Kapitel 21

- Sieben Monate später –

„Neville!"

Er zuckte zusammen und sah sich nach Ginny um, die ihn mit hochgezogenen Augenbrauen und in die Hüften gestemmten Armen musterte. „Was?"

„Willkommen in der Wirklichkeit", entgegnete sie. „Wo bist du bloß mit deinen Gedanken?"

Neville spürte, wie seine Wangen heiß wurden.

„Okay, ich will es nicht wissen", schlussfolgerte Ginny daraufhin, bevor er auch nur ein Wort sagen konnte. „Aber es wäre schon nett, wenn du mir ein bisschen helfen könntest, anstatt nur Löcher in die Luft zu starren und das Kissen festzuhalten."

Er sah hinab auf seine Hände und war überrascht, dass er dort tatsächlich ein Kissen fand. Es war eines jener Kissen, mit denen sie die Trainingsmatten für die heftigeren Zaubereien aufgepolstert hatten. Streng genommen musste der Raum der Wünsche zwar nicht aufgeräumt werden, bevor sie ihn verließen. Aber da magische Dinge so manches Mal ihren eigenen Kopf hatten und sie es sich im Moment nicht leisten konnten, ihren Trainingsraum zu verlieren, hatten sie beschlossen, wenigstens für Ordnung zu sorgen.

„Tut mir leid", murmelte Neville also und machte sich wieder an die Arbeit. Die Kissen stapelte er säuberlich in einer Ecke des Raumes, während Ginny liegen gebliebene Essensverpackungen in einen Korb warf.

So richtig lange konnte Neville sich jedoch nicht mit seinen Gedanken in diesem Raum halten. Der Krieg rückte immer mehr ins Bewusstsein aller Schüler, die Trainingsstunden verliefen meistens angespannt. Auch Neville war schon seit geraumer Zeit nervös und unkonzentriert; seit fast einem Jahr bereiteten sie sich darauf vor, den Todessern und Du-weißt-schon-wem die Stirn zu bieten, so langsam würde er es gerne hinter sich bringen.

Und weil diese allgegenwärtigen Gedanken ihn noch nervöser machten, hatte er es sich angewöhnt, sie bewusst auszublenden. Und das einzige, was stark genug war, um zuverlässig und dauerhaft zu funktionieren, war Draco.

Draco, der ihn mitten im Flur hinter einen Wandteppich zog und so unerwartet und heftig küsste, dass Neville die Knie weich wurden, während nur einen Meter entfernt die nächsten Schülergruppen den Korridor passierten.

Draco, der ihm durch die Große Halle Blicke zuwarf, die Neville grundlos das Herz flattern ließen – bis vor einem Jahr hatte Draco nämlich Harry auf diese Weise taxiert und nichts daran war romantisch gewesen. Nur dass es das zwischen ihnen eben doch war. Auf eine slytherinsche Art und Weise.

Und natürlich Draco, der nackt neben ihm lag, den Kopf auf Nevilles Brust und ihre Beine ineinander verhakt wie zum Dreibeinrennen.

Neville konnte nicht sagen, wann und wie es geschehen war, aber sie hatten begonnen, einander zu vertrauen. Und nicht nur das, irgendwann hatten sie auch angefangen, miteinander zu planen. Sie waren zu aufrichtigen Partnern geworden. Gut, heimliche Partner, aber immerhin.

„NE-VILLE!"

Er wirbelte herum und blinzelte, als hätte Ginny ihn aus dem Tiefschlaf gerissen. „Ich bin da."

„Phasenweise", kommentierte sie. „Hilfst du mir wenigstens, die Matten aufeinander zu stapeln?"

Er sah sich im Raum der Wünsche um und musste feststellen, dass sie die restlichen Aufräumarbeiten tatsächlich alleine erledigt hatte. Beschämt senkte er den Blick und schlich zu ihr, um zwei Ecken einer Matte zu ergreifen. „Es tut mir so leid!", hauchte er dabei.

Sie seufzte, vielleicht weil das Gewicht der Trainingsmatten schwer an ihren Armen zog nach dieser anstrengenden Einheit. „Wann kommt Draco nochmal zurück?"

