Kapitel 35:

Jee, Iroh/ Suzuran/ Ba Sing Se

„Oh, das sieht ganz und gar nicht unheilvoll aus", sagte Jee trocken, als er die Rauchschlieren anstarrte, die von der fernen Stadt aufstiegen.

Von seinem Standpunkt auf dem Aussichtsdeck aus wirkte der Hafen zum größten Teil ruhig. Und das war ein dehnbarer Begriff; Jee war oft genug in gerade erst befriedete Häfen eingelaufen, um einen zu erkennen, wenn er einen sah. Die vorsichtigen Blicke, die geduckten Köpfe, die Art wie Seeleute lässig bei festgemachten Schiffen lungerten, wo eine scharfe Klinge ein friedlich gesichertes Schiff in eines verwandeln konnte, das innerhalb von Minuten ablegen konnte. Der Griff der Feuernation hier war fest, aber nicht sicher. Noch nicht.

Das ist mehr als nur die Anspannung nach einer Eroberung. Etwas ist passiert. Irgendwas Schlimmes.

Nun, es war gut zu wissen, dass Donghais Informationen zuverlässig waren. Zumindest bisher.

Sie hatten den grinsenden Schmuggler aus dem Erdkönigreich in der Dunkelheit der Geisterwache getroffen; ein Mann so dürr wie eine Peitsche mit einem Schiff, das nach einer schwimmenden Katastrophe aussah und sich wie ein Aal durch den See bewegte. Genau das, was ein Mann, der Ladungen transportierte, bei denen er nicht riskieren konnte, den offiziellen Transportrouten zu nahe zu kommen, sich wünschte.

Wie auch seine letzte Ladung. Jedoch war es eine sehr kleine Ladung. Ein Bündel Briefe und Karten, die nur durch Verrat beschwert wurden.

Oder loyalen Widerstand. Es kam darauf an, auf welcher Seite man stand.

„Bin auf meiner Seite, was glauben sie denn?" Donghai hatte geschnaubt, als Jee ihm einen scharfen Blick zugeworfen hatte. „Krieg oder nicht. Splitter und Scherben, die Geschäfte werden noch besser laufen, jetzt, wo die Schädel-Fratzen den Hafen sperren. Aber Shirong ist in Ordnung. Für `nen Dai Li. Hat meinen Ersten Offizier aus einem Schlamassel mit nem'… äh. Glauben sie's mir. Sie wollen es nicht wissen. Ich will es nicht wissen." Er schauderte und versuchte es mit einem zynischen Blick zu decken. „Also, wie ich's gesagt hab', er ist nicht schlecht. Versteht das mit dem… Handel. Und dass ein Mann manchmal Kompromisse schließen muss, um was Nützliches aus dem Feind herauszuholen." Er warf Jee einen ebenso scharfen Blick zu.

Darauf hatte Jee sich ertappt, wie er ein Lächeln unterdrückte. Er hätte es als jüngerer Mann vielleicht nicht gesehen. Hätte es selbst jetzt nicht erkannt, wenn er nicht mit einem gewissen zornigen Prinzen zu tun gehabt hätte. Doch unter dem Sarkasmus und der Haltung eines Mannes, der nur darauf aus war, von beiden Seiten Profit zu machen, war jemand, dem Agent Shirong vertraut hatte, das Erdkönigreich an die erste Stelle zu setzen. Selbst wenn das hieß, mit ihren Todfeinden zu verkehren.

Hoffentlich ist er genauso gut darin, in den Hafen zurück zu schleichen wie heraus, dachte Jee jetzt. Sergeant Kyo ist gut, aber auch er sagt, dass wir Hilfe von innen brauchen. Wir sind einfach nicht genug, um ausreichend Schiffe zu bemannen. Selbst wenn wir alle wüssten, wie man segelt.

Eine gute Zahl seiner Mannschaft konnte segeln. Saburo, Teruko; er konnte die Akten von einem halben Hundert der unwahrscheinlichsten Segler in die Hand nehmen. Feuerbändiger und hölzerne Schiffe zusammen war genug um die Haare eines vernünftigen Mannes ergrauen zu lassen – doch die älteren Domänen bissen die Zähne zusammen und taten es trotzdem. Stählerne Schiffe und Kohle gingen zuerst in den Krieg, doch Fische fingen sich nicht von allein.

Ba Sing Se hatte auch Fischer, doch die Stadt verließ sich nicht darauf. Andernfalls hätte General Irohs Belagerung einen gänzlich anderen Ausgang gehabt.

Jee wendete seinen Blick von der Fischerflotte des Hafens zu der unvorstellbaren Ausdehnung von grünen Feldern zwischen hier und der Stadt selbst. Bauernhöfe und Feldfrüchte, um nicht nur die unzähligen Millionen innerhalb der Inneren Mauer von Ba Sing Se zu ernähren, sondern auch einen Großteil der Erd-Armee. Der schiere Reichtum dessen, was Prinzessin Azula erobert hatte, ließ seinen Kopf schwirren. Mit diesen Vorräten, die jetzt stattdessen der Feuernation zukamen…

Nun, sein Gewissenskonflikt über den Nachschub im Plan des Prinzen war jetzt um einiges geringer. Selbst wenn dieser Teil direkt aus den Überfällen der Waegu stammte.

Jee starrte über endlose, geordnete grüne Vierecke und schüttelte den Kopf. „Da draußen könnten kleine Armeen verloren gehen." Dann fiel ihm wieder ein, wer in einen tarnenden roten Mantel gehüllt neben ihm stand. „Verzeihung, Sir."

„Nicht nur kleine Armeen", sagte General Iroh sanft, als er das Fernglas senkte. „Eine Entschuldigung ist unnötig. Die Feuernation hat hier viel verloren und mein Stolz war nur das Geringste. Ich war überzeugt, dass diese Stadt durch rechtmäßige Waffengewalt überwunden werden konnte. Ich irrte mich und wir alle zahlten einen hohen Preis dafür. Hätte ich nur früher Weisheit erlangt." Er seufzte. „Das sollte uns allen eine Lehre sein, Kapitän. Falls die Geister uns eine Vision schenken, geschieht das für ihre Ziele, nicht für unsere."

„Und die Vision des Prinzen?", fragte Jee vorsichtig.

„Ah. Darauf habe ich viel mehr Vertrauen. Denn es ist keine Vision." Der General lächelte ironisch. „Es ist ein Plan. Sein Plan. Und obwohl viele Pläne meines Neffens ihre beabsichtigten Ziele nicht erreichten, so haben sie doch ihn und jene, die ihm wichtig sind, am Leben gehalten. Und er hatte Zeit, um diesen zu formen."

Und das sollte dabei helfen, einzuschränken was Leutnant Teruko verlegen als einen der größten Fehler von Drachen-Kindern eingestanden hatte: Finden, Schnappen, Umbringen. Das hörte sich nicht wirklich nach einem Fehler an, nicht bei einem Marinesoldaten…

Wenigstens nicht auf den ersten Blick. Bis Teruko ihm das andere, riesige Problem, das Drachen-Kinder hatten, bei klarem Verstand zu bleiben, geschildert hatte.

Wir können nicht fliegen, Sir."

Eine Aussage, die lächerlich offensichtlich geklungen hatte. Abgesehen von ein paar legendären Meisterbändigern, wie Jeong Jeong, damals als der General geneigt war zu prahlen, als er die Feinde der Feuernation zerschmetterte, konnte kein Mensch fliegen.

Sir, ein Drache, der am Boden ist, ist in Schwierigkeiten. Krank, verletzt, hat Eier zu beschützen. Das heißt, man sucht sich die offensichtlichste Bedrohung und macht sie gründlich tot. Weil man nicht wegkann."

Und das erklärte unangenehm viel an dem Verhalten des Prinzen – und des Leutnants. Wenn auch nicht die brennenden Tavernen.

„… Ähm, nein. Da gehen die Kerle mir einfach nur auf die Nerven."

Nun, zu wissen, weshalb Prinz Zuko dazu tendierte, sich auf nur ein Ziel zu konzentrieren würde noch nützlich sein. Und wenn es auch nur dabei half, Nerven zu beruhigen, die von der Tatsache erschüttert waren, dass sie einen Bändiger an Bord hatten, der dazu fähig war ein ganzes Versorgungsschiff zu bewegen.

Irgendwann konnte er sich dazu durchringen, darüber nachzudenken. Ohne sich verzweifelt nach einem Drink zu sehnen.

Konzentriere dich aufs hier und jetzt. „Sie sollten besser nach unten gehen, General."

„Ja, das wäre das Klügste." Der General nickte. „Viel Glück, Kapitän."

„Danke, Sir." Glück können wir alle gut gebrauchen.

Und jetzt im Moment auch nicht gerade wenig, als Steuermann und Ausguck Suzuran zu dem besten Anlegeplatz lotsten, den sie finden konnten. Die Seen waren mehr als tief genug für freie Fahrt, doch der Hafen war für Fähren und Dschunken ausgelegt. Wasserfahrzeuge, die weniger Tiefgang hatten und sich durch Windkraft bewegten. Und was ein paar rebellische Erdbändiger mit den Kanälen anrichten konnten, die als klar freigegeben waren… Brr.

Jedoch, vor General Gangs Angriff auf Suzuran, hatte den Erdbändigern, denen Jee zuvor begegnet war, die Reichweite, oder vielleicht die Vorstellungskraft gefehlt, um einen Seegrund anzuheben, während sie am Ufer standen. Und keiner von Gangs Männern sollte es bis hierher geschafft haben. Trotzdem fragte er sich, ob nicht irgendwann, irgendwo, irgendeiner den Mumm aufgebracht hatte, einfach die Luft anzuhalten und zu tauchen.

Dann wieder war da der Grundsatz des Erdkönigreichs innovative Feuerbändiger zu vernichten… wenn er ein Erdbändiger wäre, der eine neue Taktik ausgeknobelt hätte, er würde den Mund halten. Sicherheitshalber.

Und das ist wirklich eine Schande, überlegte Jee, es liegt keine Ehre darin, einen Feind zu bekämpfen, der sich selbst verstümmelt.

Nicht dass es jemals um Ehre ging, aber… Dort. Jee stieß heimlich einen erleichterten Atem aus, als Suzurans Motoren herunterfuhren und das Schiff lautlos wie ein Geist präzise an ein Schwimmdock huschte. Das Dock war neu, eine Konstruktion der Armee und nicht annähernd so stabil, dass er dort gerne Ladung aufnahm. Doch es genügte.

Es muss genügen.

Und dort war auch schon das Willkommenskomitee, wie erwartet. Die meisten davon waren in roter Rüstung… doch da waren auch ein paar im Grün und Graubraun der Stadt. Interessant.

Wie fest ist Azulas Kontrolle der Kommando- und Kommunikationsstrukturen? Welche Löcher können wir finden – oder schaffen?

Es war Zeit, ein paar davon anzuregen.

Er wartete nicht erst auf die offizielle Aufforderung, sondern packte eine der Leitern und glitt auf das Hauptdeck hinab, marschierte zu dem Hafenmeister hin und stimmte es so ab, dass er ihm zunickte, als der jüngere Offizier gerade den Mund aufmachen wollte. „Willkommen an Bord, Leutnant. Gut zu sehen, dass ihre Kommandanten unseren Bericht über den Bison des Avatars so schnell weiterverfolgen."

Kapitän Jee, sie hatten keinen Befehl, Suzuran nach Ba Sing Se zu bringen – was haben sie gerade gesagt?"

„Wir haben den Bison des Avatars gesichtet", legte Jee knapp dar und erlaubte einem Hauch Überraschung über sein Gesicht zu huschen. „Er hat sich anscheinend mit der Flotte des Wasserstamms getroffen. Wir glaubten, dass wir sie eingeholt hatten, doch – nun, sagen wir nur, dass General Gangs Armee es bedauert hat uns begegnet zu sein. Wie sie wissen konnten die Stammesleute in dem Durcheinander bedauerlicherweise entkommen…" Jee ließ seine Worte abebben, als dem Hafenmeister der Mund aufklappte. „Oh, verdammt. Sagen sie mir nicht… Agni, wir hatten keine Botschaft bekommen, das unter Verschluss zu halten! Stehender Befehl lautet jede mögliche Sichtung des Avatars an alle Streitkräfte zu kommunizieren!"

Das brachte eine ganze Flut von zitierten Regulationen ins Rollen, das Logbuch wurde angefordert, Kommunikationen zum Palast hinaufgeschickt, eine Küstenstreife wurde an Bord beordert, um das Schiff zu inspizieren und Agni allein wusste, was sonst noch.

In dem ganzen Durcheinander von kommenden und gehenden Uniformen merkte niemand, wie ein paar Seeleute und Marinesoldaten sich klammheimlich davonmachten, um den Hafen auszukundschaften. Selbst Jee wusste nicht, wann ein gewisses Paar gerüsteter Feuerbändiger davongehuscht war. In einem Moment waren sie an Deck und wurden von Streifenbeamten runtergeputzt, im nächsten – weg.

Passen sie gut auf ihn auf, Teruko. Soweit das möglich ist.


Sadao, Kyo/ Hafen/ Ba Sing Se

Wir gehen alle drauf.

„Nur die Ruhe, Leutnant", murmelte Sergeant Kyo. „Wir besichtigen nur den Hafen."

Klar, dachte Sadao morbide und hielt mit dem Sergeanten Schritt, während der Rest des Haufens Chaos liebender Marinesoldaten sich absetzte, um durch die Docks zu schlendern.

Wir besichtigen nur den Hafen. Und die Schiffe, die wir uns geradewegs unter der Nase der Armee unter den Nagel reißen wollen.

Wenigstens war nichts in seiner Nähe in Flammen aufgegangen.

Um genau zu sein war in seiner Nähe seit Tagen nichts ungewollt in Brand geraten. Das war seltsam. Fast so seltsam wie das Heilen.

… Nicht, dass am Heilen irgendwas verkehrt war, oder so. Als er erst den eigenartig schiebenden und ziehenden Rhythmus des Prinzen in den Kopf gekriegt hatte, war das Feuer eifrig dabei, zu tun was er wollte. Sicher, man brauchte die Art von Geduld wie zum Lesen von Wind und Wogen, wenn man sich seiner Karten nicht sicher war. Die gnadenlose Entschlossenheit, die man brauchte, um Flammen zu töten. Und die gleiche Balance von Mitgefühl und Kalkül, die notwendig war, um Männer dort zu führen, wo ein vernünftiger Zivilist hinzugehen fürchtete. Aber wenn man das erst mal draufhatte, war es unheimlich leicht.

Dieses eine Mal war er bei etwas gut. Und keiner hatte auch nur angedeutet, ihn vom Schiff zu werfen.

In seinen dunkleren Momenten, ließ ihn das vor Angst erstarren.

Jedoch war er nicht wirklich hier um Sergeant Kyo zu befehligen und sie beide wussten es. Nur als… Ratgeber. Denn, da Marinesoldaten meist mehr davon verstanden, Schiffe zu versenken als sie zu segeln, wollte Kapitän Jee ein paar zweite Meinungen über die Gefährte, die sie stehlen wollten.

… Äh, abkommandieren. Naja. In gewisser Weise. Oh, Agni…

„Also?" Der Sergeant hob eine Augenbraue, während sie an alten, Netze flickenden Fischern vorbeigingen und da drüben ein vereinzeltes leichtes Mädchen forteilte. Zwei passable Fischerboote begannen nach ihrem frühmorgendlichen Fang zu stinken und ein trocken verrottendes Wrack lag da, obwohl es schon längst in Brand gesteckt und von seinem Elend erlöst gehört hätte.

„Es ist gut, dass die Schiffe aus dem Westlichen See noch nicht hierher beordert wurden", sagte Sadao leise. „Wir müssen an denen vorbei. Falls wir es überhaupt hier weg schaffen. Und hier ist gar nichts, das schnell genug ist."

„Gar nichts, also, was Kleiner?", kam eine Stimme aus den Schatten zwischen Netzen.

Waah! Kein Feuer, kein Feuer –

„Durchatmen, Leutnant", riet Sergeant Kyo und platzierte sich zwischen Sadao und dem wettergegerbten dürren Mann, der sie angrinste. „Kapitän Donghai. Sie sind früh dran."

„Na, ihr doch auch", erwiderte Donghai trocken. „Man könnte meinen, ihr traut eurem eigenen Plan nicht."

„Pläne können fehlschlagen", sagte Kyo ebenso trocken. „Sind sie dabei oder nicht?"

„Gleich zur Potte. So gefällt's mir." Donghai zuckte die Schultern. „Ich überleg's mir noch. Als erstes will ich wissen, was ihr habt." Er beäugte Sadao. „Gar nichts?"

„Vielleicht ein paar der Dschunken der Adeligen drüben auf der Stadtseite." Sadao hob unbefriedigt die Achseln. „Aber wenn sie keinen Wind in den Segeln haben, liegen sie wie tot im Wasser." Betonung auf tot. „Und wir haben niemanden, der sie segeln kann."

„Nicht in unserer Mannschaft." Der Sergeant nickte. „Muss zugeben, bei den Fähren da sieht es schon besser aus."

„Nur sind sie nicht sonderlich schnell", sagte Sadao unglücklich. „Und wenn wir durch den Westlichen See erst mal durch sind? Dann kommen Flüsse dran, Sergeant. Suzuran packt das, wir haben eine starke Hülle und aktuelle Karten über die Wasserwege. Aber die Fähren?" Er winkte bei dem Gedanken ab.

„Eins nach dem anderen", riet der Sergeant. „Zuerst müssen wir die Leute hier rausschaffen."

Donghai schaute sie beide nachdenklich an, seine dunklen Augenbrauen kletterten nach oben. „Euch ist das echt ernst." Seine Stimme war ungläubig, nachdenklich. „Ihr habt echt vor die Leute hier rauszuholen."

Sadao nickte. Davon zumindest war er felsenfest überzeugt. „Wenn es möglich ist."

Donghai blickte sie an, dann schaute er Landeinwärts, wo Augen, die von der Sonne im Hafen geblendet waren, gerade so ein paar Komodo-Rhinos der Besatzungstruppen ausmachen konnten. „Ihr seid so gut wie tot."

„Nein." Sadao war von sich selbst überrascht. „Wir haben eine Chance. Es ist keine gute Chance, sicher, doch wir haben den Überraschungseffekt und Schnelligkeit auf unserer Seite. Und… andere Ressourcen, die der Rest der Armee nicht hat. Wir können es schaffen. Wir können diese Leute retten." Er begegnete Donghais braunen Augen und versuchte, so offen und ehrlich wie Sonnenlicht zu sein. „Wir könnten ihre Hilfe gebrauchen."

„Und wenn sie so glitschig sind, wie ich sie einschätze", warf Sergeant Kyo sardonisch ein, „wird keiner je erfahren, dass sie irgendwas damit zu tun hatten."

Donghai tat einen Schritt zurück und kaute an seiner Lippe. Stirnrunzelnd senkte er die Augen. Er schaute zu ihnen zurück und Berechnung blitzte in seinen Augen. „Sag's nur ungern, aber das sind nicht meine Dschunken."

„Also doch die Fähren", seufzte Sadao.

