Kapitel 33:
Tingzhe, die Wens, Huojin/ verborgene Höhle/ Ba Sing Se
Scht. Scht. Zinggg...
Tingzhe sah von der neuesten Schriftrolle aus den Archiv auf, die er untersuchte, immer noch etwas überwältigt auf welcher Menge der Dai Li seit Jahrhunderten gesessen waren. Er wusste nicht, wie es um die anderen Elemente stand, aber hier waren Erdbändiger-Techniken, die er in all seinen Jahrzehnten als Lehrer nicht gesehen hatte und wenn manche von ihnen das waren, was sie andeuteten –
Konzentriere dich, rügte er sich. Etwas stimmt nicht.
Der Unterschlupf um ihnen herum war noch intakt. Das war nicht so abwegig, bedachte man, dass Meixiang ganz Recht hatte, ihn zu necken, dass er so unwichtige Dinge, wie einbrechende Wände mitten in seinen Studien ignorierte. Einst war ein halb verfallenes Haus über ihm zusammengebrochen und er hatte erst bemerkt, dass er alles beiläufig zur Seite geschoben hatte, als es plötzlich zu dunkel zum Lesen war.
Natürlich, da Meixiang bei der Ausgrabung dabei gewesen war, war er sehr bald sehr abgelenkt gewesen.
„Tingzhe." Ein Atemzug streifte ihn, als sie in der Dunkelheit zitterte, vom Sonnenlicht weggeschlossen. „Es gibt etwas, das ich dir sagen muss..."
Er schüttelte den erinnerten Schock ab. Er wusste es jetzt. Genau wie ihre Kinder. Kein Versteckspiel mehr.
Hmm. Mit Shirong und Jinhai gab es kein Problem. Die zwei waren mit ihren einzelnen Kerzen etwas Abseits, meditierten hinter einem steinernen Sichtschutz, vor neugierigen Blicken verborgen. Sein Jüngster war ziemlich aufgekratzt gewesen, dass er einem Dai Li etwas beibringen sollte, doch schien der Junge sich beruhigt zu haben. Für einen Feuerbändiger war Meditation wohl eine ernste Angelegenheit.
Nahebei, aber außerhalb der Reichweite einer gelegentlich aufflackernden Flamme, rangen Jia und Suyin mit ein paar seiner historischen Aufzeichnungen über Erdbändiger-Eingreiftruppen, verglichen Rettungseinsätze im Text mit der groben Skizze in ihrem Sandtablett von der herausgeschmuggelten Karte darüber, wo Min war. Huojin saß bei ihnen, verwundert, fügte seine eigenen Beobachtungen über Operationen der Wache hinzu, mit leiser Stimme. Luli, bei dem Stein sitzend, der den Eingang abschirmte, las Lim und Daiyu Gutenachtgeschichten vor, als weitere Vorwarnmaßnahme, für den Fall, dass jemand herein trampelte, der nicht von den Feuerbändigern hier drin wusste.
Ah. Da. Jia warf ihrer Mutter aus den Augenwinkeln einen Blick zu, als Meixiang einem weiteren Messer den letzten Schliff verpasste und es in ihren Ärmel steckte.
Das sind wir nicht gewohnt. Keiner von uns. „Wie scharf musst du die schleifen?", fragte Tingzhe interessiert.
„Nicht so scharf wie das Messer eines Küchenchefs", sagte Meixiang direkt. „Man muss es abwägen. Sie sollen Fleisch durchdringen können, aber bei ihrer Größe ist es ebenso gut wenn sie von Knochen abgleiten, als ihn zu schneiden."
„Ähm", brachte Jia schwach heraus. „Ist es schlimm, wenn ich sage, igitt?"
„Natürlich nicht." Meixiang lächelte traurig. „Wir wollen niemandem weh tun. Wir wollen nur in Sicherheit sein." Sie betrachtete die frisch geschliffene Klinge. „Und ich will meinen Sohn wiederhaben. Heil und gesund."
Und es ist mir ziemlich gleich in wie viele Stücke ich jemand anderen zerlegen muss, um das zu erreichen, stimmte Tingzhe schweigend zu. Und dann ließ er die Schriftrolle sinken, starrte ins Nichts.
„Tingzhe?" Meixiang durchquerte den Raum, um sich zu ihm zu setzen. Sie rieb ihre Fingerknöchel an seiner Schläfe und Wange, linderte den sich aufbauenden Kopfschmerz. „Was ist los?"
Ich bin mir nicht mehr sicher, was unsere Familie ist. Was ich bin. Und zu was ich vielleicht werde. „Vielleicht sollte ich selbst etwas Zeit mit Meditation verbringen", gab er zu, mit bemüht milder Stimme. „Ich bin etwas... aufgewühlt."
„Eine Feindin hat unseren Min", sagte Meixiang schlicht. „Glaubst du, dass Erde nicht zornig wird?"
„Ich habe Yijiao vor Jahren auf der Mauer verloren", widersprach Tingzhe. „Das hier... ist anders."
„Yijiao war dein Bruder und ein Soldat. Min ist unser Sohn", legte Meixiang dar. „Er hätte im Training sein sollen. Er hätte sicher sein sollen. Wie wir alle." Sie rieb seinen Rücken, lehnte ihre Schulter gegen seine. „Natürlich bist du zornig. Nutze den Zorn. Lass dich nicht von ihm benutzen."
„Ich..." Tingzhe schüttelte den Kopf, sein Stolz schmerzte. „Ich weiß nicht wie." Oma und Shu, es war schwer, das zuzugeben. Er war ein zivilisierter, gelehrter Mann. Er kannte die Geschichte und all ihre uralten Schlachten, wusste wie man aus jahrhundertealten Scherben auf eine Schmiede oder einen Blumenladen schloss. Aber das? Das Bewusstsein, das all die Schlachten auf Papier, die er in seinem Kopf nachgestellt hatte, bald im Kleinen zur blutigen Realität werden würden...
„Als allererstes solltest du auf die Experten hören, Professor." Huojin schenkte ihm ein trockenes Lächeln, immer noch von dem Gedanken an die Wachleute verfolgt, die er hatte zurücklassen müssen. „Shirong ist gut darin, oder er wäre nicht mehr am Leben. Und nach allem was er sagt, ist Mai unheimlich genug, um das fast im Alleingang abzuziehen. Hör auf sie und hör auf uns. Und frag nach. Was sagst du deinen Schülern immer? Es gibt keine dummen Fragen?" Der Wachmann nickte. „Wir holen ihn zurück."
„Das stimmt", stimmte Meixiang zu. „Er ist Gyokuros Urenkel. Selbst bei dieser Distanz wird Agni über ihn wachen."
„Gyokuro?" Suyin wirkte interessiert. Zu Recht. Meixiang sprach fast nie von ihrem Familienstammbaum oder erwähnte Namen. Noch weniger Namen der Feuernation.
„Er war ein Feuerweiser." Meixiang nickte. „Als meine Familie auf die Liste kam... er hat mich herausgeschmuggelt und hierher geschickt." Sie lächelte traurig. „Er wollte nicht, dass ich weine. Er sagte, es wäre sein Schicksal dem Avatar zu dienen."
„Weil die Feuerweisen ja so einen guten Draht zu den Geistern haben", grummelte Shirong und seine Kerze flackerte.
Tingzhe warf ihm einen schrägen Blick zu. „Du solltest doch – "
„Ich weiß, ich weiß. Aber wenn vom Avatar gesprochen wird kann ich nicht anders, als zuzuhören. Reine Selbsterhaltung." Der Dai Li warf Meixiang einen Blick zu. „Ernsthaft, geehrte ältere Schwester, ich weiß, dass die Feuernation gegen den Avatar einen Groll hegt, Kyoshi insbesondere. Ich weiß nicht warum, aber man sollte meinen, dass jemand, der sich gut mit den Geistern auskennt, wüsste, dass es unmöglich ist, diesen Krieg jemals zu rechtfertigen – "
Tingzhe bewegte sich unruhig.
„...Du weißt was."
„Ich weiß, dass es Lücken in unserer Geschichtsschreibung gibt", gab Tingzhe zu. „Es gibt Berichte über Waegu und Wasserstamm-Piraterie vor und nach Chins Zeit. Dann, vor etwa dreihundertundzwanzig Jahren hören die Angriffe so gut wie vollständig auf. Urplötzlich. Und über die gleiche Zeit findet man nur verdächtig wenig Hofdokumente. Die, die es noch gibt, in Bezug auf Avatar Kyoshi haben einen Tonfall, den man am besten mit geschockt beschreibt. Das ist bei den moralischeren Beratern so. Jene, die das meinen Nachforschungen zufolge nicht waren... erscheinen schadenfroh." Er hielt inne. „Ich weiß auch, dass zu tief nachzuforschen, was damals geschah eine strenge Warnung, die Vergangenheit begraben sein zu lassen, einbrachte. Jene, die diese Warnung ignorierten – nun." Er warf dem Agenten einen spitzen Blick zu.
„Ihr wisst es nicht", sagte Meixiang leise. „Ich hatte gehört das ganze Erdkönigreich wüsste es."
„Schon möglich", warf Luli ein. „Aber wir nicht."
Tingzhe spürte das Gewicht der Augen, die auf ihm ruhten, und beugte den Kopf. „Ich war jünger und viel leichtsinniger, als ich zuerst erkannte, dass Fakten in unserer Geschichtsschreibung fehlen. Dann... wir hatten Kinder und ich wollte nicht meine Nase in Angelegenheiten stecken, die man besser ruhen lässt."
„Dann müsst ihr es erfahren. Suyin?" Meixiang nickte zu Amayas Abteilung des Unterschlupfs. „Bist du so lieb und schaust nach, ob Amaya für heute Nacht fertig ist?"
„Willst du es nur einmal erzählen?" Huojin zog eine Augenbraue hoch, als Suyin hinüber ging.
„Ich erzähle es so oft wie nötig", erklärte Meixiang fest und weckte Jinhai mit ein paar geflüsterten Worten aus seiner Meditation. „Aber wenn es ihr mit Mushi wirklich ernst ist... sie sollte erfahren, welche Bürde seine Familie trägt. Für uns alle."
Eine neugierige Wasserstamm-Heilerin folgte Suyin zurück und Tingzhe versiegelte die Tür gegen zufällige Lauscher.
Meixiang wartete, bis alle Platz gefunden hatten und atmete tief durch. „Dies ist die Geschichte, wie sie mir zugetragen wurde..."
Einige Zeit später hielt Tingzhe seine Kinder in betäubtem Schock. Das war... Geister...
„Du sagst, seit über zweihundert Jahren..." Huojins Augen waren glasig, als Luli ihre Mädchen im Arm hielt.
„Die Feuernation flehte darum, dass der Schiedsspruch zurückgenommen wird", sagte Meixiang leise. „Es heißt, dass Feuerlord Zouge, Sozins Vater, als Prinz ging um Kyoshi in ihrem Lebensabend persönlich darum anzuflehen." Sie schüttelte den Kopf. „Ein Großer Name, dazu gezwungen zu betteln. Diese Erniedrigung muss Sozins Seele mit eisigen Ketten gegeißelt haben."
„Keine Möglichkeit für euer Volk Rache zu üben", sagte Amaya trostlos. „Tui und La."
„Aber warum hat er nicht einfach Roku gefragt?", mischte Luli sich ein. „Du sagst sie waren Freunde."
„Avatar Roku kehrte zu Feuerlord Zouges Bestattung nicht aus seinem Training zurück", sagte Meixiang düster.
Shirong gab einen plötzlichen, erstickten Laut des Verstehens von sich und vergrub das Gesicht in den Händen.
Tingzhe tauschte verwirrte Blicke mit den anderen Erwachsenen. „Ich schätze das könnte als Beleidigung gelten, doch..."
„Oh, Beleidigung ist noch das Mindeste." Shirong sah auf, seine Augen glitzerten zornig. „Geister. Und Loyalität. Ihr versteht nicht, was Kyoshi gemacht hat."
„Sie hat sie gezwungen dem Feuerlord Loyalität zu schwören." Huojin war bleich. „Und... Loyalität zu brechen kann einen umbringen."
„Und üblicherweise passiert das auch, ohne einen Feuerheiler", erklärte Meixiang. „Mai hat großes Glück und ist sehr stark. Und ist keine Feuerbändigerin." Sie schüttelte den Kopf. „Ihr wisst nicht, wie viele starben, als sie Sozin trotzten. Ich wüsste nichts davon, hätte Gyokuro nicht die Erzählungen für unsere Familie bewahrt. Es steht nicht in den Geschichtsbüchern."
Es gab Feuerbändiger die den Krieg nicht wollten. Tingzhe hielt seine Kinder fest. „Warum sind sie nicht einfach geflohen?", fragte er mit angespannter Stimme. „Keine Befehlsverweigerung. Nur... der Order ausweichen. Lee hat – "
„Nein, hat er nicht", sagte Shirong rau. „Er wurde verbannt, mit dem Befehl, den Avatar zu finden und zu ergreifen. Sich in Ba Sing Se zu verstecken, damit seine eigene Armee ihn nicht umbrachte, während er das versuchte – das war nicht illoyal. Nicht ganz."
„...Das verstehe ich nicht", gestand Tingzhe.