Ohne dass Neville etwas dagegen tun konnte, erblühte ein Grinsen auf seinem Gesicht. „Morgen."

„Wird auch langsam Zeit."

Neville pflichtete ihr mit einem „Mh-hm" bei; nach dem letzten Todessertreffen hatte Draco gerade noch Zeit gehabt, ein paar Sachen zusammen zu packen und eine Eule an Neville zu schicken, dass er für einige Zeit das Schloss verlassen musste. Er hatte nicht geschrieben, wohin er ging oder was er dort tun sollte. Aber vorgestern hatte Neville eine weitere Eule bekommen, die seine Rückkehr ankündigte. Nach fast zwei Wochen.

Es dauerte nicht lange, bis sie die Matten aufeinander gestapelt hatten. Der Raum wirkte leer und viel zu groß und ihre Stimme hallte etwas, als Ginny fragte: „Du zuerst oder ich?"

„Geh du ruhig", erwiderte Neville. Seitdem die Carrows Hogwarts verlassen hatten (beide in äußerst schlechtem Gesundheitszustand), waren sie dazu übergegangen, alleine in die Gemeinschaftsräume zurückzukehren. Ein Schüler nach der Sperrstunde war weniger verdächtig als zwei.

„Okay, dann bis gleich." Und schon war Ginny durch einen schmalen Türspalt geschlüpft und auf dem Gang verschwunden.

Neville warf einen Blick auf seine Uhr und dann wartete er. Jetzt, wo er in seine Gedanken sinken durfte, so tief er wollte, gelang es ihm nicht. In seinem Bauch war etwas Wuseliges erwacht, das ihn ruhelos durch den Raum streifen ließ. Ihm fiel auf, dass er aufs Klo musste und dass der Raum der Wünsche nur funktionierte, wenn man vor dem Betreten fest an seinen Wunsch dachte und nicht, wenn man bereits darin war.

Aber allzu stark konnte der Wunsch nicht gewesen sein, denn als an einer Wand des Raums ein Gemälde erschien, war jeder Gedanke daran verschwunden.

Zuerst war das Bild leer. Nur eine malerische Hügellandschaft war zu sehen, das hohe Gras bewegte sich träge im Wind, ein paar Schäfchenwolken zogen am blauen Himmel vorbei. Dann trat ein Mädchen in die Landschaft. Nicht irgendein Mädchen, es war das Mädchen aus dem Gemälde in Aberforths Räumen, das den Geheimgang verbarg.

Sie sah Neville mit ernster Miene an und sagte: „Aberforth möchte, dass ich dich hole."

„Was ist passiert?" Neville glaubte, ihm rutsche das Herz in die Hose. Für ein paar Sekunden tanzten Sterne vor seinen Augen und eine beklemmende Kälte kroch seinen Rücken hinauf.

Das Mädchen brauchte allerdings nur einen Satz, um Nevilles Befürchtungen in reine Freude zu verwandeln: „Harry Potter ist dort."


Es war, als wäre Draco niemals fort gewesen. Er saß am Slytherin-Tisch in der Großen Halle, genoss sein Frühstück und unterhielt sich mit seinen Klassenkameraden.

Neville hingegen blieb eine Sekunde lang wie angewurzelt stehen. Über die Rückkehr von Harry, Ron und Hermine hatte er Draco für ein paar Stunden komplett vergessen. Außer Ginny und ihm wusste noch niemand, dass die drei wieder im Schloss waren und so hatten sie sie im Raum der Wünsche einquartiert, nachdem sie fast drei Stunden lang erzählt hatten, was ihnen im vergangenen Jahr widerfahren war.

Nachdem Neville dann gegen zwei Uhr morgens in sein eigenes Bett gekrochen war, war er einerseits so erschöpft gewesen, dass er keinen Muskel mehr freiwillig bewegt hätte; andererseits ging ihm so viel durch den Kopf, dass er keine Ruhe fand und erst gegen halb fünf einschlief. Die ersten Vögel hatten schon vor dem Fenster zu singen begonnen und das Weckerklingeln war nur eine gefühlte Minute entfernt gewesen.