„Habe ich auch nicht erwartet, Kapitän", stimmte Sergeant Kyo zu. „Muss sagen, jetzt wo sie beide für die Dschunken sind, interessieren sie mich doch mehr als neulich, als Lee sie das erste Mal erwähnt hat." Sein Lächeln hatte etwas Räuberisches. „Denn, wenn Lee es schafft Kontakt mit … unserem baldigen Bundesgenossen aufzunehmen, könnten wir Papiere haben, die diese unbequeme Kleinigkeit regeln, was wem gehört. Oder wer was borgen darf." Er grinste. „Ich weiß doch, wie sehr ihr Leute eure Papiere gernhabt!"

„Borgen?" Donghai sprang darauf an, wie ein Pygmäen-Puma auf eine Skorpion-Viper.

Kyo hob leicht die Schultern. „Glauben sie, es klappt, wenn auch nur ein Schiff im Hafen übrig ist, das uns verfolgen kann?"

Donghai schaute sie an. Und ihre Rüstung. Und dann zu den hölzernen, brennbaren Schiffen, die gerade vor Anker lagen. „…Borgen. Klar doch." Er schmunzelte und schüttelte den Kopf über sie beide. „Und mich nennen die Leute einen Gauner."

„Es kommt auf den Maßstab an, Kapitän", erklärte Kyo. „Also, was können wir füreinander tun?"

„Gebt mir `ne Stunde; muss `n paar Leute auftreiben." Immer noch grinsend schlenderte Donghai davon.

„Können wir ihm trauen, was meinen sie?", flüsterte Sadao, als der Mann außer Sicht war.

„Lees Freund dachte so", bemerkte Kyo. „Hoffentlich hatte er dabei ebenso Recht, wie bei Lee."

Sadao schluckte trocken, als er an den Prinzen dachte. „Kann er es schaffen, Sergeant? Ich weiß, er kann – unsere Kontaktperson finden." Selbst wenn ihr Prinz dafür durch eine ganze Stadt voller Feinde schleichen musste. Und besagte Feinde waren nebenbei ihr eigenes Volk. „Aber ihn zu überzeugen? Während wir – sind wer wir sind?"

„Vergessen sie nicht, wer er ist, Leutnant", sagte Kyo trocken. „Er ist jung. Er wird nie charmant sein. Aber er wurde von seinem Onkel unterrichtet… und vergessen sie nicht, wozu diese Familie trainiert ist." Er schmunzelte. „Unser erdgeborener Freund wird nicht wissen, wo ihm der Kopf steht."


Zuko, Teruko/ Unterer Ring/ Ba Sing Se

„Ich hätte mir nie träumen lassen, dass sie so groß ist." Teruko schüttelte den Kopf, als sie durch den Unteren Ring schritten. „Und… so still."

Zu still, dachte Zuko schweigsam hinter einer Schädel-Gesichtsplatte. Straßen, die in ein Gewirr von Straßen mündeten, die es spielend mit allem in der großen Kaldera der Hauptstadt aufnahmen. Straßen, die er besser kannte, als die Hauptstadt selbst, wie er mit einem plötzlichen Schreck erkannte, denn, wann hatte je der Sohn eines Prinzen allein die Hintergassen durchwandert? Ränge vertrauter Mietshäuser erhoben sich um sie herum. Dem Spiel von Licht und Schatten nach, sollten jetzt ganze Menschenmassen unterwegs sein, die von der Nachtschicht kamen, oder spät den Morgen begannen. Jetzt standen sie verschlossen und verbarrikadiert, von dem Stampfen patrouillierender Komodo-Rhinos befriedet. In der Luft hing ein Geschmack von Rauch von nassem Holz, der in seiner Kehle klebte, vermischt mit dem eigentümlichen Kratzen, das vom Staub zerschmetterter Steine kam.

Trotz der Truppen waren Leute auf der Straße. Läden waren offen, Waren und Geld wechselten die Hände. Doch er konnte die Furcht hören, in dem Schreien von Babys, die sorgfältig außer Sicht gehalten wurden.

Kinder. Der Gedanke ließ ihn beinahe Knurren. Agni, für was für eine Art Monster halten sie uns eigentlich?

Für das, was der Rest des Erdkönigreiches ihnen erzählt, zeigte ein praktischer veranlagter Teil von ihm auf. Die Bestien, über die die Dai Li – jene, die sie fürchten und hassen – nichts sagen wollten. Außer um zu implizieren, dass sie sie vor uns beschützen. Also müssen wir schlimmer sein.

Nicht vernünftig. Doch Onkel hatte ihm schon vor Jahren eingetrichtert, dass eine Menge Leute nicht vernünftig handelten und ihre Fakten eben nicht mit der Wirklichkeit abglichen. Viele Leute taten einfach was ihnen gefiel und dachten sich später Gründe aus, weshalb es sinnvoll war. Die Leute von der Feuernation waren Eroberer. Natürlich hatten die Leute hier Angst vor ihnen.

Und sie haben Grund dazu, gestand er sich widerwillig ein. Diese Truppen stehen nicht unter Onkels Befehl. Sie sind unter Azulas Befehl. Sie ist nicht blöd, sie wird Leute nicht grundlos hinrichten –

Doch sie fand Gründe. Viele Gründe. Und… er wusste von dem was Ping zugestoßen war, dass selbst ein paar seiner eigenen Leute keinerlei Ehre hatten.

Das schmerzte.

Das ändere ich, schwor er sich. Unbedingt. Stück für … oh-oh.

Sie hatten eine Ecke umrundet und es wurde von nur gedämpft zu aktiv still. Von einem schwelenden, zerschmetterten Mietshaus stieg immer noch Rauch auf. Die Stockwerke waren ineinander gebrochen, verkohlte Reste des Daches reckten sich wie schwarze Fingerknochen zum Himmel. Ein paar der Bewohner kauerten in benommenen Häufchen auf den Stufen anderer Häuser, für den Schock waren ihnen raue Decken umgelegt worden. Die Straße selbst war wie von einem großen Erdbeben mittendurch aufgebrochen; eine Seite des Risses stand mehrere Zoll über der anderen.

Der Master Sergeant, der zu Fuß in ihre Richtung kam, war sichtlich müde, missgelaunt und ein gutes Knurren davon entfernt, jemanden der es verdiente richtig in Stücke zu reißen. Seine Haare waren von Asche und Alter grau und seine Uniform trug immer noch Rußspuren. Auf eine brüske, auffordernde Handbewegung näherten sich sowohl Besatzungstruppen, als auch Wachleute. Manche dieser Wachleute waren sehr vertraut.

Hoffentlich sehen sie nur die Rüstung.

„Master Sergeant Yakume", identifizierte er sich. „Sie zwei Marinesoldaten sind ein bisschen weit von ihrem Schiff weg, oder?"

„Leutnant Teruko von Suzuran." Sie nahm ihre Gesichtsplatte ab, die angemessene Höflichkeit von höherem zu niederem Rang. „Mit Verlaub, aber wir konnten vom Wasser aus sehen, dass sie hier ein paar Schwierigkeiten hatten." Sie umfasste mit einer Geste den aufgerissenen Stein, rauchende Trümmer, die schwachen roten Flecken wo jemand Blut fortgewaschen hatte. „Kapitän Jee bat uns nachzusehen. Und, wenn die Umstände es erlauben, unsere Unterstützung anzubieten."

Ein paar der Wachleute schnaubten darauf. Aber nicht alle. Ganz besonders nicht ein Berg von einem Mann in einer Uniform, die ein bisschen prächtiger war, als die der anderen.

Kapitän Lu-shan, erkannte Zuko, der Huojins Beschreibung des Mannes noch im Kopf hatte. Und es sieht so aus als ob…

Nun. Um ehrlich zu sein, wirkte es nicht, als ob er dem Master Sergeant vertraute. Doch seiner Haltung nach, beiläufig überzeugt, dass von Yakume kein Angriff drohte… es wirkte auch nicht wie das Gegenteil.

Irgendwie denke ich nicht, dass der Erdkönig das beabsichtigt hat.

Trotz seines grollenden Jähzorns, trotz seiner nagenden Sorge von was wenn Azula uns entdeckt, tat Kuei Zuko leid. Der Erdkönig kannte den Palast, seine Wachen und seine Dai Li. Vielleicht auch ein paar der Adeligen. Aber das war es auch schon.

Und er wusste so wenig von der Welt, dass es nicht mehr witzig war.

Er kennt keine normalen Leute. Kein normales Leben.

Und die Dai Li, die ihm wenigstens eine Ahnung dessen, was für sie normal war, hätten verschaffen können, waren Long Fengs Vorbild gefolgt und hatten den Erdkönig auf ehrerbietige Distanz gehalten. Und sie redeten nicht darüber, was sie wirklich mit Leuten machten, oder Geistern. Oder warum.

Zuko hatte Shirongs Bericht gelesen, doch er musste gestehen, dass er nicht alle Implikationen erfasst hatte. Nicht bis jetzt. Kuei hatte einen Plan geschmiedet oder abgesegnet, um überall in der Stadt Chaos und Verwüstung anzurichten. Um einen Teil der Erd-Armee zu befreien und sich generell in die Besatzung der Feuernation einzumischen. Und es hatte geklappt.

… Nur wusste der Erdkönig nicht, wie es war, wenn die Welt um einen herum niederbrannte. Oder was mit Leuten geschah, die gemeinsam darum rangen, zu überleben. Egal ob sie einander ausstehen konnten, oder nicht.

An den meisten Orten in der Stadt würde das keinen Unterschied machen. Der Hass saß zu tief. Offiziere und Männer der Feuernation waren achtlos oder arrogant genug, um ihre besiegten Feinde als Untermenschen zu verachten und nicht als Bürger behandeln. Hier jedoch…

In Asche und Aufruhr konnte Zuko das Potential schmecken.

Sie wollen uns helfen, Leutnant?", sagte der Kapitän ungehobelt. „Ich glaube nicht, dass wir hier noch mehr Feuer brauchen."

Zuko straffte sich, hielt ein nachdenkliches Nicken zurück. Der Master Sergeant hat einen Schwachpunkt gefunden und er wird ihn weiterbearbeiten.

Teruko stieß einen langsamen Atem aus, der nur schwach rauchte. „Sir, Suzuran liegen keine Berichte vor, was hier vorgefallen ist, also weiß ich, dass der Kapitän erwartet, dass ich unvoreingenommen bleibe." Ihre Augen wurden schmal und entspannten sich langsam. „Wir haben ausgebildete Sanitäter an Bord. Brandmedizin. Leute, die einen verdammten Knochen richten können. Offensichtlich können wir unsere Sanitäter nicht in eine möglicherweise immer noch feindliche Situation schicken." Sie schaute Yakume direkt an. „Doch falls es sich für sie lohnt wenn wir gewisse Vorräte abladen, oder sie Zivilisten zu den Docks schicken, wenn sie für befugt erklärt sind..."

Yakume zog eine Braue hoch, nachdenklich. „Suzuran. Kapitän Jee, nicht wahr? Ich habe gehört, er hat unter General Iroh gedient."

Zuko hielt sich mit Mühe ab, sich anzuspannen. Das gefällt mir nicht.

„Nicht ganz korrekt, Sir", sagte Teruko höflich. „Soweit ich weiß, beschloss er auf dem Schiff zu reisen, auf dem Kapitän Jee diente, doch die Kommandokette war… anders arrangiert."

„Gerüchte übertreiben oft", überlegte Yakume. „Ich habe auch gehört, euer Schiff hat den Nordpol überlebt."

Zuko lauschte auf die plötzlich aufmerksame Stille der Truppen und Umstehenden. Und hielt einen Fluch zurück. Das gefällt mir ganz und gar nicht.

„Das stimmt", sagte Teruko direkt. „Der Wasserstamm tut mir fast leid."

„Der Wasserstamm tut ihnen leid?" Lu-shan schien zwischen Spott und Abscheu gefangen. „Ich habe gehört, eure kostbare Flotte wurde ausgelöscht."

Er bohrt nach. Und Yakume lässt ihn. Hinter der Maske zog Zuko eine Grimasse. Sein Zorn brodelte und wurde düsterer. Er ist für die Besatzung hier verantwortlich. Er hat gerade erst die Leute dazu gebracht zusammenzuarbeiten – jetzt will er sehen, wie wir damit umgehen.

Verdammt. Wenn es darum ginge, die Stadt zu halten, auf lange Sicht – ja, das wäre gut für die Soldaten, die hier stationiert waren. Auch für die Zivilisten; falls Yakume versuchte eine funktionierende Arbeitsbeziehung zwischen Soldaten und Wachleuten zu schaffen, dann hieß das, er wollte die Verpflichtung eines ehrenhaften Soldaten erfüllen. Aber er konnte das wirklich nicht brauchen. Nicht hier und jetzt. Selbst wenn sie normale Truppen wären, wäre es eine schlechte Idee, und Marinesoldaten waren dafür bekannt, an Land reizbar zu sein…

Er will den Wachleuten zeigen, dass er ihnen beisteht, egal was für Idioten hier auf Landgang herkommen. Gah. Wir dienen als Anschauungsunterricht.

Wut erschütterte ihn, doch er hielt sich zurück, indem er eine Finger- und Daumenkuppe sorgfältig zusammendrückte und sich auf diesen Beinahe-Druckschmerz konzentrierte. Wenn er das hier vermasselte, war alles verloren. Alles.

Ich bin es so was von Leid, für andere als Übungsobjekt herzuhalten.

Teruko lächelte nur schwach. Es war kein nettes Lächeln. „Suzuran war nicht das einzige Schiff, das diese Schlacht überstand. Intakt. Also sollten sie ihre Gerüchte noch mal überdenken und wie sehr wir ausgelöscht wurden. Denn, wäre es so, hätten wir tatsächlich so viele tausend Seelen verloren, wie die Gerüchte des Erdkönigreichs sagen… nun, ich würde meinen, eine Stadt, die so sehr mit Geistern zu tun hat, wie Ba Sing Se, würde sich ein klein wenig mehr Sorgen machen. Denn, das hieße, das tausende Leichen im Wasser sind, dazu verdammt, ohne angemessene Bestattung zu sinken. Leute, die von einem Geist umgebracht worden sind. Vom Ozean höchstpersönlich, durch menschlichen Zorn befleckt." Ihre Stimme senkte sich zu fast einem Wispern. „Und Totengeister der Feuernation fürchten keine Sonne."

Mit jetzt wieder neutralem Gesicht wendete sie sich wieder an Yakume. „Gibt es noch etwas, Master Sergeant?"

„Nur, dass sie aufpassen, wo sie hintreten, Leutnant", sagte Yakume trocken. „Letzte Nacht gab es hier ein paar Unruhen und ich fände es nicht gut, ihrem Kapitän sagen zu müssen, dass sie über noch mehr davon gestolpert sind. Ganz besonders nicht mit einem Neuling im Schlepptau."

„Grünschnäbel müssen es auch irgendwann lernen." Teruko zuckte die Schultern. „Bewegung, Gefreiter. Wir haben zu tun."

Das hat ihr gefallen, dachte Zuko mürrisch, als sie fortmarschierten. Hinter der Gesichtsplatte rollte er die Augen und schob den Ärger beiseite. Es hatte geklappt. Nur das zählte.

Zumindest hoffte er das. Irgendwas an der Art wie Yakume Neuling gesagt hatte, störte ihn…


Yakume, Lu-shan/ Wachstation/ Unterer Ring/ Ba Sing Se

Das… war nicht wirklich wonach es ausgesehen hat, dachte Yakume bei sich, als er erleichtert Lu-shans Büro betrat. Sorgfältig verborgene Erleichterung; ja, der Kapitän hatte bisher mit ihm zusammengearbeitet und, ja, in der Wachstation war es etwas sicherer als auf der Straße. Doch es war immer noch besetztes Gebiet, mit all den Gefahren, die das implizierte.

„Marinesoldaten sind also an Land reizbar, was?", fragte Kapitän Lu-shan trocken.

Yakume behielt ein neutrales, aufmerksames Gesicht auf, selbst als die Erschöpfung wie eiserne Ketten an ihn zerrte. Er wollte verdammt sein, wenn er das vor jemandem vom Erdkönigreich zeigte.

Und Lu-shan denkt das gleiche von der Feuernation und wir beide machen so weiter, bis einer von uns eine Entschuldigung findet, um privat zusammenbrechen zu können, dachte Yakume ironisch. „Für gewöhnlich ja." Dass dieser Leutnant Teruko es nicht war…konnte vieles bedeuten. Nichts davon war gut für die unter seiner Obhut.

„Würden ihre Leute so was wirklich machen?" Lu-shan setzte sich hinter seinen Schreibtisch und verzog nur leicht das Gesicht, als Blessuren und Verbrennungen aufbegehrten. „Ungeweihte Gräber zurücklassen? Das ist –" Er zuckte die Achseln, eine wortlose Geste des Entsetzens, Abscheu und Erstaunen, dass irgendwer wirklich so dumm sein konnte.

Yakume nahm selbst Platz und verweigerte sich streng seiner eigenen Blessuren. „Das ist schwer zu sagen."

„Schwer zu sagen?", wiederholte Lu-shan ungläubig. „Entweder bettet man Soldaten zur Ruhe oder nicht."

„Und wenn wir vom Erdkönigreich wären, dann wäre das auch schon alles", stimmte Yakume zu. „Ihr habt eure Militärdoktrin und ihr haltet euch daran. Unsere... verändert sich. Kommt auf den Oberbefehlshaber an, die Truppen – auf viele Sachen." Er hielt inne. „Ich kann bezeugen, dass, als General Iroh das Kommando hatte, Brandbestattungen durchgeführt wurden, wann immer möglich. Selbst unter den extremsten Kriegsbedingungen bewahrten wir eine zeremonielle Flamme, so dass die Toten den Weg nach Hause finden konnten."

„Hmm." Lu-shan wägte ihn mit seinem Blick ab. „Ich höre ein Aber."

„Ich habe von weniger ehrenhaften Kommandeuren gehört", sagte Yakume brüsk. „Ich hörte – gerüchteweise, verstehen sie? – von gewissen Schlachtfeldern, von denen die Feuerlords wollten, dass sie verflucht bleiben." Er seufzte. „Allerdings macht es in diesem Fall keinen großen Unterschied, egal was für Gerüchte auch brodeln. Was wissen sie über den Nordpol?"

„Der Nördliche Wasserstamm lebt dort droben und es ist kalt", sagte Lu-shan argwöhnisch. „Warum?"

Yakume neigte den Kopf. „Ich gehöre zur Armee. Ich habe noch nie an einer Erkundungsmission in Polarregionen teilgenommen. Aber ich habe unsere Texte gelesen. Nehmen sie den kältesten Winter, den sie je in Ba Sing Se erlebt haben; wenn ihr Atem gefriert und Schnee liegen bleibt, statt zu schmelzen und es ihnen vorkommt, als ob ihnen nie wieder warm wird." Er bedachte Lu-shan mit einem stetigen Blick. „Nehmen sie das alles und bedenken sie, dass das am Nordpol ein lauer Sommertag ist."

„Ihr Geister", murmelte Lu-shan.