„Der Avatar ist die Brücke zwischen der Geisterwelt und der unsrigen", erklärte Shirong. „Ich hatte nicht wirklich verstanden, was das bedeutet, bis Kuei... nun, ihr habt es gesehen. Wenn der Erdkönig ein Urteil über Wan Shi Tong selbst vollstrecken kann, was glaubt ihr, wozu ein Avatar fähig ist?"
Tingzhe war schwindlig. „Avatar Kyoshis Erlass ist also..."
„Jeder Bürger der Feuernation, der gegen die Autorität des Feuerlords handelt, handelt gegen den Willen der Geister", sagte Shirong ungeschönt. „Die hätten eine ebenso große Zielscheibe auf dem Rücken, wie jeder vernarbte Dai Li. Oma und Shu, kein Wunder, dass ihr alle hier seid. Ohne ständigen Schutz vor Bosheit würdet ihr nie überleben." Er lachte auf, ohne Humor. „Kein Wunder, dass der Krieg sie nicht mit Pech schlägt, für alles, was sie unserem Königreich angetan haben. Sie folgen dem Befehl des Avatars."
Tingzhe holte Luft um zu protestieren. Der Krieg war nach Rokus Tod begonnen worden und es war unmöglich, dass Avatar Kyoshi der Feuernation befohlen hatte ihr eigenes Volk anzugreifen –
Langsam. Ruhig. Ein ganzes Leben, das er dem Studium der Geschichte gewidmet hatte, zwang ihn seine eigene Logik zu hinterfragen. Auch wenn es ihm missfiel.
Sie müssen dem Feuerlord folgen. Er befiehlt, dass der Krieg weitergeht. Sie haben keine andere Wahl.
Außer der Entscheidung zu fliehen. Und alles zu riskieren.
„Versteht ihr, die Bestattung war der Schlüssel", bemerkte Shirong in das schmerzliche Schweigen. „Es ist Sitte, dass die Großen Namen teilnehmen, oder wenigstens einen Stellvertreter senden, um zu bestätigen, dass sie die Loyalität zum toten Feuerlord abgelegt haben, um dem lebenden Feuerlord aufzuwarten. Wenn Roku wirklich ein Freund war – ich bezweifle, dass es Sozin erlaubt war mit vielen jungen Leuten Umgang zu haben, die keine Großen Namen waren. Wenn Roku dachte, seine Ausbildung zum Avatar hätte Vorrang vor der Demonstration von Loyalität zu Sozin..." Er seufzte. „So viel in der Feuernation hängt daran, was sie nicht sagen. Wenn Roku Sozin keine Loyalität zeigte... dann hat er automatisch behauptet, dass seine Loyalität zu Feuerlord Zouge wichtiger war. Und Zouges Bitte war schon von Avatar Kyoshi zurückgewiesen worden." Er lächelte freudlos. „Sozin war ein Monster und eine Plage für unser Königreich. Aber ich glaube... an seiner Stelle hätte ich dann auch aufgegeben."
„Oh", brachte Huojin heraus. „Oh, das hat er gemeint, dieser glitschige Katzen-Aal... Mushi hat es so gedreht Ozai keine Loyalität zu geben", führte er auf Lulis hochgezogener Augenbraue aus. „Er brach seine Loyalität zu Azulon und hat überlebt, Agni allein weiß wie – und er hat sich herausgewunden sie noch einmal zu geben!" Er warf frustriert die Hände hoch. „Er ist seit sechs Jahren völlig ungebunden!"
„Er ist nicht an den Feuerlord gebunden", sagte Amaya ernst. „Aber er ist nicht von der Feuernation gelöst. Und er musste sich um Lee kümmern. Und er ist loyal, obwohl Mushi seit seiner Verbannung sorgfältig Lees Loyalität zu seinem Volk gestärkt hat, so dass er überlebt..." Blaue Augen weiteten sich.
„Das ist wahr", hauchte Shirong. „Oh dieser geniale Huren – " Er lachte voller überraschter Freude. „Kein Wunder, dass wir noch nicht entdeckt wurden!"
„Papa?", murmelte Jia leise. „Kommt es nur mir so vor, oder hat er völlig den Verstand verloren?"
„Jia", stöhnte Meixiang.
„Nein, nein. Sie hat Recht. Es ist verrückt." Immer noch lachend, wischte Shirong Tränen fort. „Wunderbar verrückt, auf den Kopf und rückwärts und alles in Stücke brechend... und ich weiß nicht ob es Agni ist, oder nur Lee, ein Junge, der den Avatar über die ganze Welt verfolgt hat, ist mehr als womit die Geister rechnen sollten..." Er blickte auf, die Augen strahlten. „Lee ist im Exil. Von Sozins Geblüt, ja, und das wird böse Geister anziehen, egal ob er den Avatar jagt, oder nicht. Aber Kyoshis Erlass kann ihn nicht berühren."
Tingzhe runzelte die Stirn. „Das ist sicherlich nützlich für ihn..."
Meixiang lächelte. „Wir sind Zuhause."
Ich übersehe eindeutig was. „Wir haben Ba Sing Se nicht verlassen", zeigte Tingzhe auf.
„Da ist was dran", sagte Shirong trocken. „Großer Name hin oder her, Lee kann keine Domäne innerhalb der Stadt gründen."
„Das hat er schon", sagte Meixiang verlegen. „Große Namen halten Territorium, ja... doch die Domäne ist das Volk."
Shirong schlug eine Hand über die Augen. „Ich bin verdammt."
Luli warf ihm den unschuldigen Blick einer Straßengöre zu. „Warum? Nur weil du versucht hast einen Feuerbändiger zu rekrutieren, geholfen hast, den Erdkönig zu entführen und uns jetzt hilfst einen Plan zu schmieden, wie man Flüchtlinge der Feuernation, die zufälligerweise unsere Familien sind, geradewegs unter der Macht des Avatars herauszuschmuggeln?"
„... So verdammt..."
„Wird das klappen?", fragte Huojin skeptisch. „Ein paar von euch – uns – wurde befohlen zu gehen. Heißt das nicht, dass man noch den alten Lords loyal ist?"
„Und im Geist gebunden." Amaya nickte ernst.
„Lee stammt von Byakko. Es gibt nicht viele Lords von älterer Abstammung", sagte Meixiang ruhig. „Und er hat genug Drachenblut in sich, dass er der Drachenwut zum Opfer fällt. Er kann uns abschirmen. Und mit Feuerheilern... jeder, der leidet wird zumindest eine Chance haben."
„Nur Feuer?", überlegte Tingzhe langsam.
„Wasser kann nicht helfen", sagte Amaya traurig. „Es ist das Feuer im Geist, das blutet. Wasser verschlimmert es nur."
Tingzhe nickte nachdenklich. „Was ist mit Erde?"
Alle Augen drehten sich zu ihm.
Alle bis auf Jia, die seine weggelegte Schriftrolle genommen hatte und jetzt den Schriftzeichen mit verblüfftem Staunen folgte. „Ist das, was ich glaube, das es ist?"
„Was?" Shirong runzelte die Stirn.
„Eine der Schriftrollen aus eurem Archiv", informierte ihn Tingzhe. „Und eine, die ziemlich vernachlässigt wurde, so wie sie aussieht. Bedenkt man den Inhalt, verstehe ich nicht wieso, außer es funktioniert nicht..." Er verstummte bei Shirongs verwirrtem Blick. „Die Schriftrolle die Jia in der Hand hat?"
„... Sie hat eine Schriftrolle?"
Tingzhe blinzelte.
Amaya zögerte nicht, sondern bewegte sich mit von Wasser umwundenen Händen so schnell wie eine zuschlagende Skorpion-Viper. „Stillhalten."
Shirong gehorchte und zeigte mehr eisernen Willen als Tingzhe für möglich gehalten hatte.
Amaya konzentrierte sich; mit geschlossenen Augen verzogen sich ihre Lippen zu einem Knurren. „Da steckst du also." Sie zog Wasser, mit einem öligen Schimmern verschmutzt, weg und hielt es als Kugel in einer Hand. „Jinhai. Verbrenne es."
„Aber – deine Hand", protestierte der kleine Junge.
„Ich heile sie. Verbrenne es!"
„Das würde sie nicht verlangen, wenn es nicht äußerst wichtig wäre." Eine Hand auf die Schulter seines Sohnes gelegt nickte Tingzhe.
Mit aufgerissenen Augen und zitternd rief Jinhai eine Flamme.
Amaya biss die Zähne zusammen und hielt kochendes Wasser, selbst als ihre Haut sich rötete und Blasen warf. Sie hielt es, während sie leise, zornige Gebete an den Mond und Ozean murmelte, bis der letzte Tropfen fort gebrannt war.
Erst dann ließ sie sie fallen, Tränen rannen herab, als Suyin sich überstürzte, ihr mit dem Wasserschlauch zu helfen.
„Es tut mir leid", flüsterte Jinhai und klammerte sich an Tingzhe, während Wasser glühte und der Gestank von verbrannter Haut verflog.
„Feuer reinigt", sagte Amaya ernst. „Ich glaube nicht, dass ich das alleine hätte reinigen können."
„Was war das?" Shirong hielt sich gerade so aufrecht, Augen riesig.
„Der Einfluss eines Geistes", sagte die Heilerin grimmig. „Wie die Berührung dieses Fuchses auf Tingzhe, nur viel verborgener. Und dunkler... fangt ihn auf!"
Tingzhe fand sich im Zentrum eines Mobs, der Shirong aufrecht hielt, als er zitterte. „Alles in Ordnung?"
„Ich erinnere mich..." Shirong blinzelte, wie betäubt. „Ich habe diese Schriftrolle schon gesehen. Ich habe wenigstens ein halbes Dutzend Mal versucht sie zu lesen. Nur habe ich... es einfach vergessen." Er rieb seinen Kopf. „Wie viel ist in diesem Archiv?"
„Wir müssen ein Inventar erstellen", stimmte Tingzhe zu. „Aber jetzt – Amaya? Ist das tatsächlich eine Heilungsrolle?"
„So erscheint es zumindest", hauchte sie, als Jia sie für sie ausbreitete. „Wir müssen sie testen."
„Wie konnten wir etwas so wichtiges verlieren?", brach es aus Shirong heraus. „Wie viele Leben hätten gerettet werden können, wie viel Leid..."
„Bändigen ist einfach", überlegte Luli. „Heilung – das ist schwer."
„Das ist doch Unsinn!"
„Mehr Sinn als man glaubt", sagte Huojin sachlich. „Heilung... es steht irgendwie im rechten Winkel zum Bändigen, oder?"
„Das Chi wird auf eine der Intuition widersprechende Art verwendet." Amaya nickte. „Instinkt. Bändigen soll einen schützen, als ob man eine gewalttätige Hand wegschlägt. Heilung bedeutet etwas der eigenen Energie wegzugeben. So wie Lee den Kindern lehrt sich in den Fall sinken zu lassen. Die einzigen instinktiven Heiler, von denen ich gehört habe, waren von den Gezeiten berührt und wer lernt noch von den Dachs-Maulwürfen das Erdbändigen? Dem Rest von uns muss man es lehren."
„Kannst du es mir beibringen?", platzte Jia heraus. Sie sah ihre überraschten Blicke und errötete. „Naja, Manieren werden Min nicht zurückbringen! Und auch nur dran zu denken zu kämpfen – da wird mir schon übel." Sie schluckte. „Aber ich will helfen."
„Das ist mein Mädchen", sagte Tingzhe sanft, während Suyin grinste und ihre Schwester umarmte. Jia rollte die Augen, schob sie aber nicht weg.
Ich sollte mir keine Sorgen machen, sagte sich Tingzhe, während Jinhai warm in seine Arme gekuschelt war und Meixiang sie alle wieder zusammen zog. Selbst Shirong, so unbeholfen der Mann mit seinem neuen Klan auch war. Wir sind nicht was wir waren. Aber es ist trotzdem richtig.
Shirong schob sich etwas zurück, den Hauch eines Grinsens auf dem Gesicht. „Sei nicht so schnell damit, anzunehmen, dass Manieren keinen Unterschied machen. Wachleute, Mauern, Dai Li. Alles, was wir überwinden müssen, hängt an einem Feind."
Tingzhe nickte mit schmalen Augen. „Prinzessin Azula."
Drohst du meinem Jungen, ja? Er wendete seine Augen zur Höhlendecke und der schlafenden Stadt darüber. Das werden wir noch sehen.
Azula, Mai/ Quartier/ Palast des Erdkönigs/ Ba Sing Se
Sonnenaufgang und eine Schüssel mit heißem Wasser starrte sie dampfend und widerspenstig an. Azula funkelte zurück. Rauch stieg kräuselnd mit ihrem Atem auf, als sie sich für den Tag ankleidete. „Bewege dich, verflucht noch mal!"
Aus dem Wasser aufsteigend platzte eine Blase.
Wie hat Zuko das gemacht?
Und was hatte der Drache des Westens verborgen gehalten, dass Zuko es lernen konnte?
„Seine Tee bändigende Merkwürdigkeit", murmelte Azula bei sich und strich ihre Haare in strikte, funktionale Perfektion. „Der Mann hat Wasserbändiger studiert. Weiß Agni warum."
Denn was brachte es schon, eine Lebensweise zu studieren, deren Schicksal es war zu erlöschen? Feuer war überlegen. Die Welt wusste das.
Und jene, die es nicht anerkannten wurden unter gerüsteten Stiefeln zertreten.
