Kapitel 31:
Jee, Zuko, Sadao/ Suzuran/ Westlicher See/ Erdkönigreich
Kurs gesetzt, die Hülle ist stabil. Agni sei Dank dass sie keine Zeit hatten uns ein Leck zu schlagen, dachte Kapitän Jee, als er auf dem Weg zum Hauptdeck hinab war. Die Mannschaft scheint sich zu behaupten, auch wenn sie ein bisschen nervös sind, dass wir zwei Prinzen an Bord haben.
Er konnte es ihnen nicht verübeln. Es war eine Sache, von der Macht der Blutlinie des Feuerlords in den Geschichtsrollen zu lesen. Aber es war etwas völlig anderes es zu sehen. Und über schlichtes Feuer hinaus, was Prinz Zuko getan hatte...
Doch in gewisser Weise war das, was er jetzt vorhatte noch nervenaufreibender.
„Es ist ein Druck", sagte der Prinz, wenigstens schon zum dritten Mal, so wie es sich anhörte. Iroh hielt sich im Hintergrund, für den Moment, und schaute zu. „Ihr müsst das Feuer dazu bringen mehr zu sein als es ist. Nicht intensiver. Nicht heißer. Anders. Wie Eis das schmilzt."
Nach den zweifelnden Blicken zu urteilen verstand der Rest der Feuerbändiger des Schiffes nicht besser als Jee. Doch die Art wie Leutnant Teruko ihre Lippe kaute sah vielversprechend aus und...
Jee hielt inne, beäugte den überraschten Gesichtsausdruck des allerletzten Feuerbändigers, den er jemals auch nur in der Nähe einer Heilungsübung zu finden erwartet hatte. „Leutnant Sadao?"
„Es... hört sich irgendwie wie Glas an, Sir", sagte Sadao zögernd. „Wenn es kalt ist, zerbricht es leicht. Aber wenn es heiß ist... es ist anders. Man kann damit arbeiten." Er brach unzufrieden ab. „Ich drücke das nicht richtig aus..."
„Kommen sie hier herüber", sagte Zuko abrupt. „Denken sie nicht nach. Folgen sie mir einfach. Ich fange sie auf, sollte etwas schiefgehen."
„Sollte etwas schiefgehen?", sagte jemand zweifelnd.
„Ein Wasserbändiger ist auf den Rhythmus der Gezeiten angewiesen und ist sicher", erklärte Iroh. „Wir sind auf den Rhythmus unserer Herzen angewiesen. Und das ist... nicht sicher. Wenn man zu fest zugreift..." Er hob etwas die Schultern. „Wir sind Kinder des Feuers. Agni schenkt uns viel, doch sicher ist keines seiner Geschenke." Er nickte Sadao zu. „Tatsächlich, Leutnant, ich schlage vor, dass sie den Versuch unternehmen. Das Heilende Feuer ist ein Äußeres Feuer, kein Inneres. Sie, mehr als viele von uns könnten sich für diese Technik gut eignen."
Sadao schluckte sichtlich. Aber er trat zu dem Prinzen bei der Tonne mit Feuer, seine Hände zitterten nur leicht.
„Keine Sorge. Dafür brauchen sie nicht ruhig zu sein", sagte Zuko sachlich. „Es könnte sogar besser sein, wenn sie das nicht sind. Das ist viel mehr wie ein Kampf als sie sich vorstellen."
„Ein Kampf?" Sadao wurde munterer. „Aber es ist Heilung."
„Haben sie je erlebt, wie ein Heiler sie ans Bett gefesselt, sie nieder gestarrt und ihnen Schmerzmittel hinein gestopft hat um an ihnen zu arbeiten?", sagte Zuko trocken. „Heiler müssen nicht nett sein. Sie müssen nur nachdenken." Seine Stimme wurde sanfter. „Aber jetzt müssen wir nicht nachdenken. Wir müssen nur den Rhythmus finden. Wir und das Feuer." Er senkte seine Hände, holte Luft. „Folgen sie mir."
Oh, gute Arbeit, General, dachte Jee und warf einen kurzen Blick in Irohs Richtung als der Prinz mit dem Feuer spielte. Gleichmäßig, bewusst langsam, sein Atem erfüllte jede Bewegung, als Zuko einen Flammenball heraus zog und ihn veränderte. Ich weiß nicht, was sie getan haben, aber sie haben endlich Geduld in den Kopf des jungen Mannes gehämmert. Agni, wir haben vielleicht doch eine Chance...
Jees Mund klappte auf, als grüne Funken wie fallende Sterne in Sadaos Flamme aufloderten.
Der Leutnant seufzte, schaute zitternde, leere Hände an. „... ich habe es verloren."
„Das ist in Ordnung." Ein Lächeln war auf Zukos Gesicht. Es war schwach aber vorhanden. „Das ist absolut in Ordnung. Ich habe wochenlang damit gerungen, bis ich es in den Griff bekam, auch mit Onkels Hilfe – sie haben es geschafft, Leutnant."
Ich habe nie daran gezweifelt.
Jee konnte es hören, so klar als ob der Prinz es ausgesprochen hätte. Er konnte in der plötzlichen, ernsten Entschlossenheit in den Augen des Leutnants sehen wie diese stillen Worte auf Sadao wirkten. Und sich ausbreiteten, jedes lauschendes Mitglied der Mannschaft mit dem Eindruck von anerkannter Ehre berührten.
Iroh war an seine Seite zurück gedriftet und Jee schüttelte den Kopf. „Wie macht er das, Sir?", murmelte Jee. „Ich habe seit Monaten an Sadao gearbeitet..."
„Aber im klassischen Stil, der, wie wir jetzt wissen, jener der Bergklans ist und sich auf das Innere Feuer konzentriert", murmelte Iroh zurück. „Während mein Neffe – und es sieht so aus, auch Sadao – mehr im Äußeren Feuer bewandert sind." Er lachte leise. „Ich komme mir wie ein ausgemacht sturer, alter Narr vor. Es war die ganze Zeit unter meiner Nase. Ich kann nicht zählen wie oft er andere Feuer gebändigt hat. Doch das ist nicht der Tenor unseres Stils, also dachte ich mir nichts dabei..." Er seufzte. „Ich habe eine Welle gezwungen, die Stelle eines Berges einzunehmen. Das Wunder ist nicht, dass er so oft versagte, sondern, dass er so viel Erfolg hatte."
„Es ist mehr als das", gestand Jee. „Sir, Teruko glaubt..."
„Ich weiß sehr gut, was sie glaubt", sagte Iroh trocken. „Bedenkt man, dass Avatar Aang berichtet Kuzons Drachengefährten Shidan zu kennen, ist das was sie glaubt nicht unmöglich." Der General wirkte nachdenklich. „Doch mein Neffe hat etwas kostbareres als Drachenblut. Er hat eine Aufgabe, die eines Prinzen unseres Volkes würdig ist und die Entschlossenheit, sie auszuführen." In Irohs Lächeln stand stiller Stolz. „Er hat Hoffnung, Kapitän. Er weiß um die Widrigkeiten, die uns bevorstehen, er kennt unsere Not – und doch hat er sich gegen Geister, Azula und den Avatar selbst behauptet. Und er ist noch immer hier."
„Hoffnung", wiederholte Jee leise. Er dachte an Nara und eine Katastrophe und eine geliebte Berührung, die er nie wieder spüren würde.
„Es schmerzt, wieder zu hoffen", stimmte Iroh zu. „Doch ich verspreche ihnen, Kapitän – wir werden mehr Verbündete haben, als sie bisher wissen. An den unwahrscheinlichsten aller Orte."
Jee warf ihm einen schiefen Blick zu. „Was für Verbündete?"
Mit lachenden Augen zeigte Iroh nach Westen, wo ein Halbmond blass am Morgenhimmel hing.
Jee schluckte. „Aber... wir sind..."
„Die Kinder ihres Bruders und einem loyal, der sie respektiert und ehrt", sagte Iroh schlicht. „Er verehrt sie nicht, doch seine Liebe ist stark... Die Wasserstämme glauben, dass Wasserbändiger gesegnet sind, Kapitän. Sollen die Geister der Welt die Feuernation hassen. Tui hat ihre Hände gehoben um uns zu beschirmen." Er nickte ein Mal. „Wir sind Seeleute. Folgen wir dieser Welle wohin sie uns trägt."
Sadao, Zuko/ Suzuran/ Westlicher See/ Erdkönigreich
Atme. Ruhig... atmen. Sadao klammerte sich an die Reling des Aussichtsdecks, zutiefst dankbar, dass der Kapitän jeden, der das Feuerheilen versucht hatte, befohlen hatte ein paar Stunden frei zu nehmen. Zu versuchen Feuer zu bändigen wie niemand es bändigen sollte hatte Kopfschmerzen und schlechte Laune durch die Mannschaft gestreut und der Kapitän wollte, dass sie sich wieder fingen, ehe noch etwas schiefgehen konnte.
Sadao hatte keine Kopfschmerzen. Aber er wollte trotzdem noch nicht wieder auf Wache sein. Er fühlte sich... unwohl. Und er hatte Angst.
Das ist nichts Neues.
„Kapitän Jee sagte, dass sie hier oben sein würden."
Sadao fuhr zusammen. Er bewegt sich wie ein Geist! „Sir – "
„Rühren", sagte Prinz Zuko leise. „Darf ich mich zu ihnen gesellen? Im Archiv ist es staubig."
„Na-natürlich." Sadao schluckte, sein Blick fiel nach unten, als der Prinz nach der Reling griff. Wenn das Geflüster stimmte, brauchte es nur ein Schnipsen eines schärfenden Steins und diese Nägel könnten seinen Hals aufschlitzen...
Natürlich übertrieben Gerüchte. Normalerweise.
„Ich bin nicht so gut, wenn es um Gerede geht", sagte der Prinz abrupt. „Aber, das erste Mal, als ich wusste, dass ich das kann, hatte ich Angst."
Mit weiten Augen lauschte Sadao.
„Menschen zu schaden ist einfach. Es ist so leicht. Feuer will brennen. Und man lebt und er ist tot und – das war es auch schon. Menschen zu helfen..." Der Prinz verzog das Gesicht. „Sie zählen auf einen und man weiß nicht genug, es kommt einem nie so vor, dass es ausreicht. Und das ist schlimmer, weil es einen kümmert. Man muss Mitgefühl haben. Feuer ist Leben, es ist Liebe, es ist Ich lasse sie nicht sterben. Das benutzt man. So verändert man das Feuer. Man muss ihm einen Teil von einem selbst geben." Er zog den Kopf ein. „Und es kommt einem so vor, als ob man ohne Rüstung mitten unter den Feinden umher geht."
Sadao leckte seine Lippen. „Sie haben... das gemacht. Nicht wahr, Sir."
„Das macht es nicht einfacher", sagte Prinz Zuko trocken. „Es ist nur – verdammt, Leutnant. Wenn sie keine Angst davor hätten, das zu versuchen, dann würde was mit ihnen nicht stimmen."
„Danke, Sir", sagte Sadao unsicher. Denke ich mal.
„Danken sie mir noch nicht", sagte der Prinz trocken. „Wenn sie Jee zum Kapitän diese Schiffes gemacht haben, weiß ich welche Art Leute hier gelandet sind."
Sadao fuhr gereizt hoch. Deswegen war er im Archiv! „Sir, mit allem nötigen Respekt –!"
„Nur die Ruhe, Leutnant." Der Prinz lächelte, verdammt sei er. „Ich sagte, ich weiß es. Und es stimmt. Ich vertraue Kapitän Jee. Ich weiß dass er eine gute Mannschaft geformt hat." Blasses Gold studierte ihn. „Das Problem ist nur, dass ihr es nicht wisst."
Und das war wirklich das allerletzte, was Sadao erwartete zu hören. Er stand nur mit aufgeklappten Mund da.
„Es ist leicht ein Versager zu sein", sagte Prinz Zuko direkt. „Es schmerzt die ganze Zeit, aber... man stumpft ab. Niemand erwartet etwas." Er grinste. „Aber ich habe Neuigkeiten für sie. Ich habe sie erwischt."
„... Äh?", brachte Sadao heraus.
„Sie können darin nicht versagen. Sie haben gerade erst angefangen." Das Grinsen wurde breiter. „Also genießen sie ihre freie Zeit. Wenn General Iroh und ich erst einen Zeitplan mit dem Kapitän ausgearbeitet haben? Dann stampfen wir sie ins Deck."
...neiiiiin!
Hakoda, Bato/ Chamäleon-Bucht/ Erdkönigreich
„Suzuran ist fort, unsere Verbündeten drehen Däumchen und versuchen auszuknobeln, ob sie in Ba Sing Se nach Befehlen anfragen lassen und, meine Güte, schau dir das an. Es ist beinahe Mittag", sagte Bato trocken.
„Das sehe ich", seufzte Hakoda als er das Luftloch, das Toph im Sand geöffnet hatte betrachtete.
„Hmm." Bato beäugte die kleine Gruppe, die kaum in Sicht war. „Meinst du, dass du dich alleine um das kümmern solltest?"
„Nein", sagte Hakoda widerwillig, nachdem er einen Moment mit sich gerungen hatte. „Ich will ihr Vater sein... aber ich muss ihr Häuptling sein."
Bato nickte und gab ihm einen Klaps auf die Schulter. „Dann bring es am Besten hinter dich."
Sagt der Mann, der nicht ihr Vater ist. Das war unfair gegen Bato. Aber in diesem Moment war es Hakoda nicht danach gerecht zu sein.
Du bist der Häuptling. Das bleibt an dir hängen. Tu deine Pflicht. Entschlossen näherte er sich den Kindern.
Sokka sah ihn zuerst, sein tröstendes Grinsen schmolz zu einem ernsten Ausdruck. Katara, die Aang tröstete, sah auf und versteifte sich. „Er hat gelogen."
Kein guter Anfang. „Oberst Mohe?", sagte Hakoda, es bewusst missverstehend. „Ja, das denke ich auch. Wenn wir etwas gelernt haben in den Kämpfen mit der Feuernation, dann dass sie persönliche Beleidigungen... nun, persönlich nehmen. Der Feuerlord würde vielleicht seine Frau dafür angreifen, dass sie ihn betrogen hat, aber Zuko?" Er schüttelte den Kopf. „Ich denke, der Oberst möchte diese Geschichte glauben. Das Erdkönigreich respektiert adeliges Blut und Rang. Unseren Waffenstillstand mit Suzuran zu brechen wäre viel einfacher zu rechtfertigen, wenn Zuko überhaupt kein Prinz wäre."
Er konnte regelrecht spüren, wie Bato neben ihm ein Augenrollen unterdrückte.
„Das hat sie nicht gemeint", sagte Aang fest. „Und das wissen sie auch, Sir."
„Ja, ich weiß", gab Hakoda zu. „Doch Zuko kann warten. Meine Tochter, die unsere Herzen bis zu dem Punkt bändigt, dass wir beinahe einen Waffenstillstand brachen, kann nicht warten." Er runzelte die Stirn. „Ich würde mich gerne sehr lang mit diesem Meister Pakku unterhalten. Es gibt Gründe, weshalb unsere Vorfahren den Nordpol verlassen habe und er hat uns gerade an die meisten davon erinnert."
„Katara würde so etwas nie machen!", protestierte Aang. „Ich weiß, Zuko sagte – naja, schreckliches Zeug – aber er kennt sie nicht. Und Meister Pakku ist schon etwas schrullig... aber er ist ein großartiger Wasserbändiger!"
„Er ist ein Wasserbändiger der Nordpols", sagte Hakoda fest. „Ein Südlicher Wasserbändiger würde sich nie auf diese Art in die Entscheidungen eines Häuptlings einmischen." Er wendete Aang einen strengen Blick zu. „Und was Katara oder irgendeinen von euch zu kennen angeht... mir wurde gesagt, dass du Vegetarier bist, Aang. Du gehst nicht auf Jagd, also weißt du nicht, was dafür nötig ist. Zuallererst muss man die Beute verstehen." Hakoda holte einen tiefen, salzigen Atemzug und sehnte sich nach der Kälte der Heimat. „Zuko hat dich beinahe ein halbes Jahr gejagt, über die ganze Welt. Wenn er euch noch nicht kennt, dann tut das niemand." Toph war dabei die einzige mögliche Ausnahme, wusste Hakoda, nach dem bewussten Schweigen der Erdbändigerin zu urteilen. Doch Toph und Zuko schienen einander ziemlich gut zu verstehen. Das konnte auch der Grund sein, weshalb sie schwieg. Falls sie die Rolle eines Prinzen in der Feuernation verstand, könnte sie die tatsächlichen Gegebenheiten der Pflichten eines Häuptlings viel besser verstehen als Aang mit all seinen Reisen bisher geschafft hatte.
„Du kannst ihm doch nicht glauben", beharrte Katara. „So bin ich nicht! Sicher, ich bin wütend wegen Mama, warum denn auch nicht? Also werden ein paar von der Feuernation sterben? Oh, was für eine Überraschung – was haben die denn der ganzen Welt angetan und das seit einhundert Jahren?"
Und Hakoda wollte ihr zustimmen, Kyas Tod war wie ein Loch in seinem Herzen –
Bewusst zwang sich der Häuptling dazu es zu ignorieren. „Hör auf damit. Sofort."
Hass verebbte.
„Das warst du?", sagte Aang ungläubig. „Die ganze Zeit, wie alle so wütend wurden – das warst du?" Er glotzte, dann schüttelte er den Kopf. „Katara warum machst du das? Jemand könnte verletzt werden!"
„Das ist schon passiert!", feuerte Katara zurück, ihr Finger stach zu Bato. „Wegen Zuko! Weil er nichts weiter ist als ein – "
„Zuckerpüppchen." Tophs Tonfall machte den Spitznamen zu einer Drohung. „Beende den Satz und jemand wird verletzt werden. Und das wird nicht Bato sein."
„Sie hat Recht", sagte Bato grimmig. „Sollten die Männer erfahren, dass du das absichtlich getan hast... es sind keine anderen Frauen des Stammes hier. Aber das heißt nicht, dass Dinge nicht... entschieden werden können."
Sokka schluckte trocken. Toph schauderte. Katara starrte die Stammesmänner an, als ob sie ein Trick eines bösartigen Geistes wären, der sich jetzt in seinem vollen, kannibalischen Entsetzen offenbarte.
Aber es war der Avatar, den Hakoda beobachtete, als der Junge erbleichte und zu Kataras Verteidigung eilte. „Wieso sagen sie so was? Katara ist einer der besten Menschen, die ich je getroffen habe! Auch wenn sie... fast jemandem weh getan hat... Das war ganz sicher ein Irrtum." Er warf Katara ein beruhigendes Lächeln zu. „Also ist alles wieder in Ordnung und wir können uns wieder um das Wichtigere kümmern. Wie zum Beispiel, den Krieg zu beenden."
Hakoda schaute in die volle Kraft dieses einnehmenden Grinsens und weigerte sich nachzugeben. „Es ist nicht alles in Ordnung. Katara. Was du getan hast, war falsch. Wir hatten einen Waffenstillstand. Die Ehre eines Kriegers verlangt, dass wir ihn halten und du hast uns gedrängt ihn zu brechen. Wie hätten wir uns danach Männer nennen können? Wie hätten wir je nach Hause zurückkehren können?"
