Kapitel 18b

Freitag, 9. August 2002
Früher Morgen bis zum Ende der Jagd

An diesem Morgen vermied Severus das Flohnetzwerk und stahl sich morgens um kurz nach sechs aus dem Schloss. Tau glitzerte auf dem Gras, während er vom Schloss zu den Toren hinunterschritt, auf denen die großen, geflügelten Eber thronten. Als er sich außerhalb der Schutzzauber befand, die die Apparition innerhalb des Geländes von Hogwarts verhinderten, disapparierte er.

An den Toren des Manor angekommen, schaute Severus sich nach den umherstolzierenden weißen Pfauen um. Er war sich recht sicher, dass die Vögel etwas über Lucius aussagten, aber er hatte keine Lust, darüber nachzudenken, was es sein mochte.

„Ist es nicht ein wunderbarer Morgen?"

Severus warf einen Blick auf seinen Gastgeber, der bereits vollständig für die Jagd gekleidet war. „Passt schon."

Lucius lächelte. „Bist du gekommen, um Persephones Fohlen zu sehen? Ich denke, du wirst zufrieden sein; das kleine Stutchen sieht genau wie Apollyon aus."

Die beiden Zauberer schritten Richtung Stallungen. „Ich habe Dracos Nachricht bekommen, aber ich war … außerstande, das Schloss gestern Abend zu verlassen", sagte Severus.

Lucius warf ihm einen wissenden Blick zu. „Ich bin sicher, Miss Granger wusste deine Anwesenheit zu schätzen", sagte er.

Severus antwortete mit einem bösen Blick.

Als sie die Box betraten, verbarg sich das kleine Fohlen hinter seiner Mutter. Lucius nahm die Stute am Halfter und sprach ihr beruhigend zu, während Severus an ihr vorbeiging, um das Fohlen zu sehen.

„Sie ist eine Schönheit", murmelte er. „Du hast recht. Sie gleicht ihrem Vater auf's Haar."

Sie verließen die Box und gingen durch den Stall wieder ins Sonnenlicht, und dabei musterte Lucius ihn mit einem langen Blick. „Ich hoffe, du hast nichts dagegen, dass ich das sage, Severus, aber du siehst heute Morgen schrecklich aus."

Severus grinste ihn höhnisch an. „Ich bin überrascht, dass du es bemerkt hast. Dein Kopf war von meiner Lehrerin für Verteidigung gegen die Dunklen Künste so in Anspruch genommen, dass du sonst kaum etwas wahrgenommen hast."

Lucius brach in ein breites Lächeln aus, und seine Aufmerksamkeit wechselte schnell zu einem angenehmeren Thema. „Nun, Leticias Verteidigung bröckelt", brüstete er sich, „auch wenn ich schwöre, dass ich natürlich keine dunklen Künste eingesetzt habe"

Severus beantwortete diese Aussage nur mit einer gehobenen Augenbraue. Lucius war an diesem Morgen außergewöhnlich guter Stimmung; er war fast albern. Wie lästig.

Lucius neigte seinen blonden Kopf näher und sagte, „Gestern Abend hat sie mir bedeutet, dass sie einwilligen wird, meine Frau zu werden, wenn ich heute den Jagdsnitch fange! Der Sieg ist in greifbarer Nähe!"

„Für mich hört sie sich bemerkenswert ähnlich einer Katze an, die mit einer Maus spielt", beobachtete Severus trocken.

„Oh, sie ähnelt eher einer Tigerin", sagte Lucius ehrfurchtsvoll. „Aber das ist nicht, was ich dir sagen wollte, Severus." Er sah Severus nüchtern ins Gesicht. „Diese Maus hätte nichts gegen … hilfreiche Zauber, die du im Ärmel haben könntest."

