Kapitel 37:
Sokka, Toph/ Küste/ irgendwo im Erdkönigreich
Wir brauchen einen besseren Plan. Sokka lehnte sich von den Felsen hinter ihm weg und schaute sich die kleinen Insel-Markierungen an, die er in den Dreck gezogen hatte, die jetzt halb von den Schatten des Sonnenuntergangs verdeckt waren. Er seufzte und rieb mit den Fingerknöcheln an seiner Augenbraue, um den nagenden Kopfschmerz zu vertreiben. Egal was, wir brauchen einen anderen Plan. Ob er aber auch besser sein muss...
Dann wieder könnte jeder Plan besser sein, als blind in die Feuernation hinein zu stürmen. Sie hatten die Truppen des Erdkönigreichs nicht, um sie zu unterstützen. Was sie hatten oder beschaffen konnten – das musste zählen.
Und das wird es nicht, wenn ich nicht ausknobeln kann, welches Ziel wir aufs Korn nehmen sollen. Verflixt, wir brauchen Informationen...
Genau wie in Ba Sing Se. Und sie wussten ja, was passiert war, als sie sich auf andere Leute verlassen hatten, ihnen von der Stadt zu erzählen.
Aang ist draufgegangen. Ganz echt draufgegangen. Wir sind fast alle abgekratzt.
Das können wir nicht noch mal machen. Wenn wir tot sind, kann niemand den Feuerlord aufhalten.
Wir müssen herausfinden, womit wir es zu tun haben. Und... ich glaube, das kriegen wir von außerhalb der Feuernation nicht hin.
Und das war die gleiche Schlussfolgerung zu der er die letzten drei Tage über immer wieder gekommen war. Sokka murmelte Ausdrücke vor sich hin, für die ihn Gran-Gran den Mund mit Seife ausgewaschen hätte.
Wir müssen irgendwie da rein. Und Zuko hat uns einen Weg geliefert.
Falls sie dem Feuerbändiger überhaupt trauen konnten. Dieser verbannte, beschissene, Schwestern erschreckende Bastard...
Mach dir nichts vor, rügte Sokka sich hart. Du zerbrichst dir nicht wegen Zuko den Kopf.
Falls sie Zukos Angebot annahmen, würde Katara die Rolle eines Mädchens spielen, das den Mörder seiner Mutter suchte. Und... was ihm wirklich Sorgen machte... es wäre nicht nur vorgespielt.
Tui und La. Er wollte nicht darüber nachdenken müssen, ob sie Katara trauen konnten.
Verdammt noch mal...
„Was malst du da?"
Sokka schaute nicht auf, selbst als nackte Zehen in sein Blickfeld traten und dabei sorgfältig jeder seiner Kritzelei auswichen. „Die Feuernation. Wenigstens soll sie das sein. Die Erd-Generäle hatten eine große Karte davon. Ich glaube, sie hat so ausgesehen. Trainiert Aang wieder mit Katara?"
„Die wollen herausfinden, wie man eine Welle einfriert, ohne jemanden den Kopf gleich mit gefrieren zu lassen", bestätigte Toph.
„Na, viel Glück dabei", grummelte Sokka. „Früher oder später muss er darauf kommen, dass... naja. Er sollte sich wirklich was einfallen lassen, was er mit dem Feuerlord anfangen soll. Ich glaube jedenfalls nicht, dass man ihm das mit der Welteroberung einfach ausreden kann."
„Ich auch nicht", stimmte Toph zu. „Aber es ist trotzdem eine gute Idee. Traumtänzer kriegt groß und protzig im Schlaf hin. Aber darauf zu kommen, wie man mit dem kleinen Zeug in einem Zug herumfummelt – da braucht er noch 'ne Menge Übung. Wenn er das mit Wasser statt Erde machen will, weil er da deine Schwester anhimmeln kann? Gern. Wenn er es nur irgendwie übt."
Dieses Mal machte die Feuernation aus seinen Gedanken einen schnellen Abgang und hing nur noch manisch kichernd da. „Er macht was?", japste Sokka.
„Entspann dich." Toph hob die Schultern, wedelte die Hand hin und her. „Er schmachtet vielleicht, aber sie hat's ziemlich abgekühlt. Xiu muss ihr da was gesteckt haben. Gut für Katara. Aang hat keine Eltern, die ihre Familie unter die Lupe nehmen. Er hat niemanden. Es ist unfair ihn in was reinzuziehen, was vielleicht keine gute Idee ist."
„Hey, wieso soll der Freund meiner Schwester zu sein nichts Gutes sein?", protestierte Sokka. Er stoppte, vergrub den Kopf in den Händen. „Aah. Hirn... kaputt..."
Kichernd setzte sich Toph neben ihn. „Manchmal wünschte ich, ich hätte auch einen großen Bruder. Es wäre echt klasse, wenn er so wie du wäre." Sie schlug ihn gegen den Arm. „Aber ich kann auf mich selber aufpassen."
„Was, und du meinst, die meisterliche Wasserbändigerin kann das nicht?", grummelte Sokka.
„Sie ist viel zu sehr damit beschäftigt, sich um den Rest von uns zu kümmern", sagte Toph ernst. „Katara hält uns zusammen. Du hältst uns aufs Ziel konzentriert." Sie hielt inne. „Und Aang braucht viel Konzentration."
„Das kannst du laut sagen." Sokka stöhnte. „Es ist... ich versteh ihn manchmal einfach nicht. Besser gesagt, ganz oft nicht." Er biss sich auf die Lippe. „Weißt du, was mich jetzt bei dem Schlamassel mit der Bücherei aufregt? Wir haben die ganze Zeit nach einem Weg gesucht, die Feuernation zu besiegen. Ich... naja. Ich wünsche mir irgendwie, dass wir zurückgehen und über die Luftnomaden nachlesen könnten."
Toph runzelte die Stirn, ihre Zehen kneteten die Erde. „Ich wusste es. Wir haben euch zwei allein gelassen und ihr habt eure Männerunterhaltung gekriegt, ohne dass irgendein Mädel etwas gesunden Menschenverstand mit einwarf und jetzt macht dir was zu schaffen."
„Ist gar nicht wahr – okay. Stimmt doch irgendwie." Sokka seufzte. „Jeder Luftnomade war ein Bändiger. Und zwar wirklich jeder." Er wedelte mit den Händen, unfähig dieses merkwürdige, sinkende Gefühl zu beschreiben, als er das schließlich erkannt hatte. „Ich weiß nicht mal wo ich anfangen soll Aang zu fragen über... alles?"
„Du willst wissen, ob die Luftnomaden dachten, dass sie von den Geistern gesegnet waren", sagte Toph unverblümt. „So wie Katara."
Sokka klappte seinen offenen Mund zu. „Woher weißt du das?"
„Zuko hat mir davon erzählt." Hier wirkte Toph doch einmal etwas beschämt. „Und als ich mich etwas mit Katara über Geister unterhalten habe... es tut mir leid. Ich wusste nicht, dass ich dir auf die Zehen trampele, wenn ich –" Sie stoppte, schüttelte den Kopf und fing noch mal an. „Bändigen bin einfach ich, Sokka. Ich nehme es so, wie du Bumerang. Wenn ich bändige, um dich zu bewegen, will ich damit nicht sagen, dass ich besser bin als du. Es ist einfach nur die einfachste Möglichkeit, Zeug zu machen, wenn ich sauer bin."
Sokka setzte an ihr zu stecken, was er von billigen Entschuldigungen hielt... und brach ab, als etwas von vor ein paar Monaten endlich in seinem Kopf 'Klick' machte. „Als Bato verwundet war, da war er bei einem Haufen Nonnen. Aber die waren nicht mal Erdbändiger."
„Ja und?" Toph legte den Kopf schief. „Was ist daran so komisch? Meine Eltern haben nie viel über Nonnen gesagt. Nur dass es eine Berufung ist. Irgendwie so wie Aang die ganze Welt am Hals hat, nur viel kleiner."
„Aber wenn sie keine Bändigerinnen sind, wie können sie dann mit den Geistern sprechen?", fragte Sokka verwirrt. „Ich meine, wenn die Geister nicht gerade sauer sind und versuchen einen Haufen Leute umzubringen."
„Ich weiß nicht." Toph zuckte die Achseln. „Was hat Bändigen damit zu tun, ob man mit den Geistern spricht? Ich bin einer Menge Bändiger begegnet, die noch nie einen Geist gesehen haben. Hab ich doch auch nicht, bis ich euch Typen begegnet bin."
Es war ganz gut, dass er schon saß, dachte Sokka. Denn das war einfach... komisch. „Aang spricht mit den Geistern", zeigte er auf.
„Ja, aber das ist, weil –" Toph schoss auf die Füße, trat eine Dreckspur, die unter den Felsen rumpelte und brüllend in einem Erdring hochschoss. „Rede! Wer bist du?"
Etwas stapfte ungeduldig und Kiesel fielen rasselnd innerhalb der Wand herunter.
„Friede, kleiner Freund", sagte die Stimme eines rüstig klingenden älteren Mannes sanft. „Die junge Dame hat jedes Recht vorsichtig zu sein." Er räusperte sich. „Und ich glaube, was sie gerade sagen wollte, junger Mann, es ist so, weil Avatar Aang selbst ein Geist ist. Und ein Mensch, der den Avatargeist verkörpert, um unsere Welt besser zu verstehen. Denn eine Brücke muss Teil beider Seiten sein."
Sokka blinzelte Toph an. Die hob die Achseln und ließ die Mauer wieder in den Grund sinken.
„Okay." Sokka trat um den Felsblock herum, um einen genauen Blick auf den Mann zu erhalten. Mittelgroß, strähniges weißes Haar und Bart, ein Umhang mit Kapuze in Felsenfarben gefleckt über einer schlichten braunen Robe und alte Finger, die mühelos einen knorrigen Holzstab hielten. „Also, wer sind sie und warum suchen sie nach Aang?"
„Ich bin Tao." Der ältliche Mann neigte seinen Kopf. „Ein Wanderer dieser Hügel. Und wenn es Not tut auch ein Schamane. Doch ich habe nicht exakt nach Aang gesucht." Er winkte die Hand zu einem Staubwirbel, der in dem Licht der untergehenden Sonne mit einem lebhaften Stampf aufwirbelte. „Gehört dieser Kleine zu euch?"
Aang & Gaang, Tao/ Küste/ irgendwo im Erdkönigreich
„Also kann es okay sein, einen Geist zu benennen?" Aang stieß einen erleichterten Seufzer aus, während sie sich um das abendliche Lagerfeuer sammelten. Tao hatte es anscheinend geschafft mit Stiefel zu reden, bevor er aufgebrochen war und er hatte genug getrocknete Nudeln mitgebracht, um für alle zu kochen. Noch besser, er hatte Tofu mitgebracht.
Kein Fleisch. Juchuu!
„Unter gewissen Umständen", stimmte Tao zu. „Die bedauerlicherweise nur selten vorkommen. Es ist nicht nur der Akt des Benennens, es ist das Gefühl, das mit dem Namen geschenkt wird, den ein Geist in sich aufnimmt. Tui und La, Guanyin, Agni, der Herbstlord deines eigenen Volkes. Sie alle waren von Beginn an Große Geister, so heißt es in den Geschichten. Ihre Namen wurden das erste Mal mit Achtung und Ehrfurcht ausgesprochen und das bleibt bei ihnen, egal was später geschehen ist." Er schüttelte den Kopf etwas. „Die geringeren Geister, die Kamuiy, sind viel stärker betroffen. Ein Folge-Heimlich-Geist zum Beispiel... nun, die, die normalerweise solchen Wesen begegnen, fürchten sich doch, egal wie tapfer sie auch sein mögen. Und diese Furcht liegt in jedem Namen und führt dazu, dass der Geist diese Furcht als Teil seiner Selbst annimmt. Und das heißt, dass sie sich bemühen, diese Furcht wieder und wieder zu erzeugen, denn das ist Teil ihrer Essenz." Er winkte zu der Erdbändigerin. „Toph hatte Glück. Sie erspürte ein Wesen, das sie nicht fürchtete und benannten Stiefel dementsprechend." Er deutete einen strengen Finger über das Feuer. „Du hattest Glück, junge Dame. Wenn das schief gegangen wäre, hättest du einen schrecklichen kleinen Terror auf das Land losgelassen. Ich bin mir sicher, der Avatar hätte ihn aufhalten können, doch wenn er noch nicht ausgebildet wurde, wie man angemessen mit Geistern umgeht... nun. Es ist als ob man eine Steinkeule nimmt, um eine Spinnen-Fliege zu erschlagen. Man erreicht sein Ziel, aber alles andere wird auch ziemlich in Mitleidenschaft gezogen."
„Oh." Hier wirkte Toph doch verunsichert. „Also ist Stiefel losgezogen, um sie zu finden?"
„Das hast du von ihm erbeten." Tao lächelte etwas traurig. „Ich würde sagen, dass er der beste Bote war, den ihr hättet schicken können. Dieser Tage gibt es zu wenige von uns, die den Weg des Schamanen folgen."
„Wegen der Feuernation", erklärte Katara.
„Wegen eigener Entscheidungen", korrigierte Tao sie. „Doch, ja, die Invasion spielt eine Rolle. Es ist einfacher, den Ruf der Geister zu betäuben, wenn das Dorf und die Familie in dieser Welt verteidigt werden müssen."
„Wie kann man nur?", fragte Katara, während sie Momo ein paar Nüsse anbot und er danach auf Aangs Schulter zurück flatterte. „Es ist eine Ehre von den Geistern auserwählt zu werden!"
„Eine tödliche Ehre, sollte man einem Kamuiy begegnen, der bösartige Absichten hat und der stärker ist als man selbst", sagte Tao trocken. „Da die Welt so sehr aus dem Gleichgewicht ist, geschieht das immer öfter. Und während wir vor 30 Jahren noch, wenn die Not groß war, die Dai Li von Ba Sing Se um Unterstützung ersuchen konnten... jene, die uns noch helfen würden, wurden anderweitig beeinflusst."
„Oha, Moment." Sokka hielt die Hände hoch. „Die Dai Li haben euch geholfen?"
„Sie sind eine Art von Schamane", sagte Tao trocken. „Nicht immer aus freien Stücken, doch sie halten das Böse in der Stadt in Schach." Er seufzte. „Doch wenn die Erzählungen stimmen, sind sie einem noch größeren Übel zum Opfer gefallen. Denn für einen, der im Umgang mit Geistern geschult ist, ist menschliche Bosheit immer eine unerwartete Gefahr. Long Feng... nun, ihr wisst sicher besser über ihn Bescheid als ich."
Aang zuckte, wollte nicht an die Dai Li denken, die Appa gefangen gehalten und mit Azula zusammengearbeitet hatten. „Also ist es nicht nur Koh? Es gibt noch andere böse Geister?"
Tao setzte sich auf, schätzte ihn mit einem plötzlich argwöhnischen Blick ab. „Du hast schon mit dem Gesichtsräuber zu tun gehabt?"