So lang er auch lebte, Hakoda wusste, dass er nie den Ausdruck auf dem Gesicht seiner Tochter vergessen würde. Blass. Ängstlich. Betrogen.
Geister. Wenn du doch nur die Tochter irgendjemand anderes wärst.
Aangs Mund klappte auf und verblüffte graue Augen blinzelten ihn an. „Aber... das müssen sie! Sie warten auf sie!"
„Sie warten auf ehrenhafte Krieger und wahre Männer des Stammes", sagte Hakoda knapp. „Wir wären nichts anderes als streunende Wölfe, die aus dem Rudel gejagt wurden."
„Also... so ähnlich wie verbannt?", sagte Aang hoffnungsvoll. „Katara wurde verbannt und das ist gut ausgegangen."
Das habe ich jetzt nicht wirklich gehört, dachte Hakoda verblüfft. „Du bist was?"
„Sokka hat Aang aus dem Dorf geworfen", sagte Katara trotzig. „Er war allein. Er brauchte jemanden!"
Hakoda schaute seinen Sohn mit einer hochgezogenen Augenbraue an.
Sokka seufzte resigniert. „Ich habe ihn rausgeworfen – und Gran-Gran hat mir zugestimmt – weil er zum Wrack der Feuermarine gegangen ist. Und dich mitgenommen hat. Das verbotene Wrack?"
„Ein Bändiger muss seine Angst überwinden!", schoss Katara zurück.
„Du willst die Angst überwinden? Wie wäre es, wenn du dein Wasserbändigen gegen einen Eis-Bär testest? Oder Eiskreuzen gehst? Oder – ich weiß nicht, irgendwas, außer an einen Ort zu gehen, der von den Feinden gebaut wurde und voller Fallen ist! Wo du eine versteckte Sprengfalle ausgelöst hast, die Zuko direkt zu unserem Dorf geführt hat!" Er begegnete Hakodas Blick ohne Entschuldigungen. „Sie wollte einen Lehrer fürs Wasserbändigen. Aang sagte, dass er sie zum Nordpol bringt. Sie sagte, dass sie auch verbannt ist. Aang hat sie überredet zurückzukommen und Gran-Gran hat es auf sich beruhen lassen. Ich dachte, das sollte damit abgehakt sein."
Schön und gut. Und das hätte es sein sollen... wenn das nicht einem jungen Avatar einen völlig falschen Eindruck gegeben hätte. „Aang", sagte Hakoda gleichmäßig. „Was ist passiert, wenn einer deines Volkes etwas unverzeihliches getan hat?"
„Was zum Beispiel?"
Hakoda beäugte den Luftbändiger und hielt sein Temperament im Zaum. Er ist nicht so naiv. Das ist niemand.
Aang starrte zurück, sein Gesicht war unerwartet fest. „Hören sie. Ich weiß, ihr Stamm ist... wirklich anders. Und sie denken, dass sie manchmal – schreckliche Sachen tun müssen. Aber wir nicht. Die Tempel waren alle Orte des Friedens und der Erleuchtung. Und auch wirklich viel Spaß. Fragen sie Sokka. Wir haben nicht... keiner aus den Tempeln hätte je... was gemacht wie das was heute hier passiert ist." Er schluckte schwer. „Ich habe Iroh gemocht."
„Aang." Sokkas Stimme war leise. „Überall um Gyatso herum waren Skelette von Feuerbändigern. Irgendwie glaube ich nicht, dass sie sich einfach hingelegt haben und gestorben sind."
„Ich weiß." Der Kummer auf Aangs Gesicht war unerträglich zu sehen. „Ich weiß, wenn man gegen jemanden kämpft, der einem weh tun will... Ich kann es mir einfach nicht vorstellen. Es wäre – wie Kuzon in einer dieser schrecklichen Rüstungen zu sehen. Kuzon wollte nie jemandem schaden. Aber ich denke... ich denke er..."
„Hat er nicht." Toph verschränkte die Arme. „Ich habe Iroh nach ihn gefragt." Auf Aangs überraschtes Stolpern zuckte sie mit den Schultern. „Er wusste von wem du in der Wüste geredet hast. Ich dachte mir, dass er vielleicht mehr weiß. Dein Freund Bumi hat es einhundert Jahre durchgehalten. Ich dachte, vielleicht..." Sie schüttelte den Kopf. „Er war nicht in der Armee. Nie. Viele von seinem Klan sind gestorben, weil sie sich weigerten zu tun, was Sozin wollte. Also wurde Kuzon Lord von Byakko. Sogar der Feuerlord konnte ihn nicht dort herauszerren, nicht, wenn er nicht wollte, dass die ganze Angelegenheit wirklich unschön würde. Kuzon war nicht im Krieg." Sie zögerte, ihre Finger packten ihre Armbänder etwas. „Zumindest nicht in Rüstung."
„Oh, Mann." Sokka zuckte. „Lass mich raten. Zuko ist nicht der erste aus der Familie, der in Grün herumschleicht."
Toph grinste etwas. „Er hat Mönch Gyatso versprochen, dass er Aang findet. Er hat den Rest seines Lebens damit verbracht." Sie wendete sich dem Luftbändiger direkt zu. „Sein ganzes Leben. Das tut die Feuernation, um ihr Wort zu halten. Und ja, sie sind durchgeknallt – aber ein Versprechen ist für uns auch wichtig. Erdkönigreich und Wasserstamm."
„Das weiß ich", verteidigte sich Aang. „Warum sollte ich das nicht wissen? Ich bin der Avatar, natürlich weiß ich..." Er sah Hakodas Blick und schluckte.
„Wenn du das wirklich verstehen würdest", sagte Hakoda leise, „dann wüsstest du, warum das, was Katara getan hat, so falsch ist." Er schaute sie direkt an. „Die Ehre eines Kriegers ist ein Versprechen an sein Volk. Und an sich selbst. Ein Versprechen, dass er immer mit Würde handeln wird und mit Tapferkeit. Dass er den Sitten unseres Volkes treu sein wird, oder bereitwillig die Konsequenzen trägt. Uns dazu zu zwingen wütender zu sein, als wir schon waren, mit einem Hass an uns zu zerren, der nicht der unsrige ist – es war falsch. Und es ist nicht alles in Ordnung." Er richtete sich auf und schaute ein weiteres Mal den Luftbändiger an. „Avatar Aang. Sokka berichtet mir, dass wir eine Gelegenheit haben, die Feuernation direkt anzugreifen. Zu gewinnen, zu einem Zeitpunkt, an dem der Feuerlord hilflos sein wird. Da Ba Sing Se an Azula gefallen ist, wird der Plan, die Truppen des Erdkönigreichs mit einzubeziehen nicht gelingen. Doch ich bin mir sicher, dass wir mit Sokka und uns allen uns etwas ausdenken können." Er sah ernst drein. „Du bist verletzt und es wäre besser, wenn Katara sich darauf konzentrieren könnte, dich zu heilen, statt zu kämpfen. Ich biete dir die Wahl an, mit der Flotte zu reisen, während du gesund wirst und wir alle einen Plan ausarbeiten."
„Hört sich großartig an!" Aangs Miene erhellte sich. „Danke – "
„Ihr werdet überwacht werden."
Mitten im Gedanken überrumpelt glotzte Aang ihn an. „Aber – Katara sagte doch, dass es ihr leid tut – "
„Nein", sagte Hakoda schonungslos. „Das hat sie nicht gesagt." Er schaute zu seiner Tochter. „Tut es dir leid?"
„Ich..." Katara schluckte und wirkte trotzig. „Ich habe versucht zu helfen. Zu tun, was richtig ist!"
„Ihr werdet überwacht werden", wiederholte Hakoda mit schwerem Herzen. „Katara. Du bist meine Tochter. Ich liebe dich und ich habe euch beide vermisst, jeden Tag. Aber wenn das wieder geschieht, mit irgendeinem von euch – ja, auch du, Aang, wir wissen, dass du ein Wasserbändiger bist – ich bin der Häuptling unseres Stammes. Ich werde dazu gezwungen sein, zu handeln."
„Gegen den Avatar?", sagte Katara ungläubig. „Wie die Feuernation?"
„Für unser Volk", sagte Hakoda unnachgiebig, der Zorn kochte endlich über. „Ich verlange nicht nach dem Mond! Nur den Anstand unsere Herzen die unsrigen sein zu lassen. Lass uns helfen, das Gleichgewicht wiederherzustellen, weil wir es für das Richtige halten. Nicht weil du das glaubst!"
Katara zuckte schließlich zusammen. „Papa, ich – "
„Halt", sagte Hakoda fest. „Benimm dich. Zeige uns, dass du eine wahre Frau des Stammes bist. Eine Südliche Wasserbändigerin, der man vertrauen kann." Er wendete seinen wütenden Blick zu Aang. „Bato berichtete mir, dass du dich im Eiskreuzen als Ehrenmitglied des Stammes bewiesen hast. Diese Ehre trägt Pflichten. Zeige uns, dass wir auch dir vertrauen können. Oder du findest Verbündete, um die Feuernation zurückzuschlagen, doch was eine Welt im Gleichgewicht angeht, oder Frieden..." Hakoda seufzte. „Aang. Wie kann es Frieden auf der Welt geben, wenn die Welt dem Avatar nicht trauen kann?"
„Ich..." Aang schluckte. „Ich versuche es doch."
„Ich weiß", sagte Hakoda ruhig. „Ich wünschte, ich könnte es leichter für dich machen. Doch für den Moment – du musst dich weiter bemühen." Oder Zukos Alptraum wird Wahrheit werden. Und das wird uns alle vernichten.
Aus dem Augenwinkel sah Hakoda, wie Asiavik herbei kam und fragte sich, wie viel der ergrauende Heiler gehört hatte. Der trockenen Befriedigung nach eine ganze Menge.
Katara sah es auch. Und für einen Moment, nur einen Moment lang, sah Hakoda ihre Angst.
Oh, Tochter. Es tut mir so leid. Aber es muss aufhören. Und sie müssen wissen dass es aufgehört hat.
„Hakoda", sagte Asiavik, dessen Gesicht wieder neutral war. „Diese junge Erdkönigreich-Frau ist wieder da." Er warf einen Blick zu Sokka und Katara. „Sie sagt, sie hat einen Brief für euch dabei."
Sokka, Aang, Xiu/ Chamäleon-Bucht/ Erdkönigreich
„Von Mönch Yuan-ti im Jahr des – Das ist ein Brief von einem Luftbändiger!" Aang strahlte und lehnte sich gegen eine Sandsteinbank um ihn zu lesen, während sie sich um ihn scharten. „Vor Dreihundertzwanzig Jahren. Wow. Der war schon alt als ich geboren wurde."
Wie ein zu lange gekochter Tintenfisch, dachte Sokka halb ungläubig, als er beobachtete wie Xiu Aang beobachtete. Man kaut und kaut und kaut und man kriegt ihn einfach nicht klein.
Wenigstens schien Katara zu kapieren, dass Papa wirklich sauer war. Und irgendwie in der Klemme steckte. Er war der Häuptling. Und das Kind des Häuptlings zu sein, dazu gehörte auch, dafür zu sorgen, dass er sich nicht über einen Sorgen machen musste. Dass er einen genau so wie alle anderen im Stamm behandeln konnte.
Meistens wusste Katara das. Meistens.
„Es ist schwer zu glauben, dass du wirklich einhundert Jahre alt bist", sagte Xiu neugierig. „Ich wusste, dass Kyoshi mit zweihundert und dreißig Jahren gestorben ist und wenn das was ich von Avatar Kuruk gehört habe, wahr ist, hat er sogar noch länger gelebt, aber – "
„Oh, ich war in einem Eisberg eingefroren", sagte Aang fröhlich. „Bis Katara mich mit echt großartigen Wasserbändigen dort herausgeholt hat.
„Es stimmt." Katara nickte, lächelnd. Es schwankte nur ein wenig, als sie zum Rest des Lagers schaute.
„Eisberg", murmelte Xiu. „Erinnere mich daran, froh zu sein, dass ich nicht du bin."
„Jetzt im Moment ist er auch nicht er, klar?", sagte Sokka eindringlich. „Wir wollen nicht, dass die Feuernation erfährt, dass er noch lebt. Noch mehr von der Feuernation", erkannte Sokka verspätet. „Oh, Mann..."
„Entspann dich", sagte Toph ernst. „Funkenfresser verrät es schon nicht."
„Das wissen wir nicht", sagte Aang traurig und blickte von dem Brief auf.
„Nein", gab Xiu zu, „aber es ist sehr wahrscheinlich, dass sie Recht hat. Ihr habt nicht gesehen, was für ein Kopfgeld auf Zuko ausgesetzt ist." Sie verzog das Gesicht. „Glaubt mir. Irgendwo in die Nähe der Feuernation oder irgendjemanden, der mit ihr handelt zu kommen wäre echt dumm."
Und Zuko ist nicht dumm, beendete Sokka bei sich. Besessen, verrückt, zu stur um sich hinzulegen und zu sterben – aber er ist nicht dumm.
„Also... wo ist dein Freund?", fragte Katara, hoffte offensichtlich, die Unterhaltung irgendwo anders hin zu lenken.
„Wir hatten einen Streit", sagte Xiu traurig. Sie lächelte, etwas schief. „Er hat mich aus dem Weg bugsiert um mich vor dem großen, bösen Feuerprinzen zu schützen." Ihre Stimme senkte sich. „Mein Vater würde das nie tun."
„Er hat doch nur versucht dich zu beschützen", versicherte ihr Katara.
„Ich habe nicht darum gebeten beschützt zu werden", sagte Xiu fest. „Wenn er mir gesagt hätte, wer sie sind, wenn er mir gesagt hätte, dass die Armee immer auf Feuerbändiger losgeht, die etwas Neues können – nun, es hätte immer noch einen Streit gegeben. Aber ich hätte ihm zugestimmt. Größtenteils." Sie schüttelte den Kopf. „Aber er hat mir nichts gesagt."
Sokka hörte den Schmerz und zuckte zusammen. „Er hat dir nicht vertraut."
„Du gebrauchst deinen Kopf." Xiu schenkte ihm ein bittersüßes Lächeln. „Mach damit weiter und irgendwann wird es da mal ein sehr glückliches Mädchen geben. Also um ihretwillen und deinetwillen – sag ihr immer warum du etwas vorhast, Sokka. Gib ihr Gründe. Und höre auf sie, wenn sie Fakten hat, die dich zweimal nachdenken lassen sollten. Niemand stimmt bei allem überein. Aber wenn ihr wirklich aufeinander hört... dann sollte es klappen."
„Äh... danke?" Natürlich hörte er auf Suki. Nun, er versuchte zuzuhören. Auch wenn sie ihn vielleicht erst ein paar Mal durch das Dojo werfen musste –
Suki. Azula hatte Ausrüstung der Kyoshi-Kriegerinnen. Oh Geister – hat sie Suki geschnappt?
Das konnte man von hier aus nicht herausfinden. Wenn sie zur Vollmondbucht gelangen konnten, dann sollte es jemand wissen. Das Problem würde sein, dort hin zu kommen –
Moment. Sie hat etwas Wichtiges gesagt. „Was soll das heißen geht immer auf sie los?"
„Feuerbändiger finden immer wieder mal etwas Neues heraus", sagte Xiu einfach. „Dann bringen sie es allen anderen bei. Das hat Sergeant Bo zumindest gesagt. Normalerweise ist es etwas einfaches. Eine etwas andere Art einen Feuerball zu werfen vielleicht. Aber heißes Wasser zu bändigen?" Sie schaute auf ihre Hände hinunter. „Es kommt mir so vor, als ob alles meine Schuld ist. Wenigstens ein Teil davon. Auch wenn sie nichts vom Heilen gewusst hätten... die Feuernation will ihn tot sehen und jetzt auch das Erdkönigreich. Armer Lee."
„Armer Lee?", sagte Katara ungläubig. „Hast du nicht gesehen, was sie gemacht haben?"
„Das habe ich." Xiu sah sie ernst an. „Als ich ein kleines Mädchen war sagte mir mein Vater, immer darum zu kämpfen am Leben zu bleiben. Egal was man dafür tun muss. Egal wer sagt, dass sie recht haben und du nicht. Kämpfe immer. Denn man könnte an einem Ort wie Dorf Chin enden, wo sie immer noch jeden von Insel Kyoshi umbringen wollen, wegen dem, was der Avatar ihrem großen Anführer angetan hat."
„Um ehrlich zu sein... waren wir dort", gab Sokka unruhig zu. „Also ist es nicht nur Avatar Tag?"
„Nein." Sie beäugte sie alle. „Nichts für ungut, aber wie seid ihr dort in einem Stück heraus gekommen?"
„Frag mich nicht", warf Toph ein. „Ist passiert bevor ich mit eingestiegen bin."
Sokka spürte, wie der Sand unter ihm ein bisschen zitterte und las den Hinweis so klar wie Glas. Redet mit mir, Leute. Oder muss ich wieder Zuko fragen?
Und es war unwichtig, dass Zuko schon lange weg war. Toph würde einen Weg finden. Er wusste es einfach.
„Nun... ein paar Kerle von der Feuernation sind aufgetaucht und... ich habe einen Sozialdienst geleistet", grinste Aang. Er warf Xiu einen zweifelnden Blick zu. „Die hätten mich doch nicht wirklich gekocht. Oder? Ich bin der Avatar."
Xiu starrte ihn an.
„Ich meine, niemand würde doch mit diesem verrückten Rad der Gerechtigkeit leben. In Öl gekocht, von Haien gefressen... sogar die Feuernation macht so was doch nicht, oder?
„Nein", sagte Xiu knapp. „Normalerweise nicht." Sie schüttelte den Kopf. „Papa sagte mir, wenn ich mich entscheiden müsste zwischen Dorf Chin und der Feuernation? Geh zu den Truppen."
„Du machst wohl Witze", sagte Katara ausdruckslos.
„Sie haben letztes Jahr einen Fischer, der vom Kurs geblasen wurde, gekocht", sagte Xiu schonungslos. „Papa hält sich über Neuigkeiten von dort auf dem Laufenden. Nur für den Fall, dass er ein paar alte Kumpel am richtigen Ort zusammentrommeln könnte."
„Gewalt ist keine Antwort", sagte Aang fest. „Tod löst nie etwas."
„Ach nein, hm?" Xiu blickte fest zurück. „Lies weiter."
Aang blinzelte und wendete sich wieder den Blättern zu. „Ich weiß nicht, was du glaubst, dass hier drin steht, er redet doch nur davon, die Nonnen im Westlichen Lufttempel zu besuchten..." Aang erbleichte.
Sokka hielt die Seiten, als Aangs Hände zu zittern begannen und lehnte sich herüber, um zu lesen. „Oh, Junge."
„Klärt mich mal jemand auf?", sagte Toph ungeduldig.
„Kurze Geschichte? Sadao hat die Wahrheit gesagt, dass Kyoshi die Feuernation abgeschlachtet hat", sagte Sokka ernst. „Yuan-ti redet von 'Rauch von unzähligen Bestattungsfeuern'. 'Inseln, die vom Angesicht der See verschwunden sind'. 'Salz glitzert auf den Flanken von Berg Shirotora, wo die Renegaten versuchten, die Flutwelle abzuhalten'." Er beäugte Aang. „Renegaten?"
