A/N: Es hat ewig gedauert, bis ich halbwegs zufrieden mit diesem Kapitel war… Ja und dann… dann ist der Stick, auf dem ich eine knappe Stunde zuvor gearbeitet habe, gecrasht und ausschließlich der Ordner mit der gesamten FF, allen Ideen etc., war unwiederbringlich dahin. Naja, jetzt muss ich mich mit fast zwei Monate alten Sicherungskopien (jaja, ich weiß) und dem handgeschriebenen ersten Entwurf begnügen…

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Da in diesem Jahr insgesamt nur sechs Schüler über die Ferien in Hogwarts blieben, erlaubte Dumbledore allen Lehrern außer den Hausleitern, über die Feiertage nach Hause zu fahren und so machte Arian einen kurzen Abstecher zu ihrer Familie nach Deutschland. An Heiligabend um Mittag herum verabschiedete sie sich von ihren Frauenkränzchen-Freundinnen, die tratschend im Lehrerzimmer saßen, sowie von den übrigen befreundeten Kollegen, die sie gesondert aufsuchen musste. Severus fand sie beim Brauen eines komplexen Migränetranks vor, den er selbst modifiziert haben musste, wenn die vielen für Migränetränke ungewöhnlichen Zutaten auf seinem Tisch ein Hinweis waren. Sie war etwas angespannt, da ihr letztes Beisammensein ja nicht allzu positiv geendet hatte, doch wundersamerweise schien er nicht darauf aus, ihr ihre Fehler heute weiter unter die Nase zu reiben.

Allen versprach Arian, von daheim Geschenke mitzubringen und löste damit allgemeine Begeisterung aus – nun, bis auf Severus, der sie mit einem knurrigen „Wen interessieren schon Geschenke!" aus dem Labor warf.

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Die Vorstellung, von Arian ein Geschenk zu bekommen, ließ Severus nicht mehr los. Seit ihrer Zusammenarbeit bei dem alten Schlaftrankrezept hatte er mit dem Gedanken gespielt, ihr ein Weihnachtsgeschenk zu machen, hatte sich allerdings auch keiner Lächerlichkeit preisgeben wollen, insofern war diese Sache bisher im Sand verlaufen. Immerhin erwähnte sie ständig den Wolf und ihn selbst hatte sie indirekt einen Schwarzmagier genannt. Aus irgendeinem Grund hatte das mehr wehgetan, als erwartet und er sich eingestehen wollte. Doch jetzt, nachdem sie zu ihm gekommen war, um sich zu verabschieden… Jetzt musste doch ganz dringend etwas her. Nur… was konnte sie wohl gebrauchen? Er war ganz und gar nicht gut im Aussuchen von Geschenken und gleich zweimal nicht, wenn sie ernst gemeint sein sollten. Und das sollte dieses, hatte er festgestellt. Zu seinem eigenen Entsetzen konnte er nicht mehr abstreiten, dass es ihm irgendwie wichtig war, was sie von ihm dachte, er sie sogar eventuell ein klitzekleines bisschen nett fand, auch wenn sie nur zu oft ganz fürchterlich nervig war. Also, ein Geschenk… Lieber nichts aus ihrem Fachgebiet, da hatte sie das meiste sicher schon. Irgendein anderes Buch? Einen Whisky? Da war sie allerdings auch schon gut aufgestellt…

Schweren Herzens machte er sich schließlich noch auf, etwas zu kaufen und dabei den Massen an anderen Kurzentschlossenen zu trotzen. Sein Ziel: der Weihnachtsmarkt in Cardiff. In der Dunkelheit zwischen all den dick eingemummelten Menschen fiel sein warmer Winterumhang gar nicht so sehr auf. Die Robe hatte er sicherheitshalber dennoch weggelassen. Überall glitzerten und leuchteten Lichterketten, es duftete herrlich nach Essen und weihnachtlichen Gewürzen und es gab eine Vielfalt an Kunsthandwerk zu bestaunen. Allein die Stände auf der Working Street überforderten Severus schon.