„Der Wasserstamm lebt ebenso sehr auf Eis wie an Land", fuhr Yakume fort. „Ihre größte Stadt ist am Rand einer Insel, damit sie ihre Ren-Yaks im Landesinneren weiden lassen können. Nicht, dass es einfach ist, zu erkennen, dass da Erde ist, bei all dem Eis... Die Karten die wir haben, zeigen, dass der Meeresboden sehr steil und sehr tief abfällt. Wenn Schiffe dort sinken... die liegen in Tiefen von ein paar Hundert bis mehreren Tausend Fuß unter Wasser. Selbst wenn das Wasser dort warm genug wäre, dass man nicht nach ein paar Minuten tot ist – niemand kann für die Toten hinab tauchen. Nicht mal für Leichenteile."

„Aber da gibt's doch noch diese... zeremonielle Flamme", zeigte Lu-shan auf.

„Und wenn irgendwer im Kommandostab auch nur einen Hauch von Mitgefühl und gesunden Menschenverstand hat, dann ist jemand weit genug in den Norden eingedrungen um eine anzuzünden", sagte Yakume ernst. „Falls der Wasserstamm sie dabei nicht ertappt hat und falls die Totengeister überhaupt dazu bereit sind, beschwichtigt zu werden."

Lu-shans Brauen kletterten bei den Einschränkungen überrascht nach oben, ließ es aber auf sich beruhen. „Warum erzählen sie mir das, Master Sergeant? Ich bezweifle, dass es ihren Befehlshabern gefiele, dass unterworfene Einheimische erfahren, dass einer ihrer Soldaten Zweifel hegt."

Agni, hatte er Kopfschmerzen. „Kapitän Lu-shan, ich bin dafür verantwortlich, dass hier Frieden herrscht." Sei direkt. Das verstehen sie nie, nicht am Anfang. „In dem Moment, als Ba Sing Se von Prinzessin Azula übernommen wurde, ist diese Stadt zu einem Teil der Feuernation geworden. Genau wie seine Bürger. Und zwar alle."

Lu-shans Brauen kletterten in seine Haare. Er straffte sich, Erschöpfung wurde von Erstaunten verbannt.

„Ich mag sie vielleicht nicht, oder ihre Sitten, oder was ihre Leute von meinen halten", fuhr Yakume fort, beinahe knurrend. „Verdammt, ich weiß sehr wohl, dass es zu viele meiner Kameraden gibt, die sich weigern, einen besiegten Feind zu respektieren. Viel zu viele, seit General Iroh in den Ruhestand ging. Aber egal was ich weiß oder was mir gefällt, es ändert nichts daran, was ist. Ich habe meine Pflicht und ich werde sie erfüllen. Solange ich die Order habe, hier die Stellung zu halten, so lange steht ihr unter meinem Schutz." Er ließ einen Moment verstreichen und ein schiefes Lächeln erschien auf seinem Gesicht. „Ich bin ein alter Soldat. Ich finde, dass ich meine Gewohnheiten nicht einfach ändern kann, nur weil ein neuer Kommandant sie für … unbequem hält."

„Ihr habt diese Feuer nicht gelegt." Lu-shan kaute an dieser Schlussfolgerung und ihm gefiel offensichtlich nicht wie sie schmeckte. „Aber warum sollte – Oma und Shu, warum frage ich mich das? Falls den Dai Li ein General entgangen ist, würde der einfach mit dem weitermachen, was er kennt. Den Krieg führen und den Rest von uns zerschmettern." Noch ein Stirnrunzeln und er beäugte Yakume wieder. „Schade, dass sie auf der anderen Seite sind."

„Ich könnte das Gleiche von ihnen sagen", sagte Yakume trocken. „Aber in der Feuernation... Nun. Über die Jahre hinweg habe ich erkannt, dass das, was wir einen ehrenwerten Gegner nennen, dem ähnelt, was ihr Königreich – Vereinbarung zur begrenzten Hilfeleistung nennt. Das ist glaube ich der richtige Begriff."

Lu-shans Aufmerksamkeit hing an ihm, wie ein Magnetstein. „Reden sie weiter."

„Wir erkennen beide an, dass wir ein gemeinsames Ziel haben und stimmen überein, zu kooperieren, um dieses Ziel zu erreichen", begann Yakume. „In unserem Fall, Frieden und Sicherheit für diesen Teil des Unteren Rings. Wir vertrauen darauf, dass jeder von uns dieses Ziel voranstellt – und wenn das nicht länger möglich ist, er ehrenhaft und anständig genug ist, den anderen darüber zu informieren."

„Sie wollen eine Abmachung." Lu-shan wirkte unruhig. „Die von der Feuernation können keine Abmachungen halten."

„Sie zu brechen schadet uns nicht so wie euch", bestätigte Yakume. „So wie es euch nicht schadet... nun. Sie glauben mir wahrscheinlich nicht, wenn ich es ihnen sage." Er zuckte die Schultern, als ob es unwichtig wäre und steife Muskeln beschwerten sich bei jeder Bewegung. „Aber wir können sie halten. Jedoch bindet uns nur unser Wort und unsere Ehre, nicht unsere ureigene Natur. Also werde ich nie verlangen, dass sie eine Abmachung mit mir eingehen, Kapitän Lu-shan. Doch wenn sie mir ihr Wort gäben, dass wir gemeinsame Interessen haben..."

„Hm." Mit einem nachdenklichen Stirnrunzeln lehnte sich Lu-shan zurück.

Er denkt darüber nach. Das ist alles, was ich jetzt verlangen kann. „Was sie auch entscheiden, sollten wir trotzdem beide versuchen, uns etwas auszuruhen. Bald wird es ziemlich hektisch werden."

Lu-shan war gut, sehr gut; das Ergebnis von jahrzehntelanger Arbeit als Wachmann. Besorgnis flackerte schwach in seinen Augen. „Glauben sie, dass dieser Leutnant zurückkommt?" Er schnaubte. „Was denkt ihr Leute euch eigentlich, eine Frau in eure Armee zu lassen? Was, wenn sie gefangen genommen wird?"

„Falls das geschieht und ihre Häscher beschließen, etwas Unmenschliches zu tun, würde sie es ertragen", sagte Yakume kalt. „Und wenn wir sie dort rausholen – weil wir unsere Leute nie zurücklassen – hätte sie mehr als genug Kameraden um sie bei lebendigem Leib zu verbrennen." Er starrte den Mann nieder. „Leutnant Teruko wäre die erste, die ihnen sagen würde, dass sie keine Frau ist. Sie ist ein Marinesoldat."

„... Ihr Leute seid verrückt."

„Danke sehr", sagte Yakume amüsiert. „Ich befinde mich scheinbar in guter Gesellschaft."

„Was?"

„Kapitän Lu-shan", sagte Yakume trocken, „wir wissen doch beide, dass sie wissen, dass sich einer von Sozins Blutlinie auf diesem Schiff ist."

Überraschung. Zorn. Resignation. „Und was wollen sie deswegen machen?", sagte Lu-shan flach. „Den Jungen einfach an diese Feuerhexe übergeben, die unsere Stadt eingenommen hat? Oma und Shu, das würde ich sogar ihnen nicht antun!"

Ausbildung, jahrelange Kriegserfahrung, Willenskraft und Talent; alles dazu kanalisiert, still zu halten – trotzdem erstarrte Yakume. Er hatte General Iroh gemeint. Doch was Lu-shan gesagt hatte...

Der Prinz lebt.

Prinz Zuko. Der Verbannte. Der Thronerbe, der angeblich den Tod eines Verräters gestorben war, durch Atem und Wort seiner eigenen Schwester. Lebendig.

„Sind..." Er erkannte seine eigene Stimme nicht wieder. „Sind sie sicher?"

„Jetzt sehen sie so aus, als hätten sie einen Geist gesehen", grummelte Lu-shan. „Huojin war sich sicher. Warum aber irgendwer, der es von der Prinzessin weggeschafft hat, es riskieren sollte zurückzukommen... was haben sie jetzt vor?"

Agni, was für eine Frage. Falls ein Feuerbändiger die Loyalität gebrochen und überlebt hatte... „Er hat nicht nur als Kräuter-Heiler mit Heilerin Amaya gearbeitet, oder?"

„Nein", sagte Lu-shan verwirrt. „Naja, das auch, natürlich, aber – er ist ein Bändiger. Was haben sie denn gedacht, dass er gemacht hat?"

„Feldmedizin", gestand Yakume verblüfft. „General Iroh hätte dafür gesorgt, dass er darin ausgebildet ist... Agni, ein Feuer-Heiler."

Lu-shan beobachtete ihn sehr sorgfältig. „Nicht nur was, von dem wir nie was gehört haben, nehme ich mal an."

Eine Hoffnung. Eine Legende. Das Herz, das euer Avatar versucht hat, uns herauszureißen.

Meine Schwüre, oder mein Volk. Agni, was soll ich tun?

„Wissen sie", sagte Lu-shan wie nebenbei, „sie sehen aus wie ein Mann, der dabei ist was wirklich Dummes zu tun."

„Nicht bevor ich nicht darüber geschlafen habe", sagte Yakume fest. Ich kann das nicht entscheiden. Nicht jetzt. Das kann ich nicht.

ich muss den General sehen. Ich muss wissen, warum er sich gegen den Feuerlord gewendet hat.

Nun. Er war auch nicht blöd genug, um das ohne Schlaf zu unternehmen. „Wenn ich sie wäre Kapitän, würde ich einen Weg finden, um die unter meinem Kommando zu warnen, die die ihnen wichtig sind, vom Oberen Ring fernzuhalten."

Es dauerte einen Moment, um durchzudringen. Lu-shan schüttelte sich wie ein Hund der Wasser abschüttelte. „Sie hat Long Feng besiegt. Sie hat den Dai Li übernommen. Sie hat die Stadt erobert!"

„Ja, das stimmt", stimmte Yakume zu.

„Er ist ein Heiler, verdammt noch mal!"

„Ach, richtig, ihr bildet eure Sanitäter nicht zum Kämpfen aus", überlegte Yakume. „Heiler, ja. Aber er ist auch ein ausgebildeter imperialer Feuerbändiger, Kapitän. Die Gerüchte zeichnen ihn vielleicht als wenig begabt, doch ich kenne den General. Ich habe unter ihm gedient. Der Drache des Westens gibt sich nur mit dem Besten, zu dem seine Männer imstande sind, zufrieden. Und wenn er nur zu den Grundformen fähig ist, dann kennt er diese Formen in- und auswendig. Und ein Mann, der seine Grundlagen kennt und sie nutzt, kann tödlicher sein, als selbst ein aufgehender Stern von einem Bändiger. Wenn er weniger Optionen hat, dann muss er nicht nachdenken."

Mehr musste nicht gesagt werden. Lu-shan war ebenso erfahren im Kampfgetümmel wie ein Soldat, wenn auch auf einem weniger tödlichen Schlachtfeld. Im Kampf nachzudenken konnte einen umbringen.

Lu-shans Gesichtsausdruck schwankte zwischen Mitgefühl und Abscheu. „Im Erdkönigreich unterstützen wir einen Mann weil er Recht hat. Nicht weil wir der Meinung sind, dass er gewinnt."

Yakume schüttelte das erste Aufbrausen des Zorns ab. Denn nach seinen Sitten hatte der Mann Recht. „Und was tut ihr in einem eurer Dörfer, wenn der Bürgermeister zwei Erben hat, die sein Testament anfechten?"

„Wir ziehen vor Gericht", warf Lu-shan zurück.

„Ein Agni Kai ist ein Gerichtsurteil", legte Yakume dar. „Es bedeutet, Agni zu bitten zu klären, wer stärker ist. Wer mehr in der Gunst der Geister steht. Wer Recht hat."

„Agni..." Lu-shan blinzelte. „Ein was?"

„Ein Feuer-Duell", informierte ihn Yakume. „Wenn er die Prinzessin herausfordert und sie annimmt, haben wir kein Recht einzugreifen." Erleichterung ließ den Raum für einen Moment ergrauen. Ich brauche Schlaf. Dringend. „Die Konsequenzen könnten ernst werden, aber niemand wird den Sieg anzweifeln."

Lu-shan beäugte ihn. „Was, wenn sie sich weigert?"

Yakume starrte den Kapitän an, als ob er gerade mit größtem Ernst erklärt hätte, dass der Mond aus grünem Käse bestand. „Weigern? Während so viel auf dem Spiel steht? Obwohl sie ihren Gegner noch nicht mal durch Waffengewalt überwältigt hat? Das wäre ehrlos!"

„Er ist im Exil", zeigte Lu-shan auf.

„Er wurde geboren als ein Großer Name und er wird sterben als ein Großer Name", sagte Yakume würdevoll. „Es stimmt, er wurde ins Exil geschickt. Sollte er wieder einen Fuß auf die Heimatinseln setzen, hätte selbst der geringste Bauer das Recht und die Pflicht, ihn zu exekutieren. Doch das hat er nicht. Er ist hier. Und wenn ein Großer Name eine Bedrohung von einem ihrer eigenen Art nicht kommen sieht, dann hat sie es nicht verdient, zu gewinnen."


Azula, Ty Lee/ Gästequartier/ Ba Sing Se

Keine Kopfschmerzen mehr.

Azula blieb schlaff, täuschte Schlaf vor, und lauschte nach irgendeiner Spur möglicher Meuchler.

Nur weil sie sich besser fühlte, hieß das nicht, dass es ihr auch besser ging. Nur weil sie sich sicher fühlte...

Es ist nirgendwo sicher.

Seidige Bettlaken, genau so weich und mit dem gleichen Geruch, den sie in ihrer Tarnung als Kyoshi-Kriegerin bemerkt hatte. Der Geruch von Nudeln und vollmundiger Soße mit einer schwächeren Spur von Limone in der Luft, als ob jemand extra ein Glas für sie ausgepresst hatte. Ruhige, vertraute Atemzüge; jemand saß am Fußende ihres Bettes, wo sich jeder Feuerstoß verriet, ehe er landen konnte.

Ty Lee. Sie fragte sich offenkundig, ob ihr erlaubt sein würde, diesen Morgen zu überleben.

Soll sie noch etwas schwitzen.

Min war weg, natürlich. Das war unvermeidbar, da ihre letzte von Wut vernebelte Erinnerung war, wie diese abscheuliche Wasserbändigerin sie berührte –

Min und seine Verbindung zum Erd-Widerstand. Beides hatte Ty Lee offensichtlich für die... Bemühungen der Wasserbändigerin weggegeben.

Gestern hätte ich sie dafür versengt.

Und das war, wie sich Azula kalt einzugestehen zwang, das beste Argument, das für Ty Lee sprach. Die kleine Chi-Blockerin war für ihre Gegner so gefährlich, eben weil sie so frisch und unschuldig wirkte. Narben hätten ihren Nutzen verringert.

Mehr noch war Ty Lee nützlich, weil sie Azula fürchtete. Es war Furcht, aber kein Entsetzen, wodurch sie sonst völlig erstarrt wäre. Emotionaler Schmerz, mentaler Schmerz – das konnte einen Diener stärker binden, als stählerne Ketten. Körperlicher Schmerz könnte eine rein körperliche Reaktion provozieren. Und bedachte man Ty Lees Herkunft – wenn sie erst mal auf der Flucht war, konnte es sein, dass sie nie wieder anhielt.

Ihr glaubt, ihr habt euch so gut verborgen. Azula hielt ein amüsiertes Lächeln von ihrem Gesicht fern. Als ob Zuzu der einzige war, der je die Geschichte eurer Vorfahren studiert hat.

Doch sie hegte den Verdacht, dass Zuko Schriftrollen gelesen hatte, bei denen sie nie die Chance gehabt hatte, sie für sich zu stehlen. Iroh hatte es geschafft, ihrem Bruder in den Jahren vor dem Exil die eigenartigsten Folianten an den Kopf zu werfen und sie würde darauf wetten, dass der alte Wichtigtuer danach nur noch schlimmer geworden war. Geschichtsbücher, die nicht geschrieben worden waren, um die Feuernation zu rühmen; was war nur mit dem Mann los?

Was er Zuko gelehrt hat, ist unwichtig.

Und wenn schon ein paar Familien vom Blut der Luftnomaden überlebt hatten? Die Generation des Avatars war vergangen und das Luftbändigen mit ihnen. Jetzt, da der Avatar tot war, stellten sie keine Bedrohung dar.

Und falls der nächste Avatar des Wasserstamms sie aufsuchte? Pflicht und Ehre ketteten Ty Lees Sippe an die Feuernation und kein Kind des Wassers konnte das Land seiner Feinde durchqueren, ohne dem Drang nach Rache nachzugeben.

Und wenn der Avatar sich erst verraten hatte... mit einer vereinten Feuernation und den Mauern – einst die niedergerissenen Hoffnungen des Erdkönigreichs – war seine Gefangennahme unvermeidlich. Bedauerlich, dass Zuko nicht da sein würde, um es zu erleben.

Hör auf über Zuko nachzudenken!

Doch das ging nicht, nicht ganz, und diesem hartnäckigen stachligen Gedanken zu folgen, gepaart mit der letzten verschwommenen Erinnerung unter Amayas Händen, zeigte ihr warum.

Zuko hat dich lieb."

Worte hätte sie beiseite wischen können. Sie hatte ihre eigene Mutter unzählige Male lügen hören, als sie ihrem kleinen Monster von einer Tochter erzählte, dass sie sie liebhatte. Agni, sie hatte gehört, wie ihr Vater es sagte und gewusst, dass es nur eine weitere Waffe in seinem Arsenal war. Man musste sich nur Zuko anschauen, was er alles erduldet hatte, allein in der Hoffnung auf die Anerkennung des Feuerlords.

Und die hätte er nie bekommen. Narr.

Doch Amaya hatte ihr keine Worte gegeben. Sie hatte ihr Gewissheit gegeben.

Er wollte dich beschützen.

So stabil wie die Stahlhülle eines Schlachtschiffes. Rein und klar wie der Funke vor dem Blitzschlag.

Oh, da war auch Hass. Mit allem, was sie ihm angetan hatte, mit der Zustimmung ihres Vaters, wäre Zuko ein Narr gewesen, sie nicht zu hassen. Und er war vielleicht ein Idiot gewesen, aber nicht so blöd.

Es war der Hass, der sie schließlich überzeugte. Ursa hatte von Liebe gesprochen und gelogen. Feuerlord Ozai hatte davon gesprochen und sie verhöhnt. Aber Zuko...

Er hat mich gehasst. Und Vater. Und sich selbst.

Warum sonst hätte er das tun sollen und sich selbst vernichten, um sie aufzuhalten? Nein; der Hass, den Amaya ihr gezeigt hatte, war echt. Doch wenn das echt war...

Er hatte dich lieb und er wollte dich vor der größten Bedrohung gegen die Feuernation schützen, die sie je gesehen hatte. Vor dir selbst.

Sie vor sich selbst schützen? Als ob sie je die Feuernation bedrohen würde. Das war unmöglich –

Moment.

Zuko war ein Idiot. Das hatte ihr Vater gesagt und alle hatten es geglaubt. Und doch hatte Zuko in Ba Sing Se überlebt, im Verborgenen, über einen Monat lang. Und das, während die Dai Li ihn aktiv beobachteten.