Wortlos schüttelte Aang den Kopf. „Aber... Kyoshi war der Avatar. Sie konnte das gar nicht..."
„Hat sie aber", sagte Xiu nicht ohne Mitgefühl. „Piraten der Feuernation haben eines ihrer Kinder getötet. Zugegeben, er war schon längst ein erwachsener Mann – aber deine Kinder sind immer deine Babys. Ein paar der anderen Quellen, die ich gelesen haben, besagen, dass sie zuerst den Lords Nachrichten geschickt hat, ehe sie den Hurrikan brachte... aber es sieht so aus, als ob sie über den Erdkönig geschickt wurden und der erinnerte sich daran, wie Kyoshi seinen Vater gedemütigt hat als sie den Dai Li erschuf."
„Also hat der Erdkönig an den Botschaften herumgefummelt", schloss Sokka.
„Ich weiß es nicht sicher", sagte Xiu nüchtern. „Aber nach allem was Sergeant Bo hatte, was die Leute damals geschrieben haben... ich würde darauf wetten. Er hasste die Feuernation und er hasste Kyoshi. Warum auch nicht?" Sie sah Aang an. „Dorf Chin hasst den Avatar wegen dem was Kyoshi Chin angetan hat. Der verdient hatte, was er bekommen hat." Sie zeigte zu dem Brief. „Na los. Sag mir, dass sie das verdient hatten."
Das kann ich nicht, erkannte Sokka. Er wusste, wie wütend er wegen Mama war und Yue. Aber... es waren Feuerbändiger gewesen, beide Male. Menschen, die man aufhalten konnte. Menschen, die man töten und den Toten sagen konnte, dass es vorbei war. Aang, im Avatarzustand...
Fong, die Sandbändiger – wir hatten Glück, wusste Sokka. Niemand wurde getötet. Wenn die Umstände nur ein bisschen anders gewesen wären... man kann Aang nicht bekämpfen, wenn er so ist. Das kann niemand.
Außer Azula. Sie hatte Aang in den Rücken geschossen.
Wie ist das überhaupt gegangen? Wenn Aang so ist, dann sind die Geister mit ihm. Nichts hat ihn je berührt, auch wenn die Leute überall herum bändigen –
Sokka sah zur Sonne hinauf und schluckte hart.
Als Aang am Südpol aus dem Meer kam hat niemand Feuer gegen ihn gebändigt. Sie waren alle zu verblüfft.
Wenn sie das getan hätten... wäre es durch gegangen?
Denn Aang hatte ihnen gesagt, dass Koh, der Gesichtsräuber immer noch einen Groll hegte, für etwas, das ein Avatar vor neunhundert Jahren versucht hatte. Und wenn Koh so lange einen Groll hegen konnte...
Oh, Mann. Dieser Krieg ist größer als wir denken. Viel größer.
„Vielleicht haben sie es damals nicht verdient", sagte Katara grimmig. „Aber jetzt? Sie müssen aufgehalten werden."
„Ich weiß", sagte Aang nachdenklich. „Aber es macht schon einen Unterschied. Wenn ein Teil dieses Durcheinanders daher kommt, weil sie verletzt sind... dann müssen wir ihnen helfen. Irgendwie."
„Ihnen helfen?" Katara schüttelte sich. „Wieso glaubst du, dass sie wollen, dass ihnen geholfen wird?"
„Katara hat irgendwie Recht", warf Toph ein. „Darüber denkst du besser mal nach Aang. Gründlich."
„Niemand würde doch so sein wollen", warf Aang ein. „Kuzon war nicht so. Und Iroh – " Er schüttelte traurig den Kopf. „Er hat sich bemüht."
„Zuerst den großen, bösen Feuerlord aufhalten, den weniger bösen Kerlen später helfen", schlug Sokka vor, ehe es sich zu einem Streit auswachsen konnte. Renegaten auf Berg Shirotora. Byakko?
Vielleicht. Aber es schien nicht ganz richtig zu sein. Ganz besonders mit dem was im Rest des Briefes stand. „Aang? Was ist Harmonischer Akkord?"
„Hä? Oh. Erwachsenen Zeugs." Aang zuckte mit den Schultern. Wand sich etwas. „Warum?"
„Etwas, das Yuan-ti über die Nonnen im Tempel sagt." Sokka runzelte die Stirn, las es noch mal. „Viele der trächtigen Nonnen... sie hatten Trägerinnen?"
Aang errötete etwas. „Er meint, dass sie schwanger waren."
„Schwangere Nonnen?", sagte Toph ungläubig. „Ist das überhaupt legal?"
„Naja... woher sollten wir sonst herkommen?", sagte Aang verwirrt.
Xiu blinzelte. „Alle Luftbändiger waren Nonnen?"
„Abgesehen von den Mönchen." Aang grinste. „Ja, er schreibt, ein paar sind hinunter gegangen um sich umzusehen und sie waren betroffen. Wer wäre das nicht?"
„Er schreibt mehr als das." Sokka runzelte die Stirn. „Mehrere unserer jüngeren Schwestern, besonders unter den Trächtigen, waren höchst erschüttert, den Willen des Avatars zu bezeugen. Ich beriet die Ältesten sie alle in Harmonischen Akkord zurück zu führen, denn, obwohl Gnade und Mitgefühl zarte Trugbilder sind, verführen sie doch den Geist dazu sich an Dinge dieser Welt zu binden und müssen zurück geschnitten werden. Sonst wird man, wie du selbst weißt, mehr von dem begehren, was nur vergehen und vergessen wird. Und wie könnten wir dann die alles übersteigende Freude kennen unseren Schülern die Freiheit zu lehren, wenn jene, die sie austragen, sie nicht aufgeben..." Sokka schluckte und senkte den Brief mit zitternden Händen. „Sie aufgeben? Eure Eltern haben euch weggegeben?"
„Das sollten sie auch machen", sagte Aang überrascht. „Wir haben keine Eltern, Sokka. Nicht so wie ihr. Aber Hakoda ist schon irgendwie toll... aber komisch. Kuzon hat sich auch immer Sorgen gemacht, ob seine Eltern auf ihn stolz sind. Und Onkel Kuroyama. Der war ihm wirklich wichtig, auch wenn sein Onkel ihn unglaublich angebrüllt hat... was ist los?"
„Aang." Katara hatte geweitete Augen. „Du musst eine Mutter und einen Vater gehabt haben. Jeder hat sie."
„Naja, irgendwie schon... die Mönche haben die Nonnen ein paar mal im Jahr besucht und sie haben Babys mitgebracht, die alt genug waren." Aang zuckte die Schultern. „Gyatso sagte, dass die Jungen zwischen den Nördlichen und Südlichen Tempel aufgeteilt wurden und die Mädchen zu dem Tempel kamen in dem sie nicht geboren wurden... warum schaut ihr mich alle so an?"
„Ähm", brachte Sokka heraus. „Es ist nur... irgendwie... überraschend." Wohl eher entsetzlich. Mit etwas grauenvoll noch oben drauf geschmiert.
„Ehrlich?" Aang runzelte die Stirn. „Ich sagte euch doch, dass Mönch Gyatso sich um mich gekümmert hat. Zuko wusste alles darüber. Als wir uns das erste Mal begegnet sind, sagte er, dass ich nichts von Vätern wüsste. Und das ist nicht wahr. Gyatso hat mich zu Besuchen bei Leuten überall mitgenommen. Ich weiß von Vätern!" Er hob die Schultern. „Nur haben Luftnomaden keine."
„Zuko hat die Luftnomaden studiert, um versuchen dich zu finden", sagte Toph. „Ich denke mal, dass die meisten Leute das nicht mehr wissen."
„...Oh." Aang sah niedergeschlagen aus.
„Weißt du was? Wir könnten etwas zu Knabbern gebrauchen", sagte Sokka fest. „Verwundete Krieger dürfen nicht nachlassen. Wir... holen was."
„Gute Idee." Katara nickte und warf ihm ein erleichtertes Lächeln zu, das sagte, dass sie genau wusste, was er vorhatte. „Aang? Erzählst du mir davon wie es war bei Gyatso aufzuwachsen? Er hört sich wie ein echt toller Kerl an."
„Oh, du hast ja kein Ahnung..."
Er war schon aus einigen brenzligen Situationen nur knapp entkommen, seit er Aang kannte, dachte Sokka. Aber irgendwie fühlte sich von dieser Sandgrube fort zu kommen wie die engste Flucht von allen an. „... Oh, Mann."
„Bleib ganz ruhig." Sogar Toph hörte sich betäubt an. „Also wissen wir es jetzt. Ich weiß nicht was wir jetzt machen, aber wir wissen es."
„Ich hatte gehofft, dass er sagt es stimmt nicht", sagte Xiu zittrig. „Ich meine, ich habe es gelesen, aber... ein Brief. Es hätte einfach nur der kranke Witz von jemanden sein können, oder ein Verrückter, oder..." Sie schluckte schwer. „Aber das ist es nicht. Oder?"
„Traumtänzer ist nicht einmal zusammengezuckt", berichtete Toph. „Er... er dachte, dass es in Ordnung ist."
Warum macht mir das fast ebenso viel Angst wie der Feuerlord?, fragte sich Sokka. Und fuhr auf. „Oh, ich ramme ihm Bumerang in den – deswegen wollte Zuko, dass Papa sich um ihn kümmert!" Er warf die Hände hoch. „Oh, wirklich gut gemacht, Mistbändiger, lade alle Probleme, die du nicht hinkriegst auf uns ab – "
„Hörst du überhaupt, was du sagst?" Toph hatte ein schwaches Lächeln zurück, ihr sarkastisches Selbstbewusstsein kam wieder. „Er hat es versucht, Sokka. Seit er über euch am Südpol gestolpert ist, hat er euch gesagt, warum er hinter euch her ist. Seine Ehre. Sein Volk. Seine Familie." Sie zuckte die Achseln. „Er kann das nicht hinbiegen. Er ist nicht Aangs Freund. Wir sind das. Was hätte er denn machen sollen?"
Sokka funkelte sie an. „Weißt du, manchmal hasse ich es, wenn du Recht hast."
„Ihr seid seine Freunde?" Xiu stieß einen leisen Pfiff aus. „Ihr habt mehr Mut als ich."
„Im Moment komme ich mir nicht sehr mutig vor, glaub mir", grummelte Sokka. Er schnüffelte und machte sich auf den Weg zum nächsten Topf. Leute in blauen Tuniken, kein Grün, den Geistern sei Dank –
Papa.
Er hängte sich an diese beruhigende Stärke und es war egal ob es männlich war oder nicht. Papa war hier und real und das half.
Wir sind nicht allein.
„Sokka?" Hakoda betrachtete ihn besorgt.
„Wenn du kannst? Katara könnte wirklich auch eine Umarmung gebrauchen." Sokka schluckte. „Luftbändiger... sind nicht genau das was die Leute glauben."
Hakoda nickte langsam. „Erzähle es mir."
Das tat er, seine Worte purzelten übereinander, Toph und Xiu warfen ein paar ein, wenn er keine fand. Er versuchte nicht nur, die bloßen Worte des Briefes hinüber zu bringen, sondern die beiläufige Art, wie Aang davon geredet hatte Familien auseinander zu reißen. Als ob Babys ihren Müttern wegzunehmen keine Rolle spielte. Schlimmer noch – dass die Mütter darüber sogar noch froh sein sollten.
Die Worte versiegten. Er schluckte und grub nach noch ein paar mehr. „Aang... Katara und ich, wir haben ihm immer wieder gesagt, dass er zur Familie gehört. Aber er weiß nicht mal was das ist. Und wenn er nicht versteht, warum wir kämpfen..." Ratlos schüttelte Sokka den Kopf.
„Vielleicht hatte Iroh doch Recht", sagte Toph halb bei sich. „Darüber, wie der Krieg anfing", fügte sie hinzu, als Köpfe sich in ihre Richtung drehten. „Er weiß es nicht sicher, er rät nur – aber ich glaube, dass er da gut rät."
„Der Krieg begann, als sie die Lufttempel ausgelöscht haben", zeigte Bato auf.
„Ja. Aber davor? Die Feuernation wird jedes Jahr von Hurrikanen getroffen", sagte Toph nüchtern. „Nicht so schlimm wie der von Kyoshi, aber schon schlimm. Und die Luftnomaden hätten sie warnen sollen, wenn sie einen kommen sahen. Nur direkt vor dem Krieg? Da kam keine Warnung."
Schweigen.
„Iroh glaubt... vielleicht hat Feuerlord Sozin dafür gesorgt. Damit er eine Entschuldigung hat." Toph wand sich. „Ich konnte nicht glauben, dass sie es ihm abkaufen würden. Ich kenne Aang. Aber... Aang ist nur ein Luftbändiger, ein Kind und..." Sie ballte kleine Fäuste.
„Und vielleicht kannte die Feuernation die anderen gerade gut genug, um es zu glauben", sagte Xiu mit bleierner Stimme. „Oh, Oma und Shu..."
Hakoda wandte seine Aufmerksamkeit auf Toph. „Du scheinst dich ziemlich viel mit Iroh unterhalten zu haben."
„Ja", gab Toph zu, spannte sich. „Also werde ich meine verdiente Strafe ertragen, wie ein Krieger es sollte, Häuptling Hakoda. Ich habe euch nicht angelogen. Aber ich habe Geheimnisse bewahrt."
Ein paar der älteren Männer schmunzelten etwas und wirkten als ob sie dem kleinen Mädchen sagen wollten, dass sie spielen gehen sollte. Sokka funkelte sie an.
Hakodas Blick ruhte immer noch auf Toph. „Was für Geheimnisse?"
„Ich wusste, dass Zuko nicht mehr hinter Aang her ist."
Sag das nochmal?, japste Sokka beinahe.
Hakoda betrachtete sie sorgfältig. „Du bist Aangs Freundin, aber das unterwirft dich nicht unserem Urteil."
„Ja." Toph nickte, erkannte die Warnung an. „Aber ich bin Aangs Freundin und auch die von Sokka und Katara. Also müssen sie wissen, was ich gemacht habe um zu helfen. Ich bin Toph Bei Fong von der Bei Fong Familie und wenn wir einen Handel machen? Dann ist es abgemacht. Und sie müssen jetzt wissen, was das bedeutet, oder wir landen alle in noch einem Schlamassel."
„Gut gesagt", stimmte Bato zu. Er warf Hakoda einen Blick zu, eine ausdrucksvolle Braue gehoben.
„Nun gut", gab Hakoda zu. „Wie lange hast du es gewusst?"
„Seit er aufgewacht ist", sagte Toph unverblümt. „Doch, wisst ihr, dass er auf Azula losgegangen ist, um uns einen Ausweg zu verschaffen, war schon irgendwie ein Hinweis." Sie zuckte die Schultern. „Wir haben einen Handel abgeschlossen. Wie ich Sokka gesagt habe. Aber Zuko bat mich, euch im Glauben zu lassen, dass er immer noch hinter Aang her ist. Er wusste, dass ihr mit der Armee zu tun habt. Und wenn sie herausgefunden hätten, dass der Drache des Westens hier ist – nun, ihr habt es ja gesehen. Also dachte Funkenfresser, dass das Beste was er tun konnte war, Zielscheibe zu spielen. Denn wenn ihr euch Sorgen macht, dass Zuko den Avatar schnappt, heißt das, dass ihr nicht an Iroh denkt."
„Er hat wirklich geholfen", sagte Sokka ungläubig. Sicher, er hatte ausgeknobelt, dass Zuko Fetzen eines echten Menschen in sich hatte, wenn es um Iroh ging, aber – oha. „Keine Spielchen. Keine Tricks. Er hat wirklich versucht, Aang zu helfen, wieder gesund zu werden." Er warf die Hände hoch, völlig verwirrt. „Nur weil er es dir versprochen hat?"
„Weil ich darum gebeten habe", sagte Toph offen. „So wie er mich gebeten hat, ihm zu helfen Appa zurück zu holen. Er hat seinen Hals riskiert und hat uns gefunden, Sokka. Obwohl er wusste, dass wir die Dai Li über sie bringen konnten. Denn er wusste, dass Long Feng und die Generäle auf noch so ein Schlamassel wie am Nordpol aus waren." Sie hielt inne, runzelte die Stirn etwas. „Und... weil er einen Plan hat."
Zuko hat einen Plan? Oh Mann, das hörte sich nicht gut an. „Ein Plan wofür?", fragte Sokka misstrauisch. „Er kann Aang nicht mit nach Hause bringen. Azula ist die Erbin. Was kann er denn noch machen?" Und warum habe ich das ungute Gefühl, dass ich das gleich herausfinde?
„Ich weiß es nicht", gestand Toph. „Iroh hatte keine Chance es mir zu sagen. Er wollte nicht, dass Katara versucht es zunichte zu machen. Aber ich glaube – " Sie zögerte. „Ihr Leute seid nicht die einzigen, die es mit Geistern zu tun hatten."
Sokka spürte, wie sein Mund aufklappte. „Etwas hat versucht Amaya zu fressen..."
„Und Zuko half den Dai Li es aufzuhalten." Toph nickte ernst. „Als wir auf den Weg zu Appa waren haben wir uns unterhalten. Lang." Sie neigte ihren Kopf zu Hakoda. „Zuko weiß, dass die Welt von der Rolle ist. Iroh hat versucht, den Mond zu retten. Ich weiß nicht, was sie vorhaben, aber... es wird uns nicht schaden. Und es könnte helfen."
„Also, trotz allem vertraust du ihnen", schloss Hakoda. „Das ist sehr ehrlich."
„Nun... nicht ganz", gab Toph zu. „Es gibt noch etwas, das ich über Zuko weiß." Ihr Gesicht wurde zu wilder Entschlossenheit. „Aber das ist privat. Geht nur Zuko was an. Niemanden sonst."
Langsam nickte Hakoda. „Ich denke damit können wir leben."
Toph fuhr auf. „Tatsächlich?"
„Du hast nicht gelogen", sagte Hakoda schlicht. „Du hast uns nicht die ganze Wahrheit gesagt, aber was du ausgelassen hast – nun. Ich sage nicht, dass es mir gefällt, dass du Zuko als Freund siehst..."
Toph funkelte ihn an.
„Aber wenn er sein Wort an dich gehalten hat – ich denke, das ist alles, was wir von der Feuernation verlangen können." Hakoda runzelte die Stirn. „Oberst Mohe hat beschlossen, dass sie doch einen Boten schicken. Wenn wir Ba Sing Ses Antwort vermeiden wollen, sollten wir bald nach seinem Aufbruch verschwunden sein. Auch wenn das bedeutet, dass wir nach dem Sonnenuntergang auf dem Wasser sind."
„Was ist daran falsch in der Nacht zu segeln?", fragte Sokka verwirrt.
„Die letzten paar Tage nichts", sagte Bato sachlich. „Aber schon seit Wochen... sagen wir nur, dass es mir jetzt etwas leid tut, dass ich deiner Großmutter Angst eingejagt habe."
