Kapitel 30:
Sokka, Zuko, Iroh/ Chamäleon-Bucht/ Erdkönigreich
„Ihr Leute." Sokka konnte ein Gähnen nicht unterdrücken, als er die verblassenden Sterne vor dem Sonnenaufgang betrachtete. „Ihr nehmt den Morgen viel zu ernst."
Eine ausdruckslose Gesichtsplatte in Schädelform starrte zurück. Der mit einem Speer bewaffnete Seesoldat neben dem Feuerbändiger war genauso stoisch, goldene Augen glitzerten ihn an.
Sokka rieb die letzten paar Körner Schlafsand aus den Augen und grübelte über die kantige Stille um dem Unterschlupf. Niemand sollte um diese Uhrzeit auf sein... und vielleicht war das der Punkt. Nicht genug Schlaf machte einen launisch und verrückt. Da musste man sich nur das ganze Durcheinander anschauen, dass das zwischen Katara und Toph vor ein paar Monaten ausgelöst hatte und selbst Aang seine Lehrerin für das Erdbändigen angebrüllt hatte, für die er das ganze Erdkönigreich abgesucht hatte.
Für einen Moment spielte er mit der Idee, Katara zu sagen, dass die ganze Feuernation nur ein schönes, langes Nickerchen brauchte.
...Nee.
Mit einem Schulternzucken betrachtete Sokka die Wachen. „Ich bin hier um mit Zuko zu reden."
Schweigen. Völliges, zorniges Schweigen.
Ich kriege langsam ein schlechtes Gefühl bei der ganzen Sache. Zusammen mit dem wozu sein Papa ihn aufgeweckt hatte, um es ihn zu sagen und gleichzeitig sicher stellte, dass Katara es nicht hörte... „Meine Herren... und Damen, wenn da welche sind... ich muss wirklich mit ihm reden", sagte Sokka ehrlich. „Mein Papa hat eine Frage und ich habe das Gefühl, dass Heilerin Amaya es uns sagen könnte, aber sie ist nicht da, und wir müssen es wirklich wissen." Er hielt inne, schätzte grimmiges Gold ein. „Es ist wichtig für den Waffenstillstand."
Ein kalter, goldener Blick flackerte und der Feuerbändiger nickte.
Sokka trat in warme Luft, die schwach nach Rauch roch, der von ein paar Laternen kam. „... Und stellen sie sicher, dass alles gut verstaut ist – " Zuko schüttelte seinen Kopf und gab Teruko eine Liste. „Warum gehe ich ihnen eigentlich damit auf die Nerven, sie kennen ihre Aufgaben."
„Es ist immer gut, nachzuprüfen, Sir." Teruko lächelte etwas. „Nicht wahr, General?"
„Es ist ein delikates Gleichgewicht, sicher zu stellen, dass alles in einem Kommando angemessen funktioniert", stimmte Iroh zu. „Ah. Sokka."
Kein guten Morgen. Kein Angebot von Tee. Und Zuko warf ihm kaum einen Blick zu. Das schlechte Gefühl war jetzt kein leichter Schauder seinen Rücken hinunter, es wurde zu einem richtigen Erdbeben. Oh, Mann. „Du hast bei Amaya studiert, richtig?"
Zuko schaute ihn an, so kalt wie um Mitternacht im Winter. „Warum? Will Katara sie auch ein Monster nennen?"
Autsch. Irgendwer war hier auf der falschen Seite des Schlafsacks aufgestanden. Entweder das, oder diese ganze Rüstung war ansteckend. „Es geht nicht um Katara", fing Sokka an. Änderte seine Meinung, wedelte seine Hände. „Ich meine, es geht um sie, aber sie weiß nicht, dass ich hier bin und – es geht ums Wasserbändigen und – ach. Es hört sich verrückt an." Er versuchte nicht an seinen Haaren zu ziehen. „Können Wasserbändiger einem im Kopf herumpfuschen?"
Mit einem Stirnrunzeln nickte Zuko.
So schnell spürte Sokka, wie sein Herz irgendwo bis zu seinen Fußknöcheln rutschte. „Du meinst es ernst. Katara könnte... und wir würden es nicht mal wissen..."
Zuko schaute ihn an und fluchte leise. „Hier."
Überrascht schüttete Sokka die halbe Tasse Suppe hinab, die in seine Hände gedrückt wurde, ohne darüber nachzudenken. Würzig, aber nicht annähernd so scharf wie die Feuerflocken, was für ein Glück. Es war nur warm, schmackhaft mit Fisch und Seealgen und eine Art glitschiger Nudeln, die er noch nie gegessen hatte. „Ihr esst Fisch?"
„Inseln, Sokka." Auch wenn die Stimme sarkastisch war, so waren blassgoldene Augen nachdenklich. „Ihr habt mich auf einem Schiff kennen gelernt. Ja, wir essen Fisch."
Fisch und Grillfleisch. Warum streiten wir uns gleich noch mal?, witzelte Sokka beinahe. Aber er trank stattdessen die Tasse leer, sammelte seine Gedanken. „Du meinst es ernst. Katara kann... Moment." Er hielt eine Hand hoch. „Sag mir, was Amaya dir gesagt hat."
„Sie hat mir viel gesagt", sagte Zuko offen. „Ich fasse zusammen." Er schaute in seine Erinnerung und nickte. „Wasser ist Familie und Gemeinschaft. Wasserbändiger können daran ziehen, genau wie an dem Ozean. Die meisten Bändiger können nicht mehr als einen dazu bringen ihn besser leiden zu können. Oder mit jemandem zu arbeiten, dessen Gefühle schon ganz durcheinander sind und ihnen helfen, dass es ihnen wieder besser geht. Das ist die Aufgabe der Heiler. Ein Auge auf die Leute halten, ganz besonders im Winter und wenn sich jemand merkwürdig verhält sie mit öligem Fisch vollstopfen und sie aufmuntern und sie dazu zu bringen sich zu beruhigen. Manchmal reicht das schon. Manchmal muss man sie betäuben und sie etwas von der Dunkelheit verschlafen lassen. Und manchmal..." Er zuckte. „Deswegen habt ihr Eisschollen."
„Oh." Plötzlich ergaben eine Menge von Gran-Grans Geschichten viel mehr Sinn. „Also, wenn man einen wirklich starken Bändiger hat, der das Heilen nicht studiert hat...?" Auf Zukos ungläubigen Blick hob Sokka die Schultern. „Komm schon, du weißt doch, dass du ihr zeigen musstest, was sie tun muss."
„Über Blitze", sagte Zuko, immer noch verblüfft. „Das habe ich bewusst studiert. Das – in der Wüste..."
„Sie hatte ein paar Stunden bei Yugoda", sagte Sokka unumwunden. Er war sich Irohs Aufmerksamkeit nur zu bewusst, die sich auf ihn konzentrierte. „Bis Azula? Das hat ausgereicht."
… Er hatte Zuko schon so knurren hören, ein Mal, ehe eine ganze Menge von Sukis Dorf in Flammen aufging. „Eine ausgebildete Kampfbändigerin", sagte der Feuerbändiger knapp. „Natürlich. Verdammt. Ihr verbringt die ganze Zeit damit euch gegenseitig zu befehden. Ihr braucht da was, um alle Speere in eine Richtung gerichtet zu halten, wenn jemand anderes einfällt. Und warum sollte man sich die Mühe machen, ihr beizubringen es im Zaum zu halten? Jeder, der den Avatar nicht unterstützt ist der Feind." Fäuste ballten sich, Feuer flackerte auf und verschwand wieder. „Verdammt noch mal. Ich hätte es sehen sollen..."
Sokka ging im Kopf den Gedanken noch einmal durch. Und was Katara getan hatte. Und was er getan hatte – und nicht getan hatte – in dem Versuch, dafür zu sorgen, dass sie alle das hier heil überstanden. Und er wünschte irgendwie, dass er Funken spucken könnte. „Ich werde Pakku Bumerang gegen den Kopf klatschen. Verdammt! Er hat das gemacht und er hat uns nicht gewarnt? Wir hatten keine Bändiger mehr, seit Gran-Gran noch jung war, keiner hat es gewusst – was ist mit euch nur los? Erde, Feuer, Wasser, Luft – ihr macht Zeug, weil ihr könnt und der Rest von uns muss einfach damit leben und – "
„Beruhige dich."
Zuko. Eine Hand auf seiner Schulter. Er wirkte so ernst und so eisig wütend wie Sokka ihn je gesehen hatte. „Das ganze Lager ist wütend", sagte der Feuerbändiger rau. „Katara, Aang, wir – ich weiß es nicht. Lass dich nicht da hinein ziehen. Denke an deinen Vater und atme tief durch."
Papa. Sokka holte tief Luft. Und noch mal. „Was soll das heißen, ihr?"
„Starke Feuerbändiger können auch das Herz beeinflussen", meldete sich Iroh. „Es erreicht für gewöhnlich nicht jene außerhalb unserer Nation. Doch du bist ein Anführer und der Sohn eines Häuptling. In dir ist möglicherweise genug Feuer, um... anfällig zu sein."
Sokka schlucke. „Ich bin vom Wasserstamm."
„Trennung ist eine Illusion", sagte Zuko schlicht. „Geht man tief genug, ziehen alle Elemente von der gleichen Quelle. Alle Bändiger, Sokka. Und alle, die keine Bändiger sind. Wir alle gebrauchen Chi. Ich kann die Luft in Brand stecken. Und weiter? Was glaubst du, dass du machst, wenn dieser Bumerang exakt dort trifft, wo du willst? Das ist nicht nur Talent. Bändigen bedeutet zu Kämpfen. Jeder Kampf stärkt das Chi. Sicher, es ist nicht so leicht, wenn man nicht bändigen kann. Lässt du dich davon aufhalten?" Er ließ ihn los. „Du willst wissen, warum wir alle das Kämpfen lernen? Auch die Frauen? Weil wir nicht wissen wer später ein Feuerbändiger wird."
Sokka trat ungläubig einen Schritt zurück. „Du machst wohl Witze. Katara hat sogar schon in ihrer Trageschlinge – " Er wackelte die Hände, erinnerte sich an schmelzende Eiswände und wieder und wieder scharfes 'Nein', von Mama und Papa.
„Wasser und Erde sind so. Luftnomaden – sie wurden alle damit geboren. Aber in der Feuernation – " Zuko schüttelte den Kopf. „Wenn die Eltern beide Feuerbändiger sind, ist man meistens auch einer. Aber nicht immer. Wir wissen es nicht. Nicht bis man vier oder fünf ist. Oder älter."
Sie wissen es nicht? Sokka schüttelte den Kopf. Und warum hört sich Zuko so an, als ob er... „Wie viel älter?"
Zuko stieß langsam den Atem aus. „Ich war acht."
Sokka glotzte.
„Also, sag mir nicht, dass ich nicht weiß, womit du es zu tun hast", sagte Zuko scharf. „Ich weiß es. Agni, ich weiß es. Weißt du eigentlich, warum Azula mich zu Kohle verbrannt sehen will? Ich habe ihr weggenommen, was ihr gehörte. Ich bin der Erstgeborene, aber sie sie bändigte mit vier. Zwei Jahre, Sokka. Zwei Jahre hatte sie schon unter dem Auge unseres Vaters trainiert und jeder wusste, dass sie ein Wunderkind war. Er hatte was er wollte. Den perfekten Erben für Sozins Erbe, um seine Enttäuschung auszugleichen." Er holte tief Luft und ließ Dampf davon zischen. „Du willst nicht, dass Bändiger dein Herz verdrehen? Dann lerne dich zu wehren."
Zuko war nicht immer... Katara hat schon Jahre davor mit Wasser gespielt... Sokka schüttelte den Kopf. „Also hast du gelernt, Schwerter zu führen."
„Das war ein Grund", sagte Zuko trocken. „Du hast noch einen getroffen. Pink, biegsam, kichert ständig?" Er runzelte die Stirn. „Warum hast du das nicht gelernt? Dao sind zwar nicht der Stil des Wasserstammes, aber die Wasserbändiger von Insel Kyoshi... was?"
„Was für Wasserbändiger von Insel Kyoshi?", sagte Sokka vorsichtig. Wenn Aang und Katara dort hätten lernen können, statt zum Nordpol gehen zu müssen... Yue. „Ich habe dort keine Bändiger gesehen. Nur die Kyoshi-Kriegerinnen mit ihren Fächern... und sie lenken Angriffe ab..."
„Das Wasserbändigen hat sie inspiriert, doch sie haben nur selten Wasserbändiger in ihrer Kompanie", stimmte Iroh zu. „Die Östlichen Wasserbändiger waren in Avatar Kuruks Zeit viel weiter bekannt, ehe Insel Kyoshi vom Festland abgeschnitten wurde. Sie bestehen dort immer noch fort, doch leben sie sehr zurückhaltend. Avatar Kyoshis Standpunkt zu der Trennung der Nationen war sehr klar. Erde und Wasser, die sich vermischen hat sie... verärgert."
Sokka stöhnte. „Und Aang hat einen Riesenwirbel darum gemacht, von wegen, er wäre Kyoshi..."
„Sie wären nicht schnell dabei, seine Aufmerksamkeit auf sich zu lenken." Iroh nickte. „Es tut mir Leid, dass ihr nicht die Möglichkeit hattet, länger dort zu verweilen. Der Schwertstil von Insel Kyoshi ist sehr schön. Und effektiv."
Und warum das Zuko zum Grinsen brachte – Sokka war sich nicht sicher, dass er es wissen wollte. „Sie haben keine Schwerter gebraucht, als ihr Sukis Dorf überfallen habt." Insel Kyoshi... Verdammt sie waren auf dem Weg in die Feuernation. Auf dem falschen Weg.
„Du vergisst, dass sie nahezu einhundert Jahre neutral waren", sagte Iroh mild. „Besucher der Feuernation waren nicht willkommen, doch so lange sie als friedliche Reisende aus dem Erdkönigreich erschienen, war es möglich unbehelligt umher zu gehen."
Sokka stoppte. Warf noch einen Blick auf Zukos angesengte grüne Robe. „Du hast das schon vorher gemacht. Nicht nur in Ba Sing Se. Oder dich verkleiden, um Aang direkt unter Zhaos Nase wegzuschnappen. Du... Schleicher."
„Manchmal", gab Zuko steif zu.
Sokka zog neugierig eine Augenbraue hoch. „Okay, es hat funktioniert, also verpasse ich da was?"
„Sich zu maskieren ist eine Handlung des Niederen Krieges und impliziert, dass man nicht stark genug ist, seinen Feinden direkt gegenüber zu treten", legte Iroh dar. „Für einen Großen Namen ist das nicht gerade angemessen." Er stieß einen dramatischen Seufzer aus. „Ich bin eine solche Bürde für meine Familie."
Zuko errötete.
„Doch wie dem auch sei, ich sagte nicht, dass wir dieses Schwert auf Insel Kyoshi gesehen haben", sagte Iroh weiter. „Doch es war eine Insel. Mit wunderschönen Wasserfällen..."
Zuko, bemerkte Sokka plötzlich, schaute überall hin, nur nicht zu ihnen.
