Zusätzliche Warnings: Spoiler für die 10. Staffel


Der Sturm


I.

Die Stradivari war offenbar nur ein Teil einer größeren Musikinstrumentensammlung. Luke schien alles gesammelt zu haben, was ihm unterkam. Während andere nach Lebensmitteln und Medikamenten gesucht hatten, hatte der ehemalige Musiklehrer offensichtlich nach Musikinstrumenten gesucht. Und sie auch gefunden.

Rick fischte eine Trompete aus den Haufen gesammelte Instrumente und musterte sie ungläubig, bevor er sich der restlichen Sammlung zuwandte. Blasinstrumente, Streicher, Trommeln, sogar eine Triangel schien sich hier zu finden – alles zusammengesammelt in dem überrannten Camp von Magnas Rudel. Ist das eine Oboe?, fragte sich Rick noch, bevor sein Blick an etwas anderem hängenblieb.

„Sag mal, Luke, woher sagtest du - habt ihr - all das noch einmal?", wollte er wissen, während sich sein Blick wie hypnotisiert auf das fixierte, das er entdeckt hatte.

Lukes Antwort hörte er kaum.


II.

„Hast du vor irgendwo hinzugehen?"

Der ertappte Alpha erstarrte. Einen Moment lang rechnete Daryl damit, dass er Ärger machen würde, doch stattdessen drehte sich Dante mit einer aufgesetzten Unschuldsmiene zu ihm um und verkündete: „Nein, gar nicht. Ich konnte nur nicht schlafen. Deswegen bin ich auf um mir die Beine ein wenig zu vertreten."

Daryl machte sich noch nicht die Mühe seine Armbrust auf ihn zu richten, hielt dieser aber weiterhin bereit. Er baute sich vor dem Arzt auf und musterte ihn kühl. „Du bist also nur ganz zufällig am Tor vorbeigekommen", vermutete er.

„Ja, genau. Ich meine, wenn ich gehen wollen würde, dann würde ich doch wohl kaum mitten in der Nacht gehen, oder? Nicht, wenn mich das um all die angenehme Gesellschaft bringen würde, die hier so zu finden ist", bestätigte Dante mit einem Augenaufschlag, von dem er wohl dachte, er wäre verführerisch, und alleine die Tatsache, dass er das versuchte, zeigte, dass er keine Ahnung hatte, wer Daryl wirklich war.

„Du hattest also nicht vor zu den Flüsterern zurückzulaufen?", wollte Daryl scheinbar arglos wissen.

Dantes Miene gefror, und dann versuchte er einen Satz auf Daryl loszumachen, wurde aber im Sprung von einem anderen Alpha erwischt und zu Boden gerungen. „Ugh. Ich werde zu alt für so was", murmelte Tobin wenig erfreut, als er sich wieder aufrappelte. Dante knurrte und wollte den anderen Alpha angreifen, doch Daryl hielt ihm seine Armbrust unter die Nase. „Das würde ich an deiner Stelle lassen", meinte er ungerührt.

Rick, Michonne, Gabriel, und Sasha traten ebenfalls bewaffnet in Dantes Sichtfeld. Der Alpha erkannte, dass er chancenlos war, und knurrte noch einmal warnend, hob dann aber seine Hände und signalisierte, dass er sich ergab. Daryl zerrte ihn auf die Beine. „Es wird Zeit, dass wir uns unterhalten", meinte er. Dante funkelte ihn wütend an, sagte dazu aber nichts mehr und ließ sich widerstandslos von Daryl abführen.

Da ihre Zelle belegt war, führten sie ihren Gefangenen in eines der leerstehenden Häuser und fesselten ihn dort an einen Stuhl. Rick, Michonne, und Daryl bauten sich dann vor Dante auf um mit der Befragung zu beginnen, während sich die anderen zurückzogen.

„So", begann Rick schließlich, „du bist also ein Spion."

Dante schnaufte nur.

„Dachtet ihr wirklich, dass uns dein plötzliches Auftauchen nicht verdächtig vorkommen würde?", fuhr Rick fort.

„Nachdem ihr uns euren Spion geschickt hattet, mussten wir unseren Zeitplan beschleunigen", knurrte Dante, „Ursprünglich wollten wir bis nach dem Winter warten, wenn ihr nicht mehr mit uns rechnet. Ich sollte einen passenden Moment abwarten euer Vertrauen erringen, mich hier einschleusen und so gut wie möglich assimilieren."

„Aber jetzt ist Alpha tot", stellte Michonne fest.

„Jetzt ist Alpha tot", bestätigte Dante, „Das ändert alles."

„Das tut es wohl", stimmte Rick ihm zu, „Sag mir, nachdem es sich um dein Rudel handelt, und du einen anderen Blick darauf hast als ein Außenseiter: Würde es etwas ändern, wenn ich das Rudel übernehmen würde?"

Dante lachte trocken. „Es würde dich umbringen. Beta und seinesgleichen, für die ist deine Sorte nur zum Ficken gut. Und das war's dann auch schon wieder", meinte er, „Du bist weise gar nicht erst hinzugehen."

Rick nickte, als hätte ihm Dante etwas bestätigt, dass er sowieso schon gewusst hatte. „Und was ist mit Frieden?", wollte er dann wissen, „Alpha war diejenige, mit der wir Streit hatten. Der ist nun zu Ende. Wir sind bereit euch in Ruhe zu lassen, wenn ihr uns in Ruhe lasst. Wäre das machbar?"