„Naja... es ging irgendwie nicht anders", gestand Aang und kratzte sich am Kopf. Verflixt. In die Feuernation hinein zu kommen war mit Haaren zwar leichter, aber es gefiel ihm überhaupt nicht. „Zhao war dabei den Nordpol anzugreifen und die Feuernation hätte gewonnen und – ich musste es machen. Avatar Roku sagte, dass nur er weiß wo man die Geister des Mondes und des Ozeans findet..." Er ebbte ab, als er grimmige Enttäuschung auf Taos Gesicht aufziehen sah.
„Ein paar der Gerüchte werden mir langsam klar." Der Schamane seufzte. „Hat er das gesagt, junger Mann? War es genau das?"
Aang schluckte. „Naja... nicht exakt das..."
Tao rieb sich den Kopf, so wie Sokka dieser Tage. „Avatar Aang. Das ist eines der ersten Dinge, die dir über die Geister gelehrt worden sein sollte, und es ist lebenswichtig. Die Toten sehen die Welt nicht wie die Lebenden. Ganz besonders jene Toten, die in der Geisterwelt verweilen und uns nicht als Totengeister besuchen, die an sterbliche Verwandte gebunden sind. Und wie jedes Wesen, handeln sie nach dem, was sie erkennen."
„Roku würde Aang nie schaden!", protestierte Katara. „Er ist doch Aang!"
„Nein, junge Dame", sagte Tao fest und ruhig. „Wenn es stimmt, was ich über die Geister gelernt habe, dann ist dem nicht so." Er betrachtete Aang mit klarem Blick. „Der Avatar-Geist wird inkarniert, Leben nach Leben. Voneinander getrennte menschliche Leben und jedes hat seinen eigenen Geist. Und jedes davon scheidet dahin und gesellt sich jenen hinzu, die den nächsten Avatar beraten. Du bist vieles, junger Mann, aber du bist nicht Roku."
Das tat weh. Als ob man in kaltes Wasser sprang, ohne einen Atemzug, der einen warm hielt. „Aber ich bin Roku gewesen", widersprach Aang. „Und Kyoshi. Und sogar Yangchen!"
„Jeder Schamane kann einem Geist erlauben, von ihm Besitz zu ergreifen, so dass dieser seine Wünsche den Menschen klarer vermitteln kann", legte Tao dar. „Das sollte man nicht leichtfertig tun, oder ohne jene, die einen zurückbringen können, falls der Geist beschließt, nicht zu gehen. Denn während man besessen ist, falls der Geist zu mächtig ist, kann er selbst den sterblichen Körper zu seinen eigenen umformen. Wenn es ein böswilliger Geist ist... Schamanen sind schon früher in monströser Gestalt gestorben."
Mit weit aufgerissenen Augen begann Aang zurückzuweichen –
Und traf gegen eine Steinwand und Toph runzelte die Stirn. „Er sagt die Wahrheit." Sie schwang einen Finger in Taos Richtung. „Ich weiß nicht, was mit Kyoshi war, aber Roku und Yangchen haben uns geholfen."
„Und ich bezweifle nicht, dass sie euch wieder helfen werden", Tao neigte den Kopf. „Sie sind Avatare und ich bin mir sicher, dass sie euch kein Leid wünschen. Doch die Absicht eines Mannes mag nicht das gleiche sein, wie das Ergebnis seiner Handlungen. Das gilt für Geister, wie für jeden von uns."
„Sie glauben, dass ich Roku nicht trauen kann?", sagte Aang ungläubig. „Das ist doch gar nicht wahr! Sie haben Toph gehört! Er hat uns immer geholfen!"
„Das hat er doch gar nicht gesagt", beschwichtigte Sokka. „Weißt du noch, bei der Wintersonnenwende? Ich wette, Roku wollte Zhao nur verscheuchen und den Tempel platt machen, weil er einfach sauer war. Nur hat er dabei vergessen, dass wir erst noch aus dem Tempel rauskommen mussten."
„Falls man das Zuko glauben will", sagte Katara spitz.
Sokka senkte den Kopf und seine Lippen bewegten sich lautlos eine Minute lang. „Katara. Entweder war es ein Unfall, dass Roku den Tempel über uns hat einstürzen lassen, oder es war Absicht."
„So was würde er nie tun!"
„Dann war es ein Unfall, und darum geht es ja", knurrte Sokka. „Wir – lebendig – können von fallenden Steinen erschlagen werden. Roku – tot – braucht sich darüber irgendwie keine Sorgen mehr zu machen." Er beäugte Tao. „War es das, worauf sie hinauswollten?"
„Zum Teil", stimmte der Schamane zu. „Die Toten sehen nicht die gleichen Gefahren wie die Lebenden. Sie können wohlmeinend sein und doch großes Leid verursachen."
„Aber Roku ist echt weise!", protestierte Aang. „Er will den Krieg beenden, bevor der Komet kommt. Er würde uns nie schaden!" Er schaute in ein unruhiges Schweigen. „Ihr wisst doch, dass er nicht will, dass irgendwer verletzt wird."
„Papa will auch nicht, dass irgendwer im Kampf gegen die Feuernation verletzt wird", sagte Sokka ernst. „Aber manchmal gibt es keine andere Möglichkeit. Wenn man gewinnen will, muss man Leute da hinschicken, wo man weiß, dass sie verletzt werden."
Aang schluckte. „Aber Roku ist mein Freund." Genauso wie Kuzon.
„Bato ist Papas Freund." Kataras Augen waren überschattet, litten für ihn. „Aber der Stamm, die Welt... das ist wichtiger als nur eine Person. Viel wichtiger als irgendwer. Wenn Roku versucht, die Welt wieder zu heilen..." Ihre Hände umklammerten blauen Stoff und sie starrte ins Feuer. „Roku ist dein Freund. Und wenn die Toten Dinge sehen, die die Lebenden nicht sehen, dann wette ich, dass er wusste, dass wir es ohne große Schwierigkeiten herausschaffen. Aber er gehört nicht zu deinem Stamm. Nicht zu deiner Familie." Sie zögerte, suchte ihre Worte. „Er ist vielleicht nicht so vorsichtig mit dir, als wenn es doch so wäre."
Es war als ob jemand ihm eine Faust in den Bauch gerammt hätte. „Du sagst, er ist mein Freund, aber ich kann ihm nicht vertrauen?" Aang schüttelte ungläubig den Kopf. „Katara, das ist verrückt!"
„Verrückt?", stotterte Katara. „Aang. Er ist nicht von deinem Stamm."
„Das ist doch Unsinn!"
„Unsinn?", Kataras Auge zuckte. „Du – du –"
Toph verschränkte die Finger ineinander und ließ die Knöchel knacken. „Zusammenpacken, über die Seite und weg."
Das war komplett unverständlich. Aber Katara atmete tief durch und lächelte Toph an. „Danke."
„Jederzeit." Toph drehte sich zu ihm um. „Ich glaube, wir haben hier wieder ein Missverständnis, Traumtänzer. Roku ist wie Gyatso, oder? Ein älterer Typ, der dir aushilft, dir was darüber beibringt, was du sein wirst, wenn du erwachsen bist?"
„Ja, sicher", bestätigte Aang. Als ob man das erst sagen musste.
„Das dachte ich mir." Sie wendete sich zu Katara. „Du versuchst ihm zu sagen, dass er Gran-Gran nicht trauen kann."
„Oh." Katara wirkte, als ob sie einen lebenden Wels-Aal geschluckt hätte.
„Selbst Gran-Gran kann sich irren", zeigte Sokka auf. „Aang, wenn mir ein was auf diesem verrückten Abenteuer klar geworden ist, dann dass die Welt wirklich kaputt ist. Ich wette Roku sieht viel mehr als wir, aber wir können nicht darauf zählen, dass er alles sieht. Er hat dir gesagt, dass du die Elemente meistern und den Feuerlord besiegen musst. Okay. Aber er hat dir nicht gesagt wie. Vielleicht sollst du das selbst herausfinden und hat mit dem ganzen Avatar-Zeugs zu tun. Oder", Sokka breitete die Hände aus, hob die Schultern. „Vielleicht hat er es einfach nicht gewusst." Er zögerte bewusst. „Wenn Papa mir sagt, dass ich unten in der Bucht Zebra-Robben jagen soll und ich zuerst mal anhalten und übers Wasser schaue, ob da Leopardenhaie sind, heißt das nicht, dass ich Papa nicht vertraue. Ein guter Mann des Stammes weiß, dass manchmal einfach Zeug passiert. Nur weil das Wasser vor einer Stunde noch sicher war, heißt das nicht, dass es das jetzt noch ist."
Roku könnte sich irren. Aang schluckte und hatte das Bedürfnis, sich die Augen zu reiben. Lehrer konnten sich nicht irren!
„So jung." Tao seufzte. „Zu jung... Aang. Er war zwar der Avatar, doch Roku ist jetzt ein Geist. Und auch, wenn die Geister der Toten zu den Lebenden schauen, handeln sie oft nach dem, wie sie die Welt kannten als sie noch lebten. Es ist einhundertundzwölf Jahre her, seit Roku verging. Die Welt ist jetzt sehr anders."
„Die Rüstung der Feuernation ist anders und das ist erst 85 Jahre her." Sokka nickte. „Ich weiß nicht, wie weit Han und seine Leute es auf Zhaos Schiff geschafft haben, aber... na, jetzt nicht so wichtig. Die Sache ist die, Häuptling Arnook wusste nicht, dass sie sich geändert hatte und er lebt in dieser Welt mit uns anderen auch. Roku könnte Zeugs übersehen haben."
„Also hat der Nördliche Wasserstamm die Feuermarine angegriffen?" Taos Brauen schossen hoch. „Ich habe Gerüchte gehört, doch wusste ich nicht, was ich glauben sollte. Manche gingen so weit und behaupteten, dass die ganze Feuermarine vernichtet wurde. Ich wusste, dass das nicht stimmt, denn ich habe Schiffe der Feuernation mit eigenen Augen gesehen. Doch scheinen einige der Invasoren, die ich gesehen habe, unruhig zu sein. Und das ist höchst ungewöhnlich." Er ließ einen Blick über sie schweifen, lud dazu ein, ihm die Wahrheit mitzuteilen.
Aang wendete den Blick ab. Ich will nicht daran denken. Ich musste es tun, sonst wären noch mehr gestorben, aber es war schrecklich.
„Zhao hat die Geister angegriffen", sagte Sokka nach einem Moment. „Sie haben Aang geholfen, zurückzuschlagen. Ein Teil der Flotte ist entkommen, eines von den Schiffen sind wir später begegnet. Aber die meisten nicht."
„Ha!" Tao schlug sich genüsslich mit der Faust auf den Oberschenkel. „Ich sah den Mond, ich wusste, dass etwas Außerordentliches geschehen war. Gut gemacht, junger Avatar!"
Aang wand sich. Gut gemacht, war nicht gerade das, was er nach all dem Schrecken und Tod hören wollte.
„Sehr gut –" Tao zögerte, die Augen weiteten sich. „Oh nein. Nicht gut."
„Nicht gut?" Katara warf dem Schamanen einen düsteren Blick zu. „Wie kann den Nordpol zu retten nicht gut sein?"
„Leben zu retten ist immer ein gutes Werk, auch wenn es den Feind hart trifft", sagte Tao bestimmt. „Nicht gut ist... ich bin ein Schamane, junge Wasserbändigerin. Ich sorge mich um die Toten, wie auch um die Lebenden. Für die Lebenden ist nichts so gefährlich wie die ruhelosen Toten. Und nichts kann mehr boshafte Totengeister schaffen, wie ein von Geistern gebrachter Tod." Er hielt inne. „Wissen jene der Nördlichen Wasserstämme, wie man Soldaten der Feuernation zur Ruhe bettet?"
„Natürlich!", bekräftigte Katara. „Sie haben ihre Bändiger nicht an die Feuernation verloren. Sie haben sich gewehrt!"
„Auch wir haben nicht verloren, was wir vom Tod und den Geistern wussten", sagte Tao ernst. „Doch hat es etwas gedauert, bis wir akzeptiert haben, dass Riten, die einen Geist des Erdkönigreichs besänftigen, nicht für die der Feuernation genügen. Ein schlichtes, ehrenwertes Begräbnis beschwichtigt ihre Totengeister nicht, so dass sie einen vorzeitigen Tod annehmen. Sie müssen verbrannt werden."
„Ihr vergrabt Leichen?", sagte Katara verblüfft. „Wieso gebt ihr sie nicht dem Ozean zurück? Das ist falsch!"
„Für euch vielleicht", sagte Tao fest. „Für uns ist es Recht und gerecht. So wie jene der Feuernation einen Scheiterhaufen benötigen und die Luftnomaden eine Himmelsbestattung. Wir sind aus unserem Element geboren und wir müssen zu ihm zurückkehren."
„Himmelsbestattung?" Sokka warf Aang einen merkwürdigen Blick zu. „Wie funktioniert das eigentlich?"
Aang schluckte. „Das, äh... ist irgendwie eklig. Und wir haben gerade erst gegessen!"
Jetzt wirkten alle völlig baff. Bis auf Tao. „Ich habe es gesehen", sagte er mild. „Die, die den Toten nahestehen, bringen sie hoch in die Berge hinauf, wo sich die Geier-Adler sammeln. Dann... sorgen sie schlicht dafür, dass die Aasfresser tun können, was in ihrer Natur liegt."
„Ähm", brachte Toph heraus. „Wow. Das ist..."
„Uäh?", schlug Sokka vor.
„...Ja."
„Ich hab doch gesagt, dass es nicht schön ist", sagte Aang ärgerlich. Moment mal. „Sie haben eine Himmelsbestattung gesehen? Wie alt sind sie eigentlich?"
„Oh, ich zähle schon lange nicht mehr mit." Tao schmunzelte. „Ich kam zur Welt... nun nicht lang nachdem Sozin das erste Mal eine Invasion ins Erdkönigreich startete, bevor Avatar Roku ihn zurückwarf. Das ist etwa... hmm. Weit über 130 Jahre her."
Man konnte die Maus-Zikaden zirpen hören.
„Ihr seht überrascht aus", sagte Tao nachdenklich. „Der Krieg tötet uns oft früh, doch Bändiger können sehr lange leben. Feuerlord Sozin hat über eineinhalb Jahrhunderte erlebt. Ich fing an zu glauben, dass er mich überleben würde. Nicht dass Azulon und Ozai irgendwie angenehmer waren." Er runzelte die Stirn. „Ich vermisse Azulon fast. Seine Truppen haben skrupellos erobert und gemordet, doch waren sie damit zufrieden. Unter Ozai..." Wut glomm in seinen Augen. „Was kann man schon von einem Mann erwarten, der bereit ist, seinen eigenen Sohn zu verstümmeln?"
Aang schluckte, er fühlte sich, als ob ihm der Boden unter den Füßen weggerissen worden war.
„Aang?" Katara lehnte sich zu ihm, kaum vom Feuer aufgehalten.
Entschlossen stand Aang auf und er war froh, dass Tao und die anderen es ihm gleichtaten. Er verbeugte sich vor dem Schamanen. „Danke für den Unterricht, Sifu Tao. Erzählen sie uns morgen mehr über die Geister? Ich glaube –" Er zögerte. „Ich glaube, ich brauche etwas Zeit zum Nachdenken."
