Kapitel 32:

Teruko/ Suzuran/ Erdkönigreich

„Na schön", Teruko wartete, bis Korporal Shoni von der gerade von ihm versiegelten Luke zurück trat und wendete ihre Aufmerksamkeit ihrer verlässlichsten Einheit zu. „Leute, wir haben... eine interessante Situation."

Sergeant Kyo, so unerschütterlich wie ein Fels, hob kaum eine graumelierte Augenbraue. Gefreiter Sukekuni hatte einen Gesichtsausdruck wie ein Nerz-Reh im Fackelschein, der wahrscheinlich bedeutete, dass er drei verschiedene Szenarien über ihre nächsten Worte durchging. Shoni wirkte ausdruckslos, doch der schlanke Messerexperte wirkte immer ausdruckslos. Ganz besonders, wenn er dabei war jemanden zu töten. Korporal Moriaki sah beunruhigt aus, aber auch fasziniert, so wie der Feldheiler eben seit Prinz Zukos erster Demonstration war. Gefreite Fushi war fröhlich manisch, kein ungewöhnlicher Zustand für die einzige andere weibliche Feuerbändigerin der Einheit. Und Gefreiter Rikiya –

„Ooh, teilen sie sich 'ne Bude mit dem Prinzen?" Ihr beliebtester Unruhestifter grinste. „Gut, dass wir wissen, dass sie flexibel sind – au!"

Erstaunlich, wie Kyo das schaffte, scheinbar ohne sich zu bewegen. „Kein guter Witz", sagte er streng. „Er ist der kommandierende Offizier, schon vergessen?"

„Tut mir leid..."

Ausnahmsweise wirkte er auch so. Und das sollte er auch, dachte Teruko. Etwas mit einem Mitglied der eigenen Abteilung anzufangen? Das war schrecklich für die Disziplin. Und für die Moral. Große Namen und Offiziere wussten es besser. Und Prinz Zuko war beides.

„Trotz der schlüpfrigen Anspielungen glaube ich, dass er Recht haben könnte", warf Moriaki ein. „Ich bin sicher, der General hat ihn Disziplin gelehrt, doch er ist ein junger Mann und, nun..."

„Zuallererst wird niemand sich mit Prinz Zuko die Kabine teilen", sagte Teruko direkt. „Es ist nicht sicher." Ganz besonders nicht bei seiner Laune. Sie muss miserabel sein. Niemand verbrennt so viele Entwürfe und ist danach gut gelaunt.

Sie wusste immer noch nicht, ob sie über den Anblick dieses riesigen Haufen Asche bei dem Schreibtisch des Prinzen lachen oder weinen sollte. Sie hatte ein paar der Briefe für ihn gelesen, genau wie General Iroh und Kapitän Jee und jeder andere, der nicht schnell genug das Weite gesucht hatte. Sowohl der General als auch der Kapitän waren überraschend geduldig gewesen, zeigten hier eine Wortwahl auf und rieten dort zwei Absätze zu tauschen. Offen gestanden sah Teruko keinen großen Unterschied... aber ihr war beigebracht worden, wie man Berichte schrieb, keine Hofdokumente. Sie hatte den fertigen Brief gelesen und hatte gespürt wie er einschlug und sie war nicht mal vom Wasserstamm.

Der Art nach wie General Iroh gegrinst hatte, würde es die Wasserstammflotte noch härter treffen.

Geschieht ihnen recht.

Teruko legte diesen Gedanken beiseite und sah direkt zu Kyo. „Ich habe noch nicht viel der Geschichte aus dem General heraus bekommen." Das muss sich ändern. Sobald wir etwas mehr Luft haben. „Aber nach allem, was ich gesehen habe? Jemand hat schon vorher versucht den Prinzen im Schlaf zu ermorden."

Kyo nickte knapp. „Und General Iroh ist jetzt nicht im gleichen Raum. Er ist unruhig." Er hielt inne. „Immer noch."

„Sie müssen für mich den Aufpasser spielen", sagte Teruko direkt. „Moriaki, sie würden ihn nächtelang mit Fragen zum Heilen wach halten – "

„Traurig, aber wahr", sagte Moriaki lächelnd.

„Shoni, ihre Kabbeleien mit Rikiya gefallen ihnen etwas zu sehr – "

Der Messerwerfer bemühte sich, unschuldig auszusehen.

„Sukekuni... nehmen sie's mir nicht übel, aber er würde sie ohne anzuhalten überrennen..."

„Das stimmt", gestand der Marinesoldat. „Boss, selbst an meinem besten Tag kann ich den Prinzen nicht einholen", sagte er auf Kyos zweifelnden Blick. „Damals auf der Wani? Ich habe es versucht. Kapitän Jee musste uns schließlich mit etwas... nicht regelkonformem... zusammentrommeln und allen sagen, dass sie nicht dafür verantwortlich waren, wo der – äh, junge Mann war." Sukekuni schüttelte mit weit aufgerissenen Augen den Kopf bei der Erinnerung. „Ich schwöre, er konnte durch ein Stahlschott verdampfen."

„Und Rikiya..." Teruko stöhnte. „Zehn Minuten allein, während er nachdenkt und sie zücken ihre Karten."

„Das schärft den Verstand", sagte Rikiya tugendhaft. „Und trainiert die Nerven – "

„Je nachdem wie schlimm der Tag ist, den er hat, bräuchte er etwa... oh, vielleicht fünf Sekunden, um zu erkennen, was auf den Karten drauf ist", sagte Teruko trocken. „Und dann verbrennt er sie. Und sie wahrscheinlich gleich mit."

„Nein!" Rikiya war schockiert. „Das sind Kunstwerke!"

„Die sind echt gut." Fushi nickte und ihre goldenen Augen glitzerten fröhlich. „Echt gute Qualität."

Sie ist ein Hauptstadtmädchen, erinnerte sich Teruko während sie das Deck leicht bekleideter Schönheiten in Rikiyas schützenden Griff beäugte. Byakko war altmodisch und jeder wusste es.

„Ich glaube einfach nicht, dass er meine Karten verbrennen... Moment mal", sagte Rikiya misstrauisch. „Er ist Sechzehn. Warum sollte er meine Karten verbrennen?"

„Weil er noch kein Territorium hat", sagte Teruko schlicht.

„Hä?" Rikiya blinzelte, völlig verwirrt.

„Er ist nicht Sechzehn so wie sie mit Sechzehn waren", erklärte Teruko. Und immer noch bist, du freizügige Nervensäge. „Das mache ich normalerweise nicht bei Leuten, die nicht mein Klan sind... hat einer Stahl zur Hand, den er nicht mehr braucht?"

„Hier", sagte Shoni ruhig und holte ein Messer aus dem Nirgendwo.

Teruko nahm es, legte eine Hand ausgespreitzt auf den Klapptisch. Dann stach sie zu.

Das Kreischen biss in ihren Ohren.

Teruko gab die schartige Klinge zurück und hielt ihre Hand so, dass alle den kaum angekratzten Fingernagel sehen konnten. „Großvater Subotai war ein Drachenkind", sagte sie ruhig. „Glauben sie mir. Prinz Zuko ist mindestens vier Jahre zu jung, um von ihnen korrumpiert zu werden."

Dieses Mal war Rikiya sprachlos.

„Wow", hauchte Fushi. „Sie haben nie gesagt, dass sie... aber das geht ja auch nicht. Weil die Regierung sagt – oha. Wenn es ihr Großvater war, jeder... Das muss hart gewesen sein, so aufzuwachsen."

„Tatsächlich?", murmelte Sergeant Kyo.

Teruko beäugte ihn.

Er warf ihr einen sardonischen Blick zu, der bedeutete irgendwer muss euch jungen Leutnanten verklickern, dass wir Alten auch was wissen. „Sagen wir nur, dass ich so was ähnliches schon gesehen habe." Er straffte sich. „Also, was müssen wir wissen, Leutnant?"

Oh, großartig. Jetzt bin ich auf einmal die Expertin? „Größtenteils was ihr auf dem Dampfboot gesehen habt", sagte Teruko sachlich. „Wenn er nicht im Kampf ist... Drachenkinder haben immer noch Probleme, aber sie haben sie im Griff. Wenn er im Kampf ist und er wütend oder verängstigt genug wird – spart euch euren Atem. Worte sind dann nur Lärm. Er ist darauf konzentriert, den Klan zu schützen und den Feind zu vernichten." Sie runzelte die Stirn, zog Shidans alten Unterricht wieder ins Bewusstsein. „Benutzt Handsignale. Zerrt ihn mit, wenn es sein muss. Alles, was nicht Worte sind." Sie ließ den Blick über sie wandern. „Das sollte nicht oft passieren. Der General wusste nicht, dass der Prinz seine Worte verloren hatte. Wenn ich mal raten sollte, würde ich sagen, dass er sie nie lange genug verloren hatte, als dass man ihn für mehr als einen sturen Jugendlichen, der nicht zuhört, halten könnte. Er muss viel Übung darin haben, sich nach der ersten Attacke zurück zu zerren. Diesmal... hat es einfach länger gedauert."

„Denn lebendig begraben zu werden steckt man mühelos weg", sagte Shoni trocken.

Teruko unterdrückte ein Augenrollen. Wie sie gesagt hatte, gab es einen Grund, warum Shoni nicht beim Prinzen war. „Davon abgesehen? Er ist ein Feuerbändiger. Lügt ihn nicht an. Schleicht nicht an ihn ran. Und habt keine Angst vor ihm. Furcht heißt Beute. Dieser dämliche Luftbändiger zuckt zu oft."

Alle Augen fuhren zu Sukekuni.

„Aber er ist unheimlich!", verteidigte sich Sukekuni. „Er hat uns hinter den Avatar her in einen Hurrikan gezerrt... Na gut, vergesst den Hurrikan. Die Feuerlords haben seit 100 Jahren nach dem Avatar gesucht. Und der Prinz hat ihn gefunden. Und – Drachenkind und ihr habt gesehen, was er mit dem Wasser angestellt hat... wir sind mitten in einem Geister-Märchen, Leutnant. Und das ist kein guter Platz."

Verdammt. Sukekuni hatte Recht. Denk nach, denk nach...

„Doch, wenn man zu den Guten gehört." Fushi grinste. „Kopf hoch! Wenn's darum geht, böse Geister zu verscheuchen? Drachenkinder sind noch besser als die Feuerweisen!"

Teruko verbarg ein Seufzen und schaute zu Sergeant Kyo. Alle wussten, dass Fushi sich in die wildesten Bücher vergrub, aber irgendwer holte sie normalerweise zurück, ehe sie so weit kam...

Kyo starrte zurück. Todernst.

Oh, Affen-Federn. „Na schön." Teruko seufzte. „Was weiß ich nicht?"


Zuko, Teruko/ Suzuran/ Erdkönigreich

„Sir?", Leutnant Sadaos Klopfen war fast so leise wie seine Stimme. „Wir glauben, es ist wieder da."

Zuko verzog das Gesicht und rollte aus seiner Koje. Er vermisste das Gefühl von warmen Federn an seinen Händen. Es war nicht sicher, Asahi in Quartieren für Menschen unterzubringen und es war für ihn nicht angemessen, unten in den Ställen bei ihr zu nächtigen. Verdammter Anstand.

Schon angezogen glitt er durch die Luke hinaus –

Er hielt an, beinahe Nase an Halsrüstung mit einer gewissen verärgerten Marinesoldatin.

Zuko trat einen Schritt zurück und seufzte. „Leutnant Teruko. Wenn mein Verdacht, womit wir es zu tun haben, sich bestätigt, wird eine amphibische Invasion nicht hilfreich sein."

„Nicht. Ersetzbar." Goldene Augen glitzerten hinter ihrer Gesichtsplatte. „Sir."

Er spürte, dass Kopfschmerzen im Anmarsch waren und es hatte nichts mit der Agniverdammten dunklen Stunde zu tun. „Bleiben sie hinter mir."

„Sir – "

„Mit wie vielen Kamuiy hatten sie schon zu tun?", fragte Zuko sachlich.

„...Einen weniger als nach dieser Nacht, Sir." Aber sie neigte den Kopf und trat aus dem Weg.

Das Beste, was ich momentan erwarten kann. Er starrte Sadao an. „Wo?"

„Das ist der komplizierte Teil..."

Hier unten gefällt es mir nicht, dachte Zuko düster, als er lautlos von metallenen Sprossen auf den Stahl des unteren Decks trat.

Das war nur zu verständlich. Ein Schiffsgefängnis sollte auch nicht angenehm sein.

Ein paar Schritte hinter ihm war Teruko fast genau so leise. Rüstung machte es etwas schwieriger zu schleichen. Ein Grund, weshalb er nur Robe und Hose an hatte –

„Wenigstens hat der Verräter keine Uniform an", schnarrte eine Stimme über das allgemeine Grummeln der Unzufriedenheit.

… und das war der andere.

„Klappe, Koki." Sergeant Aoi kam zu den Gitterstäben seiner Zelle, von Kopf bis Fuß harter Muskel und ein grimmiges Stirnrunzeln so tief eingegraben wie der Große Graben selbst. „Nun? Haben sie etwas dazu zu sagen, dass sie ihren Kommandanten verraten haben? Ihren eigenen geehrten Vater?"

„Seien sie still und lassen sie mich lauschen", sagte Zuko sachlich. „Außer es gefällt ihnen, ihre Quartiere mit etwas zu teilen, das sie nicht sehen können."

„Ha!", krähte Koki. „Glaubt der wirklich, wir kaufen ihm das ab, diesem – "

Schritte hallten dumpf auf dem Deck, vom anderen Ende des Ganges. Dabei wussten die Gefangenen so gut wie Zuko, dass kein Mensch ungesehen in diese Richtung gehen konnte.

Aber er erwartete keinen Menschen.

Zuko atmete tief durch und huschte an plötzlich totenstillen Zellen vorbei. Er hielt inne. Lauschte und witterte nach diesem merkwürdig prickelndem Unbehagen von etwas, das nicht an sterbliches Fleisch und Blut gebunden war.

Da. Glaube ich.

„Falls sie hören, dass etwas an mir vorbei kommt, verbrennen sie es", befahl Zuko leise. Er straffte seine Schultern und trat ein paar weitere Schritte vor. „Was bist du und was willst du?"

Die Schritte stockten überrascht. Dann stampfte es, wie ein großer Mann, der seine Brust herausstreckte, kurz vor einer Prügelei.

Zuko schnaubte. „Sagt dir der Name Haima-jiao etwas?"

Die stampfenden Schritte stolperten und stoppten. Dann kam das leiseste Geräusch von Deck, wie ein schlechter Einbrecher, der versuchte, sich davonzuschleichen.

Das klappt mit Feuer. Schauen wir mal, wie es mit Wasser geht. Er holte fließend Wasser aus seinem Schlauch und ließ es sich mit trockenen Blättern vermischen. Dann schnappte Zuko eine Wasserpeitsche den Gang hinunter.

Da!

Nasse Blätter pressten sich für einen Moment gegen etwas, das nicht Wasser war. Zuko lockerte seinen Griff an dem Wasser, das noch in seiner Hand war, änderte seine Haltung zu einen Halbschritt, während er die Handflächen nach oben drehte und gleichzeitig schob und zog.

Eisbärfell stehlen.

… Wenn eine Wasserbändigerin tatsächlich diese Technik verwendet hatte, um Fell von der Brust eines Bären zu zupfen um ihren Ehemann zu heilen, dann hatte er keinen Schimmer, wie der Norden seine Frauen je dazu gebracht hatte, das Kämpfen aufzugeben.

Mit Blättern gesprenkeltes Wasser wickelte sich wie ein Bettlaken um Luft und gefror.

Teruko pfiff. „Ist das ein Paar Stiefel?"

Zuko legte den Kopf schief, schätzte die Lichtbrechung in Wasser und Eis um leerer Luft ein. Es sah wirklich so ähnlich wie ein Paar Stiefel aus. Aber wenn da drin keine echten Stiefel waren, was war es dann? „Betobeto?", stieß er heraus.

Woher weiß ich das?

Später. Jetzt hatte er einen Geist, mit dem er fertig werden musste.

„Das ganze Schiff ist von so was harmlosen aufgescheucht worden?", knurrte Teruko.

„Die sind nicht alle harmlos", korrigierte Zuko düster. Vielleicht ist es nur wegen Lee. Aber ich wünschte, Amaya hätte mich davor gewarnt, dass da Zeug über Kamuiy in meinem Kopf auftauchen würde... „Manchen von ihnen gefällt es, Leute nachts vor Panik von Klippen stürzen zu lassen. Oder die mit dem Sprenggummi aufzuschrecken." Er funkelte die in Eis gefangene Gestalt an. „Du bist doch keiner von denen. Oder?"

Unter den Blattstückchen schien etwas sich zusammen zu kauern.

„Du verschwindest von meinem Schiff!"

Zuko lauschte, hörte das leiseste Rascheln wie von Zehen auf Eis, wie ein gescholtenes Kind.

Großartig. Jetzt komme ich mir wie ein Fiesling vor... Ein Gedanke kam ihm und Zuko grinste. „Weißt du, wenn du wirklich so harmlos bist, kenne ich da jemanden, der wird es lieben mit dir zu spielen."

Ein neugieriges Trippeln erklang.

„Oh, das meinen sie nicht ernst", brachte Teruko heraus.

„Warum nicht?", fragte Zuko unschuldig. „Er ist die Brücke zwischen unserer und der Geisterwelt. Soll er doch mal sehen, was das wirklich bedeutet. Ohne einen Geist, der ganze Flotten in Stücke reißen kann." Er wendete sich wieder dem gefangenen Kamuiy zu. „Wenn ich dir eine Notiz schreibe, mit der du dich bei Aang vorstellen kannst, wirst du uns und Suzuran in Ruhe lassen, nachdem ich sie dir gegeben habe?"

Aufgeregtes Tappen ertönte, gefolgt von einem Stampfen, wie ein Soldat in Habachtstellung.

„Dann einverstanden." Zuko nickte, schmolz das Eis mit einem drückenden Schub, rief das Wasser zurück und fing die Blattstückchen, als sie durch seine Finger filterten.

Der Betobeto, jetzt wieder unsichtbar, steppte und tanzte über das Deck, bis die Schritte verklangen.

„Sie? Sie sind gemein", kicherte Teruko.