Und nun stand er da und starrte Draco an wie einen Geist. Freude und schlechtes Gewissen, weil er ihn vergessen hatte, verknoteten seine Eingeweide. Er ließ sich auf einen Stuhl am Gryffindor-Tisch plumpsen und zwar so, dass er Draco den Rücken zuwandte.

Kurz danach kamen Dean und Parvati und setzten sich zu ihm. Seitdem die Carrows die Schule verlassen hatten, war das Essen etwas erträglicher geworden. Es gab weichen Toast und Butter, Karaffen mit klarem Wasser und ein paar nur leicht gelbliche Äpfel.

„Ich wünschte, sie würden einfach mal einen Teebeutel reinhängen", nörgelte Parvati, während sie sich Wasser in ihr Glas füllte. „Ich würd auch kalten Beuteltee trinken."

„Sei froh, dass es überhaupt was gibt", entgegnete Dean, der sich klaglos eine Scheibe Toast butterte und hineinbiss.

„Ich hasse pures Wasser."

Neville hatte den Kopf in die Hand gestützt, während er die beiden beobachtete. Die Tatsache, dass Draco hinter ihm saß, ließ seinen Rücken kribbeln, als würden Ameisen daran hinauf und hinab laufen. Sein Magen war wie zugeschnürt.

„Willst du nichts essen?", fragte Dean nach ein paar Minuten.

„Kein Hunger", murmelte Neville.

„Bist du krank?" Parvati. Sie kniff die Augen zusammen und musterte ihn eingehend. Es fehlte nicht mehr viel und sie hätte die Hand ausgestreckt, um seine Stirn zu befühlen.

„Nur müde." Um weiteren Fragen zu entgehen, nahm Neville einen der Äpfel und ließ ihn in seine Tasche gleiten. „Bis später." Dann stand er auf und verließ die Große Halle.

Jedenfalls hatte er das geplant. An den Flügeltüren lief ihm jedoch jemand so heftig in die Seite, dass er gegen die nächste Wand stolperte und sich heftig den Ellbogen anstieß.

„Pass doch auf, du Depp!", pöbelte eine ihm wohl bekannte Stimme prompt. „Ihr Gryffindors seid echt ein Sicherheitsrisiko." Draco verzog angewidert das Gesicht, Crabbe und Goyle, die dicht hinter ihm waren, lachten grunzend. Dann hob er die Hand, in der er einen gelblichen Apfel hielt, und biss hinein.

Neville sah ihnen mit offenem Mund hinterher, als sie auf die Treppe zu den Kerkern zusteuerten. Kaum waren sie jedoch verschwunden, sah er sich nach links und rechts um. Die Eingangshalle war verlassen. Aufgeregt durchwühlte er die Taschen seines Umhanges und sein Herz machte einen heftigen Sprung, als er fand, wonach er gesucht hatte. Er zog das gefaltete Pergament hervor und weil er so nervös war, ließ er es beinahe fallen.

RdW, heute, 8pm.

Neville biss sich auf die Unterlippe, aber das Grinsen ließ sich nicht beherrschen.


Neville war so nervös, dass er den ganzen Tag lang nicht mehr still sitzen konnte. Er überlegte, wie er Harry, Ron und Hermine aus dem Raum der Wünsche bekommen konnte, ohne dass es verdächtig war. Er überlegte, wie er ihnen erklären sollte, dass – wo auch immer sie hingingen – er sie nicht begleiten konnte. Und er überlegte, ob es so werden würde wie vorher.

Natürlich hatten Draco und er sich schon mal zwei Wochen lang nicht gesehen. Die Weihnachtsferien hatten sie getrennt verbracht. Aber es war ein Unterschied, ob er für zwei Wochen zu seinen Eltern nach Hause fuhr oder zwei Wochen lang Du-weißt-schon-wem diente.

Bei dem Gedanken zog sich Nevilles Magen so sehr zusammen, dass er auf seinem Stuhl hin und her rutschte.

„Sag mal", raunte Seamus ihm zu, „hast du was Blödes gegessen oder was ist los?"

„N-Nein", entgegnete Neville, „alles gut. Wieso?"

