Kapitel 19a

Freitag, 9. August 2002
Nach der Jagd bis nach dem Mittagessen

Harry und Draco nahmen sich ein Beispiel an Severus und galoppierten miteinander über die Felder, bis es Zeit zum Umkehren war. Sie ritten schweigend, aber das Schweigen war nicht unangenehm. Harry betrachtete Dracos feine Gesichtszüge; sie tauschten verstohlene Blicke aus und fühlten das Verständnis zwischen sich wie einen tiefen, ruhigen See. In der Tiefe gab es Wonnen, so glaubte er, aber es war nicht notwendig, sich kopfüber hineinzustürzen, bevor er ordentlich schwimmen konnte.

Es war nicht so, als könne irgendetwas ihren miteinander geteilten Frieden stören.

Als sie in den Stallhof ritten, sah Harry einen gutaussehenden schwarzen Zauberer, der einen dunkelblauen Regencyrock trug und am Koppelzaun lehnte. Er schien sich vollkommen zuhause zu fühlen, aber als Harry und Draco herbeiritten, trat ein finsterer Blick in das attraktive Gesicht.

„Was machst du hier?", fragte Draco, und der Unterton in seiner Stimme versetzte Harry in Alarmbereitschaft.

Der gutaussehende Zauberer war kein Fremder – es war Blaise Zabini, und er und Harry hatten einander nie gemocht.

„Ich habe letztlich beschlossen, doch herzukommen", antwortete Zabini. „Ich hatte vor, die Jagd mitzureiten – dich zu überraschen –, aber als ich meinen Rock abholen wollte, sagte Madam Malkin, du hättest ihn bereits beansprucht."

Die beunruhigende Spannung zwischen den beiden ehemaligen Slytherins ließ die Luft so dick werden, dass man kaum atmen konnte, aber das war von Harrys aktuellen Problemen das geringste. Jetzt sah er an seinem chicen, maßgeschneiderten Reitrock hinunter und realisierte, woher er gekommen war.

„Du willst deinen Rock, Zabini?", fragte Harry und begann, ihn aufzuknöpfen.

„Das ist nicht seiner", sagte Draco eisig. „Es ist meiner. Ich habe ihn bezahlt."

Harry brauchte Dracos Gold nicht. Er hatte ein Verlies, das voll davon war, und er wusste kaum, was er mit dem anfangen sollte, was er hatte. Dennoch gefiel ihm die Rolle, die Draco Zabini gegenüber spielte. Es gab ihm ein warmes Gefühl.

Er ließ seine Finger von den Knöpfen und legte stattdessen seine Hand auf seinen Zauberstab, während er abwartete zu sehen, was als Nächstes passierte.

~oo0oo~

Als Ron Weasley und sein Pferd in den Stall zurückkamen, war er fußlahm. Sein alter, kastanienbrauner Wallach hatte gelahmt, nachdem er in ein Kaninchenloch getreten war. Mr Black hatte gesagt, das Pferd solle zurück in den Stall geführt werden, und Ron hatte dagegen nichts einzuwenden gehabt. Sein Kopf war dieser Tage so voll von Romilda, dass eine Wanderung über Land kein Problem darstellte.

Die Koppeln waren in Sicht, als er auf das kleine, schwarze Buch trat. Er bückte sich, um es aufzuheben, und drehte es in seinen Händen um. Es hatte einen Moleskineinband und cremefarbene Pergamentseiten, die handschriftlich beschrieben waren. Er runzelte die Stirn darüber, während er nachdachte – wen hatte er diese Woche mit genau solch einem Buch gesehen? Es war Creevey! Der kleine Dennis Creevey, den Ron nicht als besonders lerneifrig in Erinnerung hatte, hatte diese Woche überall im Schloss und auf den Ländereien in seinem Notizbuch Dinge aufgeschrieben. Sein Buch musste ihm beim Reiten aus der Tasche gefallen sein.