Iroh zwinkerte Sokka zu, hob eine Hand um ein lautes Flüstern abzuschirmen. „Er wusste nicht immer wie man schwimmt."
„Das wird sein Problem nicht lösen." Zuko funkelte sie beide an. „Ich weiß nicht, was du und Häuptling Hakoda wegen Katara unternehmen wollt. Ich weiß, was ich gerne mit ihr machen würde. Aber ich habe keine gute Erfahrungen mit Schwestern."
Sokka erinnerte sich an einen Blitz und verzog das Gesicht. „Manchmal hört sie auf Aang..."
„Dann bist du am falschen Ende des Lagers", sagte Zuko trocken. „Viel Glück."
Sokka beäugte ihn. „Du könntest mit Aang reden."
„Das glaube ich nicht."
Er hatte in Zukos Stimme schon oft Zorn gehört. Aber er hatte noch nie Gift gehört. Und... nein, keine Einbildung, hier drin wurde es langsam heiß. „Du hast gesagt, unser Dorf so anzugreifen war nicht dein bester Tag gewesen", zeigte Sokka auf. „Er ist ein Kind. Er dachte, dass du der Böse bist. Komm schon, gib ihm noch eine Chance – "
„Nein!"
Feuer erblühte an knochenweisen Fingerknöcheln. Zuko zwang sich zu atmen, löste seine Fäuste, Finger um Finger. „Ich bin Zuko. Sohn von Ursa und Feuerlord Ozai. Meine Ehre fällt auf meinen Klan, auf jeden Soldaten, den ich jemals befehligt habe, auf jeden Soldaten, den ich je befehligen werde. Und Aang..." Er schnaubte. „Ich weiß nicht, warum es mich eigentlich überrascht. Luft bläst wohin sie will, wann sie will. Worte sind nur eine Stimme im Wind. Und der Wind gehört ihnen." Ein bitteres Lachen. „Agni, was hat sich Kuzon nur gedacht?"
„Neffe." Iroh legte eine Hand auf Zukos Schulter. „Ich bin sicher, die Dinge damals waren anders."
„Ich nicht", sagte Zuko leise. „Kuzon war fünfzehn. Die Feuernation hatte ein halbes Jahrhundert von Frieden und Wohlstand gehabt. Wen hätten ein paar Lügen eines ausländischen Kindes schon gestört?" Er schaute Sokka an, die goldenen Augen waren düster. „Ich bin nicht Kuzon. Ich bin kein geringeres Klanmitglied, der nicht einmal annähernd die Chance gehabt hätte, der Erbe zu werden, wenn nicht ein halbes Dutzend anderer Leute draufgegangen wären. Was, nebenbei, Sozin zu verdanken war." Ein konzentrierter Atemzug. „Er hat mir sein Ehrenwort angeboten, Sokka. Er hat die Bedingungen gestellt. Nicht ich. Und dann hat er es gebrochen." Er winkte zu seiner Robe, dorthin, wo eine Rüstung einen verzierten Kragen getragen hätte. „Gold deutet einen Großen Namen oder einen befehlshabenden Offizier an. Jemand der die Autorität hat, für die Feuernation zu sprechen. Jemand, dessen Ehre die Ehre unseres Landes ist. Und verdammt noch mal, Aang wusste das."
Sokka wollte protestieren, stoppte sich aber. Dachte darüber nach. „Du sagst, Aang hat der ganzen Feuernation ins Gesicht geschlagen." Nicht, dass er etwas dagegen hatte, wirklich. Aber, Mann, hätte Aang nicht etwas nachdenken können, ehe er dieses Grinsen unter Zukos Nase gerieben hatte?
„Es ist etwas ernster als das", sagte Iroh schwer. „Für uns bedeutet Ehre nicht nur Ruhm in der Schlacht. Es bedeutet Leben. Ohne Ehre gibt es kein Vertrauen. Niemand wird helfen oder an deiner Seite stehen. Und ohne das, wenn die Messer funkeln..." Er seufzte. „Es ist als ob du zu deinem Schlitten zurückgekehrt wärst, nach einer Jagd auf der Tundra und erkennst, dass jeder arktischer Hund erschlagen wurde."
Tot, erkannte Sokka, konnte es sich nur zu klar vorstellen. Vielleicht konnte man ein paar Tage aushalten, vielleicht hatte man Glück und jemand würde sich auf die Suche nach einem machen, aber wenn das niemand tat...
Sokka schluckte schwer, arbeitete hindurch. Iroh ist nicht nur bei Zuko geblieben, weil er nett ist. Wenn Zuko seine Ehre verloren hat, dann kann die Feuernation ihn so behandeln wie jeden, den sie nicht leiden können und das heißt –
Nun. Er war sich nicht sicher, was das in der Feuernation bedeutete. Aber eines war kristallklar. Seine Ehre war Zukos allerwundester Punkt – und Aang war gerade darauf herumgetrampelt. Hart.
Weißt du, wenn es Zhao wäre, dann wäre das was Gutes.
Zhao war tot. Zuko nicht. Da der Ozeangeist anscheinend nach ihnen beiden gegrapscht hatte, war das ein kleiner Hinweis für Sokka, welcher Feuerbändiger das größere Problem war.
„Katara will uns tot sehen und Aang uns entehrt", knurrte Zuko. „Nein. Ich gebe ihm nicht noch eine Chance. Meine Leute haben etwas Besseres verdient." Er nickte abgehackt zur Tür. „Viel Glück mit Katara. Und lass nicht zu, dass Toph wegen Aang stirbt. Ich finde euch."
Das... hörte sich endgültig an. Und bedachte man das stille ein und aus von Teruko und ihren Leuten, während sie sich unterhalten hatten und selbst die Laternen ausgeblasen und verstaut wurden... „Du gehst?", platzte Sokka heraus. Du bist hinter Aang her. Warum würdest du fortgehen? „Du kannst nicht gehen! Du hast Toph dein Wort gegeben."
„Um zu helfen Aang zu heilen", sagte Zuko knapp. „Das habe ich. Jede weitere Minute, die wir hier bleiben, ist eine mehr, die Katara hat, um eure Leute aufzuwiegeln. Hast du je einen Mob gesehen? Ich schon. Ihr seid zu viele. Wir hätten keine andere Wahl als tödliche Gewalt anzuwenden. Ihr würdet sterben."
Sokkas Augen wurden schmal. „Übertreibe nur weiter, Funkenfresser."
Einer von Zukos Mundwinkeln hob sich in einem kalten, dünnen Lächeln. „Du scheinst den Eindruck zu haben, dass der Waffenstillstand uns vor euch beschützen soll."
Oh, nein, dachte Sokka und hob einen beschuldigenden Finger. Es ist mir egal, wie lausig du sagst, dass du in Diplomatie bist, das lasse ich dir nicht durchgehen –
Iroh lächelte ihn an. Es war ein Lächeln, das Sokkas Nackenhaare zu Berge stehen ließ.
Mit immer noch gehobenen Finger zählte Sokka in Gedanken Verbündete und Feinde. Auf seiner Seite, die Flotte des Wasserstammes, die größte Erdbändigerin der Welt, Katara und Aang. Auf Zukos Seite –
Toph denkt, dass Iroh gut genug ist, um sie zu erledigen. Es ist Tag, das heißt, dass Zuko wahrscheinlich Katara besiegen kann. Und Aang ist verletzt.
Und eine Überzahl von vier zu eins mit all den Schiffen bedeuteten nicht mal so viel wie eine Handvoll Schnee in einem Feuer, wenn Suzuran nur die Trebuchets laden mussten um hölzerne Schiffe in Flammen zu ertränken.
Wir haben Zuko. Oh ja. Genau da, wo er uns haben will. Oh, Mann... Sokka schluckte trocken. „Du hast Toph was versprochen."
„Und ich habe es gehalten", sagte Zuko leise. „Ich respektiere Häuptling Hakoda. Ich will nicht noch mehr seiner Leute umbringen."
Ähm. „Toph schwört, dass du einer der Guten bist", brachte Sokka heraus.
„Sie mag auch den Avatar." Zuko zuckte nicht mal mit einer Wimper. „Toph ist eine Bei Fong. Tochter eines großen Händlerklans. Sie sind für ihre Angestellten und Arbeiter verantwortlich. Wie ein Großer Name für seine Leute. Es wird ihr nicht gefallen. Sie wird nicht überrascht sein."
Er musste ein protestierendes Geräusch gemacht haben, Zukos Augen wurden schmal. „Hast du überhaupt zugehört, was sie euch gesagt hat, ehe ihr alle mit Azula zusammengestoßen seit?", sagte der Feuerbändiger gleichmäßig. „Ihre Eltern haben Kopfgeldjäger angeheuert, um sie gegen ihren Willen nach Hause zu holen. Und das ist eines der sanfteren Dinge, das die Bei Fongs getan haben, um ihren Namen zu schützen. Glaubst du wirklich, das Toph Skrupellosigkeit nicht versteht?"
Er blufft, dachte Sokka. Er könnte wirklich so kalt sein. Er ist von der Feuernation. Wir kennen sie. Aber Toph ist nicht... nun, Toph ist einfach nicht so.
Er war sich sicher. Beinahe.
Denk nach, sagte sich Sokka. Aang braucht noch mehr Hilfe. Also, wie bekomme ich Zuko dazu – „Du schuldest Avatar Yangchen einen Knoten."
„Nein", sagte Zuko ruhig. „Tue ich nicht."
Es klappt nicht. Und warum klappte es nicht? In der Wüste hatte Katara Iroh geholfen und er hatte gesagt, dass er ihnen was schuldig war. Das musste immer noch gelten, oder? Warum sonst hätte er sich auf die Chance gestürzt, als Toph einen Feuerbändiger als Verbündeten brauchte, um die Dai Li niederzumähen? Um nicht zu erwähnen, Aang wirklich zu heilen, statt nur sicherzustellen dass er nicht starb... Egal. Denk nach! „Du lässt Toph hier. Du lässt Aang hier, während er noch verletzt ist. Und du lässt meinen Vater hier, von dem du sagst, dass du ihn respektierst, ohne es überhaupt zu versuchen?"
Zuko trat einen bewussten Schritt nach vorn, nah genug, dass Sokka die Hitze spüren konnte, die von ihm abstrahlte. „Es ist gefährlich."
„Das habe ich bemerkt", erklärte Sokka, versuchte dieser scharfen Ruhe gleich zu kommen. „Du willst keinen umbringen? Ich will nicht, dass irgendwer draufgeht. Tu das und sogar Katara wird nicht sagen können, dass du es nicht zumindest versucht hast. Und das macht es wahrscheinlicher, dass eure Abreise ruhig verläuft. Oder?"
Zuko beäugte ihn und drehte sich zu Iroh um. Dieser zuckte leicht die Schultern. Es ist deine Entscheidung.
Mit einem Nicken warf Zuko einen Blick zu Teruko. „Übernehmen sie hier und schaffen sie alle an Bord. Versuchen sie Asahi davon abzuhalten sie zu beißen."
„Alles unter Kontrolle, Sir." Doch sie warf ihm einen kurzen Seitenblick zu.
Zuko hob die Achseln. „Onkel und ich schauen noch einmal nach."
„Äh", fing Sokka an. Denn er war sich vielleicht noch nicht sicher, was er plante, aber während Zuko und Iroh beide am gleichen Ort waren? Das wurde nicht leicht.
„Wenn du glaubst, dass ich allein auch nur in Kataras Nähe komme, wenn ich so wütend bin? Dann bist du noch verrückter als der Luftbändiger", sagte Zuko kalt.
Dagegen konnte er nicht sagen. Verdammt.
Zuko, Iroh, Aang/ Chamäleon-Bucht/ Erdkönigreich
Das ist eine schlechte Idee.
Iroh saß hinter ihm, während Zuko in Aangs Zelt darauf wartete, dass Toph hierher kam und verfluchte sich, dass er auf Sokkas Angebot eingegangen war. Katara hasste sie alle, einzeln und als Nation. Er konnte es in ihren Augen sehen, während sie auf dem Bett bei einem argwöhnischen Luftbändiger saß. Sokka, der auf der anderen Seite bei einer Stoffwand herumlungerte konnte es auch sehen, sein Gesicht etwas zu ruhig. Warum sonst sollte er die Kante des Bumerangs so beiläufig schärfen? Also, wie genau würde noch ein Versuch mit diesem verdammten Chakra-Knoten irgendetwas ändern, außer Katara noch fester davon zu überzeugen, dass sie alle sterben mussten?
Es wird nichts ändern, sagte sich Zuko. Aber es ist doch wichtig. Für Sokka. Für Häuptling Hakoda. Egal wie sehr sie drängt, ihr Vater ist ein ehrenwerter Mann. Und wir wollen keinen Kampf.
Und warum ihr das gleichgültig war, hätte Zuko gerne gewusst. Sie hatte ihm in der Wüste geholfen. Warum hatte sie sich damals wie ein ehrenwerter Gegner verhalten und war jetzt ein unerbittlicher Feind?
Sie hat Onkel nie bewaffnet gesehen.
Zuko blinzelte, von Lees schüchternem Flüstern völlig überrumpelt. Er grub tief in sich, fragte sich, warum er diese seltsame Stille in diesen vergangenen Tagen nicht bemerkt hatte. Sicher, Katara hatte nur einmal vor Ba Sing Se gesehen wie Iroh gegen Zhaos Soldaten bändigte. Und damals nur auf der Seite des Mondes, was bedeutete, auf ihrer Seite. Und Onkel war gut darin, harmlos auszusehen. Aber er war immer noch ein Feuerbändiger. Er war nicht gerade ein hilfloser Ältester...
Verachtung. Abscheu. Kriech davon und verrecke.
Ein Atemzug und er wob Feuer um sein zweites Selbst zu schützen. Onkel. Amaya. Jinhai. Dein Volk.
Hass löste seinen Griff. Aber er konnte es immer noch spüren.
Katara. Sie hasst mich. Und Lee ist vom Wasserstamm, ich spüre, wie sie an mir zieht...
Kein Wunder, dass er Lee wieder in die Dunkelheit geschoben hatte. Nur ein Hauch davon, als er im Fieber verloren war... es wäre so, so leicht gewesen zuzulassen, dass sie ihn umbrachte. Und er wollte leben.
Nicht, dass du das jetzt so gut hinbringst, von wegen Feuer schlagen, ohne eine Warnung –
Da war keine Hitze.
Zuko hielt seinen Gesichtsausdruck ruhig und blickte kurz zu seinen Händen. Er konnte spüren, wie sein Chi sich bewegte. Warum konnte er das Feuer nicht spüren?
Keine Flammen. Nur ein Schimmern aus dem Augenwinkel, das verschwand, wenn er es direkt anschauen wollte.
Kein Feuer. Unmöglich ist das Wasser. Aber ich bändige irgendetwas – Oh.
Geist. Amaya hatte Geist gebändigt, nicht nur Wasser, um Leute vor den Dai Li zu verbergen. Um einen Verstand zu schützen, egal was versuchte ihn zu verdrehen.