„Du willst, dass ich dir zu mogeln helfe?", fragte Severus und begann, sich wirklich zu amüsieren. „Nein, ich fürchte, du bist dabei auf dich gestellt, mein Alter. Es liegt mir fern, mich in den Verlauf wahrer Liebe und derartiger Dinge einzumischen."

Lucius machte ein Geräusch, das zwischen Lachen und Schnauben lag. „Du wirst von der Gesellschaft, in der du dich bewegst, korrumpiert!"

Severus lächelte. „Weißt du, das ist exakt dasselbe, was sie über dich gesagt hat."

Schweigend gingen sie einen Moment lang weiter, und als Severus wieder sprach, war es in nüchternem Tonfall. „Was glaubst du, wie Draco auf die Neuigkeit einer neuen Mami reagieren wird?"

Lucius runzelte die Stirn. „Ich gebe zu, das bereitet mir Sorge. Man kann nie wissen, wie das eigene Kind reagieren wird."

„Draco ist kein solch großes Rätsel", widersprach Severus. „Ich habe festgestellt, dass er für solch einen jungen Mann recht rational ist." Lucius hatte jetzt jahrelang seinen Sohn betreffend den Kopf in den Sand gesteckt, und Severus sah eine Gelegenheit für einen positiven Umschwung. „Weißt du, Lucius, Draco wird auf deine Neuigkeiten viel eher mit Akzeptanz reagieren, wenn er spürt, dass du ihn … akzeptierst."

Lucius breitete die Arme weit aus. „Draco weiß, wie wichtig er mir ist", rief er aus.

Severus zog es vor, auf diese Bemerkung nicht zu antworten.

Lucius schaute unbehaglich drein. „Vielleicht könnten Draco und ich uns … näher stehen."

„Es ist nicht zu spät", sagte Severus ruhig. Möglicherweise möchtest du jetzt eine spezielle Anstrengung unternehmen, damit er deine Lady eher … willkommen heißt."

Zusammen drehten sie um und begannen, zum Haus zurückzugehen, und Lucius sagte, „Also, wie wirst du dein Stutfohlen nennen?"

„Das habe ich noch nicht entschieden", teilte Severus ihm mit.

„Wenn wir von Stutfohlen reden … Habe ich es mir eingebildet, oder entwickelt sich da etwas zwischen dir und Miss Granger?"

Severus schüttelte kurz den Kopf. Er hatte kein Interesse daran, dieses Thema jetzt zu besprechen.

„Ich frage nur, denn wenn du keine Gefühle für sie entwickelt hast, sollte dir deine bisherige Darbietung heute Abend einen Platz bei den Schauspielern auf der Bühne einbringen."

„Wir haben eine Übereinkunft, Lucius. Wir werden unsere Rollen in alldem spielen, für Hogwarts." Er wollte es nicht sagen, aber dennoch entschlüpften ihm die nächsten Worte. „Darüber hinaus bin ich … ratlos."

Lucius lachte erfreut. „Ah! Du hast den Fuchs in seinem Versteck aufgestöbert und bist ihm dicht auf den Fersen!"

Aber obgleich Severus abrupt den Kopf schüttelte, antwortete er nicht.

~oo0oo~

Mit hämmerndem Herzen setzte sich Harry im Bett auf. Er mochte in jenem Moment an der See mit einem gekeuchten „Bis morgen!" von Draco weg disappariert sein. Aber nein, er war ins Schloss zurückgekehrt – er hatte mit Hermione gesprochen und ihr alles erzählt.

Was war also das Klopfen? War Hermione zurück? Er setzte seine Brille auf und schaute auf die Uhr. Verdammt, es war fast acht! Er sprang auf, schnappte die ersten Hosen, die er sah, und zog sie an, ehe er die Tür öffnete.

„Ich weiß, dass ich spät dran bin, Hermi –" Die Worte blieben ihm im Hals stecken, denn Draco war der Störenfried, nicht Hermione. Harrys Mund wurde trocken, und er schien keine weiteren Worte äußern zu können.

