Zusätzliche Warnings: Spoiler für die 10. Staffel, Triggerwarnung für Erw. einer ansteckenden tödlichen Krankheit
Guter böser Mann
I.
„Euer Verlust tut mir wirklich leid. Gavin war ein guter Mann", meinte Rick zu dem vor seinem Schreibtisch sitzenden Jed, der ihn nicht anzusehen schien, sondern stattdessen in Nichts zu starrte, „Sein Verlust trifft uns alle hart. Genauso wie der von Doktor Carson. Und all den anderen."
Jed gab nur ein brummendes Geräusch von sich anstatt zu antworten. Rick mochte das Gefühl ignoriert zu werden nicht, und im Moment wurde er eindeutig ignoriert. „Aber nun da die Krankheit überstanden ist, können die Dinge wieder ihren normalen Lauf nehmen", fuhr er fort, „Alexandria ist bereit euch anzubieten, was ihr braucht um wieder auf die Beine zu kommen…." Er legte eine Kunstpause ein und sah Jed erwartungsvoll an.
Dieser reagierte aber immer noch nicht. Langsam begann Rick sich Sorgen zu machen. Hatten sie sich alle geirrt und die Krankheit, die die Bewohner des Sanctuarys so stark dezimiert hatte, war noch gar nicht überstanden? War Jed vielleicht infiziert, und hatte er die Krankheit durch seine bloße Anwesenheit hier mit nach Alexandria gebracht?
Doch dann wandte Jed seinen Blick zu ihm, und Rick wurde klar, wie paranoid dieser Gedanke gewesen war. Jed wirkte kein bisschen krank, nur resigniert und ein wenig trotzig.
„Die Sache ist die, das Sanctuary kommt nicht wieder auf die Beine", erklärte Jed mit schwerer Stimme, „Wir sind erledigt. Unsere verstorbenen Freunde sind nicht die Einzigen, die tot sind. Der Boden ist vergiftet. Dort wird nichts mehr wachsen, egal was wir versuchen."
„Es gab vielleicht ein paar Missernten, aber ich bin mir sicher, dass man den Boden retten kann, wenn man nur genügend Arbeit hineinsteckt", widersprach Rick schnell.
„Genügend Arbeit, ja, von Leuten, die wissen, was zu tun ist, könnte vielleicht alles ändern, aber ich denke nicht, dass Laura Lust hat zurückzukommen, oder Maggie, was das angeht. Kennst du irgendeinen Farmer, der bereit ist alles hinter sich zu lassen und an einen verfluchten Ort zu ziehen, der niemanden etwas anderes bringt als den Tod? Nein, nun das dachte ich mir. Also: Das Sanctuary ist erledigt. So einfach ist das", erwiderte Jed ungerührt.
Diesmal hatte Rick keine Antwort parat. Dieses Treffen lief anders ab als erwartet. Seit sie sich dazu entschlossen hatten sich von der Allianz so weit wie möglich und verantwortlich zurückzuziehen, hatten sie entsprechend weniger Kontakt zu den anderen Gemeinden. Rick wusste im Grunde nichts über die Probleme des Sanctuarys der letzten Zeit, was er wusste war, dass dort eine geheimnisvolle Krankheit ausgebrochen war, die Doktor Carson versucht hatte zu heilen, was ihn aber letztlich ebenfalls das Leben gekostet hatte. Gavin und viele andere der ehemaligen Erlöser waren der Krankheit erlegen.
Rick wusste aus eigener schmerzhafter Erfahrung, dass eine ansteckende Krankheit in einem kleineren Nest einer Katastrophe gleichkommen konnte. Und er wusste auch, dass man meistens nichts anderes tun konnte als abzuwarten, bis der letzte Infizierte gestorben oder geheilt worden war. Die Krankheit hatte das Leben im Sanctuary ziemlich durcheinander gewirbelt, aber er hatte nicht angenommen, dass sie zu grundlegenden Änderungen führen würde. Offenbar hatte er sich geirrt. Sie hatte den ehemaligen Erlösern ihre letzte Hoffnung geraubt und sie dazu gebracht aufzugeben.
„Was jetzt?", wollte er also wissen.
Jed zuckte die Schultern. „Dort bleiben können wir nicht", meinte er nur, „Wozu auch? Es würde nichts bringen."
Rick dachte darüber nach. „Alexandria ist natürlich bereit jeden aufzunehmen, der hier Schutz suchen möchte", meinte er dann, und seltsamerweise war es das, was den Alpha endlich aufzuwecken schien. Sein Kopf schnappte hoch, und er starrte Rick feinselig an.
„Danke, aber nein danke. Wir brauchen keine Almosen. Ihr könnt euch euer Mitleid sparen!", zischte er.
Rick blinzelte und war sich nicht ganz sicher was genau an seinem Angebot so beleidigend war. „Ich…", begann er, doch Jed schnitt ihm das Wort ab.
„Alexandria hat uns nicht geholfen, als das noch etwas hätte ändern können. Niemand hat uns geholfen, als das noch der Fall gewesen wäre. Und jetzt bietet ihr uns Schutz an, als wären wir ein Haufen Kinder, die ihre Schule bei einem misslungenen Chemie-Experiment in die Luft gesprengt haben", knurrte Jed, „Wir sind keine Kinder, und wir sind nicht hilflos. Wir brauchen euer verspätetes Mitleid nicht. Wir kommen sehr gut alleine zurecht!"
„Wir hätten geholfen, wenn ihr euch rechtzeitig an uns gewandt hättet", betonte Rick.