Dante schüttelte nur spöttisch den Kopf. „Beta hat Alpha angebetet, er wird euch mit dieser Tat niemals davon kommen lassen", behauptete er, „Und selbst wenn das nicht der Fall wäre, wenn unser Rudel an einen Ort kommt, dann gibt es an diesem Ort über kurz oder lang nur noch unser Rudel. Entweder ihr flieht oder schließt euch uns an. Das ist der einzige Weg um in Ruhe gelassen zu werden. Aber das wisst ihr alles bereits. Warum verschwendet ihr unser aller Zeit damit es euch bestätigen zu lassen?!"

Rick warf ihm einen scharfen Blick zu. „Weil ich jedem immer eine Chance einräume. Das hier ist deine", erklärte er ruhig, „Wenn du klug bist, ergreifst du sie."

Dante schüttelte nur seinen Kopf. „Alpha hat mich für diese Aufgabe ausgewählt, weil ich loyal bin", verkündete er, „Ich wechsle nicht einfach die Seiten."

„Und was ist mit Siddiq?", wollte Michonne wissen, „War er für dich nur ein Spielzeug? Eine Tarnung? Wie sollte deine kleine Farce für ihn ausgehen?"

Dantes Gesicht verdüsterte sich, und er gab einen warnenden Knurrlaut von sich. Offenbar war Siddiq sein wunder Punkt.

„Wusstest du, dass er entführt und beinahe getötet wurde? Dass deine heißgeliebte Alpha in gefoltert hat?", bohrte Michonne weiter, „Dass er mit ansehen musste wie seine Freunde getötet wurden?"

„Was denkst du, warum er noch lebt?!", fuhr Dante sie an, „Wem er das zu verdanken hat?!"

„Du warst dabei", stellte Rick fest, „Du warst dabei, als Enid und Tara getötet wurden. Du hast ihr gesagt, dass du Siddiq von Früher kennst, und das hat sie dazu veranlasst ihn zu verschonen, damit es jemanden unter uns gibt, der für dich bürgt."

Dante wich seinem Blick aus. Vielleicht gefiel ihm diese Beschreibung seiner Intrigen nicht, Siddiq aber würde das alles noch weniger gefallen, davon war Daryl überzeugt. „Ich hätte gut für ihn gesorgt", erklärte Dante durch zusammengebissene Zähne, „Am Ende hätte er sich dem gebeugt, was sein muss, und ich hätte ihn beschützt."

Daryl schüttelte ungläubig den Kopf. Der Alpha schien das alles wirklich zu glauben. Er hörte sich wie eine Fanatiker an, der davon überzeugt war, dass er das einzig Richtige tat. Vermutlich musste man zu diesem Menschenschlag gehören, wenn man Alpha folgte. Sogar Negan war sie ein zu großes Monster gewesen. Dante hingegen schien weder in seinen noch in ihren Taten etwas Falsches zu sehen.

„Er wird dir niemals verzeihen", meinte Michonne kalt, „Und das sollte er auch nicht. Entweder folgst du Alphas aus Angst und Schwäche heraus, oder weil du bist wie sie. Ich weiß nicht was davon verachtenswerter ist."

Dante bleckte seine Zähne in ihre Richtung.

Rick kniete sich vor ihn. „Du hast Glück. Wir werden dich nicht hinrichten. Wir lassen dich frei, damit du Beta eine Nachricht überbringen kannst. Sag ihm, wir sind bereit das Rudel ziehen zu lassen. Sag ihm, dass er, wenn er das nicht tut, keine Gnade von uns zu erwarten hat. Sag ihm, dass das was mit Alpha passiert ist, auch ihn und die Seinen erwarten wird, wenn ihr nicht abzieht", erklärte der Omega stählern, „Und wenn ich du wäre, dann würde ich zusehen, dass ich von hier wegkommen, nachdem ich diese Botschaft überbracht habe, ganz egal was Beta dazu sagt."

Dante rümpfte seine Nase. „Keiner von uns wird weglaufen. Wir drücken uns vor keinem Kampf", erklärte er, „Von solchen wie euch kann ich nicht erwarten, dass ihr das versteht. Und genau das wird euer Untergang sein."

„Das wird sich weisen", meinte Rick und erhob sich wieder, und deutete Michonne Dante einzusammeln und zum Tor zu bringen. Er war ganz offensichtlich mit dem feindlichen Alpha fertig.

Daryl stellte sich neben Rick und beobachtete wie Michonne und die anderen Dante zum Tor eskortierten. Dann folgte er Rick in Richtung Gefängnis.

„Du musst nicht mitkommen", meinte Rick zu ihm.

„Du solltest das nicht alleine tun müssen", widersprach Daryl. So wenig er von Gefühlsdingen auch verstand, was er wusste war, dass seelische Unterstützung manchmal hilfreich sein konnte. Und er wusste auch, dass das ein schlechter Moment wäre um „Ich hab's dir ja gesagt" anzubringen, deswegen versuchte er möglichst neutral zu klingen als er das sagte.

Rick nickte nur und besuchte dann ihren anderen Gefangenen. Scott stand vor dem Eingang des Gefängnisses, wie in den alten Zeiten, und nickte ihnen zu, als sie an ihm vorbei gingen. Die Türe zu Negans alter Zelle stand offen, doch er saß trotzdem in ihr, auf seiner Pritsche, und hob nur den Kopf, als Rick und Daryl eintraten.