Er ließ seinen Blick gerade über eine Auswahl an filigran geschnitzten Löffeln schweifen, als ihn der Besitzer des Standes, ein älterer Mann mit starkem walisischem Akzent, ansprach: „Was darf es sein, Junge? Welche Symbole sollen unbedingt dabei sein? Das Herz, nehme ich an? Ein Kreuz? Eine Kette? Wie viele Kugeln?" Er zwinkerte Severus verschmitzt zu.

Der wusste allerdings überhaupt nicht, was der Verkäufer von ihm wollte. „Symbole?", fragte er verdutzt. „Was für Kugeln? Ich suche nur ein Geschenk für eine… Freundin."

Der alte Mann lachte laut auf. „O, Sais! Aber die Liebste ist wohl Waliserin? Noch nie von Liebeslöffeln gehört? Ein junger Mann schnitzt ihn traditionell für das Mädchen, das er heiraten möchte. Ganz altes Handwerk mit viel Herzblut. Willst du sie heiraten?"

Severus erinnerte sich gerade noch rechtzeitig daran, dass er sich unter Muggeln befand, bevor ihm das „Merlin bewahre!" herausrutschte. „Nein", meinte er nur mit hochroten Wangen.

„Vielleicht später", sagte der Verkäufer mit einem verschlagenen Grinsen. Dann wies er auf eine Auslage mit funkelnden Schmuckstücken. „Möglicherweise ist ja hier was dabei. Auch alles Handarbeit, versteht sich, und echtes Silber."

Severus rief sich Arian vor Augen und überlegte, was denn zu ihr passen würde. Zu ihren langen, glänzenden, dunkelbraunen Haaren, zu ihren tiefblauen Augen, zu ihren weichen Gesichtskonturen…

„Das muss ja ein besonderes Mädchen sein", kommentierte der walisische Standbesitzer lächelnd.

Severus warf ihm einen Blick finsterster Sorte zu, der jedoch gnadenlos abprallte. Da entdeckte er eine feingliedrige Halskette mit einem fingernagelgroßen Drachenanhänger daran – der gleiche Drache, der überall in der Stadt auf Flaggen abgebildet war, der Walisische Drache. „Wie viel kostet die?"

„20 Pfund."

„Ich nehme sie, bitte."

„Sehr gerne. Soll ich sie noch verpacken?"

„Ja, bitte."

Der Verkäufer überreichte Severus das kleine, in Silberfolie eingeschlagene Schmuckschächtelchen. „Viel Erfolg, mein Junge. Frohe Weihnachten, beziehungsweise, wie wir in Wales sagen: Nadolig Llawen!"

„Ebenso."

Severus war froh, als er wieder in Hogwarts und in seinen Gemächern ankam. Jetzt musste er nur noch Lupins Verwandlung und das Weihnachtsessen am nächsten Tag überleben, dann hatte er erst einmal ein wenig Ruhe.

Doch das sollte sich als schwieriger herausstellen als gedacht und es war nicht einmal Lupins schuld: Dumbledore hatte einen einzigen Tisch für zwölf Personen decken lassen. Jetzt musste er auch noch gemeinsam mit Schülern an einem Tisch essen! Unwillkürlich dachte er an Arian, die all diesem Graus entflohen war. Die Glückliche! Er nickte der einzigen Slytherin-Schülerin, einer Fünftklässlerin namens Mandeline Torche, zu, ignorierte die zwei zitternden Erstklässler aus Hufflepuff und setzte sich auf den Platz zwischen Minerva und Albus, den Letzterer für ihn reserviert hatte. Pomona, Argus und Filius waren auch schon da, fehlte also nur noch… Oh nein, das Goldene Trio! Die perfekte Gesellschaft für Weihnachten, damit er dieses Fest noch mehr hassen konnte!

Kaum hatten sich die vermaledeiten Gryffindors gesetzt, hielt Dumbledore Severus voller Enthusiasmus einen Knallbonbon unter die Nase. Ergeben zog er daran und mit einem ohrenbetäubenden Knall landete ein spitzer Hexenhut mit einem ausgestopften Geier darauf auf dem Tisch. Potter und Weasley grinsten einander debil zu und Severus fühlte eine erneute Welle der Demütigung über sich schwappen. Bereits jetzt war ihm jeglicher Appetit abhandengekommen.