Seamus kam nicht mehr dazu zu antworten, denn Professor McGonagall hatte ihre kleine Unterhaltung bemerkt und Seamus nach vorne geholt, um eine Verwandlung vorzuführen. Leider wurde aus der Feder kein Papagei sondern eine altersschwache Krähe.

Neville war froh, als er den Unterricht endlich hinter sich gebracht hatte. Wie ein geölter Blitz lief er in den Gemeinschaftsraum, schmiss seine Schulsachen auf das Bett und huschte zusammen mit Ginny, die mindestens genauso ungeduldig auf ihn gewartet hatte, zum Raum der Wünsche.

Harry, Ron und Hermine saßen im Schneidersitz auf dem Boden und unterhielten sich mit sorgenvollen Gesichtern. Als Neville und Ginny den Raum betraten, verstummten sie. „Hey!", begrüßte Neville sie. Ginnys Begrüßung bestand darin, Harry so hingebungsvoll zu küssen, dass er beinahe nach hinten kippte.

Hermine lehnte sich an den beiden vorbei. „Wir müssen hier raus, Neville!"

Was immerhin schon mal eines seiner Probleme löste. „Okay. Und wohin?"

Sie stand auf und wischte sich mit beiden Händen über den Po. „Wir wissen es nicht. Aber irgendwo hier im Schloss ist ein Horkrux und den müssen wir finden und zerstören."

Ginny riss sich von Harry los und wischte sich verstohlen über den Mund. „Wenn dieser Horkrux genauso ein Trödelkram ist wie die, von denen ihr uns erzählt habt, hab ich vielleicht eine Idee."

„Du?", fragte Ron entgeistert.

Ginny stemmte die Hände in die Hüften. „Was soll das denn heißen? Und überleg dir genau, was du jetzt sagst!"

Daraufhin zog Ron es vor, nur unverständlich vor sich hinzumurmeln.

„Was für eine Idee?", fragte Harry und stand nun ebenfalls auf, die Lippen ganz rot.

Ginny wandte sich von ihrem Bruder ab. „Luna hat mir letztes Jahr irgendwann mal von einem verschwundenen Krönchen oder so erzählt. Es gehörte Rowena Ravenclaw."

„Das Diadem", korrigierte Hermine, legte jedoch nachdenklich den Kopf schief. „Das könnte passen."

„Und wo ist es?", fragte Ron und kam Neville damit zuvor.

Zum Glück, denn Ginny entgegnete genervt: „Wenn man das wüsste, wäre es nicht verschwunden, Ron!"

„Am besten fragen wir Luna", überging Hermine diesen Einwurf. „Sie kann uns in den Gemeinschaftsraum bringen."

Harry nickte zustimmend und so machten Neville und Ginny sich wieder auf den Weg.


Zwei Stunden später hockte Neville hinter der Statue von Barnabas dem Bekloppten und versuchte zu ignorieren, dass seine Beine taub waren. Ungeduldig schaute er den Gang hinauf und hinunter, aber es regte sich nichts. Quälend lange Minuten strichen vorbei, bis sich endlich Schritte näherten. Nevilles Herz schlug schneller und als er Draco erkannte, schoss er so schnell in die Höhe, dass die Statue verdächtig schwankte. Da seine Beine jedoch nahezu gefühllos waren, ließ ihn bereits der erste Schritt straucheln und hätte Draco nicht so gut reagiert, wäre Neville der Länge nach hingeschlagen.

„Pass doch auf, du Tollpatsch", sagte Draco, aber in seiner Stimme schwang keinerlei Verärgerung oder Gehässigkeit mit. Es klang eher wie ‚Es ist schön, dich zu sehen'.

„Tut mir leid", erwiderte Neville in demselben Tonfall.

Draco lächelte und küsste ihn, schlang die Arme um seinen Rücken und presste ihn an sich.

„Wo bist du gewesen?", fragte Neville, als die Umarmung länger als gewöhnlich andauerte. Was einerseits gut war, weil seine Beine so erbärmlich kribbelten, dass er sie am liebsten niemals wieder bewegen wollte. Aber andererseits machte er sich Sorgen.