„Danke. Nehme ich mal an", murmelte Zuko. Er ging an belegten Zellen vorbei zurück und stoppte vor der von Aoi. „Sergeant. Kapitän Jee sagte mir, dass sie ein guter, ehrenwerter Mann sind, und Feuerlord Ozai wahrhaft loyal."

Der muskulöse Sergeant war von den Gitterstäben zurückgewichen, seine Augen vor Entsetzen aufgerissen. „Was sind sie?"

Als ob ich euch das sage. „Es ist keine gute Idee den Mond zu verärgern", sagte Zuko mit ruhiger Stimme. „Admiral Zhao versuchte den Geist des Mondes zu töten und hatte beinahe Erfolg. Er hat versucht Tui zu töten, Sergeant. Agnis Schwester." Zuko stieß einen langen Atemzug aus. „General Iroh versuchte ihn aufzuhalten. Aber alles, was wir tun konnten, war zu versuchen, es wieder gut zu machen. Und das war nicht schnell genug für die Flotte. Wenn sie meinem Vater Bericht erstatten, warnen sie ihn, dass die Geister jetzt ein direktes Interesse an diesem Krieg haben. Ich weiß nicht, ob der Avatar so etwas noch einmal tun kann, aber irgendwer sollte am Besten mit den Feuerweisen reden und es herausfinden."

Aois Augen wurden schmal. „Sie haben den Feuerlord für den Avatar verraten."

Bleib ruhig. Denk an den Plan. „Ich bin sicher, beide wollen das glauben", sagte Zuko trocken. „Nein. Ich brach meine Loyalität zu meinem Vater um unseren Volk zu dienen." Er atmete tief durch. „Und um meine Schwester zu schützen. Sie ist jetzt die Erbin. Wenn sie... mich nicht mehr zu hassen braucht, nicht mehr beweisen muss, dass sie von der wahren Linie von Sozin stammt, egal wie jung sie ist... vielleicht kann sie eine gute Anführerin für unsere Leute werden." Er senkte die Stimme. „Agni, ich hoffe es."

„Sie hat versucht, sie zu töten, Sir", sagte Teruko geradeheraus.

Zuko schnaubte. „Dafür hatte sie immer die Erlaubnis unseres Vaters." Er beäugte Aoi, beobachtete den schnell verborgenen Schock. „Ich möchte, dass sie dem Feuerlord Bericht erstatten, Sergeant. Ich möchte, dass sie ihm alles erzählen. Unser Volk ist in großer Gefahr. Ich kann es nicht retten, nicht auf dem Schlachtfeld. Aber es gibt etwas, das ich tun kann. Und ich werde es tun." Er ließ das Grinsen zu. „Es gibt mehr Wege um einen Mann zu zerstören, als den Kampf."

„Sie haben den Avatar geheilt!", schleuderte Aoi ihm entgegen.

„Die Alternativen waren schlimmer", knurrte Zuko zurück. „Ihn töten? Der Wasserstamm und die kleine Bande des Avatars hätte uns alle abgeschlachtet – und wo würde der nächste Avatar wohl geboren werden, Sergeant? Wollen Sie versuchen den Nordpol anzugreifen? Wieder? Ich habe Informationen aus einer vertrauenswürdigen Quelle, dass, falls sie einen Avatar ausbilden, sie nicht aufhören werden, bis wir alle tot sind." Atme. Halte deinen Jähzorn. Rede. „Ihn nicht heilen? Hätte Azula ihn nur verbrannt, das wäre dann eine Option gewesen. Aber sie hat ihn mit einem Blitz getroffen und die Südliche Wasserbändigerin hat dafür gesorgt, dass er überlebte. Fragen sie die Feuerweisen, was mit solchen Leuten passiert. Das einzig schlimmere, als ein lebender Avatar ist ein wahnsinniger."

Aoi brach den Protest ab, ehe er ihn noch aussprechen konnte. Er verzog das Gesicht und studierte Zuko noch einmal.

„Der Avatar ist tödlich, aber er hasst das Kämpfen", sagte Zuko ruhig. „Falls die Feuernation sich in ihre ursprünglichen Grenzlinien zurückziehen würde, könnte er davon überzeugt werden, von weiteren Vergeltungsmaßnahmen abzusehen. Vielleicht", betonte Zuko, ehe der Sergeant mehr tun konnte als die Augen zu rollen. „Das ist eine Angelegenheit, mit der sich der Kriegsrat auseinander setzen sollte. Ich verlange nur, dass sie es als mögliche Option berichten." Er hielt inne und seufzte. „Und in ihrem Bericht, betonen sie, dass ich im Exil und ein Verräter bin. Nach Avatar Kyoshis eigenem Erlass kann die Feuernation die Verantwortung für jede meiner Handlungen abweisen. Und ich werde handeln."

Aoi starrte ihn an, ignorierte das Geflüster aus den anderen Zellen. „Wie?"

Zuko grinste schief, sein Herz raste. Zieh es durch. Zieh es durch, es ist nicht gelogen... „Sergeant. Bisher habe ich ihn aus dem Nordpol gezerrt, seine Allianz mit seinen Bändigungsmeistern beschädigt und dem Wasserstamm eine extrem unangenehme Situation verschafft, die sie ihren Verbündeten vom Erdkönigreich erklären müssen. Der Donner, den sie neulich gehört haben? General Gang ist jetzt aus dem Dienst ausgeschieden. Permanent." Er zuckte bewusst mit den Achseln. „Und jetzt werfe ich ihm einen Betobeto an den Kopf. Wollen sie wirklich wissen, was ich ihm als nächstes antue?"

Agni, lass mich hier raus!

Zuko ließ das Schiffsgefängnis hinter sich, kletterte hinauf in die frische Luft und trank den brackigen Geruch von Wasser, das von weit Inland der Chamäleon-Bucht stammte. Hier oben sollte man gut Fischen können, auch wenn es noch zu früh im Jahr für die Wanderungen der Lachs-Barsche war...

So etwas will ich nie wieder machen müssen. Nie wieder.

„Zu lügen ist schmerzhaft", sagte Teruko mitfühlend, als sie sich nahe bei Suzurans Bug zu ihm gesellte. „Auch wenn es nicht wirklich gelogen ist."

„Ich habe nie verstanden, wie sie das macht", sagte Zuko bei sich. „Azula lügt die ganze Zeit, als ob es einfach ist, als ob..." Er lauschte, wie vertraute Schritte näher kamen und zog eine Grimasse. „Geister, warum heiratet sie ihn nicht einfach? Sie haben so viel gemeinsam. Das würde alle unsere Probleme lösen."

Iroh seufzte, Laternenlicht beleuchtete seinen ernsten Gesichtsausdruck, während es auch Schatten auf das Rot von Leutnant Sadaos Rüstung warf. „Neffe. Ihr wisst, dass ist ungerecht für Aang."

Zuko zwang seine Finger, sich nicht zu ballen, erkannte seinen kochenden Zorn, das verzweifelte Bedürfnis irgendwas auseinander zu nehmen. „Ach nein? Er lügt, wenn es ihm passt, er muss sich nie anstrengen – "

„Vielleicht sollte ich sagen es ist für Azula nicht gerecht", sagte Iroh und ignorierte wie Sadao hinter ihm keuchte. „Ja, ihr wurde viel gegeben. Aber sie unternimmt auch große Anstrengungen und verlangt alles von sich. Ähnlich wie ihr", er neigte den Kopf. „Und ja, Aang ist zu schnell dabei, die Wahrheit zu verschleiern, wenn es für ihn vorteilhaft ist. Doch ich denke, dass er dies nicht aus Bosheit tut – "

„Eine Lüge ist eine Lüge!", brach es aus Zuko heraus. Und ich hasse sie! Ich hasse sie alle.

Teruko räusperte sich. „Sie werden seine Meinung darüber nie ändern können, General."

„Nein?" Iroh zog neugierig eine Augenbraue hoch.

„Nein", beharrte Teruko, starrte Iroh und Sadao beide streng an. „Es gibt einen Grund, weshalb Lady Kotone die Diplomatie für Byakko übernimmt. Shidan tut Lügnern weh." Sie warf Zuko einen Blick voller trockener Zustimmung zu. „Sogar so zu bluffen muss übel gewesen sein."

Zuko blinzelte. Etwas von seinem Zorn verging im Angesicht dieser Ehrlichkeit. Sie versteht es. Sie ist... nicht wie Mama. Aber sie versteht es. „Es musste getan werden."

„Das ist wahr", bestätigte Iroh. „Doch ich werde das für künftige Pläne bedenken. Man handelt nicht leicht gegen die eigene Natur."

Und das bedeutete etwas. Zuko konnte es in der Art, wie die drei Blicke tauschten, sehen. Später, sagte er sich und unterdrückte jeden weiteren Impuls wegen Aang, Azula und der Ungerechtigkeit der Welt zu jammern. Das Leben war nicht fair, ganz besonders nicht für ihn und es würde nicht gerechter werden, nur weil er darüber knurrte. Es war besser einfach etwas … zu tun. „Glaubt ihr, es wird etwas bewirken? Es ist ja nicht so, als ob es ihn kümmert, was mit mir passiert."

… Na gut, vielleicht ein bisschen Jammern. Verdammt, das hatte geschmerzt.

Du hast es schon seit Jahren gewusst. Lass es … einfach gehen.

„Es wird ihn kümmern, dass es Azula nicht gelang euch zu töten", sagte Iroh grimmig. „Und was mein Bruder auch denken mag, er weiß, dass ihr kein guter Lügner seid. Er muss eure Botschaft zumindest in Betracht ziehen." Er nickte bei sich. „Zögern. Verwirrung. Die könnten wir durch die Mühen dieser Nacht gewinnen. Mehr als alles andere benötigen wir Zeit."

„Was wir brauchen ist ein Wunder", grummelte Zuko. „Wenn Aang sich bloß einmal hinsetzen und nachdenken würde..."

„Neffe?" Iroh zog eine Braue hoch.

So einfach. Ich bin ein Idiot. „Was will Aang?", stieß Zuko heraus.

Die Leutnants starrten ihn an, als ob ihm ein paar Flammen im Ofen fehlten. „Er ist der Avatar, Sir", zeigte Sadao auf. „Ich denke irgendwie will er uns in den Arsch treten."

„Das will der Avatar", sagte Zuko direkt. „Ich habe gegen den Avatar gekämpft, Leutnant. Und ich hatte es mit Aang zu tun. Sie sind nicht die selben."

Gerüstete Füße scharrten. „Sir", sagte Teruko nüchtern. „Ich weiß, er sieht wie ein niedliches Kind aus ..."

Iroh hob eine Hand. „Erscheinungen können trügerisch sein, ja. Doch es mag nicht so einfach sein, wie es scheint." Er runzelte die Stirn, nachdenklich. „Ich habe Quellen über die Vergangenheit des Avatars, die die Ehrfurcht gebietende Macht des Avatar-Zustandes erwähnen. Doch diese Quellen behaupten, dass es Zeit, Disziplin und die Meisterschaft aller vier Elemente benötigt, ehe ein Avatar solche Macht kontrollieren kann. Ich hatte geglaubt, dass die Texte falsch wären. Wir sahen, wie Aang diese Macht entfesselte. Doch, wenn es dem Bändigen ähnelt... vielleicht hat er es nicht gemeistert. Vielleicht meistert es ihn."

„Toph sagte, er hasst, was am Nordpol passiert ist", sagte Zuko leise. „Dass er... nicht wusste, was passieren würde." Er fuhr mit einem Blick über sie. „Also. Er ist der Avatar. Er ist aber auch ein zwölf Jahre alter Luftnomaden-Idiot. Wie bringen wir den dazu zuzuhören?"

„Ihr könntet damit beginnen, einzugestehen, dass er nicht gänzlich ein Narr ist", sagte Iroh mild. „Er hat sich der Feuernation entzogen, was nicht leicht ist. Er hielt sich aus eurem Griff, was noch schwieriger ist. Er hat seine Freunde weise gewählt. Toph ist ein Schatz. Sokka braucht schlicht mehr Erfahrung und Training und Katara... nun. Wir sind alle auf unsere eigene Weise verwundet. Es macht sie nicht weniger gefährlich." Er betrachtete seinen Neffen. „Ihr wurdet von Geburt an erzogen eure Pflichten als Großer Name zu kennen und dazu ausgebildet sie zu erfüllen. Er war ein Kind der Luft, der Freiheit geboren. Der Avatar zu sein, an das Schicksal der Welt selbst gekettet zu sein, muss eine schreckliche Bürde sein."

Zuko errötete und zog kurz in Betracht, seinen Kopf gegen das Stahldeck zu schlagen. Es wäre weniger frustrierend. „Könnt ihr mir solche Dinge nicht sagen, ehe ich alles ruiniere?"

„Prinz Zuko." Der Blick seines Onkels trug eine milde Rüge. „Er ist Zwölf. Er war nicht bereit zuzuhören, nicht damals. Ich weiß nicht, ob er jetzt bereit ist, zu lauschen, oder ob er jemals bereit sein wird. Aufzubrechen war weise. Ihm die Wahrheit zu sagen war weise. Ihr habt nicht alles ruiniert." Er hielt inne und schmunzelte. „Ihr mögt besser gehandelt haben, als sich irgendwer hätte vorstellen können. Welches bessere Geschenk für ein betrübtes Kind gibt es, als einen neuen Freund?"


Sokka, Gaang, Hakoda/ Wasserstammflotte/ Erdkönigreich

„Mehr Schnee", wies Asiavik an. Aang schluckte und gefror noch mehr Seewasser zu weißen Matsch. Er hob ihn mit einem Schub von Händen und Willen und half Momo und dem Heiler ihn in das Kanu zu packen, das auf dem Boden des Schiffes lag. Das frische Weiß um Kataras fiebrigen Körper wurde dunkler.

Sokka sah zu, eine Hand hielt die von Toph gepackt und fühlte sich total und komplett hilflos.

Hakoda, der neben Asiavik war, sah so grimmig wie der Tod aus. „Sie schworen, es wäre nicht ansteckend."

„Der Feuerbändiger war eiskalt", sagte Asiavik trocken. „Sie verbrennt. Auch wenn es ansteckend wäre, das ist eine andere Krankheit."

„Vielleicht nicht", sagte Toph leise.

Sokka spannte sich an. „Halt mal, sie haben uns angelogen? Oh, diese – "

„Sie haben nicht gelogen!", brach es aus Toph. „Hört auf zu sagen, sie hätten gelogen, wenn sie etwas gesagt haben, das keiner hören wollte, sie haben nicht – "

„Toph." Hakoda erhob sich von Kataras Seite und legte eine Hand auf die Schulter der Erdbändigerin. „Ich weiß, du hast Angst. Aber wenn du etwas weißt, das Katara helfen könnte... wir hören."

Toph biss sich auf die Lippen und lauschte offensichtlich in Aangs Richtung.

Aang schaute sie an, dann zu Katara und schluckte hart. „Ich gehe", sagte er leise. „Ich … geh einfach mit Appa zu einem der anderen Schiffe. Wenn du nicht willst, dass ich es höre."

„Nein!", sagte Toph schnell. „Es ist nur... das ist schwierig, Aang. Du denkst, du weißt, was Kyoshi gemacht hat, aber das stimmt nicht. Und es ist – schrecklich."

Aang fuhr zusammen. „Sie hat ganz viele von der Feuernation getötet. Ich weiß. Ich will nicht glauben, dass ein Avatar so was machen kann, es muss ein Versehen gewesen sein, aber – "

„Das ist nicht der schlimmste Teil."

„Was ist schlimmer als der Tod?" Asiavik schnaubte.

Sokka schauderte und erinnerte sich an eine Geisterstadt und wütende Flammendolche. „Wenn jemand findet, was du liebst und es wegnimmt", sagte er betäubt. „Was hat Kyoshi ihnen weggenommen?"

Toph stieß langsam die Luft aus. „Wasser ist Familie, richtig? Familie und der Stamm."

„So sagen die Ältesten." Hakoda nickte.

„Und ihr seid ihre Familie und Aang ist ihre Familie", sagte Toph, tastete ihren Weg so offensichtlich, als ob ihre Zehen über Holz scharrten. „Und Katara musste wählen. Aber sie konnte nicht. Sie verbrennt. Als ob... als ob ihr Wasser stirbt."

Aang fuhr zurück. „Du sagst, es ist meine Schuld?"

„Nein, das ist es nicht", fing Sokka an.

„Ja, irgendwie schon", sagte Toph aufrichtig. „Du hast den Brief gehört. Die Wasserstämme brauchen Rache. Zuko hat versucht alles so zu machen, dass sie sie haben könnte."

„Aber Rache ist falsch!", protestierte Aang. „Wie kann man nur so was grässliches machen?"

Grässlich. Rache. Sokka versuchte die zwei Worte in seinem Kopf zu verbinden. Es ging nicht. Sicher, Aang wollte niemandem wehtun... aber was hatten Wünsche damit zu tun? Manche Dinge mussten einfach getan werden.

„Grässlich?", sagte Asiavik ungläubig. „Du willst kein Blut vergießen, damit deine eigenen Toten Ruhe finden und nennst uns grässlich? Hör zu, du kleiner Bengel – "

„Asiavik", sagte Hakoda fest, „lass den Jungen in Ruhe. Er ist ein Luftnomade. Wenn er sagt, dass die Seinen ohne Blutvergießen ruhen, dann glaube ich ihm."

„Seltsame Leute", murmelte der Heiler und prüfte wieder Kataras Stirn.

„Aang", fuhr Hakoda fort. „Die Geschichten unserer Ältesten sagen, dass dein Volk sehr anders war, als unseres. Du sagst der Weg der Luftnomaden war, niemals zu töten und ich verstehe das. Ich stimme nicht zu – hab Geduld, warte", fügte er hinzu, als Aangs Mund stur wurde. „Das ist nicht der Weg meines Volkes. Aber ich verstehe, dass es deiner ist. Bitte versuch zu verstehen, was unserer ist."

„Aber Katara ist ein großartiger Mensch", sagte Aang mit fast flehendem Ton. „Das will sie doch nie machen!"

„Ich habe mehr als genug Blut der Feuernation vergossen, so dass Kya friedlich ruhen kann", sagte Hakoda nüchtern. „Sollte Katara beschließen nicht mehr zu vergießen, werden wir es alle verstehen." Er heftete einen strengen Blick auf Aang. „Aber, nach allem was ich dir darüber gesagt habe, nicht die Herzen anderer zu beeinflussen, wie kannst du sagen, was sie nicht fühlen soll?"