Das war entweder Intelligenz oder Glück. Und Zuko hatte kein Glück.

Das musste sie genauer überdenken. Und nicht auf leerem Magen. Mit diesem Entschluss setzte Azula sich auf.

Ty Lee blinzelte sie an, dann fiel sie in eine unterwürfige Verbeugung –

„Du bist eine Närrin", sagte Azula knapp. „Ich werde noch abwägen, ob du eine zu große Närrin bist, um dich am Leben zu lassen."

„Es tut mir – was?", brachte die Akrobatin heraus.

„Es stimmt, dass die Okkupation mich mehr braucht, als ich einen einzelnen Rebellen niederwerfen muss", legte Azula dar. „Aber du hast einer Frau vom Wasserstamm zugetraut tatsächlich ihr Wort zu halten, das sie jemandem gegeben hat, der nicht von ihrem Stamm ist." Sie funkelte die Chi-Blockerin an. „Hast du den Geschichtsunterricht verschlafen, als es um die Barbaren ging? Selbst Zuko hat es besser gewusst, als denen vom Wasserstamm zu trauen! Wieso glaubst du eigentlich, dass ich mich so leicht zurückziehen konnte, als er sich mit den kleinen Kriegern des Avatars gegen mich gestellt hat? Er wusste, dass er ihnen nicht über den einen Moment, in dem sie dachten, dass sie mich hätten, trauen konnte. Ich bin überrascht, dass er und Onkel es geschafft haben, dieses nette Stück Heimtücke zu überleben. Onkel muss die Wasserbändigerin vertrieben haben, ehe sie meinen Bruder umbringen konnte."

„Ihn umbringen?", sagte Ty Lee schwach und wagte es aufzublicken. „Aber Sokka ist so niedlich. Und nett. Warum sollte seine Schwester so was machen?"

„Brüder und Schwestern sind sich nicht immer ähnlich", sagte Azula trocken. „Sokka ist vielleicht angenehm, auf eine einfältige und sture Art. Wenn du ihn dir schnappen kannst, dann darfst du ihn behalten. Aber seine Schwester hat versucht mich mit einer Rasierklinge aus Wasser zu köpfen."

„...Oh."

„Vertraue niemals Wasser", bekräftigte Azula. „Die vom Wasser sind ihrem Stamm loyal und nur ihrem Stamm. Wenn man nicht vom Wasser ist, dann ist man kein Mensch. Nicht in ihren Augen."

„Okay", wisperte Ty Lee. „Ich denke daran."

„Das will ich dir auch geraten haben." Azula straffte sich. „Heilerin Amaya. Na klar doch." Doch die Stammesfrau musste etwas Erfahrung haben auf gut Glauben zu handeln, sonst hätte sie es in dieser Stadt nicht so lange ausgehalten. Guter Glaube, den die Dai Li anscheinend auch vertraut hatten; darüber musste sie sich mit Agent Chan noch genauer unterhalten. „Denke daran, wir sind hier die Eindringlinge. Ein hastiger Zug von ihr, ein absichtlicher Fehler in ihrer Heilung und wo wäre ich dann?"

Langsam erhob sich Ty Lee. „Ihre Aura sagte, dass sie das nicht macht", protestierte die Chi-Blockerin. „Sie mag dich nicht. Sie kann dich wirklich echt nicht leiden. Aber sie hat das was sie gesagt hat, ernst gemeint. Sie... ich glaube, sie hat Zuko als Ziehsohn aufgenommen, Azula. Wie in meiner Familie. Sie hat nicht gemacht was sie wollte. Sie hat gemacht, was er gewollt hätte."

„Und Zuko hätte gewollt, dass ich lebe." Azula zog eine Braue hoch und testete diese Idee. Das schien zu dem Skelett der Theorie zu passen, das sie aufbaute, so befremdlich diese Spekulation auch war.

„Natürlich hätte er gewollt, dass du lebst!" Ty Lee vibrierte fast vor Aufrichtigkeit. „Du bist die Erbin. Was passiert mit der Feuernation, falls du stirbst? So wie Lu Ten. Es wäre schrecklich!"

Wie Lu Ten. Agni, das passte so gut zusammen. Zuko hatte seinen Cousin verehrt. Er war am Boden zerstört gewesen, als Irohs Erbe gestorben war, hatte all die Möglichkeiten, die ihnen jetzt offenstanden, verkannt. Azulon war zu vertrocknet und missgelaunt, um einen weiteren Sohn zu zeugen. Iroh war der Erinnerung an Natsu zu treu. Die Feuernation brauchte einen anderen Erben, oder würde sonst einen Bürgerkrieg riskieren –

Oh.

Geister, das passte nur zu gut zu Zuko; er sah die Welt nie vom gleichen Blickwinkel wie der Rest des Hofstaates und er hatte nie herausgefunden, wie er es erklären konnte...

Azula wies Ty Lees Versuche, ihr beim Baden und Ankleiden zu helfen zurück und machte ihre Morgentoilette in einem wild sprudelnden Gedankenstrom. Und sie spritzte sich freigiebig kaltes Wasser ins Gesicht, denn sie hatte offensichtlich jahrelang etwas übersehen.

Nimm an, dass Zuko kein Idiot war.

Dumm, was Familie anging, sicher, so wie Iroh auch. Doch das hatte General Iroh nicht davon abgehalten, einer der effektivsten und intelligentesten Kommandanten in der Geschichte der Feuernation zu sein. Er hatte Jahrzehntelang das Erdkönigreich überlistet und militärisch in die Ecke gedrängt, bis er bei Ba Sing Se gegen die Wand gelaufen war – buchstäblich.

Aber wenn man die ganzen Dummheiten, die Zuko sich im Namen von Familie geleistet hatte ignorierte – zugegeben, da gab es eine Menge zu ignorieren – er war vom gleichen Geblüt wie sie. Nicht nur meisterliche Feuerbändiger, sondern taktische Genies.

Er hat etwas gesehen, das ich nicht bemerkt habe.

Ein Bürgerkrieg in der Feuernation? Lächerlich. Wer würde es wagen?

Du weißt wer.

Vereist noch mal, sie wusste es tatsächlich. Es gab immer noch Domänen, die sich an Legenden aus der Zeit vor Kyoshis Erlass klammerten; immer noch Große Namen, die sich ihrem Vater nur beugten, weil sie keine andere Wahl hatten. Domänen wie Byakko.

Und Zuzu war immer Mamas kleiner Liebling.

Also war es möglich, dass er etwas gewusst hatte, von dem der Feuerlord und Azula selbst nichts ahnten. Wenn auch nur Hinweise und keine harten Fakten. Und wenn das stimmte, und er nicht ganz der Idiot war, wie Vater immer gesagt hatte –

Dann bekam die Peinlichkeit im Kriegsrat eine ganz andere Farbe.

Niemand hätte Zuko ernst genommen, wegen einer internen Bedrohung der Feuernation. Nicht wenn er nicht mal Erfahrung mit der offensichtlichen, externen Bedrohung des Krieges hatte. Zuko hätte das gewusst. Und da er Zuko war – das heißt, so subtil wie ein Feuerstoß in trockenem Gras – hatte er versucht etwas Erfahrung zu gewinnen.

Ups.

„Ein guter Witz?", wagte Ty Lee einen Vorstoß über den Resten ihres Frühstücks.

„Nicht so gut, wie ich zuerst geglaubt habe", erwiderte Azula.

Nun. Zumindest war sie sie jetzt gewarnt. Allerdings, warum für Zuko das ein Grund war, um gegen sie zu handeln, wo sie doch die Erbin war –

Sie glauben, du schaffst es nicht!

Sie war ja nicht blind. Sie wusste, dass Feuerlord Ozai sorgfältig jeden Tropfen Macht abmaß, den er ihr zugestand. Falls die Großen Namen genug Hirn hatten, das auch zu sehen, konnten sie den völlig verkehrten Schluss gezogen haben.

Narren.

Doch Annahmen hatten mit Macht ebenso viel zu tun, wie die Realität. Man brauchte sich nur diese Idioten am Nordpol anzusehen. Sie nahmen an, dass sie die Feuernation besiegt hatten und so waren sie bereit, ihre Verteidigung zu schwächen, indem sie Wasserbändiger nach Süden schickten; möglicherweise um die Überreste des Südlichen Stammes zu unterstützen, den vielen Sichtungen der Marine zufolge.

Sie sehen den Sieg des Avatars als ihren Sieg an und seine Macht als ihre Macht –

Im kommenden Sommer beabsichtigte sie, das in einen letzten, fatalen Fehler zu verwandeln.

Sie genoss die kommende Vergeltung, wie die köstlichste Obsttorte. Es war fast genug, um die Wut über ihre Niederlage zu beschwichtigen.

Zeitweilige Niederlage. Sie glauben, sie haben gewonnen. Und diese Selbstüberschätzung wird sie umbringen. „Wie viele haben wir letzte Nacht verloren?", sagte Azula abrupt.

„Ich bin mir nicht sicher", gestand Ty Lee.

Azulas Augen wurden schmal.

„Dieser – diese Geisterfrau kam durch den Boden herauf, du hast das nicht gesehen, aber..." Zitternd kauerte sich Ty Lee zusammen.

Entsetzen sah Azula in dieser Haltung. Wahrer, qualvoller Schrecken. Und das nicht vor ihr.

Das geht überhaupt nicht an.

Mit Mühe machte sie ihre Stimme sanfter und berührte ihre kalte Hand. „Erzähle es mir."

„Es – es tat weh", brachte Ty Lee heraus. „Als ob das der Kummer der ganzen Welt war. Man konnte sie nicht aufmuntern, nicht mit ihr reden..." Sie zitterte. „Ich glaube, ich wurde ohnmächtig."

Ein Spuk des Erdkönigreichs. Und Erde ist der Widerpart von Luft, schlussfolgerte Azula. Ty Lee log nicht. Es war gut möglich, dass sie nicht mal übertrieb.

„Als ich aufgewacht bin – Agent Chan half mir, dich ins Bett zu bringen. Und er sagte, dass alle Dai Li, die dich verraten könnten weg sind." Ty Lee lächelte, immer noch zittrig. „Und auch Kueis Bücherei; aber ich denke damit können wir leben."

Die Bücherei des Erdkönigs? Azula blinzelte verdutzt. Was darin konnte es wert sein, sein Leben zu riskieren? Und – alle Dai Li, die sie verraten könnten? Verdammt, sie wollte harte Zahlen. „Und was noch?"

„Also... in der Stadt hat es gebrannt", gab Ty Lee zu. „Ein paar Leute sind gestorben."

Feuer? Der Anführer der Rebellen hatte Nerven, wer immer das auch war. Sie musste dafür sorgen, dass sie seine Hinrichtung genießen konnte.

„Und", Ty Lee schluckte, „ich glaube, ein paar der Kriegsgefangenen sind entkommen."

„Ein paar?" Azula zog demonstrativ ihre Hand zurück.

„Vielleicht eine Menge?"

Ich versuche gerade harte Fakten aus Ty Lee herauszubekommen, dachte Azula sardonisch. Ich bin wohl noch nicht ganz wach. „Und Suzuran?"

„Die haben ganz früh heute Morgen angedockt", sagte Ty Lee verwirrt. „Warum? Sie können Min nicht helfen, zu entkommen. Das ist er doch schon."

Und Erdbändiger flohen nicht. Normalerweise. Doch Min Wen war zur Hälfte Feuer und Agni allein wusste, was er jetzt versuchen würde. Ganz besonders mit Mai, die ihn anstachelte.

Ich habe dir alles gegeben, was du wolltest! Warum hast du mich verraten? Warum?

Nur stimmte das nicht ganz, oder? Mai war ein Falke gewesen, der im Käfig eines Singvogels eingesperrt war, mit blutenden, angeschlagenen Flügel. Sie hatte Mai befohlen zu fliegen, ihr die Erlaubnis gegeben, ihre tödlichen Talente auf Geheiß ihrer Prinzessin zu gebrauchen.

Doch manche Falken flogen nicht auf die Faust eines Falkners. Manche erstürmten den Himmel oder vergingen dabei.

Du solltest es nie erfahren. Du solltest nie erkennen, dass es ein Leben frei von mir geben kann. Wie kannst du es nur wagen mir davonzufliegen!

Ein Verräter verdiente den Tod eines Verräters. Sie musste nur die Spielsteine richtig auf dem Brett arrangieren. „Hol mir Agent Chan", wies Azula an. „Ich will die vollständigen Berichte darüber, was letzte Nacht passiert ist."

Denn Mai hatte ja gehört, wie sie Suzuran erwähnt hatte. Und das hieß, dass sie vielleicht erkannte, welche Hilfe das Schiff auch bieten mochte, es sehr wohl zu Azulas Falle werden konnte.

Als ob ein Vorratsschiff mehr zustande bringt, als Getreidesäcke in ein Feuer zu werfen, dachte Azula sarkastisch. Zugegeben, Logistik war der Schlüssel, um die Armee zu ernähren und einsatzbereit zu halten. Doch jetzt im Moment? Falls sie überleben wollte, brauchte Mai Soldaten und keine Suppe.

Mehr noch, sie braucht ein Wunder, dachte Azula düster erfreut. Ich finde dich. Euch alle. Und dann mache ich euch den Garaus.

Stadt zuerst. Vergeltung für die Demütigung später.

Azula tappte blutrote Nägel auf den Frühstückstisch, während sie auf die Berichte wartete. Und träumte von Blut und Feuer.


Zuko, Teruko/ Unterer Ring/ Ba Sing Se

„Das gefällt mir nicht."

Zuko verzog das Gesicht, als er das Sir hörte, das Teruko bedächtig nicht anhängte. Doch er folgte ihr trotzdem in den kleinen ummauerten Garten und schloss das perforierte Eisentor sorgfältig hinter ihnen. Das hier war kein Privatgarten, wie Amayas Kräutergarten oder das Gemüsebeet einer Familie im Mittleren Ring. Das hier war ein Gemeinschaftsgarten, der von armen, aber stolzen Bewohnern des Unteren Rings bearbeitet wurde und es hätten Leute hier sein sollen. Leute, die Grünzeug sammelten, oder die Melonen-Gurken jäteten, oder einen ruhigen Moment für sich stahlen, fern von Krieg und Invasion.

Trotzdem war keiner hier. Und mit der ganzen Erde... ein arrangiertes Treffen konnte ebenso gut zu einem arrangierten Hinterhalt werden.

Terukos Blick war so vielsagend wie eine Botenrolle. Wir werden beobachtet.

Er wusste es. Er konnte es spüren. Und hier kam die ultimative Prüfung.

Vertraue ich meinen Leuten? Glaube ich daran, dass sie es an Azula vorbei geschafft haben? Glaube ich daran, dass wir es geschafft haben?

Ein bisschen Pech. Ein Moment der Unaufmerksamkeit. Mehr brauchte es nicht, um alles zerbrechen zu lassen. Und die Geister dieser Welt hassten sein Volk.

So viel Hass. So viel Schmerz. Wie kann irgendeiner von uns jemand anderem vertrauen?

Zuko wappnete sich und nahm seinen Helm ab.

„Ich wusste ja, dass du verrückt bist." Huojin trat hinter dem verdächtigen Grünbeerenstrauch hervor. „Aber du bist echt total durchgeknallt."

Einen Moment lang konnte Zuko nur starren. Er ist hier. Er ist echt hier. Ich habe es so weit geschafft und wir sind alle noch am Leben –

„Ah! Lee! Rüstung! Au!"

Eine weitere feste Umarmung – er tastete nach Waffen oder verborgenen Sprenggummi, man konnte nie vorsichtig genug sein – dann trat Zuko zurück, heftig blinzelnd. Nicht heulen. Dumm hier draußen zu heulen, wo jeder reinschleichen kann. Dumm überhaupt zu heulen, alles ist in Ordnung... „Du bist am Leben", brachte er rau heraus. „Das – ich –" Worte entglitten ihm wie Flammen.

Oh nein. Oh nein, nicht hier, nicht jetzt... muss mich zusammenreißen...

Weil Huojin ihm einen besorgten Blick zuwarf, der plötzlich alarmiert wurde und Huojin kannte Teruko nicht –

Keine Bedrohung. Sicher. Wir, hier, jetzt. Sicher, froh dich zu sehen, besorgt...

Er hatte Huojins Hand in seine eigenen gefangen. Wann hatte er das gemacht? Und warum?

Huojin warf ihm den seltsamsten Blick zu, als Zuko losließ und zu Teruko schaute. „Also... sie gehören zu unseren neuen Freunden?"

„Und wir sollten besser außer Sicht gehen", sagte Teruko sachlich. „Ich erkläre es. Unter der Erde."

„Das sollte eine wirklich gute Erklärung sein", grummelte Huojin und schüttelte die Hand aus, also ob sie kribbelte.

Kein Witz. Benommen folgte Zuko dem Wachmann in das Loch hinter dem Busch. Seine Laune hellte sich auf, obwohl sich die Erde über ihnen schloss. „Suyin, Jia." Und es war gut sie zu sehen, auch wenn sie seine Rüstung anstarrten, allerdings... er funkelte Huojin an.

„Die anderen Erdbändiger sind beschäftigt", verteidigte sich Huojin. „Wir müssen die ganzen Armeekerle unterbringen, Quans Dai Li bewachen den Erdkönig und Tingzhes Aufgabe ist es, die Evakuierung am Laufen zu halten, der Ärmste. Außerdem brauchten wir jemanden, der eine rote Rüstung nicht beim ersten Anblick zerquetscht."

„Und ich bin mitgekommen um zu helfen", erklärte Suyin und ihre Stimme zitterte etwas als sie an ihm vorbei zu Terukos ausdrucksloser Gesichtsplatte schaute. „Jia mag es nicht zu kämpfen und – ich auch nicht, aber ich kanns..." Sie schaute zu ihrer schweigsamen Schwester.

Jias Hände waren gesenkt und sie studierte Teruko mit verblüfftem Staunen. „Sie sind eine Frau."

Oh, nein –

Doch Teruko lächelte, als sie ihren Helm abnahm. „Jawohl, Ma'am. Leutnant Teruko. Ich kenne Wache Huojin von der Beschreibung des Prinzen. Sie zwei sind Jia und Suyin Wen? Töchter von Meixiang und Tingzhe Wen?"

Beide Mädchen blinzelten sie an. Ihre Blicke fuhren herum und funkelten ihn an.

„Eure Familien stecken schon mitten drin", verteidigte sich Zuko, unsicher, wie er diesen Gesichtsausdruck deuten sollte. „Natürlich habe ich unseren Marinesoldaten gesagt wer ihr seid. Falls... nun, falls etwas schiefgeht."

Huojins Brauen schossen darauf hoch, doch er schwieg, als Jia den Kopf schüttelte. „Es ist einfach schwer zu glauben", sagte sie unsicher. „Sie bekämpfen Soldaten. Wenn etwas schief geht... Papa hat Geschichtsbücher. In ein paar davon, über Gefangene – da kann schlimmes Zeug passieren."