„Kampfvorbereitung mit Du-weißt-schon-wem", murmelte Draco.

„Geht es dir gut?"

„Hm." Er schob Neville von sich. „Lass uns reingehen, ja?"

Neville beobachtete, wie Draco seine drei Runden vor dem Raum der Wünsche drehte und als die Tür erschien, ließ er sich von ihm hineinziehen. Der Raum war klein, viel kleiner als zu Trainingszwecken für die DA. Er war gerade groß genug, um ein Doppelbett hineinstellen zu können. Und genau das stand da auch, umschmeichelt von weichem Halbdunkel.

„Ähm … was …"

Draco streckte die Hand aus und legte einen Zeigefinger auf Nevilles Mund. „Nicht reden." Dann streifte er ihm den Umhang von den Schultern und begann, das Schulhemd aufzuknöpfen.

Aufregung explodierte in Nevilles Bauch. Es fühlte sich an, als wäre es Jahre her, dass Draco ihn berührt hatte, dass er ihn nackt gesehen und ihm nahe gewesen war. Es war, als wären sie nicht mehr dieselben.

Aber die Unsicherheit verflog schnell, beinahe schneller, als sie gekommen war. Das spärliche Licht machte es Neville leichter, seine Hemmungen zu überwinden und bald öffnete er genauso begehrlich die Knöpfe an Dracos Hemd, legte die unbehaarte glatte Brust frei und fuhr mit flachen Händen über die warme Haut. Dracos Brustwarzen verhärteten sich und pressten sich gegen Nevilles Handflächen.

„Du hast mir gefehlt", flüsterte Draco, griff in Nevilles Haare und zog ihn zu einem Kuss heran, der Neville beinahe den Boden unter den Füßen wegzog. So wie kurz zuvor die Aufregung, explodierte nun die Erregung und er war davon so überrascht, dass er heftig gegen Dracos Lippen stöhnte.

Neville tastete sich über Dracos Bauch zu seinem Hosenbund, während er aus seinen Schuhen schlüpfte. Der Schritt des anderen hatte sich bereits merklich ausgebeult und Neville kannte die Erleichterung, die es ihm verschaffen musste, als er den Reißverschluss aufzog. Er massierte die Erektion unter dem dünnen Stoff der Boxershorts und Draco biss kurz in Nevilles Lippe.

„Scheiße", fluchte Draco und lehnte seine Stirn gegen Nevilles, während er die Hand von seinem besten Stück zog. „Mach so weiter und das hier ist schneller vorbei, als es begonnen hat."

Neville griente selbstzufrieden, machte aber trotzdem etwas langsamer. Er sah Draco in die Augen, als er mit beiden Händen in den Bund der Boxershorts griff und über die festen Pobacken strich, während er sie hinunterzog. Eine Gänsehaut bildete sich unter seinen Fingern und begleitete ihn auf seinem Weg über die Oberschenkel und Leisten zurück zur Brust.

Draco öffnete den Mund ein Stück. Sein Atem war flach und schnell und es dauerte einen Moment, ehe er die Worte sortiert hatte, die er sagen wollte: „Lass es uns tun, Neville."

„Wir sind doch dabei", entgegnete dieser.

„Nein, ich meine … richtig."

Neville erstarrte in seinen Bewegungen und obwohl er sich vorgenommen hatte, cool zu bleiben, wenn dieser Moment kam, spürte er, dass seine Augen größer wurden und seine Lippe zuckte. „Jetzt?", hauchte er.

Nun griente Draco; es gefiel ihm offensichtlich, Neville aus der Fassung gebracht zu haben. „Außer du willst noch länger in meine Hand wichsen. In dem Fall …"

„Nein!" Neville schüttelte heftig den Kopf. „Lass … lass es uns tun."

„Gut." Trotz seines flapsigen Kommentars war Draco sichtlich erleichtert. „Gut", wiederholte er noch einmal, leiser.

Neville kämpfte sich aus seiner Hose, was bedeutete, dass er Knopf und Reißverschluss aufriss und solange mit den Füßen auf das jeweils andere Bein trat, bis der Stoff ein zerknitterter Wust zu seinen Füßen war. Für die Unterhose bemühte er dann allerdings doch seine Hände. Draco lachte. „Bevor du es dir anders überlegst", erklärte Neville und kletterte nackt auf das Bett.