„Natürlich", Tao erwiderte die Verbeugung. „Ich wünsche euch allen viel Glück."
„Es ist schon dunkel", widersprach Katara. „Sie müssen nicht fortgehen."
„Die Nacht birgt für mich keine Schrecken", sagte Tao gütig, seine eigenen nackten Füße wirbelten etwas Staub auf. „Ich kann nicht so sehen wie du Toph, doch kann ich sehr wohl meinen Weg finden. Ein Schamane braucht viel Zeit für sich allein. Manchmal sprechen die Geister sehr sanft und wenn wir immer den anderen Menschen lauschen... kann das Schwierigkeiten verursachen."
Ein weiteres Nicken und er verschwand in die Nacht.
Schamanen müssen allein sein?, dachte Aang, während er Momo streichelte, um sich zu trösten und er setzte sich wieder. Das hört sich schrecklich –
Staub wirbelte und er landete beinahe auf dem Gesicht. „Lass das!"
„Na toll. Er bleibt hier." Sokka seufzte tief und warf Aang einen besorgten Blick zu. „Alles klar bei dir?"
„Ja." Wenn man nicht zählte, dass er einen Geist rösten wollte, nur ein kleines Bisschen – Aber das füllte seine Gedanken wieder mit Flammen und Aang erschauderte. „Der Feuerlord hat das gemacht?"
Toph pfiff. „Keiner hat dir gesagt, was Xiu uns erzählt hat, oder?"
Aang blickte auf. „Was hat sie denn gesagt?"
„Vieles", sagte Katara bestimmt. „Warum ist das so wichtig? Wir wussten doch schon immer, dass der Feuerlord ein Monster ist."
„Du vielleicht." Aang schlug die Augen nieder. „Ich hatte irgendwie gehofft..." Er schluckte. „Deswegen kann Zuko uns nicht vertrauen."
Toph lehnte sich gegen einen aufgerichteten Felsen, interessiert. Sokka runzelte die Stirn. Und Katara warf die Hände hoch. „Natürlich vertraut er uns nicht! Wir werden die Feuernation aufhalten."
„Nein", sagte Aang leise. „Er wird uns nicht vertrauen, weil sein Vater ihm weh getan hat." Er bewegte eine Hand, spürte die Luftwirbel. Er sah in Gedanken wieder Zukos Narbe, ein rotes, verknotetes Mal, das so aussah, als ob – als ob jemand gerade eine Handvoll Feuer gegen Zukos Gesicht gedrückt hatte.
Nicht hinschauen. Einfach nicht … hinschauen.
„Ich bin weggerannt, weil ich dachte – ich dachte Gyatso würde mich von den Ältesten einfach wegschicken lassen", erklärte Aang. „Und das tat weh. Und ihr sagt, Eltern sind wie Lehrer..." Er schüttelte den Kopf. „Wenn mir Gyatso echt weh getan hätte, dann glaube ich nicht, dass ich noch irgendwem vertrauen könnte."
„Der Feuerlord ist böse", erklärte Katara. „Das wissen wir."
„Mag ja sein, dass er böse ist, aber er ist auch Zukos Papa." Sokka zuckte die Schultern. „Genau wie Azula seine Schwester ist. Bäh." Er streckte die Zunge heraus. „Bin ich froh, dass ich nicht zu der Familie gehöre." Etwas ernster schaute er zu Aang. „Also ist das wichtig?"
„Ja." Aang lehnte sein Kinn auf seine Faust, scharf nachdenkend. „Zuko kann uns nicht vertrauen, weil der Feuerlord ihm weh getan hat. Und die Feuernation kann dem Avatar nicht vertrauen, weil Kyoshi ihnen weh getan hat. Ich weiß, das wollte sie gar nicht und ich wette der Erdkönig hat einen Tritt in den Hintern verdient. Aber sie glauben dass es Absicht war." Er stocherte die Wolke einer Idee von jeder Richtung, die ihm einfiel. Er holte tief Luft und deutete zu Toph. „Aber Zuko vertraut dir."
Alle Augen hefteten sich auf die Erdbändigerin. Selbst Appa, der still außerhalb der Reichweite der Funken vom Feuer lag, stieß ein fragendes Schnauben aus.
„Hmpf. Du stellst Fragen." Toph runzelte die Stirn. „Zuerst, Traumtänzer, Zuko ist anders als viele von der Feuernation. Er ist seit drei Jahren verbannt und er hört auf Onkel. Was bei ihm funktioniert, klappt vielleicht nicht bei den anderen."
„Ich weiß", gab Aang zu. „Aber das ist bisher die beste Idee, die mir einfällt."
„Du willst Zuko dazu bringen, dass er dir vertraut?" Katara bemühte sich, nicht aufzubrausen.
„Wir wollen, dass die von der Feuernation uns vertrauen", sagte Sokka fest. „Wir werden es mit dem Feuerlord zu tun bekommen. Und mit der Armee. Und wer weiß mit was noch. Aber wisst ihr noch, damals in Gaipan? Manche Leute in den Kolonien sind ganz normale Leute. Wenn wir die dazu bringen Aang zu vertrauen... vielleicht gehen dann nicht ganz so viele Leute drauf."
Ich will nicht, dass überhaupt wer stirbt! Aang hielt ein Schaudern zurück. Aber tritt gegen den Eisblock und fang an zu laufen hatte Sokka gesagt. Vielleicht konnte er jetzt noch keine Möglichkeit sehen, wie er alle retten konnte. Doch das hieß nicht, dass es nicht doch irgendwie einen Weg gab. Und vielleicht, nur vielleicht, falls er herausfand, wie er ein paar Leute rettete, konnte er am richtigen Ort sein um noch mehr zu retten. „Also, wie hast du es geschafft?", fragte er. „Wie hast du sein Vertrauen gewonnen, als du ihn gefunden hattest?"
„Erstes Problem, Traumtänzer", sagte Toph direkt. „Er hat uns gefunden."
„Amaya", grollte Katara.
„Meinst du?" Toph grinste. „Ich dachte ihr Typen habt die Adresse auf die Poster geschrieben."
Sokka schlug sich gegen die Stirn.
„Aber er wusste schon, wo Appa war", fuhr Toph fort. „Er hat uns danach aufgestöbert." Sie runzelte die Stirn, erinnerte sich. „Junge, war der sauer. Nicht brüllend wütend, ziemlich ruhig sogar. Er war innerlich wütend, die Art, die einen am ganzen Körper zittern lässt und man sich wünscht, den Kopf gegen einen Felsen zu hauen. Da waren wir, da warst du, wie ein Geschenk auf dem Präsentierteller. Kein Appa als Fluchthelfer. Keine Hilfe von niemandem, nicht mit Long Feng und dem Dai Li im Weg. Er hätte dich schnappen können. Naja, er hätte es versuchen können, wenn sich die Dai Li herausgehalten hätten."
„Wir hätten ihn aufgehalten", sagte Katara aufgebracht.
„Und das ist es ja, was ihn so sauer gemacht hat", sagte Toph ungeduldig. „Er hatte es endlich begriffen. Er konnte es nicht mit uns allen aufnehmen. Er kann Aang nicht schnappen. Das weiß er." Sie atmete tief durch. „Zu versuchen was sein Papa wollte, zu versuchen Aang zu schnappen konnte nicht klappen. Also hat er es gelassen." Sie zeigte zu Aang. „Und dann hat er gedacht, zum Henker mit den Befehlen, was ist das Richtige?"
„Also wollte er Appa gehen lassen." Aang lächelte.
„Ist nicht so einfach", warf Toph zurück. „Er hat Appa nicht für dich befreit. Er hat es für die Feuernation gemacht. Weißt du noch der Brief? Generäle, die dich in die Ecke drängen, dasselbe wie am Nordpol. Das dachte er ist das was passieren könnte. Und das würde keinem helfen den Krieg zu beenden. Nicht uns, nicht dem Erdkönigreich und auch nicht der Feuernation. Also dachte sich Zuko, das Beste, was er tun kann, ist Appa herauszuholen, damit du weg kannst. Und als er das erst mal hatte, hat er Iroh gebeten mich zu finden und zu fragen, ob ich ihn anhören würde." Sie hob die Schultern. „Er erzählte mir alles und bat mich um Hilfe. Und das habe ich. Denn er hat mich nicht belogen und ich konnte hören, wie sehr es ihm gegen den Strich ging mir zu sagen, dass er dich nicht schnappen kann. Er wusste, es konnte nicht klappen. Schlimmer noch es klappt nicht und eine Menge Leute werden verletzt." Sie schwieg für einen langen Moment. „Also, ich weiß nicht, ob das hilft. Zuko ist das Risiko eingegangen und hat mir vertraut. Aber er stand mit dem Rücken zur Wand. Und er hatte Onkel. Und ich glaube, Onkel will dir helfen. Die Feuerarmee? Vergiss es."
Oh. Ja. Das hörte sich vernünftig an. Verflixt.
Aber so schlimm das auch war, könnte es doch einen Weg geben. Vielleicht. „Wir halten den Feuerlord auf", sagte Aang nachdenklich. „Wenn er es ist, der den Krieg am meisten will... vielleicht können wir sie danach davon überzeugen, dass es das Beste ist, den Krieg zu beenden."
„Sie werden nicht damit aufhören", sagte Katara leise.
Aber es war eher traurig als zornig, also fragte Aang einfach: „Wieso?"
„Sie müssten eingestehen, dass es falsch war", antwortete Katara. „Dass sie seit hundert Jahren das Falsche gemacht haben. Wer gibt schon so was zu?"
Aang sank das Herz. Das ist unfair. Es ist unmöglich, zu groß –!
„Jeong Jeong schon", zeigte Sokka auf. Aber er wirkte zweifelnd. „Aber er ist... irgendwie durchgeknallt."
Das brachte Aang wieder zum Lächeln, plötzlich erleichtert. „Bumi sagte doch, dass wir verrückte Genies brauchen." Er dachte noch etwas darüber nach. „Zuko sagte Kyoshi hat die Feuernation in den Wahnsinn getrieben – vielleicht sind die, die sie für verrückt halten, die, die es in Wirklichkeit nicht sind."
Sokka und Katara blinzelten. Momo kratzte seine Ohren. Und Toph... schmunzelte. „Onkel."
„Okay, das kauf ich dir ab", grummelte Sokka. Er beäugte Toph, die immer noch lächelte. „Nein."
„Oh, doch." Sie grinste.
„Ohh, nee..."
„Was denn?", fragte Katara neugierig.
Sokka warf Toph einen schmalen Blick zu. „Du glaubst echt, dass er dorthin zurück ist."
„Jap." Tophs Grinsen war zahnig.
„Azula wird ihn plattmachen!"
„Die muss ihn erst mal kriegen." Toph zuckte mit den Schultern. „Und er kann gut schleichen."
Katara starrte sie an. Aang schaute zwischen ihnen hin und her und fragte sich warum sie plötzlich von Azula redeten, wenn es doch um – „Zuko ist zurück nach Ba Sing Se? Warum?" Er hatte doch nicht doch vor Azula zu helfen? Oder?
Sokka stieß langsam die Luft aus. „Toph? Mach mir mal ein Stück Boden frei. Ich muss 'ne Karte zeichnen."
Es war keine wirklich gute Karte. Aber mit etwas Hilfe von ihm und Katara hatte sie alles aufgezeichnet. „Okay", fuhr Sokka fort. „Hier ist die Chamäleon-Bucht. Hier sind wir. Hier war Suzuran. Jetzt denkt daran, dass Zuko für das ganze Schiff verantwortlich ist und Suzuran kann nicht fliegen." Er tippte einen Stock auf den Ozean außerhalb der Chamäleon-Bucht. „Und denkt daran, dass viele Schiffe der Feuernation in diese Richtung kommen, egal wie viele Papa aufhält."
Genau. Schiffe brauchten Wasser, also... Aang verfolgte einen Weg durch die Seen nach Norden. „Er muss an der Stadt vorbei."
„Aber wenn er einfach vorbeifährt, weiß Azula, dass was nicht stimmt", warf Toph ein. „Sie ist die Prinzessin und Befehlshaberin. Suzuran muss dort anhalten."
Aang schluckte. „Aber wenn sie ihn entdeckt –"
„Sie hält ihn für tot. War er ja auch fast. Und er ist leichtfüßig." Toph verschränkte die Arme. „Mach dir keine Sorgen. Er will sich so weit wie möglich von dir fernhalten."
„Okay, das war jetzt gemein", grummelte Sokka.
„Wieso denn?" Katara warf ihrem Bruder einen sardonischen Blick zu. „Ist doch eine großartige Idee."
Das stimmte wahrscheinlich, gestand sich Aang ein. Zuko und Katara am selben Ort war unheimlich. Außerdem hatte Toph Recht. Zuko war leichtfüßig. Ihm ging es sicher gut.
Zuko, Amaya, Iroh /Zukos Quartier /Suzuran
...Au.
Warme Federn kuschelten sich gegen ihn und ein Schnabel knabberte an seinen Haaren. Das war auch so ziemlich das einzige an ihm, das nicht wehtat.
„Endlich", seufzte Amaya erleichtert. „Vorsichtig, Iroh, vorsichtig..."
Die Umarmung war sanft, bis auf Asahis Grummeln, als sie beiseitegeschoben wurde. „Onkel", hauchte Zuko, schmeckte Tee, Rauch und Besorgnis. Er ließ die Augen geschlossen. Noch nicht. „Der Zug?"
„Wurde auf die Flotte verteilt", antwortete Iroh. „Es gab Verwundete; ihr und Shirong, Frostbeulen und ein paar Leute sind fast ertrunken. Aber es gab sehr wenige Todesopfer."
„Azula." Zuko schluckte die Schuld runter. „Hab's versucht... müde."
„Ganz recht", sagte Amaya scharf. „Wasserbändigen kann nicht unendlich viel Blutverlust ausgleichen. Mach es dir in diesem Bett bequem. Da bleibst du die nächsten Tage auch."
Zuko öffnete die Augen einen Spaltbreit und erfasste sein Quartier auf Suzuran; Amayas und Irohs besorgte Gesichter, Asahi, die ihre Federn raschelte als sie ihn anblinzelte und da waren noch ein paar, die sich mit herein gequetscht hatten. „Kapitän Jee. Ich muss –"
„Bei allem nötigen Respekt, eure Hoheit, sie müssen genau da bleiben wo sie sind", sagte Jee trocken. „In ein paar Stunden sind wir dort, wohin wir die Widerstandstruppen von Erdkönig Kuei bringen sollen und dann sollten wir die Fähren loswerden können. Ohne sie kommen wir schneller voran, was nur gut ist, bedenkt man, dass wir Schnelligkeit und List brauchen, um an patrouillierenden Schiffen vorbeizukommen. Wenn wir dazu noch Wasserbändigen brauchen, und ich glaube, das werden wir, müssen sie so ausgeruht wie möglich sein." Er lächelte schief. „Doch ich denke, das Erdbändigen allein könnte überraschend genug sein, um uns aus den meisten Schwierigkeiten heraus zu holen. Agent Shirong und Professor Wen haben da ein paar interessante Ideen."