Aang schaute weg.

Er kapiert es nicht. Nicht wirklich, dachte Sokka. „Hast du noch nie was tun wollen, von dem du wusstest, dass du es nie machen wirst?", sage er impulsiv. „Du hast uns diese Karte gegeben, Aang. Obwohl du wolltest, dass wir bei dir bleiben. Kannst du Katara nicht so weit vertrauen?"

„Sie sagte, sie kennt mich nicht, Sokka." Aang zuckte bei dem Gedanken. „Ich war seit dem Südpol bei euch. Wie kann sie mich nicht kennen? Und Zuko – " Er schluckte. „Er hat uns vorher geholfen. Und jetzt sagt er, in Ordnung, geh und bring diesen Kerl um, den keiner von uns kennt? Auch wenn – wenn ihr sagt, dass die Wasserstämme das machen, wie kann Zuko das in Ordnung finden? Er will, dass Katara einen seiner Leute umbringt!"

„Traumtänzer", sagte Toph ausdruckslos, „das ist nicht, was in dem Brief steht." Sie zog eine Grimasse. „Wenn du nicht aufhörst, herumzuhüpfen wie ein Kaninguru und anfängst zuzuhören, wirst du nie Erde kapieren."

Sokka blinzelte und versuchte sich an die Mauer aus Worten zu erinnern, die Katara erdrückt hatte. „Also... was hat er dir gesagt?"

„Zuko hat nie gesagt, dass er will, dass jemand stirbt."

„Stimmt da was mit deinen Ohren nicht?" Aang stieß einen Finger zu ihrer Robe, wo Toph immer noch Zukos verhasste Dokumente eingesteckt hatte. „Er sagte, er muss Katara ihn umbringen lassen!"

„Nh-nh." Toph schüttelte den Kopf. „Er sagte, er hat eine Verpflichtung. Weil Kataras Mutter ermordet wurde und das war ungerecht und weil er ein Großer Name ist. Er muss was tun. Oder alles fällt auseinander."

„Kapier ich nicht", sagte Sokka langsam.

„Ich weiß, es ist nicht einfach... Uff." Toph rieb sich die Stirn. „Na schön, hört zu. Mein Papa ist ein Bei Fong. Alle kennen uns. Sie wissen, unser Wort ist gut, wir sind ehrlich. Also, manchmal, wenn zwei Händler sich streiten? Sie kommen zu uns und bringen ihre Verträge, damit meine Eltern sie lesen und sagen können, wer Recht hat."

Hakodas Brauen schossen hoch. „Also ist dein Vater auf seine Art ein Häuptling."

„Irgendwie", Toph zuckte die Schultern. „Er ist kein Kämpfer. Dafür sind die Wachen da. Aber er... löst Probleme, denke ich." Sie runzelte die Stirn. „Also ist hier der springende Punkt. Wenn meine Eltern herausfinden, dass jemand seinen Vertrag gebrochen hat – mein Papa muss was tun. Auch wenn der Vertrag nicht mit ihm war. Er muss, weil die Bei Fongs ehrbare Händler sind und alle wissen es. Wir können nicht einfach nur so gut wie alle anderen sein. Wir müssen besser sein. Weil jeder Händler schaut wie wir uns verhalten und dadurch läuft der Handel erst." Sie grummelte leise etwas. „Ich weiß nicht, wie ich es ausdrücken soll..."

„Moment mal", sagte Sokka, seine Gedanken rasten. Er hatte die Stücke, er spürte es. „Es war nicht ehrenhaft, dass Zuko Gran-Gran gepackt hat, weil sie nicht bewaffnet war..." Er brach ab. „Du sagst, sogar in der Feuernation war Mama zu töten falsch."

„Und zwar echt falsch." Toph nickte. „Und Zuko ist ein Adeliger. Er muss was deswegen machen." Sie wedelte eine Hand in Aangs Richtung. „Es ist wie bei meinen Eltern. Katara sagt, die Feuernation ist böse, sie sind alle Monster? Einer war es auch wirklich. Und er muss dafür bezahlen. Oder alles, was alle erwarten, die ganzen Regeln, auf die man sich stützt, um jemanden zu vertrauen, wenn man ihn nicht kennt – das geht alles den Bach runter."

„Aber es ist grässlich", hauchte Aang.

Tophs Schultern sackten herab. „Asiavik? Als Zuko krank war, war ihm kalt. Iroh hat versucht sein Inneres Feuer am Leben zu halten. Hat ihn gewärmt. Wenn Katara verbrennt..."

„Sie ins Wasser tauchen?" Der Heiler nickte. „So wie es aussieht, kann es nicht schaden."

Ein Schwung von Aangs Armen und Wasser stieg auf der Seite des Schiffes hoch um in das Kanu zu krachen.

Tropfnass seufzte Sokka.

Schimpfend landete Momo auf Hakodas Schulter und schüttelte sich, seine großen, grünen Augen ärgerlich. Mit einem Brummen schwamm Appa näher heran und hob den Kopf, um sie alle anzuschauen.

Asiavik ignorierte das alles, tastete nach Kataras Puls, dann die Gefäße an ihrem Hals, als er sie über eisgekühltes Wasser hielt. Wartete. Und schließlich lächelte er. „Besser."

Aang grinste. „Seht ihr? Sie wird wieder – "

Asiaviks Blick stoppte ihn. „Ich weiß nicht", sagte der Heiler knapp. „Wenn ihr Fieber wieder steigt, könnten wir sie verlieren. Aber so ist es besser." Er warf einen Blick zu Toph. „Weißt du noch etwas?"

„Der Mondaufgang könnte helfen", sagte Toph einfach. „Sonnenaufgang hat Zuko geholfen. Ihr Geist... kämpft mit sich selbst. Wir müssen sie mit ihrem Element durchbringen, bis das entschieden ist."

Auf welche Art auch immer, beendete Sokka es in Gedanken. Nein. Sowas darfst du nicht denken. Katara ist stark. Wenn Zuko das geschafft hat, dann kann sie es auch.

„Also, warum hat Zuko mit sich selbst gerungen?", sagte Hakoda ausdruckslos.

Toph schluckte hart.

Hakoda nickte. „Also geheim?"

„Nein", gab die Erdbändigerin zu. „Nur was, das Iroh sagen sollte, nicht ich. Nur ist er nicht da." Sie stieß die Luft aus. „Feuer hat nicht mit Familie zu tun. Feuer ist Loyalität."

Sokka stöhnte. „Ja, wissen wir. Alle in der Feuernation sind dem – "

Oh. Nein.

Aang war beinahe so blass wie Eis. „Du meinst... Zuko, er..."

„Dachte er stirbt, wenn er uns rettet." Tophs Worte schlugen wie Steinblöcke ein. „Tot. Nicht, weil Azula ihn umbringt. Denn weil, auch wenn er vielleicht so viel Glück hätte und sie zuerst dran kriegt – sein eigenes Feuer ihn umbringen würde." Sie schluckte, ihre Augen waren feucht. „Er hat dem Feuerlord den Befehl verweigert, um dich zu retten."

„Er wusste es." Sokka war schwindlig. „Wusste er es?"

„Er ist ein Großer Name", biss Toph heraus. „Ja. Er hat's gewusst." Kleine Fäuste ballten sich. „Kyoshi zwang die Großen Namen dazu, dem Feuerlord loyal zu sein. Wenn er sagt, kämpft, müssen sie kämpfen. Wenn er sagt Frieden, dann schließen sie Frieden. Wenn er sagt bringt die Luftnomaden um … "

Aang setzte sich hart.

Irgendwie möchte ich jetzt auch umkippen. Sokka schauderte. „Du meinst, im Zelt, als Zuko … "

„Er hat es uns gesagt", sagte Toph schonungslos. „Er weiß, was Kyoshi mit seinem Volk gemacht hat. Er will nicht, dass es irgendwem sonst passiert."

Und er hat es schon mal verpasst draufzugehen, flachste der sarkastische Teil von Sokkas Hirn. Was kann Aang ihm schon anhaben?

Richtig. Zuko hatte gedacht er geht drauf, was nicht passierte, weil Iroh –

Oh, Geister. Nein.

„Berge kämpfen", brachte Sokka entsetzt heraus. „Die Wellenklans... das müssen ihre Heiler gewesen sein. Kyoshi – " Er konnte es nicht aussprechen –

„Und ohne Heiler werden die Menschen des Stammes – " Asiavik schauderte. „Tui und La. Der Junge hat nicht gescherzt. Sie wurden wahnsinnig."

Sokka warf sich hinüber, ehe Aang seinen Gleiter packen konnte, kämpfte gegen Steigwinde an. „Das ist nicht deine Schuld!"

„Doch, du hörst doch, was sie sagen – lass mich los!"

„Nein! Es ist nicht deine Schuld!", sagte Sokka fest. „Du bist nicht Kyoshi. Du bist nicht Roku! Du bist Aang. Dieser Krieg ist Sozins Schuld. Nicht deine!"

„Aber ich bin der Avatar –"

„Das ist doch auch nicht deine Schuld."

Der Wind erstarb.

„Du hast gesagt, dass du nie der Avatar sein wolltest", sagte Sokka in die dröhnende Stille. „Mann, ich würde es auch nicht sein wollen. Kyoshi hat Mist gebaut – hör auf zu zappeln und hör zu – wir sind doch Freunde, oder?" Er begegnete diesen wütenden, ängstlichen grauen Augen. „Sie hat Mist gebaut und Roku hat's nicht in Ordnung gebracht und Sozin hat schlimmes Zeug genommen und es zu einem Alptraum für die ganze Welt gemacht. Und keiner von denen bist du." Er atmete durch. „Es ist Krieg. Und Sozins Komet kommt und wir müssen den Feuerlord aufhalten. Das ist nicht deine Schuld. Nicht unsere. Nicht deine. Nicht mal die von Zuko. Es ist einfach so." Sokka ließ etwas lockerer, bereit wieder zuzupacken, sollte Aang abhauen. „Wenn das Kanu im Eisfeld zerschellt und man zu Fuß zurückgehen oder erfrieren muss, ist man dann selber Schuld, dass das Eis da war? Nein! Man sagt ein paar Schimpfwörter und tritt einen Eisblock und dann geht man los."

Aang sackte zusammen und rang nach Luft. „Aber es... Sokka, es ist so groß."

„Ein Schritt nach dem anderen", sagte Sokka fest. „Wir ändern den Plan. Wir kriegen es hin, ich verspreche es dir." Halt. Einen Moment...

„Sokka?", fragte Hakoda.

„Das könnte alles einfacher machen", sagte Sokka halb bei sich.

„Oh, nein." Asiavik warf Hakoda einen scharfen Blick zu. „Den Gesichtsausdruck kenne ich doch."

„Nein, denkt mal nach!" Sokka ließ Aang los, ein Grinsen kroch langsam auf sein Gesicht. „Der Krieg sieht nur groß aus. Wir haben es mit der Feuernation zu tun und die sind überall. Aber wenn sie alle dem Feuerlord loyal sind..."

„Dann hat Roku Recht!" Aang richtete sich auf, Farbe kam in sein Gesicht zurück. „Wenn ich den Feuerlord aufhalte, dann ist es vorbei!"

„Und ich glaube aufhalten ist das was wir wollen", gab Sokka zu, sich einem Dutzend lauschender Ohren über ihre Gruppe hinaus bewusst. „Wenn wir Ozai umbringen, kommt Azula ans Ruder. Und sie ist durchgeknallt."

„Ich muss ihn nicht töten", hauchte Aang. Er zitterte und schaute zu den beobachtenden blauen Augen. „Ich dachte... wenn die Wasserstämme Rache wollen..."

„Es gibt mehr Arten Rache zu üben, als nur einen Mann zu töten", sagte Hakoda schlicht. „Der Krieg muss aufhören. Das kommt vor jeder Rache."

Aangs Gesicht wurde heller, folgte dem Gedanken offensichtlich zu seinem logischen Schluss. Sokka sagte beinahe etwas –

Wasserstamm-Rache, sicher. Zuko hat Katara gerade Feuernation-Rache gegeben, oder hast du das nicht bemerkt? Und Katara hört nicht immer auf Papa –

Nein, entschied er. Sag nichts. Katara muss es erst besser gehen. Dann können wir streiten.

Und irgendwann demnächst musste er etwas wirklich nettes für Toph machen. Sie bewahrte die Ruhe, ohne ein Stückchen Erde herum, und sorgte dafür, dass Asiavik extra Hände hatte, um Katara ruhig zu halten, wenn er sich aufwärmen und den Schneematsch abschütteln musste. Und sie war ohne sich aufzuregen zur Seite getreten, als Aang herbei schwang und anfing zu Katara zu reden, wie alles in Ordnung wäre, es täte ihm leid, dass er es nicht früher verstanden hatte und sie könnte jetzt wieder aufwachen...

Hakodas Hand auf seiner Schulter zog Sokka von ihnen weg. „Da gibt es ein Problem mit Aangs Plan", murmelte Hakoda.

Problem?, dachte Sokka. Was für ein Problem? Wir halten den Feuerlord auf und alle werden –

Oh-oh. „Zuko", grummelte Sokka. „Aber er hat uns geholfen."

„Er hat Toph geholfen", korrigierte Hakoda. „Und er hat Aang davon abgehalten uns so zu beeinflussen wie Kyoshi sein Volk. Ich weiß. Ich weiß auch, dass er das tat, weil er uns als ehrenwerte Gegner betrachtete." Der Häuptling wirkte erschöpft und traurig. „Aber du hast gehört, was er gesagt hat. Zuvor wussten wir, dass seine Handlungen vom Willen des Feuerlords bestimmt wurden. Jetzt? Er beansprucht eine Freiheit von der Toph behauptet, dass sie seit Jahrhunderten kein Feuerbändiger mehr hatte. Er hat die Traditionen gebrochen. Jetzt kann er alles tun. Ob es ehrenwert ist oder nicht."

Zuko?, dachte Sokka ungläubig. Aber... er wusste es nicht. Ehre der Feuernation war nicht wie die des Wasserstammes und zu versuchen, die Unterschiede auszuknobeln brachte ihm Kopfschmerzen. „Toph vertraut ihm."

„Er hat eines meiner Kinder verletzt", sagte Hakoda ruhig. „Dafür verzeihe ich ihm nicht."

„Aber Katara hat – "

„Er ist nicht vom Wasserstamm", schnitt Hakoda ihn ab. „Er hatte kein Recht."

Sokka versuchte, nicht den Mund offen stehen zu lassen. „Aber, Papa – "

„Beunruhigen wir deine Freunde nicht", sagte Hakoda fest. „Wenn Luftnomaden nicht töten... nun. Wir jagen diese Robbe, wenn es soweit ist."

„Aber... Zuko?", brachte Sokka ungläubig heraus.

„Er denkt wir beabsichtigten sein Volk zu töten. Und General Iroh steht jetzt an seiner Seite", sagte Hakoda ernst. „Wir müssen uns zuerst um den Feuerlord kümmern. Danach..." Der Häuptling seufzte und gab ihm ein müdes Lächeln. „Einen Feind nach dem anderen." Er straffte seine Schultern, wendete sein Auge zu den Segeln, schätzte den Wind ein.

Verblüfft driftete Sokka zu Toph zurück und ließ sich neben ihr fallen, da seine Füße ihn informierten, dass sie genug hatten, Dankeschön. „Geht's dir gut?", stieß er heraus.

„Katara ist krank. Aang hört nicht richtig zu und dein Papa glaubt, Zuko ist so durchgeknallt wie wir es von Azula wissen", Toph schnaubte, hielt ihre Stimme gesenkt. „Oh. Und ich kann nichts sehen. Davon abgesehen? Mir geht's blendend."

Verdammt. Er hatte an ihre Augen gedacht. Es war so leicht ihre Ohren zu vergessen. „Sag nicht – "

„Verlange nicht von mir Funkenfresser nicht zu warnen, Sokka. Bloß nicht." Sie wirkte klein und verloren. „Amaya hat ihm von den Wasserstämmen erzählt. Ich denke irgendwie, dass es ihn nicht überraschen wird."

Sokka zuckte. „Warum macht sie sowas überhaupt?", fragte er impulsiv. „Lehrling, sicher, warum nicht? Aber sie hat ihn als Mitglied ihres Stammes benannt. Zu uns. Das... er sieht nicht wie einer vom Wasserstamm aus."

„Die in Ba Sing Se denken da anders." Toph grinste wie ein Leoparden-Hai. „Die glauben er kommt aus dem Nebelsumpf."

Sokka blinzelte, von dem schrecklichen Bild von Zuko in Blättern und Lendenschurz getroffen. Und wünschte sich blind zu sein. „Toph? Dafür werde ich dich immer hassen."

„Du meinst, er sieht wirklich so aus?" Toph legte ihren Kopf interessiert schief.

„Naja, irgendwie schon... die sind auch komisch, aber ich glaube nicht, dass die in der Feuernation Käfer essen – "

„Oh, doch." Toph grinste. „Sie stellen Seide her, wie an vielen Orten im Erdkönigreich auch. Unsere Seidenmacher werfen die Reste normalerweise in die Fischteiche, wenn die Seide runtergemacht wurde. Die braten sie mit ein paar scharfen Gewürzen. Mama ließ mal vom Koch welche machen, für Gäste", fügte sie bei seinem überraschten Gurgeln hinzu. „Ich hab ein paar stibitzt. Huuu, scharf."

„Bitte sag mir, dass Feuerflocken keine Käfer sind", sagte Sokka schwach.

Toph ließ ihn schwitzen, dann grinste sie. „Nö. Ich glaube, die machen was mit Kartoffel-Schocken."

Oh. Dann gut.

Nur, nicht gut. „Warum glaubt mein Papa, dass Zuko auf uns losgeht?" Sokka bemühte sich seine Stimme nicht lauter als ein Flüstern werden zu lassen. „Wenn Aang Ozai aufhält, kommt Azula nicht ran. Der Krieg ist vorbei. Alle leben."

Toph wirkte ernst. „Als die Leute von deinem Papa die Wani angegriffen haben, hat Zuko ihnen da nicht gesagt, dass sie nicht Teil des Krieges sind?"

„Naja, sicher, aber sie sind..." Sokka schluckte, erkannte, was er fast gesagt hätte.