„Ich habe es für dich getan, Rick", erklärte er sofort, „Genau für so was brauchst du mich doch. Jadis, Jocelyn, und jetzt Alpha – es gibt keinen Unterschied zwischen diesen Fällen!" Er funkelte Daryl feindselig an, als wäre dieser der Grund für seine momentane Situation. „Ich wollte doch nur, dass du einsiehst, dass ich immer noch nützlich für dich bin."

Rick seufzte. „Der Unterschied ist, dass du die letzten Male um Hilfe gebeten wurdest. Dieses Mal hast du einfach nur das getan, was du für das Beste gehalten hast, ohne es mit irgendjemand zu besprechen. Ich hatte einen Plan. Aber deinetwegen müssen wir jetzt improvisieren, und deinetwegen werden die Flüsterer uns jetzt schon angreifen anstatt uns Zeit zu geben uns auf sie vorzubereiten", sagte er, „Ich weiß, dass du helfen wolltest, aber du hast alles nur schlimmer gemacht. Siehst du das denn nicht? Und außerdem hast du mir bewiesen, dass ich dir trotz allem eben nicht vertrauen kann."

Negan sprang auf. „Aber das kannst du!", rief er, „Du tust es nur nicht! Du hast kein Wort von irgendeinem Plan erwähnt! Du hast mich ausgeschlossen! Wenn ich gewusst hätte, dass es einen Plan gibt, dann hätte ich nie …. Ich habe auf diese Armee verzichtet, für dich! Was für einen Vertrauensbeweis brauchst du noch?!" Er wollte zu Rick hinübertreten, hielt aber dann inne und warf einen unsicheren Blick auf Daryl.

„Ich bin selbst schuld daran, zumindest damit hast du recht. Ich hätte nicht erwarten sollen, dass du dich änderst", meinte Rick müde.

Negan warf ihm einen betroffenen Blick zu. „Ich habe mich geändert", murmelte er.

„Du wolltest mein Problem für mich lösen, auf deine Weise. Du wolltest mir ersparen selbst anpacken zu müssen", gab Rick zurück, „Kommt dir das nicht bekannt vor?"

Negan schluckte. „Ich habe mich geändert", wiederholte er, „Ich besitze keinen starken Magen mehr."

Rick schüttelte nur den Kopf. „Mein Fehler war zuzulassen, dass wir Geschäftliches und Privates vermischen", meinte er, „Ich war selbstsüchtig. Ich dachte, wenn ich dir gebe, was du willst, wenn ich es gerade brauche, dann bindet dich das an uns. Und das hat ein bisschen zu gut funktioniert. Ich habe es Shane damals gesagt, und jetzt sage ich es dir: Ich brauche keine Unterwerfung, ich brauche Vertrauen. Nach all den Jahren denkst du immer noch, dass ein Omega ohne einen starken Alpha an seiner Seite, der die Drecksarbeit für ihn macht, nichts leisten kann. Du denkst immer noch, dass du besser bist als ich, alles besser weißt und kannst. Du unterwirfst dich mir, weil du denkst du musst das tun um zu überleben, es kommt dir nicht einmal in den Sinn, dass wir gleichberechtigt sein könnten."

Negan wandte sich von den Omegas ab und nahm dann wieder auf seiner Pritsche Platz. „Du hast mich zurück hierher geschickt", sagte er, „Also glaubst du selbst auch nicht daran, dass wir das jemals sein könnten."

Rick nickte nur. „Weil es für Gleichberechtigung vollkommenes Vertrauen braucht, und du mir bewiesen hast, dass es dazu niemals zwischen uns kommen wird", sagte er nur, „Es tut mir leid. Ich wollte, dass es klappt, wollte es versuchen, wollte …" Er verstummte.

Daryl begann sich langsam aber sich unwohl in seiner Haut zu fühlen. Das hier nahm eine andere Wendung, die er nicht hatte kommen sehen. Vielleicht war es doch eine schlechte Idee gewesen mitzukommen.

„Ich hab gelogen, wegen Shane", sagte Negan plötzlich, „Ich hab keine Ahnung, was aus ihm wurde, Jadis hat keinen Piep gesagt."

„Ich weiß", erwiderte Rick darauf nur.

„Und Alpha … Ich bin hin um sie umzubringen, das war der einzige Grund, warum ich zu ihr gegangen bin. Aber dann dachte ich, dass ich es vielleicht nicht tun muss. Und dann wollte ich es nicht mehr. Ich habe mit ihr geschlafen, aber das war nicht der Grund warum ich sie nicht töten wollte, ich wollte sie nicht töten, weil ich dachte, sie ist wie ich. Aber das war sie nicht. Sie war kein bisschen wie ich", fuhr Negan fort, „Und als ich sie dann doch umgebracht habe, habe ich es nicht für dich getan, sondern weil ich sie einfach nicht weiterleben lassen konnte. Nicht nachdem ich erkannt hatte, wie sie wirklich ist."

Rick nickte nur.

„Und als es vorbei war, da … wollte ich einfach nur zurück nach Hause. Wollte ich einfach nur zurück zu dir. Wollte, dass du mir verzeihst, und alles wieder so ist wie es vorher war. Weil … ich dich liebe, Rick!", gestand ihm Negan dann noch.

„Ich weiß", erwiderte Rick, „Und ich kann deine Gefühle einfach nicht erwidern, so sehr ich es auch versuche. Nicht so wie du es dir wünscht."

Nun war es an Negan zu nicken.

„Wo ist Lucille?", wollte Rick dann wissen.

