Im Büro nebenan stellte, Anna Tom und Semir kurz ihrem Vater vor, ehe sie sich entschuldigte und in Richtung der Umkleiden und Waschräume verschwand. Tom sah ihr nach, wurde aber von Semir abgelenkt der sagte: „Ich glaube wir müssen das BKA in Zukunft nie wieder nach irgendetwas fragen... Mit denen haben wir es uns endgültig auf Lebzeiten verscherzt."
Kranich zuckte nur mit den Schultern. „Wenn wir dafür die Kerle kriegen, die für das ganze Leid hier verantwortlich sind, soll mir das recht sein."
„Ja... Ja natürlich..." Semir warf seinem Freund einen langen, nachdenklichen Blick zu.
Es dauerte keine 10 Minuten bis Mark kurz aus dem Büro der Dienstellenleitung trat und ihnen zu nickte, woraufhin sie ebenfalls wieder in das andere Büro gingen.
„Also schön... Da Frau Engelhardt so charmant und nett gefragt hat, sind wir mit den Bedingungen einverstanden. Willkommen in Team, meine Herren." Der BKA Kollege deutet auf Tom. „Und selbstverständlich dürfen sie und ihre reizende Kollegin ab sofort wieder in zivil zum Dienst erscheinen. Apropos: Wo ist die eigentlich?"
Wie auf Kommando ging im nächsten Moment die Bürotür auf und die Chefin kam herein. Tom genügte ein kurzer Blick in ihr Gesicht, um zu sehen das der aufgesetzte, leicht herablassende Gesichtsausdruck reine Fassade war, hinter der ein Sturm an Emotionen zu toben schien.
„Ah, da sind sie ja endlich. Ich hatte mich schon gewundert, dass sie ihren kleinen Triumph gar nicht genießen wollen. Wie ich bereits ihren Kollegen gesagt habe: Wir akzeptieren ihre Bedingungen. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit." Sagte Mark mit vor Sarkasmus tropfender Stimme. Anna nickte ihm als Antwort nur knapp zu.
„Nachdem wir das dann alles geklärt hätten, sollten wir uns damit befassen wie wir jetzt weiter vorgehen."
Gut dreißig Minuten später betrat Lorenz Engelhardt mit Semir zusammen das Verhörzimmer in dem Besnik Kastrati bereits ungeduldig wartete. Als der Albaner den Anwalt sah, lächelte er höchstzufrieden.
„Herr Kastrati? Dr. Lorenz Engelhardt. Herr Völkers ist leider gerade verhindert, weswegen ich hier bin. Ich hoffe das ist in Ordnung für sie?"
„Ja, ja, natürlich! Hauptsache ich komm raus hier!" nickte Besnik während er die ihm angebotene Hand schüttelte.
Lorenz wandte sich knapp an Semir. „Lassen sie mich bitte kurz zur Beratung mit meinem Mandanten alleine? Danke schön!" Gerkhan warf ihm einen missbilligenden Blick zu, verließ den Raum aber.
„Diese scheiß Bullen! Ich sitze schon fast ne Stunde hier und warte!" legte Kastratie sofort los, nachdem Semir weg war.
„Na, na... Die armen Beamten versuchen auch nur ihre Rechnungen zu bezahlen... Setzten wir uns kurz? Ich habe ein paar Fragen und dann sollte wir sie hier blitzschnell wieder raus haben." Nachdem die Männer an dem kleinen Tisch platz genommen hatten, fing der Anwalt sofort an Fragen zu stellen.
„Mir wurde bis jetzt nur mitgeteilt das man sie festgenommen hat, da sie sich einer Polizeikontrolle entzogen haben. Stimmt das so?"
„Ja einen Scheiß habe ich! Die Bullenschl... also ich meine diese Polizistin, hat plötzlich die Knarre gezogen und Koslov ist abgehauen! Nicht ich! Ich hab nur daneben gesessen! Und dann ist der Vollidiot auch noch in den Graben gefahren! Sonst hätten uns die Bullen nie gekriegt!"
„Sie sind also gar nicht selber gefahren, sondern waren nur Beifahrer?"
„Ja, genau!" Engelhardt nickte zufrieden. „In welchem Verhältnis stehen sie zu dem Fahrer, Herrn Ilija Koslov?" Besnik zuckte mit den Schultern. „Der arbeitet halt für uns."
„Uns?"
„Ja für mich und meinen Bruder."
„Was genau macht er für sie?" Kastrati warf seinem Anwalt einen vielsagenden Blick zu. „Ich verstehe..." Engelhardt nickte langsam. „Einigen wir uns darauf das er als Fahrer für sie arbeitet?" Der Gangster grinste dreckig. „Als Fahrer gefällt mir!"