„Sie sind von der Feuernation", sagte Toph grimmig. „Denk mal darüber nach. Der Avatar soll der Welt Gerechtigkeit bringen, oder? Nur Kyoshi hat sie getreten, als sie am Boden lagen und hat sie dort angekettet. Dein Papa sagte es schon: wenn man dem Avatar nicht trauen kann, was macht man dann?" Sie schüttelte den Kopf. „Er ist dein Papa. Ich rate hier nur. Aber ich denke mal er denkt darüber nach, was ein Häuptling vom Wasserstamm tun würde, wenn Aang sagen würde: hey, Welt, das hier sind die Bösen und schaut mal, ich hab sie gerade dazu gebracht, nicht mehr zu kämpfen." Sie stupste ihm in den Arm, nicht hart, eher um sicher zu gehen, dass er noch da war. „Was würdest du machen?"

„Ich würde uns verstecken." Sokka musste nicht mal nachdenken. „Die Welt ist riesig. Wenn alle wütend auf einen sind... vielleicht sind die im Nebelsumpf nicht ganz richtig im Kopf, aber sie leben."

„Das hat dein Papa nicht gedacht."

„Ja, naja, Papa hat auch nie gesehen, wie Aang sich aufgeglüht und völlig außer Rand und Band – " Sokka brach ab.

„Nein. Ich schätze das hat er nicht", sagte Toph leise.

Sokka rieb den Kopf, setzte es zusammen. „Papa meint, Zuko ist wie ein Häuptlingssohn. Das passt irgendwie, aber... für uns ist es ehrenwert, den Kampf direkt zu den Bösen zu tragen. Auf offenem Feld, wo alle es sehen können. Nur... Ich glaube, das ist wie das was die Feuernation den Hohen Krieg nennt. Der Drache des Westens gegen Ba Sing Se. Zhao oben am Nordpol. Wenn das Hoher Krieg ist – das macht man, wenn man stark genug ist, dem Feind gegenüber zu treten."

„Hört sich so an." Toph nickte.

„Aber Zuko hat damit schon vor Monaten aufgehört." Sokka runzelte die Stirn. „Er ist in den Nordpol geschlichen. Irgendwie. Ich habe keine Ahnung – "

„Hat 'n Kajak geschnappt, ausgeknobelt, wo die Wachmänner nicht hinschauen und folgte den Schildkröten-Robben unter das Eis", berichtete Toph. „Onkel hat ihm was besonderes mit Feuerbändigen beigebracht. Wenn er vorsichtig ist, erfriert er nicht. Auch wenn er in Eis eingeschlossen ist."

Sokka wurde kalt. „Du meinst, als Pakku diese Eiswelle einen Finalen Zug nannte..."

„Kein Witz", beendete Toph den Satz für ihn. „Das soll Feuerbändiger umbringen. Zuko weiß einfach, wie man nicht stirbt."

Sokka fuhr zusammen. „Das sagen wir Aang besser. Bevor er das mit jemandem macht, der es nicht weiß." Und er hatte gedacht, es könnte nicht noch verzwickter werden. „Schildkröten-Robben. Na schön, irgendwer muss den Unterschied zwischen dumm und verzweifelt lernen und das bin nicht ich."

„Hä?" Toph runzelte die Stirn.

„Weißt du, wie lange Schildkröten-Robben den Atem anhalten können?", sagte Sokka schlicht. „Folgt man einer runter, kann's sein, dass man nicht mehr hoch kommt. Das war dämlich."

„...Ich tret' ihm in den Arsch", erklärte Toph.

„Glaubst du, du schaffst das noch?", sagte Sokka ernst. „Was wir gesehen haben, mit dem Schiff..."

„Ja, ich hab's gespürt. Er hat trainiert." Sie knackte die Knöchel. „Schaff mir ein paar Steine auf dieses Boot und ich mach das auch."

„Ich tu mein Bestes", seufzte Sokka. „Mann, Azula war unheimlich. Zuko und Iroh treiben's noch ein bisschen weiter – "

Das ist es.

„Sie gehören zu den unheimlichsten Bändigern, die ich je gesehen habe, aber sie sind trotzdem nicht so unheimlich wie Aang", legte Sokka dar. „Und sie wissen es, oder? Sie halten sich an den Niederen Krieg. Leute täuschen. Schleichen. Du sagst, Zuko ist dem Feuerlord nicht mehr loyal und das ist das Wichtigste. Aber Papa meint Zuko könnte auf uns losgehen, wenn wir Ozai kriegen, weil das der Sohn eines Häuptlings tun würde. Der Häuptling gehört zur Familie. Man lässt ihn nicht in Gefangenschaft. Man rettet ihn. Und man macht es blutig. Aber Zuko..." Tui und La, das war schwer. „Zuko denkt nicht mein Häuptling oder mein Papa. Er denkt meine Männer. Mein Volk. Mein Onkel." Sokka stöhnte frustriert. „Aber das passt nicht, ich dachte ich hätte es, aber er tut so als ob Iroh Familie ist, und Ozai und Azula nicht, ich kapier's nicht – "

„Langsam, Schlafmütze. Du bist schon nah dran." Toph tätschelte seine Schulter und verfehlte nur ein kleines bisschen. „Hier geht's wieder um Worte die nicht das gleiche bedeuten. Ja, Onkel ist Familie. Aber das ist nicht alles, was er ist. Drache des Westens, weißt du noch? General Iroh und Prinz Zuko." Sie grinste. „Prinz steht rangmäßig höher als General. Schätze mal, das macht es irgendwie verwirrend."

Sokka blinzelte und steckte das zusammen mit dem, was er von der Erdarmee gesehen und gehört hatte. Generäle hatten den Befehl und alle anderen mit den komischen Titeln machten was die Generäle sagten. Auch wenn es nicht der klügste Plan von allen war. Nur, die Generäle in Ba Sing Se waren bereit, Befehle vom Erdkönig anzunehmen... „Soll das heißen, dass Zuko die ganze Zeit das Sagen auf diesem Schiff hatte?"

„Die Wani? Jup", bestätigte Toph schadenfroh. „Suzuran? Kapitän Jee muss sich um seine Befehle herumgedrückt haben, damit Zuko immer noch sein Kommandeur ist. Also ja. Zuko hat das Sagen. Onkel hilft, sicher. Aber Zuko trägt die Verantwortung. Für sie alle. So wie er sich für die Feuernation verantwortlich fühlt, auch wenn Ozai Feuerlord ist. Das bedeutet Prinz." Sie nickte. „Ich denke du hast es geknackt. Er wird nicht kämpfen. Er wird fliehen und sich verstecken."

Denn seinen eigenen Hals zu riskieren war eine Sache, erkannte Sokka. Aber wenn alle sterben würden... „Iroh. Der Mond." Er holte tief Luft. „Es hat Iroh nichts ausgemacht, ein Verräter zu sein, auch wenn er wusste, dass es ihn umbringen könnte. Weil die Feuernation auch den Mond braucht."

„Bin mir nicht sicher, ob ich das auch könnte", gab Toph zu. „Für euch Typen, ja. Ihr gehört zur Familie. Wir schulden einander nichts. Aber Onkel und Zuko? Sie sind Soldaten. Die können für Leute sterben, die sie nicht mal kennen."

Die Welt wankte. Sokka senkte den Kopf und atmete tief durch.

„Alles klar bei dir?" Toph packte besorgt seinen Arm.

„Nein", gestand Sokka. „Das ist einfach... Ich meine, Katara sorgt sich um jeden... Nein." Er schüttelte den Kopf. „Sie sorgt sich um jeden den wir treffen. Meistens. Das ist irgendwie nett und irgendwie chaotisch – naja, du hast es ja erlebt. Wenn Aang die Welt retten soll, müssen wir uns darauf konzentrieren ihm zu helfen – " Sokka musste wieder abbrechen. „Die Welt retten. Das ist einfach – Toph, ich weiß nicht, ob ich überhaupt so denken kann. Ich will uns retten. Die Wasserstämme. Leute, die wir kennengelernt haben. Leute, die uns was bedeuten. Aber die Welt retten..."

„Wie du gesagt hast." Toph gab ihm ein schiefes Grinsen. „Einen Schritt nach dem anderen."

„Ja, aber – " Er wedelte frustriert mit der Hand. „Iroh und Zuko. Die versuchen wirklich die Welt zu retten. Den Feuernation-Teil davon." Sokka schluckte trocken. „Mann. Als du gesagt hast, dass Zuko die ganze Zeit Angst hat? Das ist der Grund. Oder nicht? Geister, das ist so riesig..."

Toph schlug ihn gegen den Arm.

„Au!" Sokka verzog das Gesicht. „Toph! Ich meine es ernst!"

„Ich auch", sagte Toph nüchtern. „Sokka, wir können die Welt nicht retten, wenn wir uns die ganze Zeit Sorgen machen. Es ist wie ein Erddonner. Ja, hin und wieder muss man zurücktreten und das ganze erspüren. Wer ist frisch, wer pfeift aus dem letzten Loch, bei wem braucht man nur ein bisschen herumfummeln, damit man die heftigen Sachen für einen üblen Kerl später aufsparen kann. Aber wenn man im Ring ist? Dann muss man da sein. Jetzt. Oder der Kerl schmiert einen durch den ganzen Ring, während man sich Sorgen um den nächsten macht."

„Du hast wahrscheinlich Recht", sagte Sokka zögerlich. „Es ist nur – wie macht er das?"

„Tritt das Eis, lässt ein paar Schimpfwörter los und fängt an zu laufen."

Sokka starrte sie an. Dann klatschte er sich gegen die Stirn, weil es total idiotisch war, sie anzustarren. Sie konnte es ja nicht sehen, sie waren auf einem Schiff. Sie spürte es auch nicht.

„Ernsthaft", sagte Toph in sein Schweigen. „Funkenfresser hätte ein Erdbändiger sein sollen. Er lebt sein ganzes Leben so, Sokka. Die Welt ist größer und böser und gemeiner als er und sie will ihn tot sehen. Aber er gibt einfach nicht auf." Sie nickte stolz. „Also bekämpft er soviel er kann. Wenn das nicht geht – knobelt er was anderes aus. Wegrennen. Verstecken. Schleichen. Er weiß, er kann es nicht eins zu eins mit dem Avatar aufnehmen. Also macht er das auch nicht."

„Und was macht er dann?", sprang Sokka darauf an.

Bewusst schloss Toph den Mund.

„Okay, ich schätze, das habe ich herausgefordert", sagte Sokka düster. „Na gut. Können wir – können wir handeln?" Er hoffte, dass das das richtige Wort war. Geister, wer hätte gedacht, dass das Erdkönigreich so anders war?

Toph tastete an seinem Arm entlang und packte sein Handgelenk. „Okay. Rede mit mir."

„Du hast gesagt, Lee wollte, dass der Krieg aufhört", sagte Sokka direkt. „Das will ich auch. Und ich helfe Aang um ihn zu beenden. Ich will die Feuernation nicht umbringen." Er zögerte, betastete diese alte Wunde. Mama...

Aber verdammt noch mal, es stimmte. Der Kerl, der es gewesen war – ja. In einem Herzschlag. Und er hatte eine Menge anderer Ratten der Feuernation getroffen. Aber manche Leute... waren einfach nur Leute.

„Das würde alles nur noch schlimmer machen, oder?", sagte Sokka schließlich. „Aang ist der letzte Luftbändiger und die Welt ist so schon von der Rolle. Wenn's auch keine Feuerbändiger mehr gäbe – das wäre auch schlecht."

„Ja." Toph nickte.

„Iroh hat versucht, den Mond zu retten, weil er auch nicht will, dass die Welt noch mehr verletzt wird", fuhr Sokka fort. „Und wenn er der Kerl ist, um den Zuko sich wie um Familie kümmert... Das ist schwierig, Toph. Ich glaube dir, aber – " Er holte tief Luft. „Ich glaube was du gesagt hast. Ich versuche es. Zuko will, dass der Krieg aufhört? Okay. Aber er will sein Volk retten. Wie kann er das machen, ohne Aang aufzuhalten?"

„Zuko will viel, von dem er weiß, dass er es nicht kriegt, Sokka", sagte Toph ungeschönt. „Er weiß, er kann nicht alle retten."

Das ist keine Antwort

Sokka hielt sich davon ab das zu knurren. Gerade so. Weil – es war doch eine Antwort. Nur nicht wie er es gedacht hatte. „Er kann Iroh retten", sagte Sokka langsam, während er es fieberhaft durchdachte. „Er kann Suzuran retten – wenn sie von ihm Befehle annehmen und nicht vom Feuerlord, dann sind sie nicht mehr im Krieg..." Ein Schritt nach dem anderen. Wie würde ich die Feuernation retten, wenn ich nicht alles davon retten kann? Vielleicht sind da noch mehr Mädchen hinter diesen Schädelmasken, aber das können nicht viele sein... Er braucht mehr Leute.

Mehr Leute, die dem Feuerlord nicht loyal waren. Wo konnte er die finden?

Papier raschelte.

„Ernsthaft, was ist das bloß mit euch Leuten?", sagte Toph ungeduldig. „Ich bin blind."

Sokka schaute in diese Richtung. „Toph? Da ist nichts da – "

Stampf, stampf, kick!

Und leere Luft hatte ihm gerade gegen das Schienbein getreten. Japsend hielt Sokka schlimmere Worte zurück, sprang auf und schnappte das Papier, das vor Tophs Gesicht flatterte. Er begann zu lesen und erstarrte Oh Mann, was will der jetzt schon wieder? „Ähm, Aang? Das ist für dich."

Zögernd zerrte Aang sich von Katara weg und nahm das zerfledderte Stück Papier. Er kratzte sich am Kopf, wo Tage der Bewusstlosigkeit einen Hauch schwarzer Haare hinterlassen hatten. „Was ist denn ein Betobeto?"

Trippel-di-trappel-di-trap...

Es hörte sich wie tanzende Schritte an, erkannte Sokka. Also, warum kam es ihm so vor, als ob etwas über sie kicherte?

Geister. Leg dich nie mit Geistern an...


Katara, Yue/ Geisterwelt

Hände gegen Hände. Ihr Handrücken gab dem Druck einer Handfläche nach und lenkte ihn ab.

Entspanne dich. Atme ruhig. Fühle die Wässer. Tu nichts unnötiges."

Schritt und Schritt. Jetzt drückte sie und die andere lenkt ab, so sanft wie fallender Schnee. Vorwärts und Rückwärts. Gleichgewicht.

Sei entspannt. Atme ruhig."

Katara öffnete ihre Augen.

Yue lächelte sie an. „Da bist du."

Ein Schritt und kreisen. „Was tun wir?", sagte Katara unsicher. Dunkelheit. Überall war es dunkel, wie die Nacht vor Blizzardwinden.

Was Yugoda nicht wusste, dass sie dich lehren musste." Eine langsame Spirale, sie bewegten sich vorwärts und rückwärts, wie Wellen am Ufer. „In gewisser Weise hatte Aangs Freund Glück. Seine Lehrerin setzte nichts voraus."

„Aangs Freund?", fragte Katara neugierig.

Folge mir."

Vor und zurück. Hände sanft gegen glühenden Händen, bis sie den Rhythmus wie ihren eigenen Herzschlag spüren konnte.

Sie trennten sich, Hände senkten sich und Yue lächelte wieder. „Komm her, kleine Schwester."

… Keiner hatte sie so in die Arme genommen, seit Mama gestorben war. „Warum?", würgte Katara heraus. „Warum, warum, warum?"

Sehr klug."

Katara blinzelte und schaute in strahlendes Blau. „Du meinst... das hat dich noch keiner gefragt?"

Warum fragen, wenn man zu wissen glaubt?" Yue zog sie beide hinab, bis sie auf Dunkelheit knieten, die sich wie ein stiller Teich kräuselte. „Siehe. Und fühle." Sie griff hinab, der silbrige Schimmer tauchte in Schwärze.

Etwas wand sich in der Dunkelheit.

Zeige keine Furcht. Mein Bruder lenkt unseren Feind ab. Siehe..."

– Und sie atmete Rosenduft und scharfe Gewürze ein; Gerüche flüsterten durch die Luft auf einen Druck ihrer Hände, um den Atem des Patienten zu besänftigen. Der Stahl war ein vertrautes Gewicht auf ihrem Rücken, als sie ihre Finger über die Brust des kleinen Mädchens gleiten ließ und den Atem lockte, tiefer und länger. Luft zu berühren hieß Chi zu berühren und Chi zu berühren hieß heilen...

Hände schüttelten sie, fliehe, fliege, Xiangchens Anhänger kommen –!

– Ton glatt und warm auf ihrer Haut, als sie sie über die Infektion führte, verdorbene Materie heraus zog und gesundes Fleisch hinterließ. Sie nährte knisternde Energie im Ton, aus Chi und Magnetsteinkrümeln entsprungen, hielt stur mit dem Körper des jungen Soldaten mit, bis er zustimmte zu heilen...

Chin, vergrabe dich, Chin feuert auf das Dorf –!

– Feuer glitt zwischen ihren Händen, stark wie die Hitze, die auf die See hinab brannte. Sie zog Kraft in den gebrochenen Arm des alten Fischers, befahl Fleisch und Knochen zu heilen und zu genesen...

Schatten ragten vor der Sonne auf und sie brauchte die Schreie nicht zu hören, um zu wissen, dass Sozins Häscher sie gefunden hatten –

Und sie war wieder Katara und Wasserstamm und sie weinte.

Ich bin hier", murmelte Yue. „Ich werde immer hier sein."

„Warum?", brachte Katara heraus. „Warum haben sie uns umgebracht?"

Was heilen kann, kann töten."

Katara blinzelte und rückte etwas zurück. Das war überhaupt nicht klar. Warum konnte Yue nicht einfach sagen –

Sie ist jetzt ein Geist. Aang ist die Brücke zur Geisterwelt. Vielleicht bemüht sie sich, so gut sie kann? „Du meinst Heiler... verletzen Geister?"

Heiler sind menschlich. Menschen ändern Was-Sein-Wird. Es gibt Ungleichgewicht."

Katara starrte in schimmerndes Blau und schauderte. „Die Geister wollen, dass wir leiden? Dass wir sterben?"

Ungleichgewicht muss berichtigt werden." Yues Finger verschränkten sich mit ihren. „Es herrscht... Uneinigkeit."

Katara schluckte, spürte, wie ihre Welt erzitterte. „Aber... da ist ein Geist, der will, dass die Heiler sterben."

Ja."

„Dann haltet ihn auf!"