„Deswegen bin ich eine Marinesoldatin und nicht in der Armee", sagte Teruko nüchtern. „Wenn etwas schiefgeht, heißt das normalerweise, dass das ganze Schiff sinkt. Um ehrlich zu sein, gehen die meisten nicht in die Armee. Heimatwache; eine Menge von uns treten dort bei. Spezialeinheiten wie die Yu Yan, die nicht mitten im dichtesten Getümmel stecken sollen. Und da sind immer ein paar wie ich, die es mit den Marinesoldaten aufnehmen. Nur weil wir alle wissen wie man kämpft, heißt das nicht, dass wir so dickköpfig darauf aus sind, unseren Hals zu riskieren wie die Kerle."

„Hey!", stotterten Zuko und Huojin.

„Gefreite Fushi und ich haben uns darüber unterhalten, Sir." Teruko zuckte die Schultern. „Wie man es auch dreht, werden wir eine Menge Mädchen haben, die zum ersten Mal erkennen, dass sie vielleicht kämpfen müssen und Todesangst haben, dass das heißt, so zu kämpfen, wie sie es gehört haben. Und was wissen sie? Geister-Märchen. Theaterspiele. Und jetzt eine echte Invasion. Sie haben wahrscheinlich alle Alpträume über Schlachten in denen alle ruhmreich sterben. Sie wissen doch wie Theaterstücke sind."

Zuko senkte den Kopf. Oh Junge, und ob er das wusste.

„Und verängstigte Kinder lernen nichts", fuhr Teruko fort. „Also müssen wir ihnen die Wahrheit sagen, wann immer wir die Chance haben. Ja, die Leute der Feuernation wissen wie man kämpft. Ja, es ist unheimlich. Aber auf keinen Fall wird irgendeiner von uns sie an die Front schieben und erwarten, dass sie Leute töten. Kein Klan tut so was. Das ist nicht nur dumm sondern lebensmüde."

„Aber Zuko –" Suyin schaute ihn an und presste die Lippen aufeinander.

„Das", sagte Teruko mit einem Tonfall, der Glas schneiden konnte, „ist nur eine der Sachen, die Suzuran liebend gerne mit dem Feuerlord diskutieren würde." Sie fing Zukos ungläubigen Blick auf und hatte den Anstand verlegen dreinzuschauen. „Nicht, dass wir es an Azulons Tor vorbei schaffen würden, aber... Vereist noch mal, Sir, wir haben gesehen, was am Nordpol passiert ist. Sie waren noch nicht mal alt genug, um rekrutiert zu werden und er hat sie hinter sowas hergeschickt? Wir wissen ja alle, dass ihr Geblüt Mumm hat, aber dass der Klan des Feuerlords so sorglos mit dem Leben eines Erbens umgeht? Das beleidigt die ganze Nation!"

„... Hä?", brachte Zuko völlig verwirrt heraus.

Teruko seufzte. „Denken sie einfach darüber nach, Sir. Später." Sie nahm einen Jutesack von der Schulter. „Sind sie sich immer noch sicher deswegen?"

„Ja." Zuko arbeitete schon an den Verschlüssen seiner Rüstung. „Der Erdkönig weiß, was wir sind. Ich will es ihm nicht auch noch unter die Nase reiben." Außer es ist nötig. „Er trägt keine Rüstung. Dafür sind die Wachen da. Und das hier ist nur die einfache Rüstung eines Gefreiten, während alle höheren Offiziere mit denen er bisher zu tun hatte, so beladen wie bemalte Wandschirme sind." Er hob den Kürass über seinen Kopf und ließ es von Teruko in dem Sack verstauen. „Mir gefällt das auch nicht, aber wenn ich sie brauche, bevor wir von dort wegkommen, ist sowieso alles zu Koh gefahren."

„Ihre Entscheidung, Sir", seufzte Teruko.

Während er Rüstungsteile ablegte, spürte er Augen auf sich ruhen. Die von Suyin und Jia hatte er erwartet. Aber Huojin? „Was?"

„Ich wusste zwar, dass du militärisch ausgebildet wurdest, aber..." Huojin schüttelte den Kopf. „Wie lange trägst du das Zeug schon?"

Zuko hielt inne, die Hände an einem Schienbeinschutz. Dann öffnete er die zweite Schnalle und legte ihn ab. „Onkel hatte mich mit elf in meiner ersten vollen Rüstung." Er sagte, ich bräuchte sie.

„Die meisten Großen Namen warten, bis ein Erbe zwölf ist", sagte Teruko ruhig, als sie die Rüstungsteile ineinanderschob. „Bedenkt man aber die Umstände von Lady Ursas Verschwinden – besonders, dass niemand diese Umstände offiziell kennt – verstehe ich die Vorsicht des Generals."

Verrat, dachte Zuko düster. Und Vat- Feuerlord Ozai muss es gewusst haben. Von Anfang an. Und dadurch wurde, auf eine dunkle, schreckliche Art manches was der Feuerlord getan hatte, verständlich. Prinz Zuko kam nach seiner Mutter. Jeder flüsterte das. Und wenn Ursa Verrat begangen hatte...

Und, oh, schaut nur. Hier bin ich, ein Verräter. Ein bitteres Lächeln berührte seine Lippen. Es ist fast lustig.

Tiefer Atemzug. Lass es ruhen. Sie mussten weitermachen.

„Ich wusste, dass die Feuernation anders ist", sagte Huojin bedächtig, als er Zuko einen dunklen Mantel über seine graue Uniformtunika legte. „Ich wusste nur nicht... ich will, dass meine Kinder in Sicherheit aufwachsen."

„Ich kann euch keine Sicherheit bieten", sagte Zuko ungeschönt. „Ich wünschte ich könnte. Aber da draußen tobt ein Krieg. Niemand ist sicher." Er seufzte. „Sie sind keine Großen Namen, Huojin. Keiner wird Meuchler auf sie ansetzen. Das wäre nicht richtig." Er hob den Jutesack mit einem versteckten Stöhnen auf. Es war immer einfacher eine Rüstung anzulegen, statt sie herumzutragen. Verdammte Politik. „In welche Richtung geht es?"

Huojin hob eine Augenbraue, dann führte er sie weiter, während Jia den Weg hinter ihnen mit strategischen Erd- und Steinstürzen blockierte. Jeder einzelne machte Zuko nervös.

Vertraue deinen Leuten. Vertraue deinen Fähigkeiten. In der Erde ist Wasser. Nicht viel, aber damit schaffst du es dich auszugraben. Teruko hat sich im Griff. Du bist ihr Anführer. Also führe sie.

„Also..." Huojin warf einen Blick zu ihnen zurück. „Sie sagten etwas von einer Erklärung, Leutnant?"

„Der Prinz kommt nach seinem Großvater", sagte Teruko nur. „Shidan hat eine Art, Leute dazu zu bringen, zu erkennen, wo sie stehen."

Und wo steht er?, wollte Zuko fragen. Aber nicht hier, nicht jetzt. „Wie läuft der Plan?"

„Die Vorräte sind schon in den Lagerhäusern bereit in einen Zug geladen zu werden, wenn wir einen schnappen", sagte ihm Huojin. „Der Erdkönig hat befohlen, dass damit weiter gemacht wird, egal was sonst beschlossen wird. Er will diese Schriftrollenbibliothek aus der Stadt heraushaben. Und ich habe gehört, dass er glaubt, dass wir die beste Chance sind, um das Erd-Heilen im Rest des Erdkönigreichs zu verbreiten, bevor irgendein Geist es wieder auslöschen kann."

Zuko stolperte fast über einen Spalt im Tunnel und hörte wie Teruko unterdrückt fluchte. „Erd-Heilen?", sagte die Marinesoldatin ungläubig.

Jia lächelte, ein süßes Echo von Suyins Grinsen. „Wir haben es in den Schriftrollen der Dai Li gefunden." Sie nickte. „Es ist schwierig, aber... Oma und Shu, denkt nur was wir jetzt machen können!"

Erd-Heilen. Wir bekommen mehr Heiler! Das sollten gute Neuigkeiten sein. Doch Zuko warf Suyin einen Blick zu, als ihr Grinsen zu Sorge zerschmolzen war. „Was ist los?"

„Wan Shi Tong ist ein Wissensgeist, aber Papa und Amaya denken, dass er es war, der die Dai Li dazu gebracht hat, immer wieder diese Schriftrolle zu vergessen", sagte Suyin ernst. „Und er stiehlt anderes Zeug. Er hat versucht einen Brief zu stehlen, von dem Shirong sagt, dass er für den Avatar und den Krieg wichtig ist. Der Erdkönig musste ihn aus dem Königreich verbannen!"

Teruko machte ein ersticktes Geräusch und Zuko wünschte sich, er könnte den Stolz lange genug ablegen, um das gleiche zu tun. Zugegeben, er hatte gehört, dass der Erdkönig das spirituelle Herz des Königreichs war. Doch er hatte noch nie von einem einzelnen Feuerweisen gehört, der einen Geist von derartiger Macht seinen Willen aufzwingen konnte.

Hätte doch die Rüstung anbehalten sollen.

Dummer Gedanke. Normales Metall konnte ihn nicht vor Geistern schützen. Oder jemanden, der die Macht hatte, sie zurückzuweisen.

Nicht ohne Hilfe. Zuko holte tief Luft. Du hattest es schon mit dem Avatar zu tun. Du kannst es auch mit einem Schamanen aufnehmen.

„Ich verstehe es einfach nicht", fuhr Suyin beunruhigt fort. „Warum sollte ein Wissensgeist wollen, dass Menschen Sachen nicht wissen?"

„Wan Shi Tong? Macht", sagte Zuko knapp. „Bei ihm geht es nur um Macht. Er-Der-Zehntausend-Dinge-Weiß. Das ist sein Name. Das ist es was er ist. Je mehr die Menschen wissen, desto weniger Macht hat er über sie." Und weshalb schaute ihn alle so eigenartig an?

Alle bis auf Teruko. Die war aufgefahren und lächelte jetzt, als ob sie einem alten Freund begegnet war.

„Du weißt von diesem Geist?" Huojin runzelte die Stirn. „Ich glaube nicht, dass ich schon mal von ihm gehört hatte, bevor – nun, vor dem Durcheinander mit Tingzhe und dem Fuchs."

„Ein Fuchs hat Tingzhes Gestalt geraubt?" Zuko biss ein Knurren zurück. „Aufgeplusterter Flederwisch... Die Leute hören Wissensgeist und denken teilen. Weil das Menschen eben machen. Aber was man nicht weiß, kann einem wirklich schaden. Und das weiß er. Er teilt nicht, er hortet. Er stiehlt nicht, oh nein. Die Drecksarbeit lässt er seine Füchse erledigen. Aber wenn man ein Buch über Koh hat, oder irgendwas darüber warum nur die Wasserstämme den Lufttempeln nie Abgaben zahlten..." Er schüttelte den Kopf und entsann sich eines Fuchses in Rans Gestalt und wie nachdrücklich er klargestellt hatte, dass kein Fuchs je wieder in die Nähe seines Klans kommen sollte.

… Und das war totaler Unsinn, weil er noch nie im Leben einem Fuchs den Schwanz weggebrannt hatte.

Und ich kenne keine Ran!

Amaya. Er musste mit Amaya reden. Er war von einem Blitz getroffen worden. Was, wenn er etwas übersehen hatte?

Was, wenn nicht?

Denn die Yaoren sollten dem Avatar helfen. Und er konnte sich nichts Besseres vorstellen, das jemanden dazu brachte zu Aang und seinem 'die Welt ist ein freundlicher Ort, ehrlich' zurück zu laufen, als das Gefühl, dass etwas gefährlich lose in dem eigenen Kopf war.

Verdammt, Yangchen. Ich weiß, dass das deine Schuld ist. Und das wird nicht klappen.

Wasser, Feuer, Geist. Und jetzt auch Erde. Irgendwas davon sollte das, was mit ihm nicht stimmte, wieder hinbiegen können. Ohne auch nur in Aangs Nähe zu kommen.

Der Avatar hat die ganze Welt, die ihn anfeuert. Mein Volk braucht mich.

Wie Teruko schon sagte. Nicht Ersetzbar. Nicht mehr.

„Abgaben?" Huojins Stirn war immer noch gerunzelt, während sie weiter gingen.

Zumindest dafür konnte er auf seine Studien zurückgreifen. Agni sei Dank. „Was, glaubst du denn, dass Leute auf einem Berg leben und Vegetarier sein können?", sagte Zuko säuerlich. „Ich bin da hinaufgeklettert, Huojin. Auf dem Östlichen Kontinent gibt es keine einzige Getreidesorte, die so hoch oben wächst. Von Obstbäumen abgesehen wächst sowieso nur wenig da droben. Und man kann nicht nur von Nüssen und Früchten leben. Und das haben sie auch nicht. Für alles andere hatten sie Arrangements."

„Größtenteils 'Wir halten nach schlechtem Wetter Ausschau und ihr ernährt uns'", warf Teruko ein. „So heißt es zumindest in der Schule. Ich weiß nicht, ob es hier im Osten genauso war, doch in der Feuernation... wenn ihr die Geschichte noch nicht kennt, werdet ihr sie bald hören. Wenn man die Leute sogar heute noch gegen Luftbändiger aufbringen will? Sagt Joetsu. Und Kyoshis Erbe. Sozin hat genau das gemacht. Und der Rest ist... Geschichte."

„Hat wirklich nicht geholfen, dass die Ältesten des Westlichen Lufttempels eine Woche nach dem Hurrikan aufgetaucht sind und nach ihren Abgaben verlangt haben", sagte Zuko bitter. „Sagten sie bräuchten mehr, sie hätten in diesem Jahr viele Kinder."

Huojin wollte etwas sagen, dann schaute er zu den zwei Mädchen und hielt es zurück. „Verdammt."

Das kannst du laut sagen, dachte Zuko unruhig. Das von den Kindern konnte er unmöglich wissen.

Aber ich weiß es trotzdem.

Er wusste was geschehen war. Und das schlimmste war, zu wissen, dass es nicht hätte geschehen müssen. Getreidesorten des Ostens reichten nicht aus, nein, doch Byakko hatte schon vor Jahrtausenden herausgefunden, wie man Feldfrüchte anbaute, fast bis hinauf zur Schneekappe. No hou e nohara. Man pflanzte ein Dutzend verschiedener Ranken, Kräuter, Blut-Fuchsschwanz, Zea-Buchweizen, Kartoffel-Schocken und Bäume alle zusammen und variierte es je nach Höhenlage. Einzeln starben die Pflanzen, doch zusammen wärmten und schützten sie sich gegenseitig in alpinen Terrassen. Mit genug Entschlossenheit und Arbeit gedieh alles.

Vulkanische Erde schadete auch nicht.

Aber die Tempel hatten das nicht gemacht. Sie wollten es nicht machen. Die Bergfelder brauchten Aufmerksamkeit, Sorgfalt und einen Klan, der zusammenarbeitete, Jahrein, Jahraus. Sie brauchten Verbundenheit.

Und Luftnomaden dürfen sich nicht binden. An nichts und niemanden.

„Abgaben", murmelte Huojin. „Nicht gerade das, was man denkt, wenn irgendwer über friedliche Nomaden spricht."

„Ich weiß nicht, ob sie für die Tempel waren, aber es hat tatsächlich Abgaben gegeben", sagte Suyin besorgt. „Papa sagt, das ist ein weiterer Teil, wie Chin so weit gekommen ist, in seinen Eroberungsfeldzügen... Er hat die Abgaben organisiert. So hatten Dörfer, die ein schlechtes Jahr hatten, Hilfe, um sie zu zahlen."

„Verstehe ich trotzdem nicht", widersprach Huojin. „Die Luftnomaden waren friedliche Leute, oder? Verständnisvoll? Sie führten keine Kämpfe. Was dachten die Leute denn, was sie tun würden, wenn sie einfach nein sagen?"

„Wenn sie Kyoshis Geschichte kennen", legte Teruko dar, „dann wissen sie schon was wir dachten, wozu sie imstande sind."

Schweigen. Nur das Geräusch ihrer Schuhe auf Stein, als sie weitergingen.

Zuko schaute zu den stillen Mädchen und Huojin und Terukos sturem Gesichtsausdruck. Und seufzte. „Hört mal. Was auch immer damals passiert ist, es ist vorbei. Vielleicht können wir mit eurem Vater, der Bücherei des Erdkönigs und Onkel – ihr glaubt nicht, was für Schriftrollen Onkel auftreiben kann – vielleicht können wir herausfinden, was wirklich passiert ist. Auf wen wir alle wirklich sauer sein sollten. Wenn es überhaupt jemanden gibt. Jemand hat Kyoshi verletzt, Kyoshi hat uns weh getan, Feuerlord Sozin –" Er schluckte hart. „Mein Urgroßvater hat einen Krieg begonnen, der allen Leid zugefügt hat. Vielleicht ist es seine Schuld. Wahrscheinlich ist vieles seine Schuld. Aber er ist tot und wir nicht. Und ich versuche dafür zu sorgen, dass es auch so bleibt. Genau wie der Leutnant. Ich weiß, sie ist unheimlich –"

„Sir!"

„Sie sind ein Marinesoldat", sagte Zuko nüchtern und warf ihr einen zynischen Blick zu. „Wollen sie mir weismachen, dass sie nicht unheimlich sind? Zum Frühstück haben sie nicht Feuer und Lava und ein paar Soldaten des Erdkönigreichs zum Nachtisch?"

„Mir sind Melonen-Gurken lieber, Sir", sagte Teruko standhaft. „Besser ist es die Soldaten aufzusparen und nach Leopard-Haien zu fischen." Sie hob eine Hand zum Mund und neigte sich mit absichtlich hörbarem Flüstern zu den Mädchen. „Aber das klappt jetzt auch nicht mehr so gut. Der letzte Leopard-Hai ist an dem Bart von einem dieser Kerle fast erstickt und ich glaube, er hat es seinen Freunden erzählt."

Totenstille.

„Äh." Zuko schaute zu den zwei leicht grün angelaufenen Mädchen und zu dem Wachmann, der wirkte, als ob er schließlich doch noch eine Dummheit gesehen hatte, die alles übertraf, was er auf den Straßen so alles erlebt hatte. „Nicht lustig?"

„Weißt du", seufzte Huojin, „so viel an dir wird mir jetzt schmerzhaft klar..."

„Es... tut mir leid?" Die verräterische Hitze der Scham brannte in seinem Gesicht und Zuko dachte kurz daran Huojins glühende Lampe in willkommene Dunkelheit zu stampfen.

„Mir nicht", grummelte Teruko. „Es war nur ein vereister Witz."

„Und ich habe schon schlimmeres gehört von Wachleuten und Soldaten, die von der Mauer kamen", sagte Huojin nüchtern und tätschelte Suyin auf die Schulter. „Nur nicht in der Nähe von Kindern."

Zuko verzog das Gesicht. „...Oh."

„Kinder?" Teruko warf ihrem Kommandanten einen Blick zu. „Sie haben gesagt, dass die Kleine Dreizehn ist."