„Ich weiß nicht", gab Negan zu, „Ich habe sie dort zurückgelassen. Ich … wollte sie einfach nicht mehr."

Daryl runzelte die Stirn, und sah dann entsetzt zu wie Rick zu dem Alpha trat und ihn auf den Mund küsste. Dann löste sich der Omega von dem ehemaligen Erlöser und erklärte: „Beta und seine Leute werden kommen, wir müssen bereit sein. Wir brauchen dich dort draußen. Kannst du kämpfen?"

Negan nickte nur. „Klar, ich bin Negan", meinte er, „Ich kann immer kämpfen."

„Dann komm." Rick deutete dem Alpha ihm aus der Zelle zu folgen. „Wir müssen unsere Strategie planen. Ich habe das letzte Wort, aber ich bin bereit mir ein paar Negan-Vorschläge anzuhören."

Offensichtlich waren sie jetzt alle wieder Freunde. Das war nicht das, was sich Daryl als Endergebnis von all dem erwartet hatte. Aber für den Moment blieb ihm wohl nichts anderes übrig als damit zu leben. Über alles andere konnten sie sich später immer noch Gedanken machen.


III.

„Eine seltsame Beta-Frau namens Georgie oder so, begleitet von seltsamen Zwillingen, hat mir dabei geholfen die meisten dieser Schätze zu finden", erklärte Luke.

„Und das hier? Davon wisst ihr nichts?!" Rick hielt Luke den gefundenen Brief unter die Nase und deutete auf das CRM-Symbol auf dem Kuvert.

Luke runzelte seine Stirn und wirkte ehrlich verwirrt. „Ein Brief? Wo hast du den denn gefunden?", wunderte er sich.

„In der Oboe", erwiderte Rick.

„Muss irgendein Scherzkeks hineingesteckt haben. Aber spielt jetzt wohl keine Rolle mehr, oder? Ich meine, er stammt sicherlich von davor", meinte Luke, „Irgendwie unheimlich, oder? Eine Botschaft aus einer anderen Welt."

Doch das hier war keine Botschaft aus einer anderen Welt, auch wenn Luke das dachte. Mit klopfenden Herzen öffnete Rick den Brief, faltete ihn auf, und las, was darauf stand. Er musste alles zweimal lesen um es zu begreifen, und selbst dann kam es immer noch irreal vor. Zu irreal um wahr zu sein.

Wer auch immer das liest, diese Botschaft ist für Rick Grimes und Alexandria bestimmt. Bitte lasst ihn Folgendes wissen:

Es hat länger gedauert als geplant, und ich musste viele Kompromisse eingehen, aber jetzt hält mich nichts mehr zurück. Ich komme nach Hause, Bruder, egal wie lange es dauert.

In Liebe

Shane


IV.

Ein Schneesturm fegte über das Land. Sie hatten in der Vergangenheit viele harte Winter erlebt, doch niemals etwas, das dem hier auch nur ähnelte. Nachdem es zu schneien begonnen hatte, schien es nicht mehr aufhören zu wollen. Und die orkanartigen Böen, die damit einhergingen, machten den Aufenthalt draußen beinahe unmöglich. Außerdem wurde es immer schlimmer und nicht besser.

Die verwundbareren Bewohner von Alexandria waren zusammen in den zentraler gelegenen Häusern untergebracht worden. Rosita hütete R. J. und Judith und Gracie und war davon eigentlich nicht begeistert, doch sie sah ein, dass sie unter den gegebenen Umständen nicht riskieren konnte sich an dem Kampf zu beteiligen.

Tatsächlich waren die ersten Zweifel daran angemeldet worden, ob es überhaupt zu einem Kampf kommen würde. „Niemand kann verrückt genug sein um bei diesem Schneesturm freiwillig draußen herumzulaufen, oder?", lautete das Hauptargument der Zweifler, und Rick wünschte sich er könnte ihnen zustimmen, doch leider war er der festen Überzeugung, dass die Flüsterer verrückt genug wären bei diesem Schneesturm anzugreifen. Tatsächlich dachte er sogar, dass sie in dem Wetter möglicherweise einen Vorteil sehen würden. Er hatte nicht vergessen wie sie den Nebel genutzt hatten um Jesus zu überfallen. Nein, sie würden kommen, gerade weil der Wind tobte und man nichts sehen konnte.

Die widrigen Umstände führten auch unter ihren Verbündeten zu Auseinandersetzungen. Connie wollte natürlich mitkämpfen, doch Yumiko schien das nicht gerne zu sehen. „Unter normalen Umständen zweifle ich nicht an dir, das weißt du", erklärte der Alpha, „Aber das hier sind keine normalen Umstände. Es ist sicherer, wenn du in den Häusern bleibst! Im Übrigen, wofür willst du überhaupt kämpfen? Das alles ist Alexandrias Kampf, und wir gehören nicht zu Alexandria, wir waren dort nicht willkommen, vergiss das nicht. Es ehrt dich, dass du helfen willst, aber seit wir hier angekommen sind, wurden wir tiefer und tiefer in diesen Konflikt hineingezogen, und ich weigere mich zuzulassen, dass du so endest wie Tara und die anderen."

Connie wollte sich natürlich keine Vorschriften machen lassen, und zu allem Überfluss stärkte ihr auch noch Magna den Rücken, was deren Geliebten gar nicht gefiel. „Lass sie doch kämpfen, wenn sie will", meinte die Rothaarige, „Sie hat es drauf."

