Faramirs Magen hatte sich zu seinem Glück schon wieder beruhigt und weckte ihn mit einem gärenden Hungergefühl welches sich nicht ignorieren ließ.
Beim Frühstückt schaufelte er sich das Essen gierig auf seinen Teller und bemerkte die belustigten Blicke seiner Sitznachbarn nicht. Einzig die abwartenden Blicke seiner Frau fielen ihm auf.
Er wusste sie wartete auf eine Erklärung, doch er wusste nicht einmal ansatzweise was er sagen sollte. Und vor allem wie viel.
Also tat er das was er immer tat um einer Konfrontation aus dem Weg zu gehen- er verzog sich in die Bibliothek.
Unzählige Male hatte er sich in seiner Kindheit vor seinem Vater versteckt und fand in den Büchern immer Schutz und Sicherheit. Egal wie viele Schwerthiebe er auf dem Übungsplatz einstecken musste, in der Literatur verbarg sich sein wahres Talent. Er erinnerte sich an jedes Wort, konnte aus beinahe jedem Buch der Bibliothek zitieren und verstand Texte, die selbst für die Gelehrten manchmal zu viel waren.
Doch egal wie oft er es versuchte mit seinem Können von seinen Misserfolgen abzulenken- sein Vater sah nur das Schlechte in ihm.
Erst viel später wurde ihm klar, dass das so war weil er es schlichtweg sehen wollte. Denethor wollte nicht von seinem zweitgeborenen Sohn beeindruckt werden. Er hatte ihm seine Frau geraubt, er war zu weich und zu schwach. Er würde nicht das Erbe seiner Vorfahren antreten, also warum sollte er etwas anderes als Misserfolg von ihm erwarten. Schließlich hatte er Boromir. Der eine Sohn der ihn nie enttäuschen würde.
Seine Ausweichtaktik war bis zum Abend erfolgreich, sehr zu seiner Überraschung. Sie wusste wo er war und er hatte beinahe erwartet, dass sie ihn aufsuchen würde.
Viel mehr hatte er es gehofft. Zu seiner Sorge um seine Heimat und seinem Bruder kam jetzt auch noch ein Gefühlschaos hinzu.
Er wusste er mochte sie. Er spürte es sofort wenn sie in seiner Nähe war. Doch wie sollte er das alles umsetzen. Einmal mehr wünschte er sich jemanden hier zu haben mit dem er über solche Dinge reden konnte.
Als er den rötlichen Schein der bereits untergehenden Sonne wahrnahm, rollte er eine alte Schriftrolle zusammen und machte sich auf den Weg zum Abendessen.
Dieses verlief entsetzlich ruhig, Salar war wie so oft abwesend, der König war in seinen Gedanken versunken und sprach bis auf ein paar Höflichkeitsfloskeln nichts weiter und seine Braut sah ihn nur hin und wieder von der Seite an.
Faramir musste wieder an seinen Traum denken und spürte einen Schmerz in seiner Brust. Wenn er nur nicht seinen Bruder so gut kennen würde.
Boromir hatte stets ein Talent dafür gehabt sich in brenzlige Situationen zu bringen. Wie er all seine Abenteuer unbeschadet überstanden hatte, war Faramir ein Rätsel.
Das Essen ging vorüber und er war froh sich wieder halbwegs gut zu fühlen, zumindest körperlich. Der König entschuldigte sich sobald er mit dem Essen fertig war und Faramir konnte sehen, dass auch er ein Gefangener seiner Gedanken war. Er hätte ahnen können, dass ihre Sorgen einander ähnelten.
Zurück in den Gemächern machte er sich sogleich auf den Weg in den Waschraum und stütze seine Hände an der Steinschale ab.
Er atmete tief durch und versuchte seine Gedanken zu ordnen als er auf einmal eine Hand an seiner Schulter spürte.
Erschrocken wandte er sich um und sah direkt in die dunklen Augen seiner Frau. Sie hatte etwas vor, soviel konnte er in ihren Augen sehen.
Doch was? Faramir legte sich bereits etwas zurecht mit dem er seinen Traum und seine Sorgen erklären konnte, scheinbar umsonst.
Denn gerade als er etwas sagen wollte, machte sie einen Schritt auf ihn zu. Erschrocken von der ungewohnten Nähe wich er einen halben Schritt zurück und stieß mit seiner Rückseite bereits an die Steinschale auf die er sich vorher gestützt hatte.
Sie fuhr unbeeindruckt mit ihrer Hand seinen Oberarm entlang und ihre Augen folgten der Bewegung. Faramir war wie erstarrt. Wenn er hinunter schauen würde, würde er bestimmt Funken sehen, so sehr kribbelte ihre Berührung.
Doch er konnte seinen Blick nicht von ihr lösen. Er mochte zwar nicht viel Erfahrung haben, aber diese Geste wusste sogar er zu deuten.