Toph versteifte sich beinahe so sehr wie er. „Ihr habt Geister gesehen?", verlangte Sokka zu wissen.
„Wir sind nicht sicher, was wir da gesehen haben", gab Hakoda zu. „Es begann nicht lange nachdem der Mond erlosch. Und es kommt mit einem Wind aus dem Norden..."
Langxue, Saoluan/ Insel Kyoshi
Der Unagi kreischt, sagte sich Langxue, während er in die Zähne des Nordwindes hinein rannte. Du solltest in die andere Richtung rennen.
Andere Richtung, zum Henker, er sollte noch nicht einmal hier draußen sein, wo es so kurz vor dem Sonnenuntergang war. Das hatten die Ältesten von Dorf Sugi entschieden. Das hatte jeder andere erwachsene Wasserbändiger entschieden, als die erste zerfledderte Leiche ohne Nase und Ohren ans Ufer gespült worden war. Kinder sollten nicht alleine zum Wasser gehen. Wenn es dunkel war, niemals.
Wenn ich nicht alleine wäre, dann würde ich überhaupt nicht hin gehen! Verdammt, Saoluan...
Manchmal hasste er es wirklich ein Pechmagnet zu sein.
Nicht, dass irgendjemand das sagte. Zumindest niemand außer ein paar muskelbepackten Jungen, die er hinter den Häusern am Boden festgefroren hatte. Und ein oder zwei der Mädchen, die es lustig fanden, dass ein Junge versuchte mit dem Katana seiner Mutter zu kämpfen statt dem Langschwert der Wasserbändiger – ehe Saoluan ihn unter ihre – ähm, ihren Arm – genommen und ihm das eine oder andere gezeigt hatte.
Nein. Es war in allem was der Rest des Dorfes nicht sagte, seit Jahren. Nachdem der alte Shanxue seine Familie zum Fischen hinaus geführt hatte und nur ein halbwüchsiger wasserbändigender Enkel lebendig angespült worden war...
Wasserbändiger sollten nicht allein sein. Jeder wusste das. Also war er von Haus zu Haus gereicht worden, jeder einzelne von ihnen hatte erwartet, dass er irgendwann dankbar sein würde, zu Familie werden würde...
Aber das waren sie nicht. Sie waren nicht Papa oder Mama oder Opa oder Kleine Schwester. Das waren sie nicht.
Und nur Saoluan schien nie überrascht zu sein, wenn sie sich wach blinzelte und ihn in einer Ecke zusammengerollt fand, in ihrer kleinen Hütte in der Unglücksbucht. „Hey, kleiner Kapitän." Sie streckte sich dann und gähnte. „Meinst du, wir ham' Zeit für Frühstück, bevor wir trainieren?"
Verdammt, wenn er Saoluan fand – betrunken natürlich, sie war immer betrunken, nach einem dieser idiotischen Pai Sho Spiele der Fischer – würde er sie –
Sage es nicht. Denk es nicht einmal. Du weißt doch, was Geister mit Todeswünschen anfangen können. Du weißt was da draußen ist...
– Er würde sie anbrüllen. Laut. Und dann würde er warten, bis sie wieder aufwachte. Und dann würde er Töpfe zusammenschlagen.
Mit geplanter Rache rannte er weiter.
Sei noch beim Spiel, bitte, sei noch beim Spiel, Saoluan, sei weit weg vom Wasser...
Nun. War sie. Fast.
Er erreichte die Hügelkuppe zum Schrei einer Schlange und dem Bersten von Holz, wie Schiffsplanken, die in einer Bö erzitterten. Die Wellen der Bucht schäumten pink im Wind, verstreuten und zerschmetterten kleine Boote von Fischern die hier lebten und arbeiteten, fern vom Haupthafen und dem Schatten von Kyoshis Erinnerung. Leckten und wuschen zu der von Fisch beschmutzten Hütte, die als Taverne, Treffpunkt für Spiele und Zuhause der größten Fischgeschichten auf der Insel diente –
Rot und Weiß und Purpurblau krachte herab, die unfassbare Länge des Unagi zerschmetterte die kleine Hütte in einem verzweifelten Versuch zu entkommen. Eine sich windende, blutrot gefleckte Masse klammerte sich an den Nacken der großen Schlange, ein leichenblasser Kopf grub tief und Blut rann herab.
Das Ding war rot und weiß und riesig, erkannte Langxue verblüfft. Zu groß um real zu sein. Es saugte Blut, zu gierig um etwas anderes zu sein.
Jurenzhi!
Es war nur eine Geschichte. Meistens. Doch alle wussten, dass manchmal Menschen im Wasser starben... und nicht ertranken. Und jeder kannte die Zeichen.
Aber es sollte nicht hier sein, niemand hatte den Ozean so sehr verärgert. Niemand hätte das geschafft! Sogar Suki, die die jungen Kyoshi-Kriegerinnen in den Krieg führte – das hätte nur die Geister dort drüben stören sollen, nicht hier...
Langxue starrte die miteinander ringenden Monster an und fragte sich, wann das schwere Schwert auf seinem Rücken zu einem lächerlichen Zahnstocher geworden war.
Bitte, lasst das Blut nicht von ihr sein. La, Tui, bitte...
Grün fing das schwache Licht des Sonnenuntergangs ein, das auf dem Wasser schimmerte, während eine Frau in Uniform einen betäubten Fischer aus den Trümmern zerrte.
Langxue stieß erleichtert den Atem aus und raste in diese Richtung. Er erkannte dieses hellbraune Haar überall. Nicht die Farbe, nicht in diesem Licht – aber die Art, wie ihre Besitzerin es ungeduldig zurück warf, ohne Stirnband um es zurück zu halten –
„Höher hinauf", hörte er Saoluan fluchen, der Fischer hing an ihrer Schulter. „Müssen weiter – aah!"
Er sah nicht hin. Wirbelte nur herum und riss, die wilden Wasserströme des Unagi peitschten von seiner Freundin fort um sich zwischen ihr und dem tobenden Fleisch zu einer Eissäule zu winden.
Der Blutsauger drehte und wand sich und Eis zersplitterte.
Aber er hatte sie jetzt erreicht, stützte die andere Seite des Fischers, damit sie alle sich schneller bewegen konnten. Nun... es zumindest versuchen konnten.
Verdammt! Ich hasse es klein zu sein!
Ein Problem, wie Saoluan immer sagte, das sich selbst lösen würde – aber er war dreizehn. Sollte er nicht schon wenigstens etwas größer sein?
„Ist noch jemand dabei?" Saoluan roch nach Sake, aber sie hörte sich nicht betrunken an. Überhaupt nicht. Sie hörte sich auch nicht wie ihr normales, unbekümmertes Selbst an. Das war die Saoluan, die fast keiner sonst erkannte. Die Kyoshi-Kriegerin, mit der er es zu tun hatte, wenn sie trainierten. Es nur zu hören, weckte das Bedürfnis, gerade zu stehen.
Das oder sich zu verstecken. Wenn Saoluan ernst war – das war übel.
„Ich glaube nicht", antwortete Langxue und versuchte ihren festen Tonfall zu imitieren. Auch wenn er zwei Schritte machen musste, für jeden von ihren. „Sie haben endlich aufgehört zu streiten und jetzt sind alle erwachsenen Bändiger in der Schwitzhütte."
„Sie sind was?", stotterte Saoluan, immer noch weiter zerrend.
„Rituelle Reinigung, um den Ozean anzusprechen und die Quelle seines Zorns zu ergründen", sagte Langxue trocken. „Wenn es schiefläuft, werden sie es wahrscheinlich mir in die Schuhe schieben."
„Rituelle Reinigung", wiederholte Saoluan, bewusst jede Erwähnung seines Pechs ignorierend. „Die Geister angemessen anzusprechen." Ihre Stimme war kantig. „Großartig. Genau die richtige Zeit dafür, Leute..."
„Aber jemand muss doch!", protestierte Langxue, als sie über die Flutlinie hinauf kamen und ihre stöhnende Bürde absetzten. „Du weißt doch, dass ein Jurenzhi bedeutet, dass die Geister des Meeres verärgert sind!"
„Jeder mit Augen innerhalb von zwei Meilen kann das sehen." Saoluan starrte die miteinander ringenden Giganten an, ihre geschwungenen Lippen waren zu einer uncharakteristischen harten Linie zusammengepresst. „Warum konnten sie nicht einfach die Hälfte der Bändiger reinigen? Und den Rest davon hierher schaffen um etwas zu tun?"
„Aber so geht das nicht!", widersprach Langxue. „Du kennst doch die Geister-Märchen. Das ganze Dorf muss es machen, oder es klappt nicht. Wenn auch nur einer wegschleicht..." Er schluckte trocken.
„Also sind wir so oder so im Arsch, oder, kleiner Kapitän?" Saoluan lächelte schief. „Typisch für mich."
Nein, dachte Langxue. Nicht für dich. Für mich. Es tut mir leid...
„Müssen es aufhalten", stöhnte der Fischer und griff nach einem Haken, der nicht da war.
„Rhun, du bist betrunken", rügte ihn Saoluan.
Langxue konnte nicht anders als zu schnauben.
„Nun, ich weiß, dass ich betrunken bin", sagte sie zimperlich. „Und ich habe keine Gehirnerschütterung."
„Wir müssen", beharrte Rhun, als ein paar der tapferen und flinkeren Kerle herbei kamen um zu helfen, sie alle höher über die Brandung zogen. „Der Unagi gehört uns! Können doch keinen komischen Fleischklumpen ihn fressen lassen..."
„Verdammt, der Mann hat Recht", knurrte einer der Graubärte. „Wer soll die Feuermarine fernhalten, wenn dieses Ding den Unagi frisst? Suki hat alle echten Kriegerinnen mit auf den Kontinent genommen... äh."
„Halte dich nur nicht zurück, Chow", schmunzelte Saoluan, nur etwas bitter. „Sag mir, was du wirklich denkst." Blassblaue Augen verengten sich, als der Unagi einen weiteren pfeifenden Schrei ausstieß. „Verdammt, es ist genauso hässlich wie der davor. Und größer."
„Der davor?", wiederholte Langxue mit weiten Augen.
„Ohhh, ja", seufzte Saoluan. „Oh, mein kleiner Kapitän... niemand hat dir je gesagt warum alle echten Kriegerinnen in Sukis Alter sind?" Sie grinste etwas und wuschelte seine schwarzen Haare. „Nee, das hätten sie nicht. Und du hast zu sehr getrauert, um dich das zu fragen. Niemand wollte darüber reden, was vor sechs Jahren passiert ist. Damals kam der Wind aus dem Süden..."
Wind aus dem Süden. Der Wind aus dem Nirgendwo, der das Schiff seiner Familie zerschmettert hatte und die Wellen zu einem schäumenden Hunger aufgepeitscht hatte, den selbst das Wasserbändigen seines Vaters nicht besänftigen konnte. Wind und Wellen die er irgendwie bis zum Ufer geritten hatte, obwohl er wusste, das etwas da draußen ihn wollte, er war nur zu klein um gesehen zu werden... „Was ist passiert?"
„Später", sagte Saoluan fest. „Chow, wir brauchen Netze. Und Harpunen. Und Feuer – "
Die Kiefer des Blutsaugers sanken tiefer und der Unagi warf sich verzweifelt aufs Ufer. Aber nicht weit genug. Der weiße, blutbefleckte Schwanz des Blutsaugers entrollte sich und peitschte das Wasser in tosende Raserei –
Die Bucht schäumte und ein Tsunami krachte herein.
Eis. Benutze Eis, schwimme, pack das Ufer, lass dich nicht mit hinaus zerren –!
Der Jugendliche durchbrach keuchend die Oberfläche, Eis ein festes Boot unter ihm, um die Wellen zu reiten –
Mit einem Knochen erschütternden Krachen zerschellte es an Felsen.
...Autsch.
Wellen zogen sich zurück, zerrten den schwächer werdenden Unagi mit sich. Und –
Langxue sah nasses Grün, blitzenden Stahl und spürte wie sein Herz gefror.
„Komm schon, du Mistkerl", höhnte Saoluan, während sie verzweifelt versuchte, wieder ans Ufer zu kommen. Sie war, ihren Blicken nach, sich bewusst, dass ein halbes Dutzend strampelnder Fischer mit ihr ins Wasser gesogen worden waren – viel einfachere Ziele, auch wenn sie ohne die von Salzwasser getränkte Rüstung leichter waren. „Dein kleiner Bruder war nicht genug, die Sache zu erledigen? Beiß mich doch!"
Berühre niemals das Meer, wenn der Ozean erzürnt ist, hatten die Ältesten gesagt. Niemals.
Aber das hatte er schon. Und das da draußen war Saoluan.
Wenn das klappt, dann hast du nur eine Chance.
Er nahm die Haltung ein. Er schätzte die Winkel ab. Heftete seine Aufmerksamkeit dort hin, wo sich fleckiges Weiß befand und Stahl aufblitzte. Und er schob die Angst in eine dunkle Ecke seines Verstandes, um sich später darum zu kümmern.
Durch Angst können Meergeister einen schnappen. Werde wütend.
Noch ein Herzschlag des Abschätzens und er sprang –
landete, schob hinab und weg.
In Saoluans Schrei schwang erkennbar Schadenfreude, als die Welle sie ans Ufer schwemmte. Blutbefleckte Kiefer wurden mit der gegenläufigen Welle losgerissen und der Unagi wand sich frei –
Blind schwangen diese Kiefer wie ein Lot zu ihm, vor Wut zischend.
Langxue nahm die Beine in die Hand, betete, dass seine Welle Saoluan weit genug herein tragen würde. Er betete, dass er der Flut, die seine Sandalen durchnässte, davonlaufen konnte.
Der Schrei des Blutsaugers klang wie das Geheul verlorener Seelen und ein brodelndes Meer überschwemmte ihn.
Verdammt, wenn ich doch nur schneller gewesen wäre...
Er landete hart. Auf trockenem Fels.
Was zum Henker?
„Oh, meine Güte." Ein ältliches Gesicht schwamm in Sicht. Es stand auf dem Kopf, aber diesen langen, weißen Schnurrbart konnte man nicht für etwas anderes halten. „Wir haben dieser Tage so viele Besucher."
„Was – wie – wo?" Verwirrt kam Langxue auf die Knie und spürte das vertraute Gewicht von Stahl auf seinem Rücken. Und dann vertraute Arme, die ihn in eine vertraute Umarmung zogen.
Mama. Papa.
… ich schätze, ich bin tot.
Ich kann nicht tot sein! Saoluan braucht mich. Ich muss –
„Hallo da."
Saoluans Training übernahm, er sprang aus warmen Armen, landete bereit, das Schwert gezogen und gegen diesen tödlichen, knisternden Akzent gerichtet. „Weg von uns!"
„Halt. Halt!" Die Hände waren leer, trotz der rot-schwarzen Rüstung. Ein dunkelhaariger Knoten, der mit einem goldenen Ornament festgesteckt war, das Langxue nicht kannte und ein schiefes, freundliches Lächeln, das nie und nimmer auf ein Gesicht der Feuernation gehörte, folgten. „Ganz ruhig. Wir sind hier alle Freunde." Er schmunzelte. „Auch wenn einige von uns sich... seit einer Weile nicht gesehen haben."
Schweigend drehte Langxue die Klinge in einer offenen Drohung, die Saoluan zurück, oder werde zu Sushi nannte.
„Vielleicht war das ein Fehler", seufzte der ältere Mann, der in gelb und orange gekleidet war.
„Der Fehler wurde nach Yangchens Tod gemacht", sagte der Feuerbändiger sachlich. „Nur weil dir die Vergangenheit unserer Leute nicht gefällt, Gyatso, heißt das nicht, dass du vor ihr weglaufen kannst." Er seufzte. „Das tue ich dir nur ungern an, Junge. Aber wir haben keine andere Möglichkeit... und die Geister haben endlich kapiert, dass uns die Zeit knapp wird." Ernste, goldene Augen begegneten meergrünen. „Hyourin – wach auf."
Die Welt taumelte.
Hyourin. Ich bin...
Ich bin Langxue. Aber... ich war Hyourin und... „Kaze", hauchte Langxue, als er seine Klinge senkte. Er erinnerte sich nicht, kaum ein paar Bruchstücke – aber er konnte es fühlen. Alter Freund. Es ist so lange her. „Was... warum?"
„Eine lange Geschichte", sagte der Feuerbändiger offen und stieß erleichtert den Atem aus. „Ganz kurz gesagt? Wir haben sie aufgehalten. Wir sind dabei draufgegangen. Aber Koh hat sich herausgewunden, wie der Tausendfuß-Egel, der er ist und... Dinge gingen schief." Er rollte die Augen. „Und als die Geister versuchten, es hinzubiegen? Da haben sie ein winzigkleines Detail vergessen." Kaze begegnete ernst seinen Augen. „Seit über 1000 Jahren hat es keine Geistheiler mehr gegeben."
Oh. Oh, das... hunderte von Saoluans Flüchen kamen ihm in den Sinn und nur die Ohren seiner Eltern hielten ihn davon ab, sie alle loszulassen. „Verdammt", hauchte Langxue. Keine Geistheiler bedeutete, dass es niemanden gab, der sich um den Schaden kümmern konnte, wenn ein Geist einen Yaoren erwählte. Das hieß, jeder, der in die Wunde und das starke Herz, das nötig war, um den Avatar auszugleichen, gestolpert war, hätte vielleicht einen Lauf der Jahreszeiten, ehe die Belastung ihn zerriss. Oder weniger. „Ich bin im Arsch."
„Langxue", rügte Papa.
Mama klapste ihm leicht auf den Hinterkopf. „Auf unseren Jungen kommen Schwierigkeiten zu. Wenn ein junger Mann dann nicht fluchen kann, wann dann?"
„Du kannst es schaffen, wenn du schnell bist", sagte Kaze ehrlich. „Es gibt jetzt zwei. Vielleicht drei, wenn Shirong das Feuer schnell erlernt. Aber du musst sie zuerst finden. Und sie stecken in einem unglaublichen Schlamassel."
„Ein Schlamassel?", sagte Langxue vorsichtig. Nur weil er sich nicht daran erinnerte, in was Kaze ihn vor so vielen Jahren hinein gezerrt hatte, hieß das nicht, dass er nicht darauf kam, was dieses mulmige Gefühl von oh, Junge, bedeutete.
„Mach dich in Richtung Gaipan auf und weiter nach Norden", sagte Kaze, der Frage ausweichend. „Glaub mir, du wirst auf dem Weg genug hören, um da durchzusteigen." Er lächelte traurig. „Es tut mir wirklich leid. Wenn das klappt, hilfst du meine Familie zu retten. Und..." Er schüttelte den Kopf.
Langxue steckte das Schwert in die Scheide und umarmte seine Eltern fest, sog das Gefühl sie halten zu können auf, bis... oh, Geister, bis. Er holte tief Luft und sah auf. Gyatso ist Luft. Kaze, Feuer. Mama und Papa, Erde und Wasser. Ja, ich sehe worauf das hinaus läuft.
Und es gefiel ihm nicht. Führer aus den vier Nationen bedeuteten einen Notfall, bedeuteten, dass kein anderer Yaoren dort war, um die erste Berührung einer anderen Macht auf der eigenen Seele zu lindern. Nicht, dass es jemals sanft wäre...