„Ihr helft also nur denen, die euch um Hilfe anflehen? Haben wir diese Charta nicht genau deswegen unterschrieben, damit das nicht der Fall ist? Damit wir immer füreinander da sind, und nicht nur dann, wenn sich einer vor den anderen erniedrigt?", spottete Jed, „Oh, keine Sorge, Rick, ich weiß ja, dass ehemalige Erlöser in der Allianz steil Karriere machen können. Laura sitzt in euren Rat, Alden macht sich in Hilltop breit, und sogar Negan wurde vergeben und er läuft hier frei herum, oder nicht? Aber machen wir uns nichts vor. Wir, die wir noch übrig sind, die letzten Erlöser, wir sind nicht wie die. Wir sind keine Farmer, keine Bodyguards, noch nicht einmal brave Soldaten, wir sind diejenigen, die nur in einem gut sind, in dem, in dem wir früher gut waren. Vielleicht sollten wir zu diesem Leben zurückkehren."
Rick musterte Jed betroffen. „Ihr wollt weg von hier?", wunderte er sich.
„Vielleicht ist das gar nicht nötig. Es wird immer wieder Leute geben, die in das Revier der Allianz über die Straßen eindringen werden", erwiderte Jed, „Ein Nest macht ein Rudel letztlich vor allem eines: Verletzlich. Und wir haben es satt verletzlich zu sein. Vor dem Sanctuary haben wir auf den Straßen überlebt, das können wir wieder."
Rick schüttelte betroffen den Kopf. „Das ist wirklich nicht nötig. Ihr gehört immer noch zur Allianz. Alexandria, Hilltop, das Königreich, sogar Oceanside - ihr könnt es euch aussuchen - jeder kann sich aussuchen, wo er hingeht. Ihr müsst nicht wieder auf der Straße leben und Straßenräuber spielen", argumentierte er, „Verzichte nicht auf eine sichere Zuflucht, nur weil du zu stolz bist um das Mitleid von Nicht-Alphas zu akzeptieren."
„Keine Sorge, wir haben nicht vor Mitglieder der Allianz zu überfallen. Haltet euch einfach von unseren Straßen fern und weist euch im Zweifelsfall aus", sagte Jed nur unbeeindruckt, „Aber mein Entschluss steht fest. Wir sind die Erlöser, wir sind es, die andere retten, wir sind nicht diejenigen, die gerettet werden müssen. Wir können uns selbst retten. Jeder einzelne von uns."
II.
Das Leben in Alphas Rudel bestand hauptsächlich aus Sex und Gewalt. Kurz gesagt: Es war also ein Leben, für das jemand wie Negan gemacht worden zu sein schien. Alpha war eine starke Rudelführerin. Sobald sie Illoyalität nur roch, rottete sie diese bis zu den Wurzeln hin aus. Negan erlebte mit, wie es ein junger Punk wagte sie herauszufordern; Alpha tötete ihn und seine Gefährtin, die ihn dazu angestiftet hatte Alpha überhaupt erst herauszufordern. Ihr Sieg beeindruckte ihr gesamtes Rudel so sehr, dass es niemand wagte weiterhin an ihr zu zweifeln.
Beta mochte Negan noch immer nicht. Natürlich traute er Negan auch nicht, aber das war zu erwarten gewesen, denn niemand hier traute irgendjemand anderen. Es war wie damals mit den Erlösern, nur noch dysfunktionaler. Wenn irgendein Rudel auf der Welt am Weitesten entfernt von Friede, Freundschaft, und Harmonie der grimeschen Philosophie war, dann dieses hier. Die Diskrepanz zum Leben in Alexandria war noch größer als er erwartet hatte.
So sehr ihn Beta aber auch nicht mochte, so wenig konnte er gegen Negan unternehmen, da dieser momentan eindeutig Alphas Liebling war. Daran ließ sie keinen Zweifel aufkommen. Und ihr Appetit auf ihn schien nahezu unstillbar zu sein.
„Es war die richtige Entscheidung hierher zu kommen", teilte sie Negan nach einer besonders intensiven Runde körperlicher Zuneigungsbekundungen mit, „Omega wird früher oder später wieder nach Hause kommen, und davon abgesehen gibt es hier mehr zu gewinnen als zu verlieren. Wenn ich bedenke, dass ich fast nicht hierher gekommen wäre…." Sie seufzte. „Dieses eine Mal bereue ich es nicht mich von den Hubschraubern in eine gewisse Richtung drängen gelassen zu haben…."
Negan horchte auf und warf ihr einen ungläubigen Blick zu. „Hubschrauber?", wiederholte er, „Welche Hubschrauber?!"
Sie kniff die Augen zusammen, als sie seinen alarmierten Zustand wahrnahm. „Laute nervige Hubschrauber, mit Leuten mit Schusswaffen darin", erwiderte sie.
„Hubschrauber mit einem gewissen Logo darauf, das ungefähr so ausgesehen hat?", wollte Negan wissen und malte das CRM-Logo in die nasse Erde. Alpha betrachtete das Logo und nickte. „Wieso? Was geht dich das an?", wunderte sie sich, scheinbar arglos.
Offenbar alles. Munition und vollgetankte Hubschrauber, das würde auch ohne Logo verdächtig nach der CRM klingen. Die Allianz benutzte kaum noch Schusswaffen, konnte überhaupt nur noch deswegen welche in ihrem Besitz haben, weil Eugene wusste, wie man Kugeln herstellte. Die CRM aber hatte offenbar einen endlosen Vorrat an allen, was allen anderen ausging. Und sie hatten Alphas Rudel in das Gebiet der Allianz gedrängt – um die Allianz so loszuwerden. Es war eine späte aber effektive Rache für Negans Drohung von damals. Dass sie hier sind, ist meine Schuld.