Dracos sah ihn verwirrt an. „Was tust du da?"

Neville blinzelte. „Ich … ähm …" Er schluckte. „… mache mich be-reit?" Die letzten Worte waren ihm so unangenehm, dass er sie mehr dachte als sagte. Sein Herz pochte so heftig gegen seine Rippen, dass es ihm die Luft abschnürte. Hatte er was falsch verstanden?

„Oh nein!", rief Draco da aus – Neville glaubte, er würde gleich jetzt hier vor Scham zerfließen. Sich einfach auflösen. „Ich werd bestimmt nicht … nein. Das machst du."

„Was?" Jetzt verstand er gar nichts mehr.

Draco schloss die Augen und verzog das Gesicht. „Ich werde nicht … oben sein."

Es dauerte einen Moment, bis Neville die Bedeutung dieser Worte verstand. „A-ber …", stammelte er.

„Nein!" Draco verschränkte die Arme vor der Brust. „Ich will meinen Schwanz nicht … da haben."

„Was?" Neville stemmte sich auf die Ellbogen.

Draco rieb sich die Stirn. Seine Lippen bewegten sich, aber es kamen keine Worte. Schließlich biss er die Zähne so fest aufeinander, dass seine Kiefermuskeln deutlich hervortraten, atmete scharf aus und sagte: „Ich hab das mit … Mädchen getan. Okay? Mit dir will ich es … anders." Ihm kroch die Röte ins Gesicht und er schloss die Augen.

Neville schluckte. Er war sich nicht ganz sicher, ob er sich jetzt freuen sollte oder nicht. Es war ihm niemals in den Sinn gekommen, dass er Draco … Es passte einfach nicht. Und irgendwie doch. So passte es. Irgendwie.

Neville setzte sich auf. Er hatte keinerlei praktische Erfahrungen, auf keiner Seite. So gesehen, kam es ihm in den Sinn, war es wohl egal. Mit irgendetwas musste er schließlich … anfangen. „Okay", beschloss er daher und rutschte wieder vom Bett. In seinem Magen kitzelte es und ein völlig überdrehtes Grinsen breitete sich auf seinem Gesicht aus. Er deutete eine Verbeugung an. „Wenn ich bitten darf …"

„Sehr witzig", grummelte Draco.

Als er an Neville vorbeigehen wollte, griff der nach seiner Hand und zog ihn an sich. Das Gefühl nackter Haut an Haut ließ ihn leise stöhnen. „Ich bin froh, dass du wieder da bist", flüsterte Neville ganz dicht an Dracos Ohr und schnappte mit den Lippen nach seinem Ohrläppchen, küsste die zarte Haut darunter.

Draco seufzte und wurde weicher in Nevilles Armen. „Ich auch." Dann löste er sich aus der Umarmung und legte sich aufs Bett.

Als Neville sich zwischen seine Beine kniete, konnte er an Dracos Hals den Puls rasen sehen. Die große Ader pulsierte so heftig, dass das wuselige Etwas in Nevilles Magen sich wieder regte. Er musste sich von Neuem dazu überwinden, die Hände auf Dracos Knie zu legen und langsam über die Oberschenkel zu fahren. Als er an seiner Brust angekommen war, hielt er inne. „Ich brauche Öl."

„Wozu …", begann Draco, dann verstand er. „Oh, ja." Er sah sich in dem winzigen Raum um, der nur das Bett und ein kleines, mit Vorhängen verschlossenes Fenster enthielt.

In dem Moment fiel etwas Hartes auf Nevilles Kopf. „Au!", schrie er überrascht auf und griff sich an die schmerzende Stelle.

„Dieser Raum ist echt unheimlich", murmelte Draco und hielt eine kleine Flasche mit einer klaren Flüssigkeit in die Höhe. Neville fühlte sich unangenehm an einen seiner Träume erinnert.

„Letztens hat das nicht funktioniert", murmelte Neville unzufrieden.