Trotzdem. Wenn der Mann irgendetwas nützliches gelernt hatte, hätte er es sagen sollen. Zu einem loyalen, mächtigen Feuerbändiger. Nicht zu ihrem schwachen Idioten von einem Bruder.
„Außer er hat Verrat geplant seit er das erste Mal Ba Sing Se verlassen hatte", befragte Azula den Spiegel. Nun, das passte besser. Erst monatelang verschwinden, mit irgendeiner dummen Geschichte über eine Geisterqueste, als er wieder auftauchte? Und nur ein paar Feuerbändiger konnten überhaupt erst den Blitz meistern. Warum sollte er verbergen, dass er von einem Konterzug wusste, wenn er keine Pläne gegen ihren Vater hegte?
Niemals. Du wirst ihn nicht anrühren, Onkel. Er ist der Feuerlord und ich bin sein Erbe. Und ich bin loyal.
Nicht wie Zuko. Niemals wie Zuko.
Der behauptete doch tatsächlich, dass er zum Verräter wurde, um sie zu beschützen. Für wie blöd hielt er sie eigentlich?
Mama hat ihn gebeten mich zu beschützen.
Na klar. Als ob sie Schutz brauchte.
Als ob Ursa ihn das überhaupt gefragt hätte. Ihre Mutter sah sie als Monster. Wer sollte schon ein Monster beschützen?
… Abgesehen von einem gewissen Idioten.
Ich habe dem Feuerlord treu gedient. Ich bin jetzt Erbe. Alles wonach ich gestrebt habe, seit zehn Jahren, ist endlich in meiner Hand.
Sie war in ihren Studien hervorragend, wie ihr schrecklicher Vater es wünschte. Sie hatte Mais Freundschaft gewonnen, deren Familie keine Bändiger waren, aber doch am Hof Macht besaßen, teils durch Arglist und beachtlichen Fähigkeiten in der Verwaltung, teils durch das geflüsterte Prestige von Rokus Erbe. Sie war Ty Lees Freundin geworden, Tochter einer Familie von Chi-Blockern, die sehr wichtig waren, um Meuchler auszuschalten und in Gefängnissen die Ordnung aufrecht zu erhalten. Sie hatte das Mädchen subtil ihrem Willen unterworfen und über die Jahre hinweg in das nützlichste Werkzeug geformt, um dafür zu sorgen, dass ihr Holzkopf von Bruder niemals eine Bedrohung für ihre Stellung als vorgezogenes Kind sein konnte. Und das war er, wie ihr Vater immer wieder schweigend klar gemacht hatte – wenn auch nur weil keinen Feind zu haben, sie dazu verführen könnte weniger als die Beste zu sein und Prinz und dann Feuerlord Ozai akzeptierte nie weniger als Perfektion.
Armer Zuko. Er hatte das Agni Kai nur überlebt, weil Ozai es so wollte. Verbannt, kaum existent, dazu verdammt das Unmögliche zu tun... und immer eine Mahnung für jenes Schicksal, dem sie schnell genug, schlau genug, skrupellos genug sein musste zu entrinnen.
Wirklich, Vater. Als ob ich jemals Sozins Geblüt mit einer minderwertigen Leistung beschämen würde.
...Kannst du mir nicht vertrauen?
Dummer Gedanke. Ein Feuerlord traute niemandem. Avatar Kyoshi hatte ihnen die Macht gegeben, die Welt neu zu formen... und doch, selbst jetzt, Jahrhunderte später gab es Große Namen, die mit Freuden diese Macht zu Asche zerfallen sehen wollten. Die auf Rache verzichten würden, und, ja, sogar auf die Selbstverteidigung, die für die Gewissheit notwendig war, dass die Welt die Feuernation niemals wieder verheeren würde. Falls sie es überhaupt wagten.
Verräter, und zwar alle.
Verräter, die bis zum heutigen Tag Männer und Material für die Kriegsbemühungen schickten, die darum beteten, dass ihnen im Gegenzug gestattet war, ihre Domänen zu beschützen. Also ließ Vater sie wo sie waren. Für den Moment.
Sie hatte Ba Sing Se ohne einen einzigen Soldaten eingenommen. Welcher Große Name würde es jetzt noch wagen sich ihr zu widersetzen?
Nutze meinen Sieg, Vater. Für unseren Ruhm und zerschmettere sie alle!
Sie musste die Rekrutierung des Dai Li weitergehen lassen. Feuer war das überlegene Element, aber loyale Diener um die Feinde lebendig zu begraben waren ein zu gutes Werkzeug, um zu verrosten und zu vergehen. Ganz besonders wenn man bedachte wogegen sie sie vielleicht noch brauchte.
Geister. Bei Tageslicht. Die mich angreifen.
Was für ein unzivilisierter Ort.
Das Debakel in der Audienzhalle wäre in der Feuernation nie passiert. Die Feuerweisen kümmerten sich darum.
...Dann wieder war Ba Sing Se unvorstellbar viel größer als die Hauptstadt und die Dai Li waren etwas abgelenkt gewesen.
Ich muss ein paar Feuerweise hierher beordern. Das sollte weitere Fiaskos verhindern... und die Vorzüge unserer Herrschaft demonstrieren. Sie lächelte dünn. Kümmert man sich gut um ein Komodo-Rhino zieht es jede Ladung. Selbst Würste.
Eine Wahrheit, die sie noch bei den Knien ihres Vaters gelernt hatte. Und das machte ihr Versagen mit Mai noch frustrierender. Was war es, das sie nicht getan hatte, dass das Mädchen ihr Leben riskiert hatte, um ihre Loyalität zu brechen? Sie hatte Mai mit Lächeln und Disziplin genährt. Hatte am Hof subtil klargestellt, dass Mais Familie in ihrer Gunst stand. Sie hatte Mais Interesse an Zuko ermuntert, mit subtilen Hinweisen und etwas Feuerspiel, vor dem ihr Bruder sie „retten" konnte. Und hatte genau die richtigen Leute eingeschüchtert, um zu verbergen, dass Momiji und Ilah Schwestern waren.
Gegen brüderliche Abstammung hatten ihre Leute nichts. Oder wenn es Bruder und Schwester waren. Mit wenigstens drei Generationen dazwischen war es völlig sicher. Schwesterliche Abstammung... Azula schnalzte enttäuscht. Sie hatte die Aufzeichnungen der Feuerweisen über die Monstren die entstehen konnten, wenn das passierte, gelesen.
Oh, keine physischen Monster. Wunderschöne Kinder. Die mächtigsten Feuerbändiger, doch viel zu oft … fehlte etwas. Den Feuerweisen zufolge. Vertrocknete, alte Esel. Was um alles in der Welt war schon falsch daran Feuerbändiger zu haben, die nicht wegen dummer Tiere heulten? Schwäche gehörte ausgelöscht nicht verhätschelt.
Sie hatte sich so auf Zukos Gesicht gefreut wenn sie es ihm endlich sagte. Direkt bevor sie seine Kinder raubte.
Ah, nun. Eine Hälfte der Gleichung war tot, aber Mai hatte einen kleinen Bruder. Vielleicht konnte sie ihn einfach ausleihen, wenn sie erst einen legitimen Erben produziert hatte.
Und hier war die Möchtegern-Verräterin selbst, mit Botenrollen. So als ob es wie jeder andere Morgen war. „Welche von denen sollte ich noch vor dem Frühstück sehen?", fragte Azula und zog eine elegante Braue hoch. Spielen, spielen; sie spielten alle etwas vor und war das nicht amüsant?
Wenn es nicht so viel Spaß machte, hätte sie Mai wo sie stand zu Asche verbrannt. Niemand verriet sie.
„Die oberste könnte witzig sein", sagte Mai trocken. „Ich glaube die Botenläufer des Erdkönigreichs haben mehr Hirn als die Generäle."
Widerwillig interessiert öffnete Azula den Bericht über einen Kurier, als einer von General Gang identifiziert, der auf dem Weg nach Ba Sing Se gewesen war und zwar so schnell, dass er beinahe geradewegs in ein Lager der Feuerarmee gelaufen wäre. Bevor er gemerkt hatte, dass die Mauer niedergerissen war.
Zwischen den Zeilen des formellen Berichts konnte man das entsetzte Quietschen beinahe hören.
Verfolgung eingeleitet, erste verborgene Umsteigestation ausfindig gemacht und markiert, gegenwärtig unberührt, während wir vorbereiten die nächsten Stationen auf der Route zu finden und zu zerstören. Azula überflog den Rest des Berichts. Gut. Ein intelligenter Offizier. Die Verfolgung konnte für den Moment in seiner Hand bleiben.
Doch fragte sie sich, was Gang von Ba Sing Se gewollt hatte. Mehr Vorräte? Oder etwas wichtigeres?
Wir haben die Stadt. Was sie auch wollten, sie bekommen es nicht.
Aus Gewohnheit durchstöberte sie Mais Haufen, suchte nach dem, was als unwichtig begraben worden war. Mai konnte sie nicht wirklich anlügen, aber es war immer gut, in Übung zu bleiben...
Na. Na, na, na. Vielleicht musste sie Mais Fähigkeiten der Irreführung neu bewerten. „Suzuran erwartet morgen hier im Hafen anzulegen?"
„Und?" Mai hob die Schultern. „Es ist ein Versorgungsschiff. Ich dachte du hast mehr als genug Vorräte."
„Es ist die Müllhalde für Störenfriede und Versager", legte Azula dar und beobachtete sie genau. „Sie wurden zum Minenräumen abkommandiert."
„Sie müssen ziemlich gut darin sein sie zu finden, um es hierher zu schaffen", sagte Mai ungerührt. „Oder ziemlich schlecht."
Nicht ein Zucken von der Messerwerferin. Wusste sie es wirklich nicht? „Du kennst vielleicht ihren Kapitän, Jee."
Mai runzelte die Stirn. „Woher?"
Interessant. Also. Sollte sie es ihr sagen und eine offensichtliche Schlinge auslegen? Oder sollte sie das Mädchen für ihren Verrat schuften lassen?
Ich kriege sie dran, so oder so. Machen wir es interessant. „Oh, nur eines der Disziplinarprobleme aus denen der Feuerlord ein Beispiel machen will. Wann immer gewisse Zauderer in unserer Regierung rastlos werden." Sie schnaubte. „Bedauerlich, dass ich diese Wachstation nicht in ein Beispiel verwandeln kann. Verdammt sei dieser Sergeant."
„Dafür, dass er von einem möglichen Aufstand berichtete?" Mais Augen kräuselten sich nicht mal im Hauch eines Lächelns.
„Dafür wie er es berichtete", sagte Azula säuerlich. „Ich muss gar nicht erst in seine Akte schauen; der Mann muss unter meinen Onkel gedient haben. Wenn ich dieses Loch von Käfer-Ratten niederbrenne, wie sie es verdienen, stünde er direkt im Weg der Flammen. Narr." Ihre Augen wurden schmal. „Was hat sich Vater nur gedacht, dass er Zuko ihm überlassen hat?"
„Dass er dich mehr liebte", sagte Mai ruhig. „Und dass die einzige Möglichkeit wie der Hof akzeptiert, dass er dich ausbildet war, wenn es wenigstens so aussah, als ob jemand Zuko ausbildet. Ein Kronprinz, der den nächsten trainiert." Sie zuckte die Achseln, goldene Augen blitzten hart, ehe sie wieder in Apathie fielen. „Der Kronprinz, der nicht mit Ozai um den Thron kämpfte, weil er wusste, dass er verlieren würde. So lauteten die Gerüchte. Es hätte keinen überrascht, wenn Zuko genauso geworden wäre."
Azula lächelte und erinnerte sich daran, wie viele dieser Gerüchte sie selbst gestreut hatte. „Es ist immer gut einen Notfallplan zu haben." Ruhig schaute sie zu Mai. „Also, wie würdest du diese Verräter herauslocken?"
„Gar nicht", sagte Mai ausdruckslos. „Hier ist es nicht wie in Neu Ozai. Das ist kein Erd-Widerstand, der es liebt, sich unter der Erde zu verbergen. Diese hier sind von der Feuernation. Und sie sind sauer. Sie werden nicht ewig warten. Lass die Dai Li Ausschau halten und warte auf das Feuerwerk."
Vernünftig. Plausibel.
… Oh, es würde so viel Spaß machen, sie alle zu zerschmettern.
Allerdings musste sie warten um Tu und sein kleines Netzwerk zu vernichten, bis Mai ihren Zug gemacht hatte. Sie wollte keinen davon übersehen. Tu war tatsächlich ein Bürger des Erdkönigreiches, wenn seine Akten stimmten. Und das taten sie, oder er hatte wohl die besten Fälschungen, die sie je gesehen hatte. Woher um alles auf der Welt hatte Mai gewusst ihn zu kontaktieren?
Die Fragen zu stellen wird so amüsant.
Die einzige Möglichkeit, wie das alles noch amüsanter werden konnte, war, wenn Mai schlau genug war, sich bei Suzuran Hilfe zu holen. Jee war ein gebrochener, unterwürfiger Mann, niemand sonst würde ohne Widerspruch Befehle von ihrem Bruder annehmen.
Schade, dass Zuko vor dem Jahrestag schon im Erdkönigreich war.
Denn was für eine Schwester wäre sie, wenn sie so ein wichtiges Ereignis unbeachtet vorbeiziehen ließe? Nichts sagte so deutlich du wirst nicht vergessen wie eine versuchte Meuterei.