Sein Herz raste und er schluckte. Dies brachte ihre Aufmerksamkeit auf seine Lippen. Er sah wie ihr Kopf näher kam und sie fing seinen Blick. Erneut musste er schlucken.
Auf einmal hielt sie ein und Faramir atmete aus. Sie war so nahe er konnte ihren Duft riechen.
Sie wartete.
Aber auf was? Sie kam wieder näher, dachte er, dabei war es er, der sich wie in Trance zu ihr beugte.
Das letzte bisschen kam sie ihm wieder entgegen und er spürte ihre Lippen auf seinen. Er schloss automatisch seine Augen und selbst als er ihre Lippen nicht mehr auf seinen spürte, hielt er sie noch ein paar Sekunden geschlossen.
Als er sie wieder ansah, hatte etwas anderes ihren Blick gefangen. Mit sanften Berührungen fuhr sie über seine Brust und er schloss erneut seine Augen. Erneut spürte er ihre Lippen, jedoch diesmal nicht auf seinen sondern auf seinem Schlüsselbein.
Zischend sog er einen Atemzug durch zusammengepresste Zähne. Ihre Bewegungen waren beinahe quälend langsam doch Faramir konnte sich immer noch nicht bewegen.
Er genoss das Gefühl zu sehr um sich Gedanken zumachen was er nun tun sollte. Doch scheinbar verunsicherte sie sein Nichtstun, denn sie hörte auf und wich wieder einen Schritt zurück.
Langsam öffnete er seine Augen und zog seine Brauen enttäuscht zusammen. Gerade als er sich fragen wollte warum sie einfach so aufhörte, fiel ihm auf wie er auf sie wirken musste.
Er würde bestimmt nicht weiter machen wenn sie nicht auf seine Berührungen reagieren würde.
Unsicher sah sie ihn an und blickte in den Nebenraum. Gerade als sich von ihm abwenden wollte nahm er seinen ganzen Mut zusammen und ergriff ihre sah auf ihre Hände und wieder ihn an. Erleichtert bemerkte er ein leichtes Lächeln. Er fühlte wie seine eigenen Mundwinkel nach oben wanderten und atmete erleichtert aus als sie sich ihm wieder näherte.
Diesmal beugte er sich zu ihr hinunter um sie zu küssen und seufzte als er ihre Hand an seinem Hinterkopf spürte wie sie sich in seinen dunkelblonden Locken vergrub.
Er fühlte wie sich ihr Mund leicht öffnete und ihr Zunge sanft aber ein wenig drängend seinen Lippen entlang fuhr. Ein lautloses Seufzen seinerseits gewährte ihrer Zunge Einlass und er riss seine Augen auf. Sicher hatte er schon einige Mädchen und Frauen geküsst, doch niemals so. Er war sich ziemlich sicher, dass die meisten Hofdamen in Gondor nicht so küssten und wenn doch, wäre es vermutlich das schockierenste was die Gesellschaft aushalten musste.
Auf einmal fühlte er etwas in seinen Kniekehlen. Erschrocken stellte er fest, dass sie ihn scheinbar ohne seinem Wissen in Richtung des Bettes getrieben hatte.
Als er sich wieder ihr zuwendete und ihr selbstzufriedenes Lächeln sah, beobachtete er ihre Hände mit gebanntem Blick.
Sie machte sich an ihrer Kleidung zu schaffen und ließ diese mit nur wenigen Handbewegungen hinunter fallen. Wie selbstverständlich stand sie nackt vor ihm und sah ihn abwartend an. Er hatte sie zwar schon von hinten gesehen, als er wie ein Jüngling heimlich spähte, doch das war etwas ganz anderes.
Seine Etikette verlange von ihm sich umzudrehen doch zu seinem Glück gehorchte sein Körper nicht. Er nahm alles auf. Wie systematisch arbeiteten sich seine Augen ihren Körper entlang, er versuchte sich alles so gut wie möglich einzuprägen. Doch er wusste- diesen Anblick würde er bis zu seinem Sterbebett nicht vergessen.
Wie für einen Soldaten angemessen war sie durchaus muskulös und trug einige Narben. Doch es schien als würde sie das nur noch schöner machen. Faramir überkam auf einmal eine Welle der Unsicherheit. Sie wartete auf ihn, soviel war sicher. Doch sollte er sie berühren, sollte er sich auch ausziehen, sollte er sich aufs Bett legen oder sollte er doch etwas sagen?
Sie schien seine Unsicherheit zu bemerken und legte ihren Kopf schief, nicht dass er ihr Gesicht betrachten würde. Leicht zögernd machte sie sich in einer langsamen Bewegung an seinem Beinkleid zu schaffen, beinahe so als ob sie ihn wie ein scheues Reh nicht verschrecken wollte.
Nur ein leichtes Zittern ihrer Hände verriet sie. Wenn sein Blut nicht woanders als in seinem Gehirn wäre, würde ihm das alles auffallen doch nun war nicht der Zeitpunkt für schlaue Gedanken.