„Faulpelz", schnarrte Draco, und seine kühlen grauen Augen glitten von Harrys bettzerzaustem Haar langsam nach unten, hielten neugierig auf den Lippen inne, die er heftig geküsst hatte, ehe er sich einen netten, gemächlichen Blick auf Harrys nackten Oberkörper gönnte.

Draco war für die Jagd gekleidet, makellos frisiert und lümmelte im Türeingang, als hätte er den ganzen Vormittag Zeit, auf der Lauer zu liegen und zu feixen. Selbstbewusst verschränkte Harry die Arme über der Brust. Halb spürte er den Drang, Draco hineinzuziehen und weiterzumachen, wo sie letzte Nacht aufgehört hatten, und halb hatte er Lust, ihm die Tür vor der Nase zuzuschlagen.

Draco drückte Harry ein Kleidungsstück in die Hände.

„Was ist das?", fragte Harry.

„Es ist ein angemessener Rock für die Jagd", informierte ihn Draco. „Eine Verbesserung gegenüber dem, den du am Mittwoch getragen hast."

Harry hielt ihn hoch und sah, dass es ein roter Rock war wie jene, die Draco und Severus trugen. Einige der anderen Reiter hatten spezielle Kleidungsstücke wie dieses bei Madam Malkin bestellt. „Ich habe keinen maßgeschneiderten Rock extra für die Jagd bestellt", sagte er.

Draco verdrehte die Augen. „Das weiß ich, Potter." Er richtete sich aus seiner lässigen Haltung auf. „Ich möchte, dass du diesen Rock bekommst – zieh ihn einfach an."

Harry fühlte sich verlegen und erfreut. „Danke, Draco." Er wusste nicht, was er sonst sagen sollte.

Draco berührte kurz seine Hand, graue Augen suchten grüne. „Beeil dich", sagte er. „Du wirst zu spät zum Jagdfrühstück kommen! Und du brauchst ein gutes Frühstück für die Jagd. Du weißt, das Frühstück ist die wichtigste …"

Harry hob eine Hand, um ihn zu stoppen. „In Ordnung, ich bin schon da. Geh weg."

Dann wandte sich Draco zum Gehen um, und Harry lehnte sich ein wenig zur Seite, um ihm nachzusehen.

„Und beschau nicht meinen Hintern!", rief Draco, drehte sich um und grinste Harry schalkhaft über eine Schulter hinweg an.

Mit einem innerlichen Stöhnen schloss Harry die Tür. Von Stunde zu Stunde wurden die Dinge komplizierter; sein Leben zu steuern war auf einmal ähnlich wie durch Sirup zu schwimmen geworden. Dennoch war er entschlossen, sich durchzukämpfen, weil er nicht wusste, was als Nächstes kam, und er es herausfinden musste.

~oo0oo~

Hermione war ein wenig schockiert, als sie den Schulleiter beim Jagdfrühstück erblickte. Unter seiner bleichen Gesichtsfarbe sah er käsig aus, hatte Ringe unter den Augen, und er schien ziemlich geistesabwesend von der Spöttelei, die am Tisch stattfand. Professor Mortelle und Mr Malfoy schienen vor guter Laune zu sprühen. Zwischen ihnen gab es anscheinend einige Insiderwitze, deren Bedeutung Hermione nicht klar war, daher konnte sie einem großen Teil ihres Gesprächs ganz und gar nicht folgen.

Draco und Harry waren zusammen zum Frühstück eingetroffen, sie witzelten und beleidigten einander, wie sie es die ganze Woche lang bei ihren sportlichen Wettstreiten getan hatten. Hermione kam nicht umhin, Harrys neuen Rock zu bemerken. Sie wusste, dass er keinen bei Madam Malkin bestellt hatte, weil er nicht angenommen hatte, dass er sich aus Reiten etwas machen würde. Harrys roter Rock war Dracos sehr ähnlich – sie war ziemlich sicher, als sie Harry mehr aus der Nähe sah, sie könne auf seinen Messingknöpfen eine sich windende Schlange ausmachen. Wahrscheinlich hatte Harry dieses kleine Detail nicht wahrgenommen.