Ihr Geschenk diesmal geschehen zu lassen wäre vielleicht schwieriger geworden. Sie bezweifelte, dass Onkel bemerkt hatte, dass es offiziell angeordnete Meutereien waren, doch er hatte es geschafft, für ihre nächste Mannschaft ein paar Gefallen von der Marine einzufordern. Sie hatte Wochen gebraucht, bis sie die Akten der Besatzung in die Finger bekommen hatte, von dem nötigen Druckmittel gar nicht zu reden.
Und dann hatte Zhao ihre sorgfältigen Pläne in Stücke geschlagen, mit dieser dünkelhaften Invasion. Ernsthaft. Wie sollte sie angemessen effizient sein, wenn so viele Idioten im Weg waren?
Wenigstens hatte der Mann den Anstand selbst in diesem Fiasko verloren zu gehen. Den waren sie los. Ein Idiot weniger, um den Marsch ihres Imperiums entgleisen zu lassen.
Jetzt sind es zwei weniger. Sie lächelte schneidend. Und bald noch mehr.
So. Frühstück, Pflichten der Okkupation und Ränkeschmieden. Und dann würde sich Wasser ihrem Willen beugen. Auf die eine oder andere Weise.
Toph, Gaang/ Küste/ irgendwo im Erdkönigreich
Land. Manchmal könnte Toph es fast küssen. Kein Schwanken, kein Rollen. Keine Nahrung raubende Übelkeit, von Wasser ausgelöst, das einfach nicht stillhalten wollte. Keine Blindheit.
„Wah!"
Und dazu konnte sie Aang in den Hintern treten. Es gab nichts besseres.
Toph knackte ihre Knöchel und knackte dann den Boden, der Aang bis zur Nase eingeschlossen hatte, als dieser einen falschen Schritt gemacht hatte. „Du beobachtest schon wieder meine Hände, was?"
Aang kraxelte heraus und sprang dann japsend in die Luft, als noch mehr scheinbar feste Schichten zu Dachs-Maulwurf-Tunneln zerfielen. „Das hast du alles mit deinen Füßen gemacht?"
„Zehen", sagte Erdbändigerin knapp und strich mit ihnen den Rest des Bodens glatt, als Katara und Sokka näher an die Gefahrenzone kamen. Sie spürte einen interessierten kleinen Freudentanz ein paar Schritte hinter ihnen und konnte kaum ihr Grinsen verbergen. Der Betobeto trieb Leute meistens zur Weißglut, aber er schien schlau genug zu sein, sich zurückzuziehen, wenn das Bändigen anfing. Das hieß, Aang trainierte nicht nur, bis ihm langweilig wurde. Er übte, bis er dachte, dass ihm langweilig war. Dann legte er eine Pause ein, scheuchte eine Flatter-Hornisse herum oder Momo oder was auch immer, ließ sich ins Gras fallen, hörte Schritte – und ganz plötzlich war er wieder an Training interessiert.
Wenn sie das nächste Mal Funkenfresser über den Weg lief, musste sie ihn einfach umarmen.
Nicht, dass sie vorhatte, das durchblicken zu lassen. Warum sollte man so was Gutes verderben?
Ich glaube ich nenn' ihn Stiefel, beschloss Toph. „Du sollst nicht mich beobachten, Traumtänzer", sagte sie fest. „Pass auf den Boden auf. Spüre ihn. Du spürst die Luft, oder?"
„Wie kann man Luft nicht spüren?" Aang landete federleicht. „Jeder muss atmen."
„Nur nicht, wenn man den Schildkröten-Robben hinterher taucht", grummelte Sokka, zu leise, dass es irgendwer sonst hörte.
Toph runzelte die Stirn und wünschte ihr wäre etwas weniger schlecht gewesen und hätte etwas mehr zugehört, als Häuptling Hakoda sie gebeten hatte mit Appa eine Weile Inland zu gehen. Aber alles, was sie geschafft hatte, war ihre seekranke Stimme Hakodas und Sokkas anzuschließen, wenn es darum ging sich von Leuten fernzuhalten.
Aang tat sich schwer mit der Idee von 'Die Welt hält dich für tot'. Er wollte zurück nach Ba Sing Se um zu versuchen, es zu knacken und sich noch mal von Azula zappen zu lassen. Na klar doch. Wie Sokka schon mehrmals gesagt hatte wussten sie nicht genau, wie lange eine Sonnenfinsternis dauerte. Sie brauchten jeden Vorteil, den sie bekommen konnten. Die Feuernation im Glauben zu lassen, dass sie beruhigt aufatmen konnten, eingeschlossen.
Toph hatte keinen Schimmer wie lange das dauern würde.
Funkenfresser will uns nicht tot sehen. Aber er ist so aufbrausend wie ein Vulkan und er weiß, dass Aang sich mit dem Wasserstamm zusammengeschlossen hat. Und er glaubt, dass sie sein Volk umbringen werden.
Dazu war Zuko der lebende Beweis dafür, dass er bereit war alles zu riskieren, um die Sache wieder gerade zu biegen. Und was Zuko für gerade hielt... nun es passte ganz sicher nicht zu Aangs Vorstellung von Richtig.
Also, was hat er vor?
Sie wusste es nicht. Und das machte Toph Sorgen. Zuko nahm es mit dem Unmöglichen nicht nur auf. Er hielt seine Stellung während es auf ihn zuraste, schleuderte es in ein Bambus-Dornen-Dickicht und schlug ihm den Kopf ein. Mit einem Stein, wenn er nichts anderes hatte. Er hatte den Avatar ein halbes Jahr lang verfolgt. Den Avatar. Und dabei hielt er sich noch nicht mal für einen Meister des Feuerbändigens.
Sicher, Aang war ein Kind. Sicher, Aang hatte nie versucht ihn umzubringen. Aber Aang war ein Meister des Luftbändigens. Jeder, der bei Verstand war, wäre zu Boden gegangen und dort geblieben.
Zuko war nicht ganz bei Verstand. Er war zwar nicht so verrückt, dass er Sachen hörte oder sah, die nicht da waren und er war ganz sicher nicht so böse-wahnsinnig wie Azula, aber er wandelte nicht auf der gleichen Erde wie alle anderen. Er war ein Freund, keine Frage. Und sie musste ihm auf die netteste Art in den Hintern treten, um ihn zum nachdenken zu bringen. Aber Toph würde nie den Fehler machen, anzunehmen, dass Zuko bei Verstand, vernünftig oder gar menschlich war.
Zumindest nicht zweimal.
Komisch, es störte sie gar nicht. Die Dachs-Maulwürfe waren manchmal eine bessere Familie für sie gewesen, als ihre eigene. Und Zuko bemühte sich wirklich, wirklich sehr, herauszufinden, wo ihre Linien im Sand waren und wie man sie nicht überschritt. Verrückt, ja. Aber er war anständig. Einer der Besten.
Aber er hatte auch Linien im Sand, sogar tiefe. Und Aang war geradewegs durch sie hindurch geflattert, als ob sie unwichtig waren.
Wenn man das mit einem Dachs-Maulwurf machte, begrub der einen unter einem Berg oder riss einen in Stücke. Zuko hatte nichts dergleichen getan.
Feuer braucht Rache. Also... was er auch vorhat, wird Aang noch härter treffen.
Verflixt. Hätten sie doch nur noch ein paar Tage zum Reden gehabt. Sie hätte irgendwann den Plan aus Onkel herausgekitzelt, davon war sie überzeugt. Zumindest hätte sie Zuko vielleicht dazu gebracht, noch mehr von den Dai Li zu erzählen – diese Erdschuhe könnten an manchen Orten eine richtig gute Idee sein...
„Aber ich will nicht gegen dich kämpfen!", protestierte Aang gerade.
Sokka hielt seinen Bumerang mit einer aufmerksamen, entschlossenen Haltung. „Ich sag nicht, dass wir kämpfen müssen. Ich will nur, dass du übst dafür zu sorgen, dass Bumerang dich nicht trifft."
„Es ist ja nicht so als ob die Feuernation Bumerangs benutzt."
„Ja, sicher, aber ich habe keine Pfeile mit denen ich auf dich schießen könnte", erwiderte Sokka und hörte sich noch unzufriedener an als Aang. „Du hast gesagt diese Yu Yan hätten dich geschnappt, oder?"
„Oh. Ja." Aang schüttelte den Kopf. Erstaunen zitterte von seinen Zehen. „Ich wusste ja, dass ein paar Leute in der Feuernation Bogenschützen sind. Kuzon und ich sind mal weggeschlichen um sie zu sehen. Oh Mann, dafür hat er vielleicht Schwierigkeiten bekommen! Aber ich habe nie jemanden so schießen sehen."
„Also, warum nochmal haben wir die uns nie verfolgen sehen?", bohrte Sokka nach.
Schweigen.
Aang schluckte. „Komm schon, Sokka, sie wussten, dass es nicht klappt – "
„Sie wussten, dass jemand mit einer Maske dich befreit hat, nachdem du geschnappt wurdest", sagte Sokka ungeschönt. „Das ist nicht gerade ein hat nicht geklappt."
„Wir gehen in der Sonnenfinsternis rein, damit sie nicht Feuerbändigen!", protestierte Aang.
„Und Zuko hat dich ohne Feuerbändigen befreit", warf Sokka zurück. „Sie kämpfen. Die bringen jeden das Kämpfen bei. Ja, wir nehmen die Sonnenfinsternis. Ja, sie werden kein Feuer haben. Sagen dir Mai und Ty Lee was? Kein Feuer? Hält sie nicht gerade auf."
„Es ist nur für den Fall", sprang Katara ein. „Übe einfach, Bumerang wohin fliegen zu lassen, worauf Sokka nicht gezielt hat." Mit einer Bewegung der Füße schaute zu Toph. „Du hast so hart an Erde gearbeitet..."
Wenn es nach Toph ginge nicht hart genug, aber – ja. Das könnte gehen. „Gute Idee", stimmte Toph zu. „Arbeite etwas mit Luft. Lockere dich gründlich." Sie klatschte eine Faust in die Hand. „Damit ich dich später in die Felsen stampfen kann."
„Manchmal, Toph, da machst du mir Angst", grummelte Sokka. Er schlang einen Arm über Aangs Schultern, machte sich auf den Weg zurück wo Appa und Momo ihr Bestes gaben, einen dornigen Busch von seinen Früchten zu erleichtern. „Also, du musst immer daran denken, dass Bumerang immer zurück kommt..."
Kataras Bewegungen nach, schaute sie den beiden nach, dann seufzte sie. „Wir müssen reden."
„Hat das was damit zu tun, dass du Aang nicht drängst Luft-Heilung auszuknobeln?", sagte Toph trocken. Sie tappte ihre Zehen auf den Boden, lud Stiefel ein, bei ihnen beiden abzuhängen, statt Aang zu necken, während ihm scharfe Sachen um die Ohren schwirrten. Mach das später.
„Ich sehe auch nicht, dass du versuchst ihn mit Erde daran arbeiten zu lassen", sagte Katara spitz.
„Für mich ist das nichts." Toph zuckte die Schultern, als sie spürte, wie etwas auf Zehenspitzen hinter Katara heranschlich. Sie glaubte nicht, dass der Geist darauf aus war, Katara stolpern zu lassen, nicht jetzt. Im Tageslicht schien er sich mit Schleichen zu begnügen. Außer Aang tat so, als ob er ihn vergaß, dann wurde Stiefel so aufdringlich wie eine überfütterte Katzen-Eule.
„Ich bin eine Donner-Kämpferin", fuhr Toph fort. „Ich haue Zeugs und es bleibt am Boden. Heilung? Da habe ich keinen Schimmer. Wenn jemand verletzt ist und ich die einzige bin, dann versuche ich es. Aber sonst rufe ich dich. Oder Asiavik." Oder noch besser Funkenfresser. Wenn ich ihn kriege. „Weißt du, was ich denke? Wir sollten einen netten Erdbändiger-Kerl suchen, der Leuten helfen will. Ich kann ihm den Anfang zeigen und dann kann er es austüfteln. Ich weiß nicht, ob ich das je werde. Es gefällt mir einfach zu sehr Leuten eines auf den Deckel zu geben."
„Haru", stieß Katara hervor.
Toph schaukelte überrascht etwas zurück. „Du weißt jemanden?"
„Die Erdbändiger in seinem Dorf wurden alle zu einer Gefängnisbarke der Feuernation gebracht. Er... ist irgendwie wegen mir geschnappt worden", gab Katara zu. „Wir drehten es so, dass Aang es so aussehen lassen konnte, als ob ich ein Erdbändigerin bin und als die Feuernation mich dort hinbrachte, folgten Sokka und Aang uns. Wir haben den Gefangenen Kohle gebracht und sie haben die Soldaten über Bord geworfen." Sie nickte. „Haru ist sanft. Er wurde gefangen weil ich ihn bat jemanden zu helfen. Wenn du es ihm zeigst, kann er das bestimmt."
„Hört sich gut an", sagte Toph erleichtert. Sie schnippte einen Finger und ließ einen Stein über den Boden schlittern und Stiefel sprang darauf. „Eine Barke? Hast du da deine Kette verloren?"
„Ich glaube schon – diese Käfer-Ratte! Hat er dir erzählt, was er damit gemacht hat? Zuerst hat er versucht, mich dazu zu bringen, sie für Aang zu tauschen, dann hat er sie benutzt, damit dieses große Nasen-Spür-Ding mit einer Kopfgeldjägerin ein ganzes Kloster verwüsten konnte..."