Das Ungleichgewicht besteht." Yue senkte den Blick. „Wären die Menschen nicht mehr, wäre es vielleicht auch nicht mehr." Unirdisches Blau traf auf menschliches Blau. „Manche glauben, die Menschen sind Teil des Gleichgewichts. Mein Bruder. Ich. Ein paar andere."

Katara wollte etwas sagen... und stoppte, betrachtete die schwarze Reglosigkeit um sie herum. „Ist das hier etwas, das du nicht tun solltest?"

Zerstörung ist leicht. Schöpfung nicht. Viel wurde zerstört. Es ist... nicht fair."

Katara blickte zur Seite, versuchte die Bruchstücke zusammenzufügen. Ich wünschte Sokka wäre hier. Er ist besser mit den Rätseln, er weiß immer, wie man um etwas herum kommt, das die Leute meinen, das nicht geschafft werden kann – oh. „Menschen waren das. Vielleicht wollte es ein Geist, aber Menschen haben das gemacht. So wie Zhao dich getötet hat."

Ja." Wärme umfing sie, wie Sommerwasser.

„Wenn wir es kaputt gemacht haben, müssen wir es auch wieder berichtigen." Katara sah auf. „Aber wenn wir nicht mal wissen, dass etwas gerichtet werden muss..."

Yue blinzelte ihr zu.

Bring Heilung zurück. Bring das Gleichgewicht zurück – Katara schnappte schockiert nach Luft. „Du hast Zuko geholfen!"

Es hat ihn viel gekostet."

„Gekostet?", zischte Katara. „Ich habe meine Mutter verloren! Was hat er schon verloren? Einen dummen Thron? Ich hasse ihn! Ich hasse ihn! Ich hasse ihn!"

Die Gezeiten steigen und fallen. Die See nährt und tötet." Yues Augen waren nicht länger sanft, sondern so machtvoll wie ein Sturm. „Du bist eine meines Volkes. Liebe. Hasse. Heile. Töte. Lebe."

Katara schluckte, unterdrückte ihr Schluchzen. „Du... hältst mich nicht für grässlich...?"

Du bist meine kleine Schwester. Ich liebe dich. Immer."

Schluchzend lehnte sich Katara in tröstende Arme.

Nach einer endlosen Zeit zeigte Yue zu dem sich kräuselnden Schwarz hinab. „Eines ist noch, das du sehen mögest."

Katara wischte ihre Augen und schaute hinab. Das sieht wie Kueis Thronsaal aus...


Yakume, An Lu-shan, Azula/ Palast des Erdkönigs/ Ba Sing Se

„Das ist mein Ende", murmelte Kapitän Lu-shan leise. „Ich werde als ein öliger Fleck auf dem Boden der Empfangshalle enden und keiner wird meiner Frau auch nur eine Beileidsbekundung schicken."

Master Sergeant Yakume, der mit dem Kapitän im hinteren Teil der Schlange von Offizieren, die eifrig der Prinzessin Bericht erstatteten, wartete, gab sein Bestes, dem Wachmann ein beruhigendes Lächeln zuzuwerfen. Wenn es etwas trocken wirkte... nun, bedachte man die Umstände, dachte er nicht, dass Lu-shan die Ironie zu schätzen wüsste. „Ich glaube nicht, das irgendwer sie verantwortlich machen wird, Kapitän."

„Ich schon, Master Sergeant", sagte Lu-shan steif. „Ich hätte nie gedacht... ich habe nie gesehen... Oma und Shu, wie konnte Amaya uns das antun?"

„Die Wasserstämme sind keine zivilisierten Leute", sagte Yakume trocken. „Sie hatte sicher ihre Gründe."

„Gründe, den Feuerprinzen in Ba Sing Se zu verstecken?", knurrte Lu-shan unterdrückt.

Vorsicht. Vorsichtig. Der Mann ist zerrissen, dachte Yakume. Er hatte den Wachkapitän eiskalt erwischt, hatte Fakten und Berichte dargelegt, die bewiesen, wie tief genau die Station des Mannes in unabsichtlichen Verrat an Ba Sing Se verstrickt war. Es waren genug anklagende Informationen um selbst dem nachsichtigsten Verwaltungsbeamten des Erdkönigreiches zu erlauben sie alle zu verdammen.

Doch die Feuernation war nicht das Erdkönigreich. Und Yakume hatte sein Wort gegeben: so lange Lu-shan kooperierte, gab er sein Bestes, dass keine unschuldige Seele leiden musste. „Es kann sein, dass sie nicht wusste, wer er war", zeigte der Master Sergeant auf, mit ebenso leiser Stimme. „Huojin sagte, dass er es nicht gewusst hatte, bis der Avatar ihn identifiziert hatte, korrekt? Ich glaube ihm."

Lu-shan warf ihm einen ungläubigen Blick zu. „Er ist weg. Seine ganze Familie ist weg, und unsere Station muss die Schuld ausbaden und er hat uns sein ganzes Leben lang angelogen. Und sie denken ich soll irgendwas von dem, was er gesagt hat, glauben?"

Gegenseitigkeit. Yakume nickte bei sich. Das könnte sehr schnell sehr hässlich werden. Was nicht dabei half, Ba Sing Se nach und nach ins Imperium zu integrieren. „Oberflächlich betrachtet, sieht es vielleicht schlecht aus, Kapitän, aber ich glaube er hat versucht sie zu beschützen."

„Indem er lügt und abhaut?", biss Lu-shan heraus.

„Ja", stimmte Yakume ruhig zu. „Und es wird gelingen."

Lu-shan starrte ihn verblüfft an.

„Er muss erkannt haben, dass er sich verraten hatte", fuhr Yakume fort und beobachtete, wie die Schultern des Kapitäns sich etwas entspannten. Den Berichten zufolge war Huojin ein wirklich guter und loyaler Wachmann gewesen. Es hatte seinen Kapitän geschmerzt, schlecht von ihm zu denken. „Indem er seinen Klan aus dem Schutz ihrer Station nahm, entfernte er auch jede Notwendigkeit, sie zu strafen. Wir lassen einen Mann nicht für die Verbrechen eines anderen gerade stehen. Sie erkannten es zur gleichen Zeit wie ich, das war offensichtlich. Um genau zu sein, war es etwas nach mir", grübelte Yakume. „Also hatten sie keine Zeit Verrat zu erwägen, indem sie ihn verbergen. Das heißt, sie und ihre Station sind sicher. Sehr ehrenwert."

Lu-shan errötete, straffte sich drohend... dann runzelte er nachdenklich die Stirn. „Wann haben sie es erkannt?"

„Als ich ihn sah", gab Yakume zu. „Sie sind hier innerhalb der Mauern sehr behütet, auch wenn sie Flüchtlinge aus dem ganzen Erdkönigreich hier haben. Sie sind daran gewohnt, dass Leute, die etwas anders aussehen einfach von einem anderen fernen Dorf stammen. Ich habe Leute von überall auf dem Kontinent gesehen. Kleidung, Ausdrucksweise, Haartracht – er hat sich sehr gut eingefügt, das muss man ihm lassen. Wie ein Chamäleon-Skink auf einem gerade abgebrannten Pinien-Sandhügel. Aber dieses Temperament..." Yakume schmunzelte.

„Es gibt viele aufbrausende Leute", grollte Lu-shan.

„Natürlich", nickte Yakume. „Das, was ihn hat aufbrausen lassen ist der Schlüssel, Kapitän. Er ist Amaya loyal. Wasserstamm oder nicht, sie hat ihm Unterschlupf gewährt. Das ist nichts was ein Kind des Feuers auf die leichte Schulter nimmt."

„Ihr loyal, nicht uns", sagte Lu-shan ausdruckslos. „Dieser verdammte Prinz – "

„Amayas Lehrling", legte Yakume dar und überhörte die Beleidigung. Für den Moment. Kapitän Lu-shan war der Schlüssel zu seiner Wachstation und der Untere Ring war der Schlüssel um Ba Sing Se zu halten. Wenn er das hier gut anpackte, gerecht, dann verliefe die Okkupation für alle sicherer. „Ein Feuerbändiger aus königlichem Geschlecht, alt genug um Ministeriale zu verpflichten. Geben sie Huojin keine Schuld. Er hatte keine Chance."

„Tue ich auch nicht", sagte Lu-shan säuerlich. „Ich gebe ihr die Schuld."

Natürlich, dachte Yakume mit leisem Bedauern. Sie hat Schwierigkeiten in ihr Dorf gebracht – die Wache ist in gewisser Weise ein Dorf – und das kann nicht toleriert werden, nicht wahr?

Erde war vorhersagbar. Im Erdkönigreich lebte man nach Abmachungen und Übereinkünften, geschrieben und ungeschrieben. Heiratsverträge. Unverheiratete Frauen reisten nie ohne eine ältere Begleiterin, um sicherzustellen, dass diese Verträge geehrt wurden. Die unausgesprochene Übereinkunft in jedem Dorf, dass einer der ihren immer im Recht war und in Schwierigkeiten unterstützt wurde – und im Gegenzug würde kein Dörfler je etwas tun, das alle seine Nachbarn in Gefahr brachte.

Und das hatte Heilerin Amaya getan. Geister, sie tat ihm leid. Sie war vom Wasserstamm, sie betrachtete wahrscheinlich viele der Wache als ihre Familie. Sie erwartete nie Verrat.

Und Huojin und all jene wie er werden nie in Betracht ziehen sie zu verraten, wusste Yakume. Sie war ihre Zuflucht vor dem Sturm des Krieges. Lieber sterben sie.

Das war wahrscheinlich ein Grund weshalb diese kleine Armee von Flüchtlingen verschwunden war. Jedes Kind des Feuers, das den ganzen Weg nach Ba Sing Se geschafft hatte, wollte wirklich nicht sterben.

Genau wie General Iroh nicht sterben wollte.

„Hätte nie gedacht, dass irgendwer von euch grüne Augen hat", grummelte Lu-shan. „Woher soll ein Mann das wissen?"

Yakume zuckte die Schultern, als ob es nichts war. Was ganz und gar nicht stimmte.

Es war unmöglich. Es musste unmöglich sein. Und doch stimmten alle Berichte über 'Lee' überein.

Unheimlich grüne Augen, hatte Zeuge um Zeuge ausgesagt. Wie die Palastfeuer.

Prinz Zuko hatte Sozins Augen. Blassgold, so brennend wie die Sonne.

Blassgold wurde sehr deutlich auf seinem Fahndungsplakat erwähnt. Huojin hatte es gelesen. Yakume hatte ihn beobachtet. Und doch hatte der Wachmann das Offensichtliche nicht einmal erwähnt: Gold konnte nicht zu Grün werden, ebenso wenig wie ein Kaninguru zu einer Katzeneule werden konnte.

Huojin. Lee. Mushi. Jeder einzelne Flüchtlingspatient von Heilerin Amaya, jeder einzelne, der nicht zu einer Familie in Ba Sing Se zurückgeführt werden konnte...

Grüne Augen. Wie hat sie das gemacht?

Wasserbändigen war bizarr. Jeder wusste das. Jedes Taktikhandbuch deutete an, das es... beunruhigende Anwendungen haben könnte, die noch nicht gesehen und von Überlebenden berichtet worden waren. Aber das war surreal. Die Fakten über die vermissten Prinzen und die kleine Armee verschwundener Flüchtlinge zusammenzufügen und zu erkennen, was Amaya seit dreißig Jahren getan haben musste...

Yakume schüttelte den Kopf. Immer noch halb überzeugt, dass er verrückt war. Wenn da nicht der Falke von Suzuran gewesen wäre... nun, ein Vogel von Kapitän Jees Schiff, vorgeblich ohne Botschaft, während der Bison des Avatars den letzten Berichten nach in Richtung Chamäleon-Bucht geflohen war? Auch wenn es lauter Pfuscher waren, das dehnte die Grenzen des Zufalls zu sehr.

General Iroh ist auf den Weg hierher und er ist nicht erfreut.

Was soll ich tun?

Manche würden sagen, dass es keine Frage war. General und Kronprinz mochte Iroh in der Vergangenheit gewesen sein, doch er war jetzt ein Verräter. Niemand konnte ihm Loyalität schulden. Und doch.

Wir verloren Prinz Lu-Ten und der General zögerte nicht. Er trauerte – aber er bedachte was möglich war. Er gab seine Rache auf, um die Belagerung für uns abzubrechen.

Heute lebten Männer, die gefallen wären, hätte General Iroh den Angriffsbefehl erteilt. Einen gewissen Master Sergeant Yakume eingeschlossen.

Mein Lord. Wie konntet ihr ein Verräter an uns werden? Wieso?

Er musste es wissen. Er musste.

Also. Er würde berichten was er herausgefunden hatte: es waren Flüchtlinge der Feuernation in der Stadt, die offenbar verschwunden waren. Bedachte man, dass sie nicht erschienen waren um der Prinzessin ihre Loyalität zu bekunden, musste jeder zu dem offensichtlichen Schluss kommen, dass sie es nie tun würden. Das machte sie auch zu Verrätern und einer möglichen Quelle für eine Rebellion, viel bösartiger und skrupelloser, als irgendeine Stadt des Erdkönigreiches hervorbringen konnte.

Wenn die Gerüchte stimmen, dann hat Prinzessin Azula ihren Lord getötet. Sie wollen sie tot sehen.

Und es würde sehr, sehr schwer, sie aufzuhalten. Loyalität gab selbst dem schwächlichsten Kind Kraft und Prinz Zukos Tod verhinderte das nicht. Er war ein Feuerbändiger aus Sozins Geschlecht, vom Fleisch und Blut der Feuerweisen seit zahllosen Generationen und es würde keine Zeremonie geben um einen erzürnten Geist zur Ruhe zu betten. Nicht für einen Verbannten.

Ich glaube, dass noch nie ein Verbannter ein Lord war. Agni was für ein Chaos.

Nun. Die Schlange bewegte sich vorwärts. Yakume wechselte seinen geschriebenen Bericht von einer Hand in die andere, viel weniger zuversichtlich, was den Ausgang der Berichterstattung anging, als er Lu-shan wissen lassen wollte. General Iroh war ruhiger und gelassener gewesen, doch Sozins Geschlecht war für ihr Temperament bekannt...

„Kapitän Taka", sagte die Prinzessin gleichmütig zu einem Offizier vor ihnen. „Ihr Segment des Mittleren Ringes ist unter Kontrolle?"

„Ja, Prinzessin." Der Kapitän verbeugte sich. „Unsere Soldaten dienten tapfer gegen die feigen – "

„Zuerst Fakten. Später Tapferkeit." Dunkelgoldene Augen verengten sich etwas. Die kleine Chi-Blockerin mit dem Zopf, die im Hintergrund direkt hinter dem Thron herumhüpfte, kehrte ihren eigenen besorgten Blick zu dem Kapitän.

„Die feigste Hand kann die gefährlichste sein, wenn sie einen in den Rücken sticht", fuhr Prinzessin Azula fort. „Jene, die einer Erwähnung würdig sind, stehen in ihrem Bericht?"

„Natürlich, eure Hoheit." Kapitän Taka verbeugte sich wieder. „Aber es würde viel bedeuten, wenn ihr persönlich – "

Kararin. Kororin. Kankororin!"

Yakume, der gerade dabei war, unter Lady Mais düsterem Blick vorzutreten, erstarrte. Das konnte nicht sein, wonach es klang.

Yah-ha-hah-ha!"

Kleine Füße trommelten wie erquickender Regen. Kleine klauenbewehrte Hände grapschten. Weite, glotzende, einzelne Augen, die in Fleisch aus biegsamen Stroh gesetzt waren, und schlabbernde Zungen hingen aus vor Zähnen starrenden Mäulern.

Bakezori!

Gackernd schwärmte eine Welle kleiner Monster über den Thron.

Feuer, Ketten und pfeilartige Kunai flogen.

Als es vorbei war und der Gestank von verbranntem Stroh in der Luft hing, erhob sich Yakume mit Lu-shan aus ihrer hastig gesuchten Deckung hinter einer gigantischen Schmuckvase. „Agni", hauchte er, blickte zu den zuckenden Monstern, die durch ihre Augen aufgespießt waren. „Ich muss erfahren, ob sie noch zu haben ist."

„Sie ist bewaffnet!", stotterte Lu-shan und starrte die Adelige mit dem düsteren Gesicht an, als ob ihr Hörner und Fangzähne gewachsen wären. „Und sie sind doch verheiratet."

„Natürlich bin ich das", sagte Yakume überrascht. „Ich habe Söhne." Nicht, das Gouverneur Tsumami den Gedanken an ein solches Arrangement je auch nur in Betracht ziehen würde. Aber ein Mann konnte träumen.

Und... warum genau beobachtete Lady Mai mit einem so sorgfältig neutralen Gesicht, wie die Dai Li die Bakezori wegschafften?

„Sandalen-Monster." Lu-shan schauderte. „Verdammt, die Dai Li packen ihre Aufgaben wohl nicht mehr. Anständige Leute sollten es nicht mit Kamuiy zu tun kriegen!"

Yakumes Brauen schnellten hoch. „Die Feuerweisen sind normalerweise sehr anständig", sagte er streng. „Sehr ehrenhaft und achtbar. Halten ihre Priester von Guanyin nicht auch Beschwichtigungszeremonien ab?"

„Zeremonien, sicher." Lu-shan schnaubte. „Aber bösartige Geister jagen? Auch wenn's nur einmal ist, der Makel bleibt – " Er erbleichte.

Yakume, der kein Narr war, begab sich schon in dem Moment als er spürte, wie die Leute ihr den Weg frei machten, in den vollen Fußfall. „Eure Hoheit."

„Master Sergeant." Die Stimme von Prinzessin Azula war präzise, so scharf wie eine meisterlich gearbeitete Klinge. Grüne Seide rauschte wie Blätter im Wind und der Geruch von Feuer wehte über ihn hinweg. „Weshalb sind sie hier?" Die Bewegung ihrer Füße deutete einen Blick zu Lu-shan an. „Mit einem äußerst... ungewöhnlichen Begleiter."

„Wir haben Informationen aufgedeckt, die sehr wichtig sein könnten, eure Hoheit." Mit immer noch gebeugten Kopf bot Yakume ihr seinen Bericht auf offenen Handflächen an.

Das Gewicht der Rolle wurde von seinen Händen genommen. Papier raschelte.

Stille.

„Ich verstehe."