„Guten Appetit!", wünschte der Schulleiter unpassenderweise und die ersten begannen, ihre Teller vollzuladen, als plötzlich Sybill in die Große Halle geschwebt kam.

Severus blendete ihr hirnloses Gebrabbel aus, bis Dumbledore einen dreizehnten Stuhl ausgerechnet zwischen ihm und Minerva platzierte. Warum war das Schicksal heute wieder so sehr gegen ihn?!

„Oh Schulleiter, ich wage es nicht!", hauchte da Sybill. „Wenn ich mich setze, sind wir dreizehn, nichts könnte mehr Unglück bringen! Vergessen Sie nicht: Wann immer dreizehn zusammen speisen, wird der, der sich zuerst erhebt, als erstes sterben!"

Minerva rollte mit den Augen. „Wir werden es riskieren. Setz dich endlich, der Truthahn wird kalt."

Mit großer Theatralik sank Sybill auf ihren Stuhl und ignorierte Minerva, die ihr anbot, ihren Teller zu füllen. „Aber wo ist denn Professor Lupin?"

„Der Ärmste ist wieder krank", antwortete Dumbledore, „und das ausgerechnet an Weihnachten."

‚Klar, krank…!', murrte Severus innerlich Das nächste Mal würde er sich auch einfach krankmelden. Oder noch besser, sich vergiften, sodass es schön echt aussah.

„Aber das wusstest du doch sicher bereits, Sybill?", stänkerte Minerva ihre Kollegin weiter an.

„Natürlich, Minerva, aber man läuft nun mal nicht herum und brüstet sich damit, allwissend zu sein. Ich tue oft so, als hätte ich gar kein Inneres Auge, um andere nicht nervös zu machen."

„Das erklärt natürlich so einiges…!"

‚Oh, wenn Arian das nur sehen könnte!', dachte Severus und grinste in sich hinein. Bei solchen Darbietungen war selbst er stets Team Minerva.

„Wenn du es unbedingt wissen musst, Minerva: Ich habe gesehen, dass Professor Lupin nicht sehr lange bei uns bleiben wird, und er scheint sich dessen auch selbst sehr bewusst zu sein. Er ist geradezu geflohen, als ich ihm anbot, für ihn in die Kristallkugel zu blicken…"

„Stell sich das einer vor!" Minervas Mundwinkel zuckten verdächtig.

„Ich bezweifle, dass sich Professor Lupin in akuter Gefahr befindet", unterbrach Dumbledore die Zankerei. „Severus, Sie haben den Trank wieder für ihn gemacht?"

„Ja, Schulleiter." ‚Ich bin ja nicht lebensmüde.'

Der Rest des Weihnachtsessens verlief beinahe akzeptabel, bis Potter und Weasley zeitgleich aufstanden, um zurück in ihren Gemeinschaftsraum zu gehen. Sybill wollte nun natürlich auf jeden Fall wissen, wer zuerst sterben würde… Auftritt Minerva: „Ich glaube, es ist egal, wer als erster aufgestanden ist, es sei denn, es wartet draußen ein verrückter Axtmörder, der die erste Person tötet, die die Eingangshalle betritt."

Alle lachten, sogar Severus ließ sich bei diesem Kommentar zu einem spöttischen Grinsen hinreißen.

Seltsamerweise ging Miss Granger nicht mit ihren Freunden zurück. Als die übrigen drei Schüler ebenfalls gegangen waren, wandte sie sich stattdessen an Minerva: „Professor McGonagall, ich denke, Sie sollten wissen, dass Harry einen Feuerblitz geschickt bekommen hat. Es war keine Karte dabei und ich dachte… vielleicht war das Sirius Black? Und der Besen könnte verhext sein, so wie vor zwei Jahren?" Das Mädchen wirkte extrem unruhig und biss sich ohne Unterlass auf die Unterlippe.

Die verbliebenen Lehrer horchten bei der Erwähnung Blacks automatisch auf.