„Ah. Wie der Plagen-Kamuiy", murmelte Onkel hinter ihm. „Ihr glaubt, dass es eine Verletzung des Geistes ist, ebenso wie eine des Körpers?"
Was Sinn ergab und doch wieder nicht. Von Azula mit einem Blitz erschlagen zu werden würde den Geist von jedem verletzen, aber...
Onkel kann Geister sehen. Auch wenn der Rest von uns es nicht kann.
Eine Tatsache, die Amaya beiläufig erwähnt hatte, einen Tag oder so nach dem Haima-jiao, er wusste, dass es wichtig sein musste. Aber es hatte keine Möglichkeit gegeben zu fragen, ehe alles mit dem Avatar ihm um die Ohren flog.
„Feuer bekämpft Wasser", murmelte Zuko zurück. Fühlte, wie es brannte um das schlimmste von Kataras Hass zurückzuhalten und er schwor sich, dass er und Onkel später eine lange Unterhaltung führen würden. Jetzt im Moment hatte er eine zornige Wasserbändigerin, die nur darauf wartete, dass er eine falsche Bewegung gegen Aang machte. Er musste wissen, was Lee wusste und nicht wusste dass er es wusste.
Sie dachte Azula hat einen harmlosen Ältesten angegriffen, nicht einen Krieger unseres Stammes. Onkel sagte, die Feuernation braucht den Mond auch, aber du weißt doch, wie Katara hört, was sie hören will. Wenn er für den Mond gefochten hat, dann war das für den Wasserstamm. Ende der Geschichte. Und in der Wüste, als Onkel zu Boden ging...
Er hatte geschrien. Er erinnerte sich daran. Und hatte sich mit allem was er hatte in die Heilung geworfen – und Katara hatte nie gesehen, wie er Onkel vorher gerettet hatte, sie hätte keine Ahnung haben können, dass Klan einen ebenso fest band, wie irgendeine Wasserstamm-Familie...
Junge Leute helfen den Ältesten, damit ihre Weisheit hilft, dass der Stamm überlebt. Ich tat, was für ein Kind des Wasserstammes richtig war. Und Onkel hat versucht Katara zu helfen... genau wie ein Ältester einem Mädchen des Stammes half. Also wollte sie uns helfen. Damals.
Aber in Ba Sing Se hat er mir geholfen sie davon zu zerren. Und dann hat er sie in der Luft in Stücke gerissen. Zuko hatte den Streit nicht gehört, aber er musste die Einzelheiten nicht kennen. Onkel war stolz auf ihn. Er hätte niemals Kataras Gift unbeantwortet gelassen. Das macht ihn einen Feind – und als sie gesehen hatte, wie er seinen Weg in Azulas Durcheinander hinein bändigte, war er ein feindlicher Krieger. Genau wie ich.
Wunderbar. Sie hatten von Katara als eine ehrenwerte Gegnerin gedacht, weil es das war, was ein ehrenwerter Heiler der Feuernation getan hätte. Iroh war verletzt worden, als sie einem gemeinsamen Feind gegenüber standen. Er hatte ein Hilfsangebot verdient.
Aber sie hat es nicht für unsere Gründe getan. Es war wegen ihren Gründen.
Vielleicht konnte Toph hier drin eine Sandsteinmauer erheben, damit er seinen Kopf dagegen schlagen konnte. Es würde sich so gut anfühlen, wenn er aufhörte.
Und da war sie, ihre schwarzen Haare ein wilder Alptraum, während die Erdbändigerin Schlaf aus den Augen rieb. „Also darf ich diesmal deinen Trick spüren?"
„Nur den Anfang", warnte Zuko. „Letztes Mal, als ich dieses Durcheinander berührte, du weißt, was passiert ist. Ich zeige dir, wie es beginnt. Dann gehst du wieder."
Toph grinste unverzagt. „Kapiert."
„Äh... bevor wir anfangen", sprach Aang auf, „wollte ich nur sagen, dass das letzte Nacht mir wirklich Leid tut – "
„Das tut es dir nicht", erklärte Zuko, seine Stimme so ruhig wie gezogener Stahl. Onkel war hier, du Idiot. Denkst du denn, dass er mir nicht gesagt hat, was du gesagt hast? Und zwar alles?
„Aber es tut mir Leid!", protestierte der Luftbändiger. „Ich weiß Ehre ist in der Feuernation wichtig, ich habe doch nur versucht – "
„Den Wasserstamm zu beschützen?" Zuko zog etwas die Augenbraue hoch. „Es tut dir nicht Leid, dass du es gemacht hast. Du bedauerst, dass es Konsequenzen hatte. Überraschung, Überraschung." Er holte tief Luft, packte seine Kontrolle mit beiden Händen. „Für den Fall, dass Häuptling Hakoda nicht weiß, dass er es dir sagen muss, informiere ich dich, was ein paar dieser Konsequenzen gewesen wären. Wenn es irgendwer außer ich gewesen wäre." Noch ein Atemzug. „Du hast dein Ehrenwort gegeben. Du hast es gebrochen. Das heißt, meine Hälfte der Übereinkunft war null und nichtig. Jeder andere Kommandant – jeder andere Offizier der Feuernation – wäre dazu gezwungen gewesen zu tun, was die Ehre ihres Wortes verlangte." Ein Herzschlag. Zwei. „Das heißt, sie hätten zum Wasserstamm zurück segeln und jeden einzelnen von ihnen abschlachten können."
Entsetzte Stille. Sokka lehnte sich ein wenig nach vorne, seine Augen jetzt nicht mehr schläfrig. Und Katara hatte ihren Körper zwischen ihm und dem Luftbändiger, ihre Hand bei ihrem Wasserschlauch. „Du hast gesagt, dass wir in Sicherheit wären!", schleuderte sie ihm entgegen.
„Nein", sagte Zuko gleichmäßig. „Er sagte, dass ihr nicht verletzt werden würdet." Zwei Atemzüge und ein kaltes Lächeln. „Er hat nie gesagt für wie lange."
Aang war so blass wie Milch, Augen rund.
„Von dieser Seite fühlt es sich nicht so gut an, oder?", sagte Zuko leise. „Es ist mir gleich, ob du der Avatar bist. Das Wunderkind des Südlichen Lufttempels. Der Letzte deiner Art. Du bist immer noch ein Mensch, genau wie der Rest von uns. Handlungen haben Konsequenzen. Wenn Kuzon und Mönch Gyatso dir das nicht beibringen konnten, dann lernst du es am Besten jetzt. Du hast mich angelogen. Warum spielt keine Rolle. Die erste Angelegenheit der Ehre zwischen uns war eine Lüge. Deine Lüge. Ich kann nichts von dem was du seither gesagt hast vertrauen." Ruhig. Bleib ruhig. „Also werde erwachsen, zeige etwas Würde und hör auf mir ins Gesicht zu lügen."
„Oder, wie wir in der Armee sagen", überlegte Iroh hinter ihm, „wenn du in einem Loch bist? Hör auf zu graben."
„Aber – Toph kann dir sagen, dass – "
„Traumtänzer." Toph schob ihr Haar zurück, zwang das meiste unter einem Haarband. „Du kapierst echt nicht, worum es hier geht. Du bist ein Vertragsbrecher. Du hast ein Hintertürchen gefunden und hast dich ohne Zögern durchgezwängt. Wenn du das mit meinen Eltern machen würdest? Die würden dich für immer auf die schwarze Liste setzen. Niemand würde mit dir handeln. Niemand würde mit dir Verträge schließen. Das ist ein wirklich, wirklich großer Teil des Erdkönigreichs, der dann sauer auf einen ist." Sie ließ ihre Knöchel knacken. „Also, wie machen wir das jetzt?"
„Was ist nur mit dir los?", verlangte Katara. „Er sagt schreckliche Sachen über Aang und du stimmst ihm zu? Und du meinst, dass er helfen wird?"
Sokka vergrub sein Gesicht in den Händen.
„Vergiss es, Toph", riet Zuko. „Da kommst du nicht weiter. Ich gehöre nicht zu ihrem Stamm. Man kann mir nicht vertrauen." Er schaute Katara an, kalt und wütend. „Also spielt es keine Rolle, ob man Außenseiter anlügt." Er beäugte Aang. „Für den Fall, dass du dich fragst, warum ich hier bin, es hat nichts mit dir zu tun. Ich habe Sokka gesagt, dass ich noch einmal nachschaue, ob es etwas Sicheres gibt, das wegen diesem Knoten in deinem Chakra getan werden kann. Ich bezweifle es. Manche Sachen brauchen einfach Zeit. Aber ich sagte, dass ich es versuche. Ich halte mein Wort." Seine Stimme senkte sich und Zuko konnte nicht verhindern, dass eine Spur Gift hinein tropfte. „Ich werde immer mein Wort halten."
„Und hier kommen wir zu dem Punkt, der mich echt auf die Nieren geht, Katara", sagte Toph rau. „Du meinst, Aang hatte Recht, einen Bösen anzulügen und zu tun, was nötig war um von der Feuernation wegzukommen? Schön. Es stimmt." Sie zeigte zu Aang. „Aber wenn du gedacht hast, dass Zuko so ein Bösewicht war, dass du ihn anlügen musstest, warum zum Henker hast du gedacht, dass er sein Wort hält?"
„Naja, er – " Aang schluckte und machte den Mund zu.
Sokka fuhr zusammen. „Lass mich raten. Er hat Gold getragen, also hast du gewusst, dass er ein solches Versprechen machen konnte. Und es halten konnte."
„Woher weißt du – ich meine, eine ganze Menge hat sich in einhundert Jahren geändert – "
„Stopp. Hör einfach auf." Sokka hörte sich müde an. „Wenn wir etwas mehr Spielraum haben erzählen Papa und ich dir, was Kyoshi getan hat. Und warum die Feuernation ein Recht darauf hat, keinem Avatar ohne einen sehr guten Grund zu vertrauen." Er schüttelte den Kopf. „Aber hier geht es nicht darum, dass du der Avatar bist. Hier geht es um dich. Du kennst die Regeln. Du wusstest, dass Zuko fair spielen würde. Und du wusstest, dass du das nicht machen würdest."
„Sokka!", zischte Katara.
„Komm mir nicht mit Sokka, Schwester-"
„Hört auf!" Aangs Hände zitterten bei seinen Ohren und seine Augen waren feucht. „Warum seit ihr alle so wütend? Ich sagte doch, dass es mir leid tut!"
„Eine Entschuldigung reicht hier nicht", sagte Zuko gleichmäßig. Er war sich bewusst, als er Kataras Augen begegnete, wo das meiste dieser Kochenden Rage herkam.
„Stimmt." Blaue Augen waren so kalt wie der Winter. „Manche Sachen können einem nie Leid genug tun."
Ich habe deine Mutter nicht umgebracht, verdammt noch mal! Aber Zuko konnte es nicht sagen. Denn er würde es schreien und alles würde in Flammen aufgehen. Er konnte es spüren. „Bringen wir es hinter uns."
Katara rückte widerwillig ein paar Zentimeter zurück. Toph klatsche in ihre Hände und huschte herbei, ihre Finger ruhten auf seinem rechten Arm, als Zuko die Flammen des Feuertopfes in gold-grün drückte. „Umdrehen", wies er an.
Mit immer noch weit aufgerissenen Augen erstarrte Aang.
„Ich tu dir nicht weh!", knurrte Zuko. „Nicht hier. Nicht jetzt. In diesem Zelt bin dich dein Heiler. Idiot. Du hast mir geglaubt, als wir uns gerade erst ein paar Minuten kannten und ich dich angriff und du glaubst mir jetzt nicht? Agni. Ich habe Sokka mein Wort gegeben." Er schnaubte. „Und wenn du das nicht glaubst, schau dir an, wo wir hier sind. Denkst du, ich bin dumm genug, Toph sauer zu machen, während wir auf Sand sind?"
Aang wirkte unschlüssig. „Du hast auf einer Eisebene in einem Schneesturm gegen Katara gekämpft."
„Es gibt einen Unterschied zwischen dumm und verzweifelt", sagte Zuko grimmig. „Lerne ihn. Dreh dich um, verdammt noch mal. Ich kann das nicht ewig halten."
Zögernd drehte sich Aang um.
Endlich. Zuko tastete seinen Weg durch trübes Gold und Aufblitzen von Messing, sich sorgfältig von der Blitznarbe fernhaltend. Er war nicht sicher, was Toph dachte, dass sie dabei erkennen konnte. Es gab keinen Flecken Erde in Aang außer man zählte die Knochen – aber sie hatte darum gebeten.
Denk nicht darüber nach. Heile.
Nach etwas Zeit zog sich Zuko zurück. „Okay. Zeit, dass du einen strategischen Rückzug antrittst."
„Du hast gesagt, dass du ihn nur untersuchst", widersprach Toph.
„Und letztes Mal dachte ich, dass ich nur heile", legte Zuko dar. „Geh."
Toph streckte ihm die Zunge heraus und ging.
Na schön. Ränder. Schau dir nur die Ränder an. Aus der Entfernung.
Er hatte es Katara nicht gesagt, weil sie es nicht erwähnt hatte. Und er würde es jetzt auf keinen Fall erwähnen, nicht, da er wusste, wie viel Katara nicht über das Heilen wusste. Aber in der Nähe von Aangs Chakren zu arbeiten, war entsetzlich.
So viel Energie. Dafür bin ich nicht ausgebildet...
Zuko studierte den sich langsam windenden Knoten aus Messing und Grau, während er sich wie eine Motten-Eule vorkam, die versuchte um ein Freudenfeuer herum zu schleichen. Das war die Macht, die Berge einreißen konnte. Die Macht, die Insel Kyoshi vom Festland abgespalten hatte, eine Ozeanschneise in leblosen Fels gebrannt hatte. Die Macht, die die Hälfte der Feuernation ertränkt und Sozins erste Invasion des Erdkönigreichs zerschmettert hatte, wie ein Eiswürfel, der in kochendes Wasser fiel.
Das habe ich versucht zu fangen. Agni, ich bin ein Idiot.
Kein Wunder, dass Azula ihm direkt an die Gurgel gegangen war. Warum auch nicht? Wenn der Avatar tot war könnten sie den Rest der Flotte aufteilen und den Komet benutzen, um die beiden Pole auszulöschen.
Nur sind das nicht die einzigen Wasserstämme. Ich frage mich, ob der Feuerlord es weiß –
Der Knoten wand sich wieder. Er war nicht schnell genug.
Lava brennendes Eis –
Reinrunterhochraus weg von den Umstehenden!
Ein Blitz krachte und jemand schrie.
Mit klingelnden Ohren hustete Zuko und zählte die Anwesenden. Aang, benebelt, saß aber aufrecht und blinzelte als ob er in eine Wunderkerze gestarrt hatte. Onkel, Toph, Sokka – verstreut und benommen, aber intakt. Katara schoss durch das Loch in blauem Stoff, also war sie es wahrscheinlich nicht –
„Du Bastard!"
Oh, ja, dachte Zuko, von den Augenwinkeln her drang Rot herein, das ist sie ohne Zweifel.
