallenden Trümmern zerschmettert worden. Irgendwann hatte er einen heftigen Stoß in die Seite bekommen, der ihn humpeln ließ, und sein Gesicht und seine Hände hatten durch die enorme Hitze, die entstanden war, als das Tor durchbrochen worden war, schmerzende Brandwunden davon getragen.

Erneut musste er husten, als er die Asche eines weiteren Toten einatmete. Ganz in der Nähe krachte erneut ein Gebäude in sich zusammen. Die Erschütterung brachte Eldarion zum Straucheln, sein Fuß blieb an einem Trümmerteil hängen und er stürzte zu Boden. Er schluchze. Es war alles vorbei! Hätte er doch nur auf Vater gehört und wäre nicht so begierig darauf gewesen, sich im Kampf zu beweisen!

In der Nähe hörte er die Schreie einiger Krieger, und dann sah er auch schon, wie ein Trupp Feinde in die Straße einbog, in der er gestolpert war. Es waren diese gespenstigen Aen Elle Krieger in ihren schwarzen, furchteinflößenden Rüstungen. Eldarion versuchte sich aufzurappeln, stürzte jedoch in seiner Hast erneut über die Trümmer. Mit wachsendem Entsetzen versuchte er rückwärts davon zu kriechen, während er mit schrecklicher Klarheit seinen Tod vor Augen hatte.

Da fuhr ein heller Blitz an ihm vorbei und mit einem Mal stand Ciri vor ihm. Wie ein Derwisch fuhr sie unter die Feinde und metzelte einen nach dem anderen nieder. Dicht hinter ihr folgte Geralt, welcher mit seiner Hand ein Zeichen formte und einen Energiestoß erzeugte, der die Aen Elle zu Boden sandte. Ciri tänzelte heran und stach sie ab. Gelassen schlenderte Avallac'h an dem am Boden liegenden Eldarion vorbei. Er beachtete ihn nicht weiter, als er nur seinen Stab fester packte und beobachtete, wie Geralt und Ciri einen ganzen Trupp mit grausamer Effizienz und übermenschlicher Stärke und Schnelligkeit auslöschten. Es war ein ekelerregender Anblick.

Es dauerte nur Augenblicke und Ciri war zudem kein bisschen außer Atem, als sie vor Eldarion trat und ihm die Hand hinhielt, um ihm aufzuhelfen. Zu verdattert, um etwas zu sagen, griff er zu und torkelte wieder auf seine Beine.

»Gutaussehenden jungen Prinzen muss man doch aus der Patsche helfen«, sagte die Hexerin mit einem schiefen Grinsen, als sei das Gemetzel, das sie soeben angerichtet hatte, nichts weiter.

»Wir müssen ihn zu seinem Vater bringen«, sagte Avallac'h nur, während er immer noch das Ende der Straße im Blick behielt. »Ich decke euren Rücken.«

In dem Moment erschien eine Gruppe Haradrim. Avallac'h murmelte lediglich ein Wort und stieß seinen Stab auf den Boden. Vor ihnen tat sich ein Riss in der Straße auf, der die Feinde verschlang. Schreiend verschwanden sie.

»Komm schon, Junge. Oder willst du mit einem sauberen Schwert sterben?«, drängte Geralt. »Du kennst die Stadt. Führe uns hier raus.«

»Vater sagte, wir sollen über den geheimen Pfad über den Mindolluin fliehen, sollte die Verteidigung fallen«, sagte Eldarion. »Wenn er nicht den Rückzug deckt, dann wird er jetzt sicher dort sein.«

»Gut, dann lass uns gleich dorthin gehen«, schloss Ciri und wollte schon losstürmen, als Avallac'h sie aufhielt.

»Uns sitzt ein Drache im Weg«, sagte er nur und deutete nach oben.

Eldarion sackte das Herz in die Hose, als er sah, dass der Palast in Flammen stand und das schreckliche Ungetüm dabei war, keinen Stein auf dem anderen zu lassen. Seine Familie war dort!

»Ich kümmere mich darum«, versicherte Avallac'h ihnen.

»So selbstlos und besorgt um das Wohl von Menschen kennt man dich gar nicht«, konterte Geralt.

»Ich ziehe lediglich Eredin seine Klauen.«

»Los, komm schon, alter Mann!«, drängte Ciri. »Oder willst du hier Wurzeln schlagen?«

Mit diesen Worten trennten sie sich. Es kam Eldarion zu Nutze, dass er als Junge so oft aus dem Palast ausgerissen war, da er so allerhand Abkürzungen und Geheimwege kannte. Auch wenn sie nicht auf direktem Wege zu ihrem Ziel gelangen konnten, kamen sie doch rascher voran, da sie vielen Gefechten aus dem Weg gehen konnten. Irgendwann auf ihrem Weg begegneten sie König Legolas und Gimli, die einen kleinen Trupp Elbenkrieger anführten und jeden Feind niedermachten, der ihnen vor die Klingen und Bögen kam. Sie wirkten erleichtert, als sie Eldarion erblickten.

»Wo ist Aragorn?«, wollte Legolas sogleich wissen, während seine Soldaten einen Schutzring um sie bildeten.

»Ich weiß es nicht«, sagte Eldarion. »Ich hatte gehofft, Ihr wisst es vielleicht. Wir sind auf dem Weg zum Mindolluin, wie Vater es angeordnet hatte. Vielleicht ist er schon dort.«

Gimli deutete mit seiner Axt nach oben. »Die Echse sitzt uns im Weg«, sprach er das Offensichtliche aus.

»Darum wollte sich Avallac'h kümmern. Eredin seine Klauen ziehen, nannte er es«, entgegnete Geralt. »Wir werden auf ihn vertrauen müssen.«

Legolas musterte den Hexer von oben bis unten. »Auf dass zumindest er sein Wort hält«, sagte er nur. »Darro!«

Auf seinen Befehl hin nahmen seine Soldaten sie in die Mitte und nun kämpften sie sich gemeinsam durch die Stadt.