Wieder sah sie auf ihren Begleiter, und sein Blick traf ihren.

„Geht es Ihnen … nicht gut, Sir?", fragte sie ruhig.

Eine Moment lang betrachtete er ihr Gesicht, dann wurde sein Ausdruck weicher. „Sie sehen heute Morgen sehr gut aus, Milady", sagte er.

Hermione fragte sich, ob es noch einen Mann auf dem Planeten gab, dessen Stimme genau auf ihre Ohren abgestimmt war und ihre Zehen dazu bringen konnte, sich vor Wonne zu krümmen.

„Ich habe eine … mäßige Nacht verbracht", fuhr er fort und widmete seine Aufmerksamkeit wieder den Eiern auf seinem Teller. „Zweifellos wird mir ein Ritt an der frischen Luft guttun."

Würde er mit ihr reiten, wie er angedeutet hatte? Sie konnte die Hindernisse auf der Strecke nicht springen, aber sie konnte mit ihm über die Felder reiten, und sie sehnte sich danach, dies zu tun.

~oo0oo~

Leticia Mortelle ordnete die Röcke ihres Reitkleids und legte ihr rechtes Bein sicher über das obere Horn. Sie hatte die Woche des Regencyspiels genossen, aber sie freute sich wirklich darauf, wieder rittlings in Hosen zu reiten. Da sie nun die Annehmlichkeiten von Lucius Malfoys Ställen und seiner Zaubererjagd genossen hatte, freute sie sich darauf, diese auch in Zukunft zu genießen – denn selbst wenn der Mann vor ihren Ansprüchen zurückscheuen sollte, die sie an ihre Liebhaber stellte, würde sie sicherstellen, sich seine Freundschaft zu erhalten.

Man tat sein Bestes im Leben, und die Erfahrung hatte sie gelehrt, dass die höchsten Erwartungen selten je erfüllt wurden – aber dann hatte sie Lucius getroffen, der weitaus besseraussehend war, als sie jemals sein würde – und ihr Herz hatte wieder zu hoffen gelernt.

Beim Stelldichein im Stallhof kamen einige Dutzend zu Pferd, und Hauselfen bewegten sich zwischen ihnen, die jeder ein hölzernes Tablett mit sechs Bohrungen trugen. In den Löchern ruhten langstielige Kristallkelche ohne Fuß, um sie auf einer Oberfläche abzusetzen. Die Stiele ragten durch die Unterseite des hölzernen Tabletts, und jeder Kristallkelch trug silbern geätzte Jagdszenen und enthielt den herben Bügeltrunk.

Die Reiter nahmen von den Dienstboten die Gläser entgegen, und auf ein Zeichen von Lucius tranken sie. Dann formierten sie sich zum Start, und Leticia nahm auf Lucius' hochbeinigem Jagdschimmel den Platz an seiner Seite ein.

Von der Seite warf sie ihm einen Blick zu. „Sind Sie … bereit für die Jagd?", fragte sie.

Seine weißen Zähne glänzten in einem verwegenen Lächeln. „Wie nie zuvor", antwortete er ihr.

Leticia lächelte; ihr Blick richtete sich in gespannter Erwartung zwischen den Ohren ihres Pferdes hindurch auf die bevorstehende Jagd.

~oo0oo~

Hermione und Firefly sammelten sich mit den Reitern, die unter Aufsicht parallel zu den Jagdreitern ritten. Sie beobachtete Harrys Interaktion mit Draco und hielt nach Zeichen Ausschau, was sich zwischen den beiden abspielte, aber außer einer gewissen Wärme in Dracos Augen, wenn sie auf Harry ruhten, sah sie kaum einen Unterschied bei ihnen.