Zuko schaute zu dem erleichterten Dai Li, der gerade Teruko, die dösend an der Wand lehnte, anstupste und aufweckte. Vorsichtig ließ er seinen Blick durch den Raum schweifen, um sicherzustellen, dass Tingzhe und seine Familie nicht hier waren. Dann wendete er ein geschwächtes Funkeln auf Iroh. „Wann hattet ihr vor, mir mitzuteilen, dass Roku Ilahs Vater war?"
Jee verschluckte sich.
„Ah", seufzte Iroh. „Ich hatte gehofft nie."
„Was?"
„Ich wollte, dass, falls ihr dem Avatar helft, es eure Entscheidung ist", legte Iroh dar. „Keine Verpflichtung an unsere Vorfahren. Von diesen hattet ihr schon mehr als genug in eurem Leben." Der General schaute selbst durch den Raum und bedeutete Teruko, an der Tür zu lauschen.
„Alles klar, Sir", berichtete sie.
Er neigte den Kopf. „Es gibt eine Organisation, die das Gleichgewicht der Welt wiederherstellen will. Du kennst sie flüchtig, Amaya, sie haben viele von der Feuernation zu deiner Tür geführt. Unsere Handlungsfähigkeit ist nicht so groß wie wir wünschen; wir geraten häufig Eroberern in den Weg. Chin und Sozin sind nur zwei jener, die uns dezimierten. Doch ein paar von uns überleben. Und wir hoffen." Sein Blick ruhte auf Zuko. „Ein Jahrhundert verging und kein Zeichen des Avatars... unsere beste Chance das Gleichgewicht wiederherzustellen war auf einen wahren Feuerlord hinzuarbeiten. Einer, der die vier Elemente versteht und dass sie einander brauchen. Einer, der erkennt, dass der Krieg falsch ist." Er lächelte. „Dass er auch von Rokus Geblüt sein sollte... Wir dachten, es könnte nicht schaden."
Zuko schluckte hart; in seinen Augenwinkeln wurde es grau. Er konnte schwach hören wie schockiert nach Luft geschnappt wurde, wie Shirong zischend Luft holte. „Ihr habt mir eine Falle gestellt."
„Neffe –"
„Ihr verrückter, idealistischer – ihr!", brüllte Zuko; er fuhr hoch, Hände fuchtelten in rötlich-grauer Wut durch die Luft. „Das ist schon wieder genau der gleiche verdammte Fehler! Einer, der die ganze Welt rettet? Ein Feuerlord, der sagt, oh, es tut uns so leid, wir hören auf euch umzubringen und Friede-Freude-Eierkuchen? Da dauert es nicht mal einen Monat, bis ich ermordet werde! Und selbst wenn nicht, wäre ich immer noch unter Kyoshis Erlass! Wir würden immer noch wahnsinnig werden! Agni, was glaubt ihr denn, was Sozin verrückt gemacht hat? Er hat gesehen, was es Zouge angetan hat, ein loyaler Lord zu sein. Alle Klans zusammenzuhalten, obwohl die eine Hälfte die andere in Stücke reißen will – das hat ihn umgebracht! Und Sozin hat zugesehen wie er dabei draufging! Und ihr – ihr –"
Zu versuchen aufzustehen... war ein Fehler.
Die Welt wurde schwarz, er spürte wie Shirong ihn auffing und er hörte Amaya fluchen.
„General?" Terukos Stimme verblasste, wie alles andere. „Ich habe ihm mein Wort gegeben, doch ich glaube, es ist besser sie warten noch, bevor sie ihm von Kuzon erzählen."
Iroh, Amaya/ Irohs Quartier/ Suzuran
„Hat er Recht?" Amaya warf einen Blick über ihre Schulter, ihre blauen Augen waren im Laternenlicht ihres Quartiers geweitet. „Würde es irgendwer wagen den Feuerlord zu ermorden? Ist das überhaupt möglich? Er hält die Loyalität eures Volkes."
Iroh, der gerade ihre Haare bürstete, hielt inne. „Es ist möglich", sagte er und bürstete weiter. „Die Loyalität zu brechen tötet nicht sofort. Es bleibt Zeit für Verzweiflungstaten." Er zögerte Nein. Sag ihr die Wahrheit. „Und die Bindungen der Loyalität sind nicht ganz so direkt wie die Bande des Wassers: Familie, Dorf und Stamm. In dieser Reihe haltet ihr sie, nicht wahr? Pakkus Antworten waren nicht immer eindeutig."
Sie fuhr auf. „Du kennst Meister Pakku?"
„Ich hatte die Ehre von ihm eingefroren zu werden, ja", schmunzelte Iroh. „Es war ein Grund, weshalb ich den Feueratem perfektionierte."
„Meister Pakku will das Gleichgewicht der Welt wiederherstellen?" Amayas Stimme wurde leiser. „Dann habe ich ihn all diese Jahre über falsch eingeschätzt."
„Mag sein", sagte Iroh gemessen. „Dann wieder war er es, der Katara ausbildete."
„Hmm."
„Loyalität bindet ein Kind zuerst an seine Eltern", fuhr Iroh fort. „Dieses Band lockert sich, wenn man etwa dreizehn Jahre ist und die Verantwortung eines Erwachsenen auf sich nimmt. Es bricht nicht, wenn ein Kind entscheidet, loyal zu bleiben. Viele tun das. Zuko ist ein verantwortungsbewusster, ehrenhafter junger Mann, und so blieb er gebunden, denn Ozai war sein Vater, sein Klanoberhaupt und Lord der Domäne der Hauptstadt; und der Feuerlord."
„Klanoberhaupt?" Amaya drehte sich etwas, so dass er eine besonders widerspenstige Strähne entwirren konnte. „Meixiang sagt, Tingzhe ist das Oberhaupt von Wen."
Das war ein Schock und eine Überraschung gleichermaßen. Erde und Feuer und miteinander verbunden? „Das ist er", stimmte Iroh zu. „Als Klanoberhaupt schulden ihm seine Ehefrau, seine Kinder und sein Bruder, Shirong, Loyalität. Wenn Shirongs Kinder älter als dreizehn sind, wird deren erste Loyalität auch Tingzhe gelten, denn sein Ast ist der Hauptast des Klans. Außer, und nur in diesem Fall, es ist erkennbar, dass die Hauptfamilie ohne Erben vergehen wird. Ein lebender Ast hält Loyalität. Eine sterbende Linie nicht."
Amaya erstarrte unter seinen Händen. „Also, als Lu Ten starb..."
„Mein Bruder handelte übereilt und verärgerte unseren Vater", bestätigte Iroh. „Doch er war im Recht. Wenn ich keinen Erben hatte und keinen Erben adoptierte, dann war seine Linie der lebende Ast des Klans." Er seufzte. „Doch er hat Feuerlord Azulon verärgert und unsere Familie in tödliche Fallstricke verwickelt. Denn, obwohl Ozai unserem Vater hätte loyal sein sollen, war Ursa das nicht."
Amaya hob eine Hand, unterbrach sein Bürsten und dachte nach. „Sie wäre ihren Kindern, ihrem Ehemann und ihren Eltern loyal gewesen..."
„Auch wenn Lady Kotone sich vor dem Drachenthron verneigt hat, bindet diese Loyalität nicht ihre Tochter." Iroh nickte.
Amaya bewegte sich unruhig. „Kein Wunder, dass er so zornig ist."
„Er ist oft wütend", seufzte Iroh. „Doch hatte ich gehofft, dass er daraus herauswächst."
„Iroh." Die Heilerin warf ihm einen direkten Blick zu. „Du warst der einzige seines Klans, der ihn nicht verraten hatte. Und jetzt weiß er, dass du ihn angelogen hast."
Das stimmte. Bedauerlicherweise. „Für unser Volk."
„Für die Welt", berichtigte Amaya. „Wenn es für euer Volk gewesen wäre, hätte er es verstanden."
Irohs Schultern sackten herab. „Ich versuchte ihm zu lehren, sich um die Welt zu kümmern."
„Diese Narbe hat mehr versengt, als nur sein Fleisch", rief ihm Amaya in Erinnerung. „Er hat darum gerungen, sich um dich zu sorgen, dann um uns und dann um alle unsere Leute in Ba Sing Se. Er versucht das Luftbändigen wieder zurückzuholen." Sie breitete die Hände aus. „Wie viel mehr kannst du noch verlangen?"
Iroh lächelte bedauernd über seine eigenen unerkannten Ambitionen. „Ich schätze ich hatte mir einen Sohn gewünscht, der mir in allem nachfolgt. Doch Zuko hat sich nie für Pai Sho interessiert."
„Du hättest es hinbekommen, wenn die Geister sich nicht eingemischt hätten", stimmte Amaya zu. „Ich glaube, kein Assassine könnte es an dir vorbei schaffen." Sie hielt inne, holte beruhigend Luft. „Ich weiß euer Volk auf diesem Schiff ist nicht so, aber dass Zuko so einfach darauf gekommen ist..."
„Möglich, dass es nicht nur Zuko war", gestand Iroh ein. „Jetzt, da ich weiß, was ich weiß, habe ich so meinen Verdacht, was Kuzons Tod angeht." Er schnaubte. „Es hätte mir schon viel früher auffallen sollen. Im Schlaf, aber sicher doch."
Amaya strich ein paar vereinzelte Strähnen aus dem Gesicht und warf ihm einen Seitenblick zu. „Selbst in der Feuernation muss das doch für irgendwen zutreffen."
„Sogar für viele", stimmte Iroh zu. „Außerdem war er Siebenundneunzig, selbst wenn er so rüstig wie Männer, die halb so alt waren, wirkte. Doch ein Lord, der schwächer wird, kehrt nach Hause zurück. So kann er sich um seine Leute kümmern und dafür sorgen, dass sie nach seinem Tod gut geführt werden. Doch Kuzon starb auf Shu Jing." Er lächelte schief. „Das ist nicht ganz so weit von Byakko entfernt, wie Insel Kyoshi von Ba Sing Se, aber es ist auch nicht viel näher."
„Kuzon." Amaya runzelte die Stirn und hielt ihre Arme für eine tröstende Umarmung auf. „Sag mir, Iroh. Womit haben wir es zu tun?"
Saoluan, Langxue, Shidan/ Nami no Kizu/ irgendwo im Erdkönigreich
„Kuzon von Byakko." Schwert traf auf Schwert und Shidan hielt die zwei Inselbewohner ab, mit schmalen Augen und einem dünnen Lächeln. „Mein Schwiegervater und mein bester Freund."
Okay, dachte Saoluan und versuchte wieder zu Atem zu kommen, während Stahl mit Stahl rang. Dieser Kerl ist definitiv kein Mensch.
Sie machte sich keine Sorgen um die Mannschaft der Nami no Kizu, die um sie herum arbeiteten; sie waren wie geehrte, wenn auch etwas eigenartige Gäste behandelt worden, den ganzen Weg den Fluss herauf, selbst als sie und Langxue Shidan mit scharfen, spitzen Dingern über das ganze Deck scheuchten, um etwas Dampf abzulassen. Es gab nichts worüber sie sich beschweren konnte. Außer der Tatsache, dass mit Shidan zu reden war, als ob... nun, als ob man es mit jemanden zu tun hatte, der nicht ganz mit den restlichen Zweibeinern zusammenpasste. Die Frage Warum machst du das hier und sag mir nicht, dass es nur wegen den Geistern ist hatte es einfach nicht gebracht.
„Stopp", biss sie hervor und wartete, bis der Druck gegen ihre Handgelenke nachließ, dann zog sie ihre Klinge zurück und steckte sie in die Scheide.
„Saoluan?" Langxue sah sie Stirnrunzelnd an und wirkte beschämt froh über die Pause. Er war gut, aber er war noch zu jung, um die Muskeln aufgebaut zu haben, die man brauchte, damit das Schwertführen wie spielend leicht wirkte.
Sie strahlte ihn an, dann warf sie Shidan einen schrägen Blick zu. „Vielleicht könntest du etwas genauer sein, geehrter Drache? Ich will niemandem ausreden uns zu helfen, aber der Feuerlord wird deinen Leuten 'ne Armee drauf klatschen, sobald er erfährt, dass du die Seiten gewechselt hast."
Trotz leerer Hände blitzte Shidans Lächeln schneidend scharf. „Das wäre unratsam. Berg Shirotora ist ein Wasservulkan."
„Hä?" Saoluan blinzelte.
„Es gibt zwei Vulkanarten", sagte Langxue mit diesem abwesenden Stirnrunzeln, das, wie sie erkannt hatte, bedeutete, dass er etwas ausgrub, an das sich Hyourin erinnerte. „Erde und Wasser."
„Es gibt noch viel mehr, doch diese zwei sind am wichtigsten", erklärte Shidan. „Erdvulkane haben sanfte Eruptionen. Lava, etwas Asche; gewiss gefährlich für Dörfer, die ihnen nicht aus dem Weg gehen können, doch sie geben mehr als genug Warnung, damit die meisten Leute sich einfach entfernen können. An der Westküste des Erdkönigreichs sind wenigstens zwei davon. Von wenigen lebensmüden Narren abgesehen, die nicht genug Verstand haben und vom Kraterrand in einen Lavasee fallen, haben sie seit Jahrhunderten niemanden getötet." Er hielt inne. „Wasservulkane sind nicht so gutmütig."
Die Augen ihres kleinen Schwertbruders weiteten sich. „Weil Wasser in der Lava ist."
„Ganz recht." Shidan nickte und Saoluan versuchte Wasser und geschmolzenes Gestein zusammen zu bringen, ohne dass ihr Kopf explodierte. „Deshalb sind sie so tödlich. Das Wasser wird zu Dampf, das sich unter einer Steinkappe aufbaut. Was geschieht wohl, wenn man einen Tontopf voll Wasser versiegelt und in einen Brennofen stellt?"
„Bumm." Saoluans Herz sank. Oh, großartig. Uns wird von einem verrückten Drachen geholfen. „Und ihr lebt auf diesem Ding?"
„So ist es." Erwiderte Shidan. „Wir müssen. Denn, wenn niemand mit dem Weißen Tiger, dem Geist des Berges, spricht, um seinen Zorn zu beschwichtigen und ihn zu überzeugen, unseren Feuerbändigern zu erlauben, etwas Dampf und Lava abzuleiten, dann wird er ausbrechen. Nicht heute. Nicht morgen. Doch wenn Shirotora brüllt, ist die ganze Feuernation in Gefahr."
Nicht verrückt. Wenigstens nicht so wie ich dachte. „Ihr habt den Feuerlord erpresst", sagte Saoluan bewundernd.
„So ein hässliches Wort, Kriegerin." Doch der Humor in blassgoldenen Augen stritt es nicht ab. „Die Lords von Byakko haben immer ihre Pflicht für die Klans und für unsere Nation erfüllt. Berg Shirotora ruht willig unter unserer Fürsorge, respektiert und geehrt. Es fiele uns niemals ein, das zu vernachlässigen. Der Feuerlord hat nichts von uns zu befürchten."
„Ja, klar", sagte Langxue trocken. „So lange ihr dort seid. Wo ihr den Deckel draufhalten könnt. Aber wenn das nich' mehr so ist..."