„Halt, halt, nur die Ruhe. Ich frag ja nur", beschwichtigte Toph. Zukos Version der Ereignisse war etwas weniger gemein, aber nicht sehr viel weniger. Der Feuerbändiger hatte zugegeben, dass er einen Feind der ganzen Feuernation verfolgte. Bestechung, Kopfgeldjagd, jemanden bis zum Ende der Welt zu hetzen? Zuko war nicht gerade stolz darauf, aber er würde das alles noch mal machen, ohne zu Zögern.
Und... irgendwie stupste das an ihren Ideen, was Zuko als nächstes tun würde. Wenn sie es nur ausknobeln könnte.
„Wie auch immer." Katara stieß ärgerlich den Atem aus, beruhigte sich wieder. „Ich... es... Luftnomaden sind friedlich. Das wissen wir alle."
„Ich weiß, wie Aang ist." Toph zuckte die Achseln. „Und ein paar Sachen, die Iroh und Zuko gesagt haben. Das war es auch schon."
„Es stimmt! Gran-Gran hat uns von ihnen erzählt!"
„Okay", stimmte Toph zu. „Wo ist das Problem?"
Katara sog Luft ein, biss wahrscheinlich auf ihre Lippen. „Warum sollte eine Heilerin ein Schwert tragen?"
Oh. Wow.
„Egal", sagte Katara ungeduldig. „Es ist unwichtig, es muss sehr lange her sein – "
„Vielleicht wollte jemand nicht, dass sie die Guten erreicht", warf Toph ein.
„Aber sie war eine Bändigerin!"
„Nicht jeder hat so viel Chi, mit dem sie um sich werfen können wie Traumtänzer", sagte Toph ernst. „Heilung laugt einen echt aus. Aang auch nur ein bisschen zu heilen – Es gab Turniere, nach denen ich mich besser gefühlt habe."
„Ich weiß, aber..."
Toph wartete, ließ die Stille für sich arbeiten.
„Bändigen ist ein Geschenk der Geister", sagte Katara schließlich. „Wenn wir den Geistern nicht vertrauen, wer sind wir dann? Schau dir nur die Feuernation an! Überall Stahl und Kohle und Wälder niederbrennen und Leuten weh tun – Hah!"
Toph runzelte die Stirn.
„Das ist falsch!"
„Gib mir einen Moment", sagte Toph ungeduldig. „Lass mich nachdenken." Und ihr gefiel nicht, was sie dachte. Schätze mal, ich bin Sokka 'ne Entschuldigung schuldig. Vielleicht mehr als nur eine. „Dein Stamm benutzt Schwerter. Die sind aus Wahlzähnen, aber das sind immer noch scharfe, spitze Dinger."
„Es geht ja nicht anders", sagte Katara sachlich. „Sie sind keine Bändiger."
Muss mich definitiv bei Schlafmütze entschuldigen, beschloss Toph. „Also, sollte Ty Lee wieder dein Bändigen kriegen, da würdest du kein Schwert nehmen?"
„Ich könnte mich nicht mal bewegen!"
Aber Zuko schon. „Kohle brennt", sagte Toph ernst.
„Das hat nichts mit den Geistern zu tun!"
„Vielleicht nicht mit Wasser-Geistern", sagte Toph knapp. „Deine Leute machen alles aus Eis. Sogar Häuser. Warum soll die Feuernation nicht Feuer benutzen dürfen?"
„Die bändigen kein Feuer, um ihre Schiffe und Panzer und Bohrer anzutreiben", wischte Katara das beiseite.
„Dein Papa nutzt auch kein Wasserbändigen um seine Schiffe zu segeln", zeigte Toph auf.
„Du hörst dich so an, als ob du glaubst, das was sie tun ist richtig!" Wasser gluckerte in Kataras Wasserschlauch. „Ist es aber nicht. Das ist nicht fair. Das ist gegen den Willen der Geister. Vergiss Zuko, keiner von denen hat Ehre!"
Vielleicht sollte ich es doch mit Heilung versuchen, dachte Toph säuerlich, während sie einen Stein zu ihr zurück schlittern spürte und wie er stoppte, als Stiefel die Kälte in der Luft spürte. Und wenn ich nur Staub niese, meinem Kopf hilft es vielleicht.
Doch, sie konnte es Katara nicht verübeln, dass sie noch immer auf Zuko sauer war. Der Brief war irgendwie wie von Hagelsteinen von der Größe eines Hauses geplättet zu werden. Keine Vorwarnung und danach konnte man nur die Trümmer auflesen.
… Verdammt Funkenfresser war gut.
Ich wünschte, ich wäre auf Insel Kyoshi dabei gewesen. Hätte sie alle einsacken und Onkel helfen können ihn zu überreden.
Nun, vielleicht. Zuko war so stur wie ein Erdbändiger. Und er war wahrscheinlich um einiges übellauniger. „Wir sind auf festem Boden. Wenn du sauer genug bist, Aang mit Sokka sitzen zu lassen, bin ich direkt hinter dir."
„Ich bin nicht auf Aang wütend!"
Sagt sie, während sie jeden Tropfen Wasser innerhalb von zwanzig Fuß gefrieren lässt, dachte Toph sardonisch.
„...Mama ist ihm egal", hauchte Katara schließlich. „Wie kann ihm das egal sein? Als wir Gyatsos Skelett gefunden haben, da hat er fast alles vom Berg geblasen. Warum..." Sie schlang die Arme um sich, als ob ihr kalt wäre. „Warum versteht er nicht, dass es mir genauso geht?"
„Er hatte keine Mama", erinnerte Toph sie. „Er hatte Lehrer. Er meint wahrscheinlich, dass es dir wegen Pakku so gehen sollte. Nur lebt Pakku noch."
„Pakku?", stotterte Katara.
„Er hat dich gelehrt, oder? So wie du Aang lehrst." Und wurde ihr da nicht irgendwie flau in der Magengrube, fester Boden oder nicht. Katara als Lehrerin, in die Aang verschossen war... sie hatte Zeug wie das in der Arena gehört und das schien nie gut zu laufen.
„Pakku?", wiederholte Katara schockiert.
„Luft." Toph stach einen Finger dort hin, wo Bumerang durch den Wind surrte, dann zeigte sie zu Katara. „Wasser." Sie stupste einen Daumen zu sich. „Erde. Wir sind alle gemeinsam hier, aber wir kommen von verschiedenen Hintergründen. Das ist nicht falsch. Nur so wie es ist. Also müssen wir uns mehr Mühe geben, um zusammenzuarbeiten? Das kriegen wir hin." Sie verschränkte die Arme. „Zuerst gewinnen wir. Danach rücken wir Zeugs gerade."
„Du hörst dich wie Sokka an", seufzte Katara.
„Manchmal ist er ein ziemlich toller Kerl", gab Toph zu. Zu blöd, dass er Suki zuerst getroffen hatte. „Also brauchst du noch jemand für dieses Beruhigungs-Meditations-Zeugs?"
„Ich hatte vor, es mit Aang zu machen..."
„Mach es später mit Aang, wenn du dich schon abgekühlt hast. Dann kannst du es ihm besser zeigen", schlug Toph vor. Wenn Aang es brauchte, da sie die fast unhörbaren Schritte von Stiefel in jene Richtung schleichen spürte. „Bitte? Ich will es spüren. Vielleicht kriege ich dann Meerwasser in den Griff."
„Was hast du mit Meerwasser vor?", fragte Katara misstrauisch.
Toph grinste.
Iroh, Zuko/ Suzuran/ Westlicher See/ Erdkönigreich
„Und noch einmal", sagte Iroh geduldig, Hände gegen Hände gehalten, als er das Innere Feuer seines Neffen anwachsen und abnehmen spürte. Er hörte ein ärgerliches Krächzen, vertraute aber darauf, dass der Rest der Mannschaft und Asahis Vernunft das Straußen-Pferd fernhielten, während sie trainierten. Seine Intuition schien richtig zu sein. Amayas Gezeitensog-Meditation zu modifizieren verschaffte Zuko eine bessere Kontrolle über sein Feuer.
Bedauerlicherweise bedeutete das immer noch nicht viel.
Hätten wir doch nur mehr Zeit, und wenn es auch nur eine Woche wäre, um es besser unter Kontrolle zu bringen.
Aber sie hatten keine Zeit. Iroh atmete tief ein und nickte. „Genug."
Zuko trat zurück. Er schwitzte unter dem Sonnenlicht, das das hintere Deck besprenkelte. Doch vielleicht war es mehr in der Hitze von aufmerksamen Augen, bedachte Iroh, als er etwas amüsiert bemerkte, wie Zuko versuchte die Blicke, die auf ihn ruhten zu vermeiden. Anscheinend hatte sich sein Neffe daran gewöhnt nicht beachtet zu werden.
„Es ist immer noch nicht gut genug, nicht wahr?" Zukos Stimme war leise, nicht so sehr resigniert, als eher eine unangenehme Tatsache hinnehmend.
„Um irgendwo in Azulas Nähe unbemerkt zu bleiben? Nein, das ist es nicht", sagte Iroh direkt. „Doch seid ihr schon zuvor als gewöhnlicher Feuerbändiger durchgegangen. Wir müssen schlicht vorsichtig sein."
Zuko runzelte die Stirn. „Sie hat mich im Palast nicht bemerkt."
„Oh?" Iroh hob neugierig eine Braue. Entweder war Azula ungewöhnlich abgelenkt gewesen, oder... „Bei welcher Entfernung?"
„Vielleicht fünfzehn Fuß."
Iroh blinzelte.
„Gerade nach oben", fügte Zuko hinzu, etwas errötend.
Iroh zwang sich durchzuatmen. Und erinnerte sich daran, dass jetzt nicht der richtige Zeitpunkt war, um seinen viel zu tollkühnen Neffen dafür zusammenzustauchen, dass er die beste von sehr schlechten Optionen gewählt hatte. „Ich möchte sagen, dass das etwas... riskant war."
„Nur, wenn sie hoch geschaut hätte", sagte Zuko verlegen. Er zuckte etwas mit den Achseln. „Das habe ich damals auch gemacht – in der Hauptstadt. Am Anfang hat es nicht immer geklappt."
Die Marinesoldaten, die in Hörweite trainierten, gaben nicht einmal mehr vor, dass sie nicht lauschten, erkannte Iroh halb belustigt. Er konnte es ihnen nicht verübeln. Sich vor jemanden mit der Meisterschaft über das Innere Feuer wie Azula zu verbergen...
„Wie?"
„Er wollte nicht gefunden werden", sagte Sergeant Kyo trocken. „Nicht wahr, Sir?"
„Niemand will, dass meine Schwester ihn findet, Sergeant", gab Zuko ebenso trocken zurück.
„Das habe ich nicht gemeint", sagte der ergrauende Sergeant einfach. „Tun sie es jetzt."
Zuko runzelte die Stirn. Doch er schien sich zu sammeln und atmete aus –
Weg.
Mit hochgezogenen Augenbrauen witterte Iroh nach dem Inneren Feuer seines Neffen. Der junge Mann stand direkt vor ihm. Doch alles, was er witterte, war sein eigenes Feuer, die anderen Bändiger, das Sonnenlicht, das das Deck wärmte –
Sonnenlicht auf dem Deck.
„Ihr habt euer Feuer unter der Wärme um euch verborgen", hauchte Iroh. „Wie?"
„Ich... weiß es nicht", gestand Zuko, währen Asahi herüber stapfte, um gekrault zu werden, sie betrachtete das Training wohl als beendet. „Es ist wie sich im Schatten zu halten. Ihr habt mir doch das Buch gegeben."
„Welches Buch?", fragte Iroh nach. Hätte irgendwer behauptet, dass er wegen der Antwort etwas nervös war, hätte er es abgestritten.
„Nicht gesehen zu werden, heißt unsichtbar zu sein", zitierte Zuko.
Wellen in Mond-Schatten. Iroh hatte das Bedürfnis, die Hände vor das Gesicht zu schlagen. Ja, ein guter Text für ein kleines Kind. Voller Waegu und epischen Seeschlachten und jungen Kriegern, kühn genug um selbst in Drachenhöhlen zu schleichen...
Und Azula hatte seinem Neffen mehr Angst eingejagt, als irgendein Drache.
Sergeant Kyo räusperte sich. „Kein schlechtes Buch für einen jungen Akuma Komainu-ko, meiner Erfahrung nach." Er lächelte schwach. „Jeder, der an Gefreiten Sukekuni und Leutnant Teruko vorbei schleichen kann, während sie nach ihm Ausschau halten, macht etwas richtig."
Teufelslöwenwelpe. Iroh nickte dem Marinesoldaten zu, amüsiert und dankbar. Der verblüffte Gesichtsausdruck seines Neffen ein Mini-Marinesoldat genannt zu werden war unbezahlbar. „Ich hatte immer den Verdacht, dass die Marinesoldaten ein paar Taktiken in Reserve halten", sagte er milde.
„Nun, General, wie es bei uns so schön heißt, was bringt man mit in die Schlacht? Nimm einen Feuerbändiger, einen Schwertkämpfer und alle ihre Freunde mit", sagte der Sergeant trocken. „Es geht um die Einstellung. Man muss zu einem Teil seiner Umgebung werden. Nicht jeder schafft das." Er hob die Schultern, bewusst sachlich. „Außerdem ist das unsere Aufgabe. Wir schleichen rein und jagen dem Feind einen gehörigen Schrecken ein, damit ihr Landratten sie wie ein trockenes Feld niederbrennen könnt." Er betrachtete sie beide, während Leutnant Teruko von einer Besprechung mit Kapitän Jee wieder auf das Deck kam. „Jetzt wo der heimliche Teil etwas wahrscheinlicher ist..."