„Das ist klug gedacht, Miss Granger", meinte Minerva nachdenklich. „Filius, könnten Rolanda und du euch darum kümmern, dass dieser Besen von vorne bis hinten durchgecheckt wird, bevor irgendjemand damit fliegt?"

„Selbstverständlich, Minerva", versprach Filius ernst.

„Und Severus… du eventuell auch?"

Severus nickte, erstaunt, dass Minerva ihn fragte, wusste doch niemand außer Dumbledore, dass er es gewesen war, der damals gegen Quirrells Fluch angekämpft hatte. Seinen Kenntnissen im Bereich der Dunklen Künste wurde sonst schließlich auch nur mit Misstrauen begegnet – aufgrund seiner Vergangenheit wunderte ihn das zumeist nicht mal, auch wenn es unberechtigt und ungerecht war.

„Danke. Wie lange, denkt ihr, werdet ihr brauchen?"

Filius und Severus wechselten einen Blick.

„Ein paar Wochen? Rolanda kommt erst zu Beginn des neuen Trimesters wieder."

„Gut. Miss Granger, danke, dass Sie mich informiert haben. Zehn Punkte für Gryffindor. Ich gehe davon aus, Mr Potter hat den Besen noch bei sich im Gryffindorturm?"

Miss Granger nickte mit niedergeschlagener Miene. Tja, Potter würde sicher nicht begeistert sein, sobald Minerva seinen Weltklassebesen konfiszierte. Doch wenn ihn wirklich Black geschickt haben sollte, war es besser so. In Gedanken ging Severus schon einmal durch, auf welche Flüche er den Besen testen würde.

OoO

Arian kehrte kurz vor Silvester im tiefsten Schneegestöber nach Hogwarts zurück und überhäufte ihre Kollegen im Lehrerzimmer zu Severus' Verdruss mit vielen internationalen Spezialitäten, die sie von daheim mitgebracht hatte und die sofort durchprobiert werden mussten. Der Ort, in dem ihre Familie lebte, mochte in Deutschland liegen, schien jedoch wesentlich bunter durchmischt zu sein – jedenfalls dauerte die spontane Feier gefühlte Ewigkeiten, was Severus immer griesgrämiger werden ließ. Er wollte Arian ihr Geschenk geben, wenn sie unter sich waren, er war so aus irgendeinem Grund schon genug mit seinen flatternden Nerven beschäftigt. Sie wollte es augenscheinlich aber auch nicht auf eine ausgedehnte Party anlegen, denn als Lupin vorschlug, Getränke auszupacken und noch in die Nacht hineinzufeiern, lehnte sie dankend ab und wandte sich zum Gehen, wobei sie auffordernd eine Augenbraue in Severus' Richtung hob. Er folgte ihr, mit ein wenig Verzögerung, damit es nicht auffällig war, nur zu gerne.

„Na, hattest du schöne Weihnachten?", fragte Arian, als sie sich in der Eingangshalle wieder trafen.

„Ich hasse Weihnachten."

Sie sah ihn mitleidig an, konnte ein Grinsen jedoch nicht verbergen. „Unter diesen Umständen sollte ich dir eigentlich dein Geschenk vorenthalten. Komm mit hoch."

Sie setzten sich in Arians Wohnzimmer und wie schon zuvor gesellte sich Seren schnurrend zu ihnen Arian goss zwei Gläser Ardbeg ein, dann zog sie ein Päckchen hervor, das in glänzend-schwarzes Papier eingewickelt war, auf dem kleine Kessel abgebildet waren, die sich beständig selbst umrührten.

Severus warf ihr einen Blick zu, der ganz genau sagte, was er davon hielt.

„Schau nicht so, ich fand's süß und es hat mich an dich erinnert!", verteidigte sich Arian mit erhobenen Händen.

„Genau. Süß. Das ist das Problem…" Vorsichtig entfernte er das kitschige Papier. Zum Vorschein kam ein dickes, ledergebundenes Buch mit einem goldenen Wirbel auf der Vorderseite, der sich ominös um sich selbst drehte.