Heute ritt die Anfängergruppe gar nicht, und Horologium Black übernahm die Gruppe der fortgeschritteneren Reiter. Dann war eine Stimme neben ihr zu hören, und Hermione verlor völlig den Faden zu Mr Blacks Anweisungen.

„Ich denke, wir können heute auf Ihren Lehrer verzichten", sagte Severus und ritt auf seinem seidig glänzenden Rapphengst neben sie. „Kommen Sie – reiten Sie mit mir."

Sie trieb Firefly an, Apollyon zu folgen, und als sie an Mr Black vorbeiritten, sagte Severus, „Heute nehme ich sie in meine Obhut."

Der Reitlehrer nickte zustimmend, und Severus sprach über seine Schulter zu ihr. „Schließen Sie auf", sagte er. „Seien Sie nicht schüchtern. Weder Apollyon noch ich … beißen."

Sie ritt neben ihn und versuchte verzweifelt, an all ihre Reitanweisungen zu denken anstelle von … Beißen. Ein wenig Beißen konnte wirklich ganz nett sein …

Von einem nahegelegenen Feld hörten sie das Gebell der Hunde und den Ruf der Reiter, als sie die Fährte aufnahmen. Severus wandte ihr sein Gesicht zu, und seine schwarzen Augen glitzerten. „Los geht's", sagte er. „Wir gehen in einen leichten Galopp, und wenn es bei Ihnen gut klappt, können wir schneller galoppieren."

Hermione konzentrierte sich stark, während Firefly aus dem Schritt antrabte und bei der Berührung von Hermiones gestiefelter Ferse in einen leichten Galopp fiel. Severus blieb an ihrer Seite und hielt sein Pferd zurück, obwohl sich das Tier sichtlich ein schnelleres Tempo wünschte. Sein Blick konzentrierte sich genauso oft auf sie wie auf das Terrain, mit dem er sehr vertraut war.

Wie es ihr schon früher passiert war, wenn sie Firefly mit ihren weichen Gängen ritt, entspannte sich Hermione im puren Genuss des Ritts, spürte den Wind in ihrem Gesicht und sah zu, sie die Erde unter den Hufen ihres Pferdes vorüberflog. Sie kostete den Anblick ihres Begleiters aus, dessen Haar hinter ihm flatterte, und dessen kraftvolle Schenkel den Rumpf des Pferdes umfassten, während er seine Hilfen mit dem leichtesten Druck dieser Beine gab und den klaren Eindruck von Einheit mit seinem Pferd erweckte. Hermione konnte ihre instinktive Reaktion auf Severus Snape zu Pferd nicht erklären, dessen fliegendes Haar zur wallenden Mähne seines Pferdes passte, aber sie vermutete, falls sie rittlings wie er auf ihrem Pferd säße, wäre es eine noch akutere Ablenkung als diejenige, die sie jetzt durchlitt.

„Sind Sie bereit?", rief er ihr zu, und sie war nicht sicher, wonach er fragte, aber was immer er von ihr wollte, sie war mehr als bereit dazu.

„Ja!", antwortete sie, und der Rapphengst an ihrer Seite bewegte sich schneller vorwärts, verlängerte seine Sprünge, bis es ihr erschien, als fliege Apollyon.

Firefly wollte nicht zurückbleiben, und Hermione spürte die Veränderung in der Bewegung ihres Pferdes. Selbst jetzt hielt Severus seinen großen Hengst unter Kontrolle, und Hermione und Firefly blieben mit Leichtigkeit gleichauf, sodass die beiden Pferde nebeneinander galoppierten. Die wunderbare Euphorie solcher Schnelligkeit in solcher Gesellschaft versetzte Hermione in einen rauschartigen Zustand, und als ihr Blick einen Moment lang auf der wilden Genugtuung auf Severus' Gesicht lag, wünschte sie sich, sie könnten für immer zusammen reiten.