„Diese Leute mit den Hubschraubern, die sind keine Freunde von mir", erklärte er schließlich, „Wenn sie wollten, dass ihr hierher kommt, dann um mir eins auszuwischen."
Alpha lachte leise. „Nun dann haben sie offenbar nicht vorhergesehen, dass wir Freunde werden könnten, nicht wahr?", meinte sie spöttisch, „Menschen in Hubschraubern! Mach dir keine Gedanken über sie – ihre Lebensweise ist nicht aufrecht erhaltbar, nicht auf lange Sicht gesehen. Uns wird es noch geben, wenn sie schon lange Staub sind." Sie schien von dieser Tatsache tatsächlich überzeugt zu sein. Negan hingegen hatte seine Zweifel. Doch die behielt er wohlweislich für sich.
Dann hörte er Schreie. Er warf Alpha einen besorgten Blick zu, diese richtete sich auf, bekleidete sich wieder, schien es aber nicht besonders eilig zu haben um nachzusehen, was los war. Negan folgte ihr mit Lucille in der Hand.
„Seht mal, was wir gefunden haben…." Beta und ein paar seiner speziellen Freunde präsentierten Alpha und anderen neugierig gewordenen Rudelmitgliedern eine Handvoll verschreckter Teenager, die sie wer wusste schon wo aufgegabelt hatten. Es handelte sich um vier Omegas, drei weiblich und einer männlich, und einen männlichen Beta. Negan kannte sie nicht, aber das musste nichts zu bedeuten haben. Er hatte Alexandria in den letzten Jahren selten verlassen. Es könnte sich um Bewohner von Hilltop oder Oceanside handeln oder um Kids, die auf der Durchreise gewesen waren. Ihre verängstigten Blicke irrten zwar kurz in Negans Richtung, sie zeigten aber keinerlei Wiederkennen. Andererseits war er hier natürlich die kleinste Gefahr für sie.
„Hübsch", kommentierte Alpha und baute sich dann vor dem Beta-Jungen auf und schnupperte an ihn. „Wisst ihr wer ich bin?", wollte sie wissen.
„B-Bitte", stotterte der Junge, „Wir sind auf unserer Seite vom Fluss geblieben. Wir waren nur j-jagen. Der Winter kommt bald, w-wir w-wollten euch keinen Ärger machen. W-wir w-waren ja nicht mal in der Nähe des F-Flusses. Ihr- ihr musstet die anderen nicht umbringen und müsst auch uns nicht umbringen…." Der Junge begann zu weinen.
„Manchmal hat man einfach Pech", meinte Alpha nicht ohne Mitgefühl zu dem Jungen, „An manchen Tagen hätte man einfach besser zu Hause bleiben sollen." Und dann brach sie ihm sein Genick. „Setzt ihn vor dem Lager aus", meinte sie dann und nickte Beta und seinen Freunden zu, „Seid nicht zu laut."
Die vier verängstigten Omegas ignorierte sie vollständig. Stattdessen schritt sie wieder zurück zu ihrer Raststätte. Negan warf einen verwirrten Blick auf die Omegas und folgte dann Alpha. „Ich verstehe nicht, was ist mit den Omegas?", wollte er wissen.
„Beta und die Jungs haben Pläne mit ihnen", erwiderte Alpha, „Wenn du dich ihnen anschließen willst, dann steht dir das natürlich frei, aber ich denke du wirst warten müssen, bis Beta fertig mit ihnen ist, dann ist er möglicherweise in milderer Stimmung dir gegenüber."
„Pläne? Was für Pläne?", wollte Negan wissen, „Sind sie etwa …. gezielt auf die Suche nach Omegas gegangen? War das der Grund, warum sie eine Gruppe überfallen haben, die nicht einmal in der Nähe des Flusses war?!"
Alpha warf ihm nur einen vielsagenden Blick zu, und dann hörte er es, und roch es. Er eilte zurück zu den Gefangenen, und sah wie sich Beta voller Enthusiasmus an dem männlichen Omega verging, während immer zwei seiner Kumpanen die weiblichen Omegas penetrierten. Negan war vor Ekel und Überraschung wie erstarrt, was er gerade mit ansah hatte nichts mehr mit Sex zu tun, es war nicht einmal mehr eine Vergewaltigung – die Alphas bissen und kratzen die Omegas und genossen es sichtlich mehr ihnen weh zu tun als alles andere.
Negans Hand verkrampfte sich um Lucilles Griff herum. Er setzte sich in Bewegung und – wurde von Alpha aufgehalten, die sich vor ihm aufbaute. „Was hast du vor? Willst du dich umbringen?", wollte diese von ihm wissen.
„Ich will verhindern, dass sie diese Omegas umbringen", zischte Negan, „Was eigentlich dein Job sein sollte. Du bist Alpha! Warum gestattest du ihnen das?"
„Weil es das ist, was sie wollen, und brauchen. Besser sie bauen ihre Aggressionen so ab als sie wenden sie gegen mich", erwiderte Alpha, „Gefällt mir was sie da tun? Nein. Heiße ich es gut? Nein. Aber ich habe auch nicht vor sie aufzuhalten. Wer sich nicht selbst verteidigen kann, hat sich alles, was ihm in dieser Welt passiert, selbst zuzuschreiben. Nebenbei, das sind Omegas. Sie wurden für so etwas erschaffen. Ich habe es dem Beta-Jungen erspart, oder nicht?"