Der halb ausgebildete Gedanke, das Buch seinem Eigentümer zurückzugeben, huschte Ron durch den Hinterkopf, als er mit seinem lahmen Pferd den Weg zu den Ställen weiterschlenderte und dabei über einer Seite im Notizbuch rätselte – einer Seite, auf der Rons Name stand. Er blätterte durch die gekritzelten Notizen, und mit jeder Seite wurde sein Gesichtsausdruck düsterer.

Ron Weasley hat Schulleiter Snape wegen Hermione Granger zu einem Duell herausgefordert!
Draco Malfoy schwärmt für Harry Potter, aber der Junge, der lebte, bemerkt es nicht!
Gabrielle, die Teil-Veela Schwester von Fleur Delacour, Champion des Trimagischen Turniers, stalkt den Schlangenschlächter!
Romilda Vane wirft sich Ron Weasley an den Hals!

Ron schlug das Buch zu und steckte es in seine Jackentasche. Snape musste dies sehen.

~oo0oo~

Als die Jagd beendet war, kehrten die Reiter in den Hof des Stalls zurück und übergaben ihre Pferde den Stallelfen, ehe sie sich auf den Weg nach Hogwarts machten.

Hermione und Severus waren bei den letzten Ankömmlingen. Ihr Rückweg war langsamer, aber keineswegs weniger angespannt als der Hinweg gewesen. Im Hof saß Severus ab, und mit trockenem Mund beobachtete Hermione die elegante Effizienz seiner Bewegungen, und sie sehnte sich nach etwas, wovon sie nicht wusste, was es war. Mit verschlossenem Gesichtsausdruck sah er zu ihr hinauf, und seine Hände umfassten ihre Taille. Sie lehnte sich zu ihm vor, legte ihre behandschuhten Hände auf seine Schultern und glitt zu Boden, ohne den langsamen, verrücktmachenen Vorgang zu verhindern, an seiner langen, schlanken Gestalt hinunterzugleiten. Sie bedauerte das Ende ihres Ausflugs, aber es schien, dass er noch nicht beendet war. Severus übergab dem wartenden Stallknecht die Zügel der Pferde, ging weiter in den dämmerigen Stall und hatte dabei eine Hand fest um Hermiones Handgelenk gelegt.

Sie ließ zu, geführt zu werden, und Erwartung rauschte durch ihre Adern. Warum betraten sie den Stall? Wohin brachte er sie? Die Frage war in ihrem Kopf kaum geformt, als er sich in einen muffigen Raum duckte, der voller Futtersäcke aus Jute war, die auf hölzernen Paletten an den Wänden entlang gestapelt waren – und dann stand sie mit dem Rücken zur Wand, und er starrte mit wild glitzernden, endlosen schwarzen Augen in ihr Gesicht.

Hermione ließ ihren Kopf gegen die Wand zurücksinken, und Severus pflückte den Reithut von ihrem Kopf und warf ihn beiseite, ohne den Blick von ihrem Gesicht abzuwenden. Sein Blick war hitzig genug, um Metall zum Schmelzen zu bringen, und sie fühlte, wie ihr Inneres Stück für Stück herunterschaltete in Erwartung der Eroberung, die sein Benehmen versprach. Welchen Sinn hatte es beispielsweise zu atmen in Anbetracht dampfender Hitze? Wenn ihrer beider Essenz miteinander zu einer verschmolz, wozu brauchte sie dann ein schlagendes Herz?

„Mit mir zu reiten bringt Ihr Blut in Wallung", informierte er sie für den Fall, dass dies ihrer Aufmerksamkeit entgangen war.