~oo0oo~

An diesem Tag erlebten die Jagdreiter großartigen Sport, aber Leticia Mortelle widmete nur zwei Dingen ihre volle Aufmerksamkeit: dem Jagdsnitch und dem Jagdherrn. Sie war entzückt, als sie den schwer zu fassenden Jagdsnitch sichteten. Zu diesem Zeitpunkt übertrug Lucius dem Master des Jagdfeldes seine Pflichten, da er eine Aufgabe zu erledigen hatte. Meistenteils spielten die Feldreiter mit und überließen Lucius seiner seltsamen Verfolgungsjagd, aber Leticia blieb dicht bei ihm und beobachtete ihn sorgsam. Schließlich stand für sie mit dem Ergebnis des heutigen Sporttages sehr viel auf dem Spiel.

Zwei der jüngeren Männer realisierten, dass der Jagdherr nicht die Fuchsfährte verfolgte, sondern den Jagdsnitch, und sie schickten sich gutmütig an, ihm Hilfestellung zu leisten. Leticia dachte nicht, dass es an ihr war, ihnen mitzuteilen, sich um ihre eigenen Angelegenheiten zu kümmern, auch wenn sie dies noch so gern wollte. Sie folgte einfach weiterhin und behielt ein Auge auf dem Mann auf dem Schimmel und das andere auf den Reitern im Jagdfeld.

Nach vierzig Minuten Jagd legte Lucius' Pferd an Tempo zu, und Leticia war klar, dass er den Jagdsnitch entdeckt hatte. Die beiden Reiter, die ihm folgten, schienen dies ebenfalls zu realisieren, und sie trieben ihre Pferde an, um nicht zurückzufallen. Leticia handelte, ohne zu zögern. Mit ihren besten Verteidigungsfähigkeiten schickte sie den beiden jungen Männern einen Verwirrzauber nach, und im nächsten Moment spannte sich Lucius' Pferd und drückte ab, um über einen breiten Bach zu springen. Im Sprung warf Lucius sich seitwärts aus dem Sattel, streckte wie ein Vogel im Flug die Arme aus und Sekunden später platschte er in den Bach.

Die beiden jungen Männer unter dem Verwirrzauber ritten auf der Wiese herum und versuchten, sich daran zu erinnern, weshalb sie sich dort befanden. Leticia rief, „Groats! Komm zu mir!"

Der Stallelf erschien mit einem Plopp an ihrer Seite.

„Bitte bring diese beiden Herren zurück zum Stall", wies sie ihn an. „Sie scheinen … durcheinander zu sein."

Groats rannte los, um die schleifenden Zügel der beiden jungen Zauberer zu ergreifen, und Leticia eilte zu dem Bach, saß ab und fiel am Ufer auf die Knie. Lucius kam auf die Füße, Wasser floss aus seinem langen, blonden Haar, und ein leidenschaftlicher, siegesgewisser Glanz lag in seinen grauen Augen. In einer Hand hielt er den flatternden Jagdsnitch.

Nur die beiden Pferde waren Zeuge des Ungestüms, mit dem er die rothaarige Dame an sich riss, und ihnen war der stürmische Kuss gleichgültig, den der nasse Mann der ganz und gar willigen Frau gab.

„Jetzt bist du mein", informierte er sie, während er ihren Hut zerfetzte und ihr Haar zerzauste.

Leticia legte den Kopf zurück, um ihm in die Augen zu sehen. „Oder du bist mein?", fragte sie bedeutungsvoll.

Seine Arme schlossen sich fester um sie, bis sie fürchtete, nicht mehr atmen zu können. „In mein Schlafzimmer, denke ich", sagte er zu ihr und ließ eine besitzergreifende Hand über ihre Seite gleiten. „Und bring die Gerte mit."

Sie zeigte sie ihm und strich mit der Lederschlinge über seine Wange hinab. „Es würde mir nicht im Traum einfallen, sie liegen zu lassen."