„Bin ich auch!", schoss Suyin zurück. „Aber wir – hier kämpfen die Leute nicht, ich –"

Jia griff nach ihrer Schulter. „Wir sind nicht mit dem Krieg aufgewachsen", sagte das ältere Mädchen. Ihre Stimme war fest, auch wenn sie noch etwas blass war. „Es war etwas von dem man in Büchern las, oder in Geister-Märchen. Und jetzt ist er hier und ist echt und so schrecklich..." Sie holte tief Luft. „Es – es ist einfach schwer, Leutnant. Wir haben Angst. Ständig. Ich weiß einfach nicht, wie sie darüber Witze machen können."

Jetzt wurde Teruko rot. „Meine Schuld", sagte sie steif. „Ich habe nicht erkannt, dass sie beide noch unerfahren sind."

„Meine", berichtigte Zuko. „Ich habe hier gelebt." Sein Herz sank. „Das wird viel schwieriger als ich dachte."

Huojin warf ihm einen suchenden Blick zu. Dann lächelte er schief. „Das kriegst du schon hin. Wenn wir lernen können, ein paar Dai Li genug zu trauen, um Min zurückzuholen, dann schaffen wir auch ein paar Feuerbändiger. Egal wie tief sie ihren Stiefel ins Fettnäpfchen stecken."

Teruko schnaubte.

„Also habt ihr ihn herausbekommen." Zuko seufzte erleichtert. „Der Bericht, den Shirong geschickt hat, war bei dem Teil etwas dürftig."

Und die Mädchen schauten definitiv nicht zu ihm.

Oh nein. „Was habt ihr gemacht?", fragte Zuko argwöhnisch.

„Bin mit Jinhai Zuhause geblieben", grummelte Suyin. „Irgendwer musste daheimbleiben."

„Oh, gut – halt." Denn, wenn das Mädchen, das er trainiert hatte, zuhause geblieben war... Zuko funkelte Jia an. „Was hast du gemacht?"

„N-nicht", sagte die Erdbändigerin unsicher, „viel."

„Ich kenne den Tonfall", sagte Zuko halb bei sich. „Ich habe selbst diesen Tonfall schon gebraucht. Bei Onkel. Da hat er auch nie sehr glücklich ausgesehen." Oh, Agni. „Also, wie arg hast du deinen Hals riskiert, und wie viele Messer heizt deine Mutter auf, um mir an den Kragen zu gehen?"

„Ähm..."

„Ich bin tot", murmelte Zuko.

„Sie lebt noch, Sir", bemerkte Teruko. „Ihre Mutter sollte nur dafür sorgen, dass sie sich wünschen sie wären tot."

„Ich schätze mal, Meixiang denkt, dass du genug hast, worüber du dir Sorgen machen musst." Huojin grinste. „Jia hat Azula im Boden des Thronraums eingeschlossen. Ich habe gehört, dass sie deswegen gar nicht glücklich war."

„Du hast was?", japste Zuko.

„Es ist eine lange Geschichte?", versuchte Jia sich herauswinden.

Rede!"

„Okay..."

Agni, dachte Zuko ein paar Minuten später und war sich nicht sicher, ob es ein Stoßgebet oder eine Verwünschung war. Oh, Agni...

Es half auch nicht, dass Teruko hustete – um ihr Kichern zu verdecken.

„Steckt ihnen was im Hals, Leutnant?", fragte Huojin trocken.

„Mir fällt gerade ein alter Marinefluch ein", kicherte Teruko. „'Mögest du ein Dutzend Untergebene haben, die genauso sind wie du'."

„Das ist nicht lustig!" Jia schluckte die Tränen herunter. Suyin griff nach ihren Händen und funkelte sie alle an. „Da waren Geister und wir mussten in den Palast schleichen und ich musste so tun, als ob ich ein Nacht-Gedicht bringe und ich dachte, dass ich draufgehe..."

Zuko stieß den Atem aus und schob den Schrecken und verspäteten Kampfrausch weg. „Gut gemacht."

„Ich... was?"

„Du hast dich an den Plan gehalten. Du hast deine Aufgabe erledigt. Du hast überlebt", sagte Zuko direkt. „Du hast es mit meiner Schwester aufgenommen und bist in einem Stück entkommen. Das ist erstaunlich." Er schauderte und wünschte sich, er könnte Luft atmen, die nicht nach Fels roch. „Tu mir einen Gefallen? Mach so was nie wieder, ja?"

„Nicht ohne mehr Training", warf Teruko ein. „Es ist nicht gut, dem eigenen Lord solche Angst zu machen, wenn man es vermeiden kann. Wenn Drachenkinder nervös werden, geht Zeug in Flammen auf."

„Teruko", stöhnte Zuko. „Ich bin kein –"

Verdammt. Da vorne war Licht. Aber nicht ihres. „Sollen wir wirklich in der Nähe von Wachleuten sein?"

„Ich denke schon. Diese verflixten Tunnel sehen alle gleich aus." Huojin warf einen Blick zu Jia, die nickte. „Ich mach uns den Weg frei."

Oh, großartig, Wachleute vom Erdkönigreich. Das wird ja so viel Spaß machen.

Nicht wirklich.

Lass sie nicht ihre Speere fressen.

Zugegeben, sie waren vom Erdkönigreich und er und Teruko waren das offensichtlich nicht. Und, zugegeben, das halbe Dutzend Männer war müde, verunsichert und beschützten Leute, die Zuko auch in Sicherheit sehen wollte. Doch Huojin und die Mädchen waren hier um für sie beide zu bürgen und ihnen allen lief die Zeit weg.

Und, gib's zu, sagte sich Zuko. Was dich wirklich auf die Palme bringt, ist, dass sie glauben, dass sechs von ihnen genug sind, um uns aufzuhalten.

Doch das war, wie Onkel ständig versuchte, ihm einzubläuen, nur Stolz, schlicht und einfach. Und genau so dumm, wie ihr speerstarrendes Getue war, als sie Huojin befragten. Noch dümmer, wusste er doch, dass jede Minute zählte und wie wenig sie sich leisten konnten, sie zu verschwenden.

Doch trotz des Wissens, wie dumm es war, wollte er in die Luft gehen. Dachten die etwa, dass er hier unten sein wollte, in dieser kalten, feuchten Höhlenluft, die nicht annähernd nach einer guten, von der Sonne gewärmten Brise schmeckte –

Moment mal.

Zuko hob eine Hand und reagierte bewusst nicht auf den plötzlich in seine Richtung gesträubte Stahl. Er zog seine Finger zusammen und herab. Wassertropfen sammelten sich aus der feuchten Luft und wirbelten über seiner Hand zusammen.

„Ich bin Lee", sagte Zuko mit ruhig gehaltener Stimme und begegnete den geweiteten Augen des ergrauten Soldaten, der hier das Sagen hatte. „Amayas wasserbändigender Lehrling." Er ballte seine Finger zur Faust und Tropfen froren zu einer Eisklinge. „Was für Beweise brauchen sie noch?"

„Aber sie –"

„Ist eine Feuerbändigerin", schnitt Zuko den Feldwebel ab. Der Art nach, wie Terukos Augen sich zusammenzogen, würde auch nur ein Hauch des Wortes Frau mit Blutvergießen enden. „Und sie ist hier um zu helfen. Auf die Anfrage des Erdkönigs."

„Hilfe", höhnte der jüngere Partner des Feldwebels. „Feuerbändiger gehören nicht in diese Mauern."

„Oder irgendwer, der vielleicht Feuerbändiger zustande bringt", kam ein gemeines Flüstern aus der hinteren Reihe.

Jia erbleichte und Suyin starrte wütend.

Agni, gut, dass sie Jinhai verborgen haben. „Nur keine Sorge", sagte Zuko grimmig. „Wir gehen, sobald wir den Staub abschütteln können."

Oh, schau sich einer das an, dachte er, als die Wachleute sich strafften. Onkels Bücher über das Erdkönigreich hatten Recht; das ist tatsächlich eine Beleidigung.

Denn es gab Zeitverschwendung und dann war da die Verteidigung der Ehre seines Volkes. Und das war nie eine Zeitverschwendung.

„Wie er schon sagte, sind wir hier auf Geheiß Seiner Majestät." Huojin sprang in die Bresche. „Je schneller sie sich darum kümmern, desto schneller sind sie wieder weg." Er funkelte einen gewissen Wachmann in der hinteren Reihe an. „Ach ja, und Fu? Du bist ein Arsch. Und ich bin froh, dass ich hier weggehe. Ich will nämlich nicht, dass meine Mädchen irgendeinen von deiner Familie begegnet."

„Geister, Mann." Der Feldwebel verschluckte sich. „Luli ist aus der Feuernation?"

„Nein, Feldwebel Sung", biss Huojin hervor. „Ich komme von dort."

Die Wachleute fuhren zurück. Zuko bemühte, das nicht an sich heran zu lassen. Wenigstens waren die Speere jetzt aus dem Weg...

Doch er konnte sehen, dass die Mädchen verbargen, wie verletzt sie waren, während sie aus dem letzten Tunnel in eine hallende Höhle kamen, die mit Hütten vollgestopft war und nach feuchtem Stein, kochendem Essen und Menschen roch. „Ich wünschte, ich könnte die Dinge ändern", sagte Zuko leise. „Ich wünschte, die Welt wäre nicht so verdreht. Aber... es ist nun mal so."

„Das ist egal", sagte Suyin entschlossen. „Uns geht's gut. Wir haben Min wieder. Die Kerle da – die sind nicht wichtig."

„Doch sind sie", sagte Jia unglücklich. „Es gefällt mir nicht, aber sie sind es. Deswegen müssen wir weggehen." Sie warf Zuko einen entschlossenen Blick zu, einer, der ihn an eine gewisse in ein Wassernetz gefangene Katze erinnerte. „Du solltest besser so gut sein, wie Papa meint. Es ist mir gleich, ob ich mich nie wieder für eine Party schick machen kann, aber ich lasse nicht zu, dass Jinhai hier aufwächst." Sie sah die Bewegungen der Menschenmenge, als ein kleiner Körper um Erwachsene herumhuschte. „Auch wenn er ein kleiner Bengel ist."

„Lee!"

Jinhai prallte wie ein Mini-Feuerball gegen ihn und Sätze purzelten durcheinander, wo warst du, wo gehen wir hin und wir haben Min wieder und alle hatten solche Angst.

Das war's dann mit dem würdevollen Auftritt, dachte Zuko halb frustriert, halb amüsiert, erlaubte aber dem Jungen, sich an ihn zu klammern um sich zu überzeugen, dass er echt war.

Teruko lugte um ihn herum und betrachtete Jinhai sorgfältig. „Ich nehme an, das ist Jinhai, Sir?"

„Noch einer meiner Schüler", sagte Zuko nur und legte eine Hand auf braunes Haar. „Professor Wens Jüngster."

„Ihr – oh." Terukos Gesicht wurde weicher, nur ein bisschen. Sie unterdrückte ein Lachen. „Der Kapitän wird nicht wissen wo ihm der Kopf steht."

Jinhai hob seinen Kopf aus Zukos Robe und grüne Augen wurden groß. „Wer bist du denn?"

„Sie ist Leutnant Teruko", sagte Jia lächelnd, während Suyin nach dem Rest ihrer Familie Ausschau hielt. „Sie hat einen schrecklichen Sinn für Humor. Aber sie gibt sich Mühe."

Teruko grinste schief.

„Sie ist ein Marinesoldat, der auf dem Versorgungsschiff Suzuran stationiert ist", erklärte Zuko und sprach ebenso sehr zu der Menschenmenge wie zu Jinhai. „Sie ist hier um zu helfen."

„Was ist ein Marinesoldat?"

„Kampfspezialist zu Wasser und zu Land", sagte Teruko knapp. „Wenn jemand versucht das Schiff des Kapitäns anzugreifen, halten wir ihn auf."

„Aber... du bist ein Mädchen", protestierte Jinhai.

Oh nein. Zuko fuhr zusammen.

„Ich dachte, du weißt es besser, als das von deinen Schwestern zu denken", sagte Tingzhe trocken, als er durch die Menschenmenge hindurch kam. „'Du bist ein Mädchen' ist exakt der Fehler, den Prinzessin Azula beging, der es Jia erlaubte zuzuschlagen und für uns alle die Freiheit zu gewinnen."

Zuko übergab Jinhai in die Arme seines Vaters und spürte wie ihm noch einmal das ganze Blut aus dem Gesicht wich. „Sind sie sicher, dass es ihnen allen gut geht?", brachte er heraus.

„Ja", sagte Tingzhe ernst. „Selbst der Prinzessin. Das hat der Erdkönig entschieden, nach gründlicher Überlegung, was der Feuerlord wahrscheinlich tun würde, falls sie hier stirbt. Doch das birgt das unvermeidliche Problem, dass sie hier und wütend ist. Ich schätze nicht, dass du Vorschläge hast, wie wir damit umgehen sollen?"

Sie lebt. Zuko hielt ein erleichtertes Seufzen zurück. Beunruhigte Erleichterung. Ja, sie war grausam. Ja, manchmal hasste er sie einfach. Ja, ihr Leben konnte Ba Sing Se kurzzeitig retten, doch die möglichen Langzeitfolgen für die Feuernation...

Doch sie war seine Schwester. Er wollte nicht, dass sie starb. Egal wie... günstig es gewesen wäre.

Wir haben es mit Azula zu tun. Nicht gut.

Und doch... war es nicht notwendigerweise schlecht. Azula zielte ihre Bosheit. Wenn sie es richtig planten, konnten sie sicherstellen, dass diese Bosheit ein anderes Ziel fand als Ba Sing Se.

Das heißt uns. Dann müssen wir es nur noch überleben.

Kleinigkeit... oder auch nicht.

„Ich habe ein paar Pläne", erklärte Zuko. „Wo finde ich –"

Die Menge teilte sich wie Getreide im Wind und Erdkönig Kuei betrachtete ihn.

Er hat Wachen, sah Zuko erleichtert. Gut. Und da waren Bon, Shirong und Quan, den Geistern sei Dank. Wenn irgendwer es schaffen konnte Kuei die Dosis Realität zu verabreichen, die er brauchte, dann sie. Wenn irgendwer dafür sorgen konnte, dass er sicher war –

Keiner von uns ist sicher. Sie sorgen dafür, dass er ein bewegliches Ziel ist.

„Ich schätze mal", sagte Kuei schlicht, als er die Masse von knienden und nicht knienden Leuten beäugte und ganz klar bemerkte, dass Zuko und Teruko nicht mal andeutungsweise ihre Haltung geändert hatten, „dass dein Name nicht wirklich Lee ist."

„Erdkönig Kuei." Zuko neigte seinen Kopf, ein Großer Name zum anderen. Huojin und die anderen waren mit Tingzhe mit dem Hintergrund verschmolzen. Gut. „Ich bin Zuko, Sohn von Ursa und Feuerlord Ozai."

Kuei erbleichte. Bon und Quan wirkten, als ob sie woanders sein wollten. Und Shirong, verflixter Mann, hatte Falten um die Augen, wie jemand, der ein Kichern im Zaum hielt.

Ein Geräusch wie ein Windstoß erfüllte die Höhle. Mit Mühe hielt Zuko seine Finger davon ab, sich zu ballen, bereit zu kämpfen oder zu fliehen –

Wie eine große Welle knieten sich die noch stehenden Flüchtlinge hin.

Ich... was?

Kuei blinzelte. Sein Blick schweifte über die Menschenmasse und wendete ihn verblüfft zu Zuko. „Du? Du bist der Sohn des Feuerlords...?"

Jetzt kommt es, sagte sich Zuko sardonisch. Jetzt gleich. Monster, Verräter, von den Geistern verflucht – was wählst du wohl aus?

„...Hast du irgendeine Ahnung, was deine Schwester da oben anstellt?"

„Sie hat versucht mich mit einem Blitz zu braten", sagte Zuko trocken. Was ist hier los? Sie alle wissen, dass ich im Exil bin. Die meinen doch nicht... Mach einfach weiter. „Ich denke, ich kann es erraten."

„Deine Schwester", betonte Kuei. „Sie ist deine Verantwortung. Eine Familie, ein Dorf, eine Stadt kümmert sich um die eigenen Probleme. Die Taten, die sie begeht, die Schulden, die sie anhäuft, die trägst du."

„Vielleicht im Erdkönigreich." Zukos Blick war unnachgiebig. „In der Feuernation fallen die eigenen Handlungen auf jene, die man in Ehren hält, denen man loyal ist. Sie führt den Willen des Feuerlords aus, da sie unserem Vater loyal ist. Ich bin das nicht." Er holte tief Luft. „Nicht mehr."

Noch ein rauschendes Wispern. Dieses Mal war es Überraschung. Und doch immer noch kein Zorn.

Warum?

Er konnte nicht fragen. Er konnte nicht riskieren den Vorstoß zu unterbrechen, während Kuei zögerte und die Leute beider Nationen sich langsam erhoben.

Kuei maß ihn noch mal. „Du solltest in Betracht ziehen, dass du dich im Erdkönigreich befindest."

„Ich stehe auf dem Land des Erdkönigreichs", sagte Zuko genauso direkt. „Doch die Feuernation ist das Volk." Pattsituation, Eure Majestät. Wir fangen hier auf gleicher Augenhöhe an, und wenn ich dich dahin zerren muss.

Schweigen. Grüne Augen trafen auf Gold, Blicke drängten...

Ich kann es mit ihm aufnehmen. Ich bin stärker, erfahrener...

Ich... habe wohl den Verstand verloren. Ich will diese Stadt nicht, verdammt noch mal.

Es war schwer das Feuer zurückzudrängen. Das Wasser im Zaum zu halten, das sagte, dass diese Leute sein Stamm waren und alles, was sie bedrohte, sterben musste.

Kuei ist keine Bedrohung. Ganz ruhig.

„Eure Majestät." Zuko nickte leicht. „Ihr wollt die Feuernation aus eurer Stadt haben und dass Azula verschwindet. Aber mehr als das wollt ihr Avatar Aang helfen, das Gleichgewicht der Welt wiederherzustellen."

„Avatar Aang", sagte Kuei leer, „ist tot."

„Nein", sagte Zuko nur. „Er lebt."

„Was?"

„Katara vom Südlichen Wasserstamm trug ein Geschenk der Geister bei sich", legte Zuko dar. „Sie hat ihn zurückgeholt. Er wurde schwer verletzt, Heilerin Amaya kann ihnen sagen, wie übel ein Blitz ist, doch er lebt." Er schaute über die Menschenmenge, erkannte Furcht, Verwunderung, Hoffnung. „Katara und ich sind Heiler. Jetzt im Moment ist der Avatar schwach genug, dass er es nicht mal mit einem nassen Pygmäen-Puma aufnehmen könnte. Aber er erholt sich. Er braucht nur Zeit. Diese Zeit müssen wir ihm erkaufen." Er fixierte Kuei mit seinem Blick. „Aang ist jetzt nicht imstande irgendwen zu retten. Dass müssen wir selbst machen. Und wir können das."

Kuei blinzelte. Doch etwas von der Anspannung floss aus ihm heraus. „Wir?"

„Es wird nur klappen, wenn wir zusammenarbeiten", sagte Zuko ernst. Verflixt, er hatte eine Rede dafür geschrieben, sich damit abgequält... und jetzt schien es ihm aus dem Kopf zu fliegen.