Sie gab sich keine Mühe, Worte zu formen – diese Funktion ging über ihre Fähigkeiten hinaus. Stattdessen kommunizierte sie ihre Zustimmung, indem sie einen breiten Aufschlag seines Rocks mit der Faust packte und sich nach oben schob, um den anderen Arm um seinen Hals zu legen. Der Kuss war weder sanft noch zärtlich, da er aus überhitzten Lippen, fragenden Zungen und verschlingenden Zähnen bestand. Diesem vielversprechenden Anfang folgten gebieterische Liebkosungen und Körper, die sich anspannten, um sich durch Lagen einschränkender Kleidung zu vereinen. Wäre sie nicht durch schleifende Samtröcke gehindert worden, wäre Hermione vielleicht wie an einem Baum an ihm hochgeklettert in dem Versuch, Drängen und Schieben zu vereinen.

Dann tat sie, was sie konnte, ihn sich zu eigen zu machen, seinen Geschmack zu absorbieren, seinen Atem zu inhalieren, ihre Sinne am Geruch und am Gefühl und der essentiellen Richtigkeit von ihm zu sättigen. Dies … dies … war es, weshalb sie sich danach gesehnt hatte, mit ihm allein zu sein.

Allein … und dies, süße Circe.

Sie war unempfänglich für jede andere Realität außer Severus Snape. Vielleicht war es ein glücklicher Umstand, dass er genügend Gewahrsein behielt, um Ron zu hören, als dessen Stimme von anderswo im Stall rief.

„Schulleiter! Sie müssen dies sehen!"

Severus richtete sich aus ihrer Umarmung auf, und sein Mund verzog sich zu einer Grimasse. Nur eine Sekunde lang schlossen sich seine leidenschaftlichen Augen, und als sie sich wieder öffneten, schaute ein völlig anderer Mann aus ihnen. Dennoch strich der breite Ballen seines Daumens über ihre Lippen, und dann war er zur Tür der Futterkammer hinaus und schloss sie hinter sich.

Hermione blinzelte, außer Atem und verlassen fühlte sie sich disorientiert. Typisch Ron, die Dinge für sie zu ruinieren, gerade wenn sie sich fühlte, als sei sie …

Sie bückte sich, hob ihren Hut auf und setzte ihn auf ihre windzerzausten, von seinen Händen durchwühlten Locken und sicherte ihn mit der Nadel mit den falschen Perlen an der Spitze, die noch immer zwischen den Federn stak. Die Stimmen ihres verflossenen Liebhabers und ihres Beinahe-Liebhabers, den sie sich verzweifelt zu haben wünschte, verklangen, und da sie wusste, dass sie zurückgelassen worden war – aus gutem Grund oder auch nicht –, apparierte sie zu den Toren von Hogwarts.

~oo0oo~

Lucius lag in der Mitte seines enormen Bettes auf dem Rücken und begutachtete die kunstvoll bemalte, gewölbte Decke seines Schlafzimmers. An seiner Seite schlief seine Hexe; ihr titianrotes Haar lag auf seinem Kissen ausgebreitet, und ihre weichen, üppigen Kurven schmiegten sich an seine Seite. Sie regte sich, streckte sich und rollte von ihm weg. Er rollte mit ihr und barg sein Gesicht an ihrem Hals.

„Du bist für immer mein – und ich bin dein Zauberer. Ich werde dich beschützen und mit meinem Leben verteidigen."

Sie streichelte sein Haar, und er schnurrte beinahe.

„Sollen es Saphire sein, damit sie zu deinen Augen passen, mein Liebling? Oder vielleicht Smaragde mit einem tiefen, blauen Feuer?"

„Ich bin nicht die Art Frau, die eine solch wichtige Entscheidung dem Zufall überlässt", sagte sie. „Ich werde dir bei der Auswahl behilflich sein."

Er hob sich auf einen Ellenbogen. „Aber ich wollte dich überraschen", erklärte er.

Sie lächelte. „Es gibt Geschenke, die für eine Überraschung passend sind, aber nicht Juwelen. Wenn ich sie bekommen soll, werde ich diejenigen auswählen, die ich will – du hast keine Einwände, mein Liebster?"