Negan starrte sie ungläubig an. „Ja, genau. Das dort sind Omegas. Verdammt junge Omegas, die in ihren Leben bisher vermutlich noch niemals genötigt waren eine Waffe in die Hand zu nehmen, und deswegen haben sie verdient, was die gerade mit ihnen machen?! Ist es das, was du sagst?!", empört er sich.
Alpha legte ihm einen Finger auf die Lippen. „Du wirst zu laut, Negan", meinte sie streng, „Wie ich sagte, manchmal hat man einfach Pech. Diese Kinder hatten Pech. So ist das Leben nun einmal."
Negan spürte wie er vor lauter Wut zu zittern begann. „Du", stellte er fest, „du bist nicht die, für die ich dich gehalten habe. Du hast Henry nicht verschont, weil er ein Omega ist, das war dir absolut gleichgültig. Du hast ihn verschont, weil du immer noch hoffst, dass deine Tochter zu dir zurückkommt. Damit sie Seite an Seite mit Tieren wie denen dort leben kann, die das hier mit ihr machen würden, wenn du es zulassen würdest. Und du würdest es zulassen, wenn sie irgendjemand anderer als deine Tochter wäre!"
Alpha legte den Kopf schief und musterte ihn verwirrt. „Und was genau ist daran falsch?", wollte sie ehrlich verwundert wissen.
„Wir sind doch keine Tiere! Wir sind Menschen! Wir … wir machen so etwas nicht! Nicht mit anderen Menschen und schon gar nicht mit Schwächeren, die hilflos vor uns knien und nichts getan haben um auch nur irgendeine Form von Strafe zu verdienen!", schnappte Negan, „Ich dachte, du willst die Welt unterwerfen um sie vor ihrer eigenen Idiotie zu retten, aber in Wahrheit bist du nicht daran interessiert irgendjemand anderen zu retten außer dir selbst und deinem Kind!"
„Ich habe auch niemals etwas anderes behauptet", wies ihn Alpha zurecht, „Ich habe niemals behauptet, dass ich irgendjemand retten wollen würde. Und schon gar nicht will ich die Welt retten. Die Welt hat mich im Stich gelassen; ich will sie niederreißen und aus dem Staub etwas aufbauen, das die Natur des Menschen nicht mehr verleugnet. Das dort ist die Natur des Menschen, Negan. Gerade du solltest das doch wissen. Komm jetzt. Wenn du dich einmischt, dann stirbst du, und ich kann nichts tun um das zu verhindern."
Sie meinte damit wohl eher, dass sie nichts tun würde um es zu verhindern. Negan zwang sich der grauenhaften Szene den Rücken zu kehren und stolperte hinter Alpha her zurück in Richtung ihres Rastplatzes. Er versuchte die Geräusche auszublenden, doch sie waren trotz ihrer gedämpften Natur - denn Alphas Rudel wusste sogar wie man leise vergewaltigte -allgegenwertig.
Und nun begannen auch noch die ersten Stresshitzen bei den Opfern, was noch mehr Alphas anlocken würde, die sich dem Reigen der Gewalt anschließen würden.
Alpha blieb stehen und drehte sich zu ihm um. „Ich weiß, das Ganze gefällt dir nicht", meinte sie, „Aber du musst akzeptieren, dass es nichts gibt, was du dagegen tun kannst."
Negans Blick glitt über sie hinweg und zu der Machete, die zusammen mit den anderen gesammelten Waffen des Rudels, auf einen Haufen ein paar Schritte von ihm entfernt lag. „Ja", meinte er dann langsam, „Manchmal muss man wohl akzeptieren, dass es nichts gibt, das man tun kann."
III.
Bettgeflüster war eigentlich nicht ihr Ding, vielleicht weil es zu intim war, doch an diesem Tag schien Negan in Stimmung für eine Unterhaltung zu sein. Und Rick wusste auch wieso das so war. Jeds Besuch und seine Ankündigung waren an niemanden in Alexandria spurlos vorbei gegangen, natürlich musste Negan einfach von der ganzen Sache Wind bekommen haben.
„Was würdest du tun, wenn ich Alexandria verlassen würde?", wollte Negan von Rick wissen und musterte den nackten Omega dabei intensiv.
„Wieso hast du vor zu verreisen?", gab Rick zurück, der zu müde für irgendwelche „Was wäre wenn"-Spiele war, „Wo soll es denn hingehen? Nach Rio? Auf die Bahamas?"
„Ich meine es ernst, Rick", jammerte Negan, „Angenommen ich würde Alexandria verlassen. Was würdest du dazu sagen?"
„Kommt darauf an, ob du mit oder ohne Erlaubnis gehst", meinte Rick nur, „Und nein, Negan, ich erteile dir nicht die Erlaubnis die Führung der Erlöser wieder zu übernehmen."
„Wieso nicht? Denkst du nicht, ich würde es besser machen als der Narr Jed? Wir könnten einen unserer ehemaligen Außenposten besiedeln, dort neu anfangen. Ist doch viel besser als auf der Straße zu leben! Mein Wort hat vielleicht immer noch Gewicht, sie würden mir folgen, und ich würde deine dumme Charta unterzeichnen und mich an all deine Regeln halten, ich wäre ein braver Junge, versprochen", argumentierte Negan, „Die Erlöser wären gerettet, und ihr hättet hier drinnen ein Maul weniger zu stopfen."