„Als ich dich experimentieren sehen habe, sind mir diese Bücher eingefallen. Einige Professoren an meiner Uni hatten die. Du kannst deine eigenen Ideen und Rezepte darin notieren, es erstellt automatisch ein alphabetisches und ein thematisches Glossar sowie ein Inhaltsverzeichnis und vor allem wird es nie voll. Ach ja, und wenn du mit dem Zauberstab auf das Gold außen tippst, kannst du ihm einen Titel geben und auch jederzeit wieder ändern. Es ist auf dich persönlich eingestellt."

Severus wusste nicht, was er zu so einem wohldurchdachten Geschenk sagen sollte. Er bekam grundsätzlich schon sehr selten Geschenke und die alljährlichen Wollsocken von Albus zählten nun wirklich nicht zu den einfallsreichsten Geschenkideen. Doch hiermit könnte er vielleicht endlich seinem Pergamentchaos Herr werden – er besaß kistenweise eigene und verbesserte Tränkerezepte und Zaubersprüche, die einfach nur lose herumflatterten. „Ich… Das… war eine gute Idee." Schnell reichte er Arian, ohne sie anzusehen, die kleine Schmuckschachtel. Seine Nerven spielten verrückt.

Arian öffnete das Schächtelchen und ihr stockte der Atem. Unsicher sah Severus auf, doch sie musterte ihn nur schweigend. Er konnte nicht ausmachen, was das für ein Ausdruck auf ihrem Gesicht war. Doch dann lächelte sie und nahm die Kette in die Hand. „Die ist wunderschön! Danke, Severus!" Sie strich mit dem Daumen über die feingliedrigen Flügel des Drachen. „Sag mal, hättest du Lust, mich zum Abendessen nach Hogsmeade zu begleiten?"

Severus zögerte überrumpelt. „Ich denke nicht, dass ich dafür die richtige Person bin. Geh lieber hinunter auf die Feier, da triffst du auch nicht auf Dementoren."

„Ich brauch' jetzt wirklich keine Party, meine Familie an Weihnachten hat mir völlig gereicht. Und wenn wir zusammen gehen, haben wir auch eine bessere Chance gegen die Dementoren, im Notfall."

„Meinetwegen… Ich hole noch meinen Winterumhang."

„Keine Eile, wir können schon noch in aller Ruhe austrinken."

Letztendlich war Severus' Glas doch recht schnell leer. „Wieder in der Eingangshalle?"

Kaum dass die Tür sich hinter ihm geschlossen hatte, fiel Arians Blick wieder auf die Drachen-Halskette. „Bergarbeiter-Silber, Seren…", murmelte sie ihrer Katze fasziniert zu. „Und ich glaube, er weiß es nicht mal…"

Bergarbeiter-Silber war eine obskure walisische Magiertradition. Hexen und Zauberer hatten zu den Hochzeiten des Bergbaus in Wales für die Muggelfrauen in ihren Gemeinden Schmuckstücke aus magisch veredeltem Silber angefertigt, die sich schwarz verfärbten, wenn ihren Männern bei der Arbeit etwas zustieß. Durch diese frühe Warnung und die Zusammenarbeit mit der magischen Bevölkerung hatten viele Leben gerettet werden können – und vor allem viele Liebende, denn dafür stand dieser selten gewordene Schmuck heute. Doch auch wenn Severus sich allem Anschein nach nicht bewusst war, was er Arian da geschenkt hatte, so wurde ihr bei dem Gedanken trotzdem ganz warm ums Herz und sie schwor sich, im Gegenzug ihren Teil der in Vergessenheit geratenen Abmachung einzuhalten und über Severus' Wohlergehen zu wachen.

Mit geschickten Fingern legte sie die Kette um, schlüpfte unter ihren burgunderfarbenen Winterumhang und begab sich hinunter in die Eingangshalle. Der winzige Drache lag warm auf ihrer Haut und sie meinte beinahe etwas zu spüren, das sie in letzter Zeit vermehrt in Severus' Nähe wahrgenommen hatte. Ein unerklärliches Gefühl des Aufgehobenseins, der Geborgenheit schien von dem schlichten Schmuckstück auszugehen und sie konnte kaum erwarten, wieder den waschechten Tränkemeister bei sich zu haben.