Es war ein Zischen, keine Stimme. Die Haare in Yakumes Nacken sträubten sich. Er erinnerte sich an alte Erzählungen, an die verbotenen Erzählungen. Die Gerüchte über Sozins seit langem verschwundenen Mutter und die eigenartige, grausame, goldäugige Gemahlin, die noch an seinem Scheiterhaufen verschwand...

Verlasst uns."

Yakume, der mit den anderen evakuierte, erhaschte einen Blick auf die Chi-Blockerin, die außerhalb der Schussbahn stand und wie gebannt in leere Luft starrte.

Oder – bedachte man die Bakezori – war sie wirklich leer?

Die Türen des Thronsaals donnerten und er hörte das Gebrüll von Flammen.


Ty Lee/ Palast des Erdkönigs/ Ba Sing Se

„Wie können sie es wagen!"

Ty Lee, die mit ein paar entsetzten Dai Li oben zwischen den Säulen kauerte, hauchte ein stummes Dankesgebet an Tengri, dass Kataras Aura wieder fort war. Azula würde bestürzt genug sein, wenn sie sich wieder beruhigt hatte. Sie würde es hassen, wenn das Mädchen vom Wasserstamm das gesehen hätte.

„Ich bin Vaters Erbin. Ich stamme aus Sozins Geschlecht! Er ist ein Schwächling, ein Verräter, tot! Wie können sie unser Volk für ihn verraten? Unseren Krieg verraten!"

Blaue Flammen brüllten, zerschmetterten Fels und Stein.

„Es ist alles in Ordnung." Ty Lee lächelte die Erdbändiger an, die sich mit aufgerissenen Augen in ihrer Nähe festklammerten. „Bleibt einfach nur hier oben, bis sie nach uns ruft. Es wird alles gut."

Ihnen ging es gut. Aber was war mit Azula? Ihre Aura sah schrecklich aus. Lauter unharmonische Farben und dunkle Adern und eine Art Drehung, bei der ihr schwindlig wurde.

Sie hat sich den Kopf angeschlagen. Hart. Sie hat sogar zugegeben, dass sie mich doppelt sieht. Ty Lee verbarg ihren plötzlichen Schrecken. Die Ausbildung an der Akademie war sehr gründlich. Sie schloss auch die Symptome einer Gehirnerschütterung mit ein... und was passieren konnte, wenn man sie nicht behandelte.

Sicher, alles was sie mit ihren äußeren Augen sah, war wie Azula die Beherrschung verlor. Aber das hier war Azula. Schwindel, unbeholfener Gang und fehlendes Urteilsvermögen? Das konnte sie alles verbergen.

Ich muss ihr helfen.

Zuko täte das, wenn er hier wäre. Es war nur traurig, dass Azula das nie gesehen hatte.

Dann wieder, wenn Azula das erkannt hätte, was hätte sie sonst noch gesehen?

Du bist so dumm, Aang.

Feuer konnte den Wind nicht töten. Es konnte Bereiche der Luft ausbrennen, ja. Es konnte so stark brennen, dass der Wind mit ihm laufen musste, verborgen in den Flammen. Aber es töten?

Hitze, Brennstoff, Luft. Agnis geheiligte Dreiheit.

Nein. Feuer konnte niemals den Wind töten. Nicht, ohne sich selbst auszulöschen. Der Wind war schon durch die Berge geweht, ehe die Tempel überhaupt errichtet worden waren. Auch jetzt wehte er durch sie, niemals erlahmend. Was spielte es schon für eine Rolle, dass nur ein paar vereinzelte Brisen übrig waren? Tengri war geduldig. Die Zeit würde kommen.

Vielleicht aber auch nicht. Denn es gab noch einen Luftmönch und er war der Avatar und wenn er gewann, dann würde Xiangchens Übel von vorne losgehen.

Ihre Familie, alle Familien zählten auf sie, dass sie dafür sorgte, dass das nicht passierte.

… Naja, ganz so war es nicht. Weil sie nicht hier waren und sie es nicht wussten. Von ein paar quirligen Botschaften abgesehen, die Azula sie mit Falken hatte schicken lassen. Aber wenn sie es wüssten, dann würden sie auf sie zählen und das war genug.

Manchmal wünschte sie , dass sie einfach um Aang herumtänzeln und mit ihm reden könnte. Er wollte nicht, dass irgendwer starb, oder? Das lehrte ihre Familie. Was die Tempel lehren sollten. Also, warum schloss er sich nicht Feuerlord Ozai an, statt überall herumzurennen und den Leuten zu sagen, dass sie kämpfen sollten? Menschen starben, wenn sie sich der Feuernation in den Weg stellten.

… Naja, außer, sie hatten es mit jemandem wie ihr zu tun. Warum erkannte Aang nicht, dass das das Richtige war? Sie kämpfte für Azula. Azula bekam was sie wollte und niemand starb. Man musste sich nur Ba Sing Se anschauen. Long Feng war gestorben und Zuko und niemand sonst.

Armer Zuko.

Wenn Aang wieder auftauchte – und Ty Lee wusste das, Wasserbändiger waren auf diese Art hinterhältig – würde sie ihm was stecken. Dahin wo er es richtig spürte. Zuko war nett. Zuko war gütig. Zuko war General Irohs Sohn gewesen, wirklich, auch wenn der Feuerlord sein Vater war. General Iroh war sein Lehrer gewesen! Sagten die Tempel nicht, dass das das Allerwichtigste war?

Wenn Aang nicht erkennen konnte, dass sich zu stellen damit Zuko der Erbe sein konnte, das Richtige war...

Nun. Dann würde sie ihm wirklich was stecken.

Flammen erstarben.

Ty Lee purzelte hinab, landete leichtfüßig und faltete sich sanft in Unterwerfung. „Vielleicht hätten sie auch weglaufen und sich dem Zirkus anschließen sollen."

Azulas Augen wurden schmal. Dann zuckte ein Mundwinkel spöttisch hoch. „Und wer sagt, dass das hier keiner ist? Drei Ringe gibt es ja schon."

Grinsend sah Ty Lee hoch. „Du machst es schon so, dass alles für dich klappt. Das machst du immer."

Azula setzte an etwas zu sagen und stoppte wieder. „Potentielle Verräter aufdecken, den unser ganzer Geheimdienst nicht finden konnte. Ja. Das sollte möglich sein."

Ty Lee wurde kalt. Darüber muss sie nachdenken.

Einige Zeit später huschte die Akrobatin Rad schlagend durch die Gänge, eine Tasche über ihre Schulter geschlungen und suchte die Verschwörung, die im Gange war, wie sie wusste. Mai war gut darin, sich zu verbergen. Aber sie kannte das ernste Mädchen schon seit Jahren. Und, wirklich, an einem Ort, der so groß war, gab es nicht viele Orte, an denen man sich verstecken konnte, ohne dass es danach aussah.

Ein Handsprung über erhobenen Stein und Ty Lee grinste Quan und Mai an. „Also, wann befreit ihr Min?"

Quans Mund klappte auf.

„Azula sollte das Mins Klan nicht antun", erklärte Ty Lee geduldig. „Das ist nicht gut für sie. Und es wird die anderen Klans verstören. Sie hat den Rest der Dai Li, sie findet die Verräter früher oder später. Ein bisschen später schadet nicht."

Quan funkelte sie an. „Glaub nicht du kannst – "

Mai hielt eine Hand hoch. „Was willst du?"

„Azula ist verletzt", sagte Ty Lee ernst. „Sie muss behandelt werden."

„Sie hat den letzten Heiler, mit dem sie zu tun hatte umgebracht", sagte Quan düster.

Ty Lee schaute nach unten, traurig. „Zuko würde ihr helfen, wenn er da wäre." Sie schaute Mai flehend an. „Das weißt du doch auch."

„Sie hat ihn umgebracht", sagte Mai tonlos.

„Die Erdbändigerin hat ihn umgebracht", beharrte Ty Lee. „Du hast ihn nicht gesehen, als er gekommen ist um Toph zu retten. Seine Aura war völlig... stabil." Sicher und hell strahlend, wie sie in Azulas Nähe nie war. Zuko hatte immer Angst vor Azula gehabt.

Und... er hatte Grund dazu gehabt. Er war ein Feuerbändiger und Feuerbändiger waren wie Drachen. Nicht, dass sie je einen gesehen hatte, es gab keine mehr, aber sie waren fliegende Raubtiere und Ty Lee schätzte, dass sie wahrscheinlich wie Botenfalken gewesen waren. Und wenn Falken Küken hatten und es nicht genug für alle gab... das Stärkste zu füttern stellte sicher, dass eines überlebte.

Azula war stark. Zuko – war das nicht gewesen. Es war traurig. Aber so musste es eben sein.

Warum bist du nicht einfach weggelaufen, Zuko? Vom Avatar weggelaufen und nie zurückgekommen.

Aber Feuerbändiger flohen nicht.

„Ich weiß, du machst gute Pläne, aber Azula ist besser", sagte Ty Lee sanft. „Mai. Lass mich helfen."

Die zwei Verschwörer tauschten Blicke und diesmal winkte Quan Mai zurück.

„Der Rest der Dai Li?"

„Naja, du kannst nicht bleiben", sagte Ty Lee ehrlich. „Azula kann dir nicht trauen. Aber wenn du mit Min gehst, wird keiner verletzt."

Mais Blick begegnete ihrem, Goldene Augen heiß mit der angeketteten Wut um ihr herum. „Ich habe es mit anderen Agenten zu tun, Ty Lee. Irgendwer wird verletzt!"

„Ach, du Dummerchen!" Impulsiv umarmte Ty Lee sie. „Du musst manchmal wirklich etwas Spaß haben, Mai. Die Märkte unten im Unteren Ring? Die haben das beste Zeugs!" Ein Knicks und ein Wirbel und sie präsentierte ein kleines, hölzernes Kästchen, das immer noch schwach nach Käfer und Sand roch.

Mit weiten Augen öffnete Mai den Deckel. „Shirshu-Pfeile?"

Auf den Zehen wippend, strahlte Ty Lee.


Langxue, Saoluan/ Schiff/ Erdkönigreich

Wind und Pfeile und höhnisches Lachen –

Langxue rollte aus der unteren Koje und fiel in vertraute Hände, denen die Handschuhe, die eine Kyoshi-Kriegerin in der Schlacht trug, fehlten. „Ganz ruhig, kleiner Kapitän, ich bin hier."

„Saoluan?"

Immer noch kniend, lockerte sich ihr Griff. „Bist du wach?" Finger tasteten in der Düsternis nach seiner Stirn. „Und dein Fieber ist gesunken. Oh, Guanyin sei Dank... halte die Augen zu, ich mache uns etwas Licht."

Wackelig setzte sich Langxue auf den Rand der Koje, die Augen zugekniffen, als Saoluan eine Schiffslaterne mit Funkensteinen anzündete. Wir sind auf einem Schiff, erkannte er, als er Gerüche, Bewegungen und die enge, leicht fischig riechende Begrenzung einer winzigen Passagierkabine zusammenzählte. Ziemlich weit auf See. „Wir haben die Insel verlassen."

„War nötig", gab Saoluan zu. „Irgendwer hätte Fragen gestellt und ich bin keine gute Lügnerin. Nich' mit so vielen Zeugen... Ich hab mir Sorgen um dich gemacht. Zwei Tage lang warst du nicht ganz da." Sie drehte sich zu ihm um und ließ beinahe die Laterne fallen.

Mit zittrigen Händen griff Langxue hoch und zog ein paar Haarsträhnen vor seine Augen. Die meisten waren immer noch dunkelbraun, typisch für die Insel. Aber wo Tui ihn berührt hatte...

„Verdammt", hauchte Saoluan. „Ich dachte nicht, dass wir dir die Haare färben müssen. Ich frag' die Mannschaft – "

„Das ist Zeitverschwendung", grollte Langxue und schob die weiße Haarsträhne wieder aus seinem Gesicht. „Tui ist sauer. Und sie will, dass es alle erfahren."

„Das wird es etwas schwierig machen, abzutauchen." Saoluan lächelte schief. „Darf ich wissen wieso, oder ist das Bändiger-Zeugs?"

„Es ist... kompliziert", gestand Langxue und spürte wie er errötete. „Es ist nur – wo gehen wir eigentlich hin?"

„Omashu." Saoluan zuckte die Achseln.

„Was? Aber die Feuernation – "

„Hat's übernommen und nennt es Neu Ozai – wer tratscht hier mit Fischern, du oder ich?" Saoluan grinste. „Da sind immer noch Truppen vom Erdkönigreich in der Nähe. Und Leute die ich kenne. Dort kriegen wir Hilfe."

„Wenn der Weiße Lotus nich' gerade einen Geist-Heiler versteckt, von dem Tui nichts weiß, bezweifle ich das irgendwie", knurrte Langxue. „Aber es liegt nördlich. Guter Ausgangspunkt um … was?"

„Äh." Saoluan blinzelte ihn unschuldig an. „Wer?"

„Ich kann dir wahrscheinlich die Zeichen und Gegenzeichen zeigen", sagte Langxue trocken. „Außer sie haben sie in den letzten 1000 Jahren geändert. Glaub ich aber nicht."

Saoluan lehnte sich zurück gegen die Kajütenwand. „... Kleiner Kapitän?"

Langxue schluckte hart, verletzt. „Ich bin es", sagte er schuldbewusst. „Und – Ich will dir keine Angst machen, ehrlich, aber ich … die Geister holen sich, was sie wollen und die von uns die sie schnappen, müssen eben damit leben..."

„Schh." Sie quetschte sich neben ihm ins Bett, duckte ihren Kopf unter die obere Koje. „Fang von vorne an, in Ordnung? Der Blutsauger. Ich habe gesehen – "

„Du hast gesehen wie ich Luft gebändigt habe", sagte Langxue leise. „Deswegen war ich so weggetreten. Habe zu viel Chi benutzt, zu schnell und ich wurd' noch nicht geheilt." Er atmete tief durch. „Ich weiß, das hört sich verrückt an, aber vor langer Zeit konnten ein paar Bändiger – "

„Du bist ein Yaoren."

Langxue klappte den Mund zu, ehe er Fliegen einfing. „Du weißt es?"

„Der Großlotus scheint einen gefunden zu haben", sagte Saoluan schlicht. „Zwei-Element-Bändiger. Ich habe keinen Schimmer wie das gehen soll – "

„Das kann es auch nich'. Nicht ohne Hilfe", sagte Langxue trocken. „Es ist nicht wie mit dem Avatar. Oh nein. Der Avatar-Geist ändert die kommende Inkarnation, bevor sie geboren wird. Er fängt mit allen vier an und mehr Macht als … naja, du kannst es dir vorstellen. Wir fangen mit einem an. Wie jeder andere Bändiger auch." Er hielt inne. „Aber wir haben meistens ein schweres Leben. Und ziemlich viel Pech."

„Oh-oh", murmelte Saoluan.

„Ich weiß nicht ob Kamuiy auf uns losgehen, weil wir stark genug sind, um es mit ihnen aufzunehmen, oder ob wir nur überleben weil wir genug Kraft haben", sagte Langxue offen. „Willenskraft, nich' Bändigen. Manche von uns beginnen als ziemlich lausige Bändiger. Aber wenn man zur falschen Zeit am richtigen Ort ist und die Großen Geister einen bemerken und man mit allem was man hat betet, dass man einfach mehr wäre, nur einen weiteren Versuch gegen das hat, was einen umbringt..."

„Pass auf, was du dir wünscht", sagte Saoluan mitfühlend. „Autsch. Also bist du – bemerkt worden."

„Bemerkt, zum Henker", grummelte Langxue. „Ich glaub', die haben auf mich gewartet." Auf ihren vorsichtigen Blick hin seufzte er. „Weißt du noch, was die Priester sagen, wenn man ein tugendhaftes Leben führt, hat man eine Chance als Mensch wiedergeboren zu werden?"

Saoluan grinste. „Die sagen mir ständig, dass ich 'ne Meeresschnecke werde."

„Wett' nicht drauf." Er grinste trocken. „Yaoren kommen zurück. Oft. Und wir sind nicht so heilig. Ein bisschen zu beschäftigt damit uns die Hände im Schlamassel anderer dreckig zu machen... egal. Vor etwa 1000 Jahren war ich einer von Avatar Yangchens Yaoren."

Stille.

Langxue schluckte. „Ich weiß, es hört sich verrückt an."

„Ja", sagte Saoluan, merkwürdig nachdenklich. „Ja, schon. Allerdings." Sie schaute ihn direkt an. „Ich kenne Bändiger und ich weiß, was ich gesehen habe. Avatar Aang benutzt kein Schwert. Du hast eine Technik benutzt, die seit wenigstens einhundert Jahren keiner mehr gesehen hat." Sie zuckte die Schultern mit einem schiefen Lächeln. „Also, warum nich' auch eintausend?"

Langxue versuchte den plötzlichen Klumpen hinunter zu würgen. Er schniefte und versuchte es zu verstecken.

„Es ist in Ordnung", murmelte Saoluan und zog ihn an ihre Schulter. „Es ist alles gut."

Tränen tränkten ihre Schulter. Sie sagte kein Wort. Sie strich durch seine Haare, als ob es nur ein weiterer Tag war, an dem alle verloren zu haben zu viel war.

Und genau das war es, erkannte Langxue. Er erinnerte sich nicht an alles, aber er konnte es fühlen. Und zu wissen, dass sie alle verloren hatten, schmerzte von neuem...

„Allerdings hab' ich 'n bisschen geschummelt", überlegte Saoluan laut, mit bewusst leichter Stimme. „Ich hab' dich in deinen Alpträumen murmeln hören. Es ist unmöglich, dass du die Hofsprache kannst. Nicht in diesem Leben."

Langxue ließ ein letztes Schluchzen zitternd heraus und hob den Kopf. „Du sprichst die Hofsprache?"

Wenig", gestand Saoluan, Daumen und Finger eine Haaresbreite auseinander. „Nur wenig." Sie hob die Schultern. „Ich kann es viel besser lesen. Hat dabei geholfen, als Insel Kyoshi neutral war. Gab nichts besseres als zu wissen, was die Feuernation wirklich macht, damit die Ältesten was tun konnten, das uns aus ihrer Schusslinie hielt."

„Ich muss es dir beibringen." Langxue nickte. „Wir müssen jemanden finden."

„In der Feuernation." Saoluan beäugte ihn misstrauisch.