„Das ist schon einmal fast geschehen." Shidan packte die Reling, harte Nägel pingten gegen Stahl, in seinen Augen stand eine dunkle Erinnerung. „Als Feuerlord Sozin die Vernichtung der Luftnomaden befahl. Byakko weigerte sich und bezahlte mit dem Leben." Er sog scharf Luft ein. „Ich – es gab keine Warnung. Makoto war listig und Sozin noch mehr. Wir wussten, dass Sozin den Hass auf die Luftnomaden schürte. Wir wussten, dass ein paar unserer Klan-Ältesten – der Drachenklans – verschwunden waren; wir waren auf der Suche nach ihnen, als..." Er schaute kummervoll in den Fluss. „Ich konnte Kuzon heilen und ein paar andere. Doch wochenlang hing Berg Shirotora auf Messers Schneide und Sozin wusste das. Deshalb wagte der Feuerlord nicht, Lord Kuzon anzutasten – obwohl er erst fünfzehn Jahre war und es bekannt war, dass er ein Freund von Luftbändigern war."
Langxue zog skeptisch die Braue hoch.
Shidan tat es ihm nach. „Es bräuchte mehr als zwei Dutzend Feuerweise um den Weißen Tiger zu zwingen sich zu unterwerfen. Ein nachlässiger Moment und Shirotoras Zorn würde den Himmel einstürzen lassen. Wohingegen selbst einer von Kuzons Blute... der Berg kennt uns. Nein; Sozin war nicht so närrisch zu riskieren seine Truppen zu schwächen. Nicht wenn er alles bekommen konnte, was er wollte, indem er uns einfach in Ruhe ließ."
„Also das verstehe ich jetzt nicht", beschwerte sich Langxue und rieb seinen Kopf. „Sozin wollte Luftbändiger umbringen und er hat euch in Ruhe gelassen?"
„Tausend Jahre können alles zur Legende werden lassen", sagte Shidan trocken. „Luftbändiger, sicher. Oh, jedes Schulkind kann euch genau sagen, wie die Luftnomaden waren. Sie waren von der Welt losgelöst, sorglos und grausam genug um Wirbelstürme herbeizurufen. Sie ritten auf Himmelsbisons. Sie waren tätowiert und aßen nie Fleisch." Er zeigte zu Langxues Katana. „Und niemals trugen sie Schwerter."
„Losgelöst?", sagte Langxue ungläubig. „Oh, komm schon! Die Tempelmönche, na schön. Aber keiner konnte Duo Qang –"
„Xiangchen hat jenen Stamm ausgelöscht", sagte Shidan leise. „So sagte es mein Klan, vor langer Zeit."
„Wer?", fragte Saoluan als Langxue erbleichte.
„Es gab einst mehrere Stämme, die mit dem Wind umher streiften", legte Shidan dar. „Vor langer, langer Zeit, bevor die Welt fehl ging. Vor Subodei und Xiangchen und der Invasion des Nordens." In seinem Auflachen schwang eine Spur Bitterkeit mit. „Ich schätze jetzt müssen wir es die erste Invasion des Nordens nennen. Avatar Hirata hätte sich nie träumen lassen, dass sein Tod hierzu führen würde..." Er seufzte. „Bedauerlicherweise haben ein paar der Nachkommen der Duo Qang überlebt."
Luftbändiger. Es gibt immer noch Luftbändiger, erkannte Saoluan. „Wieso ist das was Schlechtes?"
„Denn heute nennt man sie nicht mehr Duo Qang sondern Onmitsu", sagte Shidan direkt. „Die Chi-Blocker des Feuerlords... und seine Meuchler."
Kuzon/ Shu Jing/ vor etwa 18 Jahren
Winterregen lag wie ein Schleier über dem Land, blendete den Mond und machte gewöhnliche sterbliche Augen und Ohren fast nutzlos. Kühler Regen durchtränkte Haori und Robe und Tabi als er mit Stahl über Moos und Schmucksteine des beschaulichen Gartens des Gasthauses tanzte. Süßer, frischer Regen, der den Geschmack von Blut fast ganz aus seinem Mund wusch.
Er ließ ihn fast glauben, dass er nicht dem Tod geweiht war.
Ich hätte mir nie Shu Jing als Ort zum Sterben ausgesucht.
Nun. Er war sich ziemlich sicher, dass Temul auch nicht hier hatte sterben wollen. Es war eine doppelte Ironie, dass ihr Tod zu dem seinen führte. Er hatte sich über die Jahre an den bissigen Totengeist gewöhnt. Sie teilten so viele Geheimnisse, so viel Leid. Ihr glühender Hass auf die Feuerlords war nicht mit Sozin gestorben und sie hatte Azulons Agenten wie ein zürnender Drache belauert. In der Welt außerhalb Byakkos war Shu Jing immer eine sichere Zuflucht gewesen, an den es einen alten Feuerbändiger verschlagen konnte.
Nicht in dieser Nacht.
Irgendein Feuerweiser muss einen Weg gefunden haben sie zu binden. Agni, gewähre ihr die Kraft, die Freiheit zu erlangen!
Ironisch, dass er nicht um sein Leben sondern für einen Totengeist betete. Doch Temul war Stahl und Flamme – so lange sie existierte konnte ihr Herz nicht gebrochen werden.
Das seinige – war zersprungen. Zerbrach weiter mit jedem einzelnen der regennassen Chi-Blocker, den er niederschlug.
Heiya. Arisama. Shiri...
Er kannte sie. Sie alle. Agni, er und Ran hatten für die Hälfte von ihnen Willkommensgeschenke zu ihrer Geburt geschickt!
Ran...
Seine geliebte Lady. Die andere Hälfte seiner Seele. Seit zwei Jahren schon tot und vergangen; in einem Sturm über Bord geschwemmt, als sie von der Hauptstadt abgereist war. Ein Unfall.
Und dies hier würde zweifellos auch einer werden, egal, wie viele Tote er verstreute.
Ich bete darum, dass du dies hier nicht siehst, Ran.
Ducken und Schlitzen und Zwillingsdao zuckten hervor um Regen und Kleidung und Knochen zu zerteilen.
Dieser Attentäter fiel ohne einen Laut, Pfeile folgen wie ein Sturm, selbst als sein Bein und seine Hand getrennte Wege gingen. Regen und wirbelnder Stahl wehrten vier ab –
Der fünfte und sechste sanken in seine Schultern, bissen in den Knochen. Er stolperte zurück, ein Dao fiel aus dem toten Gewicht seiner rechten Hand.
Verdammt, so knapp...
Der Regen wurde schwächer, ein Wolkenband zog weiter und hinterließ eine kurze, stille Lücke. Der Mond schaffte es nicht ganz hindurch zu brechen... doch es war hell genug, um die Ränge dunkel gekleideter Attentäter zu erkennen, die in schweigender Drohung auf dem Dach des Gasthauses warteten.
Nicht nah genug.
Er grinste und wusste, dass es blutverschmiert war. Heiya hatte mehr geschafft als nur einen Block in sein Bändigen zu stoßen, in jenen verhängnisvollen Sekunden als Kummer und Bestürzung Instinkt ausgeschaltet hatten. Es konnte doch nicht sein, niemals, dass eine jener, die er gerettet hatte, beabsichtigte –
Und doch hatte sie und ebenso gewiss hatte er sie getötet. Möge der Herbstlord ihrer Seele gnädig sein.
Doch unfähig zu bändigen, unfähig zu heilen... sie hatte ihn auch getötet.
Genau wie Azulon beabsichtigte. Bastard. Feigling!
Er hatte sein Leben damit verbracht Verwirrung unter seinen Feinden zu sähen. Er hatte nicht vor, diese Gewohnheit jetzt zu brechen. „Ich sehe, Azulon ist es wichtig genug, um seine Besten zu schicken", keuchte er, sein Atem ging flach. „Ich schätze, ich sollte mich geschmeichelt fühlen, Tahou. Du gehst selbst nur noch so selten ins Feld."
Schweigen. Eine der größeren maskierten Gestalten flatterte vom Dach und landete... nicht ganz in Reichweite für einen Ausfall. Verdammt.
Über tarnenden Stoff hinweg maßen blasse Augen die seinen, berechnend und amüsiert. „Und wieso glaubt ihr, dass wir das für Azulon tun, Lord von Byakko?"
Er kicherte bitter, ganz gleich wie sehr es schmerzte. „Ihr seid doch alle nur seine Schoßhunde, Tahou. Ihr redet euch ein, dass ihr dient um viele zu retten, indem ihr wenige umbringt... Die Tempel waren blind, aber ihr? Ihr habt einen ignoranten Weg des Friedens korrumpiert und zu einer Abscheulichkeit verdreht."
Kein hasserfülltes Grollen, nicht von solchen wie diesen hier; doch dunkle Gestalten im Regen strafften sich. „Wage es nicht, von unseren Wegen zu sprechen, Dieb!"
„Ah", hauchte Kuzon. „Also ist es tatsächlich Ja Akus Wille, ebenso wie Azulons." Ein Lachen, ein Husten. „Ich wünschte, ich wäre überrascht."
„Du hast unser Erbe vernichtet –"
„Ich konnte die Bisons nicht retten, du scheinheiliger alter Narr!", knurrte Kuzon. Er hatte sich schon vorher auf Schlachtfeldern Gehör verschafft; er konnte sich auch jetzt Gehör verschaffen. Egal wie wenig es ihm brachte. „Sie sind groß, sie sind offensichtlich. Mein halber Klan war tot! Ich konnte nur die Kinder retten!"
„Du hast uns unserer Zukunft beraubt!"
Ihr habt euch selbst beraubt. „Und der alte Einsiedler hob die Kobra auf, fütterte sie mit Fisch und wärmte sie an seiner Brust in der tödlichen Kälte der Nacht", sagte Kuzon vor sich hin. „Und bei Sonnenaufgang schlug sie zu und schlängelte davon, als er sterbend darniederlag. Denn so ist die Natur der Schlangen." Er packte das verbliebene Heft fester, ganz vorsichtig. „Wie passend, dass ihr in dieser Nacht Sozins Lüge wahr werden lasst. Die immer verräterischen, mörderischen Luftnomaden."
Ein paar der schattenhaften Gestalten über ihm spannten sich an; Tahou hob eine behandschuhte Faust, stoppte sie. „Es ist noch nicht zu spät um zu leben. Schwöre, dass du deinen eigenen Verrat offenlegst und dein Chi wird wiederhergestellt."
„Nein", sagte Kuzon schlicht. Er beobachtete die Schatten im Regen.
Das waren jetzt ein paar weniger Schatten.
„Du verdammst deinen Klan dazu –"
„Wozu?", knurrte Kuzon; ihm waren die hübschen Halbwahrheiten und hämischen Lügen leid. „Glaubt dein Meister etwa, dass Kotone es nicht wissen wird? Er hat unsere Ursa; wenn er mehr will, dann ist das Blut an seinen Händen. Das Blut unserer Nation! Wird er das vergießen, während die Welt den Tod unseres Landes will?" Er schnaubte, Benommenheit ließ die Welt zu einem dunkleren Grau werden. „Wagt euch doch nach Byakko. Shidan wird euch in Stücke reißen."
Alter Freund. Sohn, den ich nie hatte. Es tut mir leid.
Und ein weiterer Schatten verschwand in der Nacht.
Bald bemerken sie es. Was kann ich – ah. Er stolperte einen Schritt zur Seite, sich schmerzlich bewusst, dass es nicht vorgetäuscht war. „Beeil dich mit der Häme", keuchte er. „Ihr habt nicht mehr viel Zeit."
Tahou stand still. Fasst schoss er vor –
Ja! Schluck den Köder, du verräterischer Narr! Denn wenn Tahou hier war, gab es immer noch ein was, dass er von Kuzons eigenen Lippen hören musste. Wenn er nur noch etwas länger durchhalten konnte...
„Wo sind sie?", biss Tahou hervor.
Und jetzt konnte Kuzon lächeln, der Schmerz des Verrates ebbte ab und wurde... erträglich. So oder so dauerte es jetzt sowieso nicht mehr lange. „Deine Brüder und Schwestern? Das wirst du nie erfahren." Er war Fünfzehn gewesen, entsetzt und trauernd, doch Shidan war bei ihm gewesen. Und keiner kannte Raubtiere so wie ein Drache.
Verstreue sie, hatte Shidan ihm geraten, in dem Reigen aus Bildern und Gefühlen, dem lautlosen Lied eines Drachens. Freund mit Freund und jene, die wie Verwandte sind, gemeinsam, ja – doch verstreue diese Gruppen fern voneinander. Lass sie wissen, dass die anderen leben; lass sie niemals erfahren wo.
Der Lord von Byakko hält Berg Shirotora im Zaum und ist damit vor Sozins Zorn sicher. Falls es scheint, dass er nichts weiß. Sei dieser Lord. Halte ihre Existenz in deinem Herzen verborgen.
Und nimm sie mit ins Grab.
„Ihr habt versucht, es von Temul zu erfahren", hauchte Kuzon jetzt. „Sie ist nicht hier, weil ihr sie gebunden habt, um ihre Antwort zu verlangen. Und sie weiß nichts." Er hustete, schmeckte Kupfer. „Und jetzt habt ihr den einzigen Mann umgebracht, der es weiß."
Blasse Augen wurden über der Maske wütend aufgerissen. „Du wirst uns nicht verweigern –"
Der Wind heulte eisig klagend und Temuls Gespenst kam schimmernd aus den Sturmwolken. Ein blau glühendes Jian grüßte den Himmel und zischte herab –
Ein Blitz zuckte und zerschmetterte das Dach und die Attentäter zu einer Wolke aus blutbespritzten Ziegeln.
Im krachenden Donner dachte Kuzon, dass er die Stimme eines jungen Mannes hörte. „Hey! Pass doch auf!"
Doch das war meterweit entfernt. Hier und jetzt hatte Tahou gezuckt. Denn wer würde nicht zucken, bei Totengeistern, Blitzen und Tod...
Tahou wusste, mit wem er es zu tun hatte. Er wusste es besser, als seine Aufmerksamkeit von ihm abzuwenden. Doch selbst jahrzehntelanges Training konnte die Natur eines Mannes nicht töten. Ein Fuß glitt leicht zur Seite, ließ Gleichgewicht fahren, um zur Flucht bereit zu sein –
Kuzon sprang vor.
Jeder entsinnt sich der Schneide des Daos, aber niemals der Spitze.
Doch Tahou sah so aus, als ob er daran denken würde...
Und dann erschlaffte das Gesicht des Attentäters, der Körper fiel und Kuzon mit ihm.
Schwarz und Rot und... jemand hob seinen Kopf an. Warme Hände. Atem. Nicht Temul.
„Halten sie durch", sagte eine vertraute junge Stimme, eine, die Kuzon erst gestern gehört hatte, bei einem informellen Bericht über den Zustand des Erdkönigreichs. „Ich hole einen Heiler –"
„Seien sie kein Narr, Major Piandao", krächzte Kuzon. „Sie haben genug Schlachten gesehen … um zu wissen, dass keine Zeit dafür ist." Er atmete, schaute zu der nicht ganz soliden Frau, die bei der Schulter des jungen Soldaten stand. „Also seid ihr euch begegnet. Gut. Erkläre so viel du kannst, alte Freundin. Wenn … du ihn hier heraus geschafft hast."