Onkel fing ihn, ehe er sich bewegen konnte. Den Geistern sei Dank. „Die Ehre eurer Eltern ist unbefleckt", sagte er streng. „Sie weiß nichts. Ihr seid klüger als das."
Wortlos nickte Zuko. Danke, Onkel.
„Was zum Henker?", stotterte Sokka.
„Hab's doch gesagt", brachte Zuko heraus. „Verknotetes Chi. Übel." Und ich ergebe keinen Sinn. Großartig. „Habe es von uns weggehalten. Wusste nicht, dass jemand draußen ist..." Er schluckte, fürchtete, was dort draußen sein könnte.
Meine Verantwortung. Ich muss es wissen.
Er war nicht der Erste, der aus dem Zelt kam. Aber er war auch nicht der Letzte. „Du", zischte Katara, Hände in Wasser eingewickelt, als sie über einem hustenden Bato arbeitete.
Er lebt, erkannte Zuko mit einer Welle der Erleichterung, registrierte kaum Hakodas besorgte Grimasse, die sich sammelnde Menge von Blau und Speeren. Agni sei Dank. „Ich sagte doch, es ist gefährlich."
„Für dich sollte es gefährlich sein!", fauchte sie zurück.
Wasserbändigerin. Erwürgen. Jetzt.
Iroh fing ihn wieder. „Ich glaube, wir sind hier fertig", sagte er ernst.
„Oh, ihr seid fertig, oh ja!" Katara erhob sich, ihre Hände glühten nicht länger, Wasser wand sich um einen Arm. „Genau wie deine Schwester. Schleuderst Blitze herum, egal wem es trifft. Und warum sollten wir was anderes erwarten? Du bist der Sohn von Feuerlord Ozai!"
Und das ist meine Schuld?, knurrte Zuko beinahe. „Es war ein Unfall – "
„Du lügst wegen Aang, du lügst über die Feuernation, du lügst über die Avatare – alles was du machst ist uns auseinander zu reißen!" Blaue Augen verengten sich. „Ich wette, dein Vater ist so stolz!"
„Katara", versuchte Aang.
„Nein! Hast du denn nicht gesehen, was gerade passiert ist? Was beinahe noch passiert wäre? Ich habe ihn dich anfassen lassen! Er hat Bato fast umgebracht! Und er hat es entweder absichtlich gemacht und er hat uns die ganze Zeit angelogen – oder er hat gelogen, was deine Heilung angeht! Denn er weiß nicht, was er macht und seine Lehrerin ist eine lausige, feige Entschuldigung für eine Heilerin, die dachte, dass sie ihm was beibringen konnte, einem Feuerbändiger!"
An jedem anderen Tag, zu jeder anderen Zeit, hätte die Art, wie sie Feuerbändiger gesagt hatte, Zuko in eine alles zerschmelzende Rage geschickt. Aber heute...
Amaya.
Meine Lehrerin beleidigst du nicht, kleines Mädchen. Nicht jetzt. Niemals.
Feuer und Eis. Sie bekämpften sich nicht in ihm, sie wanden sich umeinander, Wut und Hass schirmten jeweils das andere ab, bis er sich beinahe … ruhig fühlte.
Das Auge des Sturms.
Eine Eröffnung im Feuerbändigen war offensichtlich. Wasserbändigen... bedeutete schlicht, ein ruhiges Gleichgewicht zu finden und abzuwarten. Und er konnte warten, erkannte Zuko mit dunklem Humor. Denn Katara beobachtete ihn wegen einer Explosion und nicht –
„Du bist eine junge, ignorante Närrin", sagte Iroh grimmig, Hitze strahlte von ihm ab wie von einem Leuchtfeuer. „Heilerin Amaya ist eine mutige, großherzige Dame, die mehr Wunden des Krieges geheilt hat, als du in deinem Leben je sehen wirst. Sie besitzt wahre Güte und Tugend. Um nicht das zu tun, was leicht ist, um jenen zu helfen, die sie dafür loben, sondern um das zu tun, was schwer ist! Um in die Flut des Krieges zu waten und zu retten, wohl wissend, dass sie nichts dadurch gewinnt! Keine großen Siege im Krieg. Keine Rebellionen, die ihren Namen zum Himmel rufen. Nur das Wissen, dass sie sich bemüht hat... und dass dadurch jemand überleben mag!"
„Sie lieben sie", hauchte Katara so bleich wie feines Ahorn-Kiefernholz. Dann errötete sie so dunkel wie Eisen-Zeder. „Sie haben sie angefasst! Wie konnten sie nur? Wie konnte sie nur? Sie sind ein Feuerbändiger, ein Mörder – und sie hat sie sie anfassen lassen!"
Verdammend genug. Zuko konnte es in den Keuchen der Abscheu hören, in dem Zischen der Wut. Die Worte allein hätten einen Mob entfesseln können, ohne die tödliche Flut von Hass, hasse sie, hasst sie alle...
Und er kannte diesen Hass. Oh Agni, er kannte ihn bis in die Knochen.
Sie ist weg. Sie ist weg wegen mir, es ist meine Schuld. Mami. Mami –!
„Genug!"
Zuko wirbelte Flamme in einen Ball und warf und es war unwichtig, dass er diese Form noch nie im Kampf benutzt hatte. Nicht mit Feuer. Er kannte jetzt die Unterschiede zwischen den Elementen, wusste, wie er die Bewegungen des Feuers weicher machen musste, oder die des Wasser schärfen, um das Element zu wechseln –
Katara japste, als das Feuer-Netz sie fing, brennende Kraft band ihre Arme und Beine fest. Hass wurde abgeschnitten, wie mit einem Messer, ließ blutende Stille zurück.
Daraus wirst du dich nicht herausbändigen.
„Es geht immer nur um dich, nicht wahr?", zischte Zuko. Er ignorierte die Reaktionen von Schock und Furcht und drohende Gewalt. Alles was wichtig war, war die Wasserbändigerin und die Flammen die sie nicht verbrannten. Noch nicht. „Vergiss den Avatar. Vergiss deinen Stamm. Das bist nur du und dein Schmerz. Du hast deine Mutter verloren. Und es hat ein Loch gerissen, so tief und weit und dunkel... du krallst dich an deinen Fingerspitzen fest und was da unten ist, ist so schrecklich, so viel Hass, dass das nie, niemals du sein kannst. Also ist es die Schuld von einem anderen. Dieses Monster kommt von einem anderen. Und du hasst es. Es ist nicht gerecht. Das bist nicht du. Und du wirst die ganze Welt dafür bezahlen lassen, dass sie dieses Monster in dich gesteckt hat. Du wirst sie bluten lassen. Sie brennen lassen."
Katara holte Luft, Gesicht voller wütender Weigerung. Zuko riss an der Flamme, presste die Luft mit einem Quieken aus ihr heraus.
„Du brennst innen", fuhr Zuko fort, noch immer von der gleichen kalten Wut geschüttelt. „Manchmal kannst du nichts essen. Manchmal kannst du nicht schlafen. Weil die Alpträume hinter deinen Lidern lauern... und die einzige Möglichkeit, wie du sie loswerden kannst, ist sie jemand anderem zu geben. Uns deinen Schmerz fühlen zu lassen. Um deine Rache zu erhalten." Er grinste, kalt und bitter. „Weißt du was, Katara? Du wirst sie bekommen."
Blaue Augen weiteten sich. Sie rang nach einem überrumpelten Atemzug.
„Du hast nämlich genau das getan, was du immer gesagt hast", fuhr Zuko fort, seine Stimme wie ein Messer aus Eis. „Du hast mich davon abgehalten Aang zu fangen. Meine Ehre wiederzuerlangen. Ich habe versagt. Ich habe keine Zeit mehr. Und jetzt... jetzt wird Azula als die Erbin des Feuerlords bestätigt werden. Kronprinzessin. Alles was sie immer wollte. Und wenn mein Vater stirbt – oh, und wer weiß? Vielleicht hilft sie ihm dabei – werden die Feuerweisen sie als Feuerlord krönen. Sie haben keine andere Wahl." Er atmete tief durch, hielt seinen Zorn, wie einen Papierdrachen in einem Sturmwind. „Aber die Großen Namen... Manche von ihnen werden sie als das erkennen, was sie ist. Sie werden ihr ihre Loyalität nicht geben können. Ihnen sind ihre Leute wichtig. Und das wird sie vernichten. Azula wird die Macht in der Feuernation bekommen, und wenn sie die Hälfte von uns umbringen muss, um das zu schaffen." Noch ein Atemzug. Seltsam, er hätte schwören können, dass er jetzt zittern würde. „Mein Volk wird sterben. Tausende und Abertausende. In den Straßen werden Ströme aus Blut fließen. Und dann, dann kommt ihr über uns. Die Wasserstämme und das Erdkönigreich. Denn wir haben es ja verdient. Wir haben die Luftnomaden getötet. Wir sind über die anderen Nationen hergefallen. Wir haben deine Mutter ermordet."
Keine Tränen. Ich werde nicht schreien.
„Wir werden sterben", sagte Zuko sanft und bitter wie die Luft eines Wintermorgens. „Wir werden uns wehren, aber wir werden sterben. Und die Leichen werden in den Straßen verrotten und es wird niemand geben, der sie dem Feuer überantwortet und die Flüsse werden blutig tosen, bis alles was du bändigst, rote, rostige Alpträume sind." Er schüttelte langsam den Kopf. „Und du musst nicht mal einen Finger rühren, Katara. Alles, was du tun musst... ist warten." Er ließ das Feuer fortflackern, brannte sie mit seinem Blick fest. „Du bekommst deine Rache. Alle Rache in der Welt. Und ich hoffe, du erstickst daran."
Die Welt rückte wieder heran. Zuko konnte Onkels argwöhnische Wachsamkeit sehen, Aang, der zwischen Toph und Sokka zitterte, Hakodas herauf dämmernder Gesichtsausdruck von Entsetzen...
Nicht ich. Er schaut nicht mich an...
Er beobachtete seine Tochter. Hakoda schüttelte seinen Kopf in langsamer Weigerung.
Oh. Er hat es nicht gewusst. Zuko lächelte bitter. Willkommen in meiner Welt.
Aber er war hier noch nicht fertig. Nicht nach allem, was Katara gesagt hatte. Nicht während seine Leute noch am Ufer waren, Schwierigkeiten erwarteten, sicher, aber nicht dafür bereit, dass die Umstände so schnell in Kohs Lager fuhren.
Zuko richtete sich auf, faltete Hofumgangsformen um ihn wie eine Rüstung. „Häuptling Hakoda", sagte er formell. „Wie ihre Tochter besteht, dass ich in dem Namen meines Vaters handele, so muss ich akzeptieren, dass sie in ihrem handelt. Sie erklärt den Waffenstillstand zwischen uns für beendet. Ich weiß was die Zwangslagen des Krieges verlangen, dass sie meinen Leuten antun sollen. Doch wir kamen unter einem Waffenstillstand und wir beabsichtigten niemanden ein Leid zu tun. Ich bitte um Erlaubnis, dass wir auch so wieder abrücken dürfen, in Frieden."
„Und wenn wir nicht darauf eingehen?", sagte Hakoda neutral.
Zuko lächelte dünn und schneidend, spürte wie Feuer an seinen menschlichen Begrenzungen leckte, darum raste zu schützen... und zu töten. Und die Bucht war so nah und sie zog... „Dann brenne ich ihre Schiffe bis zur Wasserlinie nieder und höre nicht auf bis meine Männer in Sicherheit sind. Oder ihr alle tot seid." Er warf nicht einmal einen Blick zu Katara. „Ihre Tochter hält mich für Sozins Wiedergeburt. Ich würde sie nur ungern enttäuschen."
„Tu das nicht", brach es aus Aang heraus. „Du bist nicht so. Du rettest Leute. Das kannst du nicht machen!"
Das ist nicht hilfreich. „Du hörst nie zu, oder?", sagte Zuko leise. Er schaute nicht mal in seine Richtung. „Meine Leute werden sterben. Mein Volk. Du hast keine Ahnung, was ich. Nicht. Tun. Kann." Gold hielt zurückhaltendes Blau. Abwartend.
„Geht", sagte Hakoda schließlich. „Verschwindet einfach von hier."
Zuko verbeugte sich, ein Großer Name zu einem anderen. Er drehte sich um und marschierte, Onkel schirmte seine linke Seite ab.
Bitte, lasst sie nicht so dumm sein, ich will niemanden umbringen, bitte...
Aber er würde es tun. Oh Agni, er würde. Seine Männer waren in der Mitte von mit Speeren bewaffneten Tod und er würde tun, was immer nötig, um sie hinaus zu schaffen. Was es auch kostet.
„Sir!" Terukos Stimme, kräftig genug für einen Paradeplatz. „Wir müssen los. Jetzt!"
Oh Agni, was denn jetzt – ?
Signale von Suzuran sagten alles. Erdbändiger gesichtet, Truppenstärke –
„Chikusho!", fluchte Onkel.
„Natürlich", seufzte Zuko. Er wollte schreien. Aber was brachte das schon? Was hatte er denn erwartet, er hatte gerade Katara das Fell über die Ohren gezogen und der Avatar himmelte sie wie ein Löwen-Welpe an. Und die Geister halfen dem Avatar. Immer.
Sie nahmen die Beine in die Hand.
Hakoda, Katara, Toph/ Chamäleon-Bucht/ Erdkönigreich
Man sollte nicht glauben, dass ein Mann in Irohs Alter ein solches Tempo vorlegen kann, dachte Hakoda trocken, achtete aber kaum auf die Feuerbändiger, wie sie den Strand hinab rasten. Rational wusste der Häuptling, dass er beobachten sollte, wie ihre Feinde sich entfernten. Er sollte sich fragen, was diese beunruhigende Feuer-Frau Teruko zu dieser Reaktion brachte – keine Wut, sondern eine kontrollierte Furcht für ihre Schützlinge, das dazu geführt hatte, dass die Motoren des Beibootes schon liefen und es langsam vom Ufer ablegte. Sollte zumindest seine Männer beäugen, um sicher zu stellen, dass sie die Überreste des Waffenstillstandes hielten, während ihre seltsam ehrenwerte Feinde davonstürzten.
Aber er war in diesen zwei vergangenen Jahren zu oft ein Häuptling gewesen und nicht oft genug ein Vater. Und es war einen Vater, den Katara jetzt brauchte, die in dem Kreis ihrer Krieger stand, mit blassem Gesicht und weit aufgerissenen blauen Augen, während sie ihren Kopf schüttelte –
Sie stand in der Mitte von Kriegern, die gespürt hatten, was er gefühlt hatte. Ein gedankenloser, allumfassender Abscheu gegen die Feuerbändiger – dann ein Schock wie heißes Wasser auf Schnee, als Zukos Flamme sie gepackt hatte. Und die Wut taumelte in einem Meer von, was habe ich nur gemacht?
Das hatte seine Männer fast ebenso sehr zurückgehalten wie Irohs schmale Augen und sein eigenes Zischen, sich zurückzuhalten. Sie hatten schon gegen Feuerbändiger gekämpft, sie wussten alle, dass, so lange ein Feuerbändiger direkt mit seiner Flamme verbunden war, er kontrollierte, ob es etwas verbrannte. Oder nicht. Lenkte man Zuko ab könnte dieses Feuer außer Kontrolle geraten – und Hakoda konnte sich die Qual die das hinterließe nur vorstellen.