Was darauf folgte war ein lauterer und längerer Streit, von dem Rick das Ende nicht mitbekam, weil er damit beschäftigt war die Verteidigung zu organisieren.

Magnas Rudel war aber nicht das Einzige, das mit dem Wetter nicht glücklich war. „Das hier ist ein Witz, Rick", meinte Rachel Ward, „Wie sollen wir uns verteidigen, wenn wir unseren Gegner nicht sehen können? Ich will nicht sagen, dass wir nicht gekommen wären, wenn wir das gewusst hätten, da wir Cyndie und Beatrice rächen wollen, aber so können wir nicht kämpfen! Das hier wird ein Massaker. Ein Massaker an uns."

Die Tatsache, dass sämtliche ihrer Generatoren ausgefallen waren, trug auch nicht gerade dazu bei das Selbstvertrauen der Allianztruppen aufzubauen. Eugenes selbstgebastelte Sprengstoffe froren auf der Stelle ein, sie hatten kaum Munition, ihre Waffen klemmten, und ja, keiner sah irgendetwas anderes außer Schnee.

„Schneeblindheit, Rick", sagte Ezekiel, „Selbst in den Weltkriegen gab es wetterbedingte Waffenstillstände."

Rick versuchte sich von all den Unkenrufen nicht entmutigen zu lassen. „Vielleicht können wir sie nicht sehen, aber sie können uns ebenfalls nicht sehen. Und wir können unsere Feinde immer noch riechen", behauptete er, doch ihm war selbst klar, dass er schon einmal bessere Reden geschwungen hatte.

„Deine üblichen Tricks werden uns hier nicht helfen", meinte Negan, „Das Einzige, was wirken wird, ist rohe Gewalt. Stell dich schon mal drauf ein, dass das für euch alles andere als angenehm werden wird."

„Für uns", korrigierte ihn Rick, „Für uns wird es alles andere als angenehm. Das bist du nicht mehr, schon vergessen?"

Negan schüttelte den Kopf. „Ich kann es aber immer noch sein. Die Frage ist nur, wer von euch das ebenfalls immer noch sein kann", erwiderte er, und Rick wollte sich diese Frage lieber nicht stellen, sondern einfach an seine Truppen glauben und daran, dass sie gewinnen könnten.

„Das hier ist unser Zuhause", erklärte er allen, „Wir lassen es uns nicht so einfach wegnehmen. Und wir haben den Heimvorteil. Wer ohne Einladung in unser Nest kommt, der kann nur verlieren!"

In der Nacht konnte man noch weniger sehen als am Tag. Da man aber schon am Tag kaum etwas sehen konnte, machte das keinen großen Unterschied.

Magna löste Michonne ab und positionierte sich neben Rick. „Scheißwetter dort draußen", stellte sie fest.

Rick lächelte. „Yumiko hatte recht, weißt du? Ihr schuldet uns nichts, trotzdem bin ich froh, dass ihr hier seid", meinte er, „Ich hätte euch damals erlauben sollen zu bleiben. Falls wir überleben, seid ihr jederzeit willkommen, ich hoffe, das wisst ihr."

Magna zuckte die Schultern. „Was geschehen ist, ist geschehen und lässt sich nicht mehr ändern. Diese Flüsterer sind eine Gefahr für uns alle. Gerade deswegen müssen wir sie stoppen. Miko mag das nicht sehen, weil sie denkt man kann alles friedlich lösen, wenn man es nur genug versucht, aber …. Manchmal muss es eben Gewalt sein", meinte sie, „Dieses Argument hat ihr nicht sonderlich gefallen. Genauso wenig wie das, was ich ihr dann gestanden habe."

„Sie wird dir verzeihen", meinte Rick überzeugt, „Sie ist ein guter Mensch, und du bist es auch. Das weiß sie."

Magna schüttelte nur den Kopf. „Was sie weiß ist, dass unsere Welt eine Welt des Todes geworden ist", erwiderte sie, „Und sie ist dabei die Hoffnung darauf zu begraben, dass sich das jemals ändern wird."

„Es wird sich ändern", erklärte Rick fest, „Am Dunkelsten ist es vor dem Morgengrauen. Das hier ist unsere dunkelste Stunde. Das Morgengrauen steht kurz bevor."

„Metaphorisch oder tatsächlich?", wunderte sich Magna, „Ich habe nämlich keine Ahnung wie spät es ist. … Warte mal, siehst du das?"

Ricks Blick folgte ihrer ausgestreckten Hand, und tatsächlich sah er wie sich etwas im weißen Schneetreiben zu bewegen schien. „Es geht los", flüsterte er.

„Warte mal. Das ist …. ein erschrockenes Reh, aber was …. Verdammt sind das Kranke?!" Tatsächlich schien eine ganze Herde durch den Schnee zu torkeln. Dass sie überhaupt noch vorwärts kamen war ein Wunder, doch sie kämpften sich weiter vor. Die wandelnden Toten waren hier. Und wo sie waren, waren die Flüsterer nicht weit.