„Es gibt nicht viel, das Azula Angst macht", sagte Zuko offen, als er an einem fedrigen Hals kratzte. „Die Dai Li folgen ihr und die jagen menschenfressende Kamuiy. Wir können sie überraschen, vielleicht schockieren wir sie sogar. Aber wir werden ihnen keine Angst machen." Er runzelte die Stirn und blickte über das Gewässer des Sees. „Auch wenn wir es spurlos hinein und hinaus schaffen – und, Sergeant, ich habe nie so viel Glück – wird sie uns ein schnelles Schiff nachjagen lassen, oder sie stöbert die Land-Evakuation auf..."
Leutnant Teruko wollte etwas einwerfen. Iroh hob eine Schweigen gebietende Hand.
Finger tief in schwarze Federn vergraben, verzog Zuko das Gesicht. „Wo sind die Fähren?"
„Ich bezweifle, dass noch mehr Flüchtlinge über die Vollmondbucht kommen werden", bemerkte Iroh. „Nicht wenn unsere Armee schon innerhalb von Ba Sing Ses Mauern steht."
„Ja, aber wo sind die Fähren?", sagte sein Neffe ungeduldig. „Die Handelsschiffe, die Fischerflotte – irgendwer sollte so weit draußen sein..." Goldene Augen wurden schmal und Asahi folgte seinem Blick mit trägem Blinzeln. „Leutnant, sie gäben einen guten Piraten ab."
„Sir?", sagte Teruko durch zusammengebissene Zähne.
„Das hat sich in meinem Kopf besser angehört", sagte Zuko schwach. „Ich meinte – "
„Das klappt nicht", sagte Kyo knapp. „Außer sie können uns eine Ahnung geben, wer und was wo im Hafen ist."
Was klappt nicht?, wollte Iroh fragen. Aber er hielt seine Zunge im Zaum. Falls Zuko die Antwort gefunden hatte...
„Doch, das kann ich", sagte Zuko etwas verblüfft. „Sie würden mir nicht glauben, woher ich das weiß, Sergeant, aber... ich kenne das Hafengebiet von Ba Sing Se. Genau so gut wie Amaya." Er schaute Teruko direkt an. „Und wenn wir es unter die Stadt schaffen, denke ich, dass ich uns willige Mannschaften besorgen kann."
Sie zuckte, hatte offensichtlich mit Kopfschmerzen zu kämpfen. „Sir. Sie sind nicht – "
„Niemand sonst kann das schaffen, Leutnant."
„Bedauerlicherweise hat er Recht." Iroh seufzte. „Der Erdkönig wäre von jemand in niederem Rang beleidigt."
„Der Erdkönig, Sir?" Kyo zog eine Augenbraue hoch. „Wird die Prinzessin ihn nicht inzwischen schon haben?"
„Sie würde es geheim halten. Wenn es nach ihr ginge", legte Zuko dar. „Azula ist immer zwanzig Züge voraus. Sie weiß, es ist besser, die Leute rätseln zu lassen. Wenn es nach ihr ginge, wäre Kuei jetzt eine Marionette, die Mauern stünden noch und sie würde jede Erd-Armee in Reichweite beordern lassen, um sie auszulöschen. Aber es geht nicht nach ihr."
„Mein Bruder zieht eine offene Demonstration des Sieges vor, insbesondere, wenn es die Moral des Gegners am tiefsten trifft", stimmte Iroh zu, während er an diese knappe, gereizte und überraschend informative Botschaft zurückdachte, die Suzuran von Master Sergeant Yakume erhalten hatte. Diese Informationen lagen ebenso sehr in der Art wie sie geschrieben war, wie im Text selbst. Der Wortlaut war kaum zivil, doch die Worte selbst waren so formell wie die eines erfahrenen Offiziers, der... nun, einem General Bericht erstattete.
Yakume weiß, dass ich auf diesem Schiff bin. Doch ich glaube, er hat es Azula verschwiegen.
Zumindest als diese Botschaft geschickt worden war. Yakume war ein ehrenhafter Mann, doch Zukos Schwester konnte viel zu überzeugend sein.
Um unser beider Willen, hoffe ich es.
Iroh missfiel es, Pläne auf Hoffnung zu gründen. Doch, was auch immer Yakume Preis geben mochte, auf keinen Fall würde Azula annehmen, dass ihr Bruder überlebt hatte.
„Wenn Azula den Erdkönig nicht gefangen genommen hat, versteckt er sich", fuhr Zuko fort, während Asahi sich an ihn schmiegte. „Und wenn er sich versteckt, dann gibt es nicht viele Leute, die das können. Entweder ist er bei unseren Leuten, oder sie wissen, wie man ihn findet."
„Und wenn der Erdkönig sich nicht überzeugen lässt, Sir?", warf Teruko direkt ein.
Zuko lächelte dünn. „Dann fragen wir die Kapitäne, mit wem sie es riskieren wollen. Wenn wir weit genug von der Stadt weg sind, werden wir sie gehen lassen."
Azula lässt sie niemals gehen, hing wie Rauch in der Luft.
Teruko warf einen subtilen Blick zu ihrem Sergeanten. Dieser nickte kaum merklich.
„Na schön, reden wir mit dem Kapitän darüber", beschloss Teruko. „Es könnte klappen, Sir. Aber wir werden alle Details über diesen Hafen brauchen, die wir aus ihrem Kopf holen können. Und aus ihrem, Sir", fügte sie mit einem Blick zu Iroh zu. „Ich weiß, dass sie den Hafen in ihren Belagerungsplänen in Betracht gezogen haben müssen."
Das hatte er tatsächlich. Jedoch hatte er ihn nie gesehen, bis zu jenem Tag auf der Fähre. „Wir stehen zu ihrer Verfügung, Leutnant." Er konnte nicht anders als zu lächeln.
„Onkel?", sagte Zuko misstrauisch. Ein ebenso argwöhnischer Schnabel fuhr plötzlich herum und blitzte in Irohs Richtung.
Iroh schmunzelte. „Wenn wir uns tatsächlich Avatar Kyoshis Erlass widersetzen, sollten wir es gründlich machen." Er grinste. „Waegu, oh ja."
Saoluan, Langxue/ Wellenläufer/ Großer Nebelsumpf
„Die sehen zu gut aus, um Piraten zu sein", sagte Saoluan nachdenklich, als sie an der Reling der Wellenläufer kauerte und über Brackwasser zu der schnittigen rot-schwarzen Takelage des schnellen kleinen Schiffes hinüber spähte, das zwischen Eichen-Mangroven vor Anker lag. Stahl, ganz und gar Feuernation dem Schornstein nach... und doch ankerte es zwischen den eigenartigen kleinen Holz- und Lederbooten, die diese Flussmündung durchquerten, wie ein zusammengerollter Unagi, der grinsend beobachtete, wie die Fischerflotte vorbei segelte.
Den Ellbogen spürte sie sogar durch die Rüstung. „Als ob Leute, die einem die Kehle durchschneiden wollen, nich' ordentlich aussehen können?", zischte Langxue.
„Na gut, manchmal", gab sie zu und wendete ihren Blich zu dem flachen Sumpfboot, das mit dem merkwürdigsten Wasserbändigen auf sie zuschoss, das sie je gesehen hatte und Gischt stob wie Stromschnellen dahinter auf. Sie schüttelte den Kopf und beäugte den untersetzten, grinsenden Mann, der überwachte, wie eine Strickleiter herab gelassen wurde. Mi, ihr guter Kapitän. Sie hatte momentan keine hohe Meinung von Mi.
„Wir segeln direkt nach Omashu", hat er gesagt. Bei den Zahnstochern des Unagi, klar doch.
Doch Saoluan lächelte und holte tief Luft, gerade als einer der freundlicheren Seemänner vorbei kam. Ein aufgeklappter Mund und Gestotter folgte und heißer Teer drohte aus einem Eimer zu schwappen, ehe Langxue dagegen schob um es auszugleichen.
„Hey, Shu", schnurrte Saoluan. „Wer sind die ganzen Leute da?"
„Äh..."
Langxue funkelte den Mann an und eine Handvoll Wasser knisterte zu spitzigen Eis.
Saoluan unterdrückte ein Kichern, als Shu sich hastig zusammenriss. Seemänner waren doch überall gleich. Die meisten hatten Probleme mit den Ohren. Das Wort 'Nein' zum Beispiel. Auch wenn Nein mit der sehr deutlichen Demonstration eines ausgerenkten Handgelenks begleitet wurde. Allerdings keine gebrochenen Handgelenke, bedauerlicherweise. Sie hatte zwar für die Passage bezahlt, aber ein Kapitän, der flexibel genug war, was Gesetz und Sitte anging, um ihr zu helfen einen verwaisten Wasserbändiger fort zu schmuggeln, würde nicht gerade viele Tränen vergießen, sollte seine verärgerte Mannschaft sie beide über Bord werfen. Widerling.
Spickte man Seemänner allerdings mit Eis, funktionierten ihre Ohren plötzlich ausgezeichnet. Vielleicht von dem Wissen aufgerüttelt, dass Langxue eben ein Wasserbändiger war und sie über Bord zu werfen das Letzte war, was man tun sollte.
„Naja", setzte Shu an, „wir sin' am Rand vom Nebelsumpf – Ich weiß, es is' 'n bisschen überraschend, aber hier gibt's Wasserbändiger..."
„Die Leute von der Feuernation", sagte Langxue scharf.
„Oh! Genau. Äh..." Shu schwitzte. Vielleicht war es wegen der Hitze. „Macht euch keine Sorgen wegen denen."
„Über Leute von der Feuernation?", hakte Saoluan nach.
„Ja, naja... schaut mal, die Flagge?"
Sie sah zwei Flaggen. Die schwarze Flamme der Feuernation, klar und makellos – und präzise darunter war eine um ein Viertel kleinere Flagge gehisst, mit einem Berg auf einem vom Sonnenuntergang beschatteten Feld. „Warum hat ein Schiff der Feuermarine zwei Flaggen?", sagte Saoluan direkt.
„Es is' kein Marineschiff", sagte Shu unruhig. „Das is' 'ne Flagge von 'ner Domäne. Schaut, das is' Byakko. Sagt's nich' weiter, aber... die sin' nich' so übel. Auch wenn sie irgendwie... komisch sin'." Seine Stimme senkte sich zu einem vertraulichen Flüstern. „Die essen Käfer."
Saoluans Mund klappte auf. Jedoch nicht aus dem Grund, den sich Shu wohl dachte. Insel Kyoshi hatte ein paar eigenartige Gewohnheiten von ihren Wasserbändiger-Verwandten übernommen, was noch dadurch verstärkt wurde, dass sie auf einer Insel lebten. Wollte man fleischige, fettige, schmackhafte Leckerbissen, die nicht aus Hühner-Hasen waren? Es gab Möglichkeiten. Die Ältesten hatten dem Avatar wahrscheinlich erzählt, dass es Flussgarnelen waren. Falls sie überhaupt so was angeboten hatten. Luftnomaden waren anscheinend Vegetarier.
Essen. Richtiges Essen, das kein getrocknetes Hammel-Bockfleisch war, oder gesalzter Fisch. Vom plötzlichen Glitzern in Langxues Augen war er genauso versucht wie sie, über Bord zu springen und eine Vorratskammer der Feuernation zu plündern.
Nicht, dass sie es zugeben würde. Leute vom Kontinent hatten ein paar unschöne Sachen über Essen zu sagen, das sich krümmte und wand.
Jammerlappen.
„Euer Schamane will was?", plusterte Mi.
Der stämmige Sumpfbewohner in Blätter, Leder und Bambus stieß ein übertriebenes Seufzen aus. „Wie oft müssen mir's noch sag'n? Hue is' kei' Schamane. Er sicht nur was echt is... Wahh, gruselig. Da sin' se ja." Er stapfte über das Deck, duckte den Kopf und berührte seinen Blatthut. „Gnä' Frau. Junger Herr. Der Mond, die Gute, hat mol bei Hue vorbeig'schaut. Hat g'sacht, ihr kummt välleicht in unner Richtung und könnt' a weng Hilfe brauch'n. Wenn die Gezeiten richtich g'laufn sin'."
„Vorbeigeschaut?", wiederholte Saoluan schwach.
„Sie hat auf'm Baum g'schiena, gnä' Frau." Er warf ihr ein schiefes Lächeln zu. „Da is' er a bisschen eigen, unner Hue."
Er trug in etwa so viel am Leib, wie sie, wenn sie im Sommer an den Strand ging. Und das in der Öffentlichkeit. Und er hielt jemand anderes für eigenartig?
„Also, na... ich bin dä Tho", sagte er ernst. „Der do is' Due, da unt'n im Boot. Der wart' auf uns. Un' wer seid ihr?"
„Sie ist Kyoshi Kriegerin Saoluan", sagte Langxue fest. „Ich bin Langxue. Warum will der Mond, dass ihr irgendwas macht? Wir sind schon auf einem Schiff. Wir müssen nach Norden, und zwar schnell."