„War oder ist ihnen bewusst das Herr Koslov in irgendwelche Straftaten verwickelt ist?" Besnik warf ihm einen weiteren eindeutigen Blick zu. „Okay... Eins noch: Im Wagen wurde eine Waffe gefunden."
„Ja, das ist natürlich nicht meine!" Kastrati grinste schief. „Natürlich nicht." Lorenz Engelhardt grinste genauso schief. „Nun, die Polizei hat kaum etwas gegen sie in der Hand. Wenn wir bei der Geschichte bleiben das Herr Koslov nur als Fahrer für sie arbeitet und sie keine Ahnung davon haben das er womöglich in eine Straftat verwickelt ist oder war, sind sie in spätestens 30 Minuten hier wieder raus. Allerdings..." Engelhardt Senior wog den Kopf hin und her. „Ich könnte mir vorstellen das eine Aussage von Herrn Koslov ihnen im Nachhinein vielleicht Probleme mach könnte."
„Der Wichser traut sich nicht zu reden!" zischte Besnik.
„Sind sie sich da ganz sicher? Ich habe sonst einen Vorschlag, der allerdings unter uns bleiben müsste!" mahnte Lorenz verschwörerisch.
„Was?"
„Wäre es in Ordnung für sie, wenn ich Herrn Koslov ebenfalls vertrete? So hätte ich die Möglichkeit mit ihm zu sprechen und sagen wir, seine Aussagen in eine gewisse Richtung zu lenken. Außerdem würde ich so erfahren was genau ihm vorgeworfen wird."
Besnik Kastrati lachte laut auf. „Ich mag wie du denkst, Anwalt!" Er klopfte auf den Tisch. „Wenn du dafür sorgst, dass ich hier in spätestens einer Stunde hier raus bin und die Bullen mich komplett in Ruhe lassen, gibt es ein nettes Trinkgeld! Bar auf die Hand versteht sich..." Engelhardt deutet eine Verbeugung mit dem Kopf an. „Das ist sehr großzügig von ihnen. Wenn sie sich noch ein wenig gedulden wollen, dann spreche ich jetzt mit Herren Koslov und werde dafür sorgen, dass man ihnen einen Kaffee oder etwas in der Art bringt."
„Danke. Und Herr Engelhardt? Mach Koslov klar das er nichts Falsches sagen sollte..."
Die gesamte Konversation wurde von Semir und Zeidler beobachtet. Nachdem Engelhardt Senior den Verhörraum verlassen hatte, schüttelte der Deutschtürke fassungslos den Kopf. Der Anwalt war aalglatt und mit allen wassern gewaschen.
Lorenz trat auf Semir zu. „Ich denke wir haben ihn an der Angel. Besonders intelligent scheint er nicht zu sein."
„Hoffen wir das dem so ist." Semir sah Zeidler an, der noch immer nicht begeistert darüber war, dass er jetzt mit ihnen zusammenarbeiten musste, sich aber notgedrungen gefügt hatte. „Ist ihr Technikgenie auf dem Weg?" Der BKA Mann nickte. „Müsste bald hier sein."
Während Lorenz Engelhardt bei Kastrati war, wurde zeitgleich Ilija Koslov von Haverlant und der Chefin in die Mangel genommen.
Auf dem Weg in den Vernehmungsraum nahm Tom Anna kurz bei Seite. „Du musst da nicht rein. Ich kann das auch machen." Sagte er leise und sah ihr dabei tief in die Augen. „Ich sehe doch das dich das hier gerade mehr mitnimmt als du zugeben willst."
In der Zeit wo Semir und Tom in ihrem Büro auf die Entscheidung des BKAs gewartet hatten, war die Chefin in einen der beiden Waschräume geflohen.
Seit der Begegnung mit Koslov hatte es sich Stück für Stück so angefühlt als ob ihr jemand immer weiter den Brustkorb zusammengeschnürte und das Atmen war ihr von Minute zu Minute schwerer gefallen.
Sie hatte fast 10 Minuten gebraucht, um sich so weit zu beruhigen, dass sie wieder einigermaßen klar denken konnte und es war ihr durchaus bewusst das sie nur knapp an einer waschechten Panikarttake vorbei geschlittert war.
Trotzdem schüttelte sie jetzt entschieden den Kopf. „Nein, ich mach das selber."
„Anna..." versuchte es Tom erneut. „Ich sagte ich mache das selber!" sagte sie schärfer als beabsichtigt.
„Wie du meinst..." Tom musste sich zusammenreißen sie nicht einfach in den Arm zu nehmen.