Ein Schauer überlief ihn, als er das Kosewort hörte und sich an die Berührung der Reitgerte erinnerte. „Natürlich nicht, meine Liebste", gab er zurück. „Wir müssen bald einkaufen gehen, denn wir werden schnell heiraten."

Leticia setzte sich auf die Bettkante, den cremefarbenen Rücken ihm zugewandt. „Wir werden an Weihnachten heiraten", sagte sie, „wenn wir genügend Zeit hatten, unsere Familien zu informieren und unsere Hochzeit zu planen."

Er bewegte sich hinter sie und presste seine Lippen auf ihre Schulter. „Draco wird möglicherweise … überrascht sein", murmelte er.

„Draco ist gerade mit seinen eigenen Angelegenheiten beschäftigt", informierte sie ihn. „Aber dein Glück wird ihm genauso wichtig sein wie das Glück seiner Mutter …, und du hast gesagt, dass er Narcissas neue Partnershaft bereitwillig akzeptiert hat, ja?"

Als Antwort nickte Lucius an ihrem Rücken. Er wollte nicht über Narcissa sprechen – wollte nicht, dass die Erinnerung an sie verdarb, was sie gerade miteinander erlebt hatten.

Mit ernsthaftem Gesichtsausdruck wandte Leticia sich zu ihm um. „Sie ist seine Mutter – sie war zwanzig Jahre lang deine Frau und die Dame dieses Hauses –, sie wird immer ein Teil unseres Lebens sein. Es ist nur vernünftig, wenn wir jetzt zu Beginn übereinkommen, dass wir einander immer über alles unsere Meinung sagen werden."

Lucius wusste nicht, was er ihr antworten sollte; er hatte gerade mit dieser Hexe eine Liebesnacht verbracht, die über alles hinausging, was er jemals zuvor erlebt hatte. Jedes Versagen in seiner Vergangenheit war genau das: Vergangenheit.

„Ich stimme dir zu", sagte er. „Aber Draco mag mehr Schwierigkeiten haben, eine neue Dame des Hauses in seinem Heim zu akzeptieren, in dem er aufgewachsen ist."

Leticia nahm sein Gesicht in ihre Hände. „Draco wird dich akzeptieren, wenn du ihn akzeptierst."

Er zog sich von ihr zurück. „Ich weiß nicht, was du –"

„Draco ist homosexuell, Lucius. Du musst das anerkennen."

Er schob sich an ihr vorbei, erhob sich, fand seinen Morgenrock und zog ihn an. Dieses Thema wollte er nicht besprechen – nicht jetzt! Nicht, wenn das Schiff seines Lebens auf dieser ernsthaft ruhigen See trieb. Nicht, wenn die Dinge zwischen ihnen geklärt waren – wenn er endlich bekommen hatte, was er wollte –, keine Turbulenzen, die diese Wonne störten.

Leticia blieb gelassen auf der Bettkante und war dabei herrlich nackt und ohne Scham. „Komm – du musst wissen, dass es stimmt – du musst es seit Jahren wissen! Was kann es schaden, es ihm jetzt zu sagen, dass du es weißt? Es wird ihn beruhigen, Lucius."

Lucius begann, auf und ab zu gehen. „Davon weiß ich nichts! Das ist nur eine Phase! Er wird sie überwinden und –"

„Und was? Irgendein armes Mädchen heiraten, um dich glücklich zu machen und damit seine Frau ins Unglück stürzen?"

Er blieb stehen und sah sie an. „Er ist mein Erbe – mein einziger Sohn! Ich habe keinen Bruder – keine Verwandten – ich bin der Letzte mit dem Namen Malfoy!"

Anmutig erhob sie sich, ging zu ihm und nahm seine Hände in ihre. „Mach dir keine Sorgen, mein Liebling. Du bist immer noch ein junger, viriler Zauberer. Du kannst noch einen Sohn zeugen."