„Schnell, was?" Tho warf Kapitän Mi einen abschätzenden Blick zu. Der lächelte so ölig, dass es Saoluan nach einer Seife verlangte. Oder einer Fackel. „Naja. Könnt' välleicht sei', das ihr's dem Kapitän net so recht däfo überzeucht habt, wie ernst es euch is'."
„Meine Männer brauchen eine Pause", sagte Mi schlicht. „Wir müssen Spalten abdichten. Frischwasser aufnehmen. Ein wenig ausruhen." Er grinste sie an. „Natürlich, wenn wir etwas Anreiz hätten, uns schneller auf den Weg zu machen..."
Ich hasse ihn wirklich sehr, entschied Saoluan und packte verstohlen Langxues Schulter, ehe der kleine Yaoren sein Schwert ziehen konnte. „Na, wenn ihr alle so beschäftigt seid", zirpte sie, „machen wir uns für den Tag davon! Das ist doch für alle am Besten, nicht wahr?"
Guanyin sei Dank, dass er nicht drängte. Noch nicht.
Saoluan stieg hinter Langxue in das kleine Boot und atmete tief ein, um sich zu beruhigen. Sie schaffte es gerade so nicht aufzuschreien, als das Boot, von Dues wie Windmühlen rudernden Armen angetrieben, wie ein Blitz davon schoss.
„Fantastisch!"
Saoluan sah, wie Langxue sich irre grinsend in die Brise lehnte und unterdrückte ihre Panik. Das hier war nicht der Yaoren, oder gar der kleine Krieger, der sich alles, was sie ihn lehrte, zu Herzen nahm. Das hier war der Junge, der auf dem Boot seiner Familie hätte aufwachsen sollen, glücklich in Wind und Wasser und Salz.
Gönn' ihm den Spaß, sagte sich Saoluan, als Due sein kicherndes Lachen erklingen ließ und mit einem Slalom durchs Wasser für den anderen Wasserbändiger etwas angab. Die Geister wissen, wir können alle etwas Spaß vertragen.
Sie zischten durch den kleinen Irrgarten aus schwimmenden Docks und von Salz getüpfelten Bäumen und glitten innerhalb von Minuten aus der Sicht der Wellenläufer. Sie rauschten umher, um eine ganze Menge wie Regenbogen glitzernde Gischt aufzuwühlen, bis Tho und Due sich zunickten und Due in ein fast ruhiges Gleiten wechselte.
Sie glitten zum Dock direkt bei dem Schiff von Byakko und immer noch außerhalb des Blickfelds der Wellenläufer. Warum war sie nicht überrascht?
Aber sie gingen nicht an Bord und das überraschte sie schon. Stattdessen half Tho ihnen aufs Dock, stritt mit einem, der sein Cousin sein konnte, als die zwei Sumpfbewohner festmachten und setzte sich zu Due ins Boot um zu warten. Höflich. Etwas entfernt. Mit viel Geplansche, als die zwei ein Netz hervorholten um ein paar Fische zu fangen, die unter dem Dock schwammen.
Hätte sie nicht in Richtung des Schiffs der Feuernation Ausschau gehalten, hätte sie den Adeligen nicht kommen sehen.
Er war alt, dem vollen, schneeweißen Haar nach, das in einen altmodischen Phönixschwanz gebunden war. Er war nicht groß, selbst für jemanden aus der Feuernation – sie schätzte ihn etwa zwei Zoll kleiner als sie selbst ein. Doch er kam mit einem fließenden Schritt, ein Katana und ein Wakizashi waren mit stillen Selbstvertrauen durch den Gürtel gesteckt...
Mit diesem Mann möchte ich keinen Kampf anfangen.
Seltsamerweise dachte sie nicht, dass das nötig sein würde. Dieser lange, weiße Bart, der Schnurrhaaren ähnelte, zuckte in etwas, das nach Erleichterung aussah und seine Augen –
Solche Augen habe ich noch nie gesehen.
Blasses Gold, das sie bis auf die Knochen durchbohrte. Aber sie schimmerten auch mit Humor, nicht nur Feuer, warm und tief wie das Wasser im Sommer.
Saoluan stieß erleichtert den Atem aus. Wer er auch war, er war besser als sie, und sie beide wussten es. Und er hatte keine Absicht, etwas anzufangen.
Geister. Sie brach fast in Tränen aus. Wir sind in Sicherheit. Wir sind endlich – Was denke ich da eigentlich? Er ist von der Feuernation...
Er hatte die eigenartigste Kleidung an, die sie je gesehen hatte. Oh, die Robe war nicht zu fremdartig. Sie war mit einem Gürtel umwickelt, der diese Schwerter hielt, doch die Schnallen an der rechten Schulter und den für freie Bewegung geschlitzten Seiten, erinnerte sie an Zeug, das sie an Händlern vom Rand des Erdkönigreichs gesehen hatte. Aber darüber trug er eine eigenartige, langärmlige äußere... nicht ganz eine Robe, aber sie schien nur durch eine Schnur vorne zugebunden zu sein. Es war ein Fluss aus tiefroter Seide, mit schwarzen Dreiecken, die die Ärmel wie Berge oder Flammen säumten –
Nicht schwarz, erkannte Saoluan, als Sonnenlicht Indigo aufblitzen ließ. Das ist sehr, sehr dunkles Blau.
Warum trägt ein Adeliger der Feuernation Farben des Wassers?
Und warum starrte Langxue ihn an, als ob er sich nicht entscheiden konnte, ob er den Mann umarmen, oder hier und jetzt niederschlagen sollte? „Kannst du's nicht noch offensichtlicher machen?", forderte Langxue ihn heraus.
Eine weiße Braue zuckte hoch. „Ich bin also offensichtlich?" Humor lag in Bariton, ohne auch nur den Hauch des Alters.
„Du schwitzt ja noch nich' mal!"
Saoluan blinzelte, als sie die schwülheiße Luft des Sumpfes einatmete. Wieso hatte sie das übersehen? Sie selbst schwitzte, Langxues Haare waren durchnässte Stoppeln... und der Adelige wirkte, als ob es ein angenehmer, sanfter Frühlingstag wäre.
„Ich bin alt genug, um zu tun was ich möchte, junger Mann", sagte der Ältere trocken. „Und jene aus Byakko sind dafür bekannt, altmodisch zu sein. Wer bin ich schon, dass ich die althergebrachten Sitten missachten könnte?"
Diese Aussage war verdreht genug, dass Saoluans Augen schmal wurden. Da war eine eigenartige Pause vor Sitten in seiner Stimme gewesen, als ob er etwas Wichtiges ausließ.
„Menschliche Sitten", sagte Langxue flach.
Saoluans Augen weiteten sich. Oh nein. Oh Hölle. Oma und Shu, wie hole ich uns hier raus –
„Ist in Ordnung!" Langxue packte ihre linke Hand, ehe sie sich bewegen konnte, sein Blick hielt immer noch den Adeligen. „Er ist hier um zu helfen." Er zögerte. „Glaube ich wenigstens."
„Bist du dir da sicher?", sagte der Ältere ruhig.
„Wärst du ein Dunkler Drache, dann hätte Tui nich' Hue gebeten, dafür zu sorgen, dass wir uns treffen", sagte Langxue fest.
Ein dunkler Drache?, fragte sich Saoluan. Die Drachen sind tot.
„Sei dir nicht zu sicher", kam eine grollende Erwiderung. „Deine Lady kann grausam sein, wenn es ihren Zielen dient." Er drückte gegen die Brücke seiner Nase und stieß einen langen Seufzer aus, etwas Rauch kräuselte von seinen Lippen. „Doch was getan ist, ist getan und mein Enkel wird deine Hilfe brauchen. So wie ich weiß, dass du die seine brauchst." Er verbeugte sich, die Hände zur Flamme geformt. „Ich bin Shidan von Byakko. Und ja, Kriegerin, ich bin hier um zu helfen. So sehr es mich auch ärgert. Ich habe Pläne genährt, um jene, aus meiner Domäne zu schützen, länger als ihr euch vorstellen könnt und sie mit einem Würfelwurf der Geister über den Haufen geworfen zu sehen..." Ein weiterer Seufzer, doch Humor glitzerte wieder in blassgoldenen Augen. „Wir aus Fleisch planen und jene aus Geist handeln, und wir alle müssen den Sturm reiten. Und beten."
„Könnte mir irgendwer sagen, was hier eigentlich los is'?" Saoluan funkelte sie beide wütend an.
„Du setzt dich besser", riet Langxue.
„Ich werd' mich nicht setzen!", schäumte Saoluan. „Wenn's hier darum geht mir Angst zu machen, dann vergiss es! Dazu ist es schon zu spät. Das da ist ein Adeliger der Feuernation, der sagt, der Mond hat ihn geschickt. Kommt dir das nich' etwas verkehrt vor?"
„Er ist ein Drache, Saoluan."
Glotzend setzte sich Saoluan auf schwankendes Holz.
Shidan faltete sich anmutig herab auf den Boden, die Schwertscheiden wurden aus dem Gürtel gezogen und ruhten an seiner Schulter. „Kein Gebrüll, Kriegerin? Entweder glaubst du es nicht, oder du bist mit einem mutigeren Herz gesegnet, als ich erhofft hatte."
„Es ist nicht... dass ich's nicht glaube", brachte Saoluan heraus, immer noch starrend. „Aber... Feuerlord Sozin hat die Drachen gejagt. Sie sind tot."
„Das hat er, wohl wahr, und so glauben es alle", sagte Shidan ernst. „Jene von uns, die es überlebten, unternahmen große Anstrengungen, um sicherzustellen, dass das Gerücht als Wahrheit gilt." Er beäugte Langxue wieder. „Und das ist ein weiterer Grund, weshalb ich nicht erfreut bin, was deine Lady angeht." Ein langsamer Atemzug und er schüttelte den Kopf. „Aber wir haben gemeinsame Feinde und keiner von uns hat Zeit für verletzten Stolz."
„Welche Feinde?", sprang Saoluan darauf, froh wieder auf festerem Boden zu sein. Im übertragenen Sinn. Feinde konnte man töten.
… Nun, die meisten zumindest. Mit Koh war es was anderes.
Konzentration. „Die einzigen Feinde, die wir haben, ist die Feuernation", fuhr Saoluan fort und machte sich nicht die Mühe ihr Misstrauen zu verbergen. „Also, wenn du nich' gerade vor hast uns zu helfen es mit ihnen aufzunehmen – "
„Ich hoffe, dass es nicht so weit kommt", sagte Shidan ernst. „Aber wahr, es könnte dazu kommen. Doch ich fürchte, Makoto wird uns zuerst finden."
Langxue straffte sich.
Saoluan verbarg ein Schaudern. „Jemand an den... du dich erinnerst?" Nein. Unmöglich. Das ist eintausend Jahre her, keiner kann –
„Drachen leben sehr, sehr lange", hauchte Langxue. Er warf Shidan einen Blick zu, Zorn und Verzweiflung mischten sich. „Geister, warum hat sie noch keiner erledigt?"
„Viele sind bei dem Versuch umgekommen", sagte Shidan trocken. „Jene meines Klans sagen, dass sie einst in die Ecke gedrängt wurde, bevor Kyoshi kam..." Er seufzte. „Und vor einem Jahrhundert fand sie eine weitere Möglichkeit, Herausforderungen auszuweichen. Du kanntest sie als Makoto, vor langer Zeit. Aber in der Feuernation war sie Feuerlady Tejina. Ehefrau von Sozin und Mutter von Azulon."
Vater von Feuerlord Ozai. Saoluan schluckte trocken. Der Feuerlord ist kein Mensch. „Azulon ist tot."
„Ja. Gemeuchelt in den Mauern seines eigenen Palastes", sagte Shidan mit grimmiger Befriedigung. „Makoto hat meinen Verwandten nie dafür verziehen. Und das wird sie nicht. Niemals. Doch selbst wenn wir ihr gleichgültig wären – und sie hat sehr gute Gründe, ihre Ränke gegen uns zu wenden, junge Krieger – erinnert auch sie sich an die Yaoren. Besser als du es kannst, junger Freund, egal wie sehr Tui sich eingemischt hat. Viel besser als ich, der noch nicht einmal geschlüpft war, als der letzte Yaoren auf dieser Erde wandelte. Sie weiß, dass du ihr Feind bist. Sie weiß, dass du gegen sie handeln wirst." Er runzelte die Stirn. „Ich habe die Spur meines Enkels verhehlt. Unser Blut ist Welle, ebenso wie Berg; es kann selbst den Sog des Mondes verbergen, wenn sie nicht nah ist. Doch du, junger Freund..." Goldene Augen blickten ihn direkt an. „Koh wird jetzt schon von dir wissen. Und er wird einen Weg finden um zu handeln. Makoto war schon zuvor seine Verbündete. Ich zweifle nicht, dass sie es wieder sein wird."
„Und du bist nich' stark genug, um sie aufzuhalten", sagte Langxue leise.
Saoluan zuckte. Oh, das war zu viel. Jetzt haben wir gleich Blut und abgerissene Körperteile und noch mehr unschönes –
„Wahr", gestand Shidan ein, offensichtlich unzufrieden es anerkennen zu müssen. „Meine Herrin und ich haben Makotos verfluchte Schnauze aus unserem Territorium fern gehalten. Wie meine Eltern vor mir und deren vor ihnen. Byakko ist sicher. Doch das ist List und Tücke. Sollte es zu einer Schlacht von Kraft und Feuer kommen... Sie ist alt, kleiner Yaoren. Alt und hasserfüllt und bösartig. Und ihr Geliebter ist seit vielen Jahrzehnten tot. Sie ist Schwingen und Klauen und Flamme. Und ich..." Er neigte seinen Kopf eine Winzigkeit, ein Halblächeln. „Ich bin, was ihr seht."