Offenbar hatte er sich seine Argumente im Vorfeld zurecht gelegt und nur auf den passenden Moment gewartet um sie vorzubringen, und diesen hier gewählt, weil er annahm, dass Rick nach dem Sex leichter zu beeinflussen wäre. Typisch Negan.
Der Omega seufzte. „Nein", wiederholte er, „Ich kann dir das nicht erlauben."
„Aber warum?", wollte Negan wissen, „Wenn ich dir doch schwören würde, dass…"
„Weil du schwören kannst, was du willst. Sobald du wieder Macht hast, würdest du über kurz oder lang all deine guten Vorsätze vergessen und alles wieder auf deine Weise lösen wollen. Deswegen nicht", erklärte Rick entnervt, „Früher oder später würdest du denken Rick würde das hier nicht gutheißen, aber da ich es für Rick tue, ist es trotzdem okay. Und dann würdest du es machen. Weil das nun mal die Art Alpha ist, die du bist."
Negan wandte seinen Blick von ihm ab und schnalzte nervös mit seiner Zunge. Offenbar wusste er nicht, wie er dieses Argument entkräften sollte. „Also gut, du erlaubst es mir nicht. Aber angenommen, ich schleiche mich raus aus der Stadt, finde Jed und die anderen, übernehme wieder das Kommando über die Erlöser, besiedle mit ihnen einen verlassenen Außenposten, baue dort ein neues Nest auf, und erwirtschafte und finde mehr Scheiß als irgendjemand sonst hier in der Gegend, und bringe dir dann den Löwenanteil davon vorbei, lege ihn dir vor die Füße, und kann nachweisen, dass ich nichts davon auf eine Weise erworben habe, die dir missfallen würde – würdest du mir dann verzeihen?", wollte er schließlich wissen.
„Nein", erwiderte Rick schlicht, „Weil du ohne meine Erlaubnis abgehaut wärst und mir damit bewiesen hättest, dass dir nicht zu trauen ist."
„Agh!", rief Negan nur aus, „Du willst mir kein bisschen entgegen kommen, was das hier angeht, was?"
„Nein. Das will ich nicht. Schlag dir die Erlöser aus dem Kopf, Negan", seufzte Rick nur, „Du darfst frei herumlaufen, ich lasse dich zu meinen Kindern, vertraue dir genug um meine Hitzen mit dir zu verbringen … Reicht dir das denn nicht? Denn das alles wäre vorbei, wenn du mir beweist, dass all das Vertrauen, das ich in dich gesetzt habe und darin, dass du bereit bist dein Verhalten grundlegend zu ändern, fehl am Platz war, okay? Enttäusche mein Vertrauen, und du kommst zurück in deine Zelle. Ich weiß ja, dass du denkst ich wäre naiv, aber dumm bin ich nicht. Vergiss das nie."
Negan schwieg und schmollte offensichtlich. „Also schön", meinte er dann theatralisch, „Ich schlage mir die Erlöser aus dem Kopf und sehe dabei zu, wie Jed sie alle in ihren Untergang führt. Auch wenn ich sie retten könnte, und du das weißt, und es mir nur nicht erlauben willst, weil du paranoid bist."
Rick ersparte es sich darauf zu antworten und beschloss stattdessen dieses Gespräch als beendet anzusehen. Er schloss seine Augen und versuchte ein wenig zu dösen. Wenige Momente später öffnete er seine Augen wieder und warf Negan einen prüfenden Blick zu. „Könntest du bitte damit aufhören mich anzustarren? Ich ändere meine Meinung nicht", erklärte er dem Alpha.
„Das weiß ich doch", behauptete dieser, „Und außerdem habe ich dich nicht angestarrt. Ich sag ja, du bist paranoid. Ich hab besseres zu tun als dir beim Schlafen zuzuschauen. Das wäre ja unheimlich."
Rick schloss seine Augen wieder und ignorierte das sichere Gefühl, dass ihn der Alpha immer noch anstarrte so gut er konnte. Er war zu müde zum weiterstreiten, er brauchte dringend Schlaf. Und solange Negan nicht mehr weiter daran dachte abzuhauen und etwas Dummes zu tun, konnte er sich gerne so unheimlich verhalten wie er wollte. Denn das war Rick ja sowieso schon gewöhnt. Worauf es ankam war, dass der Alpha keine neuen Dummheiten beging, mit allen anderem kam Rick klar.
Zumindest dachte er das damals.
IV.
Siddiq fuhr aus seinen unruhigen Schlaf hoch und schrie erschrocken auf.
„Psst… alles ist gut, du bist in Sicherheit", versicherte ihm jemand neben ihm, und er fand langsam aber sicher in die Realität zurück. Er lag in seinem eigenen Bett in Alexandria, die Flüsterer waren weit weg, Alpha war weit weg. Niemand, der ihm etwas antun wollte, war hier bei ihm. Niemand war bei ihm außer Dante.
Einen Teil von Siddiq beruhigte diese Tatsache nicht, doch er schrieb dieses Gefühl seiner Verwirrung zu, sah darin eine Nachwirkung des Alptraums. Der Alpha schmiegte sich an ihn und streichelte ihn beruhigend. „Alptraum?", wollte er wissen.
Siddiq nickte nur. Und zitterte. Er konnte das Zittern nicht unterdrücken, und dafür hasste er sich. Er war nicht Henry, er war ein erwachsener Mann, ein Beta, ein Arzt, er sollte das alles viel leichter wegstecken als der Omega-Junge. Aber trotz allem, was er erlebt hatte, seit die Welt untergangen war, war die Entführung durch die Flüsterer trotzdem das Traumatischste, was ihm jemals widerfahren war. Nicht nur, weil er mit angesehen hatte, wie Tara, Enid, D.J, und all die anderen getötet worden waren, sondern auch weil er selbst – im Gegensatz zu dem, was Negan dachte – nicht so billig davon gekommen war, wie man vielleicht denken könnte. Davon wusste nur keiner, weil er selbst Arzt war, und außerdem die Meinung vertrat, dass es niemanden etwas anging, dass er … gefoltert worden war.