Oh. Und die Wirklichkeit krachte wieder herein und, oh Agni, das war so ein Chaos...

Tief durchatmen. Du bist Yaoren. Du kannst das unmögliche möglich machen. „Ich erinnere mich nich' an alles", gestand er ungeschönt. „Ich bin nicht tot. Wenn man tot ist und in der Geisterwelt, da erinnert man sich an alles, was man je gemacht hat. An jeden der man je war. Aber ich bin nicht tot. Ich habe nur ein paar Bruchstücke von dem was Hyorin wusste. Weil Tui und ein alter Freund an mir herumgefummelt haben, um dafür zu sorgen, dass ich mich erinnere. Und ich glaube – ich glaube Kaze gab mir ein bisschen mehr, er kannte Luft, nich' ich. Sicher, ich habe gesehen wie er gebändigt hat, aber..." Tief durchatmen. Langsamer. „Es ist als ob man versucht die Kanten eines Traumes zu fassen." Eher Alptraum. „Als ich aufwachte – Ich habe gegen Koh gekämpft. Und gegen Leute, die ihm halfen." Er begegnete ihren Augen. „Ich versuchte den Nördlichen Wasserstamm zu beschützen. Und ich war nicht allein. Die Yu Yan waren da. Auf unserer Seite."

Saoluan glotzte ihn an. „Aber die Yu Yan sind – "

„Die Feuernation war nicht der Feind!" Langxue schnitt sie ab. „Nich' damals. Tui ist Agnis Schwester. Sicher, sie kabbeln sich. So ist es in einer Familie eben. Aber er hat sie auch lieb." Er wischte seine Augen, wütend und verletzt und ängstlich. „Sie gehören zu einer Familie und – die Welt ist so völlig verdreht..."

„Ist in Ordnung", sagte Saoluan sanft. „Hast du'n Glück, dass ich bin, wofür du mich hältst, oder ich würd' dich für verrückt halten." Sie pfiff. „Koh. Der Koh? Du machst keine leichten Feinde."

Yaoren sollen Menschen am Leben halten, bis der Avatar ankommt um es zu übernehmen", sagte Langxue trocken. „Wenn's einfach wäre, könnten normale Bändiger sich darum kümmern. Die Großen Geister müssten nicht – " Er zitterte.

„Du bist immer noch fiebrig." Saoluans Finger rannen über sein Gesicht. „Du solltest dich ausruhen."

„Das wird nich' helfen", murmelte Langxue. „Ich brauche einen Geistheiler. Gaipan. Kaze sagte, dass sie dort sein werden."

„Ein Geistheiler?" Saoluan hob eine Augenbraue.

Langxue wich ihrem Blick aus.

„Hey." Saoluan berührte die Seite seines Gesichts, drehte ihn zu ihr zurück. „Es hat dich viel gekostet, mich zu retten, was?"

Ich würde es wieder tun. Und wieder und wieder... Schwester... „Man darf die See nicht berühren, wenn der Ozean zürnt", sagte er widerwillig. „Geister können einem das Chi zerreißen, wenn man nich' weiß, was man macht. Und ich hab' mich nicht dran gehalten. Manchmal erholt man sich wieder. Aber wenn die Narbe... aufgestemmt wird..."

„Weil du bemerkt wurdest", sagte Saoluan leise.

„Ja." Er schüttelte es ab. „Wäre ein anderer Yaoren da gewesen um mich hindurch zu führen – dann wäre ich nur für 'ne Weile krank. Aber da war keiner. Also muss ich einen finden."

„Oh." Saoluan schaute zur Seite. „Könnte schwierig werden."

„Schwierig?", wiederholte Langxue skeptisch. Ich wusste es. Ich wusste es. Kaze findet immer Schwierigkeiten.

„Na, Gerüchte sagen, er war in Ba Sing Se", sagte Saoluan ehrlich.

Und Ba Sing Se wurde zur Zeit von der Feuernation belagert. Wunderbar. „Er ist nicht dort", sagte Langxue knapp. „Oder eher, er wird nich' dort sein."

„Wenn du meinst..." Saoluan beäugte ihn. „Der Avatar ist allerdings dort."

Oh, großartig. „Gaipan", sagte Langxue fest.

„Aber du hast doch gesagt, die Yaoren – "

„Der Ozean ist wütend. Der Avatar hätte schon längst was deswegen machen sollen", sagte Langxue flach. „Glaub mir, ein Yaoren ist der letzte, den er jetzt sehen will." Weil ich damit anfangen würde Zehennägel auszureißen... tief durchatmen. Ruhig.

Bäh. Sich in ein neues Element einzuarbeiten, war immer verwirrend. Und diesmal versprach es noch schlimmer zu werden.

Ich bin an Feuer gewöhnt. Und Feuer hält dagegen. Luft... flattert davon.

Das hieß, Wasser trieb ihn stärker als üblich an, bis er sein Gleichgewicht wiedergefunden hatte. Wunderbar. „Wir sind eine Familie, oder?", stieß er heraus.

Saoluan legte den Kopf schief und lächelte trocken. „Sicher, dass du nichts besseres kriegst?"

„Niemand ist besser als du", sagte Langxue rau. „Du warst da."

Ihr Lächeln wurde sanfter, weniger schief. „Wohl wahr." Sie hielt einen Arm auf.

Familie. Er kuschelte sich hinein, nahm einen tiefen Atem und seufzte. Sicher.

Sie waren auf einem Schiff, weg von allem, was im vertraut war, mitten in einem Krieg, den es nicht geben sollte. Niemand war sicher.

Aber er fühlte sich sicher. Das erste Mal seit Jahren.

Nimm es so lang du kannst. Die Welt wird bald genug eindringen.

„Also Geister gehören zu den Aufgaben des Avatars." Saoluan lehnte ihren Kopf gegen seinen. „Hab' nie wirklich drüber nachgedacht. Alle wissen, der Avatar muss die Elemente beherrschen. Aber wer bringt ihm das mit den Geistern bei?"

„Ähm." Langxue drehte den Kopf weg und unterdrückte den Drang unschuldig zu pfeifen.

„... na großartig", sagte Saoluan schwach.

„Wir sind gestorben!", verteidigte sich Langxue. „Da gab es eine Belagerung und eine Invasion und Koh hat sich an uns vorbei gemogelt und einen Vulkan aufgeweckt und wir mussten es aufhalten, oder der Nordpol und das halbe Erdkönigreich..." Er wand sich selbst wenn nur noch Schatten von Erinnerungen da waren. „Wir starben und es hat so lang Yaoren gegeben... Ich denke, die Geister haben es vergessen. Man braucht einen Geistheiler, oder der Riss bringt einen um."

Saoluan runzelte die Stirn. „Du hast gesagt, es würde dir gut gehen, wäre ein anderer Yaoren da gewesen..."

„Die meisten von uns waren auch Geistheiler. Das hat alles einfacher gemacht. Aber ich bin das nich' – noch nicht. Aber Geistheiler müssen keine Yaoren sein. Ein paar waren nicht einmal Bändiger." Langxue schüttelte den Kopf. „Geister, wieso sind sie alle verschwunden... oh."

„Wenn Koh euch alle ausgeknipst hat, warum sollte er es dabei belassen?", sagte Saoluan trocken. Und erschauderte. „Oma und Shu. Geister. Gebt mir was, das ich abmurksen kann, jeden Tag."

„Du bist stark genug", sagte ihr Langxue. „Viel stärker als du glaubst." Und ich dachte, ich hätte nur Pech. Ha. Ich hätte genauer hinschauen sollen.

„Dann auf nach Gaipan." Saoluan nickte. „Kümmern wir uns als erstes darum, dass es dir wieder besser geht." Sie stupste seine Schulter. „Also, was kommt danach, Kleiner Kapitän?"

„Rausfinden warum der Ozean sauer ist und es richten", stellte Langxue fest. „Das war nichts auf der Insel, oder Kaze hätte mir einen Hinweis gegeben. Das muss nördlich von uns passiert sein." Er erzitterte. „Wenn es so übel war, so weit weg – hat irgendwer deiner Tratschfreunde irgendwas über ein Erdbeben, oder eine Flut oder irgendwas gesagt? Oder ist die Welt wirklich im Arsch und die Feuernation bestattet ihre Feinde nich' mal mehr anständig... was?"

Mit bleichem Gesicht schluckte Saoluan trocken. Sie setzte an etwas zu sagen, schüttelte den Kopf –

Und rammte ihre Faust in die Wand.

„Saoluan!" Ein Wink seiner Hand schnappte Wasser aus dem Krug nahe der Luke und er packte ihr Handgelenk um die Holzsplitter herauszuwaschen. Saoluan war eine Schwertkämpferin. Sie wusste es besser, als ihre Hände zu misshandeln. „Was war das denn?"

„Sie haben's den Kindern nicht gesagt", murmelte Saoluan halb bei sich. „Natürlich haben sie's den Kindern nicht gesagt. Avatar Aang ist die Hoffnung der Welt, alle lieben ihn, er ist so nett... Der Feuermarine wurde in den Arsch getreten, und es ist unwichtig wie..."

Langxue reinigte die letzten Kratzer und ließ sie für den Moment bluten. Manchmal brauchte man den Schmerz. „Saoluan. Wovon redest du da?"

Mit überschatteten Augen erklärte sie es.

„Der Avatar hat was?"


Toph, Gaang/ Wasserstammflotte/ Erdkönigreich

Lautloses Kichern weckte Toph, gluckerte durch den Steinhaufen, den sie gegen Kataras Kanu-Wasserbett geschoben hatte. Den Geistern sei Dank für Sokka. Es wäre ihr immer noch lieber von diesem Boot herunter, auf ehrlichem Land zu sein, aber er hatte ihr zumindest genug Erde beschafft, dass es überall auf dem Deck wie Signalfeuer schimmerte.

Toph griff in Schwarz und Kalt und Nass und tastete nach Kataras Schulter. „Hey, bist du wieder bei uns?"

„Schuhe." Ein gehauchtes Kichern. „Azula... in Schuhen begraben..."

Na gut, vielleicht war sie noch nicht ganz wieder da. „Asiavik! Sie ist wach, aber noch nicht ganz da."

„Ich bin wach, ich... brr, kalt..."

Verstreute Steine zeigten Toph gerade genug, um aus der Bahn zu rücken, als laufende Füße und plappernde Fragen durch das Boot rauschten.

„Es geht mir gut", sagte Katara wieder und wieder. „Ganz sicher... ich bin nur müde..."

Aha. Das hörte sich nicht so an. Vielleicht nicht mehr krank, aber auch noch nicht gesund.

„Dein Papa hat gesagt, dass du dich nicht mehr rächen musst", sagte Aang, irgendwo in dem Gewirr, in dem Katara abgetrocknet und in Pelzen eingewickelt wurde. „Das ist doch toll!"

„... Das hat er dir gesagt." Kataras Stimme war wie Eis.

„Das hat er nicht", warf Toph ein, ehe Aang noch tiefer ins Fettnäpfchen treten konnte. „Er sagte, der Feuerlord kommt zuerst."

„Toph!", protestierte Aang. „Ich weiß, du magst Zuko – was ich echt nicht kapiere – aber dieses Fuß-Schritt-Dingsbums, das er geschickt hat macht alle verrückt."

„Mich nicht." Toph grinste, während sie das Trippeln von ungreifbaren Stiefeln auf Holz hörte. „Achtung, Traumtänzer."

„Was meinst du – aah!"

Zack. Rumms. Krach!

„... Seh' ich richtig? Ist Aang da gerade über leere Luft gestolpert?", murmelte Katara wie betäubt.

„In Zukos Notiz stand, dass es ein Betobeto ist, was immer das heißen soll." Sokkas Hand packte Tophs und zog sie drei in einen pelzigen Knoten der Wärme, nahe bei Tophs Steinen. „Das ist irgendeine Art von Hinterherlauf-Geist. Größtenteils harmlos." Seine Stimme triefte vor Sarkasmus.

„Er wollte mit irgendwem spielen, also hat Funkenfresser ihm gesagt, zu Aang zu gehen." Toph grinste, als sie Momos zornigem Zirpen lauschte, während er im Sturzflug zum Deck herab kam, nahe bei dem Luftbändiger. Gefolgt von Kreischen, als der Lemur wieder mal entdeckte, dass Klauen trippelnde Geister nicht zu berühren schienen.

„Und es treibt alle in den Wahnsinn", stöhnte Sokka.

„Also, warum findet Aang nicht heraus, was es will, damit es uns in Ruhe lassen kann?", fragte Katara verwirrt.

„Es hat doch schon was es will", sagte Toph unverblümt. „Es will spielen." Sie verschränkte die Arme und grinste. „Ich sag's ihm ständig. Er will ein Erdbändiger sein? Dann muss er ausknobeln, wo seine Linie im Sand ist. Und was er macht, wenn irgendwer sie ständig überschreitet."

„Toph." In Sokkas Stimme schwang ein Hauch Verzweiflung mit. „Zuko hat uns dieses Ding nicht geschickt um uns zu helfen."

„Genau", stimmte Toph fröhlich zu.

„Du... du... Ich kapier dich einfach nicht!", stotterte Sokka. „Dieses Ding! Und der Brief! Er versucht uns auseinander zu reißen!"

„Er kapiert es endlich", flüsterte Toph übertrieben zu Katara. „Meinst du, wir sollten ihm jetzt helfen, Aang über Bord zu werfen?"

„Was?", japste Sokka.

Aber Toph lauschte auf ein Kichern. Und das bekam sie auch, als Katara nach ihrer Hand griff. „Na gut, erzähle es uns", sagte die Wasserbändigerin fest.

„Uns was drüber erzählen, wie man Aang über Bord wirft?", grummelte Sokka. „Toph, ich weiß, du glaubst, dass Zuko irgendwo tief drin ein guter Kerl ist – "

„Sie sagte, sie will, dass Aang gewinnt", warf Katara bestimmt ein. „Das ist der Handel, oder? Du hilfst Aang, den Feuerlord zu besiegen."

„Genau." Toph nickte. Dann deutete sie ungefähr in Richtung Sokka. „Glaubst du, der Feuerlord wird keine Kopfspielchen versuchen?"

Sokka schwieg fast eine ganze Minute lang. „Noch mal von vorne", sagte er ernst. "Und diesmal bitte mehr Details."

„Onkel ist der Drache des Westens", sagte Toph nüchtern. „So wie ich es gehört habe? Er, Azulon, Sozin – Die haben andere nicht nur mit Panzern und Bohrern und Zeug besiegt. Die haben Generäle besiegt weil sie um sie herum denken konnten."

Sokka stieß einen langsamen Atemzug aus. „Na gut, mal schauen, ob wir das gleiche denken – "

„Was – uff!" Aang knallte in ihrer Nähe auf das Deck, Steine zitterten, als er mit ungeduldigen Händen schob. „Ich glaube, es spielt jetzt eine Weile mit Appa... was ist jetzt mit dem Feuerlord?"

„Etwas, das du nicht verstehst", sagte Sokka düster. „Es hat mit Familien zu tun."

„Hey, ich kenn' mich mit Familien aus – "

„Nein, nicht richtig", sagte Katara fest. „Deshalb müssen wir es dir erklären. Du wurdest von Gyatso aufgezogen und, ich weiß, er war wunderbar. Aber er hat dich adoptiert. Du bist nicht in seine Familie geboren worden. Es gibt Dinge, die du nicht weißt." Sie stoppte. „Geister, wo soll man überhaupt anfangen..."

„Ich glaube, was Toph meint, ist, dass wir nicht viel von Ozai wissen", legte Sokka dar. „Aber wir kennen Iroh. Und Zuko und Azula. Und das zeigt uns viel."

Aang setzte sich im Halb-Lotus zu ihnen, Momo rollte sich mit einem rauen Schnurren auf seiner Schulter zusammen. „Weil sie die gleichen Lehrer hatten?"

„Guter Gedanke", murmelte Toph widerwillig beeindruckt. „Daran habe ich gar nicht gedacht... ja, Leute, die ähnlich trainieren, bändigen ähnlich." Wie das ganze Terra Team, das innerhalb von Minuten von Mai und Ty Lee zerlegt worden war. Au Weia. „Aber Zuko versucht sein Bändigen mit anderen Tricks aufzupeppen. Weil Azula besser ist als er." Besser war. Früher. Und er hat sie trotzdem richtig gut erwischt. Mit Kuzon? Ich wette auf Funkenfresser. „Aber hier geht es um Zeug, das nicht das Bändigen ist. Du bist wie deine Eltern, Traumtänzer. Egal, ob du sie kennst oder nicht."

„Aber wie soll das gehen, wenn sie mich nie unterrichtet haben?" Aangs Stirnrunzeln schwang in seiner Stimme mit. „Ich weiß, Zuko ist nicht wie Iroh, aber, wenn Azula besser ist, dann ist er einfach kein guter Schüler... hey, was?"

Toph holte aus und versuchte ihm eine zu verpassen.

Wind pfiff um ihre Faust. Mist.

„Wofür war das denn?", verlangte Aang zu wissen.

„Seh' ich wie ein Dachsmaulwurf aus?", herrschte Toph ihn an. „Die haben mich unterrichtet, Traumtänzer. Ich bin blind. Trotzdem weiß ich, dass ich wie meine Mutter aussehe." Größtenteils, weil andere es ihr gesagt hatten. Aber es gab Dinge, die sie in der spüren konnte, wenn ihre Eltern sich bewegten. Es war nicht so wie ihr eigener Schritt, aber – sie gehörten zu ihr.

„Leute in einer Familie sind unterschiedlich, aber alle haben viel gemeinsam", erklärte Katara knapp. „Deswegen sind wir Häuptlinge. Opa war ein guter Anführer. Genau wie Papa jetzt. Und Sokka wird es auch sein. Irgendwann."

„Du willst, dass ich irgendwas für dich mache, oder?", sagte Sokka misstrauisch.

„Diesmal nicht."

„Worauf wir hinaus wollen, ist, Onkel ist für seine Kopfspielchen berühmt", fuhr Toph fort. „Azula kann das auch. Und jetzt hat Zuko uns einen Geist herüber gekickt, um uns durcheinander zu bringen. Größtenteils dich", fügte sie hinzu. „Du musst verstehen, dass der Feuerlord das gleiche versuchen könnte. Nur viel, viel gemeiner."

„Ich dachte Zuko versucht zu helfen!", widersprach Aang.

