In der zwischen Zeit war das angekündigte ‚Technikgenie' ebenfalls auf der PAST eingetroffen und wurde von Semir und Zeidler in Empfang genommen. „Der Bursche ist ihr Genie? Der ist ja noch ganz grün hinter den Ohren." Semir sah Zeidler etwas verwundert an. „Hartmut Freund kommt zwar frisch von der Schule, ist aber genial. Glauben sie mir... Hallo Herr Freund!" Der BKA Beamte reichte Hartmut kurz die Hand und stellte dann auch Semir kurz vor. „Sie haben alles dabei?" fragte Anton weiter, während sie gemeinsam in Semirs Büro gingen.

„GPS-Tracker und das Werkzeug, um sie ein zu bauen. Alles hier." Der Rotschopf hielt eine große Umhängetasche hoch.

„Sehr gut." Zeidler deutet auf zwei Gestände, die auf dem Schreibtisch lagen. „Wir möchten, dass sie die GPS-Tracker dort einbauen, ohne dass man sie bemerkt."

Hartmut warf einen prüfenden Blick auf das Handy und den Schlüsselbund, der vor ihm lag.

„Okay, das sollte machbar sein, kann aber einen Moment dauern."

„Sie haben noch ca. 30 Minuten, dann brauchen wir beides wieder! Außerdem brauchen wir eine Kopie des Telefonbuchs aus dem Handy!" Ohne ein weiteres Wort setze sich Hartmut an den Schreibtisch und fing an zu arbeiten.

Während Zeidler bei Hartmut blieb, ging Semir zu den Vernehmungsräumen, wo Haverlant und beide Engelhardts gerade aus einem der Räume traten. Tom kam ebenfalls aus einem der Nebenräume von wo aus er Koslovs Verhör beobachtet hatte.

„Und, wie schaut es aus?" Semir sah erwartungsvoll in die Runde.

„Wir können es versuchen. Wie schaut es an der Überwachungsfront aus?" fragte Mark.

„Das rothaarige Wunderkind ist bei der Arbeit..." Gerkhan zuckte mit den Schultern.

„Ach? Ist Hartmut hier?" fragte Anna überrascht woraufhin Semir sie fragend ansah. „Sie kennen ihn?" Die Chefin nickte. „Von der Polizeischule. Ist er bei ihnen im Büro?"

„Ja genau, mit Zeidler zusammen." Anna wandte sich an Haverland und ihren Vater. „Sie brauchen mich im Moment ja nicht." damit wandte sie sich ab und verschwand in Richtung der Büros.

Für Semir und Lorenz Engelhardt heiß es jetzt Besnik Kastrati davon zu überzeugen das die Polizei an ihm überhaupt nicht interessiert war, sondern ausschließlich an Ilija Koslov.

Der Anwalt ging als erstes wieder in den Raum wo der Albaner immer noch wartete.

Engelhardt Senior hatte wieder ein zufriedenes Lächeln auf den Lippen als er sich seinem Mandanten gegenübersetzte.

„Von Herrn Koslov müssen sie keinerlei Probleme befürchten. Er wird sie in jegliche Art entlasten. Für den Beamten, der ihnen gleich noch einige Fragen stellen wird, müssen sie nur unter allen Umständen bei der Geschichte bleiben das er nur als Fahrer für sie gearbeitet hat und sie rein gar nichts über seine kriminellen Aktivitäten wussten."

„Das krieg ich hin!" Er grinste breit ehe er fragte: „Warum hat die kleine Bullenbraut denn so plötzlich ihre Knarre gezogen?"

„Offensichtlich glaubt sie, Herrn Koslov als einen der Männer erkannt zu haben, die Anfang des Jahres diese Dienststelle hier überfallen haben. Vermutlich haben sie davon in der Zeitung gelesen?"

„Ah das... Jaja, habe ich" Der Albaner schmunzelte. Engelhardt ‚briefte' Kastrati noch in einigen weiteren Punkten bis Semir schließlich dazukam und routiniert die vorher besprochenen Fragen stellte.

25 Minuten später verließ Besnik Kastrati mit einem breiten Grinsen das Revier der Autobahnpolizei. In der Hand sein mit dem GPS -Tracker präpariertes Handy und in der Hosentasche sein genauso präparierten Autoschlüssel.


In Semirs Büro drängten sich derweil alle Beteiligten der Aktion um den Schreibtisch.

„Die Überwachung aller Nummern, die wir von Kastraties Handy kopiert haben, wird in spätestens einer Stunde stehen." Erklärte Anton Zeidler. „Jetzt bleibt uns erstmal nur abzuwarten und zu hoffen, dass es sich alles so entwickelt wie wir uns das wünschen."