Draco zog eine Augenbraue hoch. „Mit wem brauchtest du denn letztens Öl?"

„Kein Öl. Ein Klo hätte ich gebraucht!"

„Was auch sonst?", stöhnte Draco und verdrehte die Augen. „Du solltest froh sein, dass dir das nicht auf den Kopf gefallen ist."

Nevilles Gesicht wurde warm. „Gib her", sagte er, nahm Draco das Gefäß ab und drehte den Verschluss auf. Als er etwas von dem Öl in seine Handfläche kippte, stieg ihm ein angenehmer Geruch in die Nase, den er nicht zuordnen konnte. Es war keine Pflanze, die er kannte. Er wischte den Gedanken beiseite. „Bereit?", fragte er an Draco gewandt.

„Nein", entgegnete er, „aber ich glaube, das waren die Mädchen auch nie."

„War's denn … trotzdem gut?"

Draco schürzte die Lippen. „Für mich schon."

„Gute Aussichten für mich", bemerkte Neville und fing sich dafür einen sanften Stoß mit dem Knie ein.

„Streng dich an, ja!"

Neville wurde wieder ernst. „Natürlich."

Das Öl begann durch Nevilles Finger zu sickern und tropfte vom Handrücken auf sein Knie. Rasch verrieb er es zwischen seinen Händen und holte tief Luft, bevor er sie – glitschig wie sie waren – um Dracos Glied legte und es sanft massierte.

Draco reagierte auf diese Behandlung mit einem Stöhnen und bog den Rücken durch. Mit einer Hand glitt Neville tiefer, umfasste Dracos Hoden und genoss für einen Moment das Gefühl der zarten Haut unter seinen Fingerspitzen. Und nur ein kleines Stück darunter war er. Der kleine, feste Muskelring, den er bisher nur bei sich selbst kennengelernt hatte.

Neville spürte, wie Draco sich etwas versteifte. Daraufhin kippte er noch etwas mehr Öl in seine Hände und begann, den Muskel von außen zu massieren. Mit einem Finger strich er im Kreis daran entlang und beobachtete Dracos Mienenspiel.

Zuerst war er sichtbar skeptisch und vielleicht sogar … ängstlich? Aber je länger Neville ihn massierte, desto mehr entspannte er sich und es begann ihm anscheinend zu gefallen. Jedenfalls biss Draco sich auf die Unterlippe, stöhnte leise und griff nach Nevilles Armen, hielt sich an ihm fest. Da wagte Neville sich einen Schritt weiter, presste in der Mitte gegen den Muskelring und sein Zeigefinger glitt so leicht hindurch, dass es ihn selbst überraschte.

„Scheiße!", keuchte Draco und krallte die Finger so fest in Nevilles Arme, dass es wehtat.

„Zu schnell?"

„Scheiße, nein! Hör nicht auf."

Neville biss sich auf die Unterlippe. Sein Atem ging schneller, sein Herz pochte heftig in seiner Brust. Draco so zu sehen und zu wissen, dass es sein Verdienst war, erregte ihn mehr als jede Hand an seinem Schwanz es konnte.

Langsam glitt er mit seinem Finger tiefer in Draco hinein, bis es nicht weiter ging. Dann zog er ihn zurück und Draco stöhnte so heftig, dass Neville sich darüber erschrak. Aber sein Gesicht sah nicht nach Schmerzen aus, also wiederholte er das Spielchen noch einige weitere Male.

Ohne Draco vorzuwarnen, nahm er dann einen zweiten Finger dazu. Draco keuchte überrascht, sagte aber nichts dazu. Er schien auch nicht mehr so richtig zum Sprechen in der Lage zu sein. Auf seiner Stirn standen kleine Schweißperlen, seine Hände hatten sich inzwischen in die Bettdecke gekrallt und seine Bauchdecke hob und senkte sich schnell.

Das ganze auch noch auf drei Finger auszuweiten, wollte Neville nicht gelingen. Motorisch war er nicht unbedingt ein leuchtendes Beispiel. Aber als er seine beiden Finger ein bisschen spreizte, war der Muskel locker und gab problemlos nach.