„Lord Kuzon", begann Piandao.
„Sie dürfen nicht hier sein", keuchte Kuzon. „Bei Sonnenaufgang sind sie so weit weg von hier wie möglich. Und sie werden sichtlich überrascht, aber nicht betrübt sein, zu hören, dass der Lord von Byakko… im Schlaf gestorben ist."
„Aber –"
„Sie sind nicht", Kuzon hustete. „Nicht dumm, Major. Also tun sie jetzt nicht so." Atmen. „Ich habe … Azulons Krieg so viel Schaden zugefügt, wie ich konnte. Erwähnen sie meinen Tod, wird er sie auch verdächtigen."
„Und er hätte damit Recht." Temul grinste, ihre Stimme war ein Flüstern von Regen und Wind. „Wir haben ein gutes Viertel von Azulons zahmen Nomaden ausgeschaltet. Diese Truppen wird er so schnell nicht ersetzen." Auf sein schwindendes Funkeln schnaubte sie. „Glaubst du, ich habe diese flatterhaften, honigmäuligen Himmelsreiter je leiden können? Ha!"
„Nomaden?" Ein Totengeist hatte die Nerven des jungen Soldaten nicht erschüttert, doch das anscheinend schon. „Das waren Nomaden? Aber die Luftbändiger sind –" Er brach ab und ergriff die Hand, die Kuzon noch spüren konnte. „Sir. Ihre Familie..."
„Weiß was sie muss", brachte Kuzon heraus. „Wissen… warum." Er zwang sich auf das Gesicht des Majors zu fokussieren. „Dienen... sie Azulon. Um unseren Leuten zu dienen." Durchhalten, nur noch ein bisschen. „Azulon... wird uns alle vernichten. Entscheiden sie..."
Und der Regen verblasste und Hände verblassten. Und schließlich ebbte auch der Schmerz ab.
Doch nicht der Kummer in seinem Herzen.
Ich habe zu lange gewartet. Zu lange Pläne geschmiedet. Ich habe nach dir gesucht, Aang – Agni, ich habe gesucht!
Ich hätte aufhören sollen.
Der Avatar ist fort. Du bist weg, Aang. Ich habe die Welt nach dir durchforstet und fand nicht eine Spur. Doch die Welt ist noch da.
Und die Feuerlords werden sie vernichten.
Wenn ich es nur gewusst hätte. Wenn ich nur irgendeine Chance hätte –
Feuer in der Dunkelheit. Schmerz und Zorn und die rasiermesserscharfen Farben der Hoffnung...
„Eine Chance, Kind des Feuers?"
Mein Herr...
Wärme umfing ihn, streng wie Eisen, unnachgiebig wie die Sonne. „Es gibt einen Weg", knisterten Flammen, „so dass du dein Wort halten kannst."
Sagt es mir.
Zuko/ Kabine/ Suzuran
Nur der Geruch von Federn hielt ihn davon ab, etwas abzufackeln.
Kein Regen. Ich bin nicht tot.
Aber ich war es.
„Ich bin Zuko", wisperte er in die Dunkelheit und witterte nach dem Stand der zurückkehrenden Sonne kurz vor dem Morgengrauen. „Sohn von Ursa und Feuerlord Ozai, Prinz der Feuernation und einst Erbe des Drachenthrons!"
Aber ich erinnere mich...
Nicht scharf umrissen, bis auf den nachhallenden Alptraum, der einst Realität gewesen war. Mehr wie eine geliebte Geschichte, die wieder und wieder für ihren Schrecken und Wunder gelesen worden war, bis man beinahe erfassen konnte, wie es wäre, wenn sie real gewesen wäre.
Es war real.
Kuzon von Byakko, Agni, kein Wunder, dass Teruko ihm nichts sagen wollte.
Iroh dagegen...
„Ich brauche frische Luft." Zuko arbeitete sich unter den Decken hervor und hielt dann einen Moment lang inne, um wieder zu Atem zu kommen. Er tätschelte eine gluckende Asahi am Hals. „Wette, dir geht's genauso, hm?"
Die schwarze Henne schnaubte und packte seine Haare kurz mit ihrem Schnabel.
„Ich weiß, ich weiß, ich habe dir böse Kerle versprochen", entschuldigte sich Zuko. „Wir müssen einfach beim nächsten Landgang ein paar für dich aufstöbern."
Dem Schnauben nach nahm Asahi nicht ganz als angemessene Entschuldigung auf. Doch sie erhob sich und er lehnte sich gegen sie, als sich die Welt etwas drehte und machte sich langsam auf dem Weg zur Luke hinüber.
… Das Schloss der Luke auf zu fummeln, während der Raum immer wieder grau wurde, war kein Vergnügen.
Muss Kapitän Jee fragen, ob sie unseren Flüchtlingen die Sicherheitsmaßnahmen gezeigt haben. Jinhai kriegt das niemals alleine hin.
Schließlich ging sie mit einem Klacken auf. Zuko straffte sich, erwartete, dass Marinesoldaten ihn ansprangen und ins Bett zurückzerrten –
Niemand griff an. Zwei Feuerbändiger waren im Gang, die Asahi beäugten, als sie ihren Kopf mit gemeiner Freude aus der Tür wand, doch die Soldaten rührten sich nicht. „Guten Morgen, Sir", sagte der ältere und nahm höflich die Gesichtsplatte ab, zeigte ein wettergegerbtes, glattrasiertes Gesicht. „Heilerin Amaya sagte, sie sollten noch nicht aufstehen."
„Ich lasse es langsam angehen, Sergeant Kyo", versprach Zuko, schon jetzt erschöpft. „Aber ich brauche..." muss vom Sterben wegkommen. „Ich brauche etwas Sonne."
Asahi fixierte den anderen Marinesoldaten, legte den Kopf schief, als der unruhig zuckte.
Zuko schnippte gegen ihren Kopf. „Nein, lass Gefreiten Sukekuni in Ruhe."
„Danke?", quiekte Sukekuni, während Asahi auf ihrem Weg an ihm vorbei kicherte.
Zuko seufzte. Er beäugte sie beide, dann führte er sie weiter. „Es gibt mehr im Leben als nur Leute zu beißen."
„Skrrr..."
„Ja, ich weiß, es ist wahrscheinlich der beste Teil", sagte Zuko trocken. Hinunter, eine weitere Luke und hinaus –
Morgengrauen.
Er fand einen ruhigen Flecken am Schutzgeländer, klammerte sich daran und saugte die belebende Kraft auf.
Die Sonne geht auf, die Sonne geht unter. Egal wie verrückt der Rest der Welt wird.
Bedachte man, was er wusste, woran er sich erinnerte... das war ziemlich verrückt.
Zukos Hände umklammerten Stahl noch fester. Azulon hat meinen... hat Kuzons Mord angeordnet.
Wahrscheinlich aus mehr als nur einem Grund. Falls Azulon entdeckt hatte, dass er Überlebende aus den Südlichen und Westlichen Tempeln versteckt hatte, dann hatte Azulon wahrscheinlich auch erraten, dass er das letzte menschliche Bindeglied zu ihnen war. Das hieß, dass Ja Akus Onmitsu die Orte mit Folter aus ihm herausholen würden... oder auch nicht.
Wenn sie die Orte erfahren hätten, dann hätte er sie einen nach dem anderen weggepflückt, so dass die Onmitsu sie in Harmonischen Akkord zerren und in ihre Familien eingliedern konnten. Wenn ich nur gestorben wäre – die Überlebenden hätten sich von den Onmitsu ferngehalten, so wie jeder sich von der Feuernation fernhält. Und Azulon hätte nie riskiert, seine zahmen Attentäter an das zu verlieren, was die Luft einst gewesen war.
Wie auch immer, Azulon hatte bekommen was er wollte. Und wenn ihn das ein Viertel der Onmitsu-Truppen kostete... nun. Azulon hatte vorgehabt so lange zu leben wie Sozin. Er hatte darauf gezählt, noch Jahrzehnte zu haben, um seine Macht auszudehnen.
Hatte er aber nicht.
Zuko hatte jetzt keinen Zweifel mehr daran, dass Ursa Feuerlord Azulon getötet hatte. Byakko war schon so unglaublich lange eine Haaresbreite von Rebellion entfernt gewandelt, um ihre Insel und ihre Kinder zu schützen...
Und er war wütend und verwirrt und so stolz. Sie war nicht gebrochen. Sie hatte nicht gewankt. Sie war von Byakko und ein Drachenkind und lebte Ehre.
Verglichen damit war seine eigene Queste den Avatar zu finden armselig.
Atme. Alles was wir haben ist hier. Alles was wir haben ist jetzt.
Und er hatte das Jetzt nur, weil er kein Glück hatte. Er hatte alles in Agnis Hände gegeben, damit es eine Chance gab, Kohs Netz zu entwirren, ehe es die Welt erwürgte. Damit ein junger Prinz, nicht der Erbe, das seelentiefe Wissen hatte, dass etwas nicht stimmte. Dass die Welt nicht so sein sollte. Dass die Feuernation für ihre Ehre respektiert werden sollte, nicht für ihr skrupelloses Gemetzel gefürchtet.
„Das... hat nicht so ganz geklappt", murmelte Zuko.
Warum es nicht funktioniert hatte, war jetzt schmerzhaft klar. Neben Lu Tens Tod – und er hatte gewisse Ahnungen, was das betraf, bedachte man, was er über seinen Vater und Long Feng wusste – Kuzon war kein Drachenkind gewesen. Kuzon war ein relativ normaler meisterlicher Feuerbändiger gewesen, nicht sturer oder verrückter als... oh, Jee. Kuzon war geistig gesund gewesen. Vernünftig. Gelassen genug, um einen Tempel voller Luftbändiger locker wegzustecken. Er hatte seine Frau und Tochter geliebt und Shidan – und war trotzdem völlig überrumpelt gewesen, als ihn eine seiner Enkelinnen das erste Mal gebissen hatte.
Zuko erinnerte sich vage daran, dass er selbst ein paar Diener gebissen hatte, als er klein gewesen war. Bevor Ursa das gleiche wie Shidan Jahrzehnte zuvor mit ihr gemacht hatte; ihn am Nacken gepackt und geschüttelt hatte – sanft aber mit Feuer in den Fingerspitzen – und ihm sagte Nein, keine Beute. Böse.
Es hatte funktioniert. Nach einer Weile.
Sozin war ein Drachenkind, dachte Zuko und packte Stahl. Agni hat es so gedreht, damit der Avatar weiß, was die Feuernation antreibt... Geister das ist hochgegangen.
Sozin und dann Azulon doppelt. Und Ursa war auch eines. Er lehnte seinen Kopf gegen das Geländer, spürte wie kühler Stahl sich in seinem Zorn erhitzte. Ich bin echt am Arsch.
Er hatte zwar Kuzons Geist, doch er war mit genug Drachenblut geboren, dass vor hundert Jahren kein Klan es gewagt hätte, ihn an den Hof zu schicken. Er würde dabei draufgehen.
Naja, fast.
Und wenn Kuzon nicht erkannt hatte, was auf ihn wartete, Agni wusste es sehr wohl. Der Geist des Feuers kannte seine Kinder.
Aber ich hatte Lu Ten. Zuko hob den Kopf, schluckte den Klos in seinem Hals hinunter. Es war nicht so schlimm, bis...
Die Welt ist so verkorkst.
Und Aang hatte keine Ahnung. Er kam aus einer scheinbar friedlichen Welt – Gyatso hatte ihre Ausflüge immer sehr sorgfältig ausgewählt – in eine in der sich der Krieg hindurch brannte und die Menschen von geliehener Zeit lebten. Und sie wussten das.
Kein Wunder, dass er mit Ba Sing Se nicht zurechtkam. Es ist wahrscheinlich der erste Ort, der sich normal angefühlt hatte.
Agni, Aang wusste noch nicht mal etwas von den Yamabushi, ganz zu schweigen von den Onmitsu, oder den Touzaikaze der Si Wong Wüste oder... Geister, einem halben Dutzend kleinerer Gruppen, die genug wussten, um mit dem Wind davon zu huschen, wenn Gefahr drohte.
Und wenn er das nicht weiß, dann hat er keine Ahnung, warum Shidan dafür gesorgt hat, dass wir uns begegneten. Oder was Onkel Kuroyama und Gyatso planten. Oder was die Ältesten wirklich mit ihm vorhatten, wenn Gyatso sie nicht hätte stoppen können.
Zuko erschauderte mit schuldiger Erleichterung. Aang hatte zwar die Aufmerksamkeitsspanne einer mit Honig zugedröhnten Flatter-Hornisse, aber diese impulsive Entscheidung hatte vielleicht die Welt gerettet. Ein Avatar, der so verdreht war, wie die Tempel alle Nonnen verdrehten, die zögerten, ihre Kinder wegzugeben? So wie die Onmitsu dafür sorgten, dass alle ihre aktiven Agenten verdreht waren?
Ty Lee, es tut mir so leid.
Und es schmerzte. Es schmerzte so sehr, denn er hatte es nicht gewusst. Spione und Attentäter, ja. Doch Ty Lees Verwandte hatten Familien und sie wirkten glücklich, sie wirkten, als ob es sicher war, ein paar der Kinder, die Temul und er gerettet hatten, dort unterzubringen...
Bis er sich in einer schrecklichen Nacht hingesetzt hatte, immer noch bemüht, seine Domäne zu ordnen und er ein paar der Berichte, die Byakkos Agenten ihrem jungen Lord geschickt hatten, zusammengesetzt hatte. Berichte, die andeuteten, dass die Onmitsu plötzlich einen Schwarm Neugeborener in ihrer Obhut hatten. Alle mit dem gleichen schlanken Bau und lachenden grauen Augen...
Sozin hat nie beabsichtigt, die Kinder zu töten. Nicht alle.
Der Nördliche Tempel war zerstört worden, Mönche und Jungen bis zum letzten abgeschlachtet. Der Östliche war... abgeerntet worden.
Und wenn das nicht schrecklich genug war, war das auch noch die Nacht gewesen, in der er schließlich den Rest von Kuroyamas Plan zusammengesetzt hatte: einen jungen Mönch seinen entfernten Verwandten vorzustellen, um selbst zu sehen, was die Tempel vertrieben hatten, und wie es ihren eigenen Geist verstümmelt hatte. Ein Plan, der in den Flammen eines Kometen vergangen war.
Ich muss etwas tun.
Zuko packte den Stahl fester, fluchte unterdrückt vor sich hin. Ich tue schon was. Ich schaffe diese Leute hier aus der Schusslinie. Ich werde die Feuerarmee davon abhalten sich den Mechaniker wieder zu schnappen. Ich werde einen Ort schaffen, an dem Luftbändiger leben können, ohne sich selbst zu zerreißen, nur weil sie menschlich sind. Und wir werden gemeinsam die Ertrunkenen nach Hause rufen, damit die Dinge nicht noch schlimmer werden.
Die Geister Ertrunkener waren oben bei der Geisteroase, wo Koh nach Belieben in die körperliche Welt herüber wechseln konnte. Der Gesichtsräuber amüsierte sich sicher köstlich.