„Leticia!" Er umarmte sie. „Ich habe nie gehofft – ich kenne deine Meinung zu –"

Sie drückte ihre Wange an seine Brust und strich ihm mit festem, kreisförmigem Druck ihrer Hände beruhigend über den Rücken. „In vielerlei Hinsicht wurde ich von klein auf für diese Rolle erzogen – als Frau eines großen Zauberer. Bis jetzt kannte ich keinen Zauberer, dem ich so viel Macht über mein Leben zugestehen wollte."

Er dirigierte sie zurück zum Bett, da sein Bedürfnis nach ihr plötzlich überwältigend war. „Das hängt daran, dass ich sie dir in dem Moment zurückgebe, in dem sich die Schlafzimmertür schließt", sagte er mit den Lippen an ihrer Kehle.

Sie rollte ihn auf den Rücken, öffnete den Morgenrock und ließ eine Hand seine Brust hinuntergleiten, deren Fingerspitzen sich über seine Rippen und die Hüftknochen zu den goldenen Locken darunter bewegten.

„Du gibst sie mir zurück", antwortete sie, als sich seine Augen schlossen und ein hörbarer Seufzer seinen Lippen entwich, „wenn ich sie nehme, mein Liebling. Du bist der perfekte Zauberer."

~oo0oo~

Leticia betrachtete das schöne, fein ziselierte Gesicht, das sich in die Hemmungslosigkeit hinein entspannte, und war hingerissen von der Macht, die sie über einen solch würdigen Empfänger ihrer Liebe hatte. Kinder waren nie einer ihrer großen Wünsche gewesen, aber sie würde alles tun, um die Bedürfnisse des Zauberers zu befriedigen, den sie liebte – einschließlich einen Erben zu produzieren, der den Namen Malfoy weitertrug.

Aber sicherlich hatte die Zaubererwissenschaft inzwischen eine Möglichkeit für Partner gleichen Geschlechts gefunden, um sich fortzupflanzen. Wenn ja, mochte Draco immer noch seiner Pflicht nachkommen, seinen Vater zufriedenstellen, und Leticia wäre aus dem Schneider.

Sie würde sich darum kümmern.

~oo0oo~

George war spät zum Mittagessen, da er längere Zeit bei Madam Malkin verbracht und die Kostüme für die Vorstellung mit Auszügen aus Ein Mittsommernachtstraum an diesem Abend durchgesehen hatte. Heute fand die Kostümprobe statt, und damit sie den Namen verdiente, mussten alle Kostüme komplett sein. Er war der Meinung, dass seine Schauspieler bereit waren, sich mit Herzblut in eine letzte, ernsthafte Probe vor der Vorstellung zu stürzen. Ja, gerade am vorherigen Nachmittag war er von seinem Spaziergang zurückgekommen und hatte sie alle aufmerksam und ernsthaft bei der Arbeit vorgefunden. Er wusste nicht, was sie dazu gebracht hatte, sie aus ihrem Schabernack herauszureißen, aber was immer es war, er konnte nur dankbar dafür sein.

Als er endlich in die Große Halle kam, lief seine Mutter umher, als warte sie auf jemanden.

„Mum?", fragte er. „Stimmt etwas nicht?"

Und sie zog ihn beiseite, um ihm zu sagen, was sie beschäftigte.

~oo0oo~

Hermione wartete vergeblich darauf, dass Severus zum Mittagessen auftauchte. Sie hatte keine Ahnung, was Ron von ihm gewollte hatte – auch Ron kam nicht zum Essen, und Romilda schaute darüber nicht allzu glücklich aus. Hermione beschränkte sich darauf, ein Häuflein Püree mit der Gabel zu kleinen Figuren zu formen, während sie ungeduldig darauf wartete, dass Severus in Erscheinung trat. Wie würde er sich verhalten? Wäre er aufmerksam oder zurückgezogen? Würde sie ihn überzeugen können, sich vor den nachmittäglichen Geselligkeit zugunsten einer Fortsetzung ihre Diskussion über ihr … „Blut in Wallung" zu drücken?