Er merkte fast gar nicht, dass er nun ebenfalls nackt war. Erst als er seine Kleidung an seinen Füßen spürte sah er fasziniert an sich herunter. Immerhin funktionierte an diesem Abend etwas, was er in seiner Hochzeitsnacht vermutlich nicht mehr geschafft hätte.
Innerlich musste er schmunzeln als er so an sich hinunter sah. Die Dinge in denen Faramir besser als sein Bruder war konnte man leicht an einer Hand abzählen.
Er war ein besserer Schütze, hatte mehr Geduld und war klüger, Boromirs Worte nicht seine.
Und das.
Er war auch besser bestückt.
Nicht viel, aber doch.
Er suchte wieder ihren Blick und hoffte, dass sie zufrieden mit ihrem Ehemann war. Schließlich wusste er nicht wie ihre Landsleute aussahen.
Doch er war beruhigt, hungrig biss sie sich auf ihre Unterlippe und stieß ihn mit einer Hand rücklings auf das Bett. Faramir keuchte als er in den Laken landete und wollte sich gerade aufstützen als er ihr Gewicht auf sich spürte. Sie küsste ihn hart und er fühlte ihre Hände beinahe überall. Seine Unsicherheit war wie weggeweht, scheinbar wusste sein Körper genau was er wollte und er beobachtete beinahe unbeteiligt wie seine Hände ihren Körper erkundeten. Ihre Haut war warm und unfassbar zart. Mit seinen Fingerspitzen fuhr er die feinen Linien die sie trug entlang und wurde mit einem Seufzer belohnt.
Plötzich bewegte sie sich und bevor er sich versah saß sie rittlings auf ihm und er fühlte etwas was er noch nie zuvor gefühlt hatte.
Eine Welle des Glücks glitt über ihn hinweg und alleine ihr intensiver Blick der an ihm haftete verhinderte, dass seine Augen genüsslich nach hinten rollten.
Mit zunächst langsamen Bewegungen die sich jedoch sehr schnell steigerten, krallte er sich beinahe an ihrer Hüfte fest und versuchte sie etwas zu bremsen. Er spürte bereits jetzt, dass sein Abenteuer ein jehes Ende haben würde wenn sie dieses Tempo beibehalten würde.
Er versuchte ihr das auch zu artikulieren doch er brachte kein Wort heraus. Sie hielt sich an seiner Brust fest und er fühlte wie sich ihre Nägel in sein Fleisch bohrten. Er sollte vor Schmerz aufschreien doch er konnte nicht. In seinem Körper war nur Platz für ein Gefühl und das war nicht Schmerz.
Schließlich kam er zu dem Punkt wo er wusste es gab kein zurück. Egal woran er seine Gedanken heftete, es saß noch immer die selbe unwiderstehliche Frau auf ihm.
Beinahe entschuldigend suchte er ihren Blick und als er sie lächeln sah er ließ los. Seine Finger würden sicher Abdrücke hinterlassen doch er konnte nicht anders. Langsam beruhigten sich ihre Bewegungen und sie stieg vorsichtig ab.
Faramir bemerkte von all dem nichts, er starrte an die Decke und hörte nur das wilde Klopfen seines Herzens. Als er etwas an seiner Seite spürte fing er sich und er sah hinunter. Scheinbar hatte sie sich, immer noch nackt wie er zufrieden feststellte, an seine Seite gepresst und ihren Kopf auf seine Brust gelegt. Langsam fuhrt sie mit ihrer Hand ein unerkennbares Muster auf seiner Brust entlang und er brachte gerade soviel Kraft auf um einen Arm um sie zu schlingen.
Kurz wanderten seine Gedanken. War es immer so intensiv? War das das Geheimnis was die Freudenhäuser so erfolgreich machten? War es das wovon die Soldaten in den Tavernen immer erzählten?
Er spürte wie sie ihm einen sanften Kuss auf die noch immer heiße Haut gab und hob seinen Kopf gerade soweit, dass er ihre dunklen Haare küssen konnte. Er wusste, es hätte besser laufen können dennoch war er durchwegs zufrieden. Er hatte sich entgegen seiner Erwartung nicht ganz so ungeschickt angestellt und war erleichtert, dass auch in ihr ein wenig Unsicherheit steckte.
Sein Traum, die Bedrohung seiner Heimat, sein Vater, Boromir, der Ring- all das geriet für einen Moment in Vergessenheit und Faramir schloss die Augen. Er drückte seine Frau an sich und genoss das Gefühl ihres nackten Körpers. Er bemerkte gerade noch wie sie ein Laken über ihre Körper zog als seine Atemzüge immer tiefer und gleichmäßiger wurden.
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Das lang erwartete Kapitel ist da. An dieser Stelle muss ich mich gleich entschuldigen- ich habe leider absolut kein Talent für die Beschreibung solcher Dinge, trotzdem hoffe ich die Erwartungen zumindest halbwegs erfüllt zu haben. Über ein Feedback würde ich mich sehr freuen!