„Du musst nicht darüber sprechen, wenn du nicht willst", meinte Dante, „Aber ich bin immer für dich da."
Siddiq nickte nur, die Worte fehlten ihm immer noch.
„Seit die Zivilisation gestorben ist, haben die meisten von uns kranken Scheiß gesehen oder erlebt", fuhr Dante fort, „Es ist keine Schande zuzugeben, dass einem das zusetzt. Wir sind Menschen, keine Roboter."
„Manchmal denke ich, es wäre besser, wenn wir Roboter wären", murmelte Siddiq.
Dante küsste ihn hinter sein rechtes Ohr und murmelte: „Roboter gehen kaputt. Menschen können heilen. Keiner weiß das besser als wir beide."
In diesem Moment hallten aufgeregte Rufe durch die Stadt. Irgendetwas passierte gerade, oder war passiert. Dabei war die Sonne gerade erst dabei aufzugehen.
„Wir sollten nachsehen, was los ist", meinte Siddiq, „Vielleicht gibt es Verletzte."
Dante seufzte. „Als Gott der Post-Apokalypse hat man niemals frei, nicht wahr?", stellte er fest und beobachtete Siddiq dann dabei wie dieser sich anzog.
Der Beta warf ihm einen vorwurfsvollen Blick zu.
„Was?", verteidigte sich der Alpha, „Ich genieße nur die Schönheit um mich herum. Gerade wenn uns blutende Wunden und Operationen erwarten, habe ich mir das doch verdient, oder?!"
Siddiq schüttelte nur wortlos den Kopf. Dass er Dante wiedergetroffen hatte, hatte ihn, wenn er ehrlich war, ziemlich aus dem Konzept gebracht und gerade wegen dem Zwischenfall mit den Flüsterern hatte er sich an den Alpha geklammert wie an eine Rettungsboje. Dante schien es sehr gefreut zu haben, dass sein alter Freund nicht einmal zögerte, bevor er mit ihn ins Bett hüpfte, doch langsam aber sicher begann Siddiq sich zu fragen, ob er klug gehandelte hatte, indem er sich Dante ganz und gar anvertraut hatte.
Seine Familie war lange tot. Er wusste, dass seine Gefährtin ihn glücklich sehen wollte, und es hatte in der Vergangenheit öfter als einmal Momente gegeben, in denen er jemanden getroffen hatte, mit dem er sich eine gemeinsame Zukunft hätte vorstellen können. Er war einige Zeit lang in Rosita verliebt gewesen, und wenn sich die Dinge anders entwickelt hätten, dann wäre er jetzt vielleicht mit ihr zusammen und sie würde sein Kind erwarten. Es war also nicht die Tatsache, dass er eine neue Beziehung begonnen hatte, die ihn beunruhigte, es war viel mehr die Wahl seines Partners.
Dante hatte immer schon eine sehr direkte Art besessen, mit der er sich nicht nur Freunde gemacht hatte. Und er hatte nie einen Hehl daraus gemacht, dass er Siddiq sehr attraktiv fand. Früher hatte Siddiq das geschmeichelt. Ihre vergangene Affäre war leidenschaftlich gewesen, wenn auch nicht viel mehr als das: Eine Affäre.
Vielleicht war es ja das, was Siddiq beunruhigte, dass er versuchte etwas wiederzubeleben, was für ihn nie mehr als eine Zwischenstation auf seinem Weg gewesen war, und das gerade jetzt, wo er besonders verletzlich war. Im Grunde wusste er nicht, was Dante in den letzten Jahren alles so getrieben hatte. Er wusste nicht wirklich wer Dante heute war. Der Alpha hatte nie ausführlich auf entsprechende Fragen geantwortet. Und alles in allem vermittelte er Siddiq öfter das Gefühl, dass er in allem um sich herum eine Art Spiel zu sehen schien, dass er nichts von dem, was um ihn herum passierte, wirklich ernst zu nehmen schien. Natürlich war das Dantes ureigenster Schutzmechanismus, das wusste der Beta, aber trotzdem stimmte ihn dieses Verhalten nachdenklich. Es schien im krassen Widerspruch zu der fürsorglichen Seite des Alphas zu stehen, diese immer wieder zu verdrängen und zu überdecken. An Dantes Hingabe für Siddiq bestand kein Zweifel, es war eher seine Einstellung zu allen anderen um ihn herum, die der Beta in Zweifel zog.
Irgendwann würden sie das genauer besprechen und analysieren müssen, das wusste Siddiq, aber dieses Gespräch wäre nicht angenehm, auch das wusste er, und es könnte ihrer neuaufgenommen Beziehungen immensen Schaden zufügen, und Siddiq war sich nicht sicher, ob er in seinen augenblicklichen Zustand verkraften könnte Dante zu verlieren. Deswegen ließ er dem Alpha so viel durchgehen, und sprach so viele Dinge nicht an. Wie auch diese Bemerkung jetzt nicht oder die Tatsache, dass Dante mit seinem Verhalten wertvolle Zeit vertrödelte.