Mach weiter. Man kann auch Lava durchqueren, wenn man nur durchhält.

„Im Herzen dieses Krieges liegt nicht die Feuernation", begann Zuko. „Weder der Krieg noch die Armee – nicht einmal die Okkupation. Das sind alles Symptome, nicht die Krankheit selbst. Man kann sich so sehr bemühen wie man will, das Fieber zu senken, aber wenn man die Infektion nicht säubert, dann wird es nicht aufhören."

Kueis Brauen fuhren hoch. „Und was genau ist wohl die Krankheit, Prinz Zuko?"

Er hat sich wegen mir noch nicht entschieden. Warum sollte er auch? Ich bin mir selbst noch nicht klar. Ich kann so viel ich will davon reden, dass ich die Welt retten will und es auch ernst meinen – aber ich will, dass meine Leute überleben. „Die Welt ist nicht im Gleichgewicht. Wir müssen es wiederherstellen."

„Und wie soll dieser – vorgeschlagene Ort des Widerstands, den ihr plant, das schaffen?" Kueis Gesicht war streng. „Gleichgewicht kommt aus den Vier Nationen, den Vier Elementen. Und die Luftnomaden sind nicht mehr", seine Augen wurden schmal. „Euer Urgroßvater hat dafür gesorgt."

Ein unruhiges Gemurmel kam von den Zuschauern. Zuko verbarg ein gemeines Lächeln. Du hast wirklich keine Ahnung wie man mit Politik am Hof umgeht, nicht wahr, Kuei?

Nein, Platz. Böser Prinz. Serviere ihm nicht den eigenen Kopf auf dem Silbertablett. Das hilft deinen Leuten nicht.

Aber wie Toph sagen würde, ein kleines bisschen Haue schadet nicht. „Ihr habt Recht", stimmte Zuko zu und sah ein winziges Zucken von Shirong.

Hey, er hat es herausgefordert.

„Feuerlord Sozin hat einen Schrecken geschaffen, von dem keiner von uns je frei sein wird", fuhr Zuko fort. „Die Luftnomaden sind tot. Dieses Verbrechen hängt über unseren Köpfen. Selbst wenn keiner hier dieses Verbrechen begangen hat. Selbst wenn niemand hier das je tun möchte, selbst da jeder Bändiger, der den Krieg begonnen hat tot und Asche ist – trotzdem gießen die Geister ihr Blut über unsere Hände. Glaubt ihr, ich weiß das nicht? Glaubt ihr, ich habe nicht mein Leben lang den Hass der Geister ertragen, nur dafür, dass ich als der geboren wurde, der ich bin? Glaubt ihr ich habe nicht mein Leben riskiert Avatar Kyoshis Erlass herauszufordern, nur um mich von der Macht des Feuerlords zu befreien? So wie jeder hier das gleiche getan hat? Ja. Wir wissen es. Die Luftnomaden sind tot. Und die Welt nennt uns schuldig." Er holte tief Luft, hielt den Jähzorn fest im Griff, der drohte auszubrechen und zu brennen. „Die Luftnomaden sind tot. Doch das Luftbändigen muss nicht tot bleiben."

Kuei zuckte nicht, doch er wirkte weniger sicher. „Wie?"

Er ist bereit zuzuhören. Verbocke es nicht. „Der Nördliche Lufttempel ist bewohnt."

Kuei fuhr auf und eine Welle eindringliches Geflüster begann.

„Es sind Dorfbewohner des Erdkönigreichs", fuhr Zuko fort, während er seine Überraschung verbarg, dass Shirong es nicht erwähnt hatte. Dann wieder hat er eine Ahnung, wie gefährlich es für sie ist, dort zu sein. „Zumindest waren sie das einst. Jetzt benutzen sie Gleiter. Sie leben mit dem Himmel." Er schüttelte den Kopf. „Sie sind keine Luftbändiger, noch nicht. Aber sie könnten es sein."

„Könnte ist eine dünne Mauer, um die Welt abzuhalten", sagte Kuei leise.

„Deswegen habe ich einen Notfallplan", entgegnete Zuko. „Anpassungsfähigkeit, Durchhaltevermögen, Willenskraft. Wasser, Erde und Feuer. Ba Sing Se hat hier jedes Element unterstützt. Bis auf Luft. Denn Luft ist Freiheit." Ein Atemzug. „Wenn wir einen Ort dafür aufbauen, einen Ort, an dem jeder Stamm und jede Nation zusammenleben können, dann werden wir auch Luftbändiger finden und mit eurer Hilfe werden wir die Schriftrollen haben, um sie zu lehren." Er hielt Kueis Blick. „Avatar Yangchen meint, dass es funktionieren könnte."

„Avatar Yangchen?", stieß Quan ungläubig hervor.

„Ihr habt es wahrscheinlich nie gesehen." Zuko verzog das Gesicht. „Und ich hoffe, das werdet ihr auch nie. Wenn der Avatar verletzt ist... manchmal kann einer der anderen Avatare übernehmen." Sein Blick huschte zu einigen seiner Leute in der Menge. „Ja, ich habe Avatar Roku gesagt, was ich von ihm halte. Hätte er mich braten wollen, wäre es so oder so zu spät gewesen." Er schmunzelte. „Ich denke, dass er mich nicht so gut leiden kann."

In der Hälfte der Menge breitete sich ein zahniges Grinsen aus. Zuko verwandelte ein Lachen in ein Husten. Geister, Kueis Gesicht...

„Machst du das eigentlich öfter, dass du große Geister verärgerst?", fragte der Erdkönig mit einem Hauch morbider Neugier.

„Ich weiß aus einer guten Quelle, dass ich Geistern Kopfschmerzen bereite", sagte Zuko trocken. Dann wurde er wieder ernst. „Eure Majestät. Ich habe keine andere Wahl. Avatar Kyoshis Erlass hat die Feuernation daran gebunden dem Feuerlord zu gehorchen. Um den Krieg aufzuhalten, um irgendwas davon aufzuhalten – müssen wir dem Avatar den Befehl verweigern."

Kuei runzelte die Stirn. „Avatar Kyoshis Erlass?"

„Ja, Eure Majestät", warf Shirong ein. „Die volle Geschichte ist lang und hässlich. Ich habe es von Madam Wen niederschreiben lassen, damit wir es drucken können. Kurz gesagt... vor etwas mehr als 300 Jahren war die Feuernation mehr wie Insel Kyoshi heute. Jede Insel hatte ihren eigenen Herrscher und es gab keine Zentralregierung. Als sie in den Krieg zogen, kämpften sie gegeneinander. Nicht gegen uns."

„Wir müssen kämpfen", sagte Zuko bei Kueis ungläubigen Blick. „Es liegt in unserer Natur. Wir sind Kinder des Feuers, wir brauchen es. So wie ihr Gesetze und Abmachungen und steinerne Befestigungen braucht. Doch Kyoshi..." Er holte scharf Luft, zwang sich, kein Feuer zu rufen. „Kyoshi meinte, sie hätte das Recht, das alles zu ändern." Atme. Bring keinen um. „Und dabei hat sie die Hälfte unseres Volkes umgebracht."

Kuei erbleichte. „Du beschuldigst Avatar Kyoshi –"

„Der Wahrheit!" Jetzt ballten sich seine Hände doch, Feuer loderte, ehe er es wieder ersticken konnte. „Sie kam, sie tötete, sie hat uns an den Feuerlord gekettet und seither treibt der Versuch zu entkommen uns in den Wahnsinn. Schau dich doch um, Kuei! Das sind die Leute, die geflohen sind. Die überlebt haben." Zuko öffnete seine Hände, sein Herz schmerzte. „Das ist mein Volk, so wie es sein sollte."

Abgesehen von dem Teil 'wir müssen alle verstecken wer wir sind'. Besser nicht darauf eingehen.

„Ihr wollt, dass Azula aus der Stadt verschwindet. Mehr noch, es ist notwendig, dass die Feuerarmee abgelenkt ist, damit die übriggebliebenen Truppen des Erdkönigreichs eine Chance haben, sich neu zu formieren." Er begegnete Kueis Augen direkt. „Helft uns bei diesem Plan und sie werden auf jeden Fall abgelenkt sein."

„Deine Schwester hasst dich so sehr?" Kummer stand in Kueis Augen, aber, den Geistern sei Dank, kein Unglauben.

„Ja", gab Zuko zu. „Das tut sie. Aber was sie von mir hält ist nicht wichtig. Eure Majestät, ich weiß wer diesen Bohrer erfunden hat. Ich weiß, wobei er der Feuernation noch geholfen hat und weshalb. Und ich weiß warum er damit aufgehört hat." Sein Blick schweifte über die Menschenmenge. „Glaubt es oder nicht, doch dieser Ingenieur ist ein guter Mann. Der Avatar hat ihm geholfen, sich selbst zu befreien. Doch er wird nicht frei bleiben. Nicht wenn die Feuernation einen entschlossenen Angriff führt." Ein weiterer Blick ging über lauschende Gesichter und Zuko nickte. „Außer wir helfen ihm."

„Weißt du", sagte Kuei in diese lauschende Stille. „Agent Shirong vermittelte mir den Eindruck, dass ihr eine Evakuation plant. Eine Flucht."

Zuko lächelte und sah, wie erwachsene Männer zuckten. „Erde und Feuer haben mehr gemeinsam, als man denkt. Eingeschlossen einen kämpfenden Rückzug."

Das schien zu treffen; Kuei fuhr auf und gab ihm ein leichtes Nicken.

Er glaubt mir. Oh, Agni, bitte, das muss klappen.

„Wenn ihr nach Sicherheit sucht, kann ich euch das nicht bieten", wandte sich Zuko an die Menschenmenge. „Alles, was ich anzubieten habe, ist eine andere Art der Gefahr. Meine Leute werden versuchen euch zu schützen. Unser Ziel lautet ablenken, erbauen, verteidigen. Aber wir werden kämpfen müssen. Hier, auf dem Weg dorthin, während der Errichtung – es ist jederzeit möglich. Vielleicht müssen wir uns auch ständig verteidigen. Ihr wisst, was ihr riskiert habt, um hierher zu gelangen. Nur ihr könnt entscheiden, was ihr jetzt bereit seid zu riskieren. Ich werde eure Loyalität nicht einfordern." Er ließ seine Stimme sanfter werden. „Nicht ich sollte den ersten Anspruch haben."

Überraschte Blicke und bestürztes Murmeln.

Zuko nickte zu Kuei. „Der Erdkönig hütet die Geister dieser Stadt, so wie es auch unsere Großen Namen tun. Und, ganz gleich, was sie sonst getan haben, was Long Feng ihnen bei ihrer Loyalität zu tun befahl – die Dai Li jagen böse Geister und spüren Bosheit auf. Genauso wie die Feuerweisen." Er straffte sich. „Diese Stadt als eure Heimat und diesen König als euren Lord haben zu wollen ist nicht unehrenhaft."

Er braucht dringend Unterricht in Politik am Hof, dachte Zuko, als er sah, wie Kuei glotzte. Er sieht so aus, als ob ich ihm einen Oktopus ins Gesicht geklatscht hätte.

Er behielt ein ernstes Gesicht; wenn er Kueis Fehltritt ignorierte, dann taten das auch alle anderen. Gab man ihnen lang genug, würden sie sich davon überzeugen, dass es nie passiert war. „Wir müssen es gemeinsam versuchen. Ich brauche Menschen von jeder Nation, wenn dieser Plan gelingen soll. Und ihr ebenfalls. Der Avatar hat gelehrt, dass die Nationen getrennt sein müssen? Dadurch ist der Feuerlord erst so weit gekommen! Die Luftnomaden, der Südliche Wasserstamm, die westlichen Erd-Städte… einer nach dem anderen fallen sie und der Rest der Welt schaut nur zu. Weil es nicht ihr Problem ist. Es sind ja nicht ihre Leute." Er schwenkte eine Hand. „Wie viele von uns hier sind am Leben, weil Amaya den Nordpol verlassen hat? Weil sie kam und half?" Er warf einen Blick zu Kuei, der nur zornig sein konnte. „Wie viele Soldaten des Erdkönigreichs wären noch am Leben, wenn sich der Nördliche Wasserstamm mit euch verbündet hätte?"

Durchatmen. Durchhalten. Nur noch ein bisschen länger.

„Wir meinen, dass wir getrennte Nationen sind, doch Trennung ist eine Illusion", bekräftigte Zuko. „Nimmt man die Elemente weg, nimmt man die Traditionen weg – wir sind alles Menschen. Menschen, die sich entscheiden können zur Seite zu treten und zuzusehen… oder beschließen, dass das, was mit der Welt geschieht falsch ist. Und für unser Leben kämpfen." Er stieß langsam den Atem aus. „Ich möchte, dass wir diesen Kampf gemeinsam führen."

Kuei nahm die Brille ab und polierte sie mit seinem Ärmel. Er setzte sie wieder auf und schüttelte den Kopf. „Du bist nicht ganz bei Verstand, oder?"

Geistig gesunde Leute haben keine Familien, die versuchten einen umzubringen. „Geistig gesunde Leute verfolgen nicht jahrelang einen Avatar, der seit einem Jahrhundert verschwunden ist", sagte Zuko nur. „Aber ich hatte Recht, Kuei. Er war da draußen. Ich habe ihn gefunden." Es muss noch etwas geben, was ich sagen kann. Etwas Besseres.

Aber sein Kopf war wie leergefegt. Er spürte wie das Schweigen sich dehnte, und wenn es zu lang währte, konnte alles, wofür er gerungen hatte immer noch in Flammen aufgehen…

„Mit Verlaub, Eure Majestät", sprach Teruko in die Stille, „alle Großen Namen sind ein bisschen verrückt." Sie nickte zu Zuko. „Sie halten unsere Loyalität. Sie beschützen uns vor Geistern so gut sie können. Sie stehen für uns gegen andere Große Namen. Und sie müssen edel sein, aufrecht und ehrenhaft, ohne Tadel, obwohl sie wissen – es genau wissen – dass der schnellste, skrupelloseste Weg den Widerstand einer Domäne zu brechen ist, ihren Lord zu brechen." Sie hielt inne, goldene Augen suchten die Kueis. „Ich habe zu kämpfen gelernt, weil ich schon immer Marinesoldat sein wollte. Doch wir lernen es alle. Denn wenn jemand beschließt, in den Niederen Krieg zu sinken, werden die Kinder des Lords zu Zielen."

Kuei erbleichte. „Das ist entsetzlich."

„Wir sind keine netten Leute." Zuko unterdrückte einen plötzlichen, frustrierten Zorn. „Wir sind ehrenwert. Wir sind anständig. Wir halten unser Wort. Aber wir sind Feuer, Kuei. Werden wir zornig, dann brennt es." Er breitete seine leeren Hände aus. „Wir sind Feuer und wir sind gefährlich, und wenn ihr je geglaubt habt, ihr könntet einem Großen Namen ungestraft den Rücken zukehren, dann müsste ich dir für diese Dummheit eine Kopfnuss verpassen. Wir sind nicht sicher. Feuer lässt einen handeln, nicht denken. Viele von uns wissen das. Viele von uns versuchen trotz allem zuerst nachzudenken. Aber manchmal geht das einfach nicht." Er holte tief Luft und ließ sie wieder entweichen. „Doch wir können Verbündete sein. Wir müssen nur einen gemeinsamen Nenner finden. Keine Abmachungen. Keine Loyalität. Nur… eine Art von Versprechen, das wir beide halten können." Er warf einen Blick zu Shirong. „Ich habe einen Vorschlag mit Agent Shirong zurückgeschickt."

„Einen Teil meines Königreiches abzutrennen und einfach so zu übergeben?" Kuei sah ihn schief an. „Für jemanden, der behauptet gegen Feuerlord Sozins Willen zu handeln, hört sich das doch sehr vertraut an."

Zuko hob einen Finger nach dem anderen, zählte ab. „Erstens ist da oben sowieso kaum jemand. Es lag in der Nähe vom Territorium der Luftnomaden und eure Leute halten sich immer noch lieber fern. Zweitens – so wie die Meeresströmungen verlaufen, wird es momentan wahrscheinlich fast ebenso hart von wütenden Geistern getroffen wie der Nordpol. Ich hoffe, jeder, der da oben ist, war vernünftig genug von dort zu verschwinden. Drittens… Kuei. Wenn das klappt, wird der Berg daneben mal voller Luftbändiger sein. Wollt ihr sie wirklich ohne irgendeinen Puffer direkt am Rand eures Königreiches haben?"

„Nein", gab Kuei nach einer kurzen, nüchternen Überlegung zu. „Nein, ich muss sagen, der Gedanke gefällt mir nicht. Ich habe das Lied von Li Feng gelesen. Manche meiner Vorfahren wären nie aus den Wüstenwinden geboren worden, hätte es Mönch Xiangchen nicht gegeben." Er lächelte bekümmert. „Und wenn manche in die Wüste gegangen sind, um die Sande zu segeln, wer kann schon sagen, ob nicht manche sich in den Dörfern des Nordens verbargen und die Winde vergaßen, um zu leben? So dass ein paar ihrer Nachfahren sie wieder suchen, ein Jahrtausend später. Falls die Geister Ironie mögen, würde es diesem blutrünstigen Fanatiker nur recht geschehen."

„Mönch Xiangchen?", sagte Zuko vorsichtig. Der Name hörte sich fast vertraut an. So wie Rans Name vertraut war und der Geruch von brennendem Fuchspelz. „Eure Majestät, wollt ihr sagen, dass es im Erdkönigreich Blut der Luftnomaden gibt?" Dem Schock auf den Gesichtern der Leute nach, war er nicht der einzige, der das noch nie gehört hatte.

„Oh, ich denke mal, dass es überall etwas davon gibt." Kuei schob seine Brille auf seiner Nase hoch. „Nicht viel, Xiangchens Anhänger setzten sich wie Shirshu auf ihre Fährte. Aber –" Er brach ab und schüttelte den Kopf. „Wir haben keine Zeit dafür. Ich gebe Professor Wen eine Liste mit den Schriftrollen, die ich noch weiß. Ich bin mir sicher, dass ihr später im Archiv noch mehr finden könnt." Die jungen Augen hinter Brillengläsern waren entschlossen. „Diese Aufzeichnungen müssen es mit euren Schiffen hinaus schaffen, Prinz Zuko. Falls Wan Shi Tong von jeder ungeschützten Bibliothek gestohlen hat und die Dai Li selbst zwang zu vergessen, was ihnen anvertraut wurde – ihr habt keine Ahnung, wie viel die Welt nicht mehr weiß."

„Ihr habt mein Wort", versprach Zuko. „Ich kümmere mich um sie, wie um mein Volk."

Was nicht hieß, dass er nicht ein paar opfern würde, um den Rest zu retten. Wenn es nicht anders ging. Doch wenn alles gut lief…

Bitte, das muss klappen. Agni, wenn du mich hörst – Es kümmert mich nicht, ob die Wahrheit bedeutet, dass Sozin der Böse ist. Wenn wir es nur finden können, einen Weg finden können, um die Welt wieder zusammenzusetzen…

Halt. Jemand war von Kueis Granate nicht überrascht worden.