Draco schien Nevilles Proben nicht zu bemerken. Er hatte die Augen geschlossen, war komplett auf sich konzentriert und atmete durch den geöffneten Mund. Es beruhigte Neville, dass er nicht unter Beobachtung stand. Es ließ ihn sich sicherer fühlen. Und so wagte er es, etwas weiter zwischen Dracos Beine zu kriechen.

Er rieb seine Erektion mit dem Öl ein und positionierte sich dann vor Dracos Po. Als Nevilles Eichel das erste Mal gegen Dracos Anus stieß, war es wie ein kleiner Stromstoß, der in seine Lenden fuhr. Draco zuckte kurz zusammen, entspannte sich aber sofort wieder.

Langsam presste Neville sich vorwärts. Der Schließmuskel war so verdammt eng um sein Glied, dass es ihm für einen Moment den Atem raubte. Als er auf halber Strecke angekommen war, tastete Draco nach seinem Arm.

„Warte!", hauchte er. Jetzt stand doch etwas Schmerz zwischen seinen geschlossenen Augen.

Neville wimmerte und biss sich auf die Lippe. Er war sonst niemand, der angesichts seiner Erregung sämtliche Beherrschung verlor, aber jetzt nichts zu tun, war … echt hart. Er biss sich auf die Zunge, um nicht über seinen eigenen Gedanken zu kichern.

Ungeduldig beobachtete er, wie Draco mehrmals tief durchatmete, dann spürte Neville, dass er Druck um sein bestes Stück etwas nachließ.

„Okay." Dracos Stimme war kaum wiederzuerkennen, genauso wie sein Gesicht, das jegliche Härte und Selbstbeherrschung verloren hatte und zum ersten Mal überhaupt ganz und gar enthemmt wirkte.

Neville fragte sich, ob er genauso aussah, aber bevor er diesen Gedanken vertiefen konnte, schob er sich weiter vorwärts. Draco hielt ihn nicht mehr auf, bis Neville sich komplett in ihn versenkt hatte. Die Hitze und die Enge machten ihn schier wahnsinnig. Hätte er auch nur im Ansatz geahnt, dass Sex sich so anfühlte, er hätte viel eher damit begonnen.

Sich wieder zurückzuziehen, war einfach, er glitt quasi wie von alleine aus Draco heraus. Aber es fühlte sich nicht weniger atemberaubend an.

Anscheinend nicht nur für Neville, denn auch Draco stöhnte laut und langgezogen, der Gleichklang ihrer Stimmen erfüllte den winzigen Raum und schien die Wände durchzubiegen.

„Scheiße", wisperte nun Neville und stützte sich auf Dracos angewinkelten Beinen ab.

Verdammte Scheiße", stimmte Draco zu und sah mit verklärtem Blick zu ihm auf. „Mach weiter."

Und das tat Neville. Mit jedem Mal, das er sich vorwärts schob und wieder hinausgleiten ließ, wurden ihre Bewegungen flüssiger und synchroner. Draco begann, ihm im richtigen Moment entgegenzukommen und obwohl Neville schon die ganze Zeit kurz vor seinem Höhepunkt stand und immer wieder kurz an die Unterhosen seiner Oma denken musste, um nicht zu früh zu kommen, erwischte sein Orgasmus ihn so unvermittelt und so heftig, dass er den Mund aufriss und zuckte, als hätte er einen Anfall.

Er sah, wie Draco nach seiner eigenen Erektion griff, die zwischen ihnen auf seinem Bauch lag, und einige Male pumpte, dann versteifte auch er sich und der weiße Samen spritzte ihm auf die Brust.

Neville atmete schwer, so als hätte er gerade das Aufwärmtraining des Quidditchteams mit absolviert. Er glitt aus Draco heraus und ließ sich neben ihn auf das Bett plumpsen.

Ein paar Minuten lang waren sie beide zu keiner Bewegung im Stande. Dann kroch Draco über das Bett und angelte in seiner Umhangtasche nach seinem Zauberstab. Einen Reinigungszauber später zerrten sie die Bettdecke unter sich hervor und Neville war bereits im Halbschlaf, als Draco ihn in seinen Arm zog und auf die Stirn küsste.