„Aber – du bist'n Drache", brachte Saoluan heraus. Denn es war unmöglich, es konnte nicht anders sein – aber Langxue glaubte es.
„Eine Nacht oder eine Lebenszeit", murmelte Langxue. „Ich weiß nicht... ich sollte es wissen, aber ich..."
„Agnis Gaben haben immer ihren Preis." Shidan nickte. „Wie ich sagte. So lange meine Herrin lebt... bin ich das, was ihr seht." Zähne blitzten in seinem Lächeln. „Doch ist das nicht gering zu schätzen. Und ich werde euch unterstützen. Meine Herrin zöge es vor, wenn ich in in einem Stück zurückkehre – doch für unseren Enkel wird sie verstehen, wenn ich Risiken eingehen muss. Später wird sie euch wahrscheinlich für die Notwendigkeit danken. Egal ob ich dieses Schicksal gewählt habe oder nicht, werde ich doch unruhig, wenn ich zu lange in Sitten und Zivilisiertheit gefangen bin. Und jetzt bietet ihr mir eine Chance ein paar Sterbliche zu bedrohen und der Schwester meines wahren Lords zu helfen?" Ein Fangzahn blitzte unter einer hochgezogenen Lippe. „Wie könnte ich das ablehnen?"
„Wir haben dir nichts angeboten", sagte Saoluan direkt.
„Nein", stimmte Shidan zu. „Noch nicht." Er betrachtete sie beide. „Kriegerin. Ich biete Unterstützung an. Ich biete Hilfe an – ich kann deine Wunde nicht heilen, junger Yaoren, doch ich kann dir Zeit erkaufen. Und was Zeit angeht..." Er machte eine Geste zu seinem Schiff. „Nami no Kizu ist schneller als jedes Gefährt, das ihr anheuern könnt. Und der Gemahl eines Großen Namen kann viele Barrieren durchschreiten. Selbst jene aus Stahl und Feuer."
„Er kann uns an Feuernation-Blockaden vorbei bringen", flüsterte Langxue.
„Wenn er das will", warf Saoluan zurück, ohne sich die Mühe zu machen, ihre Stimme zu senken. „Falls das nich' irgendeine verrückte Falle der Feuernation ist – wieso bist du überhaupt hier, wenn wir dich so sehr brauchen? Und sag mir nicht Geister oder Glück. Ich habe kein Glück mehr." Nur noch Pech.
„Dann hast du viel mit meinem Enkel gemein", sagte Shidan trocken. „Und du kannst den Geistern nur zum Teil die Schuld hierfür geben. Ich mag das sein, was ihr seht, doch bin ich noch Geist genug, um die Feuer meiner Verwandten zu wittern und die meiner Kinder. Und vor etwas mehr als einem Mond... spürte ich, wie Tui meinen Enkel ertränkte."
Langxue zuckte. „Sie hat's auf die harte Tour gemacht."
„Wohl wahr." Shidan nickte. „Ich wusste, dass er nicht tot war, doch..." Er seufzte. „Dies ist nicht das erste Mal, dass ich witterte, wie Agni erwog eines meiner Kinder mit seiner Schwester zu teilen. Vor Jahrzehnten durchkämmte ich die Welt nach Geistheilern und fand... nun. Gut oder schlecht, jener Feuerbändiger wurde nicht erwählt. Doch ich fürchtete sehr um meinen Enkel. Es brauchte Zeit um meine Abwesenheit von Byakko vorzubereiten und als meine Herrin und ich es fast geschafft hatten – spürte ich, wie er geheilt wurde." Er hob die Achseln. „Bedachte man die Gefahr, die von Makoto ausgeht, beschlossen Kotone und ich, dass ich trotzdem gehen würde. Aber etwas ruhiger und langsamer. Jene, die Byakko kennen, wissen, dass wir mit dem Nebelsumpf handeln. Und jene die glauben, dass sie uns kennen, wissen, dass wir Informationen über den Krieg sammeln und in den Nachwehen der Ereignisse am Nordpol auf die Jagd gehen." Er neigte den Kopf. „Und so bin ich hier."
Saoluan war normalerweise gut darin, Menschen zu durchschauen. Doch Shidan hatte zugegeben, dass er nicht gerade ein Mensch war und selbst wenn er ehrlich klang... „Ich traue dir nich'."
„Saoluan!", zischte Langxue.
„Lass sie sprechen", sagte Shidan streng. „Meine Art zieht die harschesten Wahrheiten einer Lüge vor." Er neigte den Kopf. „Und wie sollte ich beleidigt sein? Ich habe euch keinen Grund gegeben, den ihr fassen könnt. Nur meine Worte. Dass ich euch nicht anlügen werde – ihr kennt meine Art nicht. Ihr könnt nicht wissen, dass es wahr ist."
Saoluans Mund klappte auf, ehe sie ihn auffangen konnte. Feuer attackierte. Immer. Und er hatte gerade ihren Angriff zur Seite gleiten lassen... „Ihr lügt nicht? Warum trägst du dann blau?"
„Eine Sitte von Byakko." Fingernägel brachen einen Splitter aus dem Deck und er hauchte eine Flamme hinein. Dann lockte er sie.
Flamme wogte in einem knisternden Strom, floss um seine Hände als er sich erhob und bewegt. Wie flüssiger Bernstein wand es sich in Spiralen und züngelte täuschend langsam. Niemals still, ewig veränderlich...
„Wellenklan", stieß Langxue heraus. „Eure Flagge ist ein Berg – aber ihr seid'n Wellenklan."
„Wir sind beides", bestätigte Shidan, als er die Flamme zu dem Splitter zurück fließen ließ und sie ausblies. „Doch das Herz der Welle müssen wir vor allen verbergen, außer einigen wenigen. Denn die Macht der Heilung erlaubt es jenen von wahrer Loyalität sich dem Feuerlord zu verweigern. Und Sozin hat niemanden, der gegen ihn stand, überleben lassen."
„Feuer das heilt?", sagte Saoluan ungläubig. „Feuer kann nicht heilen!"
„Doch, kann es", sagte Langxue ernst. „Alle Wellenklans sind Heiler." Meergrüne Augen wurden schmal. „Also erzähl uns was besseres, denn auf keinen Fall hat Sozin sein halbes Volk umbringen können..." Seine Stimme verebbte und er erbleichte plötzlich. Er schlug eine Hand über den Mund und keuchte rau.
Saoluan fühlte sich, als ob sie ihr armseliges Frühstück auskotzen könnte. Die ganzen alten Geschichten. Die alten Witze über Kyoshi und die Waegu...
„Du traust mir nicht, Kriegerin von Kyoshi?" Shidans Stimme war Seide über Stahl. „Ich habe keinen Grund dir zu trauen. Außer, dass wir die gleichen Verbündeten haben... und wir haben gewiss einen gemeinsamen Feind." Er nickte einmal. „Ich biete euch eine zeitweilige Allianz. Sollten wir beschließen gemeinsam zu reisen, werde ich euch verteidigen und ich erwarte das gleiche von euch. In Grenzen." Er runzelte seine Stirn in Langxues Richtung. „Ich weiß, welche Wunde du trägst und ich werde nicht verlangen, dass du sie verschlimmerst. Die Welt braucht dich lebendig." Er blickte hinab. „Und das beschämt mich. Du bist jung. Kaum flügge. Ich sollte dich ins Nest zurück stopfen und den Kampf aufnehmen..." Er seufzte. „Doch die Welt ist nicht so gnädig."
Schweigen herrschte. Saoluan schluckte und beäugte Langxue. „Zeitweilige Allianz?"
„Ich hasse dich, aber wir beide hassen den anderen Kerl mehr", erklärte Langxue knapp. „Also begraben wir das Kriegsbeil und treten ihm zuerst in den Arsch."
Saoluan hob eine Augenbraue und sah sie beide an. „Also... du hast einen guten Grund nach Norden zu reisen?"
„Wohl wahr." Shidan grinste. „Ich bringe meinem Klan die segensreiche Kunde einer Enkeltochter. Jene in Feste Pohuai sind nicht so eng verwandt, wie manche hier... doch sie werden erleichtert sein, dass die Erblinie der Domäne sicher ist."
Verwandte. „Hier im Sumpf gibt es Drachen?", kam es aus Saoluan herausgepurzelt.
Shidan schmunzelte. „Nicht ganz."
Und wenn das Grinsen nicht Ich habe ein Geheimnis hieß, würde sie ihre Lotus-Ziegel fressen. „Feste Pohuai, was?", überlegte Saoluan. „Wow. Das liegt ja ganz zufällig auf dem Weg nach Gaipan."
„Durch eine Fügung des Schicksal ist es so, ja." Shidan lächelte trocken.
Sie stählte sich und fasste seinen Arm in einem Kriegergruß. „Also, worauf warten wir noch?"
Autor-Notizen: Falls ihr euch fragt, was mit Feuerbändigern und Stammbäumen los ist, abgesehen von dem Versuch, nicht zu viel Drachenblut zu haben, kann der interessierte Leser auf der Wikipedia über menschliche mitochondrische Gene nachlesen. Ganz besonders die Fakten dass die mtDNA die von der Mutter an die Kinder weitergegeben wird, sich sehr unterscheiden kann und unterschiedliche Effekte haben, je nachdem was für eine DNA im Zellkern vorhanden ist. Vermischt man zwei Spezies (und ihre Mitochondrien), selbst wenn sich die Geister einmischen, ist nichts was immer gute Ergebnisse haben wird. Bedenkt man, dass die Feuernation keine Gentests kennt, um herauszufinden, was das Problem ist, gehen sie nach einer groben Pi-mal-Daumen Regel: die Nachkommen von Schwestern dürfen nicht heiraten. Und auch damit fängt man nicht alles ab.
Und ja, theoretisch gesprochen, wäre mit Mai und Zuko alles in Ordnung. Aber das wissen die zwei nicht. Zudem, sie wissen, dass Azula sich eingemischt hat. Anzunehmen, dass alles, womit Azula etwas zu tun hat, einem ordentlich in den Arsch treten wird ist ein Überlebensinstinkt.
„Drachenkind" muss nicht unbedingt einen direkten Abkömmling eines Drachen bezeichnen. Es kann jeden benennen, der genug Eigenschaften zeigt, um zu erkennen, dass viele Drachen in ihrem Stammbaum sind. Und es kann Generationen überspringen. (Teruko kommt jedoch von einer langen, langen Linie von Tavernen-Brandstiftern...)
Akuma-komainu-ko – grob gesagt „Teufel Stein Löwe (oder Löwen-Hund) Welpe". Die Steinlöwen sind steinerne Wächter außerhalb der Tempel.
Shidans Outfit – nehmt euch Piandaos Robe, mit einem Gürtel und einem Haori drüber. Ja, die „Bergstreifen" wurden von Shinsengumi inspiriert (Weiß irgendwer, was Piandaos Outfit offiziell genannt wird? So weit ich weiß, ist es entweder eine Art von Changshan oder Manchu-typische Robe, aber ich kann keine positive ID auftreiben)
Für alle, die sich fragen – macht euch wegen Sokka und Suki keine Sorgen. Die zwei, im Kanon, verstehen einander gut genug, um zu wissen, dass sie kulturelle Unterschiede ausarbeiten müssen. Ich glaube, das ist die plausibelste, geerdete, funktionierende Beziehung in der ganzen Show. (Und eine der niedlichsten. Sokkas ehrfürchtiger Blick, als Suki auf den Wärter in Brodelnder Fels losgeht... das ist ein Kerl, der sicher genug als Krieger ist um sie zu schätzen!)
Und ein Reviewer hat mich auf die TVTropes-Seite über Embers aufmerksam gemacht.
...Ihr Leute seid einfach großartig. (Ja, sogar die, die glauben, dass ich Zuko zu sehr mag. Und dass ich alles falsch gemacht habe. Diese Seite ist cool!)
Übersetzer-Notizen: Wisst ihr, ich weiß ja, dass in der Show überall die gleiche Sprache gesprochen wird und für eine Fernsehserie ist das ja auch nur vernünftig – wäre ja auch schwierig das anders darzustellen. Allerdings gibt es in der Realität selbst im Verbreitungsgebiet einer Sprache Dialekte oder Soziolekte (Sprachform die von einer bestimmten gesellschaftlichen Gruppe gesprochen wird).
Da Vathara Embers mit einer kräftigen Dosis von Konsequenzen und Realismus gewürzt hat, fände ich es nicht unangebracht, auch ein paar Dialektformen einzubringen. Natürlich wird das den Verlauf der Geschichte nicht weiter beeinflussen und auch nicht sehr oft auftreten – ich meine, Insel Kyoshi und der Nebelsumpf sind die einzigen zwei Gebiete die zum Erdkönigreich gehören, die isoliert genug sind, dass sich dort ein eigener starker Dialekt entwickeln kann. Das ist auch der Grund, weshalb der Seemann auf der Wellenläufer und Tho plötzlich etwas anders reden und auch Saoluan und Langxue einen leichten Dialekt haben.
