Angenehm kühl war es hier im Ospedale Magico im Zentrum Neapels. Kühl nach einem wunderbaren, heißen Sommertag am Meer, doch seine Haut brannte wie Feuer. Kaum ertrug er den zarten Stoff der Robe, die Mrs. Zambini ihm gegeben hatte, bevor sie ihn hierher brachte. Darunter trug er nur die Badehose. Er wußte, daß jeder Zoll seines Körpers, den diese nicht bedeckte, so leuchtend rot sein mußte wie die Hände, die er immer wieder anstarrte. Die weißen Linien, die er seit drei Jahren auf den Handrücken trug und die inzwischen recht unauffällig waren, leuchteten aus dem Sonnenbrand hervor. Er hob den Blick wieder in das kleine Behandlungszimmer und lauschte den Stimmen von Blaises Großmutter und einer Heilerin mittleren Alters. Beide klangen aufgeregt. Das schien bei den Menschen hier ein häufiger Zustand zu sein, soweit er das nach so kurzer Zeit beurteilen konnte, doch die ältere Mrs. Zambini war bisher stets ruhig gewesen. Vermutlich schämte sie sich, weil sie mit ihrem Gast ins Krankenhaus mußte. Und das gleich nach dem zweiten Tag. Hoffentlich erfuhr sein Vater nichts davon. Unachtsamkeit wurde nicht geduldet und konnte unangenehme Folgen haben.

Die beiden Hexen sprachen sehr schnell. Er hatte ein wenig Italienisch von Blaise gelernt und erkannte einige Worte wieder, die lateinischen Vokabeln ähnelten, sodaß er sich in diesem fremden Land erstaunlich gut zurechtfand, doch diesem Gespräch zu folgen war ihm vollkommen unmöglich. Er wandte sich an Blaise, der neben ihm stand und ebenfalls recht unglücklich dreinsah:

„Worüber sprechen sie?"

„Darüber, daß helle Haut nur sehr wenig südliche Sonne verträgt und Großmutter dich hätte schützen müssen. Die Heilerin macht ihr Vorwürfe, weil sie nicht darauf geachtet hat. Wir mußten uns bisher nie darum kümmern…"

Theodore nickte leicht, wodurch der Kragen unangenehm über seinen Nacken rieb, und flüsterte zurück:

„Ich wollte euch keinen Ärger machen."

„Sie werden schon darüber hinwegkommen. Hoffentlich lassen meine Großeltern dich trotzdem noch tagsüber an den Strand."

Die beiden Hexen wandten sich den Jungen zu, und die Heilerin sprach ihn an – in Englisch mit einem sehr starken Akzent.

„Theodore, leg bitte die Robe ab, damit ich deine Haut behandeln kann."

Er gehorchte sehr vorsichtig. Das Brennen nahm noch immer zu. Seine Haut war tiefrot und leicht geschwollen. Die Heilerin schüttelte den Kopf.

„Du warst sehr unvorsichtig."

Es folgten mehrere Zauber, und das Spannen und Brennen ließ rasch nach. Seine Farbe näherte sich wieder dem Normalzustand an. Kurz darauf steckte die Heilerin den Stab ein und winkte ihm, sich wieder anzuziehen.

„Ich gebe dir eine Creme mit, die du mindestens drei Abende lang benutzen wirst, um die letzten Reste der Verbrennung zu heilen. Du wirst nur noch mit langer Kleidung und Hut rausgehen. Badekleidung ist nur zum Baden da, und dafür brauchst du einen Sonnenschutzzauber. Um die Mittagszeit solltest du im Schatten bleiben. Hast du verstanden?"

„Ja." Es war nicht einfach gewesen, durch den noch ungewohnten Akzent. Doch er hatte sie verstanden, und der Tonfall duldete keinen Widerspruch.

Er sah aufmerksam zu als die Heilerin Mrs. Zambini den Sonnenschutzzauber und einen Heilzauber für leichte Sonnenbrände zeigte. Bei nächster Gelegenheit würde er das selbst ausprobieren. Dann waren sie auch schon auf dem Weg zu den Kaminen in der Eingangshalle um den Heimweg anzutreten.

Er beobachtete die Frau, die stolz und aufrecht voranschritt, ohne dabei abweisend zu wirken. Sie lächelte den Menschen zu, die ihr begegneten, als sei nichts Aufregendes geschehen. Blaise trug die gleiche Haltung. Auch sonst war er hier, unter der warmen Mittelmeersonne, freundlicher und zugänglicher gewesen als Theodore das bisher beobachtet hatte. Anders als in Hogwarts trug sein Öffentlichkeitsgesicht ein Lächeln.

Zurück im Haus führte Blaises Großmutter die beiden Jungen in den schattigen Innenhof und ließ Limonade bringen. Sie sprach ruhig und freundlich, wie zuvor, und Blaise übersetzte:

„Du sollst dich an das halten, was die Heilerin gesagt hat und jeden Morgen erst dann rausgehen, wenn sie diesen Sonnenzauber gesprochen hat. Und sie hat vorgeschlagen, daß sie morgen mit dir passende Kleidung kaufen geht und wir uns anschließend in einem Eiscafé treffen."

„Sehr gern. Bitte sie darum, meinem Vater nichts davon zu erzählen. Ich möchte nicht, daß er sich unnötig Sorgen macht."

Als Blaise übersetzte breitete sich ein Lächeln über das Gesicht seiner Großmutter. Ihre dunklen Augen schienen zu glimmen und Theodore war sicher daß sie ahnte, daß mehr hinter dieser Bitte steckte.

„Questo rimane il nostro segreto."

Das verstand er auch ohne Übersetzung. Er erwiderte das Lächeln und nickte.


Mein Italienisch ist nahezu nicht vorhanden. Wenn jemand einen Fehler findet, freue ich mich über einen Hinweis.