Stück für Stück zierten kleine grüne Erbsen den kunstvollen Berg Kartoffelpüree, während sie über die Möglichkeiten nachdachte.

~oo0oo~

Nach dem Mittagessen war Luna die Erste, die im Vorzimmer eintraf. Sie musste Skripte organisieren und die Kostüme auf ihrem Clipboard abhaken. George war zum Essen nicht aufgetaucht, aber darüber konnte sie sich jetzt keine Sorgen machen. Wahrscheinlich hatte er einen guten Grund, wenn er nicht kam. Sie musste einfach alles für ihn vorbereitet haben, wenn er kam, um mit der Kostümprobe zu beginnen.

Sie ließ eine Finger über die Besetzungsliste gleiten und sah, dass alle außer Professor Mortelle und Mr Malfoy anwesend waren. Sie waren ebenfalls nicht zum Essen erschienen. Vielleicht waren sie durch ein Problem bei der Jagd aufgehalten worden.

Die Türen des Vorzimmers flogen auf, und Luna hob in der Erwartung den Kopf, eine Gruppe hereinkommen zu sehen, aber es war lediglich George. Sie lächelte ihn grüßend an – es machte sie immer so glücklich, sein Gesicht zu sehen, selbst wenn er so ernst aussah wie jetzt –, aber er erwiderte das Lächeln nicht. Auch die fröhliche Begrüßung von Fin und Neville schien er nicht zu hören. Nein, sein Blick lag auf Luna, und sie begann, sich ein wenig zu sorgen. Hatte sie etwas falsch gemacht? War er sauer auf sie?

Dann war er bei ihr, verlangsamte kaum seinen Schritt, ehe er die Arme um sie legte und sie auf den Mund küsste, direkt vor Gott und der Welt. Sogar seine Eltern waren im Zimmer! Aber seine Lippen pressten sich fest auf ihre, und er drückte sie an sich mit Armen, die so stark wie …

Er brach den Kuss ab, und während seine seltsam ernsthaften blauen Augen ihr Gesicht suchten, ergab dies plötzlich für Luna einen Sinn. Er hatte herausgefunden, dass sie den Schauspielern tags zuvor einen kleinen Vortrag gehalten hatte. Natürlich, das war es!

„Gerne", flüsterte sie und fragte sich, was ihre Zuschauer über dieses Intermezzo dachten.

„Dies war kein Dankeschön", grollte er und küsste sie erneut.

Irgendwie war der Kuss heftiger, und trotz ihrer Besorgnis der Zuschauer wegen erwiderte Luna ihn. Schließlich mochte er jeden Moment zur Besinnung kommen, und dies war möglicherweise ihre einzige Gelegenheit, ihm zu zeigen, wie tief sie für ihn empfand – wie umfassend er ihr Herz gestohlen hatte.

Sie drückte sich an ihn und zerknitterte die Rückseite seines feinen Regencyrocks mit ihrem klammernden Griff. Auf ihre Reaktion hin wurde seine Umarmung sanfter, und als er den Kuss wieder unterbrach, legte er eine Hand um ihre Wange.

„Verstehst du jetzt?", fragte er sie, und der Raum war plötzlich erfüllt von Fußgetrampel und Applaus.

Lunas Gesicht glühte, als stünde sie in Flammen, als George auf seinen Vater wies, der an der Vorderseite des Zimmers stand. „Ihr alle sucht euch eure Kostüme und zieht sie an. Luna und ich müssen etwas besprechen. Wir kommen später wieder."

Und er führte sie nach draußen in die Augustsonne, wo sie spazieren gingen und redeten, dann eine Bank fanden, sich setzten und sich küssten und miteinander über eine Stunde lang flüsterten.