„Los geht's!", befahl Rick seinem Funkgerät, und - oh Wunder – die Batterie schien gerade noch zu halten. Und der erste Angriff von Alexandria begann – sie bespritzten ihre Gegner mit heißem Wasser. Sämtliche Schläuche waren eingefroren, also blieben ihnen nur die Kübeln oder die Wasserballons. Sobald die Herde die Mauern erreicht hatte, konnte sie die Kübeln problemlos auf sie schütten, doch dazu mussten sie die Toten nahe genug herankommen lassen. Die Strategie wirkte tatsächlich, das Wasser war heiß genug um nicht sofort zu gefrieren, sondern erst nach ein paar Minuten, was aber ausreichte um die tatsächlich Toten festzufrieren. Auf diese Weise konnten sie zumindest die Flüsterer von ihren beweglichen Schutzschild trennen. Die Flüsterer stoben aus der Herde davon, zischten wütend, und versprachen Rache.

Der Feind stand nun vor ihren Toren und versuchte diese einzureißen. Was trotz ihren Versuchen die Tore mit Schneemassen von Innen abzustützen früher oder später gelingen würde. Und Alexandria ging langsam aber sicher das heiße Wasser aus.

Aber wo steckt Beta? So schwer es war einzelne Flüsterer unter ihren Hautmasken zu erkennen, Beta war schwer zu verkennen, seine Körpergröße alleine verriet ihn. Und vor dem Tor gab es absolut keine Spur von ihm. Das dachte Rick noch, als er die ersten Schüsse hörte. Sie kamen von innerhalb der Stadt. Sie sind drinnen, sind hier drinnen!, wurde ihm erschrocken klar.

„Halte die Tore!", wies er Magna an, und dann stürmte er los, vage in die Richtung, aus der Schüsse gekommen waren. Bald schon stieß er auf eine Allianztruppe, die in einen Kampf mit Flüsterern verwickelt war, die offenbar trotz Schnee und Eis über die Mauern geklettert waren.

Er stolperte beinahe über einen Körper und erkannte zu seinem Entsetzen Tobin, der sich nicht mehr rührte. Dann sah er, wie Sasha auf fliehende Flüsterer schoss und Rachel Ward einem Flüsterer ihr Messer ins Herz rammte. Neben ihr rollten sich ein Flüsterer und jemand anderer, den er nicht erkannte, auf dem Boden durch die Schneemaßen.

„Es war ein riesiger Alpha, Rick!", rief Sasha, „Er und Dante und ein paar andere, sie sind uns entkommen!"

„Haltet hier die Stellung, versucht die Lücke zu stopfen, es dürfen nicht noch mehr hereinkommen!", wies Rick sie an und rannte los.

Dante musste in seiner Zeit hier nach Schwachstellen in der Mauer Ausschau gehalten haben. Ich habe ihm jede Chance gegeben. Das hätte ich nicht tun sollen!, wurde Rick klar, doch wie immer war es eine Einsicht, die zu spät kam. Er hörte Explosionen, jemand setzte Eugenes Granaten ein und es war nicht Magna, da sie nicht riskieren würde die Tore zum Einsturz zu bringen, es musste jemand anderer sein.

Rick erblickte Eugene, Laura, und ein paar andere, die Granaten in den Schnee zu werfen schienen, doch offenbar warfen sie sie in Wahrheit nach Flüsterern. Sie schienen alles unter Kontrolle zu haben, und Rick versuchte Dantes Witterung aufzunehmen. Abgesehen von Beta machte ihm der Alpha von allen Eindringlingen am meisten Sorgen, da er sich hier auskannte, zumindest ein wenig. Sei nicht blöd, Rick, du musst ihn nicht wittern, du weiß, wo er hinwill.

Er rannte zur Krankenstation. Er kam gerade noch rechtzeitig an um zu sehen, wie ein aufgelöster Siddiq Dante mit einem Messer im Schach zu halten versuchte. „Du warst da!", warf der Beta-Arzt seinem Kollegen verzweifelt vor, „Du warst dabei, als sie mich gefoltert haben, und du bist einfach nur daneben gestanden!"

„Ich habe dich gerettet, ich habe alles getan, was ich konnte, um dich zu retten!", versicherte ihm der Alpha, „Und ich bin zurückgekommen. Ich bin zu dir zurückgekommen!"

„Darum habe ich dich nicht gebeten!", schrie Siddiq ihn an, „Ich musste es von Michonne hören! Du hast nicht einmal dem Mumm besessen es mir selbst zu gestehen! Und wenn ich es herausgefunden hätte, wenn ich mich daran erinnert hätte, dass du dort warst, was hättest du dann mit mir gemacht, heh? Hättest du mich umgebracht um dein Geheimnis zu wahren?!"

Dante hob beschwichtigend die Hände. „Natürlich nicht", betonte er, „Ich würde dir niemals weh tun."

„Verstehst du denn nicht, dass du mir bereits weh getan hast?!", herrschte Siddiq ihn an, und Rick schlich sich vorsichtig an Dante an. Der Alpha schien seine Gegenwart nicht zu bemerken, er war zu sehr auf Siddiq konzentriert, der seinerseits nur Dante anstarrte. Was Rick nutzte um Dante eines mit der Tropfstange überzuziehen. Der Alpha schwankte, und Siddiq stürzte sich auf ihn und hielt ihm das Messer unter das Kinn.

„Verschwinde! Ich will dich nie wieder sehen!", knurrte der Beta.

„Hier liegt offenbar eine Art Missverständnis vor", murmelte Dante, „Du hast keine Wahl, was das angeht. Ich bin deinetwegen zurückgekommen, und jetzt lasse ich dich nie wieder gehen!" Und dann zuckte seine Hand hoch und umklammerte Siddiqs Kehle.

Rick schlug noch einmal mit der Tropfstange auf den Kopf des Alphas, woraufhin dieser seinen Griff lockerte, und Siddiq die Chance nutzte und das Messer in seiner Hand in Dantes Kehle jagte.