Ein guter Grund um sich zurückzuhalten, so lange Zuko mit Worten zuschlug und nicht mit Feuer. Aber nicht der einzige Grund. Denn sie hatten einen Waffenstillstand, verdammt noch mal. Und man brach einen Waffenstillstand nicht, bis ein Feind jemandem des eigenen Stammes Leid zufügte. Egal ob Irohs Aufmerksamkeiten für eine Wasserbändigerin ihnen den Magen umdrehte, Heilerin Amaya war vom Nördlichen Wasserstamm. Und nicht vom Südlichen. Seine Männer wussten das.
Das hieß, wenn er seine Männer nicht jetzt in diesem Moment daran erinnerte, dass er ein Vater war, konnte es sein, dass er nicht mehr lange eine Tochter hatte.
Bewusst legte Hakoda eine Hand auf Kataras Schulter. Er konnte spüren wie sie zitterte vor Kälte. „Ist es das, was du willst?", fragte er sie ernst. „Seit Jahren hast du uns gesagt, dass du an den Avatar glaubst. Dass er zurückkehren und der Welt das Gleichgewicht zurückbringen wird. Ist das das Gleichgewicht von dem du geträumt hast? Eine Welt ohne Feuernation? Kein Volk der Sonne? Keine Wärme? Kein Sommer?" Er hob eine Hand und berührte eine tränenfeuchte Wange. „Du warst immer unsere Freude. Der Beweis, dass selbst die Feuernation unseren Geist nicht brechen konnten. Sogar nach Kya... Ich wusste es nicht. Ich hätte bleiben sollen. Ich hätte für euch beide da sein sollen." Er suchte Sokka mit den Augen. „Ihr zwei seid die Zukunft unseres Stammes. Der Sieg gegen die Feuernation ist nichts wert, wenn wir verlieren wer wir sind."
Aang blinzelte, schaute ihn direkt an, mit verwundertem Erstaunen, das Hakoda sardonisch eine Augenbraue hochziehen lassen wollte. Was, Weisheit kommt nur aus Tempeln? Man kann sie auch hinter einer Speerspitze finden, wenn man überlebt. Du hast noch viel zu lernen.
Toph runzelte die Stirn. Sie stieß Aang in Sokkas Arme, hob ihre Hände, als ob sie ein ungesehenes Gewicht hob –
Schob hinab und wieder herauf. Die Unterkunft der Feuerbändiger verging, als ob sie nie gewesen war und Sand verhärtete sich in eine Brusthohe Mauer vor ihnen. „Aufgepasst!"
Was? Warum?, fragte sich Hakoda. Die Feuernation zog sich zurück, warum dachte Toph –
Sand grollte unter dem fliehenden Paar und öffnete sich, und Hakoda spürte wie sein Herz fiel.
Ein Flammenstoß und Iroh war frei, gerade als der Strand wieder zusammenschlug, wie Eisberge, die zusammenstießen.
Iroh war frei, erkannte Hakoda grimmig, als er sah, wie grüne Uniformen durch die Reste des Lagers stürmten. Er hörte das schauerliche Heulen, das von Terukos Seesoldaten aufstieg, ihr Beiboot mit aufgewühltem Kielwasser zum Strand zurück dampfte, auch wenn sie wussten – sie mussten es wissen! – dass ein Ufer unter dem Befehl von Erdbändigern nichts anderes als eine Todesfalle war.
Sie wussten es. Hakoda konnte es sehen. Aber es kümmerte sie nicht... und er konnte auch den Grund erkennen, in der Trauer und der Wut, die in Irohs Gesicht gegraben war.
„Zuko!"
Zuko (Kuzon)/ Chamäleon-Bucht/ Erdkönigreich
Ich habe versagt.
Dunkelheit. Druck, bis alles was er hören konnte sein eigener Herzschlag war, der in seinen Ohren pochte. Presste seinen Atem fort und ohne Atem gab es kein Feuer.
Versagt. Ich konnte ihn nicht rechtzeitig finden. Konnte ihn nicht dazu bringen zu verstehen. Konnte mein Volk nicht retten.
Ich frage mich, ob das Sterben beim zweiten Mal genauso weh tut...
Nein. Ich habe mein Wort gegeben. Du warst naiv und selbstsüchtig und ein Kind Aang, aber du hattest nicht verdient, was die Ältesten dir aufgeladen haben. Die ganze Welt hatte nicht verdient, was geschehen würde.
Ich habe mein Glück und Leben fortgebrannt, und ich habe mir geschworen, dass es nichts ausmachen würde. Das würde ich nicht zulassen. Ich würde einen Weg finden, ohne Glück, irgendwie würde ich einen Weg finden um alles wieder gerade zu biegen...
Die Dunkelheit war feucht.
… ich brauche kein Glück.
Ohne Atem krümmte er seine Finger.
Iroh, Zuko, Teruko/ Chamäleon-Bucht/ Erdkönigreich
Kommt zu mir, ihr Mörder. Iroh wich Felsen und sich bewegenden Sand um nur Zentimeter aus, rief gerade genug Feuer herbei, um einen Veteran, der schon lange im Ruhestand war, nachzuahmen. Nicht zahnlos... aber nicht annähernd gefährlich genug, dass der befehlshabende Offizier vorsichtig zurückbleiben würde. Kommt zu mir und sterbt.
Rational wusste er, dass er sich zurückziehen sollte. Sand gab der herbei kommenden Armee einen Vorteil, Terukos Marinesoldaten brachten sich selbst in Gefahr, um ihn zu holen und Toph könnte noch Zuko befreien, mit nur noch etwas Zeit –
Wenn er noch lebt.
Und deswegen konnte er sich nicht zurückziehen. Lu Ten war so gestorben, von der Erde von Ba Sing Se selbst verschluckt und erdrückt und er würde sich nicht von dem Ort drängen lassen, an dem er einen zweiten Sohn verloren hatte –
Sand wirbelte hoch, wie ein Wasserstrudel, dampfte in einem feurigen Brüllen.
Er lebt.
Er packte eine krallende, wilde Hand, riss hoch, als Zuko rauchenden Sand hinab und weg schob. Sein Neffe blinzelte Sandkörner aus den Augen, in denen nur ein dünner, heller Rand tiefe, bodenlose Schwärzen umfing –
Für einen Herzschlag starrte Iroh in die ganze Wut von Sozins Linie. Und grinste.
Er wirbelte herum und fiel in die Kata, von der er wusste, dass Zuko sie benutzen würde. Die einzige, die Sinn ergab, mit vielen Feinden vor ihnen und Verbündeten hinter ihnen, die in Gefahr waren.
Der Angriff eines Feuerbändigers ist seine Verteidigung.
Der Massenfeuerball traf vor den Truppen des Erdkönigreichs auf den Boden, nicht mitten in ihnen, stieß sie zurück. Nicht dass Iroh sich vorstellen konnte, dass ihre Gegner solche Zurückhaltung zu schätzen wussten... da Zukos nächster Wirbel, Hände schwangen hoch und vor, kochenden Sand wie einen geschmolzenen Tsunami über gerüstete Truppen schickte.
Iroh verschloss seine Ohren vor den Schreien, packte einen grünen Ärmel und zog.
Agni sei Dank, dass Zuko mit ihm rannte.
Sand und Brandung unter seinen Sandalen und gerüstete Hände zogen sie hoch und über die Bootswand, während Feuerstöße jene wenigen Erdbändiger abhielten, die tapfer oder dumm genug waren, durch den brennenden Sand vorzustoßen. Während alldem grollte Zuko unterdrückt, ein leises, rollendes Knurren, die Irohs Nackenhaare zu Berge stehen ließ und jeder Marinesoldat außer Teruko trat einen vorsichtigen Schritt zurück.
Da die Gesichtsplatte ihren Ausdruck verdeckte, konnte Iroh nur die Haltung von Terukos Schultern lesen. Aber diese waren ausdrucksvoll genug: Ah, verdammt noch mal. „Schafft uns von diesem vereisten Strand weg!", brüllte sie.
Maschinen heulten und Wasser rauschte zwischen ihnen und den herankommenden Steinstößen. Iroh hielt mit einem geübten Schwanken das Gleichgewicht und hielt ein vorsichtiges Auge auf seinem Neffen, während das koordinierte Feuer von allen steinerne Geschosse aus dem Himmel brannten. „Eigenmächtige Handlung, Leutnant?", neckte er sie sanft.
„Sir! Stehender Befehl lautete sich mit geringstmöglichen Opfern auf beiden Seiten zurückzuziehen." Zwei Flammenstöße wurden geschlagen und ein fegendes Bein, als jemand am Ufer pfiffig sein wollte und einen Stein über das Wasser springen ließ. „Wenn der Prinz dazu fähig wäre Befehle zu geben, bin ich sicher, dass er das nicht widerrufen würde."
„Dazu fähig?", sagte Iroh scharf. Denn Zuko kämpfte so gut und schlau wie je gegen den Avatar, reagierte so schnell wie ein Moskito-Falke.
„Sir! Drachen müssen nachdenken um zu sprechen." Teruko duckte sich vor Steinfragmenten. „Im Moment sind wir für ihn nur das Geschrei von Blaunasenaffen!"
Oh. Später, da war sich Iroh sicher, würde er sich verfluchen, so ein alter Narr gewesen zu sein, der an Geister glaubte, deren Gleichgewicht er nicht sehen konnte und den feurigen Jüngling direkt unter seiner Nase nicht bemerkte. Später.
Für den Moment bestrichen die Trebuchets von Suzuran den Strand mit Feuerbällen, fügten Chaos, Feuer und Zerstörung zu dem Erdbändigen, das schon durch das Wasser zwischen ihnen gehemmt wurde. Nur noch etwas länger und sie sollten entkommen...
Stahl kreischte auf Stein und die Welt krachte.
In der klingenden Stille von schweigenden Motoren konnte Iroh schwören, dass er hörte wie eine Leine zerriss.
„Besser diszipliniert, als ich dachte", grummelte der alte General, als er in einem Haufen Marinesoldaten wieder auf die Füße kam. Das Beiboot hatte Schlagseite, kippte. Es sank nicht, noch nicht, doch er machte sich keine Illusionen was ihre Chancen anging. Neben ihm sah er, dass Zuko sein Gleichgewicht hatte halten können, so schnell wie eine Katzen-Eule, starrte zum Ufer mit einem hungrigen, rasenden Blick.
Ein missmutiges Krächzen und ein fragendes Zirpen und schwarze Federn kamen zerzaust aus dem Frachtraum. Asahis Klauen trugen sie stetig die Stahlleiter hoch, wenn auch so ungelenk wie eine Schildkröten-Ente, die seidene Gardinen hinauf kletterte.
Das hatte Iroh tatsächlich mehr als einmal gesehen. Als ein Kind war Zuko sehr... enthusiastisch gewesen, was Tiere anging. Wenn es verfolgt und angesprungen werden konnte, landete es in Ursas nachsichtigem Schoß.
Nun. Wenigstens wusste er jetzt, warum Ursas Ermahnungen weniger tu das nicht lauteten, sondern eher in die Richtung von töte nichts, außer, du hast vor es zu essen gingen.
Bekümmert zirpend senkte Asahi den Kopf um ihn an Zukos Schulter zu reiben. Der junge Mann blinzelte und schüttelte den Kopf, sein Mund eine grimmige Linie, als er die Flüche und unterdrücktes Wimmern hörte, das von übel gebrochenen Knochen kündeten.
Er ist wieder bei uns. Gut. „Neffe, die Mannschaft", verlangte Iroh. „Leutnant, ein Fernglas – "
Sie klatschte es in seine Hand, fast noch bevor er das Wort heraus hatte. „Es tut mir leid, Sir. Ich kenne die Insignien nicht."
Er hörte einen Hauch der Selbstverurteilung, die er so oft in der Stimme seines Neffen gehört hatte, obwohl kein vernünftiger Offizier erwarten würde, dass ein Marinesoldat alle Standarten der Erdarmee kannte. „Wir werden die Bücherei von Suzuran erweitern müssen", sagte Iroh fest, durchsuchte Wolken von Staub und Rauch am Ufer. Wo war sie, jeder Kommandant, der so kühn war Feuerbändiger am frühen Morgen anzugreifen konnte nicht anders, als sie zu zeigen –
Ah. Oh je. „General Gang", sagte Iroh sachlich. „Schafft alle herauf. Jetzt."
„Alle Mann an Deck! Bereitmachen das Schiff zu verlassen!", bellte Teruko. „Sir?", fragte sie, nicht mal annähernd ein Flüstern.
„Ich fürchte mein Ruf ist mir vorausgeeilt", sagte Iroh trocken. „Er wird keine ehrenhaften Gefangenen machen." Er begegnete den Augen der Marinesoldatin. „Ich schlage vor, dass sie sich nicht gefangen nehmen lassen, Leutnant."
„Ich werde handeln, wie meine Ehre es verlangt."
Was bedeutete, dass sie vorhatte, so lange wie sie konnte am Leben zu bleiben, um dafür zu sorgen, dass sie beide in Sicherheit waren. Egal was es kostete. Iroh neigte seinen Kopf, während er spürte Stahl bis in seine Knochen erzittern, als die ersten Felsen durch die Hülle schlugen. „Prinz Zuko – "
Zuko war neben der Luke in die Hocke gegangen, durch die der Maschinist kroch und hob sanft die Hände und hauchte subtilen Frost.
Das Knistern von sich formenden Eis ließ jeden Feuerbändiger erzittern.
„Habe uns eine doppelte Hülle gegeben", sagte Zuko grimmig. „Sie schlagen die Felsen nur durch und ziehen sie zurück. Warum Chi verschwenden und uns zerdrücken, wenn das Meer die Drecksarbeit übernehmen kann?" Er ließ seine Augen über die Mannschaft schweifen. „Es erkauft uns etwas Zeit. Aber er wird bemerken, dass wir nicht sinken."
„Zeit ist alles, was wir brauchen", sagte Teruko schadenfroh, als der Schatten von Suzuran über sie fiel. „Bewegt euch, Leute!"
Ich bin etwas zu alt, um Schwimmtreppen zu erklettern, dachte Iroh belustigt, als drei paar Ketten und Sprossen rasselnd zu ihnen herab fielen. Doch er griff trotzdem zu und begann zu klettern, genau wie Zuko und ein weiterer Marinesoldat die anderen zwei Leitern hinauf schwärmten. Es war keine Zeit mit Teruko über Vorrang zu streiten und es wäre auch sinnlos gewesen, wenn es Zeit gegeben hätte. Feuerbändiger ihrer Stärke würden vom Deck von Suzuran aus viel effektiver sein, statt auf dem kleinen Beiboot gefangen.
Zuko erreichte das Deck und pfiff.
„Krächz?"
