Kapitel 24

Etwas über zwei Wochen später wurde Sakura wieder wach. Sie hatte keine Ahnung wie lange sie schon gefesselt in dieser dunklen Zelle saß. Ihr Magen schrie nach Essen, sie wusste auch nicht wie lange sie nichts mehr bekommen hatte. Abgesehen davon, dass es seit dem Zeitpunkt war, als jemand versucht hatte in ihren Kopf einzudringen und von ihr wieder hinaus geschmissen wurde.

Ein grimmiges Grinsen huschte über ihre Lippen als sie daran zurück dachte. Auch ohne ihr Chakra, dank des effektiven Unterdrückers, war sie nicht hilflos. Schließlich war sie eine ANBU Kunoichi. Sie waren aus purem Feuer bis zu ihrem letzten Atemzug. Sakura schloss ihre Augen als sie sich auf ihre Verletzungen konzentrierte. Sie hatte innere Blutungen, allerdings waren sie noch nicht lebensgefährlich, solange sie bald hinaus kommen würde. Sie war am verhungern und ihr Chakra war unzugänglich.

Oder etwa doch nicht? Die junge Frau runzelte ihre Stirn als sie einen dünnen Faden ihres Chakras spürte, das langsam aus der Reserve ihrer Stirn, heraus kam. Wenn sie sich lange genug konzentrieren könnte, dann könnte sie es für einen einzigen Einsatz nutzen. Es würde vollkommen reichen, wenn sie diesem Schweinehund, der sie festhielt damit ein Ende setzen könnte. Sich aus den Fesseln zu befreien würde ein Kinderspiel werden, sie musste sich nur einen Daumen brechen und eine Hand wäre frei. Wenn sie es richtig anstellte, dann würde sie tatsächlich fliehen können oder zumindest diesen Schweinehund von einem Mann mit sich in den Tod nehmen.

Sie entspannte sich immer weiter als sie das wenige an Chakra, das sie bekam präzise bündelte. Sie wusste am besten wie man mit wenig Chakra effizient arbeiten konnte. Schließlich wurde sie nicht mit unmengen davon geboren wie einige Andere ihrer Generation. Ihre Gedanken glitten zu ihren Freunden, ihren Brüdern und Kakashi. Was würde sie sagen, wenn sie sie hier finden würden? Was würde Trafalgar-san sagen? Sie war wohl doch nicht so gefährlich, wie er glaubte.

Wäre sie auch in diesem Zustand so attraktiv für ihn? Sie grinste als ihr bewusst wurde, dass diese Kerle hier es nicht einmal geschafft hatten das Genjutsu, das auf ihrer Gestalt lag zu lösen. Sie glaubten tatsächlich, dass sie so aussah. Es war ihr nur recht. Langsam richtete sie sich in ihrem Stuhl auf, sie unterdrückte den Schmerz in ihrem Körper als sie sich auf den dünnen Chakrafaden konzentrierte. Wenn sie richtig lag hatte sie nicht mehr lange Zeit bis dieser Rain zu ihr kam. Sie atmete tief durch und hielt die Luft an als sie sich ihren Daumen brach. Geschickt lockerte sie ihre Handschellen und entspannte sich ein weiteres Mal.

Sie atmete ein weiteres Mal tief durch als sie Rains Schritte hörte. Der Mann war alleine, wie so oft in letzter Zeit, schließlich war eine verhungernde Kunoichi ohne Chakra, die noch dazu gefesselt war, keine wirkliche Gefahr. "Guten Morgen, Sonnenschein. Ich hoffe du hast heute etwas mehr Lust mit mir zu reden" verkündete der Mann gespielt fröhlich als er sie an den Haaren ergriff und grob ein Stück weit zu sich hinauf zog. Zumindest soweit es die Fesseln an ihren Beinen zuließen.

Sakura öffnete ihre Augen und setzte zum Schlag aus. Der Mann hatte keine Chance als er in einem Moment das Klirren der Handschellen auf den Boden hörte und im nächsten bohrte sich ein Chakra Skalpell von seinem Kiefer voran in seinen Schädel. "Du hast Recht, es ist ein wirklich guter Morgen" antwortete die junge Frau als der Mann leblos vor ihr zusammen sackte. Adrenalin pumpte durch ihre Adern als sie ihre restlichen Fesseln löste und zu dem Tisch in ihrem Raum ging, auf dem ihre Maske und ihr Brustschutz lag, dann eilte sie hinaus.

Sie schnaubte leise als sie merkte, dass man sie tatsächlich für ungefährlich hielt. Nicht eine Wache war in diesem Bereich. Ihr Glück kaum fassen könnend, erblickte sie kurze Zeit später tatsächlich Tageslicht. Die junge Frau war für einen kurzen Moment geblendet bevor sie sich daran gewöhnte und in den Wald eilte. Sie musste zurück zu Trafalgar. Dieser Gedanke war alles, was sie antrieb weiterzulaufen, bis in die Nacht hinein und ihre Beine sie nicht mehr tragen wollten. Es war bereits mitten in der Nacht als sie schließlich ihr Bewusstsein verlor.