Dante keuchte auf, griff nach seinem eigenen Hals, doch Siddiq war schneller und zog das Messer wieder heraus, woraufhin sich Massen an Blut über den Alpha ergossen.

„Es tut mir so leid", weinte Siddiq, „Ich wollte nie, dass du es bist."

„Kommst du klar? Ich muss Beta finden", wandte sich Rick an den Arzt. Dieser nickte nur wortlos, und obwohl der Omega sich dafür hasste, ließ er den verzweifelten Mann zurück und rannte wieder nach draußen.

Der Sturm war inzwischen noch schlimmer geworden. Er konnte sehen wie jemand mit einer Leuchtpistole mitten in den Schneesturm schoss, doch was immer sich derjenige, der das getan hatte, davon erhofft hatte, es schien nicht einzutreten.

Wo ist er? Wo ist Beta? Rick versuchte ihn zu wittern. Wieso war dieses Monster eigentlich noch am Leben? Sie hatten alles versucht um ihn zu töten, doch er lebte immer noch, und nun war er irgendwo in Alexandria … Er wollte lieber nicht an die Konsequenzen davon denken.

„Rick! Rick, sie brechen durchs Tor!", teilte ihm ein atemloser Aaron mit, der wie aus dem Nichts neben ihn auftauchte.

„Dann haltet sie auf, konzentriert eure Kräfte darauf sie irgendwie aufzuhalten", wies Rick ihn an, „Haltet sie im Eingangsbereich. Begrab sie in Schneemassen, wenn es sein muss, aber lasst sie nicht weiter hinein." Er selbst musste immer noch Beta finden.

Endlich schien er eine Witterung aufzunehmen, die Beta gehören konnte. Er rannte wieder los und folgte dieser, direkt in eines der Häuser, und leider nicht in irgendein Haus. Die Kinder! Nein!

Doch Rosita und die Kinder waren verschwunden, geflohen in den Schnee hinaus. Lydia versteckte sich hinter Carl, der schützend mit einem Kampfstock bewaffnet vor ihr stand. Beta stand ihnen gegenüber, er hielt Lucille in der Hand und lachte. „Denkst du wirklich du könntest mich aufhalten, kleiner Omega? Das hat das letzte Mal schon nicht funktioniert, wieso sollte es dieses Mal funktionieren?!"

Und dann wirbelte er herum und traf Ricks Brust mit Lucille, bevor dessen Angriff auf ihn glücken konnte. Zum Glück war Rick gut gepolstert. „Wenn ich mit euch beiden fertig bin, dann wird Omega nie wieder daran denken zu rebellieren", meinte Beta überzeugt.

Lydia wimmerte. Rick löste sie Mini-Axt von seinem Gürtel. „Komm schon", meinte er, „Wenn du dich traust."

Beta lachte nur und schwang mit Lucille in Ricks Richtung. „Ich hielt das für eine primitive Waffe, aber ich muss zugeben, sie ist äußerst effektiv", meinte er.

„Sie ist meine." Negan tauchte in der Türe zum Zimmer auf, mit der Machete in der Hand. „Aber ich habe die hier benutzt um deiner Schlampe ein Ende zu bereiten."

„Du!" Betas Augen weiteten sich unter seiner Hautmaske. „Zuerst breche ich dir das Rückgrat, und dann zwinge ich dabei zusehen, wie ich mir diese beiden Omegas hier vornehme", verkündete er.

Negan gab sich unbeeindruckt. „Nimm endlich das Ding ab und verhalte dich wie ein richtiger Alpha. Wir verstecken uns nicht hinter Masken", meinte er, und Beta zog sich tatsächlich seine Hautmaske vom Kopf.

Rick wusste nicht was er erwartet hatte, doch dieses Gesicht, das nun zum Vorschein kam, es erschien ihm so … gewöhnlich.

Beta hatte nur noch Augen für Negan und stürzte sich auf diesen. Rick deutete Carl Lydia wegzubringen, doch diese war wie erstarrt. Sie wollte sich kein Stück wegbewegen.

Die beiden Alphas führten gegenseitige Ausfälle mit ihren jeweiligen Waffen aus, schafften es aber nur einander oberflächliche Verletzungen zuzufügen. „Warum nicht ohne Waffen?", schlug Negan dann vor, und Beta schnaubte nur abfällig und warf Lucille zu Boden. Negan warf seine Machete ebenfalls weg. Danach gingen sie mit Zähnen und Klauen aufeinander los.

Rick nahm Lucille und machte sich bereit. Er wartete bis Negan Beta in seine Richtung gedrängt hatte, und der riesige Alpha ihm den Rücken zugewandt hatte, und dann schlug er zu, so fest er konnte. Lucille bohrte sich in Betas Rücken, doch der lachte nur. „Selbst zusammen habt ihr keine Chance", spottete er, „Du konntest Alpha nur töten, weil du den Überraschungsmoment auf deiner Seite hattest, und du bist nur ein Omega. Ihr könnt mich nicht umbringen. Nicht einmal besiegen könnt ihr mich."

Es war immer dasselbe Lied. Sein ganzes verdammtes Leben lang. Wütend schlug er mit Lucille auf den riesigen Alpha ein, der sich davon aber genauso wenig beeindrucken ließ wie von Negans Versuchen ihn zu erwürgen. Er lachte wieder, sogar noch lauter.