Ein Yaoren kann Dinge bekämpfen, die ein Bändiger nicht bezwingen kann. Selbst den Zorn des Ozeans. „Schafft mich schnell genug zurück, um dieses Mistvieh zu braten und es muss dir nicht leid tun."
„Das ist das andere, was mir leid tut." Kaze zuckte zusammen.
„Warum?", sagte Langxue misstrauisch. Kaze hatte einen verblüfften jungen Wasserbändiger das Feuer gelehrt, vor vielen Leben, so wie Mi Noh Kaze Luft gelehrt hatte. Er spürte Agni in der Nähe warten, in dem Sonnenlicht, das durch die Tempelfenster funkelte, in einem warmen Hauch an der Wange. So wie er Tui in dem Brunnen ein paar Räume entfernt plätschern spürte...
Und da war sie, Mondlicht und wallende Roben, mit einem Gesicht, das er noch nie gesehen hatte. „Mein Bruder muss seinen Anspruch auf dich aufgeben. Das ist der einzige Weg, um jenen, der dich sucht zu überzeugen, dass wir ernst meinen, was unser junger Yaoren Avatar Yangchen versprochen hat. Das Gleichgewicht wird wiederhergestellt werden, egal was es kostet."
Junger Yaoren? „Ihr habt einem anderen armen Bastard diese Aufgabe aufgedrückt?", brach es aus Langxue heraus. „Was hat er euch denn getan?"
Tui betrachtete ihn, ihr Gesicht war von sanfter Rüge beschattet.
„Tut mir leid", sagte Langxue beschämt. „Aber – wenigstens kann ich spüren, wie es war die Welt zusammenhalten zu müssen. Wenn er gerade erst damit anfängt..."
„Mein Cousin ist dafür bereit. Glaub mir." Kazes Lächeln war stolz. „Es wird ihn in den Wahnsinn treiben... aber er schafft das."
„Das hoffe ich. Für uns alle." Langxue schüttelte den Kopf. Nicht Agni. Oma und Shu sind ein Paar, also – oh.
Ja. Er hatte darum gebetet, schneller zu sein.
„Mein Bruder muss dich aufgeben", wiederholte Tui entschlossen. „Doch du bist immer noch mein."
Die Berührung ihrer Hand war Schnee und Nacht und Sternenlicht.
Als er wieder atmen konnte, hatte sich das Licht verändert. Es war klarer, mit der Neigung, die, wie er wusste, Herbst bedeutete, obwohl die Welt der Sterblichen noch immer auf dem Weg in den Sommer war. Tui glühte immer noch vor ihm, doch sie schaute mit traurigen Augen zu dem Mönch... doch auch so unnachgiebig wie der Winter. „Das Gleichgewicht muss wiederhergestellt werden."
„Ich habe Aang aufgezogen und ihn geliebt und habe getan was ich konnte um ihn vor den Ältesten zu beschützen, die nur den Avatar sahen und keinen Jungen", sagte Gyatso traurig. „Und du verlangst, dass ich ihm das Herz breche?"
„Die steigende Welle muss auch fallen. Die Ruhe muss auch den Sturm kennen."
„Ich kenne diesen Ausdruck in den Augen eines Mannes. Hyourin ist ein Killer!"
„Der Wind schneidet den Berg und muss selbst geschnitten werden. Wie viele hat Kyoshi erschlagen?"
„Du kannst Aang nicht dafür verantwortlich machen – " Gyatso holte tief Luft, wich der Falle aus. „Was ihr tun wollt, würde zu noch mehr Blutvergießen führen. Nicht hier, nicht jetzt – aber früher oder später würde es wieder Mord geben. Tod, den aufzuhalten die höchst ehrenwerte Yangchen ihr Leben gegeben hat!"
„Wenn du glaubst, dass wir alle gestorben sind, um das aufzuhalten", sagte Kaze ausdruckslos, „dann hast du gar nichts verstanden. Luft ist Freiheit."
Düster schüttelte Gyatso den Kopf. „Ich habe mein Leben dem Frieden gewidmet und nur eine kurze Stunde dem Krieg. Ich helfe euch nicht."
„Bist du verrückt?", rief Kaze. „Deswegen hat das Erdkönigreich zugelassen, dass ihr – "
„Wenn er nicht helfen will, dann eben nicht", sagte Langxue brüsk. „Du bist hier."
„... Stimmt."
Zum ersten Mal wirkte Gyatso alarmiert. „Euer junger Prinz brauchte vier – "
„Kaze ist Yaoren. Menschen mögen vergessen haben, was das bedeutet. Wir jedoch nicht." Sie wendete sich dem Fenster zu und dem endlosen blauen Himmel. „Herbstlord. Sturmbringer. Du bist hier willkommen – "
Das Blau riss ihn fort.
Saoluan, Langxue/ Insel Kyoshi
„Atme, kleiner Kapitän", keuchte Saoluan. Sie war tropfnass, ihre Knie weich, die Arme schwer wie Blei, doch sie lauschte nach einem Herzschlag, der einfach nicht da war. „Verdammt, nicht sterben, das ist mir schon zu oft passiert..."
Sie ignorierte das Zischen hinter ihr, das Gurgeln der Wellen, als eine Fleischmasse, so groß wie ein Haus sich näherte. Sie hatte kaum die Kraft gehabt, sie beide gerade so aus der wütenden Brandung zu zerren. Sie könnte jetzt kaum zwei Schritte rennen.
Konzentration. Da war sein Herz und da sein Brustbein und – verdammt, die Geschichten besagten, dass das manchmal klappte...
Sie zog hoch und schlug auf seine Brust. Hart.
Ein würgendes Husten und Langxue saugte Luft ein, meergrüne Augen blinzelten weit. „Saoluan... weg da."
Sie lächelte bittersüß. Sie sollte weg gehen und ihn ihm stattdessen überlassen? Zu viele ihrer Schwertschwestern waren schon auf diese Art gestorben. Tut mir leid, Kapitän. Nein.
Mit Flüchen, die die Luft blau färbten, stieß Langxue die Hand vor –
Wasser wurde klirrend zu Eis, so laut wie vom Frost erschütterte Glocken.
Mit offenen Mund schaute Saoluan hinter sich. Meine Güte...
Der Blutsauger wand sich in der Mitte eines Eisberges, zuckte Eis zu Wasser, Kubikzentimeter für Kubikzentimeter. Für den Moment war er gefangen, aber wenn er auch nur die Spitze seines Schwanzes frei winden konnte, um das Meer wieder aufzupeitschen –
„Hilf mir hoch", flüsterte Langxue.
Ja, gute Idee, wir sollten machen, dass wir weg kommen, dachte Saoluan, als sie ihn auf die Füße zog. „Gehen wir – "
Langxue zog sein Schwert.
„Wir müssen hier weg", protestierte Saoluan.
„Sie haben es vergessen", sagte ihr kleiner Wasserbändiger grimmig. „Alle haben es vergessen. Das Langschwert ist Wasser. Der Säbel, Erde. Gepaarte Klingen sind Feuer, Stahl für die Klauen der Drachen. Aber das Katana..."
Er hob seine Klinge und Saoluan stolperte zurück.
„Hai!"
Winterwind schlug wie ein Schwert zu, wie ein Hammer und zerschmetterte Eis und Fleisch und Geister-Verderbnis in einem Sturm von eisiger Kälte.
Saoluan blinzelte Frost aus den Augen und fing Langxue auf, als er fiel.
„Kiefer", brachte er heraus, so erschöpft, als ob er das Monster im Armdrücken niedergerungen hätte. „Sag Chow... die Kiefer holen. Sie zerschlagen. Verbrennen."
„Ich sage es ihm." Sie nickte und legte die Hand auf die seine, die Stahl in einem Todesgriff umklammert hielt. „Ich übernehme das. Ruhe dich aus." Oh, Geister, Kleiner. Wenn das war, was ich denke – oh, Oma und Shu, du bist in solchen Schwierigkeiten.
Meergrün funkelte sie an und eine Hand kroch hoch, packte ihre Uniform. „Gib nie wieder auf. Hörst du? Nie wieder."
„Nie wieder", versprach sie. Sie unterdrückte ein Schaudern als Eis durch ihre durchnässte Rüstung drang.
„Gut", murmelte er und entspannte sich endlich in ihren Halt. „Müssen aufeinander aufpassen. Große Schwester..."
Und weg ist er. Saoluan atmete tief durch und steckte sein eisiges Schwert in die Scheide. Sie hob den kleinen Wasserbändiger auf die Arme und machte sich auf den Weg zu Chow.
Fischer stoben aus ihrem Weg wie Spatzensittiche.
Chow war aus härterem Holz geschnitzt. Etwas härteres Holz. Aber dann war Chow einer der wenigen Leute, die erkannten, dass sie nie ganz so betrunken war, wie sie aussah. „Du hast ihn gehört", sagte Saoluan brüsk. „Zerschlagt und verbrennt die Kiefer. Wenn der Ozean beschließt, dass wir genug bezahlt haben, wird es vorbei sein. Wenn nicht – ihr solltet etwas Zeit haben, bevor ein neuer Blutsauger groß genug ist, um anzufangen zu kauen."
„Wir sollten?", fragte Chow vorsichtig.
Saoluan schnaubte. „Glaubst du der Feuerprinz wäre je hier aufgekreuzt, wenn die Leute nicht reden würden? Er kann nicht bleiben. Die Insel kann es nicht riskieren." Sie beäugte ihn. „Und ich schaue nicht einfach zu, wie das Dorf ihm die Schuld gibt, dass er überlebt hat. Wieder mal."
Chow hatte wenigstens den Anstand wegen seiner Erleichterung schuldig zu wirken. „Du kannst ihn nicht einfach den Leuten wegnehmen..."
„Und wen meinst du?", verlangte Saoluan wütend zu wissen. „Verdammt, Chow! Alle sehen einen Wasserbändiger. Keiner sieht ein Kind. Er muss sich in der Hütte einer gestrandeten Kriegerin herumdrücken, nur um einen Ort zum Weinen zu finden!" Sie schüttelte den Kopf und spürte Langxues Atemzüge an ihrer Brust. „Wir gehen."
„Wohin?"
Saoluan grinste und dachte an die kurze Liste, die sie packen musste. Ein Pai Sho Set eingeschlossen... und die Gerüchte über den Großlotus, die mit dem letzten Spiel gekommen waren. „Na, das ist... ein Geheimnis!"
Mai/ Oberer Ring/ Ba Sing Se
Ich hasse Geheimnisse, dachte Mai, ihr Gesicht beinahe verziehend. Pinselmacher Tu war groß und schlank, wohingegen General Iroh kurz und... nicht schlank war. Aber davon abgesehen war etwas an ihm nur zu vertraut. „Ich kann nicht lange auf die Lieferung warten."
„Unsere üblichen Versorgungswege sind... gestört worden", sagte Tu bedauernd. „Ein paar weitere Tage könnten viele Dinge klären."
„Ich glaube nicht, dass irgendetwas von außerhalb der Stadt qualitativ hochwertig genug ist, um die Wartezeit zu rechtfertigen", sagte Mai mit ruhig gehaltener Stimme. Es ist mir egal, ob du der Kontaktmann des Generals bist. Er kommt nicht hierher zurück. Nicht wenn Azula ganze Armeeeinheiten hat, die sie als Verstärkung rufen kann. Er wird warten, bis sie die Stadt verlässt. Und Min hält nicht so lange durch!
Sie wusste nicht, was Azula getan hatte, nachdem sie gegangen war. Da aber Min jetzt in einer Metallzelle saß, Azula selbstgefällig wirkte und Ty Lee an ihren Fingernägeln kaute – es konnte nichts gutes sein.
Sei verdammt, Zuko. Und auch Iroh, dass du dich so von ihm hast vereinnahmen lassen. Die Flucht des Avatars zu decken war nicht dein Leben wert!
„Ah, ich verstehe", seufzte Tu. „Die Dame ist eine Kennerin... hmm... Vielleicht sind weniger moderne Spielereien und eher der bewährte Stahl der Klassik genehm? Ich habe ein paar kostbare Antiquitäten vorrätig."
Mai unterdrückte ein Augenrollen, als sie Sets von aufeinander abgestimmten Haarornamenten und Bürsten überflog. Alles war für einen formellen Poesiewettstreit des Erdkönigreichs angemessen, in der die Präsentation der Schreiberin ebenso wichtig für den Sieg war, wie das Gedicht selbst. Ty Lee hatte es zwar genossen, sich als Kyoshi-Kriegerin zu verkleiden, doch sie selbst zog ihren eigenen Haarstil vor...
Halt. Was hat er gerade gesagt?
Sie betrachtete die mit Jade verzierten Ornamente noch einmal und traf dann ihre Wahl. „Ich nehme dieses hier."
Mai trat in die Nacht der Stadt und erschauerte beinahe dabei, wie normal die Straßen wirkten. Omashu hat nicht so leicht aufgegeben, dachte sie, als sie einem Soldaten auf einem Komodo-Rhino zunickte, während sie durch die Tore des Palastes trat. Sie haben sich gewehrt. Und als sie nicht mehr kämpfen konnten, zogen sie sich zurück. Mutig und vernünftig.
Diese Leute hier... Long Feng hat schon das halbe Leben aus ihnen herausgequetscht, ehe wir überhaupt hier ankamen.
Der Schatten eines trockenen Lächeln flackerte über ihre Lippen. Sie konnte Azula dafür hassen, dass sie sie benutzt hatte. Sie hasste die Prinzessin ganz bestimmt dafür, dass sie Zukos Tod arrangiert hatte.
Aber, verdammt, wenn die Prinzessin nicht eine wahre Erbin von Sozins Linie war.
Vernichte deine Feinde. Und erbaue aus der Asche unsere Nation stärker als je zuvor.
War das denn nicht auch, was sie mit sich selbst beabsichtigte? Azula war nicht die einzige, die die tödlichen Fähigkeiten der Dai Li erkennen konnte. Min wollte sie, um seine Stadt, seine Familie zu verteidigen. Ein würdiges und ehrenwertes Ziel. Aber wenn alle Fingerzeige, die sie gesammelt hatte, akkurat waren, hatte seine Familie vor, Ba Sing Se um Jinhais Willen zu verlassen. Und falls seine Loyalität zu ihnen stärker war, als seine Bindungen zur Stadt, dann vielleicht...
Azula hat die Mauern niedergerissen. Ihr habt mit Blut dafür bezahlt. Nehmt es und brennt euch frei!
Eine tapfere Hoffnung. Und tollkühn. Aber sie klammerte sich trotzdem daran. Irgendetwas weniger würde sie erstarren lassen, in dem Wissen, dass sie vorhatte Azula zu trotzen.
Besser tot als gefasst zu werden. Daran gab es keinen Zweifel.
Min ist schon gefangen. Das lasse ich nicht so stehen.
Mit kühl desinteressiertem Gesicht stieg Mai in die Kerker hinab.
Das Paar Dai Li, das den Weg versperrte, war keine Überraschung. „Warum wollen sie den Gefangenen besuchen?"
„Er half mir, zu vermeiden mich zu beschämen, als ich mich nicht wohl fühlte", sagte Mai kühl. „Ich beabsichtigte diesen Gefallen zu erwidern." Sie ließ einen kalten Blick über sie schweifen. „Oder möchten sie, dass er seine eigenen Pulsadern durchbeißt, ehe Prinzessin Azula beschließt, dass sie mit ihm fertig ist?"
Die Dai Li waren zu gut ausgebildet, um zusammenzuzucken. Aber der linke wirkte... etwas weniger sicher. „Ist das geschehen?"
„In der Nähe der Prinzessin? Nicht soweit ich weiß", sagte Mai offen. „Es war ein Problem für den Feuerlord, ehe er den Gefängniswärtern strikte Anweisungen erteilte." Sie hob etwas die Schultern, ließ ihre Überzeugung über die Wahrheit der Geschichten ihres Onkels für sich sprechen. „Sie ist die Erbin des Feuerlords. Ich bin sicher, dass jetzt mehr Leute erkennen werden, was genau das bedeutet."
Sie wurde durchsucht. Das hatte sie erwartet und übergab ihre offensichtlichen Messer ohne Protest, bis auf ein schweigendes Knurren. Die weniger offensichtlichen Messer hatte sie in ihrem Quartier gelassen, obwohl sie sich dadurch wie halbnackt vorkam. Es war unsinnig, eine noch intimere Durchsuchung zu provozieren.
Noch etwas bleich öffneten die Dai Li die Tür.
Agni, er sieht so klein aus.
Stahl schlug dröhnend hinter ihr zu und Min sah endlich auf. Grüne Augen weiteten sich vor Schock, dicht gefolgt von Wut und Angst –
Mai ließ ihn sich an sie klammern, während die Ketten mit jedem Zittern klirrten. „Tief durchatmen", hauchte sie. „Atme. Tief."
Schaudernd und keuchend beugte Min seinen Kopf gegen ihre Schulter. Er keuchte mit mehr als nur Angst um sich. „Meine Familie – sie sagte – "
„Sie hat sie nicht", sagte Mai ruhig. „Ich kenne sie. Du würdest es wissen, wenn es so wäre." Denn sie könnte nicht widerstehen euch einander zu zeigen. Bevor sie mit dem Feuer anfängt.
„Sie sagte – sie sind General Iroh loyal, sie wird sie umbringen..."
Ein kalter Schauer lief über Mais Rücken. „Erzähl mir was sie gesagt hat. Ganz genau."
„Sie sagte – " Min zitterte, rang sichtlich das Entsetzen nieder um denken zu können. „Sie sagte, sie könnte mich nicht nehmen, weil ich die Kraft jemand anderes hätte. Meiner Eltern. Dass sie dem General loyal sein müssten. Ich verstehe das nicht..."
„Feuer nährt Feuer", erklärte Mai. „Dein Geist ist an den deiner Eltern gebunden. Dein Klan. Wir sind gemeinsam stärker als getrennt. Am stärksten in der Loyalität zu einem Großen Namen." Stärke, von der sie nicht länger zehren konnte... aber das war unwichtig. Dafür würde sie sorgen.
Zuko hat drei Jahre im Exil durchgehalten. Ich kann das schaffen. Ich muss.
„Wenn du ihr gegenüber treten kannst, ohne zu zerbrechen und du nicht mal weißt, was du tust... es bräuchte einen starken Feuerbändiger, der dir diese Stärke leiht", fuhr Mai fort. „Der Drache des Westens könnte das tun. Nicht viele andere."
„Sie sagte ich wäre alt genug um einen Klan zu führen", brach es aus Min heraus.
Mai erstarrte. Nein. Das hat sie nicht getan.
„Wie kann jemand so etwas... sie sind doch nur Kinder, sie haben nie jemanden etwas getan und – ", Min schauderte. „Sie sagte, sie würde mich am Leben lassen. Und dann wäre nur sie da, um..." Er schüttelte den Kopf in sprachlosem Entsetzen.
„Kein Wunder, dass Ty Lee verstört ist", murmelte Mai. Ihre Gedanken rasten. Zugegeben, eine Gehirnerschütterung konnte selbst eine eiserne Selbstkontrolle erschüttern, doch Azula würde nicht grundlos zu etwas so grausamen greifen.