„Ähm." Die Augen und der Zopf des Mannes, der ihn beobachtete sagten Erdkönigreich, die Zottelhaare und die vom Wasser abgetragene, lockere Kleidung deuteten auf unabhängigen Händler-Kapitän oder schlimmeres hin. „Hast du was gegen das Geländer da, Junge?"
Zuko blinzelte und bemerkte, dass Asahi sich vorsichtig zurückgezogen hatte. Denn wer würde das nicht, wenn Stahl rot glühte. Ups. „Und sie sind?"
„Donghai. Kapitän", sagte er, als ob es nicht offensichtlich war. Sein Gesichtsausdruck war gefangen zwischen vorsichtig und säuerlich. „Wusste gar nicht, dass die Feuernation Kinder als Feuerbändiger rekrutiert."
Zuko schmunzelte. „Ich wurde für diesen Job geboren."
„Geboren –" Donghai starrte ihn an. Er warf einen Blick über das Geländer und nach hinten, wo eine zusammengewürfelte Flotte mit roten Segeln so viel aus den schwachen Morgenwinden herausholte, wie sie konnte. „... unmöglich."
Zuko zog eine Braue hoch.
„Ich weiß, Shirong sagte – und dieser Typ Sadao, aber..." Donghai verstummte, schüttelte den Kopf. „Das ist sogar noch verrückter als ich dachte."
Zuko ließ den Stahl los, ehe er noch heißer glühte. Verdammt noch mal, ich weiß wie riskant –
Donghais Mundwinkel zog sich an einer Seite hoch. „Könnte also doch klappen."
Zuko starrte ihn an, war sich bewusst, dass Sergeant Kyo sich unauffällig im Hintergrund hielt, und Asahi gerade ihre Federn sträubte, auf eine Art, die freundliches Chaos versprach.
„Ah, hier sind sie, Kapitän Donghai." Jee kam herbei geschritten, schaute kurz zu der heißen Luft, die um das Geländer herum schimmerte. Dann warf er seinem jungen Befehlshaber einen Blick zu.
Zuko errötete und trat einen Schritt zur Seite, um sicher zu sein, dass er Asahi packen konnte, falls sie übellaunig wurde. Es war doch nur das Geländer! Ich habe nichts in Brand gesteckt!
Aber das sagte er nicht. Suzuran stand unter Jees Befehl und der Kapitän hatte jedes Recht, sich jeden, der sie bedrohte, zur Brust zu nehmen. Das hatte er früher zwar nicht immer respektiert, doch jetzt wollte er es besser machen. Egal wie sehr er sich dafür auf die Zunge beißen musste.
„Kapitän Donghai ist hier als Repräsentant für ein paar unserer Verbündeten in der Flotte, um verschiedene Szenarien zu besprechen", fuhr Jee fort. „Wollen sie sich uns zum Tee hinzugesellen?"
Zuko verbarg eine Grimasse bei dem Unterton: Wir beide wissen doch, dass sie noch nicht herumlaufen sollten. Wie weit lassen sie sich von ihrem Stolz drängen?
Als ob er nicht selbst wusste, dass vor ihren Verbündeten zusammenzubrechen keine gute Idee war.
„Ich denke ich folge Heilerin Amayas Rat, Kapitän", sagte Zuko formell. „Bitte informieren sie General Iroh, dass ich vollstes Vertrauen in sie beide habe." Er hielt inne. „Und... sagen sie meinem Onkel, dass ich verstehe, warum er das, worüber wir vorhin gesprochen haben, getan hat. Ich stimme war nicht zu, aber ich verstehe es." Soll ich es ihm sagen?
… Ja. Keine Lügen mehr. „Und sagen sie ihm, und Agent Shirong, dass, wenn es um Verpflichtungen geht, sich Roku hinten anstellen muss. Ich erinnere mich an Kuzon."
Shidan, Iroh, Amaya/ Suzuran/ irgendwo im Erdkönigreich
„Na schön." Shirongs Augen schweiften durch die kleine Offiziersmesse, die Iroh sich ausgeborgt hatte und versuchte einzuschätzen, warum die Anwesenden seinem Blick auswichen. Und weshalb Zukos rätselhafte Bemerkung diese drei versammelt hatte, um mit ihm zu reden. Teruko, Amaya und der General selbst, jedoch keiner der Wens oder Kapitän Jee? Warum? „Ich kann verstehen, dass Verpflichtungen an einen Urgroßvater vielleicht die zu einem anderen überwiegen könnten, den Umständen entsprechend."
Feuerlord Sozin, Avatar Roku und Kuzon von Byakko. Geister, er fragte sich, ob es noch weitere Fässer voll Sprenggummi in dem Ast von Zukos Stammbaum gab, von dem er noch nicht wusste. „Aber was für einen Unterschied macht es, dass der Prinz sich an Kuzon erinnert? Geister nehmen üblicherweise keine Rücksicht auf menschliche Gebrechlichkeiten wie Erinnerung. Sie ziehen einen zur Verantwortung, egal ob man sich erinnert, sein Wort gegeben zu haben, oder nicht."
Schweigen. Ein schuldiges, stacheliges Schweigen, in dem keiner seinem Blick begegnete.
Oh, das ist wirklich übel. „Na schön", sagte Shirong vorsichtig. „Was ist die Verpflichtung, für die Zuko zur Rechenschaft gezogen wird?" Im Zweifelsfall, versuche den Handel der Geister zu finden. Und schau nach, ob sich ein Schlupfloch erzwingen lässt.
Iroh hustete in seine Hand, wirkte, als ob er sich wünschte, dass in seiner Tasse etwas Stärkeres war, als nur Tee. „Es scheint, Kuzon hat versprochen, Aang zu finden, ihn zurück zu bringen und ihn dazu zu bringen, sich dafür zu entschuldigen, dass er vor seinem Schicksal geflohen ist."
Oh. Oh, gute Güte. Das er klärte eine ganze Menge, was den geheimnisvollen Lord und Spion der Feuernation anging. Den Brief den Jinhai immer noch verwahrte eingeschlossen und dessen Fundort. Wo konnte man besser nach Hinweisen über einen Avatar der Luftnomaden suchen, als in Überlieferungen über den letzten Avatar der Luftnomaden? Trotzdem war da ein kleines Problem an Irohs Aussage. „Kuzon ist tot, alle Verpflichtungen, die sich Kuzon aufgeladen hat, sollten mit ihm in der Geisterwelt festhängen. Es sollte Zuko nicht dazu zwingen irgendeinen Teil davon zu erfüllen, genauso wie er nicht gezwungen ist, das Gleichgewicht für Avatar Roku und Ta Min zu wahren oder die Luftnomaden für Feuerlord Sozin und Tejina auszulöschen. Außer, sein letztes Paar Urgroßeltern hat sich eine echt üble Geisterschuld aufgeladen?"
„Drachen zahlen ihre Schulden selbst ab", sagte Teruko fest. „Shidans Klan hat das nicht über den Prinzen gebracht."
Drachen?, dachte Shirong verblüfft. Was auf der Erde meint sie mit –
Hätte er nicht ein Auge auf der gefährlichsten Person im Raum gehalten – aus schierer, paranoider Gewohnheit – hätte er es übersehen. Doch Shirong sah das leichte Zucken von Irohs Lächeln.
Okay, ignoriere es nicht, es ist wichtig, sagte sich Shirong fest. Aber hole es später aus ihnen heraus. Er benutzt es, um dich von dem Schlamassel mit Kuzon abzulenken, was das auch immer ist. Also heißt das, das ist sogar noch wichtiger.
Und dazu wirkte Teruko immer noch schrecklich schuldig. „Ich schätze, ich sollte ihn einfach fragen", überlegte Shirong laut.
… Und jetzt war die Katzen-Eule wirklich unter den Hühner-Schweinen. Doch es war eine entsetzte Stille, kein quiekendes Gegacker, das sich in die Ecken drängte.
„Ich frage ihn wirklich, wisst ihr", sagte Shirong gemessen. „Er hat mir auf diesem Zug das Leben gerettet. Auch wenn er mich später fast zu Tode erschreckt hat." Sie beide auf ein Boot zu verfrachten, um Guanyins Willen. Und das, obwohl er wusste, dass Erdbändiger und Wasser nicht zusammenpassten!
Doch auf Suzuran zu sein war nicht annähernd so schlimm wie die Horrorgeschichten, die er von Dai Li Agenten gehört hatte, die gezwungen waren, über Laogai See zu segeln. Das Metall war zwar unnachgiebig, ja, offensichtlich für den Krieg bestimmt... Doch das war die Äußere Mauer auch. Er konnte es hier aushalten. Bisher.
Dass Kapitän Jee auch Stücke des Zuges als Ballast eingeladen hatte, ausdrücklich um es den Erdbändigern an Bord angenehmer zu gestalten, hatte durchaus nicht geschadet.
„Es ist nicht leicht, darüber zu sprechen", sagte Iroh bedrückt.
„Er meint, dass sie uns alle für verrückt halten werden", warf Amaya ein und ihre blauen Augen waren dunkel vor Sorge. „Doch es ist wahr. Ich habe in keiner unserer Nationen von dieser Legende, die Iroh erzählt, gehört, doch nach allem, was ich in Zukos Geist gespürt habe..." Sie ließ einen langsamen Atemzug entweichen. „Es ist wahr. Ich weiß nicht, wie es sein kann, wie irgendein Geist diese Wahl treffen kann, doch er hat sie getroffen."
Shirong wurde kalt. „Welche Wahl?"
Iroh seufzte. „Zuko ist durch Kuzons Verpflichtung gebunden, weil in gewisser Weise, Kuzon nicht länger tot ist." Der General zögerte. „Doch hat er geschlafen, wie es scheint. Eine Gnade Agnis, die nie hätte geraubt werden sollen. Yangchen hat vieles, wofür sie sich verantworten muss."
Shirong fügte Fakten und Andeutungen zusammen und stolperte rückwärts gegen eine freundliche Wand. Guanyin sei gnädig. „Zuko hat schon zuvor gelebt. Und er weiß es."
Iroh neigte schweigend den Kopf.
Oh, Hölle.
Jeder wusste, dass Wiedergeburt der Lauf der Welt war. Dieses Leben war nur eines von vielen, predigten die Weisen und Mönche; ein tugendhafter Mensch würde als weiteres menschliches Leben wiedergeboren werden, genau wie der Avatar. Doch das war immer Jahre, wenn nicht sogar Jahrhunderte später. Zurückzukehren während Verwandte im 3. Grad noch lebten verwirrte das ganze Schicksalsnetz eines unschuldigen Kindes. Verpflichtungen der Vergangenheit, Verpflichtungen der Gegenwart – eine Seele konnte wahnsinnig werden, bei dem Versuch das alles auszubalancieren. Und selbst wenn man diesem Schicksal entrann...
Man hätte das allerschlimmste Pech der Welt.
Betäubt erkannte Shirong, dass nur die Wand ihn aufrecht hielt und Amaya besorgt einen Wasserball in den Händen hielt. „Mir geht es gut", sagte er rau. „Ich meine, es wird schon... Oma und Shu, was hat er denn getan, um das zu verdienen?"
„Wenn die Legenden wahr sind", sagte Iroh vorsichtig, „dann hat er sich ganz bewusst für Agnis Aufgabe angeboten. Um als Verbündeter für Verwandte und Freunde da zu sein, die verzweifelt Hilfe brauchten. So wie er bis zum Schluss da gewesen wäre, hätte er nicht den Tod gefunden."
„Lady Kotones Brief sagte, dass er nach einem Freund suchte." Shidans Herz sank. „Er hat nach Avatar Aang gesucht."
„Sie waren Freunde." Iroh nickte. „Wie sehr Zuko es jetzt auch bestreiten mag."
„Abstreiten würde ich es nicht nennen, wenn der Junge versucht hat ihn umzubringen," grummelte Shirong. „Splitter und Scherben, warum?"
„Ich kannte Lord Kuzon nicht gut", gestand Iroh. „Er war einer der Spione meines Vaters, einer der wenigen übrigen Feuerbändiger, die alt genug waren, um sich an eine Welt vor dem Krieg zu erinnern und Azulon traute ihm nicht. Doch er war unerschütterlich ehrenhaft. Hätte Agni ihm eröffnet, dass Aang auf die Welt zurückkehren würde und das die letzte, beste Chance war, das Gleichgewicht wiederherzustellen – Ich glaube, er würde nicht zögern." Iroh wirkte ernst. „Ich bete, dass ich auch nicht zögern würde, wenn mir ein solches Schicksal angeboten würde."
„Denn wenn sie es wären, dann käme das Schicksal der Welt zuerst", folgerte Shirong. „Egal was mit allen um ihnen herum geschähe." Es passte zusammen. Verdammt. „Kein Wunder, dass sie ihm nicht unter die Augen treten wollen. Kuzon hat vielleicht beschlossen, das sich selbst anzutun, aber sie waren dabei, das ihrem eigenen Neffen anzutun."
Iroh zuckte. Amaya nicht. „Was hätte er sonst tun sollen?", sagte die Heilerin vernünftig. „Der Stamm muss an erster Stelle stehen."
Von da kommt keine Hilfe. Und der General fühlt sich schuldig, aber nicht so sehr, dass er seine Meinung ändert, dachte Shirong. Aber Teruko... „Vor ein paar Monaten hätte ich ihnen zugestimmt", gab der Agent zu. „Bevor mir klar wurde, dass meine Generäle kurz davor waren ein zwölf Jahre altes Kind als Waffe zu missbrauchen." Er begegnete entschlossen Amayas Blick. „Ich habe keine Ahnung, was ihr vom Wasserstamm bereit seid zu tun, aber wenn wir das gemacht hätten, um Ba Sing Se zu retten, dann hätten wir alles verdient, was die Feuernation uns angetan hat."
„Der Luftbändiger ist ein Kind." Iroh schritt ein, um sie zu verteidigen. „Doch Zuko ist ein Prinz der Feuernation. Er wuchs auf, um den Befehl und die Verantwortung zu tragen."
„Und er wird verantwortungsvoll sein, bis es ihn umbringt", sagte Shirong bitter. „Haben sie denn nicht zugehört, General? Haben sie nicht gehört, was er gesagt hat? Was sie gesagt haben? Kuzon ist nicht für die Welt zurückgekommen. Er ist eindeutig nicht wegen des Feuerlords zurückgekommen."
Goldene Augen wurden schmal. „Warum dann?"
„Wenn sie das nicht durchschauen", sagte der Agent trocken, „dann sollten sie das besser ihn selbst fragen."
Aang & Co, Tao/ Küste/ irgendwo im Erdkönigreich
„Ozeangeister, Flussgeister, Windgeister, Quellengeister, Minengeister – Minengeister?" Aang zählte sie an den Fingern ab, während Katara ihr Mittagessen rührte, dann warf er Tao einen ungläubigen Blick zu. „Minen sind da, wo Leute in die Erde graben. Wie können sie einen Geist haben?"
„Hey, ich grabe ständig in die Erde", warf Toph ein.
„Ja, aber das ist Bändigen", zeigte Aang auf. „Das ist was anderes."
„Meinst du?" Sokka warf ihm wieder einen dieser komischen abwägenden Blicke zu. „Ich dachte, du bist froh, dass Teos Leute in der Luft sind."