Teruko.

Der Leutnant hatte gewusst, dass es Blut der Luftbändiger in Leuten gab, die keine Luftnomaden waren. Wie? Warum?

Und warum ließ allein der Gedanke daran diese Wut und Übelkeit in ihm aufsteigen? Als ob er einen Mann aus einem tobenden Mahlstrom gezogen hatte… nur um zu erkennen, dass eine vom Sturm nasse Hand einen Dolch in sein Herz gerammt hatte.

Geister. Er wusste, dass Amaya mit ihrem Teil der Evakuation beschäftigt war, mit Meixiang zusammenarbeitete; und, was kein Zufall war, ein Auge auf Min hatte. Und das war auch gut so. Jeder, dem Azula im Nacken gesessen war, brauchte dringend jemanden, der sich um ihn kümmerte. Und wenn auch nur, um daran erinnert zu werden, dass nicht die ganze Welt aus Messern und Gift bestand.

Aber ich muss mit ihnen reden, Meister Amaya. Dringend.

„Ich glaube euch", sagte Kuei bedächtig. Er streckte die Hand aus. „Ich akzeptiere das Wort von Zuko, Sohn von Ursa und Feuerlord Ozai."

Zuko ergriff und schüttelte sie.

„Und das von Lee", fügte Kuei lächelnd hinzu, „Amayas Lehrling. Ihr seid ein Yaoren?"

Er weiß es? Zuko erstarrte kurz. Oh nein.

Tief durchatmen. Aang würde nicht so bald nach Ba Sing Se zurückkehren. Was Kuei wusste, sollte nicht so wichtig sein. Hoffentlich.

„Das muss unglaublich sein. Wenn wir Zeit haben –" Kuei unterbrach sich und schmunzelte etwas. „Doch zuerst sollten wir eine Karte überprüfen. Ich weiß von einer guten Quelle, dass ich einen Großen Namen nicht einfach machen lassen und ihm den Rücken zukehren kann."

„Verdammt richtig", murmelte Teruko zufrieden.

Zuko lächelte mit reiner Erleichterung. Wir schaffen es. „Groß genug, um uns aufzunehmen und verteidigungsfähige Grenzen zu haben. Das ist alles, worum ich bitte."

„Wir werden sehen", sagte Kuei mit einem Hauch von amüsierter Herablassung. Er zog die Brauen hoch und schaute sich in der Höhle um. „Nun? Haben wir nicht noch genug zu tun?"

„Heil Seiner Majestät!", ertönte es aus der Mitte der Menschenmenge.

Heil Erdkönig Kuei!"

Während er den donnernden Hochrufen lauschte, straffte Zuko die Schultern. Selbst wenn jetzt alles andere schieflaufen sollte, selbst, wenn Azula ihnen auf den Kopf fallen sollte – Kueis Leute standen hinter ihm.

Du hast Ba Sing Se abgebissen, Azula. Jetzt schauen wir mal, ob du es kauen kannst.

Heil Prinz Zuko!"

Äh… was?

Grinsend packte Teruko ihn an den Schultern und bugsierte ihn durch die jubelnde Menge, fiel mit den Dai Li und Kuei in den Schritt, als sie sich auf den Weg zu Kueis Karten machten. „Kommen sie, Sir. Schauen wir mal, was für einen Schaden zwei Große Namen an ein paar Grenzen anrichten können."


Autor-Notizen: no hou e nohara: „In Richtung des Feldes" - Anpassung des Mexikanischen milpa.

Na schön. Über den Nordpol. Ich versuche niemandem vorzuschreiben zu denken ob das was Aang dort gemacht hat richtig war oder nicht. Das müsst ihr selbst entscheiden. Ich schreibe aus der Sichtweise der Charaktere. Zuko denkt das Ergebnis des Nordpols war entsetzlich; was kann er denn sonst denken, wenn seine Leute gestorben sind. Der Nördliche Wasserstamm andererseits denkt wahrscheinlich, dass es das beste seit Erfindung von Walspeck war. Und im Kanon Universum denkt der Rest der Welt (minus Feuernation) das wohl auch.

Hier ist meine Interpretation der ganzen Nordpol-Situation. Im Kanon-Universum, nicht Embers.

Die Feuermarine hat den Nordpol absichtlich und aggressiv angegriffen. Und Zhao, der es befohlen hat, und wahrscheinlich die meisten der höherstehenden, die ihm unterstanden, hatten es verdient in Stücke gerissen zu werden (Der durchschnittliche Seemann nicht, aber bedenkt man die Situation – Krieg ist die Hölle).

Ignoriert, dass Aang andere Lösungen hätte finden können. (mir sind wenigstens drei eingefallen: 1. Wind und Wasser nutzen, um die Flotte 'wegzublasen' – 2. Mit Wind und Wasser ein massives Bollwerk aus Eis um den Pol zu legen, ähnlich wie er die Lava des Vulkans ablenkte, das hätte ihnen zumindest Zeit für einen besseren Plan erkauft – 3. Fliegende Deckung geben, während die Wasserbändiger die Schiffe der Feuermarine mit Eis unterhalb der Wasserlinie aufschlitzen) Aang ist ein Jugendlicher unter extremen Druck, es war eine verzweifelte Jetzt-oder-nie Situation und man verwendet die Waffen, die zur Hand sind. Also. Invasionsflotte ausgelöscht. Massiver Jubel. Juchuu, klasse für die Guten.

Nur.

Nur geht der Avatar fort. Muss fortgehen, um das Erdbändigen zu meistern. Und alle wissen das. Und die Feuernation hat noch mehr Schiffe.

Das ärgert mich an Aang generell und speziell am Nordpol. In der echten Welt, haben Handlungen Konsequenzen.

Eine Anschuldigung die manchmal gegen die Feuernation vorgebracht wird – ganz besonders in der Belagerung des Nordens – ist 'Völkermord'. Bei den Luftnomaden, im Kanon, stimmt das. Das ist aber auch 100 Jahre her und es gibt keinen Grund zu glauben, dass irgendwer, der mit jenem Angriff zu tun hatte, heute noch lebt. Trotzdem, die Vergangenheit ist eine Vorlage und Sozin wird als Held hochgehalten, das heißt, es ist vernünftig anzunehmen, dass wenn sie es schon einmal getan haben, sie es wieder tun könnten. Doch was mit dem Südlichen Wasserstamm passiert ist, wenn auch schrecklich, ist kein Völkermord. Es wird spezifisch gezeigt, dass die Feuernation hinter Wasserbändigern her ist. Nicht-Bändiger werden bekämpft, aber sie auszulöschen ist nicht das Ziel. Es mag das schlussendliche Ergebnis sein, doch das Ziel von Feuerlord Sozin (und impliziert auch das der Feuernation) ist, den Rest der Welt zu unterwerfen. Unterwerfen: gewaltsam Gehorsam oder Sklaverei aufzwingen. Tote sind nicht unterworfen. Zhaos erklärtes Ziel am Nordpol (ehe er diesen Überfall auf die Geisteroase führte), war die 'größte Stadt' des Nördlichen Wasserstammes zu zerstören. Nicht sie alle umzubringen.

Noch ein Vorwurf gegen die Feuernation ist Kriegsverbrecher. Nett. Beackern wir mal nicht den Punkt wie sich wer als Kriegsverbrecher gilt über die Jahrhunderte verändert hat, oder dass die Avatar Welt wohl nie eine Genfer Konvention gehabt hatte. Übersehen wir auch mal diesen kleinen Vorfall mit Soldaten des Erdkönigreichs, die versuchten, Irohs Hände zu zerschmettern, während er ein Kriegsgefangener war, nach dem Fluchtversuch.

Stattdessen nehmen wir mal an, dass viele der Feuernation Kriegsverbrecher sind. Werfen wir auch Völkermord mit rein. Zhaos Absichten kamen dem definitiv nah genug (den Mond umbringen? Übersteigt sogar Idiot Ball) und auch wenn Zhao kein gutes Beispiel für die Feuernation im Ganzen ist, kann man definitiv sagen, dass der Nördliche Wasserstamm keinen Grund hat das zu wissen.

Also. Man gehört zum Nördlichen Wasserstamm und man glaubt, dass die Feuernation verbrecherische Völkermörder sind.

Wenn das der Fall ist, warum sollte irgendwer einem Verteidigungsplan für den Nordpol zustimmen, der annimmt dass dem nicht so ist?

Falls die Feuermarine aus vernünftigen, rationalen Militärs besteht – dann ja, Koizilla wird sie aufhalten. Eine Weile lang. Der HSQ (Heilige S******* Quotient) allein von derartigen Verlusten wird jeden vernünftigen Admiral zweimal nachdenken lassen. Egal was Ozai ihnen androht.

Falls, jedoch, die Feuernation Kriegsverbrecher auf Völkermord aus sind – nein. Die werden nicht aufhören. Es wird sie gerade mal etwas verlangsamen. Die Geschichte zeigt das wieder und wieder. Völkermord wird vorangetrieben, bis es niemanden mehr zu töten gibt... oder jemand die Täter aufhält – mit Gewalt. Und klar stellt, dass sie diese Gewalt wiederholen werden, so oft wie nötig.

Eine Person begeht ein Verbrechen aus einem überragenden Grund: weil sie glaubt sie kann. Die Feuermarine hat den Nordpol angegriffen, weil sie dachten, dass der Nördliche Wasserstamm schwach genug war, dass sie das tun und damit durchkommen könnten. Sie irrten sich bei letzterem – aber sie hatten Recht was das erstere angeht. Und Koizilla hat nichts getan, um diesen Eindruck zu ändern. Also hat die Feuernation eine ganze Flotte der Feuermarine verloren? Sie haben sie an den Avatar verloren. Und sie wissen es.

Was heißt, falls irgendwer auf Ozais Seite irgendwie gesunden Menschenverstand verwendet, beim Neumond nahe der Sommersonnenwende (oder noch wahrscheinlicher, bei der Rückkehr von Sozins Kometen), steht dem Nördlichen Wasserstamm eine extrem unschöne Überraschung ins Haus. Nämlich die Feuerbändiger kommen wieder um es diesmal durchzuziehen.

Denn, nimmt man Koizilla, hat die Feuernation keine Angst vor dem Nördlichen Wasserstamm. Sie fürchten den Avatar.

Und Aang ist da nicht da.

Die Feuernation führt diesen Krieg schon seit 100 Jahren und sucht genauso lang nach dem Avatar. Sie wissen, wozu der Avatar fähig ist und was er vorhat – das Gleichgewicht wiederherstellen und den Feuerlord bezwingen. Und sie wissen genau welche zerstörerische Kapazität die Rückkehr des Kometen ihnen verleihen wird. In diesem kommenden Sommer, so weiß die Feuernation, hat Aang eine von drei Optionen. Erstens: verstecken. Er war ja auch 100 Jahre nicht auffindbar. Und wenn er das macht... nun, die Feuernation hat schon bewiesen, dass jemand Mitten in die Stadt des Wasserstammes gelangen kann um den Avatar zu rauben. Also wird er sich wahrscheinlich nicht dort verstecken. Zweitens: Weiter daran arbeiten das Erdbändigen oder Feuerbändigen zu meistern, was beides wieder impliziert, dass er nicht am Nordpol sein wird. Drittens: sich Ozai und/oder den Truppen der Feuernation in den Weg zu stellen, egal wie weit sein Training ist, um zu versuchen, die drohende Zerstörung aufzuhalten. Wieder, sehr unwahrscheinlich, dass das am Nordpol ist.

Zudem führt die Feuernation einen Krieg, was Spione und Späher impliziert. Aang ist nicht gerade unauffällig. Egal wo er wahrscheinlich sein wird, die Feuernation hat eine gute Chance zu wissen, wo er sich befindet. Oder zumindest, zu wissen, wo er vor ein paar Tagen war. Sie wissen, wie schnell Appa fliegt, sie kennen die effektive Reichweite des Bisons, ohne für Futter, Wasser und Ruhe anzuhalten. Nimmt man das, wissen sie genau welches Zeitfenster sie haben werden.

Ironischerweise, ob sie auf Völkermord aus sind oder nicht, wenn die Feuernation keine strategisch wichtigen Gründe hatte, den Nordpol anzugreifen, bevor Aang dort hinging, haben sie diese jetzt auf jeden Fall. Aang wird nicht dort sein. Sie haben Tagelange Beweise, dass sie es mit den Wasserbändigern aufnehmen können, so lange Tageslicht herrscht. Den Nördlichen Wasserstamm zu zerschmettern, entreißt Aang einen mächtigen Verbündeten. Die Wasserstämme unterstützen Aangs Invasion auf die Feuernation selbst, ihrem eigenen Vorgarten. Dazu noch, dass die Feuernation unfassbar wütend ist wegen dem was ihrer Flotte zugestoßen ist... oh ja. Sie sind vielleicht nicht auf Völkermord aus, aber sie werden darauf aus sein jedes letzte bisschen Macht des Wasserstamms zu zerstören. Gründlichst.

Und wenn sie doch auf Völkermord aus sind, ist es gleich, welche Art Rache Aang danach an ihnen übt. Denn der Nördliche Wasserstamm wird trotzdem tot sein... und Avatare sind sterblich. Wenn der Nördliche Stamm weg ist, der Südliche keine Wasserbändiger mehr hat und die vom Nebelsumpf in Sokkas Invasionsplan verstrickt sind und gleich gefangen werden – ist Wasser auf dem gleichen Weg wie Luft.

„Du musst, du bist der Avatar!" Nett als Erklärung idealistischen Glaubens, Yue. Komplett, absolut verkehrt, wenn es darum geht, deine Leute zu retten. Denn – wie wir es im Kanon mit Kyoshi und Roku und Kuruk erleben – wenn normale Leute glauben, dass sie sich nicht selbst retten können, dann muss ein möchtegern-Eroberer nur den Avatar aus dem Weg schaffen und die Bösen glauben, dass sie alles machen können. Und wenn sie das glauben, dann wird jemand soweit gehen.

Also, warum glaube ich, dass Koizilla unmoralisch und ein schrecklicher Fehler war? Denn die Bestimmung einer Massenvernichtungswaffe ist Abschreckung. Die einzig moralische Begründung, eine zu haben oder sie einzusetzen, ist um noch schlimmere Vernichtung zu verhindern. Einfach: „Tut X nicht, oder wir hauen euch gründlich in die Pfanne... und wenn ihr X macht, dann tun wir das auch."

Das nebenbei impliziert, dass man die Waffe kontrollieren kann. Was der Wasserstamm – und Aang – nicht können. Aang im Avatar-Zustand hat vielleicht keine Kontrolle, aber zumindest ist er in den Händen der Avatare vor ihm, die Menschen waren und daher eine Möglichkeit haben darauf zu kommen, wann sie aufhören sollten. Aang, der in den Rachedurst des Ozeans versinkt, hatte keinerlei Kontrolle und hat die Macht eines Avatars an etwas übergeben, das nicht menschlich ist. Das nicht will, was Menschen wollen. Das ein IFF (Identifikation: Freund – Feind) hat, das sich allein darauf stützt, ob jemand die Geistesgegenwart hat, sich katzbuckelnd zu Boden zu werfen.

Wenn man mitten in einem Kampf um Leben und Tod ist, könnte man vielleicht nicht klar genug dafür denken können. Und was dann?

Koizilla hat Massenzerstörung angerichtet. Ohne Zurückhaltung, ohne Moral, und – wenn nicht gerade jemand idiotisch genug ist, den Mond wieder zu bedrohen – ohne die Möglichkeit, dass der Wasserstamm es wiederholen könnte. Und bedenkt man, dass die Überlebenden von Koizilla den Avatar mitten in dem Fischmonster sahen, selbst wenn Zhao das Geheimnis des Mondfisches mit in sein wässriges Grab nahm (und soweit wir vom Kanon wissen, reden Iroh und Zuko nicht darüber), weiß die Feuernation, dass es den Avatar brauchte, um Koizilla überhaupt herbeizurufen.

Das heißt, dass nichts die Feuernation davon abschreckt zuzuschlagen, wenn Aang woanders ist.

Die Moralität von Massenvernichtungswaffen hängt an 'zwingt uns nicht, das einzusetzen'. Doch der Nördliche Wasserstamm hat nichts, was er einsetzen könnte. Sie sitzen am Standort der schlimmsten Katastrophe in der Geschichte der Feuermarine – ich will mir nicht vorstellen, wie viele Witwen und Waisen diese Flotte hinterlassen haben muss – und die Feuernation hat schon gezeigt, dass der Wasserstamm am Arsch ist, ohne den Avatar. Darüber hinaus hat der Stamm einen Teil seiner Verteidigung geschwächt, als sie Bändiger zum Südlichen Wasserstamm schickten. Aang hat sie zur leichten Beute gemacht. Leichte Beute, die die Feuernation jetzt zu Asche verwandelt sehen will.

Hört auf euch über die Moralität dessen Gedanken zu machen, was Aang der Feuermarine angetan hat und schaut euch an, was er mit seinen Verbündeten gemacht hat.

Das ist die Interpretation, die ich nehme, um das 'Embers' - AU zu schreiben.

Und bedenkt man, dass die Geister in 'Embers' viel aktiver sind, als wir im Kanon sahen – jeder, der etwas von Geschichte versteht, oder Geister studiert hat (wozu viele Charaktere gehören, auf die Zuko getroffen ist), hat eine Ahnung, welches spirituelle Chaos der Nordpol ausgelöst hat. Das ist nicht hübsch.

Nebenbei, hätte Zhao in 'Embers' seiner Flotte zu Ohren kommen lassen, was er vorhatte, wäre er selbst zu Fischfutter geworden. Jemand hätte den Schneid gehabt, um das zu tun, egal ob es bedeutete die Loyalität zu brechen oder nicht. Man stürt nicht an Agnis Schwester herum.

Und meine persönliche Meinung... wenn die Tatsache, dass ein zwölf Jahre alter Junge Fähigkeiten einer mystischen Massenvernichtungswaffe hat für euch nicht als 'High Octane Nightmare Fuel (Alptraum-Raketentreibstoff)' gilt – wenn die Zombie Apokalypse kommt, bitte versteckt euch nicht in meinem Bunker.

Übersetzer-Notizen: Blut-Fuchsschwanz: wo das blut herkommt, weiß ich nicht, aber der Fuchsschwanz ist das in Mittelamerika vorkommende Amarant oder Kiwicha, eine uralte Getreidesorte.

Zea-Buchweizen: Zea ist eine Variante der Teosinte-Gräser, aus denen der Mais entstanden ist. Heimisch in Mittelamerika. Buchweizen ist ein Pseudogetreide, das ursprünglich in Eurasien entstanden ist.

Ja, der Wechsel von Du zu Ihr zwischen Zuko und Kuei ist beabsichtigt. Zuko bemüht sich als Lord seiner Leute den Erdkönig als Verbündeten zu gewinnen und hält sich ans 'ihr', während Kuei als kompletter Neuling in der politischen Arena erst noch Erfahrungen sammeln muss. Außerdem ist sein Element Erde und wie bei Tingzhe und Toph heißt es bei ihm erst mal zuhören und dann entscheiden.