Ein ganzer Haufen Gründe. Den Erdkönig eingeschlossen.
Die Stadt einzunehmen war gut, doch nichts kam dem nahe, den Herrscher der Stadt in Ketten zu haben, damit der Feuerlord ihn unter seinem Fuß zertreten konnte. Mehr noch, die Tatsache allein, dass Kuei entkommen war, bedeutete, dass noch immer eine ernstzunehmende Bedrohung für die Feuernation in dieser Stadt lauerte. Das war Azulas wirkliches Ziel. Kuei war nur ein Bonus.
Eine im Entstehen begriffene Rebellion zerstören, den Erdkönig fangen und Shirong vernichten, urteilte Mai. Alles was sie tun muss, ist, jemanden genug aufzuschrecken, um zu versuchen Min zu retten und sie hat sie alle...
Mai schluckte hart. Erkenntnis kroch in ihre Adern wie Eiswasser. Und wenn niemand es versucht... hat sie uns alle auch so.
Azula hatte die Bühne vorbereitet. Sie hatte bewusst ihr Feuer und ihre Grausamkeit genutzt, um eine Drohung zu überbringen, die kein Klan ignorieren konnte. Jede Faser von Mins Seele musste um Hilfe schreien –
Und doch wussten nur sehr, sehr wenige, warum diese Hilfe nicht kommen durfte.
Sie weiß es. Agni, ich weiß nicht wie – aber sie weiß es.
„Mai?", Min berührte die Seite ihres Gesichtes, Sorge um sie trieb sogar das Entsetzen zurück – für eine Weile. „Geht es dir gut?"
„Die Dai Li sind gut", flüsterte Mai. „Ich habe keinen einzigen bemerkt, der mir gefolgt ist." Agni, sie werden Tu jetzt schon haben –
Nein. Nein, sie hatten ihn noch nicht geholt. Nicht, wenn er so gut wie gesagt hatte, dass seine begabteren Kontakte ein paar Tage brauchen würden, bis sie hier eintrafen. Azula wäre nicht mit Mai und einem geheimnistuerischen Ladenhüter zufrieden. Sie wollte das ganze Netzwerk haben. Als Geschenk verpackt, um den Sieg, den sie dem Feuerlord präsentieren wollte, voll und allumfassend zu machen. Perfekt. Wie das Durcheinander in Omashu... nicht gewesen war.
Min war vielleicht naiv, aber nicht dumm. Er zählte ihre Worte zusammen und wurde blass.
Doch dann schaute er zu Boden und atmete durch. Es war nicht die Verbindung von Luft und Chi und Muskeln, das sie in Feuerbändigern gesehen hatte, eine Haaresbreite davon entfernt, in einen Kampf zu springen. Das hier war langsamer, bewusst. Chi verwurzelt durch Rückgrat und Füße, um in das Herz der Erde selbst zu sinken.
Min hob den Kopf. Seine Augen waren furchtsam, aber beständig. „Gib niemals kampflos auf."
„So habe ich es gehört", sagte Mai klar. Sie griff in ihr Haar, um das eine Ornament hervorzuziehen, das keine der schwarzen Locken feststeckte. Sie drehte den lackierten Stiel, um ihn an einer unsichtbaren Linie zu teilen und schüttelte eine graue Rolle Diamantdraht in seine Hände.
Mins Mund klappte auf. Er sah zu ihr hoch, eintausend Fragen sprangen auf seine Lippen und erstarben unausgesprochen.
Mai lächelte schief. Natürlich hatten die Dai Li sie nach Erd- und Steinstückchen durchsucht. Natürlich hatten sie die Jade gesehen, die ihre Ornamente dezent schmückten. Und natürlich würden sie sie auf dem Weg hinaus noch einmal durchsuchen, auch wenn die Steinmenge so klein war, dass man die Lehrerin des Avatars selbst sein müsste, um damit gefährlich zu sein. Aber alles würde immer noch da sein, wenn sie wieder ging... und sie nur eine weitere Möglichkeit für Verrat, die unbekümmert verstrichen war, berichten konnten.
Nur dezente Stücke Jade. Gerade genug, um in den Sinnen eines Erdbändigers als Stein zu schimmern... und den Messerstaub von Diamant auf Stahldraht zu überdecken. Draht, der selbst den besten Stahl schneiden konnte, mit Zeit.
„Gib niemals auf", stimmte Mai zu. „Ich komme wieder."
Ich weiß nicht, was ich tun werde, noch nicht. Aber ich komme zurück.
Ihre Gedanken bewusst fern haltend, als die Dai Li sie wieder durchsuchten, überdachte Mai ihren nächsten Zug. Und erlaubte sich einen kurzen Moment des Selbstmitleides. Wenn es je eine Zeit gab, in der sie einen verschrobenen, Tee trinkenden General gebrauchen konnte...
Agni und Freundschaft hatten sie ihre Loyalität zurücknehmen und überleben lassen. Der Rest lag bei ihr.
Zuerst, finde heraus, was Ty Lee weiß, entschied Mai. Sie denkt, dass dieser Junge vom Wasserstamm niedlich ist, man glaubt es kaum. Ich weiß, dass sie Min nicht genug hassen kann, um Azula... so etwas tun zu lassen.
Nicht, dass Ty Lee gegen Azula handeln würde. Aber manchmal konnte man viel tun, indem man nichts tat.
Ty Lee, dann Quan, dachte Mai. Um zu sehen, ob Azula ihn gebrochen hatte... oder, ob er immer noch den Mut hatte, das Unmögliche zu versuchen.
Ich bin ein Kind des Feuers. Unmöglich heißt nur, dass es noch keiner gemacht hat.
Mit hoch erhobenem Kopf schritt Mai voran.
Teruko, Jee, Zuko/ Suzuran/ Erdkönigreich
„Unmöglich", grummelte Kapitän Jee leise bei sich, als er die Karte der Umgebung von Ba Sing Se, die auf dem Tisch des Wachraums gebreitet war, anstarrte.
Nicht leise genug. Teruko zuckte etwas, als sie sah, wie der Blick des Prinzen an Sadao vorbei zu ihrem Kapitän huschte. Irgendwann musste sie Jee gestehen, warum ein Marinesoldat wie sie mit einem Kissen über dem Kopf schlief. Die Leute waren viel lauter als sie erkannten.
Jee fing den Blick auf und verzog das Gesicht. „Es passen keine 3000 Leute auf dieses Schiff. Wir haben schon Glück, wenn wir ein Drittel davon schaffen! Die Vorräte, die wir brauchen mitgerechnet – wir werden keine bessere Chance bekommen sie später zu requirieren, General, und es ist mir gleich, wie viele Kontakte sie haben. Ich bin vielleicht nur ein Salzwasser-Idiot, der nicht mal weiß, welches Ende einer Kartoffel-Schocke man nach oben einpflanzen muss, aber ich kenne mich mit Logistik aus. Meine Frau – ", seine Stimme stockte nur kurz. „Die Heimatwache ist auch bei dem Aufbau von Kolonien involviert. Auch wenn alles klappt, wenn ihr Bericht über das Gebiet auf landwirtschaftlich nutzbaren Boden hinweisen und wir genug Farmer anziehen können, um die von uns, die keine sind zu ernähren – für die erste Ernte braucht es immer lange. Sobald bekannt wird, dass wir wirklich versuchen, den Vorschlag des Prinzen umzusetzen... nun, wir könnten von allen Richtungen her belagert werden. Das heißt, wir müssen mehr Zeit und Arbeit in Befestigungsanlagen stecken und da bleibt weniger für Nahrungserzeugung. Wir müssen dieses Schiff mit allem, was wir in die Hände bekommen vollpacken, oder jene, die wir heraus schaffen, werden den ersten Winter nicht überstehen."
„Das ist alles wahr", gestand Iroh zu. „Geduld, Kapitän. Als wir zuerst unsere Pläne schufen, waren die Kapazitäten von Suzuran nicht mit einbezogen." Er beobachtete seinen Neffen. Und wartete.
Während er die Karte studierte, nahm Zuko einen zerdrückten Ball weggeworfener Notizen. „Das sind unsere Pläne." Er ließ ihn in seiner Handfläche zittern. „Und das sind unsere Pläne mit Azula dort."
Obwohl sie es halb erwartete, fuhr Teruko zusammen, als das Papier in Flammen aufging.
„Ich glaube wir können immer noch etwas von dem, was wir uns überlegt hatten nutzen", fuhr der Prinz fort, während er die Asche fort wischte. „Das Problem ist, dass, wenn die Leute sich in Bewegung setzen, wir sie alle auf ein Mal herausholen müssen. Ein anderer Kommandant könnte Gruppen durchschlüpfen lassen, ohne stadtweit hart durchzugreifen, aber so lange Azula dort ist..." Er runzelte die Stirn, dachte angestrengt nach.
Jee seufzte und schaute auffordernd zum General.
Dieser lächelte und schüttelte schwach den Kopf. „Sie vergessen, Kapitän, Azula weiß, dass ich am Leben bin. Und sie hat meine taktischen Handbücher höchst eingehend studiert. Sie wird erwarten, dass ich gegen sie handeln werde und sie wird Pläne, die ich schmiede, voraussehen." Iroh hielt inne. „Aber sie glaubt, dass mein Neffe tot ist."
Teruko blinzelte. Guter Punkt. Taktische Genies waren dazu in der Lage, hatte sie gehört. Sie konnten die Gedanken des gegnerischen Kommandanten über das Schlachtfeld hinweg lesen, Aus den winzigsten Hinweisen. Zug und Gegenzug, bis einer falsch riet und dann –
„Wir müssen etwas Dummes machen", murmelte der Prinz.
Jee beäugte ihn, seine grauen Brauen senkten sich wie Gewitterwolken.
„Sie kennen meine Schwester nicht", sagte Zuko ehrlich. „Sie muss perfekt sein. Alles muss unter Kontrolle sein, die ganze Zeit. Unter ihrer Kontrolle. Sie will nur die Besten um sich herum. Wenn wir also in Ba Sing Se andocken, wo wir gesehen werden, aber um gleichzeitig zu vermeiden, dass sie uns sieht, müssen wir so tun, als wären wir..."
„Unfähig?", sagte Jee trocken.
„Unwichtig", korrigierte Zuko fest. „Unfähigkeit macht uns zu Übungsobjekten. Wir müssen so aussehen wie die Akten über Suzuran. Ein Haufen Sonderlinge, die es gerade so schaffen, die Mission zu erfüllen. Und für sie wird es am schlimmsten sein, Kapitän. Wir müssen annehmen, dass sie weiß, wer auf der Wani war."
Teruko schüttelte den Kopf, versuchte immer noch, mitzukommen. „Sie wollen, dass wir ganz offen hinein fahren?"
„Niemand desertiert und überlebt", sagte Zuko trocken. „Jeder weiß das." Er ließ blassgoldene Augen über sie alle schweifen. „Warum nicht? Shirong ist ein abtrünniger Dai Li, was für einen besseren Gefangenen kann man dem Feuerlord bringen? Wir versuchen nicht alle mitzunehmen. Wir nehmen jene mit, die es nicht über Land schaffen können. Diejenigen, die notwendig sind. Wir nehmen die Vorräte, die wir brauchen. Wenn wir uns mit Gefangenen auf den Weg nach Westen machen, müssen wir natürlich die Lager füllen, damit wir ohne Zwischenhalt direkt zum Feuerlord zurückkehren können. Nur ein weiteres Schiff im Dienst, das kritische, vertrauliche Informationen transportiert, über die Kanäle, die wir befuhren, ohne von Minen getroffen zu werden, um nach Ba Sing Se zu kommen... und der letzten bekannten Sichtung der Wasserstammflotte."
Jemand ist also doch immer noch sauer, dass er fast zerquetscht wurde. Teruko grinste bei sich. Gut, gut. Der Rest der Flotte in der Nähe der Chamäleon-Bucht würde berichten, wo sie die Kommunikation eingestellt hatten und jemand würde irgendwann Hakodas Flotte erspähen. Es war besser zuerst zu berichten und tugendhaft unschuldig zu wirken.
Sadao, die Finger mit unbewusster Nervosität verschränkt, schaute zu ihrem Kapitän. „Sir?"
„Es könnte klappen", sagte Jee langsam. „Jeong Jeong, eine Handvoll andere... aber kein Schiff der Feuermarine ist je desertiert. Technisch gesehen sind wir das auch nicht, nicht dass die Prinzessin solche Details kümmern wird..."
„Eine Zeitlang wird es funktionieren", korrigierte Iroh. „Azula wird bald erkennen, dass etwas nicht stimmt."
„Vielleicht soll sie das auch." Der Prinz holte tief Luft. „Man plant nicht, den Feind zu täuschen, basierend auf dem, was er glauben soll. Man plant darauf, was man will, dass er tut. Richtig? Wir haben Pläne, um Leute aus Ba Sing Se herauszuholen, aber die klappen nicht, wenn Azula dort ist." Er begegnete dem Blick seines Onkels. „Also, was, wenn sie herausfindet, dass ich lebe?"
„Riskant", murmelte Iroh. „Das müssen wir gut durchdenken."
„Äh, Sirs? Es gibt noch etwas, worüber wir uns Gedanken machen sollten", zeigte Sadao auf. „Wenn wir eine Domäne außerhalb der Loyalität des Feuerlords gründen – verstößt das nicht gegen Avatar Kyoshis Erlass?"
Teruko erbleichte. Selbst Byakko gab dem Feuerlord Loyalität, auch wenn Lady Kotone ihre Zähne zusammenbeißen musste, um das zu schaffen. Die Folgen andererseits, das ganze Pech der Welt gegen sie gestellt...
„Um die Wahrheit zu sagen", überlegte Iroh laut, „tut es das nicht."
Alle Augen ruhten auf ihm. Teruko spürte, wie der ganze Raum den Atem anhielt.
„Nach Kyoshis eigenen Worten steht ein Verbannter außerhalb der Autorität des Feuerlords." Irohs sanftes Lächeln erinnerte Teruko viel zu sehr an das von Shidan. Einen Moment bevor er jemanden in Stücke schnitt. „Sie sagte nie, dass ein Verbannter keine Domäne halten könnte."
Oh ja. Auf der Seite der Familie ist wirklich eine ganze Menge Drachenblut, dachte Teruko. Verdammt noch mal, kein Wunder, dass der Prinz so durcheinander war. Oma Tatsuki sagte, die Hälfte in dem Wissen über den eigenen Stammbaum diente dazu, dafür zu sorgen, dass man nicht zu viel Drachenblut in der Familie hatte. Die Geschichten besagten, dass Drachenkinder Menschen heirateten. Dass es so sein sollte. Und wenn Lady Ursa das nicht getan hatte...
Richte das Durcheinander später, sagte sich Teruko. Jetzt heißt es Pläne schmieden.
Und ein Teil dieser Pläne bedeutete, dem Prinzen diskret zu den Besucherquartieren zurück zu folgen, nachdem sie die ersten Versuche Ba Sing Se zu überfallen durchgegangen waren. Und darauf zu warten, dass er zugab, sie bemerkt zu haben.
Sie musste ihm direkt in seine Kabine folgen, ehe er nachgab. „Leutnant..."
„Verzeihung, Sir", sagte Teruko höflich. „Sie werden mich nicht mehr los."
„Sie haben Marinesoldaten, um die sie sich kümmern müssen."
„Sergeant Kyo übernimmt das", sagte Teruko ruhig. „Sir. Für den Fall, dass sie es nicht bemerkt haben, sie sind nicht ersetzbar."
„Mein Onkel – "
„Mag zum Verräter erklärt worden sein, aber er ist nicht im Exil", sagte Teruko ungeschönt. „Wenn er über die Domäne herrscht – eine Domäne, die dem Feuerlord nicht gehorcht, die das nicht kann – dann laufen wir direkt in die Zähne von Kyoshis Rache. Sie haben sich seit dem Winter gegen den Avatar gestellt, Sir. Sie wissen, was das heißt." Sie grinste schief. „Sie treiben Agni wahrscheinlich in den Suff, nur mit der Mühe, sie am Leben zu halten."
Der junge Prinz ließ sich diese Logik durch den Kopf gehen und sackte zusammen. „Verdammt."
„Es tut mir leid, Sir", bedauerte Teruko. Sie meinte es auch ernst. Niemand sollte so ein Durcheinander entwirren müssen.
Aber er ist ein Großer Name. Dafür werden sie ausgebildet. Dafür sind sie geboren.
„Ich habe mein ganzes Leben ohne Glück gelebt", sagte Zuko halb bei sich. „Ich vergesse manchmal, dass es für die meisten Leute anders ist."
„Ruhen sie sich aus, Sir", riet Teruko. „Am Morgen sieht alles besser aus."
„Nicht immer", grummelte der Prinz, als er ein paar gefaltete Dokumente auf ein Schreibtablett legte. „Sie können gehen, Leutnant. Ich lege mich hin, wenn ich hier fertig bin."
Oh, klar doch, natürlich machen sie das... Eine der geschriebenen Phrasen fing ihr Auge ein und Teruko schluckte hart. So bezeuge ich, der ich dem Geist der Toten begegnete... „Sir. Ist das, was ich glaube, dass es ist?"
„Das ist alles, was ich tun kann."
„Sir?", fragte Teruko vorsichtig. Dieser Schmerz in seiner Stimme. Wut und Trauer und ein schreckliches Verstehen...
„Haben sie je Mist gebaut?", sagte der Prinz tonlos. „Ich meine richtig Mist gebaut. So schlimm, dass – " Er brach ab.
Das ist ernst. „Ein paar Mal", sagte Teruko ehrlich. „Erinnern sie mich daran, ihnen zu erzählen, warum ein Dutzend Tavernen mich keinen Fuß mehr hinein setzen lassen."
„Ich wünschte ich hätte den Ort nur niedergebrannt."
Terukos Augen wurden schmal. Na schön, das ist sehr schlimm. „Sie waren nicht mal eine Stunde fort und haben nicht einmal jemanden getötet", protestierte die Seesoldatin. „Sir, was hätten sie schon anrichten können?"
„Ich habe Katara gesagt, wie sehr genau sie uns für den Mord an ihrer Mutter hasst", sagte Zuko betrübt. „Und dann... was sie sehen wird, was die Welt uns antun wird, wenn Azula die Macht übernimmt." Die vernarbte Seite seines Gesichts wurde zu einem bitteren Grinsen. „Finde den Schwachpunkt deines Feindes und schlage so hart wie nur möglich zu. Sie ist eine Wasserbändigerin. Sie muss glauben, dass ihr Stamm sie liebt. Und ich habe gerade ihr hübsches kleines Familienportrait in Brand gesteckt."
Er ist ein Jugendlicher, sagte sich Teruko. Er kann unmöglich irgendwen in nur ein paar Minuten so hart treffen –
Nein, er war ein jugendliches Drachenkind. Er hatte diese besondere Hexe einer Wasserbändigerin seit einem halben Jahr verfolgt. Er war von dem Drachen des Westens aufgezogen und unterwiesen worden und jener war berühmt dafür, Gegner zu vernichten, ehe sie überhaupt nur in die Nähe eines Schlachtfeldes kamen.