Am anderen Morgen wachte Sakura nur widerwillig auf. Ihr ganzer Körper schmerzte und ihr war schlecht. Sie war in einem Gebüsch gelandet, was ihr Glück war, denn so konnte man sie nicht direkt sehen. "Trafalgar-san" murmelte sie heiser als sie versuchte ihre Kräfte zu sammeln um weiter zu laufen. Langsam richtete sie sich auf alle Viere auf und kämpfte die Übelkeit herunter. "Shit, du siehst wirklich übel aus" verkündete eine ihr altbekannte Stimme und Sakura hätte weinen können als Erleichterung sie ergriff.

"Akira!" verkündete sie als sie Sai in seiner ANBU Uniform erblickte. "Ich wurde geschickt um nach dir zu sehen, du hast den Kontaktzeitpunkt verpasst" erklärte der Mann sich zu ihr hinab beugend. "Ich wurde vor fast zwei Wochen geschnappt" erklärte sie heiser. "Akira... ich habe innere Verletzungen... du musst mich hier wegbringen" erklärte sie ein weiteres Mal versuchend auf ihre Beine zu gelangen. Sai half ihr langsam auf als er besorgt zu ihr hinab schaute.

"Dein Chakra ist unterdrückt" sagte er überrascht. "Nicht alles, aber ja" antwortete sie sich ein weiteres Mal auf den dünnen Faden konzentrierend. "Ich bringe dich nach Hause" verkündete der Maler entschlossen. "Nein... nein... bring mich zu Trafalgar" entgegnete sie müde blinzelnd. "Er ist näher" erklärte sie als sie langsam die Kraft verließ. "Was ist mit der Mission?" fragte der Mann als er sie in seine Arme hob und Richtung Meer lief. "Habe die Infos... wenn wir halten... schreibe ich sie auf" krächzte sie. "Hn" murrte der Shinobi als er weiter lief.

"Kannst... kannst du mich an einen See bringen, ich bin dehydriert und würde gerne meine Wunden selbst einschätzen" murmelte sie nach einer Weile. "Natürlich" antwortete der momentan hellbraunhaarige Mann. Er kannte die Gegend durch vorherige Missionen und steuerte direkt auf einen See zu. Es war Nachmittag als sie ankamen. "Du musst was Essen" murrte der Mann besorgt als er sah wieviel sie abgenommen hatte als sie sich auszog um ihre Wunden zu betrachten und sich ein wenig frisch zu machen.

"Aber nur leichte Kost" murmelte sie sich etwas besser fühlend nachdem sie richtig getrunken hatte. Sie hoffte nur, dass es ihr nicht wieder hoch kam. Sai nickte als er losging um einige Kräuter zu suchen, die er für einen Tee gebrauchen konnte. Er hatte keine Hoffnung etwas zu finden, was unter leichte Kost fiel. Dafür musste sie wohl warten bis sie bei Trafalgar war. Als er zurück kam war Sakura im Wasser und wusch sich den Dreck von ihrem Körper, wobei das Ausmaß ihrer Verletzungen erst so richtig zum Vorschein kam.

"Du bist abgemagert" sagte er leise. "Naja, ich habe mindestens eine Woche auch kein Essen mehr bekommen" antwortete sie kurz ihre Augen schließend. Sai zuckte mit seinen Achseln als er sich dran machte ihr den Tee vorzubereiten. Zwischendrin warf er einen Blick auf ihre verdreckte Kleidung. Er löste seinen Brustschutz und zog sein Hemd aus. "Hier, ich werde deine Kleidung reinigen" verkündete er. "Danke" gab die Kunoichi erleichtert zurück. Sie wollte wirklich nicht wieder ihre verdreckten Klamotten tragen.

Langsam kam sie aus dem Wasser und zog sich das Hemd über während Sai ihre Kleidung wusch. "Im Brustschutz ist Trafalgar-sans Vivre" verkündete sie während sie die gesammelten Informationen auf Sais immer präsente Schriftrolle verfasste. Ihre Hand zitterte etwas während sie schrieb, jedoch konnte man ihre Schrift noch immer lesen und das war alles, was zählte. Als sie fertig war zog sie ihre eigenen Klamotten wieder an, nachdem sie geübt ihre Brust wieder abgebunden hatte. "Wir bleiben die Nacht hier" verkündete der junge Mann entschieden und Sakura seufzte erschöpft.

"Hältst du so lange noch durch?" fragte er als ihm ihre Aussage mit den inneren Blutungen wieder einfiel. "Hn" murmelte sie müde nickend als sie sich hinlegte und problemlos einschlief. Sai schaute besorgt zu ihr hinab. Das hätte niemals passieren dürfen. Er war nur froh, dass er sie gefunden hatte.