Dieser erwartete sie bereits in der Eingangshalle, äußerlich die Ruhe selbst, höchstens vielleicht mit einer noch etwas steiferen Haltung als gewöhnlich. Er wirkte ein wenig angespannt, als sie gemeinsam das Schloss verließen und hinaus in Schnee und Wind traten.

Ihr Ziel waren die Drei Besen, wo sie sich Elfenwein und den letzten Shepherd's Pie gönnten, bevor Madam Rosmerta für den Tag die Küche schloss, jedoch nicht ohne sich zuerst mit einer großen Tasse Heißer Schokolade von den Dementoren zu erholen, die im Dorf patrouillierten. Severus hätte niemals freiwillig eine bestellt, Arian hatte jedoch wie selbstverständlich zwei Tassen geordert.

Er war wie immer sehr still, doch Arian war das nur zu recht. So konnte sie die Ruhe und seine Anwesenheit genießen und ihn nebenher noch etwas aus dem Augenwinkel beobachten, was sie niemals fertiggebracht hätte, wenn sie sich noch zusätzlich auf eine Unterhaltung hätte konzentrieren müssen.

„Wollen wir noch eine Runde spazieren gehen, außerhalb des Dorfes, wo keine Dementoren sind?", fragte sie, nachdem sie beide aufgegessen hatten.

Severus nickte und trank sein Glas aus, bevor sie die Drei Besen verließen.

Der Schneesturm hatte sich gelegt und es herrschte eine nahezu zauberhafte Stille in Hogsmeade. Schweigend schlenderten sie den Hügel hinter den Drei Besen hinauf, von dem sie einen fabelhaften Blick über das Dorf und auf Hogwarts in der Entfernung hatten. Arian blieb stehen und betrachtete die leuchtenden Fenster, die sich glitzernd auf der Oberfläche des schwarzen Sees spiegelten.

„Danke, dass du mitgekommen bist, Severus."

„Ich weiß immer noch nicht, warum du gerade mich mitnehmen wolltest…"

Arian lächelte. „Ach Severus… Ich wollte einfach lieber mit jemandem zusammen sein, den ich wirklich mag, als mich sinnlos zu betrinken…" Irgendwie war sie froh darüber, dass es dunkel war.

Severus schnaubte. „Als ob es an mir etwas zu mögen gäbe."

„Quatsch nicht. Du bist intelligent und attraktiv…" Arian verstummte. Sie hatte eindeutig etwas zu viel getrunken.

„Attraktiv?! Du hast ja nicht mehr alle Kessel im Keller!"

„Hm, ich finde schon. Du hast wunderschöne Augen… und elegante, hohe Wangenknochen… und tolle Hände…"

„Mach dich nicht lächerlich!", unterbrach Severus sie ruppig und verschränkte die Arme vor der Brust. Seine Wangen fühlten sich unangenehm warm an.

Arian drehte sich zu ihm herum. Vorsichtig strich sie ihm mit einer Hand eine Strähne schwarzen Haares aus dem Gesicht, ignorierend, dass er vor ihrer unangekündigten Berührung reflexartig zurückwich.

„Denk doch nicht so negativ über dich", meinte sie leise.

Seine Augen wirkten pechschwarz in der Dunkelheit der Nacht und schienen sie angespannt zu beobachten. Ihr Blick glitt hinab zu seinem leicht geöffneten Mund. Bei näherer Betrachtung fiel ihr eine feine Narbe auf, die sich von seiner Oberlippe bis fast über die gesamte Länge seiner Unterlippe zog und die ihr noch nie zuvor aufgefallen war. Sie schloss die Augen und setzte einen federleichten Kuss genau auf diese Stellen. Wie sehr hatte sie ihn die ganze Zeit küssen wollen! Es fühlte sich so richtig an…

Severus konnte kaum fassen, was da passierte. Dass sie ihn tatsächlich erneut küsste, und diesmal anscheinend sogar mit voller Absicht. Als sie ihn auch nach ein paar Sekunden nicht von sich stieß, gab er der brennenden Versuchung nach und überlegte, wie er diesen sanften Kuss am besten erwidern konnte. Probehalber legte er den Kopf leicht schief; seine Nase war Dank ihrer unvorteilhaften Größe etwas hinderlich, gerade weil er überhaupt nicht wusste, wie er es anstellen musste. Doch Arian schien ihn unbewusst in die richtige Position zu dirigieren.