Trotz der verzweifelten Kletterpartie, ertappte sich Iroh wie er schmunzelte. Er musste kein Straußen-Pferd sein, um zu verstehen was das hieß: „Was, bist du verrückt?"
„Entweder das, oder du schwimmst!", drohte Zuko, als der Rest des Landungstrupps sich an die anderen zwei Leitern hielten. „Kapitän! Hat jemand ein Seil?"
Eine Rolle Tau wurde hinabgeworfen und Zuko pfiff noch einmal. „Komm schon, Süße. Mach das für mich und wir suchen dir noch ein paar böse Kerle, an denen du kauen kannst, versprochen..."
„Grrrh." Asahi schnappte das Seil und packte stählerne Sprossen während sie hennische Schimpfwörter bei sich gurgelte.
Und das sind dann alle von uns, dachte Iroh, der eine helfende Hand von einem Seemann akzeptierte, während die Motoren von Suzuran auf Touren gebracht wurden und sie begannen loszufahren. Ein riskantes Manöver, da die Hälfte von ihnen verletzt waren und noch kletterten. Doch viel weniger gefährlich, als in der Nähe des Ufers zu verbleiben, wo Erdbändiger –
Das Meer erzitterte und Jee fluchte. „Motoren stoppen!"
Dieser Zusammenstoß... war weniger erschütternd. Aber nicht viel weniger.
Iroh richtete sich auf und funkelte über die Reling zu den Felsen, die ihr Schiff festhielten.
„Gesprengt und verkohlt sei dieser General, seit wann können die mit Wasser arbeiten..." Kapitän Jee schäumte neben ihm, Dampf stieg von dem Atem des normalerweise selbstbeherrschten Feuerbändiger. „Suzuran mag nicht nach viel aussehen, aber wir haben gute Hüllen. Die durchschlagen sie nicht auf die Schnelle."
„Aber es wird nicht lange dauern, bis er eine Rampe oder einen Tunnel in diese Richtung beginnt", stimmte Iroh grimmig zu. „Gang ist zu selbstsicher und erlaubt den gröberen seiner Männer ungebührliche Freiheiten, aber er ist kein Narr. Wir müssen uns auf eine Enterung vorbereiten..."
Zuko, Teruko/ Suzuran/ Chamäleon-Bucht/ Erdkönigreich
Stahl und Ketten rasselten und eine halb durchtränkte Asahi kam keuchend über die Reling. Sie kratzte an dem stählernen Deck und funkelte Zuko an.
Dann schüttelte sie sich absichtlich über alles in der Nähe.
„Entschuldigung", seufzte Zuko, eine Hand gehoben, um seine Augen zu schützen, als er den Arm eines Marinesoldaten untersuchte. „Einfacher Bruch", sagte er Teruko, die nicht von seiner Seite wich. „Ich kann jemanden zeigen, wie man es heilt, wenn wir aus dieser Sache heraus sind."
„Machen sie weiter, Rikiya", wies Teruko an. Sie senkte ihre Stimme, als sie sich entfernten. „Wie kommen wir aus dieser Sache heraus, Sir?"
Ich weiß es nicht. Ich habe keine Ahnung. Wir waren so nah dran. Es ist nicht fair...
Seit wann war sein Leben je fair gewesen? Diese Leute brauchten ihn. „Ich arbeite daran."
Zuko sog Luft ein, die nach Meer und Rauch schmeckte und ging zu der Reling, studierte den steinernen Ring unter dem Wasser, der sie einschloss. So fest wie die Mauern von Ba Sing Se, dachte er unwillig, duckte sich aus Gewohnheit, als ein Trebuchet Feuer zum Ufer schleuderte. Seit langem gepaukte Stunden über Geometrie und Flugbahnen sagten ihm, dass es ihm nicht nahe kommen würde, doch wenn genug aufgebrachte Feuerbändiger in der Nähe waren konnte man nie sicher sein. Wunderbar. Also brauchen wir nur ein Jahr um es einzuschlagen oder den verrückten Drill des Mechanikers...
Zuko starrte stirnrunzelnd zum Wasser hinab und kreiste zwei Finger. Er beobachtete wie eine kleine Welle sich wand, genau die gleiche kreisende Bewegung.
Ein Drill dreht sich, um eine gerade Linie zu bohren. Genau wie man versucht, ein Geschoss zum Drehen zu bringen, damit es die Luft durchschneidet...
Mit trockenem Mund schluckte Zuko. Er schaute mit weiten Augen zu Teruko, versuchte nicht zu sehr zu denken, für den Fall, dass sein zerbrechlicher Plan im Wind zu Asche verbrannte. „Haben wir Öl an Bord?"
Toph, Sokka, Aang, Hakoda/ Chamäleon-Bucht/ Erdkönigreich
„Ich könnte – ", fing Aang an.
„Nein!", zischte Sokka, der einen Armvoll sich windenden Luftbändiger festhielt, während sie sich alle sich hinter Tophs verstärkter Mauer duckten. „Du bist verletzt, verdammt noch mal! Das da draußen ist Feuer und ich kann nicht glauben, dass keiner auf Suzuran uns bisher geplättet hat! Und noch mehr – siehst du diese protzige Uniform? Das muss der General sein. In letzter Zeit hatten wir kein Glück mit Generälen."
Toph spürte die Erde unter dem Wasser den ganzen Weg zu Stahl grollen und biss auf ihre Lippen. Sie könnte Suzuran frei brechen. Hier. Jetzt. Auch wenn der ganze Haufen Erdarmee gegen sie arbeitete. Wahrscheinlich.
Das könnte ganz gut für Zuko sein, aber für ihren kleinen Haufen würde es echt mies werden. Denn es war unmöglich, dass der General und seine Kerle nicht bemerken würden, wie sie wie eine Tonne Steine auf ihnen landete und wenn sie sie schnappten würden sie einen guten Blick auf Aang werfen und der Parka vom Wasserstamm, den Sokka ihm über den Kopf gezogen hatte, würde es als Tarnung einfach nicht machen.
Und sie hatte es Zuko gesagt. Wenn alle Ziegeln auf dem Tisch lagen, wollte sie, dass Aang gewann.
Und sie hatte keinen Klumpen im Hals bei dem Wissen, dass Zuko es verstehen würde. Dass, zum Henker, Funkenfresser ihr wahrscheinlich zustimmen würde. Er hatte alles riskiert, um sicherzustellen, dass Aang von Azula und Long Feng weg kam. Ganz bestimmt wollte er nicht, dass ein Abschaum wie General Gang, der einen Waffenstillstand brach, ihn sich schnappte. Kein Klumpen. Überhaupt nicht.
Befreit euch. Schafft es weg von hier. Du bist der Drache des Westens, Onkel. Denke dir was aus.
Und bitte, bitte, lasst das etwas sein, dass nicht noch mehr Schreie hinterließ. Der Gestank von Fleisch, durch dessen Haut sich der Sand gebrannt hatte, ehe er weg gebändigt werden konnte... Toph erschauderte.
„Wie konnte er nur", hauchte Katara mit Verachtung. „All diese Leute..."
Hakoda griff tröstend nach ihrer Schulter. „Ich denke es sieht schlimmer aus, als es ist."
„Sagt der Mann, der nicht versengt wurde", sagte Bato grimmig.
„Ich sage nicht, dass es angenehm ist", sagte Hakoda ernst. „Aber es sieht nicht so aus als ob es Tote gegeben hat." Seine Stimme wurde düster. „In Anbetracht der Situation ist das mehr als sie verdienen."
Sie haben versucht Zuko zu töten.
Toph schluckte, fühlte wieder diese entsetzlichen Momente, als sie versucht hatte Funkenfresser heraus zu ziehen. Aber der Rest der Armee war zu nah gewesen, hatte ihn hinab gequetscht und es hatte sie alles gekostet, um zu verhindern, dass er nicht zu Drachen-Pastete wurde –
Bis er sich dort gewehrt hatte, wo Erdbändiger nicht bändigen konnten, mit Wasser und Feuer. Der Moment, in dem sie gespürt hatte, wie sein Herz gerast war, hatte sie gewusst, dass die Armee fällig war. Aber wie hatte sie sich nicht vorstellen können. Geister.
Onkel hat uns gewarnt. Zuko hat uns gewarnt. Er muss seine Leute retten. Er muss am Leben bleiben.
Er ist damit fertig nett zu sein.
„Ich verstehe es einfach nicht!", stieß Sokka heraus. „Warum? Wir hatten einen Waffenstillstand! Sie waren dabei aufzubrechen!"
„Weil Onkel der Drache des Westens ist", sagte Toph, rang darum, ihre Stimme ruhig zu halten. „Wir haben ihn nie so getroffen. Er ist im Ruhestand. Aber ich habe ein paar Geschichten aufgeschnappt, als ich noch jünger war. Er macht Leuten Angst, Sokka. Er macht Generälen Angst, wie der Feuerlord dir Angst macht. Nur viel, viel schlimmer." Sie schüttelte den Kopf. „Warum glaubst du denn, dass Zuko wollte, dass wir glauben, dass er immer noch hinter Aang her ist? Damit alle sich auf ihn stürzen. Nicht auf Onkel. Onkel ist alles, was Zuko noch hat. Er würde sich für Onkel vor eine Lawine stellen. Er hat zugelassen, dass wir alle ihn hassen, für Onkel." Sie schluckte und zeigte zu einem Herzen, das wie eine Drachen-Fliege flatterte. „Er hat zugelassen, dass du ihn hasst."
Aang schluckte schwer. Er schaute über den von Flammen bestreuten Strand, entschlossen, und hob eine Hand –
Er sog zischend vor Schmerz den Atem ein, rang darum, nicht in Tränen auszubrechen, als Katara ihn hielt. „Diese ganzen Leute..."
„Haben es herausgefordert", sagte Hakoda grimmig. „Ich weiß, es ist nicht der Weg deines Volkes, Aang. Aber wir hatten einen Waffenstillstand mit dem Prinzen und er hat ihn geachtet. Er achtet ihn immer noch. Wir haben schon vorher gesehen, wie diese Feuerbälle landen. Wenn dieses Schiff uns treffen wollte, dann hätten sie das schon längst..." Die Stimme des Häuptlings erstarb. „Das ist nicht gut, oder?"
„Äh... nein." Sokka nagte an der Lippe. „Definitiv nicht gut."
„Was?", verlangte Toph ungeduldig zu wissen. Ehrlich, diese sehenden Leute manchmal – !
„Zuko... schaut in unsere Richtung", sagte Sokka, immer noch zittrig.
„Ja? Und?"
„... Er grinst."
Oh. Oh. Oh, Junge. Toph grinste wie ein Leoparden-Hai. „Rede weiter, Sokka. Ich will alles hören – "
Sie hörte das donnernde Rauschen zuerst. Knistern, Zischen, wie heißes Öl in das Wasser gegeben wurde –
Sie spürte eine seltsame, gegenläufige Brise an ihrer Wange und erkannte genau, was Zuko vorhatte.
„Oh, Mann", flüsterte Sokka.
Brennendes Öl, kochendes Salz, der Geruch schlug mit dem brüllenden Wind gegen Tophs Nase. Es war keine Brise oder einer von Aangs Windstößen. Luft war hier nur ein unschuldiger Zuschauer, der mit einem Schrei in wirbelndes Wasser gesogen wurde, um das Feuer zu nähren, das es wie ein Band aus Messern fesselte.
Wie ein Drill.
Toph spürte, wie er in den Stein um Suzuran biss, knurrend wie eine Tiger-Hyäne, die einen wirklich schlechten Tag hatte. Der Fels wurde nicht gebrochen, er wurde pulverisiert, verbrannt und in den Wellen zu Sand zerschmettert, zu schnell, als dass die verblüfften Erdbändiger der Armee reagieren konnten.
Motoren heulten und mit einer großen Erschütterung spürte sie, wie sich Suzuran losriss.
Katara zitterte wie ein Blatt. „Er... wie... dass kann nicht Zuko sein!"
„Funkenfresser hat trainiert", sagte Toph rau, während ihr Herz noch immer raste. Sie war in der Haltung und bereit ein Erdschild über sie zu rammen auf jedes Zucken des Ufers, das eine heranrasende Welle signalisierte.
Tu es nicht, Funkenfresser. Ich weiß, du bist sauer. Ich weiß, du bist verletzt. Ich weiß, Onkel sagte, dass Drachen Raubtiere sind – und Fleder-Wölfe lassen verletzte Beute nicht entkommen, niemals.
Aber ihr seid auch Menschen, Funkenfresser. Du kannst es. Ich weiß, dass du es kannst...
Wind seufzte und erstarb.
„Er – es ist zerfallen", sagte Sokka wie betäubt. „Er hat es losgelassen... Moment, was macht Iroh da – runter!"
Bato und Hakoda plätteten sie alle.
Toph hörte beinahe das Knistern nicht. Doch sie spürte, wie ihre Nackenhaare sich aufrichteten und schmeckte Ozon –
Der Blitz krachte wie ein sterbender Berg.
Während ihre Ohren klingelten, legte Toph ihre Hände flach auf den Sand. Sie schluckte, als sie Glas spürte, wo der Strand unter dem Zentrum der Armee gewesen war und in der Mitte davon...
„General Gang ist gefallen!"
Iroh, Zuko, Teruko/ Suzuran/ Chamäleon-Bucht/ Erdkönigreich
Es ist getan.
Iroh seufzte und senkte seine Hände. Es brachte ihm keine Freude zu sehen, wie Gang fiel. Keine Freude... aber, ja, eine gewisse grimmige Befriedigung.
Meinen Neffen willst du umbringen, ja? Ich denke nicht.
Jedoch gab es taktisch viel bessere Gründe, den Mann zu auszuschalten. Zukos Kühnheit und Schlauheit hatte ihnen einmal schon die Freiheit gebracht, doch General Gang hätte trotzdem seine Truppen formieren können um sie ein weiteres Mal zu fangen. Und Gang hätte es versucht, verzweifelt, denn Gang war kein Narr. Er hatte vielleicht die Feuernation mit jeder Faser seines Seins verabscheut, doch er hätte gewusst, was er gerade gesehen hatte. Und was für eine große Gefahr es für seine Leute war.
Erde war Stabilität und Tradition. Das Erdkönigreich schreckte davor zurück Veränderungen anzunehmen, auch wenn sie zum Guten waren. Doch das hieß nicht, dass sie sie nicht erkannten... und ihre klügeren Offiziere wussten, dass es Flexibilität und Neuheiten auf dem Schlachtfeld waren, viel mehr als Feuer, das die Truppen der Feuernation so tödlich machten.
Heilung. Heißes Wasser. Brennender Sand. Und jetzt von Feuer umwobene Wasserstrudel, die Stein zerschmettern konnten. Zuko hatte klar gezeigt, dass er bändigen konnte, wie kein anderer Feuerbändiger, den General Gang je gesehen hatte.
Hätte Gang sie ergriffen, keiner auf ihrem Schiff hätte es überlebt.
Doch die Armeen des Erdkönigreichs erbten den Respekt für Tradition von ihrer Nation. Ganz besonders den Respekt für Rang und adelige Geburt. Schnitt man den Kopf ab und, wie die Skorpion-Viper, zappelte der Rest des Körpers nutzlos.