Verdammt. Er könnte es schaffen.
„Und ich weiß nicht, was schlimmer ist", fuhr der Prinz fort, noch immer bitter, voller Selbstverachtung. „Wenn ich es unabsichtlich tat – Agni, niemand sollte mir vertrauen. Wie kann man einem Großen Namen vertrauen, der ohne Grund die Klinge zieht? Und wenn ich es doch mit Absicht tat..." Er drückte gegen seine Nasenwurzel und stieß ein tiefes Seufzen aus. „Onkel sagt mir immer, dass ich nicht wie er bin. Aber er ist mein Vater. Ich habe ihn jahrelang beobachtet. Ich habe gesehen, wie er mit dem Hofstaat umgeht. All die subtilen Worte, die Blicke, das Lächeln, das heißt, dass jemand tot ist, er hat nur noch nicht aufgehört zu atmen..." Er ließ die Hand sinken, wendete sich halb ab. „Als ob man einen Leoparden-Hai in einem Schwarm verwundet. Wenn sie sie angriffen würden sie uns nicht angreifen."
„Oh", sagte Teruko sehr leise. „Nun. Ich glaube nicht, dass wir uns über ihr Urteilsvermögen Sorgen machen müssen. Wenn sie es nicht absichtlich taten, dann haben sie verdammt gute Instinkte."
„Aber ich – "
„Sir", unterbrach Teruko. Unterbinde das jetzt, sofort. „Der höchste Sieg wird ohne Kampf errungen. Sie haben die gefährlichste noch stehende Gegnerin in eine Gefahr für unsere Feinde verwandelt. Sie haben korrekt gehandelt." Und wenn ihr Onkel etwas anderes behauptet, werden er und ich uns mal gründlich unterhalten.
… Direkt nachdem ich den Idioten dazu gebracht habe, ihnen zu sagen, dass sie ein Drachenkind sind. Agni, niemand, der noch bei Verstand ist, erwartet von ihnen Diplomatie.
„Ich griff die Meisterin für das Wasserbändigen des Avatars an", schoss Zuko zurück. „Glauben sie, er wird das vergessen?"
„Sir..." Teruko seufzte. „Er ist der Avatar. Wir sind von der Feuernation. Er wird uns nicht ehrenhaft behandeln. Egal was kommt." Sie hob die Schultern. „Sie waren der Befehlshaber vor Ort. Sie trafen die Entscheidung. Wenn sie glaubten, dass sie das tun mussten, um uns in einem Stück heraus zu schaffen – Ich vertraue ihnen, Sir."
Und das machte ihn so ausgewrungen sprachlos wie Kapitän Jee, als er Loyalität erklärte. Verdammt.
Feuerlord Ozai ist ein Idiot. Wah!
„Doch irgendwie wüsste ich gerne, woher sie wussten, dass es klappen würde", gestand Teruko. „Die Wasserstämme halten eng zusammen. Die hätten auf sie, Sir, losgehen sollen, nicht auf Katara."
„Das ist das Schlimmste daran", sagte Zuko bitter. „Deswegen muss ich, es ist nicht fair... Sie waren dabei. Als ihr Bruder gegen sie sprach. Zu uns." Blasses Gold funkelte sie an. „Sokka hat sie angegriffen, Leutnant. Ich weiß, was sie gemacht hat – aber er ist ihr Bruder. Sie ist vom Wasserstamm, sie ist eine Wasserbändigerin und ihre Familie verletzt sie wegen etwas, das … nicht ganz ihre Schuld war. Ich weiß, sie hasst uns, aber – Aang mag es nicht, wenn Leute verletzt werden und Katara weiß das. Hätte sie es mit Absicht gemacht, dann hätte sie ihn hinaus geschafft bevor sie versuchte uns umzubringen."
Das ergab Sinn. Irgendwie. „Familie. Für den Wasserstamm ist das so ähnlich wie Klan?", äußerte sich Teruko vorsichtig, während sie in dem grub, was sie über den Handel mit dem Nebelsumpf gehört hatte.
„Wir sind Loyalität und Macht. Sie sind Familie und Gemeinschaft. Es kommt dem nahe." Zuko nickte. „Sie war die einzige Wasserbändigerin im Stamm."
Teruko dachte darüber nach und wie es gewesen wäre, die einzige Feuerbändigerin in einem Dorf voller Leute, die nicht bändigen konnten zu sein. Die nicht fühlen konnten, warum man aufstehen musste, um den Sonnenaufgang zu begrüßen, warum man die Geisterstunden der Nacht hasste, warum man stundenlang in flackernde Flammen starren konnte und nie, niemals genug hatte...
Zuko sah wie sie erschauderte und lächelte bitter. „Ich hätte es gehasst, ihr Leben zu führen. Mein Vater mag mich für wertlos halten, doch er hat mich zumindest gesehen. Den Versager. Den hoffnungslosen Feuerbändiger. Das Kind, das er nicht als Erbe von Sozins Linie haben wollte... und verdammt, er hatte Recht."
„Sir", begann Teruko alarmiert.
„Es ist wahr", sagte Zuko schlicht. „Ich will die Welt nicht erobern. Azula schon." Er atmete aus und die Laternen hinter ihm flackerten. „Er hasste mich, aber er sah mich. Häuptling Hakoda... er sah nur seine perfekte, kleine Tochter, die niemals irgendwen hassen könnte." Zuko schauderte. „Geister. Sie muss sich jeden Tag so gefühlt haben, als ob sie ertrinkt..."
Teruko sah ihn schief an. „Sie hat aber auch versucht uns umzubringen."
„Ich weiß", sagte der Prinz schuldbewusst. „Ich weiß, das hier ist kein Geister-Märchen. Sie ist nicht die schöne Tochter des bösen Zauberers, die in eine andere Welt entführt werden will, fern von all den Monstern, die ihr Vater erschafft. Sie ist Katara vom Südlichen Wasserstamm und wenn sie jemals denkt, dass sie mir leid tut, würde sie mir das Herz herausreißen und es mich fressen lassen."
Da ist viel, viel zu viel Drachenblut drin, dachte Teruko belustigt.
„Aber sie ist auch die Verbündete des Avatars", sagte Zuko ernst. „Und ich habe gerade seine Nase gegen einen Teil von ihr gestoßen, den er nicht sehen wollte. Entweder ignoriert er es, wie er alles ignoriert, mit dem er nichts zu tun haben will... oder er folgt Sokkas Beispiel." Seine Fäuste ballten sich. „Sie hat es mit der ganzen Welt aufgenommen, für diesen Idioten! Und er würde das wegwerfen, weil – oh, wie schrecklich – sie tatsächlich ihre Feinde hasst!"
Teruko bedachte das und nickte. „Also... glauben sie, dass sie versuchte, ehrenhaft zu sein. Nach der Art der Wasserstämme."
„Ich sage nicht, dass sie vertrauenswürdig ist", grummelte Zuko. „Nur – sie hat etwas besseres verdient, als sie wahrscheinlich bekommen wird." Er breitete leere Hände aus. „Das kann ich nicht ändern. Aber ich dachte, ich könnte wenigstens – ", er brach frustriert ab.
„Sie könnten ihr Respekt zeigen", beendete Teruko es.
„Es ist nicht einmal das." Der Prinz ging in dem engen Raum auf und ab, so weit es möglich war. „Es ist... Wasser und Feuer sind unterschiedlich, doch nicht getrennt. Wenn Katara Rache an der ganzen Feuernation nehmen will, ist das ihr Problem. Doch wenn sie Gerechtigkeit will..."
Teruko blinzelte. Ein hocherfreutes Grinsen breitete sich langsam auf ihrem Gesicht aus. „Das stimmt. General Iroh sagte, der Avatar soll ein Gleichgewicht zwischen den Nationen halten? Sie werden es ihm ins Gesicht reiben."
„Ähm..."
Teruko grinste noch breiter. Shidan? Der wird dich lieben. Jede Wette. „Wie können wir helfen?"
Katara, Toph/ Wasserstammflotte/ Erdkönigreich
So still, dachte Katara, auf der Aang abgewendeten Seite des Schiffes zusammengekauert, während er mit Appa im Wasser herumplanschte und sich das frühe Licht des Morgens auf den kleinen Wellen spiegelte. Sie sollte ein Auge auf ihn haben. Er war noch nicht gesund, aber Sokka war da, um auf ihn aufzupassen, genau wie der Großteil der Mannschaft ihres Vaters. Sie alle beobachteten ganz bewusst sie nicht.
Man könnte fast glauben allein zu sein.
Nicht dass sie so viel Glück hatte. Geister, selbst als sie und Sokka sich in einem Eisfeld verirrt hatten, hatte sie sich nicht so allein gefühlt.
Ich frage mich wie es Xiu jetzt geht.
Xiu war sicher nicht allein. Die Weberin hatte etwas über idiotische Freunde gesagt und dass sie sich eine Weile an Sergeant Bo halten würde, bis ein gewisser jemand etwas Verstand erworben hatte. Katara hatte nicht wirklich zugehört. Sie war zu sehr damit beschäftigt gewesen, Eintopf zu schlürfen und Aangs Versuchen auszuweichen, ihr zu erzählen, wie echt, echt cool es war keine Eltern zu haben, weil alle Mönche sich um einen kümmerten...
Xiu hatte ihr den Napf gebracht. Die Weberin hatte sich auf Zukos Seite gestellt, sie war keine Freundin...
Aber Sokka hatte für Aang Essen gebracht. Nicht für sie.
Xiu hatte ihr Eintopf gebracht und gewartet, bis Aang abgelenkt war, und sich zu ihr hinüber gelehnt. „Lauf weg", hatte sie geflüstert.
Sprachlos hatte Katara sie angestarrt.
„Ich habe gesehen, wie er dich anschaut", hatte Xiu gesagt. „Er ist zwölf und der Avatar, mögen die Geister uns allen helfen, wir wissen was ein Avatar tun kann, wenn er will. Und du bist vom Wasserstamm. Du würdest niemals deine Kinder weggeben." Sie hatte sich ganz nah gelehnt, ihre Stimme so leise wie ein Herzschlag. „Lauf."
Ich kann Aang nicht allein lassen, dachte Katara, jetzt genau wie damals. Die Welt braucht ihn. Und... er braucht mich.
Aber wenn er sie brauchte, warum war sie allein?
Zögerlich glitten und stolperten ein Paar Füße über das Deck und Toph stieß gegen sie. „Ich hasse Holz."
„Wahrscheinlich würdest du ein Schiff der Feuernation lieben", murmelte Katara bei sich.
„Ja, würde ich", gab Toph zu, ihre Ohren so scharf wie immer. „Metall. Ich könnte was sehen. Ich hasse es, blind zu sein." Sie erschauderte etwas, packte Kataras Hand fest, ehe sie zusammenzuckte und den Griff wieder lockerte. „Tut mir leid."
Holz mitten im Wasser. Hier gibt es nichts, was sie bändigen kann, außer ihren eigenen Armschienen. „Ist schon in Ordnung", sagte Katara und versuchte sich aus dem kalten Loch des Allein zu zerren. „Du kannst dich an mir festhalten."
„Und an wem hältst du dich fest?", grummelte Toph. „Sag es und wir hauen ab und lassen die Jungs ihren Mist selbst aufräumen."
Das konnte sie nicht richtig gehört haben. „Was?"
„Du, ich, über die Seite, ein bisschen Eis zum Ufer geritten und abgehauen", sagte Toph knapp. „Du sagst Aang beherrscht das Wasserbändigen und er glaubt, dass er das Erdbändigen kann – wir müssen ganz bestimmt nicht wo bleiben, wo wir nicht willkommen sind." Blinde Augen richteten sich in ihre ungefähre Richtung. „Ich wusste es nicht. Aber ich hätte es wissen sollen. Zuko sagte ja, was ihr Leute mit Eisbergen so alles anstellt. Aber... ich hätte nie gedacht, dass irgendwer dir so was antun würde. Was ich da dort gespürt habe – was sie gesagt haben..." Blass klammerte sie sich an Kataras Arm.
„Toph, ich – " Katara schluckte. „Mir geht es gut, mach dir keine Sorgen darüber – "
„Lüg mich nicht an!"
Manchmal vergaß sie, dass Toph nur zwölf war. „Es wird alles wieder gut. Mir wird es wieder gut gehen", sagte Katara leise. Es kann nicht anders sein. Aang brauchte die Flotte ihres Vaters und die Welt brauchte Aang und … sie würde tun, was getan werden musste. Immer.
„Das stimmt nicht." Toph schluckte, klammerte sich immer noch an sie. „Die haben dir weh getan. Und ich hab' sie gelassen, weil ich es nicht ändern konnte. Dein Papa hatte sich schon entschieden. Genau wie mein Papa." Sie schüttelte den Kopf, ihre Stimme war leise genug, dass selbst einen Meter entfernt sie niemand gehört hätte. „Alles was ich machen konnte, war zu warten, bis Sokka ihn mit dem Zeug über Aang umgehauen hatte. Dann hat er genug zugehört, dass er meinte, ich wäre auf seiner Seite – "
„Du hast meinen Papa angelogen?", zischte Katara. Und sie hatte geglaubt, das hier könnte nicht schlimmer werden.
„Nein!" Toph wirkte empört. „Ich sagte ihm, ich würde meine Strafe annehmen, dass ich Zukos Geheimnisse bewahrt habe. Wenn er meint, das heißt, dass ich ihm zustimme, ist das sein Problem."
Die Welt schwankte. „Du... aber Aang sagte..."
„Als ob ich auf Aang hören sollte, was Wut angeht?", sagte Toph ungeduldig. „Nachdem er diese Sandbändiger fast geplättet hätte und uns dazu, dafür, dass Appa verloren ging?" Sie warf frustriert eine Hand hoch. „Was? Er ist der einzige auf der Welt, der Zeug mit seinem Bändigen hochjagen darf, wenn er sauer wird?"
Katara schüttelte den Kopf, ihr Herz war schwer. „Aber... das hat die anderen dazu gebracht zu fühlen..."
„Wolltest du das machen?", fragte Toph ernst. „Hör mal, ja? Ich sage nicht, wolltest du Zuko tot sehen. Irgendwie will ich jetzt auch dem einen oder anderen weh tun. Aber hast du wirklich versucht, alle dazu zu bringen, den Waffenstillstand zu brechen?"
Kataras Blick fiel auf Tophs Hände. Sie waren klein und immer noch etwas sandig. Und sie tasteten offensichtlich nach ihrem Puls. „Ich... glaube nicht..."
„Dann ist es nicht deine Schuld", sagte Toph nüchtern. „Dein Bändigen ist mit dir durchgegangen. Genau wie dieser Knoten Zuko durchgegangen ist."
Katara sah rot. „Was?"
„Hör mir zu!" Toph ließ nicht los. „Katara, bitte."
Bitte. Von Toph. „Wenn du meinst, dass ich glaube – er hat Bato verletzt – "
„Er hat versucht keinen von uns zu treffen."
Allein war in einem süßen Rauschen des Zorns hinweggespült worden. Katara hielt die Erdbändigerin fest, spürte Wellen gegen die Holzwand klatschen. „Oh, das sollte besser gut sein", biss sie heraus. „Warum sollte man einen Blitz bändigen, wenn man nicht jemanden umbringen will?"
„Es war nicht sein Blitz! Es ist das, was in Aang feststeckt!"
Katara blinzelte und wiederholte Tophs Worte im Kopf. Es ergab immer noch keinen Sinn. „...Was?"
„Ich habe gespürt, wie Azula Blitze bändigte", sagte Toph direkt. „Und ich habe gespürt, was Zuko gemacht hat, um ihn ihr in Ba Sing Se ins Gesicht zurück zu schleudern. Azula – es ist als ob ein Teil der Welt zerbricht. Jedes einzelne meiner Haare auf den Zehen steht da zu Berge. Dann bringt sie diese Finger zusammen und Peng!" Toph holte tief Luft. „Zuko hat das nicht gemacht. Es war... es ist verrückt, aber es fühlte sich wie deine Wasserpeitsche an. Er hat ihn aufgefangen und hielt ihn und sein Herz hatte solche Angst – er hat versucht ihn woanders hin zu tun. Nur gab es da nichts anderes. Er hat es versucht!" Sie zitterte. „Als er mir gezeigt hat, was er da macht, bevor alles in die Luft ging? Ich konnte da irgendwie sehen was er bändigte. Der Knoten in Aang ist groß und hässlich und Zuko hat versucht ihn anzuschauen und sich ihm nicht zu nähern und das alles gleichzeitig." Sie schüttelte den Kopf. „Da ist er wohl gestolpert."
„Gestolpert?", spuckte Katara.
„Es ist nicht seine Schuld dass Bato verletzt wurde", fuhr Toph entschlossen fort. „Du, Zuko – ihr beide versucht hinzubiegen, was Azula gemacht hat. Nur ist sie einfach zu gruselig gut darin Leuten weh zu tun." Sie stieß die Luft aus. Ihr Atem blies vereinzelte schwarze Haare weg. „Und es ist auch nicht deine Schuld, dass Aang getroffen wurde."
„Wie kannst du das sagen?", hauchte Katara, schmerzerfüllt. Ich wollte gegen sie kämpfen. Ich wollte sie töten. Ich wollte der ganzen Feuernation zeigen wozu eine echte Wasserbändigerin in der Lage ist. „Wenn ich nicht gegen Azula gekämpft hätte – "
„Sie hat versucht, dich umzubringen", sagte Toph stur. „Glaubst du denn, das passiert nicht manchmal in einem Donnerturnier? Die Ringmanager durchschauen solche Kerle schnell, sicher. Zuschauer zahlen nicht um tote Bändiger zu sehen. Aber wenn man davor mit denen im Ring landet? Da macht man was man muss." Sie schnaubte. „Aang wurde gezappt, weil Azula ihn gezappt hat. Ende der Geschichte. Und ich gebe Aang nicht die Schuld dafür. Nicht viel wenigstens. Sie ist einfach unheimlich mit dem Blitz." Die Erdbändigerin hielt inne. „Aber, dass er dir mitten im Kampf weggerannt ist? Er hat euren Vertrag gebrochen. Sowas macht man einfach nicht."
„Ich habe keinen – Vertrag mit Aang!", brach es aus Katara heraus.
„Oh, doch, hast du. Haben wir alle. Nur weil er nicht niedergeschrieben und unterzeichnet ist, heißt das nicht, dass er nicht echt ist." Toph wirkte ernst. „Er ist der Avatar. Der Kerl, von dem die Geister sagen, dass er die Welt retten soll. Und wir helfen ihm dabei. Wir sind seine Lehrer. Wie sollen wir unseren Teil der Abmachung erfüllen, wenn er nicht zuhört?"
Katara schüttelte den Zweifel weg. „Luftbändiger töten nicht – "
„Aber Feuerbändiger", sagte Toph unverblümt. „Und Erdbändiger. Und Wasserbändiger. Ist er ein Meister des Wasserbändigens oder nicht?"
„Wir können nicht von ihm verlangen, aufzugeben was er ist!", beharrte Katara. „Er ist der letzte Luftnomade. Das wäre als ob – man dich zwingt, den Rest deines Lebens auf diesem Schiff zu verbringen!"