„Sie wollte immer, dass wir leise sind. Aber wenn ich euch erledige, dann werde ich laut sein, und sie wird es zu schätzen wissen!", lachte Beta.

Negan wechselte die Taktik und umklammerte nun Betas Hüfte um ihn zum Sturz zu bringen, doch der riesige Alpha hielt sich weiterhin auf seinen Beinen. Rick schlug nun seinerseits mit Lucille auf Betas Knie ein. Doch der lachte immer noch.

Er lachte sogar noch, als seine Beine letztlich doch noch unter ihm nachgaben und er am Boden saß. Und dann hatte er plötzlich Negans Kopf umklammert. „Lass den Baseballschläger fallen, Schätzchen, wenn du nicht möchtest, dass ich deinem Alpha hier den Kopf zerquetsche", erklärte Beta bedrohlich.

„Nimm keine Rücksicht auf mich, Rick, kill den Bastard!", keuchte Negan, „Bring ihn um, ich weiß, dass du es kannst!"

„Komm mir mit dem Ding zu nahe, und ich garantiere dir, dass es hier mindestens einen toten Alpha geben wird", drohte Beta, „Und sein Name wird Negan sein."

Rick suchte Negans Blick, und holte dann mit Lucille aus –

…und hielt inne, als Betas Kopf von dessen Schultern hüpfte. Lydia stand mit der Machete in den Händen neben Betas Leiche und richtete sich keuchend wieder auf.

„Verdammt Mädchen, das war vielleicht ein Schlag", keuchte Negan.

Lydia ließ die Machete zitternd fallen. „Mein Name lautet Lydia!", verkündete sie, „Nicht Omega. Und ich komme nie wieder zurück zu euch!"

Carl umfasste sanft ihre Schultern und versuchte sie zu beruhigen. Betas reanimierter Kopf begann nach Luft zu schnappen. Rick baute sich vor ihm auf und ließ Lucille auf ihn hinunter sausen, wieder und wieder, und wieder. Solange bis nichts mehr von dem Kopf übrig war.

Dann richtete er sich wieder auf und blickte die anderen drei an. „Die Flüsterer, sie sind durchgebrochen", erklärte er, „Es ist noch nicht vorbei." Genau genommen fing es vermutlich gerade erst an. Selbst wenn es ihnen gelänge den Flüsterern auseinanderzusetzen, dass Beta und Dante tot waren, zweifelte Rick daran, dass sie das zum Aufgeben bringen würde. Nicht jetzt, nachdem sie Blut geleckt hatten.

Negan entwand Lydia die Machete, und zu viert kehrten sie ins Schneetreiben zurück. Wenn dann war der Schneefall noch dichter geworden, doch sie konnten Kampfgeräusche hören. Rick stolperte in Richtung des Kampfes vorwärts, zumindest hoffte er das. Einmal wäre er beinahe gestürzt, doch Negan fing ihn ab und richtete ihn wieder auf. „Weiter", meinte er, und Rick nickte ihm dankbar zu. In der Ferne konnten sie Schüsse sehen und ein paar Granaten und sogar scheinbar tatsächliche Schneebälle.

Und dann auf einmal wurde die ganze Szene in gleißendes Licht getaucht. Und eine Stimme verkündete über etwas, das klang wie Lautsprecher: „An all Flüsterer, stellt die Feindseligkeiten ein, sofort! Wir haben Maschinenpistolen und erkennen von hier Oben genau, wer von euch in der Haut eines Toten steckt, und wer nicht!"

Und da konnte Rick es hören, das gleichmäßige Geräusch der Rotorblätter.

„Die verdammte CRM!", bellte Negan.

„Nein", meinte Rick nur und warf einen glücklichen Blick auf Carl, der wenige Schritte hinter ihm mit Lydia in den Armen stand, „Nein, erkennst du die Stimme nicht? Das ist nicht die CRM. Das ist Shane!"


A/N: Tata, Shane Ex Machina!

In Wahrheit ist es gar nicht so leicht jemanden den Kopf abzuhacken, weswegen diese Hinrichtungsmethode ja erst in Mode kam, als man die Guillotine erfand. Zuvor musste der Henker schon mal öfter als einmal hin hacken, bevor der Kopf ganz abgetrennt war. Deswegen habe ich in dieser Fic auch meistens vermieden zu zeigen wie ein Lebender seinen Kopf verloren hat. Alphas können anderen schon mal die Köpfe abreißen, aber ein dünnes verängstigtes Teenager-Omega-Mädchen wie Lydia sollte normalerweise nicht nur einen Schlag brauchen um jemanden den Kopf von den Schultern zu trennen, außer Adrenalin und Wut angesammelt aus Jahren der Unterdrückung und des Missbrauchs befähigen sie dazu, wie es hier eben der Fall war.

Letztlich hat Lydia Beta getötet, weil sie es sein musste. Negan hätte es tun können, Rick hätte es tun können, doch der Punkt war, dass sie lernen sollten zusammenzuarbeiten und Negan lernen sollte an Ricks Fähigkeiten zu glauben und das auch zu verbalisieren, was auch passiert ist, der eigentliche Tod von Beta war dazu nicht nötig, wenn Lydia es nicht getan hätte, hätte es Rick getan, doch Lydia musste es tun um zu zeigen, dass sie es tun könnte.

Das hier ist eure letzte Chance Wünsche in Bezug auf das Ende zu äußern, da es im nächsten Kapitel Antworten, Erklärungen und das besagte Ende geben wird.

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