„Onkel..."
„Wir konnten ihnen nicht erlauben uns weiter zu verfolgen", seufzte Iroh. „Und ihr wisst, dass sie nicht aufgehört hätten."
„... Ich weiß."
Und Zuko wirkte bei diesem Wissen wirklich sehr betrübt. Er hat dein Herz, Ursa. Gütig, trotz all der Wut. Agni, gib, dass er es behält. „Er wusste, dass wir unter einem Waffenstillstand hier waren und so schnell wie sein Angriff war, wusste er wahrscheinlich auch wen er angriff", sagte Iroh laut genug, dass die Mannschaft es hörte. „Das bedeutet, dass er sich bewusst Zweien aus Sozins Linie stellte." Er hob die Achseln. „Wenn ein Narr wünscht, Selbstmord zu begehen, ist manchmal die einzige Möglichkeit ihm diesen Gefallen zu erweisen."
Das brachte ihm das Grinsen der Mannschaft ein. Doch Zuko schluckte und sah zur Seite. „Ihr wart im Ruhestand. Es gefiel euch, im Ruhestand zu sein."
„Niemand fügt ungestraft einem meines Klans Schaden zu", sagte Iroh gleichmäßig. „Ich hegte die Hoffnung, dass Heilung ihren Zorn nicht erregen würde... doch ich habe Xius Gegenwart nicht in Betracht gezogen. Sie muss ihnen berichtet haben, wie ihr es getarnt habt. Heißes Wasser zu bändigen..." Er seufzte. „Nun. Es muss genug gewesen sein."
Zuko fuhr zusammen.
Teruko funkelte ihn nicht sehr subtil an.
Iroh blinzelte, ging noch einmal durch, was er gesagt hatte und seufzte. „Sie hätten uns trotzdem angegriffen. Azula hat diesen verwünschten Steckbrief viel zu weit verbreitet – "
„Ich hasse es, wie er zu handeln."
Ah. Jetzt konnte er das Zittern sehen, das verborgen wurde, als Hände feuchte, schwarze Federn besänftigten. Das konnte nicht angenehm gewesen sein, für jemanden, der sich so sehr bemüht hatte, die Angelegenheit friedlich zu Ende zu bringen. „Das habt ihr nicht", sagte Iroh schlicht. „Mein Bruder hätte nie die Option erlaubt, ohne Blutvergießen abzureisen." Was für ein Narr Ozai doch war. „Kommt. Kümmern wir uns um unsere Verwundeten."
Zuko zitterte wieder, subtil. Er holte tief Atem und straffte sich. „Leutnant. Wer ist am schlimmsten dran?"
Sokka, Hakoda/ Chamäleon-Bucht/ Erdkönigreich
„Wie konnten sie sie nur entkommen lassen – !"
Erschüttert und benommen und wütend zur gleichen Zeit stand Sokka ein paar Schritt entfernt, wo sein Papa Oberst Mohe die Stirn bot und versuchte diesen Morgen zu verstehen.
Iroh hat den General getötet. Iroh. Aber er war doch immer... und was Zuko zu Katara gesagt hat... die ganze Flotte verbrennen? Zhao hätte das gemacht, sicher, aber Zuko ist nicht...
Sokka senkte den Kopf und atmete tief durch. Dann unterdrückte er ein hysterisches Gelächter, als ihm aufging, wessen Rat er befolgte.
Er hat es uns gesagt. Er hat uns gesagt, dass wir nicht wissen... dass er nie versucht hat uns zu töten...
Und es sah so aus, als ob Zuko nicht gelogen hatte. Wieder mal.
Und das ist einfach falsch. So falsch, wie kommt es, dass der Kerl, der – der versucht hat uns gefangen zu nehmen nie lügt und Aang schon...
Seine Gedanken gingen im Kreis und Sokka zwang sich dazu, sich auf die wichtigen Dinge zu konzentrierten. Katara war bei den Verwunderten, denen sie immer noch helfen konnte, behandelte Verbrennungen. Toph hatte Aang und Momo außer Sicht halb in einem kleinen Unterschlupf aus Sandstein begraben und war bereit mit aller Kraft das kleine, verängstigte, blinde Mädchen zu spielen, sollten sie entdeckt werden. Und Appa war hinter ein paar Dünen verborgen, über die die Armee noch nicht getrampelt war. Das sollte ihn für den Moment verstecken, außer die Sache wurde noch schlimmer.
Ja. Und warum sollte das nicht passieren?, zeigte die sarkastische Stimme in seinem Kopf auf.
Du, Klappe, sagte Sokka sich selbst. Ich habe schon genug Probleme.
Probleme wie den wütenden Erdbändiger-Offizier vor Hakoda, der sich gerade noch davor bremste dem Häuptling des Wasserstammes gegen die Brust zu stupsen.
Unbeeindruckt beäugte Hakoda den Oberst. „Sie haben Erde geschleudert und sie Feuer und ich hatte verletzte Kinder, die ich aus dem Kampf halten musste. Was genau haben sie erwartet, dass wir tun sollten?"
„Jedenfalls nicht Mörder davonsegeln zu lassen – !"
„Oberst Mohe." Hakodas Stimme war ruhig, aber da war etwas in seinen Augen, das Sokka schon gesehen hatte. Direkt bevor Feuerbändiger in ihr Dorf gestürmt waren. Hart und gefährlich, wie ein gezogenes Schwert. „Könnten sie mir sagen, warum ihr General unser Lager angegriffen hat, obwohl Sergeant Huizhon wusste, dass hier ein Waffenstillstand herrschte?"
„Ein Waffenstillstand?", stotterte der Oberst. „Sie hatten tatsächlich vor, den zu halten? Mit der Feuernation?"
„Ich denke, ich verstehe, woher meine Tochter diese Haltung aufgeschnappt hat", sagte Hakoda trocken. „Nicht mit der Feuernation. Mit diesem Schiff. Prinz Zuko mag so tödlich wie jeder von ihnen sein, doch er hat mir nie einen Grund gegeben, sein Wort anzuzweifeln."
„Prinz Zuko?" Die Lippe des Oberst kräuselte sich. „Als ob dieses verstoßene Balg die Autorität hat irgendwas auszuhandeln!"
„Der Kapitän des Schiffes schien es zu glauben", sagte Hakoda sachlich.
„Hah!" Oberst Mohe grinste gemein. „Dann waren sie wohl genauso lang auf dem Wasser wie ihr! Völlig absurd." Ein Schnauben. „Sind dann gute Neuigkeiten. Wenn sie die Wahrheit herausfinden, werden sie ihn für uns umbringen."
„Wahrheit?", sagte Hakoda argwöhnisch.
„Haben sie es nicht gehört? Alle haben sich seit Jahren gefragt, warum der Balg verbannt wurde... Der Feuerlord selbst hat den Jungen verbrannt und verstoßen! Die Gerüchte über diese Frau, die er geheiratet hat, sind dann wohl nur zu wahr... warum sonst sollte eine Prinzessin verschwinden, wenn sie nicht beschämt wären, dass es sie überhaupt gegeben hat? Dieser Bastard hat nicht mehr Recht auf adeliges Blut als irgendeines ihrer verdammten Komodo-Rhinos!"
Sokka schluckte, die Welt um ihm herum erbebte. Er hörte Xiu, gerade einen Tag her. „Irgend so ein Bastard von einem Feuerbändiger hat seine Faust in Lees Gesicht gesteckt..."
Sein Vater. Zukos Vater hat das getan... Sokka packte seinen Kopf, es war als ob sein Hirn explodieren wollte. Väter machten so was nicht!
Und Schwestern versuchen nicht einen umzubringen. Oh, Mann...
Ein Falke schrie über ihren Köpfen und etwas kleines, hartes und glücklicherweise leichtes prallte gegen seinen Schädel.
Selbstgefällig kreiste der Botenfalke mit leeren Klauen und flog wieder zum Meer hinaus.
Sokka rieb seinen Kopf und beäugte den Vogel für einen möglichen Bumerangwurf. Er entschied, dass es den Aufwand nicht wert war und hob den kleinen rot und schwarz lackierten Zylinder auf. Der musste irgendwie zu öffnen sein... oh. Zusammengeschraubt. Nett. Und darin –
Sokka las das Papierstück und schluckte hart. „Papa?"
Stirnrunzelnd las Hakoda die Botschaft. Und erstarrte.
Sokka zuckte, der beißende Text noch frisch in seinen Gedanken.
Häuptling Hakoda. Es ermüdet mich, zuzusehen, wie man versucht, meinen Neffen zu töten.
Und, ja. Dies dürfen sie sehr wohl als Drohung auffassen.
Huojin, Lu-shan, Yakume/ Wachstation/ Ba Sing Se
„Ich glaube nicht, dass ich mich je daran gewöhne, die zu sehen", grummelte Huojin, während er den scharlachroten Flecken eines Botenfalken über Ba Sing Se kreisen sah.
Neben ihm, nahe bei der Kante des Daches, saß Kapitän Lu-shan und schnaubte. Normalerweise, wusste Huojin, erhellte das stärker werdende Sonnenlicht am Ende einer Schicht die Stimmung des Kapitäns. Heute... nicht so sehr.
„Ich denke ständig, dass ich gleich aufwache und herausfinde, dass ich eingelegte Käfer zum Abendessen hatte", sagte Lu-shan betrübt. Er schüttelte den Kopf. „Oma und Shu. Eine Jugendliche hat Ba Sing Se erobert? Egal ob sie aus Sozins verfluchtem Haus ist – "
„Es ist nicht egal, Sir", unterbrach ihn Huojin. „So hat sie es angestellt. Wie sie die Dai Li hält. Sie ist... sie sind nicht wie andere Feuerbändiger. Sie brennen. Und es zieht Leute an. Ganz besonders solche, die diesen Killerinstinkt haben. Wie Feuerbändiger... und wie die Dai Li." Er warf seinem plötzlich vorsichtigen Kapitän einen Blick zu. „Habe ich gehört."
„Sicher", sagte Lu-shan schließlich. „Huojin. Warum haben sie sie nicht gemeldet? Und sagen sie mir nicht, dass es wegen dem Avatar war", fügte der Kapitän trocken hinzu. „Sie haben lange genug auf den Straßen gearbeitet, dass ein bändigendes Kind sie nicht so aus der Spur werfen könnte."
„Vielleicht nicht", gab Huojin zu. „Kapitän. Wir kennen beide die Straßen. Und wir wissen, dass es Abschaum gibt und ehrliche Bürger und das war es meistens auch schon. Und nach allem, was ich über Ozai und Azula gehört habe... ja. Die sind Abschaum." Er seufzte. „Aber wir wissen beide auch, dass selbst in einer Familie von Bürgern manchmal jemand auf die schiefe Bahn gerät. Und es gibt nichts, was irgendwer dagegen machen kann." Er spähte zu Lu-shan. „Und manchmal, nur manchmal... sogar in einer Familie von Gaunern wird ein Kind manchmal aufrichtig."
Lu-shan ließ sich das einen Moment lang durchgehen und schüttelte den Kopf. „Der Drache des Westens."
„Ist ein verflucht gruseliger Kerl, wenn sein Neffe in Schwierigkeiten ist", gab Huojin zu. „Davon abgesehen? Er ist im Ruhestand. Ich habe Männer wie ihn von der Mauer kommen sehen. Sie kennen auch eine ganze Menge von ihnen. Soldaten die einfach genug Tod gesehen haben. Sie kämpfen, wenn es sein muss, aber... Geister, er war glücklich, als Amaya seinen Neffen unterrichtet hat. So stolz wie ein Vater. Das kann man nicht vortäuschen."
„Hmm." Der Kapitän hörte sich nicht überzeugt an. „Sie haben ihre Karriere – und das Missfallen des Avatars, und das des Dai Li – riskiert, weil sie glauben, dass Prinz Zuko ein guter Junge sein könnte. Der Feuerprinz?"
Huojin zuckte die Schultern. „Kann mir keinen besseren Grund vorstellen, es zu riskieren, Sir."
Kapitän Lu-shan rieb an seinen Kopfschmerzen. „Ich kenne sie nicht im geringsten, oder?"
„Was? Sir, natürlich kennen – "
Scharlachrote Federn stießen herab.
„... Äh." Huojin schaute zu dem Falken, der auf seinem arglosen Handgelenk hockte, die gelben Augen glitzerten. Schaute dann zu dem Kapitän. „Ich habe diesen Vogel noch nie im Leben gesehen?"
Lu-shan zog eine Augenbraue hoch, belustigt und vorsichtig zugleich. „Ist wahrscheinlich für jemanden drinnen."
„Ja, wahrscheinlich", sagte Huojin sachlich und holte vorsichtig die dünne Rolle Papier aus dem Zylinder auf dem Rücken des Falken. Er beobachtete argwöhnisch den gefährlichen, gekrümmten Schnabel... doch der Vogel schien genauso amüsiert wie der Kapitän.
„Huojin." Lu-shans Stimme war leise, erreichte ihn gerade, als er dabei war, das feine Papier aufzurollen. „Sie haben ein ganzes Leben hier."
Ich weiß. Geister, ich weiß es. „Kapitän." Huojin musste schlucken, ehe er fortfahren konnte. „Luli und ich... wir haben darüber gesprochen. Oft. Amaya ist in Schwierigkeiten. Ich weiß nicht... ich glaube, sie verstehen nicht, wie groß die sind. Azula ist im Palast. Sie weiß vom Erdkönig und wer seinen verrückten Bären behandelt. Sie weiß, dass Amaya Lee ausgebildet hat." Er schluckte wieder, sein Hals war trocken. „Sie wird jeden Ring umdrehen, jede Straße, jeden Stein, um sie zu finden. Amaya muss aus Ba Sing Se raus."
Lu-shan seufzte. „Es ist ihr Hals." Er hielt inne. „Und der ihrer Familie."
Ich weiß. Huojin holte tief Luft und rollte den Streifen auf.
Hey, Regenschirm. Wir kommen.
Es war nicht unterzeichnet. Da war nur dieses kunstvoll fließende Symbol, das Amaya ihn beigebracht hatte, das Wasser bedeutete, in einer braunen Farbe, die nicht zu dem Rest der Tinte passte –
Das ist keine Tinte.
Er hielt die Nase ans Papier und fing einen schwachen Hauch von kalten Rauch auf.
Lee, der ein Wassersymbol ins Papier brennt. Darauf muss man erst kommen, dachte Huojin amüsiert. Oh Geister, sie leben. Sie leben und sie sind auf den Weg hierher –
Schritte ertönten. Huojin ließ die Botschaft mit einer Schnelligkeit in seinem Ärmel verschwinden, die er erworben hatte, als er gelernt hatte junge Taschendiebe auszutricksen. Er richtete einen unschuldigen Blick auf Meister Sergeant Yakume.
„Wir hatten keinen Falken erwartet", sagte der Soldat der Feuernation trocken. Er hielt einen Arm hin, auf den der Vogel hüpfte und überprüfte effizient den Zylinder. „Keine Botschaft – ? Oh, Agni. Suzuran."