Wenig später erreichten beide Ärzte vollbekleidet den Dorfplatz. Der Himmel war blutrot, und diverse halb verschlafene Gestalten hatten sich am Dorfplatz versammelt. Unter ihnen, wie sich herausstellte, Negan, der offenbar nach Alexandria zurückgekehrt war.
Rick wirkte nicht gerade erfreut ihn zu sehen. Michonne schien sogar bereit den Alpha jederzeit zu verhaften, wenn es sein musste. Selbst Carl, der normalerweise immer auf Negans Seite stand, zeigte eine grimmige Miene.
„Seht mich nicht alle so an, als wäre ich ein Verbrecher", meinte Negan, „Ich bin nicht einfach so abgehauen. Ich war auf einer Mission. Ich hab dir ein Geschenk mitgebracht, Rick." Dann griff er in den Sack, den er mitgebracht hatte, fischte etwas heraus und warf es vor Ricks Füße. Es war ein abgetrennter Kopf. Ein abgetrennter Kopf, der immer noch nach Luft schnappte.
Siddiqs Ohren begannen zu rauschen, und er stolperte beinahe, doch er wurde von Dante abgefangen. Doch erst als Lydia aufschrie, erkannte er um wessen Kopf es sich handelte.
Lydia, die hinter Rick gestanden hatte, gab einen spitzen Schrei von sich und floh dann in Richtung des Grimes Hauses.
„Toll gemacht, Negan, wirklich toll", schimpfte Carl und folgte Lydia.
„Ach was, darüber kommt sie hinweg", meinte Negan, „Sie hat schlimmeres gesehen. Das hier ist auch ein Geschenk für sie. Diese Irre hatte nicht vor das Mädchen gehen zu lassen, nicht auf lange Sicht. Ich habe sie befreit! Ich habe uns alle von ihr befreit!"
Siddiq bemerkte, dass Negans Kleidung voll von getrocknetem Blut war, und dass von Lucille weit und breit nichts zu sehen war. Stattdessen hielt er eine Machete in seiner linken Hand. Niemand sagte irgendetwas. Alle starrten Negan nur an. Und den Kopf. Alphas Kopf.
Sie ist geendet wie sie die anderen hat enden lassen…. Siddiq erzitterte wieder.
„Was?!", wollte Negan wütend wissen, „Ich musste es tun! Ihr habt ja keine Ahnung, ihr habt ja keine Ahnung wie sie war, was sie getan hat, was sie zugelassen hat! Sie wollte die Welt niederbrennen. Das hat sie mir selbst gesagt. Ich musste sie aufhalten. Das hier ist gerechte Rache! Gerechte Rache für Tara und für die arme Enid und für D.J. und für Tanya und für Jed. Und für Cyndie, und für alle anderen. Ich musste das hier tun!" Sein Blick streifte über alle Anwesenden. „Ich habe das für euch getan!" Sein Blick fand Ricks. „Ich habe es für dich getan, Rick", betonte er, „Ich habe es getan, damit du es nicht tun musst."
Rick sah Negan einen Moment lang an und nickte dann Michonne zu. Diese machte einen Schritt auf Negan zu, doch der zuckte zurück.
„Nein, wartet, wartet! Wir sind hier noch nicht fertig. Wir müssen zurück, zurück zu diesem Rudel, und du … du musst die Rudelführerschaft über Alphas Rudel übernehmen. Wir müssen dort hin, und ich muss sie dir übergeben. Das ist wichtig, weil wenn wir es nicht tun dann … dann übernimmt Beta das Rudel, und dann war alles umsonst!", erklärte er aufgelöst, „Du kommst doch mit mir, Rick. … Oder?!"
Er wirkte auf einmal sehr verunsichert, als er Rick ansah. Der Omega sagte immer noch nichts, doch Negan schien genug zu verstehen.
„Die folgen dem Stärksten, ich habe ihnen befohlen auf mich zu warten, zu warten bis ich zurückkomme. Wenn ich jetzt nicht zurückkomme, dann suchen sie sich einen anderen Alpha", brabbelte er, „Ich habe das nicht für mich getan. Ich habe es für dich getan. Wenn ich dich hätte betrügen wollen, dann wäre ich nicht zurückgekommen. Dann wäre ich immer noch bei ihnen. Würde sie jetzt zu meiner neuen Armee aufbauen, würde einen Angriff auf euch vorbereiten. Aber das habe ich nicht getan! Ich habe sie nicht getötet, damit ich ihr Rudel übernehmen kann. Ich habe sie getötet, damit du ihr Rudel übernehmen kannst, Rick." Er warf verzweifelte Blicke in die Menge. „Helft mir doch mal! Sagt ihm, dass er das tun muss! Daryl! Rosita! Gabe! Sasha! Ihr wisst, dass ich recht habe! Michonne, Michonne, du weißt wie es sein muss! Das ist der gewaltlose Weg, der Weg, den ihr immer predigt! Nur sie musste sterben, wir gehen zurück und übernehmen die Macht, ihr übernehmt die Macht, nicht ich. Ihr. Und dann … dann ist alles erledigt!"
Sein Blick irrte zu Siddiq, blieb dann an Dante hängen, den er nicht kannte und dessen Anwesenheit hier ihn sichtlich verwirrte. „Es tut mir leid, okay", erklärte er und blickte nun Siddiq direkt an, „Ich hätte das nicht sagen dürfen. Ich weiß - ich weiß - dass du niemals mit Leuten wie denen einen Deal gemacht hättest. Das weiß ich jetzt. Aber du weißt wie sie sind, du weißt es, und deswegen musst du mir jetzt helfen und ihnen sagen, dass es nur so geht!"