Nach einer Weile zog sie sich ein kleines Stück zurück und blickte mit einem Lächeln zu ihm auf. „Severus…"

Ihr Kopf war wie leergefegt und auch er konnte sie nur schweigend anblicken. Was sollte man auch groß sagen, wenn man auf einmal von einer wundervollen Frau geküsst wurde, an die man insgeheim schon seit geraumer Zeit dachte und nie im Leben damit gerechnet hätte, dass sie einmal auch nur einen Funken Interesse an einem zeigen würde?

„Ich…", setzte sie erneut an. „War das… War das OK?"

Er nickte nur stumm.

Langsam ließ sie ihre Hände seine Arme hinunter wandern und lehnte ihr Gesicht an seine Brust.

Severus versteifte sich automatisch aufgrund von so viel Berührung, doch als nichts weiter passierte, versuchte er sich aktiv zu lockern und zu entspannen. Es funktionierte nur mäßig.

„Bin ich froh…", murmelte sie.

„Was?", fragte er ebenso leise.

„Ich… Ich wollte das die ganze Zeit… zu dir, mit dir… Zeit verbringen, bei dir sein, aber…" Wieder suchte sie nach den richtigen Worten. „Aber ich wusste nicht, ob du mich überhaupt wollen würdest…"

Severus war sprachlos. Sie nicht wollen? Wie käme er denn dazu, gerade wo sie die einzige war, die ihm immer wieder verzieh, wenn er etwas falsch machte, die sich je auf diese Weise für ihn zu interessieren schien, beziehungsweise überhaupt… Normalerweise verurteilten und mieden ihn die Leute und das war ihm auch meistens ganz recht, nur in diesem Fall…

Da ihm schlicht und ergreifend die Worte fehlten, versuchte er sich an einer vorsichtigen Umarmung. Bestimmt sah er total unsicher und hilflos aus, doch er konnte es nicht ändern. Nur gut, dass sie hier um diese Uhrzeit niemand sehen konnte. Arian schien es allerdings nicht zu stören, im Gegenteil, sie schmiegte sich noch näher an ihn.

„Lass uns zurück zum Schloss apparieren", meinte sie nach einer Weile schließlich. Sie stellte sich auf die Zehenspitzen und gab ihm einen kleinen Kuss auf die Stirn. Sie sah ihn an, als hätte sie soeben einen wertvollen Schatz gefunden. Es war ein ziemlich verwirrendes Gefühl für ihn. „Du bist toll, weißt du das?"

Er wusste nichts zu erwidern, und wieder hatte er das Gefühl, seine Wangen würden glühen. An ihm war nichts toll, so viel stand fest… Vorsichtig griff er nach ihrer Hand, warf ihr einen nach Bestätigung suchenden Blick zu und disapparierte sie beide, nachdem sie genickt hatte, vor die Tore von Hogwarts.

Auch auf dem Weg hinauf zum Schloss ließ Arian seine Hand nicht los und er wünschte sich fast, dieser Traum würde nie ein Ende nehmen. Viel zu schnell waren sie in der Eingangshalle angelangt.

„Es ist schon spät…", meinte Severus, die Augen auf den steinernen Fußboden gerichtet.

„Ja…", hauchte Arian. „Sehen wir uns morgen früh? Zum Frühstück?"

Er nickte wortlos.

Sie reckte sich hinauf zu ihm, doch er wich einen Schritt zurück und sah sie unsicher an. „Nicht hier… Ich… Können wir das… für uns behalten?"

„Okay…" Sie lächelte. „Dann… gute Nacht, Severus."

„Gute Nacht, Arian…"

Er blickte noch immer die große Marmortreppe hinauf, auch als sie schon längst in der Dunkelheit verschwunden war. Er konnte kaum fassen, was passiert war.