„Also sollen wir uns alle von ihm von einer Klippe schubsen lassen?", schoss Toph zurück. „Ich weiß nicht, wie es mit dir steht, Katara, aber ich? Ich kann nicht fliegen."
Kann ich das?, fragte sich Katara. Ich habe es einmal gemacht, aber... sogar in der Luft haben wir Krieg geführt. Als Sokka den Motor ins Gas stürzen ließ... wie viele sind da gestorben?
Und es war Sokka der uns gerettet hat. Aang hat Panzer hinunter geworfen... es hat Zeit gebracht, aber bis eine ganze Menge von ihnen gestorben sind...
Toph stieß einen Seufzer aus. „Ich sage nicht, dass Aang so wie ich sein sollte. Ich bin die größte Erdbändigerin der Welt. Zu viel Großartiges? Da könnte was kaputt gehen."
Überrascht kicherte Katara.
„Ich sage, du bist in diesen Kampf gegangen und hast gedacht, dass Aang dir den Rücken deckt, egal was kommt", sagte Toph direkt. „Weil, sie ist Azula und sie ist die Böse und der Avatar soll die Bösen aufhalten." Sie stoppte. „Und dann hat er das nicht. Und das war nicht fair."
Katara schaute weg. „Manche Sachen sind einfach nicht fair."
„Aber Freunde sollen das schon sein." Toph lehnte sich etwas näher. „Ich meine es ernst, Katara. Du, ich, über die Seite und weg."
Sie sollte ihre Familie verlassen? Aang verlassen? Für eine Freundin hatte Toph eine seltsame Art es zu zeigen –
„Uff!" Sokka purzelte fast über die Seite. „Wir haben Gesellschaft!"
Scharlachrote Federn durchschnitten die Luft.
„Ein Falke", murmelte Katara und kam auf die Füße, als er auf der Seite des Schiffes landete, nicht weit von ihnen. „Was will er jetzt schon wieder?"
Sokka war schneller als sie. „Mistbändiger – haben schon genug angerichtet – oha. Toph? Der ist für dich."
Katara schlug sich fast gegen die Stirn. „Das muss Zuko sein."
„Sieht nach mehreren Teilen aus... warum sind die hier ineinander gefaltet? Und wie kriegen die überhaupt Papier so dünn hin? Das sieht wie Zwiebel-Lauch Haut aus, nur zerbröselt sie nicht... hier."
Toph steckte die gefalteten Stücke ein. „Fang schon an, Schlafmütze."
Ein Platschen und ein Rauschen und ein luftgetrockneter Aang war direkt bei ihnen. „Warum schicken sie uns jetzt eine Botschaft?"
„Das findest du raus, wenn ich das tue, okay?", sagte Toph ungeduldig. „Sokka – "
„Na gut, na gut." Sokka räusperte sich. „An die ehrenwerte Lady Toph Bei Fong, aus dieser meiner Hand Grüße – herrje, kann der Kerl nicht einfach hallo sagen? Oh, das schaut besser aus. Wer immer das Toph vorließt – " Er stoppte, seine Augen verengten sich. „Nein. Auf keinen Fall."
„Lies weiter, Sokka", verlangte Toph.
„Nein." Sokka begann den Brief zu falten und funkelte den Falken an. „Er macht nur wieder einen auf Mistkerl. Das müssen wir nicht hören – "
„Gib mir meinen Brief!"
Das letzte Mal, dass Katara Toph so wütend erlebt hatte, war, als Aang sie gerade aus dem Ring gepustet hatte. Und das, erkannte Katara mit einem Schock, war wirklich unfair gewesen. Toph hatte erwartet dass Erde gebändigt wurde und Aang hatte sie mit Luft weggeblasen, die sie nicht sehen konnte.
So wie sie jetzt nicht sehen konnte.
Mit einer fließenden Bewegung trat Katara vor und schnappte den Brief bevor Sokka ihn Aang geben konnte. Sie funkelte die beiden an und trat zurück, drückte dünne, gefaltete Blätter in Tophs Hand. „Hier."
„Lies ihn."
Katara verzog das Gesicht. Das letzte, was sie wollte, war mit Zuko zu tun zu haben, und wenn es nur ein Brief war. Aber für Toph... „Wer immer das Toph vorließt – "
– gebt den Brief Katara. Sofort.
Toph, entschuldige, dass ich deinen Brief als Deckung gebrauche. Ich zähle auf deine Ohren, dass das hier ohne Einmischung deine Freundin erreicht.
Katara vom Südlichen Wasserstamm.
Es tut mir leid.
Ich wurde darüber aufgeklärt, dass 'Bastard' eine informelle, wenn auch immer noch schwere Beleidigung in deiner Kultur ist. In der Feuernation, ganz besonders für einen Großen Namen ist das viel schwerwiegender. Es impliziert, dass die Mutter ihrem Ehemann illoyal war. Das ist eine Bedrohung der Stabilität seines Klans, ihres und des Klans des Blutsvaters des Kindes. Solche Bedrohungen führen zu Krieg.
Du hast meine Mutter angegriffen. Ich griff die deine an. Brutal, skrupellos und ohne Gnade. Ein Großer Name toleriert keine Bedrohung. Er beendet sie.
Doch, nach genauerer Überlegung, fern von deinem wütenden Mob mit Speeren, erkenne ich, dass ich deine Absichten, deine Gründe und deine Verzweiflung falsch gedeutet habe. Du hast dich deinem Vater, deinem Häuptling widersetzt, um mich anzugreifen. Nach allem, was ich über die Wasserstämme weiß, ist das sehr ernst, auch wenn du eine Wasserbändigerin bist. Und Toph, die eine ehrenwerte Gegnerin und zeitweilige Verbündete war, nennt dich ihre Freundin. Dies impliziert, dass, was ich auch denken mag, du nicht dumm bist und mit vollem Wissen über die Konsequenzen gehandelt hast.
Ich habe mich bemüht, zu ergründen, was diese Gründe sein könnten. Ich irre mich wahrscheinlich. Ich wurde nicht in deinem Stamm geboren und, obwohl ich Onkel gelauscht und von Amaya so viel gelernt habe, wie ich konnte, kann das doch nur ein Bruchteil dessen sein, wie es ist, in deinem Volk zu leben. Doch ich habe mich bemüht, dies zu durchdenken und ich werde meine Gedanken darlegen.
Wenn nichts weiter, sollte dies dir zumindest hervorragendes Futter für Beleidigungen für die nächste Begegnung liefern.
Erstens – du glaubst, dass ich und meine Männer eine Bedrohung für deinen Stamm sind.
Korrekt. Ich bin – wie jeder Feuerbändiger – dazu ausgebildet zu töten. Wir sind unerbittlich und setzen unseren Stolz darin. Ich mag den Krieg vermieden haben, doch wie deine Flotte weiß, habe ich nicht vermieden, mich mit tödlicher Gewalt zu verteidigen. Du hast jedes Recht, mich als gefährlich anzusehen. Insbesondere, da ich und Kapitän Jee Anstrengungen unternahmen um euch über unsere fehlende Loyalität zu Feuerlord Ozai hinwegzutäuschen. Ihr hattet nur unser Wort, dass wir niemanden ein Leid wollten... und ich habe genug von den Kolonien gesehen, um zu wissen, dass es jene gibt, die ihre Uniform und unser Volk beschämen, mit dem Glauben, dass andere Nationen unter uns stehen und ehrenwerter Behandlung nicht würdig sind.
Sollte das ein Grund sein, so kann ich dir nur versichern, dass ich beabsichtigte, einige meines Volkes vor dem Krieg zu retten. Ich habe keine Absicht, dadurch deinen Stamm zu bedrohen. Doch niemand von uns kann sagen, was die Geister als nächstes veranlassen werden.
Zweitens – du glaubst, dass ich eine Bedrohung für Aang bin.
Wieder, korrekt. Aang erschreckt mich zutiefst. Nicht, wegen seiner Macht (Du hattest schon ausreichend Gelegenheit, einen guten Blick auf das Bändigen zu werfen, mit dem ich es in meiner Kindheit zu tun hatte), sondern weil er ein Idiot ist.
Eines, worauf ich mich bei Azula immer verlassen kann, ist, dass sie schlau ist. Grausam, skrupellos und generell darauf aus mich zu töten, aber schlau. Ihre Handlungen sind abgewogen, kalkuliert und zielen auf einen maximalen Effekt auf ihre Beute. Azula kann eine Flatter-Hornisse in der Mitte eines Schwarmes töten, wenn es ihren Zielen dient.
Aang würde den ganzen Schwarm von einem Picknick fort blasen, durch eine Wand, alles in dem Haus umwerfen, die Lampen eingeschlossen, und fröhlich davonfliegen, während hinter ihm eine ganze Ortschaft niederbrennt.
Amaya berichtete mir, dass Aang völlig unwissend war, dass der Haima-jiao wenigstens zwei Dutzend Menschen gefressen hat, ehe der Dai Li ihn erledigte. Der Avatar hat nicht bemerkt, wie ein bösartiger Geist unschuldige Menschen ermordete. Jene Wesen nähren sich am Tod. Insbesondere gewaltsamer, ungerechtfertigter, von Geistern berührter Tod – und rate mal, was von den Strömungen nach Süden getragen wird, von tausenden ungeweihten Leichen ohne Feuerbestattung?
Wenn sich dessen in den Weg zu stellen eine Bedrohung für Aang ist – dann, ja, das bin ich.
Drittens – du willst Rache für deine Mutter und du glaubst, dass der Waffenstillstand dich davon abgehalten hat.
Ich werde dich niemals daran hindern angemessen Rache für deine Mutter zu üben.
Lass mich genauer definieren, was angemessene Rache in der Feuernation bedeutet. Kurz gesagt, schließt das weder mich, Onkel Iroh, noch irgendeinen auf Suzuran ein. Wir haben das nicht getan.
… Ja, ich habe die Dienstakten von allen überprüft, um sicher zu sein. Von meiner ursprünglichen Mannschaft abgesehen, war niemand hier überhaupt nur in der Nähe des Südpols. Oder wollte es sein. Da unten ist es kalt.
Das festgestellt, ist Vendetta eine geehrte und ehrenwerte Tradition in meinem Volk. Wenn ein Mord von einem Großen Namen bezeugt und bestätigt wurde, ruht ein Mann nicht unter dem gleichen Himmel, wie der Mörder seines Vaters, noch eine Frau unter dem ihrer Mutter. Du hast jedes Recht, jene aufzuspüren, die den Schlag ausführten, sie zu hetzen und auszulöschen.
So sieht das Ideal aus. Die Wirklichkeit ist schwieriger, bedenkt man den gegenwärtigen Kriegszustand zwischen unseren Völkern. Ich habe mich mit Onkel und Kapitän Jee beraten, die mit den Einzelheiten besser vertraut sind. Es ist Tradition, dass in der Vendetta ein gewisses Maß an Täuschung und Betrug erlaubt sind. Daher weise ich dich auf die beiliegenden Dokumente hin. In einem ist deine Klage unter deinem korrekten Namen verzeichnet und unter unserem. Verwahre es sicher. Das andere benennt dich als Tomoe aus den Kolonien in der Nähe von Gaipan. Dieses magst du offen zeigen, überall in der Feuernation oder ihren Territorien. Wirst du gedrängt, so lege dar, dass es ein Schwertname ist, den du angenommen hast, um Unstimmigkeiten zwischen dir und deinem Klan zu vermeiden, während du jagst. Das sollte die meisten Autoritäten zufrieden stellen. Es garantiert keine sichere Passage. Für das musst du dich auf deinen eigenen Verstand verlassen. Aber es ist ein legales, bindendes Dokument und es macht deine Rache rechtmäßig.
Das ist kein Geschenk. Das ist kein Gefallen. Dies ist dein Recht und deine Pflicht als Kind einer ermordeten Mutter – und meine Verpflichtung als Großer Name, der von Ungerechtigkeit weiß.
Und hier ist natürlich die Falle.
… Natürlich gibt es eine Falle. Wir sind Feinde. Ich weiß das, auch wenn ich hoffe, dass wir ehrenhafte sind.
Ihr wollt in die Feuernation einfallen, so dass Aang den Feuerlord bezwingen kann. Diese Dokumente werden nicht einmal den dümmsten Kommandanten einer Blockade veranlassen eine Armee passieren zu lassen... doch eine kleine Einsatztruppe, die als dein Gefolge getarnt ist, schon. Oder einen Erkundungstrupp. Bedenkt man, wie wenig Informationen ich doch weiß, dass ihr über die Feuernation habt, ist Informationen über eure Feinde zu sammeln eine gute Idee. Für Vendetta gibt es keine zeitliche Begrenzung. Solange dein Ziel noch atmet, kannst du die ganze verdammte Nation nach ihm durchkämmen.
Aang wird das nicht tun wollen.
Aang wurde von Mönchen aufgezogen. Ich habe die Lehren der Luftbändiger studiert. (schau nicht so überrascht. Kenne deinen Feind.) Sie halten nichts von Rache. Sie halten nichts davon zu töten. Das klappt viel besser, wenn man vor allen Problemen wegfliegen kann. Wenn das nicht möglich ist – du hast den Südlichen Lufttempel gesehen. Ich ebenso.
Aang wird das nicht tun wollen. Auch wenn es das Klügste ist. Das Ehrenwerte und Gerechteste was man tun kann.
Doch dann wieder war der Streit meines Volkes mit dem Avatar immer über Gerechtigkeit.
Nun. Ich habe wieder deinen Stamm bedroht, indem ich dir Vendetta an der Stelle der Rache einer Stammesfrau an der ganzen Feuernation anbiete. Ich habe Aang bedroht, wieder, indem ich mich seinem Ideal des Friedens widersetze, um deinen Schrei nach Gerechtigkeit urkundlich zu machen. Vielleicht habe ich auch deine Erinnerung an deine Mutter bedroht, denn nun weißt du, dass du eine Wahl hast, wie du sie rächst. Oder auch nicht.
Jetzt kannst du mich hassen.
– Zuko, Sohn von Ursa und Feuerlord Ozai.
Katara faltete den Brief mit tauben Händen und schaute in dem Schweigen hoch.
Wie konnte er nur?" Graue Augen waren weit und entsetzt. „Wie konnte er dir das antun? Rache ist eine zweiköpfige Skorpion-Viper, alles was sie tut, ist einen zu vergiften! Man muss verzeihen und loslassen – "
„Loslassen?" Papier zerknitterte, ehe sie es in Tophs Finger drückte. Sie konnte spüren, wie die See sich um ihr herum aufwühlte. „Ihn gehen lassen?"
„Die Vergangenheit ist vergangen. Du musst sie fort wehen lassen", beharrte Aang. „Guru Pathik sagt, Liebe wird niemals vernichtet. Sie wird immer als neue Liebe wiedergeboren. Wie kannst du jemanden das Leben rauben wollen, wenn das, was du verloren hast, immer zu dir zurückkommen wird?"
Die Welt wurde grau.
Meine Mutter. Meine Mutter ist für immer fort.
Und Zuko verstand das. Ein Feuerbändiger. Von Ozais eigenem Blut, ihr schlimmster Feind auf der Welt –
Wusste, dass es keine Vergebung geben konnte. Nur Blut, so dass die Toten und ihr eigener Schmerz endlich Ruhe finden konnten.
„Ich kenne dich nicht", hauchte Katara. „Ich kenne dich überhaupt nicht."
Wasser brüllte mit ihrem Herzschlag und sie spürte wie Tophs Finger verzweifelt nach ihren griffen.
Und sie fiel endlos.
Autor-Notizen: „Es ist besser für das gehasst zu werden, was man ist, als für das geliebt zu werden, was man nicht ist." - André Gide.
Langxue (Schnee Wolf); Saoluan (Tumult, Unordnung, Verwüstung, Sturm).
… Ich bin überzeugt, dass irgendwer schon erkannt hat auf wen die zwei basieren. Hah. (Übersetzer: Captain Hitsugaya Toshiro und Vice-Captain Matsumoto Rangiku aus dem Manga 'Bleach' – was ich nie gelesen habe...)
Jurenzhi = riesiger Blutegel. Ich gab ihm einen chinesischen Namen, aber dieses Monster stammt aus der Sagenwelt der Cherokee. Und ich habe etwas daran herumgeschraubt.
Was Saoluan benutzt wird der Präkordiale Faustschlag genannt. Nur für den Fall, macht das nicht nach ohne höhere medizinische Ausbildung. (Schlagt bei Wikipedia nach) Manchmal funktioniert es.
Was Pinyin angeht: Ich bring' es ein wenn ich's finden kann. Bis vor kurzem hatte ich keine gute Quelle, die sie akkurat darstellte. Jetzt habe ich anscheinend eine:
www .mandarintools worddict. html
(Übersetzer: wie üblich, Zwischenräume entfernen)
Also benutze ich es weiter.
Zu Katara: Jemand, der so schlimm verletzt wurde, der so tief in Muster der Kindheit verstrickt ist, braucht Zeit um da heraus zu kommen. Zeit, und ein mitfühlendes Ohr – etwas, das Aang, die Flotte des Wasserstammes und Sokka (so sehr ich seinen Sarkasmus auch mag) nicht sind. Sie sind erst seit ein paar Tagen aus Ba Sing Se heraußen und Toph ist gerade erst durchgestiegen, wie schlimm die Situation ist. Gebt ihr etwas Zeit.
Übersetzer-Notizen: Es macht für mich einen Unterschied, ob ich eine Geschichte auf Englisch lese, oder versuche sie ins Deutsche zu übersetzen – oder besser noch, sie angemessen zu übertragen versuche.
Ich habe schon in früheren Notizen darauf hingewiesen, welche Probleme und Überlegungen allein in der Anrede – Duzen, Siezen, Ihrzen – liegen, aber auch andere Sachen, wie Phrasen und Sprichwörter brauchen ein angemessenes Äquivalent.
Jetzt hänge ich mal wieder bei einer weiteren Frage fest. Übernehme ich die Bezeichnungen der militärischen Ränge ohne Übersetzung in den Text, oder versuche ich es in die Ränge des deutschen Militärs zu übertragen? Bedenkt man, dass Vathara von einem amerikanischen Standpunkt schreibt, während die Nationen von 'Avatar' auf asiatischen Vorbildern basieren, weiß ich nicht was angemessen ist.
Bei vielen Dingen werden normale Leser (die nicht viel mit dem Militär zu tun haben – wie eine gewisse Übersetzerin), nicht darauf eingehen, sie nicht einmal richtig bemerken, da militärische Strukturen in der Öffentlichkeit in Deutschland nur sehr zurückhaltend demonstriert werden.
Und so stehe ich hier und weiß nicht, ob ich einen 'Master Sargeant' als 'Feldwebel' umbenennen soll, oder einen 'Lieutenant' als 'Kapitänleutnant'/'Hauptmann', einen 'Corporal' als 'Obergefreiten'/'Hauptgefreiten'. Und dann ist da noch die Trennung zwischen den US Marines und der US Navy, die im deutschen Militär – soweit ich weiß – kein Äquivalent findet...
Pfff. Ich denke, ich entscheide mich aus der Situation heraus, welche Bezeichnungen ich für militärische Ränge nehme; sprich – das was für mich am Besten klingt.