„Ja und?" Toph zuckte die Schultern. „Er ist sauer auf dich, Aang. Er will dich nicht umbringen", nun, vielleicht ein kleines bisschen, „aber du hast ihn verletzt. So was kann man nicht einfach so vergessen."

„Doch, kann man schon!", beharrte Aang. „Die Mönche haben uns immer gelehrt zu verzeihen. Wenn man hasst, schadet man nur sich selbst."

Toph stupste wieder nach ihm, spürte einen weiteren Luftzug. Diesmal ging's nur knapp vorbei. „Welcher Idiot hat dir erzählt, dass Zuko dich hasst?"

„Hallo?", sagte Aang ungeduldig. „Er hat uns über die ganze Welt gescheucht."

„Ja. Hat er. Weil der Feuerlord es ihm befohlen hat", sagte Sokka düster. „Aber, ernsthaft? Ich glaube, er wäre auch so hinter dir her gewesen. Wir wissen, wie sehr Iroh ihm am Herzen liegt. Und Iroh ist nur sein Onkel. Du bist der Avatar. Du wirst den Feuerlord aufhalten. Nur ist Ozai nicht nur der Feuerlord, er ist Zukos Vater."

Toph knurrte fast vor Frust. „Verdammt, Schlafmütze, hörst du nicht zu? Die Feuernation hat ein Kopfgeld auf Zuko ausgesetzt – "

„Ja, sicher. Jetzt. Jee wusste nicht mal was vom Angriff auf den Mond; wer weiß schon, was die Feuernation glaubt, dass oben im Norden passiert ist. Aber damals als Zuko anfing uns zu verfolgen?" Sokka schnaubte und schüttelte sich. „Xiu, Mohe – die müssen sich irren. Eltern sind... Zuko wäre nicht hinter uns her gewesen, wenn Ozai ihm das angetan hätte."

„Mein Papa hat mir Kopfgeldjäger auf den Hals gehetzt", setzte Toph an –

Und hörte förmlich, wie Aangs Kinnlade herunter klappte. „Heißt das... Zuko hat euer Dorf bedroht und uns verfolgt und Sukis Dorf niedergebrannt und – und das ganze Zeug – wegen Familie?" Selbst durch Holz konnte sie sein Schaudern spüren. „Und Kyoshi hat all diese Leute getötet. Kein Wunder, dass die Mönche das nicht haben wollten!"

Toph, die Katara immer noch festhielt, spürte, wie sie sich wand. Na schön, entschied die Erdbändigerin. Jetzt habe ich genug von diesem ganzen Mist.

Sokka kam ihr zuvor. „Bist du verrückt?", explodierte er. „Was glaubst du denn, warum wir hier sind, Aang? Wir haben es mit der ganzen Feuernation für dich aufgenommen! Glaubst du, wir machen das nur weil wir Freunde sind? Weil es Das Richtige ist? Dann lass dir mal was gesagt sein, oh mächtiger Avatar. Wir sind nicht so gut. Das – sind wir einfach nicht." Er sog einen Atemzug ein und senkte die Stimme wieder. „Wir sind eine Familie, Aang. Deswegen sind wir hier. Deswegen werden wir immer hier sein."

Toph unterdrückte ein Zucken. Meine Familie war nicht da.

Aber sie hatten sich bemüht. Sie wären eine gute Familie gewesen, für eine Tochter die sehen konnte und zur richtigen Zeit lächelte und keine Erdbändigerin war.

Du verstehst mich, Funkenfresser, oder? Du passt auch nicht dahin, wo dich die Geister abgeladen haben. Du hast so ein Glück, dass du Onkel hast. Sie schluckte einen Klos hinunter. Ihr fehlt mir jetzt schon.

„Ich verstehe das nicht", protestierte Aang. „Wie kann man gut sein, wenn einem nicht jeder Mensch am Herzen liegt? Und zwar Alle?"

„Wie können einem guten Menschen alle wichtig sein?", schoss Katara zurück. „Manche Leute sind böse, Aang! Wenn gute Menschen sie nicht aufhalten, dann – du hast es ja mit Azula gesehen."

„Aber sie umzubringen? Es muss einen anderen Weg geben!" Aangs Stimme wurde etwas lauter, war in Tophs Richtung gerichtet. „Toph, du bist von deinen Eltern weggelaufen – "

Komm mir jetzt nicht so, Traumtänzer. „Familie ist wie Bändigen", sagte Toph knapp. „Es kann Leuten helfen, oder sie total verkorksen. Wie Feuer und Wasser. Katara und Zuko? Die können Menschen heilen. Oder sie in Stücke reißen. Familie hat die Feuernation nicht halb umgebracht, das war Kyoshi."

„Das war aber nicht ihre Absicht", hauchte Aang. „Sie war der Avatar. Auch wenn sie als Erdbändigerin geboren worden war – sie war auch eine Luftbändigerin. Das kann nicht mit Absicht passiert sein. Luft ist nicht so."

Katara zuckte.

„Katara?", fragte Sokka.

„Du weißt nicht alles über Luft, Aang. Yue... hat mir Dinge gezeigt. Als ich... weg war." Katara holte tief Luft. „Sie zeigte mir, dass es einen Geist gibt, der versucht alle Heilbändiger auszulöschen. Wirklich alle."

Toph schauderte. „Warum?", stieß sie heraus. „Warum tut ein Geist so was?"

„Warum sollte Wan Shi Tong versuchen uns zu versenken, während wir den Krieg aufhalten wollen?", sagte Sokka grimmig. „Nicht alle Geister mögen uns."

„Woher weißt du das?" Kataras Stimme klang überrascht.

Wasser plätscherte als Appa stöhnte und Sokka schnaubte. „Beweisstück A ist da drüben bei unserem großen pelzigen Kumpel. Amaya hat uns vom Haima-jiao in Ba Sing Se erzählt. Hei Bei hat Dorf Senlin fast auseinander genommen und die hatten nicht mal was mit dem Waldbrand zu tun! Yue? Der Ozean? Sicher, die sind auf unserer Seite. Aber wenn alle Geister uns gut leiden könnten, dann wäre dieser Krieg nicht so schrecklich." Er stieß seinen Atem aus. „Also versucht irgendeiner die Wasserstämme und die Feuernation abzumurksen. Mann, jetzt wird mir so viel klar."

„Nicht die Stämme. Die Heilbändiger." Katara schluckte. „Toph. Kannst du etwas Ton machen?"

Toph runzelte die Stirn. Das war etwas schwieriger als nur Sand zu machen. Man musste den Stein in echt winzige Stücke bändigen. „Klar." Sie hob einen Kiesel auf und zerdrückte ihn ein paar Mal in ihrer Hand, bis winzige Partikel wie Seide über ihre Finger glitten. Sie atmete den Staub davon ein, von salziger Gischt angefeuchtet und sie erinnerte sich an Tage in den Tunneln, ein Dachsmaulwurf, der Jungtiere säugte, mit einem tiefen, fast unhörbaren Schnurren...

„Weißt du noch, wie Zukos Heilung sich anfühlte?"

Als ob sie das vergessen würde. Warm und angenehm, als ob alles auf der Welt wieder gut ist. Wie der Tag an dem die Rauferei der Welpen ein bisschen zu rau war und sie geglaubt hatte, Blut zu riechen –

Nein. Unmöglich. „Katara. Jeder weiß doch, dass Erde nicht – "

„Genau wie Feuer", sagte Katara direkt. „Du bist die stärkste Erdbändigerin die ich kenne." Sie zog Aang in Reichweite. „Versuch es."

Aangs zerschrammte Hand war in ihren und Toph erstarrte. „Ich weiß nicht wie. Was soll ich denn machen?"

„Yue hat es mir gezeigt. Ich war eine Erd-Heilerin in der Vision", sagte Katara sanft. „Bevor Chin kam um uns umzubringen... Du musst dich einstimmen. Auf die Erde und den Körper."

„Genau." Sokkas Stimme nach wurde ihm gerade etwas klar. „Sie lieben Musik!"

Musik. Schnurren ist auch eine Art Musik. Mit von Ton verhüllten Fingern bemühte Toph sich auf das gehört-gespürte Grollen einzustimmen, wie die Verschiebung in ihrem Kopf, die ihr half unverletzt zwischen donnernden Felsen zu sein. Sie konnte Erde in Metall spüren, vielleicht konnte sie sie auch in Menschen finden.

Oh.

Es war winzig. Winzig winzig. Kein Wunder, dass Katara halb überzeugt war, dass es nicht da war, als Zuko ihr Zeug gezeigt hatte.

Aang war ein Gewirr von Vibrationen gegen ihren Händen. Die meisten fühlten sich okay an, aber die direkt unter ihren Fingern...

Verzerrt. Nur ein klein wenig.

Sie griff durch das Schimmern des Tons und zog sie zurück in den Rhythmus.

„...Ah", brachte Sokka heraus.

Toph ließ ihre Hände zitternd sinken und kam sich so vor, als ob sie gerade jemanden einen halben Berg an den Kopf geworfen hatte. „Hab-habe ich es richtig gemacht?"

„Ja." Aang hörte sich verblüfft und glücklich an – und als ob ihm jemand die ganze Welt unter den Füßen weggerissen hatte, alles auf ein Mal. „Du hast es geschafft."

Wütend, erkannte Toph, die darauf lauschte, was unter dem 'Wow' in seiner Stimme lag. Er ist wütend auf mich. Warum?

„Wir konnten alle heilen", sagte Katara selbst verblüfft. „Sozin hat die Feuer-Heiler gejagt. Chin hat die Erd-Heiler geschnappt. Und... jemand namens Xiangchen war hinter den Luft-Heilern her." Sie schluckte. „Wenn der Avatar jedes Element meistern soll, aber Teile unseres Bändigens einfach weg sind..."

„Xiangchen?", sagte Aang sehr kleinlaut.

„Weißt du was über den Kerl?", sprang Sokka darauf an.

„Nein!", sagte Aang zu schnell. „Ich meine, Gyatso hat mir von unserem Xiangchen erzählt. Aber das ist nicht der selbe. Er war ein Held!"

Die Feuernation nennt Sozin einen Helden, sagte Toph beinahe, hielt aber ihre Klappe und dachte nach. Aang wurde meistens einfach nicht sauer. Außer es ging um Appa. Oder Katara...

Aber das hier ist stiller. Unterschwellig. Wie als Häuptling Hakoda ihm gesagt hat Leute mit Wasserbändigen zu beeinflussen, wenn er nicht weiß, was er macht –

Oh. Oh. Das war es. Aang war ein Meister des Luftbändigens. Das sagte er immer. Und neues Bändigen zu lernen fiel ihm spielend leicht.

Nur, wenn Katara Recht hatte, dann gab es einen Teil des Luftbändigens, das er nicht kannte.

Wie Azula nicht wusste, dass man Blitze zurückwerfen kann.

Und wenn Funkenfresser Recht hatte – und es war manchmal fast schon unheimlich, wie Recht Zuko mit Aang hatte – dann war der Avatar Azula sehr ähnlich. Ein Experte. Ein Wunderkind. Alles fiel ihm leicht.

Also, was macht Azula, wenn etwas nicht leicht ist?

Sie waren nicht dort geblieben, um das Nachspiel von Zukos Blitzwurf zu sehen. Aber Toph wettete, dass es nicht schön war.

„Ein Held?" Kataras Stimme lächelte, aber es lag etwas unsicheres darin. „Was hat er gemacht?"

„Er hat dafür gesorgt, dass niemanden mehr die Hände durchbohrt wurden, nie wieder", behauptete Aang.

„Hände durchbohrt?" Sokka schluckte.

„Ich habe es in einer Schriftrolle gesehen", sagte Aang ernst. „Den Namen des Stammes weiß ich nicht mehr. Ich glaube es gibt sie nicht mehr. Aber ich habe Bilder gesehen. Sie haben Leute mit Seilen durch ihre Hände gezogen davon gezerrt. Sie hatten Bögen und schreckliche Pfeile und haben sogar irgendein brennendes Öl verwendet... vielleicht hatten sie was mit den Yu Yan zu tun. Aber das glaube ich nicht, Gyatso sagte, der Stamm war so von Xiangchens Friedfertigkeit beschämt, dass sie ihre Bögen für immer aufgaben." Ein wehmütiges Lächeln kroch in seine Stimme. „Wäre es nicht toll, wenn die Feuernation das auch macht?"

Nein!"

Toph blinzelte überrascht, dass Sokka und Katara mit eingefallen waren. Das wird gut.

„Wage das bloß nicht", sagte Sokka fest. „Kyoshi hat schon an ihnen herumgepfuscht. Das ist das Problem." Er schnaubte. „Außerdem, du hast Zhao gesehen. Und Zuko. Wenn die nicht mit irgendwem kämpfen könnten, würden sie von selbst explodieren."

„Und du zwingst mich nicht dazu jemanden zur Strecke zu bringen, der sich nicht wehren kann", sagte Katara grimmig.

„Ich zwinge dich doch zu gar nichts!", protestierte Aang. „Das musst du doch auch nicht machen. Dein Papa sagte, der Feuerlord ist wichtiger."

„Wir müssen uns zuerst um den Feuerlord kümmern." Katara bewegte sich unsicher. „Aang. Willst du denn nichts über eure Heiler erfahren?"

Wind strich über Tophs Gesicht, als Aang die Hände hochwarf. „Was haben denn Heiler mit Rache zu tun?"

„... Gar nichts."

Von wegen gar nichts, erkannte Toph. Die Elemente im Gleichgewicht. Heilen und Zerstören. Sokka sagte Südliche Wasserbändiger waren Kämpfer und Heiler. Oben im Norden haben sie es getrennt. Und Asiavik und die anderen denken, die Feuernation ist durchgedreht, weil sie ihre Heiler verloren und nur noch Krieger hatten. Und das Erdkönigreich hat auch nur Kämpfer und Leute die für anderes Zeug bändigen. Also sind wir auch nicht mehr im Gleichgewicht. Und die Luftnomaden haben ihre Heiler verloren und wir wissen, dass sie friedlich waren –

Nein. Nein, das war überhaupt nicht sicher. Jeder in der Feuernation konnte kämpfen. Jeder. Und die Yamabushi waren nicht nur auf irgendeinen Berg, sie waren in Byakko.

Heilen und Zerstören. Es gab Luftbändiger, die heilen konnten. Es musste welche geben, die Kämpfer waren.

Zuko war beides. Katara auch. Und wenn Katara Aang von Luft-Heilern erzählen wollte, aber nicht alles... Oh, nicht gut.

Nun. Zeit, Aangs Kaninguru-Aufmerksamkeit zu nutzen. „Du hast Yue gesehen?", fragte Toph.

„Ging es ihr gut?", warf Sokka ein. „Und sag nicht, sie war der Mond."

„Naja, war sie schon", sagte Katara kleinlaut. „Sie zeigte mir etwas, das Yugoda uns nicht gelehrt hat. Ich glaube... es hilft zu verhindern, dass wir die Gefühle anderer bändigen." Sie stand auf, mit Pelzen und allem. „Es geht so..."


Autor-Notizen: 'Eisbärfell stehlen' ist in Wirklichkeit 'High Pat On Horse'. Ich bin mal über eine Erzählung von einer Frau gestolpert, die weiße Haare von der Brust des Mond-Bärs stahl um ihren Mann von der Kriegs-Krankheit zu heilen und die Technik schien dazu zu passen.

Betobeto – in Japanischer Folklore ist der Betobeto-san ein Geist, der das Geräusch von Schritten macht, die einen verfolgen.

Bakezori – eine Stroh - zori – Sandale, die in einen Tsukumogami verwandelt wurde, ein Yokai (Geisterwesen), das einmal ein gewöhnlicher Haushaltsgegenstand war. Es läuft durch das Haus und ruft „Kararin, Kororin, Kankororin!" Es gibt verschiedene Übersetzungen. Ich fand Quellen, in denen es heißt, dass Kororin auf das Geräusch von etwas fallendem hindeutet. Andere sagen, es heißt „Augen drei, Augen drei und Zähne zwei!"

Für den Fall, dass sich irgendwer fragt... in diesem AU stecken Zuko, die Gaang und die ganze Welt von Avatar direkt in der Mitte eines 'Thirty Xanatos Pileup'. Und geschichtlich war jede Nation in seinen Rädern gefangen – zwei Mal.

Übersetzer-Notizen: Ok, erst mal möchte ich die Mitglieder von Zukos Mannschaft aufzählen, die momentan wichtig sind:

Kapitän Jee (Kanon: Leutnant Jee von Zukos erstem Schiff)

Leutnant Sadao (OC)

Leutnant Teruko (Sarah Mackenzie von der Fernsehserie JAG)

Die Truppe von Sergeant Kyo: (Vorbilder sind die Charakter aus der Fernsehserie NCIS)

Sergeant Kyo (L.J. Gibbs)

Korporal Moriaki (Dr. Donald 'Ducky' Mallard)

Gefreiter Rikiya (Tony DiNozzo)

Korporal Shoni (Ziva David – in eine männliche Version gespiegelt)

Gefreiter Sukekuni (Tim McGee)

Gefreite Fushi (Abby Sciuto)

Weitere Mannschaftsmitglieder:

Matrose Saburo (OC – Falkner)

Luchan (OC – Koch)

Meuterer:

Sergeant Aoi, Matrose Koki (beides OC's)

Zu dem Begriff 'Ministeriale': Das hat nichts mit dem modernen Ministerium zu tun. Der englische Begriff ist 'retainer' und die direkte Übersetzung ist 'Diener'. Allerdings kommt die tiefere Bedeutung aus einer früheren Sprachstufe – hier beziehe ich mich auf das Mittelhochdeutsche [dienestman] (Die Sonderzeichen lasse ich weg – bei diesem Wort ist das [ie] kein Langes [i], sondern ursprünglich ein Diphthong, ein Zweilaut ähnlich dem [au] in [haus], der sich im Laufe der Zeit verschliffen hat). Ursprünglich war der [dienestman] ein höher stehender Bediensteter auf einer Burg oder dem Anwesen eines Adeligen – so etwas wie Kämmerer, Mundschenk, Vogt, oder für Huojin zutreffender, der Hauptmann der Wache. Da das moderne 'Diener' nicht mehr diese Konnotationen trägt, habe ich mich für das weniger bekannte, aber zutreffendere 'Ministeriale' entschieden. (Soweit ich es überblicken kann, kommt der Terminus tatsächlich nur ein einziges Mal in 'Embers' vor)