„Es stehen dauerhaft zwei mobile Einsatzkommandos für uns zur Verfügung. Wie Anton schon gesagt hat, im Moment können wir nichts tun außen abzuwarten. Ich würde Vorschlagen, dass wir die Zeit nutzen sollten um unsere Batterien so gut es geht aufzuladen. Die nächsten Tage könnte sehr anstrengend werden." Allgemeines, zustimmendes Nicken war die Antwort. „Also gut. Dann einen schönen Nachmittag und Abend ihnen allen noch." Mark wandte sich noch an Tom und Anna. „Kommen sie beiden morgen Früh bei uns im BKA vorbei?"

„Sicher. Passt es, wenn wir gegen 10Uhr bei ihnen sind?" fragte Tom.

„Ja, das passt! Bis morgen dann."

Bevor sich die Runde komplett auflöste, trat Haverlant an Lorenz Engelhardt heran. „Danke für ihre Mithilfe. Ohne sie hätten wir das so wohl nicht durchziehen können."

„Nun, unter den gegebenen Umständen war das selbstverständlich. Ich habe jedoch eine Bitte an sie..." Mark sah ihn fragend an. „Was kann ich für sie tun?"

„Können sie mir die Akte Kastrati zukommen lassen? Ich will wissen mit wem ich es da wirklich zu tun habe." Der BKA Beamte überlegte kurz, nickte dann aber langsam. „Offizielle natürlich nicht, aber ich sehe was ich tun kann." Er zwinkerte dem Anwalt zu. „Ich danke ihnen. Melden sie sich jederzeit, wenn ich noch etwas für sie tun kann."

„Das werde ich, danke." Die beiden Männer reichten sich kurz die Hand, ehe der Anwalt sich suchend in dem Büro umsah, dabei aber feststellen musste das seine Tochter bereits gegangen war.

Semir und Tom waren die Letzten, die noch im Büro saßen.

„Oh man... Was für ein Tag!" Gerkhan schüttelte resigniert den Kopf. „Das kannst du wohl laut sagen..." Tom schüttelte ebenfalls den Kopf, war aber leicht abgelenkt, da er gerade eine SMS tippte.

Semir beobachtete seinen Freund dabei und wartete bis er fertig war, ehe er fragte: „Alles in Ordnung bei dir?"

„Ja sicher, was soll denn sein?"

„Ich weiß nicht. Du hast heute ziemlich angespannt gewirkt und wärst fast auf unseren BKA Kollegen losgegangen..."

„Findest du es okay wie das BKA mit uns umgeht?" Fragte Tom gereizt. „Nein, natürlich nicht! Aber es ist ja nicht so als ob wir das nicht irgendwie schon gewohnt wären..."

„Hier geht es aber nicht um irdenwelche belanglosen Informationen, die sie uns mal wieder vorenthalten! Hier geht es um die Leute, die Kollegen von uns getötet haben und...!" Er brach mitten im Satz ab und schüttelte energisch den Kopf. „Das ist einfach nicht in Ordnung!"

„Sicher ist es das nicht..." Semir wurde von dem Piepen von Toms Handy unterbrochen, das den Eingang einer SMS signalisierte. Er las die Nachricht und ließ das Telefon dann wieder in seiner Hosentasche verschwinden. „Ich mache mich auch mal langsam auf den Weg nach Hause. Schönen Feierabend!" Verkündete Tom im Anschluss, stand auf und ging ohne ein weiteres Wort in Richtung Tür. Semir wünschte ihm auch einen schönen Feierabend und lehnte sich dann nachdenklich in seinem Stuhl zurück.

„Was grübelst du denn so vor dich hin?" wurde er nach einiger Zeit von Andrea aus seinen Gedanken gerissen. Die Sekretärin lehnte in der Tür und musterte ihn aufmerksam.

„Ich weiß nicht... Vermutlich sehe ich Gespenster und bilde mir Dinge ein." Er lächelte und machte eine abweisende Geste mit der Hand, die nicht im Gips war.

Andrea trat ganz in das Büro und schloss die Tür hinter sich. „Was für Gespenster glaubst du denn zu sehen?" Semir schwieg noch einen Moment ehe er fragte: „Findest du nicht auch das Tom sich heute ein wenig komisch Verhalten hat? Der wäre fast auf Haverlant losgegangen als er erfahren hat das dieser Koslov auf die Engelhardt geschossen hat."

„Naja, er hat sich vermutlich nur schützend vor seine Partnerin gestellt..." Semir sah wenig überzeugt aus, bis Andrea nachsetzte: „Aber ich weiß was du meinst." Jetzt sah Semir sie fragend an. „Ich habe auch Augen im Kopf. Und wir beide kennen Tom jetzt schon ein paar Tage..."

„Also glaubst du auch...?"

„Ich glaube vor allem das es uns nichts angeht!" unterbrach Andrea ihn. „Er ist alt genug, um zu wissen was er tut. Er wird schon nicht so dumm sein etwas zu versuchen..."

„Bist du dir da so sicher?"

„Ja, ich denke schon. Außerdem gehören da immer Zwei zu." Semir nickte langsam. Wo sie recht hatte...