Hä? Blinzelnd betrachtete Huojin noch einmal das Geschirr des Falken, folgte dem, was nach subtilen Ornamenten ausgesehen hatte. Es war Jahrzehnte her, doch die Schrift der Hofsprache war nicht wie normale Schrift. Es waren nur einhundert Symbole, die leicht genug waren, dass sich selbst ein Kind daran erinnerte.
FNS Suzuran.
„Ich nehme an, Suzuran ist jemand, den sie nicht leiden können?", sagte Kapitän Lu-shan trocken.
„Kein jemand, Kapitän. Suzuran ist ein Schiff", sagte Yakume höflich. „Ein Versorgungsschiff um genau zu sein. Bemannt mit – " Er verzog das Gesicht. „Nun. Ich bin sicher, sie machen im Hafen nicht mehr Schwierigkeiten als jede andere see-verrückte Mannschaft. Sie sind nicht kriminell, nur... Mist bauende Holzköpfe." Er nickte zu dem Falken. „Wie man sieht."
„Die Armee kennt sich mit Versorgungsschiffen aus?", wagte Huojin zu fragen.
„Wir haben ein persönliches Interesse an ihnen", sagte Yakume sardonisch. „Aber wie es so spielt, weiß ich eine ganze Menge über dieses Schiff. Der Kapitän hatte die zweifelhafte Ehre den Avatar länger als jeder andere Offizier, von General Iroh und Prinz Zuko selbst abgesehen, verfolgt zu haben. Die Katastrophe mit diesem Meeresgeist am Nordpol eingeschlossen." Er lächelte schief. „Ein kluger Mann behält ein Auge auf Leute mit derartigem Glück."
„Was sie nicht sagen", grummelte Huojin als er seinen Hals rieb.
„Der Tsukumogami", nickte Yakume, nach einem Moment des Nachdenkens. „Wie genau hat der Prinz ihn von ihnen herunter bekommen, ohne sich Preis zu geben?"
„Was, sie glauben, dass er ihn nicht einfach herunter gerissen hat?", sagte Huojin misstrauisch.
„Das hätte er tatsächlich tun können", erwiderte Yakume. Seine goldenen Augen waren unnachgiebig. „Ich war mit dem Drachen des Westens auf Kriegszug, vor Jahren. Ich habe gewisse... innere Anwendungen des Chis gesehen, die einem Feuerbändiger erlauben, es körperlich mit einem Geist aufzunehmen. Ich habe noch nie von einem anderen Bändigungsstil gehört, der dazu fähig ist. Selbst eure Dai Li benutzen Eisen. Es kann nicht gebändigt werden, was, wie ich denke, einen Geist daran hindert es gegen sie zu kehren, doch es gehört zu Erde und trägt ihr Chi. Chi hält einen Geist auf. Fleisch und Knochen – und selbst Stahl, Agni wache über unsere Verlorenen – können das nicht." Er schaute zu ihnen beiden. „Also. Wie?"
Soll ich's ihm sagen, oder nicht... ach, zum Henker, hauen wir ihn um. „Heißes Wasser", sagte Huojin offen. Er spürte Lu-shans Augen auf sich ruhen.
Yakume starrte ihn an.
„Ich bekomme das Gefühl, dass es wirklich so sonderbar ist wie Mushi – äh, tschuldigung, General Iroh – sagte", sagte Huojin verwirrt. „Hat das den noch nie jemand probiert?"
„Wenn ja, dann hätten sie es gewiss nicht in Sicht eines Großteils des Erdkönigreichs getan", sagte Yakume spitz. „Eure Armeen haben eine einhundert Jahre alte Tradition Feuerbändiger, die eigene Techniken zeigen, zu eliminieren. Und wenn sie dafür einen ganzen Haushalt mit Sprenggummi auslöschen müssen."
Huojin schrak auf. Aber der Kapitän...
Kapitän Lu-shan sah nicht überrascht aus. Und das... schmerzte.
Und doch, da lag etwas merkwürdiges in der Art, wie Yakume das gesagt hatte. Als ob jemand es schon einmal versucht hat, dachte Huojin. Aber wenn das stimmte, warum war Iroh so überrascht gewesen?
Mehr noch, warum redete Yakume überhaupt so mit ihnen? Für einen Kerl, der behauptete, dass er Leute vom Erdkönigreich nicht leiden konnte, verhielt er sich nicht so, als ob er lieber woanders sein wollte –
Gold traf auf aus Wasser gebändigtes Grün und Huojin versuchte nicht zu schwitzen. „Äh... wo bringen sie diesen Falken hin?"
„Ich füttere ihn, Wache Huojin", sagte Yakume trocken. „Und dann wird Kapitän Jee ein paar Worte über sorglosen Gebrauch von Militärgütern zuhören bekommen."
Mit hoch gehaltenen Kopf schritt er außer Sicht.
„Das war... komisch", sagte Kapitän Lu-shan leise.
Und viel zu leicht, wusste Huojin. Und doch konnte er nicht anders, er schmunzelte.
Lu-shan schaute noch mal zu ihm und schob sich zurück. „Nein", protestierte er.
Huojin grinste.
„Nein", wiederholte Lu-shan ungläubig. „Unmöglich. Er ist... Oma und Shu, er ist ein Jugendlicher. Das kann er nicht geschafft haben."
Huojin unterdrückte ein Kichern. „Kapitän. Haben sie sich nie gefragt, wie der Avatar seinen Bison zurückbekommen hat?" Er lehnte sich etwas zurück und grinste schief. „Er war unten im Hauptquartier des Dai Li eingesperrt."
„Im Hauptquartier des..." Lu-shan stöhnte.
„Bis Lee den Blinden Banditen aufgestöbert hat", sagte Huojin, jetzt wieder ernster. „Denken sie immer noch, ich hätte sie melden sollen?"
Lu-shan vergrub das Gesicht in seinen Händen.
Ein Schiff. Huojin holte tief Luft, Freude formte eine in den Farben des Regenbogens schillernde Blase in ihm. Oh, Agni. Bursche, wie hast du das nur hingekriegt?
Ein Schiff gegen die ganze Macht der Feuernation. Nicht genug, um Ba Sing Se zurückzuerobern, nicht annähernd genug...
Doch er konnte das Meer im Wind riechen. Und er schmeckte nach Freiheit.
Autor-Notiz: Aang tut mir wirklich leid. Hört ihr wie diese ganzen Podeste zu Bruch gehen? Er ist eine sanfte Seele, die in ein Kloster gehört, in dem alle friedlich und gütig sind. Aber die Welt ist einfach nicht so.
Und wenn Zuko sich etwas abkühlt, wird Aang ihm wahrscheinlich auch leid tun. Und das ist etwas völlig anderes, als zu bedauern was er getan hat.
Ja, die Feuernation dachte, dass sie Gründe für den Krieg der Eroberung hatte. Das macht ihn nicht richtig. Es hat Zuko eine Weile gedauert, um das zusammenzusetzen. Ihm wurde sein ganzes Leben lang beigebracht, dass die Feuernation vorbehaltlos die Guten sind und so tief gehende Glaubenssätze zu ändern braucht Zeit, auch wenn greifbare Beweise für das Gegenteil vor einem liegen. Er und Iroh wollen die Gaang nur dazu bringen, zu erkennen, dass es Gründe für den Krieg gegeben hat. Der fing nicht einfach an, nur weil die Feuernation als Ganzes machthungrig ist. Es gibt keine Entschuldigungen für das, was mit den Luftnomaden passiert ist und mit der Welt. Aber es gibt Gründe.
Eine Anmerkung über die von den Geistern berührten und Liebe zu finden. Bedenkt man die Herkunft der Feuernation, sind sie alle ein wenig berührt. Das ist ein Grund, weshalb Meixiang sich so sehr in Tingzhe verliebt hat, obwohl er die gleiche mondlose Nacht überlebt hat wie Shirong. Also sind Zuko und Iroh als Frauenmagnete völlig akzeptabel... für andere Mädchen der Feuernation. Natürlich heißt das, dass die anderen Nationen generell die Feuernation etwas... unheimlich finden. Und das hilft den Friedensbemühungen nicht im geringsten.
Was die Fingernägel angeht: Leute tendieren dazu 'normal' nach sich selbst einzuschätzen. Wenn Zuko daran gewohnt ist, Felswände mit bloßen Händen zu erklettern (etwas, das wir im Kanon sehen), jede geringere Stärke würde als 'zerbrechlich' angesehen.
Schließlich, Katara. Wenn man alle kulturellen Verwirrungen außer Acht lässt... unterschätzt nie, niemals, die Wirkung, die der Verlust einer Mutter auf ein Kind hat. Zuko hatte da tatsächlich mehr Glück als Katara im Kanon: er war älter und er glaubt, dass es eine Chance gibt, dass seine Mutter lebt. Es wird stark impliziert, dass Katara den Mord an ihrer Mutter mit angesehen hat. Und danach, Sokka zufolge, wird sie die Mutter des Haushalts, die sich um alle kümmert, immer die Optimistin ist. Das heißt, sie hat die ganze Trauer und Wut begraben um zu arbeiten... und das ist sehr sehr schlecht.
In gewisser Weise sind Zukos brennende Wutanfälle durch die ersten zwei Staffeln viel gesünder. Er ist auf die Welt sauer. Das ist vielleicht nicht gesund, aber es ist ehrlich. Und so lange man ehrlich zu sich selbst ist, hat man eine Chance um anzuhalten und das eigene Verhalten zu überdenken und zu ändern.
Katara ist nicht ehrlich. Katara ist Lieblichkeit und Zuversicht und 'wir helfen Aang die Welt zu retten!' Bis ihr etwas begegnet, das ihr nicht gefällt und an diesem Punkt bricht das Zuckerpüppchen auf und eine ganze Menge Gehässigkeit quillt heraus.
In Ich könnte alles tun, wenn ich nur wüsste, was ich will beschreibt Barbara Sher das Wüten gegen das Gewöhnliche. Wüter (rager) sind charismatisch, oft talentiert, oft Genies. Sie arbeiten hart, sie sind vielleicht gut in dem was sie tun – aber sie wollen die absolut Besten sein. Ohne von ganz Unten anfangen zu müssen. Oder mit der gewöhnlichen Drecksarbeit zu tun haben, die der Rest von uns als gegeben hinnimmt. Sie bezaubern die Leute um sich herum, ihre Probleme für sie zu lösen, wieder und wieder. Und sie haben immer Probleme. Denn als sie jung waren, wurden sie von der Welt schrecklich betrogen – und sie wollen gerettet werden. Mehr als alles in der Welt. Kataras zentrale, motivierende Idee – der Avatar wird zurückkehren – passt Punkt für Punkt zu dem Profil eines Wüters. 1) Ihre Fantasie benötigt die Handlung eines Außenseiters, um wahr zu werden. 2) Das Ende ist eine Rettung oder Belohnung, die nur für besondere Leute ist. 3) Sie wird als etwas besonderes 'entdeckt' werden (die Letzte Wasserbändigerin des Südens). 4) Ihr Leben ist ohne dieses glückliche Ende sinnlos.
Das kann berichtigt werden. Wüter können lernen die Wurzel ihrer Probleme zu finden und darüber hinweg zu kommen. Aber dafür braucht es harte Arbeit, Selbstbeobachtung und das Eingeständnis, dass das Kleinkind in einem etwas will, dass es niemals haben kann. Katara kann sich daraus befreien – wenn sie wirklich, wirklich auf ihre Freunde und Familie hört und erkennt, dass sie sich verzweifelt danach sehnt, dass jemand alles wieder in Ordnung bringt. Um das kleine Mädchen zu retten, das seine Mutter zu bald verloren hat und zu schnell erwachsen wurde.
Nur im Kanon haben sie sie mit Aang zusammengebracht und der will bemuttert werden und Entschuldigungen haben, unverantwortlich zu sein.
(Einschub: Autor schlägt Kopf gegen die Wand.)
… Oh, ja. Diese Beziehung wird ein so gutes Ende nehmen. Da nehme ich lieber meine Chancen mit Azula.
Da manche Leute gefragt haben... das hier ist nur eine bruchstückhafte Bibliographie. Ich habe eine ganze Menge durchs Lesen in meinem Kopf gespeichert... Nun, ich lese alles, was ich in die Finger bekommen kann.
Meditations on Violence von Rory Miller. Wenn ihr nur ein Buch auf dieser Liste lesen wollt, dann nehmt dieses hier. Es wird euch sagen, warum es eine Lücke – oder eher einen gähnenden Abgrund – zwischen Zuko und Aangs Sichtweise auf die Realität gibt. Spiritualität und Gewalt sind nicht inkompatibel. Viele Mönche in Japan waren ehemalige bushi. Die Art wie Kanon die Lufttempel darstellt, fehlt ihnen das... und das führt zu einem großen Unterschied.
Deep Survival von Laurence Gonzales.
Ainu: Spirits of a Northern People von William W. Fitzhugh und Chisato O. Dubreuil.
The Conquest of Ainu Lands: Ecology and Culture in Japanese Expansion, 1590-1800 von Brett L. Walker.
Ich lege das hier jedem ans Herz der, einen Blick darauf werfen will, wie Wasserstamm/Feuernation realistisch interagieren könnten, ohne dass es Wasserbändiger gibt, die die Feuerkraft ausgleichen.
China's golden age: everyday life in the Tang dynasty von Charles Benn.
Early Modern Japan von Conrad D. Totman.
Green Archipelago: Forestry In Pre-Industrial Japan (Ecology & History) von Conrad Totman und Jr. James L.A. Webb.
Ninja AD 1460-1650 (Warrior) von Stephen Turnbull. (möglicherweise ist das die Übersetzung: Ninja: Die wahre Geschichte der geheimnisvollen japanischen Schattenkrieger)
The Samurai Invasion of Korea 1592-98 von Stephen Turnbull.
Und viele andere seiner Bücher.
What Cops Know und Pure Cop von Connie Fletcher.
The Gift of Fear: Survival Signals That Protect Us from Violence von Gavin de Becker. (Übersetzung: Mut zur Angst. Wie Intuition uns vor Gewalt schützt)
On Combat, The Psychology and Physiology of Deadly Conflict in War and in Peace von Dave Grossman.
The Anatomy of Motive von John Douglas und Mark Olshaker.
Wetlands von William J. Mitsch und James G. Gosselink.
www. siencedaily. com (Zwischenräume herausnehmen) ist immer für Inspiration gut.
In der englischen Wiki unter 'Tupilaq' und 'Each usige' nachschauen.
Für alle, die glauben, dass Geister freundlich sind. Ähm, nein.
Übersetzer-Notiz: Zur Bibliographie muss ich sagen, dass ich nicht alle Bücher genau nachgeschaut habe. Eines der wenigen, zu dem ich eine deutsche Übersetzung gefunden habe ist das erste, das Vathara erwähnt. Dazu muss ich noch erwähnen, dass ich es nicht gelesen habe und ich mir ziemlich sicher bin, dass ich den Terminus 'rager' mit 'Wüter' falsch übersetzt habe. Zu den anderen Büchern habe ich kaum deutsche Übersetzungen gefunden.