Siddiq schüttelte nur den Kopf und machte einen Schritt zurück. Diese Leute …. Alphas Rudel … die Flüsterer … niemals würden sie sich jemanden wie Rick unterwerfen. Das wusste er, das wusste er genau.
Endlich sprach Rick. „Ich habe es dir gesagt", meinte er unheilverkündend, „Ich habe dir gesagt, was passieren würde, wenn du so etwas tust. Tobin, Scott….." Die beiden Alphas machten einen Schritt auf Negan zu, der seine Machete plötzlich zu Boden warf und losrannte und sich direkt vor Rick auf die Knie warf. „Nein, nein. Bitte! Siehst du? Ich knie vor dir! Ich unterwerfe mich dir", bettelte Negan, „Du bist der Alpha, nur du. Das weiß ich. Ich weiß es, okay? Ich …. Verzeih mir, ich tu's nie wieder, nichts davon."
Rick sah mit starrer Miene zu Negan hinab.
„Du brauchst mich", beharrte Negan, „Ich bin deine Waffe, dein Schwert. Genau das war ich, nichts anderes."
„Ich bin der Alpha?", vergewisserte sich Rick, „Du unterwirfst dich mir?"
Negan nickte eifrig. „Ja, ja, ganz genau", beteuerte er.
„Gut. Dann wirst du jetzt aufstehen und zurück in deine Zelle gehen und dort bleiben, bis ich dir etwas anderes anschaffe", befahl der Omega streng.
Negan erstarrte, verfiel dann sichtlich in sich, senkte aber den Kopf, und flüsterte: „Ja, Alpha." Dann erhob er sich und schlürfte tatsächlich in Richtung seiner Zelle los. Tobin und Scott folgten ihm mit ein wenig Abstand hinterher.
„Ich tue das nicht", wandte sich Rick dann an die versammelte Menge, „Ich mache mich nicht zum Rudelführer der Flüsterer. Wir haben das mit den Erlösern durchgemacht, und wozu hat es geführt? Dazu, dass wir ihre Wärter wurden, dazu, dass sie niemals wirklich gelernt haben uns zu vertrauen. Aber dabei waren die Erlöser zumindest immer noch wie wir. Aber diese Flüsterer … ich will ihnen unsere Art zu leben nicht aufzwingen, aber ganz sicher dulde ich ihre Art zu leben nicht unter meiner Führung. Und sie … sie würden mich nie dulden. Niemals. Das eben, das würde niemals mit jemandem wie Beta passieren. Das wisst ihr. Aber vielleicht hat er ja recht. Vielleicht ist das der Weg zum Frieden. Vielleicht können wir nur so einen weiteren Krieg entgehen, vor allem jetzt, nach Alphas Tod. Wenn ihr es wirklich wollt, wenn ihr wirklich der Meinung seid, dass es funktionieren könnte, dann gehe ich hin und übernehme ihr Rudel, oder versuche es zumindest. Wenn ihr wollt, dass ich das tue, dann müsst ihr es jetzt sagen."
„Nein!", hörte Siddiq sich selbst rufen, „Nein, er irrt sich, es würde niemals funktionieren. Die würden sich dir niemals unterwerfen! Das sind Monster! Es sind verdammte Monster!"
Dante neben ihm zuckte zusammen, und er fragte sich wie laut er wohl geschrien haben musste. Aber ich will sie nicht hier, ich will nicht, dass sie mit uns leben, ich will nicht, dass sie mir noch einmal weh tun!
„Sie sind in der Überzahl", meinte Michonne, „Genau das ist doch das Problem. War es von Anfang an. Siddiq hat recht, wir haben keine Garantie, dass sie dich akzeptieren. Angenommen wir gehen hin, Negan kniet vor dir und übergibt dir sein Rudel – wer sagt, dass sie uns nicht angreifen und töten? Wer sagt, dass sie sich an die einfachsten Regeln halten? Es ist zu riskant."
Rick sah zu Siddiq hinüber. Dieser nickte zustimmend.
„Vielleicht würde es Zeit schinden, aber nicht einmal dessen bin ich mir sicher", meinte Daryl.
„Aber das hier", warf Jesus ein und deutete auf Alphas Kopf, „wird nicht ohne Konsequenzen bleiben. Vielleicht planen sie bereits jetzt den Vergeltungsschlag. Ich meine, er hat das getan und ist dann einfach weggegangen. Glaubt irgendwer von uns wirklich, dass dieser Beta einfach brav dasitzt und abwartet, bis der Mörder seines Alphas zurückkommt um ihm neue Befehle zu erteilen?"
Das war ein berechtigter Einwand. Sie werden hierher kommen, wurde Siddiq klar, Sie werden Alexandria angreifen. Negan hatte vielleicht gedacht, er hätte geholfen, doch in Wahrheit hatte er alles noch schlimmer gemacht.
Rick nickte. „Ein Sturm zieht auf. Ich hatte einen Zeitplan. Doch der ist jetzt Vergangenheit", meinte er, „Eugene, funk Ezekiel und Oceanside an. Wir müssen uns vorbereiten. Müssen ihnen zuvor kommen. Beta wird das nicht hinnehmen. Wir müssen auf alles gefasst sein." Er hob vorsichtig Alphas Kopf vom Boden auf und betrachtete diesen. „Bis jetzt konnten wir uns einreden, dass es nicht so ist, aber ab jetzt sind wir im Krieg."
Und jeder am Versammlungsplatz wusste, dass dem wirklich so war.
A/N: Oh Negan…. Seufz.
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