„Das bin ich auch." Aang nickte. „Aber das ist anders. Sie bändigen zwar nicht, aber sie schaden auch nichts."
Tao zog eine graue Augenbraue hoch. „Also glaubst du, dass ein Bändiger nie der Erde schaden würde?"
„Man spürt das eigene Element", erklärte Katara. „Wie könnte man ihm je schaden?"
„Die meisten Bändiger werden nie mit ihrem Element so im Einklang sein, wie du, junge Dame", erwiderte Tao. „So wie viele Leute im Erdkönigreich, vermeiden Adelige es, je die Erde zu berühren, außer, sie sind verpflichtet sie zu bändigen. Sie reiten, gewiss, oder nehmen einen Wagen oder eine Sänfte – aber zu erlauben, dass die eigenen Füße beschmutzt werden? Das ist für Viehhirten. Und Soldaten. Und Bauern."
Er gab dem Wort den gleichen Dreh, wie Zuko, als er gegen Katara gekämpft hatte. Aang spürte, wie etwas in ihm stockte.
Taos Stimme wurde wieder sanft, freundlich. „Sie vergessen die Pflicht, die sie der Erde schulden, die sie hervorbrachte. So wie die Feuernation vergessen will, dass sie einst die Ehre der Welt waren." Er senkte den Blick. „Es ist eine traurige Welt, die in deine Obhut gegeben wurde, junger Mann. Wir sind alle so gebrochen. Ich habe seit fast einem Jahrhundert nach Wegen gesucht, um uns zu heilen. Doch was immer ich auch versuche, decke ich nur noch tiefere Wunden auf."
„Sozin hat die ganze Welt ruiniert", sagte Sokka ernst. „Mann."
Katara stocherte in die Glut. „Es hat nicht mit ihm angefangen."
„Tatsächlich?" Tao lehnte sich etwas zurück, als ob er nur höflich interessiert war.
Aber das ist nicht alles, erkannte Aang. Er weiß etwas!
„Xiangchen hat die Luft-Heiler geholt und Chin die Erd-Heiler und Sozin... er hat die Feuer-Heiler geholt," sagte Katara leise.
Sie hatte das jetzt nicht wirklich gesagt, oder? Er musste sich verhört haben. „Xiangchen hat was?", stotterte Aang.
„Erd-Heilen", sagte Tao langsam und ignorierte ihn. „Nun, das ist eine Legende, von der ich seit langem nicht mehr gehört habe. Sehr lange nicht", sagte er bei sich. Er stieß langsam den Atem aus, dann kehrte er sich wieder der Gegenwart zu. „Woher weißt du von Chin?"
„... der Mond hat mir eine Vision geschenkt."
„Ah." Tao nickte.
Aang blinzelte, wurde von der Unmöglichkeit, die sie über Xiangchen gesagt hatte abgelenkt. „Ah? Sie hat mit dem Mond gesprochen!"
„Und das ist eine Ehre und ein Segen." Tao runzelte die Stirn, betrachtete ihn. „Oje, dachtest du, dass das etwas so Bemerkenswertes ist?"
„Aber..." Aang schluckte hart. „Der Avatar ist die Brücke zwischen den Welten."
„Natürlich." Tao nickte. „Doch am Ende der Lebenszeit jedes Avatars ist diese Brücke für viele Jahre fort. Jene von uns, die keine derartigen Kräfte haben, die aber in Not sind, können eine seichte Stelle finden, um hinüber zu gelangen, falls jemand von der anderen Seite bereit ist, uns zu begegnen. Selbst wenn wir unwürdig sind." Seine Augen wirkten gequält. „Selbst wenn wir niemals würdig sein können."
Das hörte sich nicht gut an. Aang warf einen Blick zu den anderen, sah wie sie sich anspannten. Toph wirkte ruhig, aber er erkannte an den sorgfältig platzierten Füßen, dass alles, was falsch zuckte, geplättet werden würde. „Was meinen sie damit?", fragte er vorsichtig. „Sie kommen mir wie ein guter Mann vor. Warum sollten die Geister nicht mit ihnen reden, wenn sie es wollen?"
Tao seufzte und senkte den Kopf. „Avatar Aang. Luftbändiger Aang. So gerne ich dir auch von den Geistern lehre, ist das nicht wirklich der Grund, weshalb ich hier bin." Er verbeugte sich tief. „Ich kam, um deine Verzeihung zu erflehen."
„Warum?", fragte Aang, während Angst seinen Hals trocken werden ließ. Wurden sie gleich wieder an die Feuernation verraten? Mussten sie gleich wieder weglaufen, weil er nicht stark genug war, um zu gewinnen? „Was haben sie getan?"
„Nichts", sagte der alte Mann leise. „Vor hundert Jahren tat ich... nichts."
„Ich verstehe nicht", protestierte Aang. Doch er verstand es, oh Geister, er verstand. Und es war entsetzlich. „Warum... warum haben sie das gemacht? Was haben wir ihnen je angetan?"
„Junger Mann", Tao sah auf, seine grünen Augen waren durch alten Schmerz überschattet. „Warum bei der Erde glaubst du, dass es wegen etwas ist, das ihr getan habt?"
Er wollte wimmern. Wirklich. Denn wenn das stimmte – wenn es stimmte, dann war die Welt nicht fair und die Geister waren nicht fair und das konnte nicht richtig sein! Denn wenn die Geister nicht fair waren, dann –
Aangs Gedanken scheuten von Eis und Nacht und Schmerz zurück. Ich bin der Avatar, ich soll dafür sorgen, dass alles fair zugeht.
Katara griff nach seiner Schulter und drückte sie sanft. „Das sollten sie besser erklären, Meister Tao."
Der Schamane verzog das Gesicht. „Es ist nicht leicht, davon zu sprechen." Er seufzte. „Und das sollte es auch nicht sein."
„Also habt ihr zugelassen, dass die Feuernation zu den Tempeln hin kam", sagte Toph ausdruckslos.
„Ja", gestand Tao. „So ist es."
Aang schluckte, brachte aber kein Wort heraus. Er schaute zu Sokka, seine grauen Augen flehend.
„Ich beiß an", seufzte Sokka. „Warum?"
„Weil es uns nicht kümmerte."
Aang starrte ihn an, wollte zittern. Wollte – wollte jemandem wehtun und das war einfach schrecklich. Nicht kümmerte? Es hatte sie nicht gekümmert?
„Wir sind Erde und wir erinnern uns." Taos Gesicht war schuldbewusst. „Es ist gut, die Vergangenheit zu ehren, damit die Traditionen, die uns als Volk binden, weiterleben. Doch Erinnerung birgt Gutes wie Schlechtes und zu oft vergessen wir das wahre Herz der Erde: nicht Tradition, sondern Mitgefühl." Er senkte die Augen. „Wir klammern uns an jahrhundertealten Groll wie ein Geizhals an Jademünzen. Und so erinnerten wir uns daran, was ihr getan habt, oder nicht getan habt, als Chin, der Eroberer, sich plündernd und brandschatzend seinen Weg durchs Land bahnte. Und wie ihr nicht handeltet, so handelten auch wir nicht. Wir sahen, wie die Feuernation ihre Truppen sammelte. Wir hörten ihre hasserfüllten Worte und wir konnten erraten, was sie vorhatten. Und wir taten – nichts."
„Wieso?" Kataras Stimme zitterte und ihre Hand drückte Aangs Schulter schmerzhaft fest. „Wie konntet ihr das zulassen? Sie haben alle umgebracht. Jeden Himmelsbison. Jedes Kind!"
„Es ist einfacher als ihr glaubt, wenn man nicht sieht, was geschieht", sagte Tao scharf. „Man sagt sich, dass sie Nomaden sind. Vielleicht sind sie einfach weggeflogen. Man redet sich ein, dass die Feuernation zu stark ist, um es mit ihnen aufzunehmen. Dass der Avatar sie hätte aufhalten sollen, so wie Roku die erste Invasion von Feuerlord Sozin aufhielt. Und schlimmer noch", sein Atem stockte, wettergegerbte Finger packten seinen Stab wie einen Zweig in einer Flut. „Schlimmer noch, man belügt sich selbst und sagt, dass sie es verdient hatten. Dass sie arrogant waren. Dass sie Außenseiter waren, die für die Sünden ihrer Vorgänger leiden sollten, jene, die über die Köpfe der eigenen, weit zurückliegenden Ahnen hinwegflogen, als deren Felder niedergebrannt, seine Brüder erschlagen und Frauen und Töchter geschändet wurden. Und nichts taten." Er starrte in schreckliche Erinnerungen. „Man redet sich das alles ein. Und alles das ist wahr und doch gelogen. Denn es gibt nichts, nichts, das rechtfertigt, Guanyins Gnade aufzugeben. Doch wir taten es. Und so ließen wir zu, dass ein Volk starb."
„Und sie wollen, dass Aang sie rettet?", fauchte Katara.
„Nein", sagte Tao fest. „Wir, die wir Guanyin verrieten, aus Furcht oder Hass – wir verdienen die Hilfe des Avatars nicht. Doch unsere Kinder..." Er hob seinen Blick, und der Schmerz darin war schrecklich. „Ich kann um nichts bitten. Doch für jene, die geboren wurden und nur Krieg kennen, die nie die Chance hatten, dein Volk zu –"
„Stopp", sagte Aang schwach. „Hören sie auf."
Seine Freunde wurden still. Sokka sah ihn ernst an. „Aang?"
„Beim Avatar geht es nicht darum wer Hilfe verdient", brachte Aang heraus. „Es geht darum, das Richtige zu tun. Die Welt muss wieder ins Gleichgewicht gebracht werden. Das heißt, wir müssen die Feuernation aufhalten." Er schluckte. „Und das heißt, ich verzeihe ihnen."
Tao wendete die Augen ab. „Das verdiene ich nicht."
„Gyatso sagte mal, dass niemand es verdient hat, Vergebung zu erhalten." Aang erinnerte sich an jenen Tag – es schmerzte in ihm. Guru Pathik hatte gesagt, dass die Liebe der Luftnomaden als neue Liebe wiedergeboren worden war... aber es war Gyatso. „Ich sagte zu ihm, dass sich das schrecklich anhörte. Dass es irgendwas geben musste, was man tun kann. Aber er sagte nein. Vergebung ist nicht für die anderen. Es geht um einen selbst." Er holte tief Luft. „Was sie gesagt haben, das tut weh. Sehr. Aber sie haben auch daran gelitten, die ganze Zeit über. Und als Stiefel zu ihnen kam... sie hätten weggehen können und wir hätten nichts erfahren. Aber sie sind das nicht. Sie sind gekommen, um uns zu helfen. Auch... auch als sie dachten, dass ich sie hassen würde." Er biss sich auf die Lippen. „Und sie wissen, was Roku gemacht hat, als er Sozin das erste Mal aufgehalten hat. Sie wissen, was ein Avatar tun kann, wenn... wenn wir wütend werden." Er schluckte trocken. „Sie sind wirklich tapfer."
Tao zog eine Braue hoch. „Weil ich es wagte, dir unter die Augen zu treten?"
„Nein", sagte Aang, dachte darüber nach. „Weil sie die Hoffnung nicht aufgaben." Er schaute zu Katara und das Staunen auf ihrem Gesicht ließ sein Herz schneller schlagen. „Es braucht viel Mut, um nicht aufzugeben."
Toph grinste. Sokka gab ihm ein Daumen hoch und warf Tao einen abschätzenden Blick zu. „Also waren sie schon da, bevor Aang zur Welt kam, was? Wie war es damals so?"
Tao wirkte gründlich verblüfft. „Du brauchst Unterweisung in den Wegen der Geister..."
„Ja, das auch", stimmte Aang zu. „Aber ich muss die Welt wieder ins Lot bringen." Er warf die Hände hoch. „Wie soll ich das machen, wenn mir keiner sagt, wie es sein soll?"
„Hmm." Tao strich seinen Bart. „Nun. Meine Mutter wurde von der Invasion entwurzelt, wisst ihr; Feuerlord Sozin war zwar gezwungen, sich zurückzuziehen, doch sie hatte schon beschlossen, dass das Yin und Yang des Ortes hoffnungslos ungünstig für sie war. So kam ich in Taku zur Welt, in der großen Kräuterschule..."
Aang lehnte sich zurück und machte sich bereit eines der schwersten Dinge in seinem Leben zu tun.
Stillsitzen und zuhören.
Autor-Notizen:
Duo Qang – sentimental, gefühlvoll. Habe das in einem Buch über Poesie der Tang Dynastie gefunden.
Um die Fragen von ein paar Reviewern zu beantworten: kanonmäßig gibt es Katzen im Avatar-verse. Und Verdrängung lässt ein metallenes Schiff schwimmen... oder einen Zug mit gekurvten 'Flügeln' aus Eis, die geformt sind, um genug Wasser zu verdrängen, um die Masse des Zuges auszugleichen, damit der See den Zug trägt. Zuko hat sich seit drei Jahren auf einem Stahlschiff befunden. Er weiß wie so was funktioniert.
Und ja, ich lese die Reviews. Jede einzelne. (grins) Ich habe schon einen festen Plan für die Geschichte. (Und ich stecke bis beide Augenbrauen in Unterricht. Also ist Zeit zu finden, um zu antworten sehr klar auf dem zweiten Platz nach dem Schreiben der Geschichte. Verflixt noch mal.)
Für den, der den Logeintrag in der Just Bugs Me Embers tropes-Seite gestellt hat, der den 1. WK erwähnt über die dreckigen und schwierigen moralischen Situationen, die auftreten, wenn man versucht nach einem Krieg aufzuräumen – Juchuu! Der war klasse! 'Wenn die Leute mit dem Idioten-Ball Fangen spielen', ja. Genau das. Und nebenbei, viele eurer Spekulationen über die Luftnomaden stimmen.
Schließlich eine Notiz über die, die etwas geschrieben haben über die Unterschiede zwischen dem Konzept 'For Want of a Nail' und AU... ein Teil des Problems ist, dass ich, als ich mit dieser Geschichte begonnen habe, nicht beabsichtigte, dass sie auch nur annähernd so AU wird, wie sie dann wurde. Aber dann forsche ich nach, was genau Völkermorde im RL auslöst und was üblicherweise vorher geschehen muss. Und dann fragte ich mich, warum Wasser das einzige heilende Element war und wie das ausgeglichen wird, wenn alle Elemente angeblich notwendig sind für das Gleichgewicht der Welt. Und dann haben die Bunnies Koh und Wan Shi Tong und ein paar andere Sachen miteinander verbunden...
Es, ähm, ist wohl etwas aus dem Ruder gelaufen. Sorry.
Wenigstens habe ich jetzt eine ziemlich gute Idee für alle Hintergründe für dieses AU. Und es ist drastisch AU. Ohne Frage. Hoffentlich 'Scarlet and Black', wenn ich zu dem AU zurückkomme, wird mehr 'For Want of a Nail' sein.
Übersetzer-Notizen: 'Scarlet and Black' ist eine weitere von Vatharas Geschichten, die ich allerdings nicht übersetzen werde.
'For Want of a Nail' bezeichnet ein Trope, bei dem ein kleiner Auslöser große Auswirkungen nach sich zieht.
